Endlich! Eine Freundin für Cai Piranha
Fisch-Curry
Man macht sich ja doch Gedanken was wohl unter dem Boot los ist…
Nazaré: Liebe auf den zweiten Blick
Zunächst waren wir alles andere als begeistert von Nazaré. Als wir dort ankamen, war der Steg moosgrün und voll belegt mit Möwen. Die Gegend um den Steg erschien uns verlassen und wenig einladend. Auf den zweiten Blick haben wir Nazaré richtig lieb gewonnen. Im Marinagebäude ist eine Kreuzung aus Mini-Supermarkt und Bar. Dort trifft man sich. Von morgens bis abends ist dort Betrieb. So wurden auch wir zu Stammkunden. Nach dem zweiten Tag wird man mit Handschlag begrüßt, morgens gibt es frisches Brot, nachmittags kann man mit seinem Bier in der Sonne sitzen. Das Marinagebäude ist ein wenig herunter gekommen, man sollte eine Taschenlampe mitnehmen, damit man den Lichtschalter findet, der sich nicht in der Nähe der Tür befindet. Doch die Duschen sind sauber und heiß. Der Ort Nazaré ist schön, weiße Gebäude mit roten Dächern, die unten am Strand oder aber oben auf den Klippen stehen. Weil der Ort bei Surfern so beliebt ist, ist immer noch Saison und alle Restaurants und Andenkenläden sind geöffnet.
Wir haben drei schöne Tage in Nazaré verbracht. Wir waren einkaufen, haben unsere Dieselkanister gefüllt, in einer Bar am Strand gegessen, das Boot ausgiebig geschrubbt, ein paar Kleinigkeiten repariert, Lebensmittel sortiert und lustige Abende mit Armin von der Kairos verbracht. Natürlich waren wir auch auf den Klippen, also im dem Teil Nazarés, der oben liegt, nicht unten am Strand. Normalerweise gibt es eine Bahn dorthinauf, die wird aber gerade repariert. Also mussten wir laufen. Gut für die Fitness. Die Aussicht ist wirklich toll, wir waren am Leuchtturm und haben den Blick auf den Surferstrand im Norden genossen. Mehrmals im Jahr findet hier das Big Wave Nazaré Challenge mit den höchsten Surf-Wellen statt. Im Süden konnten wir bis zum nächsten Kap schauen, um das wir heute gefahren sind.
Heute ging es weiter nach Peniche. Der Wetterbericht hatte 4 bis 5 Windstärken aus Nord versprochen und wir freuten uns auf einen schnellen Segeltag. Daraus wurde leider nichts. Der Wind war schwach, doch der Schwell deutlich höher als die Tage zuvor. Das Schiff wurde also in Wellen, die zum Teil 2 bis 3 m hoch waren, hin und her geschüttelt und unser Großsegel knallte immer hin und her. Wir hatten Angst um unser Segel und haben schließlich das 2. Reff reingebunden, dann hat das Segel nicht mehr geschlagen und wir sind nach Peniche motort. Kurz vor dem Hafen hatten wir dann doch noch mal richtig Wind und einen Schauer beim Anlegen. Der wäre nicht nötig gewesen. Peniche ist auf den ersten Blick ganz nett. Wir haben im Schnelldurchgang den Ort samt Kirche und Festungsanlage besichtigt. Außerdem wissen wir bereits wo Supermarkt und Waschsalon sind, um sich im Hafen anzumelden mussten wir um den ganzen Hafen laufen und uns an der Einfahrt zum Fischereihafen melden, deshalb sind wir jetzt gut informiert.
Ob wir morgen hierbleiben und Waschsalon (von den netten Franzosen, die morgen nach Madeira auslaufen, haben wir bereits einen Gutschein geschenkt bekommen) und Supermarkt besuchen, oder ob wir weiterfahren, müssen wir noch entscheiden.
Entlang Portugals Küste
Aus Porto sind wir zu Sonnenaufgang ausgelaufen. Der Sicherheitsdienst war instruiert worden und tauschte unseren Schlüssel gegen Pfand. Schon mittags kamen wir in Aveiro an und bei der Einfahrt wurde uns klar, weshalb dieser Hafen einer der ersten ist der gesperrt wird. Mit 10 Knoten schossen wir durch die Einfahrt, 5 Knoten Strom schoben uns in die Lagune. Gegen den Strom hätten wir keine Chance gehabt. Der Ankerplatz wirkte merkwürdig, aber wir hatten dort einen sehr schönen Nachmittag. Auf der einen Seite der Einfahrt liegt der Handelshafen, in dem sechs Schiffe lagen, auf der anderen Seite liegt ein gepflegter militärischer Flieger-Stützpunkt und daneben ein kleiner Ort. Aveiro selbst soll hübsch sein mit 3 Kanälen angeblich vergleichbar mit denen in Venedig, doch wir haben einen wunderbaren Nachmittag im Cockpit verbracht, gelesen, die Sonne genossen und gebadet. Abends gab es Pizza, sie war nicht perfekt, aber doch viel besser als die Brötchen neulich, die nur noch an die Möwen verfüttert werden konnten.
Nach einer ruhigen Nacht am Anker ging es weiter nach Figueira da Foz. In Figueira haben wir einen Ruhetag eingelegt, schließlich war gestern Feiertag (Allerheiligen) in Portugal. Wir haben Waden und Füße bei einem ausgiebigen Strandspaziergang trainiert, Surfern in den Brandungswellen zugeguckt und eine Pause in einem kleinen Restaurant am Strand eingelegt. Figueira hat uns ganz gut gefallen, es ist hübsch und gepflegt.
Heute standen 35 Meilen nach Nazaré auf dem Programm. Der Ort ist bekannt für seine beeindruckenden Wellen. Die höchste Welle, die weltweit je gesurft wurde, brach sich hier am Strand. Der Grund für diese besonderen Wellen liegt in der besonderen Topographie. Bei Nazaré gibt es eine tiefe Unterwasserschlucht, 15 Meilen vor Nazaré ist diese Schlucht noch 1000 m tief und 1 Meile vor dem Strand noch 130 m. Diese Schlucht ist sehr schmal, dort wo sie 1000 tief ist, ist sie vielleicht 4 Meilen breit, außenrum ist es 150 m tief. Irgendwie überlagern sich die Wellen die direkt auf den Strand laufen, die die durch die Schlucht abgelenkt werden und die zurückkommenden Wellen und türmen sich so am „Pontal da Nazaré“ zu diesen Wahnsinnswellen auf.
Trotz der Surferwelle hat Nazaré einen Hafen der als sicher gilt und bei jeden Wetter anzulaufen sein soll. Die Marina mit dem benachbarten Fischereihafen hat bessere Tage gesehen und wird von abertausenden von Möwen bewohnt. Zu dem Ort, der ganz nett sein soll und den wir uns eigentlich noch ansehen wollten, haben wir es heute Abend nicht mehr geschafft. Erst haben uns die netten Australier zu einem Drink auf ihre Amel 55 „Little Fish“ eingeladen und nach dem Abendessen beobachteten wir wie Armin in den Hafen einlief und halfen ihm beim Festmachen.
Die letzten Tage mit dem wenigen Wind passten ganz gut zu den schwierigen Einfahrten und wir haben die Sonne sehr genossen, wir würden jetzt aber ganz gerne mal wieder richtig schön segeln. Und tatsächlich sieht es so aus als würden wir bald Segelwind bekommen.
Porto
Viana do Castelo hat uns so gut gefallen, dass wir noch einen Tag geblieben sind. Der Haushalt macht sich auch an Bord nicht von allein, wir haben Wäsche gewaschen, waren einkaufen, unsere Kurzwellenantenne wurde neu am Achterstag befestigt und der Motor bekam auch Streicheleinheiten.
Nachmittags haben wir die „Gil Eannes“ besichtigt. Das 1955 gebaute Hospitalschiff hat die Kabeljaufischer vor Grönland unterstützt und war bis 1984 im Einsatz. Mir war nicht klar, dass die Fischer von ihrem Mutterschiff in Ruderbooten (!) ausgesetzt wurden und den Kabeljau geangelt haben. Kein Wunder, dass es da Arbeit für eine Krankenstation mit richtigem OP gab. Mein Kapitän hat ganz verträumt Brücke und Maschineraum inspiziert und wäre am liebsten gleich in See gestochen.
Gestern ging es weiter nach Porto. Zunächst hatten wir noch etwas Wind, aber die meiste Zeit war das Wasser so glatt, dass sich die Wolken gespiegelt haben. Es gibt eine Marina im Handelshafen von Leixoes, 5 Meilen vor Porto, doch da das Wetter so ruhig war haben wir uns entschlossen direkt weiter in die Douro-Marina von Porto zufahren. Leixoes sah mit seinem Ölhafen, Raffinerien, Container- und Kreuzfahrerpiers auch nicht so einladend aus. Die Einfahrt nach Porto in den Fluss Douro gilt als nicht ganz einfach, da sie nicht nur ungeschützt ist, sondern der Fluss auch ziemlich flach ist. In der Einfahrt auf der Barre vom Douro liegt ein Wrack der „Inga“, wenn das kein Zeichen ist. Der Empfang war wieder ausgesprochen nett, neben Sightseeingtipps, Stadtplänen und Restaurantempfehlungen gibt es auch Brötchen zum Frühstück, die direkt ins Cockpit geliefert werden. Ein netter Service. Abends waren wir in der Nähe des Hafens Fischessen und haben einen lustigen Abend mit zwei Australiern verbracht, die gerade ihr nagelneues Schiff in Frankreich in der Werft abgeholt haben. Die beiden sind zufällig an unserem Tisch gelandet und so hatten wir ganz unverhofft einen sehr geselligen Abend mit Unmengen gegrilltem Fisch.
In der Nähe des Hafens ist ein öffentliches Waschhaus, wo die Frauen ihre Wäsche mit der Hand waschen und dann auf einem Platz zum Trocknen aufhängen. Da habe ich mich gleich ganz privilegiert gefühlt als ich unsere Bettwäsche heute Morgen nicht nur in der Waschmaschine versenkt, sondern hinterher auch noch in den Trockner gestopft habe.
Heute stand Sightseeing auf dem Programm. Zu Fuss haben wir eine gute halbe Stunde nach Porto in die Altstadt gebraucht und dann die touristischen Highlights abgeklappert, die Brücke, die verschiedenen Kirchen (inklusive Hochzeit), den Bahnhof mit der gekachelten Bahnhofshalle und all die kleinen Gassen. Insgesamt hat Porto doch einen etwas verblichenen Charme, der Anteil baufälliger Häuser ist erschreckend hoch. Von weitem sieht die Stadt ganz wunderbar aus, ist man aber in den Straßen unterwegs erschreckt die Ruinendichte und der Anteil von bewohnten Häusern, deren Dächer mit Sicherheit nicht dicht sind. Nobbi hat es geschafft mich in eine Seilbahn zu bewegen, ich muss sagen es war gar nicht so schlimm und so haben wir uns wenigstens einen der vielen Aufstiege gespart. Auf dem Rückweg ging es noch durchs Portweinviertel und dann zurück an Bord. Die Marina liegt quasi in der Einflugschneise des Flughafens Porto, was andere vielleicht als Nachteil werten, obwohl es nicht laut ist, macht Nobbi glücklich. Wer hätte gedacht, dass SAS mit B737-600 herfliegt?
Wir haben unglaublich gutes Wetter, die letzten Tage immer um 25 Grad, und genießen den verlängerten Sommer. Es wird noch immer gebadet, das Wasser in den Flüssen ist sogar noch wärmer als das des Atlantiks.
Bom dia Portugal!
Ja! Wir sind in Portugal. Aber der Reihe nach. Vigo haben wir in vollen Zügen genossen, die Stadt hat es uns angetan. Wir haben nochmal wunderbar gegessen, einen tollen Park über der Stadt erkundet und die Häuser angeguckt, die in unserem Architekturführer erwähnt wurden. Interessant ist ja aber auch das normale Leben. Nobbi war beim Frisör und so hatten wir Gelegenheit Cosmopolitan, Hola und Cuore, also Klatschzeitschriften, zu lesen. Da macht es auch nichts wenn das Spanisch nicht so doll ist. Schade, dass ich die älteren Damen morgens unter der Dusche im Schwimmbad nicht verstanden habe, da wären bessere Sprachkenntnisse wertvoll. Unseren letzten Abend haben wir mit Rotwein und Tapas auf dem trubeligen Marktplatz verbracht. Ein wunderbarer Ort zum Leute beobachten. Kniestrümpfe sind gerade sehr angesagt, und das nicht nur zum Faltenrock der Schuluniform.
Gestern sind haben wir nur die 10 Meilen von Vigo nach Baiona zurückgelegt. In Baiona hat man die Wahl zwischen Marina und Yacht Club, wir entschieden uns für letzteres. Eigentlich wollten wir Wäsche waschen, doch das kostete 12,50 Euro, bisheriger Rekord, das fanden wir zu teuer. Beim Reinfahren hatten wir die Kairos gesichtet und freuen uns über ein Wiedersehen mit Armin und das Kennenlernen seiner Frau Carola. Wir besuchen die beiden, schnacken auf dem Steg und beschließen den Abend gemeinsam zu verbringen. Unser Schweinefilet musste also im Kühlschrank ausharren, dafür haben wir mit leckeren Tapas sehr nett Abschied von Spanien gefeiert.
Obwohl Baiona einen schönen Eindruck hinterlassen hat, zog es uns heute weiter nach Süden, über die Grenze nach Portugal, nach Viana do Castelo. Der Tag war wunderbar sonnig und wir konnten sogar einige Zeit segeln. Zurzeit haben wir sehr schwache Winde aus Nord und Ost, was uns aber nicht besonders stört, da das Wetter sehr schön ist. Die portugiesische Küste ist ein wenig berüchtigt, es gibt keine geschützten Buchten wie in Galizien, die Häfen liegen häufig in Flussmündungen, die durch eine Mole gegen den Schwell des Atlantiks geschützt sind. Bei hohem Schwell ist das Passieren der Barre gefährlich und einige Häfen werden geschlossen. Und bevor wir bei viel Wind nicht wissen, ob wir sicher in den Hafen gelangen, genießen wir doch lieber das schöne Wetter bei wenig Wind und freuen uns über jede Meile die wir segeln können. Unterwegs haben wir wieder einen Mondfisch gesehen, erst dachten wir er wäre tot, doch dann hat er uns mit der Flosse gewinkt.
Beim Anmelden im Hafen hat der Hafenmeister uns nicht nur einen Stadtplan gegeben, sondern uns auch Bilder der Stadt im Internet gezeigt und uns empfohlen uns zu beeilen, so lange die Kirche noch geöffnet ist. Also haben wir wieder keine Wäsche gewaschen, sondern uns lieber die berühmte Kirche (Santa Casa da Misericordia) angeschaut, die wirklich sehenswert ist. Die Wände sind fast komplett mit blau weißen Fliesen bedeckt die Bibelszenen zeigen und die Deckenmalereien sind frisch restauriert. Hinterher sind wir durch die schöne und anscheinend recht wohlhabende Stadt spaziert und haben noch einen Abstecher zu einem alten Hospitalschiff gemacht, das im Fischereihafen liegt. Leider konnten wir es nicht mehr besichtigen, das wäre sicherlich auch interessant gewesen.
Wir haben die Uhr heute eine Stunde zurück gestellt, der Tag ist also eine Stunde länger und das erklärt auch warum ich so müde bin!
Vigo
Gestern Vormittag wollten wir einen Strandspaziergang machen, bevor wir die Bucht verlassen. Fix in „Donkey“ unser Banana Boot geklettert, noch ein paar Fotos von Mari in der Sonne vor dem weißen Strand gemacht und dann ging es Richtung Strand. Ich saß vorne, Nobbi ruderte. Wir stellten Überlegungen an, wie stabil Donkey wohl ist und ob wir mal eine Kenterübung machen sollten. Gerade als ich sagte „wir sind gleich da, du kannst mir ja dann die Wellen ansagen“ sah ich im Augenwinkel eine besonders große Welle heranrollen. Diese Welle hat uns in Richtung Strand geschoben und in der Brandung sind wir quergeschlagen. Soviel zum Thema Kenterübung. Nun waren wir am Strand, Donkey voll Wasser, Nobbi ziemlich und ich komplett nass. Wir haben Donkey ausgeleert, ein Stück den Strand hochgezogen und unsere Klamotten zum Trocknen aufgehängt. Praktisch, wenn der Strand an dem man klatschnass ankommt anscheinend ein FKK-Strand (witzigerweise in Spanisch „Playa Aleman“ genannt) ist. Zum Glück war unsere Kamera in einem wasserdichten Beutel!
Nach einem sehr schönen Strandspaziergang in angepasster „Kleidung“, d.h. wir wurden in der Sonne sehr schnell getrocknet, stellte sich uns langsam die Frage wie wir nun zurück zum Schiff kommen. Wir sind mit Donkey zwischen uns in Position gegangen und haben die Brandung (immerhin liegt die Bucht direkt am Atlantik) beobachtet und als sie nicht so stark schien haben wir das Boot geschnappt, sind schnell ins Wasser, ich bin rein gesprungen und habe begonnen zu rudern, Nobbi hat angeschoben und ist achtern reingehüft. Das ging besser als erwartet. Zurück am Boot haben wir versucht den ganzen Sand wieder loszuwerden, Donkey wieder zusammengefaltet und an der Reling verzurrt. Gleich gab es auch noch eine kleine Anpassung, wir haben ein Loch in das Brett gebohrt, das die Sitzbank stützt. Dieses Bett ist nicht gesichert und war bei unserer Kenterung weggeschwommen, nun können wir es anbinden. Eine interessante Beobachtung hat uns sehr verwirrt. Die ganze Nacht lag ein großer blauer und hell erleuchteter NYK Autotransporter vor unserer Bucht am Anker. Morgens verholte das Schiff in den Hafen als ein Containerfrachter diesen verließ. Soweit alles ganz logisch, nur kam der NYK Frachter nach einer Stunde wieder zurück aus dem Hafen und 2 Stunden später kehrte er zurück. Großes Rätselraten, bis wir später beim Näherkommen feststellen mussten, dass es sich um 3 baugleiche Schiffe handelte und wir 2 davon im Hafen von Vigo liegen sahen. Ein Telefonat mit Otti klärte uns später auf, dass NYK eine ganze Serie dieser 200m langen Schiffe im Betrieb hat. Wir hatten den Hafen von Vigo jedenfalls nicht so groß eingeschätzt.
Nachmittags haben wir selbst nach Vigo in den Hafen verholt und liegen nun im Real Club Nautico Vigo. Die Einfahrt in den Hafen war durch ein Kreuzfahrtschiff verdeckt und ist sehr schmal, was den netten Effekt hat, dass wir hier gar keinen Schwell und einen wunderbar ruhigen Liegeplatz mitten im Stadtzentrum von Vigo haben. Direkt hinter der Kreuzfahrerpier. In 3 min in die Fussgängerzone, 100m bis zum Einkaufszentrum. Auf den ersten Blick gefällt uns Vigo sehr, viele alte, schöne Häuser, hübsche Parks und lebendige Plätze. Der Yachtclub hat auch einiges zu bieten. Im Clubhaus gibt es ein Restaurant und eine Bar, hier wird viel gesegelt, heute war Jollentraining und Regatta und das zugehörige Schwimmbad ist voll ausgelastet. Schwimmkurse für Kinder, Jugendliche pflügen im Schmetterlingsstil durchs Wasser, Synchronschwimmtraining und Wasserball. Hier ist richtig was los. Auf der Suche nach Duschen sind wir heute Morgen auch im Schwimmbad gelandet, als Besucher des Clubs dürfen wir Schwimmbad, Sauna und Fitnessstudio benutzen. Ich habe also heute mit einer Truppe 9-jähriger Schwimmprofis geduscht. Sehr kommunikativ. Dank Großstadtdschungel konnten wir heute einige Punkte unserer Einkaufsliste abhaken. Außerdem hat unser Spifall einen neuen Block im Topp bekommen, genauso wie beim Block des Großfalls waren wir wohl zu stark für den Block (bist du zu stark sind sie zu schwach, oder so). Das Fall hatte sich im Block verklemmt und wollte sich nicht mehr bewegen, das wäre aber sehr unangenehm gewesen, wenn uns das mit stehendem Blister passiert wäre, den man dann nicht mehr runter bekommt. So ist es nur ärgerlich und spricht nicht für die Qualität der Blöcke. Nach einem Spaziergang durch die Altstadt und entlang der Hafenpromenade genossen wir das leckere Abendessen an Bord mit spanischem Rotwein. Im Moment gießt es in Strömen an Deck und wir liegen mit unseren Büchern gemütlich auf den Salonsofas. Da für morgen auch schlechtes Wetter angesagt ist, bleiben wir mindestens bis Montag hier in Vigo.
Islas Cies
Nach einer ruhigen Nacht am „Playa de Silgar“ begann der Tag mal wieder mit Baden und Kaffeetrinken im Cockpit. Anscheinend gab es einen Fischschwarm unter dem Boot, auf jeden Fall kam ein Fischer immer näher an uns ran und warf sein Netz schließlich 10 m von uns entfernt aus. Sein fröhliches „Don’t worry“ beruhigte uns nicht wirklich, da er nach Durchfahren eines großen Kreises wieder zur Netzaufnahme in unsere direkte Nähe zurückkam. Nach einem gemütlichen Frühstück beschlossen wir das ruhige Wetter zu nutzen und zu den Islas Cies umzuziehen, sie liegen im Eingang es Rias Vigo und der ausgesuchte Ankerplatz auf der Ostseite der Isla del Norte lag nur 12 Meilen entfernt. An diesem traumhaften Platz haben wir die letzten beiden Tage verbracht. Die Insel besteht auf zwei ziemlich hohen, felsigen, bewaldeten Bergen und dazwischen liegt eine Lagune. Zur Ostseite ist die Lagune durch einen weißen Strand vom Meer getrennt und dort haben wir geankert. Außer uns waren nur noch 3 andere Yachten dort. Angeblich soll es der schönste Strand Europas sein, soweit würde ich vielleicht nicht gehen, auf jeden Fall ist es sehr schön dort. Die Insel gehört zum Naturschutzgebiet „Islas Atlanticas“ für das wir uns vorab eine behördliche Ankererlaubnis besorgt hatten und wird erster Linie von einer großen Möwenkolonie bevölkert, außerdem haben wir Eidechsen, viele Fische in der Lagune und eine fette Ratte gesehen. Zum ersten Mal haben wir Donkey (unser Bananaboot) an Deck auseinander gefaltet, das ging überraschend gut und sehr flott. Gestern haben wir zunächst barfuß den Strand, den Anleger und den Weg um die Lagune erkundet, heute haben wir dann unsere Crocs mitgenommen und sind auf einen der Berge gelaufen. Für die nächste Wanderung würden wir vielleicht doch richtige Schuhe anstelle der (Wander-) Crocs einplanen. Der Ausblick war toll. Von oben konnten wir nicht nur unser kleines Beiboot auf dem großen leeren Strand sehen, sondern auch die Brandung auf der Westseite, wo der Atlantikschwell ungehindert auf die Felsen donnert. Die Größe des Anlegers, die Wegweiser und der Campingplatz deuten darauf hin, dass es hier im Sommer nicht so leer ist. Gestern haben wir auf der Insel zwei Wanderer getroffen, heute niemanden. Es hat Vorteile, wenn man außerhalb der Saison unterwegs ist.
Das Meeresleuten ist im Moment gerade sehr intensiv, gestern Abend fuhr ein kleiner Fischer durch die Bucht und warf sein Netz aus, die Kugeln an seinem Netz konnte man durch die Fluoreszenz unter Wasser verfolgen. Hinter seinem Boot sah man ca. 15 grün leuchtende Kugeln durchs Wasser ziehen. Magisch. Fischen ist anscheinend erlaubt im Naturschutzgebiet, genauso wie tauchen. Heute Morgen war die Bucht plötzlich voll mit kleinen Booten mit Muscheltauchern. Gleichzeitig war ein Kontrollboot unterwegs, dass die gesammelten Muscheln begutachtet und aussortiert hat. Die vielen Boote haben für ordentlich Schwell gesorgt und so wurde es zeitweise recht ungemütlich, vormittags sind sie aber alle wieder verschwunden und die Bucht war wieder so leer wie zuvor.
Da der Ankerplatz leider etwas exponiert liegt und der Wind heute Nacht auf Ost drehen soll, sind wir nachmittags in eine Bucht am Festland umgezogen, wo wir nach Osten geschützt liegen und auf weniger Schwell hoffen. Ob auch hier morgens begeistert unter ankernden Seglern gefischt wird wissen wir morgenfrüh. Die Bucht wird von einem weißen Strand und einem Kiefernwald gesäumt und wir sind die einzige Yacht vor Anker. Vielleicht haben wir morgen noch Gelegenheit an Land zu paddeln. Hinter uns sehen wir die Lichter von Vigo und beobachten den Schiffsverkehr. Hier sind mehr große Schiffe unterwegs als wir erwartet hatten, neben gewöhnlichen Autofähren und Kreuzfahrtschiffen, sind hier auch jede Menge interessanter Exemplare unterwegs wie Bulkcarrier und Containerfrachter mit eigenem Ladegeschirr, große Fischtrawler und ein Kühlschiff mit eigenen Kränen. Gute Zeiten für Schiffegucker.
Ärger im Unterholz
Am Sonntag wollten wir gerade zu einer Wanderung aufbrechen, als ich beim Betten machen festgestellt habe, dass ‚irgendjemand‘ kleine gelbe Eier in unserem Vorschiff abgelegt hat, nicht viele, aber genug, auf dem Holz, auf Nobbis Pulli, meiner Handtasche und einem Wäschesack. Also haben wir erst mal gründlich geputzt.
Mit zwei Stunden Verspätung sind wir den blau grünen Wanderweg in die andere Richtung gefolgt. Der Weg führte uns die Berge hinauf, durch den Wald. Ohne die Wanderwegmakierung wären wir da sicherlich nicht hingekommen, aber es hat sich sehr gelohnt. Kiefern-Eukalyptuswald, ab und zu ein paar Eichen und wir sind immer höher den Berg hochgeschnauft. Auf dem Gipfel ging es entlang einer gerodeten Fläche, da stand keine Pflanze mehr, die höher als 30 cm ist. Dann ging es in Serpentinen entlang kleiner Mauern und blühender Heide, wieder runter und schließlich auf den nächsten Berg. Zunächst sind wir auf geschotterten Wirtschaftswegen gewandert, in zweiten Teil wurden die Wege enger, steiniger, steiler, beschwerlicher, aber auch viel interessanter. Schließlich sind wir durch lauter kleine Felder gelaufen, als Tore zwischen den Mauern dienen alte Bettfederrahmen, und durch ein hübsches Dorf. Auf jeden Hof und sei er noch so klein hat man zwei Hunde, einen kleinen und einen großen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass es sich um einen Rundwanderweg handelt und wir an der Stelle rauskommen, an der wir am Tag zuvor gestartet sind. Also haben wir an der Kapelle eine Pause gemacht, unsere Pistazien gegessen und waren nach vier Stunden wieder am Boot. Den ganzen Tag war es grau, aber wir sind trocken geblieben.
Gestern sind wir in den Ria Arousa umgezogen. Delfine haben für Unterhaltung gesorgt und die Einfahrt war Dank einiger Untiefen auch interessant. Ria Arousa sieht ganz anders aus als Ria Muros, während die Berge um Ria Muros hoch sind und recht steil zum Wasser abfallen, ist es um Ria Arousa viel flacher und er ist viel größer. Die große Anzahl Fischfarmen machte es gar nicht so einfach den ausgesuchten Ankerplatz zu erreichen. Den ganzen Tag war es grau, doch Abendessen gab es draußen in der Sonne und der Sonnenuntergang war sehr schön rosa.
Der heutige Tag begann mit dem Baden, danach Mangomüsli in der Sonne. Weil es gerade so schön war sind wir noch ein bisschen geblieben und haben die Sonne genossen. Schließlich haben wir beschlossen uns in den Ria Pontevedra zu verlegen. Wir konnten segeln und wurden von Delfinen begleitet. Nachmittags schlief der Wind ein, also mussten wir wieder motoren. Inzwischen war es wieder grau und diesig, doch die tiefhängenden Wolken und das diesige Wetter sorgten für eine märchenhafte Stimmung. Als wir heute Morgen entschieden hierher zu fahren, fanden wir, dass sich „a pleasant anchorage, Sand 3-5m“ zwischen 2 kleinen Häfen sehr gut anhört. Unter einer pleasant anchorage versteht eben jeder was anderes. Wir dachten bei „Playa de Silgar“ an eine verträumte Bucht mit Sandstrand, den gibt es hier auch, allerdings ist die Bucht flächendeckend 6-stöckig bebaut. So ist das mit den Erwartungen. Gut geschützt liegen wir hier wirklich und jetzt im Dunkeln mit der Straßenlampen und der Beleuchtung der Läden sieht es auch schön aus. Wie viele Leute uns morgen beim Baden beobachten wissen wir noch nicht, die meisten Rollläden waren zu. Überhaupt haben wir seit Hooksiel nicht mehr so viele Rollläden gesehen wie hier und in der Regel sind sie geschlossen. Im spanischen Sommer leuchtet es mir ein, dass man die Rolläden zu macht, um die Hitze draußen zu halten, aber am 18. Oktober bei 19 Grad? Da wäre ein wenig Licht am frühen Abend doch vielleicht ganz nett? Außerdem scheint es hier viele leere Ferienwohnungen zu geben und ein ganzer Häuserblock in der ersten Reihe ist zu verkaufen. Hat jemand Interesse? In den nächsten Tagen würden wir gerne an den vorgelagerten Inseln ankern, doch ob das was wird bestimmen Neptun und Rasmus.
Cabo Finisterre
Der Wetterbericht für gestern ließ sich optimistisch interpretieren und so haben wir uns ums Cabo Finisterre gewagt und liegen jetzt in Portosin, Ria Muros. Morgens sollte der Wind auf Norden und vormittags über West auf Süd drehen. Also haben wir uns den Wecker gestellt und sind nach einem schnellen Kaffee um acht, noch im Dunkeln, ausgelaufen. Schnell wurde es heller, die Kirche an der Küste durften wir nochmal vor orangenem Himmel bewundern, doch erst um 9.10 h kam die Sonne schließlich über die Berge. Zunächst hatten wir wenig Wind, dann drehte er wie vorhergesagt und kam von vorne. Doch dank schiebendem Strom kamen wir schnell voran und konnten schließlich segeln. Das Ende der Welt präsentierte sich harmlos, angeleuchtet von der Sonne. Das Segeln in der Ria war dann perfekt, 4 Windstärken und glattes Wasser, dazu Sonnenschein und wunderschöne Landschaft. Wir hatten eher mit einer ungemütlichen Fahrt bei mäßigem Wetter gerechnet, wollten aber weiter und wurden mit einem wunderschönen Tag beschenkt. Die Rias lassen einen an norwegische Fjorde denken mit ihren Kiefernwäldern, Eukalyptusbäumen und den bunten Häusern.
Im Club Nautico Portosin wurden wir sehr nett empfangen. Während die letzten Häfen ja sehr leer waren, ist dieser Hafen gut gefüllt mit einheimischen Yachten. Hier gibt es ein reges Clubleben mit Regatten und Jollentraining, in der Halle sind Jollen in Regalen gelagert und Spis hängen zum Trocknen von der Decke. Auf dem Weg zum Clubbüro beeindrucken nicht nur die Fußmatten mit Clubinitialen und der Fahrstuhl, sondern auch die gewonnen Pokale und Bilder von Olympiasiegern, die dem Club für die Unterstützung danken. Wir werden mit Prospekten über Sehenswürdigkeiten versorgt und der Stadtplan wird extra für uns kopiert. Die Duschen sind heiß und das WLAN ist schnell. Mit anderen Worten wir sind rundum zufrieden.
Nachdem wir heute dem Supermarkt einen Besuch abgestattet haben, wechseln wir den Block, der das Großfall am Mast nach achtern umlenkt. Gestern wollte das Großsegel nicht fallen, das Fall hatte sich im Block zwischen Rolle und Scheibe eingeklemmt, der Block ist hin. Anschließend wollten wir eigentlich am Strand entlang wandern, doch da ging es bald nicht weiter, deshalb sind wir dann querfeldein zur Straße gelaufen und bergauf zu einer kleinen Kapelle gewandert. Sehr hübsch und umweht von Hustenbonbongeruch von den vielen Eukalyptusbäumen. An der Kapelle sind wir auf die blau grüne Beschriftung eines Wanderweges gestoßen, die wir bereits am Yachthafen gesehen hatten, also beschlossen wir den Zeichen zu folgen. Mit Sicherheit haben wir so den längst möglichen Heimweg genommen, im Zickzack sind wir auf schmalen Pfaden zwischen mit Felssteinmauern eingefassten Gärten und Feldern bergauf und -ab gelaufen. Hinter dem Ort ist es gleich sehr ländlich und in jedem Garten wachsen Apfel-, Birnen-, Khaki-, Zitronen- und Orangenbäume. Auf kleinen Feldern steht noch der Mais und wo immer noch etwas Platz ist wachsen Melonen und Kürbisse. Wer was auf sich hält hat einen Hòrreo im Garten oder auf dem Feld, einen Speicher mit Luftschlitzen auf hohen Steinfüßen. Diese Lager für Getreide gibt es im Ganzen Nordwesten Spaniens und die ältesten sind aus dem 15. Jhd., wie wir heute gesehen haben, gibt es aber auch Neubauten. Der Ort ist klein, ruhig und hübsch. Anders als in den anderen Orten gibt es hier viele Einfamilienhäuser mit schönen Gärten und Meerblick. Man gewöhnt sich an den galizischen Charme. In allen Orten, die wir bisher kennengelernt haben gab es die eine oder andere Ruine. Erdgeschosse sind etwas unbeliebt. Oft ist das Erdgeschoss unverputzt, wirkt baufällig und steht leer, darüber ist es aber renoviert und schön. Das Schulgebäude von Portosin liegt direkt am Meer und der Schulhof grenzt an den Strand. Überhaupt gibt es hier eine Menge schöner Strände. Und Morgen? Vielleicht geht es weiter, allerdings gibt es Südwind, vielleicht bleiben wir hier…









