Unterhaltungsprogramm in Opua

Die Tage vergehen mit Bootsgetüddel. Wir kommen gut voran und erledigen Klein- und Kleinstkram. Ich finde es immer etwas enttäuschend, wenn man etwas erledigt, das nicht auf der Liste stand, dann kann man anschließend kein Häkchen machen. Inzwischen haben wir auch die hinteren Motorfüße ersetzt. Das Schiffsinnere wurde vom Maschinenraum zurück verwandelt in ein Wohnzimmer. Ein Wohnzimmer in dem wir nun schleifen…
Am Freitag hatten wir einem Termin mit Rob, er hat unser Rigg kontrolliert. Deshalb hatten wir einen Platz in der Marina gebucht. Da wir fast eine halbe Stunde im Hafenbecken auf das Freiwerden unseres Platzes warten mussten, hatte Nobbi Gelegenheit zu beweisen, dass er gut manövrieren kann. Maris solides Rigg hat viel Lob bekommen, aber wir auch neue Punkte auf der To-Do-Liste, weil wir die Mittelwanten erneuern wollen. Außerdem hat Rob uns noch einige Tipps zu Verbesserungen gegeben. Nachmittags hatten wir Besuch von Freunden, die extra aus Whangarei gekommen sind um mit uns einen schönen Nachmittag zu verbringen. Da passte es gut, dass wir am Steg lagen.
Neuseeland ist das Land der Schilder und Zäune. Die Grundstücke in den Neubaugebieten werden noch vor dem Verkauf eineinhalb Meter hoch eingezäunt. Da weiß man noch gar nicht ob man seine Nachbarn mag. Praktisch jedes Feld, jede Weide und jedes Grundstück ist eingezäunt. Ein Fahrradweg, wo auf der einen Seite Sumpf und auf der anderen Seite Mangroven sind, ist natürlich beidseitig durch Stacheldraht begrenzt. Eines der beliebtesten Schilder ist „private property“. Nicht selten erkennt man einen Pfad nur als Pfad, weil ein Schild darauf hinweist, dass man ihn nicht gehen darf. Auch auf geschlossenen Toren ist gerne ein Schild angebracht, dass dies ein Privatweg sei. Bauzäune sind fast flächendeckend mit Warnschildern zugepflastert. Und dann gibt es noch die „liquor oder alcohol ban areas“ die Orte an denen man keinen Alkohol trinken darf, manchmal darf man nicht mal Alkohol besitzen. Diese Schilder hängen meist in unmittelbarer Nähe der Liquor Shops, den Läden in denen man höher prozentige Alkoholika kaufen kann. Bier und Wein werden im Supermarkt verkauft (wobei ein zweiter, extra herbeigerufener Angestellter das Mindestalter von 25 Jahren bestätigen muss). Besonders lustig finde ich, dass sich Liqour Drive Thru großer Beliebtheit erfreut. Wer den Schnaps kauft ohne aus dem Auto zu steigen kommt sicher nicht in Verlegenheit, ihn auf der Bank am Strand gegenüber vom Laden zu trinken.
Aber Neuseeland ist auch ein Land der netten Menschen. Wir hätten um ein Haar den Bus verpasst, weil wir die Abfahrtszeit verwechselt hatten. Zum Glück hat die Busfahrerin auf Nobbis Winken und seinen Zwischenspurt reagiert und für uns noch einmal gehalten. Dann hat sie sich entschuldigt, dass sie nicht aufs uns gewartet hat. Unglaublich. Sie wusste ja nicht, dass wir mitfahren wollten. Sehr nett.
Für Unterhaltungsprogramm an kalten Abenden oder Regentagen ist gesorgt. Wir waren bei einem anderen Boot eingeladen. Daran, dass unser kurzer Besuch zum Kaffee um drei, abends um halb neun endete, kann man ableiten, dass es ausgesprochen nett war. Anschließend haben wir Filme getauscht und kopieren nun fleißig. Doch auch das Unterhaltungsprogramm vor Ort ist ausgesprochen kurzweilig. Mal wird ein Trimaran auf einen Tieflader verladen, mal wird ein 10 Meter langes Schlauchboot (2x 300 PS!) zu Wasser gelassen und sucht einen Platz am Dinghi Dock. Das ist ungefähr so, als würde ein LKW mit Anhänger am Samstag bei Ikea vorm Haupteingang parken wollen. Mittwochs ist Mittwochsregatta, da sitzen wir gerne auf der Bank in der Verlängerung der Start- und Ziellinie. Diese Woche ist Bay of Islands Sailing Week. Ab morgen wird gesegelt, mal sehen ob wir einen guten Platz finden um das Geschehen zu beobachten.
Wir beobachten gerne die Tölpel, die sich in waghalsigen Manövern vom Himmel stürzen und ausgesprochen zufrieden aussehen, wenn sie einen Fisch fangen. Und vor ein paar Tagen hatten wir nachts Delfinbesuch. Zunächst habe ich nur das Pfeifen gehört, dann haben wir sie dicht neben dem Boot gesehen. Immer wieder schön!

Im Eintrag von letzter Woche gibt es jetzt auch Fotos.

Ein kleiner Ausflug nach Whangarei

Manchmal in das Bootsleben einigermaßen mühsam. Ich hab aber gar keine Lust die Geschichte von der kaputten Pumpe zu erzählen, deren nagelneue Nachfolgerin zunächst von Nobbi repariert werden musste. Auch der zwanzigste Besuch in irgendeinem Laden und die Klärung der Frage, ob wir irgendwann auch eine Rechnung bekommen und diese auch bezahlen dürfen, ist langweilig.
Doch es gibt auch gute Nachrichten, wir haben ein neues Funkgerät, das sogar auf Anhieb funktioniert, die neue Sprayhood ist montiert und unsere Logge hat ein neues Schaufelrad.
Ab und zu brauchen wir einen Tapetenwechsel und wollen was anderes sehen, als das Dinghi Dock, die Marina und den Fish‘n Chips Laden. Wir gehen also segeln, bzw. treiben bei wenig Wind durch die Gegend. Unsere Segel werden mal wieder gelüftet, ganz ungewohnt ohne Reff.
Wir mieten ein Auto für zwei Tage. Der Autovermieter an der Marina ist sich seines Standortvorteils bewusst, das Auto ist fast dreimal so teuer wie der Mietwagen, den wir auf der Südinsel gemietet hatten. Doch wir haben keine Lust uns zu ärgern. Der Tag beginnt sehr erfolgreich. Ein befreundeter Segler hat uns von einem Bekannten erzählt, der jemanden gefunden hat, der Gasflaschen aus Kunststoff füllt. Wir fahren also zuerst zur Tankstelle. Entgegen aller Aussagen, dass diese Flaschen in Neuseeland nicht gefüllt werden, ist das hier problemlos. Flasche auf die Waage stellen, füllen, bezahlen, fertig. Das war einfach.
Wir füllen im Supermarkt den Einkaufswagen und fahren anschließend nach Kerikeri. Im Baumarkt finden wir einige Dinge, die wir gebrauchen können. Bei Kerikeri gibt es eine Art Museumsdorf. Der Teil, den wir noch nicht kennen, ist geschlossen. Also machen wir einen Spaziergang und essen sehr lecker. In maps.me habe ich einen kleinen Wasserfall entdeckt, zu dem ein Wanderweg führt. Der Wasserfall ist nett, aber wir haben das Gefühl zu stören. Die Dorfjugend trifft sich hier mit Musik und Bier. Also machen wir uns bald auf den Rückweg. Lustig wird es am nahegelegenen Bootsanleger. Nobbi rettet gleich zwei Boote, das erste treibt seinen unerfahrenen Besitzern bei seiner Erstwasserung ab, das zweite hopst vom Anhänger und der Eigner gleich hinterher. In Klamotten.
Am zweiten Tag unternehmen wir einen Ausflug nach Whangarei (ausgesprochen: Fangarei). Eine Stunde südlich liegt die Stadt, die der zweite große Anlaufpunkt vieler Segler hier im Norden Neuseelands ist. Wir unternehmen einen netten Spaziergang rund um den Hafen und kaufen in einer Glasbläserei Kiwis als Andenken. Zufällig treffen wir Freunde, von denen wir gar nicht wussten, dass sie inzwischen mit ihrem Boot in Whangarei liegen. Eine schöne Überraschung. Wir essen zusammen und stellen fest, dass wir im nächsten Jahr eine ähnliche Route planen. Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem – ihr ahnt es – Wasserfall.

Was gibt es neues in Neuseeland? Ich habe mein neuseeländisches Sportwissen von All Blacks (Baseball, Männer) auf die Silver Ferns (Netball, Frauen) erweitert. Der Kopfschüttler der Woche kommt jedoch als anderer Richtung. Es gibt doch tatsächliche eine Petition, die fordert Koalas aus dem brennenden Australien in den neuseeländischen Eukalyptuswäldern auszuwildern. Als hätte Neuseeland noch nicht genug schlechte Erfahrungen mit eingeführten Arten gemacht.

Bootsalltag in Opua – Russel, Motorfüße und Buschfeuer

Die Tage vergehen, wir tüddeln hier rum, erledigen Kleinkram, verbringen die Tage mit ganz normalen Haushaltsjobs und beginnen die nächste Segelsaison vorzubereiten.

Oft sind es die kleinen Dinge, die uns auf Trab halten. Unsere Motorfüße sind schon wieder kaputt, das ärgert uns. Wir hatten sie bereits in Brasilien ausgetauscht und bei einem Stückpreis von 175 Euro ist das nicht nur nervig sondern auch teuer. Wir haben noch zwei andere Motorfüße in der Ersatzteilkiste. Diese passen zwar zum Motor, jedoch nicht zu den Bohrungen im Boot. Da wir nicht „mal eben“ den Motor ausbauen wollen um neue Löcher zu bohren, brauchen wir Adapterplatten. Wir fragen in der Werkstatt. Das ist kein Problem, sie verstehen was wir wollen. Als wir die Platten abholen wollen, sie sie noch nicht fertig. Am nächsten Tag können wir sie mitnehmen. Wir bauen sie ein und stellen fest, dass die Bolzen mit denen die Füße am Motor befestigt werden etwas zu lang sind. Also bauen wir sie wieder aus. Nobbi flitzt am nächsten Morgen an Land und fragt in der Werkstatt, ob sie uns die Bolzen absägen können und kommt ohne die Füße wieder. Sie sägen sie ab, aber nicht sofort. Morgen können wir sie abholen. Am nächsten Tag wollen wir die Füße abholen. Sie sind noch nicht fertig, aber morgen werden sie abgesägt und dann können wir sie abholen. Als wir die Füße am nächsten Tag abholen wollen ist der Laden geschlossen. Ausnahmsweise nur vormittags geöffnet. Die nächsten zwei Tage ist der Laden geschlossen. Als der Laden im neuen Jahr wieder geöffnet ist, wollen wir unsere Füße wieder abholen. Sie sind noch nicht abgesägt. Wir nehmen sie wieder mit, jetzt haben wir keine Lust mehr zu warten.
Nobbi sägt sie selbst ab, das dauert mit der Hand nur 3 min pro Fuß, mit der Flex in der Werkstatt hätte es vermutlich 20 Sekunden gedauert. Weshalb wir das nicht gleich selbst gemacht haben? Weil wir dafür den Schraubstock aus dem Schrank und die Säge aus dem Fach unter der Achterkoje brauchten. Und, weil es nicht empfehlenswert ist Eisen an Bord zu sägen. Eisen sägt sich zwar gut, aber Eisenspäne, die irgendwo liegen bleiben machen Rostflecken. Also sind wir nun damit beschäftigt Rostflecken zu jagen…
Wir haben noch mehr Dinge, denen wir hinterher laufen oder hinterher telefonieren und Pakete die wir suchen. Es gibt jedoch auch Probleme die sich auf wunderbare Art und Weise lösen. Wir haben wunderschöne Gasflaschen aus Kevlar, nur will die in Neuseeland leider keiner füllen. In Neuseeland dürfen nur Flaschen gefüllt werden, die auch hier getestet wurden. Leider kann hier niemand diese Flaschen füllen. Wir fragen im Segelladen, der Mitarbeiter gibt uns den Tipp bei einer anderen Firma zu fragen. Der nette Mitarbeiter kann unsere Flaschen auch nicht füllen, aber schenkt uns eine Gasflasche, so dass wir nur die Füllung bezahlen müssen. So haben wir 9kg Gas für umgerechnet 20 Euro bekommen und können Kuchen backen so viel wir wollen. Und vielleicht schaffen wir es sogar unsere Flasche selbst zu füllen.
Das Wetter ist durchwachsen, nach einigen wunderschönen Sommertagen hatten wir viel Wind und es war recht ungemütlich. Für uns ist die Überfahrt von Mari an der Boje zum Steg in der Marina meistens recht feucht. Unser kleines dickes Dinghi kommt mit dem 5PS Außenborder nicht ins Gleiten, wir nehmen also jede Welle mit und wir werden schön nass gespritzt.

Ab und zu unternehmen wir eine kleine Wanderung, schon weil wir gelegentlich einkaufen müssen. Silvester wandern wir nach Russel und nehmen von dort die Fähre nach Paihia. Wir füllen unsere Rucksäcke und Einkaufstaschen im Supermarkt und fahren mit dem Bus zurück nach Opua. Die Wanderung hat uns gut gefallen, aber für Russel hätten wir gerne etwas mehr Zeit gehabt.
Also beschließen wir am 2. Januar Russel noch einmal zu besuchen. Diesmal laufen wir von Opua nach Paihia und fahren mit der Fähre nach Russel. Wir schlendern durch den Ort, bummeln durch die kleinen Läden, kaufen ein paar Dinge im Supermarkt, die wir zwei Tage zuvor vergessen haben und setzen mit der Fähre wieder nach Paihia über. Dann warten wir auf den Bus. Der Bus fährt Dienstag, Donnerstag und Samstag. Jeweils einmal. Der Bus kommt nicht. Wir laufen also mit den schweren Einkäufen nach Opua zurück. Acht ungeplante Kilometer später haben wir platte Füße und uns die Dusche ehrlich verdient. Der 2. Januar ist ein Feiertag „Day after New Year“, wer ahnt denn sowas!

Natürlich verfolgen wir die Situation in Australien. Die verheerenden Buschfeuer beschäftigen uns, nicht nur, weil wir über Australien nach Deutschland fliegen werden. Vor drei Tagen färbte sich der Himmel gelb orange, eine unwirkliche Stimmung. Der Rauch der Feuer in Australien hatte Neuseeland erreicht. Auch Neuseeland kämpft zurzeit mit Buschfeuern, zum Glück nicht in so dramatischem Ausmaß wie Australien.

Der kleine Jahresrückblick

Für uns war 2019 zweifelsohne ein fantastisches Jahr. Wir sind etwa 9900 Meilen gesegelt, haben sechs Länder besucht und 80 Nächte auf See verbracht. Wir haben in sechs Marinas am Steg gelegen und an 59 verschiedenen Plätzen geankert oder an einer Boje gehangen.
Für uns hat 2019 in Curacao begonnen, von dort ging es nach Panama und durch den Panamakanal in den Pazifik. Wir durften diesen größten Ozean unseres Planeten durchsegeln. Wir besuchten einige Inseln und Atolle Französisch Polynesiens, Samoa und Fiji und segelten schließlich nach Neuseeland.

Wir sind glücklich und dankbar, dass wir heil, gesund und ohne größere Schäden in Neuseeland angekommen sind. Die Pazifiksaison war anstrengend und aufregend. Tiefpunkt war sicherlich der Motorschaden in Tahuata, der sich zum Glück als weniger dramatisch herausstellte als befürchtet. Mehr als einmal sind wir über unseren Schatten gesprungen, doch es hat sich gelohnt. Jede bange Minute wurde durch unvergessliche Erlebnisse, tolle Erfahrungen und spannende Begegnungen mehr als aufgewogen.

Hier unsere unvollständige und nicht chronologische Liste unserer 2019er Highlights:
Landfall in Hiva Oa nach 38 Tagen auf See, Tauchen mit Haien in Fakarava, Wandern auf Moorea, Schnorcheln in Fiji, die Freundlichkeit der Samoaner, das Heiva in Makemo, unserer längste Passage auf See, die Fahrt durch den Panamakanal (mit Otti!), auf hoher See bei Flaute von einer Schildkröte überholt werden, Besuch der San Blas Inseln, das Ein-Atoll-für-uns-allein-Gefühl auf Makemo, mit Freunden die Las Perlas entdecken, die Mantas auf den Marquesas, Rundreise auf der Südinsel Neuseelands, Sightseeing in Panama City, ein unvergesslicher Abend auf Toau mit Valentine, Gaston und „unseren“ Italienern, ankern in Bora Bora am schönsten Ankerplatz der Welt, Buchtenbummeln in Fiji, Türkisallergie in Huahine, Anaho in Nuku Hiva, Sommerfrische in Neuseeland, Walbegleitung unter Segeln …

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns begleitet haben. Bei den Crews, die wir an den Ankerplätzen getroffen haben, die diese tolle Zeit mit uns geteilt haben und bei den Menschen die wir unterwegs an Land kennengelernt haben.
Und wir möchten uns bei euch bedanken. Ihr habt mitgefiebert, mitgelitten und euch mit uns gefreut. Ihr habt uns getröstet und angefeuert. Danke, dass wir unsere Erlebnisse mit euch teilen durften.

Wir wünschen euch ein schönes, aufregendes und glückliches Jahr 2020.

Nachtrag Landreisen in Neuseeland

Für den besseren Überblick wo wir unterwegs waren, habe ich eine Neuseelandkarte gemalt. Der lila Kringel ganz im Norden deutet unsere Fahrt nach Cape Reinga Anfang Dezember an. Die blaue Route auf der Südinsel beschreibt unsere Reise, die wir Mitte Dezember unternommen haben.

Weihnachten und die Rückkehr des Sommers

Die Tage nach unserer Rückkehr von der Südinsel verbringen wir mit dem Sichten und Sortieren sehr vieler Fotos und natürlich feiern wir ausgiebig Weihnachten. Am 24. Dezember laufen wir nach Paihia, gehen dort essen und kaufen ein. Auf dem Rückweg nehmen wir den Bus, der zweimal in der Woche fährt. Wir sind die einzigen Fahrgäste. Die Busfahrerin ist sehr nett und fährt uns bis vor die Marina. Abends gucken wir „Tatsächlich Liebe“ und trinken neuseeländischen Sekt. Am 25. gibt es das Weihnachtsessen, dieses Jahr Steaks und Spargel.
Hier ist der Sommer zurückgekehrt. Nach einigen kühleren Tagen, werden wir nun wieder mit Sonne verwöhnt. Wir unternehmen einen Spaziergang zum Aussichtspunkt und bereuen es, dass wir unsere Wasserflasche nicht dabei haben.
Nicht weit entfernt liegt ein Weingut, das mit warmer Küche und Weinprobe wirbt. Wir setzen mit der Fähre nach Okiato über und erreichen das kleine Weingut nach fünfzig schweißtreibenden Minuten. Mit Blick auf die Weinberge genießen viele Gäste die sommerlichen Temperaturen. Kinder aller Altersgruppen spielen auf der Wiese oder zwischen den Weinreben, Babys schlafen im Schatten und die Erwachsenen genießen den Wein. Natürlich probieren wir uns durch die Weine, laufen zwischen den Reben hindurch bis zum Aussichtspunkt und essen auf der schönen Terrasse. Nun träumen wir nicht mehr von Glühwein, wie vor zwei Wochen auf der Südinsel, sondern genießen den neuseeländischen Sommer.

Südinsel Teil 3 – die Ostküste, Seebären und lange Strände

Von nun an geht es entlang der Ostküste zurück nach Christchurch, dann ist unsere Rundreise leider schon wieder zu Ende. Die verbleibende ca. 370 km lange Strecke haben wir unterteilt und in Timaru eine Übernachtung gebucht, so bleiben zwei Tagesetappen mit jeweils knapp 200 km.
Das Wetter meint es heute gut mit uns, es ist viel freundlicher. Wir verlassen Dunedin und biegen gleich wieder ab. Ein kleiner Strand lädt zu einem Spaziergang ein. Entlang unserer Route habe ich in maps.me einen Aussichtspunkt gefunden, der mit „seal viewing area“ beschriftet ist. Tatsächlich tummeln sich hier viele Seebären. Wir besuchen den Aussichtpunkt und wandern an der Küste entlang. Überall auf den Felsen, im Wasser und auf den vorgelagerten Inselchen sind die Tiere unterwegs, die den Beobachtern so gute Laune machen. Sie schwimmen auf dem Rücken, recken die Flossen aus dem Wasser, robben erstaunlich schnell die Felsen hinauf und lassen sich mit lautem „Platsch“ auf den Bauch fallen. Die Kleinen rufen nach ihrer Mama, die Halbstarken kämpfen im flachen Wasser und die Erwachsenen scheuchen die Jungen mit einer lässigen Flossenbewegung ins Wasser, wenn diese es zu wild treiben.
Weiter nördlich soll es eine Pinguinkolonie geben. Auf der schmalen Landzunge treffen wir viele brütende Vögel, Seebären, sehen einige Seelöwen und sogar einen einzigen Pinguin. Irgendwann reißen wir uns los, Tiere gucken macht einfach so viel Spaß, und setzen unsere Fahrt fort. Wenige Kilometer weiter liegen die Moeraki Boulder, große runde Steinkugeln am Strand. Wir machen einen Strandspaziergang und legen eine Kaffeepause ein. Obwohl es schon spät ist, wir haben sehr viel Zeit bei den Seebären verbracht, halten wir noch in Oamaru und machen einen Spaziergang zum Pinguinstrand. Doch die Pinguine sind wohl noch auf Fischfang, wir sehen sie leider nicht. Wer bis zur Dämmerung wartet, hat bessere Chancen sie zu sehen. Die Tage sind lang, es dämmert erst um 21 Uhr, wir warten also nicht.
Das Hotel in Timaru hat schon bessere Zeiten gesehen. Die englische Königin hat hier 1954 übernachtet, heute würde sie es vermutlich nicht mehr auswählen. Wir werden von der Küche des Restaurants und der extrem netten Bedienung positiv überrascht.

Am nächsten Morgen laufen wir durch Timaru, sehen uns den Park mit Rosengarten und Vogelvoliere an und besuchen den Strand. Timaru ist ein netter kleiner Ort mit einer betriebsamen Einkaufsstraße.
Bis nach Christchurch geht die Straße eigentlich immer gerade aus. Die Feriensaison hat begonnen und die Straßen sind voll. Dieser Straßenabschnitt ist nicht besonders interessant, sind wir in den letzten Tagen doch so verwöhnt worden. Wir bringen die Strecke schnell hinter uns und biegen auf die Bank Peninsula ab, die Halbinsel südlich von Christchurch. Leider haben wir nicht genügend Zeit die Halbinsel selbst zu erkunden, doch wir fahren eine interessante Strecke entlang der kleinen Bergkette die die Halbinsel von Christchurch trennt. Ein Ausblick jagt den nächsten und wir haben die stark gewundene Straße wieder einmal fast für uns allein. Der kalte Wind, der über die Bergrücken weht, macht es aber sehr ungemütlich.
Außerhalb von Christchurch, in der Nähe von New Brighton, beziehen wir unsere letzte Unterkunft auf der Südinsel. Wir wollen eigentlich nur mal einen Blick an den Strand werfen und dann ein Restaurant suchen, doch dann stellen wir fest, dass der Strand windgeschützt hinter hohen Dünen liegt. Wir laufen eine Stunde nach New Brighton, essen dort indisch, testen den Spielplatz und wandern am Strand wieder zurück.
Am Samstag geht unser Flieger erst um drei, wir haben noch Zeit für einen langen Spaziergang durch die Dünen bevor wir unseren Mietwagen abgeben. Den Abend in Auckland verbringen wir am Hafen. Wenn wir nach Deutschland reisen, werden wir etwas mehr Zeit in Auckland verbringen. Wir wollen uns unbedingt das Maritime Museum ansehen.

 

Fazit
Die Reise auf die Südinsel hat sich unbedingt gelohnt. Wir hätten noch viel länger unterwegs sein mögen, hätten dann aber gerne längere Zeit an einem Ort verbracht. Es gibt viele Orte, die wir gerne noch besucht hätten, oder Wanderungen für die wir gerne mehr Zeit gehabt hätten.
Neuseeland ist gespickt mit fantastischen Ausblicken. Die Landschaft verändert sich unglaublich schnell. Diese Abwechslung macht es so spannend. Hügel, Seen, schroffe Berge, Küste, Strände, Wasserfälle, das liegt alles sehr eng zusammen.
Sicherlich haben wir von der Vorsaison profitiert, es waren noch keine Ferien und die Hauptsaison hat noch nicht begonnen. Durch die meist leeren Straßen war das Autofahren stressfrei und wir konnten auch mal mitten auf der Straße halten.
Aufgrund der viele Nachfragen, hier ein paar Eckdaten:

Inklusive an und Abreise via Auckland waren wir 12 Tage unterwegs. 2000 km sind wir während unserer Rundreise gefahren, inklusive aller Abstecher und Umwege, sowie der Fahrten durch Christchurch. Wir haben das Auto (ein Auto der günstigsten Kategorie) bei Apex in Christchurch gemietet und dort auch wieder abgegeben. Umgerechnet haben wir etwa 230 Euro bezahlt, inklusive Versicherung (Keine Selbstbeteiligung im Schadensfall). Bei fast allen Autovermietern bezahlt der Mieter die ersten 3500 Dollar im Schadensfall selbst, falls er nicht eine entsprechende Versicherung abschließt.
Unsere Übernachtungen hatten wir alle zuvor gebucht. Leider mussten wir unsere Route ändern, die Straße entlang der Westküste war wegen starker Regenschäden gesperrt, genau wie einige Abschnitte am Milford Sound. Mit Frühstück und Mittagessen haben wir uns selbst versorgt, abends sind wir meistens Essen gegangen. BnB ist sehr üblich, allerdings nur selten mit Frühstück. Bei zwei unserer Übernachtungen gab es Milch und Müsli, sowie Toast und Marmelade, so dass der Gast sich Frühstück machen konnte. Wir haben zwischen 35 und 70 Euro pro Nacht bezahlt. Auf dem Campingplatz haben wir die gemeinsamen Duschen und Toiletten genutzt und in einer weiteren Unterkunft haben wir uns das Bad mit anderen Gästen geteilt, sonst hatten wir unser eigenes Bad, oder gar unser eigenes Haus. Die Sanitäranlagen, Küche und Gemeinschaftsräume des Campingplatzes waren hervorragend, da können die meisten Yachthäfen nicht mithalten. Handtücher und Bettwäsche waren überall inklusive, auch auf dem Campingplatz. Wir waren mit allen unseren Unterkünften zufrieden.
Viele Touristenattraktionen in Neuseeland sind sehr teuer. Eintrittsgelder betragen umgerechnet häufig 20, 30 Euro oder mehr. Der Eintritt in viele Museen und die botanischen Gärten ist andererseits kostenlos. Und die grandiose Natur darf man fast überall „einfach so“ angucken.

Südinsel Teil 2 – die großen Seen, Dunedin und die Otago Halbinsel

Von Entenhausen, besser bekannt als Geraldine, machen wir uns auf der Inland Route auf den Weg nach Wanaka. Heute stehen die großen Seen auf dem Programm, die zwischen den Südalpen und dem flachen Land entlang der Ostküste liegen. Was uns heute als erstes auffällt ist der viele Verkehr. Unser erster Stopp ist der Lake Tekapo, hier wollen auch alle anderen Touristen hin. Der See leuchtet türkis, im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Berge der Südalpen und am Ufer des Sees fordern Lupinen zu kitschig schönen Fotos auf. Wir unternehmen einen langen Spaziergang, der uns zur kleinen Kirche und durch einen schönen Kieferwald führt. Entfernt man sich weiter als 200 m vom Parkplatz ist man allein. Voll ist es nur am Parkplatz, wo die Lupinen alle plattgetrampelt sind, weil jeder Besucher dringend ein Foto von sich selbst im Blumenmeer braucht. Die ruhige Stimmung am See gefällt uns sehr, allerdings ist es so kalt, dass wir immer in Bewegung bleiben, wir mögen uns nirgends hinsetzen.
Leider bewölkt es sich immer mehr, so dass die hohen Berge verschwinden. Am Lake Pukaki verzichten wir deshalb auf den Abstecher, den wir geplant hatten um einen besonders schönen Blick auf Mount Cook, Neuseelands höchsten Berg, zu genießen. Wir haben Glück und sehen den Berg an einem anderen Tag, völlig ungeplant. Zwischen den großen Seen wird uns klar, woher Neuseeland seinen Strom bekommt. Ungefähr 80% des neuseeländischen Energiebedarfs werden durch erneuerbare Energie gedeckt, vor allem durch Wasserkraft. Wir fahren über Staudämme, sehen die Kanäle und Staubecken.
Der Lake Hawea gefällt uns, weil er glasklares Wasser hat. Hier ist es sehr still und wir finden eine Bank für eine weitere Pause. Der Lake Wanaka, an dem der gleichnamige Ort liegt, ist der vierte See des Tages. Leider hingen in der zweiten Tageshälfte die Wolken sehr tief, so dass wir das Bergpanorama manchmal nur erahnen konnten. Trotzdem war es sehr schön. Die Verschiedenartigkeit der Seen hat uns beeindruckt. Während das Wasser des Tekapos milchig und türkis ist, hat der Hawea glasklares Wasser, frei von Sediment.
In Wanaka (vor allem als Ski-Ort bekannt) gibt es Outdoor und Andenkenläden ohne Ende. Leider haben alle geschlossen. Außer den großen Supermärkten, die meist bis 9 oder sogar länger geöffnet haben, schließen die Läden gerne zwischen fünf und halb sechs, das kennen wir schon aus Auckland und Dunedin. Gut für unsere Reisekasse. Nobbi isst die schlechteste Pizza unserer Reise, wenn nicht gar seines Lebens, trotzdem bleibt uns Wanaka als netter Ort in Erinnerung.

Am nächsten Morgen regnet es. Heute geht es nach Dunedin. Die Landschaft gefällt uns, nachdem es gestern meistens geradeaus ging, ist die Straße kurvig und die Landschaft hügelig. Auf den Weiden sind Felsen und Felsformationen malerisch verstreut, ab und zu führt die Straße durch ein Waldstück. Im weiteren Verlauf der Fahrt durchqueren wir Obstanbaugebiete und Weinberge. Hier kommen also unsere Äpfel her. Die Kirschen sind gerade reif, überall gibt es kleine Stände bei denen man sie kaufen kann. Leider regnet es noch immer. Durch Zufall entdecken wir ein Café in einem kleinen Ort, und Nobbi liest mir dort das Lokalblättchen vor.
Südlich von Dunedin folgen wir kleinen Straßen entlang der Küste, wir parken immer wieder und sehen uns die endlos langen, einsamen Strände an, doch da es noch immer regnet können wir uns nicht zu einem längeren Spaziergang aufraffen.
In Dunedin (das man übrigen Deniedin – mit der Betonung auf nie – ausspricht) haben wir ein Zimmer in einem kleinen Guesthouse. Nobbi ist sehr zufrieden mit meiner Wahl, schließlich kann man vom Bett aus den Hafen überblicken. Abends hört es auf zu regnen und wir erkunden die Stadt. Dunedin gilt als die „schottische Stadt“ Neuseelands und hat viele schöne alte Gebäude. Das Gelände ist sehr hügelig und zu unserem viktorianischen Guesthouse geht es steil bergauf. Gut fürs Fitnessprogramm.
In Dunedin finden wir unseren Verdacht bestätigt: Neuseeländer glauben nicht an Heizungen. Die meisten neuseeländischen Häuser haben keine Heizung. Bereits als ich Zimmer gebucht habe, war mir aufgefallen, das gerne mit dem Vorhandensein von Heizdecken geworben wird. Für Heizdecken, Wärmflaschen und Thermounterwäsche gibt es einen großen Markt. Kleine elektrische (häufig mobile) Heizungen oder Klimaanlagen mit Heizfunktion stellen die luxuriösere Alternative dar. Ansonsten setzen die Kiwis auf Abhärtung. Insbesondere bei ihren Kindern. Während ich im Restaurant meine Fleecejacke anbehalte, trägt das Baby am Nebentisch kurze Hosen und T-Shirt. In Dunedin sitzt man auch bei knapp 10 Grad und Nieselregen draußen, kurzärmelig. Damit die Gäste, die drinnen sitzen nicht zu sehr verweichlicht werden, lässt man einfach die Schiebetüren des Restaurants offen.

Wir bleiben noch einen Tag in Dunedin und wollen uns die Otago Halbinsel ansehen. Zunächst haben wir Glück und das Wetter ist viel weniger grausam als angesagt. Es ist zwar kalt, aber immer wieder kommt die Sonne raus. Wir genießen die Fahrt entlang der Küste. Unser erstes Etappenziel ist die Albatros-Kolonie ganz an der Spitze der Halbinsel. Hier brüten Königsalbatrosse. Diese riesigen Vögel (Spannweite bis 3,30 m!) möchten wir gerne sehen. Der starke Wind treibt uns die Tränen in die Augen sobald wir aus dem Auto steigen. Was für uns Menschen mühsam ist, ist für die Albatrosse super Flugwetter. Immer wieder steigen sie über den Klippen auf, drehen eine Runde und verschwinden hinter den Felsen. Was für ein toller Anblick! Die Albatrosse sind nicht die einzigen Bewohner der Landspitze. Einige Seebären tauchen zwischen dem Kelp und viele verschiedene Seevögel sind hier zu Hause. Hunderte Rotschnabelmöwen brüten hier. Überall sitzen die flauschigen Küken und warteten auf ihre Eltern. Viele Möweneltern haben eine interessante Wohnungswahl getroffen und ihr Nest auf dem Gehweg, auf der Mauer die den Parkplatz begrenzt oder sogar auf den Treppenstufen zum Aussichtspunkt gebaut. Nun verteidigen sie ihre Jungen mit einem riesen Geschrei. Die brütenden Kormorane haben sie lieber auf die Klippen zurückgezogen.
Wir gucken Tiere bis der nächste Schauer kommt und verstecken uns dann entweder im Albatros Zentrum oder im Auto und wärmen uns auf. Es ist kalt, wir reden über einstellige Temperaturen. Hier ist doch Sommer? Das Ganze machen wir vier Mal. Wir überlegen, ob wir eine Führung zu den Albatrossen machen wollen, doch es gießt schon wieder und der Preis ist uns zu eigentlich zu hoch.
Nobbi fährt tapfer meine Routenvorschläge, auch wenn sie uns über unbefestigte einspurige Straßen führen. Außer einem Fahrzeug, das den Sandweg planiert und dem wir natürlich an der engsten Stelle begegnen, treffen wir keine anderen Autos und halten immer wieder an um Vögel zu beobachten. In der Sandfly Bay genießen wir den Blick über die Südwestküste und lassen uns vom stürmischen Wind durch pusten. Der Himmel ist aufgerissen, die Sonne scheint und es weht kräftig. Inzwischen haben wir wohl 9 bis 10 Bft. Selbst die Schafe haben sich in windgeschützte Kuhlen gelegt. Auf den Abstieg zum Strand verzichten wir. Die Bucht ist nicht nach den fiesen kleinen Insekten benannt, die einen stechen, sondern nach dem fliegenden Sand. Schon auf halber Höhe werden wir gesandstrahlt, als es anfängt zwischen den Zähnen zu knirschen, drehen wir um.
Abends fotografieren wir noch einmal den Bahnhof Dunedins, das am häufigsten fotografierte Gebäude der Südinsel, diesmal wird es von der Sonne angestrahlt. Eine kleine italienische Pizzeria versöhnt Nobbi mit der neuseeländischen Pizzalandschaft, die beste seit Europa! und dazu leckerer Chianti und der Nachtisch erst…

Rundreise auf der Südinsel Teil 1 – Ein kaputter Außenborder, Christchurch, die Südalpen und die Westküste

Pünktlich zu Weihnachten sind wir wieder zurück auf Mari. Unsere Tour über die Südinsel war toll und ereignisreich. Wie nach jeder Reise ist es auch schön wieder zu Hause anzukommen.
Schon während der Planung wurde uns klar, dass unser kleiner Ausflug auf die Südinsel gar nicht so klein wird. Allein für die Anreise zum Ausgangspunkt in Christchurch nehmen wir uns mehr als 24 Stunden Zeit. Mit dem Schlauchboot fahren wir von Mari zur Marina, dann laufen wir mit schwerem Gepäck den Hügel hoch zur Bushaltestelle, dort sammelt uns der Bus ein und bringt uns in vier Stunden nach Auckland. Hier übernachten wir bevor wir am nächsten Tag mit dem Bus zum Flughafen fahren, nach Christchurch fliegen und dort schließlich den Mietwagen übernehmen.
Gleich der erste Teil der Reise, die Fahrt mit Schlauchboot, begann spannend. Der Motor schnurrte, doch wir kamen nicht voran. Mit ganz wenig Gas ging es langsam vorwärts, gaben wir mehr Gas passierte nichts. Wir waren sehr erleichtert, als wir so dicht am Steg waren, dass wir zur Not hätten rudern können. Unser Beiboot haben wir am Steg liegen lassen, den Motor bei Honda abgegeben. Unser (genialer) Plan: der Außenborder wird repariert und ist bestens aufgehoben, während wir uns auf der Südinsel umschauen. Wenn wir wiederkommen, holen wir den Motor wieder ab. Der Rest der Anreise verlief unspektakulär und somit entspannt. Im Bus braucht Nobbi nur seinen Vornamen sagen und wir können einsteigen, die Sicherheitskontrolle in Auckland ist die entspanneste seit Jahren. So macht Reisen Spaß.
Nach ein paar Tagen kommt ein Anruf von Honda, unser AB würde doch super laufen, was denn eigentlich das Problem sei. Nobbi erklärt erst der Sekretärin, dann dem Mechaniker am Telefon das Problem. Einen Tag später rufen sie uns an, sie hätten das Problem gefunden, der Propeller sei kaputt, ein neuer bestellt, wir könnten ihn morgen abholen. Inzwischen war uns aufgegangen, dass unser genialer Plan vielleicht doch nicht ganz so genial war. Zwar hatte unser AB die Zeit ohne uns gut bewacht und trocken verbracht, jedoch wollten wir an einem Sonntag wiederkommen. Mit anderen Worten der AB ist so sicher aufgehoben, dass wir nicht dran kommen. Eine Lösung war schnell gefunden. Die netten Mitarbeiter von Honda versprachen den AB beim Hafenbüro für uns abzugeben. Glücklicherweise hat das tatsächlich geklappt. Als wir Sonntagnachmittag in Opua ankommen, wissen die Marina-Mitarbeiterinnen sofort von welchem AB wir reden und wir können ihn samt Rechnung aus dem Lager holen. Sehr gut, denn wir hatten 6 bis 7 Beaufort Wind, rudern wäre gelinge gesagt problematisch geworden.

Nach der Übernahme des Mietwagens füllen wir die Proviantkiste, kaufen uns einen schönen Reiseführer und Nobbi geht zum Frisör. Nun sind wir bereit für unsere Entdeckungstour.
Zunächst hatten wir uns überlegt ein Zelt zu kaufen, was wir dann verworfen haben, da wir nicht auch noch ein Zelt durch die Gegend segeln wollen. Ein Wohnmobil war aus Kostengründen ausgeschieden. Letztlich waren wir ganz froh, dass wir nicht gezeltet haben, es war zeitweise recht nass und vor allem unerwartet kalt.
Wir haben ganz unterschiedliche Übernachtungen gebucht. Von einer einfachen Hütte auf einem Campingplatz, über ein Hotel bis zu verschiedenen BnBs ist alles vertreten. Eigentlich müsste es Bw/oB heißen, Angebote mit Frühstück sind selten.

Wir beziehen unsere erste Unterkunft in Christchurch, ein schönes Zimmer bei einem jungen Paar in einem ruhigen Wohnviertel. Unser Auto lassen wir stehen und laufen quer durch den Park und botanischen Garten ins Stadtzentrum. In Christchurch sind noch immer die Nachwirkungen des schlimmen Erdbebens 2011 zusehen, in der Bebauung gibt es viele Lücken, die Ruine der Kathedrale erinnert an die verheerenden Schäden und überall wird gebaut. Uns gefällt die Stadt. Wir bleiben in der tollen Stadtbibliothek hängen. Die spannende Architektur hat uns angezogen, eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Bibliothek, die Sammlung der Bücher über den Pazifik und die umfangreiche Zeitschriftensammlung halten uns fest. Wo sonst hat man denn Gelegenheit den „Earthmover“ zu lesen? Tonganische Kochbücher, die Geschichte der Besiedlung Samoas, Fiji zwischen Tradition und Moderne, gerne würden wir ein paar Tage zum Lesen bleiben, doch wir haben andere Pläne. Auf dem Nachhauseweg essen wir einen fantastischen Rinderbraten.

Am Freitag steht die Überquerung der Südalpen auf dem Programm. Greymouth an der Westküste ist unser Tagesziel. Das Autofahren ist sehr entspannt, nicht nur für mich als Beifahrerin. Die Straßen sind gut, und außerhalb der Städte ist wenig Verkehr. Auf den Landstraßen darf man 100 km/h fahren, langsamere Fahrzeuge lassen einen an einer der vielen Ausweichstellen passieren. Oft haben wir weder vor noch hinter uns ein Auto gesehen und man hat hier wirklich weite Sicht. Nobbi schaltet den Tempomat ein und wir genießen die sich schnell verändernde Landschaft. Ab und zu halten wir an, machen ein paar Fotos oder essen unsere Brote. An den Castle Hills treffen wir das erste Mal auf andere Touristen. Wir klettern auf den Felsen herum und sind bald allein. Einige unternehmen lange Wanderungen, die meisten machen ein Foto am ersten Felsen und fahren weiter. Umso weiter wir in die Berge kommen, umso schlechter wird das Wetter. Als wir Arthur‘s Pass erreichen, wo wir eine kleine Wanderung unternehmen wollten gießt es, wir verzichten. Die Keas, die berühmten Papageien sehen wir leider nur im Flug, sie sollen sehr neugierig sein und häufig Touristen-Autos auseinandernehmen. Wahrscheinlich mögen sie auch keinen Regen. Auf der Westseite der Alpen, ein paar Aussichtspunkte später, ist es wieder fast trocken. Wir entscheiden uns kurzfristig für einen Abstecher zum Lake Brunner. Hier sind wir ganz allein, die Saison hat noch nicht begonnen. Die Straßen, aber auch die Ferienhäuser, sind leer. Als wir Greymouth erreichen will Nobbi unbedingt noch mal abbiegen. Das Schild „Breakwater“ zieht ihn an. Warum müssen Segler eigentlich immer aufs Wasser gucken? Das Schild „Achtung Pinguine“ überzeugt auch mich von diesem Abstecher. Pinguine sehen wir nicht, dafür eine große Gruppe Hektordelfine, die im flachen Wasser jagt. Wir beziehen unsere Hütte auf dem Campingplatz und beschließen den Tag mit einem Stadtspaziergang.

Am nächsten Tag haben wir kein Ziel, wir bleiben noch eine Nacht in Greymouth. Nach einem Kaffee am leeren Strand, entscheiden wir uns für einen Ausflug entlang der Westküste. Das Wetter trotz der schlechten Vorhersage, die Sonne scheint, wir sind zu warm angezogen und ich hole mir einen Sonnenbrand. An den Pancake Rocks in Punakaki bewundern wir die witzigen Kalksteinformationen und die darauf brütenden Seevögel. Am Kap Foulwind unternehmen wir zwei kleine Wanderungen. Eine Kolonie neuseeländischer Seebären unterhält uns lange. Viele Aussichtspunkte und Strandfotos später endet der Tag für uns wieder am Strand direkt am Campingplatz.

Bisher gefällt uns die Südinsel sehr, doch es ist bereits Mitte Dezember und bei uns kommt kein Weihnachtsgefühl auf. Es gibt nur wenig Weihnachtsdeko, dekorierte Privathäuser sehen wir nur sehr selten, es gibt kein Marzipan und keine Dominosteine. Nicht mal Glowwine, obwohl es bei den Temperaturen (besonders in den folgenden Tagen) durchaus schmecken würde. Wir dekorieren unser Mietauto mit Weihnachtskugeln und singen bzw. hören Weihnachtsmusik. Weihnachtslieder werden auch im neuseeländischen Radio fleißig gespielt. Meine Lieblingswerbung ist „get your roof reindeer ready“, auch wenn ich immer noch nicht begriffen habe, wofür eigentlich geworben wird. Während wir vor uns hin trällern stellen wir fest, dass es den Thomanerchor schon gab, als Neuseeland noch nicht besiedelt war. Verrückt, dass die Besiedelung dieses Landes so kurz zurück liegt. Der Thomanerchor ist aber nur der viertälteste Chor in Deutschland, der Aachener Domchor wurde bereits um 800 gegründet und damit 400 Jahre vor den Thomanern. Nur der Vollständigkeit halber.

Am Sonntag wollten wir unsere Rundreise eigentlich entlang der Westküste fortsetzen und einen Blick auf die Gletscher werfen, doch der Highway ist gesperrt. Ein Erdrutsch hat ihn weggespült. Die Neuseeländer klagen über das „freaky weather“, dass es auf der Südinsel deutlich kälter ist, insbesondere im Dezember ist normal, doch die schweren Stürme, der extrem starke Regen und die schweren Überflutungen sind ungewöhnlich. Wir fahren also wieder auf die Ostseite der Insel, wieder über Arthur‘s Pass. Diesmal haben wir mehr Glück, es nieselt nur leicht und wir kommen doch noch zu unserer Wanderung zum Wasserfall. Eine weitere Pause legen wir an einer Höhle an, die Mutige durchqueren. Wir sehen uns Eingang und Ausgang an, haben aber keine Ambitionen im hüfthohen Wasser, gegen den Strom, in völliger Dunkelheit durch die Höhle zu klettern. Am Rakaia River machen wir die dritte Wanderung des Tages zu einem schönen Aussichtspunkt und kehren mit müden Füßen zum Auto zurück. Unser Tagesziel ist ein BnB in der Nähe von Geraldine, das wir Entenhausen nennen. In unserer Wohnung finden sich überall Enten. Im Wohnzimmer, der Küche und dem Bad, auf Kissen und Vorhängen, auf dem Geschirr, als Tonfigur und als Plüschtier. Unsere Gastgeber haben ein Highlandrind, ein Pferd, ein Alpaka und einen Hund. Uns gefällt es so gut, dass wir abends statt essen zu gehen lieber ein paar Brote auf den Stufen vorm Haus essen. Wir kommen mit den Gastgebern ins Gespräch, die vor 17 Jahren aus England nach Neuseeland gekommen sind und uns viele Einblicke geben. Sie interessieren sich für unsere Reise. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren sind wir richtig traurig, dass wir nicht noch eine Nacht bleiben können und bekommen zwei Teddybären geschenkt. Die beiden sind von England mit nach Neuseeland umgezogen, wir haben versprochen sie wieder nach Europa zu segeln. Nicht ganz zufällig haben wir die beiden Erica und Andrew getauft.