Unsere Zeit in Benodet haben wir sehr genossen, der Ort ist wirklich wunderschön. Wir sind wieder auf dem GR34 Wanderweg gewandert, einmal nach Süden in Richtung Concarneau und am Tag zuvor über den Fluss L‘Odet und dann am Flussufer entlang. Da wir an jedem Hafen auf diesen Weg mit seiner rot- weißen Markierung stoßen, habe ich mal nachgeschaut. Der Weg führt von St. Malo bis nach St. Nazaire über 2.000 km die ganze Bretagne immer an der Küste entlang.
In Benodet hatten wir eine Gruppe Fische, die gerne zwischen Boot und Steg an der Oberfläche herum geschwommen sind und für reichlich Unterhaltung an Bord der Marisol gesorgt haben. Nobbi behauptet, dass sie nachts mit dem Schwanz gegen das Schiff geschlagen haben, als sie sich erschreckt haben. Andere Crewmitglieder wollen das einfach nicht glauben. Oder wusstet ihr, dass Fische nur in der zehnfachen Wassertiefe ihrer Körpergröße schwimmen dürfen, sonst brauchen sie ein besonderes Zertifikat?
Heute hatten wir fantastisches Segelwetter, frischer Wind von raumschots, die Sonne glitzerte auf dem Wasser, wir segelten mit sieben Knoten und eine angenehme Welle schob uns sanft voran. Nur leider war unsere Segeldistanz recht kurz, mit ab- und anlegen waren wir keine drei Stunden unterwegs. Solches Segelwetter würden wir dann gerne für die Biskaya bestellen…
Nun liegen wir hier im Yachthafen von Concarneau. Unsere etwas angetüddelten Nachbarn hatten nach der Ankunft viel Spaß mit uns. Wir sind aus Deutschland? Obwohl wir die belgische Flagge führen? Belgien und Deutschland haben (fast) die gleiche Flagge, einmal quer, einmal längs gestreift? Verrückt! Und sehr lustig! Französische Segler erkennt man nicht an ihrer Flagge, also irgendwie schon, denn die meisten Franzosen führen keine Flagge. Aber wenn dann gerne eine ganz große mit Sternen im blauen Streifen, oder lieber gleich eine bretonische oder eine europäische.
Bei einem Spaziergang durch Concarneau konnten wir alte und neue Boote bewundern, in viele kleine nette Läden gucken und uns schon mal eine Bäckerei für morgenfrüh aussuchen. In einer Conserverie haben wir Fischdosen mit Sammelmotiv gesehen, die kosten dann allerdings auch ab vier Euro das Stück. Übrigens, den „L’Amiral“ (Lieblings-Restaurant von Kommissar Dupin) gibt es wirklich am Hafen von Concarneau!
Mondfisch am Point du Raz
Nachdem wir Vorgestern einen entspannten Tag mit Spaziergang durch Treboul, lesen, Abstecher auf die Ile Tristan und mit Langustinen in Douarnenez verbracht haben, wollten wir gestern weiter ziehen.
Ein Blick in den Tidenkalender zeigte, dass wir entweder morgens früh oder abends um den Point de Raz, das ist die Enge zwischen dem Festland und der Ile de Sein, fahren könnten, der „Reeds“ empfiehlt die Passage eine Stunde vor Hochwasser Brest. Also wollten wir uns abends in eine Bucht in der Nähe des Point du Raz verlegen, die Nacht vor Anker verbringen und morgens von dort aufbrechen. Da wir Douarnenez erst nachmittags verlassen wollten, reichte die Zeit noch für einen Abstecher ins Schifffahrtsmuseum, der sich sehr gelohnt hat.
Als wir aus dem Museum kamen, schien die Sonne und bei bestem Wetter haben wir den Hafen verlassen und hatten, anders als auf der Fahrt in die Bucht, die Gelegenheit die spektakuläre Küste anzusehen. Zwischendurch haben wir einen Kringel gedreht, weil wir einen Mondfisch gesehen haben. Zwei Tage vorher hatten wir schon einmal einen Fisch gesehen, der knapp unter der Oberfläche schwimmt, dessen Flosse so weit aus dem Wasser schaut und der merkwürdig damit paddelt, hatten aber nicht umgedreht. Nachdem wir drauf gekommen sind, dass es sich um einen Mondfisch handeln könnte haben wir uns geärgert, dass uns das nun entgangen sein könnte. Gestern sind wir das Vieh nun beinahe über den Haufen gefahren, nochmal umgedreht und haben ihn uns genau angeschaut.
Die auserkorene Ankerbucht war dann doch nicht einladend, der 2 Meter hohe Schwell aus Westen lief in die Bucht und brach sich an den Felswänden, also musste Plan B in Aktion treten: Abends um den Point du Raz. Leider waren wir nun plötzlich viel zu früh und sind so langsam wir konnten auf die Durchfahrt zugefahren und dann etwas vor der empfohlenen Zeit schließlich durch. Dadurch hatten wir diesmal Gegenstrom, was aber vielleicht gar nicht so schlecht war, da auch der Wind von vorne kam, so konnten wir eine Wind-gegen-Strom-Situation vermeiden. Nach dem Kap Sizun, dessen Rundung natürlich wieder zelebriert wurde, schob uns der Strom die Küste entlang und es wurde dunkel. Der nächste Hafen, Audierne, liegt in einem Fluss, ist nur bei Hochwasser erreichbar und schien uns zu gewagt im Dunkeln, deshalb wollten wir gegenüber bei Ste. Evette ankern. Dort gibt es eine Kaimauer, die nicht nur Schutz bietet, sondern auch befeuert ist, so dass man den Platz im Dunkeln anlaufen kann. Die Einfahrt klappte problemlos, neben einer anderen Yacht fanden wir einen Platz wo wir ankern wollten, doch unser Anker hielt nicht. Zum ersten Mal nach so vielen Ankermanövern mit unserem Bügelanker rutschte der über den steinigen Grund. Da wir inzwischen festgestellt hatten, dass die Festmacherbojen, die wir zuvor nicht gefunden hatten, nur wenige Meter neben dem ausgewählte Platz lagen, beschlossen wir auf ein neues Ankermanöver zu verzichten und an eine Boje umzuziehen.
An der Boje hatten wir eine wunderbar ruhige Nacht. In der Nacht zuvor bin ich fast verrückt geworden, weil der Schwell den Platz in Douarnenez so unruhig gemacht hat und eine unserer Leinen furchtbar geknatscht hat. Auch Nobbi ist nachts an Deck gewesen, hat die Leinen verändert und dabei beobachtet, dass die Besitzer der Yacht vor uns ebenfalls mitten in der Nacht an Deck unterwegs waren.
Heute Morgen wurde erst mal ausgiebig gebadet. Zwar wird das Wasser langsam kühler, aber es ist so wunderbar klar. Unterwegs haben wir mehrfach Delfine gesehen, Delfinsichtungen sind immer etwas Besonderes. Mich muntern sich immer auf, was beim Segeln im Sonnenschein heute aber nicht nötig gewesen wäre. Zurzeit können wir hier noch eine biologische Besonderheit beobachten, macht man nachts das Licht auf der Toilette das Licht aus, kann man beim Spülen das Meeresleuchten bewundern.
Jetzt liegen wir in Benodet, im Fluss L’Odet. Unsere Ankunft passte wunderbar zur der Tide, es war gerade Niedrigwasser und so hatten wir kaum Strömung als wir uns hier einen Platz gesucht haben. Eigentlich braucht der Fluss gar keine Fahrwassertonnen, im Fluss liegen hunderte kleine und große Boote an Bojen, so dass man ohnehin nur in der Mitte fahren kann. Der Ort ist sehr hübsch, ein erster Spaziergang hat Lust auf mehr gemacht und so bleiben wir morgen hier.
Nobbi prüft fortwährend den neuen Dupin-Krimi (Bretonische Krimis, Jean-Luc Bannalec) auf Plausibilität, schließlich spielt der in Douarnenez und auf der Ile de Sein. Die Fähre von Audierne auf die Insel haben wir heute Morgen gesehen. Sollten wir jetzt nach Concarneau oder auf die Glenans segeln bewegen wir uns geographisch eher im Bereich der ersten beiden Bände …
Nach Camaret und Douarnenez – Fische und Fischdosen
Von L’Aber Wrac’h an der Nordküste in Richtung Brest geht es durch den Chenal du Four, das ist die Enge zwischen dem bretonischen Festland und Ile d‘Oussant. Das Rechnen ging also wieder los, wann losfahren, damit man da den Strom aus der richtigen Richtung hat. Wir mussten erst nachmittags aus L’Aber Wrac’h auslaufen, den Vormittag haben wir lesend verbracht, der längste Spaziergang brachte uns zum Hafenmeistergebäude und zurück, es hat den ganzen Vormittag geregnet. Nachmittags wurde es heller und wir haben im Trocknen abgelegt. Der Wetterbericht sagte NW5, das stimmte nicht, die meiste Zeit hatten wir unter 2 Bft. Als wir am Leuchtturm La Four waren begannen wir uns zu wundern, wir waren da, der Strom aber nicht, zumindest nicht aus der gewünschten Richtung. Wir hatten noch eine ganze Zeit 2 kn Gegenstrom. Aber dann kenterte der Strom und es ging ab. Mit bis zu 10 kn sind wir auf die Bucht von Brest zu gefahren. Hier haben wir auch den Point de Corsen, den westlichsten Punkt des französischen Festlands gerundet. (Wir haben gelernt, dass das quasi der westlichste Punkt Europas ist, da ist eben nur noch ein bisschen Spanien und Portugal, aber das zählt ja nicht so richtig). Wieder ein Grund zum Feiern. Kurz vor der Bucht von Brest sahen wir plötzlich eine brechende Welle, die letzten Meter waren dann etwas unruhig, da wo der Strom endet bildet sich eine steile kurze Welle, Mari wurde nochmal richtig nass, dann war es vorbei, der Strom war komplett weg und wir sind nach Camaret sur Mer gefahren, wo wir im Dunkeln einen guten Liegeplatz gefunden haben.
Den nächsten Tag haben wir mit Getüddel verbracht. Kaffee trinken im Cockpit, andere Segler beobachten, Einkaufen, Waschen, Spazieren gehen. Nachmittags gab es Crevetten mit Knoblauch-Majonaise satt und abends haben wir mit anderen Seglern, die jetzt über die Biskaya gesegelt sind, ein nettes Bier getrunken. Außerdem hatten wir Besuch von Zoll. Zu viert waren sie bei uns an Bord, wollten die Bootspapiere sehen und unsere Pässe, einer hat sich unter Deck umgesehen und wir haben ein hübsches gelbes Protokoll bekommen.
Am Samstag haben wir zuerst einen Spaziergang auf das Kap gemacht und den Blick über die Bucht von Brest und bis nach Oussant genossen. Auch hier führte wieder der GR34 Wanderweg entlang. Nachmittags wollten wir ganz gemütlich nach Brest segeln. So gemütlich war es dann doch nicht, weil wir wieder Strom von hinten hatten und viel zu schnell da waren. Wahnsinn was an einem Samstag vor Brest los ist. Jollenregatten aller Klassen, Surfkurse, Wochenendsegler, Stand up Paddler, Kanus,… und die meisten waren in der Einfahrt zum Yachthafen unterwegs.
Der Grund für unseren Umweg nach Brest war das Aquarium Oceanopolis, unser Programm für Sonntag. Fast fünf Stunden haben wir dort verbracht. Es war toll und fast leer! Häufig waren wir alleine in den Räumen, das hatten wir an einem Sonntag nicht erwartet. Es gibt einen tropischen Bereich, einen der sich dem Polarmeer widmet und einen dritten, in dem es um Fische hier vor der Tür geht. Toll was es hier alles gibt, ich überlege ernsthaft schnorcheln zu gehen. Natürlich sind die vielen Haiarten toll, die Pinguine, Robben und bunte Fische, aber besonders schön fand ich die Kaltwasseranemonen und die vielen verschiedenen Korallen in den Aquarien. Es gibt sogar ein kleines Becken mit Tieren aus 1700m Tiefe, die in einem Spezialbecken bei einem Wasserdruck von 180 bar (!) leben. Abends sind wir in eine der nächsten Buchten gesegelt und haben dort geankert. Sehr schön und sehr ruhig. Während wir in Dänemark fast immer geankert haben, war das dieses Jahr unsere erste Nacht vor Anker. Auf fast 12 m Wassertiefe bei Hochwasser (Tidenhub von 9 Metern!) lagen wir mit 40 m Kette.
Gestern Morgen haben wir erst mal in Ruhe gebadet. Das ist am Anker ja doch schöner als im Hafen. Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg nach Douarnenez gemacht. Wieder gab es eine spannende Passage, am Point de Toulinguet haben wir eine Abkürzung zwischen den Felsen hindurch genommen, eine tolle Perspektive. Leider hat es später angefangen zu nieseln und die Sicht war sehr schlecht, so dass wir das Cap de la Chevre nur im Nebel gesehen haben und sonst nur gelegentlich ein Felsen aus dem Nebel aufgetaucht ist. In Douarnenez wollten wir uns eigentlich nur beim Hafenmeister anmelden und haben dann noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Im Fischereihafen sind gerade die Kutter ausgelaufen und ein Trawler hat ein neues Netz an Bord bekommen. Das war sehr interessant und so sind wir da hängen geblieben, haben aber auf dem Rückweg 10 min vor Ladenschluss noch zwei Doradenfilets gefangen. Unser Liegeplatz hier ist sehr schön, direkt gegenüber der Ile de Tristan, doch leider etwas unruhig. Der Schwell läuft ungehindert in den Hafen und so schaukelt unsere Mari etwas. Dem Segler hinter uns ist die Vorleine gerissen, das scheint ihn jedoch nicht zu stören. Dafür grillt er im Cockpit mit Holzkohle, gut dass wir vor ihm liegen und nicht dahinter. Heute wollen wir uns Douarnenez samt Schifffahrtsmuseum genauer ansehen. Hier gibt es einen Sardinenpfad, da kann man auf den Spuren der Dosensardine durch die Stadt wandern, schließlich hat Douarnenez eine große Vergangenheit in der Geschichte der Fischdose. Wenn das nicht zu einer Crew passt, die zum Mittag am liebsten eine Fischdose isst, dann weiß ich auch nicht!
L`Aber Wrac`h
Gestern haben wir uns ein paar Meilen nach Westen verholt und sind jetzt in L`Aber Wrac`h (spricht sich Laber Wrak). Morgens wurde das Aufstehen durch fröhlich aufs Deck prasselnden Regen erschwert. Kaum waren wir auf, gewittert es auch noch. Also gefrühstückt, Gewitter abgewartet, Ölzeug angezogen und schon ging‘s los. Das Wetter war dann zunächst gar nicht so schlecht, der Regen hörte auf und die Sonne kam durch, doch während ihr in Deutschland bei hochsommerlichen Temperaturen schwitzt, sind wir in Ölzeug gesegelt, es war merklich kühler als die letzten Tage. Kurz bevor wir an unserer Tonne waren, die die Einfahrt markiert wurde es immer diesiger. Der Schwell, der auf See lang und gemütlich war, brach sich auf beiden Seiten der Einfahrt an spitzen Felsen. Kaum waren wir hinter den ersten Felsen, hatten wir keinen Seegang mehr, dafür aber auch kaum noch Sicht. Plötzlich war es nebelig, unter einer Meile Sicht. Woher wir das so genau wissen? Eine Tonne die 1 Meile hinter der letzten lag haben wir nicht gesehen. Mit elektronischer Karte und Radar haben wir den Hafen aber trotzdem gefunden. Kurz vor dem Hafen lagen zwei Dreimaster mitten im Fahrwasser, das stelle ich mir im Dunkeln spannend vor. Der Ort ist klein und jetzt in der Nachsaison sehr ruhig, hier hat der Herbst schon begonnen. Es gibt es ein traumhaftes Hotel, in dem wir sofort eingecheckt hätten, wenn wir unser Haus nicht dabei hätten. Der netteste Empfangsbereich eines Hotels, den man sich vorstellen kann, und eine Hotelbar mit plüschigen Sesseln und Panoramablick auf die Küste. Ansonsten steht hier alles im Zeichen des Wassersports, Segeltraining für Kinder und Erwachsende, Surfer, Kajaks, Kanus und Kites.
Nach einem gemütlichen Baguette-Frühstück waren wir heute einkaufen. Sind wir vor kurzem noch auf dem Nachhauseweg durch den Supermarkt gerast, ist das jetzt ein Event. Insbesondere wenn es im Ort keinen Supermarkt gibt. Wir hatten Zeit und wollten was sehen, also haben wir beschlossen nach Lannilis zu laufen. Wir sind auf dem GR34 Wanderweg (ehemaliger Patrouillenweg der Zollbeamten, denn der Reichtum der Bretagne wurde im 17. Jhd. zum großen Teil auf Schmuggel begründet), der hier die Küste entlang führt, gestartet. Der Weg war fantastisch gekennzeichnet und führte am Aber Wrac`h (so heißt der Fluss) entlang, zum Teil Weg, zum Teil Pfad, mal im Wald und mal durch Felder. Kleine Highlights waren die tollen Ausblicke aufs Meer und auf den Fluss, eine kleine Werft, durch die der Weg führte, und die Brombeeren. Auf den bretonischen Knicks zwischen den Feldern wachsen nicht wie in Norddeutschland unterschiedliche Gehölze, sondern auf der Schattenseite Farne und Brennnesseln und auf der Sonnenseite Brombeeren. Wunderbar, ich hab mich durch die Landschaft gefuttert. Als der Wanderweg über den Fluss führte mussten wir ihn leider verlassen und die Landstraße entlang nach Lannilis laufen. Den Leclerc, den wir gesucht haben, haben wir nicht gefunden, dafür einen Aldi. Beim bretonischen Aldi gab es Jakobsmuscheln und Langustinen, bretonische Kekse, eine Käseauswahl, von der Karstadt träumt, und Wein. Trotzdem, wir haben uns etwas zurück gehalten, da wir ja alles im Rucksack zurück tragen mussten. Auf dem Rückweg sind wir einem ausgeschilderten Fahrradweg gefolgt, der uns über Feldwege abseits vom Straßenverkehr auf direktem Weg zum Boot zurück gebracht hat und trotzdem noch 6 km lang war. Da überlegt man sich was man einkauft.
Auf nach Roscoff!
Um halb sieben klingelt der Wecker. Wir liegen in der Koje und betrachten fassungslos den Himmel über unserer Koje. Es ist ja stockdunkel! War es nicht die letzten Tage irgendwie früher hell? Wir hatten ausgerechnet, dass wir um sieben, kurz vor Niedrigwasser auslaufen wollen, aber im Dunkeln? Nö. Nobbi überredet sich schließlich Kaffee zu kochen. Auf dem Weg zu den Waschräumen stellen wir fest, dass wir die rote Tonne hinter dem Hafen gar nicht sehen. Nebel. Am Abend vorher hatten wir gesehen, dass für morgens 9 Grad angesagt sind, dass es zu Nebel kommt, wenn diese kalte Luft über das warme Wasser schwabbelt, weiß man ja eigentlich… Wollen wir jetzt los oder nicht? Wir trödeln ein bisschen, beschließen dass der Nebel weniger wird und legen ab. Langsam hangeln wir uns von Tonne zu Tonne. Die Sonne geht auf und die Fahrt auf dem Fluss ist wunderschön. Als wir die Mündung erreichen ist der Nebel fast verschwunden und zwei Delfine begrüßen uns. Der Tag wird richtig schön und warm und die Bekleidung wechselt langsam von Ölzeug zu kurzer Hose. Obwohl der Wind aus Südwest kommt, also ablandig ist, gibt es eine hohe Dünung aus Nordwest. Die Wellen sind manchmal bis zu 3m hoch und schön lang. Manchmal kann man, wenn man im Wellental ist, zu keiner Seite den Horizont sehen. Nachmittags kommen wir in Roscoff an, kurz vor der Ansteuerung treffen wir wieder Delfine, diesmal viele Tiere, bestimmt über 20 und eine andere Art als morgens. Sie sind viel kleiner, als die beiden bei Treguier. Abends machen wir noch einen langen Spaziergang durch den schönen Vieux Port mit den vielen Geschäften und Restaurants, essen Räuchermakrele und fallen ins Bett.
Das Leben an Bord ist lustig. Als ich feststelle, dass ich an Bord viel mehr Alkohol vertrage als an Land, erklärt Nobbi das folgendermaßen: „Der Alkohol wird an der frischen Seeluft zu Sauerstoff, CO2, Wasser und guter Laune oxidiert“. Die Biologin denkt über Redoxreaktionen nach, für Nobbi ist die Sache klar. Die Versuchsreihe zum Sturmglas läuft weiterhin, gerade sagt es, dass es kalt und stürmisch wird. Ich hoffe es irrt.

Treguier 09.09.16
Von St. Malo ging es zunächst nach St. Quay Portrieux. Eine perfekte Hafeninfrastruktur empfängt einen, der Hafen kann immer angelaufen werden und der Gästesteg ist ausgeschildert. Der engagierte Hafenmeister, nimmt die Leinen an und flitzt mit dem Schlauchboot durch den Hafen um Neuankömmlingen den Weg zu zeigen.
Die Strecke nach Roscoff ist uns mit über 60 Meilen bei Westwind zu weit. Bis dorthin gibt es wenige Häfen die für uns in Frage kommen. Deshalb beschließen wir Treguier anzulaufen, ein Ort der ein paar Meilen von der Küste entfernt an einem Fluss liegt. Der Wetterbericht sagte West 4 in Böen 5, das hatten wir auch, die erste Stunde. Dann nimmt der Wind immer weiter zu. Wir segeln zunächst im Schutz der Küste, müssen jedoch schließlich den Landschutz völlig verlassen, um ein paar kleine Felsen östlich der Inseln Brehat zu umfahren. Mittlerweile haben wir West 6. Bei Wind gegen Strom entsteht ein unangenehmer Seegang, die Höhe ist nicht das Problem, die Wellen sind kurz und steil und brechen sich. Bei der Ansteuerung der Flussmündung ist es zunächst schwierig die Tonnen zu finden, zumal das Fernglas ständig mit Gischt besprüht wurde. Als wir die erste grüne Tonne gefunden haben, ist die Einfahrt jedoch einfacher als gedacht. Laut Seekarte sollen wir zwischen zwei eng nebeneinander stehenden Felsen hindurch, in der Realität ist das Tor aber breiter als erwartet. In der Flussmündung steht der Leuchtturm La Corne, als wir ihn runden ist es plötzlich ganz ruhig. Wir fahren eine Stunde den Fluss hoch und sind begeistert, die Flusslandschaft ist wildromantisch. Vor dem Hafen Treguier, den man wegen der dort stark diagonal setzenden Strömungen nur bei „Slack Water“ (d.h. beim Wechsel von Flut und Ebbe) anlaufen soll, liegt ein Warteponton in der Flussmitte verankert. Wir machen daran fest und essen erst mal in Ruhe zu Mittag. Durch das Fernglas beobachten wir den Marina Anleger und erspähen einen freien Platz. Da wir kaum noch Strömung feststellen, wagen wir es und verholen in den Yachthafen.
Der Wetterbericht meldet für heute und morgen West 5 in Böen 6. Da wollen wir nicht gegenansegeln, das trifft sich gut, hier ist es nämlich schön. Treguier ist eine alte mittelalterliche bretonische Stadt mit einer Kathedrale, die z. T. aus dem 11. Jhd stammt und drei Türme aus verschiedenen Jahrhunderten hat. Außerdem gibt es hier 4300 Jahre alte Hinkelsteine.
Zunächst sind wir also durch die Stadt und die Umgebung spaziert und wollten dann einen Ausflug mit dem Dinghy machen. Wir beschlossen nicht „Donkey“ zu nehmen, sondern das Schlauchboot Mari-Chen aufzupusten. Zwischen dem an Deck liegendem Boot und der Cockpitscheibe wuchsen schon Algen… . Nachdem das Boot aufgepumpt und geputzt war, schnell den Außenborder dran und los. Natürlich nicht einfach so. Der Außenborder wollte nicht. Nobbi hat versucht ihn zu überreden, fleißig gezogen, die Zündkerzen geputzt, Benzin gepumpt. Nichts. Schließlich hat Nobbi ihn halb auseinander gebaut und die Vergaserdüsen gereinigt. Und dann lief er! Wir also ins Boot und den Fluss hochgetuckert. Kaum lag der Hafen hinter uns ging der Motor aus und wir sind zurück zur Mari gepaddelt. Diesmal war aber nur der Benzinschlauch abgegangen und das Problem schnell gelöst. Wir sind also wieder los und den Fluss ein Stück hochgefahren. Eine tolle Landschaft, die vielen Felsen die bei Niedrigwasser rauskommen, am Ufer Bäume und versteckte Häuser. Morgen machen wir sicherlich noch eine Tour.
Vor dem Abendessen waren wir noch einkaufen, eins unserer liebsten Hobbys. Der etwas merkwürdige Laden hatte wenig Auswahl und war ungewöhnlich teuer. Wir haben uns zurückgehalten. Morgen machen wir einen Abstecher zur Konkurrenz. Die Versorgungslage ist ansonsten hervorragend. Klar in Frankreich ernährt man sich von Baguette, Käse und Rotwein, außerdem Frischkäse von Madame LoЇk und Maronencreme. Jetzt haben wir auch noch diese kleinen Törtchen mit salzigem Karamell entdeckt und bisher haben wir auch immer leckeren Fisch bekommen, wenn wir danach gesucht haben. Auch Neptun wurde zunächst mit Calvados gehuldigt und jetzt erfolgt der Manöverschluck mit Pastis, nicht mehr mit Jubi wie zu Beginn der Reise.
Auf dem Michel
Jup. Wir waren da! Am Dienstag (6. September) haben wir einen schönen Ausflug zum Mont Saint Michel gemacht. Bei unserem Spaziergang durch St. Malo hatten wir uns überlegt, dass so ein Ausflug eine gute Idee wäre, wenn wir schon mal in der Gegend sind. Montags fährt der Bus nicht, also am Dienstag. Montags sind wir durch St. Servan gewandert und waren im Cap Hornier Museum, ein nettes kleines Museum in der Festungsanlage La Solidor.
Dienstagmorgen hätten wir fast den Bus verpasst. Eine halbe Stunde Fußweg zum Abfahrtspunkt des Busses war eingeplant, wir hatten jedoch nicht daran gedacht, dass unser Weg über die Schleuse führt. Als wir dort ankamen wurden gerade drei Yachten nach draußen geschleust, das ging schnell und wir haben den Bus noch erreicht. Die etwa eine Stunde dauernde Fahrt durch die bretonische Landschaft haben wir dann genossen. Vom Parkplatz sind wir natürlich die 3 km zum Mont Saint Michel gelaufen und haben auf die überfüllten Shuttlebusse verzichtet. Der Eingangsbereich der Anlage war natürlich touristisch sehr entwickelt und überfüllt. In der Abtei selbst war es dann bei weitem nicht so voll wie wir befürchtet hatten, und wir konnten sie ganz in Ruhe ansehen. Die beindruckenden Klosterbauten samt Kirche stapeln sich in drei Ebenen auf dem Berg und sind aus Granit von den Iles Chausey, zwischen denen wir auf dem Weg nach St. Malo hindurch gesegelt sind. Mir hat besonders der Kreuzgang mit den vielen Säulenreihen gefallen, die sich gegeneinander verschieben wenn man hin und her läuft. Und natürlich der grandiose Blick vom Berg aufs Meer.
Gibt es wirklich Leute die zum Mont Saint Michel fahren und sich diese Abtei nicht ansehen? Muss wohl so sein. Sonst wäre es in den Gassen am Fuss des Berges nicht so viel voller als in der Abtei selbst.
Wir waren rundum zufrieden mit dem Tag und sind froh, dass wir uns die Zeit für den Ausflug genommen haben.
Saint Malo
Wir sind in Saint Malo! Genauer gesagt liegen wir im Hafen gleich um die Ecke, zu Fuß brauchen wir ca 20 min in die berühmte Altstadt „Intra Muros“. Am Samstag sind wir hier angekommen. Die Überfahrt von Jersey war wieder sehr schön und die Einfahrt nach Saint Malo beeindruckend. Es ist leicht sich vorzustellen, dass Saint Malo einmal ein berüchtigtes Piratennest war und viele Schiffe beim Versuch die Stadt einzunehmen aufgelaufen sind. Vor der Stadt, die an der Mündung des Flusses Rance liegt, gibt es unzählige Felsen und kleine Inseln, von denen viele nur bei Ebbe sichtbar werden. Der Tidenhub beträgt über 10 m, d.h. Pfähle die bei Hochwasser 2m aus dem Wasser gucken, ragen bei Niedrigwasser 12m neben einem auf. Die „Condor Rapide“, eine Katamaranfähre, werden wir nicht so richtig los. Wir haben sie schon auf Guernsey gesehen, in Jersey ist sie direkt nach uns ausgelaufen und als wir hier ankamen war sie schon wieder da. Diese Fähren laufen über 35 Knoten und sind deshalb bei Seglern unbeliebt, kaum sieht man sie, sind sie auch schon da. Hier ist der Fährhafen direkt neben der Einfahrt zum Yachthafen und wir hatten schon befürchtet, dass sie uns beim Einlaufen entgegenkommt. Unser Liegeplatz ist etwas belebt, zum einen haben wir hier zumindest bei Wasserstand oberhalb des Hafensülls (damit sind hier viele Häfen bei Niedrigwasser gegen leerlaufen geschützt) permanent etwas Schwell, unser Zuhause schaukelt also fortwährend, zum anderen kennen wir den Fährfahrplan schon ziemlich genau, neben der schnellen Katamaranfähre kommt noch eine große Fähre die „Bretagne“.
Gestern hatten wir Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang durch „Intra Muros“, den Teil Saint Malos innerhalb der gigantischen Festungsanlagen. Da nachmittags Niedrigwasser war konnten wir auch zu den vorgelagerten Forts laufen, die bei Flut von Hochwasser umgeben sind. Leider war es ziemlich bewölkt, so sind unsere Fotos etwas grau geraten. Die Stadt ist wirklich toll und man kann auf den Befestigungsmauern, die so breit sind, dass darin Garagen und Restaurants untergebracht sind, um die ganze Stadt laufen. An drei Seiten ist die Stadt vom Meer umgeben, an der vierten von den Hafenbecken, mit anderen Worten die Aussicht ist in alle Richtungen gigantisch.
Aber auch um den Yachthafen herum in Saint Servan ist es sehr schön, da wollen wir heute das Cap Hornier Museum besuchen. Interessant sind die Badebecken auf dem Strand. Bei Hochwasser werden sie überflutet und bei ablaufendem Wasser sorgt eine Mauer dafür, dass genügend Wasser im Becken bleibt.
Auch der Haushalt darf nicht zu kurz kommen. Da es hier eine Waschmaschine gibt, die man einfach mit Euros bezahlen kann, wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Kaum hing die Wäsche an Deck fing es an zu nieseln, also alles wieder abgehängt und den Salon dekoriert. Die Bewegungsfreiheit unter Deck ist eingeschränkt, aber durch den Schwell ist die Wäsche ständig in Bewegung und wird wohl trotzdem gut trocknen.
Auch sonst bleibt das Hafenleben interessant. Hier im Hafen ist eine Frau unterwegs, die jemanden sucht, der sie mit nach England nimmt. Dieser Tage sollte man sich gut überlegen, wen man auf die Insel bringt, nicht dass man sich da größeren Ärger einhandelt. Unser Nachbar der gerade mit einem 50 Fuss Motorboot neben uns festgemacht hat muss wohl eine Abkürzung über ein paar Steine genommen haben und hat nun einen Taucher engagiert der sein Unterwasserschiff kontrolliert. S… happens und Steine gibt es hier wirklich genug.
Jersey
Gestern haben wir uns einen entspannten Tag auf Guernsey gegönnt. St. Peter Port ist ein nettes, unglaublich englisches Städtchen mit sehr vielen Treppenstufen. Mittags waren wir pünktlich zum traditionellen Kanonenschuss auf Cornet Castle und nachmittags sind wir etwas entlang der schönen Küste gewandert. Vorbei an sehr schönen und teuren Anwesen, durch den Wald, mit wahnsinns Ausblicken und wieder sehr viele Stufen. Guernsey mit den vielen Blumen und der freundlichen Atmosphäre hat uns sehr gefallen. Da könnte man Urlaub machen :)
Heute ging es weiter nach Jersey. Laut Strömungsatlas wäre es ideal gewesen bei Niedrigwasser aus Guernsey auszulaufen und dann mit dem Strom nach Jersey zu segeln. Jedoch mussten wir die Victoria Marina bei Hochwasser verlassen, da sie hinter einer Schwelle liegt über der nur bei Hochwasser genügend Wasser steht. Wir hatten also beschlossen nach dem Frühstück rauszufahren, uns an den Anker zu legen und auf Niedrigwasser zu warten. Als wir an unserem ausgewählten Ankerplatz ankamen, war es da sehr unruhig, so haben wir beschlossen gleich weiter zu segeln. Das war eine gute Entscheidung. Wir konnten den ganzen Weg nach Jersey segeln und haben die Hydrovane, unsere Windsteueranlage, steuern lassen. Ganz toll. Eingestellt und fertig. Wir hätten sie gerne heute gleich getauft. Wir haben aber noch keinen passenden Namen. Vorschläge werden gerne entgegengenommen! Kurz vor Jersey wurden wir von einer Herde Delfine mit mehreren Delfin-Babys begrüßt. Wunderschön! Sie blieben eine halbe Stunde bei uns und sind immer wieder unter Mari hindurch getaucht.
Da wir mit Niedrigwasser in Jersey ankamen mussten wir wieder warten bevor wir in dem Hafen konnten. Der Wartesteg war schon sehr voll, also haben wir uns ins Päckchen gelegt, also längsseits von einem anderen Boot, das wiederum an einem dritten lag. Bald kam eine weitere Yacht und hat an uns festgemacht. Nun wollte das zweite Boot doch wieder raus. Und kurz darauf auch die ganz innen … So haben wir fast die ganze Wartezeit umparken gespielt. Nach dem Anmelden im Hafenbüro (mit 3 Angestellten!) und Abendessen blieb für St Helier nur ein Spaziergang im Dunkeln. Ein schöner Ort, in dem Freitags Abend richtig was los ist. Restaurants, Bars und Pubs, Mädels im Abendkleid und Türsteher. Volles Programm. Leider hat uns ein Regenschauer zu schnell zurück an Bord gedrängt.
Guernsey!
Montagnachmittag sind wir aus Le Havre ausgelaufen und haben uns auf den Weg nach Cherbourg gemacht. Vor Le Havre war so viel Schiffsverkehr, dass wir leider gar nicht mitbekommen haben, als wir über den Null-Meridian gesegelt sind. Wir sind jetzt also im Westen.
Wir sind nachmittags ausgelaufen, hatten dann zunächst Gegenstrom und wurden später von der Tide ums Cap Levi in Richtung Cherbourg geschoben. Es ist schon etwas unheimlich wenn man mit 10 kn und 30 Grad Abdrift durch die Nacht rauscht. Mal wieder fehlte eine wichtige Tonne, die wurde eingezogen, haben wir an einem Aushang in Cherbourg gelesen. Außerdem fehlte der wichtigste Leuchtturm in unseren Navionics Karten. Das Leuchtfeuer von Barfleur ist ein 77 m hoher Leuchtturm mit einer Tragweite von 24 Seemeilen und hat uns die ganze Nacht begleitet. Das Einlaufen nach Cherbourg mitten in der Nacht war wieder aufregend, das Hafengebiet ist groß, es gibt einen Fähr- und Handelshafen und größere Teile des Hafens gehören der Marine und sind für Yachten gesperrt. Die Besucherstege waren nicht sehr voll, so haben wir schnell einen Platz gefunden und haben schließlich um halb vier festgemacht.
Heute sollte es nun weiter gehen auf die Kanalinseln, genauer gesagt nach Guernsey. Während man auf der Ostsee in den meisten Fällen einfach lossegelt, wenn man mit dem Frühstück fertig ist, war für diesen Abschnitt ein wenig Planung nötig. Zwischen Alderney und dem Cap de la Hague liegt das Alderney Race. Die Strömungen hier sind berüchtigt, ebenso wie die umliegenden Felsen. In Cherbourg haben wir eine Schweizer Yacht kennengelernt, die an dieser Ecke vor einer Woche ihren Mast verloren hat. Man möchte bei slack water, also bei Stillwasser, am Cap sein, um dann mit einsetzendem Strom nach Südwesten geschoben zu werden. Die Strömungskarten beziehen sich aufs Hochwasser in Dover, also muss man raussuchen wann Dover Hochwasser hat, dann weiß man, wann man am Cap sein muss. Wenn man jetzt rückwärts rechnet, weiß man wann man auslaufen will und wenn man aufgepasst hat, hat man das Ganze auch noch in MESZ umgerechnet. Das Wetter war sonnig und die Landschaft am Cap im Fernglas sehr schön, nur die Atommüllaufbereitungsanlage stört das Auge ein wenig. Es hat perfekt funktioniert, wir sind mit neun Knoten ums Cap gerauscht, dann wurde der Strom geringer, um uns etwas später Richtung Guernsey zu schieben. Kurz vor Guernsey wurde es nochmal spannend, im kleinen Rüssel, der Durchfahrt zwischen Herm und Guernsey wurden wir fast 10 Kn schnell und damit viel zu früh in St. Peter Port. Kurz hinter den gewaltigen Molenköpfen wurden wir schon von einem Marinabediensteten im Schlauchboot empfangen, der uns fragte wo wir liegen und wie lange wir bleiben möchten und dabei die Einklarierungsformulare im Plastikbeutel zu uns an Bord warf. Die Kreditkarte für die Hafengebühren konnte er natürlich auch nebenbei entgegennehmen und online mit seinem Tablet sofort abbuchen. Perfekt – so macht man Kunden glücklich, zumal wir damit bereits alle Zugang-Codes inklusive WIFI erhielten. Da wir kurz nach Niedrigwasser ankamen, konnten wir noch nicht in die Marina einlaufen. Die Häfen sind hier oft gegen „leerlaufen“ durch eine Schwelle geschützt, also haben wir am waiting pontoon festgemacht und die Zeit genutzt, um in der Sonne im Cockpit sitzend Mittag zu essen. Interessiert haben wir dabei das Treiben um uns herum betrachtet, vor allem das Einlaufmanöver der riesigen Fähre, die sich gefährlich zwischen die Ankerlieger drängend rückwärts drehend an die Mole bewegte. Als das auflaufende Wasser in 2 Stunden fast 3 Meter ! gestiegen war konnten wir uns in den Hafen verlegen. Tidenhub in St. Peter Port war heute nämlich 7,2 Meter!
Wir sind jetzt aus der EU ausgereist und mussten also hier einklarieren. Nobbi hat unser Zollformular ausgefüllt und in einen gelben Briefkasten geworfen. Die Kanalinseln gehören zwar zu Großbritannien, aber nicht zur EU (England ja bald auch nicht mehr). Hier gilt die Englische Zeit, also eine Stunde zurück, das britische Pfund (hier gibt es zwar ein Inselpfund, aber es kann auch mit dem Britischen bezahlt werden) und die Autos fahren auf der falschen Seite. Morgen schauen wir uns die Insel genauer an, heute hat es nur noch für einen Spaziergang durch die Altstadt und um den Hafen gereicht.









