Wir warten auf den Frühling

Mir gefällt Bremen im Schnee. Wenn ich drinnen bin und Tee trinke. Wenn ich draußen durch tauenden Schneematsch wate oder am Sonntagmorgen vergebens auf die Abfahrt des Zugs hoffe, ist meine Begeisterung deutlich begrenzter. Puschelchen macht eine gute Figur als Schneetaube und ist hervorragend getarnt, allerdings wirkt sie nicht besonders begeistert. Ich glaube, sie freut sich auch aufs Frühjahr. Sie hat sich an einen windgeschützten Platz in den erfrorenen Geranien zurückgezogen. Bekommen Tauben eigentlich kalte Füße? Sollen wir unser Balkongeländer beheizen?
Wir träumen von der Südsee, lesen den Revierführer für Indonesien und hoffen auf die nächste Saison. Oder auf die übernächste. Und wir warten aufs Frühjahr. Corona macht einfach viel mehr Spaß, wenn man mit dem Rad über den Deich radeln kann.
Wer den Wetterbericht verfolgt weiß, dass wir noch etwas länger Frühling warten müssen. Zunächst soll der Winter zurückkommen.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest!

Wie ihr seht blühen die Geranien auf unserem Balkon noch immer (das Foto ist vom 21. Dezember). Puschelchen fühlt sich sehr wohl im Blumenkasten und trägt als echter Weihnachtsfan sogar eine Weihnachtsmütze.

Ein Ausflug nach Essen und Düsseldorf

Auch der November ist mit staatlich verordnetem Winterschlaf schnell vergangen.
Bremen hat uns einige goldene Herbsttage geschenkt. Anfang des Monats, als noch bunte Blätter an den Bäumen hingen, waren wir noch mal zum Wandern im Wald und sind bei schönem Wetter durch den Bürgerpark spaziert. Inzwischen hat es die meisten Blätter von den Bäumen geweht.
Unser Auto hat sein Leben ausgehaucht und wir haben einen Nachfolger gefunden, die Gänse haben ihre Formation geprobt und nach Süden abgelegt, sogar einen Schwarm Störche haben wir gesehen und Puschel, die weiße Taube, kommt immer noch.
Neulich, noch vor Beginn des Winterschlafs, haben wir Freunde besucht. Essen und Düsseldorf sind nicht weit voneinander, so ließ sich das hervorragend verbinden.
Die Essener sind angetreten uns zu überzeugen, dass Essen eine grüne Stadt ist, die einiges zu bieten hat. Und so beginnen wir unseren Besuch mit einem Waldspaziergang.
Pflichtprogramm für Essen-Besucher: eine Besichtigung der Zeche Zollverein. Wir machen eine tolle Führung in einer kleinen Gruppe. Natürlich kannten wir das Bild des imposanten Doppelbocks über Schacht 12, dem Wahrzeichen der Stadt. Sonst hatten wir eher keine Ahnung. Während der Führung lernen wir nicht nur, dass hier von 1851 bis 1986 Steinkohle gefördert wurde, sondern bekommen auch interessante Einblicke in den harten Arbeitsalltag. Unsere Führung endet auf dem Dach mit einem Blick über Essen und seine Nachbarstädte. Der Ausblick von da oben ist wirklich toll, Neu-Essener müssen Prüfungsfragen beantworten. Wir planlose Touristen dürfen einfach die Aussicht genießen.
Wir spazieren durch den Stadtteil „alte“ Margarethenhöhe. Die von Margarethe Krupp 1906 gestiftete Siedlung, deren Wohnungen nicht nur für die Angestellten waren, sollte attraktive Wohnbedingungen bieten und zählt zu den ersten Gartenstädten. Heute zählt der Stadtteil zu den beliebtesten Wohngegenden, etwas das wir gut verstehen können.
Wir bleiben gewissenmaßen der Familie Krupp treu und besuchen die Villa Hügel, das ehemalige Wohnhaus der Familie Krupp. Und wo wir schon mal da, sind sehen wir uns auch die Ausstellung an. Ein junger Mann versucht seine Freundin mit seinem Fachwissen zu beeindrucken und meint „ so eine Villa“ sei schon für 900.000 Euro zu haben. Ich habe so meine Zweifel, möchte das Rendezvous aber nicht stören.
Zum Abschluss eines vollen Tages laufen wir ein Stück am Baldeneysee, inzwischen schaut sogar die Sonne raus. Übrigens, Essen ist nicht nur eine grüne Stadt, sondern hat auch ein Herz für Tiere. Fische benutzen am Wehr im Balderneysee nicht die Treppe, sondern einen Aufzug. Hier gibt es das „Fischlift System“.
Nach einem interessanten gemeinsamen Wochenende machen wir abschließend noch einen schönen Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt von Hattingen und uns danach auf den kurzen Weg nach Düsseldorf. Dort spazieren wir am Rhein entlang und freuen uns, dass so viele Binnenschiffe unterwegs sind.
Unsere Gastgeber haben beschlossen, dass wir uns das Schifffahrtsmuseum ansehen sollen. Wir sind begeistert. Wir waren zwar schon in vielen Schifffahrtsmuseen, aber noch nie in einem Binnenschifffahrtsmuseum. Das Museum befindet sich im alten Schlossturm und gefällt uns sehr. Es ist liebevoll gestaltet, hat schöne Ausstellungsstücke und viele Stationen, an denen wir etwas ausprobieren können. Der Kapitän an meiner Seite entwickelt regelrecht Ehrgeiz beim Anlegen eines Frachters im Düsseldorfer Hafen.
Bevor es wieder zurück an die Weser geht, laufen wir natürlich noch mal am Rhein entlang. Als ich beginne Pläne zu schmieden, dass wir mit dem Rad den Rhein entlang fahren könnten, reagiert Nobbi mehr als zurückhaltend. Er will lieber von Neuseeland nach Neukaledonien segeln.

Herbstnotizen

Aus Neuseeland gibt es nichts Neues. Wir gehen davon aus, dass wir noch einige Zeit in Bremen verbringen müssen. Unserem Boot geht es gut. Segler, die in Neuseeland sind, haben sie besucht und uns Fotos geschickt. Zu wissen, dass unsere sich bester Gesundheit erfreut, ist für uns eine große Erleichterung.
Die Tage vergehen schnell und werden schon wieder deutlich kürzer. Zeit für einige Herbstnotizen!

Die Werbung der Bahn – ich kann mich zu einem gequälten Lächeln durchringen

Wir haben eine Postkarte aus Fakarava, Tuamotus, Französisch Polynesien bekommen und uns sehr darüber gefreut. Als wir letztes Jahr dort waren, hätten wir nicht gedacht, dass wir von dem schönen Südsee-Atoll jemals eine Postkarte bekommen würden. Vielen Dank an die Crew der Alrisha.
Als wir vor ein paar Wochen Besuch von Freunden hatten, denen wir natürlich Bremen zeigten, haben wir mal wieder festgestellt, was wir alles nicht wissen. Also haben wir beschlossen unsere Wissenslücken zu füllen und uns für eine Domführung und eine Rathausbesichtigung angemeldet. Jeder Bremer weiß, dass die Henne im zweiten Bogen von links in der Fassade des Rathauses sitzt. Wir haben uns das Rathaus mit seiner schönen oberen Rathaushalle angesehen und viel über eines der schönsten Gebäude Bremens gelernt. Das alte Rathaus wurde 1405 bis 1412 gebaut, im Laufe der Jahrhunderte wurde es umgebaut und erweitert. Die berühmte Fassade, die es zum schönsten Beispiel der Weserrenaissance macht, wurde von 1608 bis 1614 gebaut. Das neue Rathaus wurde von 1909 bis 1913 angebaut.
Bei einer Führung im St. Petri Dom unternehmen wir einen Streifzug durch die unterschiedlichsten Baustile. Im 11. Jhd. wurde eine romanische Kirche gebaut, die in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder umgebaut, renoviert und erweitert wurde. Für jeden ist etwas dabei. Mir gefällt am besten das spätgotische Netzgewölbe des nördlichen Seitenschiffs. Unsere Führung wurde durch ein schönes Orgelkonzert unterbrochen.

Für eine Segeleinladung ist uns fast kein Weg zu weit. Ein Tagestrip führte uns nach Dänemark. Wir bekamen einen wunderschönen Tag auf der Flensburger Förde geschenkt. Sonne, leichter Segelwind und nette Gesellschaft. Es war wirklich sehr schön, auch wenn wir Mari dadurch noch ein wenig mehr vermissen.
Ein berühmtes Segelschiff war in Bremen zu Besuch. Die Rainbow Warrior von Greenpeace lag in der Bremer Innenstadt. Also machten wir an einem furchtbar kalten, grauen Sonntagvormittag einen Spaziergang an der Schlachte, um uns das Schiff anzusehen.

Auch hatten wir wieder einige nette tierische Begegnungen. Lauter plüschige Raupen treffen wir auf unseren Spaziergängen und eine liest sogar Zeitung. Mein Lieblingsexemplar ist gelb und plüschig mit einem roten Pinsel. Die bunte, giftig aussehende Raupe ist ungefährlich und gehört zu einem unscheinbaren grauen Nachtfalter, dem Buchenrotschwanz.
Auf einer unserer Radtouren haben wir einen Seehund in der Weser gesehen. Dass es Seehunde in der Weser gibt ist nichts Neues. So weit landeinwärts, auf der Höhe von Vegesack, haben wir aber noch nie einen gesehen. Eine kleine Recherche hat ergeben, dass die unternehmungslustigen Viecher sogar schon am Weserwehr gesichtet wurden. Dort gibt es zwar eine Fischtreppe aber keine Seehundtreppe, ihnen ist der Weg landeinwärts also verwehrt.
Und, wir haben ein Flusspferd gestreichelt! Meine Mutter hat ein Rendezvous mit einem Flusspferd geschenkt bekommen und wir durften sie begleiten. Im Zoo Hannover haben wir eine Flusspferddame und ihren Pfleger getroffen. Wir haben Himba mit Salat gefüttert und durften sie kraulen und natürlich hat ihr Pfleger uns viel Interessantes über seine Schützlinge erzählt. Auch sonst hat uns der Zoo sehr gut gefallen, was sicherlich auch daran lag, dass es so leer war.
Und dann ist da noch Puschelchen. Da es so aussieht als würden wir den Winter in Bremen verbringen, hat unser Balkon ein Vogelhaus bekommen. Schon am ersten Tag haben die Vögel es besucht und wir sind mit Kleiber, Meise und Zaunkönig bereits gut bekannt. Seit über drei Wochen kommt eine hübsche weiße Taube zum Frühstück und zum Abendessen vorbei. Sie trägt einen eleganten Wintermantel mit dichten Federn an den Beinen und ist recht zutraulich. Vielleicht ist sie irgendwo abgehauen? Bei uns ist sie willkommen, wir freuen uns wenn sie bleibt.

Otti, mein Vater, ist siebzig geworden. Eine angemessene Party schien nicht angebracht, also fand sich schnell eine Mehrheit für eine Moselpartie. Wir buchten eine schöne Ferienwohnung in Pünderich und verbringen schöne Tage an der Mosel. Wir besuchen die Burg Eltz, wandern durch die Weinberge, sehen uns Trier an, essen lecker, feiern Geburtstag und trinken Moselwein.
Burg Eltz konnte niemals erobert werden, sie liegt verborgen in einem Seitental der Mosel. Der Fußweg zur Burg ist sehr schön und auch die Burg ist toll. Sie sieht aus wie man sich eine Burg vorstellt. Der älteste Teil ist ungefähr 850 Jahre alt. Nicht mehr so ganz junge Freunde von Bargeld kennen die Burg vielleicht vom 500-Mark-Schein.
Trier erleben wir zunächst im strömenden Regen. Aber selbst unter so ungünstigen Bedingungen gefällt uns die Stadt, die für sich den Titel der ältesten Stadt Deutschlands in Anspruch nimmt. Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt, die uns natürlich an den römischen Baudenkmälern vorbeiführt und an der berühmten Porta Nigra startet. Der Regen lässt nach, wir bummeln über den Marktplatz, laufen durch die Altstadt und sehen uns den Dom an. Die Domkirche ist die älteste Bischhofskirche Deutschlands und außerdem Teil einer der größten Kirchenanlagen Europas.
Natürlich wandern wir durch die Weinberge, genießen tolle Ausblicke auf den schönen Fluss und lernen Interessantes über die leckeren Trauben. Die kleine Geburtstagsreise runden wir mit selbstverständlich mit dem ein oder anderen Fläschchen Moselwein ab.

Sommer im Norden

Wir warten auf Nachricht, wie es mit unserer Reise weitergeht. Die Ungewissheit ist anstrengend und macht eine langfristige Planung unmöglich. Doch Neuseeland macht keine Anstalten uns einreisen zulassen. Für uns heißt es geduldig sein, nicht unsere Kernkompetenz!

Unser Wanderbuch zeigt uns immer wieder Ecken in der näheren Umgebung die wir noch nicht kennen. Wir freuen uns Zeit zu haben Familie und Freunde zu treffen, machen Besuche in der Umgebung und bekommen Besuch von lieben Segelfreunden, die auf der Durchreise einen Stopp bei uns einlegen.
Wir bemühen uns den unfreiwilligen Aufenthalt zu genießen. Zum Beispiel haben wir endlich eine Tour mit den Hafenbus in Bremerhaven gemacht, das wollten wir schon lange und hatten nie Zeit. Und wir sind seit Jahren auch mal wieder im Besitz eines Bibliothekausweis.
Auch im August haben wir wieder eine kleine Reise gemacht. Für fünf Nächte haben wir ein kleines Ferienhäuschen in Mölln gemietet und Ausflüge in die Umgebung unternommen. Wir waren in Lübeck und haben dort Marzipantorte gegessen, in Schwerin haben wir uns die wirklich außerordentlich schöne Innenstadt und das Schloss angesehen und in Ludwigslust sind wir durch den Schlosspark spaziert.
Von Lauenburg aus haben wir eine besonders schöne Wanderung in den Auen an der Elbe gemacht und in Mölln haben wir lange Abendspaziergänge unternommen. Wir waren verwundert, dass sich die meisten Feriengäste anscheinend auf die Küste konzentrieren. Ob bei unserer Wanderung um den Küchensee oder am Wisentgehege, oft waren wir ganz allein unterwegs.
Mitten auf dem Pazifik haben wir einen Podcast über die Nandus, die sich in Mecklenburg Vorpommern pudelwohl fühlen, gehört. Nun haben wir sie tatsächlich gesehen. Sie standen in einem Feld an der Landstraße und haben die Sonne genossen. Insgesamt hat es uns sehr gut gefallen und Glück mit dem Wetter hatten wir auch noch!
Im MARKK (so heißt das Völkerkundemuseum jetzt) in Hamburg gibt es die Sonderausstellung „Im Schatten von Venus“. Eine riesige Videoinstallation zeigt einen zum Leben erweckten Tapetenentwurf, der die Südsee-Expeditionen von James Cook und das Zusammentreffen mit den Südseebewohnern zeigt. Diese Ausstellung wollten wir gern sehen und wurden nicht enttäuscht, natürlich haben wir uns anschließend auf einen Streifzug durchs Museum begeben. Besonders gut hat uns die Masken-Ausstellung aus dem Westpazifik gefallen.
Letzte Woche waren wir in der Lüneburger Heide und waren erstaunt. Die Heide ist ein ziemlich populäres Ausflugsziel, obwohl wir unter der Woche bei durchwachsenem Wetter unterwegs waren, standen auf den Parkplätzen doch viele Autos, die auf ihre wandernden Besitzer warteten. Trotzdem haben wir bei unserem Spaziergang mehr Kühe gesehen als Menschen.
Am Schiffshebewerk in Scharnebeck im Elbe-Seitenkanal haben wir uns angesehen wie ein Schiff Aufzug fährt. Mit dem Schiffshebewerk werden maximal 38 m Höhenunterschied überwunden. Das Schiff fährt in eine riesige Wanne und diese wird dann hochgehoben bzw. hinuntergelassen. 21.000 Schiffe benutzen die Anlagen jährlich, darunter viele Sportboote. Die Tröge, also die „Wannen“ in denen die Schiffe transportiert werden, fassen Schiffe bis 100 m Länge.
So etwas Interessantes haben wir mit unserer Marisol noch nicht genutzt. Falls wir den Elbe-Seitenkanal befahren, um ihr das Schiffshebewerk zu zeigen, müssten wir allerdings den Mast legen.
Das Schiffshebewerk soll durch eine Schleuse ersetzt werden, um die Durchfahrt auch für längere Schiffe und Schubverbände zu ermöglichen.

Neuschwanstein statt Neuseeland

Gerne würden wir Neuigkeiten aus Neuseeland hören, wir wüssten gerne wann wir wieder zu unserer Mari reisen dürfen. Doch uns geht es wie allen anderen, wir wissen nichts. Bleibt uns nur das Beste aus unserem unfreiwilligen Aufenthalt zu machen.

Wir wollen die Zeit nutzen, bevor die südlichen Bundesländer Sommerferien bekommen und einen Ausflug in den tiefen Süden unternehmen. Rothenburg ob der Tauber wollen wir uns ansehen und einen Blick auf Neuschwanstein werfen.
In Creglingen an der romantischen Straßen finden wir eine tolle Ferienwohnung über einer Bäckerei. Hier wohnen wir die ersten Tage. Auf schmalen Straßen schlängeln wir uns durch kleine Orte. Immer auf der Grenze zwischen Baden Württemberg und Bayern. Uns gefallen die aufgeräumten Orte mit den vielen Blumen. Ob es hier ein Gesetz gibt, das Geranien an Häusern und Brücken vorschreibt? Uns gefällt es.

Rothenburg ist nur 20 Kilometer entfernt. Wir parken außerhalb der Stadtmauer und laufen in die Altstadt. Die Stimmung ist unwirklich. Rothenburg ist leer. Hinter uns kommt eine Familie durchs Stadttor, sonst ist niemand unterwegs. Wir streifen durch die Innenstadt, lassen uns durch die alten Gassen treiben und wandern auf der Stadtmauer um die schöne Stadt. Im Tourismusbüro erhalten wir die Beschreibung der vielen Türme und laufen nun von Turm zu Turm. Die mittelalterliche Altstadt ist gut erhalten bzw. wiederaufgebaut (fast die Hälfte der Häuser wurde im Krieg schwer beschädigt oder zerstört) und liebevoll gepflegt.
Mittags ist die Innenstadt belebter, viele Radwanderer machen ihre Mittagspause in Rothenburg. Trotzdem ist es ungewöhnlich leer, viele Souvenirgeschäfte und Gaststätten bleiben geschlossen. Nachmittags beschließen wird, dass wir genügend Kilometer auf dem Kopfsteinpflaster zurückgelegt haben und verlassen die Stadt. Wir machen eine Abstecher zu einem Aussichtspunkt, genießen die Sonne und Nobbi testet seine Vogelstimmen-App.

 

Am nächsten Tag ist es bewölkt aber trocken, wir wollen eine kleine Wanderung unternehmen und entscheiden uns für eine Runde in der Nähe von Rothenburg. Wir hoffen einen Platz auf einem Parkplatz am Ausgangspunkt verschiedener Wanderwege zu bekommen und werden wieder überrascht. Unser Auto wartet hier ganz allein auf unsere Rückkehr. Wir laufen eine schöne Runde, entlang der Tauber und des Hohbachs. Mal geht es durch den Wald, mal entlang des Waldrands. Anschließend machen wir eine Pause mit Blick auf Rothenburgs berühmte Silhouette.
Wir folgen der romantischen Straße. Während eines Spaziergangs in Schillingsfürst holt uns der Regen ein und wir machen uns auf den Rückweg. Wir nehmen die kleinsten Landstraßen und legen einen Zwischenstopp an der Jagst ein, auch wenn das überhaupt nicht auf dem Weg liegt. Den tollen Aussichtspunkt erreicht man nach einem kleinen Spaziergang. Über einer Schleife, die die Jagst hier bildet, thront auf der anderen Seite des Tals Kirchberg.

Uns gefällt es hier sehr gut, vielleicht machen wir irgendwann Wanderurlaub an der Jagst. Doch Mitte der Woche geht es für uns an den Alpenrand. Das passt gut, in und um Creglingen soll es heftig regnen. Wie schon in den letzten Tagen entscheiden wir uns für die langsame Route und folgen der romantischen Straße.
Kurz vor Dinkelsbühl steht ein Schild, das auf die „schönste Altstadt Deutschlands“ hinweist. Kurz entschlossen halten wir an. Wir biegen falsch ab und sind plötzlich mitten in der historischen Altstadt. Glücklicherweise gibt es einen freien Parkplatz vor dem Tourismusbüro. Um eine qualifizierte Aussage zutreffen, müssen wir uns nun natürlich alle Altstädte in Deutschland ansehen, allerdings können wir schon jetzt sagen, dass Dinkelsbühl zu den schönsten gehört. Dreiviertel der Häuser ist älter als 350 Jahre, der Bau fast der Hälfte der Häuser wurden sogar bereits im Spätmittelalter begonnen. Die Altstadt ist ausgesprochen hübsch, das liegt nicht nur an den alten Häusern, sondern auch daran, dass es keine Leuchtreklame und keine bunten Werbeschilder gibt, dafür umso mehr Blumen.


Wenn unser Tagesziel nicht noch so weit entfernt gewesen wäre, hätten wir uns einfach für den Rest des Tages auf den Marktplatz gesetzt.
Doch wir setzen unsere Reise fort. Umso näher wir den Alpen kommen, umso schöner wird das Wetter. Nachdem wir kein geöffnetes Gartenlokal finden, machen wir ein Picknick an einem Badesee. Nachmittags erreichen wir Hohenschwangau, unser Ziel.
Der Wanderweg um den Alpsee erscheint uns geeignet für Norddeutsche, weist er doch nur wenig Steigung auf. Im Abendlicht laufen wir um den schönen See mit seinen romantischen Ausblicken. Der aufkommende Hunger sorgt für Rekordtempo. Als wir zurückkehren ist es ganz leer im Ort, die Einheimischen gehen zum Baden und wir sind froh, dass wir einen Tisch fürs Abendessen reserviert haben. Der Tag klingt mit einem leckeren Essen unter Kastanien aus.

Am nächsten Morgen haben wir ein Date mit Schloss Hohenschwangau. In Zeiten es Corona-Virus ist der Zugang streng limitiert. Normalerweise gibt es alle fünf Minuten eine Führung mit bis zu fünfunddreißig Personen, jetzt höchstens alle fünfundzwanzig Minuten eine mit zehn Teilnehmern. Auch der Zugang zum Garten ist reglementiert, nur Teilnehmer der nächsten Führung dürfen auf das Gelände. Wir sind nur zu acht in unserer Gruppe. Die Führung ist sehr interessant, das Schloss ist weitgehend im Zustand von 1840 (als es umgebaut bzw. von einer verfallenen Burg zum Schloss wurde) und sehr sehenswert. Anschließend kommen wir mit dem Gärtner ins Gespräch, der uns erzählt wie voll es sonst ist. Wir genießen es noch ein bisschen mehr den Garten ganz für uns zu haben.

Nobbi zieht seine Wanderschuhe an, meine sind in Neuseeland. Unser Plan sieht vor ein bisschen zu wandern, aber keine Gewalttour unternehmen. Nachmittags soll es heftige Gewitter geben, dann wollen wir wieder am Hotel sein. Natürlich endet es damit, dass wir auf den Tegelberg laufen. Für norddeutsche Deichspaziergänger ist es ganz schön steil. Die Aussicht belohnt für die Anstrengung. Die Sicht ist super und das Wetter hält. Es sind viel weniger Leute unterwegs als gedacht. Wir freuen uns, dass uns ab und zu jemand entgegen kommt und erzählt wie weit es noch ist.
Das Gewitter lässt auf sich warten. Es regnet erst abends als wir am See sitzen und die Wolken beobachten, wie sie sich über die Berge wälzen.

Unser Ausflug ist schon zu ende, der Abschiedsschmerz wird allerdings vom einem kräftigen Regen weggespült. Wir haben ein unglaubliches Wetterglück, kaum lassen wir den Alpenrand hinter uns, wird es freundlicher und schon bald scheint die Sonne. Wir übernachten in Michelstadt im Odenwald und trinken auf dem Marktplatz mit Blick auf das Rathaus von 1484 Ebbelwoi. Erstaunlicherweise schmeckt der ganz ohne Trainingsphase. Normalerweise brauche ich immer ein bis zwei Gläser bis ich Apfelwein wieder mag.
Auf der Rückfahrt nach Bremen werfen wir von der Autobahn einen sehnsüchtigen Blick auf Frankfurt. Es wird Zeit die alte Heimat zu besuchen, wir kennen einfach zu viele nette Leute dort.

Wir hatten vermutlich großes Glück so exklusiv kann man Rothenburg, die romantische Straße und Hohenschwangau wohl nur sehr selten erleben. Keine Reisebusse, keine Reisegruppen. Asiatische und amerikanische Touristen dürfen nicht einreisen. Laut des Gärtners vom Schloss Hohenschwangau war das Schloss noch nie so lange geschlossen wie durch die Corona-Maßnahmen, nicht mal in zweiten Weltkrieg. Für die Leute die von den Touristenmassen leben, ist diese „Leere“ natürlich weniger erfreulich als für uns. Wir haben es sehr genossen.

Eine lustige Anekdote zum Schluss. Wenn wir „auf Reisen“ sind, eine Besichtigung machen oder in einer Unterkunft ankommen, wundern wir uns noch immer darüber, dass alle Menschen um uns herum deutsch sprechen… sogar die Titel der Wandmalereien im Schloss konnten wir lesen!

Weserwehr und Landpartie

Nobbi blättert im Bremen-Buch. Weserstadion und Weserwehr sind Kapitel fast am Ende des Buchs. Da Stadion und Wehr dicht beieinander liegen, beschließen wir unseren Spaziergang diesmal in die Innenstadt zu verlegen. Ein Reiher wartet an der modernen Fischtreppe des Wehrs, die Fischtreppe scheint also zu funktionieren. Zwei Binnenschiffe werden gerade geschleust. Wir wandern zwischen den Kleingärten hindurch, schlendern durch die Altstadt und stellen mal wieder fest, dass Bremen doch sehr schön ist.
Eine Woche Sommer hatten wir hier echten, wunderbaren Sommer. Wir genießen ihn. Frühstück auf dem Balkon, Radfahren, grillen und baden im Badesee. Wundervoll.
Leider haben wir nun wieder sehr authentisches norddeutsches Schmuddelwetter in unterschiedlichen Grautönen. Trotzdem zieht es uns nach Hamburg, Otterndorf und Bremerhaven.
Freunde, die mit ihrem Boot auf der anderen Seite dieses netten Planeten liegen, haben uns geschrieben, dass wir uns doch auch mal Oldenburg ansehen könnten. Gute Idee. So sind wir heute durch die Oldenburger Innenstadt geschlendert, haben die Altstadt umrundet und natürlich einen Abstecher an den Hafen gemacht. Oldenburg hat uns gut gefallen, wir kommen sicher wieder. Auf unserer Fahrt haben wir möglichst kleine Straßen genommen, haben die Weser mit der Fähre überquert, einen Umweg über Brake gemacht, haben einen kleinen Spaziergang an der Hunte und einen noch kleineren an der Weser unternommen. Nette Kühe, fröhliche Fohlen, plüschige Schafe und stolze Störche runden die Landpartie ab.

Vielen Dank, dass ihr an uns gedacht habt. Es gab einen Tornado in Neuseeland, einige Boote wurden schwer beschädigt. Unsere Marisol liegt weit entfernt von dem Ort in dem der Tornado gewütet hat und ist glücklicherweise unversehrt.

 

Frühlingsgefühle in Bremen

Die Zeit vergeht viel schneller als gedacht. Es ist schön einen Sommer in Bremen zu verbringen, auch wenn wir uns darauf gefreut hatten Neukaledonien zu erkunden, nach Vanuatu zu segeln und eine weitere Pazifiksaison zu erleben. Nun ja, es kam anders…
Jetzt haben wir uns sehr darüber gefreut, dass Freunde nach unserer Marisol in Opua gesehen und uns Fotos geschickt haben. Es ist eine große Erleichterung zu wissen, dass es unserem schwimmenden Zuhause gut geht. Trotzdem checken wir jeden Morgen den lokalen Wetterbericht in Opua.

Wir geben uns alle Mühe die uns geschenkte Zeit in Bremen zu genießen. Und sind darin aller meistens auch sehr gut. Der Frühling in heimischen Gefilden darf trotz Corona-Beschränkungen als Erfolg gewertet werden. Unser Balkon ist inzwischen schön begrünt, wir haben sogar einen Kasten mit Kräutern bepflanzt. Die Bisams haben mehrere Junge, die Maikäfersaison ist schon vorüber (sie sind abends immer klangvoll gegen unsere Scheibe geflogen), die Tauben haben ein Nest vor unserem Balkon gebaut, neuerdings bekommen wir Besuch von Bachstelzen und einem Zaunkönig und die jungen Kühe kühlen sich im Graben ab.
Wir freuen uns über die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen und die Wiederöffnung der Museen. Wir unternehmen kleine Ausflüge und nutzen die Gelegenheit Familie und Freunde zu treffen.
In Lüneburg erkunden wir die Altstadt und bleiben in einem Buchladen hängen, in Hamburg schlendern wir an den Landungsbrücken entlang. Pünktlich zur vollen Rhododendronblüte gehen wir im Bremer Rhododendronpark spazieren.
Wir feiern unsere Geburtstage im Mai und waren bereits in zwei verschiedenen Tierparks. Der Tierpark in der Lüneburger Heide hat uns sehr gefallen, es zwar noch recht kühl, was uns aber nicht weiter gestört hat. Ich fand es besonders schön, dass wir durch die Gehege laufen konnten und sowohl Hirsche als auch Schweine außerordentlich kontaktfreudig waren und sich bereitwillig haben streicheln lassen.
Unser Wanderführer empfiehlt eine Runde durch den Wald in Hasbruch. Die Tour gefällt uns sehr und natürlich kommen wir an der 1200 Jahre alten Friederiken Eiche vorbei. Die halbe Wanderung stellen wir uns vor, was dieser alte Baum alles erlebt hat. Vom Mittelalter, über den Dreißigjährigen Krieg bis zu Napoleon. Diesmal bemühe ich keinen Neuseelandvergleich, der Baum stand dort schon als die ersten Menschen Neuseeland erreichten.
Das Historische Museum Bremerhaven hat sich eine schöne Ausstellung zum Traditionsseglertreffen SAIL, bzw. gewissermaßen als Ersatz für die nun verschobene SAIL 2020 ausgedacht. Auch die Dauerausstellungen zur Geschichte Bremerhavens, der berühmten Werften und der moderne Museumsbau selbst sind sehr sehenswert. Bei fantastischem Wetter ergattern wir einen Tisch im Fischereihafen von Bremerhaven und genießen den fangfrischen Fisch unterm Sonnenschirm.
An einem verregneten Tag im Mai, kurz nach der Wiederöffnung sind wir die einzigen Besucher im Focke-Museum und werden positiv überrascht. Die Ausstellung zur Bremer Geschichte präsentiert sich nicht verstaubt sondern sehr modern und interessant. Das außergewöhnliche Konzept des Schaumagazins, in dem die zurzeit nicht ausgestellte Stücke eben doch zu entdecken sind macht uns Spaß.
Weiterhin genießen wir die Streifzüge über den Lesum-Deich und durchs Naturschutzgebiet Werderland und die Radtouren in die Umgebung. Manchmal sammeln wir einige Pflanzen, die wir zu Hause mit Hilfe des Bestimmungsbuchs bestimmen. Auch bilden wir uns ein inzwischen schon etwas fitter geworden zu sein.
So schön es bei uns Zuhause ist, so schön ist es auch die Nase rauszustecken. Wir unternehmen einen Wochenendtrip an die Schlei. Nur, dass wir als arbeitslose Langfahrtsegler das Wochenende in die Woche verlegen. Kurzfristig finden wir eine kleine Ferienwohnung. Auf dem Weg nach Norden machen wir einen Zwischenstopp in der schönen Hansestadt Stade. Wir werden eingeladen die „Greundiek“, einen Kümo-Frachter von 1950, zu besichtigen und sehen uns die tolle Altstadt an.
Wir besuchen all die Orte, die wir nur aus dem Winter kennen. Unsere Marisol hatte ihr Winterlager in Arnis an der Schlei und wir haben unzählige Winterwochenenden dort verbracht. Bei sommerlichen Temperaturen ist es noch schöner, ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen und wage sogar ein Bad in der Schlei. Natürlich machen wir einen Abstecher nach Wackerballig, unseren früheren Heimathafen, und unternehmen einen langen Spaziergang an der Ostsee. In Eckernförde statten wir „unserer“ Albatros, unserem Lieblingsvereinsschiff (Clipper DJS e.V.), einen Besuch ab. Als sich das Wetter verschlechtert, besuchen wir Schloss Gottorf mit dem Museum für Archäologie und dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Schleswig.
Auf dem Rückweg legen wir eine Rast in Hamburg ein und besuchen das Museum für Hamburgische Geschichte. Nobbi war „kürzlich“, ungefähr 1966, hier und will seine Erinnerungen auffrischen. Wir lernen, dass es im 19. Jhd. ein tolles Set aus Holzmodellen zum Nachstellen von Schiffsunfällen bei Seegerichtsverhandlungen gab. Noch mehr beeindruckt hat uns, dass es bereits 1623 eine Lösegeldversicherung gab, die Seeleute freigekaufte, die von Piraten verschleppt wurden. Unser Urteil: auch für Bremer ein empfehlenswertes Museum.

Nun überlegen wir, was wir uns als nächstes ansehen wollen und freuen uns auf die vorhergesagten Sommertemperaturen in der nächsten Woche.

Deiche und Moorleichen

Ab gesehen davon, dass wir nicht hier wollen sein, bzw. eigentlich woanders sein wollten, geht es uns gut. Wir machen uns Sorgen, um die Ausbreitung des Virus und seiner Opfer. Aber auch und vielleicht noch mehr um die massive Einschränkung unserer Freiheit, um den Umgang mit Datenschutz und Selbstbestimmung, um die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes, um die Lust an Verboten und das Aufleben des Denunziantentums. Doch über den Sinn und Unsinn von Corona-Maßnahmen möchte ich mich nicht auslassen, das ist ohnehin überall Thema.
Selbst auf Reisen vermisse ich das Arbeiten ab und zu und hätte Lust ins Labor zu gehen. Eine PCR pipettieren, einen Western Blot machen oder eine Stunde an der Flow in der Zellkultur. Jetzt länger in Deutschland zu sein und nicht zu arbeiten fühlt sich merkwürdig an.
Nun ist es wie es ist. Wir sind in Deutschland und haben Zeit. Es gilt das Beste aus der merkwürdigen Situation zu machen. Noch nie haben wir unsere Wohnung so lange bewohnt. Wir nutzen die Gelegenheit und richten uns richtig ein. Südseebilder befeuern nun das Bootsweh (Heimweh nach dem Boot). Und wir machen, was wir alle machen und gehen in den Baumarkt. Dort trifft man dann auch seine Nachbarn.
Zum Glück haben wir eine schöne Wohnung in einer schönen Umgebung. Wir nutzen das tolle Frühlingswetter für Wanderungen und Fahrradtouren. Entlang der Lesum, Weser, Wümme und Hamme kann man wunderbar radeln und mit Glück ein Eis ergattern. Als wir eine Wanderung entlang der Weser unternehmen wollten, mussten wir feststellen, dass das Betreten vieler Deichabschnitte nur für Bewohner des Landkreises Cuxhaven erlaubt ist. Wir haben schließlich aber doch einen Deich gefunden, auf dem wir nicht nur legal sondern auch ganz allein spazieren gehen konnten. Eine besonders schöne Wanderung haben wir letzte Woche im Hamberger Moor unternommen. Auf den umliegenden Wiesen haben wir Störche und Fasane gesehen, im Moor Blindschleichen und Eidechsen. Fast nirgends ist die Stille so vollkommen wie im Moor. Bei Sonnenschein faszinierend, bei bedecktem Himmel unheimlich und bei Nebel beängstigend. Bei uns war es sonnig, wenn auch kühl, und so hatten wir einen sehr vergnüglichen Ausflug. Und natürlich haben wir die federnden Böden getestet bis wir nasse Füße bekommen haben. Eine Moorleiche haben wir leider nicht gefunden, auch wenn meine Begleiter mich ermutigen wollen auf den Glatzen der Versunkenen übers Moor zu gehen…

Es gibt eine neue Rubrik. Wer Lust auf eine „Lesereise“ hat, lässt sich unter „Bücherschapp“ inspirieren.

Verlängerung des Heimaturlaubs

Eigentlich wollten wir in knapp einer Woche wieder nach Neuseeland fliegen, zurück zu unserer Mari. Dieses letzte Bremen-Wochenende sollte gefüllt sein mit Frühstücksverabredungen mit Freunden, mit Mädelsabenden, mit einem letzten Hamburg-Besuch.
Eine Kiste mit Ersatzteilen, neuen Bikinis, Mückenspray und all den anderen Dingen, die auf ihren Einsatz in einer neuen Pazifiksaison warten steht bereit. Die Kiste wird noch etwas warten müssen, gemeinsam mit uns.
Das Virus hat unseren ganzen Planeten im Griff und damit auch die Segelwelt. Wir müssen uns nicht entscheiden, für uns ist die Lage ganz einfach. Mal abgesehen davon, dass unsere Flüge annulliert wurden, dürfen wir nicht nach Neuseeland einreisen (und natürlich auch in kein anderes Land auf der geplanten Route).
Uns geht es gut. Wir sind froh, dass wir eine Wohnung in Bremen haben, dass wir zusammen sind und, dass wir gesund sind. Marisol liegt in Opua und ist dort sicher und legal untergebracht. Die Situation vieler Segelfreunde ist nicht so komfortabel. Da laufen Visa aus, die Weiterreise in die Nachbarländer ist jedoch nicht möglich, oder der Ankerplatz ist bei Wetteränderungen unsicher, es ist jedoch verboten das Boot zu bewegen. Freunde können weder zurück zu ihrem Boot, ihrem Zuhause, noch nach Deutschland. Andere sind mit leichtem Gepäck auf Heimatbesuch, haben keine Unterkunft und kommen nicht zurück zum Boot. Wieder andere wurden von ihrem Partner getrennt, der eine ist beim Boot, der andere irgendwo in Europa. Manch einer ist vor Wochen losgesegelt und darf bei Ankunft nicht mehr einreisen. Niemand möchte jedoch mit denen tauschen, die schwer krank sind oder um das Leben ihrer Angehörigen bangen.

Zum Glück ist das Wetter so fantastisch. Seit Tagen scheint die Sonne, Büsche und Bäume haben bereits diesen grünen Schimmer, der den nahenden Frühling ankündigt, die Vögel singen um die Wette, die ersten Blumen blühen. Jeden Tag unternehmen wir einen langen Spaziergang und freuen uns darüber wie schön unsere direkte Umgebung ist. Die Störche sind inzwischen weiter gezogen, aber Reiher, Gänse und eine Vielzahl unterschiedlicher Enten sehen wir immer. Mehrere Greifvogelarten machen den Mäusen das Leben im Werderland schwer, Fasane bewohnen das Lesumufer und auf Möwen müssen wir auch nicht verzichten. Unsere Lieblingstiere sind jedoch die Bisams. Bisamratten sind keine Ratten, sondern der größte Vertreter der Wühlmäuse. Sie können bis zu 70 cm groß werden und sind schnelle Schwimmer. Seit einer Woche sehen wir sie fast jeden Tag und können uns gar nicht satt sehen an den putzigen Tieren.
Der Alltag sieht bei uns genauso aus wie bei vielen anderen. Wir haben viel Zeit zu lesen, backen Kuchen, erledigen liegengebliebene Kleinigkeiten und sortieren Reisebilder. In Neuseeland haben wir begonnen Indonesisch zu lernen, unser Wortschatz wächst dank viel freier Zeit und wir freuen uns schon darauf unsere Kenntnisse in freier Wildbahn ausprobieren zu können. Vielleicht werde ich nun zum ersten Mal einen Revierführer lesen bevor wir lossegeln. Und vielleicht schaffe ich es sogar den Blog auf den neusten Stand zu bringen.