Lanzarote – Inseltour und Badespaß

Zwei Tage nach unserer Ankunft auf Lanzarote mieten wir ein Auto. Das ist für uns eher untypisch, meistens sehen wir uns zunächst zu Fuß in der näheren Umgebung um.
Wir wollen einen Eindruck von der Insel bekommen, die so ganz anders ist als Teneriffa. Lanzarote ist die trockenste der kanarischen Inseln und wenig bewachsen. Felsen, Sand, Lavafelder und Vulkankegel bestimmen das Bild.
Kommt man von Teneriffa, empfindet man Lanzarote als sehr karg. Tatsächlich ist es aber vergleichsweise grün. Der Regen der vergangenen Wochen sorgt für einen grünen Schimmer auf Bergen, die sich sonst eher in braun oder gelb präsentieren, und es blüht überall.
Wir kurven kreuz und quer über die Insel. Sehen uns Lavafelder an, stoppen an einem Besucherzentrum, wo wir etwas über Vulkane und die Entstehung Lanzarotes lernen, schauen vorsichtig über die hohen Felsen an der Westküste, picknicken im Windschutz einer Kapelle, weichen den Touristenmassen in der Nähe von Märkten aus und genießen den Ausblick auf die Nachbarinsel Graciosa. In dieser kargen Landschaft wird ausgerechnet Wein angebaut. In kleinen Kuhlen (mit und ohne Lavasteinmauer) kauern sich die Reben. Die Reben mögen die warmen Füße, jedoch nicht den starken Wind. Die Pflege der Weinstöcke und die Weinlese sind mühsam. Alles findet sehr dicht über dem Boden statt. Die leuchtend grünen Reben bilden einen tollen Kontrast zum schwarzen Boden. Das Tal der tausend Palmen mit dem Ort Haría, ist einer der wenigen Orte, an dem es hohe Pflanzen gibt. Im Tal wachsen viele kanarische Dattelpalmen. Bäume gibt es auf Lanzarote nur wenige (Palmen sind keine Bäume), abgesehen von Exemplaren in Vorgärten sehen wir nur wenige Feigen und Kiefern. Der Krater von El Golfo mit seiner grünen Lagune und die Salinen, etwas weiter südlich, leuchten im Abendlicht und bilden für uns den letzten Stopp unserer Inselrundfahrt.
Bei einem Besuch auf Lanzarote kommt man an César Manrique nicht vorbei. Der Künstler setzte sich vor allem dafür ein, dass der ursprüngliche Charakter Lanzarotes trotz des zunehmenden Tourismus erhalten bleibt und hat der Insel mit seinem Engagement wahrlich ein Geschenk gemacht. Seine Windspiele zieren zahlreiche Verkehrsinseln, er gestaltete eine Höhle als Ausstellungsraum, einen Aussichtspunkt und viele weitere Orte. Wir besichtigen sein beeindruckendes Haus, das in Lavablasen hineingebaut wurde. Das Domizil, was sich fast ganz in der erstarrten Lava versteckt, ist beeindruckend. Allerdings ist es brechend voll und der Besuch nur bedingt entspannt. Anschließend düsen wir in unserem Mietwagen noch ein bisschen über die Insel, es ist aber so windig, dass wir Probleme haben einen geschützten Platz für die Mittagspause zu finden. Der Wind pfeift über die karge, baumlose Insel und es ist spürbar, wie er ihr Aussehen geformt hat.

Calima ist eine Wetterlage, bei der der Wind trockene Saharaluft mit feinem Sand zu den kanarischen Inseln trägt. Die aktuelle Calima ist besonders heftig und staubt für zwei Tage die ganzen Kanaren ein. Bei uns wird morgens nicht richtig hell, es ist dunstig und der Sand dringt überall hinein. Mari wird von einer Staubschicht bedeckt.

Aussicht aus unserem Cockpit – mit und ohne Calima.
Merkwürdige Stimmung und ein milchiger Himmel durch den Staub in der Luft.

Die Marina Rubicon liegt mitten in der Touristenmeile im Süden Lanzarotes. Hotels, Restaurants, Bars, Boutiquen, Souvenirläden, Minisupermärkte und Eisdielen reihen sich aneinander. Wir unternehmen ausgiebige Spaziergänge entlang der Promenade, die entspannte Urlaubsstimmung gefällt uns. Doch wir haben lange nicht so viele sehr sonnenverbrannte Menschen gesehen. Abgesehen davon, dass es ungesund ist, das tut doch weh! Der Spaziergang zu Aldi punktet nicht mit einer sehenswerten Strecke, aber diesmal lassen wir uns nicht von den Feiertagen überraschen, sondern kaufen vorher ein.
Man kann es hier schon aushalten. Mari liegt an einem schönen Liegeplatz am Ende des Stegs und die Duschen sind first-class mit heißem Wasser, aber uns zieht es trotzdem weiter.

Unsere nächste Etappe ist sehr kurz, keine zwei Meilen sind es zum Ankerplatz. Am Strand davor herrscht ein reges Treiben. Ausflugs-Katamarane machen einen Badestopp, Kanutouren umrunden uns, viele Tagesausflügler ankern für ein paar Stunden und ziehen dann weiter. An der Landspitze, vor der wir liegen, reihen sich die schönsten Strände der Insel aneinander. Der Playa Papagayo und seine Nachbarn sind gut besucht, Familien verbringen hier die Osterferien, es wird geschwommen, gespielt und gesonnt. Wir schließen uns an und machen auch Urlaub. Baden, lesen, sonnen, aufs Wasser gucken. Sommergefühle. Ab und zu rollt Mari etwas im Schwell der Fähren, aber wenn man im Cockpit liegt und liest, stört das gar nicht.
Ostersamstag ist es morgens grau im Süden der Sonneninsel. Da fällt es nicht ganz so schwer sich loszureißen. Bei sehr wenig Wind motoren wir entlang der Ostküste nach Arrecife. In der Einfahrt liegt die „Mein Schiff Relax“ und bietet eine gute „Landmarke“ zur Ansteuerung. Kaum haben wir sie passiert, reißt der Himmel auf und es wird heiß. Wir finden unseren Liegeplatz und legen trotz der „Hilfe“ der Marineros problemlos an.

Abschied von Teneriffa

Das Sturmtief Therese, schickt uns in Santa Cruz schließlich doch noch Regen und Gewitter. In den Regenpausen male ich unseren Marisol-Schriftzug an die Mauer des Hafenbeckens. Das bringt uns sicherlich Glück auf den nächsten Etappen. Nobbi wechselt Dichtungen in den Brennstoffleitungen des Motors. Große Sauerei. Als das dicke Tief sich endlich auffüllt und verschwindet, nehmen wir Abschied von unserem Winterliegeplatz in Santa Cruz, der Stadt, in der wir uns zuhause gefühlt haben und beginnen die Segelsaison 2026!
Es weht mehr als uns lieb ist. Zum Ablegen warten wir auf eine Pause zwischen den Böen. Als wir im Hafenbecken Segel setzen, fegt eine 30er Böe übers Boot. Noch im Hafenbecken halse ich unfreiwillig, zum Glück geht nichts kaputt und Nobbi zieht seine Arme schnell genug weg. Die ersten Meilen sind anstrengend, Phasen mit kaum Wind wechseln sich mit starken Böen ab. Als wir die Nordspitze Teneriffas hinter uns lassen, wird es besser. Der Wind ist nun gleichmäßiger, die Wellen sind aber ganz schön hoch. Wir wollen die 130 Meilen nach Lanzarote in einem Rutsch segeln. Zu Beginn fragen wir uns, ob wir die Höhe halten können. Der Wind kommt aus Norden, wir wollen nach Nordosten. Manchmal krachen wir in ein Wellental. Wir schauen uns an, dazu haben wir keine Lust. Sollen wir nach Fuerteventura abdrehen? Dann entscheiden wir uns, dem Wind noch einige Stunden die Chance zu geben zu unseren Gunsten zu drehen und reffen das Vorsegel stark ein. Nun sind wir nicht mehr schnell, aber wir klettern wie eine Gummiente über die Wellenberge und fallen nicht in die Wellentäler. Das ist leiser und schonender für Material und Nerven. Nachts hat der Wettergott ein Einsehen, der Wind dreht ein wenig westlicher und das Wellenbild wird ruhiger. Nobbi trifft gleich sechs große Schiffe an der Kreuzung nördlich von Gran Canaria. Das Verkehrstrennungsgebiet zwischen Gran Canaria und Fuerteventura ist eine beliebte Durchfahrt zwischen den Inseln. Morgens rollen wir die Fock aus und Mari darf zeigen was sie kann. Im Schutz von Lanzarote macht das Segeln dann so viel Spaß, dass wir fast traurig sind, schon angekommen zu sein.
Am frühen Nachmittag laufen wir in die Marina Rubicon ein. Wir können sofort am Empfangssteg festmachen und werden sehr nett eingecheckt, bevor wir an unseren angewiesenen Liegeplatz umziehen dürfen.
Santa Cruz de Tenerife war für uns der ideale Überwinterungsort. Schöne Ausflüge, das reiche kulturelle Angebot, die interessante Stadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten für Boot und Mensch, die Werft und nicht zuletzt die netten Nachbarn haben die Zeit schnell und schön vergehen lassen. Jetzt ist es schön, wieder unterwegs zu sein!

Abschied von Santa Cruz – Plaza Espana mit Fontäne.
Nobbi tauscht die Dichtungen. Das gestaltet sich nicht ganz so einfach wie gedacht.
Ich kann nicht bei Niedrigwasser malen, dann ist unser Logo in der Wasserlinie, und bekommen reichlich Beratung von vorbei laufenden Seglern.
Fertig!
Ankunft in der Marina Rubicon

Sturm Therese, ein glänzender Fußboden und eine schöne Wanderung

Wir haben Besuch von Therese. Therese ist keine alte Freundin, die spontan beschlossen hat uns zu besuchen, sondern ein großes Sturmtief. Seit Mittwoch bringt es den Kanaren ungewöhnlichen Südwind, Regen und hohe Wellen. Auf dem Teide hat es kräftig geschneit, die Schule ist ausgefallen, die Straßen in die Nationalparks sind gesperrt und Wanderwege geschlossen. Im Süden der Inseln hat es stark geregnet, die ausgetrockneten Flussbetten haben sich rasch gefüllt, Stauseen laufen über, es werden Erdrutsche, überspülte Hafenmolen, umgestürzte Bäume und Stromausfälle gemeldet. Im Norden von Teneriffa hatten wir unerwartet sonniges und warmes Wetter. Die Schauer waren hier eher kurz und auch die Sturmböen nicht so schlimm wie befürchtet. Allerdings ist der Hafen nach Süden hin offen und das Wasser im Hafenbecken durch den sogenannten „surge“, das Heben und Senken des Meeres, in Bewegung. Die Schwimmstege bewegen sich heftig, die Boote schwingen sich auf und rucken in ihren Leinen. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite können wir beobachten, wie die Welle die Hafenmauer entlangläuft. Hatten wir lediglich einige unruhige Nächte, hat es andere Boote schlimmer getroffen. An einem Steg liegen die Boote an Mooring-Leinen, hier sind die Moorings gleich reihenweise gebrochen, woanders ist ein Fingersteg vom Hauptsteg abgerissen, mehrere Klampen haben sich vom Steg getrennt. Bei vielen Booten sind Leinen oder Ruckfender gerissen und die Fender platt. Naturgewalten treffen auf mangelnde Wartung des Hafens, es wird immer nur geflickt was gerade kaputt gegangen ist.

Anfang der Woche waren wir fest entschlossen nach Lanzarote zu segeln. Alles ist vorbereitet, die Mahlzeiten für die Überfahrt sind im Kühlschrank verstaut, Stromkabel und Wasserschlauch verstaut und die Marina-Zugangskarten abgegeben. Bevor wir in die Koje gehen, werfen wir noch einen Blick auf den Wetterbericht. Er hat sich schon wieder verändert, leider nicht zu unseren Gunsten. Wir schlafen beide schlecht (bei mir ist das nicht ungewöhnlich, bei Nobbi hingegen schon) und stehen um sechs Uhr auf. Jetzt muss die Entscheidung fallen. Nach einer Tasse Kaffee entscheiden wir uns zu bleiben und gehen wieder ins Bett. Der Wetterbericht hat sich schon wieder verändert, wir haben Angst, dass Therese uns einholt, bevor wir Lanzarote erreicht haben.
Beim späteren zweiten Kaffee des Tages stellen wir fest, dass der Wetterbericht nun wieder angenehmeres Wetter verspricht. Zu spät. Therese scheint launisch und schwer vorhersagbar zu sein. Zur Ablenkung schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen den Bus ins Anaga-Gebirge. An einem Aussichtspunkt steigen wir aus und laufen hinunter an die Nordküste. Der Pfad ist erst einmal schmal und steil, bevor er in einen breiten Weg übergeht. Die ganze Zeit bietet sich eine tolle Aussicht über die Nordküste. Bis auf das Geraschel der vor uns fliehenden Eidechsen und das Vogelgezwitscher ist es hier ganz still.
An der Küste angekommen, wird es grau und kalt. Wir trinken einen Kaffee in einem Restaurant, hungrig sind wir nicht, haben wir doch gerade unseren Proviant für die geplante Überfahrt als Picknick genossen. Als wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle machen, kommt die Sonne wieder raus und beleuchtet die spektakuläre Küste. Ein gelungener Ausflug, nicht zuletzt wegen der schönen Busfahrt einmal quer übers Ananga-Gebirge.

Am Startpunkt der Wanderung
Der Weg ist leicht zu finden. Von hier runter an die Küste.
Ein Pfad mit Aussicht.
Wie kann „man“ hier wachsen?
Terrassen im Tal
Im zweiten Abschnitt geht der Pfad in einen breiten Weg über.
Nobbi ist leicht zu entdecken.
Es geht fast immer bergab.
Es blüht am Wegesrand.
Die spektakuläre Nordküste
Keine Badebedingungen!

Es beginnt ganz harmlos. Nobbi schlägt vor, den Fußboden in der Pantry abzuschleifen und zu lackieren. Irgendetwas müssen wir ja machen, wenn wir noch länger bleiben. Dieser Teil des Fußbodens lässt sich nicht ausbauen, wir müssen also im Boot schleifen. Es ist mühsam und, wie erwartet, staubig. Letztlich schleifen wir abwechselnd fast sechs Stunden! Abends trage ich die erste Schicht Lack auf und dann gehen wir essen, heute kann nicht an Bord gekocht werden.
Der „Küchenfußboden“ reicht bis unter die Treppe ins Cockpit. Die unteren Stufen, die gleichzeitig die Abdeckung des Motors darstellen und die Treppe, stehen zwischen Kartentisch und Motor. Um das Boot zu verlassen braucht es eine Kletterpartie.
Am nächsten Morgen soll eine neue Schicht Lack aufgetragen werden und gleichzeitig sollen die Maststütze und zwei weitere Bodenbretter lackiert werden. Angeschliffen hatten wir die Teile bereits am Tag zuvor. Unsere Planung sieht vor, dass ich von vorne nach hinten lackiere. Erst die Maststütze, dann das Bodenbrett, das auf dem Tisch liegt, danach das, was auf dem Herd liegt und schließlich den Boden. Saubere Kleidung, Rucksack und Handtasche liegen bereits im Niedergang bereit, unsere alten Bettbezüge dienen als schützende Unterlage, die Bodenbretter balancieren auf Gemüsedosen. Es klappt erstaunlich gut, wir verlassen das Boot und sind den halben Tag unterwegs. Ein Freund hatte Unglück mit seinem Liegeplatz und wir besorgen neue Fender für ihn, schnacken hier und dort mit anderen Seglern über die letzte holperige Hafennacht, machen einen ausgiebigen Spaziergang und als wir wieder an Bord kommen, kann der Lack als staubtrocken gelten. Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, bleibt jedoch das alte Problem: die Teile daneben, könnten jetzt auch gerne lackiert werden.

Abends wird die erste Schicht Lack aufgetragen
Kleine Baustelle – großes Chaos.
Ich lackiere mich von der Maststütze zum Niedergang.
Der Wohncomfort ist kurzfristig eingeschränkt.
So schön sah der Küchenboden lange nicht aus.
Die aufgehübschten Bodenbretter glänzen wieder!

Letztes Wochenende wurden die neuen kanarischen Löschflugzeuge ausgiebig getestet und wir konnten drei Tage lang ihre Manöver beobachten. Da sie im Hafen nördlich von uns sechs Tonnen Löschwasser aufgenommen haben, saßen wir gewissermaßen in der ersten Reihe. Zu unserem Glück haben sie das Wasser dann über dem Meer wieder abgelassen. Beim letzten Flug des Tages wurde ausgiebig mit den Flügeln gewackelt. Wir waren begeistert. Außerdem waren wir erneut im Palmetum, der Palmengarten ist immer einen Abstecher wert.

Der Nachbar beim Fischfang.

Ausflugsvergnügen

Es war tagelang ungewöhnlich grau und so waren wir froh, dass wir letzte Woche noch einmal für einige Tage ein Auto gemietet hatten und Ausflüge machen konnten. Unser Auto versorgt uns ununterbrochen mit guten Ratschlägen. Nach 20 Minuten sollen wir eine Kaffeepause einlegen, es piept ständig und beim Aussteigen sollen wir nachsehen, ob wir nicht vielleicht einen Mitfahrer auf der Rückbank vergessen haben.

In El Sauzal, an der Nordküste, sind wir von Aussichtspunkt hinunter zum Weg am Meer gelaufen und anschließend wieder zum Aussichtspunkt hochgestiegen. Da wir wegen des grauen Wetters Jacken und Pullover dabei hatten ist uns auf dem Rückweg recht warm geworden, liegt der Aussichtspunkt doch 200m über dem kleinen Rundweg an der Küste. Die Fahrt zurück nach Santa Cruz führt durchs Anagagebirge. Erst beginnt es zu nieseln, doch dann reißt der Himmel auf und wir können noch einige Sonnenstrahlen einfangen.

Am nächsten Tag wollen die Sonne sehen, die Nordküste und das Anagagebirge verstecken sich in grauen Wolken. Wir entscheiden uns für die Straße, die oberhalb der Ostküste verläuft. Wenig befahren schlängelt sie sich auf etwa 500m um unendlich viele Schluchten. Hier hatten wir bei früheren Ausflügen ein Schild zur „Barranco el Pino“ gesehen. Der einzige Parkplatz ist frei, also packen wir unser Picknick ein und laufen los. Die karge Landschaft des Südostens der Insel ist, zumindest auf den zweiten Blick, auch faszinierend. Tiefe Schluchten (Barancos) durchziehen die wüstenartige Landschaft, in der kleine Höfe ihre Terrassen angelegt haben. Am Wegesrand blühen viele interessante Pflanzen, doch der Wandergenuss ist getrübt: es ist sehr windig. Obwohl wir nebeneinander laufen, müssen wir uns anschreien. Also drehen wir um und suchen uns einen gemütlichen Picknick-Platz. Am Wanderparkplatz bei Las Vegas werden wir fündig. Ein paar Meter auf dem Wanderweg überzeugen uns, hierher wollen wir in den nächsten Tagen zurückkehren.

Es wird Zeit für einen Ausflug in den Teide Nationalpark. Obwohl wir schon so oft in Teneriffas Mitte waren, begeistert uns die Landschaft immer wieder. Ein Spaziergang um einen Hügel bietet fantastische Ausblicke und absolute Ruhe. Keine Autos, keine Menschen, kein Wind. Als wir später in einem Lavafeld rumlaufen, treffen wir auf Wandergruppen, junge Familien, die sich mit Kinderwagen ins Geröll trauen und Drohnen, die trotz Drohnenverbot „nur ganz kurz“ eine wichtige Aufnahme machen. Wir suchen uns ein paar Steine und bleiben dort sitzen bis der Ansturm vorbei ist. Die Rückfahrt über Vilaflor hält sehr viele Serpentinen bereit, doch wir haben die Straßen fast für uns allein und genießen das schöne Wetter.

Die Wanderung bei Las Vegas ist noch schöner als vermutet. Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft zwischen trockenen Barancos am Rand des Pinienwaldes, der die höheren Lagen bedeckt. Hier gibt es ein Wasserleitungssystem, dass an die Levadas auf Madeira erinnert. Zum Teil sind die Kanäle noch in Betrieb, an anderen Stellen wurden sie durch Rohre ersetzt. Der Pfad führt an ehemaligen Wohnhöhlen und an Höhlen, die zur Lebensmittelaufbewahrung verwendet wurden, vorbei. Der vor uns liegende Weg führt tief hinunter in eine Schlucht und auf der anderen Seite wieder steil hinauf, ist aber so abwechslungsreich, dass wir kaum merken wie anstrengend es ist. Anschließend sehen wir uns Las Vegas an. Ein ausgesprochen hübsches Dorf mit weißen Häusern und einer Kiefer vor der Kirche, die als Glockenturm dient.

Wir wollen den Teide Nationalpark im Nachmittagslicht sehen. Damit wir die Sonne im Rücken haben, müssen wir erstmal in den Westen der Insel fahren und so kommen wir zu einer halben Inselrundfahrt. An der Nordküste machen wir auf der Autobahn Strecke und finden dann eine Straße, die wir noch nicht kennen. Im Westen der Insel entscheiden wir uns gegen die geplante Wanderung, es ist nebelig und feucht. Wir suchen weiterhin das Gute-Laune-Wetter. Umso höher wir kommen, umso heller wird es. Eine kleine beliebte Wanderung führt uns über die Baumgrenze auf ein Lavafeld. Nobbi ist kein Fan von Wanderungen auf „Seramis“ und setzt sich unter den letzten Baum. Ich laufe noch ein bisschen weiter und leiste ihm dann Gesellschaft.
Unser Plan geht auf, der Teide leuchtet im Nachmittagslicht und wir brauchen sehr lange für den Rückweg, weil wir überall noch ein Foto machen müssen oder nur ein paar Meter in irgendeinen Weg laufen wollen. Ganz wunderbar.

Da unsere Zeit in Santa Cruz langsam zu Ende geht und auch einige unserer „Winter-Nachbarn“ weiterziehen, heißt es Abschied nehmen. Ein lustiger Besuch in einer Weinbar, ein sehr windiger Besuch in einer Bar auf einer Dachterrasse, die Entdeckung eines niedlichen Italieners, ein sehr netter Abend an Bord bei Freunden, ein spontaner Kaffee… das gesellschaftliche Leben blüht noch einmal richtig auf. Dann kehren Freunde zurück nach Santa Cruz, wir feiern das Wiedersehen, wir gehen gemeinsam Paella essen und dabei wird ein gemeinsamer Opernbesuch beschlossen. Seit Monaten sehen wir die „Romeo und Julia“-Plakate und sind uns sicher, dass wir Santa Cruz dann lange verlassen haben werden. In der Premiere gibt es neben wenigen Einzelplätzen noch genau fünf zusammenhängende Sitze, wenn das kein Zeichen ist. Zu fünft genießen wir eine tolle Premiere.

Flugshow

Sollten wir Auslauf brauchen oder Ruhe suchen, machen wir einen Spaziergang in den Park. Die Halsbandsittiche bieten ein tägliches Unterhaltungsprogramm. Außerdem gibt es einige Vogelarten, deren Verwandten bei uns zuhause wohnhaft sind wie Meisen, Zilpzalp, Grasmücken oder Amseln. Neulich habe ich stundenlang Sittiche fotografiert, nur um dann die SD-Karte der Kamera zu formatieren. Ein Anlass noch einmal Papageien fotografieren zu gehen. Die anderen Vogelfotos sind alle im Anaga-Gebirge entstanden, auch das der glücklichen Hühner.

Kleine Bootsarbeiten

Wer ein Boot hat, dem wird nicht langweilig. Neulich hatte Nobbi festgestellt, dass die automatische Pumpe unter der Stopfbuchse nicht funktioniert. Bevor wir sie wegwerfen, haben wir die ausgebaute Pumpe in einem Eimer Wasser erneut getestet. Sie funktioniert. Also wird sie gründlich gesäubert und „mal eben“ wieder eingebaut. Nobbi hängt kopfüber in der Bilge und flucht. Die Pumpe geht nicht, sie bekommt gar keinen Strom. Nach längerem hin- und her wird klar, Schuld ist nicht die Pumpe, sondern der korrodierte Schalter. Ein neuer Schalter findet sich in der Elektrokiste. Um den alten Schalter auszubauen, müssen die Kabel im Motorraum enttüdelt werden. Nach dem Wechsel des Schalters werden alle Kabel wieder mit Kabelbindern gezähmt. Immerhin 4 Stunden Arbeit, aber eine neue Pumpe brauchen wir nun nicht kaufen.
Eine der Leisten der Gräting im Cockpit wackelt und beim Wäschesack sind die Henkel durchgescheuert. Winzige Kleinigkeiten, deren Reparatur ein mittleres Chaos nach sich zieht.
Dann gibt es Arbeiten, die sollen gemacht werden, aber die Lust sie zu beginnen wird durch die Befürchtungen, wie kompliziert es sich gestalten könnte, stark gemindert. Als wir Besuch bekommen haben, haben wir unser Schlauchboot unterm Salontisch hervorgeholt und an Deck gelegt. Dabei haben wir gesehen, dass einer der Bolzen, der das Tischgestell im Boden befestigt seinen Kopf verloren hat. Der Bolzen muss nun raus. Da er kopflos ist, kann man ihn kaum anfassen. Außerdem haben wir Angst um unser Fußbodenbrett, das die Arbeiten unbeschadet überstehen soll. Nach unten können wir den Bolzen nicht herausschrauben. Dafür ist er schlicht zu lang, bzw. nicht genügend Platz in der Bilge. Schließlich schrauben wir das Tischgestell und das Bodenbrett komplett ab und heben es nach oben heraus. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört, weil es schmatzend zwischen Salonsofa, Backskiste und Schott zur Kombüse passt. Nun lässt sich der abgerissene Bolzen relativ einfach mit einer Zange, Kraft und Geduld entfernen. Wir beschließen das Bodenbrett zu lackieren, bevor wir es wieder einbauen. Das ist schnell erledigt. Nobbi schleift an, ich lackiere. Leider ist das Wetter nicht gut. Das Brett muss unter Deck trocknen. Da wir nun weder einen Tisch haben noch der Fußboden begehbar ist (er wurde ausgebaut oder dient als Ablagefläche für das frisch lackierte Brett), gehen wir erst ins Naturkundemuseum und anschließend mit Freunden ein Glas Wein trinken.
Beim Einbau am nächsten Morgen bricht von einem weiteren Bolzen der Kopf ab. Kopflose Gesellen, diese Edelstahlbolzen, zum Glück haben wir noch einen Ersatz an Bord. Vom „neuen“ Fußboden sieht man nicht viel, weil das Schlauchboot wieder seinen Platz unterm Tisch eingenommen hat, aber noch genug, um die Idee zu nähren „mal eben“ den Rest des Fußbodens zu lackieren.

Die Bewegungsfreiheit unter Deck ist eingeschränkt.
Das Tischgestell hat wieder vier Bolzen mit Kopf und der Fußboden darunter glänzt.
Der reparierte Wäschesack betätigt sich als Windsack.

Die Milchmädchen und Puerto Cruz

Nachdem wir Werft und Karneval verdaut haben und zumindest einen großen Teil des Staubs losgeworden sind, hätten wir Lust die Insel zu wechseln. Doch der Wetterbericht verspricht erst windlose Tage, dann (zu-)viel Wind und Regen. Da wir keine Lust auf eine lange Motorfahrt haben, verlängern wir unseren Aufenthalt. Obwohl wir schon so lange hier sind, gibt es immer noch etwas zu entdecken. Neulich haben wir an einer interessanten Stadtführung durch Santa Cruz teilgenommen. Obwohl wir an allen besuchten Plätzen bereits zuvor gewesen waren, haben wir viel Neues gelernt und hatten einen lustigen Vormittag.

Uns steht der Sinn nach einer kleinen Wanderung. Wir steigen an der Endhaltestelle der Busstrecke aus wollen von hier auf einem Pfad zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen. Der Pfad ist gesperrt. Privat-Schilder und eine Hundewarnung sprechen eine klare Sprache. Auf der Straße ist der Weg doppelt so weit, doch da es leicht bergab geht und die Straße kaum befahren ist, läuft es sich sehr angenehm. In den Tälern nördlich von Santa Cruz ist es grün, viele gelbe Blüten zieren die Wiesen, blühende Mandelbäume und Gärten sorgen für Abwechslung. Nun folgen wir dem Camino de las Lecheras, dem „Milchmädchen-Weg“. Auf dieser Route haben früher Frauen Milch und landwirtschaftliche Produkte in die Stadt gebracht. Bereits im 16. Jahrhundert soll die 15 km lange Strecke begangen worden sein, vielleicht bereits in vorspanischer Zeit. Wir laufen weder die ganzen 15 km, noch tragen wir eine Milchkanne auf dem Kopf. Uns reicht es, dass wir uns den wärmsten Tag der letzten Wochen oder Monate ausgesucht haben. Fast 30 Grad ist es warm und windstill. Abgesehen von einem knackigen Anstieg ist der Weg recht harmlos. Genau richtig für uns. Wir sind beeindruckt wie wild Teneriffa sich hier in unmittelbarer Nähe zur Stadt zeigt. Der Wanderweg schlängelt sich am Hang entlang, unter uns eine tiefe Schlucht. Manchmal gibt es Geländer oder Seile, an denen man sich festhalten kann. Entlang des Pfads blühen viele Pflanzen und abgesehen von wenigen Vogelstimmen ist es ganz still. Dieser schöne Abschnitt der Route ist viel zu schnell zu Ende. Wir suchen uns einen Felsen für unser Picknick mit Blick über Santa Cruz.
Der Wanderweg endet bei einer roten Höhle, eigentlich einem alten Steinbruch, die toll wäre, wenn nicht so viel Müll darin liegen würde. Der Stadtteil heißt nach der Höhle Cueva Roja und klebt am Hang. Viele schmale Fußwege und unzählige Treppenstufen führen zwischen den kleinen, verwinkelten Häusern durch. Als wir das Gewirr der kleinen Gänge hinter uns lassen, ist es nur noch eine gute halbe Stunde zurück zum Hafen. Die Tour hat uns sehr gut gefallen, wir könnten uns vorstellen sie noch einmal zu laufen.

Von Santa Cruz gibt es eine schnelle Busverbindung nach Puerto Cruz, der Bus nimmt die Autobahn. Den kleinen Botanischen Garten kennen wir noch nicht. Er gefällt uns. Viele schöne, große Bäume aus aller Welt stehen in dem Park, der bereits 1788 angelegt und seitdem einige Mal umgestaltet wurde. In den nächsten Jahren soll er erweitert werden. Auf einer schattigen Bank essen wir uns Picknick und beobachten Pflanzen, Vögel und Menschen. Wir laufen einen Kringel durch Puerto Cruz. Hier gibt es viele, zum Teil sehr hässliche Hotels, mehr deutsche Rentner als auf Norderney und mehr Souvenir- und Sonnencremeläden als Supermärkte. Aber, Puerto Cruz hat auch schöne Ecken zu bieten: schmale Gassen, traditionelle Häuser mit hölzernen Balkonen und viele Blumen. Außerdem gibt es an jeder zweiten Straßenecke eine tolle Aussicht – im Norden das Meer, im Süden der Teide.

Am Aschermittwoch ist nichts vorbei!

Karneval ist auf Teneriffa eine äußerst ernste Angelegenheit. Ein großer Teil der Karnevalsaktivitäten findet in den Messehallen statt und ist damit nur begrenzt zugänglich. Die Karnevalskönigin wird gekört, auch eine Kinder- und eine Senioren-Königin, und Karnevalsgruppen werden in verschiedenen Kategorien wie Tanz, Gesang und Kostümen prämiert. Doch auch für karnevalsscheue Norddeutsche, die gänzlich unvorbereitet in den Karneval trudeln, gibt es viel Karnevalistisches zu sehen.
Bereits Mitte Januar wurde die Vorstellung der Kandidatinnen im Fernsehen übertragen. Produktionsort war eine extra aufgebaute Bühne ganz in der Nähe der Marina. Neugierig wie wir sind, stehen wir an einem kühlen, windigen Abend am Bauzaun und können einen Blick auf die Bühne erhaschen. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von den aufwendigen Kostümen und den Sambagruppen, sehen die Königinnen-Anwärterinnen und erschrecken, als direkt neben uns das Feuerwerk hochgeht.
In den folgenden Wochen hören wir immer mal wieder Proben und verfolgen den Aufbau der Bierbuden, Bühnen und Absperrgitter. Direkt neben der Marina wird der Rummel eröffnet.
Zunächst sind wir traurig, dass wir einen Teil des Karnevals verpassen werden, da er mit unserem Werftaufenthalt zusammenfällt. Als uns unsere Nachbarn zum Werfttermin gratulieren, schwant uns, dass der Termin auch Vorteile haben könnte. Laut soll es werden. So laut, dass einige sich ein Zimmer auf der anderen Seite der Insel gemietet haben.
Von der Werft fahren wir mit dem Bus in die Innenstadt, um uns den ersten Karnevalsumzug anzusehen. Er findet Freitagabend statt. Es gibt einige Wagen, die sich uns nicht erschließen, aber auch viel interessantes Fußvolk. Am Tag, an dem wir aus der Werft kommen (Karnevals-Dienstag), gibt es nachmittags einen noch größeren Umzug, den wir uns natürlich auch ansehen. Mit den Karnevals-Königinnen kann ich wenig anfangen, die Samba (meist mehr Salsa!) – Gruppen haben mir sehr gefallen. Viele Gruppen tragen kreative und kunstvolle Kostüme, die mit großem Aufwand hergestellt wurden. Doch es gibt auch Gruppen mit lustigen „no budget“-Verkleidungen und Trommeln. Mit dem Typen, der auf jedem Umzug stundenlang die Flügel des überdimensionalen Flügel des Loropark-Papageis bewegt hat, habe ich noch immer Mitleid.
Aschermittwoch wird die Sardine beerdigt. Das ist eine typisch spanische Tradition. Am späten Abend zieht eine Sardine aus Pappmaschee durch die Straßen, die schließlich verbrannt wird. Begleitet wird die Sardine von Witwen. Fast alle sind in schwarz als „Witwe“ verkleidet. Wobei „Witwe“ ein weites Feld ist. Mal eher als Nonne, mal als Nutte. Viele Menschen sind in eher fantasievollen Kostümen unterwegs, manchmal tragen Freundesgruppen ein ähnliches Kostüm, oder alle den gleichen Hut oder Schleier. Es ist chaotisch und sehr voll. Die Polizei räumt die Straße, doch dann passiert nichts und die Menge bevölkert wieder jeden freien Platz. Nach über zwei Stunden Wartezeit wollen wir schon aufgeben, doch dann sehen wir sie doch noch, die ausgesprochen sympathische Sardine. Die gekreuzigte Sardine, die kurz vor der „eigentlichen“ Sardine vorbeizieht, trifft nicht jeden Geschmack. Die Frauen neben mir sind entsetzt. Nachts um eins gibt es ein tolles Feuerwerk.
An anderen Orten ist die Karnevalszeit nun beendet. Hier nicht. Hier beginnt die zweite Runde!
Beim Inklusionskarneval gefällt uns die (Salsa)-Musik am besten und das Publikum tanzt toll. Der Kinderumzug hat leider Pech mit windigem kühlem Wetter. Wir tragen eine Jacke, viele der Kinder sehen sehr verfroren aus. Die Tanzschulen, die wir schon von anderen Events kennen, haben schöne Choreografien einstudiert und begeistern das Publikum. Am Wochenende findet Freitag der Karneval der Nacht (den ganzen Tag) und Samstag der Karneval des Tages (den ganzen Tag) statt. Die hübsche, wie ich finde, sehr spanische Formulierung, stammt nicht von mir, sondern von der Veranstaltungsseite. Ab mittags wird gefeiert, abends wird es voll. Sonnabend sollen 420.000 Menschen auf der Straße gewesen sein. Beeindruckend! Mit einem Segelfreund stürzen wir uns ins Gewusel. Schnell wird es uns zu voll, auch wenn die Stimmung sehr fröhlich ist. Neben den viele tollen Kostümen und freundlichen Menschen wird mir leider der intensive Pipi-Geruch in Erinnerung bleiben. Ob es am Mangel an Toiletten oder den bereits am frühen Abend gefallenen Hemmungen liegt, kann ich nicht beurteilen. Nun wird auch mehr als deutlich, weshalb Ladenbetreiber und Hausbesitzer ihre Fassaden in Pastik verpackt haben und die Bierstände mit Bauschaum zum Boden abgedichtet wurden. Auf unserem Nachhauseweg steht die Straße unter Wasser. Nur, dass es sich eben nicht um Wasser handelt…
Gefeiert bis morgens um sechs. Zumindest endet das Bühnenprogramm um diese Zeit. Das können wir auch aus unserer Koje gut verfolgen. Leider wechselt in der zweiten Hälfte der Nacht die Musik und es stimmt: es ist sehr laut. Sonntagabend findet der Karneval schließlich mit einem weiteren Feuerwerk seinen Abschluss.
Nur der Rummel ist noch eröffnet. Uns Marina-Bewohner stört daran nur, dass der Übergang von der Stadt zu Marina jeden Nachmittag um fünf gesperrt wird und wir dann einen weiten Umweg in Kauf nehmen müssen. An das laute Gekreische haben wir uns inzwischen gewöhnt und zum Glück schließt der Rummel jeweils um Mitternacht.

Beim Straßenkarneval wird es voll!

Die Sardine

Manchmal dauert es etwas länger

Manche Arbeiten laufen super, bei manchen Projekten hakt es und manchmal muss man Lehrgeld bezahlen. Leider nicht nur im übertragenen Sinne.
Die Erneuerung unserer Solarpanels hat uns länger auf Trab gehalten als gedacht. Irgendwo zwischen Namibia und St. Helena haben die alten Solarpanels langsam ihren Dienst eingestellt. Eins war ganz kaputt, das andere hatte nur noch etwa 30 % seiner Leistung. Nach unserer Ankunft auf Teneriffa machen wir uns auf die Suche nach Ersatz. Das war nicht so einfach wie erhofft. Unsere Solarpanels hängen auf beiden Seiten des Cockpits am Seezaun und wir wollen die alte Mimik zum Hochklappen und Verstellen behalten, daher sind die Maße weitgehend vorgegeben. Die Panels, die wir aussuchen sind nicht lieferbar, doch der ausgewählte Ersatz soll nach unserem Heimaturlaub in Santa Cruz auf uns warten.
Als wir Anfang Dezember wieder in Santa Cruz sind, holen wir die Panels beim Bootsausrüster ab. Zunächst müssen die alten Module abgebaut werden. An Steuerbord geht es ganz fix, an Backbord geht nichts. Die alte Verschraubung wehrt sich. Die Niroteile sind unter Einwirkung von Salzwasser eine innige Verbindung eingegangen. Auch mit größeren Mengen WD40, einem blauen Daumen, roher Gewalt und zwei Personen brauchen wir mehrere Tage, bis das alte Panel abgebaut ist. Dabei bricht von einer Stütze des Seezauns der Kopf ab. Alle abgebauten Teile wandern in warmes Seifenwasser und werden gründlich gereinigt und poliert.
Die Halterung für die Solarmodule ist elegant, sie werden quasi auf den Seezaun gefädelt. Leider ist der Rahmen der neuen Panels nicht genauso dick wie der alte, wir denken, dass es trotzdem funktionieren sollte. Ich mache es kurz. Es hat nicht funktioniert. Bei der Befestigung der Halterung gerät das Solarpanel unter Spannung und springt. Kaputt. Die Enttäuschung ist groß, aber es hilft nichts. Wir denken uns eine alternative Halterung aus, die wir mit den Teilen basteln können. Nun müssen wir zwar in den Rahmen bohren, ihn aber nicht aufsägen oder nieten. Es klappt, bald hängt das neue Solarpanel an Steuerbord und produziert Strom. Die beschädigte Seezaunstütze lassen wir schweißen.
Nobbi trabt, mal wieder, zum Ausrüster und bestellt ein neues Solarpanel. Die Lieferung verzögert sich. Erst ist Weihnachten, dann drei Könige, dann hängt es im Zoll, dann ist es durch den Zoll, wird aber trotzdem nicht ausgeliefert.
Kaum sind wir in der Werft, wartet das Solarpanel in Santa Cruz. Der Besitzer des Ladens ist unglaublich nett und bringt es uns an Bord. In den ersten Tagen auf der Werft teilen wir das Sofa also mit einem großen, flachen Paket. Extrem praktisch! Dann haben wir endlich Zeit es an den Seezaun zu hängen. Nachdem wir von der Werft zurück nach Santa Cruz gekommen sind, hat Nobbi es elektrisch angeschlossen.
Beide Solarpanels machen eifrig Strom und freuen sich mit uns auf schöne Ankerplätze. Nach fast fünf Monaten ist die „Mission Solarpanels“ endlich abgeschlossen!

Werfttage

Nachdem unser Besuch abgereist ist, kümmern wir uns um einen Termin in der Werft. Beim ersten Versuch treffen wir den Chef nicht an, laufen stattdessen zum Strand Teresitas und sind überrascht, wie voll es dort an einem sonnigen Wochentag Anfang Februar ist. Beim zweiten Versuch sind wir erfolgreich. Da unklar ist, ob wir am folgenden Dienstag an Land gehoben werden können oder erst am Mittwoch, einigen wir uns darauf, dass wir Dienstagnachmittag am Werftsteg festmachen.
Wir bereiten uns mit einem größeren Einkauf vor. Werftaufenthalte lassen sich schwer planen. Nahrungsmittel, die unkompliziert zubereitet oder „einfach so“ gegessen werden können sind ideal: Tomaten, Äpfel, Bananen, Vollkornbrot, Eier.
Dienstagmittag empfängt uns eine eklige Welle von vorne. Wir werden durchgeschüttelt und schleichen mit 3, 5 kn zur Werft, die am Ende des Fischereihafens liegt. Bevor wir noch am Werftsteg festgemacht haben, winken bereits die Werftarbeiter. Wir können direkt in den Travellift einfahren und Mari wird umgehend an Land gehoben. Ihr Bauch wird mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und sie wird auf dem Werftgelände abgestellt.
Unsere ToDo Liste umfasst die Erneuerung des Antifoulings, den Verschluss des Einlasses des Wassermachers und das Polieren des Rumpfes. Die wichtigsten Aufgaben, die wir an Land erledigen wollen, sind aber die Kontrolle und Wartung des Verstell-Propellers und die Erneuerung der Abdichtung der Stopfbuchse.
Bevor wir den Propeller inspizieren können, müssen die Seepocken verschwinden. Abwechselnd kratzen wir die Kalkschalen ab, dann poliert Nobbi ihn mit der Drahtbürste.
Wir haben einen Verstellpropeller. Der Anschlagpunkt der drehbaren Propellerblätter und somit die Steigung des Propellers, lässt sich einstellen. Wir haben den Verdacht, dass die Einstellung nicht mehr passt. Legen wir den Rückwärtsgang ein, rüttelt der Motor und es kommt schwarzer Qualm aus dem Auspuff. Ein Zeichen für Überlastung. Tatsächlich ist die Steigung des Propellers rückwärts deutlich zu hoch. Nobbi verändert die Einstellung. Anschließend muss er nur noch gefettet werden. Wir pressen Fett in den Propeller, bis wir den Eindruck haben, dass Wasser und altes Fest vollständig verdrängt wurden. Nachdem wir die neuen Anoden angebracht haben, verschwindet der glänzende Propeller in einem eleganten lila Müllbeutel.
Die Stopfbuchse dichtet die Propellerwelle ab. 2017 waren wir hier auf Teneriffa in der Werft um die Packung, so nennt man die Dichtung, zu wechseln. Ein halbes Jahr zuvor hatte die Werft in Portugal das falsche Dichtungsmaterial verwendet. Nach einer ganzen Weltumsegelung wird es nun wieder Zeit die Packung zu ersetzen. Nobbi flucht. Die Arbeitsposition ist suboptimal. Er kniet im Bad und hängt mit dem Brustkorb auf dem Schott zum Motorraum.
Während Nobbi sich mit der Stopfbuchse quält, entferne ich lose Reste des alten Antifoulings, schleife es an und wasche den Rumpf. Wie jedes Mal schwappt mir irgendwann das schwarze Antifouling-Wasser in die Handschuhe und läuft mir die Arme herunter. Große Sauerei.
In den folgenden Tagen tragen wir eine Schicht Grundierung und zwei Schichten Antifouling auf. Mari hat nun wieder einen schönen roten Bauch.
Das Seeventil des Wassermachers wehrt sich beim Ausbau, Nobbi sägt es schließlich durch. Das Loch, das zurückbleibt, verschließt ein Arbeiter der Werft sehr professionell. Auch das Polieren des Rumpfs übernimmt ein Arbeiter der Werft und wir haben noch etwas Zeit für Kleinkram. Das Edelstahl der Badeleiter wird poliert und eine Stufe neu befestigt. Die Fender werden gründlich geputzt bevor sie zur Feier des Tages neue, leuchtend blaue Überzüge bekommen. Der Impeller der Logge verbringt eine Nacht in Essig und verliert so alle ungebetenen Untermieter: Seepocken unterschiedlicher Größe. Tatsächlich sind wir ausnahmsweise völlig ohne Stress einfach fertig und gehen Sonntagnachmittag Pizza essen.
Am Montagmittag hängt Mari wieder in den Gurten des Travellifts und wir können auf die Stellen, an denen sie auf den Stützen stand, Antifouling auftragen. Danach wird Mari wieder ins Wasser gesetzt, Nobbi kuppelt rückwärts ein und grinst. Kein Rumpeln, kein schwarzer Qualm. Das Einstellen des Propellers war erfolgreich! Rückwärts fahren wir durchs Hafenbecken und machen dann am Steg der Werft-Marina fest. Zunächst bekommt unser Boot eine ausgiebige Dusche, um den Werftstaub abzuwaschen, auch wenn schon neuer Staub im Anmarsch ist. Calima. Heißer Ostwind trägt feinen Saharastaub auf die Kanaren (und Kapverden!). Die Sichtweite nimmt sehr stark ab. Wir können kaum das andere Ende des Hafenbeckens erkennen, Santa Cruz ist bereits morgens im Dunst verschwunden und es ist viel wärmer als an den Tagen zuvor.
Insgesamt war das ein angenehmer Werftaufenthalt. Das Wetter ist perfekt für Bootsarbeiten. Grundierung und Antifouling sind sehr schnell getrocknet. Das ewige Hoch- und Runter auf der Leiter ist nervig, besonders wenn man nachts zur Toilette muss. Doch die heißen Duschen machen einiges wett. Leider war Nobbi zwischendurch krank, da kam es uns gelegen, dass wir wegen des Polierens ohnehin bis Montag auf dem Trockenen bleiben mussten. So konnten wir in entspanntem Tempo vor uns hinarbeiten. Die Stimmung auf der Werft war freundlich. Das Laminier-Team auf dem Nachbarboot hat laut fröhliche Musik gehört. Genau mein Geschmack. Einer der beiden Arbeiter hat genauso schief mitgesungen wie ich. Das verbindet.
Der Nachtwächter hat uns besonders ins Herz geschlossen, auch wenn ich in unseren Unterhaltungen höchstens die Hälfte verstanden habe. Eines Abends hat er uns Ziege in Rotwein zum Abendessen mitgebracht. Sehr, sehr nett und ausgesprochen lecker!
Dienstag fahren wir zurück nach Santa Cruz. Der glatte Rumpf und der adjustierte Propeller sorgen für eine schnelle Fahrt. An unserem Liegeplatz werden wir von den Nachbarn begrüßt.
Die Spuren des Werftaufenthalts sind schon fast verschwunden. Lappen und Arbeitskleidung sind gewaschen und auch Nobbis Finger sind „nur noch zwei Duschen von Bürofingern entfernt“, behauptet er zumindest.

Mari schwebt mich dreckigem Bauch und Propeller an Land.
Sie wird auf dem Werftgelände abgestellt.
Das Loch im Rumpf wird professionell versclossen.
Der Propeller lässt sich einstellen und stand weit im Plus, obwohl er für uns im Minus stehen muss.
Der frisch gemalte, rote Bauch freut den Eigner so sehr, dass er Partnerlook trägt.
Werftaufenthalt mit Teideblick. Wo gibt es das?
Calima: gar kein Ausblick!
Das schönste am Werftaufenthalt? Wenn sie wieder schwimmt!