//WL2K Tierisches Willkommen in Brasilien

Auch im Paradies regnet es ab und zu, sonst waere es hier wohl auch nicht so gruen. Heute Nacht sind mehrere Schauer durchgezogen und haben unser Schiff gewaschen, auch heute Morgen hat es noch einmal geregnet. Geweckt hat mich heute Nacht allerdings nicht der Regen, sondern der Schwell. Das Schiff rollte unangenehm in der Welle. Morgens war ich unausgeschlafen und zunaechst nur mittel gut gelaunt, das aenderte sich beim morgendlichen Bad schlagartig. Erst kam ein Schwarm schwarz gestreifter Fische vorbei und dann habe ich direkt unterm Boot einen Hai gesehen. Er liess sich nicht vom mir stoeren und blieb zehn Minuten bei mir. Weniger willkommen sind die Entenmuscheln, die es sich auf Maris Bauch gemuetlich gemacht haben, wir ruecken ihnen mit einem zum Kratzer umfunktionierten Pfannenwender zu leibe. Nachdem Hailight war ich ohnehin oben auf und dann hat Nobbi mir auch noch ein Spiegelei zum Fruehstueck gebraten. So darf ein Tag beginnen. Und die Delfine waren auch wieder da!
Den Vormittag haben wir mit Bootsgetueddel verbracht. Unsere Positionslichter haben sich auf der Fahrt hierher einen Wackelkontakt zugelegt. Nobbi hatte das bereits auf See provisorisch geflickt und dieses Provisorium haben wir nun noch etwas verfeinert, so dass es wohl bis zum Festland haelt. Eine weniger amuesante Baustelle ist unser Babystag, es ist gebrochen, und zwar in der Mitte offensichtlich durch Korrosion. Ein gebrochenes Stag ist ueberhaupt nicht lustig. In unserem Fall ist es nun das, auf das wir verzichten koennen, so haben wir es einfach demontiert. Doch wie bricht ein Stag ohne Belastung? Diese Baustelle wird uns sicher spaeter laengere Zeit beschaeftigen. Ein Kuchen wartet darauf uns satt durch die anstehenden Nachtwachen zu bringen und das Mittagessen fuer die Seetage ist bereit gestellt.
Mittags ging es an Land. Gleich am ersten Tag haben wir ein nettes Restaurant mit sehr freundlichem Personal gefunden, dem wir seither treu bleiben. Nach einem tolles Essen waren wir im kleinen Supermarkt und haben uns mit Obst fuer die Weitereise eingedeckt: Mandarinen, Orangen, Mango, Maracuja und Bananen. Danach war mal wieder Tanken angesagt. Gestern haben wir diese Uebung schon einmal absolviert. Drei 20 Liter Kanister hatten wir im Schlauchboot deponiert, an der Tankstelle wurden sie gefuellt und dann mit der Sackkarre wieder zum Steg transportiert, von dort ging es ins Schlauchboot und zurueck zu Mari. Nun sind der Tank und alle Dieselkanister wieder voll, theoretisch koennten wir zum Festland motoren, was wir aber nicht vorhaben.
Nachmittags war dringend Zeit fuer etwas Urlaubsprogramm, wir sind also wieder ins Schlauchboot geklettert. Bei jeder Schlauchbootfahrt werden wir nass, mal etwas, mal komplett. Deshalb packen wir unsere Kleidung in einen wasserdichten Sack und machen uns in Badesachen auf den Weg. Bei diesen Temperaturen ist das kein Problem. Vom Strand aus sind wir im flachen Wasser herum geschnorchelt und haben uns die Unterwasserwelt angesehen. Die Artenvielfalt ist beeindruckend, grosse Kofferfische, verschiedene Doktorfische, ein Kaninchenfischpaar und viele andere Arten gab es zu sehen. Am schoensten war aber die Schildkroetenbegegnung. Im flachen Wasser hat sie genuesslich Pflanzen abgerissen und sich von uns begleiten lassen, als wir schliesslich zurueck zum Strand geschwommen sind, hat sie noch ein paarmal aus dem Wasser geguckt als wollte sie fragen wohin wir gehen. Der Tag endete mit einem Caipi bei Sonnenuntergang mit Blick ueber die Bucht.
Seit gestern sind wir offiziell in Brasilien eingereist und duerfen nun 90 Tage hier verbringen, jetzt also noch 88. Das Einklarieren ging schnell und ausgesprochen freundlich. Alle Beamten kamen ins Hafenbuero, wir wurden mit Kaffee versorgt und haben ein paar Zettel fuer uns und fuer das Schiff ausgefuellt. Einer der Beamten sprach Englisch und hat uns gute Tipps fuer unseren naechsten Stopp Recife gegeben. Er kommt daher und hat uns sogar den besten Liegeplatz und das nahe gelegene Shoppingcenter auf Google Maps gezeigt.
Gestern haben wir uns, nach dem Tanken und einem leckeren Essen im Restaurant, den kleinen Ort und das Fort angesehen. Das Fort ist wildromantisch, herbstliche Baeume, verfallene Mauern, eine Schaukel und darueber kreisen Fregattvoegel. Ausserdem bietet es einen tollen Blick ueber die Bucht. Eigentlich hatten wir noch grosse Plaene, doch es wurde bereits dunkel und wir hatten Muskelkater. Die kleine Insel ist ganz schoen huegelig, ganz besonders fuer entwoehnte Seglerbeine. Einen netten Abend haben wir mit der Crew der Kama verbracht (schon wieder Schweizer!), die auch einige Zeit in Brasilien bleiben werden. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen.
Morgen geht es fuer uns weiter. Das heisst, dass wir mal wieder ins Hafenbuero muessen. Etwas anstrengend, dass wir von vier Tagen hier an dreien Behoerdenkram erledigen muessen, aber so sind nun mal die Spielregeln. Bevor wir hier wegsegeln wird natuerlich noch mal geschnorchelt und morgenfrueh sitze ich wieder an Deck, wenn um halb acht die Delfine vorbei kommen.

//WL2K Ankern im Delfinarium

Wir haben es geschafft und haben tatsaechlich gestern mit dem letzten Licht Fernando do Noronha erreicht. Als wir ankommen gehen die einzigen beiden anderen Yachten gerade Anker auf. Das ist schade, Maramalda kennen wir von den Kap Verden, wir haetten Rita und Daniel gerne wiedergetroffen. Nachdem wir unsere glueckliche Ankunft gefeiert haben fallen wir ins Bett.
Heute Morgen stand natuerlich zuerst ein Bad im herrlich tuerkisenen Wasser an. Obwohl wir auf etwa 10 m Wassertiefe ankern kann man den Grund sehen. Wir hatten von Joan, dem Brasilianer, den wir in Mindelo getroffen haben, gehoert, dass es hier Delfine am Ankerplatz geben soll. Doch was wir nach dem Fruehstueck erleben durften, hatten wir nicht erwartet. Eine Truppe von etwa 50 Delfinen tobte in der Bucht. Mal schwammen sie langsam, dann gab es einen Zwischenspurt, einzelne Tiere sprangen und vollfuehrten die tollsten Kunststuecke. Es handelt sich um Spinner-Delfine, die koennen sogar Schrauben in der Luft drehen, unbedingt mal Google befragen. Die Herde hat sich geteilt und hat Mari mit knapp 2 m Abstand passiert. Spaeter, als wir mit dem Dinghi an Land gefahren sind, waren die Delfine ploetzlich wieder ueberall, unter dem Schlauchboot, links und rechts von uns, so dicht, dass man sie haette anfassen koennen. 100 m Abstand von Delfinen sind vorgeschrieben, doch die Delfine halten sich einfach nicht dran. Ich bin gluecklich, der Aufenthalt hat sich schon jetzt gelohnt und vielleicht kommen sie morgen frueh ja wieder vorbei. Besuch von einer Schildkroete hatten wir auch, ausserdem gibt es hier jede Menge spannender Voegel. Ueber der Bucht kreisen staendig Fregattvoegel, die mir gefallen weil sie so elegante Flieger sind.
Fernando de Noronha ist ein Archipel aus 21 Inseln und Inselchen. In Wirklichkeit gibt es eine groessere Insel, die mit 17 km2 nicht gerade riesig ist und genauso heisst wir das Archipel, und eine Reihe kleinerer und groesserer Felsen. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und die hoechste Erhebung ist der Morro do Pico, ein steiler Zahn, der 323 m in die Hoehe ragt. Die Insel ist ein Ferienparadies der brasilianischen Oberschicht, anscheinend ein beliebtes Honeymoon-Ziel und bekanntes Tauchparadies. Die Insel ist gruen, verziert mit malerischen Felsen, und bietet weisse Straende, tuerkises Badewasser und schoene Schnorchelspots. Der Grossteil der Insel gehoert zu einem Marinepark, der zusammen mit dem Atoll das Rocas zum Weltnaturerbe gehoert. In der Baia dos Golfinhos, einer Bucht im Suedwesten, soll es die groesste Delfinpopulation weltweit geben, bis zu 1000 Delfine sollen dort gezaehlt worden sein. Außerdem gibt es hier Schildkroeten, die hier auch ihre Eier ablegen, eine artenreiche Unterwasserwelt mit mehreren Haiarten und viele Seevoegel. Die Brasilianer meinen es ernst mit dem Umweltschutz, die Dichte an Muelleimern ist beeindruckend, wir haben tatsaechlich bisher ueberhaupt keinen herumfliegenden Muell gesehen. Fuer den Zugang zum Marinepark und damit zu den besonders schoenen Straenden muss man eine Gebuehr bezahlen, an die Wasserlinie darf man nur in ausgewaehlten Bereichen und die Schildkroetenstraende sind nachts gesperrt, damit diese dort in Ruhe ihre Eier ablegen koennen.
Nachdem unser Aussenborder heute Morgen zunaechst nicht angesprungen ist, hat Nobbi den Vergaser ausgebaut und geputzt, dann lief er. Nach dieser kleinen Verzoegerung sind wir am spaeten Vormittag an Land gewesen und haben zunaechst das Hafenbuero gesucht. Der Weg dahin fiel uns schwer, torkelten wir doch anfangs wie betrunken den Holzsteg entlang denn wir versuchten die gewohnten Schiffsbewegungen auszugleichen. Die Capitania war geschlossen, daher ging es erst einmal in den kleinen Ort. Dort gab es nicht nur ein ausgesprochen leckeres Mittagessen, sondern auch brasilianisches Geld, Tomaten, Maracujas und Brot fuer uns. Im Hafenbuero haben wir einige Zettel ausgefuellt und sollen morgen frueh wiederkommen, dann kommt der Beamte von der Immigration und wir erfahren, ob wir hier bereits nach Brasilien einreisen duerfen. Nach einem Spaziergang ueber den Nordzipfel der Insel ging es zurueck an Bord. Mal sehen, ob wir morgen Muskelkater vom ungewohnten Laufen haben.
Vier Tage wollen wir hier bleiben, bevor es weiter geht. Das Paradies hat seinen Preis, ueber 400 Euro werden uns die vier Tage am Anker (!) an Gebuehren kosten, darin ist der Zugang zum Nationalpark noch nicht erhalten.

//WL2K Land in Sicht!

Heute, an unserem 17. Tag auf See, hat Nobbi um 13.20 Uhr als erster Fernando de Noronha entdeckt. Jetzt trennen uns noch etwa 20 Meilen von der Ankerbucht, wir rechnen damit sie mit Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Waehrend wir heute noch ankommen, ist die Anna Smile noch 4 Wochen unterwegs. Der Frachter hat uns heute Vormittag mit nur 2 Meilen Abstand passiert und Nobbi hat einen kleinen Schnack mit dem wachhabenden Offizier gehalten. Sie kommen aus New Orleans und sind auf dem Weg nach Singapur.
Nach einer schoenen, sternklaren Nacht wird uns heute ein fantastischer Segeltag geschenkt. Wir sind hoch am Wind unterwegs, liegen also stark auf der Seite und die Segelei ist ungemuetlich, doch wir sind schnell. Die Gischt sprueht und Mari kaempft sich unermuedlich durch die Welle. Seit Sonnenaufgang laufen wir durchgehend mit ueber 6 kn, es scheint als wollte Mari uns zum Ende dieser Etappe nochmal beweisen, dass sie auch schnell segeln kann.
Wir sind gespannt auf die Insel, auf ein neues Land und freuen uns auf eine Nacht mit ausreichend Schlaf.

//WL2K Atlantik – Tag 15

Um 7.39 Uhr haben wir den Aequator ueberquert. Von der Halbkugel der Eisbaeren auf die Halbkugel der Pinguine. Das Ueberqueren des Aequators wurde natuerlich gefeiert, vor allem haben wir uns bei Neptun bedankt. Er hat es uns nicht leicht gemacht, uespruenglich hatten wir gehofft bereits vor drei Tagen ueber den Aequator zu segeln. Das Kreuzen gegen Wind und Welle ist ungemuetlich und zeitweise frustrierend. Die ’nur noch 300 Meilen bis zum Ziel‘-Marke konnten wir gleich dreimal feiern. An Tag 12 haben wir nur 2 Meilen nach Süden und 40 Meilen nach Osten gut gemacht. Doch jetzt koennen wir unser Ziel fast anliegen. Waehrend wir gestern einen fast gemuetlichen Segeltag hatten, schuettelt uns die Welle heute wieder kraeftig durch, unter Deck fuehlen wir uns wie in der Waschmaschine. Gestern gab es Pfannkuchen zum Fruehstueck, das ist heute voellig undenkbar, schon Kaffeekochen glich einer sportlichen Hoechstleistung. Man muss sich immer festhalten und wir sammeln fleissig blaue Flecken.
Trotz der elenden Am-Wind-Segelei vergehen die Tage schnell. Lesen, essen, schlafen. Heute Nacht hatten wir wieder Vogelbesuch auf dem Bimini, unser Passagier ist abends gelandet und bis zum Sonnenaufgang geblieben. Ansonsten haben wir ein kleines Forschungsprojekt und versuchen zu ergruenden weshalb unser eines Kuechenhandtuch nur quer gefaltet auf der Stange vor dem Herd haengen bleibt, das andere, baugleiche, jedoch nur wenn man es laengs faltet. Seit ein paar Tagen merken wir, dass es kuehler wird. Die Wassertemperatur sinkt langsam aber kontinuierlich und nachts wird es in kurzer Hose und T-shirt frisch, ich decke mich im Cockpit mit einem grossen Handtuch zu.
Langsam beginnen wir zu rechnen, wann wir wohl ankommen und ob es eine Landung bei Tageslicht wird.

//WL2K Atlantik – Tag 12

Kraah! Was? Ich habe gerade meine Nachtwache angetreten und bin noch ziemlich verschlafen, aber ich habe wirklich was gehoert. Ab und zu gucken ein paar Federn unter dem Bimini hervor. Anscheinend haben wir Vogelbesuch. Ich stelle mich auf die Cockpitbank und richte mich ganz langsam auf, schliesslich will ich unseren Besucher nicht verjagen. Auf dem Bimini sitzt ein 25 cm grosser schwarzer Vogel mit weissen Schwanzfedern und guckt mich an. Er bleibt zwei Stunden und verabschiedet sich dann mit einem Kraah-Kraah in die Nacht. Gestern Nachmittag hatten wir Besuch von einem Seeadler, der versucht hat auf der Saling zu landen, aber mit dem Achterstag kollidiert ist und heute begleitet uns ein junger Toelpel.
Wir sind sehr langsam unterwegs. Unser letztes Etmal, die Strecke die wir in 24 Stunden zwischen Mittag und Mittag zurueckgelegt haben,betraegt nur 83 Meilen. Das Duempeln in der Flaute vor einigen Tagen und die Segelversuche mit dem leichten Wind haben uns weit nach Westen versetzt. Der Wind kommt aus nun Suedost, statt wie erhofft aus Ost. Fuer uns bedeutet das ungemuetliches am Wind segeln. Trotzdem koennen wir unser Ziel nicht anliegen. Wir muessen kreuzen. Der frische Wind hat eine ordentliche Welle aufgebaut, so dass wir nun Wellenberge von zwei bis drei Metern Hoehe erklimmen muessen. Immer wieder stoppen die hohen Wellen das Schiff auf. Die Wellen knallen gegen den Rumpf und schicken Wasser uebers Deck. Doch unsere Mari macht ihre Sache gut, die Windsteueranlage steuert und wir ueben uns in Geduld, Wie schoen waere es nun abzufallen und vor dem Wind dahin zu rauschen, doch dann kommen wir nicht nach Brasilien.
Die taegliche Dusche an Deck verbessert das Wohlbefinden und Pflaumenkompott zum Nachtisch die Laune. Besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen, ich habe die staerkeren Lakritz aus den gut versteckten Vorraeten befreit und esse nachts nun Teufelsfinger. Wir hoffen, dass wir morgen den Aequator ueberqueren koennen.

//WL2K Atlantik – Tag 9

Atlantik ? Tag 9

Wir haben ein Tief. Es sitzt mitten auf uns und macht auch keine Anstalten sich zu bewegen. Die Druckunterschiede sind so gering wie die Wolken riesig. Wir haben wenig bis gar keinen Wind. Mal segeln wir, mal duempeln wir. Gestern hatten wir drei grosse Schauer, die sehr viel Wind im Gepaeck hatten, in Boen 7 bis 8. Das ist insbesondere im Dunkeln unangenehm, weil man sie dann nicht kommen sieht. Heute Nacht haben sich auch einige Schauer angeschlichen, hatten aber nur Regen zu bieten, keine Boen. Der Wechsel aus kein Wind, schlagenden Segeln und minimaler Geschwindigkeit und den Schauerboen zehrt an den Nerven. Wir kommen zu dem Schluss, dass nur so viele Segler ueber den Atlantik segeln, weil man zwischendrin nicht mehr aussteigen kann. Allerdings kann man meistens mit mehr Wind rechnen, wenn man nicht wie wir ueber den Aequator will. Jammern hilft ja nichts und in Wirklichkeit geht es uns gut. Ursel steuert zum Glueck auch bei sehr wenig Wind.Wir futtern uns durch den Tag. Das hilft immer. Heute zum Beispiel. Morgens erst mal Kaffee, dann eine Kanne Tee, zum Fruehstueck Schwarzbrot mit Leberwurst und Zwiebeln, Knaeckebrot mit Kaese, Tomaten, Marmeladenbrot und Joghurt.Jetzt gibt es gleich Schokokuchen mit Pfirsichstueckchen zum Tee, später Orangen. Zum Abendessen, das wir allerdings nachmittags essen gibt es heute Kartoffeln und rote Beete, zum Nachtisch Pflaumenkompott. Nachts stehen verschiedene Dosen in der Pantry bestueckt mit Kuchen, Studentenfutter, Kraeckern und, ganz wichtig, Lakritz.
Ausser einer Colaflasche, die gerade vorbei getrieben ist, haben wir schon seit einiger Zeit keine Zeichen menschlichen Lebens ausmachen koennen. Seit Tagen wuensche ich mir Delfinbesuch, bekommen habe ich springende Thunfische. Das ist ein bisschen, als wenn man sich einen Hund wuenscht und die Eltern einen Hamster kaufen. Springende Thunfische sind aber auch cool, Kurz haben wir ueberlegt, ob wir versuchen wollen einen zu angeln, uns dann aber dagegen entschieden. Ein gern gesehener Besuch sind Cory und Corinna, die beiden Gelbschnabel-Sturmtaucher kommen uns seit Tagen immer wieder besuchen. Da wir uns jetzt schon besser kennen, haben wir den beiden Namen gegeben. Im Englischen heissen sie Cory’s Shearwater, wir waren also nur maessig kreativ.
Der Wetterbericht ist ziemlich eindeutig, es wird die naechsten zwei bis drei Tage flau bleiben. Damit ist auch klar, dass wir die schnellen Boote des Volvo Ocean Race nicht sehen, die werden sicherlich alles tun um so ein windarmes Gebiet zu umfahren. Ohnehin ist ein Aufeinandertreffen hier draussen sehr unwahrscheinlich. Ganz schoen riesig so ein Ozean.

//WL2K Atlantik – Tag 7

Heute Morgen gab es eine Spa-Behandlung fuer uns drei. Tropical Rain Shower hiess das Programm. Ein kraeftiger Schauer hat unser Schiff gewaschen, in Baechen lief der Staub der Kap Verden an den Wanten hinab. Wir haben die Gelegenheit fuer eine ausgiebige, erfrischende Suesswasserdusche genutzt. Die letzte Nacht war ruhig, aber durch den laufenden Motor auch ziemlich warm unter Deck. Trotzdem haben wir beide gut und tief geschlafen. Seit heute Morgen haben wir wieder Wind und koennen segeln. Der Tag ist schnell vergangen, wir haben gelesen, uns unterhalten und geschlemmt. Vom Streuselkuchen ist noch was da, der schmeckt auch in der Nachtwache, und zum Abendessen gab es Paprika-Haehnchen-Curry mit Mango-Chutney. Um uns herum treiben Algen, die aussehen wie Tannenzweige und mich an Weihnachten erinnern, trotzdem darf ich keine Weihnachtsmusik hoeren. Wir haben Bergfest gefeiert, die Haelfte der Strecke bis nach Fernando de Noronha liegt hinter uns. Nun sind wir gespannt auf die zweite Haelfte.

//WL2K Atlantik – Tag 6

Unter Deck sind 35 Grad, im Kuehlschrank waren heute morgen 27 Grad. Der Kuehlschrank ist inzwischen kalt, schliesslich motoren wir nach Sueden. Seit heute Nacht um drei haben wir Flaute, zunaechst haben wir versucht irgendwie zu segeln, doch inzwischen ist das Wasser absolut glatt, so glatt dass man sich spiegeln kann. Ein wenig Schwell ist uns erhalten geblieben und wiegt das Schiff auf und ab. Wir haben die Doldrums oder Kalmen erreicht, die Zone wo der Nordostpassat der Nordhalbkugel auf den Suedostpassat der Suedhalbkugel trifft. Hier muss man mit schwachen unbestaendigen Winden rechnen. Wir hoffen bei etwa 5 Grad Nord auf den Suedostpassat zu treffen.Seit zwei Tagen haben wir unvergleichliches Wolkenkino. Hier gibt es die unglaubliche Wolkenformen, riesige hoch reichende aufgetuermte, kleine zarte, flache, lang ausgestreckte. Und sie veraendern sich staendig. Gestern Abend hat es ueberall um uns herum geblitzt, ziemlich unheimlich. Heute Nacht haben zwei Schauer das Schiff gewaschen.
Eigentlich nervt so ein Flautenmotortag, in der Flaute knallen die Segel hin und her, macht man den Motor an heizt sich das Schiff auf und es ist laut. Doch wir hatten heute einen ausgesprochen netten Tag. Um sechs, da war es schon hell, haben wir die Flaute genutzt und ein Bad im tiefblauen Atlantik genommen. Zum Fruehstueck gab es Pfannkuchen mit Apfelmus. Wir haben Wellen und Toelpel fotografiert. Nobbi hat Fotos bearbeitet und mit dem Sextanten unsere Position bestimmt. Ich habe Birnenstreuselkuchen gebacken. Da heute Donnerstag ist, Seemannssonntag, gab es Schweinebraten und gruene Bohnen, zum Nachtisch Wassermelone und Grapefruit. Wir haetten auch einen anderen Grund gefunden.
Gleich geht die Sonne unter, dann gibt es den Sundowner und unser Wachsystem beginnt.

//WL2K Atlantik-Tag 4

Nach dem Fruehstueck am Samstag geht es schliesslich los. Wir drehen noch eine Runde durchs Feld der Ankerlieger und winken alten und neuen Freunden ?Farewell? . Dann geht es in die Duese zwischen Sao Vicente und San Antao. Die Welle ist kurz und ungemuetlich, der Wind nimmt auf Bft 6 bis 7 zu und wir werden in den offenen Atlantik ausgespuckt. In der Abdeckung der Inseln haben wir zunaechst sehr wenig Wind, doch nach ein paar Stunden setzt der Nordostwind ein.
Die ersten beiden Tage schlagen wir uns so durch, kommen aber ueberraschend gut in unseren Rhythmus. Seit gestern macht die Segelei Spass. Die Tage vergehen schnell mit kochen, essen, duschen, funken, lesen und Wellen angucken. Am ersten Abend hatten wir lange Besuch von einer Delfinschule, die uns ueber zwei Stunden begleitet hat, auch am zweiten Abend wurden wir einige Zeit eskortiert. Gestern kam ein Reiher vorbei, der zu gerne auf der Windsteueranlage gelandet waere. Wir freuen uns wie gut unser Kurzwellenfunk funktioniert. Gestern haben wir mit einer Yacht gesprochen, die 400 Meilen noerdlich der Kap Verden stand und heute freuten wir uns die bekannte Stimme von Federico zu hoeren, der immerhin 1100 Meilen entfernt auf La Palma wohnt. Dank Kurzwelle koennen wir nicht nur grib files (Wetterinformation), sondern auch Wetterfax empfangen und eine Nachricht an unseren Blog schreiben.
Heute haben wir festgestellt, dass eine Kugelschreiberlaenge 300 Meilen auf unserer Atlantikkarte entsprechen. Nobbi macht sich Gedanken ueber die Aequatortaufe und ich sortiere das Obst nach Reifegrad.

Tschau Cabo Verde!

Vor genau fünf Wochen haben wir die Kap Verden erreicht. Mit Sal, Sao Nicolau und Sao Vicente haben wir drei ganz verschiedene Inseln kennengelernt. Für uns hat sich der Aufenthalt gelohnt, nicht nur weil ein Stopp hier eine willkommene Unterbrechung der Atlantiküberquerung darstellt. Das Leben hier ist bunt und fröhlich. Die farbigen Häuser, die schöne Musik und die freundlichen Menschen haben dafür gesorgt, dass wir uns hier sehr wohl gefühlt haben. Insbesondere in den touristisch wenig erschlossenen Orten hatten wir viele nette Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen und neugierigen Kindern. Das Motto „No Stress“ passt wunderbar zu unserem Reisetempo. Sicherlich gäbe es noch viel mehr zu sehen. Die Inseln im Süden sollen viel grüner sein. Der Abschied fällt uns nicht leicht, verlassen wir nun immer öfter Orte, zu denen wir vermutlich nicht zurückkehren werden. Doch uns zieht es weiter.
Gestern haben wir die letzten Einkäufe erledigt und unsere Gasflasche gegen eine volle getauscht. Nobbi ist ums Schiff geschwommen und hat den grünen Bart abgekratzt. Heute Vormittag waren wir bei der Polizei und der Immigration und wollten heute Nachmittag eigentlich lossegeln, doch irgendwie waren wir noch nicht ganz fertig. Also haben wir unsere Leinen in der Marina gelöst und uns ins Ankerfeld verholt. Hier haben wir in Ruhe gegessen und Kleinigkeiten erledigt, wie die Vorbereitung des Tagebuchs und Datensicherung, ein paar Nachrichten geschrieben, das Ruder unserer Windsteueranlage angebaut und genießen nun die Ruhe. Als wir geankert haben war es ziemlich windig und wir gar nicht so traurig, dass wir unsere Abreise verschoben haben. Morgen geht es nach einem gemütlichen Frühstück los!