Abstecher nach Singapur und Bali

Vergleichsweise spontan ging es für uns nach Singapur, dort lebt und arbeitet meine Schwester samt Mann seit einem dreiviertel Jahr. Höchste Zeit für einen Besuch. Singapur ist eine spannende, sehr moderne Stadt. Neben den vielen (teilweise sehr interessanten) Hochhäusern fällt uns zunächst auf wie gut dieser Stadtstaat organisiert ist. Natürlich haben wir uns das touristische Singapur angesehen, sind mit der MRT (der U-Bahn) gefahren und haben uns die Füße rundgelaufen, Marina Bay, Chinatown und Little India, das Aquarium, alt und neu, Wolkenkratzer und Parks, Moscheen, Tempel und Kirchen auf engstem Raum.

Neben den Hochhäusern (ich bin ein ausgesprochener Hochhausfan) hat uns der botanische Garten besonders gut gefallen. Eine große, grüne Oase mitten in dieser großen Stadt. Noch mehr als das Sightseeing-Singapur, hat uns Lisas Singapur interessiert, wollten wir doch sehen wie sie hier lebt. Und wir haben uns unter ihrer Anleitung durch die Stadt gefuttert. Singapur ist nicht nur die Stadt des Shoppings sondern auch des Essens. Wunderbar!


Insgesamt hatten wir gar nicht so viel Zeit für Singapur, zu dritt haben wir uns auf den Weg nach Bali gemacht. Auf der Götterinsel ging es zunächst nach Ubud, hinterher nach Canggu, dichter an die Küste. Wir haben Tempel besichtigt und heilige Affen besucht, sind mit dem Roller zwischen den Reisfeldern über kleine Straßen gesaust, haben fern der Touristenziele kleine Dörfer gesehen, uns mit vielen anderen Besuchern aus aller Welt abends durch die Läden in Ubud geschoben, sind den langen Strand in Canggu und Seminyak entlang spaziert, haben uns balinesische Massagen gegönnt und haben wunderbar gegessen. Wir kannten Bali alle drei bereits und waren wieder begeistert von der Vielseitigkeit der Insel und der Freundlichkeit der Balinesen.


Singapur hat uns beeindruckt, Bali zu mögen fällt leicht, doch besonders schön war es, dass ich fast zwei Wochen mit meiner kleinen Schwester verbringen durfte.
Seit Montag sind wir zurück in Deutschland, jetzt heißt es wieder Dinge erledigen und Listen abarbeiten. Wir werden täglich einen Spaziergang einschieben, schließlich müssen wir unsere Asienkilos wieder loswerden!

Ersatzteile und Latin Lover

Fast zwei Wochen sind wir schon in Bremen und die Zeit vergeht rasend schnell. Unsere Einkaufslisten werden kürzer. „I need not to need“ – ich hatte mir doch vorgenommen nicht dem Shoppingwahn zu verfallen, doch das ist schwieriger als gedacht. Besonders bei allem was irgendwie mit Boot zu tun hat greift der Kaufreflex. Alles was es in Brasilien nicht gab, liegt hier einfach im Regal. Die Box mit den Dingen die mit nach Brasilien reisen ist bereits gut gefüllt und nachdem viele Punkte schon abgearbeitet sind, ist jetzt langsam Zeit für die Dinge, die richtig Spaß machen. Reiseführer lesen und sich auf die nächste Etappe freuen zum Beispiel.
Gestern haben wir einen perfekten Bremer Samstag verbracht. Zunächst haben wir die Gelegenheit genutzt, dass es so kalt ist und waren mit meinen Eltern Grünkohl essen. Nobbi hatte befürchtet er habe die Grünkohlsaison verpasst (obwohl er gar kein echter Bremer ist liebt er Grünkohl) und freute sich nun besonders über den Kälteeinbruch, so richtig schmeckt der Kohl eben nur wenn es kalt ist.
Abends haben wir Bundesliga geguckt. Nee, kein Fußball, Tanzen! Zum Glück hatte meine Mama in der Zeitung gelesen, dass das Bremer Formationswochenende diesmal in Kombination mit der Deutschen Meisterschaft der Lateintänze stattfindet. Der gemeinsame Besuch von Tanzveranstaltungen ist bei uns schon Tradition und so war es keine Frage, dass wir dort hingehen. Ein toller Abend. Lateinformationen und die Deutsche Meisterschaft der Einzelpaare begeisterten uns im Wechsel, Tanzen auf ganz hohem Niveau bei grandioser Stimmung. Wer denkt, dass Bremer ruhige Brummelköppe sind, die nur gelegentlich ein leises Moin hören lassen, sollte die Fans von Grün-Gold in Aktion erleben.
Noch viel wichtiger als in Deutschland Ersatzteile zu besorgen, ist das Knuddeln von Familie und Freunden. Wir haben uns fest vorgenommen möglichst viele liebe Menschen zu treffen so lange wir hier sind, sind sie doch das Einzige was uns auf unserer Reise gelegentlich fehlt. Deshalb gehen wir morgen schon wieder auf reisen und besuchen meine Schwester samt Lieblingsschwager.

Ein Porteño-Sonntag

Sonntags läuft das Leben in Buenos Aires langsamer. Die Porteños, die Bewohner Buenos Aires´, genießen den freien Tag, Die meisten Läden haben geschlossen. Man trifft sich im Park. Wir schließen uns an, in einem Park, einige U-Bahn-Haltestellen vom Zentrum entfernt, soll die Veranstaltung „Folklore im Park“ stattfinden. Im Park sind viele Familien unterwegs, überall sitzen kleine Gruppen zum Picknick, Hunde werden ausgeführt (Pudel sind beliebt) und eine große Pfadfindergruppe trifft sich. Wir hangeln uns von Parkbank zu Parkbank uns genießen das bunte Treiben um uns herum. Auf den Wiesen wird geturnt, da wird Handstand geübt, an einem an einen Baum geknoteten Tuch geturnt und ein Einhorn (klar, ein echtes…) springt durch einen Reifen. Irgendwann bekommen wir Hunger. Im Park sind lauter Verkäufer unterwegs, Joghurt mit Früchten, Kuchen und Sandwiches kann man bekommen. Wir entscheiden uns trotzdem für das nette Café, das wir auf dem Weg von der U-Bahn-Station gesehen haben. Auch hier geht es gemütlich zu. Wir essen Rindfleisch und Salat und entspannen. An den Nebentischen wird Zeitung gelesen. Eilig hat es heute niemand. Dann machen wir uns wieder auf den Weg in den Park. Inzwischen ist es noch voller geworden, die Pfadfinder sammeln jetzt Plastikflaschen ein und spielen ein anscheinend sehr lustiges Spiel, das wir leider nicht verstehen. Eine kleine Gruppe, die Folklore tanzt sehen wir schließlich auch noch, die Musik gefällt uns.
Abends besuchen wir Mercedes und Ricardo und die beiden laden uns in ein nettes kleines Restaurant ein. Wir essen die leckerste Chorizo und eine Art argentinischen Rinderbraten vom Grill. So geht unsere Zeit in Buenos Aires mit einem sehr schönen Abend zu Ende.
Heute hatten wir kein besonderes Programm, sind durch die Parks in der Nähe unseres Hotels gelaufen, natürlich nicht ohne die eine oder andere Pause, waren noch einmal in einem der vielen Cafés und haben den Tag mit dem größten Filet Mignon ausklingen lassen, dass es je auf meinen Teller geschafft hat. Rindfleisch können die Argentinier und es muss nicht so verbrannt riechen wie auf dem Museumsuferfest, Frankfurter wissen was ich meine…
Morgen fliegen wir nach Deutschland, freuen uns auf unsere Familie und unsere Freunde und darüber, dass ihr das Land ein wenig für uns aufgetaut habt!
Buenos Aires hat uns sehr gefallen. Wieder ein Ort auf der Liste an den wir gerne zurückkehren möchten. Außerdem würden wir gerne mehr von Land sehen, natürlich die südliche Spitze, aber auch das Landesinnere.
Adios Buenos Aires! Wir kommen wieder.

T-a-n-g-o

Buenos Aires und Tango sind untrennbar miteinander verknüpft. Nach unseren netten Tango-Erlebnissen in der ersten Woche hier, sind wir weiterhin auf der Suche. Sonntags soll auf dem Markt in San Telmo oft getanzt werden. Wir schlendern über den Markt und halten die Augen offen. Tatsächlich wird hier und dort getanzt, doch die Darstellung ist wenig authentisch, die eigenen Leute sorgen dafür, dass an der richtigen Stelle geklatscht wird, viel Poseing, wenig tanzen. Schließlich werden wir doch noch fündig und entdecken in der Einkaufsstraße, in der alle Läden geschlossen sind, ein junges Paar, das sehr schön tanzt.
Aus Montevideo verabreden wir einen Termin zum Tanzunterricht und anschließenden Besuch einer Milonga mit Lucia und Gerry. Die Argentinierin und ihr Irischer Partner machen einen hervorragenden Unterricht. Alle Teilnehmer in unserer kleinen Gruppe sind sehr zufrieden. Nachdem wir selbst getanzt haben, gehen wir mit den beiden zu einer Milonga. Dieser Tanzabend ist ganz anders als der, den wir in der vorigen Woche erlebt haben, viel steifer und formeller. Für uns ist es sehr interessant. Die Damen sitzen auf der einen Seite des Raumes, die Männer auf der anderen. Per Blickkontakt und Kopfbewegung verabredet man sich zum Tanzen. Lucia und Gerry erklären uns all die Regeln, weisen uns auf besonders gute Tänzer hin und tanzen mit uns. Schließlich wagen auch Nobbi und ich uns auf die Fläche. Zwischendurch wird auch ein Volkstanz mit Tüchern getanzt, den anscheinend alle kennen, und es gibt eine Tangopause in der Rock-and-Roll gespielt wird. Unsere Gelegenheit mal wieder Jive zu tanzen! Dann geht das Licht wieder an und der nächste Tango beginnt. Die Musik stammt fast komplett aus den 40iger Jahren, manch ein Tänzer ist nur unwesentlich jünger. Durch Lucia und Gerry haben wir die Gelegenheit eine Milonga kennenzulernen „wie es früher war“, ohne die beiden wären wir dort nie gelandet.
Ein paar Tage später bummeln wir durch die Straßen und überlegen wie wir den Abend verbringen, als uns Amanda anspricht, ob wir nicht zur Tangoshow wollen und ob sie uns das Theater zeigen soll. Nochmal Tangoshow? Warum eigentlich nicht. Das Theater ist in einer Einkaufspassage, die von außen unspektakulär ist, von innen dafür umso schöner. Diese Tangoshow übertrifft unsere Erwartungen. Zum einen haben wir Glück, erst bekommen wir einen riesigen Rabatt und dann auch noch einen Tisch in einer Loge, einer deutlich besseren Kategorie, zum anderen entspricht die Show genau unserem Geschmack. Keine Merkwürdige Geschichte, die erzählt werden muss. Einfach nur Tango nach der Musik des berühmten Komponisten Astor Piazolla. Die Musik und der Tanz. Wir sitzen auf unserem kleinen privaten Balkon in dem wunderschönen Theater und sind rundum glücklich!
Dem letzten Eintrag habe ich noch einige Fotos von unserem Besuch im Museum des Casa Rosada hinzugefügt.

Kunst, Museen und Bäumchen

Wir sehnen uns nach einer Großstadtpause und beschließen in den Zoo zu gehen. Der alte Zoo soll geschlossen und mit vielen heimischen Tieren und einem Fokus auf artgerechter Haltung wiedereröffnet worden sein. Meine Hoffnung auf ein Treffen mit einem Ameisenbären wird jedoch enttäuscht, der Zoo ist geschlossen. Wir wandern durch die angrenzenden Parks, verwerfen den Plan in den Japanischen Garten zu gehen, dort ist es uns zu voll, und landen schließlich im Botanischen Garten (der Eintritt ist frei). Hier treffen wir viele Bäume, die wir bereits aus den Parks kennen wieder und lernen auch endlich die Mate-Pflanze Ilex paraguariensis kennen.
Buenos Aires verfügt über eine ganze Reihe interessanter Museen, wir entscheiden uns für das MALBA, das Museum für Lateinamerikanische Kunst. Leider sind zwei Ausstellungen gerade zu Ende gegangen und die neuen eröffnen erst nächste Woche, doch auch die Dauerausstellung hat uns sehr gefallen. Dort sind sehr viele moderne Werke zu sehen, von denen uns die meisten viel Spaß gemacht haben. Der Besuch hat sich unbedingt gelohnt, auch das moderne Gebäude ist sehenswert. Auf dem Weg dorthin haben wir uns die Floralis Generica aus der Nähe angesehen, eine riesige metallene Blüte, die in einem netten Park steht. Irgendwie ganz nett, aber mir gefallen die blühenden „betrunkenen“ Bäume besser. Dort treffen wir auf das Reiterregiment. Ein großer Zug mit nach Farbe sortierten Pferden legt den Verkehr lahm, ob es was zu feiern gibt, oder es sich einfach nur um einen kleinen Ausflug handelt erfahren wir nicht. Auf dem Rückweg spazieren wir durch Palermo, eine hübsche Wohngegend mit netten Läden und Geschäften und sehen viele „dog walker“. Die beruflichen Spaziergänger sind mit ganzen Rudeln buntgemischter Hunde unterwegs. Ein junger Mann hatte 19 Hunde im Schlepptau. Beruflich Spazierengehen könnte mir auch gefallen, allerdings mag ich lieber Katzen und da gibt es vermutlich wenig Kundschaft.

 


La Boca ist eines der ältesten Viertel Buenos Aires´, liegt am ersten Hafen und wurde Mitte des 19. Jhd. vor allem von italienischen und spanischen Einwanderern bewohnt. Damals wurden die Häuser aus Materialien gebaut, die Bahn- und Hafenarbeiter bekommen konnten. Die Häuser waren aus Blech und Holz und wurden mit Farbresten gemalt. Heute ist ein Teil dieses Viertels ein Künstlerviertel mit Ausstellungsräumen. In der kleinen Fußgängerzone sind die Hauser noch immer traditionell bunt bemalt, auch wenn die Hafenarbeiter im letzten Jahrhundert sicher keine lila oder pinken Farbreste von den Schiffen bekommen haben. Wir nehmen an einer Führung teil, erfahren vieles über das Viertel, die Entstehung des Tangos, der hier seine Wurzeln hat, und über die Boca Juniors, den Fußball Club. La Boca ist bunt und fröhlich. Die kleine Fußgängerzone ist ganz und gar dem Tourismus gewidmet, Restaurants und Andenkenläden reihen sich aneinander und mancher Tangotänzer möchte mit einem für ein Foto posieren. Da wir von der U-Bahn zu Fuß zum alten Hafen gelaufen sind, wovon abgeraten wird, haben wir auch ein anderes La Boca kennengelernt, einen ärmeren Stadtteil mit kleineren Häusern und sehr viel interessanter Straßenkunst. Wir haben uns nicht unsicher gefühlt, fanden es im Vergleich zu Brasilien sehr aufgeräumt und sauber, würden dorthin nachts aber keinen Ausflug unternehmen.

 


Die U-Bahn in Buenos Aires, die Subte, ist super und spottbillig. Man braucht eine Karte, die umgerechnet einen Euro kostet, lädt diese auf und fährt dann für etwa 20 Cent pro Fahrt. Außer in der U-Bahn gilt sie auch im Bus. Sehr praktisch. Die Argentinier sind sehr höflich und drängeln eigentlich nicht. Doch bei einer vollen U-Bahn muss man sich entschlossen reinquetschen. Ganz anders am Bus, da bilden die Argentinier an der Haltstelle eine Schlange und steigen ganz ruhig nacheinander ein. Das geht so weit, dass sie abends einen ganzen Häuserblock entlang Schlange stehen um in die Außenbezirke zu fahren. Diese Schlangen können weit über hundert Meter lang sein. Auch sonst sind die Argentinier auffallend höflich. Frauen werden zum Beispiel beim Einsteigen in den Fahrstuhl vorgelassen und man bietet einander Sitzplätze in Bahn oder Bus an.
Argentiniens Geschichte ist spannend und wir wissen so wenig darüber, deshalb waren wir heute im Museum des Casa Rosada. Neben dem Präsidentenpalast gibt es ein Museum, das auf den Überresten des alten Zollhauses gebaut wurde und sich mit der Geschichte Argentiniens seit der Unabhängigkeit beschäftigt. Kurze Filme führen in kleinen Etappen durch die wechselhafte Geschichte. Zusätzlich sind viele persönliche Gegenstände früherer Präsidenten ausgestellt. Alle Filme sind auf Spanisch, da sie aber Untertitel haben, konnten wir das Meiste verstehen. Dem Museum wird der Vorwurf gemacht, die geschichtliche Darstellung würde sich an den Ansichten der jeweils aktuellen Regierung orientieren. Das können wir nicht beurteilen. Jedenfalls hatte das Museum ein sehr schnellen, freizugängliches WLAN, so dass wir ausgiebig unterschiedliche Quellen befragen konnten. Übrigens ist Internetzugang in Buenos Aires kein Problem, in vielen Parks, in öffentlichen Gebäuden und in Restaurants klappt das problemlos. Nur in unserem Hotelzimmer ist es schwierig. Um diesen Beitrag ins Netz zu senden werde ich entweder auf dem Flur herumlaufen oder direkt hinter der Zimmertür auf dem Boden sitzen müssen. Uns hat die kleine Ausstellung gefallen, wir haben viel gelernt. Da wir die Gelegenheit genutzt haben dort etwas ausführlicher nachzulesen, haben wir dort drei Stunden verbracht. Die Mauerreste des Zollamtes sind im Museum zu sehen und viele Gemälde illustrieren, wie der Platz, an dem heute das Museum ist, sich verändert hat. Eine Video-Visualisierung der Veränderung über die Zeit war besonders beeindruckend. Für uns völlig überraschend ist dort auch ein Gemälde von dem mexikanischen Maler David Alfaro Siquieros ausgestellt. Der Maler wollte 1933 in den Straßen von Buenos Aires malen und durfte dies aus politischen Gründen nicht. Er nahm das Angebot eines Privatmannes an, in dessen Keller zu malen. Tatsächlich bemalte er den gesamten Kellerraum, also alle Wände, die Decke und den Fußboden. Dieser komplette Raum wurde aufwendig abgebaut und ins Museum umgesiedelt und darf nun in kleinen Gruppen im Rahmen einer Führung (für uns sogar auf Englisch) angesehen werden. Es ist sehr eindrucksvoll sich in einer Blase zwischen lauter Meerestieren und Frauen zu befinden.
Auf dem Rückweg waren wir noch einmal in der Kathedrale, beim letzten Mal war hier Gottesdienst da wollten wir nicht stören. Der Bau wurde 1827 fertig gestellt und ist stilistisch eine interessante Mischung aus Barock und Rokoko. Natürlich werden dort Papst Franziskus-Andenken verkauft, ist er doch Argentinier und früherer Erzbischof von Buenos Aires. Außerdem ist hier das Grab von Jose San Martin, dem Helden der argentinischen (und anderer südamerikanischer Länder) Unabhängigkeit. Das Grab wird von den Wachen beschützt, die auch über den Präsidentenpalast wachen.
Wir laufen häufig durch die „Florida“, eine der Hautpteinkaufsstraßen, zurück Richtung Hotel. Dort stehen überall die „arbolitos“, die Bäumchen, und bieten Geldwechsel an. Wenn „aguaguaguagua“ (unbedingt laut ausprobieren), die Werbung der Wasserverkäufer, der Ausruf Brasiliens war, ist es hier das „cambio, cambio“ der Geldwechsler. Argentinische Pesos sind teuer für Touristen. Wir können nur 2000 Pesos abholen, das sind umgerechnet 80 Euro, hinzukommen 10 Euro Gebühren und die Gebühren, die man bei seiner deutschen Bank bezahlt. Da lohnt es sich schwarz Geld zu tauschen, wenn man denn Dollar oder Euro hat. Zum Glück kann man fast überall mit der Kreditkarte bezahlen, aber ganz ohne Bargeld geht es nicht. Viele Geschäfte geben einen Discount, wenn man in bar zahlt. Dann heißt es rechnen, lohnt sich das oder ist das Bargeld am Ende doch teurer.

Besuch bei der Verwandtschaft

Montevideo ist gewissermaßen die kleine Schwester von Buenos Aires. In Uruguay wird man das allerdings nicht gerne hören, steht man doch ohnehin ständig im Schatten der großen Nachbarn. Mit der Fähre braucht man nur gute zwei Stunden über den Rio de la Plata von Buenos Aires nach Montevideo. Wir wollen uns die Gelegenheit, auch noch einen kleinen Eindruck von Uruguay zu bekommen nicht entgehen lassen, stehen Montagmorgen früh auf und nehmen die Fähre um sieben. Egal wie viel man reist, es gibt immer noch irgendwas Lustiges, das man noch nicht kennt. Vor dem Boarding müssen alle, die an Bord gehen, Überzieher über die Schuhe streifen. Egal ob Passagier oder Crew, wir laufen mit den weißen Stoffhüllen über den Füßen auf der Fähre rum. Falls diese Maßnahme den bereits fleckigen Teppich schützen soll, kommt sie zu spät. Unser Hotel ist toll, wir dürfen gleich einchecken, stärken uns und wandern los. Obwohl der Weg entlang der Standpromenade in die Altstadt länger ist als gedacht, schaffen wir es noch zur Stadtführung (Free-Walking-Tour). Cynthia führt uns nicht nur am Theater, der Nationalbank, den wichtigsten Plätzen, dem Standesamt, der Kirche und am Markt vorbei, sie begeistert uns auch mit vielen kleinen Geschichten und überschüttet uns mit Informationen. Jetzt wissen wir, dass nirgends so viel Rindfleisch gegessen wird wie in Uruguay, dass es 4,1 Rinder pro Einwohner gibt und dass in Uruguay alles etwas länger dauert. Sie berichtet von Fake-Hochzeiten, bei denen man sich trifft und eine Hochzeit feiert, bei der niemand wirklich heiratet. Ein Trend der anscheinend aus Argentinien kommt. Sie erklärt uns wie man in Uruguay Mate zubereitet (natürlich der einzig richtige Weg) und dass die Uni zu wenig Räume hat und deshalb Vorlesungen in einer Kirche abhält. Mit der tollen Führung hat Cynthia uns nicht nur für Montevideo begeistert, sondern auch deutlich gemacht, dass Uruguay nicht immer nur im Schatten der großen Südamerikanischen Länder stehen will. Schließlich gibt es noch den Fußball-Joker. Uruguay hat die erste Fußball-WM gewonnen und Brasilien im Maracana-Stadium besiegt. Abends wandern wir am Wasser wieder zurück zum Hotel. An der Stadtpromenade zählen wir und stellen fest, dass tatsächlich über 80 % der Menschen zum Feierabend Mate trinken. Das Zeug ist ziemlich bitter, aber uns gefiel es so gut, wie die Menschen mit ihrem Mate an der Promenade saßen und die untergehende Sonne die Bombillas (das sind die silbernen Strohhalme) aufblinken ließ. Mate wird auch im Süden Brasiliens, in Argentinien und in anderen Ländern Südamerikas getrunken, jedoch haben wir noch nirgends eine so große Dichte Thermoskannen getroffen wie in Montevideo.
In Montevideo erwartete uns noch eine Überraschung. Rita und Daniel waren am Tag zuvor gerade mit ihrer Maramalda in Uruguay eingetroffen und sind mit dem Bus nach Montevideo gekommen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen haben wir die Erlebnisse der letzten Wochen ausgetauscht. Als wir uns Anfang des Jahres in Salvador voneinander verabschiedet haben, hätten wir nicht gedacht, dass wir uns sobald wiedertreffen.
Montevideo ist zwar deutlich kleiner als Buenos Aires, aber mit 1,4 Mio. Einwohnern doch eine Großstadt. In der Altstadt merkten wir davon nichts, sie hat eher ein Kleinstadtflair. Es fühlt sich an wie Osnabrück. Die Menschen bleiben an der roten Ampel stehen, die Bebauung ist nicht so hoch und die Uhren scheinen ein wenig langsamer zu gehen. Uns hat es sehr gut gefallen, die Stadt ist ruhiger als Buenos Aires und nicht so schick, aber charmant und gemütlich. Außerdem kann man den Fluss sehen und am Wasser entlanglaufen. Darauf ist man in Montevideo sehr stolz, anders als Buenos Aires haben sie nicht nur die lange Promenade, sondern auch mehrere stadtnahe Strände.

 

Das rosa Haus

Das Casa Rosada, das rosa Haus, ist der Präsidentenpalast. Am Wochenende kann man ihn besichtigen, wenn man sich zuvor per Internet anmeldet hat. Carolina macht eine hervorragende Führung und wir lernen das imposante Gebäude kennen. Wir werden durch viele Räume geführt und sehen, dass auf den Vize-Präsidenten am Montag jede Menge Arbeit wartet, auf seinem Schreibtisch türmen sich die Papiere. Im Büro des Präsidenten sowie in dem des Vize-Präsidenten dürfen wir nicht fotografieren. Natürlich verstehen das nicht alle, eine Amerikanerin zieht das Handy raus und macht einige Fotos. Das verzögert unsere Führung etwas. Ihr wird sehr höflich aber sehr deutlich erklärt, dass diese Fotos nun wieder gelöscht werden. Natürlich sehen wir auch die Balkons, den von dem Evita ihre letzte Rede gehalten hat und den von dem die Fußballer jubeln. Das Gebäude hat viele schöne Details, am besten hat uns der Innenhof mit seinen Palmen gefallen.

Teatro Colon und eine Stadtrundfahrt

Das Teatro Colon wollten wir gerne auch von innen sehen. Leider ist gerade Sommerpause und irgendwie ist es schwierig Information zu den Konzerten des Sommerfestivals zu bekommen. Also entscheiden wir uns für eine Führung. Unser Guide macht seine Sache nur mäßig gut, das Opernhaus ist trotzdem toll.
Buenos Aires hat nicht so viele Sehenswürdigkeiten, auch wenn es natürlich viele tolle Museen gibt, es ist selbst die Hauptattraktion. Also laufen wir kreuz und quer durch die Stadt und sammeln viele Kilometer. Um unseren Füßen eine Pause zu erlauben machen wir eine Stadtrundfahrt und kommen so auch in die weiter entfernten Stadtteile. Außerdem sehen wir zum ersten Mal den Fluss. Der Rio de la Plata ist der breiteste Fluss der Welt, doch obwohl Buenos Aires am Fluss liegt, sieht man ihn nur von wenigen Orten der Stadt. Wir kommen an den Polofeldern vorbei und an der Rennbahn. Wir laufen durch Palermo und sehen an der Rückseite des Zoos Capybaras. Das sind diese Riesenmeerschweine, von denen ich immer hoffe, dass sie mal an Mari vorbeischwimmen. Natürlich machen wir Fotos von den bunten Häusern in La Boca und sehen dort das Fußballstadion in den schwedischen Farben (die schwedische Flagge war Vorbild für die Farbgebung). In San Telmo bummeln wir durch die Markthalle und ich passe auf, dass Nobbi keine schrecklichen Antiquitäten kauft.
In Zeiten von Internet und Facebook gibt es unzählige Geheimtipps für Milongas (Facebook – Geheimtipp, finde den Fehler…). Milongas sind Tangotanztreffen. Wir entscheiden uns zwischen den unzähligen Möglichkeiten für eine eher entspannte Variante, gehen vorher zum Unterricht, lernen viel, nicht zuletzt lauter neue spanische Wörter und schauen anschließend denen zu, die es wirklich können.

 

Frisch verliebt in Buenos Aires

Buenos Aires gefällt uns. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Eine großartige Stadt, die sich für uns, die wir aus Brasilien kommen, sehr europäisch anfühlt. Große Teile der Stadt wurden Ende des 19. Jhd. geplant und gebaut, in einer Zeit, in der Argentinien zu den reichsten Ländern der Welt gehörte. Es gibt unzählige Parks, breite Boulevards und traumhaft schöne Gebäude. Buenos Aires wollte sein wie Paris und baute noch höher und noch breiter. Es gibt einen unglaublichen Stilmix, jeder hat gebaut was ihm gut gefällt und so findet man von römischen Säulen bis Jugendstil alles. Uns erinnert Buenos Aires nicht nur an Paris, sondern auch an Chicago. Nur die Menschen sind gelassener. Buenos Aires ist lebendig, aber nicht hektisch. Es ist ein wenig größenwahnsinnig und dann auch wieder entspannt. Wir lernen schnell, dass Buenos Aires die breiteste Avenida der Welt hat. Eine riesige Straße mit 18 Spuren, mehreren Mittelstreifen und sehr schönen Bäumen und dass es nicht so schlimm ist, wenn man nur mäßig beeindruckt ist. Die Statuen wohin man schaut, jeder Park und jeder Platz hat gleich eine ganze Reihe von Statuen.
In den letzten dreieinhalb Tagen haben wir schon zwei lange Stadtführungen (Free Walking Tours) gemacht, um zunächst einen Überblick zu bekommen und waren auch auf dem berühmten Friedhof, auf dem auch Evitas Grab ist. Auf dem Recoleta Friedhof gibt es dann noch mehr Statuen.
Nachdem wir Ricardo und Mercedes getroffen haben und sie uns abends Puerto Madero gezeigt haben, wollten wir uns den recht neuen Stadtteil bei Tag ansehen. Das ehemalige Hafengebiet ist ein schicker Stadtteil geworden. In den Hafenbecken liegen zwei Museumsschiffe und weil wir ja nun schon drei Tage nicht auf einem Boot waren, haben wir die Corbeta Uruguay, einen Dreimaster mit Dampfmaschine von 1874 besichtigt.
Argentinien hat 1810 die Spanier rausgeschmissen. Die 200-jährige Geschichte der Republik ist aufregend, wechselhaft und zum Teil sehr traurig. Argentinien hat 6 Diktaturen hinter sich und hält wohl den Weltrekord von 5 Präsidenten innerhalb einer Woche. Während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 „verschwanden“ bis zu 30.000 Menschen. Wer sich für die interessante und erschreckende Geschichte Argentiniens interessiert sollte unbedingt mal eine seriösere Quelle als einen Reiseblog befragen.
Schon bei unserem ersten Spaziergang am Montagabend stellen wir fest, dass es hier zurzeit politisch zur Sache geht. Die Straßen sind voller Plakate. Die Inflation ist sehr hoch. Die Prognosen liegen für dieses Jahr irgendwo zwischen 9 und 30 %, je nachdem wen man befragt. Supermärkte werben damit, dass die Waren im April noch das Gleiche kosten. Gestern gab es eine riesige Demonstration. Die Menschen demonstrieren für eine Anhebung ihrer Gehälter relativ zur Inflation. 100.000 bis 200.000 Menschen (je nachdem wen man fragt) sollen auf der Avenida 9 de Julio unterwegs gewesen sein. Wir haben uns natürlich angesehen wie Argentinier demonstrieren (musikalisch und energisch).
Zu Buenos Aires gehört natürlich der Tango. Gestern Abend haben wir in eine Tango-Show besucht. Im Eintritt inklusive war die Tangostunde vor der Show. Wir hatten keine großen Erwartungen und sahen uns in einem überfüllten Raum zwischen lauter amerikanischen Kreuzfahrttouristen (ihr merkt, keine Vorurteile) auf und ab laufen. Doch es kam ganz anders. Wir waren nur drei Paare, unsere netten Lehrer sind individuell auf uns eingegangen und wir haben viel gelernt. Die Show war auch super. Ein gelungener Abend.
Schön, dass wir so viel Zeit haben Buenos Aires zu erkunden, die schönen Parks zu genießen und über die Fülle toller Gebäude zu staunen. Es gibt noch viel zusehen.