Sommer im Norden

Wir warten auf Nachricht, wie es mit unserer Reise weitergeht. Die Ungewissheit ist anstrengend und macht eine langfristige Planung unmöglich. Doch Neuseeland macht keine Anstalten uns einreisen zulassen. Für uns heißt es geduldig sein, nicht unsere Kernkompetenz!

Unser Wanderbuch zeigt uns immer wieder Ecken in der näheren Umgebung die wir noch nicht kennen. Wir freuen uns Zeit zu haben Familie und Freunde zu treffen, machen Besuche in der Umgebung und bekommen Besuch von lieben Segelfreunden, die auf der Durchreise einen Stopp bei uns einlegen.
Wir bemühen uns den unfreiwilligen Aufenthalt zu genießen. Zum Beispiel haben wir endlich eine Tour mit den Hafenbus in Bremerhaven gemacht, das wollten wir schon lange und hatten nie Zeit. Und wir sind seit Jahren auch mal wieder im Besitz eines Bibliothekausweis.
Auch im August haben wir wieder eine kleine Reise gemacht. Für fünf Nächte haben wir ein kleines Ferienhäuschen in Mölln gemietet und Ausflüge in die Umgebung unternommen. Wir waren in Lübeck und haben dort Marzipantorte gegessen, in Schwerin haben wir uns die wirklich außerordentlich schöne Innenstadt und das Schloss angesehen und in Ludwigslust sind wir durch den Schlosspark spaziert.
Von Lauenburg aus haben wir eine besonders schöne Wanderung in den Auen an der Elbe gemacht und in Mölln haben wir lange Abendspaziergänge unternommen. Wir waren verwundert, dass sich die meisten Feriengäste anscheinend auf die Küste konzentrieren. Ob bei unserer Wanderung um den Küchensee oder am Wisentgehege, oft waren wir ganz allein unterwegs.
Mitten auf dem Pazifik haben wir einen Podcast über die Nandus, die sich in Mecklenburg Vorpommern pudelwohl fühlen, gehört. Nun haben wir sie tatsächlich gesehen. Sie standen in einem Feld an der Landstraße und haben die Sonne genossen. Insgesamt hat es uns sehr gut gefallen und Glück mit dem Wetter hatten wir auch noch!
Im MARKK (so heißt das Völkerkundemuseum jetzt) in Hamburg gibt es die Sonderausstellung „Im Schatten von Venus“. Eine riesige Videoinstallation zeigt einen zum Leben erweckten Tapetenentwurf, der die Südsee-Expeditionen von James Cook und das Zusammentreffen mit den Südseebewohnern zeigt. Diese Ausstellung wollten wir gern sehen und wurden nicht enttäuscht, natürlich haben wir uns anschließend auf einen Streifzug durchs Museum begeben. Besonders gut hat uns die Masken-Ausstellung aus dem Westpazifik gefallen.
Letzte Woche waren wir in der Lüneburger Heide und waren erstaunt. Die Heide ist ein ziemlich populäres Ausflugsziel, obwohl wir unter der Woche bei durchwachsenem Wetter unterwegs waren, standen auf den Parkplätzen doch viele Autos, die auf ihre wandernden Besitzer warteten. Trotzdem haben wir bei unserem Spaziergang mehr Kühe gesehen als Menschen.
Am Schiffshebewerk in Scharnebeck im Elbe-Seitenkanal haben wir uns angesehen wie ein Schiff Aufzug fährt. Mit dem Schiffshebewerk werden maximal 38 m Höhenunterschied überwunden. Das Schiff fährt in eine riesige Wanne und diese wird dann hochgehoben bzw. hinuntergelassen. 21.000 Schiffe benutzen die Anlagen jährlich, darunter viele Sportboote. Die Tröge, also die „Wannen“ in denen die Schiffe transportiert werden, fassen Schiffe bis 100 m Länge.
So etwas Interessantes haben wir mit unserer Marisol noch nicht genutzt. Falls wir den Elbe-Seitenkanal befahren, um ihr das Schiffshebewerk zu zeigen, müssten wir allerdings den Mast legen.
Das Schiffshebewerk soll durch eine Schleuse ersetzt werden, um die Durchfahrt auch für längere Schiffe und Schubverbände zu ermöglichen.

Neuschwanstein statt Neuseeland

Gerne würden wir Neuigkeiten aus Neuseeland hören, wir wüssten gerne wann wir wieder zu unserer Mari reisen dürfen. Doch uns geht es wie allen anderen, wir wissen nichts. Bleibt uns nur das Beste aus unserem unfreiwilligen Aufenthalt zu machen.

Wir wollen die Zeit nutzen, bevor die südlichen Bundesländer Sommerferien bekommen und einen Ausflug in den tiefen Süden unternehmen. Rothenburg ob der Tauber wollen wir uns ansehen und einen Blick auf Neuschwanstein werfen.
In Creglingen an der romantischen Straßen finden wir eine tolle Ferienwohnung über einer Bäckerei. Hier wohnen wir die ersten Tage. Auf schmalen Straßen schlängeln wir uns durch kleine Orte. Immer auf der Grenze zwischen Baden Württemberg und Bayern. Uns gefallen die aufgeräumten Orte mit den vielen Blumen. Ob es hier ein Gesetz gibt, das Geranien an Häusern und Brücken vorschreibt? Uns gefällt es.

Rothenburg ist nur 20 Kilometer entfernt. Wir parken außerhalb der Stadtmauer und laufen in die Altstadt. Die Stimmung ist unwirklich. Rothenburg ist leer. Hinter uns kommt eine Familie durchs Stadttor, sonst ist niemand unterwegs. Wir streifen durch die Innenstadt, lassen uns durch die alten Gassen treiben und wandern auf der Stadtmauer um die schöne Stadt. Im Tourismusbüro erhalten wir die Beschreibung der vielen Türme und laufen nun von Turm zu Turm. Die mittelalterliche Altstadt ist gut erhalten bzw. wiederaufgebaut (fast die Hälfte der Häuser wurde im Krieg schwer beschädigt oder zerstört) und liebevoll gepflegt.
Mittags ist die Innenstadt belebter, viele Radwanderer machen ihre Mittagspause in Rothenburg. Trotzdem ist es ungewöhnlich leer, viele Souvenirgeschäfte und Gaststätten bleiben geschlossen. Nachmittags beschließen wird, dass wir genügend Kilometer auf dem Kopfsteinpflaster zurückgelegt haben und verlassen die Stadt. Wir machen eine Abstecher zu einem Aussichtspunkt, genießen die Sonne und Nobbi testet seine Vogelstimmen-App.

 

Am nächsten Tag ist es bewölkt aber trocken, wir wollen eine kleine Wanderung unternehmen und entscheiden uns für eine Runde in der Nähe von Rothenburg. Wir hoffen einen Platz auf einem Parkplatz am Ausgangspunkt verschiedener Wanderwege zu bekommen und werden wieder überrascht. Unser Auto wartet hier ganz allein auf unsere Rückkehr. Wir laufen eine schöne Runde, entlang der Tauber und des Hohbachs. Mal geht es durch den Wald, mal entlang des Waldrands. Anschließend machen wir eine Pause mit Blick auf Rothenburgs berühmte Silhouette.
Wir folgen der romantischen Straße. Während eines Spaziergangs in Schillingsfürst holt uns der Regen ein und wir machen uns auf den Rückweg. Wir nehmen die kleinsten Landstraßen und legen einen Zwischenstopp an der Jagst ein, auch wenn das überhaupt nicht auf dem Weg liegt. Den tollen Aussichtspunkt erreicht man nach einem kleinen Spaziergang. Über einer Schleife, die die Jagst hier bildet, thront auf der anderen Seite des Tals Kirchberg.

Uns gefällt es hier sehr gut, vielleicht machen wir irgendwann Wanderurlaub an der Jagst. Doch Mitte der Woche geht es für uns an den Alpenrand. Das passt gut, in und um Creglingen soll es heftig regnen. Wie schon in den letzten Tagen entscheiden wir uns für die langsame Route und folgen der romantischen Straße.
Kurz vor Dinkelsbühl steht ein Schild, das auf die „schönste Altstadt Deutschlands“ hinweist. Kurz entschlossen halten wir an. Wir biegen falsch ab und sind plötzlich mitten in der historischen Altstadt. Glücklicherweise gibt es einen freien Parkplatz vor dem Tourismusbüro. Um eine qualifizierte Aussage zutreffen, müssen wir uns nun natürlich alle Altstädte in Deutschland ansehen, allerdings können wir schon jetzt sagen, dass Dinkelsbühl zu den schönsten gehört. Dreiviertel der Häuser ist älter als 350 Jahre, der Bau fast der Hälfte der Häuser wurden sogar bereits im Spätmittelalter begonnen. Die Altstadt ist ausgesprochen hübsch, das liegt nicht nur an den alten Häusern, sondern auch daran, dass es keine Leuchtreklame und keine bunten Werbeschilder gibt, dafür umso mehr Blumen.


Wenn unser Tagesziel nicht noch so weit entfernt gewesen wäre, hätten wir uns einfach für den Rest des Tages auf den Marktplatz gesetzt.
Doch wir setzen unsere Reise fort. Umso näher wir den Alpen kommen, umso schöner wird das Wetter. Nachdem wir kein geöffnetes Gartenlokal finden, machen wir ein Picknick an einem Badesee. Nachmittags erreichen wir Hohenschwangau, unser Ziel.
Der Wanderweg um den Alpsee erscheint uns geeignet für Norddeutsche, weist er doch nur wenig Steigung auf. Im Abendlicht laufen wir um den schönen See mit seinen romantischen Ausblicken. Der aufkommende Hunger sorgt für Rekordtempo. Als wir zurückkehren ist es ganz leer im Ort, die Einheimischen gehen zum Baden und wir sind froh, dass wir einen Tisch fürs Abendessen reserviert haben. Der Tag klingt mit einem leckeren Essen unter Kastanien aus.

Am nächsten Morgen haben wir ein Date mit Schloss Hohenschwangau. In Zeiten es Corona-Virus ist der Zugang streng limitiert. Normalerweise gibt es alle fünf Minuten eine Führung mit bis zu fünfunddreißig Personen, jetzt höchstens alle fünfundzwanzig Minuten eine mit zehn Teilnehmern. Auch der Zugang zum Garten ist reglementiert, nur Teilnehmer der nächsten Führung dürfen auf das Gelände. Wir sind nur zu acht in unserer Gruppe. Die Führung ist sehr interessant, das Schloss ist weitgehend im Zustand von 1840 (als es umgebaut bzw. von einer verfallenen Burg zum Schloss wurde) und sehr sehenswert. Anschließend kommen wir mit dem Gärtner ins Gespräch, der uns erzählt wie voll es sonst ist. Wir genießen es noch ein bisschen mehr den Garten ganz für uns zu haben.

Nobbi zieht seine Wanderschuhe an, meine sind in Neuseeland. Unser Plan sieht vor ein bisschen zu wandern, aber keine Gewalttour unternehmen. Nachmittags soll es heftige Gewitter geben, dann wollen wir wieder am Hotel sein. Natürlich endet es damit, dass wir auf den Tegelberg laufen. Für norddeutsche Deichspaziergänger ist es ganz schön steil. Die Aussicht belohnt für die Anstrengung. Die Sicht ist super und das Wetter hält. Es sind viel weniger Leute unterwegs als gedacht. Wir freuen uns, dass uns ab und zu jemand entgegen kommt und erzählt wie weit es noch ist.
Das Gewitter lässt auf sich warten. Es regnet erst abends als wir am See sitzen und die Wolken beobachten, wie sie sich über die Berge wälzen.

Unser Ausflug ist schon zu ende, der Abschiedsschmerz wird allerdings vom einem kräftigen Regen weggespült. Wir haben ein unglaubliches Wetterglück, kaum lassen wir den Alpenrand hinter uns, wird es freundlicher und schon bald scheint die Sonne. Wir übernachten in Michelstadt im Odenwald und trinken auf dem Marktplatz mit Blick auf das Rathaus von 1484 Ebbelwoi. Erstaunlicherweise schmeckt der ganz ohne Trainingsphase. Normalerweise brauche ich immer ein bis zwei Gläser bis ich Apfelwein wieder mag.
Auf der Rückfahrt nach Bremen werfen wir von der Autobahn einen sehnsüchtigen Blick auf Frankfurt. Es wird Zeit die alte Heimat zu besuchen, wir kennen einfach zu viele nette Leute dort.

Wir hatten vermutlich großes Glück so exklusiv kann man Rothenburg, die romantische Straße und Hohenschwangau wohl nur sehr selten erleben. Keine Reisebusse, keine Reisegruppen. Asiatische und amerikanische Touristen dürfen nicht einreisen. Laut des Gärtners vom Schloss Hohenschwangau war das Schloss noch nie so lange geschlossen wie durch die Corona-Maßnahmen, nicht mal in zweiten Weltkrieg. Für die Leute die von den Touristenmassen leben, ist diese „Leere“ natürlich weniger erfreulich als für uns. Wir haben es sehr genossen.

Eine lustige Anekdote zum Schluss. Wenn wir „auf Reisen“ sind, eine Besichtigung machen oder in einer Unterkunft ankommen, wundern wir uns noch immer darüber, dass alle Menschen um uns herum deutsch sprechen… sogar die Titel der Wandmalereien im Schloss konnten wir lesen!

Weserwehr und Landpartie

Nobbi blättert im Bremen-Buch. Weserstadion und Weserwehr sind Kapitel fast am Ende des Buchs. Da Stadion und Wehr dicht beieinander liegen, beschließen wir unseren Spaziergang diesmal in die Innenstadt zu verlegen. Ein Reiher wartet an der modernen Fischtreppe des Wehrs, die Fischtreppe scheint also zu funktionieren. Zwei Binnenschiffe werden gerade geschleust. Wir wandern zwischen den Kleingärten hindurch, schlendern durch die Altstadt und stellen mal wieder fest, dass Bremen doch sehr schön ist.
Eine Woche Sommer hatten wir hier echten, wunderbaren Sommer. Wir genießen ihn. Frühstück auf dem Balkon, Radfahren, grillen und baden im Badesee. Wundervoll.
Leider haben wir nun wieder sehr authentisches norddeutsches Schmuddelwetter in unterschiedlichen Grautönen. Trotzdem zieht es uns nach Hamburg, Otterndorf und Bremerhaven.
Freunde, die mit ihrem Boot auf der anderen Seite dieses netten Planeten liegen, haben uns geschrieben, dass wir uns doch auch mal Oldenburg ansehen könnten. Gute Idee. So sind wir heute durch die Oldenburger Innenstadt geschlendert, haben die Altstadt umrundet und natürlich einen Abstecher an den Hafen gemacht. Oldenburg hat uns gut gefallen, wir kommen sicher wieder. Auf unserer Fahrt haben wir möglichst kleine Straßen genommen, haben die Weser mit der Fähre überquert, einen Umweg über Brake gemacht, haben einen kleinen Spaziergang an der Hunte und einen noch kleineren an der Weser unternommen. Nette Kühe, fröhliche Fohlen, plüschige Schafe und stolze Störche runden die Landpartie ab.

Vielen Dank, dass ihr an uns gedacht habt. Es gab einen Tornado in Neuseeland, einige Boote wurden schwer beschädigt. Unsere Marisol liegt weit entfernt von dem Ort in dem der Tornado gewütet hat und ist glücklicherweise unversehrt.

 

Frühlingsgefühle in Bremen

Die Zeit vergeht viel schneller als gedacht. Es ist schön einen Sommer in Bremen zu verbringen, auch wenn wir uns darauf gefreut hatten Neukaledonien zu erkunden, nach Vanuatu zu segeln und eine weitere Pazifiksaison zu erleben. Nun ja, es kam anders…
Jetzt haben wir uns sehr darüber gefreut, dass Freunde nach unserer Marisol in Opua gesehen und uns Fotos geschickt haben. Es ist eine große Erleichterung zu wissen, dass es unserem schwimmenden Zuhause gut geht. Trotzdem checken wir jeden Morgen den lokalen Wetterbericht in Opua.

Wir geben uns alle Mühe die uns geschenkte Zeit in Bremen zu genießen. Und sind darin aller meistens auch sehr gut. Der Frühling in heimischen Gefilden darf trotz Corona-Beschränkungen als Erfolg gewertet werden. Unser Balkon ist inzwischen schön begrünt, wir haben sogar einen Kasten mit Kräutern bepflanzt. Die Bisams haben mehrere Junge, die Maikäfersaison ist schon vorüber (sie sind abends immer klangvoll gegen unsere Scheibe geflogen), die Tauben haben ein Nest vor unserem Balkon gebaut, neuerdings bekommen wir Besuch von Bachstelzen und einem Zaunkönig und die jungen Kühe kühlen sich im Graben ab.
Wir freuen uns über die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen und die Wiederöffnung der Museen. Wir unternehmen kleine Ausflüge und nutzen die Gelegenheit Familie und Freunde zu treffen.
In Lüneburg erkunden wir die Altstadt und bleiben in einem Buchladen hängen, in Hamburg schlendern wir an den Landungsbrücken entlang. Pünktlich zur vollen Rhododendronblüte gehen wir im Bremer Rhododendronpark spazieren.
Wir feiern unsere Geburtstage im Mai und waren bereits in zwei verschiedenen Tierparks. Der Tierpark in der Lüneburger Heide hat uns sehr gefallen, es zwar noch recht kühl, was uns aber nicht weiter gestört hat. Ich fand es besonders schön, dass wir durch die Gehege laufen konnten und sowohl Hirsche als auch Schweine außerordentlich kontaktfreudig waren und sich bereitwillig haben streicheln lassen.
Unser Wanderführer empfiehlt eine Runde durch den Wald in Hasbruch. Die Tour gefällt uns sehr und natürlich kommen wir an der 1200 Jahre alten Friederiken Eiche vorbei. Die halbe Wanderung stellen wir uns vor, was dieser alte Baum alles erlebt hat. Vom Mittelalter, über den Dreißigjährigen Krieg bis zu Napoleon. Diesmal bemühe ich keinen Neuseelandvergleich, der Baum stand dort schon als die ersten Menschen Neuseeland erreichten.
Das Historische Museum Bremerhaven hat sich eine schöne Ausstellung zum Traditionsseglertreffen SAIL, bzw. gewissermaßen als Ersatz für die nun verschobene SAIL 2020 ausgedacht. Auch die Dauerausstellungen zur Geschichte Bremerhavens, der berühmten Werften und der moderne Museumsbau selbst sind sehr sehenswert. Bei fantastischem Wetter ergattern wir einen Tisch im Fischereihafen von Bremerhaven und genießen den fangfrischen Fisch unterm Sonnenschirm.
An einem verregneten Tag im Mai, kurz nach der Wiederöffnung sind wir die einzigen Besucher im Focke-Museum und werden positiv überrascht. Die Ausstellung zur Bremer Geschichte präsentiert sich nicht verstaubt sondern sehr modern und interessant. Das außergewöhnliche Konzept des Schaumagazins, in dem die zurzeit nicht ausgestellte Stücke eben doch zu entdecken sind macht uns Spaß.
Weiterhin genießen wir die Streifzüge über den Lesum-Deich und durchs Naturschutzgebiet Werderland und die Radtouren in die Umgebung. Manchmal sammeln wir einige Pflanzen, die wir zu Hause mit Hilfe des Bestimmungsbuchs bestimmen. Auch bilden wir uns ein inzwischen schon etwas fitter geworden zu sein.
So schön es bei uns Zuhause ist, so schön ist es auch die Nase rauszustecken. Wir unternehmen einen Wochenendtrip an die Schlei. Nur, dass wir als arbeitslose Langfahrtsegler das Wochenende in die Woche verlegen. Kurzfristig finden wir eine kleine Ferienwohnung. Auf dem Weg nach Norden machen wir einen Zwischenstopp in der schönen Hansestadt Stade. Wir werden eingeladen die „Greundiek“, einen Kümo-Frachter von 1950, zu besichtigen und sehen uns die tolle Altstadt an.
Wir besuchen all die Orte, die wir nur aus dem Winter kennen. Unsere Marisol hatte ihr Winterlager in Arnis an der Schlei und wir haben unzählige Winterwochenenden dort verbracht. Bei sommerlichen Temperaturen ist es noch schöner, ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen und wage sogar ein Bad in der Schlei. Natürlich machen wir einen Abstecher nach Wackerballig, unseren früheren Heimathafen, und unternehmen einen langen Spaziergang an der Ostsee. In Eckernförde statten wir „unserer“ Albatros, unserem Lieblingsvereinsschiff (Clipper DJS e.V.), einen Besuch ab. Als sich das Wetter verschlechtert, besuchen wir Schloss Gottorf mit dem Museum für Archäologie und dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Schleswig.
Auf dem Rückweg legen wir eine Rast in Hamburg ein und besuchen das Museum für Hamburgische Geschichte. Nobbi war „kürzlich“, ungefähr 1966, hier und will seine Erinnerungen auffrischen. Wir lernen, dass es im 19. Jhd. ein tolles Set aus Holzmodellen zum Nachstellen von Schiffsunfällen bei Seegerichtsverhandlungen gab. Noch mehr beeindruckt hat uns, dass es bereits 1623 eine Lösegeldversicherung gab, die Seeleute freigekaufte, die von Piraten verschleppt wurden. Unser Urteil: auch für Bremer ein empfehlenswertes Museum.

Nun überlegen wir, was wir uns als nächstes ansehen wollen und freuen uns auf die vorhergesagten Sommertemperaturen in der nächsten Woche.

Deiche und Moorleichen

Ab gesehen davon, dass wir nicht hier wollen sein, bzw. eigentlich woanders sein wollten, geht es uns gut. Wir machen uns Sorgen, um die Ausbreitung des Virus und seiner Opfer. Aber auch und vielleicht noch mehr um die massive Einschränkung unserer Freiheit, um den Umgang mit Datenschutz und Selbstbestimmung, um die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes, um die Lust an Verboten und das Aufleben des Denunziantentums. Doch über den Sinn und Unsinn von Corona-Maßnahmen möchte ich mich nicht auslassen, das ist ohnehin überall Thema.
Selbst auf Reisen vermisse ich das Arbeiten ab und zu und hätte Lust ins Labor zu gehen. Eine PCR pipettieren, einen Western Blot machen oder eine Stunde an der Flow in der Zellkultur. Jetzt länger in Deutschland zu sein und nicht zu arbeiten fühlt sich merkwürdig an.
Nun ist es wie es ist. Wir sind in Deutschland und haben Zeit. Es gilt das Beste aus der merkwürdigen Situation zu machen. Noch nie haben wir unsere Wohnung so lange bewohnt. Wir nutzen die Gelegenheit und richten uns richtig ein. Südseebilder befeuern nun das Bootsweh (Heimweh nach dem Boot). Und wir machen, was wir alle machen und gehen in den Baumarkt. Dort trifft man dann auch seine Nachbarn.
Zum Glück haben wir eine schöne Wohnung in einer schönen Umgebung. Wir nutzen das tolle Frühlingswetter für Wanderungen und Fahrradtouren. Entlang der Lesum, Weser, Wümme und Hamme kann man wunderbar radeln und mit Glück ein Eis ergattern. Als wir eine Wanderung entlang der Weser unternehmen wollten, mussten wir feststellen, dass das Betreten vieler Deichabschnitte nur für Bewohner des Landkreises Cuxhaven erlaubt ist. Wir haben schließlich aber doch einen Deich gefunden, auf dem wir nicht nur legal sondern auch ganz allein spazieren gehen konnten. Eine besonders schöne Wanderung haben wir letzte Woche im Hamberger Moor unternommen. Auf den umliegenden Wiesen haben wir Störche und Fasane gesehen, im Moor Blindschleichen und Eidechsen. Fast nirgends ist die Stille so vollkommen wie im Moor. Bei Sonnenschein faszinierend, bei bedecktem Himmel unheimlich und bei Nebel beängstigend. Bei uns war es sonnig, wenn auch kühl, und so hatten wir einen sehr vergnüglichen Ausflug. Und natürlich haben wir die federnden Böden getestet bis wir nasse Füße bekommen haben. Eine Moorleiche haben wir leider nicht gefunden, auch wenn meine Begleiter mich ermutigen wollen auf den Glatzen der Versunkenen übers Moor zu gehen…

Es gibt eine neue Rubrik. Wer Lust auf eine „Lesereise“ hat, lässt sich unter „Bücherschapp“ inspirieren.

Verlängerung des Heimaturlaubs

Eigentlich wollten wir in knapp einer Woche wieder nach Neuseeland fliegen, zurück zu unserer Mari. Dieses letzte Bremen-Wochenende sollte gefüllt sein mit Frühstücksverabredungen mit Freunden, mit Mädelsabenden, mit einem letzten Hamburg-Besuch.
Eine Kiste mit Ersatzteilen, neuen Bikinis, Mückenspray und all den anderen Dingen, die auf ihren Einsatz in einer neuen Pazifiksaison warten steht bereit. Die Kiste wird noch etwas warten müssen, gemeinsam mit uns.
Das Virus hat unseren ganzen Planeten im Griff und damit auch die Segelwelt. Wir müssen uns nicht entscheiden, für uns ist die Lage ganz einfach. Mal abgesehen davon, dass unsere Flüge annulliert wurden, dürfen wir nicht nach Neuseeland einreisen (und natürlich auch in kein anderes Land auf der geplanten Route).
Uns geht es gut. Wir sind froh, dass wir eine Wohnung in Bremen haben, dass wir zusammen sind und, dass wir gesund sind. Marisol liegt in Opua und ist dort sicher und legal untergebracht. Die Situation vieler Segelfreunde ist nicht so komfortabel. Da laufen Visa aus, die Weiterreise in die Nachbarländer ist jedoch nicht möglich, oder der Ankerplatz ist bei Wetteränderungen unsicher, es ist jedoch verboten das Boot zu bewegen. Freunde können weder zurück zu ihrem Boot, ihrem Zuhause, noch nach Deutschland. Andere sind mit leichtem Gepäck auf Heimatbesuch, haben keine Unterkunft und kommen nicht zurück zum Boot. Wieder andere wurden von ihrem Partner getrennt, der eine ist beim Boot, der andere irgendwo in Europa. Manch einer ist vor Wochen losgesegelt und darf bei Ankunft nicht mehr einreisen. Niemand möchte jedoch mit denen tauschen, die schwer krank sind oder um das Leben ihrer Angehörigen bangen.

Zum Glück ist das Wetter so fantastisch. Seit Tagen scheint die Sonne, Büsche und Bäume haben bereits diesen grünen Schimmer, der den nahenden Frühling ankündigt, die Vögel singen um die Wette, die ersten Blumen blühen. Jeden Tag unternehmen wir einen langen Spaziergang und freuen uns darüber wie schön unsere direkte Umgebung ist. Die Störche sind inzwischen weiter gezogen, aber Reiher, Gänse und eine Vielzahl unterschiedlicher Enten sehen wir immer. Mehrere Greifvogelarten machen den Mäusen das Leben im Werderland schwer, Fasane bewohnen das Lesumufer und auf Möwen müssen wir auch nicht verzichten. Unsere Lieblingstiere sind jedoch die Bisams. Bisamratten sind keine Ratten, sondern der größte Vertreter der Wühlmäuse. Sie können bis zu 70 cm groß werden und sind schnelle Schwimmer. Seit einer Woche sehen wir sie fast jeden Tag und können uns gar nicht satt sehen an den putzigen Tieren.
Der Alltag sieht bei uns genauso aus wie bei vielen anderen. Wir haben viel Zeit zu lesen, backen Kuchen, erledigen liegengebliebene Kleinigkeiten und sortieren Reisebilder. In Neuseeland haben wir begonnen Indonesisch zu lernen, unser Wortschatz wächst dank viel freier Zeit und wir freuen uns schon darauf unsere Kenntnisse in freier Wildbahn ausprobieren zu können. Vielleicht werde ich nun zum ersten Mal einen Revierführer lesen bevor wir lossegeln. Und vielleicht schaffe ich es sogar den Blog auf den neusten Stand zu bringen.

Auf Heimatbesuch

Nach sehr schönen Tagen in Singapur sind wir vor fast einer Woche in Bremen angekommen. Trotz Sturm sind wir heil und fast pünktlich gelandet. Unser Gepäck ist nicht vollkommen unversehrt angekommen. Zum Glück hat es nur mein Schminktäschchen getroffen, der gesamte Inhalt ist zerkleinert und zerdrückt worden, die Erinnerungsstücke haben unsere Wohnung wohlbehalten erreicht.
Bremen begrüßt und mit nassem, stürmischen Wetter. Wir sind aber auch nicht wegen des Wetters hergekommen, auch wenn die Wetterlage ideal zum Grünkohl- und Knipp-Essen ist. Wir freuen uns unsere Familie und Freunde zutreffen, unser wichtigstes Utensil ist derzeit der Kalender. Schon jetzt stellen wir fest, unser Deutschlandaufenthalt ist zu kurz. Wir haben bereits einige Kleinigkeiten besorgt und den obligatorischen Zahnarztbesuch hinter uns gebracht.
Wir sind schon eine Woche hier, aber noch nicht ganz angekommen. Wir wundern uns darüber wie schön unsere Heimatstadt ist, selbst bei grauem Wetter. Nobbi wundert sich, dass die Menschen auf dem Bremer Marktplatz alle deutsch sprechen und die Menschen wundern sich über uns, wenn wir uns im Supermarkt über das riesige Angebot freuen.

Sydney – die Fortsetzung

Die Woche beginnt mit kräftigem Regen. Bei einem ausgiebigen Frühstück entwerfen wir einen Regen-Plan. Wir beschließen ins Museum zu gehen. Die Art Gallery of NSW (New South Wales) ist nicht weit weg. Das schaffen wir unterm Regenschirm einigermaßen trocken. Als wir das Hotel verlassen hört der Regen auf und wir tragen unseren Regenschirm trocken ins Museum. Dort finden wir europäische Kunstwerke des 19. Und 20. Jhd., asiatische Gemälde und natürlich australische Bilder und Skulpturen. Wir schließen uns einer Führung zu den „Highlights der Sammlung“ an. Die Kunstexpertin, die diese Führungen in ihrer Freizeit macht, steckt uns mit ihrer Begeisterung für einzelne Kunstwerke und die Galerie an.
Da draußen inzwischen wieder die Sonne scheint, flanieren wir über die Haupteinkaufsstraße mit dem schönen Queen Victoria Building, das auch ein Einkaufszentrum ist, dem Rathaus und der Kirche St. Andrew. Der Rückweg führt natürlich wieder durch den botanischen Garten.
Nachmittags treffen wir uns mit Bettina und Erwin. Die Beiden haben ihren Zwischenstopp in Sydney extra verlängert, damit wir uns treffen können. Wir freuen uns sehr darüber, denn seit wir uns in Fiji zuletzt gesehen haben ist viel passiert und wir haben uns viel zu erzählen. Hoffentlich treffen wir uns bald einmal wieder!
Am nächsten Tag geht es in den Zoo. Wir wollen unbedingt ein paar typisch australische Tiere sehen, bevor wir den Kontinent verlassen. Mit der Fähre geht es zum Zoogelände und mit der Seilbahn zum Haupteingang. Ich bin ja kein Freund von Seilbahnen, muss aber zugeben, dass es nicht schlimm war. Außerdem lenkt die tolle Aussicht auf die Stadt und die Tiere ab. Durch den am Hang gelegenen Zoo geht es in vielen Schleifen wieder hinab zur Fähre. Mir gefallen die Schnabeltiere am besten. Eins schwimmt und taucht und planscht. Wunderbar. Was für putzige Tiere. Der Zoo hat auch Ameisenigel (Echidna). Schnabeltiere (1 Art) und Ameisenigel (5 Arten) bilden zusammen die Ordnung der Kloakentiere und sind die einzigen Säuger die Eier legen. Während Schnabeltiere im Wasser leben und an Land schlafen, sind Ameisenigel Landtiere. Sie sind alle in der Dämmerung oder nachts aktiv, dementsprechend sind unsere Fotos geworden. Also nix. Ihr müsst sie euch also woanders angucken. Natürlich haben wir Wallabys, Kängurus, Wombats und Koalas angeguckt. Der Zoo ist durch seine Lage am Hang sehr schön und abwechslungsreich. Es gibt viele Volieren, durch die man nach dem passieren von Schleusentoren, hindurch laufen darf und nach den Tieren Ausschau halten kann. Im Zoo leben auch Tiger, nein, da darf man nicht durchs Gehege laufen, Elefanten und Giraffen, wir haben uns aber eher auf die australischen und südostasiatischen Tiere konzentriert. Viele der kleinen Säuger hatten wir noch nie gesehen. Wir haben den ganzen Tag im Zoo verbracht und die verschiedensten Tiere beobachtet.
In Australien sind unglaublich viele Tiere durch die aktuellen Buschfeuer umgekommen. Die Schätzungen gehen von hunderttausenden aus. Jetzt bewegt der Tod von über 40 Koalas auf einer Plantage die Nation. Sie sind jedoch nicht den Feuern zum Opfer gefallen, sondern der Abholzung. Es gibt eigentlich strenge Regeln, die dafür sorgen sollen, dass die Koalas nicht sterben, wenn die Eukalyptus-Bäume gefällt werden. Die Bilder vom gerodeten Wald haben uns schockiert. Auf riesigen Flächen steht keine einzige Pflanze mehr nach der „Ernte“, nicht ein einziger Grashalm.
Zunächst haben wir heute überlegt einen der Strände zu besuchen, doch da es eher kühl war haben wir uns für einen weiteren Spaziergang in Richtung Stadtmitte entschieden. Im botanischen Garten erkunden wir einige Ecken, die wir noch nicht kennen, schauen den Kakadus zu, die sich aufgeregt um dem besten Platz im Baum streiten und besuchen die Ausstellung „Bite me“. Die Ausstellung dreht sich um fleischfressende Pflanzen und ist sehr informativ. Auf dem Weg zum Hafen wollen wir einen Blick in die Bibliothek, die State Library of NSW, werfen. Das Gebäude und der Lesesaal sind toll. Aus dem kurzen Stopp wird ein längerer Aufenthalt, als wir feststellen, dass es mehrere interessante Ausstellungen gibt. Wir lernen etwas über die vielen unterschiedlichen Aborigine-Sprachen und deren Erhaltung, sehen uns einige der alten Bücher der Bibliothek an, wie zum Beispiel ein wunderschönes Fischbuch von 1719 und entdecken in der Gemäldesammlung das Bild von der Gründung Australiens, das in unserem Reiseführer abgebildet ist. Am Hafen lassen wir unseren Sydney-Besuch ausklingen.
Morgen fliegen wir nach Singapur und freuen uns auf die tolle Stadt, jedoch noch mehr auf Lisa und Keke. Mal sehen, wie die anti-Coronavirus-Maßnahmen in Singapur aussehen. Australien evakuiert mit Sonderflügen Australier aus Wuhan und steckt sie für zwei Wochen in Quarantäne auf Christmas Island. Chinesen und Touristen, die in China waren, dürfen nicht mehr einreisen. Für tausende von Studenten bedeutet das, dass sie den Beginn des Semesters verpassen. In Australien gibt es eine regelrechte Bildungsindustrie, unglaublich viele ausländische Studenten studieren hier. Ein Milliardengeschäft. Und die größte Gruppe ausländischer Studenten sind – ihr ahnt es – Chinesen. Die Tourismus-Industrie bangt ebenfalls, sind die Chinesen doch die größte Gruppe der Touristen und die mit Abstand vermögendste. Die Berichterstattung ist zu großem Teil haarsträubend und unglaublich rassistisch. Und ich frage mich, wäre das Virus in Deutschland zuerst aufgetaucht, dürften dann alle 700 Mio. Europäer nicht reisen? China ist doppelt so groß wie die EU und etwa so groß wie ganz Europa inklusive des europäischen Teil Russlands. Und doch gilt das Einreiseverbot hier und in vielen anderen Ländern für alle 1,4 Mrd. Chinesen.

Nächster Stopp: Sydney

Am Freitag geht es weiter nach Sydney. Die Reise verläuft unspektakulär, ich schaue einen ebenso unspektakulären Film und kurz darauf landen wir auf dem neuen Kontinent. Wir waren beide noch nie auf dem Heimatkontinent der Beuteltiere. Die Einreise geht fix, wir werden am Zoll gleich aussortiert und dürfen direkt zum Ausgang weiterlaufen. Ich habe immer noch Angst, dass mir jemand meinen Kopra-Sack wegnehmen möchte…
Dann versuchen wir Tickets für den Shuttle Bus zu kaufen, der Verkäufer ist sehr bemüht, überprüft sogar unsere Abflugzeit bei der Weiterreise und die Adresse des Hotels, doch wir verstehen ihn so schlecht. Nicht nur, weil er furchtbar nuschelt, sondern vor allem weil er einen Mundschutz trägt. Auch in Sydney ist die Coronavirus-Angst angekommen. Die Zeitungen schüren die Angst mit haarsträubenden Überschriften, wie zum Beispiel der Frage, ob man noch in Chinatown essen gehen kann. Seit wann hat Chinatown einen Tunnel nach China? Auch nett die beiden Damen die sich heute darüber unterhalten haben, dass sie sich schon mal Antibiotika gekauft haben, falls sie den Virus bekommen. Außer den Verkäufern am Flughafen sind nur wenige mit Mundschutz unterwegs, häufig einzelne aus einer Reisegruppe oder einer Familie.
Nach dem wir unser Hotelzimmer bezogen und ein verspätetes Mittagessen genossen haben, laufen wir zum botanischen Garten. Unterwegs entdecken wir eine kleine Ausstellung mit Skulpturen. Der botanische Garten gefällt uns sehr, außerdem hat man von hier einen super Blick auf das berühmte Opernhaus. Nicht nur die Pflanzenwelt des Gartens auch die zutraulichen Ibisse, die lauten Kakadus und die bunten Papageien begeistern uns. Die Kakadus sind überall. Sie sitzen gerne auf dem Fensterbrett des Hauses gegenüber unseres Hotels und spiegeln sich in den blanken Fenstern und sogar die grauen Schiffe der australischen Marine sind nicht vor ihnen sicher. Wir wohnen in Woolloomooloo (super Name für einen Stadtteil, oder?), ganz in der Nähe der Marine Basis. Hier liegen unter anderem auch zwei große (und hässliche) Hubschrauberträger und zwei Zerstörer (ich bin kein Kriegsschiffsexperte). Und auf den Zerstörern streiten sich die Kakadus um die besten Plätze. Am Samstag wollen wir uns einfach ein wenig durch die Stadt treiben lassen, sehen uns die Kathedrale St.Mary an und kommen zufällig am Startpunkt für die Stadtführungen vorbei. Wir haben mit den Free Walking Tours in anderen Städten bisher gute Erfahrungen gemacht und schließen uns spontan an. So traben wir bei großer Hitze quer durch die Stadt. Wir lernen, dass Sydney 1788 gegründet wurde und, dass die Aborigines hier schon vor ungefähr 20000 Jahren unterwegs waren. Wir erfahren einiges über die Entwicklung der Stadt, lernen die Gründungsväter kennen, werfen einen Blick auf alte und neue Gebäude, wie die Bibliothek, das Zollamt, das alte Krankenhaus, einige Museen und den ältesten Pub. Die Führung endet in „The Rocks“, der Altstadt, mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge.
Abends gehen wir in die Oper und sehen Don Giovanni. Dieser Opernbesuch ist der eigentliche Grund für unseren Zwischenstopp in Sydney. Wir wollten unbedingt mal in diese Oper und da am 1. Februar Don Giovanni gespielt wurde, sind wir eben am 31. Januar angereist. Nobbi wirft sich in sein zweitbestes Hemd (ihr erinnert euch, das beste ist über Bord geweht) und ich hole die goldenen FlipFlops aus dem Seesack. Es war toll mal wieder in die Oper zu gehen, das hat uns gefehlt. Die Inszenierung hat Spaß gemacht, die Sänger waren phänomenal und das Publikum ist richtig mitgegangen und hat viel gelacht. Es ist ja auch wirklich schön, wenn die Übertitel sagen „Bravo, …, die Tochter verführen und den Vater ermorden“. Und dann hört sich das auf Italienisch so schön an.

Weil der botanische Garten uns so gut gefällt, haben wir heute Morgen an einer Führung teilgenommen. Wir waren nur zu fünft in unserer Gruppe und ein begeisterter Pflanzenliebhaber hat uns einige besondere australische Pflanzen gezeigt und kleine Geschichten erzählt. Natürlich haben wir uns auch über die Buschfeuer unterhalten und die Eukalyptusbäume (das sind die Bäume die dort vor allem verbrennen) genauer angeguckt. Die Führung war sehr interessant und anschließend waren wir noch in der Abteilung mit den Farnen. Jetzt waren wir schon dreimal in drei Tagen im botanischen Garten und haben noch nicht alles gesehen.

Nachmittags ging es durch „The Rocks“, die Altstadt, und von dort auf die Harbour Bridge. Von der Brücke hat man einen tollen Blick auf die Oper, den täglich wechselnden obligatorischen Kreuzfahrer und große Teile der Stadt. Im Hafengebiet herrscht reger Fährverkehr, außerdem waren viele Segler unterwegs. Auf dem Rückweg bummeln wir ein wenig über den Sonntagsmarkt und gucken Souvenirs an, die wir nicht kaufen wollen.
Schließlich wird der Himmel tief schwarz und wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel. Kaum sind wir angekommen beginnen heftige Gewitter. Die Gewitter sind mit ihren Blitzen häufige Ursachen für Buschbrände, ihr Regen aber wird dringend benötigt.
In einer Regenpause machen wir einen Abendspaziergang. Viele Treppen aufwärts liegt ein nettes Viertel mit schönen Häusern, vielen Geschäften und Restaurants.
Auch wenn unser Reiseführer eigentlich nur von Restaurants, Bars und Hotels berichtet, gibt es hier viel zusehen und uns wird nicht langweilig werden.

„Maritime Museum“ – ein Tag in Auckland

Die Reise von Opua nach Auckland ist reibungslos verlaufen. Früher sind wir jeden Sonntag von unserem Boot nach Hause gefahren, jetzt fühlt es sich ganz anders an unsere Mari zurückzulassen. Mehrfach haben wir kontrolliert ob wirklich alle Seeventile geschlossen sind, die Luken zu, Strom und Gas aus,…
In Auckland haben wir einen Tag Zeit bevor wir Neuseeland verlassen. Was machen Segler auf Landurlaub? Sie gehen ins „Maritime Museum“, ins Schifffahrtsmuseum. Die Ausstellung beginnt mit ein paar Kanus aus dem Pazifikraum, einem Raum über Besiedlung der Maoris und der Ankunft der europäischen Expeditionsreisen, ein paar Exponate zum Hafenleben im 20. Jhd. Alles ganz interessant, aber höchstens Durchschnitt im Vergleich all der Schifffahrtsmuseen, die wir kennen. Mittags um 12 wurde eine Kanone abgefeuert und Nobbi hatte seinen großen Auftritt. Nobbi sollte die Glocke läuten und hat natürlich acht Glasen geschlagen, was für Überraschung und Begeisterung beim Museumspersonal sorgte. Wirklich Spaß gemacht hat uns die Ausstellung „Blue Water Black Magic“. Eine spannende Ausstellung über Neuseelands segelnden Nationalhelden Sir Peter Blake, die Erfolge bei Hochseeregatten und die America‘s Cup Kampagne 1995 bei der Neuseeland den begehrtesten Pokal des Segelsports nach Neuseeland holte. Die Exponate gruppieren sich um NZL32, die Black Magic, die erfolgreiche AC Yacht von 1995. Hier haben wir viel Zeit verbracht, insbesondere die vielen Filme (u.a. über Blakes Round-the-World-Sieg mit „Steinlager 2“ über alle 6 Etappen oder die Reise mit der Enza) haben uns begeistert. Im Moment gibt es außerdem eine kleine Ausstellung zum 250. Geburtstag des Zusammentreffens von Maoris und Europäern. Eine interessante Ausstellung mit einigen spannenden Exponaten, allerdings war ich bereits sehr hungrig als wir hier angekommen waren.
Den Rest des Tages sind wir durch die Stadt gebummelt. Leider ist die Innenstadt Aucklands zurzeit eine riesige Baustelle. Auckland bekommt eine neue U-Bahn. Viele Straßen sind gesperrt, oder man trabt am Bauzaun entlang. Auch am Hafen wird gebaut. Nächstes Jahr will Neuseeland den America’s Cup verteidigen. Eine neue Mole sorgt für ruhiges Wasser am zukünftigen Liegeplatz der Rennziegen, die Industriebrache wird neu erschlossen und in der Umgebung entstehen zahlreiche neue Gebäude. Auckland wächst und der Containerhafen mitten in der Stadt stört und soll deshalb nach Whangarei verlegt werden.