Makemo – Ankunft auf unserem ersten Atoll und ein rauschendes Fest

Unser letzter Abend auf See goennt uns einen Green Flash. Bei Sonnenuntergang, sehen wir den gruenen Lichtblitz, unmittelbar nachdem die Sonne im Meer versunken ist. Die Nacht ist ruhig und trocken, die Nachtwachen sind unspektakulaer und entspannt. Freitag in den fruehen Morgenstunden nimmt der Wind immer weiter ab. Schliesslich entscheiden wir uns die Maschine anzuwerfen und so dafuer zu sorgen, dass wir Makemo rechtzeitig erreichen.
Makemo ist unser erstes Atoll. Die Tuamotus sind eine Kette aus fast 80 Atollen und einigen Inseln. Wenn die Marquesas die Kleinkinder im Leben einer Insel sind, sind die Tuamotus die Greise. In der Kurzfassung sieht ein solches Inselleben so aus: Ein Vulkan bricht aus, durchbricht die Wasseroberflaeche und die Insel ist geboren. Wind, Wasser und Vegetation formen sie. Korallen besiedeln die Uferzone. Es entsteht ein Saumriff. Die Insel versinkt, es bleibt das Saumriff mit einigen Inselchen (Motus), das Atoll.
Das Riff umschliesst die Lagune und wenn wir Segler Glueck haben, gibt es einen Pass durch dieses Riff, der uns ermoeglicht in die Lagune einzufahren. Abhaengig von der Groesse der Lagune, der Breite und Tiefe des Passes, des Wetters der vergangenen Tage, des Windes und der Tide, koennen in den Paessen erhebliche Stroemungen auftreten.
Theoretisch tritt beim Kentern der Tide, also bei Flut oder Ebbe, beim Wechsel von einlaufendem zu ablaufendem Wasser (oder anders herum) Stillwasser oder Slack Time ein. Verschiedene Faktoren koennen die Slack Time verschieben oder dafuer sorgen, dass es kein Stillwasser gibt. Die einzig sichere Methode ist hinfahren und sich den Pass ansehen.
Wir sind laut Tidenkalender genau zu Hochwasser am Pass. Einige Quelle behaupten, nun muesste Stillwasser herrschen, andere prognostizieren einlaufenden Strom und eine Verschiebung der slack time um mindestens eineinhalb Stunden. Wir sehen weisse Wellen, Schaumkoepfe, kleine Strudel und das Wasser laeuft definitiv aus der Lagune heraus. Da wir wenig Wind haben, entscheiden wir es trotzdem zu versuchen, verschliessen den Niedergang mit dem Steckschott und leinen uns an. Nobbi steuert, ich navigiere. Die kleine kabbelige stehende Welle ist nicht so wild wie sie aussieht, doch die kleinen Strudel druecken Maris Nase immer wieder zur Seite, so dass wir zeitweise eher seitwaerts durch den Pass fahren. Unsere Geschwindigkeit nimmt trotz Vollgas auf 0.9 Knoten ab, wenn der Strom noch staerker setzt kehren wir um, ob wir wollen oder nicht. Das Wasser brodelt und ploetzlich ist es glatt und wir sind durch.
Vor dem kleinen Ort liegen 13 Boote, die wir fast alle kennen. Wir suchen uns einen Platz, unser Anker faellt auf 17 m Tiefe. Als erstes gehen wir Schnorcheln, ein Hai beaeugt unseren Anker und wir ihn. Wir geniessen das Schauspiel der Blautoene und den Abend im Cockpit und fallen frueh ins Bett.
Am naechsten Morgen gestaltet sich unsere Fahrt mit dem Dinghi als zeitaufwendig, weil wir natuerlich bei anderen Booten stoppen, Hallo sagen, Kaffee trinken und Geschichten austauschen. Auf Makemo steppt dieser Tage der Baer. Hier ist ein grosses Fest Heiva Ko Te Vanaga. Die Bewohner der umliegenden Atolle Raoira, Takume, Katiu und Taenga sind zu Besuch.
Unter anderem werden Wettbewerbe in unterschiedlichsten Disziplinen abgehalten. Heute finden die Finals im Basketball bei den Maennern und Petanque bei den Frauen statt. Gerade ueberlegen wir, wie wir die Wartezeit bis zur Ladenoeffnung ueberbruecken, da geraten wir in die Tanzprobe fuer den Abend. Wir beobachten wie die Choreografie den letzten Schliff bekommt. Natuerlich kommt die Musik nicht vom Band, wer gerade nicht tanzt, trommelt, singt und huetet nebenbei Kleinkinder. Uns gefallen besonders die Jungs und wir freuen uns darauf sie abends noch einmal zusehen.
Auf dem Rueckweg vom Einkaufen ist die Strasse gesperrt (mit dem nagelneuen Polizeiauto!), gerade findet ein Rennen statt. Fuer jedes Atoll tritt ein Laeufer an. Maenner laufen 2 km und tragen 30 kg, Frauen 15 kg. Traditionell werden Schalen mit Obst auf der Schulter balanciert, da es auf den Atollen kein Obst gibt, traegt man halt Palmenstaemme.
Abends finden die Tanz- und Gesangswettbewerbe in der Turnhalle, einer ueberdachte Betonflaeche, statt. Fuer jedes Atoll treten Frauen und Maenner auf. Ein Teil der Kostueme wurde erst mittags gefertigt: Huete, Roecke und Accessoires aus Palmenplaettern. Die Mischung des geballten Suedseekitsches mit der Bodenstaendigkeit des kleinen Ortes ist wunderschoen und mitreissend. Die kleinen Maedels von Makemo treten tatsaechlich im Kokosnussschalen-Bikini auf, die Palmenwedelroeckchen werden geschuettelt und geschwenkt. Wir verstehen nicht wer gewonnen hat, die Stimmung bei der Siegerehrung ist grandios, es wird ausgelassen gefeiert, die Jury tanzt bei der UEbergabe der Preise und alle scheinen sehr zufrieden mit dem Abend zu sein. Wir sind es auch.

Abschied von den Marquesas

Marisol gleitet sanft dahin, die Nacht ist sternenklar, der Halbmond leuchtet hell und malt ein silbernes Band aufs Meer. Im Mondlicht zeigt sich der Ruecken einen grossen Wales, der nach einem Blick auf Mari lautlos abtaucht. Solche magischen Momente der letzten, sehr schoenen Nacht auf See, lassen vergessen, dass die Nacht zuvor sich wenig romantisch, doch umso nasser zeigte. 25 bis 30 Knoten Wind und viele Schauer gestalteten das Leben an Bord ungemuetlich und liessen uns schlecht schlafen. Doch heute ist das Segeln schoener als in jedem Prospekt, das Meer ist tiefblau, die Wellen sind kaum hoeher als eineinhalb Meter, die Sonne scheint und kleine flauschige Woelkchen dekorieren den Himmel. So darf es bleiben.
Die letzten Tage auf den Marquesas haben wir uns mit ausgiebigen Spaziergaengen vertrieben. Wir sind der Strasse in beiden Richtungen ueber den jeweils naechsten Berg gefolgt und haben in die Nachbarbuchten geblickt. Ein weiteres Mal sind wir zum Wasserfall gelaufen um dort ein ausgiebiges Frischwasserbad zu geniessen. Vom vielen Wandern haben wir tatsaechlich einen kleinen Muskelkater bekommen, doch nun koennen sich die mueden Fuesse ein paar Tage ausruhen. Sonntagmorgen steigen wir trotz Regens frueh in unser Dinghi, beginnt doch um acht der Gottesdienst. Etwa 30 Menschen besuchen an diesem Morgen die kleine Kirche. Der katholische Gottesdienst ist kurzweilig, auch wenn wir nichts verstehen. Aufstehen, Setzen, Hinknien und zwischendurch der schoene Gesang mit Gitarrenbegleitung. Obwohl nur so wenig Menschen an diesem Morgen die kleine Kirche besuchen, entspricht der Gesang einer gut gefuellten Kirche am Weihnachtsabend in Deutschland. Leidenschaftlich und mit Inbrunst wird gesungen. Selbst die jungen Maenner, die verdeckt durch Nobbis Ruecken in Ruhe mit dem iPhone spielen, singen mit beeindruckender Hingabe.
Mittags essen wir gemeinsam mit Sympatic die am Tag zuvor bestellten Abschiedshummer. Als wir mit dem Schlauchboot zurueck zu Mari fahren begleitet uns eine fuenfkoepfige Adlerrochenfamilie, ein schoenes Abschiedskomitee. Nachmittags packen wir das Dinghi ein, bauen das Ruder der Windsteueranlage wieder an und geben die Wegpunkte fuer unsere naechste Etappe ein.
Wenn der Wind durchhaelt erreichen wir morgen Makemo, unser erstes Atoll der Tuamotus.

Ua Pou – Ausflug, Wasserfall und Schokolade

Montagmorgen haben wir einen Termin. Um acht Uhr treffen wir uns mit den Crews von drei Booten auf der Pier. Ein Ausflug steht auf dem Programm. Mit dem Auto geht es entlang der Ostküste, die wir mit dem Boot nicht besuchen können, da es die Windseite der Insel ist. Wir lernen vieles über die vulkanische Vergangenheit der Inseln, Bäume mit bunter Rinde, über die Dörfer auf Ua Pou, Missionare und Walfänger. Bei einem Besuch eines alten Festplatzes hören wir Geschichten über das Dorfleben, Menschenopfer und Beerdigungen. Unser Guide führt uns überzeugend den Schweine-Tanz vor und erklärt uns wie man Ziegen fängt. Sie werden mit Kokos angefüttert, genauer gesagt mit dem was übrig bleibt, wenn das Kokosöl aus dem Copra gepresst wurde. So kommen die Ziegen immer bereitwillig zum gleichen Platz und man muss sie dann nur noch in sein Auto stecken. Als wir zurückkehren rauchen unsere Köpfe, die ganze Tour fand auf Französisch mit gelegentlichen englischen Einsprengseln statt.
Am nächsten Tag wollen wir auf die Westseite der Insel wechseln, in die angepeilte Ankerbucht sind es nur 7 Meilen. Die Überfahrt ist kurzweilig, wir bekommen Delfinbesuch, werden von einem Schauer geduscht und rauschen mit achterlichem Wind um die Ecke. Zwischenzeitlich verschwindet die Insel komplett in den Regenwolken, so dass wir Gelegenheit haben unser Radar zu testen, doch pünktlich als wir die Bucht erreichen verschwinden die Wolken und geben die wunderschöne Kulisse frei. Der kleine Ort Hakahetau gefällt uns. Am Hafen hüten die Väter die Babys, während die Frauen Tänze einüben. Wir freuen uns über die kleine exklusiv-Vorführung, sehr anmutig!
Jeder Segler der hier ankert läuft zum Wasserfall und die meisten von dort aus weiter zu Manfred, dem Schoko-Mann. So auch wir. Mittwochmorgen regnet es, doch wir wollen trotzdem los. Gerade 100 m haben wir auf der Dorfstraße zurückgelegt, als ein Auto anhält und fragt ob wir wandern gehen wollen. Der Fahrer ist Manfred, der Schoko-Mann. Wir klettern in sein Auto und so gestaltet sich der Hinweg sehr kräftesparend. Manfred ist Deutscher und seit über 25 Jahren auf der Insel. Er hat sich ein kleines Paradies geschaffen und macht seit einigen Jahren Schokolade. Mit dieser Schokolade hat er einige Berühmtheit erlangt, nicht nur die Segler kommen zum Probieren, auch das Fernsehen war schon da. Die Kakaobohnen und alle anderen Früchte werden ökologisch angebaut und Energie wird über Wasserkraft mit selbstgebauten Generatoren erzeugt. Wir werden mit skurrilen und haarsträubenden, aber auch interessanten Geschichten unterhalten, erfahren seine Lebensgeschichte und gucken Fotos an. Seine Witze sind sehr schlecht, und waren es schon als er Deutschland vor 30 Jahren verlassen hat, seine Schokolade hingegen ist ausgezeichnet. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zu dem Wasserfall. Das Becken unter dem Wasserfall lädt zum Baden ein, das Wasser ist schön klar, kalt und tief. Wunderbar erfrischt treten wir den Rückweg an.
In der ersten Nacht waren wir hier zwei Boote, inzwischen sind wir fünf. Wir freuen uns neue Segler kennenzulernen und Freunde wiederzutreffen. Gestern hab es Kuchen bei uns, zwei nette kleine Mädchen haben Bilder für uns gemalt und das Deck geputzt, während wir mit ihren Eltern geschnackt haben.
Auf den Tuamotus weht es tüchtig, wir bleiben noch etwas hier und vielleicht darf ich noch einmal am Wasserfall baden.

Hakahau

Sonntags öffnet der Bäcker um fünf. Richtig, um fünf Uhr morgens, da ist es noch dunkel. Im Supermarkt rät man uns früh zum Bäcker zugehen, sonst sei alles ausverkauft. Wir fragen in der Bäckerei ob am Sonntag Baguettes verkauft werden. Ja, um fünf. Ich sehe mich Brötchen backen, fünf Uhr ist nicht meine Lieblingseinkaufszeit. Die nette Frau beim Bäcker bietet uns an Baguettes für uns zurückzulegen (und Schokocroissants!), wir brauchen „erst“ um halb acht kommen. Um acht schließt der Bäcker.
Wir sind inzwischen auf Ua Pou. Die Insel liegt 25 Meilen südlich von Nuku Hiva und ist die südlichste der nördlichen Marquesas. Die Überfahrt hat Spaß gemacht, schönstes Am-Wind-Segeln.
Der Tag begann bereits hervorragend, bzw mantastisch. Als Nobbi sein Morgenbad nahm, bekam der Gesellschaft. Der neugierige Manta umkreiste Mari, bis wir den Ankerplatz verlassen haben. Delfine begleiten uns als wir Nuku Hiva verlassen und empfangen uns in Ua Pou. Segeln kann so schön sein.
Der Ankerplatz in Hakahau ist recht beengt. Wir sind das fünfte Boot und finden einen Platz. Eine Mole schützt die nach Norden offene Bucht, die Plätze im Schutz der Mole sind begehrt. Der Platz ist besonders knapp, weil Aranui, das Versorgungsschiff, kommt. So klein Aranui in der weiten Bucht von Taiohae drei Tage zuvor aussah, so groß wirkt sie hier in Hakahau. Wir wachen auf, als sie sich morgens um sechs langsam in den Hafen schiebt. Die Mole ist deutlich kürzer als das Schiff, doch das macht nichts. Der vordere Teil, dort wo Aranui ein Frachter ist liegt an der Pier, der hintere Teil, den die Passagiere bewohnen, ragt ins Hafenbecken. Wir freuen uns am Hafenkino. Container und Kisten werden entladen, die Passagiere treten ihren Ausflug an, eine Wandergruppe setzt sich in Bewegung, Säcke werden mit dem Gabelstapler auf die Pickups verteilt, ein Tankwagen wird viermal mit Dieselöl gefüllt und fährt rückwärts (!!) den Berg hinauf zum Kraftwerk, die Spätaufsteher unter den Passagieren verlassen das Schiff, eine Holzkiste wird verladen, Obst geht aufs Schiff, die ersten Passagiere kommen zurück, die Leercontainer werden verladen, einige Passagiere gehen nur in ein Handtuch gewickelt zum Baden an den Strand, die Gabelstapler werden an Deck gestellt, die Passagiere gehen zurück an Bord, die Matrosen springen von der Pier ins Wasser, die Pier wird mit dem Wasserschlauch gereinigt, die letzten Passagiere kommen im Laufschritt vom Baden, die Gangway wird eingeklappt, die Aranui legt ab. Den ganzen Tag gibt`s Programm. Nobbis persönliches Highlight ist das Ablegemanöver, eine Achterleine wird zur Hafenmole ausgebracht, an der Aranui sich rückwärts aus der kleinen Bucht zieht.
Samstagmorgen regnet es immer wieder, wir warten auf eine Regenpause um an Land überzusetzen. Es bleibt trocken und wir tüddeln durchs Dorf, sehen uns die gut sortierten Läden an, gucken in die Kirche, schnacken mit der Bäckersfrau, kraxeln auf den Hügel im Osten der Bucht, sehen den Männern mit ihren Rennkanus beim Training zu und sind beeindruckt von den Fischern die im schäumenden Wasser an den Felsen mit der Harpune tauchen. Das eigentlich schlechte Wetter sorgt für Entspannung, wir kommen kaum ins Schwitzen und bekommen keinen Sonnenbrand. Und dann geben die Wolken ganz kurz die Skyline frei, aber nur um sie gleich wieder zu verschlucken. Über dem tiefeingeschnittenen Tal thronen drei große Felszacken, die sich meistens in den Wolken verstecken.
Nachdem Nobbi Sonntagmorgen die Baguettes beim Bäcker abgeholt hat frühstücken wir ausgiebig und erholen uns von der Nacht. Wir sind Zeugen einer sehr ausschweifenden Schulabschlussfeier geworden. Die Feier fand direkt am Hafen statt und kam nur langsam in Schwung. Während einiger Aufführungen wurde moderne Popmusik gespielt, ansonsten erinnerte die Musik beunruhigend stark an Bayrische Volksmusik (kein Scherz!). Einige Reden wurden mit wenig Beifall belohnt und der Grill qualmte so sehr, dass über den Dorf eine dunkle Wolke hing. Wir sind irgendwann ins Bett gegangen und um zwei aufgewacht, als die Party für beendet erklärt wurde. Zwei Gruppen verlegten die inoffizielle Fortsetzung der Feier an den Strand und auf die Mole, leider mit unterschiedlichen Musikgeschmack. Utz utz von der Mole, spanische Liebeslieder am Strand. Als wir frühstücken, hat sich die eine Gruppe mit einer kleinen Schlägerei voneinander verabschiedet. Die betrunkenen Mädels am Strand haben noch schief (und inzwischen heiser) gesungen als wir um halb elf ins Dorf gelaufen sind. Ihre Blumenkränze waren nach der durchgefeierten Nacht nicht mehr ganz frisch, saßen aber noch immer perfekt. Auch das ist Südsee-Exotik.
Der Wetterbericht lädt so gar nicht zum Weitersegeln nach Westen ein, wir sind dankbar für eine Nachspielzeit in Ua Pou.

Ein Ozean voller Möglichkeiten

Die Fragen häufen sich „wo wollt ihr hin?“ und „welche Inseln besucht ihr?“. Auch unter den Seglern ist die nach der Routenplanung für diese Saison eins der wichtigsten Themen.
Die Segelsaison im Südpazifik wird durch die Zyklonsaison beschränkt. Je nach Region sind Zyklone, so heißen die Hurricanes im Pazifik, ungefähr zwischen Dezember und Mai möglich. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man verschwindet aus dem Gebiet, oder man bleibt, sucht sich einen möglichst sicheren Platz und hofft. Grob reicht das gefährdete Gebiert von 10°S bis 30°S, wobei der Ostpazifik als recht sicher gilt, umso weiter westlich, umso höher die Chance auf Zyklone.
Wer dieses Gebiet verlassen will, kann entweder nach Norden segeln, also nach Hawaii oder in Richtung der Marshallinseln, oder nach Süden, also nach Australien oder Neuseeland. Die Marquesas liegen nicht nur schön weit im Osten, sondern auch weit südlich des Äquators, auf ungefähr 9°S. Französisch Polynesien gilt als recht sicher (eher östlich), die Marquesas als sicher. Es gibt auch Segler, die in der betreffenden Zeit in Tonga und Fiji segeln und in der Nähe von sogenannten „Hurricane Holes“ bleiben. Das sind meistens gut geschützte Plätze, wo man die Schiffe bei herannahendem Sturm in die Mangroven verlegt. Außerdem gibt es die Möglichkeit sein Schiff an verschiedenen Orten „einzusommern“.
Wir haben uns gegen die Hoffen-dass-uns-kein-Sturm-trifft-Strategie entschieden, was bedeutet, dass wir im November irgendwo außerhalb des gefährdeten Gebiets sein wollen. Nur haben wir noch immer nicht endgültig entschieden, ob wir nach Neuseeland segeln, ob Mari in Französisch Polynesien bleibt, oder doch ganz anders? Viele befreundete Segler haben bereits Flüge von Neuseeland oder Australien nach Deutschland gebucht oder einen Werftplatz reserviert. Wir mögen uns nicht festlegen, haben wir doch immer das Gefühl, dass das Unglück bringt. Wir lassen die Routenplanung, wie immer, auf uns zukommen und sind gespannt. Im Moment hat Neuseeland knapp die Nase vorn, was bedeutet, dass wir uns demnächst auf den Weg machen müssen.
Auf dem Weg nach Westen warten viele Inseln und Atolle darauf besucht zu werden, an viel mehr wunderschönen Inseln werden wir jedoch vorbei segeln. Die Zeit reicht nicht um alle lohnenswerten Ziele zu besuchen, zwar haben wir eine kleine Reiseziel-Wunschliste mit Plätzen, an denen wir gerne den Anker fallen lassen würden, die finale Entscheidung wird jedoch das Wetter treffen. Es warten die Atolle der Tuamotus und die Gesellschaftsinseln, die Cook-Inseln, Niue und viele mehr. Und jeweils werden wir nur eine oder wenige Inseln einer Inselgruppe besuchen können. Andere Segler zu fragen hilft nicht, oder nur sehr beschränkt. (Fast) jeder betrachtet sich als das Maß aller Dinge. Ist man schneller, heißt es „ihr habt es aber eilig“, ist man langsamer „seid ihr festgewachsen?“. Jeder findet die Inseln auf denen er selbst war am Besuchens wertesten. Und kaum etwas hört man unter Seglern so häufig wie „Waaas!? Ihr wart nicht auf XY? Da habt ihr das Beste verpasst“. Ob einem ein Ort besonders gut gefällt hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab und am Ende findet jeder seine eigene Lieblingsinsel.
Inzwischen ist das Gefühl, dass wir die falsche Entscheidung treffen und die falschen Ziele wählen könnten der Gewissheit gewichen, dass vor uns ein Ozean voller fantastischer Möglichkeiten liegt. Eine Insel ist interessanter, ein Atoll spannender als das andere. Wir freuen uns darauf und sind gespannt ob wir im November Neuseeland erreichen.

Taiohae

Nach schönen Tagen in Taipivai sind wir eine Bucht weiter nach Westen gezogen und liegen nun in der großen Bucht von Taiohae vor Anker. Beim Verlassen der Baie Controlleur wurden wir von großen Mantas umkreist und hier in der Bucht von kleineren Exemplaren begrüßt.
Dir großen Rochen scheinen sehr neugierig zu sein. Ständig sind sie zwischen den Booten unterwegs, einmal lag ich auf dem Rücken hinter Mari im Wasser und hab mich treiben lassen, da kam ein kleiner Manta mit „nur“ zwei Metern Spannweite so dicht vorbei, dass er mich berührt hat. Ich habe mich furchtbar erschreckt, schließlich gibt es in der Bucht auch einige Haie. Wenn die Fischer auf der Pier ihre Fische ausnehmen und die Abfälle ins Meer werfen, kreisen mehrere ausgewachsene Schwarzspitzenriffhaie nervös vor der Pier. Das wäre vermutlich kein so guter Moment um dort ins Wasser zu fallen. Außerdem soll es hier einen Hammerhai geben. Eine Freundin hat ihn vor ein paar Tagen gesichtet, wir hatten leider noch keinen Erfolg halten aber immer die Augen offen, ob er sich nicht doch zeigt.
Ab und zu regnet es, meistens nur kurz und dafür heftig. Zweimal habe ich die Chance genutzt eine Frischwasserdusche zu nehmen. Einmal war ich gerade eingeschäumt, da hat es natürlich aufgehört zu regnen, das andere Mal stand ich auf dem Vorschiff und hab mir im heftigen Regen die Haare gewaschen und gleichzeitig die Mantas anguckt, die Maris umkreist haben. Unschlagbar!
Taiohae ist der Hauptort Nuku Hivas und das Zentrum der nördlichen Marquesas. Es gibt eine Polizeistation, ein Krankenhaus, ein Postamt, Schulen und mehrere Läden, doch Stadtgefühle kommen hier nicht auf. Locker verteilt liegen die kleinen Häuser rund um die Bucht, es ist sehr grün und die meisten Häuser haben schöne Gärten. Eingerahmt wird das Ganze von den hohen Bergen, die das Tal an drei Seiten umschließen.
Neben den ganz normalen Bootsleben mit Einkaufen, Wäsche waschen, Bekanntschaften schließen, Freunde treffen, Heckanker versetzen und kleinen Reparaturen, machen wir auch etwas Sightseeing. Natürlich waren wir in der Kirche. Notre Dame ist ein moderner, offener Bau von 1975 mit vielen Schnitzereien, davor steht aber das Tor der alten hölzernen Kathedrale. Wir haben das Melville-Denkmal gefunden, auf dem zu sehen ist, wo er in dieser Bucht 1842 an Land gegangen ist und welche Route ihn über die Insel nach Taipivai geführt hat. Es gibt einen Kunsthandwerkermarkt, wo man nicht nur Schnitzereien und Schmuck kaufen kann, sondern auch zusehen kann, wie die Schmuckstücke hergestellt werden oder die Knochen geschnitzt werden. Hier kann man nicht nur die üblichen Andenken bewundern, es sind auch fantastische Schnitzereien die sich gut in der Sammlung des Überseemuseums machen würden.
Außerdem passiert immer irgendetwas Interessantes. Gestern wurde ein riesiger Marlin angelandet und zerlegt. Das Tier war mindestens 2,5 m lang. Als das erste Filet herausgeschnitten war, brauchte es drei Männer um es zu tragen. So ein schönes Tier, zu gerne würde ich mal einen lebenden unter Wasser treffen.
Hier gibt es Internet, ein rares Gut auf den Marquesas. Viele Stunden haben wir darauf gewartet, dass die Fotos hochgeladen werden. Unser Negativ-Rekord lag bei 12 Fotos in fünf Stunden… aber jetzt sind sie online. Ihr findet die Bilder in den letzten Einträgen über Hiva Oa, Tahuata und Nuku Hiva.

Taipi

Am Samstag verlassen wir schweren Herzens Anaho. Unser Ziel ist die Baie du Controleur im Südosten Nuku Hivas. Die Fahrt dorthin macht wenig Spaß, wir kämpfen uns gegen den hohen Schwell um die Nordost-Ecke und werden die ganze Fahrt tüchtig hin- und hergeworfen. Ein Schauer duscht uns. Ich bin genervt und schimpfe auf die Segelei, Nobbi beruhigt mich mit Schokolade. Kurz bevor wir unser Ziel erreichen kommen Delfine zur Begrüßung und eine Gruppe Mantas schwimmt ums Boot. Doch nicht so doof, dieses Segeln. Die Baie du Controleur ist eine tief eingeschnittene Bucht, die sich in drei Finger teilt. Wir ankern im mittleren in Hakahaa. Obwohl die Bucht so tief ist, läuft der Schwell in die Bucht. Wir beschließen trotzdem zu bleiben und setzen den Heckanker. Nun kommt die Welle immer von vorne, das macht das Geschaukel sehr viel angenehmer.
Thor Heyerdal soll über die Marquesas gesagt haben, dass die Maler bessere Möglichkeiten haben die fantastische Landschaft einzufangen, als er in seinen Erzählungen. Er hatte Recht, es ist schwer die tiefen Täler, satt grünen Hänge und schroffen Felsen zu beschreiben. Wer wissen will wie es in dieser Bucht aussieht, braucht sich aber nicht auf meine mühsamen Versuche verlassen: ein Blick in die Weltliteratur hilft. Herman Melvilles Taipi spielt in diesem Tal.
Natürlich wollen wir uns am nächsten Tag das Dorf ansehen, das wirklich Taipivai heißt, und im Tal wandern, doch wo sollen wir mit dem Dinghi anlanden? Auf den breiten Strand läuft schäumend die Brandung, das erscheint uns gewagt. In einem unserer Bücher steht, dass man bei Hochwasser eventuell in den kleinen Fluss einfahren kann. Hochwasser ist noch lange hin, außerdem bricht sich die Welle auf der Barre. Eine andere Lösung muss her. Querab steht ein Auto im Wald und davor gibt es einen kleinen hellen Strand. Wenn dort ein Auto steht muss dort ein Weg hinführen, lautet unsere Theorie. Wir kommen einigermaßen trocken an Land, schnüren unsere Wanderschuhe und laufen los. Das Dorf ist hübsch. Alle Bewohner scheinen sich zum Grillen oder zum Petanque spielen an verschiedenen Plätzen zutreffen.
In „Maps.me“ ist Tiki Paeke als Sehenswürdigkeit vermerkt und tatsächlich steht hinter dem Dorf ein Schild „Tiki Paeke 500m“. Die 500m sind eine optimistische Schätzung, oder waren Höhenmeter gemeint? Zunächst stehen wir in einem Garten, dessen Besitzer uns die richtige Richtung in den Wald weist. Wir kommen zu einem kleinen Weg, der sich bald verliert. In den letzten Tagen wurde hier anscheinend kräftig abgeholzt und eine Gruppe Schweine wühlt nun im Matsch. Wir verlaufen uns zunächst, kehren zu den Schweinen zurück und finden schließlich doch noch den richtigen Pfad.
Der archäologische Festplatz liegt dicht bewachsen vor uns. Mehrere Tikis schauen über die freie Fläche. Die Statuen sind zum Teil verwittert, doch man kann die Gesichter noch gut erkennen. Gerne würden wir mehr darüber erfahren, wofür dieser Platz genutzt wurde und was die unterschiedlichen Tikis bedeuten. Es beginnt zu nieseln und wir machen uns auf den Rückweg. Aus dem Nieseln wird starker Regen. Zurück am Schlauchboot sind wir klatschnass. Wir schieben das Boot ins Wasser, doch der Meeresboden fällt steil ab und es ist nicht ganz einfach das Boot durch die Brandung zu schieben und hineinzuklettern. Nun sind wir auch noch Salzwasser getränkt. Wir spülen unsere Klamotten in Frischwasser, kaum hängen sie auf der Leine beginnt es wieder zu regnen…
Am Montag steht eine Wanderung zum Aussichtspunkt auf dem Programm, doch als der Rucksack gepackt ist und die Crew bereit zum Ablegen, regnet es. Also packen wir den Rucksack wieder aus und essen unsere Falafel an Bord. Nach dem Essen gibt es eine Regenpause, die wir nutzen um an Land zu fahren. Die Wanderung auf den Aussichtspunkt gestaltet sich gemütlich. Wir sind erst wenige hundert Meter auf der Hauptstraße unterwegs, als Joseph anhält und uns im Auto mitnimmt. Die Aussicht ist grandios und den Rückweg legen wir zu Fuß zurück.

 

 

Zu Fuss unterwegs auf Nuku Hiva

Auf dem Weg nach Hanatuatua soll es einen kleinen Bauernhof geben, bei dem man Gemuese und Obst kaufen kann. Hanatuatua ist eine grosse nach Osten offene Bucht, die wir haben bereits von See aus gesehen haben. Der Weg fuehrt entlang unserer Bucht, mal zwischen Palmen, mal am Strand entlang. Ein Postkartenfoto neben dem naechsten. Hinter einem kleinen Huegel treffen wir auf die Pferde der Farm, setzen unseren Weg aber zunaechst bis an den Strand fort. Sandduenen ziehen sich vom Strand ins Tal, rundherum die hohen, gruen bewachsenen Berge. Die Brandung rauscht auf den breiten Strand. Leider bringt das Meer auch Muell mit. Kanister, Plastikstuehle, Bojen und Plastikflaschen finden sich am Strand. Mich verjagen die Sandflies. Die gemeinen Biester sind ausgehungert und stuerzen sich auf mich. Auf dem Rueckweg fragen wir einen Mann, bei dem sich spaeter herausstellt, dass er der Besitzer des Bauernhofs ist, ob wir Gemuese kaufen koennen. Freunde hatten uns von einem sehr gespraechigen Mann erzaehlt, wir erleben ihn ganz anders. Mit einem Kopfnicken werden wir in Richtung Feld geschickt. Dort treffen wir auf seine Frau, die uns Tomaten, Gurken, Pampelmusen und Zitronen verkauft. Statt Wechselgeld bekommen wir weitere Pampelmusen und treten so schwer bepackt den Rueckweg an. Das Obst und Gemuese des Hofs werden per Pferd in die Anaho Bucht gebracht, von dort mit dem Boot nach Hatiheu und dann mit dem Auto nach Taiohae. Taiohae ist der Hauptort Nuku Hivas. Die Pampelmusen haben also schon viel erlebt wenn sie auf dem Markt ankommen. Nachmittags koennen wir beobachten, wie die Pferde Saecke voller Obst zum Boot bringen.
UEberall auf den Inseln stehen Baeume voller Noni-Fruechte. Die Baeuerin hat uns erklaert, dass man sie roh nicht essen kann. Sie werden nach Tahiti verkauft und von dort weiter ins Ausland. Sie werden fermentiert und sollen sehr gesund sein. Mir gefallen die huebschen, kleinen Baeume.
Zurueck an unserem Schlauchboot treffen wir auf eine Gruppe Babyhaie. Im flachen Wasser schwimmen fuenf kleine Schwarzspitzenriffhaie auf und ab. Sie sind nicht laenger als einen halben Meter und wirklich suess. Trotzdem versuche ich nicht sie zu streicheln, ich streichle nur Tiere mit Fell. Oder Borsten, wie die huebschen Schweine, die wir unterwegs gesehen haben.
Nachmittags legen wir unser Schlauchboot an eine Boje dicht am Riff und gehen schnorcheln. Ich lasse mich zuerst ins Wasser fallen. Nobbi fragt: Und? Wie tief? Meine Antwort Ungefaehr 8m, katastrophale Sicht ist nicht sehr motivierend. Doch, da wir nun schon da sind koennen wir auch gucken, ob es nicht doch was zu sehen gibt. Zum Glueck! Sehr viele bunte Fische tummeln sich an dem schmalen Riff und der Artenreichtum ist beeindruckend. Es scheint als sei die Ciguatera in dieser Bucht ein Segen fuer die Unterwasserwelt. Ciguatera ist eine laestige Sache fuer Fischesser. Giftige Dinoflagellaten vermehren sich auf Korallen und werden von kleinen Fischen gefressen, die wiederum von groesseren Fischen gefressen werden, und immer so weiter. In den grossen Jaegern, die gleichzeitig die beliebtesten Speisefische sind, reichert sich so dieses Gift an. Saeugetiere vertragen das gar nicht gut. Magen-Darm-Probleme, kribbelnde Haut, extreme Empfindlichkeit gegenueber Fisch und Alkohol, Taubheitsgefuehle, Verlangsamung des Pulses sind die Folge. UEberall auf den Marquesas gilt der Fisch als potentiell gefaehrlich, in Anaho wird jedoch ausdruecklich davor gewarnt Fisch aus dieser Bucht zu essen. Den Fischen scheint das sehr gut zu bekommen. Ein riesiger Schwarm gelber Doktorfische zieht vorbei und laesst sich nicht von uns stoeren, ein grosser Papageifisch verjagt einen Konkurrenten. Irgendwann wird es uns zu kalt, wir krabbeln zurueck ins Dinghi und geniessen die untergehende Sonne an Deck.
Heute waren wir wieder in Hatiheu. Also wieder rueber ueber den Berg. Wir schnaufen genauso wie am Dienstag, sind aber etwas schneller unterwegs. Baguette gibt es im kleinen Laden keins mehr. Mama hat alles aufgekauft, erzaehlt uns der Besitzer. Schade, dann essen wir eben Muesli. Uns gefallen die huebsch bedruckten Saecke in denen das Copra verpackt wird sehr gut. Im Laden liegt so ein Sack als Fussabtreter. Nobbi fragt, ob wir den Sack haben duerfen und wird daraufhin in den Schuppen geschickt, er soll sich ein schoenes Exemplar aussuchen. Wir freuen uns und der Ladenbesitzer freut sich noch mehr, dass wir uns freuen. Wieder essen wir bei Chez Yvonne und laufen anschliessend noch einmal zu dem Platz mit den Ausgrabungen. Ich bin diesmal in eine Wolke Anti-Mueckenspray gehuellt und kann mir die Tikis, die Statuen, und den Opferplatz in Ruhe ansehen. Nobbi hat seine ganz eigene Strategie und sprueht sich nur dort ein, wo er das letzte Mal gestochen wurde. Am besten gefaellt mir das Schildkroeten-Tiki. Rund um den Platz wachsen lauter leckere Mangos. Einige wandern in unseren Rucksack. UEberall wachsen die schoensten Fruechte in den Gaerten, aber natuerlich klauen wir kein Obst aus einem Garten, mag es auch noch so verlockend sein. Diese Mangobaeume scheinen jedoch keinen Besitzer zu haben, die reifen Fruechte vergammeln unter den Baeumen. Wir haben kein schlechtes Gewissen. UEberhaupt gibt es hier auf Nuku Hiva unendlich viele Mangobaeume. Der Weg von der Anahobucht nach Hatiheu ist gesaeumt von schoenen Mangobaeumen. Viele tragen jedoch keine Fruechte oder nur sehr kleine oder sie haengen sehr hoch.
Und wieder geht es eine Stunde ueber den Berg zurueck ins friedliche Anaho. Die freundlichen Schweine werden gerade mit zerhackten frischen gruenen Kokosnuessen gefuettert und scheinen diese sehr zu moegen. Ob das Fleisch dieser Schweine nach Bounty schmeckt? Zurueck auf Mari haben wir ganz schoen platte Fuesse, morgen werden wir nicht wandern, sondern mal wieder segeln.

Von Tahuata in den Norden Nuku Hivas

Die Tage in Vaitahu, Tahuata, sind windig. Immer wieder schuetteln Fallboeen das Boot durch. Schwankt der Wind zunaechst zwischen 3 und 30 Knoten, haben wir in der Nacht zu Samstag Boeen mit bis zu 45 Knoten. Zum ersten Mal auf dieser Reise nehmen wir das Bimini weg, wir wollen nicht riskieren, dass es uns davon fliegt. Wir machen es uns gemuetlich, backen Brot, basteln ein bisschen und legen einen Kinoabend ein.
Am Sonntag sehen wir uns den Ort mit seiner huebschen Kirche an und machen eine kleine Wanderung auf den Hausberg. Diese gestaltet sind vor allem deshalb als anstrengend, weil wir in FlipFlops unterwegs sind. Die Aussicht ist grandios und wir treffen immer wieder nette Kuehe, die sich von mir bereitwillig streicheln lassen.
Nachmittags gehen wir Anker auf, wir wollen ueber Nacht nach Nuku Hiva segeln. Vaitahu verabschiedet uns standesgemaess, starke Boeen pusten uns aufs Meer. Als wir den Kanal zwischen Tahuata und Hiva Oa queren erwartet uns wie erwartet kraeftiger Wind. Wir rauschen im 2. Reff mit 6 bis 7 Knoten voran und haben 25 bis 30 Knoten scheinbaren Wind von achtern. Im Windschatten von Hiva Oa ist es vorbei mit der flotten Fahrt. Wir starten schliesslich den Motor um aus dem windarmen Gebiet herauszukommen. Zum Glueck koennen bei Einbruch der Nacht segeln. Ein ueberraschend unsteter Wind beschert uns eine abwechslungsreiche Nacht, Segel einrollen, Segel ausrollen Erst am Morgen, als wir Nuku Hiva bereits querab haben, schwaechelt der Wind. Unser Ziel ist eine Bucht an der Nordkueste. Mittags liegen wir in der Bucht von Anaho vor Anker.
Die Bucht ist ausgesprochen schoen, franzoesische Segler erzaehlen uns, es sei so schwer hier wieder weg zu fahren, sie wollten drei Tage bleiben und das sei bereits zwei Wochen her. Wir koennen sie verstehen. Von Norden faehrt man in eine tiefe Bucht, die sich im hinteren Teil weiter oeffnet. Hohe Berge, schroffe Felsen, steile Waende, aufragende Zacken und leuchtend gruene Vegetation auf braunem, rotem, grauem und schwarzem Gestein bilden eine fantastische Kulisse. Dort wo die Felsen nicht bis ans Wasser reichen, gibt es weisse Straende, die von Kokospalmen gesaeumt werden. (Auch hier gibt es weisse Straende. In unseren verschiedenen Revierfuehrern steht mehrfach, dass es nur an einem Ort auf den Marquesas weissen Strand gibt. Wir wissen jetzt, dass es mindestens auf Tahuata und Nuku Hiva weisse Straende gibt, jeweils in mehreren Buchten.) Die Bucht hat ein Korallenriff, das zum Schnorcheln einlaedt. Vor der kleinen Siedlung gibt es einen Pass durchs Riff den man mit dem Dinghi nutzen kann um an den Strand zu kommen. Es ist einfach unglaublich schoen hier.
Am Dienstag steht eine Wanderung auf dem Reiseprogramm, es geht nach Westen in den naechsten Ort. Dieser liegt in der Nachbarbucht, gleich hinter dem Berg. Steil geht es bergauf, in kleinen Serpentinen schlaengeln wir uns den Berg hinauf und kommen ganz schoen ins Schnaufen. Unterwegs treffen wir einen Arbeiter der Gemeinde, der fuer die Wasserleitungen zustaendig ist. Er ist mit dem Pferd unterwegs. Ein Dienstpferd, das koennte mir auch gut gefallen. Auch das Pferd und der Hund, den er dabei hat, schnaufen. Als wir den Pass erreicht haben werden wir mit einer grandiosen Aussicht auf die Bucht und die ankernden Boote belohnt. Von nun an geht es bergab. Die Strecke ist sehr schoen, die Vegetation abwechslungsreich und da der Weg die meiste Zeit im Schatten liegt, macht es auch nichts, dass wir mal wieder in den Mittagstunden unterwegs sind.
Hatiheu ist ein sehr nettes, gepflegtes Dorf. Zwei Laeden, ein Restaurant, die Kirche und kleine Haeuser in Obstgaerten. Hohe Felssaeulen ragen neben dem Dorf auf und bilden eine spektakulaere Kulisse. Wir essen Ziege in Kokosmilch bzw. in Curry und laufen anschliessend zu den oberhalb vom Dorf gelegenen archaeologischen Staetten. Hungrige Moskitos vertreiben uns allerdings schnell von dort. Der Rueckweg ist schweisstreibend, besonders weil unsere Rucksaecke nun schwerer sind. Das Bier, das wir gekauft haben, haben wir uns wirklich verdient. Mehr als 2 Stunden Wanderung fuer ein paar Dosen. Zurueck an Bord haben wir gerade noch Zeit zum Baden bevor wir auf einem befreundeten Boot zum Sundowner erwartet werden.
Heute war nun Zeit fuer einen Waschtag. Wir sammeln unsere gesamte Waesche zusammen, inklusive Bettwaesche, und fahren mit dem Dinghi an Land. Dort spannen wir eine Waescheleine und waschen im mitgebrachten Eimer. Leckeres Suesswasser so viel wir wollen, echter Fahrtenseglerluxus. Insgesamt dauert die Aktion fast 5 Stunden, inklusive in der der Sonne sitzen und der Waesche beim Trocken zusehen. Ab und zu kommt jemand vorbei und gruesst uns. Die Hunde sind neugierig, ein Pferd mit Fohlen soll trinken und eine Ziege vermutet bei Nobbi etwas Essbares. Morgen steht eine kleine Wanderung gen Osten auf dem Programm.

Leider haben wir meistens keine oder eine ganz schwache Internetverbindung, so dass die Fotos noch etwas auf Veroeffentlichung warten muessen.

Tahuata

Anaho

Tahuata

Wir haben die Karte Französisch Polynesiens, die wir im Rathaus bekommen haben aufgehängt. Das Gebiet Französisch Polynesiens ist riesig. Eine 4 Millionen km2 große Wasserfläche in der weit verstreut die kleinen Inseln der fünf Archipele legen. Zwischen den Marquesas im Nord-Osten und den Gesellschaftsinseln, mit Tahiti als Zentrum Französisch Polynesiens, liegen die Tuamotus, die fast 80 Atolle umfassen, alle kaum höher als der Meeresspiegel. Im Südosten der Tuamotus liegen die Gambiers und südlich der Gesellschaftsinseln die Australinseln.
Die Marquesas sind hoch und grün. Der vulkanische Ursprung ist unverkennbar, die
steilen Berghänge, die Krater und das schwarze Gestein. Ungefähr 1500 v. Chr. wurden die Inseln von Westen besiedelt. 1595 landeten die Spanier Alvaro de Mendana und Fernandez de Quiros auf dem Weg von Peru zu den Salomonen auf Hiva Oa und gaben der Inselgruppe den Namen Marquesas. Im 18. und 19. Jhd. kamen Briten, Franzosen, Russen, Amerikaner, Walfänger und Händler. Sie alle brachten Krankheiten und Alkohol mit. 1926 lebten nur noch 2000 Menschen auf den Marquesas, vor Eintreffen der Europäer waren es 100.000. Heute wohnen 8000 Menschen auf sechs der dreizehn Inseln. Französisch sind die Marquesas offiziell seit 1842, auch wenn sie zunächst als unregierbar galten. Die Marquesas lassen sich in eine südliche und eine nördliche Gruppe teilen. Hiva Oa ist die Hauptinsel der südlichen Marquesas zu der auch Fatu Hiva und Tahuata gehören. Wir ankern seit Dienstag vor Tahuata. Nächste Woche wollen wir zu den nördlichen Marquesas segeln.

Gerade 10 Meilen waren es vom Anker ausgraben in Atuona bis zum Anker fallenlassen. In der Bucht Hanamoenoa lagen wir vor gut einer Woche schon ein mal. Ein Palmen bestandener weißer Strand säumt die Bucht. Die weißen Strände Tahuatas sind eine Besonderheit, die einzigen der Marquesas. Auch diesmal sehen wir Mantas, leider jedoch nicht beim Schnorcheln, sondern während des Ankerns und nachts. Am nächsten Tag entscheiden wir uns für einen entspannten Tag in der Bucht. Schnorcheln, Schwimmen, Lesen. Das Schnorcheln ist nett, aber kein Highlight. Die Korallen sind ziemlich kaputt und die Sicht ist mäßig, aber wir sehen viele bunte Fische. Wir schwimmen zum Strand und laufen den Strand einmal auf und ab.
Donnerstag beschließen wir vor dem Mittagessen in eine andere Bucht umzuziehen. Die Doppelbucht Hapatoni weiter im Süden ist nur gute drei Meilen entfernt. Als sich die hohen Felsen öffnen stellen wir fest, dass auch andere Boote bereits diese Idee hatten, in der einen Buchthälfte liegen sieben Boote, in der anderen nur eines. Die Bucht ist schön, die Hänge sehr steil, fast senkrecht. Leider weht der Wind im Schatten der hohen Felswände anders als erwartet. Böen mit 25kn finden ihren Weg in die Bucht. Leider von Westen, also auflandig.
Wir machen einen Ankerversuch. Der Saum auf dem man ankern kann ist sehr schmal, der Meeresboden fällt steil ab. Unser Anker beißt sofort. Die nächste Böe rauscht heran, dreht uns mit dem Heck zum felsigen Strand. Unser Anker hält, doch uns gefällt es nicht. Wir sind uns einig. Anker auf, sofort! Dass andere Boote hier ankern ist für uns kein Grund.
Auf dem Rückweg kommen wir an Vaitahu vorbei. Wir wollen nur ein Foto vom Ort machen, doch entscheiden zu bleiben. Der kleine Ort sieht sympathisch aus und die Bucht gefällt uns. Steil überragen die hohen Berge das kleine Dorf. Auf den flacheren Hängen wurden Kokospalmen in Plantagen angepflanzt. Die umliegenden Berge sind von kleinen Bäumen bewachsen, zum Teil ist der nackte schwarze Fels zusehen. Ziegen klettern auf den steilen Hängen. Die Kuppe der Bergkette versteckt sich immer wieder in grauen Wolken.
Außer uns liegen hier nur zwei andere Boote, es ist mehr Platz zum Ankern und der Wind weht ablandig. Wir ankern auf 10 m Wassertiefe und stecken ordentlich Ankerkette. Die Böen fallen die steilen Hänge herunter, von 2 Knoten auf 28 in wenigen Sekunden. Sie hören sich wild an, tun aber nichts. Hier fühlen wir uns wohl. Unser leicht verspätetes Mittagessen haben wir uns verdient. Das Abenteuer lauert oft dort wo man nicht damit rechnet.
Abends kommt die Aranui vorbei, das Versorgungsschiff. Eine Barge mit einem Container kommt in die Bucht wird flott entladen und wird von Aranui wieder aufgesammelt. So können im Vorbeifahren verschiedene Buchten beliefert werden. Eine elegante Lösung.

Heute ist es regnerisch und windig. Wir legen einen Bootstag ein.