Der Panamakanal

Wann geht ihr durch? Das ist die beherrschende Frage. Gemeint ist der Panamakanal. Die meisten Segler die hier liegen warten auf ihren Transit durch den Kanal.
Hat man einen Termin, wird es Zeit sich um die Planung zu kümmern. Jedes Boot braucht zusätzlich zum Captain vier Linehandler. Da wir im Moment zu dritt an Bord sind, mein Vater Otti besucht uns, brauchen wir nur noch zwei weitere Linehandler. Außerdem muss man sich über die Proviantierung Gedanken machen. Der Advisor, der Lotse der an Bord kommt, hat Anrecht auf eine warme Mahlzeit und die Crew hat auch Hunger. Es gilt also sechs Personen zwei Tage zu bekochen.
Unser Termin ist am Montag den 25. März, eingekauft haben wir am Freitag, zwei Linehandler sind gefunden und morgen werden die vorgeschriebenen Leinen und Fender gebracht. Wir sind bereit.
Der Kanal ist die Abkürzung vom Atlantik in den Pazifik. Schiffe die nicht durch den Kanal fahren wollen, müssen den Umweg um Südamerika herum machen und durch die Magellanstraße fahren. Der Kanal verbindet den Atlantik bzw. die Karibik im Osten mit dem Pazifik im Westen. Er verläuft aber von Nord nach Süd und der Eingang auf der Atlantikseite liegt sogar westlicher als Ausgang auf der Pazifikseite. Verwirrt? Da hilft nur ein Blick auf die Karte.
Die Arbeiten am Kanal begannen 1881 unter Ferdinand de Lesseps. Der Erbauer des Suezkanals wollte einen schleusenlosen Kanal bauen, beim Suezkanal hatte es schließlich gut funktioniert. Dieses Unterfangen ging furchtbar schief und endete in einem finanziellen Fiasko. Bis 1889, als der Bau gestoppt wurde, starben 22.000 Menschen vor allem an Gelbfieber und Malaria. 1902 wurde das gesamte Projekt an die USA verkauft. 1914 wurde der Kanal mit dem aufgestauten Gatunsee und Schleusen schließlich fertiggestellt. Auch in dieser zweiten Bausphase starben mehr als 5000 Menschen. Ende des Jahres 1999 wurden der Kanal und die Kanalzone an Panama zurückgegeben. Seitdem verwaltet die Kanalgesellschaft den Kanal.
Natürlich kann man das Treiben in den Schleusen via Webcam verfolgen: http://www.pancanal.com und dann unter dem Punkt Multimedia. Wenn uns jemand dort zufällig entdeckt macht bitte einen Screenshot. Wir würden und sehr über Bilder freuen. Nach jetzigem Zeitplan sind wir am Montagabend, also nach deutscher Zeit mitten in der Nacht, in der Gatun-Schleuse und am Dienstagnachmittag, in Deutschland also abends, in der Miraflores-Schleuse.

Wir haben letzte Kleinigkeiten erledigt und machen nun, gemeinsam mit Otti, Urlaub. Wir haben mehrere kleine Streifzüge durch den angrenzenden Regenwald unternommen und sind begeistert von der Tierwelt. Der Coati, der Nasenbär, hat sich heute Morgen wieder gezeigt, wir haben Blattschneideameisen beobachtet und haben viele Affen gesehen und gehört. Die Brüllaffen sind so klein und so laut. Das Krokodil im Hafenbecken hat auch wieder für Aufregung gesorgt und vom Strand aus haben wir eine Schildkröte gesichtet.

Schwalben, Affen und Shoppingtouren

Im Auspuff des Nachbarbootes haben Schwalben ihr Nest gebaut, wir beobachten die Eltern seit einiger Zeit. Seit zwei Tagen sind die kleinen Schwalben unterwegs, haben das Auspuff-Nest verlassen und unternehmen Ausflüge aufs Vorschiff. Während Mama-Schwalbe die Flugversuche des Nachwuchses beaufsichtigt, baut Papa-Schwalbe am neuen Nest. Diesmal möchte er im Baum wohnen, vielleicht war es doch etwas dunkel im Auspuff?
Heute Morgen haben wir am „Nature Walk“ teilgenommen und sind positiv überrascht. Wir waren nicht nur eine nette Gruppe, wir haben auch viele Tiere gesehen. Ein neugieriges Coati, Kapuziner- und Brüllaffen, einen leuchtend blauen Schmetterling, Fledermäuse und viele interessante Vögel. Die Brüllaffen haben direkt neben uns aus voller Kehle gebrüllt, wirklich beeindruckend. Leider war heute Morgen der nasseste Morgen seit wir in Panama sind, es heißt nicht umsonst Regenwald.
Wir sind jetzt seit einer Woche wieder im Wasser und waren fleißig. Der neue (alt, aber für uns neu) Außenborder hängt an seiner neuen Halterung und hat eine Hülle bekommen, die Kiste für die Gasflaschen hat einen neuen Deckel, die neue Windanzeige im Mast zeigt Windstärke und Richtung, der Plotten hat einen Platz im Cockpit gefunden und empfängt AIS-Daten, der Motorleerlauf ist eingestellt und auf dem Bord-PC laufen fast alle benötigten Programme. Wie immer steckt der Teufel im Detail, den Windmesser im Mast anzubauen war gar nicht so schwierig, aber das Kabel in der Mastnut zu verlegen war eine größere Aufgabe, die Nobbi viele Stunden im Mast beschert hat.
Wir haben den ersten größeren Einkauf bereits hinter uns. Am Freitag war es besonders lustig im Bus. Eine Stimmung wie auf Klassenfahrt, alle Segler haben einen Großeinkauf gemacht und auf dem Rückweg wurde es kuschelig zwischen den ganzen Taschen. Außerdem war die Fahrt besonders interessant, wir haben Affen und Faultiere gesehen und in der Schleuse war viel Betrieb. Zwei Kreuzfahrer fuhren gerade in die alte Schleuse ein und großes Hamburg-Süd-Schiff in die neue. Heute Nachmittag gehen wir wieder einkaufen. Es gilt Proviant für die Überquerung des Pazifiks zu kaufen. Natürlich können wir nicht alles was wir im nächsten halben Jahr essen wollen einkaufen, dafür haben wir gar nicht genügend Platz, doch an vielen Orten die wir besuchen wollen kann man nur sehr limitiert einkaufen, oder aber sehr teuer. Also werden Maris Schränke vollgestopft mit Müsli, Kaffee und Co.
Abends genießen wir das Marina-Leben. Jetzt in der Hauptsaison sind hier viele Segler auf dem Weg nach Westen oder Norden und man kommt man immer mit einigen netten Leuten in Kontakt. Abends treffen wir uns in fester Besetzung zum Schwimmen und Quatschen im Pool. Gestern gab es sogar einen „Floating Sundowner“, d.h. Gin-Tonic am Beckenrand.

Zweifaches Splash!

Der ruhige Sonntag gestaltete sich ziemlich unruhig. Erneut wurde das Tankboot via Tankwagen unmittelbar neben uns betankt. Leider stundenlang mit laufendem Dieselgedröhne. Diesmal fanden wir es sehr viel weniger lustig als noch am Tag zuvor. Späten Nachmittag waren wir beide einigermaßen genervt, es ist doch sehr anstrengend sich den halben Tag gegenseitig anzuschreien. Wir kühlen uns im Pool ab und freuen uns auf das Sonntags-Grillen mit der Seglergemeinde.
Für allgemeine Aufregung sorgt die Sichtung eines Krokodils im Hafenbecken. Angeblich handelt es sich bei diesem Exemplar um „das Kleine“. Wir sind gespannt auf das Große. Das Kleine ist mindestens 2,5 m lang und schwimmt unbeeindruckt zwischen den Booten durch. Ob es wirklich keine Segler frisst, die ihr Unterwasserschiff putzen oder nach verloren gegangenen Werkzeugen tauchen? Die kleine weiße Katze wurde jetzt schon einige Tage nicht mehr gesehen…
Montag ist Splash. Mit anderen Worten, Mari kommt wieder ins Wasser. Grummel, so nennen wir den Chef der Travellift-Gang wegen seiner etwas unzugänglichen Art, ist böse auf seine Kollegen. Sie haben dort, wo unser Boot auf den Stützen steht kein Antifouling gemalt, das wollten sie machen wenn Mari den Gurten hängt. Nun stehen die Stützen aber genau dort wo die Gurte liegen werden. Grummel hat recht. Alle Stützen werden versetzt und die fehlenden Stellen gemalt. Nobbi nimmt sich auch einen Pinsel und malt den Propellerschaft. Nun ist der Ehrgeiz der Antifouling-Maler geweckt. Als Mari schon in den Gurten des Travellifts hängt schleifen sie die Kielunterseite an um auch noch die letzten Milliliter Antifouling auf unserem Schiff zu verteilen. Immerhin hat uns jede Dose Antifouling $ 365 gekostet! Mittags schwimmen wir wieder und verholen an unseren Platz. Mari scheint zufrieden. Ob Boote sich genauso leicht fühlen, wenn sie ins Wasser eintauchen, wie wir wenn wir uns in den Pool fallen lassen?
Leider war dies nicht der einzige Splash des Tages. Mein Handy ist gleich hinterher gesprungen. Mein Mann ist wiederum heldenhaft meinem Telefon hinterher gesprungen und hat es wieder rausgeholt. Im Moment liegt es in Reis, die Hoffnung auf Wiedergeburt schwindet jedoch. Zum Glück habe ich dank Nobbis heldenhaften Einsatzes (Krokodil?!) meine SIM Karte wieder.

Heute haben wir den Vormittags-Bus zum Einkaufen genommen, um Viertel vor acht ging es los, um zwölf waren wir wieder hier. Zweieinhalb Stunden in einem Einkaufszentrum, in dem zunächst nur der Supermarkt geöffnet hat, sind eigentlich zu lang. Wir haben uns die Zeit mit zwei Kaffeepausen vertrieben. Ein Becher Kaffee vor dem Einkaufen, ein Kaffee und ein Stückchen Kuchen nach dem Einkaufen. So kann man es aushalten. Ich habe nun ein neues Telefon.
Am Nachmittag hat Nobbi an unserer neuen Außenborderhalterung gebastelt und ich habe Rinderhack eingekocht. Es geht voran. Auch wenn die berühmte Liste noch ziemlich lang ist. Die Aussicht auf die Pazifiksaison setzt Kräfte frei und macht entschlussfreudig.

Zurück in Panama und schon an Land

Die Zeit in Bremen ist verflogen. Dieser Heimatbesuch war richtig stressig, wir sind kaum zur Ruhe gekommen. Aber wir konnten ganz viele Dinge erledigen. Dank unseres netten Zahnarztes und einer sehr engagiertes Krankenkassenmitarbeiterin hat Nobbi in Rekordzeit eine neue Brücke bekommen, wir haben einige Impfungen aufgefrischt und die jährlichen Arzttermine abgehakt. Einiger Papierkram wollte abgearbeitet und viele Ersatzteile konnten beschafft werden. Die meisten Firmen waren schnell und unkompliziert, doch bei anderen haben wir mehrfach hinterher telefoniert, bis die bestellten Dinge tatsächlich in die Post gegangen sind. Am Ende wurde es noch einmal richtig spannend. Ein Paket kam am letzten, eines am vorletzten Tag vor der Abreise. Zwei Dinge sind gar nicht angekommen. Unsere Backstagen haben eine kuschelige Woche in Frankfurt in der Packstation verbracht, wohin sie fälschlicherweise geschickt wurden, und mein Tauchcomputer kam mit leerer Batterie vom Batteriewechsel und musste die Reise deshalb ein weiteres Mal antreten.
Sehr gefreut hat es uns, dass wir viel mehr Freunde und Familienmitglieder getroffen haben, als erhofft!
Am Mittwoch ging es zurück zum Boot. Die Reise nach Panama verlief wohltuend unspektakulär, die Flüge waren pünktlich, das Essen lecker, in Sachen Kinofilme bin ich wieder auf dem neusten Stand und das Gepäck ist auch angekommen. Spannend wurde die Reise vom Flughafen Panama City zur Shelter Bay Marina. Das Taxi hatte nur spärliche Beleuchtung, auf der Autobahn ging es noch, danach wurde es immer abenteuerlicher. Wir donnerten durch manches Schlagloch und hatten auch Probleme die Beschilderung zu lesen. Wie froh waren wir, als wir in der Dunkelheit den Kanal erreichten. Doch als wir über die Schleusen fahren wollten, kam der Verkehr zum Erliegen. Ein Bus war von der schmalen Spur abgekommen und hing in der einspurigen Straße auf dem Schleusentor fest. Da sich die Schleuse nun nicht mehr öffnen ließ, lag eine Lösung des Problems nicht nur in unserem Interesse. Schließlich wurde der Bus von einer der Loks, die die Schiffe durch die Schleusenkammern ziehen, zurück auf die Straße gezogen. Und wir konnten weiterfahren. Die Straße auf den letzten Kilometern bis zur Marina ist sehr schlecht. Schlagloch an Schlagloch. Genau das richtige für ein uraltes Taxi, das kaum Licht hat, beladen mit drei Personen und Gepäck. Wir waren sehr erleichtert, als wir heil angekommen waren und freuten uns unsere Mari fröhlich schwimmend an ihrem Platz vorzufinden.
Der Donnerstag verging flott. Taschen auspacken, Boot waschen, Slip-Termin vom Marina-Office bestätigen lassen, reparierte Sprayhood vom Segelmacher abholen und anbauen, neue Getriebeschaltung einbauen und natürlich Freunde und Bekannte wieder treffen.
Freitagmorgen um acht ging es für Mari aus dem Wasser. Einige Arbeiten lassen sich nur auf dem Trockenen erledigen. Life is hard on the hard. Auf einem Boot wohnen, das an Land, also „on the hard“ steht, macht keinen Spaß. Einige wenige gehen darin auf und gönnen sich und ihrem Boot lange Werftaufenthalte, die meisten sind froh wenn der Kahn wieder schwimmt. Ich gehöre definitiv zur zweiten Gruppe. Heute Nacht habe ich gezählt, es sind 500 Schritte zur Toilette. Das ist ganz schön weit. Wir haben den Platz direkt neben dem Slip bekommen, der am weitesten entfernt von allem ist, dafür ist es schön windig und wir haben eine top Aussicht. Heute haben wir ein Capybara gesehen, es trabte an unseren Boot vorbei. Sonst gibt es hier noch kommunikative Hühner, die ihre Eier auch mal in einem der hier abgestellten Wracks legen. Wir stehen direkt neben dem Travellift, der die Boote aus dem Wasser hebt und bekommen einiges geboten. Heute Mittag zum Beispiel wurden wir von 2 Tankwagen zugeparkt, die das Tankschiff betankt haben (das dafür unterm Travellift lag). Das Tankschiff verholt dann an einen anderen Steg und die Segler können dort wiederum tanken.
Kaum waren wir gestern aus dem Wasser, wurde fleißig geschliffen. Wir brauchen neues Antifouling, die Unterwasserfarbe, die gesellige Meeresbewohner davon abhalten soll auf uns zu siedeln. Diesen Job lassen wir die Werft machen. Heute wurde morgens der Primer aufgebracht und nachmittags Antifouling gemalt. Das ging ja fix!
Wir kümmern uns in der Zwischenzeit um den Kleinkram, der Propeller ist abgeschmiert und poliert, ein blauer Streifen vom Rumpf verschwunden, der Log-Impeller ist sauber und diesmal richtig eingebaut. Morgen ist Sonntag, da haben wir Zeit für viele kleine Arbeiten, die Werft arbeitet nicht, es wird also ruhiger.
Ursprünglich sollten wir bis Donnerstag an Land stehen, doch nun wurde unser „Splash-Termin“ auf Montag vorverlegt. Das freut uns sehr. Die Aussicht darauf schon am Montag wieder zu schwimmen motiviert und sorgt für noch flotteres Arbeiten.

Reisepause in Bremen

Zwei Wochen sind seit dem letzten Post vergangen. Viel zu lange. Mari liegt in der Shelter Bay Marina, in Panama, und wartet dort auf uns. Wir sind inzwischen heil in Bremen angekommen.
Vor unserer Abreise haben wir noch einen Werfttermin vereinbart, gleich wenn wir wieder in Panama sind wird unsere Mari an Land gestellt. Außerdem war der Vermesser an Bord. Jedes Boot, das durch den Panamakanal fahren möchte muss vermessen werden. Wir wissen nun, dass unsere Mari vom Anker bis zur Windsteueranlage 36,75 Fuss misst. Die Kanalpassage haben wir bereits bezahlt, kein Schnäppchen, und den 25. März als Termin für die Passage festgelegt.
Auf der Rückreise haben wir eine Nacht in Panama City verbracht und sind durch die schöne Altstadt gebummelt. Etwas merkwürdig war es schon, Jeans und Lederschuhe zu tragen. Ich habe mir prompt Blasen in meinen Segelschuhen gelaufen, die ich nie zum Segeln trage. Wir waren also in einem riesigen Supermarkt und haben dort FlipFlops gekauft. Die Altstadt Panamas hat uns positiv überrascht, wir freuen uns schon darauf sie noch ausgiebiger zu erkunden.
Gut eine Woche sind wir hier und haben schon erfreulich viele nette Menschen getroffen. Den Rest der Zeit verbringen wir mit einkaufen und bestellen. Wir geben viel Geld aus. Jackies Ratschlag ich solle nicht in Euro rechnen, sondern in Boat Units (1 Boat Unit gleich 1000 Dollar) kommt mir in den Sinn. Da ist was dran.
Die Gastlandflaggen für die Länder, die wir als nächstes besuchen wollen, liegen auf dem „Einpacken“-Stapel, zusammen mit Ersatzteilen für den Außenborder, kleinen Spezialschrauben, Dichtungen, Zahnbürsten und Medikamenten. Neben der „Bestellen“-Liste und der „Einkaufen“-Liste, gibt es inzwischen eine Liste mit Paketen, auf die wir warten. Die bestellten Seekarten müssten in den nächsten Tagen aus England kommen. Darauf freue ich mich. Viel Freude hat uns auch das Paket mit den Revierführern für die Südsee bereitet.
Die Dinge, für die man einfach nur kaufen, seine Kreditkarte angeben oder sein PayPal-Passwort eintippen muss, sind erledigt. Übrig bleiben die schwierigen Fälle. Wir hoffen, dass unser Bord-PC wieder zum Leben erweckt werden kann und haben uns noch immer nicht für Navigationssoftware entschieden. Damit verknüpft ist die Frage, ob wir doch einen kleinen Plotter haben möchten.
Wir waren beide bereits beim Arzt, haben eine Impfung aufgefrischt und unsere Bord-Apotheke auf den neusten Stand gebracht. Nobbi ist jetzt im Besitz eines internationalen Führerscheins.
Jetzt, da wir die meisten Punkte unserer Liste bereits abgeharkt haben, ist mehr Zeit für die richtig wichtigen Dinge: Zeit mit Familie und Freunden verbringen, auf dem Deich spazieren gehen, Grünkohl essen… Bremen zeigt sich erfreulicherweise von seiner sonnigsten Seite.

Nachschlag San Blas

Für alle die genau wissen möchten, wo wir auf den San Blas waren, habe ich wieder eine kleine Karte gemalt. Wie man sieht sind wir einen kleinen Kringel durchs Archipel gesegelt. Und wie immer, ist diese Karte nicht zur Navigation geeignet.

Am Tor zum Pazifik

Am Mittwoch ging es von Isla Linton nach Colon. Wir konnten die ganze Strecke segeln und erlebten noch einmal einen sehr schönen Reisetag. Als eine Yacht von achtern aufkommt, die das gleiche Ziel hat wie wir, fragen wir ob sie uns fotografieren können und machen natürlich auch Fotos.
Nachmittags erreichen wir Colon, die Shelter Bay Marina liegt innerhalb der Molen, die das Hafengebiet und den Eingang zum Panama-Kanal schützen. Letztendlich ist die Einfahrt unspektakulär, es ist weniger Verkehr als wir erwartet hatten. Die Einfahrt nach Gibraltar oder das Queren der Einfahrt nach Rotterdam waren sehr viel aufregender. Trotzdem feiern wir diese Etappe, haben wir nun doch die Karibik hinter uns gelassen und sind am Tor zum Pazifik angekommen.
Schnell finden wir unseren Liegeplatz, die Marina ist perfekt organisiert, wir erfahren noch in der Einfahrt auf welcher Seite wir Fender brauchen. Nun wird Mari hier liegen bleiben, bis es für uns durch den Panama-Kanal geht. Vorher fliegen wir aber noch nach Deutschland und Mari bekommt neues Antifouling.
Für uns heißt es nun waschen, putzen, organisieren. Mari wird komplett entsalzen, unsere Wäsche wird entweder per Handwäsche bearbeitet oder wandert hier in die Waschmaschine, das Vorsegel ist schon abgeschlagen und verstaut, das Großsegel haben wir durchgesehen und Scheuerstellen getapt, der Motor hat neue Filter und einen Ölwechsel bekommen, der Ölwechsel des Getriebes ist erledigt, wir haben von einem Norweger am Steg eine neue Membran für unseren Wassermacher gekauft, die bei ihm überzählig war, und von Hamburger Seglern konnten wir einen 2 PS Außenborder übernehmen. Damit können wir nun auch unser Bananaboot motorisiert betreiben, wenn es mal etwas weitere Strecken zu überbrücken gibt. Das Schlauchboot ist bereits geputzt und verpackt. Es geht voran. Wir haben einen Flug gebucht, einen Werfttermin gemacht und Kontakt zu einem Agenten aufgenommen, um die Passage des Panama-Kanals zu organisieren.
Zuerst wussten wir nicht wo wir anfangen sollten, welchen Termin wir von welchem abhängig machen sollen, aber es hat sich alles zurecht geschüttelt. Nobbi würde sagen „das wuppt sich“. Ansonsten freuen wir uns, Bekannte wieder zutreffen und Kontakte zu knüpfen. Viele werden zur gleichen Zeit eine ähnliche Strecke segeln und wir werden uns im Pazifik wieder treffen.
Bevor wir Mari verlassen wird noch fleißig weiter geputzt und packen müssen wir auch noch. Viele Bücher kommen mit nach Hause, sollen sie doch den neuen Südsee-Revierführern Platz machen.
Der Weg zum Einkaufen ist weit, es fährt aber ein Bus von der Marina nach Colon zum Supermarkt. Die Fahrt ist schön (zumindest wenn man sie nicht zu oft macht) und geht durch den Regenwald. Man hat eine gute Aussicht auf die neue Brücke über den Kanal und fährt direkt über die Schleusen und man kann schon mal etwas Kanalluft schnuppern.

Cayos Holandes

Wir verlassen Coco Bandero und segeln zu den Cayos Holandes, oder den Holland Cays. Im Westen der Inselgruppe gibt es ein großes Gebiet umgeben von Inseln und Riffen, in dem es schöne Ankerplätze gibt. Als wir dort auftauchen, sind bereits ziemlich viele Boote dort, anscheinend ist dies heute auch ein beliebter Treffpunkt der World ARC. Doch es gibt genug Platz für alle Boote. Wir finden eine Ausbuchtung im Riff, die im Revierführer nicht als Ankerplatz verzeichnet ist. Der Platz ist ideal für uns, dunkelblaues Wasser, ziemlich tief etwa 17m, umrahmt von einem türkisen Streifen. Hier liegen wir ganz für uns, weit ab von den anderen Booten. Wir gehen ausgiebig schnorcheln und klettern erst wieder an Bord als wir komplett durchgefroren sind. Das Wasser kommt kalt über das Riff. Hinter dem Riff sinkt das kalte Wasser ab und das warme Wasser schiebt sich darüber. Das Wasser ist schön klar, auf einer Seegraswiese sehen wir hunderte Sepia und viele kleine Fische, zwischen den Korallen im flachen Wasser entdecken wir Langusten, Krebse, Schnecken und große Schulen verschiedener Fischarten. Später gehen wir auf Entdeckungstour mit dem Dinghi und sehen uns die beiden unbewohnten Inseln nahe unseres Ankerplatzes an. Im flachen Wasser taucht immer wieder eine Flosse auf, wie im Comic, wenn sich der Hai nähert. Und tatsächlich, es ist ein Babyhai. Zwischen den Mangroven tummelt sich ein ganzer Fischkindergarten.
Auch diese Inseln schrumpfen sichtlich und auch hier findet sich Müll auf der Luvseite, wenn auch weniger als wir auf den weiter innen liegenden Inseln, wie Green Island, gesehen haben. Spitzenreiter sind die Plastikflaschen, gefolgt von Flip Flops, Schuhsohlen und Crocs.
Am nächsten Morgen kommt Victor vorbei und möchte Bananen und Zitronen tauschen, am liebsten gegen Öl. Es macht Spaß unser Spanisch zu testen, wir befragen jeden Kuna, der vorbei kommt. So erfahren wir zum Beispiel wer auf welcher Insel wohnt. Auch wir werden befragt, sie wollen wissen wie der Wetterbericht ist, ob in den nächsten Tagen mehr Wind sein soll, oder wieviel Boote an welchem Platz liegen. Außerdem interessiert sie, bei wem wir Molas gekauft und was wir dafür bezahlt haben.
Etwas wehmütig trennen wir uns von dem traumhaften Platz, hier hätten wir gut noch ein paar Tage oder Wochen verbringen können. Wir werden mit einem perfekten Segeltag beschenkt, toller Segelwind und kaum Welle hinter dem schützenden Riff. Wir segeln an unzähligen kleinen Inseln vorbei. Viele sehen aus wie Palmeninseln im Comic, etwas weißer Sand, einige Kokospalmen umgeben von blauem Wasser (dazu passt dann sehr gut der Comichai, der die Flosse zeigt).
Schließlich ankern wir wieder bei Uchutupu Dummat in den Chichime Cays, unserem ersten Ankerplatz in den San Blas. Neben dem Boot finden wir einen sehr schönen Schnorchelplatz. Viele verschiedene Korallen bieten unterschiedlichen Fischen hier einen Lebensraum. Wir schnorcheln vor und nach dem verspäteten Mittagessen. Nachmittags wollen wir uns die Insel ansehen und umrunden sie zu Fuß. Wir sind schockiert. Dies ist die mit Abstand dreckigste Insel die wir besucht haben. Auf der anderen Seite der Insel liegen etwa zwanzig Boote zwischen Riff und Insel und schmeißen ihren Biomüll ins Wasser, die Ananasschale, die gammeligen Tomaten und die halben Gurken schwappen dann zwischen dem ganzen Plastikmüll am Ufer. Da hilft es wenig, dass das Wasser leuchtend blau ist. Auf der Insel sind eine Menge Touristen, die einen kommen als Tagesgäste und werden abends vom Motorboot abgeholt, die anderen wohnen in einfachen Hütten oder Zelten. Sie alle scheint es nicht zu stören, dass unter jeder Palme mindestens eine Bierdose liegt, dass kaputte Zelte am Ufer im Sand liegen oder dass sich im Inneren der Insel lauter Plastikflaschen anhäufen. Auf dieser Insel möchten wir unsere Tage in den San Blas nicht ausklingen lassen, wir genießen den Abend lieber im Cockpit.
Die Nacht ist unruhig, leider dreht der Wind auf Nordwest, wir liegen wenig geschützt und rollen im Schwell. Dienstagmorgen brechen wir früh auf, damit wir die Strecke bis nach Isla Linton bei Tageslicht schaffen. Wir kommen gut voran, segeln diesmal dicht unter der Küste und genießen den Blick auf die grünen Berge, die die dichten Wolken ab und an freigeben. Unterwegs sehen wir immer wieder Portugiesische Galeeren, die Quallen sehen toll aus mit ihrem pinken Streifen im Segel, doch beim Baden möchte man sie nicht treffen. Nach gut neun Stunden ankern wir wieder in der Linton Bay am gleichen Platz wie beim letzten Mal.

Unser Fazit nach Besuch der San Blas Inseln:
Es hat uns hier sehr gut gefallen. Das Segeln in den kleinen Etappen zwischen den vielen Inseln und Riffen hat uns viel Spaß gemacht. Wir haben zahlreiche schöne Plätze gefunden, haben viel gebadet und geschnorchelt. Leider war es oft diesig und bewölkt und der Himmel sehr grau.
Gerne hätten wir hier mehr Zeit verbracht, weitere Inseln besucht und mehr über die Kultur der Kunas erfahren.
Leider ist dieses Paradies nicht nur vom Klimawandel bedroht, es steht zu befürchten, dass es im Plastikmüll untergeht, bevor der steigende Meeresspiegel die Insel versinken lässt.

 

Coco Bandero Cays

Nach einer sehr ruhigen Nacht bei Green Island beschliessen wir nach Coco Bandero zu segeln. Mit 4 Meilen ist das ein sehr uebersichtlicher Toern. Im Osten des Riffs liegen vier Inselchen bei denen wir Ankern wollen. Eine Handvoll Yachten liegen bereits hier, doch es genuegend Platz. Wir sind mit Abstand das kleinste Boot.
Ein Kuna Mann kommt im Kanu vorbeigesegelt und winkt mit einer Languste. Wir winken zurueck, damit steht das Abendessen fest. Dazu wuerden wir gerne Knoblauch-Mayonnaise und Baguette essen. Unser (selbstgebackenes) Brot ist aber fast aufgegessen. Ich entscheide Weissbrot zu backen. Nun bestimmt das Brot den Rhythmus. Teig kneten, waehrend er geht, die Zeit zum Schnorcheln nutzen, Brot formen und in den Omnia legen, Baden und anschliessend das Brot backen.
Nachmittags besuchen wir zwei der Inseln mit dem Schlauchboot. Die Inseln sind schnell umrundet. Wir machen kitschige Strandfotos und werden ziemlich nass, als wir unser Schlauchboot wieder ins Wasser schieben. Olosicuidup ist bewohnt und hat Einfamilienhaus-Grundstueck-Groesse, vielleicht 700 m2. Eine Familie mit vier Maedchen wohnt in einer winzigen Huette mit Haengematten. Wir beobachten uns gegenseitig und winken uns ab und zu. Die Maedels spielen Basketball, als Korb dient ein Rettungsring an einer Palme. Abends wird Vaters Kanu mit vereinten Kraeften an Land gezogen. Waehrend wir unsere Langusten essen, brennt an Land ein Feuer, sonst ist es absolut dunkel. Wie es wohl ist auf so einer kleinen Insel zu leben?
Der Platz gefaellt uns, wir bleiben noch einen Tag. Leider ist es heute wieder sehr grau. Zeit Tueddelkram zu erledigen. Trotz des grauen Wetters haben wir jede Menge Entertainment. Anscheinend liegen wir hier in einem Nest‘ der World ARC. Die World ARC ist eine Segel-Rally um die Welt. Auf dem englischen Schiff querab von uns ist eine Bombenstimmung, dort traegt man vorzugsweise Adamskostuem und erfreut sich an den schockierten Reaktionen der Amerikaner. Neuankoemmlinge werden per Funk bei der Ankerplatzwahl beraten und es herrscht ein reger Dinghi-Verkehr. Ein bisschen neidisch bin ich auf den aufblasbaren, schwimmenden Sessel der Nachbarn. Das Ding ist allerdings groesser als unser Dinghi Trotzdem ist es hier nicht ueberfuellt, jeder kann den Platz finden, den er sucht.
Schweren Herzens haben wir uns entschieden unseren Termin am 30. Januar in der Shelter Bay Marina, in Colon zu bestaetigen. Es gaebe noch so viel zu entdecken, gerne wuerden wir die Inseln weiter im Osten besuchen, in den Mangroven am Festland ankern, die Inseln im Golf de San Blas besuchen und Yessica auf ihrer Insel besuchen. Yessica hat uns gestern wunderschoene Molas verkauft und uns einen Ankerplatz in der Naehe der Insel auf der sie wohnt empfohlen. Trotz allem, fuer uns geht es nun wieder westwaerts.

Von Inselchen zu Inselchen

Ukupsui, Achudup, Salardup, Banedup, Myriadup, … Dup heißt Insel. Hier gibt es für jeden Tag eine, oder zumindest eine ganz kleine.
Mittwoch sind wir an einen Platz hinter Myriadup umgezogen. Nur 3 Meilen entfernt von dem Platz an dem wir zuvor lagen. Diesen Platz hatten wir ganz für uns alleine. Auf der einen Seite von Myriadup wohnt eine Familie. Nachmittags kommen die Eltern mit ihren beiden kleinen Kindern mit dem Kanu längsseite und fragen nach Wasser. Auf den kleinen Inseln gibt es kein Frischwasser. Wir schenken ihnen außerdem den Rest von unserem Nescafé, der hier anscheinend sehr beliebt ist. Sie freuen sich sehr und beschenken uns mit Fisch. Vielleicht Barakuda? Dass Kopf und Schwanz fehlen erschwert die Bestimmung. Da wir vorher bereits einen Bonito gekauft haben, gibt es zum Abendessen nun reichlich Fisch und wir starten eine kleine Versuchsreihe. Nach Bonito in Limette und Kokosmilch (roh), Bonito in Sojasoße und Sesam gebraten, Bonito pur gebraten und Barrakuda-Steaks sind wir sehr, sehr satt. Für eine Fischsuppe am nächsten Mittag hat es auch noch gereicht.
Die Jungs, die uns den Fisch verkauft haben waren keine Verkaufsprofis, schüchtern haben sie den Fisch hochgehalten, sind erst näher gekommen, als wir sie herangewinkt haben und wollten zwei Dollar für einen Fisch haben. Ganz anders die junge Frau, die uns zwei Tage zuvor eine Mola verkauft hat. Zack, saß sie bei uns im Cockpit, so schnell konnten wir gar nicht gucken. Wir haben uns eine sehr schöne Mola ausgesucht, Nobbi hat sie runter gehandelt, am Ende waren alle zufrieden. Einen Stift haben wir ihr gerne geschenkt, unser Fernglas haben wir aber nicht hergegeben.
Bevor wir am nächsten Tag weiterziehen wollen wir uns die Insel ansehen. Es wird gebaut, außerdem sieht es aus als würde die Insel auseinander brechen. Ein junger Mann kommt uns entgegen als wir unser Boot an den Strand ziehen. Wir dürfen uns umsehen, aber keine Fotos machen, sie haben keine Lizenz. Ob sie für den Bau der Hütten, die ein Hotel werden sollen, keine Lizenz haben oder für das Abholzen der Mangroven oder für Ausfahren mit Touristen, verstehen wir nicht. Die neuen Hütten mit ihren grünen Dächern und Holzwänden passen gut unter die Palmen, doch wir fragen uns wie lange die Insel den Hotelbetrieb erleben wird. Sie flachen Inseln sind bedroht, durch den Anstieg des Meeresspiegels und durch starke Stürme. Aus der Insel sind bereits zwei geworden und die Wellen, die über das Riff donnern nagen an dem schmalen Streifen Land. Nun werden die Mangroven abgeholzt und die kleine Insel noch mehr der Gewalt der Wellen ausgesetzt.
Wir holen den Anker auf, verlassen vorsichtig den flachen Bereich und segeln entspannt innerhalb des Riffs nach Osten. Überall gibt es kleine Riffe und versunkene Inseln, die man mal sehr gut, mal gar nicht sieht. Wir steuern den Ankerplatz hinter Kanlildup oder Green Island an. Im Osten der Insel liegen schon viele Yachten, im Westen der Insel ist noch Platz. Ein sehr schöner Platz. Blaues Wasser eingerahmt von türkisenen, flachen Bereichen, eine palmenbestandene Insel mit weißem Stand. Den ganzen Nachmittag schwimmt eine Schildköte in der Nähe von Mari. Nachmittags machen wir einen Spaziergang auf der Insel, hier gibt es keine Mangroven, nur Kokospalmen, ein paar Gräser, ein paar kleine den bodenbedeckende Pflanzen und einige Vögel. Leider sehen wir auch hier sehr viel Plastikmüll, hauptsächlich Plastikflaschen.
Vor zwei Tagen saßen wir gerade gemütlich im Cockpit, da macht es Pfüüüüüt. Unsere Gasflasche! Der Boden ist durchgerostet. Zum Glück war kaum noch Gas in der Flasche, wir haben den Schlauch abgenommen und sie einmal aufgedreht, da war sie gleich leer. Sie hat ein Loch im Boden. Einfach durchgerostet. Da hilft es uns wenig, dass draufsteht, dass sie bis 2023 getestet ist… Wir hatten bereits nachdem uns die erste deutsche Gasflasche durchgerostet ist beschlossen, dass wir diese auch loswerden wollen und haben uns auf Bonaire eine amerikanische Flasche aus Kevlar gekauft, die kann nicht rosten. So erlebt man immer etwas an Bord, auch wenn man eigentlich nur einen gemütlichen Tag am Anker verbringen wollte.