Eine Reise geht zu Ende

Es ist dunkel geworden. Die Vögel, die eben noch in Schwärmen durchs Schilf geflogen sind und dabei ein riesiges Spektakel gemacht haben, scheinen ihre Schlafhalme gefunden zu haben. Die Sterne kommen raus und es wird kalt.
Wir sind tatsächlich angekommen und haben am letzten Platz unserer Reise festgemacht – zuhause. Hier, an der Werft an der Lesum, sind wir vor zehn Jahren losgefahren, hier endet unsere große Reise.

Zwei Tage zuvor (am Freitag, 2. Oktober) sind wir sehr früh aus Norderney ausgelaufen. Der Wecker klingelt um 3:30, kurz nach vier geht es los. Wieder gilt es die unbeleuchteten Tonnen zu suchen, einige beleuchtete geben Orientierung. An der Westecke der Insel wird es ein bisschen ungemütlich. Wind gegen Strom. Eine kleine unruhige Welle hat sich gebildet. Wir biegen nach Osten ab, an der Nordseite der Insel ist das Wasser glatt. Wir lassen die letzte Leuchttonne hinter uns, nun gilt es noch die unbeleuchtete auf der Barre zu finden. Im Dunkeln bei ablaufend Wasser übers Flach zufahren ist ein bisschen aufregend. Wir sind froh, dass wir so früh gestartet sind, noch später hätten wir nicht an der flachsten Stelle sein wollen.
Es knistert im Funkgerät „Marisol“. Ein Windpark-Schiff überholt uns mit 25 Knoten. Wie nett, dass er sich gemeldet hat. Wir waren so auf die Tonne vor uns konzentriert, dass wir nicht gemerkt haben, wie er sich von achtern nähert.
Die Sonne geht auf und wir motoren ganz gemütlich nach Osten. Der Wind ist eingeschlafen. Ab und zu passieren wir eine Tonne. Die Fahrwasser zwischen den Inseln biegen südlich von uns ab, im Norden ziehen die Frachter vorbei.
Als wir das Fahrwasser der Jade queren, kommt uns ein Frachter entgegen, der aus der Weser kommend in die Jade einbiegt, wir machen einen Schlenker, um deutlich zu zeigen, dass wir ausweichen.
Der Leuchtturm Roter Sand ist schon seit 1986 nicht mehr in Betrieb, aber ein besonders schönes Wahrzeichen. Er steht in der Außenweser, an der Einfahrt nach Bremerhaven und Bremen. Auf Höhe des Leuchtturms kommt Burkhard mit seiner „Nessaja“ aus dem Unterholz. Er ist morgens in Helgoland abgefahren und hat sich vorgenommen uns auf den letzten Meilen zu begleiten. Das rührt uns, so eine nette Geste. Dass Burkhard nebenbei einen anderen Segler abschleppt, der einen Elektromotor aber nicht genügend Batterie hat, ist typisch für Burkhard. Immer nett und hilfsbereit.
War es morgens noch kühl wird es nun richtig warm. Wir tauschen den Faserpelz gegen kurze Hosen. Was für ein unglaubliches Wetter! Nobbi setzt unsere Flaggen. Gestern haben wir alle Gastlandflaggen der Länder, die wir besucht haben, zusammengeknotet. Nun wehen sie an unserem Vorstag.
Bremerhaven hat eine 5 km lange Containerpier, Freizeitboote können sich, gewissenmaßen auf dem Fußweg, außerhalb der Tonnen daran vorbeischleichen. Das ist praktisch, da vor der Pier gerade ein großes Containerschiff gedreht wird.
Nun müssen wir nur noch durch die Schleuse in den neuen Hafen fahren. Susanne steht auf der Pier, Burkhard fährt mit uns zusammen in die Schleuse, meine Eltern winken vom Schleusentor. Plötzlich ist auch Egon da. Wir suchen uns einen Platz im Hafen, stoßen mit Sekt an und gehen gemeinsam Fisch essen. Ganz vielen Dank für den schönen Empfang!
Völlig übermüdet fallen wir in die Kojen und lassen es Samstag ruhig angehen. Abends treffen wir uns noch auf ein (oder zwei) Bier in einer Kneipe.
Am Sonntag brechen wir zur letzten Etappe auf. Wir wären gerne noch ein paar Tage in Bremerhaven geblieben, doch ab Montag ist die Schleuse gesperrt. Die Saison ist vorbei und es wird Zeit für Wartungsarbeiten. Wir könnten uns kein schöneres Herbstwetter wünschen. Es ist sonnig und warm. Die 14 Uhr- Schleuse ist mit neun Booten und einem Ausflugsschiff rappelvoll, aber es geht sehr ruhig und freundlich zu. Sehr sympathisch, diese Bremer Segler. Susanne und Egon stehen wieder auf der Schleuse und winken.
Die letzten Flusskilometer zwischen Bremerhaven und Bremen sind nicht die schönsten der Weser. Hier ist sie zum Teil zwischen stark befestigten Ufern eingezwängt, Häfen, Industrieanlagen und Kraftwerke säumen das Ufer. Die Weser ist unsere Lebensader. Doch das goldenes Nachmittagslicht lässt die Herbstlandschaft leuchten. Das Wasser glitzert, die ersten Bäume beginnen sich zu verfärben und im weichen Licht sieht sogar das Kraftwerk schön aus. In den kleinen Nebenarmen liegen Boote, vor uns fährt die „Großherzogin Elisabeth“, ein Großsegler. Die Menschen genießen den sonnigen Nachmittag am Fluss, gehen mit ihren Hunden spazieren oder angeln. Und, wir sehen sogar Reiter am Weserstrand. Ein Seehund guckt neugierig, Seevögel sitzen auf den Tonnen, Zugvögel sammeln sich auf den Wiesen.
Als die Sonne untergeht, sind wir schon fast zuhause. Wir biegen von der Weser in die Lesum ein, meine Eltern winken vom Ufer. Mit zweimaligem Tuten bitten wir um Öffnung des Sperrwerks. Die Brücke hebt sich und wir können hindurchfahren. An der Werft werden wir erwartet und unsere Leinen angenommen. Was für eine schöne Ankunft.
Den letzten Abend verbringen wir ganz ruhig im Cockpit und sehen dabei zu, wie es dunkel wird.

Inzwischen sind wir schon eineinhalb Wochen zu Hause. Die Tage sind sehr schnell vergangen. „Marisol“ steht inzwischen in der Halle, bereit für Wellness-Kur und Winterschlaf. Die Waschmaschine läuft im Dauerlauf, Dinge, die einsortiert und weggeräumt werden möchten, stapeln sich.
Endet der Blog an dieser Stelle? Fast. Wir werden ein Resümee ziehen, die Statistik mit euch teilen, die Webseite vervollständigen und berichten, wie es mit „Marisol“ weitergeht. Wir haben uns fest vorgenommen euch in einigen Monaten wissen zulassen, wie es ist, nach so langer Zeit wieder ins Landleben zu schlüpfen.
Und, weil wir so oft gefragt wurden, ob wir weiterschreiben, wenn wir wieder losfahren: Falls wir wieder losfahren, werden wir wieder darüber berichten.

Bis hierhin möchten wir uns bei euch für eure Begleitung danken. Es war uns eine große Freude unsere Erlebnisse mit euch zu teilen. Wer wissen möchte, was bei uns los ist oder wie es uns geht, muss uns besuchen, anrufen, schreiben oder eine Brieftaube senden.

Egon, Susanne, Burkhard und Nicola haben einige der Fotos gemacht. Danke!

Leuchtturm Roter Sand.
Die Weser hat sehr schöne und verschiedene Leuchttürme. Dies ist Robbenplate.
Leuchtturm Hohe Weg.
Leuchtturm Robbennordsteert.
Burkhard begleitet uns mit seiner Nessaja!
Nobbi setzt den TO-Stander in der der Weltumsegler-Edition mit dem Stern!
Die Gastlandflaggen werden am Vorstag gesetzt.
Mari mit Flaggen auf der Außenweser. Foto: Burkhard.
Die auflaufende Tide schiebt uns nach Bremerhaven.
Seehunde in der Sonne.
Ein großes Containerschiff wird gedreht.
Die „Skyline“ von Bremerhaven.
Simon Loschen Leuchtturm Bremerhaven.
Susanne wartet auf der Pier.
Otti mit dem Schild!
Die Deutschland hat über die Toppen geflaggt. Vielleicht nicht nur für uns.
Im neuen Hafen in der Lloyd-Marina.
Angekommen in Bremerhaven.
Wir verlassen Bremerhaven, um die letzte Etappe zurückzulegen.
Die Flaggen wehen am Vorstag.
Das Weserufer im Abendlicht.
Ponys am Weserstrand.
Bei der Einfahrt in die Lesum wird es schon dunkel.
Nebel auf der Lesum.
Der letzte Morgen an Bord verwöhnt uns noch einmal.
Mit diesem und ähnlichen Büchern hat alles begonnen. Nun liest Nobbi wieder „Komm wir segeln um die Welt“. Was bedeutet das?
Zu Fuß sind wir vor zehn Jahren von unserer Wohnung zum Boot gegangen, zu Fuß laufen wir nun über den Deich vom Boot nach Hause.

Norderney

Schon wieder geht’s im Dunkeln los. Um 4.30 klingelt der Wecker, nach einem Becher Kaffee legen wir ab. Mit uns läuft ein Bagger aus und wir heften uns an seine Fersen. Die Tonnen der Fischerbalje, der Hafenausfahrt, sind nicht beleuchtet. Wir versuchen sie mit der Taschenlampe zu finden, aber da sie keine reflektierenden Streifen haben, ist das schwierig. Das Leuchtfeuer Fischerbalje weist uns den Weg.
Die Strömung ist nicht so stark wie bei der Einfahrt, wir lassen uns ins Ems-Fahrwasser spülen und folgen dem Bagger. Auch hier im breiten Fahrwasser sind viele der Tonnen nicht beleuchtet. Mit der elektronischen Karte ist es kein Problem den Weg zu finden, doch wir möchten ungern eine Tonne überfahren.
Unser Timing ist perfekt. Der Strom trägt uns nach Nordwesten hinaus auf die Nordsee, kentert und schiebt uns dann nach Osten entlang der Ostfriesischen Inseln. Wir sind schneller unterwegs als erwartet und entscheiden uns für die östliche Einfahrt nach Norderney. Sie ist etwas tiefer als die westliche, die bei so ruhigem Wetter auch problemlos passierbar wäre.
Norderneys Dünen liegen grau voraus, es ist bewölkt und ein wenig diesig. Dass die grüne Tonne auf der Barre fehlt, wussten wir und suchen sie daher nicht. Wir halten uns an die roten Tonnen und fahren durchs Fahrwasser um die Westspitze der Insel. Der Ort ist von See eher hässlich. Die Hochhäuser sind nicht so schlimm wie in Belgien, strahlen jedoch keine Inselromantik aus.
Im Yachthafen ist sehr viel Platz. Wir legen an, essen Mittag und machen eine ausgiebige Mittagspause. Die Saison ist vorbei, einige Schiffe werden gekrant, auf anderen wird aufgeräumt, Bettdecken und Segel werden an Land gebracht. Die Stimmung beim Arbeitsdienst des Vereins ist ausgelassen. Wir freuen uns über sommerliches Herbstwetter und genießen die Sonne im Cockpit, am Nachbarsteg wird gebadet.
Wir laufen durch den Ort, genießen einen Sundowner auf der Strandpromenade, füllen den Dieseltank und waschen Wäsche. Direkt am Fähranleger ist ein Fahrradverleih, bei dem wir Räder mieten. Unsere Tour führt uns entlang des Südstrandpolders zum Leuchtturm, durch die Dünen an den Strand, um den Grohdepolder und über die Aussichtsdüne wieder zurück zum Hafen. Ab und zu halten wir für einen kleinen Spaziergang, zum Vögel beobachten oder zum Picknick. Das Wattenmeer ist eins der vogelreichsten Gebiete der Erde und gerade sammeln sich viele Vögel, um nach Süden zuziehen. Nicht zum ersten Mal fragen wir uns, ob wir nicht in die falsche Richtung unterwegs sind.

Heute geht’s nach Bremerhaven, wo wir nachmittags ankommen sollten, und dann sind wir schon fast zu Hause!

Borkum – wieder in Deutschland

Es ist noch dunkel, als wir aus Ijmuiden auslaufen. Der Hafen ist wenig beleuchtet, aber mit der Taschenlampe finden wir die Ausfahrt aus dem Yachthafen und die kleinen Tonnen davor. Unseren Plan im Vorhafen Segel zu setzen, verwerfen wir. Uns kommt im Vorhafen ein Fischer entgegen, der sein Fanggeschirr noch im Wasser hat. Die spinnen, die Fischer.
Bald beginnt der klare Himmel zu leuchten, es wird langsam hell und wir freuen uns, dass wir segeln können. 125 Seemeilen sind es nach Borkum, am nächsten Morgen wollen wir mit auflaufendem Wasser ankommen. An der Küste ist nicht viel Verkehr, nur im Fahrwasser nach Den Helder sind einige Schiffe unterwegs. Sobald wir an den westfriesischen Inseln entlang segeln, sind auch die Fischer verschwunden. Nördlich von uns im Verkehrstrennungsgebiet sehen wir die großen Frachter mit Kurs auf Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg. In unserer Nähe tummeln sich nur verschiedene Mess-Schiffe. Hier gibt es einige Naturschutzgebiete, in denen verschiedene Verbote gelten, aber Gas gefördert wird. Überhaupt sieht man hier sehr gut, wie sehr wir unsere Nordsee bewirtschaften: Fischerei, endlose Windparks, die besonders nachts sehr sichtbar werden, Gas- und Ölförderung und natürlich als Verkehrsweg.
Nicht nur Seehunde und Kegelrobben erfreuen uns, sogar Delfine sehen wir. Anders als erhofft, können wir immer wieder einige Stunden segeln. Auf einen schönen Tag folgt eine wunderbare Vollmondnacht. Die Strände der Inseln leuchten im Mondlicht, es ist hell und das Wasser glitzert silbern. Wir genießen die vermutlich letzte Nachtfahrt der Reise. Nirgends kann ich so gut nachdenken, wie nachts auf See. Das wird mir fehlen.
Etwas anstrengend ist es, weil wir von Hand steuern müssen. Unser elektrischer Autopilot mag nicht. Ob, es an der achterlichen Welle und Wind genau von hinten liegt, oder ob es ein anderes Problem gibt, wissen wir nicht. Statt unser bewährtes Wachsystem mit drei-Stunden-Wachen zu gehen, lösen wir uns jeweils nach ungefähr einer Stunde ab. Das reicht, um ein kleines Nickerchen zu machen und sich aufzuwärmen.
In den frühen Morgenstunden segeln wir langsam dahin. Wir haben es nicht eilig, weil wir mit der Tide einfahren wollen. Der Flutstrom setzt ein und wir segeln, bis das Ems-Fahrwasser nach Süden abknickt. Eine ganze Flotte von Windparkschiffen kommt uns entgegen. Arbeitsbeginn um 6:30 Uhr. An der Einfahrt in die Fischerbalje, das Fahrwasser zum Hafen, strömt es gewaltig. Schäumende, kleine Wellen stehen am Beginn des Leitdamms. Wir müssen kräftig vorhalten, um nicht vorbeigespült zu werden.
Im Hafen gibt es einen Steg, an dem Gäste anlegen dürfen. Platz ist für sechs Boote, wenn mehr Boote kommen, gehen sie ins Päckchen, legen also an einem anderen Boot an. Wir sind das siebte Boot und entscheiden uns an der „Heimkehr“ längsseits zu gehen. Von Bert und Marlene hatten wir uns in Zeebrügge verabschiedet. So schnell trifft man sich wieder.

Borkum Reede, wo sich der Hafen befindet, liegt etwa 7 km entfernt vom Ort. Ein Fahrrad bietet sich als Verkehrsmittel an. Schöne Radwege führen über die Insel, aber auch auf den Straßen kann man wunderbar fahren. Nur auf der Landstraße zwischen Hafen und Ort ist etwas Verkehr, sonst fährt nur gelegentlich ein Bus oder ein Trecker. Autofahren und Parken ist fast überall verboten oder eingeschränkt, fast alle Touristen sind auf Fahrrädern unterwegs.
Zunächst machen wir einen Abstecher in die Salzwiesen. Im Ort sehen wir uns die Leuchttürme an, besuchen eine hübsche Kirche, laufen an der Strandpromenade entlang und werfen einen Blick in die Schaufenster der Läden. Es ist Sonntag, die meisten Geschäfte sind geschlossen und so sparen wir viel Geld. Mittags sitzen wir in der Sonne und essen ein Krabbenbrötchen. Es könnte alles so viel schlimmer sein.
Links die Dünen, rechts die Weiden radeln wir nach Osten. Eine Pause auf der Aussichtsdüne, ein Abstecher an den Strand, ein Fotostopp bei den Highland-Kühen und beobachten des Spitzwegerich-Gallrüsselkäfers. Zurück geht’s über den Deich an der Südküste und nun spüren wir auch langsam unsere Oberschenkel. Irgendwo treffen sich Horizont, Festland und Watt, dieses ganz besondere Gefühl der Weite gibt es nur im Wattenmeer. Entlang der Reedestraße riecht es intensiv nach Sanddorn und Salz.
Mit Bert und Marlene feiern wir Wiedersehen und Abschied bei Sanddorn-Spritz und gemeinsamen Abendessen. Während die beiden noch bleiben, ziehen wir weiter nach Norderney.
Auf dem Hinweg waren wir nur eine Nacht in Borkum. Wir freuen uns, dass es diesmal zwei Tage waren und wir einen Eindruck von der schönen Insel bekommen konnten. Nach zehn Jahren ist Marisol wieder in deutschen Gewässern und wir nähern uns der Heimat. Ein merkwürdiges Gefühl.

Zwei Stopps in Holland

Der Himmel leuchtet pink, als wir vor Sonnenaufgang aus Zeebrügge auslaufen. Eine kleine Welle steht in die Hafeneinfahrt und erinnert uns daran, wie ungemütlich es hier bei schlechtem Wetter ist. Wir sind froh, dass es so ruhig ist. Auch im Fahrwasser nach Antwerpen ist es ruhig, ein Frachter kommt vorbei, dann können wir kreuzen.
Eigentlich haben wir schöne Segelbedingungen, nur die kurzen Wellen stoppen uns auf. Es zieht sich. Irgendwann beschließen wir zu motoren, wir sind sonst zu langsam.
Im Süden der Niederlande münden die Schelde, die Maas und die Waal, wie der Hauptarm des Rheins hier heißt. Die Westerschelde und Einfahrt nach Antwerpen haben wir gleich bei Zeebrügge gequert. In den nächsten Stunden queren wir die Einfahrten zu verschiedenen kleineren Fahrwassern, die einen über Schleusen ins niederländische Binnenland bringen. Hier ist nicht viel Verkehr, aber ein bisschen Aufmerksamkeit ist schon gefordert. Die nördlichste Ausfahrt des Maas-Rhein-Deltas, die Maasgeul, ist die Einfahrt nach Rotterdam. Der Hafen von Rotterdam ist der größte Tiefwasserhafen Europas und der wichtigste europäische Ölhafen. Wenig überraschend also, dass hier viel Verkehr ist. Siebzig Schiffe liegen allein auf der Reede und warten darauf, in den Hafen einlaufen zu können, darunter auch ganz große Containerschiffe. Freizeitboote dürfen hier nicht nach Lust und Laune in der Einfahrt rumkreuzen, sondern müssen sich anmelden und gewissermaßen den Fußgängerüberweg nehmen. Es gibt natürlich keinen Zebrastreifen, also niemanden, der für einen anhält. Wir haben leichten Gegenstrom und der viele Schiffsverkehr sorgt für eine unruhige Schaukelwelle. Vier Schiffe kommen raus, dann kommt eine kleine Lücke, die nehmen wir. Zwei kleinere Tanker (nur 200m lang) halten auf die Einfahrt und damit auf uns zu. Aber es passt, wir rutschen vor ihnen durch. Dazwischen sind auch noch Fischer und Lotsenboote unterwegs. Nun kommt schon wieder ein Tanker aus der Einfahrt und dreht dann gleich nach Norden ab, aber wir haben gerade den nördlichen Fahrbahnrand erreicht und schlagen uns (im übertragenden Sinne) in die Büsche. Das war diesmal aufregend. Nun sind es nur noch ein paar Meilen nach Scheveningen. Abends um halb acht kommen wir an. Wir legen uns neben ein unbewohntes Boot ins Päckchen und gehen früh schlafen.
Am nächsten Tag verlassen wir den Hafen vormittags und haben, abgesehen von der warmen Dusche, nichts gesehen. 25 Meilen sind es nach Ijmuiden, immer an der Küste lang. Dicht unter Land sind die Krabbenfischer unterwegs. Die Fahrt ist unspektakulär, zum Segeln ist zu wenig Wind und es ist grau, aber ab und zu sehen wir eine Robbe.
Nur auf den letzten Metern wird es noch einmal aufregend. Bei Ijmuiden mündet der Nordzeekanal, der nach Amsterdam führt ins Meer. Hier ist lange nicht so viel Verkehr wie bei Rotterdam, aber aufpassen muss man schon. Zwei Tanker passieren die Einfahrt, dahinter wollen drei Segelboote (eins davon sind wir) einfahren und dann kommen zwei Schiffe aus dem Hafen, vor denen zwei Fischer die Einfahrt queren wollen. Fischer und Segler treffen sich in der Einfahrt, nach kurzem Kuddelmuddel klariert sich alles und wir sind drin. Das waren jetzt langsam genügend spannende Einfahrten!
Nachsaison. Der Hafen ist ziemlich leer, das Büro nur drei Tage besetzt, die Hälfte der Duschen und Toiletten sind abgeschlossen, die Stege gehören den Möwen, nur der Preis, den man per QR-Code zahlt, entspricht noch dem der Sommersaison.
Abends machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang und beobachten Seevögel.
Am nächsten Tag beschließen wir zum Supermarkt zu laufen. Als ich einige Stunden später mit nassen Füßen durch hohes Sanddorn-Gestrüpp stapfe, überlege ich, wie es so weit kommen konnte. Alles begann mit Nobbis Vermutung der Weg zum Supermarkt sei landschaftlich reizvoll. Der Blick aufs Stahlwerk lässt dies nicht unbedingt vermuten, doch ich fühle mich herausgefordert und suche nach einem schönen Weg. Der Wanderweg durch die Dünen ist zugewuchert und scheinbar wenig begangen. Schließlich erreichen wir den Strand. Drei Reihen grauer Strandhütten stehen im Reihenhaus-Stil dicht an dicht. Hübsch wirkt das nicht. Aber vielleicht ist es im Sommer schön? Wir wechseln auf einen netten Fahrradweg und kommen bald bei Aldi an. Auf dem Rückweg entscheiden wir uns wieder für den Fahrradweg durch die Dünen und haben platte Füße, als wir wieder nach zehn Kilometern wieder am Boot ankommen.
Gefallen haben mir besonders die vielen sympathischen Nordseepflanzen wie Sanddorn und Strandrosen – für die einen eine Hagebutte, für den anderen eine Juckpulver-Pflanze. Die Strandrose ist übrigens gar nicht heimisch, aber heute nicht mehr wegzudenken.
Mit dem Bus wollen wir nach Haarlem fahren. Leider können wir die Busfahrt nicht bezahlen, das Lesegerät akzeptiert keine unserer Karten. Der Busfahrer nimmt uns trotzdem mit. Im zweiten Bus zahlen wir 6,75 Euro pro Person und Fahrt. Ein stolzer Preis gegenüber den Nahverkehrspreisen in den vergangenen Monaten. Haarlem ist eine hübsche Stadt mit Grachten, Mühle, Backstein, wenig Verkehr und vielen Fahrrädern. Das tolle Wetter rundet den Ausflug ab. Wir spazieren durch die malerische Stadt, finden eine Bank für unser Picknick, beobachten den Bootsverkehr und flanieren durch einen Park, in dem der Rasen von einer lila Welle aus Herbstzeitlosen bedeckt ist. In Haarlem sehen wir ein Stückchen schnuckeliges Holland, ein gutes Gegengewicht zur Industrie am Hafen.

Zeebrügge – Fahrradtouren durch belgische Wiesen

Zeebrügge ist unser zweiter belgischer Hafen. Damit haben wir auf der Rückreise bereits doppelt so viele belgische Häfen besucht wie auf der Hinreise. Über Belgien weiß ich noch immer wenig, nicht mal für echte Vorurteile reicht es. In Zeebrügge wird Niederländisch gesprochen. Das kommt mir entgegen, das hört sich so sympathisch und schon etwas nach Heimat an. Belgien bereisen kommt auf die Wunschliste, ich möchte gerne einmal Antwerpen besuchen. Von Zeebrügge ist uns das zu weit, wir sehen uns also in der Umgebung um.
Zeebrügge ist ein Dorf mit einem riesigen Hafen und daher nur mäßig romantisch. Die Container bleiben schließlich nicht auf dem Hafengelände stehen, sondern werden per LKW, Schiff oder Bahn weiter transportiert. Wenn wir den Hafen verlassen wollen, müssen wir also recht stark befahrende Straßen, Schleusen und Brücken queren.
Wir bleiben für sechs Nächte am Steg des RBSC, da das Wetter nicht zur Weiterreise einlädt. Die nagelneue und sehr günstigen Waschmaschine freut uns ebenso wie die hübschen Duschräume, das Highlight sind aber definitiv die Fahrräder, die wir uns leihen können. Kostenlos!
Am ersten Tag fahren wir Richtung Westen an der Strandpromenade entlang, machen einen kleinen Dünenspaziergang und sehen uns die Seebrücke in Blankenberge an. So richtig gut gefällt es uns nicht. Die Bebauung ist nicht besonders hübsch und die Straße stark befahren. Wir beschließen einen Abstecher auf die grüne Wiese zu machen. Lissewege soll ein hübsches Dorf sein. In Belgien gibt es das Knotenpunkte-System für Fahrradwege, wie wir es aus den Niederlanden kennen. Wir suchen uns also die Punkte heraus und müssen sie nun nur abfahren: 76, 26, 19, 30, 88, 40. In einem Supermarkt haben wir Brötchen und Käse gekauft. An einem Bauernhof, bei dem es Erdbeeren, Kartoffeln und viele andere Produkte aus dem Automaten gibt, finden wir den idealen Picknickplatz mit Blick auf ein Steckrübenfeld.
Lissewege ist mit seinen kleinen weißen Häusern an einem schmalen Kanal wirklich malerisch. Die Kirche ist riesig groß und wirkt reichlich überdimensioniert. Hinein gehen wir nur, weil es plötzlich so kühl wird. Die gotische Backsteinkirche stammt aus dem 13. Jhd. und wurde später erweitert, repariert und verschönert. Sie ist in einem sehr guten Zustand und wirkt einladend. Im Kirchenschiff stellen zahlreiche Künstler aus dem Dorf ihre Keramik aus.
Der regnerische Donnerstag vergeht bei ausgiebigem Kaffeetrinken mit Freunden schnell. Für einen Ausflug nach Brügge leihen wir uns am Freitag vom Yacht Club E-Bikes. Es ist schön zu wissen, dass wir dem starken Nord-Westwind auf dem Rückweg nicht wehrlos ausgeliefert sein werden. Nach einigen Kilometern stellen wir fest, dass der Akku von Nobbis Rad leer ist. Das ist das erste Mal, dass wir mit E-Bikes unterwegs sind. Wir haben nicht darauf geachtet. Also drehen wir um, der Hafenmeister gibt Nobbi ein anderes Rad und wir machen uns erneut auf den Weg.
Zunächst geht es immer am Kanal entlang, dann fahren wir kreuz und quer zwischen den Wiesen von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, sehen große belgische Rinder, Störche, Kängurus (ja, im Hühnerstall!) und viele nette Häuser und riesige Autos.
In Brügge stellen wir die Räder ab und machen einen Spaziergang. Schmucke Backsteinhäuser reihen sich aneinander, viele große, prunkvolle Gebäude zeugen von der reichen Vergangenheit, die hohen Schokoladenpreise von den wohlhabenden Touristen. Wie vor zehn Jahren, gefällt uns die Stadt, doch es ist voll. In der St. Salvator Kathedrale ist es etwas ruhiger. Der riesige Bau ist in vielen Bauabschnitten seit dem 11. Jhd. entstanden. Wir wollten eigentlich nur kurz einen Blick hineinwerfen, bleiben dann aber, weil das Übungsspiel des Organisten als Konzert durchgehen kann und in der Kirche nicht nur das älteste Gemälde Brügges und viele weitere interessante Kunstwerke hängen, sondern diese auch erklärt sind.
Auf dem Rückweg ist erst die Brücke gesperrt, über die wir die Stadt verlassen wollen, dann ein Teil des Fahrradweges und schließlich landen wir auf einem sehr schmalen Radweg entlang einer starkbefahrenden vierspurigen Straße. Man kann nicht immer Glück haben.
In der Nähe lockt ein Schild „Schokoladenfabrik“. Am Samstag wird hier nichts fabriziert, doch es werden Schokolade, Trüffel und Pralinen verkauft. Wir füllen ein kleines Tütchen mit Pralinen und beschließen unseren Schokoladenbedarf ansonsten im Supermarkt zu decken.
Nachmittags laufen wir den Strand entlang der Promenade nach Osten Richtung Knokke. Obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, gefällt es mir einfach nicht. Die Promenade hat Garagenhof-Charme. Die Hochhäuser am Strand sind grau und wirken trist. Auf der Strandseite stehen drei Reihen graue Badehäuser. Das Meer sieht man nur ab und zu. Die teuren Beachclubs können mich auch nicht überzeugen. Wir sind nicht traurig, als wir umdrehen müssen, um pünktlich zum Pizzaabend bei Marlene und Bert auf der „Heimkehr“ zu sein. Der gemeinsame Abend ist nicht nur sehr nett, sondern auch lang. Die Gesprächsthemen gehen uns nicht aus.
Die Fahrradtour nach Brügge hatte uns so gut gefallen, dass wir uns am Sonntag noch einmal auf den Weg machen. Auf dem Hinweg fahren wir immer am Kanal entlang nach Damme und weiter nach Brügge. Nach einer kurzen Pause fahren wir kreuz und quer durch die Wiesen wieder zurück, der Sinn steht uns nicht nach Stadtbesichtigung, dafür gefällt es uns auf den schmalen Straßen und Radwegen umso besser. Die Fahrrad-Infrastruktur ist toll und dementsprechend radelt halb Belgien.
Auch wenn Zeebrügge nicht als liebliches Dorf durchgehen kann, hat es uns gut gefallen. Wir haben hier schöne und abwechslungsreiche Tage verbracht. Der königliche RBSC in Zeebrügge war übrigens im Vergleich zu den Häfen in der Umgebung günstig!

Kurzer Seehund-Stopp in Oostende

Montagmittag verlassen wir Dünkirchen. Die Ausfahrt ist ein bisschen spannend. Ein kleiner Frachter kommt rein, aber wir dürfen vorher noch durch die Ausfahrt schlüpfen. Wir segeln entlang der Küste Richtung Nordosten, immer entlang am langen Strand. Schwupps, sind wir in Belgien. Hier ist der Strand genauso lang, die Bebauung vielleicht noch etwas höher.
Beim ersten Segelversuch machten wir nur 2,5 Knoten durchs Wasser, zu wenig, etwas später hat der Wind zugenommen und nun macht das Segeln Spaß. Heute sehen wir nicht nur Seehunde, sondern auch einen Schweinswal! Nach 25 Meilen erreichen wir Oostende, kurz überlegen wir weiterzusegeln, es läuft gerade so gut. Doch wir waren noch nie in Oostende und freuen uns auf einen gemütlichen Abend und bleiben daher bei unserem Plan. Im Hafen biegen wir gleich rechts ab und suchen uns einen Platz am Steg des „Royal North Sea Yacht Club“. Den Hafenmeister erreichen wir telefonisch, bezahlen können wir per QR-Code.
Der Strand zwischen der alten und der neuen Mole war früher bestimmt ein toller Badeplatz, nun ist er gesperrt. Eine Gruppe Seehunde ist eingezogen. Im Abendlicht liegen die Tiere am Strand. Stundenlang kann ich zusehen, wie sie sich gelegentlich umdrehen oder hinter den Öhrchen kratzen. Einer rollt sich zwei Umdrehungen Richtung Wasserkannte und schläft dann wieder ein.

Am nächsten Vormittag treffen wir Freunde, machen einen Spaziergang und kaufen ein. Oostende macht einen wohlhabenden, gepflegten Eindruck.
Nachmittags segeln wir nach Zeebrügge. Der frische Westwind und der Strom bilden ein gutes Team und bescheren uns mal wieder eine schnelle Reise. Vor Zeebrügge wird es etwas ungemütlich. Obwohl Wind und Strom aus derselben Richtung kommen hat sich im flachen Wasser eine steile Welle gebildet. Die Einfahrt nach Zeebrügge zeigt rotes Licht. Einfahrt verboten. Anhalten ist für uns gerade schwierig, der Strom will uns an der Einfahrt vorbei schieben und in den starken Wind zu fahren ist auch keine schöne Vorstellung. Nobbi ruft Port Control an fragt, ob wir einfahren dürfen. Wir bekommen genaue Anweisungen. Direkt nach der Einfahrt sollen wir ganz auf der roten, also der falschen Seite fahren. Ein großer Autotransporter parkt rückwärts aus und dreht. Wir schleichen uns vorbei und nehmen dann Kurs auf den hinteren Teil des Hafens, in dem sich der Yachthafen befindet. Der „Royal Belgian Sailing Club“ hat eine tolle, fast neue Steganlage und sehr schöne Sanitäranlagen. Wir suchen uns den besten Liegeplatz aus. Hier können wir die kommenden windigen Tage verbringen.

Boulogne und Dunkerque

Nach Boulogne-sur-Mer sind es 50 Seemeilen. Um sieben Uhr wollen wir losfahren. Umgeparkt haben wir bereits am Abend vorher. Nicht, um eine bessere Startposition zu haben, sondern weil es an unserem Liegeplatz doch sehr flach wurde. Das Niedrigwasser am Morgen unserer Abfahrt sollte weitere 50 cm niedriger ausfallen, da hätten wir aufgesessen. Bei unserer Abfahrt ist es richtig kalt. Unser Nachbar misst sieben Grad. Brr.
Zunächst ist weniger Wind als erhofft, nur dadurch, dass der Strom uns schiebt, kommen wir trotzdem gut voran. Es weht genau von achtern, die Fock schlackert herum und das nervt. Schließlich dreht der Wind leicht westlich und Mari zieht los. So macht das Segeln Spaß. Endlich segeln wir mal wieder ungerefft. Nachmittags nimmt der Wind weiter zu und wir sind flott unterwegs. Die Einfahrt nach Boulogne ist dann interessant. Da der Seegang von der Mole reflektiert wird, ist es recht kabbelig und natürlich haben wir genau hier die stärksten Böen des Tages. Wir binden ein Reff ein, so ist die Halse in der Hafeneinfahrt auch etwas entspannter. Im Vorhafen bergen wir die Segel und fahren in den Hafen.
Auch in Boulogne ist viel Platz. Die Möwen haben die Stege in Besitz genommen. Wir sehen nicht viel vom Ort, abgesehen von den heißen Duschen, und fahren am nächsten Vormittag weiter nach Dunkerque.


Im Kanal zum Vorhafen kommen uns zwei Seehunde entgegen geschwommen. Dann erwischt uns ein heftiger Schauer beim Segel setzen. Wir sind begeistert, dass wir frischen Segelwind haben und die Wellen in der Hafeneinfahrt schütteln uns ordentlich durch. Mari trabt los. Kurs Kap Grisnez. Leider ist der Spaß nach drei Meilen vorbei. Nach dem nächsten Schauer nimmt der Wind ab und dreht genau auf die Nase. Wir schmeißen die Maschine wieder an.
Der Himmel reißt auf, an Steuerbord liegt Kap Grisnez in der Sonne, an Backbord leuchten Englands Kreidefelsen. Dazwischen liegt die Straße von Dover, dort tummeln sich die großen Schiffe. Der Strom schiebt mit bis zu vier Knoten, wir sind mit knapp neun Knoten unterwegs. Nach der Rundung des Kaps nähern wir uns der Einfahrt nach Calais. Eine Fähre läuft nach Calais ein, eine macht sich auf den Weg über den Kanal nach Dover. Wir queren die Einfahrt, bevor die nächsten Fähren kommen. An der Westtonne nördlich der Einfahrt liegt die „Abeille Normandie“, ein großer Bergungsschlepper. Wir beschließen uns zwischen Tonne und Schlepper durchzumogeln. Als wir neben dem Schlepper sind, stellt er gerade übungsweise seine Feuerlöschpumpen an. Mit dem Löschstrahl könnte er Mari sicherlich versenken.

Immer wieder sehen wir Seehunde, die neugierig aus dem Wasser schauen. Unser Marisol-Vokabular wird erweitert. Zu den Tigertonnen (Sammelbegriff für gelb-schwarze Kardinaltonnen) und Flugbojen (Möwen, die man für eine Boje hält, bis sie abheben) kommen nun Tauchbojen (Robben, die man für eine Fischerboje hält, bis sie abtauchen).
Aus der Westeinfahrt nach Dunkerque kommt nur ein Fischer, der erst im Hafenbecken fischt und dann im Fahrwasser. Der riesige Gastanker parkt zum Glück erst aus, als wir die Zufahrt lange passiert haben. Kurz vor der östlichen Einfahrt stoppen wir auf. Ein Bulki wird ausgeschleust und verlässt den Hafen. In der Hafeneinfahrt drehe ich mich um, ich will sehen, was der große Schlepper hinter uns macht, und erschrecke sehr, ein Seehund guckt mich mit seinen Kulleraugen an. Die Viecher machen einfach gute Laune, fast wie Delfine.
Als wir die Marina anfunken, bekommen wir sofort eine Antwort und können im Port du Grand Large festmachen. Dunkerque ist unser letzter Hafen in Frankreich und der erste in der Nordsee.
Dank des starken Stroms waren wir im Schnitt mit über sieben Knoten unterwegs. Irgendwie rennt Mari, vermutlich macht es sich bemerkbar, dass wir leichter werden.
Abends mache ich noch einen Spaziergang an den Strand und halte die Füße in die Nordsee. Wir waren ja auch lange nicht am Meer…

Dunkerque oder Dünkirchen ist eine erstaunlich sehenswerte Stadt. An der langen Promenade am Strand stehen ganz hübsche und vor allem unterschiedliche Häuser und Villen. In der Stadt gibt es einige geschichtsträchtige und beeindruckende Gebäude. Der Belfried wurde 1233 erbaut und im 15. Jhd. aufgestockt, die Saint-Eloi Kirche liegt direkt gegenüber, das Hafenmuseum ist in einem ehemaligen Tabakspeicher untergebracht und mein Lieblingsgebäude ist das verspielte Rathaus. Die vielen Hafenbecken und ihre Brücken unterteilen die Innenstadt, die Museumsschiffe bieten einen Blickfang. Die Stadt wurde im zweiten Weltkrieg zu 90 % zerstört. Neben der abgeblätterten Nachkriegsarchitektur gibt es aber viele moderne, spannende Wohngebäude mit außergewöhnlichen Formen und Farben. Ein gewisser Aufbruch ist spürbar.
Im Hafenmuseum lernen wir, dass der Hafen nach dem Krieg zunächst gar nicht wieder aufgebaut werden sollte. Heute er der drittgrößte Hafen Frankreichs reicht 17km an der Nordsee entlang. Durch die Osteinfahrt passen auch die ganz großen 400m langen Containerschiffe. Im Museum lernen wir auch Jean Bart kennen, er ist gewissermaßen das französische Pendant zu Francis Drake. Er war ein Pirat im Auftrag Ludwig XIV. und hat, vor allem den Engländern, das Fürchten gelehrt.
Das Hafenmuseum hat uns sehr gut gefallen. Ein tolles, modernes Museum, das die Geschichte der Stadt und seines Hafens beschreibt. Die „Duchesse Anne“, der große Dreimaster, der vorm Museum liegt, wurde 1901 in Bremerhaven als Großherzogin Elisabeth gebaut. Einige an Bord waren sich gleich sicher, dass es sich nur um einen Tecklenborg-Rumpf handeln kann.
In Dünkirchen hätten wir noch ein wenig Zeit verbringen können, nicht nur wegen der netten Begegnungen und langen Abende mit anderen Seglern, auch wegen der interessanten Stadt. Übrigens, der Nahverkehr ist hier kostenlos und bringt einen nicht nur durchs Stadtgebiet, sondern sogar bis an die belgische Grenze.

An der Alabasterküste: Fécamp und Dieppe

Von Le Havre nach Fécamp sind es nur gute zwanzig Meilen. Mittags geht’s los, der Strom schiebt uns entlang der spektakulären Küste nach Norden. Die Kreidefelsen säumen die Alabasterküste auf fast 130 km. Bei Étretat bilden sie besonders schöne Bögen, die wir uns von See ansehen. Die Steilküste ist etwa 100m hoch und wird ab und zu von einem Einschnitt durchbrochen, in dem meistens kleine Orte liegen.
Die Einfahrt nach Fécamp ist flach. Bei Springzeit können wir bei Niedrigwasser nicht durchfahren und auch das vordere Hafenbecken wäre dann nicht tief genug für uns. Wir erreichen die schmale Einfahrt bei Nippzeit und moderatem Strom, finden die Einfahrt aber trotzdem aufregend. Kurz nach uns fährt ein kleiner Frachter in den Hafen. Die Matrosen filmen die Einfahrt, auch für sie ist es spannend.


Die Tide bestimmt den Zeitplan. Wir entscheiden, uns bei Niedrigwasser aus der Ausfahrt zu trauen, um den nachmittags nach Nordosten setzenden Strom auszunutzen. So haben wir vormittags noch Zeit für einen Spaziergang. Der Strand weist eine erstaunliche Korngröße auf. Die meisten Steine haben einen Durchmesser größer 7 cm. Aus Gewichtsgründen verzichte ich darauf sammeln zu gehen, was außerdem verboten ist. Das verspielte Palais Bénédictine aus dem 19. Jhd. dient noch heute als Produktionsstätte des berühmten Kräuterlikörs und beherbergt eine Kunstsammlung, Ausstellungsräume, Gastronomie, einen Laden und kann auch besichtigt werden. Am Hafenbecken liegt das Fischereimuseum, das wir zu gerne gesehen hätten, doch das Wetter ist zu gut, um nicht weiterzufahren.


Nach Dieppe ist es etwas weiter, 33 Meilen immer an der Steilküste entlang. In schmalen Tälern stehen stolze Villen und sehr hässliche Hochhäuser. Eine Bausünde kommt hier nicht allein. Das Atomkraftwerk Paluel ist auch keine Augenweide, sonst ist die Küste hier aber sehr schön. Für uns ist die Fahrt nur nicht so aufregend, weil es einfach nur geradeaus geht. Dann liegt Dieppe vor uns. Auf beiden Seiten leuchten die hellen Felsen der Steilküste in der Abendsonne. Wir fahren Slalom um einige Fischerbojen, Leinen und Fender haben wir schon für die Ankunft bereitgelegt, da sehe ich, dass auf dem Motorboot vor uns gewunken wird. Das ist kein freundlicher Gruß, da ist jemand in Not. Also steuern wir sie an. Vier Männer sitzen in einem Motorboot und der Motor springt nicht wieder an. Zwei sind sehr besorgt, zwei angeln seelenruhig. Wir nehmen sie in Schlepp und ziehen sie in den Hafen. Dieppe wird von großen Fähren, von Fischern, kleinen Frachtern und von Schiffen, die den neuen Windpark vor der Küste bauen angelaufen. Wir funken Port Control an und erklären, dass wir ein Boot im Schlepp haben. Es schadet nicht, wenn die wissen, dass wir nicht so gut ausweichen können.
Die Motorboot-Crew hat inzwischen einen Kumpel organisiert, der sie unter der Brücke hindurch in den Innenhafen schleppen soll. Sie wollen uns eine Handvoll Geldscheine übergeben, die wir natürlich ablehnen. Es ist selbstverständlich, dass man einander hilft. Wir suchen uns einen Platz im Yachthafen. Der erste Platz gefällt uns nicht, also parken wir noch einmal um. Die Saison ist bereits vorbei und es ist viel Platz, obwohl die Gästestege stark verkleinert wurden, weil dort nun die Windpark-Schiffe liegen.

In Dieppe bleiben wir drei Tage. Das Wetter lädt nicht zur Weiterfahrt ein und uns steht der Sinn nach ein wenig Landvergnügung. Unser erster Spaziergang bringt uns zur riesigen Saint-Jacques Kathedrale, vom 11. Bis 16. Jhd. erbaut wurde. Zahlreiche sehr aufwendige Details sind ebenso beeindruckend, wie die erschlagende Größe des Bauwerks, das aber dringend renovierungsbedürftig ist.
Die dagegen sehr schön restaurierte Kapelle Notre Dame de Bon Secours steht nördlich der Hafeneinfahrt auf der Steilküste und ist den auf Seegebliebenen gewidmet. In der Kapelle gibt es viele Gedenktafeln, die an Schiffsunglücke, Verschollene und Ertrunkene erinnern. In einem Ordner sind verunglückte Menschen und Schiffe aufgeführt. Ein berührender Ort, der insbesondere Segler einlädt innezuhalten.
Im kleinen maritimen Museum lernen wir einiges über die Küstenfischerei und über moderne Energiegewinnung, wie Gezeiten-, Osmose- und Windkraftwerke. Es gibt schöne Exponate zum traditionellen Schiffbau und zur Geschichte des Hafens.
Die Burg im Süden des Strands wurde 1435 auf den Resten einer älteren Burg gebaut und beherbergt ein Museum, das wir ebenfalls besuchen. Dieppe war einer der bedeutendsten Orte der Elfenbeinschnitzerei ab den 16. Jhd. Das Museum zeigt eine schöne Sammlung sehr kunstvoller, filigraner Schnitzereien. Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind die Hafenansichten und Gemälde der Küste.
Wir treffen Vereinskollegen und spontane Sympathie führt zu einem langen Abend an Deck, einem gemeinsamen Restaurantbesuch und vielen Schnacks auf dem Steg. So vergeht auch der Regentag ganz schnell.

Durchs Alderney Race nach Cherbourg und weiter nach Le Havre

Zwischen dem Kap de la Hague und den Kanalinseln, genauer Alderney, liegt das Alderney Race, eine für seine Strömungen berühmt-berüchtigte Wasserstraße. Bei gutem Wetter ist es hier kabbelig, es entstehen Strudel und unangenehmer Seegang. Bei schlechtem Wetter möchte man hier nicht sein, dann türmen sich hohe Wellen auf, die auch für große Schiffe gefährlich werden können.
Der Revierführer empfiehlt, bei Slack, also wenn der Strom kentert, am Beginn des Race zu sein. Das bedeutet, dass man bei Gegenstrom aus St. Peter Port auslaufen muss. Ortszeit Viertel nach fünf, um Viertel nach sechs deutscher Zeit, zeigt sich gerade ein heller Streifen am Horizont. Wir verlassen den Hafen und spüren bald den Gegenstrom. Im Little Russel, der Wasserstraße zwischen Gurnsey und Herm, kommen wir nur mit drei Knoten voran. Kaum haben wir die engste Stelle passiert, nimmt unsere Geschwindigkeit wieder zu und schon viel früher als erwartet, haben wir leichten Strom mit. Die Sonne geht auf, Alderney liegt voraus, der mitlaufende Strom setzt sein, das Wasser ist glatt und bildet kleine Strudel, wir werden immer schneller und die flotte Fahrt macht richtig Spaß. Bis zu sieben Knoten Strom und eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Knoten über Grund beobachten wir. Da der Strom nicht genau von achtern, sondern schräg von hinten kommt müssen wir ordentlich vorhalten.
Kurz vorm Kap de la Hague nimmt zwar unsere Geschwindigkeit nicht ab, jedoch die Lustigkeit. Hier hat sich ein wirrer Seegang ausgebildet. Die Wellen sind gar nicht so hoch, aber sehr steil. Unsere Geschwindigkeit durchs Wasser nimmt auf unter vier Knoten ab, trotzdem sind wir mit zehn bis elf Knoten unterwegs. Wir müssen uns gut festhalten, Mari hüpft in alle Richtungen. Als wir das Kap mit der wenig malerischem Atommüllaufbereitungsanlage hinter uns lassen, ist das Wasser plötzlich schlagartig wieder glatt. Mit zehn Knoten gleiten wir mühelos auf Cherbourg zu. Kurz vor der Einfahrt in den riesigen Vorhafen ist der Strom weg. Eine Punktladung.
Auf Guernsey gab es richtige Vollmilch, mit einem Fettanteil von 5 %. Diese Milch haben wir im Geschaukel vorm Kap de la Hague zu Butter geschlagen. Das dürfte eine eher ungewöhnliche Art der Buttergewinnung sein, dass man gleich das ganze Schiff schüttelt.
Am nächsten Morgen (Mittwoch) heißt es Abschied nehmen, Freunde ziehen weiter, wir bleiben in Cherbourg. Das ist ein bisschen traurig, weil es so nett war. Gleichzeitig freuen wir uns, sie sind auch Bremer und wir werden uns bald wiedersehen.
Wir spazieren durch Cherbourg sehen uns die beeindruckende Basilika Sainte Trinité an, erfahren in der Regenschirmfabrik, dass das Einsteigermodell 280 Euro kostet und besuchen das Thomas Henri Museum. Der Sammler schenkte seine Gemälde der Stadt zunächst anonym. Die gegründete Stiftung erweiterte die Sammlung und weitere Bürger der Stadt schenkten Kunstwerke. Die Sammlung umfasst Werke aus ganz verschiedenen Epochen von Kirchlichem aus dem 14. Jhd., über riesige Seestücke bis zu vielen Gemälden aus dem 19. Jhd.
Donnerstagmorgen ist es grau und es nieselt. Die Lust loszufahren ist begrenzt. Wir motoren in eine graue Nieselwand. Im riesigen Vorhafen setzen wir Segel. Der Wind kommt zunächst genau von achtern. Wir schalten den Motor ab und wollen uns gerade einer Tasse Tee widmen, da stellen wir fest, dass unsere Großschot gebrochen ist. Vom Drahtstropp, der Großbaum und Talje verbindet, stehen drei Kardeele ab, die verbliebenen vier werden sich wohl auch gleich verabschieden. Provisorisch baut Nobbi einen neuen Draht an, so können wir erstmal weiter segeln.
Wir nähern uns dem Leuchtturm von Gatteville und der Strom setzt, wie geplant ein. Als wir das Pointe de Barfleur runden, kommen wir mit fast zehn Knoten voran und freuen uns über die schnelle Fahrt. Auf Raumschotskurs geht’s nun mit frischem Wind immer geradeaus nach Le Havre. Diese Bedingungen liegen Mari, ordentlich Wind schräg von achtern. Sie stören auch die Schauer nicht. Ich steuere von Hand und freue mich, dass der Regen von hinten kommt. Navigatorische Schwierigkeiten gibt es nicht, nur der Schiffsverkehr sorgt für Abwechslung. Gleich zwei große Containerschiffe lassen sich treiben, während sie auf ihren Liegeplatz in Le Havre warten, ein paar kleine Tanker kommen vorbei und die Fähre aus England überholt uns. Erst als wir das Fahrwasser nach Le Havre schon fast erreicht haben, setzt leichter Gegenstrom ein und der Wind nimmt ab. Plötzlich erklingt ein komisches Geräusch hinter uns, eine neugierige Kegelrobbe schaut uns interessiert an und schwimmt ein paar Meter hinter uns her, bevor sie wieder abtaucht. Das war ein schöner Segeltag! Über 70 Meilen und es hat sich gar nicht so lang angefühlt.
Einen Tag bleiben wir in Le Havre liegen, waschen Wäsche, reparieren die Großschot, kleben Segelstiefel und machen einen Spaziergang. Anders als Saint Malo wurde Le Havre nach dem Krieg nicht nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, sondern als eine moderne Stadt aus Beton errichtet. Durch einheitliche Gebäudehöhen und abwechslungsreiche Fassaden entsteht trotzdem ein angenehmer Gesamteindruck. Besonders positiv fallen uns die viele Radwege und die tollen Kunstwerke auf.

Über den Felsen nördlich von Herm geht die Sonne auf.
Im Alderney Race ist das Wasser glatt, aber es bilden sich Strudel.

Cherbourg:

Le Havre:

Die Möwen öffnen die Miesmuscheln, in dem sie sie aus einigen Metern Höhe auf die Stege fallen lassen.

Eingeweht auf Guernsey

Wieder geht es zeitig los. Wir verlassen Jersey und machen uns auf den Weg zur Nachbarinsel Guernsey. Die Überfahrt ist angenehm und wir freuen uns über Delfinbegleitung.
Mit den Kanalinseln ist es kompliziert. Sie gehören nicht zum Vereinigten Königreich, sondern sind Kronbesitzungen und direkt der britischen Krone unterstellt. Die Kanalinseln bestehen politisch aus zwei unabhängigen Vogteien: Jersey und Guernsey. In Saint Peter Port müssen wir fürs „Bailiwick of Guernsey“ ein eigenes Zollformular ausfüllen. Das ist schnell erledigt, der Zettel wird einfach in den gelben Briefkasten vom Zoll eingeworfen, dann darf man die gelbe Q-Flagge runternehmen.
Übrigens gelten die Kanalinseln als der Ort mit dem besten Wetter Englands. Die Franzosen sagen, das liegt daran, dass die Inseln nicht in England liegen… Uns verspricht die Wettervorhersage windige Tage, daher bezahlen wir gleich für fünf Nächte und ziehen am ersten Abend noch in den geschützteren Innenhafen um. Wir bekommen den gleichen Liegeplatz wie vor zehn Jahren, mit unserem vergleichsweisen großen Tiefgang kommen auch nicht viele Plätze in Frage, der Hafen ist ziemlich flach.
Die Kanalinseln haben eine lange und wechselhafte Geschichte. Die
Neandertaler lebten dort schon vor 250000 Jahren. So weit wollen wir aber nicht zurückgehen. Ich bin schon beeindruckt, dass der „Welcomer“ in der Kirche erzählt, dass seine Vorfahren 1066 England erobert haben. Im Mittelalter gehörten diese Inseln, und somit auch die Ahnen des Welcomers, zum Herzogtum Normandie und Herzog Wilhelm siegte in der Schlacht von Hastings, was ihm den Namen Wilhelm der Eroberer einbrachte. Beeindruckt bin ich nicht von dem geschichtlichen Schlamassel 1066 sondern davon, dass der Welcomer weiß, was seine Urväter vor 1000 Jahren gemacht haben. Nun möchte manch einer gar nicht wissen, was die Urväter vor, sagen wir, 85 Jahren gemacht haben. Die Verstrickung in 1000 Jahre zurückliegende Kriegsgeschehen ist für die Familiengeschichte attraktiver und zumindest typisch britisch.
Die sehenswerte Kirche stammt aus dem 15. Jhd. und ist uns zunächst durch ihr Glockengeläut aufgefallen, Donnerstagabend wird das Läuten der Glocken geübt. Dank eines englischen Seglers mit einer Leidenschaft für Kirchenglocken, mit dem wir viel Zeit in Vanuatu verbracht haben, wissen wir einiges über die Tradition des Wechselläutens in England. Wenn mehrere Menschen gemeinsam die Glocken läuten, muss das natürlich geübt werden. In der hiesigen Town Church findet das donnerstags statt.
Wir spazieren durch St. Peter Port und kommen am Victoria Tower vorbei. An der Tür hängt ein Schild, dass man den Schlüssel im Museum bekommen kann. Also nichts wie hin. Wir bekommen den Schlüssel ausgehändigt und laufen wieder zum Turm. Eine schmale Wendeltreppe führt hinauf aufs Dach. Von hier haben wir einen tollen Ausblick über den Hafen und die Insel.
Ein schöner Wanderweg führt an der Küste Guernseys entlang nach Süden. Oberhalb des Wegs können wir einige Villen erahnen, unter uns liegen felsige kleine Buchten.
Mit dem Bus fahren wir am nächsten Tag in den Westen der Insel. Als wir aus dem Bus steigen, türmen sich dunkle Schauerwolken über dem Meer auf. Da kein Unterstand in Sicht ist laufen wir einfach los und nach einem kurzen Schauer reißt der Himmel auch wieder auf. Die kleine Insel Lihou ist bei Niedrigwasser trockenen Fußes erreichbar. Ein schöner Spazierweg führt uns um die Insel. Ein paar Mauerreste aus dem 12. und 14. Jhd. erinnern an ein Kloster, sonst gibt es hier nur ein Haus, viele Vögel, Felsen und trockene Wiesen. Die Stimmung ist ein wenig wehmütig, nicht nur der Sommer, auch unsere Reise neigt sich dem Ende zu.
An unserem letzten Tag auf Guernsey findet ein Autorennen statt. Der Start ist in Hörweite des Hafens, sodass wir natürlich angelockt werden und es uns ansehen. Es kommen schnelle Rennwagen zum Einsatz, aber auch manch ein Familien-Fiesta wird den Berg hochgejagt.
Gesellschaftlich ist Guernsey ein Highlight. Wir werden auf einem Nachbarboot zu einem sehr englischen Tea-Time eingeladen und schnell ist klar, dass wir einander mögen. Lange Abende und viele Gespräche auf dem Steg folgen. Ein Segler will nachmittags nur mal Hallo sagen und bleibt bis nach Mitternacht, mit einem Paar verbringen wir einen fröhlichen Abend. Wir freuen uns, hier so viele interessante und nette Menschen zutreffen.