Make an educated guess!

Es geht los! Wir sind tatsächlich absegelbereit. Die Listen sind abgearbeitet, die Navigation läuft wieder, unser Rigg ist gecheckt, genau wie der Motor, der Wassermacher hat Streicheleinheiten bekommen, die Wassertanks sind gefüllt, die Obstnetze sind rappelvoll mit Bananen und Orangen, die Schapps sind vollgestopft mit Knäckebrot und Müsli, das vorgekochte Essen wartet im Kühlschrank, die MP3-Player sind mit Lieblingsmusik bestückt, Lieblingsbücher warten auf Nachtwachen…
Heute legen wir ab. Kurs Kap Verden. Unser erster Stopp soll die Insel Sal ganz im Osten der Inselgruppe sein. Und jetzt kommt ihr ins Spiel. Wann sind wir dort? Schätzt unsere Ankunftszeit, ausgehend von einer Abfahrtszeit heute 15 Uhr Ortszeit! Der beste Tipp wird natürlich belohnt und bekommt Post.
Damit ihr nicht nur raten müsst, sondern eine fundierte Schätzung abgeben könnt hier einige Hintergrundinformationen und das Kleingedruckte: Zu unserem angepeilten ersten Ankerplatz sind es 774 Meilen, wir rechnen normalerweise mit 5 kn Geschwindigkeit (also 5 Seemeilen / Stunde), bei viel Wind schaffen wir auch 6-7 kn, bei wenig Wind dümpeln wir langsamer durch die Gegend. Aus jetziger Sicht sind für die ganze Strecke mittlere Winde angesagt, hoffen wir dass es auch so kommt.
Angegeben werden soll unsere Ankunftszeit auf den Kap Verden Ortszeit! Auf den Kap Verden gilt die CVT (Cape Verde Time), also UTC-1. Hier auf den Kanaren gilt UTC oder Westeuropäische Zeit, jedoch gibt es hier Sommerzeit. Wir stellen unsere Uhr auf der Reise also um zwei Stunden zurück.
Es werden nur Tipps berücksichtigt die bis Sonntagmorgen per Mail unter mail.for.marisol@gmail.com, per Brieftaube oder mittels Delfinpost abgegeben werden. Sollten wir nicht um Punkt 15 Uhr auslaufen, werden wir eure Tipps natürlich bereinigen.
Wir hoffen auf eine schöne Überfahrt mit nettem Segelwetter, Delfinbegegnungen und sternklarem Himmel. Drückt uns die Daumen!

Zwei interessante Wanderungen und ein geschlossener Laden

Nach unserem sportlichen „Vulkantag“ wollten wir es etwas langsamer angehen lassen und fuhren zunächst nach Santa Cruz. Die Stadt hatte uns bereits bei unserem ersten Besuch gut gefallen. Bei einem Stadtbummel stellten wir fest, dass der Wanderschuhladen geschlossen hat.
Nachmittags ging es in den Nordosten der Insel, wo eine kleine Wanderung im Lorbeerwald zu einem Aussichtspunkt auf dem Programm stand. Den Lorbeerwald kennen wir bereits von La Gomera, Teneriffa und Madeira. Die Lorbeerbäume können über 30 m hoch werden. Unser botanischer Wanderführer hat uns die besonderen Pflanzen erklärt und wir haben viele Vögel gesehen. Die Buchfinken sind sehr zutraulich und warteten am Aussichtspunkt auf Wanderer, die ihre Kekse mit ihnen teilen.
Gestern Vormittag haben wir als Kontrastprogramm eine Tour durch Kiefernwald und Weinterrassen unternommen. Schon die Anfahrt zum Ausgangspunkt unseres Weges gestaltete sich interessant. Die kleine Straße führte durch kleine Dörfer, vorbei an Höfen und Obstgärten. Unser Weg führte durch vier kleine Schluchten und war nicht zu steil. Ein Glück bei 30 Grad.
Nachmittags fuhren wir quer über die Insel wieder nach Santa Cruz, um erneut unser Glück beim Wanderschuhladen zu versuchen, doch diesmal war der Laden nachmittags geschlossen. Also gab es keine neuen Schuhe, sondern nur ein nettes Abendessen, bevor es zum Einkaufen und schließlich zurück zum Boot ging.

Steile Schluchten und Vulkane

Wir warten. Wir warten auf schönes Segelwetter und auf die Installation von Computerprogrammen. Beim Versuch unsere Afrika-Karten zu installieren wollte unser Navi-Programm nicht mehr, was schließlich damit endete, dass wir unseren Bord-PC „platt“ gemacht haben. Nach vielen Stunden des Wartens und „Weiter“-Klickens läuft jetzt alles wieder so wie es soll. Hoffentlich.
Damit uns nicht das Deck auf den Kopf fällt, wird es Zeit für etwas Unterhaltungsprogramm. Wir mieten noch einmal ein Auto und schnüren die Wanderstiefel. Zunächst geht es in den Norden der Insel. Das Dorf El Tablado ist unser Ziel. Hier startet eine Wanderung, die in unserem Wanderführer als lohnenswert beschrieben wird und „Blau“, also leicht, sein soll. Die blaue Wanderung hat es in sich. Der Blick in die Schlucht und aufs Meer ist spektakulär, doch der Weg ist so steil, dass man besser nur die Aussicht genießt wenn man steht. Beim Gehen sind die Augen fest auf den Pfad geheftet. In der Schlucht ist es wunderbar grün und sehr ruhig. Abgesehen von Eidechsen und Vögeln, treffen wir nur eine Deutsch-Französische Wandergruppe, die sich mit Witzen über Elsässer und Badener die Zeit vertreibt. Als wir auf der Südseite der Schlucht den Bergkamm erreichen, reißt der böige Wind so sehr an uns, dass wir aufpassen müssen nicht über die Kante geweht zu werden. Es geht zurück in die Schlucht und der Aufstieg gestaltet sich besser, als wir nach dem rutschigen Abstieg erwartet hatten. Abends findet die Tazacorte die „Fiesta Cubana“ statt, das wollen wir uns ansehen. Zunächst müssen wir uns überreden nach dem Wandertag noch einmal die 20 Minuten Aufstieg ins Dorf zu absolvieren, doch es hat sich gelohnt. Das sanfte Licht der Straßenlaternen beleuchtet das Fest. Die nach unten leuchtenden Straßenlaternen gibt es hier eigentlich um die „Lichtverschmutzung“ gering zu halten. Was für Sternbeobachter ganz wichtig ist, ist aber auch für Straßenfeste sehr schön. Außer meinem Mann, der in seinem roten Lieblings-Polohemd unterwegs ist, tragen (fast) alle weiß. Auf der Bühne löst eine Band die nächste ab und Tazacorte tanzt Salsa. Die Musik ist richtig gut. Wir freuen uns über eine Gelegenheit zum Tanzen und so müssen die platt gewanderten Füße noch mal aktiv werden. Insgesamt erleben wir ein sehr friedliches, nettes und fröhliches Fest.
Am nächsten Tag steht die Ruta de Volcanes auf dem Programm, einer der bekanntesten Wanderwegs La Palmas der über die Cumbre Vieja führt. Man kann quasi aus dem Herzen der Insel auf die Vulkane und dann auf ihrem Rücken bis zur Südspitze laufen. Wir entscheiden uns für eine Tour auf die Vulkane und dann zurück zum Auto. Die Wanderung verläuft zunächst in einem lichten Kiefernwald und wir sind froh über die Beschattung während der ersten Stunde der Wanderung. Zwar steigt der Weg unentwegt, doch es läuft sich angenehm auf den Wegen und ist lange nicht so steil wie am Tag zuvor. An einigen Stellen ist erkennbar, dass es hier im letzten Jahr gebrannt hat, die Kiefern haben schwarze Stämme, treiben aber neu wieder aus. Schließlich verlassen wir den Wald, nur noch vereinzelt stehen Kiefern auf dem schwarzen Boden. Schließlich führt der Weg über schwarzes Gestein, jetzt wird es heiß. Das zweifelhafte Vergnügen gegrillt zu werden wird mit Ausblicken auf hübsche Vulkankegel und spannende Krater belohnt. Die letzten Meter auf die höchsten Erhebungen der Südhälfte der Insel (über 1900 m) sind ziemlich mühsam, heute wird uns nichts geschenkt. Wir können die Weggabelung sehen, zu der wir zurückkehren sollen, sind aber nicht sicher auf welchem der Pfade. Dass wir den falschen Weg gewählt haben,
wird uns beim Abstieg von Kraterrand zum Pfad klar. Nach etwas Kletterei sind wir wieder auf unserem Weg. Wir stärken uns mit selbstgebackenen Franzbrötchen und der obligatorischen Banane. Nun geht es „nur noch“ wieder zurück. Nach fast 14 km und fast 700 m hoch und wieder runter sind wir zurück am Auto. Wir träumen von einer Wattwanderung, da gibt es keine Höhenmeter, allerdings auch keine Vulkane.
Leider war dies die letzte Tour meine Wanderschuhe. Die Sohle löst sich ab und kleine Steinchen sammeln sich zwischen Schuh und Sohle. Bin ich froh, dass ich mit den Dingern die Berge noch wieder runter gekommen bin.

Inselrundfahrt die Zweite – der Süden

Diesmal wollen wir uns die Südhälfte der Insel ansehen. Der Plan sieht vor zunächst an die Ostküste zu fahren und von dort nach Süden. Gleich zu Beginn unserer Tour verheddern wir uns und machen so eine kleine Rundfahrt durch Bananenplantagen und kleine Dörfer. Kaum haben wir die Hauptstraße gefunden verlassen wir sie wieder und wählen eine kleine Straße durch dichte Kiefernwälder. Hier ist es sehr schön, vergleichsweise kühl und sehr ruhig. Neben den ganz normalen Miradores gibt es hier viele astronomische Aussichtspunkte. Hier erklären Tafeln den Sternenhimmel und helfen einem den Polarstern zu finden. Gerade haben wir Vollmond, das ist nicht optimal zum Sterne beobachten, doch sollten wir nächste Woche noch hier sein, wollen wir mal im Dunkeln los und Sterne ansehen. Auf See hat man natürlich noch weniger „Lichtverschmutzung“, hier ist man jedoch über den niedrigen Wolken.
Auf der Ostseite der Insel folgen wir kleinen Straßen in den Süden. Wir kommen durch hübsche Dörfer und Obstgärten. Der Süden La Palmas ist stark durch die „neulich“ ausgebrochenen Vulkane geprägt. Hier reichen schwarze Lavafelder bis ans Wasser. Die Landschaft ist karg, vergleichen mit dem bewaldeten Norden. Wir besuchen den Leuchtturm ganz im Süden der Insel und machen einen Rundgang durch die Salinen. Der Kontrast zwischen dem schwarzen Gestein und den weißen Salzbergen gefällt uns. Wir lernen einiges über die Salzgewinnung hier und beobachten viele Vögel, die hier leben. Auf unserem Weg zum Vulkan San Antonio kommen wir mal wieder durch Bananenplantagen. Außerdem wird hier Wein angebaut, die Reben wachsen ganz flach über der schwarzen Lava. San Antonio ist 1677 ausgebrochen und hat einen hübschen Krater, in dem ein kleiner Kieferwald entsteht. Vom Kraterrand hat man einen schönen Blick auf den Vulkan Teneguía der zuletzt 1971 ausgebrochen ist. Von hier oben sieht man auch sehr gut, dass die Bananenplantagen, durch die wir eben gefahren sind, auf dem neusten Teil der Insel angelegt wurden. Dieser ist durch den Vulkanausbruch 1971 entstanden. Das ist ja praktisch, wenn so ein Vulkanausbruch die Anbaufläche vergrößert. Entlang der Westküste ging es ganz gemütlich wieder zurück zum Boot.
Wir verfolgen das Wetter auf dem Atlantik um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann für uns der richtige Zeitpunkt gekommen ist zu den Kap Verden zu segeln. Natürlich beobachten wir auch Hurrikan Irma, der furchtbare Schäden angerichtet hat und noch anrichten wird, sowie den nachfolgenden Hurrikan José. Auch in Norddeutschland kündigt sich bereits der erste Herbststurm an. Da sind wir froh, dass wir hier so stabiles Wetter haben und hoffen dass es so bleibt.

Inselrundfahrt – der Norden

La Palma möchte erkundet werden, wir schnappen uns einen Mietwagen und machen zwei Tage Inselrundfahrt. Zunächst geht es in den Norden.
Tazacorte liegt auf der Westseite der Insel etwa in der Mitte, gegenüber von der Hauptstadt Santa Cruz, die an der Ostseite der Insel liegt. Wir folgend er Westküste nach Norden, halten gelegentlich an einem Mirador und landen schließlich im Nordwesten in einem Weingebiet. Dort entschließen wir uns die Küste zu verlassen und durch den Nationalpark quer über die Insel zu fahren. La Palma sieht wieder ganz anders aus, als die anderen Inseln, die wir besucht haben. La Palma gehört mit einem Alter von ca. 2 Millionen Jahren zu den Teenies unter den Kanarischen Inseln, nur El Hierro ist noch etwas jünger. Während auf La Gomera, der mit 11 Millionen Jahren nächstälteren Insel, der letzte Vulkanausbruch 2 Millionen Jahre her ist, ist in La Palmas Süden 1971 das letzte Mal ein Vulkan ausgebrochen. Auf Gomera ist die Erosion weit fortgeschritten, die Insel ist zerklüftet und die Täler schneiden tief ein, La Palma sieht ganz anders aus, viel glatter.
Die Nordhälfte La Palmas wird von der Caldera de Taburiente dominiert. Der riesige Krater entstand irgendwann vor 2-500.000 Jahren, als die Westflanke eines großen Vulkans ins Meer abrutschte. Die Straße, die durch den Nationalpark führt, verläuft entlang des Nordost Randes des Kraters. Wir kommen am Observatorium vorbei und besuchen La Palmas höchsten Gipfel den Roque de los Muchachos (2426 m), der Teil des Kraterrandes ist. Der Blick in die bewaldete Caldera ist grandios. Von vielen Punkten können wir die riesige Hafenmauer sehen, denn der Hafen Tazacorte liegt dort, wo die Flanke des Vulkans ins Meer gerutscht ist. Wir halten immer wieder an, klettern ein bisschen auf den Felsen herum und treffen neugierige Raben. Schließlich setzten wir unsere Tour fort und fahren in vielen Serpentinen durch den Wald nach Santa Cruz.
Santa Cruz gefällt uns gut, viele schöne bunte Häuser mit malerischen Balkons und eine lebendige Fußgängerzone wirken einladend, doch ein Besuch der Marina zeigt uns, dass wir mit Tazacorte die richtige Wahl getroffen haben. In der Marina liegen nur eine Handvoll Gastlieger und die Läden um das Hafenbecken sind leider alle geschlossen. Der Wind pfeift durch den Hafen, die Gischt wird über die meterhohe Mole getragen und die Schiffe zerren im Schwell an ihren Leinen. Nachdem wir In Santa Cruz lecker gegessen haben, machen wir uns in der Abendsonne auf den Weg zurück nach Tazacorte.

Alles Banane!

Bananen soweit das Auge reicht. Tazacorte liegt in mitten von Bananenplantagen. Also steht heute der Besuch des Bananenmuseums auf dem Programm. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in den Ort Tazacorte, der oberhalb des Hafens liegt. Der Fußmarsch gestaltet sich weniger anstrengend als befürchtet, nach 20 min waren wir im Ort. Das Bananenmuseum ist in einem hübschen Haus untergebraucht, aus den Ausstellungsräumen bietet sich ein schöner Ausblick über die Bananenplantagen. Wir lernen viel über Bananenpflanzen, Anbau, Schädlinge, Ernte, Transport und Weltmarkt, aber auch über die Geschichte der Insel und des Bananenanbaus auf La Palma. Nicht nur eine Vielzahl von Schädlingen macht den Bananenstauden das Leben auf La Palma schwer, sie mögen auch den Wind nicht. Deshalb sind die Bananenplantagen von hohen Mauern oder, weniger hübsch, von hohen Planen umgeben. Hier wird hauptsächlich „Small Dwarf“ angebaut, deren Stauden nur etwa 2,5 m hoch werden. Praktisch, dann müssen die Mauern nicht so hoch sein. Nobbi hat sich besonders darüber gefreut, dass der tägliche Genuss einer Banane sein Herzinfarktrisiko angeblich um 40 % senkt. Wie gut, dass es bei uns fast täglich Bananenmilch gibt. Den Weg zum Supermarkt, wo wir natürlich auch Bananen gekauft haben, haben wir mit Diskussionen um Herzinfarktrisiken verbracht. Was passiert wenn man 3 Bananen täglich isst? Und, was ist eigentlich das Gegenteil eines Herzinfarktes? Natürlich haben wir uns auch noch Bananenpflanzen aus der Nähe angeschaut, dass lässt sich hier nicht vermeiden. Zurück auf dem Boot habe ich, zur Abrundung des Bananentags, einen Bananenkuchen gebacken.
Morgenfrüh beginnt der neue Tag mit einem Glas Bananenmilch zum Frühstück, danach wollen wir uns etwas auf der Insel umsehen.

Eine tierisch gute Überfahrt

Wir haben La Gomera und die Marina in San Sebastián liebgewonnen, doch jetzt ist es Zeit weiter zu ziehen. Am Samstag machen wir uns bei wenig Wind auf den Weg an die Westseite von La Gomera.
Südlich von La Gomera sehen wir eine große Schildkröte, die etwas hinter sich herzieht. Wir befürchten, dass sie sich in irgendetwas verheddert hat, machen den Bootshaken klar und nähern uns vorsichtig um zu sehen, ob sie unsere Hilfe braucht. Sie ist ebenso neugierig wie wir, schaut uns an und paddelt auf uns zu. Sie braucht keine Hilfe, sie hat einen riesigen, halben, toten Fisch im Schlepp.
Unser Anker fällt vor Valle Gran Rey auf fast 12 m Tiefe zwischen zwei französischen Yachten. Hinter dem Heck recken sich die riesigen Felsen in den Himmel, ein bisschen unheimlich. Wir baden ausgiebig, genießen das klare Wasser und schnorcheln zu unserem Anker. Direkt unter unserem Boot schauen Röhrenaale neugierig aus ihren Löchern im Sand solange man ihnen nicht zu nahe kommt. Die Nacht ist sehr ruhig, Mari schaukelt uns in den Schlaf. Wenn man liegt oder sitzt merkt man den Schwell kaum, doch wenn man im Boot hin und her läuft oder versucht aus einer Flasche einzuschenken, merkt man wie sehr das Boot in der Dünung rollt.
Gestern ging es weiter nach La Palma. Kurz überlege ich, ob ich mit meinem Reiseleiter um einen weiteren Ankertag feilschen soll, doch die Wettervorhersage ist super und wir sind neugierig auf La Palma. In San Sebastián haben wir die Vairea wieder getroffen, Martina und Daniel haben uns nicht nur von La Palma vorgeschwärmt, sondern uns auch ihren Reiseführer geliehen.
Wir kommen in den Genuss des Kanarenbilderbuchsegelns. Geht doch. So hatte ich mir das vorgestellt. An der Küste von Gomera haben wir überhaupt kein Wind, nach wenigen Meilen setzt er mit 5-6 Beaufort ein und bleibt konstant bis nach La Palma. Eine Gruppe Delfine, die als Große Tümmler bestimmt werden, kreuzt unseren Weg und wir sichten unsere ersten Fliegenden Fische.
Kaum kommen wir südwestlich von La Palma in die Abdeckung der Insel nimmt der Wind innerhalb weniger Meter von 6 Bft auf 0 bis 1 Bft ab. Hier ist das Wasser ganz ruhig und optimal zu Schildkröten sichten. Gleich fünf große Schildkröten sehen wir, die sich an der Wasseroberfläche sonnen. (Liebe Aloma, wir zählen jetzt Schildkröten  ;-))
Wir laufen die Marina an der Westküste La Palmas an, die uns von verschiedenen Seglern wärmstens empfohlen wurde. Die Marina liegt geschützt hinter gigantischen Molen, die sicher nicht für Segler gebaut wurden, sondern in der Hoffnung, Kreuzfahrer anzulocken. Im Hafen erleben wir eine Überraschung, der Marinero winkt uns an einen Liegeplatz neben eine Bavaria unter französischer Flagge. Diesen auffälligen Heckträger kennen wir doch! Wir liegen neben Christine und Michel mit der Try, die wir bereits auf den Azoren wähnten, was für ein netter Zufall!
Die Marina Tazacorte macht einen freundlichen Eindruck, im Moment ist es windstill, ruhig und heiß. Wir freuen uns nun darauf die Insel zu erkunden und die letzten Vorbereitungen für unsere bisher längste Etappe zu den Kap Verden anzugehen.

Kleines „Schöner Wohnen“ – Spezial

Bereits mehrfach wurden Bilder unserer verschiedenen „Schöner Wohnen“- Projekte angefordert. Hier sind sie! Die Aufzählung ist nicht chronologisch und vermutlich auch nicht vollständig.SardinenkissenSie wurden als Tischdecke geboren, doch eine Tischdecke brauchen wir wirklich nicht! Die Tischdecke haben wir im Winter in Vila Real de Santo Antonio gekauft, die Kissen sind an der spanischen Atlantikküste entstanden.

GartentraumEinen „Garten“ brauchen wir auch nicht, doch Nobbi hat sich diesen hängenden Garten angelegt. Mit der Ausführung ist er noch nicht ganz zufrieden, Umbauten sind geplant. (Der Leuchtturm ist hier noch im Bau, siehe unten).

SardinenwäschebeutelWeil uns die Sardinentischdecken so gut gefielen, wir aber immer noch keine Tischdecke brauchen, entstand dieser Wäschesack.

SofaschonerDie Polster im Salon leiden gewaltig, zunächst haben wir große Badehandtücher draufgelegt. Eine Lösung die sich nicht bewährt hat, die Handtücher fusselten fröhlich vor sich hin, was uns wiederum weniger fröhlich stimmte. In Santa Cruz haben wir eine riesige Überdecke erstanden und in zwei Teile geteilt. Wesentlich besser. (Die tollen Ankerkissen hat meine Schwester uns genäht).

männertaugliches MoskitonetzDies ist das männerfreundliche Moskitonetz für den Niedergang. Nun kann das Netz einfach mit dem Reißverschluss geöffnet werden und die Vertüddelungsgefahr ist wesentlich geringer.

MoskitonetzsalonlukNoch ein Moskitonetz-Projekt. Dieses sehr simple, aber unkomplizierte und praktische Moskitonetz haben wir uns bei der SUBEKI abgeschaut und sind sehr zufrieden.

TilleyhuthakenKleine Aktion – riesige Wirkung. Unsere Tilley-Hüte haben nun eigene Haken im Vorschiff und werden nicht mehr platt gedrückt.

VorlukaufhalteleuchtturmDas Hölzchen, das unser Vorluk aufhält, sah so langweilig aus. Da habe ich es als Leuchtturm angemalt.

KummelKaum war der erste Leuchtturm fertig, wurde ein weiterer angefordert. Die Luke im Salon hat diesen „Kummel“ bekommen. (Kummel sind die kleinen Seezeichen, die einem in den schwedischen Schären den Weg weisen und meistens viel schlichter als dieses blau-weiße Exemplar).

VorlukbeschattungDiese Persenning beschattet das Vorluk und sorgt dafür, dass es auch bei einem kleinen Schauern nicht rein regnet.

 

 

Auf die Kanaren und dann nach Westen – Routenplanung

Langsam wird es Zeit sich Gedanken darum zu machen wo wir eigentlich hin wollen. Dabei hilft es zu wissen wo wir sind. Also gehen wir auf die Hafenmole, um mit dem Sextant die Sonne zu „schießen“, von unserem Liegeplatz sehen wir den Horizont nicht. Natürlich kommen ein paar Wolken vorbei und machen es etwas spannender. Wie ging das nochmal mit dem Sextanten? Zum Glück habe ich einen Profi dabei.
Wir sind auf La Gomera. Das trifft sich gut. Eigentlich wussten wir das schon, schließlich steht es auch auf der Brötchentüte. Wir lesen Revierführer, studieren Seekarten, befragen Seglerseiten im Netz, schauen uns Klimatabellen an und immer neue Pläne entstehen. Unser Planet ist riesig und es gibt so viel zu entdecken. Am Wochenende wollen wir nach La Palma gehen. La Palma wird unsere letzte Kanareninsel, von dort werden wir zu den Kap Verden segeln. Zu den Kap Verden werden wir etwa eine Woche brauchen. Wir freuen uns sehr auf diese spannende Inselgruppe.
Die letzten Tage sind schnell vergangen. Mit Fabian waren wir noch einmal auf Gomeras höchstem Berg dem Garajonay und sind auf kleinen Straßen durch den Nationalpark gefahren. Am Montag ging es für ihn zurück nach Hause. Da wir ein Mietauto hatten, haben die Gelegenheit genutzt und eine tolle Wanderung von dem kleinen Ort Imada gemacht. Während die grandiose Landschaft uns begeistert hat, hat die heiße Sonne uns an unsere Grenzen gebracht. Auf dem Rückweg sind wir durch Zufall in einem tollen Restaurant am Hafen gelandet und haben uns dort bei Rinderfilet erholt.
Ansonsten arbeiten wir uns langsam auf unserer ToDo-Liste voran. Die letzten leeren Gläser wurden mit Pflaumenkompott gefüllt, Nobbi ist in unserm Mast herum geklettert und hat alles kontrolliert und eines Tages finden wir auch noch einen Behälter für unser Mehl. Letzte Woche dachten wir, wir hätten endlich die optimalen Boxen gefunden, doch bereits Minuten nach dem Befüllen stellten wir fest, dass diese Dosen nicht dauerhaft bei uns bleiben dürfen. Die hübschen Deckel machen sich schon ohne Seegang selbstständig und auch ein helfendes Tape brachte kein zufriedenstellendes Ergebnis. Das Mehl ist wieder in einen 5l Wassercontainer umgezogen und die Boxen wurden ausgesetzt. Nach zweimaligen Mehlumfüllen inklusive der Mehlwölkchen die sich in der Pantry verteilt haben, sind wir nun so weit wie vorher.
Die neue Badestelle direkt neben dem Hafen wurde eröffnet und natürlich gleich von uns getestet und für gut befunden. Nicht ganz so schön wie unser Lieblingsschnorchelplatz, aber noch näher und auch fischreich.
Morgenfrüh geht’s noch einmal zur Ferreteria (bei uns heiß das früher ja auch Eisenwarenhandlung) und dann wären wir bereit für La Palma. Mal sehen was der Wind sagt.

Kreuz und quer über La Gomera

Besuchszeit ist Ausflugszeit. Nobbis Sohn Fabian besucht uns und gemeinsam machen wir die Insel unsicher. Nach einem entspannten Tag in San Sebastian mit einem Spaziergang zum Leuchtturm und Schnorcheln, haben wir für drei Tage ein Auto gemietet und waren in (fast) jedem Winkel der zerklüfteten Insel.
Am Dienstag sehen wir gleich 5 (!) Rochen im Hafenbecken von Playa Santiago, stellen fest, dass der Weg zum Flughafen wesentlich länger ist als gedacht und machen eine anstrengende Wanderung im Lorbeerwald. Anschließend essen wir bei Maria, in einer lila Bar mit einer eigenwilligen Dekoration aus Feuerzeugen und Schlüsselanhängern und mit Bildern von Flugzeugträgern und Heiligen.
Am Mittwoch geht es wieder in das Herz des Nationalparks mitten in den Wald. Schon die Fahrt ist spannend. Wir wandern wieder im Wald und steigen bis zu einem Platz ab, von dem wir auf La Gomeras längsten Wasserfall gucken können. Der Wasserfall fäll 200m tief, doch in dieser Jahreszeit eher dünn. Der Ausblick über das tiefeingeschnittene grüne Tal ist wunderschön. Wir essen in einer kleinen Bar, ebenfalls mit gigantischem Ausblick und wandern zurück zum Auto. Anschließend geht es in den Südwesten der Insel. Von einem Mirador können wir La Palma im Westen und El Hierro im Süden sehen. Das Tal von Valle Gran Rey kennen wir schon, doch ein Aussichtspunkt ist schöner als der nächste.
Gestern ging es in den Norden der Insel. Wir hatten gehofft, dass es dort etwas kühler als im Süden wäre, doch um Tag oberhalb von Vallehermoso war es genauso heiß wie im Süden. Wir hatten uns eine kleine Rundwanderung ausgesucht, deren Einstieg wir zunächst nicht fanden. Schließlich folgen wir einem Hinweisschild. Den ausgeschilderten Stausee erreichten wir nie, wir verliefen uns aber so geschickt, dass wir schließlich am Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder aus dem Unterholz auf den Weg kamen. Unser Rundweg führte uns zwischen Brombeerhecken und Terrassen, vorbei an verfallenen Häusern entlang durch das schöne Tal. Nachmittags fuhren wir zum Schnorcheln in den äußersten Westen der Insel. Der Strand von Alojera liegt an der Mündung einer steilen Schlucht, das Baden dort war sehr schön, das Schnorcheln nicht spektakulär, aber das Tal selbst sehenswert.
Für mich steht fest: eines Tages komme ich im Frühjahr zum Wandern wieder. Im Moment ist es ziemlich heiß, eigentlich kein Wanderwetter. Hinzukommt ein heißer Wind, der ab und zu durch die Schluchten fegt. Vorgestern Abend hatten wir abends um zehn 31 Grad und einen trocknen Wind, der die Handtücher innerhalb kürzester Zeit getrocknet hat und uns das Gefühl gab gegrillt zu werden.
Heute gönnen wir uns einen entspannten Tag mit ausgiebigem Schnorcheln. Heute Abend spielt ein Orchester im Park Filmmusik und morgen findet das Fest „Sun Set Bastian“ statt. Für Unterhaltung ist gesorgt.