Abschied aus Suriname

In den letzten Tagen haben wir unsere Weiterreise vorbereitet und einige kleinere Dinge erledigt. Wir haben einen größeren Einkauf gemacht und uns mit Dingen versorgt von denen wir befürchten, dass sie an den nächsten Destinationen sehr viel teurer sein könnten, unsere Dieselkanister und unsere Gasflaschen gefüllt.
Nobbi war im Mast und hat unser Rigg kontrolliert, ich hab Nobbis Hose repariert, wir haben gewaschen, nicht nur unsere Wäsche, sondern auch einige Leinen, die Halterung unserer Rettungsschlinge hat neue Klettverschlüsse bekommen und unser „Grabbag“ (der Beutel den wir mit in die Rettungsinsel nehmen, falls wir keine andere Wahl haben) hat ein Update bekommen und viele andere Dinge von der stetig wachsenden Liste haben wir abgehakt. Oft sind es die kleinen ungeplanten Dinge, die einen mit Arbeit versorgen. Ein paar ausgelaufene Batterien im Grabbag, die alles eingesaut haben, oder eine Naht am Bimini, die gerissen ist als wir es „nur mal eben“ wieder aufziehen wollten nachdem wir es gewaschen haben, haben uns ausreichend beschäftigt. Nun sind wir so weit, dass es weitergehen kann und soll.
Irgendetwas Interessantes passiert auch um uns herum immer. Einen Tag fand ein Schwimmwettbewerb im Fluss statt und wir saßen bei uns an Bord quasi in der ersten Reihe. Am Sonntag fand nach der Kirche eine Taufe im Pool der Marina statt. So etwas sieht man auch nicht alle Tage. Wir baden also in geweihtem Wasser. Das bringt sicherlich Glück. Außerdem haben wir gelernt „Caribbean Dominos“ zu spielen. Eine fortgeschrittene Dominovariante mit Steinen bis 15 Punkte und allerlei speziellen Regeln. Jackie und Gary sind begeisterte Spieler und haben es geschafft uns anzustecken. Nach dem Bad im Pool am späten Nachmittag treffen wir uns nun häufig zu einer Partie Dominos. Laut Jackie sind wir nun perfekt auf die Segelsaison in der Karibik vorbereitet.
Suriname hat uns gefallen, ein lohnenswerter Stopp. Ein friedliches, vielfältiges Land, mit netten Bewohnern, der Möglichkeit einiges anzusehen und der Option mit dem eigenen Boot in den Regenwald zu fahren. Mein ganz persönliches Highlight sind die vielen Papageien-Pärchen, die schnatternd zu ihren Schlafbäumen fliegen.
Heute Morgen waren wir bei der Polizei und haben ausgecheckt. Eigentlich wollten wir das bereits gestern erledigen, doch gestern war Feiertag. Diwali, das Lichterfest der Hindus wurde gefeiert. Wir haben erst am Abend vorher durch Zufall erfahren, dass Feiertag ist und mussten unsere Planung kurzfristig ändern. Jetzt hoffen wir, dass wir unsere gefüllte Gasflasche heute noch wiederbekommen, dann sind wir bereit zur Abfahrt.
Morgenfrüh soll es losgehen Die ablaufende Tide wird uns aufs Meer hinausschieben und dann hoffen wir auf Segelwind. Nächster Stopp voraussichtlich Tobago. Wir freuen uns nun auf türkises Badewasser!

Einige Neuigkeiten gibt es auch im Blog, die Seiten „Revierinfos“ und „Tipps und Tricks“ sind hinzugekommen und wollen in Zukunft mit Leben gefüllt werden.

Topfgucker

Wir verbringen die Tage mit kleinen Erledigungen, Bürokram und Vorbereitungen der Weiterreise. Also nichts besonders Interessantes.
Mit Joana hab ich vor Wochen darüber gesprochen, welche Lebensmittel wir vermissen und was bei uns so auf den Tisch kommt. In jedem Land gibt es andere interessante Lebensmittel und dafür andere Dinge nicht. In Brasilien zum Beispiel hatten wir Probleme schwarzen Tee zu kaufen, in Suriname gibt es lange nicht überall Kaffee (Nescafé aber schon).
Was wir essen, setzt sich also aus dem zusammen was wir vor Ort kaufen können, und was wir in unseren Vorräten finden. Unsere Vorräte sind nicht unendlich, reichen aber eine ganze Weile. Bei uns kommt hinzu, dass unser Kühlschrank ja zurzeit nicht funktioniert. Frische Sachen sind also nur sehr kurz haltbar. Das gilt insbesondere für Käse und Wurst. Im Moment kaufen wir jeden Tag einen Beutel Eis und kühlen damit unsere Aufschnitt Vorräte runter, nicht dass die leckere Salami schlecht wird bevor wir hier wegfahren.
In Brasilien haben wir in Obst geschwelgt. Ananas, Mangos, Äpfel, Pflaumen, Maracujas, sehr günstig und sehr lecker. Dafür war es dort ein Highlight ungesüßtes Brot zu finden. In Frankreich, also in Französisch Guyana, gab es fast alles. Also gab es an Bord Entenbrust und Dorade. Dafür war Obst dort vergleichsweise teuer, da haben wir genauer überlegt wieviel wir essen möchten.
Insgesamt haben sich unsere Prioritäten beim Obst- und Gemüseeinkauf verschoben. Wir schätzen Obst und Gemüse, das sich bei diesen Temperaturen länger hält. Statt Blattsalat erfreut sich Kohl großer Beliebtheit, außerdem sind Gurken der Renner bei uns an Bord. Diese Landgurken mit der dicken Schale halten sich wirklich lange. Bei uns gibt es sie als Schmorgurken, mit Kartoffeln, oder als Gurkensalat. Durch einen „Kochunfall“ ist ein Gurkensalat aus Pampelmuse und Gurke mit einem Dressing aus Sojasoße, Honig und Zitronensaft entstanden. Sehr lecker, den gibt es nun häufiger! Der Kohl wird zu Krautsalat, auch sehr lecker aus Rotkohl, oder landet in der Pfanne, zum Beispiel mit Corned Beef.
Vor ein paar Tagen gab es bei uns Eier mit Senfsoße, also einen deutschen Klassiker. Überhaupt gibt es häufig Eier. Auf See ist Rührei mit Kartoffeln die beliebteste Kombination. Eier gibt es überall, sie halten sich lange und sie schmecken als Spiegelei, Rührei oder Pfannkuchen.
Wir essen sehr häufig Curry. Größere Mengen Currypaste verstecken sich im Gewürzschapp, traurige Gemüsereste haben einen letzten glamourösen Auftritt und es schmeckt mit oder ohne Fleisch.
Neben dem Angebot spielt auch die Kochzeit eine große Rolle. Zum einen weil langes Kochen Gas kostet und Gasflaschenfüllen häufig eine langwierige Aufgabe ist. Viel wichtiger ist aber, dass wir hier in Suriname häufig Temperaturen jenseits der 35 Grad unter Deck haben. Da habe ich noch weniger Motivation als sonst mein Süppchen eine Stunde köcheln zu lassen… Übrigens, wenn es kalt ist, ist das auch nicht lustig, dann muss man nämlich die ganze Feuchtigkeit wieder aus dem Boot bekommen.
Die Klassiker aus der Backskiste, also wenn frisches Gemüse verbraucht ist, sind Nudeln mit Thunfisch, Reis mit Estragonsoße (aus Corned Beef und Sahne/Kondensmilch) und Kartoffelklöße mit Pilzsoße. Ab und zu öffnen wir eins unserer selbsteingekochten Gläser. Dann gibt es Gulasch, Rindercurry, Schweinefilet Tandoori oder Pflaumenkompott, Senfgurken, Kürbis, Papayachutney oder Apfelmus.
Ganz wichtig ist Nachtisch an Bord. Häufig wartet die vom Frühstücksmüsli übrig gebliebene Milch auf zeitnahe Weiterverarbeitung. Die Klassiker Vanillepudding, Milchreis und Grießbrei, gerne in Kombination mit frischem Obst oder Kompott, erfreuen sich größter Beliebtheit.
Ich backe gerne Kuchen, Muffins oder Franzbrötchen. Brot backe ich nur sehr ungern, das macht mir einfach keinen Spaß. Kuchen gibt es also häufiger einfach weil ich Lust habe einen zu backen, selbstgebackenes Brot nur bei äußerst schlechter Versorgungslage.
Was ich vermisse? Schwarzbrot mit Fleischsalat. Nobbi träumt von Grünkohl, aber der schmeckt nicht bei tropischen Temperaturen.
Manchmal vermisse ich „meinen“ Supermarkt in dem ich mich auskenne und ruckzuck eingekauft habe. Meistens macht es uns aber Spaß uns in neuen Geschäften umzugucken und neue Dinge auszuprobieren. Für Fälle besonders schlimmes Nahrungsmittelheimweh haben wir noch zwei sorgsam gehütete Dosen Knipp.
Jetzt habe ich Hunger. Ich weiß noch nicht was ich heute koche. Zum Nachtisch gibt es auf jeden Fall Griesbrei.

Flusskreuzfahrt

Nach fast drei Wochen in Domburg und vielen Ausflügen wird es Zeit für einen kleinen Tapetenwechsel. Unser „Floating Village“ löst sich langsam auf. Fünf der verbliebenen sieben Boote wollen Suriname jetzt verlassen. Der Abschied fällt schwer, wir hatten eine schöne Zeit zusammen.
Wir sind eines der beiden Boote, das noch etwas bleibt und beschließen eine kleine Flusskreuzfahrt zu unternehmen. Freitagmorgen geht es los. Wir fahren mit dem Ebbstrom den Suriname hinab und biegen in den Commewijne Rivier ab, der kurz vor der Mündung in den Suriname Rivier fließt. Nun sind wir gegen den Ebbstrom unterwegs, fahren wir doch jetzt flussaufwärts. Natürlich hatten wir uns das so vorgestellt, dass der Strom hier kentert und wir nun vom Flutstrom geschoben werden. Das klappt nicht so ganz. Mit zweieinhalb Knoten schieben wir uns in den Commewijne. Es heißt geduldig sein. Schließlich lässt der Strom nach, wir werden schneller, legen noch ein paar Meilen zurück und suchen uns schließlich einen Ankerplatz am Südufer des Commewijne. Das Flussfahren hat uns heute keinen Spaß gemacht. Ob es daran lag, dass wir unerwartet viel Wind hatten und so nervige Wind-gegen-Strom-Welle, oder daran, dass es so heiß ist?
Abends sehen wir sehr viele Papageien. Bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie immer in Pärchen zu ihren Schlafbäumen. Romantisch sieht es aus wie mindestens hundert Paare über den Fluss fliegen. Die Partner bleiben dicht zusammen und schnattern ununterbrochen.
Am nächsten Morgen beschließen wir, das auflaufende Wasser zu nutzen und vor dem Frühstück ein paar Meilen zurückzulegen. Als der Commewijne auf den Cottica Rivier trifft biegen wir in den Bowen Commewijne ab. Der Fluss wird schnell schmaler. Wir ankern und frühstücken in Ruhe. Nun haben wir die ganze Ebbe lang Zeit, lesen und beobachten das Getier um uns herum. Mit der nächsten Flut verlassen wir den Boven Commewijne und setzen unsere Fahrt auf dem Cottica fort. Unterwegs beobachten wir viele große Greifvögel. Einer fängt einen Fisch. Zunächst werden die Ufer fast überall von Mangroven gesäumt, wir sind auf der Suche nach einem Flussabschnitt mit artenreicher Vegetation. Die Suche nach einen Ankerplatz gestaltet sich schwieriger als angenommen. Uns gefällt das Ufer, doch der Fluss ist recht schmal aber sehr tief. Hier soll es gelegentlich Schiffsverkehr geben. Deshalb wollen wir nicht mitten im Fluss ankern. Schnell wird es dunkler, wir werden etwas unruhig. Dunkelheit macht die Ankerplatzsuche nicht einfacher. Schließlich finden wir einen Platz, an dem es nur 10 bis 12 m tief ist. Der Grund ist steinig, aber der Anker hält. Nachts hören wir immer mal wie unsere Ankerkette über die Steine schubbert. Morgens sehen wir Affen. Sie klettern durch die Bäume am Ufer, es raschelt und knackt.
Noch vor dem Frühstück gehen wir Anker auf und fahren ein paar Meilen bis in dem Perica, einen schmalen Fluss. Spätestens als wir einen umgefallenen Baum sehen, der die Hälfte der Durchfahrt versperrt sind wir uns sicher, dass es hier keinen Schiffsverkehr gibt. Wir ankern mitten im Fluss, beide Ufer sind dicht bewaldet. So einen Platz haben wir gesucht. Kurz nach dem Sonntagsfrühstück freuen wir uns über das charakteristische Schütteln der Bäume, schon wieder Affen. Zunächst sehen wir einige Totenkopfäffchen, dann eine Familie Kapuziner. Der Tag ist unheimlich heiß. Hier in dem schmalen Fluss geht kaum ein Windhauch, wir schwitzen und lesen. Für jegliche Aktivität ist es zu heiß. Wir genießen das mitten-im-Wald-Gefühl. Diese unglaubliche Ruhe, die Geräusche der Insekten, die bunten Schmetterlinge und die vielen Vögel. Abends sehe ich ein Krokodil, das aber nicht wieder auftaucht. Doch nur ein großer Fisch? Nachts hören wir einen Vogel, der eine richtige Melodie singt und sehen Glühwürmchen.
Kaum zu glauben, dass das ganze Gebiet vor hundert Jahren von Plantagen bedeckt war. Die Plantagen wurden nach und nach fast alle aufgegeben, ein Sekundär-Wald bedeckt weite Teile des früheren Plantagen-Gebietes.
Am nächsten Morgen bin ich noch mit dem Aufwachen beschäftigt, als Nobbi flüstert ich solle rauskommen, die Affen seien wieder da. Was folgt ist unsere schönste Affenbegegnung. Nur 15m entfernt frühstückt eine ganze Familie auf einem Baum. Sie schauen immer wieder zu uns rüber. Wir haben Gelegenheit sie über eine Stunde ganz in Ruhe zu beobachten. Dem großen Männchen fehlt ein Großteil des Schwanzes, wer den wohl abgebissen hat? Ein Affenbaby möchte uns auch mal angucken und die Früchte des Baumes scheinen richtig lecker zu sein.
Obwohl es hier so schön ist, beschließen wir den Platz zu verlassen und flussabwärts in dem breiteren Teil des Flusses zu ankern. Es ist einfach zu heiß. Wir hoffen auf etwas Wind am nächsten Platz. Die Fahrt den Fluss hinunter ist toll. Zum Abschied sehen wir noch einmal Affen, Reiher begleiten uns, die eleganten Geier kreisen in den Aufwinden und Bussards halten nach Beute Ausschau. Wir ankern schließlich nahe unseres ersten Ankerplatzes im Commewijne und stellen fest, dass wir vom Affenbaum an den Papageienplatz verlegt haben. Es ist richtig laut, bis alle ihren Schlafbaum gefunden haben. Leider können wir sie nur hören und nicht sehen. Wir sehen sie nur, wenn sie in Pärchen über den Fluss fliegen.
Am nächsten Tag (Dienstag) machen wir uns nach einem entspannten Vormittag wieder auf den Weg. Wir wollen weiter flussabwärts vor Frederiksdorp ankern. Dann ist unser Weg zurück nach Domburg am nächsten Tag nicht so weit.
Heute machen wir uns zeitig auf den Weg und liegen mittags wieder an einer Boje in Domburg. Die Auswahl der Boje fällt schwer. Wir haben die Qual der Wahl. Nur noch ein Boot liegt hier vor Anker, alle anderen Boote haben sich bereits auf den Weg nach Barbados, Trinidad oder Tobago gemacht.

Suriname die Ankerplätze unserer Flusskreuzfahrt

Koto-Mode und tierische Begegnungen

Am Montag wurde es mal wieder Zeit für ein wenig Kultur, leider war Fort Zeelandia geschlossen (Montag!) also beschlossen wir das Koto-Museum zu besuchen. Gemeinsam mit Anne-Mieke und Gerrit ging es nach Paramaribo. Das kleine Museum war schnell gefunden, doch leider war es geschlossen. Ein Anruf ergab, dass das Museum eigentlich geöffnet sein sollte, ab elf sei jemand dort. Also gingen wir Kaffee trinken, versuchten erfolglos unsere übrig gebliebenen Brasilianischen Reais umzutauschen, kamen so zu einem Besuch der Zentralbank, und gingen zurück zum Museum. Hier bekamen wir eine kleine Führung. Das Museum beschäftigt sich mit der Koto-Mode nach 1880, also nach Abschaffung der Sklaverei. Das Outfit der Koto-Missi, einer Frau, die sich in dieser Mode kleidete, bestand aus einem langen Rock, einem Jäckchen und einer Art Hut, gefaltet aus einem Tuch. Die Kopfbedeckung gefällt uns, die mutigen Konstruktionen aus gestärkten Tüchern fallen auf einem Laufsteg kaum auf. Doch der Rock wirft Fragen auf, wird er doch mit einem Kissen aufgepolstert. Ein Kissen unterm Rock? Bei diesem Temperaturen? Heute sieht man die traditionelle Kleidung nur noch zu besonderen Gelegenheiten.
Am nächsten Morgen fahren Nobbi und ich noch einmal auf die andere Seite des Suriname River nach Peperpot. Peperpot ist eine ehemalige Plantage, dort wurden Kaffee und Kakao angebaut. Heute ist sie von Sekundärwald bedeckt, es gibt einen schönen Weg, weitere Pfade werden gerade angelegt. Wir wandern durch den lichten Wald, freuen uns über den größtenteils beschatteten Weg und halten nach Tieren Ausschau. Überall knackt es im Unterholz, es wird gepiept, geschnattert und gesungen. Wir sehen viele Vögel, darunter blau-metallic glänzende Kolibris, Schmetterlinge und Eidechsen. Dann tauchen die ersten Affen auf. Ein Totenkopfäffchen spaziert mit erhobenem Schwanz über den Weg. Immer wieder sehen wir Affen, die neugierigen Totenkopfäffchen beobachten uns so gern wie wir sie, außerdem sind Brüllaffen und Kapuziner unterwegs. Vielleicht haben wir noch eine vierte Spezies gesichtet, da ist sich die Biologin nicht sicher. Große Leguane rascheln am Wegesrand und dann klettert ein Faultier nahe am Weg einen Baum hoch. Die Viecher sind einfach sympathisch, gucken sie doch so freundlich. Außerdem lassen sie sich gut fotografieren, sie sind eben nicht so schnell wie die Affen.
Auch das Leben an Bord ist tierisch unterhaltsam. Bevor wir letzte Woche nach Bigi Pan aufgebrochen sind, lagen immer wieder kleine Zweige an Deck. Schließlich fand ich das Nest, schon fast fertig gestellt in unserer Rollreffanlage. So gern ich die hübschen kleinen Schwalben mag, sie müssen den Nestbau leider neu beginnen. Ich habe lange gebraucht um die kleinen Zweige aus der Furlex zu fummeln. Damit sie nicht auf die Idee kommen sofort den Wiederaufbau zu starten haben wir einen Schwamm und einen Lappen in die Öffnung gestopft. Gestern hat Nobbi festgestellt, dass die gemeinen beißenden Fliegen es sich nun in dem Lappen bequem gemacht haben. Also haben wir Lappen und Schwamm wieder entfernt. Dienstagabend saßen wir lesend im Cockpit, als der Schatten einer Kakerlake uns aufschreckte. Ein großes Tier, ungefähr 6 cm langer Köper, ging in unserem Cockpit spazieren. Eigentlich sind es ja interessante Tiere, ich möchte aber auf keinen Fall eine WG mit ihnen eingehen. Leider können sie (nicht alle, aber viele) fliegen. Dieses Exemplar fliegt nun nirgendwo mehr hin, wir haben sie schachmatt gesetzt und dann zu einem Freibad eingeladen.

Ein Ausflug nach Bigi Pan

Diesmal stand ein dreitägiger Ausflug in den Westen Surinams auf dem Programm. Mittwochmorgen machen wir uns mit vier Crews in zwei Autos auf den Weg. Wir reisen wieder mit der bewährten holländisch-deutschen Reisegruppe.
Unser Ziel ist Bigi Pan, eine große Lagune mitten in der sumpfigen Landschaft an der Küste. Ein Vogelparadies. Die Anfahrt zieht sich hin. Wir versuchen die Staus um Paramaribo zu meiden, was damit endet, dass wir Nebenstraßen benutzen. Leider gibt es in Suriname unglaublich viele Drempel. Das sind Verkehrsberuhigungshubbel („Speed Bumper“). Die Dinger sind extrem effektiv. Unser kleines Auto, ein Toyota Cargo Fun, hat aber nur sehr wenig „Freibord“. Nicht selten setzen wir auf. Vor den meisten Drempeln müssen wir halten und sie dann langsam überwinden. Gerrit fährt uns sicher über unendlich viele Drempel und gilt nun bei uns als Drempel-Experte. Nervig ist es trotzdem. Um 14 Uhr erreichen wir einen Platz am Nickerie River in der Nähe Nieuw Nickeries. Von hier geht es mit dem Boot über einen Kanal zum Bigi Pan. Zwischen dem Nickerie River und dem Kanal muss das Boot über eine Art Schwelle geschoben werden, also quasi umgetragen werden. Das ist interessant. Doch das Boot, das sehr unsanft behandelt wird tut uns etwas leid. Während der Fahrt auf dem Kanal sehen wir viele interessante Vögel, darunter viele schöne Raubvögel. Schließlich erreichen wir ein Haus auf Stelzen mitten in der flachen Lagune. Unsere Unterkunft für diese Nacht. Mit uns acht Seglern kommt eine vierköpfige Familie an, kurz danach eine fünfzehnköpfige chinesisch-holländische Reisegruppe. Die Unterkunft ist etwas überbelegt. Am späten Nachmittag machen wir eine Ausfahrt mit dem Boot und sehen hunderte von roten Ibissen, die auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen sind. Die rote Wolke aus Vögeln ist beeindruckend.
Wir haben einen lustigen Abend zu acht, erzählen Geschichten und lachen viel. Es geht etwas chaotisch zu, die Jungs sind etwas überfordert mit den vielen Gästen. Wir lassen uns dadurch nicht stören und genießen die gemeinsame Zeit. Typisch Segler, da verlassen wir unser Boot und wo verbringen wir die Tage? Auf dem Wasser.
Die Nacht ist unruhig und früh zu Ende. Irgendjemand ist immer unterwegs und um fünf können die ersten nicht mehr schlafen und warten auf den Sonnenaufgang. Leider unterhalten sie sich lebhaft in der Nähe unseres Raumes. Vormittags machen wir eine längere Tour mit dem Boot und besuchen eine große Gruppe Flamingos. Ich wusste nicht, dass Flamingos sich so ähnlich anhören wie Gänse. Sie haben eifrig geschnattert und sich nicht weiter für uns interessiert. Anschließend fahren wir durch die Sumpflandschaft. Das Wasser hier ist sehr flach, immer wieder setzen wir mit dem Boot auf und der Außenborder wühlt sich durch den Schlamm. Mit unserem Boot und Motor würden wir das nicht machen.
Zu viert fahren wir nachmittags nach Nieuw Nickerie, die anderen beiden Crews machen sich auf den Rückweg zum ihren Booten. Im Hotel nehmen wir erstmal eine ausgiebige Dusche. Danach sehen wir uns den Deich an und werfen einen Blick auf Guyana, wir können hier über den Grenzfluss gucken. Nach einem Spaziergang verbringen wir einen weiteren netten Abend zusammen.
Nach der kurzen vorherigen Nacht schlafen wir ausgezeichnet und genießen die Klimaanlage. Am nächsten Morgen wird wieder ausgiebig geduscht. Wer weiß wann wir mal wieder eine eigene Dusche mit unbegrenztem Wasser zur Verfügung haben?
Beim Frühstück staunen wir nicht schlecht, als wir unsere chinesische Reisegruppe in der Zeitung sehen. Wir dachten sie würden Urlaub machen, aber anscheinend handelte es sich auch um eine Geschäftsreise.
Auf dem Rückweg sehen wir uns in Wageningen das frisch renovierte Reis-Silo an. Die Wiederöffnung hat es ebenfalls in die Zeitung geschafft. Hier im Westen wird der Suriname-Reis angebaut, links und rechts der Straße haben wir die großen Reisfelder gesehen. Bei den renovierten Silos soll der Reis gewaschen, geschält und gelagert werden, bis er verschifft wird. Mittags machen wir ein Picknick. Anne-Mieke ist perfekt organisiert und hat an alles gedacht, sogar an einen Käseschneider. Bei dieser Gelegenheit lerne ich, dass ich gar nicht merkwürdig bin, wenn ich Käse auf Rosinenbrötchen esse. Für die Holländer ist das völlig normal. Ich mag Rosinenbrötchen mit Käse und die Holländerin in mir.
Die letzten Kilometer legen wir im strömenden Regen zurück, die Fahrt gestaltet sich auf den schlechten Straßen sehr abenteuerlich. Nach ereignisreichen Tagen sind wir froh unsere Mari abends wohlbehalten wieder zu sehen.
Leider gibt es auch einige Verluste zu beklagen: eine verlorene Sonnenbrille, eine zerbrochene Sonnenbrille und eine vom ATM eingezogene Visa-Card. Irgendwas ist ja immer. Außerdem habe ich (unfreiwillig) grüne Haare. Nobbi denkt ich brauche neues Antifouling, Otti glaubt ich verwandle mich in einen Frosch, vermutlich liegt es nur am Wasser des Pools.

Ein Faultier, Cola, Fisch und Schmetterlinge

Am Montag sind wir wieder mit Anne-Mieke und Gerrit zu einem Ausflug verabredet. Der Schmetterlingspark hat, anders als auf der Website angegeben nicht geöffnet. Schade.
Also fahren wir direkt weiter zu unserem zweiten Tagesziel, dem Cola Creek. Der Cola Creek ist ein kleiner Flusslauf, dessen Wasser durch Blätter und Wurzeln stark gefärbt ist. Die Farbe hat ihm den Namen Cola Creek eingebracht. Am Creek gibt es eine Art Freizeit-Bad. Eine Cafeteria, schattige Hütten, einen Spielplatz und einen Kinderbereich. Das ist nicht unbedingt unser Ding, da wir aber fast die ganze Zeit die einzigen Gäste sind, genießen wir den Aufenthalt. Das Wasser ist angenehm kühl und wir baden ausgiebig.
Die Suche nach einen Restaurant zum Mittagessen gestaltet sich als schwierig. Montags sind nicht nur Parks und Museen geschlossen, sondern auch viele Restaurants. Wir finden, nach einiger Fahrerei, schließlich einen Roti-Laden und werden doch noch satt. Auf dem Rückweg werfen wir einen Blick auf ein riesiges, geschlossenes Aluminiumwerk und machen einen Abstecher zu der Marina, die etwas flussaufwärts von unserem Liegeplatz liegt. Die recht lange Fahrstrecke hat uns einen interessanten Überblick darüber gegeben, wie die Menschen auf dem Land, in größerer Entfernung zu den Städten leben.
Wir sind schon fast zurück in Domburg, da entdecken wir, dass „etwas“ auf der Straße vor uns ist. Ein kleines Faultier versucht die Straße zu überqueren. Gerrit bremst natürlich auch für Faultiere, bei den Einheimischen sind wir nicht sicher. Wir wissen nicht ob wir es anfassen sollen. Nobbi fasst zu und stupst es von der Straße. Es ist teilweise nass, ob es im Graben gelandet ist? Ich kann nicht widerstehen und streichle es. Es ist viel weicher als ich gedacht hätte. Faultiere sind gute Schwimmer, haben eine ausgesprochen gute Wundheilung (das ist doch sehr spannend!) und können sich mit ihren langen Krallen gut wehren. Das Überqueren von Straßen gehört leider nicht zu ihren besonderen Fähigkeiten.
Heute Morgen haben wir zu neunt (alles Marina-Bewohner) die Fischfabrik gleich nebenan besucht. Der Besitzer der Fischfabrik trinkt häufiger ein Bier in der Marina Bar und Gerrit hat für uns alle einen Besuch dort vereinbart. Der Fisch kommt aus dem Atlantik vor Suriname und wird dann sortiert. Die Fische werden ausgenommen und tiefgefroren. Die Fabrik produziert „Surimi“, dafür werden die Fische ausgenommen und gewaschen. Dann werden Blut, Fett, Knochen und Schuppen entfernt. Schließlich wird das Fleisch gemahlen und mit Zuckern vermengt. Dieses Surimi wird nach Japan verkauft und dort zu Fischfrikadellen weiter verarbeitet. Überhaupt ist das Geschäft sehr international. Letztlich landet der Fisch aus Suriname überall auf der Welt: in Japan, in der ganzen Karibik, in Europa, in Afrika… manchmal direkt, manchmal über Zwischenstationen. Zum Beispiel wird ein Teil des Fisches in Holland geräuchert und dann weiter verkauft, ein großer Teil geht nach Jamaika, sowohl in der unteren Preisklasse für die lokalen Märkte, als auch die teuersten Fische für die Touristenhotels. Wir dürfen uns die Maschinen ansehen (wann sieht man schon mal eine Fischwaschmaschine), laufen durch Kühl- und Gefrierhäuser und stellen ganz viele Fragen. Die ganze Anlage ist extrem sauber. Nach Fisch riecht es überhaupt nicht und eklig ist hier gar nichts. Ein informativer und interessanter Tagesbeginn! Anschließend werfen wir natürlich noch einen Blick auf die Fischtrawler.
Wir (die bewährte holländisch-deutsche Reisegruppe) beschließen unser Glück erneut beim Schmetterlingspark zu versuchen. In erster Linie handelt es sich gar nicht um eine Touristenattraktion, sondern um eine Schmetterlingsfarm. Die Schmetterlinge werden hier gezüchtet und exportiert. Schmetterlingsparks und Zoos in Europa und den USA sind die Kunden. Es gibt ein Insektenmuseum, einen Raum in dem ganz toll die verschiedenen Ökosysteme in Suriname dargestellt werden und ein großes Gehege in dem viele Schmetterlinge leben und man Spazieren gehen kann. Außerdem bekommen wir eine Führung. Zunächst laufen wir durch einen wunderschönen Sekundärwald, die Chefin zeigt uns Fledermäuse und erklärt uns verschiedene Pflanzen und ihre Nutzung in Suriname. Wir sehen wo die Schmetterlinge gehalten werden, wo sie ihre Eier auf ihre Wirtspflanze legen, wie die Raupen gefüttert werden und wie die Puppen für den Export verpackt werden. Es gibt gold-glänzende Puppen. Das wusste ich nicht. Und man kann unterschiedliche Schmetterlinge nicht zusammenhalten. Die verschiedenen Arten müssen einen ähnlichen Charakter haben, sonst verstehen sie sich nicht, lassen sich nicht fressen oder ärgern sich gegenseitig. Außerdem werden noch Boaconstrictors gezogen und Schildkröten verkauft.
Ein sehr leckeres spätes Mittagessen rundet einen tollen Besuch ab. Wer jemals nach Suriname kommt sollte unbedingt den Schmetterlingspark besuchen, ich habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt!

Fort Nieuw Amsterdam

Unsere kleine holländisch-deutsche Reisegruppe (wir sind wieder zu viert unterwegs) hat beschlossen noch einmal den Suriname River zu überqueren und sich das Fort Nieuw Amsterdam anzusehen, das am Zusammenfluss von Suriname und Comenwijne River liegt.
Als wir ankommen ist das Museum, das etwa die Hälfte des Forts einnimmt noch geschlossen. Wir warten ein wenig und beschließen dann um das Tor herum zugehen und später zu bezahlen. Das Freilichtmuseum ist erstaunlich groß, vielfältig und sehr interessant. Wir erfahren einiges über die verschiedenen Einwanderungswellen nach Suriname, es gibt eine kleine Ausstellung über die Sklavenzeit, die ehemaligen Gefängnisse sind gut erhalten, genauso wie die beiden Pulverhäuser. Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe Kanonen zu sehen, die Hütten in denen Sklaven lebten und ein ehemaliges Feuerschiff. Als wir Hunger bekommen verlassen wir das Museum und finden ein noch geschlossenes Restaurant. Für uns wird geöffnet, wir bekommen etwas zu trinken und einige (holländische) Snacks. Frisch gestärkt gehen wir wieder ins Museum, diesmal bezahlen wir Eintritt und setzen unsere Besichtigung fort. Ein Regenschauer bringt etwas Abkühlung. Auf dem Museumsgelände entdecken wir interessante Vögel, z.B. Kolibris und einen Tagschläfer, der nachtaktiv ist, tagsüber schläft (wer hätte das gedacht) und sich als Ast tarnt.
Heute, am Sonntag, legen wir einen Bootstag ein. Die Wäsche ist fast, aber eben nur fast trocken als ein Schauer für Hektik sorgt. Das Klima unter Deck erinnert ein wenig an ein Dampfbad, die feuchte Wäsche hängt unter Deck, auf dem Herd kocht der Kartoffelauflauf und die Fenster müssen geschlossen bleiben. Nun ist es wieder trocken, die Wäsche hängt wieder draußen in der Sonne und die Chancen auf ein trockenes Bettlaken steigen mit jeder Minute.

Plantagen-Tag

Zusammen mit Anne-Mieke und Gerrit wollen wir einen Ausflug unternehmen. Es geht über die hohe Brücke auf die andere Seite des Suriname Rivers. Wir parken am Comenwijne River, ein kleines Boot bringt uns zur Plantage Fredriksdorp. Die Plantagen am Fluss waren alle 600m breit und verschieden tief, in der Mitte der Plantage gab es einen Kanal mit einer Schleuse zum Fluss. In Fredriksdorp wurde Kaffee und Kakao angebaut. Die Plantage, die im 18. Jhd. Von einem Deutschen gegründet wurde ist nicht mehr in Betrieb, aber einige Gebäude, wie das Ärztehaus, das frühere Gefängnis und die Häuser der Polizisten sind sehr schön erhalten. Wir bekommen eine sehr interessante Führung zur Geschichte der Plantage und erfahren gleichzeitig viel über die Geschichte Surinames. Ein leckeres Mittagessen im Restaurant auf dem Gelände der Plantage rundet unseren Besuch ab.
Wir beschließen auf dem Rückweg die alte Zuckerfabrik in Marienburg zu Besuchen. Neben Rohrzucker wurde hier Rum produziert, der nach Hamburg verschifft wurde und später auch Kristallzucker. Die Plantage samt Fabrik wurde 1974 an den Staat verkauft und Ende der Achtziger Jahre endete die Zuckerproduktion hier. Der Marienburg Rum wird heute in Paramaribo hergestellt, die Melasse wird aber importiert. Der für den Export bestimmte Rum hat 81 % Alkohol und gehört damit zu den stärksten Rumsorten. In unserem kleinen Supermarkt hier wollte der Inhaber Nobbi eine Flasche mit 90 % verkaufen, er hat dankend abgelehnt. Ein früherer Angestellter der Zuckerfabrik führt uns über die Anlage. Der Rundgang ist informativ, auch weil er sich bereitwillig von uns ausfragen lässt. Sein Großvater ist aus Java (via Amsterdam) nach Suriname gekommen, seine Tochter lebt heute in Delft. Die Natur erobert das Fabrikgelände zurück, Bäume wachsen auf den Dächern und in den Gebäuden und wir treffen ungewöhnlich viele Bienen.
Den Abschluss des schönen Tages bildet ein ausgiebiges Bad im Pool der Marina Domburg.

Paramaribo

Am Dienstag unternehmen wir einen Ausflug nach Paramaribo. Das Mieten eines Autos ist hier sehr günstig. Freunde von uns haben ein Auto für zwei Wochen und uns gefragt, ob wir es uns teilen möchten. Suriname hat Linksverkehr und ich bin froh, dass Nobbi fährt.
Paramaribo ist die Hauptstadt Surinames. Suriname ist eines dieser Länder über das ich praktisch nichts weiß. Es ist das kleinste Land Südamerikas und seit 1975 unabhängig. Die Holländer haben ihre Sprache hier gelassen, Niederländisch ist Amtssprache. Sranan-Tongo ist eine Kreolsprache, die von fast allen Bewohnern gesprochen wird. Außerdem haben die vielen verschiedenen Einwanderer ihre Sprachen mitgebracht.
Ein Drittel der 600.000 Einwohner hat afrikanische Wurzeln, ihre Vorfahren kamen als Sklaven nach Suriname. Zunächst Inder und später Javanesen kamen als Arbeitskräfte her. Auch hier sind die Supermärkte in chinesischer Hand. Die gemischte Bevölkerung hat nicht nur zu einer religiösen Vielfalt sondern auch zu einer kulinarischen Vielfalt geführt. Roti, Bami, Saté und Poffertjes gelten als einheimisches Essen. Suriname ist aber auch ein Auswandererland. Fast 30 Prozent der in Suriname geborenen Menschen leben im Ausland, sehr viele davon in den Niederlanden.
Wir parken das Auto am Fort Zeelandia im Zentrum der Altstadt und spazieren durch die Straßen. Die weißen Holzhäuser mit grünen Fensterläden gefallen uns sehr. Hier und dort steht ein „Projekt“, doch viele Häuser sind sehr gepflegt, was sicher auch daran liegt, dass Regierungsinstitutionen viele der alten Häuser bewohnen. Wir kommen am Präsidentenpalast vorbei, am Kabinett, an der National Versammlung, am Gericht und am Finanzministerium. Uns fällt auf, dass überall auf Halbmast geflaggt ist und fragen die Soldatin, die die Nationalversammlung bewacht. Sie weiß es auch nicht und schickt uns ins Gebäude. Wir erfahren dort, dass ein Mitglied des Parlaments gestorben ist.
Die hölzerne Kathedrale gefällt uns besonders gut. Eigentlich wird sie gerade geschlossen, doch die zuständige Dame erlaubt uns einen Besuch. Nach den brasilianischen goldenen und überladenen Kirchen gefällt und die zurückhaltende Gestaltung besonders gut. Leider ist das Dach nicht so richtig dicht, es muss immer wieder restauriert werden. Natürlich machen wir auch einen Abstecher zur Synagoge und zur Moschee. Die beiden stehen friedlich Seite an Seite.
Übrigens wird in Suriname gerade der „Monat der Gerechtigkeit für alle Weltbürger“ gefeiert und überall sind die bunten Flaggen zu sehen. Das gefällt uns. Dass die Einwohner friedlich zusammen wohnen, heißt jedoch nicht, dass nicht mit Vorurteilen um sich geworfen wird. Der eine rät uns prinzipiell von schwarzen Taxifahrern ab, der nächste klärt uns über die Unzuverlässigkeit von Chinesen auf, usw. … Alle scheinen sich jedoch darüber einig zu sein, dass die Regierung an allem Schuld ist.
Es ist so heiß, dass wir erstmal einen Trinkstopp an einem Kiosk einlegen und eine Literflasche Wasser leeren, dann geht es durch einen Park mit Palmen zu einem schattigen Café.
Auf dem Rückweg möchte Nobbi einen Friseurstopp einlegen. Beim ersten Friseur wollen wir nicht halten, weil wir noch mitten im Stau stecken. Den zweiten Friseur sehen wir zu spät, aber beim dritten halten wir auf dem Seitenstreifen. Nobbi bekommt den schlechtesten Haarschnitt seines Lebens für 2,50 Euro, ist aber froh einen Teil seiner Wolle los zu sein.
Mittwoch fahren wir nach einem gemütlichen Frühstück an Land. Wir haben unsere Computer dabei uns wollen einiges erledigen und recherchieren. Ich lade einen Blogpost und Fotos hoch, dann beschließe ich Updates zu machen. 6 Stunden später bin ich fertig… so kann man auch seinen Tag um die Ecke bringen. In den nächsten Tagen werden wir wohl einen neuen Versuch in Sachen Bürotag unternehmen.