Ein vergnüglicher Samstag

In der näheren Umgebung Nouméas kennen wir uns nun schon ein bisschen aus. Auf der Karte haben wir uns einen Wanderweg ausgesucht der am Rivière des Pirogues entlangführt. Auf dem Parkplatz, der an der Straße Richtung Stausee liegt, stehen schon einige Autos. Viele Familien machen an diesem schönen Samstag ein Picknick.
Der Weg ist eigentlich einfach, führt aber ab und zu durch ein tiefe Einschnitte, die sicherlich Wasser führen wenn es stark geregnet hat und dann wird dieser Weg zur Schlammschlacht. Jetzt läuft es sich gut. Lediglich unsere Beine leiden ein wenig, der Weg ist schmal und die trockenen Pflanzen kratzen uns. Wir laufen an dem kleinen Fluss entlang und begegnen ab und zu anderen Wanderern. Zwei Balken bringen uns über einen tiefen Einschnitt, hier gab es anscheinend mal eine Brücke. Es sieht so aus, als wäre hier früher eine Lore gefahren. Sicherlich wurden hier auch Bodenschätze, vermutlich Nickel, abgebaut. Ein Hinweis darauf ist auch die recht niedrige und vergleichsweise junge Vegetation. Hier gibt es viele interessante Optionen, wir könnten das Flüsschen durchqueren und uns den Wasserfall ansehen, zu einem weiter entfernen Wasserfall laufen oder einen der Aussichtspunkte als Ziel wählen, doch wir entscheiden uns anders. Wir haben den idealen Rastplatz gefunden: eine natürliche Umkleidekabine unter einer schattigen Kiefer, hübsche Felsen und tiefes Badewasser, das blaugrün leuchtet. Wir baden ausgiebig, essen unsere mitgebrachten Möhren und Baguettes und baden nochmal.
Ich wage die Prognose, dass ihr euch noch einige ähnliche Geschichten anhören dürft. Eine moderate Wanderung mit einem ausgiebigen Bad und einem kleinen Picknick ist die perfekte neukaledonische Freizeitgestaltung und es gibt hier noch einige Bäche, Flüsschen und Stromschnellen die auf unseren Besuch warten.

Ein kleiner Segel-Ausflug

Das Wetter ist wunderbar und wir haben Lust segeln zu gehen. Früher sind wir manchmal nachts losgesegelt, nachdem wir 750 km aus Frankfurt an die Ostsee gefahren waren. Wir wollten morgens am Anker aufwachen und haben deshalb nach einem Arbeitstag und einer langen Autofahrt noch die Leinen losgeworfen. Jetzt ist das irgendwie mühsamer, wir müssen unser Reihenhaus in ein Segelboot verwandeln, also die Wäscheleine abnehmen und die Plane überm Vorschiffsluk einpacken.

Als Nobbi die Kabelrolle wegräumen will macht sie komische Geräusche, sie ist voller Wasser. Also holt er den Akkubohrer raus und bohrt Löcher, damit das Wasser wieder rauskommt. Die Seekarte auf dem Tablet ist weiß, keinerlei Informationen, entschließt sich nach einem Neustart aber doch die Arbeit wieder aufzunehmen. Wir schalten den Bordrechner ein und das Abo des Seekartenprogramms möchte wissen ob es verlängert wurde, dafür braucht es Internet. Die WLAN Internetverbindung an unserem Liegeplatz ist bescheiden, also müssen wir erst einmal unsere SIM Karte aufladen und ein Datenpaket kaufen. So dauert es etwas bis wir endlich loskommen.
Wir segeln mit Westwind nach Osten und sind eher langsam unterwegs. Zum einen haben wir nicht so viel Wind, zum anderen haben wir den Verdacht, dass unser Unterwasserschiff schon wieder ordentlich bewachsen ist. Trotzdem ist es sehr schön, der Wind schiebt uns und wir werden von einer Delfinfamilie begleitet.
Im Canal Woodin ist richtig was los, die Schnellfähre nach Prony zur Nickelaufbereitungsanlage rauscht mit 32kn vorbei. Während wir darüber nachdenken, dass uns einige Linien in Deutschland einfallen, wo eine so flotte Fähre auch ein Gewinn wäre, kommt ein hübsches kleines Containerschiff vorbei. Wir biegen ab und ankern nördlich von Ouen. Kaum ist der Anker nass, badet auch Nobbi. Das Leben am Anker ist einfach schöner.
Am nächsten Morgen segeln wir nach Ilot Casy in der Baie de Prony. Wir segeln hart am Wind und freuen uns mal wieder darüber, dass unser kleines Fahrtenschiff so viel Spaß unter Segeln macht. Die kleine Insel mit seinem Bojenfeld hatte uns schon bei den letzten Besuchen so gut gefallen und es ist schön wieder hier zu sein. Auf dem Nachbarschiff sind vier kleine Jungs, die mit enormer Ausdauer schwimmen, paddeln, rudern und toben. Wir verausgaben uns beim Putzen des Unterwasserschiffs. Der blöde australische Kalkröhrenwurm hat sich schon wieder ausgiebig ausgetobt. Die Doktorfische, die aussehen wie Dory: blau mit gelben Brustflossen, sind sehr interessiert an allem was wir vom Rumpf kratzen. Warum können sie das Zeug nicht direkt vom Rumpf knabbern, das wäre doch die Lösung. Statt Antifouling zu malen, könnten wir einen Fischschwarm mitnehmen der Maris Bauch pflegt.
An diesem Tag lese ich ein ganzes Buch. „Das Lächeln der Vergangenheit“ von Birgit Weidt hatte ich Nobbi vor 2 Jahren geschenkt, es angelesen und es dann zur Seite gelegt. Es gibt nur wenige Bücher über Neukaledonien. Nun hat Nobbi ein Exemplar hier im Bücherregal gefunden und es gelesen, also gebe auch ich ihm eine zweite Chance. Ich bin nicht begeistert, mir gefällt der Schreibstil nicht und mir fallen einige Ungereimtheiten und Fehler auf. Doch jetzt wo wir viele Orte bereits kennen oder zumindest wissen wo sie sind, finde ich es interessant mehr über das Leben in den Stämmen der Kanaks zu erfahren.
Der Abend an der Boje ist so schön, dass wir gar nicht reingehen mögen und lange im Cockpit sitzen. Deshalb gibt es unser Abendessen – gebratene Auberginen – sehr spät. Aber was macht das schon?

Wie geplant dreht der Wind auf Südost, wir kreuzen aus der Baie de Prony und gehen dann vor den Wind. Der Strom schiebt uns bei moderatem Wind durch den Canal Woodin. Der Wind nimmt stetig zu. Deutlich merken wir, dass wir Mari vom Bewuchs befreit haben, wir rauschen dahin. Schließlich binden wir ein Reff ein, inzwischen haben wir satte 6 Bft. Wir sichten Delfine, Schildkröten, Seeschlangen und viele treibende Kokosnüsse. Lagunensegeln. Beide genießen wir das Segeln und geben den Platz am Ruder nur ungern her. Wie so oft, wenn es schön ist, sind wir zu schnell wieder an unserem Liegeplatz in der Marina.

Tectocoris diophthalmus

Diese netten Exemplare der Hibiskus-Harlekin-Wanzen oder auch Baumwoll-Harlekin-Wanzen haben wir auf einem unserer Ausflüge getroffen. Die Namen geben reichlich Auskunft. Es handelt sich um Wanzen, auf deren Speisezettel sich viele Vertreter der Malvengewächse, wie Hibiskus und Baumwolle, finden. Die erwachsenen Weibchen sind eher orange und die Männchen eher blau. Im östlichen Australien, auf Papua, hier auf Neukaledonien und auf weiteren pazifischen Inseln futtern sie sich durch die Wildnis, Gärten und Plantagen. Die Wanzen sind nicht selten oder schwer zu finden, sondern haben ihren Platz im Blog einfach mit ihrem guten Aussehen bekommen.
Ich lese gerade ein Buch, das von der Suche nach einem goldenen Käfer in Neukaledonien handelt (Miss Bensons Reise – Rachel Joyce). Das Buch überzeugt mich (noch) nicht und vermutlich wird es nicht in unsere Buchempfehlungen aufgenommen. Doch als ich diese bunten Viecher gesehen habe, habe ich sofort an den goldenen Käfer gedacht. Auch wenn Wanzen keine Käfer sind. Sind sie nicht sehr hübsch?

Hale, Dumbéa und ein Handstaubsauger

Am 8. Januar zieht Hale an Neukaledonien vorbei. Hale ist hier das erste tropische Tief in dieser Saison, dass einen Namen bekommen hat. Am Abend des 7. Januar wird es als Kategorie 1 Zyklon eingestuft und benannt. Glücklicherweise zieht es weit im Westen vorbei, bringt uns nur kurz kräftigen Wind und starken Regen. Gute 30 kn Wind bringt das flotte Tief, nur eine einzige Böe mit über 40 kn sehen wir. Der starke Regen kommt schräg von achtern und schafft es Tropfenweise durch die Winschen im Cockpit ins Innere. Da hat es noch nie getropft. Immer mal was neues. Kein gemütliches Wetter, aber Nichts zum Fürchten. Nach wenigen Stunden ist es vorbei. Hale zieht weiter nach Neuseeland tobt sich dort aus. Wir haben es gut überstanden. Das nächste Tief kommt bestimmt, vielleicht schon Mitte nächster Woche.

Der Sturm zieht ab und der Himmel färbt sich orange.
Für die Sturm-Saison hat Mari eine extra kleine Nationale bekommen.

Wir machen einen Ausflug zum Parc Provincial Dumbéa. Nicht weit entfernt von Nouméa, ist dies ein beliebtes Ziel. Als wir das erste Mal an einem Samstag hierher kommen, ist der kleine Parkplatz voll und auch an der Zufahrtsstraße stehen viele Autos. Wir brechen nach ein paar hundert Metern unseren Ausflug ab, uns ist es bei 34 Grad einfach zu warm zum Wandern. Beim zweiten Anlauf wollen wir eigentlich einem Wanderweg folgen, der durch den Fluss führt. Durch den starken Regen, den Hale mitgebracht hat, ist der kleine Fluss angeschwollen. Ohne wasserdichten Sack trauen wir uns nicht durchs Wasser. Wir haben Angst um die Kamera und unsere Telefone. Also laufen wir ein kleines Stückchen auf einem anderen Weg und suchen uns dann einen Badeplatz. Wir baden ausgiebig im kühlen Frischwasser und genießen die natürliche Massagefunktion der Stromschnellen.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir in den letzten beiden Wochen oft mit dem Auto unterwegs waren. Unsere Nachbarn haben uns großzügiger Weise ihr Auto zur Verfügung gestellt während sie im Urlaub sind und uns damit ein ganz tolles Geschenk gemacht. Wir haben uns sehr darüber gefreut, einige Ausflüge gemacht, haben die Gelegenheit genutzt und waren mit dem Auto einkaufen und im Baumarkt. Im Baumarkt schrumpfen viele Bedürfnisse beim Blick aufs Preisschild. Die gute Nachricht jedoch ist, dass es fast alles gibt.

Auf einer unserer Touren haben wir einen Abstecher zur Notre Dame du Pacific gemacht. Dort sind wir schon mehrmals mit dem Bus vorbeigefahren, nun konnten wir mal anhalten. Die Freiluft-Kapelle mit einer Marienstatue und einigen kleinen „Grotten“ überzeugt uns künstlerisch nicht, aber die Aussicht auf die Stadt und den Hafen ist fantastisch. Im Hafen liegt gerade ein Kreuzfahrtschiff mit einem extrem hässlichen Heck. Mein Vater hat es „den Handstaubsauger“ getauft. Das Schiff kommt regelmäßig nach Nouméa und heißt eigentlich Pacific Encounter.

Lauter Ausflüge zu Jahresbeginn

Unser Jahr beginnt mit einem Feuerwerk. Am 1. Januar gibt es ein großes offizielles Feuerwerk, das ganz familienfreundlich um 20 Uhr stattfindet. Wir laufen zum Croix de Lorraine auf dem Hügel, von dort haben wir einen guten Blick. Auf die Idee sind auch viele andere gekommen und gemeinsam sehen wir uns das schöne Feuerwerk an.

Wir nutzen das schöne Wetter für einige Ausflüge und geraten regelrecht in Freizeitstress. Wir folgen kleinen Straßen durch die Berge und stellen fest, dass es in Nouméas Umgebung oft gar nicht so einfach ist ans Wasser zukommen. Dort wo wir ein Picknick machen wollten, treffen wir nur auf Zäune, überall „Gated Communities“, abgeschlossene Wohnanlagen.

Hier wohnt man hinter hohen Toren.

Im Süden, in der Nähe des Parc Riviere Bleu, wo es uns so gut gefallen hat, besuchen wir die Chute de Madeleine. Der Wasserfall läuft praktisch über, der kleine Fluss führt so viel Wasser, dass ein Teil des Weges gesperrt ist. Hier gibt es auch einen botanischen Spazierweg, auf dem viele der hier wachsenden Pflanzen erklärt werden. Es macht Spaß ein Stückchen zu laufen, es ist in der Sonne aber sehr warm, da passt uns so eine übersichtliche Runde gut ins Programm. Wir folgen der Straße noch ein wenig und werfen einen Blick auf die Baie de Prony mit der Ilot Casy in der Mitte, einem unserer liebsten Ankerplätze hier. Dann werden die Schlaglöcher immer größer und wir kehren um.
Vor den „nids des poules“, den Schlaglöchern, warnen zahlreiche Schilder. Wir freuen uns über den netten Begriff, heißt es doch wörtlich übersetzt „Hühnernester“, und lernen einen neues französisches Wort.

Achtung Hühner! Ach nein, Schlaglöcher!

Eine lange Fahrt Richtung Norden führt uns nach Bourail. Die kleine Drei-Buchten-Wanderung bringt uns ordentlich zum Schwitzen und belohnt mit schönen Ausblicken. Am Schildkrötenstrand beobachten wir wie Naturschützer ein Nest mit Schildkröteneiern schützen. Fast zufällig machen wir am Rathaus in Farino eine Pause und genießen die fantastische Sicht über die Küste. Hier gibt es auf vielleicht 250 m Höhe eine schattige Terrasse, der ideale Ort für unser Picknick.

Ausblick vom Rathaus in Farino

Am nächsten Tag geht es wieder ganz in den Süden der Insel, diesmal fahren wir noch weiter am großen Stausee Lac Yaté entlang. Wir wollen uns den Staudamm ansehen. Seit 1959 wird hier ein Teil der Energie für Nouméa gewonnen. Der Stausee ist viel voller, als noch vor ein paar Wochen. Ein Wanderweg führt durchs Flussbett unterhalb des Damms, der ist aber zurzeit gesperrt, es zu gefährlich das Flussbett zu queren. Wir laufen nur ein Stückchen auf dem Wanderweg, der dem Fluss folgt. Auch hier sind wir wieder von der vielfältigen Flora beeindruckt, so viele interessante Pflanzen, so viele spannende und fremde Wuchsformen.
Wir fahren bis zu dem kleinen Ort Yaté, wo der Fluss ins Meer mündet. Der Ort ist sehr klein und sehr ruhig, hier gibt es eine nagelneue LED-Straßenbeleuchtung und gerade wird ein Fußweg für knapp 2 Mio. Euro gebaut. Fußgänger sehen wir nicht. Wir machen uns auf den Rückweg und beobachten die Vögel am Aussichtspunkt.

Sicher habt ihr es schon bemerkt! Wegen des großen Erfolgs seines blauen Hemds, hat Nobbi nun auch noch eins in Rot bekommen!

Jetzt auch in rotem Hemd unterwegs!

Frohes neues Jahr!

Wir wünschen euch ein wunderbares, spannendes und schönes neues Jahr, sowie ein glückliches Händchen für die kleinen und großen Entscheidungen, die in 2023 anstehen.
Uns wünschen wir eine schöne Fortsetzung unserer Reise und hoffen, dass die Zukunft in ähnlich goldenem Licht vor uns liegt, wie unsere Mari auf diesem Foto.

Hundewaschanlage, Kunst und Weltkulturerbe

Fast täglich sind wir zu Fuß in Nouméa unterwegs, wir machen Besorgungen, gehen einkaufen oder unternehmen einfach einen Streifzug. Und immer wieder entdecken wir Neues.
In Singapur hätten wir uns nicht über eine Hundewaschanlage gewundert, aber in Nouméa waren wir doch überrascht. Eine Art Badewanne mit Schlauch. Das funktioniert so ähnlich wie beim Auto, man hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Programm, mit Shampoo, Anti-Parasiten-Shampoo und Trockenprogramm. Waschen und Föhnen darf man seinen Hund aber doch selber. Einmal sauberer Hund kostet etwa acht Euro.
Centre d’Art lesen wir im Stadtplan, das hört sich doch an, als könnte es dort etwas zu sehen geben. Im Prinzip handelt es sich um einen Veranstaltungsraum mit einer Bühne und es gibt eine ganz kleine aber interessante Ausstellung. Wir verstehen es so, dass an der Entstehung der Ausstellung viele verschiedene Menschen beteiligt waren. Es geht um Kunst und Natur. Macht Natur Kunst? Was ist Kunst? Viele tolle Ideen, die mit einfachen Materialien umgesetzt wurden.
Das Croix de Lorraine steht auf einem der vielen Hügel der Stadt und ist ein Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege. Von hier bietet sich ein atemberaubender Ausblick über die Stadt. Auf dem Hügel gibt es tolle Grundstücke, wir entdecken unser Traumhaus oder eher gesagt unsere Traumterrasse.
Das moderne Gerichtsgebäude fällt auf, einige Gebäudeteile stehen auf Stelzen am Hang. Vom Hügel aus, können wir uns auch die anderen Gebäude ansehen.

Gestern begann der Tag für uns richtig lustig. Als Nobbi mit einem Baguette in der Hand die Bäckerei verlässt, hört er hinter sich „Oh geil. Guck mal den Franzosen mit dem Baguette. Das ist Lebensart!“. Schon vor dem Frühstück wurde er fotografiert. Die „Aida Mar“ lag im Hafen von Nouméa und hatte lauter deutsche Touristen an Bord. Es war lustig mal wieder die Gespräche im Supermarkt verstehen zu können. Wir wussten schon zwei Tage vorher, dass die Aida kommt. Die Verwandtschaft einer Segler-Freundin ist gerade an Bord. Und Klatsch und Tratsch unter Seglern funktioniert auch über Ländergrenzen hinweg.
Übrigens, der begeisterte Baguette-Fan hatte natürlich Recht. Wir genießen es, unsere Tage meistens mit einem leckeren Baguette zu beginnen. Das Baguette wurde kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wie gut wir das verstehen können.

Unsere Windsteueranlage ist wieder fit

Nach unserem Unfall am 19. Oktober sind wir einerseits froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist aber doch betroffen, dass es ausgerechnet unsere Hydrovane erwischt hat. Sofort haben wir die kaputte Anlage gesichert. Am nächsten Tag (Tag 1 nach dem Unfall) bauen wir die beschädigte Windsteuerung ab, machen eine Bestandsaufnahme und schreiben eine Mail an Hydrovane. Einige Mails gehen hin und her. Zum Glück melden sie sich sofort. Wir brauchen einen neuen „main frame“, in diesem Gehäuse ist die Steuereinheit aufgehängt, die Windfahne und Ruder verbindet. Das benötige Ersatzteil ist lieferbar. Einige Schrauben wurden von imperial auf metrisch umgestellt, wir bekommen zusätzlich metrische Bolzen und Schrauben, damit es da keine Probleme gibt. Die Kommunikation ist etwas mühsam. Das Büro von Hydrovane ist an Kanadas Westküste, die Produktion sitzt in England und wir sind in Neukaledonien. Eleganter kann man sich kaum über den Globus verteilen. Mindestens bei einer Partei ist immer Nacht oder Wochenende. Endlich bekommen wir die Rechnung (Tag 6), überweisen sofort und freuen uns, dass das Paket nun bald, wenn das Geld eingegangen ist, verschickt werden kann. Trotz aller Hürden, denn wir ankern weit von Nouméa entfernt, haben nur ein kleines Datenvolumen mit wenig Guthaben (Telefongespräche ist Ausland sind nicht billig) und unsere deutschen Telefone funktionieren hier gar nicht (keine Verträge mit dem Netzanbieter) sind wir froh, das Problem so schnell in den Griff bekommen zu haben.

Die Windsteueranlage ist geknickt und wir sind es auch.
Der gebrochene Rahmen
Der Riss verläuft (natürlich) durch die Gewindebohrungen.

Nach ein paar Tagen wundern wir uns, dass wir noch keine Trackingnummer haben und fragen bei Hydrovane nach. Unser Geld ist noch gar nicht angekommen. Am 3. November (Tag 15 nach dem Unfall) rufen wir das erste Mal unsere Bank an. Die Mitarbeiterin ist freundlich und gut geschult. Eine Euro-Auslandsüberweisung in einer Nicht-EU Land (GB), sollte schnell gehen, könnte aber schon 4 bis 5 Tage dauern.
Die Tage gehen dahin, wir bitten Hydrovane noch mal nachzuschauen, ob das Geld nicht inzwischen angekommen ist. Inzwischen kommunizieren wir bei Hydrovane direkt mit der Dame aus der Rechnungsabteilung. Sie ist sich sicher, das Geld ist nicht da. Am 9. November (Tag 21) rufen wir wieder unsere Bank an. Die Dame ist sehr freundlich, aber wir fühlen uns nicht erst genommen, als sie uns erklärt, Auslandsüberweisungen könnten schon mal 10 Tage dauern. Sie lässt sich überzeugen, dass es nicht normal ist, dass das Geld irgendwo verschwindet und richtet einen Suchauftrag ein.
Es passiert nichts, das Geld taucht nicht bei Hydrovane auf und wir hören nichts von unserer Bank. Um das Ganze ein bisschen interessanter zu gestalten kann Nobbi zwischenzeitlich nicht mehr auf sein Konto zugreifen.
An Tag 27 rufen wir wieder bei unserer Bank an. Diesmal hat Nobbi keine freundliche Mitarbeiterin am Telefon, die wenigstens so tut, als würde sie da jetzt aktiv werden, sondern einen einigermaßen unfreundlichen Mitarbeiter. Er Nobbi erklärt „es sei eben Fachkräftemangel, da könne man nicht erwarten, dass sich um unser kleines Anliegen schon jetzt gekümmert würde“. Niemand hätte sich damit bisher beschäftigt, wann das der Fall sei wisse er auch nicht. Nach einem interessanten Wortwechsel, in dessen Verlauf Nobbi dem Mitarbeiter erklärt, dass er es bemerkenswert fände, dass ein Bankmitarbeiter die Ansicht vertritt, es sei normal das 1000 Euro einfach verschwinden. Nach dem unerfreulichen Telefonat sind wir kein bisschen schlauer. Es ist nicht so einfach Nobbi so richtig wütend zu machen. Aber jetzt ist Schluss. Die Bank bekommt Beschwerde Emails auf allen verfügbaren Kanälen und ganz analoge Brief-Post. Das Familiennetzwerk druckt den Brief aus und wirft ihn ein. Nun kommt Bewegung in die Sache. Nobbi bekommt eine Email. Die Empfängerbank hat lauter Fragen und deshalb die Zahlung nicht weitergeleitet. Seit wann die Anfrage wohl vorliegt, wir werden es nie erfahren. Die offenen Punkte sind leicht zu klären: Ist Marisol ein Handelsschiff? Hat es eine IMO Nummer? Welcher Heimathafen? Sollen die Teile nach Afghanistan oder Iran ausgeführt werden?
Kurz darauf meldet sich Hydrovane. Sie haben das Geld erhalten. Inzwischen haben wir unsere Rechnung ein zweites Mal bezahlt. Mit Kreditkarte in US Dollar. Sie buchen uns das Geld zurück. Auf den Kreditkartengebühren von fast 40 Dollar bleiben wir sitzen. Nachdem Theater ist für uns klar, das nächste Mal werden wir auf eine Kreditkartenzahlung bestehen, auch wenn Hydrovane die Zahlung per Überweisung vorzieht.

Endlich ist unser Paket unterwegs. Am 25. November (Tag 37) verlässt unser Paket Nottingham und macht eine interessante Reise (Reiseanbieter ist FedEx). Nottingham – Feltham – Stansted – Paris (26.11.) – weiter geht’s nach Indien, New Delhi (27.11) – China, Guangzhou – Singapur (28.11) – und erreicht am 29.11. schließlich Matraville bei Sydney. Bis nach Australien ging es also wirklich schnell. Jetzt wird es mühsam, unser Paket macht einen längeren Australienurlaub und trifft am 7.12. schließlich in Nouméa ein.
Am 8. Dezember (Tag 50) taucht in der Nachverfolgung ein neuer Status auf: Verspätet „due to clearance reasons”. Unsere Sendung ist anscheinend beim Zoll. Nun passiert erstmal nichts, dann bekommen wir eine Mail, nicht etwa von FedEx, sondern von einem Agenten. Wir sollen Zollpapiere ausfüllen. Entweder füllen wir die Papiere aus und schicken sie an die Agentur, Preisliste liegt bei, oder wir gehen selbst ins FedEx-Büro. Alles natürlich auf Französisch. Wir hängen zu diesem Zeitpunkt gerade an einer Boje vor einer kleinen Insel in der Lagune und müssen erst nach Nouméa zurückfahren.
Am Freitag den 16. Dezember laufen wir morgens zu FedEx. Dort füllen wir die Zollerklärung aus und geben auch eine Kopie unseres Zollpapiers fürs Boot ab, denn so ein Ersatzteil erfüllt eigentlich eindeutig die „Yacht in Transit“ Bedingungen und ist damit zollfrei. Dann ist erst mal Wochenende. Am Montag bekommen wir wieder eine französische Email der Agentur, die quasi FedEx entspricht (gleiches Büro, gleiche Mitarbeiter). Wir können unser Paket abholen. Die Mail kommt um 16.45, das Büro schließt um 17 Uhr.
Am nächsten Tag laufen wir wieder zu Fedex, bezahlen einen kleinen Betrag Zoll. Warum wir worauf jetzt Zoll bezahlen, verstehen wir nicht so ganz. Vielleicht auf den Versand? Die Zollpapiere bekommen wir per Mail, immerhin acht Seiten. Inzwischen ist uns das auch alles ziemlich egal.
Endlich bekommen wir unser Paket ausgehändigt und schleppen es nach Hause. Übrigens, wir hätten auch vereinbaren können, dass es uns in den nächsten Tagen geliefert wird… Als wir wieder an Bord sind erhalten wir eine Email von FedEx, dass unsere Lieferung wurde zugestellt wurde. So könnte man das auch beschreiben. Inzwischen sind 62 Tage seit unserem Unfall vergangen.

Zusammengefasst: Die Lieferung ist nach 3,5 Wochen eingetroffen. Das war ein Express Versand mit FedEx für 300 Euro. Dreieinhalb Wochen nach Neukaledonien ist gar kein schlechter Wert. Wir kennen unendlich viele Geschichten von Paketen, die irgendwo im Zoll hängenbleiben, die eine Weltreise machen und dann wieder in Deutschland auftauchen, die verschwinden oder nach Monaten doch noch ausgeliefert werden. Seit der Pandemie (die Dauerentschuldigung in vielen Bereichen) ist es noch schlimmer geworden. Manchmal läuft es auch super. 2019 haben wir ein Paket nach Neuseeland bekommen. 3 Tage von SVB (Bremen) nach Opua!

Wir bauen die Windsteueranlage wieder zusammen. Alles passt perfekt. Wir wollen erwähnen, dass wir sehr zufrieden mit der Kommunikation des Hydrovane-Teams waren, Fragen wurden schnell beantwortet und die Lieferung wurde auch von ihrer Seite verfolgt.
Inzwischen haben wir uns die gebrochene Anlage schweißen lassen. Obwohl wir mehrfach gehört hatten, Aluguss könne man nicht schweißen. Charly hat ganze Arbeit geleistet, die Teile perfekt aufeinander gesetzt und nachbearbeitet, so dass sogar die Bolzen in die gebrochenen Gewinde passen. Welche Festigkeit das Teil hat? Das können wir nicht sagen, denn natürlich konnte der Riss nur von außen geschweißt werden. Im Notfall hätten wir mit dieser Reparatur die Überfahrt nach Australien gewagt. Für uns fühlte es sich gut an, eine Alternative zu haben, während etwas unklar war, ob es hier nun mit dem Liegeplatz klappt.

Die reparierte Anlage. Hier kann man die Schweißnaht gut erkennen.

Weihnachten waren wir segeln. Einfach so, zum Spaß. Das Wetter war viel segelbarer als angenommen, denn es sah erst so aus, als wäre gar kein Wind. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, Ruder und Windfahne angebaut und die Hydrovane-Anlage getestet. Unsere „Ursel“ steuert hervorragend, genau wie wir es kennen. Wir sind sehr glücklich, damit ist das Team wieder komplett!

Wir testen die Windsteueranlge ausgiebig.
Das Team ist wieder komplett!

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen euch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest. Den meisten von euch Lesern sind wir einige Stunden voraus. Während ihr vielleicht letzte Einkäufe macht, den Baum schmückt, mit dem Hund spazieren geht, die Kinder auf dem Spielplatz lüftet oder ein Geschenk verpackt, gehen wir nun gleich zum gemütlichen Teil über, genießen unser Festessen und sind gespannt, ob wir ein Dugong mit Weihnachtsmütze sehen.

Ferien in der Reihenhaussiedlung

Das Leben in der Marina Port Moselle hier in Nouméa ist ein wenig vergleichbar mit dem Leben in einer Reihenhaussiedlung.
Anders als in vielen anderen Südsee Destinationen gibt es hier eine starke einheimische Seglerszene.
In vielen Häfen in denen wir auf unserer Reise waren, liegen fast nur Langfahrer, die für einige Tage oder Wochen dort Station machen. Das ist hier anders. Fast alle Boote hier gehören Menschen, die in Nouméa leben. Eine weitere Besonderheit ist, dass sehr viele Boote dauerhaft bewohnt sind. Morgens machen sich die Bewohner von ihren Booten auf den Weg zur Arbeit und die Kinder gehen in den Kindergarten oder die Schule. Vor einigen Booten stehen Blumenkästen mit mehr oder weniger dekorativen Pflanzen und natürlich gibt es auch Haustiere. Mehrere Hunde wohnen auf unserem Steg, eine Katze ist besonders gerne nachts unterwegs und hinterlässt gelegentlich Tatzen-Abdrücke bei uns an Deck. Sein Fahrrad hängt man einfach über den Anker am Bug.
Es gibt einen klaren Rhythmus. In der Woche liegen die meisten Boote auf ihren Liegeplätzen, an Wochenende fahren viele raus und genießen die schönen Plätze in der Umgebung der Lagune.
Am Montag haben die Sommerferien begonnen und die Festtage stehen an, das merkt man. Viele Bewohner verreisen und haben Segel und Biminis abgeschlagen. Es ist etwas ruhiger als sonst.

Lustige Randbemerkung, wir kennen das schon aus anderen französischen Häfen, viele Paare duschen gerne gemeinsam. Eine, wie ich finde, nette und typisch französische Lösung ist das Schild an der Damendusche, dass man das gemeinsame Duschen in die Herrendusche verlegen soll. Ebenfalls typisch französisch und sehr sympathisch, werden solche Schilder eher als allgemeiner Hinweis verstanden.