San Blas Inseln

Am Samstag haben wir einen weiteren Ausflug nach Portobelo unternommen, haben uns das zweite Fort angesehen, sind ein wenig an der Kueste entlanggelaufen, haben eingekauft, leckere Maracuja-Torte gegessen und haben Ewigkeiten auf den Bus zurueck nach Isla Linton gewartet.
Sonntag klingelte der Wecker frueh, als wir unseren Kaffee trinken ist es noch dunkel. Um halb sieben, in der Daemmerung fahren wir los und faedeln uns durch die vielen Ankerlieger nach draussen. Ganz langsam quaelen wir uns hinter der Isla Linton hervor, an dem vorgelagerten Riff vorbei ins freie Wasser. Wind und Welle kommen direkt voran, das macht keinen Spass. Ich denke, wenn es so weiter geht koennen wir gleich wieder umkehren. Unsere heutige Etappe ist 44 Meilen lang und wir muessen ankommen bevor es dunkel wird.
Zum Glueck koennen wir bald segeln. Hart am Wind kaempft Mari sich ueber die betraechtlichen Wellen. Wir werden ordentlich durch die Gegend geschleudert und muessen uns gut festhalten. Nach neun Stunden erreichen wir unseren Ankerplatz. Leider ist es inzwischen komplett bewoelkt. Die Navigation ist hier nicht ganz einfach, kleine flache Inseln liegen auf unzaehligen Riffe. Es wird empfohlen die Ankerplaetze stets mit der Sonne im Ruecken anzusteuern. Die Ansteuerung unseres ersten Ankerplatzes hinter Uchutupu Dummat ist gluecklicherweise einfach. Mit unserem vorausschauenden Echolot tasten wir uns ins flachere Wasser. Sehen koennen wir das Riff vor uns nicht, das Wasser ist gleichmaessig grau.
Wir sind in den San Blas Islands angekommen. Die San Blas Inseln und das Hinterland sind als Guna Yala autonom. Die Kuna Indianer leben hier unabhaengig und bewahren ihre Kultur und ihre Traditionen. Fremde duerfen hier weder siedeln noch einheiraten. Die Kunas leben von den Kokospalmen auf den unzaehligen Inseln (340 sollen es sein), von der Landwirtschaft und vom Fisch. Im Westen der Inselgruppe, wo wir unterwegs sind, ist Tourismus eine weitere Einnahmequelle, neben den Seglern kommen immer mehr Backpacker auf die Inseln. Die oestlichen Inseln an der Grenze zu Kolumbien sind urspruenglicher. Ausserdem verkaufen die Kuna-Frauen Molas, das sind bunte Naeharbeiten, bei den verschiedene Stoffe mit kleinen Stichen vernaeht werden, so dass abstrakte Muster oder Tieremotive entstehen.
Wir hatten eine ruhige Nacht am ersten Ankerplatz, doch morgens nimmt der Schwell zu. Die Welle, die draussen aufs Riff donnert, wird immer hoeher und laeuft nun auch ums Riff herum. Wir beschliessen an einen anderen Platz umzuziehen. Eigentlich dachten wir an gemuetliches Segeln im Schutz der vorgelagerten Riffe, doch es kommt, wie so oft, ganz anders als erwartet. Der kraeftige Wind baut eine ueberraschend hohe und steile Welle auf. Wir fuehlen uns an die Daenische Suedsee bei starkem Westwind erinnert, dann ist es dort auch nicht so lieblich wie an ruhigen Sommertagen.
Unsere Mari wird komplett eingesalzen, auch wir bekommen reichlich salzigen Sprueh ab, genau wie Kamera, Fernglaeser und Tablet. Schliesslich erreichen wir die Naguargandup Cays und ankern im Nordwesten der kleinen Inselgruppe hinter Salardup. Wir waren nicht mal zweieinhalb Stunden unterwegs, doch es kommt uns viel laenger vor.
Die Fotos reichen wir nach wenn wir eine Internetverbindung haben. Stellt euch einfach eine Postkartenidylle vor: kleine Inseln, weisser Strand, Palmen, die sich im Wind wiegen, tuerkises und dunkelblaues Wasser. So sieht es hier aus, zumindest wenn die Sonne scheint. Zwischendurch ist es immer wieder sehr grau und die Sicht schlecht. Die Bergkette im Sueden koennen wir in den dicken Wolken nur erahnen.

Linton Bay

Der Ankerplatz hinter der Isla Linton gefällt uns, auch wenn es ziemlich voll ist. Hier ist so eine Art Seglerdrehkreuz, hier treffen sich die Wege derer die nach Norden wollen, derer die nach Kolumbien weitersegeln und derer die durch den Panamakanal gehen. Die recht neue Linton Bay Marina mit dem riesigen Travel-Lift läuft bestens und ist gut belegt. Wir liegen aber lieber vor Anker, fahren nachmittags an Land zur Marina Bar und haben inzwischen schon viele Segler kennengelernt und wieder getroffen.
Wir bereiten unseren Abstecher nach Deutschland und die weitere Reise vor. Die Zahl der Listen steigt ständig und soll verhindern, dass wir den Überblick verlieren. Neben der ganz normalen ToDo Liste, sammeln wir Dinge, die mit nach Hause sollen, die wir in Deutschland erledigen oder einkaufen müssen, die wir für Lieferung nach Panama bestellen können, die wir in Panama organisieren müssen, die wir recherchieren möchten wenn wir eine vernünftige Internetverbindung haben, usw. Zum Glück kommen wir auch beim Abarbeiten der aufgestellten Listen voran.
Kleine Pannen sorgen für Abenteuer und neue Aufgaben, die sich an jeder Liste vorbeidrängeln. Gestern Nachmittag wollten wir eigentlich nur auf ein Bier an Land fahren. Wir haben uns festgequatscht, sind dann noch weitergezogen und haben an Land gegessen. Als wir zurück zum Boot fahren wollen ist es lange dunkel. Unser Außenborder will nicht anspringen. Alle Überredungsversuche scheitern. Schließlich rudert Nobbi mich nach Hause. Sehr romantisch im Mondschein. Es ist nicht ganz einfach ein Schlauchboot eine längere Strecke zu rudern und wir sind froh, dass der Wind auf unserer Seite ist und nicht gegenan bläst.
Heute Morgen entfällt der Landgang zunächst, wir kommen hier ohne Außenborder nicht an Land. Nobbi zerlegt den Motor, säubert und streichelt ihn ein bisschen. Danach schnurrt er wieder und wir können wieder jederzeit an Land fahren.
Tierische Erlebnisse bieten Unterhaltung. Wir hatten eine Schildkröte neben den Boot und eine Fledermaus im Boot. Die Fledermaus steht auf Bananen und hinterlässt große Löcher in ihnen. Nobbi ist nicht mehr bereit mit einer Fledermaus zu teilen und versteckt die Bananen nun abends. An Mangos hat die Fledermaus kein Interesse. Unsere Grün-Abfälle verfuttern wir an die Bootshühner, sie sind begeistert. Auf einem Grundstück am Wasser hält jemand Strauße und an der Marina sind viele Hunde unterwegs. Bei unserem Spaziergang gestern Morgen haben wir viele Brüllaffen gesehen, die wir schon oft gehört haben, und gleich drei Faultiere. Hier ist es also ein wenig wie im Zoo. Übrigens, wir freuen uns nicht nur über Tiere, die wir sehen, sondern manchmal auch darüber wenn wir Tiere nicht sehen. Netterweise gibt es hier kaum Moskitos, trotz des grünen Dschungels auf allen Seiten.

Wir sind in Panama!

Hinter mir stürzt sich der große Wagen ins Meer, vor mir funkelt Sirius in allen Farben. Es ist sehr dunkel, aber sternenklar. Das Wasser rauscht an Maris Bug. Ich schaue mir den Sternenhimmel an und beschließe noch ein Kapitel in meinem Buch zu lesen.
Wir hatten eine schöne Überfahrt von Curacao nach Panama, ziemlich genau sechs Tage und sechs Nächte haben wir gebraucht. Am Montag um 14 Uhr ging es los, am Sonntag um 14 Uhr sind wir hier angekommen.
Die Reise beginnt spannend. Nobbi meldet sich über Funk, wir möchten die Brücke passieren. Zunächst bekommen wir keine Antwort. Doch schließlich meldet sich jemand. Die Brücke wird gerade geöffnet, große Schiffe wollen einlaufen. Die Schiffe sind noch weit weg, wir können direkt durchfahren. In Willemstad ist viel los, vier Kreuzfahrtschiffe sind zu Besuch. Auf unzähligen Fotos passiert eine kleine deutsche Yacht die geöffnete Brücke.
Schiebt der Strom uns in der ersten Nacht noch kräftig an Aruba vorbei, treffen wir bald auf den „Carribbean Countercurrent“ der uns dann mal mehr mal weniger verlangsamt und uns erst kurz vor Panama wieder loslässt. Als wir die Küste Kolumbiens hinter uns haben, sind wir erleichtert. In den letzten Wochen war hier immer sehr viel Wind. Der Wetterbericht hat Wort gehalten, wir haben, abgesehen von einer kurzen Flaute in der wir einige Stunden dümpeln, immer vier bis fünf Windstärken. Schönste Segelbedingungen.
Unterwegs haben wir mehr Großschiffe gesehen als auf allen anderen Passagen. Vor Aruba tummelten sich nachts die Kreuzfahrer, viele Schiffe waren auf dem Weg von oder nach Kolumbien und schließlich viele Schiffe mit dem Ziel Panamakanal. Am letzten Tag ist ein Hamburg-Süd Frachter uns doch recht nahe gekommen. Er fuhr hinter uns her. Irgendwann habe ich ihn angefunkt und gefragt ob er uns gesehen hat. Ja hat er, er würde nun so weiter fahren und uns überholen. Doch dann hat er „heimlich“ den Kurs geändert uns ist uns immer näher gekommen. „Heimlich“ ist in Zeiten von AIS ziemlich unheimlich, kann man doch den Kurs des anderen abgelesen. Nobbi erklärt mir fröhlich: „wenn ich von einem Frachter überfahren werde, möchte ich wenigstens als letztes den Hamburg Schriftzug lesen“. Mein Eindruck bestätigt sich immer wieder. Hamburg ist eine schöne Stadt, aber diese Hamburger sind komische Leute. Wir haben uns nicht überfahren lassen, auch nicht von einem Hamburg-Süd Schiff.
Noch nie haben wir so viele fliegende Fische gesehen, manchmal sah es aus als würde es Fische regnen, weil ganze Schwärme von Fischen gleichzeitig gesprungen sind. Viele haben Mari getroffen. Die die ins Cockpit fliegen, schmeißen wir möglichst lebend wieder rein, die die an Deck liegen werden am nächsten Morgen seebestattet. Am Morgen des fünften Tages hat Nobbi 52 Fische von Deck gesammelt. Unser ganzes Schiff ist voller Schuppen. Ein Fisch hat einen dicken Fettfleck (und einige Schuppen) auf der Windfahne hinterlassen. Doch wir haben nicht nur die Gejagten gesehen, sondern auf die Jäger. Ein Thunfisch hat einen riesigen Satz gemacht und ein Marlin ist weit aus dem Wasser gesprungen. Am schönsten war jedoch die Begegnung mit drei Pottwalen. Alle drei waren etwa so lang wie unser Boot und kamen uns entgegen.
Sonntagnachmittag fällt der Anker hinter der Isla Linton bei dem kleinen Ort Porto Lindo. Wir sind in Panama! Wir klaren auf, pusten das Schlauchboot auf, essen Bratkartoffeln und fallen in die Koje.

Heute Morgen sind wir wieder fit. Nach elf! Stunden Schlaf kann man das wohl auch erwarten. Wir fahren an Land, finden das Büro der AMP und bekommen dort unser „Cruising Permit“. Der Wisch kostet 185 Dollar und ist gültig für ein Jahr. Der nette Beamte unterhält sich mit uns, erklärt uns, dass er viel schneller arbeitet als in Colon und wir Glück haben, dass wir am Montag einklarieren, kostet das Permit an Sonntagen doch 20 Dollar mehr.
Nun müssen wir noch zur Immigration, dafür müssen wir nach Portobelo. Der Bus ist theoretisch vor fünf Minuten abgefahren, doch ein Paar sitzt noch an der Bushaltestelle, der Bus war noch nicht da. Wir kommen ins Gespräch, die beiden wollen auch zur Immigration. Als der Bus mit 40 Minuten Verspätung abfährt, haben wir gerade festgestellt, dass wir schon viele Geschichten über die beiden gehört haben, sind sie doch Freunde von Freunden und mit ihnen mehr oder weniger parallel in den letzten zehn Jahren um die Welt gesegelt. Die Segelwelt ist ein Dorf. Bei der Immigration geht es schnell, wir dürfen nun ein halbes Jahr in Panama bleiben.
Anschließend sehen wir uns in Portobelo um und spazieren über das verfallene Fort. Der kleine Ort hat eine bewegte Geschichte, denn die Spanier haben doch von hier das Gold weggeschafft, das sie erbeutet haben. Als wir einen Blick in die Kirche werfen, wundern wir uns gleich doppelt. Sie ist brechend voll und die Gebete werden auf Deutsch gesprochen. Wir erfahren, dass das Weltjugendtreffen der katholischen Kirche gerade in Panama stattfindet. 120 deutsche Jugendliche, die meisten aus Trier, verbringen einige Tage in der Umgebung von Portobelo. Die Abschlussveranstaltung in zwei Wochen findet in Panama City statt, dafür kommt dann auch der Papst angereist.
Das Schiff neben uns scheint verlassen zu sein und nähert sich langsam dem Wrack-Stadium. An Bord leben drei Hühner. Wer hat sie dorthin gebracht? Werden sie nur von Seglern gefüttert, die zufällig vorbei kommen oder kümmert sich jemand? Ein Boot ist doch kein Lebensraum für ein Huhn.
Uns gefällt die Landschaft hier. Die grünen Berge, in denen die Wolken hängen, die Mischung aus Palmen und Bäumen, die kleinen Strände, die schroffen Felsen. Morgen bleiben wir erst mal hier, mal sehen wo es uns dann hinzieht.

Nächster Stopp Panama

Wir haben ausklariert und eingekauft, vorgekocht, die Seekoje gebaut und alles was herum fliegen könnte verstaut. Die Wepunkte unserer Reise sind im GPS, im Laptop und im Tablet gespeichert. Bücher, Musik und Podcasts warten auf Nachtwachen. Knapp 700 Meilen liegen vor uns, etwa eine Woche wird die Reise dauern.

Mari zerrt schon an den Leinen, sie möchte sich von tiefblauem Wasser den Rumpf streicheln lassen. Es geht los!

Gemütliche Inselerkundung

Gestern Morgen lassen wir unsere ambitionierten Ausflugspläne fallen, die wir am Abend zuvor geschmiedet haben. Wir entscheiden uns für eine ganz gemütliche Tour und wollen nicht so weit fahren. Am Tag zuvor standen wir im Stau, auf so viel Verkehr haben wir keine Lust. Wir sitzen an verschiedenen Plätzen an der Küste, bestaunen das klare Wasser, beobachten Vögel und Leguane, genießen die Aussicht von einem Fort, erkunden einen kleinen Wanderweg und gehen Schnorcheln. An dem Strand, den wir uns eigentlich ausgeguckt hatten ist und zu viel los, aber ein paar hundert Meter weiter finden wir einen schönen Platz ganz für uns allein. Die Korallen sind so nah am Ufer ziemlich kaputt, erobern aber Lebensräume wie Treckerreifen, die hier versenkt wurden. Wir sind trotzdem sehr zufrieden, zählen wir doch 30 Fischarten darunter auch eine hübsche gefleckte Muräne.
Abends grillen alle Segler, die hier gerade in der Marina und der Werft sind, gemeinsam. Eine gute Gelegenheit sich kennenzulernen. Als wir um den Grill sitzen beginnt das Feuerwerk der Firma gegenüber (Die Feuerwerkssaison ist noch immer nicht vorüber). Es ist sehr, sehr schön und wir sitzen in der ersten Reihe.
Heute haben wir uns für eine Hafenrundfahrt angemeldet. Vorher baut Nobbi den neuen Lüfter an und ich stelle die Schutzbezüge für die Dieselkanister fertig, wieder zwei Punkte von der Liste erledigt. Die Hafenrundfahrt ist interessant, wir erfahren viel über die Geschichte des Hafens, über die Raffinerie, die Werft und über die Insel. Anschließend gibt uns die Führerin einen guten Überblick über die Ausstellungen des Schifffahrtsmuseums in einem schön restaurierten historischen Gebäude, das wir uns auch noch ansehen. Das Museum ist klein, nicht aufregend, aber sehr liebevoll gestaltet.
Später erleben wir den Sound Check für das große Konzert, das heute die Karneval-Saison in Curacao eröffnet.

Silvester in Willemstad

Vor Beginn Ende des alten Jahres und zu Beginn des neues Jahres wurden alle bösen Geister von Curacao vertrieben. Pagara nennt sich der Spaß. Man trifft sich trinkt, isst, feiert und brennt ewig lange Schnüre mit Knallern ab. Wir haben Kartons gesehen auf den steht „100.000 Schuss“. An einer Schnur! Einzeln sind die Dinger harmlos, eher ein Britzeln als ein Donnern, doch im 100.000er Pack ist es eindrucksvoll. Ganz und gar, weil es hier steile Felswände gibt, die das Ganze reflektieren. Zu den Knaller-Schnüren gibt es gerne noch ein paar bunte Raketen, auch am Tag. Das Ganze begann am 28. Dezember und erreichte seinen Höhepunkt am 31. am frühen Nachmittag. Sehr viele Firmen richten das Geknalle für ihre Angestellten aus. Als wir mittags einkaufen erleben wir Pagara an jeder Ecke. Zu Mitternacht gibt es auch noch ein Feuerwerk, am besten soll es von der Schwingbrücke zu sehen sein, es wird voll werden, wir sollen früh hingehen, hat man uns erzählt. Wir machen zwei Anläufe. Als wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs sind, es ist es so ruhig, dass wir zurück zur Marina laufen. Wir sehen einen Film im Bordkino und trinken Blue Curacao (mit Ananassaft und Rum), dann geht es wieder über den Hausberg. Diesmal ist die Brücke bereits gut von Menschen mit Klappstühlen bevölkert. Wir finden einen Platz auf der Brücke, sehen ein schönes Feuerwerk und wundern uns über die insgesamt eher verschlafene Stimmung.
Wir kümmern uns um Bootskleinkram und spazieren immer wieder durch Willemstad. Die kleine lebendige Stadt gefällt uns. Auf dem Floating Market verkaufen die Händler aus Venezuela ihr Obst und Gemüse. Die besten Ananas und Papayas seit Brasilien! Es gibt viele schöne, renovierte Häuser, aber auch viele Ecken mit Potential.
Heute haben wir ein Auto. Der erste Stopp ist der Schiffshändler, zum Glück brauchen wir nicht viel. Unser Lüfter im Vorschiff ist hinüber. Nobbi hat ihn auseinander genommen und festgestellt, dass der Motor unrettbar kaputt ist. Schade, er hat so schön viel Wind gemacht.
Wir haben kein konkretes Programm und fahren in den Norden. Curacao ist ganz schön hügelig, es gibt Tafelberge, runde Hügel, steile Felswände und grüne Hänge. Wie auf Bonaire ist es ziemlich trocken und die großen Kakteen fühlen sich sichtbar wohl, doch es gibt mehr Sträucher und Bäume. Wir stoppen gelegentlich an einem Aussichtpunkt und sehen uns einige Strände an. Furchtbar dieses Curacao blue- leuchtende Wasser, das an die weißen Strände schwappt. Tatsächlich regnet es, wenn auch nur sehr kurz. Das ist ein interessantes Phänomen hier. Wir haben sie „Mikroschauer“ genannt. Es regnet ganz kurz, nur ein bis zwei Minuten. Gerade so, das einmal alles nass ist.
Auf Curacao kann man eine Menge unternehmen und auch sehr schön tauchen, doch in Gedanken sind wir schon weiter gezogen. Wir planen unsere Weitereise, es sieht aus, als bekämen wir nächste Woche gutes Wetter für die Passage nach Panama. Wir wollen und müssen demnächst einen Deutschlandbesuch einlegen. Nun überlegen wir, wo wir das Boot liegen lassen, von wo wir wann und wie lange nach Deutschland fliegen, welche Ziele wir zuvor ansteuern und welche Orte wir auslassen. Die Unzufriedenheit ist schnell die aufkommt als wir feststellen, dass wir viel zu wenig Zeit haben um alle attraktiven Spots auf unserem Weg anzusteuern, verfliegt schlagartig als wir mit der Planung der Reise nach dem Deutschlandbesuch beginnen. Fantastische Reiseziele warten auf uns. Reiseführer wandern auf die Einkaufsliste, Revierinformationen müssen gesichtet werden und natürlich brauchen wir auch Seekarten.
Morgen aber wollen wir uns weiter auf Curacao umsehen und vielleicht auch schnorcheln. Ich würde gerne die Hirsche sehen (nein, nicht beim Schnorcheln).

Kleiner Jahresrückblick 2018

Kurz gesagt ging es von Brasilien nach Curacao. Dazwischen lagen 3700 gesegelte Meilen, 24 Nächte auf See, spannende Länder, viele Orte, einige Landreisen und wunderbare Erlebnisse.
Ein erlebnisreiches Jahr voller kleiner und großer Höhepunkte liegt hinter uns. Der Versuch zu überlegen wo es am schönsten war misslingt aufs Schönste. Wir erinnern uns an lustige Erlebnisse, großartige Städte, grünen Regenwald, weiße Strände, blaues Wasser, perfekte Segelstunden und schwärmen uns gegenseitig vom vergangenen Jahr vor. Hier eine kleine unvollständige Stichwortliste zu den Reise-Highlights: Tauchen auf Bonaire, Rio-Besuch, Tiere gucken am Amazonas, die Oper von Manaus, Ausflug nach Cachoeira und zu Dannemann, die Iles du Salut nur für uns, Liebe auf den ersten Blick mit Buenos Aires, Frühstück mit Affen in Suriname, Beobachten eines Raketenstarts vom eigenen Boot in Kourou, Carnaval in Salvador, Chapada Diamantina und Lencois, …
Und dann durften wir den Frühling in Bremen genießen, Lisa in Singapur besuchen, Urlaub-vom Urlaub mit Lisa in Bali machen und ganz viele Freunde treffen.
Wir ziehen eine kleine Zwischenbilanz und stellen fest, der „Umweg“ über Brasilien, Französisch Guyana und Suriname hat sich gelohnt. „Umweg“ ist in diesem Zusammenhang ein netter Begriff, die schnellste Reise von Bremen nach Bremen wäre schließlich Zuhause zu bleiben. Brasilien hat sich einen ganz besonderen Platz in unserm Herz erobert, das liegt weniger an den großen Highlights, als an den kleinen Erlebnissen und den vielen Begegnungen mit herzlichen, hilfsbereiten Menschen. Der Wille das Leben zu feiern hat uns beeindruckt und berührt.

Allen Bloglesern wünschen wir ein glückliches und aufregendes Jahr 2019!

Neue Insel, neues Glück. Auf nach Curacao!

Nun ist Weihnachten schon wieder vorbei. Wir haben ganz gemütlich Weihnachten gefeiert, haben gut gegessen, schön geschnorchelt und Weihnachtsgrüße mit Familie und Freunden ausgetauscht. Ganz besondere Weihnachtsgrüße haben wir von Roswitha und Walter erhalten, die von ihren Freunden Petra und Frank übermittelt wurden. Das war eine gelungen Überraschung, die uns sehr gefreut hat! Es gab sogar ein Weihnachtsgeschenk. Meine Eltern haben es uns mitgegeben. Als ich es vor genau 7 Monaten im Bücherregal verstaut habe, hätte ich nie gedacht, dass es bis Weihnachten eingepackt bleibt, aber ich habe meine Neugier besiegt.
Ursprünglich hatten wir geplant uns von Bonaire auf den Weg nach Panama zu machen, doch vor Kolumbien ist es sehr windig. Uns ist es dort im Moment zu stürmisch, deshalb haben wir spontan entschieden uns erst einmal Curacao anzusehen.
Gestern ging es zeitig los. Als der Wecker um sechs klingelte war es noch dunkel. Um kurz vor sieben laufen wir trotz drohendem Schauer aus. Nachdem wir den Schutz und den Windschatten Bonaires verlassen haben, blasen uns 5 bis 6 Beaufort nach Westen und die Wellen sorgen für eine schauklige Überfahrt. Wir blicken zurück, Bonaire hat uns sehr gefallen und uns sehr schöne Tauchgänge geschenkt, doch uns zieht es uns weiter nach Westen.
Wir sind flotter unterwegs als gedacht und runden um viertel nach zwölf bereits Curacaos Südspitze. Anders als gedacht (oder gehofft), bietet Curacao keinen Schutz gegen die von Osten heran rauschenden Wellen und der Wind dreht gar auf Südost. So begleiten uns die über 2m hohen Wellen bis vor die Einfahrt. Wir haben einen Platz in Willemstad reserviert. Als wir nur noch eine Meile von der Einfahrt entfernt sind, funkt Nobbi „Port Authority“ an und bittet um die Öffnung der Königin Emma Schwingbrücke. Die Brücke verbindet die Stadtteile Punda und Otrobanda. Eigentlich ist es gar keine richtige Brücke, sondern eine Art Schwimmsteg. Die Brücke besteht aus schwimmenden Pontons. Wenn sie geöffnet wird, wird sie mit einem Motor, vergleichbar mit einem Außenborder, zur Seite geschoben. Wir sollen auf die Brücke zu fahren, sie würde sofort geöffnet, wenn wir kommen. Dieses sofort dauert dann doch einen Moment. Eigentlich nicht weiter schlimm, doch der Platz vor der Brücke ist eng, die Welle läuft in den schmalen Kanal und wird von allen Seiten reflektiert. Das Warten gestaltet sich so recht mühsam für uns, wir müssen Mari bei dem unruhigen Wasser und starkem Wind auf der Stelle halten. Große Erleichterung, als die Brücke sich endlich für uns öffnet und wir einfahren können. Nach der schmalen Einfahrt öffnet sich das Schottegat, einer der größten Naturhäfen der Welt. Hier gibt eine große Raffinerie, verschiedene Hafenanlagen darunter einen Containerhafen, Werften, verfallene und topmoderne Anlagen, eine ganze Flotte Schlepper, Marineschiffe, usw. Wir haben keine Zeit uns in Ruhe umzusehen, wir finden schnell die Marina, die zu einer Werft gehört. Wir haben einen Platz reserviert und sollen über Funk rufen. Doch es meldet sich niemand. Nobbi telefoniert schließlich und stellt fest, dass hier Ferien sind. Wir sollen uns einfach einen Platz aussuchen. Abends wird der Beginn der Ferien dann auch mit einem Riesen Feuerwerk gefeiert. Wir waren bereits in der Koje, doch dafür sind wir noch einmal an Deck geklettert.
Der heutige Tag beginnt mit der besten Dusche seit Bremen. Im Vergleich der Hafenduschen ist es die beste Dusche seit La Gomera. Dann machen wir uns auf den Weg zum Einklarieren. Unsere netten Nachbarn haben uns mit allen Infos versorgt, es gibt eine Abkürzung. Wir finden den Weg über den Berg, quer über den Parkplatz, unter der Autobahn hindurch und die Stufen hinunter auf Anhieb. Jetzt ist es nicht mehr weit. Wir wollen Geld abheben, hier ist der Antillen-Gulden das Zahlungsmittel, und stellen fest, dass das Portemonnaie im Boot liegt. Also geht es noch mal zurück.
Der Zoll ist vorübergehend in einem etwas herunter gekommenen Haus untergebracht. Das Büro ist geschlossen, aber es hängt ein Zettel mit einer Telefonnummer an der Tür. Der Beamte öffnet uns, wir haben Glück, er muss eigentlich zum Kreuzfahrtschiff, aber wir kommen zuerst dran. Das Ausfüllen des Dokuments am Computer ist etwas zeitaufwendig, aber der Mann ist sehr freundlich. Auf dem Weg vom Zoll zur Immigration unterhalten wir uns darüber, dass man häufig interessante Einblicke beim Einklarieren bekommt und nette Menschen trifft, da hupt es hinter uns. Der Zollbeamte muss zu dem Kreuzfahrtschiff, das ganz in der Nähe des Büros der Immigration liegt und nimmt uns im Auto mit. Er fährt uns über die große Hafenbrücke bis zum Eingang des Hafengebiets und informiert die Wächterinnen auch noch, dass wir zur Immigration wollen und den kurzen Weg über die Hafenmole benutzen dürfen. Wir bekommen unsere Pässe gestempelt und könnten jetzt drei Monate bleiben.
Anschließend sehen wir uns in Willemstad um. Die lebendige und bunte Stadt gefällt uns. Wie schön, dass es vor Kolumbien zu windig ist, das hätten wir sonst verpasst. Heute sind drei Kreuzfahrtschiffe hier, überall werden Fotos geschossen und Souvenirs gekauft. Wir lassen uns treiben, beobachten Leute und essen auf einem schattigen Platz. Auf dem Rückweg kaufen wir in einem chinesischen Supermarkt Saft aus der Türkei, Käse aus Holland und Brot von hier.
Gestern Abend wurde nicht nur ein wenig geknallt, es gab richtiges Feuerwerk. Wir sind gespannt auf Silvester! Auf der Pier werden schon gewaltige Bühnen für die Party-Musik aufgebaut.

Bonaire begeistert über und unter Wasser!

Die Zeit vergeht rasend schnell. Wir erleben regelrechten Urlaubsstress, wollen wir es doch ausnutzen, dass wir einen Mietwagen haben.
Am Mittwoch wollen wir endlich mal wieder tauchen. Den anstrengendsten Teil haben wir bereits hinter uns, das Tauchzeug ist aus der Achterkammer an Deck gewandert. Wir haben uns einen Tauchplatz im Süden der Insel ausgesucht. Auf dem Parkplatz bei „Angel City“, so heißt der Tauchplatz, steht nur ein anderes Auto. Wir ziehen uns um und gehen wenige Meter hinter dem Auto ins Wasser. Wir atmen eine Stunde Bremer Luft. Wir sind zwar auf unserer Reise schon getaucht, aber nicht mit unseren eigenen Flaschen. Nach knapp einer Stunde tauchen wir wieder auf und sind begeistert. Es war wirklich schön! Ein intaktes Riff und viele bunte Fische haben uns einen schönen Tauchgang beschert. Da macht es auch nichts, dass ich auf allen vieren aus dem Wasser komme. In der Brandung mit dem Tauchgerödel auf dem Rücken aus dem Wasser zu kommen ist gar nicht so einfach. Hinzu kommt, dass wir keine Neoprenschuhe mitgenommen haben, wenn wir die Flossen ausziehen sind wir also barfuß unterwegs. Nicht immer ganz einfach. Wir tauchen dort wo die beiden verlassenen Paare FlipFlops nebeneinander stehen und warten!
Wir verlängern unsere Rückfahrt um die die Südspitze der Insel. Hier wird Salz gewonnen. Das Wasser leuchtet in den Becken rosa und türkis, dazwischen türmen sich die weißen Salzberge auf. Wir entdecken einige Flamingos und treffen auf wilde Esel. Zurück an der Tauchbasis lernen wir, wie wir unsere Tauchflaschen binnen weniger Minuten wieder füllen können.
Am Nachmittag verdienen wir uns einen Fleißpunkt. Wir machen einen Ausflug zum Waschsalon, frieren dort (Klimaanlage) bei schnellem Internet und freuen uns nun über die frisch gewaschene Wäsche.
Donnerstagmorgen türmen sich dunkle Wolken am Himmel auf. Das passt nicht so gut zu unseren Tauchplänen, schließlich ist die Unterwasserwelt doch umso schöner wenn sie von der Sonne angeleuchtet wird. Wir entscheiden uns vormittags in den Nationalpark zufahren. Das Tauchen am Nachmittag fällt aus, uns gefällt es viel zu gut im Nationalpark.
Auf sandigen Wegen führt der Weg durch hohe Kakteen, schnell wird klar, weshalb man hier nicht mit einem Kleinwagen unterwegs sein sollte. Unser „Drempel-Hopser“ aus Suriname hätte vermutlich nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft. Wir sehen uns interessante Steinformationen an, besuchen den Leuchtturm, genießen die Aussicht auf die wilde Ostküste und treffen grüne Leguane und viele Vögel. Zum Glück haben wir unsere Flossen dabei. Wir beschließen im Nationalpark schnorcheln zu gehen und finden einen tollen Platz. Über eine dreiviertel Stunde halten wir es nur in Badeklamotten im Wasser aus. Das ist ganz schön lange, wenn man bedenkt dass wir in 7mm dicken Neoprenanzügen tauchen und uns das nicht zu warm ist. Es gibt einfach so viele Fische, Korallen, Schwämme und Schnecken zu sehen, dass wir uns nur schwer trennen können.
Die beiden nächsten Tage sind Tauchtage. Morgens geht es wieder nach Süden, nach dem Tauchgang essen wir die mitgebrachten Brote. Dann füllen wir die Flaschen und fahren weiter an einen Tauchplatz nördlich der Marina. Der Platz „Alice in Wonderland“ gefällt uns so gut, dass wir ihn gleich zweimal besuchen. Bei unserem Tauchgang bei „1000 Steps“ dürfen wir gleich zweimal für längere Zeit eine Schildkröte begleiten. Eine schubbert sich ausgiebig an einem Stein. Kann es Schildkröten tatsächlich unterm Panzer jucken? Ich dachte das wäre nur im Comic möglich! Am nächsten Nachmittag sehen wir in „Tolo“ sogar einen kleinen Hai und freuen uns über riesige Fischschwärme.
Heute Mittag müssen wir den Mietwagen wieder abgeben. Wir müssen uns entscheiden ob wir mit dem Auto komfortabel einkaufen, oder ob wir tauchen. Wir sind vernünftig und entscheiden uns fürs Tauchen. Das Tauchen hier macht uns Spaß, unabhängig und entspannt. Wenn an einem Platz schon viele Autos stehen, taucht man halt an einem anderen. Die Tauchplätze sind nicht sehr tief, die Riffe weitgehend intakt und es sind sehr viele Fische am Riff unterwegs.
Warum gleich meine beiden Tauchcomputer auf Bonaire ihr Leben aushauchen müssen, bleibt unklar. Nun bin noch abhängiger von meinem Mann und Buddy, aber nun ja, wir sitzen ja ohnehin im selben Boot…
Zwischendurch haben wir es genossen ein Auto zu haben und jederzeit zum Supermarkt fahren zu können. Wir sind gute Kunden beim Schiffshändler und nun stolze Besitzer einer amerikanischen Gasflasche aus Kevlar. Sie kann nicht durchrosten. Zurzeit steht sie im Cockpit und wartet darauf, dass wir Zeit haben uns um sie zu kümmern.
In den nächsten Tagen steht wieder das Bootsleben im Vordergrund, der Blick auf das Wetter für die Weiterreise und natürlich Weihnachten!