Ueberfahrt zum Maroni

Mittwochnachmittag gehen wir Anker auf. Im Westen der Iles du Salut ist das Wasser sehr kabbelig und wir sind froh, als wir endlich in tieferes Wasser kommen und die Wellen laenger und gleichmaessiger werden. Wir freuen uns, dass wir segeln koennen, hatten wir doch befuerchtet die ganze Strecke motoren zu muessen. Leider sind wir viel zu schnell. Normalerweise freuen wir uns, wenn es gut voran geht, doch diesmal haben wir einen Zeitplan, wir wollen bei aufflaufend Wasser und mit Tageslicht in den Maroni einfahren. Wir versuchen zu bremsen und segeln mit dem Gross im 2. Reff und gereffter Genua. Erst funktioniert es ganz gut, dann laesst der Wind nach. Durch den starken Strom sind wir schnell genug, doch das Boot schaukelt wild.
Ansonsten ist die Nacht ganz gut. Wir gehen unsere gewohnten Wachen, die Schauer entschliessen sich nicht ueber uns abzuregnen und wir sehen weder grosse Schiff noch Fischer. Der Mond erhellt die Nacht bis um vier, das ist sehr angenehm, dann gibt es noch ein bisschen Sternenhimmel zu sehen bis die Sonne aufgeht. Gegen Morgen werden wir zu langsam wir starten den Motor und aendern Kurs auf die Muendung des Fleuve Maroni. Nun zieht es sich, der Strom schiebt weiter die Kueste entlang nach Suriname, davon merken wir wenig. Schliesslich erreichen wir die Ansteuerungstonne, von hieran ist die Einfahrt gut ausgetonnt. Das Fahrwasser verlaeuft nun anders als die der Seekarte. Die Sandbaenke in der Einfahrt veraendern haeufig ihre Position, so dass dann auch das Fahrwasser verlegt wird.
Uns gefaellt die Muendung des Maroni. Am rechten Ufer sehen wir Suriname, das naechste Land, das wir besuchen wollen. Doch noch bleiben wir in Franzoesisch Guyana. Hunderte von Schmetterlingen begruessen uns, das ist bestimmt ein gutes Omen, nachdem uns in Kourou Delfine verabschiedet haben.
Wir biegen kurz nach der Einfahrt in den Fluss nach links in den Crique Coswine ab. Der kleine Nebenarm schlaengelt sich durch bewaldetes Gebiet. Wir haben keine Karte, doch der Revierfuehrer sagt, es sei hier ueberall tief genug. Wir passieren ein Dorf und wollen hinter naechsten Biegung ankern. Unser Anker sitzt nicht so gut und wir beschliessen noch etwas weiter zufahren und es woanders zu versuchen. Letztendlich haelt der Anker erst beim sechsten Versuch, der Flussarm hat einen felsigen Grund. Nur an dem ersten Platz, mit dem wir nicht zufrieden waren, und an dem Platz an dem wir schliesslich liegen, finden wir besseren Grund. Auf unserer Ankerplatz suche fahren wir immer weiter, gucken doch noch um die naechste Biegung und um noch eine. Nun liegen wir hier an einer schoenen Stelle und haben ausnahmsweise eine Ankerboje gesetzt. Falls der Anker sich verhakt will Nobbi hier nicht tauchen, er hat Angst, dass es Krokodile und Piranhas geben koennte.
Das Wasser ist kaum salzig und ziemlich klar. Den Liegeplatz in fast-Suesswasser kosten wir aus. Wir duschen ausgiebig mit dem Eimer, putzen das Cockpit und waschen unsere Leinen. Einige Festmacher waren aus Jacare noch immer sehr schmutzig, wir hatten sie nur notduerftig gespuelt. Nun haben wir sie eine Nacht ins Wasser gehaengt und sie sehen wesentlich besser aus.
Unsere Positionslichter sind auf dem Weg hierher ausgegangen. Erst flackerte die Lampe noch, dann war sie dunkel. Ein Kabel ist korrodiert. Wir haben aus Deutschland eine neue Lampe mitgebracht, die alte war schon etwas angeschlagen. Also ziehen wir ein neues Kabel und bauen die neue Lampe an. Auf einem Boot ist ja nichts einfach. Um das Kabel durch zuziehen duerfen wir beide abwechselnd ueber Kopf in den Ankerkasten. Ich finde es sieht lustig aus, wenn von Nobbi nur noch die Beine rausgucken. Aber wie bekomme ich ihn da heraus wenn er sich einen Hexenschuss holt?
Das Moskitonetz fuer den Niedergang hat mal wieder ein Upgrade erhalten. An den Raendern, an denen es auflag, drohte es sich aufzuloesen. Jetzt hat es einen neuen Rand aus einem weissen Laken mit gruenen Blumen bekommen. Das Laken, das mit Sicherheit aelter ist als ich, war als Putz- und Bastellappen-Spender an Bord, wer haette gedacht, dass es noch einen grossen Auftritt bekommt. Unser Moskitonetz fuers Cockpit, Projektname das Brautkleid, kommt jeden Abend zum Einsatz. Es ist eine ziemlich haessliche aber sehr effektive Bastelloesung, die uns stoerungsfreie Abende im Cockpit ermoeglicht. Es gibt hier eine Menge interessierter Fluginsekten, die bei Einbruch der Nacht Hunger bekommen. In Kourou habe ich bereits ein Moskitonetz fuer den Zugang zum Vorschiff, also zu unserem Schlafzimmer genaeht. Ein Moskito, das es abends bis zu unserer Koje schaffen will muss nun also drei Huerden ueberwinden. Ausserdem haben wir noch Moskito-Coils im Angebot. Nein, Muecken sind keine Freunde. Wir wollen weder die juckenden Stiche, noch Malaria, Chikungunya, Dengue und was es da noch alles so gibt.

Abschied von Kourou

Wenn man beim Einkaufen mit Handschlag begrüßt wird und die (4-jährige) Tochter des Bäckers einen adoptiert, ist es Zeit weiterzuziehen. Am Sonntag gehen wir ein letztes Mal zum Supermarkt und verabschieden uns von „unserem“ Bäcker. Abschiedsfotos werden geschossen und die besten Wünsche ausgetauscht.
Gestern, also Montag, ging es los. Morgens um elf war Hochwasser, wir holen den Anker hoch und verlassen Kourou. In der Fahrrinne treffen wir den Bagger, der die Fahrrinne freihält und eigentlich gar kein Bagger ist, sondern ein Spüler. An seinem Heck hat er eine Rohrkonstruktion durch die Wasser strömt. Das Wasser tritt durch viele Löcher aus, so dass hinter dem Schiff eine Art Regenvorhang entsteht, nur eben unter Wasser. Das Ganze erinnert an einen Rasensprenger oder eine Saatmaschine. Die Arbeit des „Spülers“ ist wichtig, ist die Fahrrinne doch ganz schön flach und neigt zum Versanden. Der starke Strom entlang der Küste schiebt immer wieder Sand in die Rinne. Der Sand hier an der Küste hat übrigens eine lange Reise hinter sich, er kommt aus dem Anden, ist den Amazonas hinunter getragen worden und wird nun entlang der Nordküste Südamerikas weiterverteilt.
An der Insel ist es ruhig, wir sind das einzige Segelboot, aber hier ankert noch ein Tanker. Zunächst finden wir ihn sympathisch, auf Dauer ist er aber ganz schön laut. Im Gegensatz zu uns klappt er halt keine Solarpanels auf, bei ihm läuft natürlich der Generator. Kurz vor Sonnenuntergang geht er Anker auf und macht sich auf den Weg nach Dégrad de Cannes, wir sind nicht traurig darüber und verbringen eine sehr ruhige Nacht.
Heute sollte es eigentlich in den Maroni gehen, das ist der Fluss an der Grenze zu Suriname. Doch dann haben wir gebadet und beschlossen noch einen Tag hier zu bleiben. Zum Mittagessen waren wir an Land und haben uns ein Essen in dem Restaurant auf der Insel gegönnt. Auf dem Rückweg haben wir die Manöver der Fremdenlegion beobachtet. Zwei kleine LKWs wurden auf ein Schiff verladen, das direkt auf die Rampe an der Insel fährt.
Morgen soll es wirklich weiter gehen. Wenn alles klappt erreichen wir Donnerstagmorgen die Ansteuerung zum Maroni.

Austern, Rippchen und Frisör

Nachdem wir von den Inseln zurück in Kourou sind ist es recht windig. Bei ablaufend Wasser und Wind aus Osten baut sich eine kabbelige Welle auf. Auf Mari stört uns das nicht weiter, das Dinghi-Fahren aber macht nicht so viel Spaß.
Am Mittwoch bleiben wir an Bord und tüddeln uns durch den Tag. Nobbi beschließt etwas von der Liste zu erledigen und entscheidet seine Aufmerksamkeit dem Aqua-Alarm zu widmen. Das Ding misst, ob durch den Motor Kühlwasser fließt. Bei einem der letzten Manöver ist uns aufgefallen, dass es nichts mehr sagt. Wenn man den Motor stoppt, die Kühlwasserpumpe also nicht mehr läuft, der Motor aber noch Strom hat, müsste der Aqua-Alarm piepen. Das tut er aber nicht. Nobbi misst die Kabel durch, das Ding hat Strom, und baut es aus. Überraschung. Wir haben eine kleine Auster im Kühlwasserschlauch. Schade, dass keine Perle drin ist! Die Auster ist schnell entfernt, der grüne Schleim im Schlauch ist hartnäckiger. Nobbi überlegt laut, ob diese grüne schleimige Biomasse nicht in das Arbeitsgebiet der Biologin fällt, als ich zu bedenken gebe, dass es sich auch bei Rotwein um Biomasse handelt, brechen diese Überlegungen abrupt ab. Da wir annehmen, dass alle unsere Schläuche von innen so schön grün sind, gönnen wir unserem Kühlwassersystem eine Essigspülung. Der Alarm piept wieder nach 2 Stunden und wir freuen uns über die erfolgreiche Reparatur.
Am Donnerstag ist es noch immer windig, wir wollen trotzdem an Land. Obwohl es (noch) kaum Wellen gibt, werden wir komplett nass. Kurz nach uns klettern Anne-Mieke und Gerrit aus ihrem Dingi, und sind fast trocken. Wir lernen von ihnen und kauern uns nun ins Boot statt uns auf die Schläuche zu setzen. Das sieht lustig aus, funktioniert aber sehr gut. Bei der nächsten Fahrt bleiben wir trocken.
Als wir nachmittags zurück zum Boot wollen, haben wir fast 1m hohe Wellen, die sich brechen am Ankerplatz. Die Dinghi-Fahrt wird sportlich. Zwar kommen die Wellen nun von hinten und schieben uns, aber Mari zu entern ist gar nicht einfach. Schließlich peilen wir das Heck an, ich wickle die Leine erstmal um die Windsteueranlage und klettere an Bord. Zu zweit holen wir das Boot längsseits und nehmen es schnell aus dem Wasser. Das brauchen wir nicht häufiger, zumal mit 40 l Wasser und Proviant an Bord. Inzwischen hat der Wind wieder abgenommen und die Dinghi-Fahrten verlaufen gewohnt gemütlich.
Samstags ist Markttag. Für uns geht es nach dem Kaffeetrinken an Land, wir kaufen Obst und Gemüse für die nächste Woche. Ganz Kourou ist auf den Beinen, auf dem Markt ist es wuselig. Auf dem Rückweg wollen wir Spare Ribs beim Stand vor der Fleischerei kaufen. Doch wo sind die Spare Ribs? Kein Stand? Kein unkompliziertes Mittagessen? Die ganze Straße riecht nach Grill, wir machen uns Hoffnungen, dass der Stand etwas später aufgebaut wird und legen eine Frühstücks-Pause in der Bäckerei ein. Die Schokocroissants sind perfekt.
Wir kehren zur Fleischerei zurück, da ist immer noch kein Stand. Wir schauen in den Laden, keine Spare Ribs. Wir wollen nicht aufgeben, schließlich haben wir uns so darauf gefreut, außerdem hat sich der Grillgeruch noch verstärkt. Nobbi wird schließlich hinter dem Haus fündig. Wer den schmalen Gang hinter das Haus geht und dort bei etwas was nach einer privaten Party aussieht fragt, wird belohnt.
Nach unserer Nachmittags-Dusche beginnt ein harmloses Gespräch. Nobbi müsste mal wieder zum Frisör, darüber sind wir uns einig. Er will aber nicht zu dem Salon der den „Fred Look“ anbietet. Ich hätte mir das ja gerne mal angeguckt. Er beschließt, dass ich seine Haare nachschneiden soll. Jetzt. Ich bin unsicher ob das was wird und schnibbel drauf los. Es macht Spaß, auch wenn ich ein bisschen Angst habe, wie es wohl aussieht wenn es trocken ist. Ich finde, dass es gar nicht schlecht geworden ist. Nobbi meint er guckt es sich morgenfrüh mal an, beim Rasieren guckt er sowieso in den Spiegel. Männer! Was soll man dazu sagen? Er argumentiert damit, dass ich ihn schließlich den ganzen Tag angucken müsse. Jetzt möchte ich auch frisch geschnittene Haare und überrede Nobbi mir meine Haare einfach gerade ab zu schneiden. Mindestens 7 cm sollen sie kürzer werden. Er murmelt etwas von vier Fingern, peilt dreimal, schneidet dann 2 Minuten. Sagt, ich bin gleich fertig, ich setzte nur mal meine Brille auf. Solche Kommentare bauen Vertrauen auf. Nochmal 1 Minute nachgearbeitet und er ist fertig. Das war der schnellste Haarschnitt meines Lebens, aber mit Sicherheit nicht der schlechteste. Mal sehen was wir morgenfrüh über unsere Haare denken.

Alltag in Kourou

Insgesamt sind wir nun schon drei Wochen in Kourou, wenn man von unseren kurzen Ausflug auf die Inseln absieht. Das war so nicht geplant, hatte sich aber so ergeben. Wir haben es nicht eilig, vor dem Ende der Hurrikan-Saison Mitte November wollen wir nicht in der Karibik ankommen und die Zahl der möglichen Ankerplätze auf dem Weg dorthin ist begrenzt.
In vorigen Einträgen haben wir schon darüber berichtet, dass Kourou nicht der Nabel der Welt ist. Trotzdem gibt es immer noch irgendetwas zu entdecken. Nachdem wir geschrieben hatten, dass Kourou trostlos ist und viele Häuser ungepflegt, machen wir uns auf die Suche nach schönen Häusern und finden einige. Die richtig schönen Häuser finden sich allerdings wenig fotogen hinter hohen Mauern in tropischen Gärten.
Sonntag vor einer Woche wollten wir Essen gehen. Wir machen uns pünktlich auf den Weg, laufen vom Dinghi-Steg die 3,5 km an den Strand. Eines der anvisierten Restaurants steht kurz vor dem Abriss, das zweite finden wir nicht und das dritte hat Sonntagsbrunch. Die 35 Euro pro Person wollen wir nicht anlegen. Schließlich finden wir eine kleine Bar, in der wir Nasi Goreng und Salat bestellen, jeweils im Paket mit Apfelsaft. Das Essen ist nicht schlecht, doch es kommt in Plastikschüsseln, auf Plastiktellern, mit Plastikbesteck und Plastikbechern, geradewegs aus der Mikrowelle. So hatten wir uns das Sonntagsessen nicht vorgestellt. Der Essen-Geh-Versuch am Montag verläuft dafür umso erfolgreicher. Wir fahren mit dem Dinghi flussaufwärts und parken es mal wieder am Zollsteg. In der Nähe gibt es einen Segelladen, wir brauchen ja ein neues Paddel. Der Laden ist geschlossen. Wir sind einigermaßen frustriert und beschließen dann eben ein Auto zu mieten, jetzt wo wir schon in der Gegend sind. Hertz hat geschlossen, genau wir zwei andere Autovermieter. Dass wir schließlich bei Sixt ein Auto gemietet haben und damit zwei Tage unterwegs waren, wisst ihr bereits. Bei einem kleinen Honda-Außenborder-Händler bekommen wir schließlich zwei neue Paddel, so endet die Einkaufstour doch noch erfolgreich. Flussaufwärts der Brücke liegt ein Restaurant am Fluss. Dort essen wir wunderbar zu Mittag. Auf der Rückfahrt werden wir im Dinghi klatschnass. „Strom-gegen-Wind“ sorgt für hübsche kleine Wellen und diese dafür, dass wir komplett Salzwassergetränkt wieder beim Boot ankommen. Allein die Creme brulée war es wert!
Auch die Tierwelt gibt sich Mühe uns zu unterhalten. Letzte Woche haben wir eine Gruppe Brüllaffen am Ankerplatz gehört, die Geier, die hier in großer Zahl unterwegs sind, machen wirklich was her, im Uferbereich wohnen ganze viele „Schlickrutscher-Fische“, die auf ihren Brustflossen im Flachwasser herum rutschen, endlich sehen wir mal wieder Möwen und abends gibt es die Vogelparade mit Papageien und Reihern.
Nachdem wir hier zunächst nur drei Ankerlieger waren, ein dauerhaft hier wohnender Belgier, ein Boot, das wir aus Jacare kennen und wir, lagen wir kurze Zeit hinter dem Belgier alleine hier. Inzwischen sind drei französische Boote angekommen und eine andere Yacht, die wir auch bereits aus Brasilien kennen. So wird es nicht langweilig und es gibt auch etwas Sozialleben. Viele der Segler, die dauerhaft auf ihren Booten am Marina-Steg leben, und von denen die meisten dort auch nie mehr wegkommen werden, sind sehr kommunikativ und hilfsbereit.
Wir freuen uns schon auf Samstag. Samstags ist Gemüsemarkt, wir werden also wieder Obst und Gemüse zu unglaublichen Preisen einkaufen, und es gibt Spare Ribs. Samstag verkaufen Mutter und Tochter wunderbar gegrillte Spare Ribs vorm Fleischerladen, der ebenfalls nur an diesem Tag geöffnet hat. Beide Frauen sind erfreut ihr Englisch an uns auszuprobieren.

Ausflug zu den Inseln

Wir dümpeln ja schon einige Zeit auf dem Kourou River oder dem Fleuve Kourou, wie der Franzose sagt, herum. Zeit für ein wenig Abwechslung. Uns fällt ein, dass wir früher, als wir an Land lebten, gerne übers Wochenende segeln gegangen sind, oder einfach nur nachmittags rausgefahren sind. Zum Spaß. Wir beschließen einen Ausflug zu den Iles du Salut zu machen, dort hatte es uns gut gefallen und wir haben die Ile Joseph noch nicht gesehen. Der Entschluss fällt spontan am Sonntag. Diesmal gibt es also keine Vorbereitung, kein vorheriges Einkaufen, wir fahren einfach los.
Montagmorgen ziehen wir bei ablaufendem Wasser den Anker hoch. Die Ankerkette ist sehr bewachsen. Seepocken und braune, stachelige Algen fühlen sich bei uns Zuhause. Unseren Guten-Morgen-Kaffee gibt es unterwegs. Das Frühstück soll es nach Ankunft am neuen Ankerplatz geben. In der Ausfahrt aus dem Fluss wird es dann doch spannend, hier ist es ganz schön flach. Wir sind erleichtert, als das Wasser langsam tiefer wird, beobachten die riesige dunkle Wolke über den Inseln und suchen uns einen Ankerplatz vor der Ile Royale. Hier ist das Wasser einigermaßen klar, wir lassen den Wassermacher laufen und gehen ausgiebig baden. Die Wolke zieht vorbei und bei uns gibt es ein langes Frühstück, das direkt in die Mittagspause mündet.
Nachmittags machen wir einen Spaziergang auf Ile Royale. Wir genießen die schönen schattigen Wege und treffen wieder viele Affen und Agutis. Die Katermarane mit den Tagestouristen sind schon wieder auf dem Weg nach Kourou, die Hotelgäste auf ihren Balkons und wir haben die Wege für uns.
In der Nacht wecken uns starke Regenfälle. Zeit die Luken zu schließen. Das Süßwasser ist willkommen, eine Bootswäsche kann nicht schaden. Morgens lauern dicke Wolken, ich hole die Eimer aus der Backskiste und warte auf den nächsten Schauer. Ich will Süßwasser auffangen und das Cockpit putzen. Die Wolken ziehen vorbei, ich räume die Eimer wieder weg, das Cockpit bleibt schmutzig.

Ein Ausflug zur Ile Joseph steht auf dem Programm. Zur Zeiten der Nutzung als Gefängnisinseln waren hier die meisten Gefangenen untergebracht. Heute hat die Fremdenlegion hier einen Stützpunkt. Die Fremdenlegion schützt den Weltraumbahnhof, deshalb ist das 3. Regiment hier in Kourou dauerhaft stationiert.
Das Anlanden mit dem Dingi gestaltet sich sportlicher als angenommen. Da der kleine Schwimmponton gerade zur Wartung ist, bleibt nur die Rampe als Möglichkeit an Land zugehen. Leider haben wir gerade Springniedrigwasser (das Niedrigwasser ist besonders niedrig) und die Rampe liegt komplett frei inklusive einer Stufe am Ende. Wir klettern also auf das untere Ende der glitschigen Rampe und versuchen einen einigermaßen sicheren Platz für unser Dinghi zu finden. Die hohe Stufe am Fuß der Rampe sorgt dafür, dass wir es nicht an Land tragen können.
Wir passieren das Schild auf dem steht, dass das Betreten der Ruinen verboten ist und machen uns auf die Suche nach eben diesen Ruinen. Die Ruinen des Gefängnisses sind viel schöner als die auf Ile Royale und viel größer als ich es mir vorgestellt habe. Natürlich betreten wir sie. Die Zellen sind nach oben offen und nur vergittert, die Gefangenen waren Sonne und Regen ausgesetzt. Über den langen Zellengängen sieht man die Reste der Brücken oder Stege, über die die Wärter gegangen sind um die Gefangenen von oben zu patrouillieren. Uns wundert es nicht, dass die meisten Gefangenen das erste Jahr nicht überlebt haben. Es ist feucht, heiß und wir bekommen Gesellschaft von Moskitos. Wenn man die Überreste dieser Gefängnisse sieht fragt man sich, warum man die Gefangenen nicht „einfach“ umgebracht hat. So zynisch es klingt, und auch ist!, dieses indirekte Umbringen der Gefangenen und der Versuch so Französisch Guyana zu besiedeln, war eher mit dem Rechtssystem vereinbar. Da sollte man ruhig mal in Ruhe drüber nachdenken.
Die Natur holt sich die Inseln zurück, ich den Ruinen wachsen große Bäume. Trotz der grausamen Geschichte ist es hier wunderschön. Es gibt einen Rundweg um die Insel dem wir folgen, nachdem wir uns versichert haben, dass es unserem Dingi gut geht. Wir gelangen zum Friedhof (auf dem die Wärter begraben wurden, die Leichen der Gefangenen wurden einfach ins Meer geschmissen). Der alte Friedhof strahlt Ruhe und Würde aus, ganz im Gegensatz zu dem in Kourou.

Wieder an Bord, beschließen wir, zurück nach Kourou zufahren. Der Wetterbericht ist unklar. Es sind südliche Winde angesagt, da würden wir hier ungeschützt liegen. Wenn wir in 10 Meilen Entfernung einen geschützten Ankerplatz haben, wollen wir das Risiko nicht eingehen. Der Sturm Isaac, der morgen auf die Antillen trifft, kann uns hier nichts anhaben, bringt aber das Wetter ein wenig durcheinander. Dieses Jahr hat es sehr lange gedauert bis die Hurrikan-Saison Fahrt aufgenommen hat, derzeit sind mit Florence, Isaac (der „nur“ ein Sturm ist) und Helene aber gleich drei gefährliche Tiefs unterwegs. Wir sind froh, dass wir die Lage nur interessenshalber verfolgen und nicht weil wir im Einzugsgebiet liegen. Florence hat es auf die US-Küste abgesehen, Isaac wandert in Richtung der Antillen und Helene schwenkt zu den Azoren.

Ausflugstage

In Französisch Guyana gibt es nichts zu sehen. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man unseren Reiseführer befragt. Ganze vier Seiten widmet er dem Thema Sehenswürdigkeiten und deckt damit das ganze Land ab. Ähnlich viele Ergebnisse bringt die Internet-Recherche. Die Highlights sind anscheinend die Iles du Salut und der Weltraumbahnhof, dann gibt es Verweise auf Cayenne und einige kleine Orte. Sonst nichts. Das wollen wir uns ansehen. Wir wollen wissen, ob es wirklich nichts zu sehen gibt. Also laufen wir am Montag zu den Autovermietern. Da alle anderen geschlossen haben, enden wir bei Sixt. Nach einigen Missverständnissen haben wir schließlich ein Auto für Dienstag und Mittwoch gemietet und vereinbart, dass wir Dienstagmorgen an der Marina angeholt werden.

Die Routenplanung ist einfach. Im Wesentlichen gibt es eine lange Straße entlang der Küste von der brasilianischen Küste bis nach Suriname. Von Cayenne aus nach Westen heißt sie N1, nach Osten N2. Wir machen uns zunächst auf den Weg in die Hauptstadt Cayenne. Cayenne ist eine kleine Stadt, doch mit 60.000 Einwohnern die größte Stadt Französisch Guyanas. Die Häuser haben zwei bis drei Stockwerke, es gibt viele kleine Läden, die Dienstagvormittag auch geöffnet haben, ein paar Restaurants und Cafés. Der junge Mann in der Touristeninformation spricht sehr gut Englisch und gibt uns eine Karte von Cayenne. Vom Fort aus, dessen zugänglicher Teil eine Ruine ist, hat man einen guten Blick auf die Stadt, die Flussmündung und das Meer. Wir machen eine Keks-Pause und vermissen eine Bank. Hinter dem Fischmarkt geht es zum Hafen. Hier liegen viele Fischerboote, alle hervorragend in Schuss. Wir hatten ein solches Boot an den Iles du Salut gesehen und uns gewundert, für ein Fischerboot sah es viel zu perfekt aus, aber für Tauchboote ist das Wasser hier nicht klar genug. Die Fischer stammen samt ihrer Boote aus Venezuela. Die weißen Boote mit ihren blau-gelb-roten Verzierungen sind sehr gepflegt und die Fischer freuen sich als wir ihre Boote bewundern. Die schönsten, gepflegtesten Gebäude in Cayenne sind die Regierungsgebäude. Eine Straße ist gesperrt, man erwartet wichtige Besucher, wir dürfen trotzdem weiterlaufen und Fotos machen. Die Kathedrale ist geschlossen, genau wie eins der Museen. Wir entscheiden uns gegen den Besuch des anderen Museums und für das Café.

Als in der Stadt die Mittagspause beginnt, fahren wir zum Zoo. Der Zoo liegt etwa auf halber Strecke zwischen Cayenne und Kourou. Auf einem kleinen Schotterparkplatz stehen zwei andere Autos, es wirkt sehr ruhig und sehr klein. Wir zucken etwas bei 16,50 Euro Eintritt pro Person, scheint der Preis doch nicht wirklich zum Parkplatz zu passen. Wir werden positiv überrascht. Es gibt nur Tiere, die hier heimisch sind. Zu Beginn des Rundweges, gibt es einige kleinere Gehege und Volieren, im hinteren Teil haben die Tiere erheblich mehr Platz und sind deutlich schwerer zu entdecken. Wir lassen uns Zeit. Vielen Tieren ist genauso heiß wie uns und sie liegen im Schatten rum, doch der Jaguar tut uns den Gefallen, steht auf und streift ein wenig durch sein Gehege. Er balanciert auf einem Balken, das nennt man dann wohl Catwalk, und springt auf ein Podest. Auch der Ameisenbär steht auf, zeigt sich von allen Seiten und fährt seine lange Zunge aus. Das Capybara kommt an den Zaun und nimmt Kontakt auf. Ich finde diese Riesenmeerschweine sehr sympathisch. Wir lernen sogar ein ganz neues Tier kennen, einen Vogel, den wir noch nicht kennen. Die Harpyie ist ein großer Vogel, der Faultiere und Affen erbeuten kann. Er gehört zu den größten und stärksten Vögeln und hat beeindruckende Krallen. Er erinnert mich an Seidenschnabel (Harry Potter Fans wissen wovon ich rede).

Im hinteren Teil des Zoos führt ein Pfad über Seilbrücken durch den Regenwald. Eine halbe Stunde läuft man über die Brücken auf Höhe der Wipfel der niedrigeren Bäume. Unter uns ist es sumpfig. Hier kommt uns die Brücke sehr gelegen, man möchte hier nicht durchs Unterholz kriechen. Über drei Stunden haben wir im Zoo verbracht und nicht nur Tiere, sondern auch die Pflanzen genossen.

Auf dem Rückweg halten wir bei Super U und nutzen es aus, dass wir unsere Einkäufe nicht im Rucksack transportieren müssen. Als Vorsichtsmaßnahme kaufen wir normalerweise nur mit einem Korb ein. Der Inhalt eines gut gefüllten großen Korbs passt in zwei Rucksäcke. Heute laden wir den Einkaufswagen voll. Es gibt Knäckebrot! Und Müsli. Die eigentliche Herausforderung ist es die Einkäufe trocken an Bord zu bringen. Der wasserdichte Rucksack ist sicher im Schiff verstaut.

Am Mittwoch fahren wir nach Westen. Erster Stopp ist der „Montagne de Singe“, der Affenberg. Hier soll es einen kleinen Wanderweg und einen Aussichtspunkt geben. Wir finden einen perfekt gepflegten Wanderweg, liebevoll ausgeschildert. Auf der botanischen Route gibt es viele erklärende Schilder. Vom Aussichtspunkt können wir aufs Meer gucken, sehen das Space Center, Kourou und die Iles du Salut. Der Weg ist sehr schön und ermöglicht es uns auch ohne Wanderausrüstung den Regenwald zu erleben. Die Bäume sind bestimmt 30 m hoch, wieder begeistert uns Artenvielfalt, so viele verschiedene Baumarten und der Lärm, den die Tiere machen.  Die Affen sehen wir nicht, doch unzählige Schmetterlinge, Eidechsen, Leguane und Vögel. Eine kleine Schlange erschreckt mich und zwei Ara-Pärchen sind unser Highlight des Tages.

Als nächstes halten wir bei einem Aussichtspunkt mitten in der Sumpflandschaft an der Küste. Auch hier gibt es einen kleinen Rundweg und eine Hütte von der aus man die vielen Vögel beobachten kann. Wir beziehen den Beobachtungsposten, genießen den schattigen Platz und tatsächlich zeigen sich viele Vögel. Wir stellen fest, dass es genauso schön ist wie Zuhause im Werderland. Nur wärmer.

Iracoubo ist der Wendepunkt unserer Fahrt. Den äußersten Westen des Landes wollen wir erkunden, wenn wir im Grenzfluss zu Surinam ankern. In Iracoubo gibt es eine hölzerne Kirche von 1859, die von innen sehr schön bemalt ist. Ansonsten ist der Ort ausgestorben. Es gibt ein Tourismusoffice, das natürlich geschossen ist. Interessanterweise stehen die Öffnungszeiten des Büros in Kourou an der Tür. Kein Wunder, dass wir nie jemanden antreffen, wenn es doch nur zwischen 8 Uhr und 8.45 Uhr geöffnet hat. In Iracoubo gibt es einen Posten der Polizei an dem die Pässe kontrolliert werden. Wir sind uninteressant und werden durchgewunken, doch mit dem Bus vor uns gibt es Probleme. Der Bus muss die Straße frei machen und alle Mitfahrer werden ins Büro der Polizei geschickt.

Wir legen noch einen Zwischenstopp in Sinnamary ein. Es gibt ein top modernes Rathaus mit gläsernen Aufzug und eine hübsche Promenade am Fluss. Leider sind die Restaurants geschlossen, wir hätten gerne einen Kaffee auf der netten Terrasse am Fluss getrunken.

Wir sind froh, dass wir uns etwas von dem Land, in dem es nichts zu sehen gibt angesehen haben. Es lohnt sich das nichts anzugucken. Wer Baudenkmäler oder spannende Städte sucht wird nicht glücklich werden. Die Attraktion ist, dass es nichts gibt. Leere Straßen und Regenwald. Wie schön muss das Landesinnere sein, der Süden des Landes mit dem dichten Wald, den man nur mit dem Flugzeug erreichen kann, weil es keine Straßen gibt.

Donnerstagmorgen müssen wir unser Auto wieder abgeben. Wir beschließen die Vorteile bis zur letzten Minute auszunutzen. Nobbi bringt mich mit unserer Wäsche zum Waschsalon, und bringt das Auto zurück. Als Nobbi nach seinem 40-minütigen Fußmarsch am Waschsalon auftaucht ist unsere Wäsche bereits trocken. Wir legen einen Zwischenstopp in der Bar ein, trinken einen super Kaffee und freuen uns über flottes Internet. Dann laufen wir zurück zu unserem Fluss Fleuve Kourou.

Ausflug zum Weltraumbahnhof

Wer Kourou besucht, muss natürlich den Europäischen Weltraumbahnhof besuchen. Ich glaube, dass die Franzosen sehr froh sind, dass ihnen eingefallen ist, dass man von hier ganz gut Raketen ins All schießen kann. Seit es hier das Space Center gibt, hat sich Kourou zur zweitgrößten Stadt gemausert, ist mit 25000 Einwohnern aber noch immer übersichtlich. Viele Arbeitsplätze sind hier mit dem Space Center verbunden. 12 % der arbeitenden Bevölkerung Französisch Guyanas (nicht Kourous!) sind hier direkt oder indirekt beim Weltraumgeschäft angestellt.
Tatsächlich hat der Standort hier Vorteile gegenüber anderen Weltraumbahnhöfen. Die Nähe zum Äquator sorgt für extra Schwung, schließlich rotiert Kourou mit deutlich höherer Geschwindigkeit um die Erdachse, als ein Ort der näher an den Polen liegt, wie zum Beispiel Bremen oder die Weltraumbahnhöfe in Kasachstan, China oder den USA. Bis zu 30 % Energie kann eingespart werden, oder eben mehr Fracht in den Weltraumtransportiert werden. Ein weiterer Pluspunkt von Kourou ist der Start hinaus auf den Atlantik. Falls eine Rakete kurz nach dem Start abstürzt, fällt sie ins Meer. Deshalb wurde unser Ankerplatz bei den Iles du Salut auch zum Sperrgebiet und wir mussten auf den Fleuve Kourou umziehen.
Es gibt Rampen für verschiedene Raketen. Zurzeit starten drei verschiedene Raketentypen von Kourou aus: Vega, Soyuz und Ariane 5. Vega und Ariane sind europäische Entwicklungen, die Soyuz ist eine russische Entwicklung und wird auch dort gebaut, in Kourou von russischen Experten montiert und dann an Space Center übergeben. Die ESA hat keine Rakete im mittleren Bereich, deshalb gibt es die Kooperation mit den Russen. Die Soyuz kann etwa 3,5t transportieren und füllt damit die Lücke zwischen Vega und Ariane. Vega ist eine kleine Rakete, mit bis zu 1,5t Nutzlast, die als sehr effektiv gilt. Der Start, den wir gesehen haben als wir vor 10 Tagen hier angekommen sind, war der Start einer Vega-Rakete. Die Ariane 5 ist der Lastesel und kann bis zu 10t ins All bringen, die Startrampe für ihre Nachfolgerin Ariane 6 ist bereits im Bau.
Das Verhältnis von Startgewicht zu Nutzlast ist interessant. Die Ariane 5 wiegt beim Start 780t, wenn sie Satelliten mit einem Gewicht von 10t in eine geostationäre Umlaufbahn bringen soll (die Ariane 5 kann mehrere Satelliten auf einmal transportieren und aussetzen). Unsere Erde ist eben sehr anziehend, da braucht es eine Menge Treibstoff um von ihr loszukommen. Beindruckend auch, dass Satelliten eine Geschwindigkeit von 7,8 km/s erreichen müssen, damit sie nicht zurück auf die Erde fallen. Dieser Weltraumbahnhof ist ein Güterbahnhof, bemannten Missionen werden von hieraus nicht gestartet.
Wer eine Tour machen möchte, muss sich zuvor anmelden. Wir hatten gehofft an einer englischsprachigen Tour teilnehmen zu können, leider gibt es nur sehr wenige englische Touren. Trotzdem hatten wir Glück und haben noch Plätze für die Tour am Donnerstagnachmittag bekommen. Danach sind erstmal 10 Tage Ferien.
Im klimatisierten Bus geht es über das riesige Gelände von 690 km2, da lohnt sich die Busfahrt. Unsere erste Startrampe, die der Soyuz Rakete ist 26 km vom Eingangsbereich entfernt. Insgesamt sind wir über 3 Stunden unterwegs. Die beiden Guides erklären viel, gelegentlich bekommen wir ein Video gezeigt. Wir lernen, dass die Raketenteile und auch die Satelliten aus Europa per Schiff und Flugzeug kommen, wo die Satelliten zusammengebaut und getestet werden, wie die Raketen zusammengebaut und schließlich zur Rampe gebracht werden und das der Treibstoff ebenfalls auf dem Gelände produziert wird.. Und natürlich wie so ein Start abläuft. Wir halten mit dem Bus an verschiedenen Stationen, an der Rampe, wo die Soyuz Raketen gestartet werden, an einem der Kontrollzentren, an einem Aussichtspunkt nahe des Starts der Vega-Raketen und mit Blick auf die Rampe für die Ariane 5. Unsere Tour Ende schließlich im großen Kontrollzentrum.
Schade, dass die ganze Tour auf Französisch ist. Zum Glück sprechen beide Guides sehr gut Englisch und beantworten alle Fragen. Zweitweise können wir den Erklärungen folgen, auf Dauer ist es aber sehr anstrengend und Raketen-Französisch ist auch nicht gerade Basiswissen. Die Fahrt über das Gelände ist auch abseits des Raketengeschäfts interessant. Von dem riesigen Gebiert werden nur kleine Teile genutzt, der Rest gehört Pflanzen und Tieren, die hier abgesehen von einem Knall pro Monat ungestört sind. Es gibt sogar regelmäßig kleine Exkursionen, in denen man die Wildnis erwandern kann.
Insgesamt hat die Tour sich sehr gelohnt und ist sogar kostenlos! Bei jedem Satelliten, den ich sehe (und man sieht viele bei Sonnenauf- und Untergang, ich werde sogar von einer App auf ISS-Sichtungen aufmerksam gemacht), frage ich mich nun ob er seine Weltraum-Reise in Kourou begonnen hat.

Die Tour war jedoch nicht der spannendste Teil des Tages. Der Morgen verlief aufregender als wir uns das gewünscht hätten. Nach einem ausgiebigen und reichhaltigen Frühstück wollten wir zeitig starten, um auf jeden Fall pünktlich am Space Center anzukommen.
Als Nobbi das Schlauchboot ins Wasser ließ, fiel eines unserer Paddel ins Wasser. Dieser kleine Zwischenfall war der Beginn eines sehr schweißtreibenden Vormittags. Nobbi ruft also „ich hole eben unser Paddel“, springt ins Beiboot, startet den Außenborder, ich werfe die Leine los, er braust davon. Wenige Meter bevor er das Paddel erreicht, stirbt der Motor. Nobbi versucht den Motor wieder zu starten und treibt dabei flussabwärts. Unser Paddel treibt auch flussabwärts. Der Motor springt nicht wieder an, als Nobbi das offene Meer sieht versucht er mit dem verbliebenen Paddel voranzukommen. Leider hören die Segler von dem anderen Fahrtenboot seine Rufe nicht. Der Strom ist stärker als gedacht und er schafft es nur mit Mühe den Steg zu erreichen. Ich kann aber nicht sehen, ob er irgendwo angekommen ist und mache mir Sorgen. Ich packe die Tröte aus und versuche auf mich aufmerksam zu machen, doch die anderen Segler hören mich nicht. Das vorbei rasende Motorboot beantwortet mein Getröte und Gewinke leider nur mit freundlichem Winken und verschwindet. Nobbi steht nun auf dem Steg. Nur in Shorts, ohne Schuhe, ohne Hemd, ohne Hut und ohne Wasser. Der Steg wirkt verlassen, niemand anders ist zusehen. Er findet heraus, dass der Schlauch vom Außenborder lose ist und versucht dies zu reparieren. Im Werkzeugset fehlt der Griff des Schraubenziehers (warum eigentlich?). Schließlich hilft ihm einer der Segler am Steg aus, der doch noch aufgetaucht ist. Als der Motor endlich wieder läuft, hilft ein anderer ihm bei dem starken Ebb-Strom (über 2 Knoten) vom Steg aus zu starten.
Inzwischen haben wir es sehr eilig, wenn wir es schaffen wollen rechtzeitig am Space Center zu sein. Ich springe mit unseren Sachen zu Nobbi ins Schlauchboot und wir quälen uns gegen den Strom den Fluss hoch. Dreimal geht der Motor aus, dreimal denken wir, dass wir es nicht schaffen rechtzeitig zur Führung dort zu sein. Als wir endlich den Steg der Zollboote erreichen sind wir völlig fertig. Wir binden unser Dinghi dort an und machen uns auf den langen Fußweg. In 40 min beginnt die Führung und es sind 3,6 km bis zum Startpunkt. Wir traben so schnell wie wir bei 32 Grad in der Mittagshitze eben können die Straße entlang. Als wir schließlich ankommen, haben wir noch 12 min Luft (das nenne ich rekordverdächtig!), sind klatschnass und völlig fertig.
Auf dem Rückweg nehmen uns junge Deutsche, die wir während der Führung kennengelernt haben, mit dem Auto mit und unser Dinghi liegt friedlich am Zollsteg. Wir hatten etwas Bedenken, ob wir Ärger bekommen könnten, weil wir uns dort einfach angebunden haben, oder ob das Tor vielleicht geschlossen wird, aber alle die wir dort treffen grüßen nur freundlich.

Kourou und der begrabene Hund

Je nach Tageszeit präsentiert Kourou sich ausgestorben oder nur leer. Kourou ist nicht der Nabel der Welt. Der Hund der hier begraben liegt wurde zuvor eingeschläfert. In der Mittagszeit ist gar nichts los, aber auf vormittags kann es passieren, dass wir die einzigen sind die die Hauptstraße entlang laufen. Zwar gibt es durchaus schöne Häuser, doch die meisten sind ziemlich herunter gekommen. Wer genau hinsieht, findet einige schöne Innenhöfe, die meisten Gärten sind verwahrlost und werden nur zum Müllsammeln genutzt. Insgesamt ist Kourou irgendwo zwischen langweilig und trostlos anzusiedeln. Das gilt auch für den Friedhof, die Gräber sind lieblos gefliest, der Weg zwischen den Gräbern kaputt, überall fliegen Plastikblumen herum und die Mehrheit der Gräber ist kaputt.
Trotz allem sind wir noch hier und irgendwie gefällt es uns. Der Ankerplatz ist ruhig, Wasser gibt es an der Marina, die kleinen Supermärkte haben alles was wir brauchen und die Menschen sind freundlich. Die Tage vergehen mit ganz normalem Bootsleben, kleinen Erkundungsgängen durch Kourou und Cafébesuchen. Abends übt die Feuerwehr das Marschieren auf dem Festplatz, vielleicht steht eine Feier an? Wir machen eine Pause im Schatten und sehen zu. Die Feuerwehr von Kourou ist sehr gut ausgestattet, lauter neue Löschzüge stehen auf dem Hof.
Sonntag zum Beispiel beschließen wir, dass es Zeit ist den Waschsalon zu besuchen. Den Waschsalon hatten wir bereits am Freitag gefunden. Also haben wir unsere Wäsche in den wasserdichten Rucksack gestopft, sind mir dem Dingi zum Marina-Steg gefahren und von dort die 2,5 km zum Waschsalon gelaufen. Zum Glück ist eine Maschine frei. Während unsere Wäsche sauberer wird, machen wir uns auf den Weg zur „Bar du Sport“, wo wir auf ein kühles Getränk hoffen. Die Bar ist geschlossen, doch im chinesischen Supermarkt bekommen wir etwas zu trinken. Im Waschsalon sitzt man im Schatten und im Wind. Das ist sehr angenehm. Wir gönnen unserer Wäsche eine Runde im Trockner, legen sie zusammen und stapeln sie in den Rucksack. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher zur Tankstelle und füllen unseren Benzinkanister. Ich hab die Wäsche auf dem Rücken, Nobbi hat den Kanister in einer Einkaufstasche unterm Arm. So geht es gut beladen zurück zum Boot.
Gestern Morgen unternehmen wir eine kleine Einkaufstour. Tomaten hätten wir gern und Fisch. Der Fisch ist kein Problem, es gibt einen Fischmarkt ganz in der Nähe. Beim Bezahlen fragt Nobbi dreimal nach, denkt er hat es falsch verstanden, unsere Dorade-Filets sollen nur 2 Euro kosten. Der Tomateneinkauf gestaltet sich da komplizierter. Wir finden in einem chinesischen Markt schließlich eine einzelne(!) Tomate und bezahlen dafür 1,53 Euro. Obst und Gemüse sind hier teuer, zumindest wenn man aus Brasilien kommt. In den Supermärkten ist fast alles gekühlt und sieht schon im Regal kläglich aus. Auf dem Markt sind die Preise auch hoch, aber die Waren nicht gekühlt und noch nicht angegammelt. Gemüsemarkt ist immer samstags, an den anderen Tagen kann man Glück haben und irgendwo einen kleinen Stand finden, oder auch nicht. Gestern Nachmittag sind wir dann bei 32 Grad einmal den Kilometer zur Tankstelle gegangen um 40 Liter Diesel in unsere Kanister zu füllen. Unsere kanadischen Freunde haben uns begleitet, für sie war es bereits die 3. Tour, immerhin haben sie einen größeren Motor und zusätzlich einen Generator zu füttern.
Es soll etwas weiter flussaufwärts Jaguare und Krokodile geben. Bisher ist keiner von beiden vorbei geschwommen, trotzdem baden wir hier lieber nicht im Fluss. Wir freuen uns über die vielen Vögel. Eine große Truppe Geier wacht über den Steg der Fischer, wartet auf die Fischabfälle und kreist über dem Fluss. Bei Sonnenuntergang fliegen etwa 100 Papageien, immer in Paaren, flussabwärts zu ihren Schlafplätzen. Kurz darauf folgen die kleinen Reiher flussaufwärts. Immer wieder sehen wir blaue und rote Ibisse bei Niedrigwasser in den Mangroven und häufig bekommen wir Besuch von kleinen blauschwarzen Schwalben. Die Decksreinigung am nächsten Morgen ist schnell erledigt.
Morgen besuchen wir das Centre Spacial Guyanais, den Weltraumbahnhof, das ist sicher interessant und am Wochenende erkunden wir dann vielleicht die weiterentfernten Stadtteile Kourous.

Kourou

Man merkt es nicht gleich, doch wir sind wieder in Frankreich. Französisch Guyana ist ein Departement Frankreichs, Teil der EU und der Euro-Zone. Übrigens ist Französisch Guyana auf jedem Euro-Schein. Macht euch auf die Suche, es funktioniert mit einem 5 Euro-Schein genauso, wie mit einem grünen Exemplar. Französisch Guyana ist nicht Teil des Schengen-Raums, das überrascht nicht, und nicht Teil des Zollraumes, das ist schon interessanter. Die EU ist schon ein Wahnsinnskonstrukt. Es lohnt sich, sich damit genauer zu befassen.
Am Morgen nach dem Raketenstart, also am Donnerstag, fanden wir es an der Zeit mal beim Zoll vorstellig zu werden. Das Einklarieren ist hier denkbar einfach, wir sind ja in der EU, man muss lediglich zum Zoll.
Wir beschlossen das Schlauchboot klar zu machen und auf dem Fluss zum Zoll zufahren, das erschien uns netter als der Fußweg von einer dreiviertel Stunde. Mari-Chen (so heißt unser Schlauchboot) war schnell aufgepumpt, doch unser Aussenborder hatte keine Lust. Irgendwie bekam er keinen Sprit. Der Schlauchanschluss leckte, zum Glück haben wir Ersatz aus Deutschland mitgebracht. Der neue Stecker passt perfekt auf den Motor, leider jedoch nicht auf den Schlauch. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Nobbi bastelt eine Verbindung. Der Motor will immer noch nicht. Nachdem er den Vergaser ausgebaut, getätschelt und wieder eingebaut hat, schnurrt der Außenborder. Es kann losgehen. Wir legen mit dem Dingi direkt neben dem 20m langen Zollboot an und fragen den ersten der vorbei kommt, ob das in Ordnung sei. Er zuckt mit den Schultern und erklärt uns den Weg zum Zoll. Geradeaus und zweimal rechts. Das Zollgebäude liegt am Ende eines Weges, der zunächst noch geteert, dann geschottert und schließlich nur noch aus Sand ist. Am Zaun hängt ein Schild auf dem in Schriftgröße 26 irgendwas mit Douane steht. Wir sind richtig. In dem unscheinbaren Büro arbeiten fünf Personen, wir werden mit Handschlag begrüßt. Lediglich die Bootspapiere und unsere Pässe sind interessant, nicht mal die Clearance aus Brasilien will der Beamte sehen. „Wann seid ihr angekommen?“ „Am 19. auf den Iles du Salut“ Wir machen ein schuldbewusstes Gesicht. Das ist schließlich fünf Tage her. Doch das scheint kein Problem zu sein. Lautet die nächste Frage nur „Diesen Monats?“. Wir bekommen ein unspektakulär aussehendes Papier in die Hand uns dürfen nun sechs Monate bleiben. „Bon Voyage“. Das war unkompliziert.
Das Industriegebiet, das den Hafen umgibt ist sehr sauber. Wir trauen uns gar nicht unsere Eis-Stile aus Holz in den Graben zu werfen. Das Hafengebiet ist mit mehreren Elektrozäunen und Stacheldrahtreihen geschützt. Die meinen das ernst.
Wir besuchen den Bootsladen und staunen, so etwas haben wir in Brasilien gesucht und nicht gefunden. Einen Händler, der etwas zu verkaufen hat. Das Klientel sind hier vorrangig Angler, aber neben Angeln und Ködern gibt es auch Motorenzubehör, Leinen, Kleinkram, Reparaturkits, Kanus, Hängematten, Farben und lebende Fische. Mir haben besonders die bunten Fische gefallen, aber ein Aquarium auf Mari ist vielleicht doch nicht optimal. Danach überfallen wir einen kleinen Supermarkt. Camembert, Schinken, Baguette, Schokocroissants und Rotwein. Wir sind im Himmel.
Als wir zurück an Bord klettern platscht es am Heck. Wir hatten Besuch. Ein Leguan lässt sich ins Wasser fallen, er hatte es sich auf der Halterung unserer Windsteueranlage bequem gemacht. Die Viecher können verdammt gut schwimmen. Er dreht noch eine Runde, aber mit uns an Bord hat der Platz anscheinend an Attraktivität verloren, er zieht sich in die Mangroven zurück.

Kourou ist eine verschlafene französische Kleinstadt im Nichts. Mittags werden die Bürgersteige hochgeklappt, die Geschäfte machen Mittagspause von halb eins bis vier, die Straßen sind ausgestorben. Der Handel ist fest in chinesischer Hand. Alle Supermärkte und auch alle „Plastikzeug-Haushaltsdinge-Läden“ gehören Chinesen. Der Bäcker in der Nähe des Hafens hat neben leckeren Baguettes auch guten Kuchen und eine schattige Terrasse mit guter Internetverbindung. Samstag ist der Gemüsemarkt besonders groß und Kourou erwacht für einige Stunden. So sauber es im Industriegebiet ist, so dreckig ist es im Ort. Der Müll wird auf der Straße gesammelt und überall fliegen Plastikflaschen rum.
Die Bevölkerung ist bunt gemischt, wenn auch anscheinend kaum vermischt. Die Polizisten und Zollbeamten sind alle weiß und scheinen zu großem Teil (für begrenzte Zeit) vom Französischen Festland zukommen. Ein großer Teil der Bevölkerung ist schwarz. Anders als in Brasilien, scheint es hier keine Vermischung zu geben, wir sehen keine gemischten Paare. Schwarze, Weiße, Chinesen, Vietnamesen, alle scheinen parallel und doch voneinander getrennt zu leben. Das ist neu für uns.
Es scheint Einwanderer oder Gastarbeiter von überall zugeben. Die Frau in der Bäckerei kommt aus der Karibik und spricht Spanisch. Der Sicherheitstyp von der Marina ist aus Coimbra Portugal, kann auf Deutsch sagen, dass Deutsch sehr schwierig ist und freut sich wenn wir ihn mit „Bom dia“ grüßen. Der Tankstellenangestellte spricht Holländisch mit uns, schließlich ist das so ähnlich wie deutsch, und ist stolz auf seinen niederländischen Pass, den er nicht gegen den Französischen tauschen würde. Kourou ist so klein, dass man sich grüßt. Ob wir vor der Bäckerei auf der Terrasse oder im Waschsalon sitzen, ob wir in der Tankstelle anstehen oder einfach die Straße entlang gehen, wir werden überall gegrüßt.
Unser Dinghi binden wir in der Marina an, die ihren Namen kaum verdient hat. Dort liegen die
Ausflugskatamarane, die zu den Iles du Salut fahren, zwei Yachten einer Segelschule und Schiffe ganz unterschiedlichen Verfallzustands. Nur eines dieser Schiffe sieht aus als würde es noch segeln. Alle anderen sind Schrott, werden aber bewohnt. Die Bewohner sind freundlich und hilfsbereit, wir dürfen einen Wasserschlauch zum Füllen unserer Kanister nutzen und werden auch hier immer freundlich gegrüßt.
Kourou ist zugepflastert mit Werbetafeln. Auf den meisten wirbt Carrefour. Diese Woche ist Pute aus Deutschland im Angebot. Willkommen in Europa.

Raketenstart

Nach drei Nächten vor der Ile Royale müssen wir den Ankerplatz räumen. Wenn in Kourou eine Rakete startet werden die Inseln zum Sperrgebiet.
Zunächst sollte der Wettersatellit Aeolus, der uns in Zukunft bessere Wettervorhersagen bescheren soll, am Dienstag in den Himmel geschossen werden. Jeremy, der einzige andere Segler, den wir auf der Insel getroffen haben, informiert uns, dass der Start um einen Tag verschoben wurde, so haben wir einen Tag an diesem Ankerplatz gewonnen.
Dienstagnachmittag kommt das Polizeiboot und macht an einer Boje fest. Wir machen unser Funkgerät an, ob die mit uns kommunizieren wollen? Es bleibt ruhig. Wir paddeln an Land. Am späten Nachmittag verlässt das Boot seine Boje. Wir sind beeindruckt vom Manöver, per Lautsprecher kommen die Kommandos aus dem Brückenhaus. Nobbi hätte auch gerne solche Lautsprecher. Allerdings stehe ich bei Ankermanövern am Ruder und würde dann die Lautsprecherkommandos geben.
Jeremy ist mittags schon weiter gesegelt, wir sind ganz allein in der Bucht. Die Touristen-Katamarane haben schon Feierabend und sind nach Kourou zurückgekehrt. Zwei Stunden später liegt das Polizeiboot wieder neben uns an der Boje. Hektische Geschäftigkeit herrscht an Deck. Wir sind gespannt was nun passiert. Der Grill wird angezündet, Zeit fürs Abendessen. Wir sind ein wenig neidisch. Bei uns an Bord gibt es nichts was man auf den Grill legen könnte. Am nächsten Morgen bekommen wir doch noch Besuch. Das Schlauchboot wird ausgesetzt und drei nette junge (äußerst ansehnliche) Beamte kommen Längsseite. Sie fragen, ob wir wissen, dass wir den Platz wegen dem Raketenstart verlassen müssen? Sie sind sehr nett, sprechen Englisch und freuen sich über unser grottiges Französisch. Wir erklären, dass wir gerne noch zwei Stunden warten würden, da die Einfahrt nach Kourou so flach ist und wir nicht mit Niedrigwasser in der Einfahrt ankommen möchten. Das ist kein Problem, die Rakete startet erst heute Abend.
Heute ist es unglaublich ruhig. Keine Hotelgäste, keine Touristentouren. Der Ankerplatz gehört uns ganz allein, die Insel wurde bereits geräumt. Kaum ist das Polizeiboot davon gerauscht, tauschen an Land die beiden Ranger auf und beginnen nervös hin und her zu laufen. Sie rufen uns zu, dass wir den Platz verlassen müssen, wir rufen, dass wir gleich losfahren. Keiner versteht den anderen, sie werden unruhig und beginnen zu telefonieren.
Schließlich fahren wir das langsamst mögliche Ankerauf-Manöver. Wir signalisieren so, dass wir abhauen, schinden aber Zeit. Die Einfahrt nach Kourou ist doch sehr flach. Dann tüddeln wir so langsam wie möglich zum Festland. Bis zur Ansteuerungstonne sind es nur 3 Meilen, wir schaffen es dafür eineinhalb Stunden zu brauchen, machen Wasser und Duschen.
Nun kommen auch noch zwei Hubschrauber vorbei und kreisen über uns. Zum Raketenstart wird hier alles aufgeboten, wir haben uns noch nie so gut beschützt gefühlt. Raketenstarts sind hier wohl das Salz in der Suppe des langweilen Polizeialltags, da würden Schnellboote und Hubschrauber zeigen was sie können. Ob die Polizisten sich freiwillig für den Dienst in dem entlegenen Departement (wir sind ja in Frankreich!) melden, oder ob sie hierher versetzt werden, wenn sie sich in Paris nicht gut benehmen? Vielleicht ist der Dienst auch ein Karrieresprungbrett?
Die Einfahrt ist unglaublich gut betonnt, Tonne an Tonne, auch im Fluss geht es so weiter. Alle sind sehr gut in Farbe und beleuchtet, hier kann man nicht verloren gehen, obwohl einen der Strom versucht aus dem Fahrwasser zu schieben. Ein riesiger Aufwand für die kleine Einfahrt, aber schließlich kommt ab und zu ein Schiff und bringt Raketenteile. Die Einfahrt ist kurz hinter der Ansteuerungstonne am Flachsten, keine 3 Meter und das 2 h nach Niedrigwasser, für uns reicht das, doch bei Welle würden wir das nicht testen wollen.
Die Betonnung ist ein Kontrast zu Brasilien. Da war die Fahrwassermarkierung auch gut, aber manchmal kreativ. In der Bucht „Todos os Santos“ fehlte eine Tonne, wurde aber ein paar Wochen später ersetzt, manch eine rote war so ausgeblichen, dass sie gelb wirkte und eine grüne Tonne entpuppte sich als rot weißer Pfahl. In der Einfahrt nach Cabedelo gab es deutlich mehr Tonnen als in der brasilianischen Karte. Besser zu viele als zu wenige. Am besten hat uns die Lösung gefallen, die wir entdeckt haben, als wir Cabedelo verlassen haben. Eine grüne Tonne wurde eingezogen, wir haben das kleine Boot mit ihr im Schlepp gesehen, und durch ein rot gemaltes Ölfass ersetzt. Darauf soll man erstmal kommen…
Und nun diese perfekte Betonnung in diesem kleinen Fluss. Allerdings, bei einer grünen Tonne geht das Licht nicht, ob ich das direkt nach Paris melden soll?
Wir suchen uns einen Ankerplatz, eine leichte Aufgabe, hier liegen nur zwei andere Schiffe vor Anker. Nachmittags packt die Gendarmerie Maritime auch noch ihre Jetskis aus und sichert damit den Fluss, jetzt sind wohl wirklich alle Kräfte im Einsatz.
Die Rakete startet pünktlich um 1820 Uhr. Wir sitzen gespannt an Deck und beobachten wie sie in den Himmel steigt. Während wir ganz aus dem Häuschen sind, einen Raketenstart sieht man nicht alle Tage, schon gar nicht vom eigenen Boot, unterbrechen die Drachenbootfahrer dafür nicht mal ihr Training.
Der Kondensstreifen der Rakete malt Kringel in die Luft. Ob man daraus die Zukunft vorhersagen kann? Zumindest geben die Kringel Auskunft über die Höhenwinde, da hat der Satellit also schon Wetterinformationen preisgegeben, bevor er von der Rakete getrennt wurde.

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