Verlängerung des Heimaturlaubs

Eigentlich wollten wir in knapp einer Woche wieder nach Neuseeland fliegen, zurück zu unserer Mari. Dieses letzte Bremen-Wochenende sollte gefüllt sein mit Frühstücksverabredungen mit Freunden, mit Mädelsabenden, mit einem letzten Hamburg-Besuch.
Eine Kiste mit Ersatzteilen, neuen Bikinis, Mückenspray und all den anderen Dingen, die auf ihren Einsatz in einer neuen Pazifiksaison warten steht bereit. Die Kiste wird noch etwas warten müssen, gemeinsam mit uns.
Das Virus hat unseren ganzen Planeten im Griff und damit auch die Segelwelt. Wir müssen uns nicht entscheiden, für uns ist die Lage ganz einfach. Mal abgesehen davon, dass unsere Flüge annulliert wurden, dürfen wir nicht nach Neuseeland einreisen (und natürlich auch in kein anderes Land auf der geplanten Route).
Uns geht es gut. Wir sind froh, dass wir eine Wohnung in Bremen haben, dass wir zusammen sind und, dass wir gesund sind. Marisol liegt in Opua und ist dort sicher und legal untergebracht. Die Situation vieler Segelfreunde ist nicht so komfortabel. Da laufen Visa aus, die Weiterreise in die Nachbarländer ist jedoch nicht möglich, oder der Ankerplatz ist bei Wetteränderungen unsicher, es ist jedoch verboten das Boot zu bewegen. Freunde können weder zurück zu ihrem Boot, ihrem Zuhause, noch nach Deutschland. Andere sind mit leichtem Gepäck auf Heimatbesuch, haben keine Unterkunft und kommen nicht zurück zum Boot. Wieder andere wurden von ihrem Partner getrennt, der eine ist beim Boot, der andere irgendwo in Europa. Manch einer ist vor Wochen losgesegelt und darf bei Ankunft nicht mehr einreisen. Niemand möchte jedoch mit denen tauschen, die schwer krank sind oder um das Leben ihrer Angehörigen bangen.

Zum Glück ist das Wetter so fantastisch. Seit Tagen scheint die Sonne, Büsche und Bäume haben bereits diesen grünen Schimmer, der den nahenden Frühling ankündigt, die Vögel singen um die Wette, die ersten Blumen blühen. Jeden Tag unternehmen wir einen langen Spaziergang und freuen uns darüber wie schön unsere direkte Umgebung ist. Die Störche sind inzwischen weiter gezogen, aber Reiher, Gänse und eine Vielzahl unterschiedlicher Enten sehen wir immer. Mehrere Greifvogelarten machen den Mäusen das Leben im Werderland schwer, Fasane bewohnen das Lesumufer und auf Möwen müssen wir auch nicht verzichten. Unsere Lieblingstiere sind jedoch die Bisams. Bisamratten sind keine Ratten, sondern der größte Vertreter der Wühlmäuse. Sie können bis zu 70 cm groß werden und sind schnelle Schwimmer. Seit einer Woche sehen wir sie fast jeden Tag und können uns gar nicht satt sehen an den putzigen Tieren.
Der Alltag sieht bei uns genauso aus wie bei vielen anderen. Wir haben viel Zeit zu lesen, backen Kuchen, erledigen liegengebliebene Kleinigkeiten und sortieren Reisebilder. In Neuseeland haben wir begonnen Indonesisch zu lernen, unser Wortschatz wächst dank viel freier Zeit und wir freuen uns schon darauf unsere Kenntnisse in freier Wildbahn ausprobieren zu können. Vielleicht werde ich nun zum ersten Mal einen Revierführer lesen bevor wir lossegeln. Und vielleicht schaffe ich es sogar den Blog auf den neusten Stand zu bringen.

Auf Heimatbesuch

Nach sehr schönen Tagen in Singapur sind wir vor fast einer Woche in Bremen angekommen. Trotz Sturm sind wir heil und fast pünktlich gelandet. Unser Gepäck ist nicht vollkommen unversehrt angekommen. Zum Glück hat es nur mein Schminktäschchen getroffen, der gesamte Inhalt ist zerkleinert und zerdrückt worden, die Erinnerungsstücke haben unsere Wohnung wohlbehalten erreicht.
Bremen begrüßt und mit nassem, stürmischen Wetter. Wir sind aber auch nicht wegen des Wetters hergekommen, auch wenn die Wetterlage ideal zum Grünkohl- und Knipp-Essen ist. Wir freuen uns unsere Familie und Freunde zutreffen, unser wichtigstes Utensil ist derzeit der Kalender. Schon jetzt stellen wir fest, unser Deutschlandaufenthalt ist zu kurz. Wir haben bereits einige Kleinigkeiten besorgt und den obligatorischen Zahnarztbesuch hinter uns gebracht.
Wir sind schon eine Woche hier, aber noch nicht ganz angekommen. Wir wundern uns darüber wie schön unsere Heimatstadt ist, selbst bei grauem Wetter. Nobbi wundert sich, dass die Menschen auf dem Bremer Marktplatz alle deutsch sprechen und die Menschen wundern sich über uns, wenn wir uns im Supermarkt über das riesige Angebot freuen.

Sydney – die Fortsetzung

Die Woche beginnt mit kräftigem Regen. Bei einem ausgiebigen Frühstück entwerfen wir einen Regen-Plan. Wir beschließen ins Museum zu gehen. Die Art Gallery of NSW (New South Wales) ist nicht weit weg. Das schaffen wir unterm Regenschirm einigermaßen trocken. Als wir das Hotel verlassen hört der Regen auf und wir tragen unseren Regenschirm trocken ins Museum. Dort finden wir europäische Kunstwerke des 19. Und 20. Jhd., asiatische Gemälde und natürlich australische Bilder und Skulpturen. Wir schließen uns einer Führung zu den „Highlights der Sammlung“ an. Die Kunstexpertin, die diese Führungen in ihrer Freizeit macht, steckt uns mit ihrer Begeisterung für einzelne Kunstwerke und die Galerie an.
Da draußen inzwischen wieder die Sonne scheint, flanieren wir über die Haupteinkaufsstraße mit dem schönen Queen Victoria Building, das auch ein Einkaufszentrum ist, dem Rathaus und der Kirche St. Andrew. Der Rückweg führt natürlich wieder durch den botanischen Garten.
Nachmittags treffen wir uns mit Bettina und Erwin. Die Beiden haben ihren Zwischenstopp in Sydney extra verlängert, damit wir uns treffen können. Wir freuen uns sehr darüber, denn seit wir uns in Fiji zuletzt gesehen haben ist viel passiert und wir haben uns viel zu erzählen. Hoffentlich treffen wir uns bald einmal wieder!
Am nächsten Tag geht es in den Zoo. Wir wollen unbedingt ein paar typisch australische Tiere sehen, bevor wir den Kontinent verlassen. Mit der Fähre geht es zum Zoogelände und mit der Seilbahn zum Haupteingang. Ich bin ja kein Freund von Seilbahnen, muss aber zugeben, dass es nicht schlimm war. Außerdem lenkt die tolle Aussicht auf die Stadt und die Tiere ab. Durch den am Hang gelegenen Zoo geht es in vielen Schleifen wieder hinab zur Fähre. Mir gefallen die Schnabeltiere am besten. Eins schwimmt und taucht und planscht. Wunderbar. Was für putzige Tiere. Der Zoo hat auch Ameisenigel (Echidna). Schnabeltiere (1 Art) und Ameisenigel (5 Arten) bilden zusammen die Ordnung der Kloakentiere und sind die einzigen Säuger die Eier legen. Während Schnabeltiere im Wasser leben und an Land schlafen, sind Ameisenigel Landtiere. Sie sind alle in der Dämmerung oder nachts aktiv, dementsprechend sind unsere Fotos geworden. Also nix. Ihr müsst sie euch also woanders angucken. Natürlich haben wir Wallabys, Kängurus, Wombats und Koalas angeguckt. Der Zoo ist durch seine Lage am Hang sehr schön und abwechslungsreich. Es gibt viele Volieren, durch die man nach dem passieren von Schleusentoren, hindurch laufen darf und nach den Tieren Ausschau halten kann. Im Zoo leben auch Tiger, nein, da darf man nicht durchs Gehege laufen, Elefanten und Giraffen, wir haben uns aber eher auf die australischen und südostasiatischen Tiere konzentriert. Viele der kleinen Säuger hatten wir noch nie gesehen. Wir haben den ganzen Tag im Zoo verbracht und die verschiedensten Tiere beobachtet.
In Australien sind unglaublich viele Tiere durch die aktuellen Buschfeuer umgekommen. Die Schätzungen gehen von hunderttausenden aus. Jetzt bewegt der Tod von über 40 Koalas auf einer Plantage die Nation. Sie sind jedoch nicht den Feuern zum Opfer gefallen, sondern der Abholzung. Es gibt eigentlich strenge Regeln, die dafür sorgen sollen, dass die Koalas nicht sterben, wenn die Eukalyptus-Bäume gefällt werden. Die Bilder vom gerodeten Wald haben uns schockiert. Auf riesigen Flächen steht keine einzige Pflanze mehr nach der „Ernte“, nicht ein einziger Grashalm.
Zunächst haben wir heute überlegt einen der Strände zu besuchen, doch da es eher kühl war haben wir uns für einen weiteren Spaziergang in Richtung Stadtmitte entschieden. Im botanischen Garten erkunden wir einige Ecken, die wir noch nicht kennen, schauen den Kakadus zu, die sich aufgeregt um dem besten Platz im Baum streiten und besuchen die Ausstellung „Bite me“. Die Ausstellung dreht sich um fleischfressende Pflanzen und ist sehr informativ. Auf dem Weg zum Hafen wollen wir einen Blick in die Bibliothek, die State Library of NSW, werfen. Das Gebäude und der Lesesaal sind toll. Aus dem kurzen Stopp wird ein längerer Aufenthalt, als wir feststellen, dass es mehrere interessante Ausstellungen gibt. Wir lernen etwas über die vielen unterschiedlichen Aborigine-Sprachen und deren Erhaltung, sehen uns einige der alten Bücher der Bibliothek an, wie zum Beispiel ein wunderschönes Fischbuch von 1719 und entdecken in der Gemäldesammlung das Bild von der Gründung Australiens, das in unserem Reiseführer abgebildet ist. Am Hafen lassen wir unseren Sydney-Besuch ausklingen.
Morgen fliegen wir nach Singapur und freuen uns auf die tolle Stadt, jedoch noch mehr auf Lisa und Keke. Mal sehen, wie die anti-Coronavirus-Maßnahmen in Singapur aussehen. Australien evakuiert mit Sonderflügen Australier aus Wuhan und steckt sie für zwei Wochen in Quarantäne auf Christmas Island. Chinesen und Touristen, die in China waren, dürfen nicht mehr einreisen. Für tausende von Studenten bedeutet das, dass sie den Beginn des Semesters verpassen. In Australien gibt es eine regelrechte Bildungsindustrie, unglaublich viele ausländische Studenten studieren hier. Ein Milliardengeschäft. Und die größte Gruppe ausländischer Studenten sind – ihr ahnt es – Chinesen. Die Tourismus-Industrie bangt ebenfalls, sind die Chinesen doch die größte Gruppe der Touristen und die mit Abstand vermögendste. Die Berichterstattung ist zu großem Teil haarsträubend und unglaublich rassistisch. Und ich frage mich, wäre das Virus in Deutschland zuerst aufgetaucht, dürften dann alle 700 Mio. Europäer nicht reisen? China ist doppelt so groß wie die EU und etwa so groß wie ganz Europa inklusive des europäischen Teil Russlands. Und doch gilt das Einreiseverbot hier und in vielen anderen Ländern für alle 1,4 Mrd. Chinesen.

Nächster Stopp: Sydney

Am Freitag geht es weiter nach Sydney. Die Reise verläuft unspektakulär, ich schaue einen ebenso unspektakulären Film und kurz darauf landen wir auf dem neuen Kontinent. Wir waren beide noch nie auf dem Heimatkontinent der Beuteltiere. Die Einreise geht fix, wir werden am Zoll gleich aussortiert und dürfen direkt zum Ausgang weiterlaufen. Ich habe immer noch Angst, dass mir jemand meinen Kopra-Sack wegnehmen möchte…
Dann versuchen wir Tickets für den Shuttle Bus zu kaufen, der Verkäufer ist sehr bemüht, überprüft sogar unsere Abflugzeit bei der Weiterreise und die Adresse des Hotels, doch wir verstehen ihn so schlecht. Nicht nur, weil er furchtbar nuschelt, sondern vor allem weil er einen Mundschutz trägt. Auch in Sydney ist die Coronavirus-Angst angekommen. Die Zeitungen schüren die Angst mit haarsträubenden Überschriften, wie zum Beispiel der Frage, ob man noch in Chinatown essen gehen kann. Seit wann hat Chinatown einen Tunnel nach China? Auch nett die beiden Damen die sich heute darüber unterhalten haben, dass sie sich schon mal Antibiotika gekauft haben, falls sie den Virus bekommen. Außer den Verkäufern am Flughafen sind nur wenige mit Mundschutz unterwegs, häufig einzelne aus einer Reisegruppe oder einer Familie.
Nach dem wir unser Hotelzimmer bezogen und ein verspätetes Mittagessen genossen haben, laufen wir zum botanischen Garten. Unterwegs entdecken wir eine kleine Ausstellung mit Skulpturen. Der botanische Garten gefällt uns sehr, außerdem hat man von hier einen super Blick auf das berühmte Opernhaus. Nicht nur die Pflanzenwelt des Gartens auch die zutraulichen Ibisse, die lauten Kakadus und die bunten Papageien begeistern uns. Die Kakadus sind überall. Sie sitzen gerne auf dem Fensterbrett des Hauses gegenüber unseres Hotels und spiegeln sich in den blanken Fenstern und sogar die grauen Schiffe der australischen Marine sind nicht vor ihnen sicher. Wir wohnen in Woolloomooloo (super Name für einen Stadtteil, oder?), ganz in der Nähe der Marine Basis. Hier liegen unter anderem auch zwei große (und hässliche) Hubschrauberträger und zwei Zerstörer (ich bin kein Kriegsschiffsexperte). Und auf den Zerstörern streiten sich die Kakadus um die besten Plätze. Am Samstag wollen wir uns einfach ein wenig durch die Stadt treiben lassen, sehen uns die Kathedrale St.Mary an und kommen zufällig am Startpunkt für die Stadtführungen vorbei. Wir haben mit den Free Walking Tours in anderen Städten bisher gute Erfahrungen gemacht und schließen uns spontan an. So traben wir bei großer Hitze quer durch die Stadt. Wir lernen, dass Sydney 1788 gegründet wurde und, dass die Aborigines hier schon vor ungefähr 20000 Jahren unterwegs waren. Wir erfahren einiges über die Entwicklung der Stadt, lernen die Gründungsväter kennen, werfen einen Blick auf alte und neue Gebäude, wie die Bibliothek, das Zollamt, das alte Krankenhaus, einige Museen und den ältesten Pub. Die Führung endet in „The Rocks“, der Altstadt, mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge.
Abends gehen wir in die Oper und sehen Don Giovanni. Dieser Opernbesuch ist der eigentliche Grund für unseren Zwischenstopp in Sydney. Wir wollten unbedingt mal in diese Oper und da am 1. Februar Don Giovanni gespielt wurde, sind wir eben am 31. Januar angereist. Nobbi wirft sich in sein zweitbestes Hemd (ihr erinnert euch, das beste ist über Bord geweht) und ich hole die goldenen FlipFlops aus dem Seesack. Es war toll mal wieder in die Oper zu gehen, das hat uns gefehlt. Die Inszenierung hat Spaß gemacht, die Sänger waren phänomenal und das Publikum ist richtig mitgegangen und hat viel gelacht. Es ist ja auch wirklich schön, wenn die Übertitel sagen „Bravo, …, die Tochter verführen und den Vater ermorden“. Und dann hört sich das auf Italienisch so schön an.

Weil der botanische Garten uns so gut gefällt, haben wir heute Morgen an einer Führung teilgenommen. Wir waren nur zu fünft in unserer Gruppe und ein begeisterter Pflanzenliebhaber hat uns einige besondere australische Pflanzen gezeigt und kleine Geschichten erzählt. Natürlich haben wir uns auch über die Buschfeuer unterhalten und die Eukalyptusbäume (das sind die Bäume die dort vor allem verbrennen) genauer angeguckt. Die Führung war sehr interessant und anschließend waren wir noch in der Abteilung mit den Farnen. Jetzt waren wir schon dreimal in drei Tagen im botanischen Garten und haben noch nicht alles gesehen.

Nachmittags ging es durch „The Rocks“, die Altstadt, und von dort auf die Harbour Bridge. Von der Brücke hat man einen tollen Blick auf die Oper, den täglich wechselnden obligatorischen Kreuzfahrer und große Teile der Stadt. Im Hafengebiet herrscht reger Fährverkehr, außerdem waren viele Segler unterwegs. Auf dem Rückweg bummeln wir ein wenig über den Sonntagsmarkt und gucken Souvenirs an, die wir nicht kaufen wollen.
Schließlich wird der Himmel tief schwarz und wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel. Kaum sind wir angekommen beginnen heftige Gewitter. Die Gewitter sind mit ihren Blitzen häufige Ursachen für Buschbrände, ihr Regen aber wird dringend benötigt.
In einer Regenpause machen wir einen Abendspaziergang. Viele Treppen aufwärts liegt ein nettes Viertel mit schönen Häusern, vielen Geschäften und Restaurants.
Auch wenn unser Reiseführer eigentlich nur von Restaurants, Bars und Hotels berichtet, gibt es hier viel zusehen und uns wird nicht langweilig werden.

„Maritime Museum“ – ein Tag in Auckland

Die Reise von Opua nach Auckland ist reibungslos verlaufen. Früher sind wir jeden Sonntag von unserem Boot nach Hause gefahren, jetzt fühlt es sich ganz anders an unsere Mari zurückzulassen. Mehrfach haben wir kontrolliert ob wirklich alle Seeventile geschlossen sind, die Luken zu, Strom und Gas aus,…
In Auckland haben wir einen Tag Zeit bevor wir Neuseeland verlassen. Was machen Segler auf Landurlaub? Sie gehen ins „Maritime Museum“, ins Schifffahrtsmuseum. Die Ausstellung beginnt mit ein paar Kanus aus dem Pazifikraum, einem Raum über Besiedlung der Maoris und der Ankunft der europäischen Expeditionsreisen, ein paar Exponate zum Hafenleben im 20. Jhd. Alles ganz interessant, aber höchstens Durchschnitt im Vergleich all der Schifffahrtsmuseen, die wir kennen. Mittags um 12 wurde eine Kanone abgefeuert und Nobbi hatte seinen großen Auftritt. Nobbi sollte die Glocke läuten und hat natürlich acht Glasen geschlagen, was für Überraschung und Begeisterung beim Museumspersonal sorgte. Wirklich Spaß gemacht hat uns die Ausstellung „Blue Water Black Magic“. Eine spannende Ausstellung über Neuseelands segelnden Nationalhelden Sir Peter Blake, die Erfolge bei Hochseeregatten und die America‘s Cup Kampagne 1995 bei der Neuseeland den begehrtesten Pokal des Segelsports nach Neuseeland holte. Die Exponate gruppieren sich um NZL32, die Black Magic, die erfolgreiche AC Yacht von 1995. Hier haben wir viel Zeit verbracht, insbesondere die vielen Filme (u.a. über Blakes Round-the-World-Sieg mit „Steinlager 2“ über alle 6 Etappen oder die Reise mit der Enza) haben uns begeistert. Im Moment gibt es außerdem eine kleine Ausstellung zum 250. Geburtstag des Zusammentreffens von Maoris und Europäern. Eine interessante Ausstellung mit einigen spannenden Exponaten, allerdings war ich bereits sehr hungrig als wir hier angekommen waren.
Den Rest des Tages sind wir durch die Stadt gebummelt. Leider ist die Innenstadt Aucklands zurzeit eine riesige Baustelle. Auckland bekommt eine neue U-Bahn. Viele Straßen sind gesperrt, oder man trabt am Bauzaun entlang. Auch am Hafen wird gebaut. Nächstes Jahr will Neuseeland den America’s Cup verteidigen. Eine neue Mole sorgt für ruhiges Wasser am zukünftigen Liegeplatz der Rennziegen, die Industriebrache wird neu erschlossen und in der Umgebung entstehen zahlreiche neue Gebäude. Auckland wächst und der Containerhafen mitten in der Stadt stört und soll deshalb nach Whangarei verlegt werden.

Please proceed to chicken…

In den letzten Tagen waren wir richtig fleißig. Insbesondere das Rigg hat uns auf Trab gehalten. Da eines der Mittelwanten ein gebrochenes Kardeel hatte, sollte dieses auf jeden Fall ersetzt werden. Als es an Deck lag, haben wir noch einen weiteren Schaden bemerkt. Trotz Sailing Week konnten wir morgens den alten Draht hinbringen und nachmittags die beiden (sie sollen immer symmetrisch ersetzt werden) neuen abholen. Ein wenig Überzeugungskraft… Heute haben wir die gleiche Übung mit den Oberwanten wiederholt. Nobbi war also viele Male im Mast und wir sind mal wieder froh, dass wir Maststufen haben. Zum Glück konnten wir diesen wichtigen Punkt noch erledigen.
Andere Projekte liefen weniger rund, nachdem ich Griffe und Leisten am Niedergang lackiert hatte, habe ich die Klebestreifen vom Schott abgezogen und den Lack gleich mit. Damit steht ein neuer Punkt auf der ToDoListe, ich darf dort auch lackieren. Wir haben festgestellt, dass man den Baum öffnen muss, wenn man den Unterliekstrecker wechseln will. Natürlich ließen sich die Schrauben zunächst nicht lösen. Viel Arbeit also, um eine Leine zu wechseln die wir nie benutzen. Die, bereits recht mitgenommene Leine, stand auf der Mängelliste des Rigg-Checks. Das wollte Nobbi nicht auf sie sitzen lassen. Ob unser Versuch den Kühlschrank von unten besser zu isolieren erfolgreich war, wird der Langzeitversuch zeigen. Leider gibt es auch Verluste zu beklagen. Nobbis schönstes Hemd, das er nächste Woche in die Oper anziehen wollte, ist von der Leine geweht worden. Wir haben es nicht bemerkt und konnten deshalb auch keinen Rettungsversuch starten.
Immer nur am Boot rumtüddeln und zwischen Boot und Marina pendeln ist irgendwann langweilig, also waren wir am Sonntag bei schönstem Wetter noch einmal auf dem Weingut Omata, haben leckere Pizza gegessen und bei kühlem Weißwein über die Bay of Islands geguckt. Den Wanderweg durch den Wald kennen wir inzwischen schon gut, doch er gefällt uns immer noch. Die Tuis (das sind Vögel und ungefähr so groß wie eine Elster) machen lustige Geräusche und antworten sogar. Die Tage sind warm, manchmal sogar heiß und seit ein paar Tagen ist es nachts so warm, dass wir wieder mit offenem Luk schlafen. Hier, im Norden der Nordinsel ist es so trocken, dass die Waldbrandgefahr sehr hoch ist. Seit Tagen oder Wochen hat es nicht geregnet, auch wenn immer mal dunkle Wolken vorbeischauen. Bis heute. Als wir gerade unser Schlauchboot einpacken wollten, hat es geregnet. Also haben wir im Regen unser Boot geputzt und es dann nass in seine Tasche gesteckt. Nicht schön, aber nicht zu ändern.
Morgen machen wir uns auf den Weg nach Hause. Urlaub vom Urlaub. Unterwegs legen wir einige Stopps ein, so dass der Weg nach Bremen zwei Wochen dauern wird, obwohl wir fliegen. Auf Mari ist alles verpackt, die Segel sind abgeschlagen und wir haben unsere Taschen gepackt. Es kann losgehen.
Morgen geht es zunächst mit dem Bus nach Auckland. Und dann freuen wir uns darauf wenn es wieder heißt „please proceed to Check-in“ oder wie wir hier in Neuseeland sagen „chicken“.

Unterhaltungsprogramm in Opua

Die Tage vergehen mit Bootsgetüddel. Wir kommen gut voran und erledigen Klein- und Kleinstkram. Ich finde es immer etwas enttäuschend, wenn man etwas erledigt, das nicht auf der Liste stand, dann kann man anschließend kein Häkchen machen. Inzwischen haben wir auch die hinteren Motorfüße ersetzt. Das Schiffsinnere wurde vom Maschinenraum zurück verwandelt in ein Wohnzimmer. Ein Wohnzimmer in dem wir nun schleifen…
Am Freitag hatten wir einem Termin mit Rob, er hat unser Rigg kontrolliert. Deshalb hatten wir einen Platz in der Marina gebucht. Da wir fast eine halbe Stunde im Hafenbecken auf das Freiwerden unseres Platzes warten mussten, hatte Nobbi Gelegenheit zu beweisen, dass er gut manövrieren kann. Maris solides Rigg hat viel Lob bekommen, aber wir auch neue Punkte auf der To-Do-Liste, weil wir die Mittelwanten erneuern wollen. Außerdem hat Rob uns noch einige Tipps zu Verbesserungen gegeben. Nachmittags hatten wir Besuch von Freunden, die extra aus Whangarei gekommen sind um mit uns einen schönen Nachmittag zu verbringen. Da passte es gut, dass wir am Steg lagen.
Neuseeland ist das Land der Schilder und Zäune. Die Grundstücke in den Neubaugebieten werden noch vor dem Verkauf eineinhalb Meter hoch eingezäunt. Da weiß man noch gar nicht ob man seine Nachbarn mag. Praktisch jedes Feld, jede Weide und jedes Grundstück ist eingezäunt. Ein Fahrradweg, wo auf der einen Seite Sumpf und auf der anderen Seite Mangroven sind, ist natürlich beidseitig durch Stacheldraht begrenzt. Eines der beliebtesten Schilder ist „private property“. Nicht selten erkennt man einen Pfad nur als Pfad, weil ein Schild darauf hinweist, dass man ihn nicht gehen darf. Auch auf geschlossenen Toren ist gerne ein Schild angebracht, dass dies ein Privatweg sei. Bauzäune sind fast flächendeckend mit Warnschildern zugepflastert. Und dann gibt es noch die „liquor oder alcohol ban areas“ die Orte an denen man keinen Alkohol trinken darf, manchmal darf man nicht mal Alkohol besitzen. Diese Schilder hängen meist in unmittelbarer Nähe der Liquor Shops, den Läden in denen man höher prozentige Alkoholika kaufen kann. Bier und Wein werden im Supermarkt verkauft (wobei ein zweiter, extra herbeigerufener Angestellter das Mindestalter von 25 Jahren bestätigen muss). Besonders lustig finde ich, dass sich Liqour Drive Thru großer Beliebtheit erfreut. Wer den Schnaps kauft ohne aus dem Auto zu steigen kommt sicher nicht in Verlegenheit, ihn auf der Bank am Strand gegenüber vom Laden zu trinken.
Aber Neuseeland ist auch ein Land der netten Menschen. Wir hätten um ein Haar den Bus verpasst, weil wir die Abfahrtszeit verwechselt hatten. Zum Glück hat die Busfahrerin auf Nobbis Winken und seinen Zwischenspurt reagiert und für uns noch einmal gehalten. Dann hat sie sich entschuldigt, dass sie nicht aufs uns gewartet hat. Unglaublich. Sie wusste ja nicht, dass wir mitfahren wollten. Sehr nett.
Für Unterhaltungsprogramm an kalten Abenden oder Regentagen ist gesorgt. Wir waren bei einem anderen Boot eingeladen. Daran, dass unser kurzer Besuch zum Kaffee um drei, abends um halb neun endete, kann man ableiten, dass es ausgesprochen nett war. Anschließend haben wir Filme getauscht und kopieren nun fleißig. Doch auch das Unterhaltungsprogramm vor Ort ist ausgesprochen kurzweilig. Mal wird ein Trimaran auf einen Tieflader verladen, mal wird ein 10 Meter langes Schlauchboot (2x 300 PS!) zu Wasser gelassen und sucht einen Platz am Dinghi Dock. Das ist ungefähr so, als würde ein LKW mit Anhänger am Samstag bei Ikea vorm Haupteingang parken wollen. Mittwochs ist Mittwochsregatta, da sitzen wir gerne auf der Bank in der Verlängerung der Start- und Ziellinie. Diese Woche ist Bay of Islands Sailing Week. Ab morgen wird gesegelt, mal sehen ob wir einen guten Platz finden um das Geschehen zu beobachten.
Wir beobachten gerne die Tölpel, die sich in waghalsigen Manövern vom Himmel stürzen und ausgesprochen zufrieden aussehen, wenn sie einen Fisch fangen. Und vor ein paar Tagen hatten wir nachts Delfinbesuch. Zunächst habe ich nur das Pfeifen gehört, dann haben wir sie dicht neben dem Boot gesehen. Immer wieder schön!

Im Eintrag von letzter Woche gibt es jetzt auch Fotos.

Ein kleiner Ausflug nach Whangarei

Manchmal in das Bootsleben einigermaßen mühsam. Ich hab aber gar keine Lust die Geschichte von der kaputten Pumpe zu erzählen, deren nagelneue Nachfolgerin zunächst von Nobbi repariert werden musste. Auch der zwanzigste Besuch in irgendeinem Laden und die Klärung der Frage, ob wir irgendwann auch eine Rechnung bekommen und diese auch bezahlen dürfen, ist langweilig.
Doch es gibt auch gute Nachrichten, wir haben ein neues Funkgerät, das sogar auf Anhieb funktioniert, die neue Sprayhood ist montiert und unsere Logge hat ein neues Schaufelrad.
Ab und zu brauchen wir einen Tapetenwechsel und wollen was anderes sehen, als das Dinghi Dock, die Marina und den Fish‘n Chips Laden. Wir gehen also segeln, bzw. treiben bei wenig Wind durch die Gegend. Unsere Segel werden mal wieder gelüftet, ganz ungewohnt ohne Reff.
Wir mieten ein Auto für zwei Tage. Der Autovermieter an der Marina ist sich seines Standortvorteils bewusst, das Auto ist fast dreimal so teuer wie der Mietwagen, den wir auf der Südinsel gemietet hatten. Doch wir haben keine Lust uns zu ärgern. Der Tag beginnt sehr erfolgreich. Ein befreundeter Segler hat uns von einem Bekannten erzählt, der jemanden gefunden hat, der Gasflaschen aus Kunststoff füllt. Wir fahren also zuerst zur Tankstelle. Entgegen aller Aussagen, dass diese Flaschen in Neuseeland nicht gefüllt werden, ist das hier problemlos. Flasche auf die Waage stellen, füllen, bezahlen, fertig. Das war einfach.
Wir füllen im Supermarkt den Einkaufswagen und fahren anschließend nach Kerikeri. Im Baumarkt finden wir einige Dinge, die wir gebrauchen können. Bei Kerikeri gibt es eine Art Museumsdorf. Der Teil, den wir noch nicht kennen, ist geschlossen. Also machen wir einen Spaziergang und essen sehr lecker. In maps.me habe ich einen kleinen Wasserfall entdeckt, zu dem ein Wanderweg führt. Der Wasserfall ist nett, aber wir haben das Gefühl zu stören. Die Dorfjugend trifft sich hier mit Musik und Bier. Also machen wir uns bald auf den Rückweg. Lustig wird es am nahegelegenen Bootsanleger. Nobbi rettet gleich zwei Boote, das erste treibt seinen unerfahrenen Besitzern bei seiner Erstwasserung ab, das zweite hopst vom Anhänger und der Eigner gleich hinterher. In Klamotten.
Am zweiten Tag unternehmen wir einen Ausflug nach Whangarei (ausgesprochen: Fangarei). Eine Stunde südlich liegt die Stadt, die der zweite große Anlaufpunkt vieler Segler hier im Norden Neuseelands ist. Wir unternehmen einen netten Spaziergang rund um den Hafen und kaufen in einer Glasbläserei Kiwis als Andenken. Zufällig treffen wir Freunde, von denen wir gar nicht wussten, dass sie inzwischen mit ihrem Boot in Whangarei liegen. Eine schöne Überraschung. Wir essen zusammen und stellen fest, dass wir im nächsten Jahr eine ähnliche Route planen. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem – ihr ahnt es – Wasserfall.

Was gibt es neues in Neuseeland? Ich habe mein neuseeländisches Sportwissen von All Blacks (Baseball, Männer) auf die Silver Ferns (Netball, Frauen) erweitert. Der Kopfschüttler der Woche kommt jedoch als anderer Richtung. Es gibt doch tatsächliche eine Petition, die fordert Koalas aus dem brennenden Australien in den neuseeländischen Eukalyptuswäldern auszuwildern. Als hätte Neuseeland noch nicht genug schlechte Erfahrungen mit eingeführten Arten gemacht.

Bootsalltag in Opua – Russel, Motorfüße und Buschfeuer

Die Tage vergehen, wir tüddeln hier rum, erledigen Kleinkram, verbringen die Tage mit ganz normalen Haushaltsjobs und beginnen die nächste Segelsaison vorzubereiten.

Oft sind es die kleinen Dinge, die uns auf Trab halten. Unsere Motorfüße sind schon wieder kaputt, das ärgert uns. Wir hatten sie bereits in Brasilien ausgetauscht und bei einem Stückpreis von 175 Euro ist das nicht nur nervig sondern auch teuer. Wir haben noch zwei andere Motorfüße in der Ersatzteilkiste. Diese passen zwar zum Motor, jedoch nicht zu den Bohrungen im Boot. Da wir nicht „mal eben“ den Motor ausbauen wollen um neue Löcher zu bohren, brauchen wir Adapterplatten. Wir fragen in der Werkstatt. Das ist kein Problem, sie verstehen was wir wollen. Als wir die Platten abholen wollen, sie sie noch nicht fertig. Am nächsten Tag können wir sie mitnehmen. Wir bauen sie ein und stellen fest, dass die Bolzen mit denen die Füße am Motor befestigt werden etwas zu lang sind. Also bauen wir sie wieder aus. Nobbi flitzt am nächsten Morgen an Land und fragt in der Werkstatt, ob sie uns die Bolzen absägen können und kommt ohne die Füße wieder. Sie sägen sie ab, aber nicht sofort. Morgen können wir sie abholen. Am nächsten Tag wollen wir die Füße abholen. Sie sind noch nicht fertig, aber morgen werden sie abgesägt und dann können wir sie abholen. Als wir die Füße am nächsten Tag abholen wollen ist der Laden geschlossen. Ausnahmsweise nur vormittags geöffnet. Die nächsten zwei Tage ist der Laden geschlossen. Als der Laden im neuen Jahr wieder geöffnet ist, wollen wir unsere Füße wieder abholen. Sie sind noch nicht abgesägt. Wir nehmen sie wieder mit, jetzt haben wir keine Lust mehr zu warten.
Nobbi sägt sie selbst ab, das dauert mit der Hand nur 3 min pro Fuß, mit der Flex in der Werkstatt hätte es vermutlich 20 Sekunden gedauert. Weshalb wir das nicht gleich selbst gemacht haben? Weil wir dafür den Schraubstock aus dem Schrank und die Säge aus dem Fach unter der Achterkoje brauchten. Und, weil es nicht empfehlenswert ist Eisen an Bord zu sägen. Eisen sägt sich zwar gut, aber Eisenspäne, die irgendwo liegen bleiben machen Rostflecken. Also sind wir nun damit beschäftigt Rostflecken zu jagen…
Wir haben noch mehr Dinge, denen wir hinterher laufen oder hinterher telefonieren und Pakete die wir suchen. Es gibt jedoch auch Probleme die sich auf wunderbare Art und Weise lösen. Wir haben wunderschöne Gasflaschen aus Kevlar, nur will die in Neuseeland leider keiner füllen. In Neuseeland dürfen nur Flaschen gefüllt werden, die auch hier getestet wurden. Leider kann hier niemand diese Flaschen füllen. Wir fragen im Segelladen, der Mitarbeiter gibt uns den Tipp bei einer anderen Firma zu fragen. Der nette Mitarbeiter kann unsere Flaschen auch nicht füllen, aber schenkt uns eine Gasflasche, so dass wir nur die Füllung bezahlen müssen. So haben wir 9kg Gas für umgerechnet 20 Euro bekommen und können Kuchen backen so viel wir wollen. Und vielleicht schaffen wir es sogar unsere Flasche selbst zu füllen.
Das Wetter ist durchwachsen, nach einigen wunderschönen Sommertagen hatten wir viel Wind und es war recht ungemütlich. Für uns ist die Überfahrt von Mari an der Boje zum Steg in der Marina meistens recht feucht. Unser kleines dickes Dinghi kommt mit dem 5PS Außenborder nicht ins Gleiten, wir nehmen also jede Welle mit und wir werden schön nass gespritzt.

Ab und zu unternehmen wir eine kleine Wanderung, schon weil wir gelegentlich einkaufen müssen. Silvester wandern wir nach Russel und nehmen von dort die Fähre nach Paihia. Wir füllen unsere Rucksäcke und Einkaufstaschen im Supermarkt und fahren mit dem Bus zurück nach Opua. Die Wanderung hat uns gut gefallen, aber für Russel hätten wir gerne etwas mehr Zeit gehabt.
Also beschließen wir am 2. Januar Russel noch einmal zu besuchen. Diesmal laufen wir von Opua nach Paihia und fahren mit der Fähre nach Russel. Wir schlendern durch den Ort, bummeln durch die kleinen Läden, kaufen ein paar Dinge im Supermarkt, die wir zwei Tage zuvor vergessen haben und setzen mit der Fähre wieder nach Paihia über. Dann warten wir auf den Bus. Der Bus fährt Dienstag, Donnerstag und Samstag. Jeweils einmal. Der Bus kommt nicht. Wir laufen also mit den schweren Einkäufen nach Opua zurück. Acht ungeplante Kilometer später haben wir platte Füße und uns die Dusche ehrlich verdient. Der 2. Januar ist ein Feiertag „Day after New Year“, wer ahnt denn sowas!

Natürlich verfolgen wir die Situation in Australien. Die verheerenden Buschfeuer beschäftigen uns, nicht nur, weil wir über Australien nach Deutschland fliegen werden. Vor drei Tagen färbte sich der Himmel gelb orange, eine unwirkliche Stimmung. Der Rauch der Feuer in Australien hatte Neuseeland erreicht. Auch Neuseeland kämpft zurzeit mit Buschfeuern, zum Glück nicht in so dramatischem Ausmaß wie Australien.

Der kleine Jahresrückblick

Für uns war 2019 zweifelsohne ein fantastisches Jahr. Wir sind etwa 9900 Meilen gesegelt, haben sechs Länder besucht und 80 Nächte auf See verbracht. Wir haben in sechs Marinas am Steg gelegen und an 59 verschiedenen Plätzen geankert oder an einer Boje gehangen.
Für uns hat 2019 in Curacao begonnen, von dort ging es nach Panama und durch den Panamakanal in den Pazifik. Wir durften diesen größten Ozean unseres Planeten durchsegeln. Wir besuchten einige Inseln und Atolle Französisch Polynesiens, Samoa und Fiji und segelten schließlich nach Neuseeland.

Wir sind glücklich und dankbar, dass wir heil, gesund und ohne größere Schäden in Neuseeland angekommen sind. Die Pazifiksaison war anstrengend und aufregend. Tiefpunkt war sicherlich der Motorschaden in Tahuata, der sich zum Glück als weniger dramatisch herausstellte als befürchtet. Mehr als einmal sind wir über unseren Schatten gesprungen, doch es hat sich gelohnt. Jede bange Minute wurde durch unvergessliche Erlebnisse, tolle Erfahrungen und spannende Begegnungen mehr als aufgewogen.

Hier unsere unvollständige und nicht chronologische Liste unserer 2019er Highlights:
Landfall in Hiva Oa nach 38 Tagen auf See, Tauchen mit Haien in Fakarava, Wandern auf Moorea, Schnorcheln in Fiji, die Freundlichkeit der Samoaner, das Heiva in Makemo, unserer längste Passage auf See, die Fahrt durch den Panamakanal (mit Otti!), auf hoher See bei Flaute von einer Schildkröte überholt werden, Besuch der San Blas Inseln, das Ein-Atoll-für-uns-allein-Gefühl auf Makemo, mit Freunden die Las Perlas entdecken, die Mantas auf den Marquesas, Rundreise auf der Südinsel Neuseelands, Sightseeing in Panama City, ein unvergesslicher Abend auf Toau mit Valentine, Gaston und „unseren“ Italienern, ankern in Bora Bora am schönsten Ankerplatz der Welt, Buchtenbummeln in Fiji, Türkisallergie in Huahine, Anaho in Nuku Hiva, Sommerfrische in Neuseeland, Walbegleitung unter Segeln …

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns begleitet haben. Bei den Crews, die wir an den Ankerplätzen getroffen haben, die diese tolle Zeit mit uns geteilt haben und bei den Menschen die wir unterwegs an Land kennengelernt haben.
Und wir möchten uns bei euch bedanken. Ihr habt mitgefiebert, mitgelitten und euch mit uns gefreut. Ihr habt uns getröstet und angefeuert. Danke, dass wir unsere Erlebnisse mit euch teilen durften.

Wir wünschen euch ein schönes, aufregendes und glückliches Jahr 2020.