Heiße Quellen und Wasserfälle

Ganz ruhig ist es an unserem neuen Ankerplatz nicht. Ist die Straße in der Nähe? Nein! Das Rauschen stammt von den Wasserfällen. Einen sehen wir vom Ankerplatz, aber auch am anderen Ufer scheint es einen Wasserfall zu geben, den wir nicht sehen aber hören.
Im Norden der Baie de Prony münden mehrere Flüsse in die große Bucht, außerdem unzählige kleine Bäche. Wir lassen unseren Anker zunächst in der Baie de Kaori, der östlichen Bucht fallen. Unser Ankerplatz ist von grünen Hügeln umgeben. An anderen Stellen haben die grünen Hänge rote Wunden. Bodenerosion ist hier ein großes Problem. Beim intensiven Abbau von Nickel und anderen Rohstoffen wurden ganze Bergkuppen abgetragen, hinzukommt die Abholzung der ursprünglichen Wälder. Zurück bleiben rote Hänge.
Mit Donkey rudern wir den Fluss hoch. Genauer gesagt rudert Nobbi, ich weise nur den Weg. Wir haben mehr Gegenstrom als gedacht, da wir so wenig Tiefgang haben und ohne Außenborder unterwegs sind können wir uns nahe an den Mangroven am Ufer halten und so dem stärksten Strom ausweichen.
Hier gibt es eine heiße Quelle. Ein Holzdeck fasst ein kleines Becken ein, es gibt mehrere Bänke und einen überdachten Tisch. Ein hübscher Platz. Der Badeplatz ist überraschenderweise besetzt. Drei junge Frauen genießen das warme Wasser. Also entscheiden wir uns zunächst zum nahegelegenen Wasserfall zu laufen. Der Wasserfall ist nicht hoch und bildet mehrere kleine Becken. Wir suchen uns eins zum Baden aus und sind überrascht, dass das Wasser gar nicht kalt ist. Anschließend baden wir natürlich auch noch in der heißen Quelle, das Badewasser ist nicht heiß, aber angenehm warm. Es gibt noch weitere heiße Quellen in der Nähe, doch nur hier gibt es eine so schöne Badewanne. Zwei Frischwasserbäder an einem Tag, was für ein Luxus.
Auf dem Rückweg machen mit Donkey einen Abstecher in die Mangroven und klettern in einem weiteren Wasserfall herum. Zwischen den Wurzeln der Mangroven ist das Wasser ganz klar und wir sehen viele kleine Fische.
Nachts spiegeln sich die Sterne im glatten Wasser und die Unterwasserwelt beschert uns ein Biolumineszenz-Feuerwerk. Es leuchtete und blinkt. Unter uns ist einiges los.
Am nächsten Morgen suchen wir einen Platz an dem wir vom Ufer auf den Wanderweg kommen. Heute wandern wir zum Wasserfall. Der Weg ist schön, einfach zu laufen und häufig im Schatten. Immer wieder führt er über oder durch kleine Bäche. Die Reste eines kleinen Dorfs sind inzwischen fast verschwunden. Natürlich nehmen wir wieder ein Bad im Wasserfall, wechseln aufs andere Ufer und folgen dem Weg ein ganzes Stück den Berg hinauf, bis wir einen schönen Blick über die Bucht haben.
In dieser Bucht gibt es noch einige interessante Wanderwege, doch wir ziehen in die Nachbarbucht um. In die Baie de Carenage. Unsere Tagesetappe ist tatsächlich 1 Meile kurz. Trotzdem sind wir ganz gut beschäftigt. Der rote Boden, den wir schon von unseren verfärbten Füßen und Crocs kennen, sitzt auch in unserer Ankerkette. Wir versuchen unsere Kette einigermaßen sauber zu stauen, da hilft nur spülen mit den Eimer. Und hinterher muss der Schlamm vom Deck. Wir wissen ja inzwischen wie farbecht die Flecken sind.
Vom neuen Ankerplatz wandern wir den Rivière de Carénage entlang. Und wieder führt unsere Weg zu einem Wasserfall. Der Anfang des Weges ist ziemlich schlammig, dann folgt ein schöner Wanderweg. Der Abstieg zum Wasserfall ist sportlich und bei Regen sicherlich nicht zu empfehlen. Doch es lohnt sich. Wir baden in einem Becken unterhalb der Twinfalls, des doppelten Wasserfalls, lassen uns auf den Steinen trocken und essen hier unseren Kuchen bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Wir sind ganz begeistert von den schön angelegten und sehr gepflegten Wanderwegen, den tollen Wasserfällen, Stromschnellen und Ausblicken. Es könnte sein, dass wir zurückkehren noch mehr Frischwasserbäder nehmen, doch jetzt zieht es uns weiter.

Ilot Casy

Auf unserer Fahrt durch die Baie de Prony kommen wir an einer Verladeeinrichtung für Nickelerz vorbei. Ein großes Schiff wartet darauf beladen zu werden, auf einem langen Förderband wird das Erz ans Wasser transportiert. Das denken wir zumindest zu diesem Zeitpunkt. Später stellen wir fest, dass das Schiff anscheinend leer wieder abfährt. Es hat also etwas gebracht? Wir werden es weiter beobachten. Auf jeden Fall liegt hier die Goro Mine und auch irgendwelche Verarbeitungsanlagen.
Unsere Reise ist wieder kurz. Nach fünf Meilen erreichen wir unser Ziel. Diesmal fischen wir eine Boje an der Ilot Casy, einer Insel, die mitten in der Baie de Prony liegt. Alle elf Bojen auf der Westseite sind frei und wir entscheiden uns für eine auf vier Metern Wassertiefe. Es ist kitschig schön. An einen schmalen weißen Stand schwappt türkises Wasser, schwarze Felsen setzten Akzente und grüne Bäume recken sich in den blauen Himmel. Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein sehen kann.
Wir rudern an Land und laufen um die Insel. Auf dem höchsten Punkt machen wir ein kleines Pique- Nique (wie man hier sagt). Es gibt viel zu entdecken. Die Insel wurde, wie auch die umliegenden Hänge, abgeholzt. 1891 waren alle Bäume gerodet und die Holzindustrie kam hier zum Erliegen. Heute ist die kleine Insel unbewohnt. Noch bis 1993 wohnte eine Familie hier und bis 2017 ein Hund, der in der Seglerszene eine gewisse Popularität erlangte.
Die Insel ist jetzt wieder dicht bewachsen. Seltsam aussehende Nadelbäume, unterschiedliche Laubbäume und verschiedene Palmen bilden einen schönen Wald durch den sich der Weg schlängelt.
Abends kommt eine zweite Yacht und fischt eine Boje auf der anderen Seite der Bucht. Nachts schläft der Wind ein, ist ganz ruhig und ein wunderschöner Sternenhimmel zeigt sich. So ruhig und friedlich der Freitag verlief, so turbulent wird das Wochenende. Beim ersten Kaffee im Cockpit winken wir den Nachbarn, die genau wie wir erstmal baden. Dann geht es los. Ein Ausflugskatamaran mit einer Gruppe quiekender Frauen macht einen Zwischenstopp, ein Schlauchboot und eine kleine Fähre bringen Tagestouristen. Kühltaschen und Luftmatratzen werden ausgeladen, Kinder plantschen im flachen Wasser, SUPs werden durch die Bucht gepaddelt und Picknick Plätze im Schatten ausgesucht. Wirklich voll wird es nie. Wir machen mit und unternehmen jeden Tag einen ausgiebigen Spaziergang auf der Insel. Immer wieder entdecken wir tolle Pflanzen, wie die fleischfressenden Exemplare, die Kannen ausgebildet haben, in denen kleine Insekten ertrinken oder kleine Bäume, deren Wurzeln ganze Felsbrocken umarmen. Nachmittags wird ausgiebig geschnorchelt. Die Korallen in der Bucht sind ziemlich kaputt, trotzdem gibt es eine Vielzahl interessanter Fische zusehen. Mein Highlight ist der winzige, gelbe Kofferfisch. Wir sehen unsere erste Seeschlage in Neukaledonien, von denen soll es hier sehr viele geben und in der Bucht wohnt mindestens eine Schildkröte.
Eine kleine Gruppe Ausflügler schlägt ein Zeltlager auf und übernachtet auf der Insel, die meisten jedoch werden nachmittags wieder abgeholt. Ein kleines Motorboot bleibt ebenfalls über Nacht und eine Luxusyacht macht an der einzigen Tonne für große Yachten fest. Das Dinghi wird mit dem Kran zu Wasser gelassen, während auf dem Achterschiff die Servietten fürs Abendessen gefaltet werden. Es gibt den ganzen Tag interessante Unterhaltung. Auch Sonntag kommen einige Besucher auf die Insel, die Camper werden wieder abgeholt und die anderen Boote gehen Anker auf. Nachts schläft, wie so oft, der Wind ein und die Sterne spiegeln sich im glatten Wasser.
Heute (Montag) wollten wir eigentlich weiterziehen, doch beim Frühstück ist es einfach zu schön zum Absegeln. Wann hat man schon mal eine Insel ganz für sich allein. Also bleiben wir. Vielleicht geht es morgen weiter.

Ile Uere und Anse Majic

Montagmorgen kaufen wir drei Baguettes und melden uns in der Marina ab. Unsere Tagesetappe ist mit fünf Meilen übersichtlich. Wir lassen unseren Anker in der halbmondförmigen Bucht von Ile Uere mit Blick auf Nouméa fallen. Da wir es nicht eilig haben, beschließen wir noch einen Tag zu bleiben und erkunden ausgiebig die kleine unbewohnte Insel. Ein Rochen begleitet unseren Spaziergang am Strand und bei unserem Picknick beobachten wir niedliche Finken mit rotem Hals. Nachmittags kommen drei weitere Segler in die Bucht und die Ruhe wird durch Böen, die von einer dicken Wolke gebracht werden unterbrochen. Dann ist es wieder ganz gemütlich. Abends wird es nochmal interessant. Sechs junge Soldaten werden auf der Insel abgesetzt. Wir malen uns aus, wie sie sich jetzt Tage lang dort durchschlagen werden, doch am spätem Abend kommt ein Schlauchboot und holt sie wieder ab.
Am nächsten Morgen brechen wir vor dem Frühstück auf. Wir wollen eine längere Strecke zurücklegen. Unser Ziel liegt in Richtung der Hauptwindrichtung, deshalb wollen wir den windarmen Morgen nutzen, da der Wind hier mittags meistens deutlich an Stärke zulegt, gilt es morgens gut voranzukommen. Wir werden immer wieder von einem Delfin besucht und tuckern frühstückend nach Osten. Im Canal Woodin soll bis zu zwei Knoten Strom setzen, nur wissen wir nicht wann es wohin strömt. Wir haben Glück, der Strom schiebt uns mit voller Stärke. Somit ist die Entscheidung gefallen, wir fahren noch ein bisschen weiter und biegen in die große Baie de Prony ab. Das ist eine tiefe große Bucht mit vielen kleinen Einschnitten. Mittags fischen wir eine der Bojen in der Anse Majic. Hier gibt es ein kleines Schutzgebiet, deshalb soll man nicht ankern sondern eine der Bojen benutzen. Sehr praktisch. Wir haben die freie Auswahl und suchen uns die schönste Boje aus.
Wir lassen Donkey, unser Bananaboot zu Wasser und paddeln an Land. Hier gibt es einen Wanderweg, der zum Leuchtturm führt. Es beginnt zu tröpfeln, aber wir laufen weiter. Der Weg wird steiler und rutschiger, als wir den Wald verlassen nimmt der Regen zu. Wir beschließen trotzdem weiter zu laufen, nass sind wir ohnehin. Der Wanderweg ist richtig schön, der schlängelt sich durch eine abwechslungsreiche Vegetation und ist sehr gepflegt mit Stufen und Wasserablauf. Leider können wir es nicht so richtig genießen, inzwischen regnet es sehr ergiebig, wir sind klatschnass und das viele Wasser nimmt die Abkürzung über den Wanderweg. Nobbi rutscht aus, tut sich zum Glück nichts, ist jetzt aber rot gefärbt. Die Erde hier färbt sehr intensiv und die Verfärbungen sind praktisch nicht zu entfernen, wie wir später feststellen werden. Das Ganze ist nur deshalb noch ganz lustig, weil wir unsere Hüte aufgesetzt haben, wenigstens die Köpfe bleiben trocken. Wir erreichen das Observatorium, einen Unterstand mit Blick auf die Küste. Hier legen wir eine Pause ein, nutzen die Ferngläser, trocken ein wenig und warten den nächsten Schauer ab. Vom Aussichtspunkt soll man Wale beobachten können, leider zeigen sie sich heute nicht. Von hier sind es nur ein paar Minuten Fußweg zum Leuchtturm, den wir natürlich auch besuchen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Wir wählen den leichteren etwas weniger steilen Weg durch den Wald, den wir noch ein wenig schöner finden. Als wir zurück auf Mari sind, kommt die Sonne raus und wir baden um die hartnäckige rote Erde abzuwaschen.
Morgens um fünf wachen wir beide vom unglaublichen Vogelkonzert auf. Die (später) aufgehende Sonne lässt die grünen Bäume leuchten, die rote Erde bildet einen tollen Kontrast und das dunkelblaue Wasser einen passenden Rahmen. Uns gefällt der Platz. Und, wir wollen uns den Wanderweg noch einmal, diesmal im Trockenen ansehen. Es ist ein Rundweg, also eigentlich eine acht, so dass wir ihn diesmal anders herum laufen. Heute ist der Blick vom Observatorium grandios. Die Riffe leuchten türkis, das Wasser dunkelblau. Wir sehen die Ile de Pins in der Ferne und überblicken den Kanal durch den wir am Tag zuvor gekommen sind und wir können durchs Fernglas sogar Meeresschildkröten beobachten.
Beide Tage haben wir die Wanderung in Crocs gemacht. Meine gelben Crocs sind nun ziemlich rot, auf Nobbis roten fällt es nicht so auf. Da uns die rote Erde hier noch einige Zeit erhalten bleibt, werde ich wohl weiter in Crocs wandern, dann bleiben die Wanderschuhe verschont.
Freitagmorgens kommt ein kleines Motorboot in die Bucht, die beiden Männer wollen die Bojen austauschen. Wir sind beruhigt, dass die Bojen so gut gepflegt werden und ziehen noch vor dem Frühstück weiter.

Das mobile Netz ist hier sehr gut, aber die Datenpakete sind sehr teuer. Mehr Bilder gibt es, wenn wir WLAN finden, doch das ist wohl nur in Nouméa der Fall.

Marinaleben, Museum und Karneval

Nouméa und die Marina Port Moselle ist ein Ort an dem wir hängen bleiben könnten. Das Leben ist angenehm und leicht. Wir erledigen einige Kleinigkeiten am Boot, ein Schalter wird eingebaut, ein paar Teile die wir nicht mehr brauchen ausgebaut, ein bisschen Edelstahl poliert, ein paar Rostflecken vom Deck entfernt und wir bekommen neue Kopfkissenbezüge. In einem kleinen Laden finden wir schönen Stoff, aus dem ich neue Bezüge nähe. Die Nähmaschine weigert sich den Stoff zu transportieren und kommt so zu einer Generalüberholung. Danach hat sie wieder Lust zu nähen. Wir spazieren über die Stege und schauen uns die Boote an. Hier gibt es viele Kuriositäten und viele Schiffe mit liebevoll verziertem Bug. Wir bummeln über den Markt, kaufen erste Souvenirs und machen einen Abstecher in einen Tauchladen, wo Nobbi neue Shorts bekommt. Eine Hose ist auch fürs Bootsleben ein bisschen zu wenig.
Das Kreuzfahrtterminal ist ein modernes Gebäude mit Restaurants und Läden. Die Restaurants sind am Wochenende gut besucht, ansonsten ist es recht leer. Zurzeit kommen keine Kreuzfahrtschiffe. Das Maritime Museum sieht geschlossen aus, ist es aber nicht. Ich bin erst nicht überzeugt, dass wir schon wieder ein Maritimes Museum besuchen müssen, lasse mich aber von Nobbi überzeugen. Zum Glück. Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet, alle Schilder sind auf Französisch und Englisch und wir lernen viel über die Besiedelung Neukaledoniens. Es gibt viele Stationen für Kinder, aber nicht nur für Kinder. Wir haben viel Spaß dabei Sternenbilder des Südhimmels zu suchen und Kanus zu bauen.
Gestern Abend war Karneval in Nouméa. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wer hätte gedacht, dass wir nach Cadiz und Salvador nun auch in Nouméa Karneval erleben. Ein fröhlicher, liebevoll gestalteter Umzug zog durch die Innenstadt. Gute Musik und gute Laune. Ein richtiges Familienfest.
Bevor wie hier tatsächlich Wurzeln schlagen, werden wir die Marina morgen verlassen. Auf dem Markt haben wir heute unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt. Morgenfrüh kaufen wir frisches Baguette und dann kann es weitergehen. Wir werden auf jeden Fall nach Nouméa zurückkommen. Hier laufen alle Wege zusammen und nur hier können wir aus Neukaledonien wieder ausklarieren.

Die ersten Tage in Neukaledonien

Wir sind in Frankreich. Neukaledonien ist Französisch, gehört aber nicht zur EU. Es ist etwa 18000 km2 groß, weil man sich darunter nichts vorstellen kann, habe ich nach einer etwa gleichgroßen Fläche gesucht und festgestellt, dass Neukaledonien und Sachsen etwa die gleiche Größe haben.
Die Hauptinsel Grande Terre ist ungefähr 400km lang und 50 bis 60 km breit. Längs über die Insel verläuft eine Bergkette, der höchste Berg ist der Mont Panié mit 1628 m. Die Insel ist umgeben von einem riesigen Barriere Riff, das als eins der größten Korallenriffe gilt. Zu Neukaledonien gehören außerdem die Loyalitätsinseln und die Ile des Pins, sowie weitere Riffe und Inseln.
Die Benennung als Neuschottland erfolgte, wie sollte es auch anders sein, durch James Cook. 1774 war er als erster Europäer hier unterwegs, sein Aufenthalt dauerte nur neun Tage. Überraschend kurz, finde ich.

Bezahlt wird hier mit dem Pazifik Franc (XPF), der direkt an den Euro gebunden ist. Wir kennen die bunten Scheine schon. Der Franc ist auch Zahlungsmittel in Französisch Polynesien (und in Wallis und Futuna). Eine Seite der Scheine ist mit Motiven aus Französisch Polynesien gestaltet, die andere mit denen aus Neukaledonien.
Woher stammt das Geld? Der Tourismus ist weniger entwickelt als in den Nachbarländern wie den Cook Inseln oder Vanuatu. Der größte Arbeitgeber ist die Société de Nickel. Neukaledonien verfügt über große Nickelvorkommen. Je nach Quelle ist von 10 bis 25 % des weltweiten Vorkommens die Rede. Die großen Abweichungen der verschiedenen Zahlen kommen wohl dadurch zustande, dass unterschiedliche Vorkommen betrachtet werden. Das Zeug liegt nur selten rein, also elementar vor, sondern meistens in Form von Erzen, so auch hier. Das Nickelschmelzwerk liegt quasi in der Hauptstadt Nouméa. Wir haben es schon gesehen. Neukaledonien ist hochverschuldet und von finanziellen Zuschüssen des französischen Mutterlands, sowie von Krediten des französischen Staats abhängig.
Neukaledonien hat einen Sonderstatus unter den Auslandterritorien Frankreichs und verfügt seit 1988 über weitreichende Autonomie, das ist nicht zuletzt Tjibaous Verdienst. Trotzdem gibt es wieder eine Unabhängigkeitsbewegung. Bereits dreimal wurde über eine Unabhängigkeit von Frankreich abgestimmt. 2018 und 2020 stimmte jeweils nur die knappe Mehrheit für den Verbleib. Beim dritten Referendum stimmten über 95 % gegen eine Unabhängigkeit, dieses Referendum gilt jedoch als Umstritten, da die Corona-Pandemie den Wahlkampf erschwert hatte, es Boykottaufrufe und eine geringer Wahlbeteiligung gab.

In der Hauptstadt Nouméa leben 180.000 der 270.000 Einwohner. Damit ist Nouméa nicht nur die größte sondern auch die einzige „richtige“ Stadt und das Zentrum Neukaledoniens. Die Marina in der unsere Mari liegt, liegt mitten in der Stadt und ist ein toller Ausgangspunkt um die Stadt zu erkunden.
Wir finden eine geschlossene Kathedrale, ein Stück der Berliner Mauer, eine Bibliothek, die als Pavillon auf der Weltausstellung 1900 diente, und ein Museum im Rohbau. Das Museum Neukaledoniens wird leider gerade neugebaut. Die Pläne für das neue Museum sehen toll aus, sehr modern. Doch wir können jetzt eben nur die Baustelle besichtigen. Der zentrale Platz ist schön begrünt und lädt zu einer Pause ein. Die Bebauung ist eine wilde Mischung. Regierungsgebäude, Rathaus und Supermärkte, viele kleine Läden und sehr viele geschlossene Läden. Geschlossene metallene Rolltore. Überall sehen wir „A Louer“ – zu vermieten. Ob das schon lange so ist? Oder erst durch die Pandemie? Zwischen der Zweckbebauung aus Beton finden sich echte Perlen. Ältere, schöne Gebäude mit Fensterläden und neue Bauten mit gewagten Dachkonstruktionen.
Wir kaufen erste Souvenirs, eine SIM Karte und Seekrankheitsmittel. Dabei probieren wir unser Französisch aus und sind überrascht, die Neukaledonier sprechen nicht nur bereitwillig, sondern auch gut Englisch.

Mit dem Bus fahren wir zum Tjibaou Kulturzentrum. Busfahren ist sehr einfach. Es gibt viele Buslinien, übersichtliche Fahrpläne und Fahrkarten gibt es beim Fahrer oder am Automaten.
Jean Marie Tjibaou war Politiker und Anführer der kanakischen Unabhängigkeitsbewegung. Kanaken heißen die melanesischen Urbewohner Neukaledoniens. Die Kanaken sind mit 45 % die größte Bevölkerungsgruppe. Das Kulturzentrum zeigt kanakische Kunst. Es gibt Dauerausstellungen mit Schnitzereien, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst und wechselnde Ausstellungen, außerdem Konferenzräume, eine Bibliothek und ein Archiv. Das Kulturzentrum wurde von italienischen Architekten Renzo Piano entworfen und ist architektonisch sehr sehenswert. Auf dem Gelände kann man außerdem Hütten aus verschiedenen Teilen des Landes ansehen und es gibt den Kanaken Pfad, einen Weg, der die Verbindung der Menschen zu ihrem Land und die Verwendung der Pflanzen erklärt. Dass Geister wichtig sind, auch wenn wir ihre Bedeutung nicht verstehen, aber vielleicht wenigstens eine Ahnung ihrer Wichtigkeit bekommen, beginnen wir schon an der Kasse zu verstehen. Der Kassierer nimmt sich zeit und erklärt uns ausführlich, was wir auf dem Gelände alles sehen können und in welcher Reihenfolge wir die Ausstellungen besuchen sollen. Das Museum steht im südlichen Distrikt, also sollen wir die Hütte des Südens zuerst besuchen, eine Frage des Respekts. Hinterher können wir dann ruhig die Hütten der anderen Landesteile ansehen. Abschließend bekommen wir noch Tipps welche Statuen wir anfassen sollen, das bringt Glück. Natürlich halten wir uns an seine Empfehlungen, wir wollen keine Geister verärgern und Glück können wir doch immer gebrauchen.

Den Bus nehmen wir auch am nächsten Tag um zum Parc Forestier zu kommen. Im weitläufigen Park lernen wir viele einheimische Tiere und Pflanzen kennen. In der großen Anlage gibt es verschiedene Wege, auf denen man die unterschiedlichen Waldformen Neukaledoniens kennenlernt und viel über die endemischen Arten lernt. Der Anteil endemischer, also nur hier vorkommender Arten, ist mit 77% ungewöhnlich hoch.
Wir lernen den Kagu kennen, den Nationalvogel, einen blau-grauen, flugunfähigen Vogel, der etwa so groß ist wie ein Huhn und lustige Geräusche macht. Klar, auch er kommt nur in Neukaledonien vor. Genau wie die Cook Kiefer, die keine Kiefer ist sondern eine Araukaria nämlich Araucaria columnaris und es aufs Wappen geschafft hat. Von den 19 Aukarienarten gibt es 13 nur in Neukaledonien, einige von ihnen nur in ganz begrenzten Gebieten. Insgesamt werden etwa 3.000 Arten zur einheimischen Flora gezählt, das ist viel im Hinblick auf die geringe Landmasse. Neukaledonien ist also ein richtiges Botaniker-Paradies. Die Böden hier sind kompliziert, zum Teil sehr trocken, ultrabasisch und reich an Schwermetallen, dies dürfte zum hohen Maß der Endemie beigetragen haben, genauso wie die relative Abgeschiedenheit.
Aus einem Parkspaziergang wird eine ausgedehnte Wanderung, es gibt einfach so viel zu entdecken und neben uns sind nur eine Handvoll andere Besucher unterwegs. Neben den einheimischen Tieren und Pflanzen gibt es noch eine kleine Afrika Abteilung mit einem Strauß und einigen Affen, Papageien aus den verschiedenen Ecken des Planeten und einen kleinen „Bauernhof“ mit Schwein, Hirschen, Eseln und Kühen.

Uns scheint, wir sind in einem extrem interessanten Teil der Erde gelandet. Auch wenn wir davon nur einen winzigen Teil erkunden werden, freuen wir uns schon sehr darauf.

Ankunft in Noumea

Am Samstag sind wir nach sieben Tagen und sieben Stunden in Noumea angekommen. Rückblickend hatten wir eine sehr gute Überfahrt. Das Wetterfenster war ideal, wir sind nur in der ersten Nacht einige Meilen motort und konnten Opua – Noumea auf direktem Weg segeln. Unterwegs fühlte es sich nicht immer so ideal an. Wir hatten zwei Tage recht ruppigen Seegang, einen Tag eine Welle von gut vier Metern die uns ordentlich durchgeschüttelt hat. Wenn man in der Koje abhebt schläft es sich nicht so gut. Die 20 kn Wind in Böen, die vorausgesagt waren, waren doch oft 30kn. Immerhin immer aus der richtigen Richtung. Mich hat die Seekrankheit diesmal ziemlich arg erwischt, den dritten Tag habe ich bereits verdrängt, sonst würde ich nie wieder Hochseesegeln. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, wir hatten nur wenige Schauer und meistens haben sie nur ein paar Minuten gedauert. Jeden Tag wurde es etwas wärmer und der Kleiderberg, den wir uns zu Wachbeginn angezogen haben etwas kleiner. Nachdem einige unserer Bekannten grausames Wetter bei ihrer Überfahrt hatten, haben wir es wirklich gut getroffen. Dafür sind wir sehr dankbar. Es hat sich gelohnt, dass wir so lange gewartet haben.
Die Highlights der Reise waren (mal wieder) tierischer Natur. In der Bay of Islands sahen wir ein letztes Mal die niedlichen Pinguine. Fast ununterbrochen wurden wir von dunkelbraunen Sturmvögeln begleitet, die dicht übers Wasser gleiten und in hoher Geschwindigkeit neugierig ums Boot fliegen, ohne dass wir sie je mit den Flügeln schlagen sehen. Am ersten Tag sehen wir einen riesigen Albatros auf dem Wasser sitzen, an den folgen Tagen dürfen wir die großen Vögel stundenlang beobachten. Ein Pärchen fliegt synchron immer wieder Kringel um uns. Wunderschön. Was für ein Privileg, dass wir so lange Gelegenheit haben sie zu beobachten. Die Bestimmung der Art ist nicht ganz einfach, mehrere kommen in Frage. Wie bei vielen Vogelarten sehen jugendliche Albatrosse anders aus, als ihre ausgewachsenen Verwandten. Das macht es nicht einfacher. Um ganz sicher so sein, hätten wir uns den Schnabel aus der Nähe ansehen müssen, sagt unser Vogelbuch. Letztlich spielt es für uns jedoch keine Rolle. Mir macht es einfach Spaß im Vogelbuch zu blättern, Merkmale und Verbreitungskarten zu vergleichen. Albatrosse sind beeindruckende Tiere. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens in der Luft, fliegen tausende Meilen am Stück und sind sehr flott unterwegs. Die großen und schweren Vögel sind zwar schnell erschöpft wenn sie ihre langen Flügel einsetzen müssen, sind aber perfekte Segelflieger.
Als wir uns dem Pass nähern, der uns in Neukaledoniens große Lagune bringen soll, sehen wir wie sich die See auf beiden Seiten auf den Riffen bricht. Gischt fliegt durch die Luft. Doch was ist das? Ein Wal? Dicht vor uns sehen wir den Blas. Und dann nochmal. Er, oder wahrscheinlich sie, tut uns den Gefallen und bleibt noch ein wenig an der Wasseroberfläche. Durch den frischen Wind ist die Wasseroberfläche rau und wir können sie nicht so gut sehen, doch wir sind recht sicher, dass wir eine Buckelwal Mutter mit ihrem Nachwuchs getroffen haben. Ein tolles Empfangskomitee. Und als Zugabe gibt es dann auch noch eine große Schildköte mitten im Pass, sowie drei weitere auf dem Weg nach Noumea. Ein vielversprechender Anfang.


Wir würden gerne in die Marina fahren und rufen sie über Funk, doch unsere Rufe bleiben unbeantwortet. Als wir uns schließlich einen Platz zum Ankern in der Nähe des Hafens ausgeguckt haben, ruft Nobbi die Marina ein letztes Mal und als Antwort kommt ein Krächzen aus dem Funkgerät. Die Kommunikation ist erst etwas mühsam, aber dann bekommen wir Bescheid. „Ich habe einen Platz für euch. Ihr könnt mit Steuerbordseite anlegen. Ich winke euch.“ Der nette Marinero heißt uns willkommen und ruft die Offiziellen an. Nach nicht einmal einer Stunde ist die Dame von der Biosecurity da. Sie nimmt unseren Müll und unsere Kartoffeln mit. Unsere Zwiebeln durften wir behalten. Nachdem Nobbi ihr erklärt hat wie traurig er sei, dass sie seine geliebten Kartoffeln mitnimmt, hatte sie Mitleid und hat bei den Zwiebeln ein Auge zugedrückt. Die fröhliche junge Frau verrät uns, dass ihre Kollegen vom Zoll nicht mehr kommen und wir direkt losziehen können. Fürs Partyvergnügen sind wir viel zu müde. Wir trinken ein Glas Wein im Cockpit, genießen das Ankommen, lauschen den Geräuschen und stellen fest, dass das neue Land interessant riecht.
Heute hat das Marinabüro unsere Unterlagen zum Zoll geschickt und wir waren bei der Immigration. Nun sind wir offiziell eingereist und dürfen bleiben so lange wir wollen. Das war alles sehr einfach, kostenlos und ausgesprochen nett.
Nachdem wir Mari am Sonntag bereits vom Salz befreit, Wäsche gewaschen und heute ein wenig eingekauft haben, sind die meisten Pflichten bereits erfüllt und wir können uns den wichtigen Dingen widmen. Ein neues Land will entdeckt werden. Der erste Eindruck ist sehr vielversprechend!

Marisol 2. Staffel – Abschied von Neuseeland

Endlich! Die Wettervorhersage ist vielversprechend. Wir hoffen, dass das Wetter sich an die Vorhersage hält und werden morgen lossegeln. Neukaledonien ist unser Ziel. Falls wir nicht zu viele Schlangenlinien segeln, sind es 900 Meilen. Wir rechnen mit acht bis zehn Tagen Reisezeit.
Für uns ist die Zeit des Abschieds gekommen. Der letzte Sonnenuntergang an der Boje, das letzte Mal die Boje loswerfen, der letzte Einkauf im General Store und natürlich der Abschied von all den Menschen, die wir hier kennengelernt haben. Wir sind in die Marina umgezogen, das Dinghi liegt verpackt an Deck, die Wäsche ist gewaschen und das Ruder der Windsteueranlage angebaut. Wie immer fühlt sich der Abschied merkwürdig an, vermutlich werden wir nicht wiederkommen.
Es gäbe noch viel zu sehen in Neuseeland, doch wir sind froh, dass wir jetzt aufbrechen können. Die letzten Wochen waren sehr nass, der Regen hat das Leben an Bord ungemütlich gestaltet und viele Arbeiten an Bord unmöglich gemacht. Außerdem wird es Zeit, dass wir nach der langen Zwangspause endlich unsere Reise fortsetzen können. Es beginnt sozusagen die zweite Staffel. Wir freuen uns darauf wieder auf Reisen zu sein, in Bewegung, auf dem Weg zu neuen wunderbaren, aufregenden und schönen Plätzen.
Statt langweilige Fotos von den Vorbereitungen gibt es heute welche von den gefiederten Kollegen.

Sturmtage

Die letzten Tage hat es hier ausgiebig gestürmt. Wir haben ein bisschen gehadert, so gerne wären wir auf dem Weg nach Norden. Doch noch nie hat uns eine Wettervorhersage so deutlich gezeigt, dass wir jetzt nicht lossegeln wollen. Eine imposante Front zwischen Neukaledonien und Neuseeland hätte uns auf jeden Fall erwischt.
Am Dienstag hat es schon ganz ordentlich geweht und auch etwas geregnet. Wir sind mit dem Bus nach Kerikeri gefahren und Nobbi war beim Friseur. Der Rückweg mit dem Beiboot an Bord war schon recht feucht. Die kurzen steilen Wellen spritzten uns ziemlich nass.
Mittwoch und Donnerstag machen wir es uns an Bord gemütlich. Es stürmt und regnet heftig. Der Sturm kommt aus Nordosten und wir liegen hier gut geschützt. Die Böen pfeifen ganz ordentlich im Rigg. Wie unruhig es ist hängt von der Tide ab, bei „Wind gegen Strom“ knallen kleine Schwabbelwellen gegen das Heck. Am Donnerstag sehen wir am merkwürdigen Wellenbild, dass sich draußen hoher Schwell aufgebaut haben muss. Sieben Meter sollen es bei Cape Brett sein. Wie gut, dass wir hier drinnen sind und nicht auf See!
Der viele Regen sorgt dafür, dass das Wasser der Bucht wieder schlammig braun ist und nicht mehr dunkelgrün.

Winterstürme sind hier nichts Besonderes, sie gehören zum neuseeländischen Winterwetter. Doch dieser hat nicht nur uns Segler auf Trab gehalten. Die Nachrichten berichten von überfluteten Straßen. So war zum Beispiel der äußerste Norden der Nordinsel abgeschnitten, beide Zufahrtsstraßen standen unter Wasser. Viele Haushalte in der Region hatten am Donnerstag keinen Strom, genau wie hier in Opua. Aber auch die Südinsel hat ordentlich was abbekommen. Überflutete und abgerutschte Straßen und von der Außerwelt abgeschnittene Orte, außerdem wurden 500 Menschen evakuiert.
In 24 Stunden hat es mehr geregnet als sonst im ganzen Monat. Und das, nachdem schon der Juli der nasseste Juli seit Beginn der Aufzeichnung war. Außerdem lernen wir, dass die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die wärmste Augustnacht war, die jemals auf der Nordinsel gemessen wurde. Die Tiefsttemperatur lag bei 15 Grad und damit höher als die Tageshöchsttemperatur an vielen Tagen in der vorigen Woche. Wir hätten ja lieber den schönsten Winter aller Zeiten in Neuseeland verbracht. Leider hat das Wetter uns nicht gefragt.

Das Wetter am Donnerstag aus Windy.com. Windy zeigt ganz toll Druckgebilde und Winde an, deshalb benutzen wir es gerne. Diese Front sieht beeindruckend aus. Segeln will man da auf keinen Fall.

In den Nachrichten haben wir heute auch gelernt, dass in Kopenhagen kein Wind war. Insgesamt fallen die Nachrichten bei den meisten Radiosendern eher kurz aus. Ein paar neuseeländische Meldungen (hier geht es wilder zu als gedacht, schon wieder eine Leiche), Wetter und Sport. Nur selten tauchen internationale Meldungen auf und noch seltener beschäftigen sie sich mit Politik. Und wie kommt nun Kopenhagen in die Nachrichten? Dort ist SailGP, ein Segelwettbewerb der Extraklasse mit 15m langen foilenden Kats. Segeln ist hier so wichtig, dass die Absage von Wettfahrten es hier in die Nachrichten schafft.

Heute ist es wieder schön. Dank Sprühregen bei Sonnenschein haben zeigen sich viele Regenbögen.

Urupukapuka Bay

Samstag sollte eigentlich ein grauer Tag werden. Doch wir werden von der Sonne geweckt. Manchmal ist es auch schön, wenn der Wetterbericht Unrecht hat. Wir sind auf den Geschmack gekommen, die kleinen Inseln in der Bay of Islands gefallen uns. Also machen wir es wie an den Tagen zuvor und suchen uns einen Tagesankerplatz in einer schönen Bucht. Die Wahl fällt auf die Urupukapuka Bay auf der gleichnamigen Insel. Am Mittwoch waren wir auch auf Urupukapuka, aber in einer Bucht auf der Westseite der Insel. Die Bucht ist schön groß, aber ziemlich flach. Da wir mittags Niedrigwasser haben und gerade Vollmond ist, das Niedrigwasser ist also noch etwas niedriger, müssen wir ein bisschen vorsichtig sein.
Im Sommer ist in der Bucht ein Campingplatz. Jetzt wird der Rasen von vierbeinigen Rasenmähern gepflegt. Überall treffen wir auf Schafe, sowohl auf den Campingplatzflächen, als auch auf den dahinter liegenden Weiden. Viele Mutterschafe haben kleine Lämmer dabei. Sie beäugen uns interessiert und verstecken sich dann doch lieber hinter der Mutter.
Erstmal geht es rauf auf den Hügel und wieder gibt es tolle Ausblicke. Es gibt verschiedene Wege, wir machen eine schöne Runde und treffen auf eine Gruppe Tagesausflügler. Sie sind mit der Fähre in der Nachbarbucht angekommen und alle dick eingepackt. Außerdem treffen wir unsere Bojen-Nachbarn aus Opua am Strand, sie sammeln Algen, der Geheimtipp für den Garten. Leider weht der Südwest-Wind in die nach Süden offene Bucht und so entscheiden wir, wie an den vorigen Tagen auch, im Sinne einer entspannten Nacht umzuziehen.

Am Sonntag ist es grau und unsere Obstvorräte gehen zur Neige. Also fahren wir nach Russel um dort einzukaufen. Vor dem Ort ist ein Bojenfeld, in dem weniger als die Hälfte der Bojen besetzt sind. Da wir annehmen, dass alle Bojen privat sind, ankern wir außerhalb. Nach unserem Einkauf beschließen wir uns einen schöneren Platz für die Nacht zu suchen. Hier ist es etwas unruhig. Mitten in der Bay of Islands fällt uns auf, dass der Schwell der vom Pazifik kommt zugenommen hat und unser anvisierter Platz ungemütlich werden könnte. Wir ändern den gerade gefassten Plan schon wieder und beschließen wieder in der Bucht von Moturohia zu ankern, die uns neulich schon gut gefallen hatte. Diese Planänderung der Planänderung verschafft uns das Vergnügen von fast 2 Stunden wunderschönem Segeln, bis zu unserem Ankerplatz. Endlich.

Montagmorgen ist es grau und es nieselt. Wir machen uns auf den Rückweg nach Opua. Den angesagten Sturm wollen wir an der Boje verbringen. Außer uns ist am diesem grauen Wochentag niemand unterwegs, wir tuckern gemächlich dahin, wieder nichts mit Segeln, und sind äußerst zufrieden mit unserem schönen Ausflug. Wir haben einen schönen Eindruck von der Bay of Islands bekommen. An acht Plätzen haben wir in sechs Tagen geankert, hatten immer guten Ankergrund und einen schönen Ausblick.

Moturua – Waiwhapuku Bay

Freitagmorgen scheint die Sonne. Wir frühstücken im Cockpit, graben den Anker aus und machen uns auf den Weg zum nur 3 Meilen entfernten Ankerplatz in der Waiwhapuku Bay, im Nordosten der Insel Moturua.
Die Inseln gehören zum Teil dem Department of Conservation bzw. werden von diesem verwaltet. Unser Glück, denn hier dürfen wir spazieren gehen. Am „Festland“ ist das meiste Land in Privatbesitz und zahlreiche „Private Property“ Schilder weisen darauf hin, dass wir hier nicht erwünscht sind.
Auf Moturua finden wir genau wie auf Urupukapuka schöne Wege vor. Wir folgen dem Weg den Hügel hinauf und genießen den Ausblick über die Bay of Islands. Es gibt mehrere schöne Aussichtspunkte. Die grünen Inseln mit hellen Ständen und dunklen Felsen in leuchtend blauem Wasser, am blauen Himmel einige hingetupfte flauschige weiße Wolken. Unglaublich kitschig und sehr schön.
Zurück am Ufer klettern wir ein bisschen zwischen den Steinen am Stand umher. Es ist Niedrigwasser, in den kleinen Becken, die die Flut zurück gelassen hat beobachten wir kleine Fisch, Krebse und Krabben. Endlich wieder barfuß laufen, die Kiwis können das das ganze Jahr. Hier gefällt es uns auch.
Auf der Insel herumzuspazieren macht Spaß, doch die Temperatur ist grenzwertig. Sobald wir im Schatten sind oder stehenbleiben fangen wir an zu frieren. Zurück an Bord gibt es Kaffee im sonnigen Cockpit. Die Nacht wollen wir wieder in einer geschützteren Bucht verbringen, bei Süd bis Südwestwind liegen wir hier etwas unruhig. Bei der nur 2 Meilen langen Überfahrt bläst es plötzlich ordentlich mit 6 bis 7 Bft. Mal wieder werden wir daran erinnert, dass wir Winter haben. Plötzlich ist es kalt und die sommerlichen Gefühle werden weggepustet. Kurz nach Sonnenuntergang schläft der Wind ein und wir genießen eine sehr ruhige Vollmondnacht am Anker.