Ruhige Ankertage in Jacare

„Gibt die Erdbeeren her, sonst sind die gleich weg“. Nobbi hatte Angst, dass ich die gerade erstandenen Erdbeeren an das nette Pferd verfüttere. Hier sind eine ganze Menge Pferde unterwegs, einige sind angeleint, andere laufen hier einfach in der Gegend rum. Natürlich muss ich sofort Kontakt aufnehmen. Wenige Dinge machen mich kurzfristig so fröhlich wie das Streicheln einer samtigen Pferdenase oder einer besonders netten Katze. Das Pferd hat die Erdbeeren nicht bekommen, sich aber bereitwillig streicheln lassen. Im ersten kleinen Laden gibt es eine besonders schöne Katze mit leuchtend blauen Augen, natürlich sind wir bereits Freunde.
Die Tage vergehen schnell hier in Jacare. Wir liegen noch immer Anker vor dem Yachtclub und Nobbi bestreitet sein tägliches Fitnessprogramm in dem er uns an Land rudert. Ich lerne gerade die Ruderkommandos „In die Auslage“ und unterstütze ihn so.
Nach unserem vergeblichen Einklarierungsversuch am Dienstag, waren wir am Mittwoch in Joao Pessoa bei der Capitania und haben dort die Formalitäten erledigt. Wir hatten Glück, es ging schnell, freundlich und unkompliziert. Anschließend haben wir uns in der Stadt umgesehen. Für brasilianische Verhältnisse ist Joao Pessoa mit 800.000 Einwohnern eine Kleinstadt. Sie ist uns auf den ersten Blick sympathisch. Hier ist es recht sauber und irgendwie nett. Die Läden sind „sortiert“, wie das hier üblich ist. Kommt man vom Bahnhof, geht es zunächst entlang der Autoschrauber, dann der Eisenwarenhändler und dann kommen die Möbelläden. Als nächstes kommen die Elektronikgeschäfte. Hier werden Musikanlagen verkauft, deren Boxen 1800 Watt Bums haben, das wäre doch was für Mari…
Wir schlendern durch die Fußgängerzone und besichtigen das Kloster Sao Francisco. Wir haben Glück und es beginnt gerade eine Führung. Wir verstehen kein Wort, trotzdem gefällt uns die Führung, bekommen wir so doch einen guten Überblick. Das Kloster liegt im höchsten Teil der Stadt und ein kühler Wind weht durch die Räume. Der Ausblick vom Kloster über den Fluss und die grünen Ufer ist sehr schön. Nach einer Kokosnusspause haben wir Hunger und landen in einem kleinen Kiosk. Nach einem Hamburger entdecken wir Limetten- und Maracujamousse. Nur für diesen super Nachtisch werden wir wiederkommen. Später stellen wir fest, dass dies unser günstigstes Mittagessen in Brasilien war. Nahe des Bahnhofs gibt es einer ganze Reihe farbenfroh renovierter Häuser. Ich würde gerne in dem Pinken Wohnen.
Am Donnerstag erkunden wir Intermares, der Stadtteil der gegenüber vom Jacare am Strand liegt. Hier gibt es Supermärkte und einige Obststände. Sonst ist es eher tot, oder netter ausgedrückt sehr ruhig. Wir spazieren ein wenig an dem langen Strand entlang und kaufen dann ein.
Die Zeit am Anker nutzen wir für Tüddelei am Boot. An Deck sind während der Überfahrt Brösel aufgetaucht, deren Herkunft geklärt werden muss. Vermutlich kommen sie aus unserem Niederholer (Rod Kicker). An einem der Wasseralarme (die gleichen Dinger, die man unter seiner Waschmaschine legt oder im Labor unter den Autoklaven…) muss eine Lötstelle erneuert werden. Das dauert ungefähr 3 min. Dafür wird der gesamte Salon in eine Baustelle verwandelt und Werkzeug aus drei Schränken wird benötigt. Nach bereits einer Stunde ist es erledigt… Nachdem ich einen ganzen Tag mit unserer WLAN Antenne verbracht habe, sie dann 2 min funktioniert hat und sie jetzt nichts mehr sagt, suche ich mir eine Beschäftigung mit garantiertem Erfolg und putze unsere Schiffsglocke. Beim Messing putzen sieht man unmittelbar seinen Erfolg, das habe ich gebraucht.
Am späten Nachmittag verholen wir auf die Terrasse der Marina, dort trifft man sich. Andere Segler haben ganz andere Probleme, ein Schiff ist vom Slip gefallen und voll Wasser gelaufen. Der Schaden ist immens. Einige der Boote hier sind schon einmal rum und berichten von Südafrika, vom indischen Ozean und immer wieder vom Pazifik. Bei ihnen hört es sich an als sei Cocos Keeling gleich neben an. Das Empfinden der Entfernung verschiebt sich.

Boa ConstricTOOR

Die Fußball WM ist vorbei. Als Frankreich Weltmeister geworden ist, haben wir nicht an Fußball gedacht, sondern querab Recife das leuchtend blaue Wasser genossen. Als wir wissen wollten wer denn nun gewonnen hat, haben wir Radiosender via Kurzwelle gesucht, doch leider keinen Sender mit Nachrichten, die wir verstehen, gefunden. Dafür konnten wir einige chinesische und mehrere spanische Kirchensender empfangen.
Boa ConstricTOOR ist jetzt Frankreich-Fan und ruht sich von der ganzen WM Aufregung aus!

Überfahrt nach Cabedelo

Ganz genau 4 Tage, also 96 Stunden haben wir von Salvador bis zur Ansteuerung von Cabedelo gebraucht. Eine Punktlandung, besser hätte man es nicht planen können und bei uns war es einfach Zufall. Genau als wir die Einfahrt passierten war Niedrigwasser, das ist ideal für die Einfahrt in den Rio Paraiba. Während wir langsam den Fluss hochtuckerten setzte die Flut ein und schob uns sanft flussaufwärts.
Nun liegen wir vor der Marina Jacare Village vor Anker. Jacare ist ein kleiner eher unspektakulärer Ort, zwischen Cabedelo auf der Landspitze und der Stadt Joao Pessoa. Wir sind nun in Brasilien „ganz an der Ecke“. Hier geht die Sonne in Amerika zuerst auf, dies ist der östlichste Ort ganz Amerikas (des Doppelkontinents). Die Marina hier ist nett, es macht Spaß mal wieder andere Segler zu treffen. Einige kennen wir bereits aus anderen Häfen und es ist natürlich interessant zu hören wie es den anderen in der Zwischenzeit ergangen ist.
Rückblickend könnte man behaupten wir hatten eine tolle Überfahrt. Schönes Segeln, keinen Regen und der leuchtend blaue Atlantik. An Tag zwei war ich allerdings gänzlich anderer Meinung, als ich ziemlich seekrank im Cockpit hing und darüber nachgedacht habe warum man freiwillig segeln geht. Schon währenddessen wusste ich, ich würde es wieder tun. Nun habe ich den blöden Teil der Reise bereits weitgehend verdrängt. Aber, es war wirklich nicht immer schön!
Zunächst segelten wir hart am Wind. Wir kamen schnell voran und Mari zeigte, dass sie auch bei wenig Wind flott segeln kann, doch das Leben an Bord war sehr schräg und wir haben schlecht geschlafen. In den nächsten Tagen drehte der Wind langsam und kam aus südlicheren Richtungen. In der letzten Nacht hatten wir einen perfekten Halb-Wind-Kurs, die Welle lief nun genau quer zum Schiff, ein unglaubliches Geschaukel. Mit entsprechender Müdigkeit und einer ausgefeilten Kissenanordnung, haben wir aber ganz gut geschlafen. Unser Wetterbericht versprach leichten Wind für die Nacht zu Montag und den folgenden Tag, so dass wir damit rechneten eventuell erst Dienstag anzukommen, doch stattdessen nahm der Wind immer weiter zu und wir wurden immer schneller. Am Montag in der Ansteuerung auf Cabedelo hatten wir schließlich satte sechs Windstärken, so dass wir uns zwei Stunden vor der Ankunft noch ein zweites Reff gegönnt haben. Die Einfahrt wurde durch den Wind und den stark nach Norden setzenden Strom etwas spannender und wir waren froh, als wir die ersten Tonnen erreicht hatten. Der Rest war dann ganz einfach.
In Brasilien soll man sich ja immer fleißig an und ab melden. Neuer Bundesstaat, neuer Spaß. Wir haben uns heute also hübsch gemacht, das heißt lange Hosen und Schuhe angezogen, und uns auf den Weg zu Capitania gemacht. Wir hatten unterschiedliche Informationen, wo man sich anmelden soll und haben die falsche Möglichkeit gewählt. Wir waren an der Capitania in Cabedelo, die Jungs waren sehr freundlich und haben uns zur Capitania in Joao Pessoa geschickt. Da werden wir dann morgen hinfahren. Praktischerweise gibt es hier eine Bahnverbindung. Ein „Vorortszug“ fährt für einen Real (umgerechnet sind das 25 Cent) in die eine Richtung nach Cabedelo, in die andere Richtung nach Joao Pessoa.
Da wir nun schon einmal in Cabedelo waren, sind wir zum Strand gelaufen und haben dort fantastischen gegessen. Hummer in Kokosmilch. Es hätte schlimmer kommen können.

Tchau Salvador!

Der Fernseher wurde wieder ausgepackt, weiterhin kann im Mercado Modelo Fußball geguckt werden. Heute waren vor allem kroatische Fans unterwegs. Die Stimmung war wieder super. Für uns war es (hoffentlich) das letzte Spiel dieser WM, während des Finales werden wir auf See sein.
Gestern waren wir ein letztes Mal in der Altstadt, haben dort noch einmal hervorragend gegessen und einen besonders schönen Sonnenuntergang beobachtet. Salvador ist uns ans Herz gewachsen, es ist marode, gelegentlich schmutzig und manchmal sehr chaotisch, aber vor allem ist es bunt und fröhlich.
Heute haben wir noch eine kleine Einkaufstour gemacht, waren im Segelladen, wo wir nur einen Punkt von unserer Liste erledigen konnten, und im Supermarkt um frischen Proviant für die Reise zu kaufen und unsere Biervorräte aufzustocken. Mal wieder haben wir uns über die Vielfalt brasilianischer Getränkedosen und –flaschen gefreut. Unsere Cachaca-Flasche hat 965 ml. Irgendwie sind wir in einen Einkaufsrausch verfallen, unser Obst würde für eine Atlantiküberquerung locker reichen. Orangen, Mandarinen, Papaya, Limetten, Bananen, Äpfel, Maracuja. Außerdem hat Nobbi beschlossen, dass drei Ananas für eine fünftägige Reise genau die richtige Menge sind…
Im Shoppingcenter wurde die Brasiliendeko abgenommen, nun kommt die Winterdeko wieder zur Geltung. Das passt auch viel besser zur Eisfläche. Jeder der möchte kann dort sein Eislauftalent unter Beweis stellen. Die brasilianisch sehr minimalistisch bekleideten Mädels auf der Eisbahn, wunderbar! Da jetzt Winter ist, trägt der ein oder andere auch Jeans und wir haben sogar einen Mantel gesehen, für den ist es aber nur im Shopping Center kalt genug.
Das Ruder der Windsteueranlage ist schon eingehängt und Nobbi hat die ersten Fender bereits weggepackt, es wird ernst. Morgenfrüh müssen wir noch zur Capitania uns abmelden und dann hoffen wir auf eine schöne Segeletappe!

Salvador Eislaufvergnügen

Eine Probefahrt, traurige Brasilianer und zwanzig Tropfen Whisky

Unsere Probefahrt am Donnerstag verlief erfolgreich. Mit Hochwasser um halb neun haben wir Ribeira verlassen und liegen nun wieder im Terminal Nautico, direkt unterhalb der Altstadt. Die Fahrt hierher haben wir durch einige Kringel und Schleifen verlängert, damit wir genügend Zeit hatten alles zu testen. Unser Wassermacher läuft wieder, der Motor schnurrt wie er soll, wir sind zufrieden.
Am Freitag stand eine kleine Reparatur auf dem Programm, die richtig Spaß gemacht hat. Die Fußpumpe für das Frischwasser leckte ein wenig. Wir haben sie problemlos ausgebaut bekommen, hatten das Ersatzteil-Kit mit den neuen Dichtungen an Bord, haben alle Dichtungen und Membranen ausgetauscht und die Pumpe wieder eingebaut.
Gestern stand uns der Sinn nach einem Spaziergang, deshalb sind wir zum Zoo gefahren. Der Zoo beheimatet fast nur in Brasilien heimische Tiere, neben einigen afrikanischen Vögeln bilden Nilpferde, Zebras und ein betagtes Dromedar die Ausnahme. Wir haben den Spaziergang auf sauberen Wegen genossen. Im und um den Zoo gibt es eine Vielzahl schöner großer Bäume, die angenehmen Schatten spenden. Auf dem Gelände leben neben den Zootieren viele Vögel und Affen, die den grünen Fleck in der Stadt zu schätzen wissen. Leider war der Ameisenbär nicht zu Hause, den hätte ich gerne gesehen, aber der Tapir und das Capybara haben mir auch sehr gut gefallen. Vom Zoo laufen wir ans Meer und am Atlantik entlang nach Barra. In der Sonne ist es heiß, aber zum Glück machen auch die Hochhäuser an der Küste angenehmen Schatten.
Heute waren wir im Museum für Moderne Kunst. Das Museum ist auf dem Gelände einer ehemaligen Zucker-Mühle untergebracht. Leider wird das Museum zurzeit renoviert. Nur ein Saal in der früheren Kapelle war geöffnet, alle anderen Gebäude und der Skulpturen-Garten waren geschlossen.
Die Brasilianer sind natürlich schon etwas traurig, dass die WM nun ohne sie weitergeht. Doch sehr tief sitzt die Trauer nicht. Freitag haben wir auf einem großen Fernseher vorm Mercado Modelo das Ausscheiden von Brasilien erlebt. An mangelnder Unterstützung der brasilianischen Fans lag es jedenfalls nicht. Bei uns war es sicherlich lauter als im Stadion. Nachdem Spiel wurde ein wenig geknallt, alle zucken mit den Schultern, nun ja. Gestern haben wir an gleicher Stelle noch das Ende des Spiels Russland –Kroatien, die Verlängerung und das elf-Meter-Schießen gesehen, beide Teams wurden ordentlich angefeuert. Heute ist der Fernseher abgebaut worden. Jetzt wo Brasilien raus ist, ist die hier WM vorbei.
Hier ist absolute Nebensaison, außer Mari ist nur ein anderes Schiff im Terminal Nautico bewohnt. Die Lel aus Kiew haben wir hier Silvester schon getroffen, während wir uns danach in der Bucht rumgetrieben haben und zwischendurch in Deutschland waren, sind sie in Chile gewesen, haben Kap Hoorn gerundet und sind den langen Weg wieder nach Norden gesegelt. Nun sind sie auf dem Weg zurück ins Schwarze Meer. Das Schiff hat der Eigner selbst gebaut. Mit dem schnellen Aluboot hat er schon einige Meisterschaften gewonnen, doch sein Traum war es immer einmal um Kap Hoorn zu segeln. Wir werden eingeladen die Lel anzuschauen und hören spannende Geschichten. Wie sie Eis an Deck hatten, wie mehrere Autopiloten aufgegeben haben und sie per Hand steuern mussten, wie sie den Leuchtturm auf Kap Hoorn angefunkt haben und die Funkwache sie für Teilnehmer des Volvo Ocean Races hielt, dessen Teilnehmer den Leuchtturm nur knapp einen Tag nach ihnen rundeten. Schließlich stoßen wir mit „zwanzig Tropfen Whisky“ auf die frischgebackenen Kap Hoorniers und auf eine glückliche Heimkehr an. Wie gut, dass wir vorher gut gefrühstückt hatten.

Die Regenzeit ist noch nicht vorbei

Fertig wird man auf einem Boot ja irgendwie nie, aber alle wichtigen Punkte auf unserer Liste sind erledigt und nebenbei unzählige Kleinigkeiten abgehakt. Seit die Badeleiter, die während unserer Abwesenheit unter dem Tisch lagerte, und das Vorsegel, das zwischen Tisch und Spüle eingeklemmt war, wieder an ihrem Platz sind, haben wir hier unter Deck ein ganz neues Raumgefühl. Neue Flaggen wehen, die Leinen sind vom grünen Schleier befreit, im Vorschiff haben wir einen neuer Lüfter, es gibt neue USB-Steckdosen, der Motor wurde entkalkt und die Püttinge sind neu abgedichtet.
Püttinge sind die Beschläge an denen die Wanten befestigt sind. Das Abdichten der Püttinge ist einer der wenigen Punkte, die die wenige Seiten dünne „Anleitung“ unseres Boots vorschlägt. Einen Job haben wir diesmal nicht selbst gemacht, das Abkratzen des Riffs an unserem Unterwasserschiff hat einer der Männer von der Marina übernommen. Fische und Krebse, die sich in „unserem“ Riff eingerichtet hatten, waren über die Säuberungsaktion nicht erfreut. Heimatlos schwammen sie um Mari herum. In den ersten zwei Tagen nach der Reinigungsaktion schwammen bei jeder Toilettenspülung heimatlose Krebse im Spülwasser, zweimal sogar ein Fisch!
Der Regen gibt den Takt der Arbeiten vor. Nachdem es an den ersten Tagen nach unserem Amazonas-Ausflug weitgehend trocken war, hatten wir bereits auf einen allgemeinen Trend gehofft. Anfang dieser Woche war es dann so regnerisch wie zuletzt in Sines in Portugal im November 2016. Montag war durchgehend Weltuntergang. Die Arbeiten an Deck waren in den letzten Tagen sehr mühsam, weil es immer entweder regnete oder noch nass war.
Wir genießen das Brasilianische Obst. Mehrfach die Woche laufen wir zum Supermarkt, schwelgen in Maracuja, Papaya, Melonen, Orangen und Ananas, und finden irgendwas für unsere Vorräte. Unser Saftschapp haben wir mit Säften gefüllt die es nur in Brasilien gibt, Umbu, Caja und Caju. Nun sind alle Schapps gefüllt, es wird nicht mehr eingekauft.
Es wird Zeit weiter zu segeln. Zunächst steht eine Probefahrt auf dem Programm. Wir hoffen, dass diese ereignislos verläuft und wir Salvador bald Richtung Norden verlassen können. Der Wettercheck gehört bereits zum Tagesablauf.

 

Die Geschichte mit der Gasflasche

Gas ist ein beliebtes Thema unter Seglern, gibt es doch in jedem Land andere Gasflaschen. Sie sind nicht nur unterschiedlich groß und dick, sie haben auch unterschiedliche Anschlüsse, außerdem werden sie entweder mit Propan oder mit Butan gefüllt.
Irgendwann letzte Woche beim Einkochen war die Gasflasche leer. Nobbi schnappt sich die Flasche und fragt bei den Marineros, ob die Flasche hier gefüllt werden kann. Nachdem unsere Flasche ein paar Tage auf der Terrasse stand, meldet Ana sich, die Sekretärin des Yacht Clubs. Sie erklärt Nobbi genau, wer die Flasche wo füllen kann. Wir finden den veranschlagten Preis teuer, beschließen aber sie trotzdem füllen zu lassen. Wer weiß wie kompliziert es das nächste Mal wird. Zunächst scheint unsere Flasche verschwunden, taucht dann aber nach einigen Tagen gefüllt wieder auf. Wir sollen noch ein paar Euro nachzahlen, weil sie mehr Gas in unsere Flasche gefüllt haben. Da die Flasche nun zu voll ist, wollen wir sie zuerst verwenden und schließen sie abends gleich an,
Am nächsten Morgen erzählt Nobbi mir noch im Bett, dass er über die Gasflasche nachgedacht hat und dass er ein schlechtes Gefühl hat. Im Gaskasten riecht es nach Gas, wir nehmen die Flasche also wieder raus. Der Test mit Spüliwasser ergibt, dass der Boden der Flasche unterm Lack fröhlich korrodiert ist und Gas entweicht. Da nützt uns der gültige Prüfstempel auch nichts. Wir wiegen die Flasche und stellen fest, dass die kaum Gas verloren hat. Trotzdem, eine undichte Flasche wollen wir nicht an Bord haben. Wir lassen das Gas entweichen und bestatten die Gasflasche. Das alles hätten wir einfacher und günstiger haben können…

208 Millionen Neymars

Natürlich ist die Fußball-WM hier in Brasilien eine große Sache. Zum einen, Brasilien und Fußball, klar, zum anderen lauert da doch die eine oder andere Party und die lassen sich die Brasilianer garantiert nicht entgehen.
Weite Teile Brasilianischer Straßen sind unter grün-gelben Plastikgirlanden verschwunden, viele Hauswände haben neue Bemalung in grün und gelb bekommen und die Einkaufszentren ersticken in gelb-grünen Flaggen und Luftballons. Wenn Brasilien spielt, sollte man sich nichts vornehmen. Da bleiben die kleinen Läden geschlossen und es fahren weniger Busse. Die Restaurants machen erst wieder auf, wenn der Sieg ausgiebig gefeiert wurde.
Egal ob im Kiosk, im Supermarkt, sogar in manchen Apotheken, die Berufskleidung wurde vieler Ort für die Dauer der WM durch Brasilianische Trikots ersetzt. Anscheinend wurden nur Neymar-Trikots gedruckt, die Nummer 10 ist überall. An Tagen an denen Brasilien spielt, trägt das halbe Land grün-gelb, Ohrstecker und Ringe mit Brasilien-Flagge und dazu natürlich ein Neymar-Trikot. Mein Lieblingsaccessoir ist der Haarreifen mit Antennen an dem Brasilien-Flaggen wedeln, eine Verkäuferin trägt ihn tapfer seit über zwei Wochen. Nach jedem Tor und am Ende des Spiels wird ausgiebig geknallt, so wie wir es nur von Silvester um Mitternacht kennen.
Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft sorgte für ein wenig Schadenfreude, wir wurden aber auch ausgiebig bemitleidet. Heute war es für viele Brasilianer in erster Linie wichtig, dass Argentinien nicht gewinnt. Auf den Nachbarn im Süden ist man mal neidisch mal böse, da ist es doch schön wenn sie wenigstens beim Fußball verlieren.
Für die WM gibt es auf der Terrasse des Yachtclubs einen Fernseher. Jetzt, da Deutschland ausgeschieden ist, werden wir bei jedem Spiel gefragt für wem wir die Daumen drücken. Gerade beim heutigen Spiel war es nicht einfach, Uruguay gegen Portugal. Uruguay hat „neulich“ das WM-Finale im Maracana-Stadion gegen die Brasilianer gewonnen. Die Schmach von 1950 ist nicht vergessen. Zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal hat man ohnehin ein nicht ungetrübtes Verhältnis. Anscheinend war es in Ordnung Uruguay die Daumen zu drücken. Mitten im Spiel hatten wir Stromausfall und haben so das 1:1 verpasst. Hoffentlich gibt es kein Stromausfall während eines Brasilien-Spiels.
Ich bin eigentlich kein Fußballgucker. Doch dadurch, dass Karli mich überzeugt hat an der Tipprunde teilzunehmen, fiebere ich nun mit. Ich lese die Überschriften im Fußballteil der Zeitung, bin so über die unzähligen Favoriten informiert und lege mich durch das Tippen vorher fest an welches Team ich glaube. Für mich steht fest, kein großes Turnier mehr ohne Tipprunde! Danke Karli!
Das nächste Brasilien-Spiel (und hoffentlich weitere) werden wir hier auf der Terrasse ansehen, ich habe keine Angst vor feiernden Brasilianer, eher vor ihren (bestimmt TÜV-geprüften) Böllern.

 

Mittwinternacht und Rumgetüddel

Schon mehr als eine Woche ist vergangen seit wir aus Manaus zurückgekommen sind und der erste Monat unserer zweiten Spielzeit in Brasilien ist bereits um.
Inzwischen sind alle Amazonasfotos sortiert und bearbeitet und auch die Erkältung, die wir uns mitgebracht haben, gilt als besiegt.
Bevor wir den Hafen verlassen in dem unsere Mari nun seit fast fünf Monaten liegt, erledigen wir kleine und winzige Punkte von unserer Liste. Wir haben eine neue Außenborderhalterung gebastelt, Sprayhood und Bimini mehrfach imprägniert und die freien Einmachgläser gefüllt. Rinderfilet, Papaya-Chutney und Apfelmus warten nun auf ihren Einsatz. Unsere Niedergangstreppe hat neue Haken bekommen und vibriert nun hoffentlich nicht mehr, einige Schrauben wurden ersetzt und ein paar Kleidungsstücke repariert. Da wir zum Glück im Moment keine Schäden haben, haben wir Zeit für diesen ganzen Kleinkram. Außerdem haben wir begonnen unsere Proviantschapps wieder zu füllen, bekommen morgen hoffentlich eine volle Gasflasche zurück und haben unsere Dieselkanister betankt. Unsere Arbeitsliste ist nicht leer, für Beschäftigung ist also auch in den nächsten Tagen gesorgt. Wir überlegen ob wir eine Liste mit Punktesystem anlegen, so dass man sich beim Abarbeiten der Liste von Level zu Level hangelt, quasi wie in einem Computerspiel. Ganz „beliebte“ Punkte stehen noch auf der Liste, die sich als Endgegner eignen würden, z.B. Fußboden in der Pantry abschleifen und neu lackieren…
Seit Monaten hoffe ich jetzt im Südwinter Wale hier an der Küste zu sehen, weil die Buckelwale jetzt Richtung Norden ziehen stehen die Chancen nicht so schlecht. Wir haben vor zwei Tagen einen Wal gesehen, allerdings anders als ich mir die Sichtung vorgestellt hatte. Er trieb tot in der Bucht.
Wir beneiden unsere Freunde, die gerade im hohen Norden segeln, um das lange Tageslicht. Hier wird die Tageslichtversorgung um halb sechs abrupt abgeschaltet. Da wir hier ungern im Dunkeln unterwegs sind, ist der Tag für uns sehr kurz. Angeblich hat der brasilianische Fußballstar Neymar in St. Petersburg das umgekehrte Problem, er kann nicht schlafen weil es so lange hell ist. Vielleicht hätte er statt seinem Friseur eine Augenmaske einpacken sollen? Wir hatten schon in Manaus beschlossen Mittwinternacht an Bord ausgiebig zu feiern. Zurück in Salvador wurden wir vom Yachtclub zu einer Sao Joao Party am 20. Juni eingeladen. Die Junifeste sind eine Mischung aus Sonnenwendfeier und Erntedankfest und werden besonders im Nordosten Brasiliens gefeiert. Traditionell gibt es lauter Leckereien mit Mais und frischen Erdnüssen. Wir werden von den anderen Seglern liebevoll mit salzigem und süßen Gebäck versorgt. Anlässlich von Sao Joao wird auch ordentlich geknallt. Jeden Abend ist hier Geböller, gestern Abend lag ganz Ribeira im Dunst.
Damit uns hier nicht die Decke auf den Kopf fällt, waren wir am Mittwoch in Barra, einem Stadtteil am Atlantik. Wir standen an der Bushaltestelle und unser Bus kam einfach nicht. Also haben wir begonnen bei den Busfahrern nachzufragen. Eine junge Frau, die das mitbekommen hatte, informierte einen anderen Wartenden über unser Ziel als ihr Bus kam. Er wusste, dass wir Bus 220 nehmen müssen. Bevor auch er in den Bus stieg, malte er die Zahlen in die Luft und versuchte es sogar auf Englisch. Ein Taxifahrer, der an der Bushaltestelle auf Fahrgäste wartete, stieg aus und erklärte uns welche Endhaltestelle an unserem Bus steht. Als unser Bus schließlich kommt, stoppt der Taxifahrer ihn und drei Leute sorgen dafür, dass wir auch wirklich einsteigen. Immer wieder unglaublich wie die Brasilianer für uns sorgen! Wir haben fast ein schlechtes Gewissen, wäre unser Bus nicht gekommen, hätte der nette Taxifahrer ein gutes Geschäft gemacht.
Nach einem Spaziergang an der Strandpromenade und einer erfrischenden Kokosnuss mit Meerblick, machen wir uns auf den Weg ins Einkaufszentrum. Wir brauchen eine neue Computermaus. Unsere Entscheidung fällt auf ein Modell für umgerechnet zwei Euro, für das wir einen liebevoll ausgefüllten Garantieschein erhalten. Bevor wir den Laden verlassen, gucken wir gemeinsam mit den Verkäufern das Fußballspiel Uruguay gegen Saudi-Arabien zu ende. Anschließend wollen wir bei einem netten Italiener essen, bei dem wir während unseres letzten Brasilienaufenthalts waren und werden enttäuscht. Das Restaurant gibt es nicht mehr. Letztlich stellt sich dies als großes Glück heraus, wir finden ein anderes Restaurant mit einem tollen Büffet. Gemüse in allen Varianten! Eine Seltenheit in Brasilien. Damit ist klar, dass wir diese Woche wieder nach Barra müssen. Es wird sich doch irgendein 2-Euro-Artikel finden lassen, den wir „dringend“ besorgen müssen?

Manaus – die Zweite

Dienstagmittag (12. Juni) sind wir wieder in Manaus und verbringen hier noch eineinhalb Tage bevor wir wieder nach Salvador fliegen.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Fischrestaurant gehen wir zu den Ausstellungsräumen des Museu Amazonas. Das Museu Amazonas ist ein riesiger botanischer Garten etwas außerhalb der Stadt, am Opernplatz gibt es jedoch einen Ausstellungsraum. Wir stellen fest, dass der Garten am Mittwoch geschlossen ist und sehen uns eine kleine Ausstellung über Sagen der Ureinwohner an. Nach einem Spaziergang zum Hafen, einem Jenipapo bzw. Ananassaft in unserem „Saftladen“ und einer Pause im Hotel stoßen wir bei „Caipi Fruta“ auf den gelungenen Regenwaldausflug an. Mein Favorit ist Maracuja Caipi, der auch dafür sorgt dass ich früh und lange schlafe.
Am nächsten Tag besuchen wir zunächst das „Museu indio“. Es versprüht den Charme der 50er Jahre, so alt ist die Ausstellung und vermutlich wurde sie seitdem auch nicht nennenswert verändert. Trotzdem ist die Ausstellung ganz interessant, auch wenn einige ergänzende Erklärungen nicht schaden würden.
Nach einer Pause an einem Eckkiosk, wo wir gleich wieder erkannt werden, beschließen wir in den Palacete Provincial wenigstens hineinzugucken. Es soll hier irgendwelche Ausstellungen geben. Das ist etwas untertrieben. Nachdem wir uns eingetragen haben, erklärt uns eine Mitarbeiterin, dass es im Haus sechs Ausstellungen gibt. Wir besuchen zu erste die Pinakothek von Amazonas (Amazonas ist nicht nur der Name des Flusses, sondern auch des größten Bundesstaates). Die Sammlung ist toll präsentiert und enthält einige tolle Bilder.
In anderen Ausstellungen über die Militärpolizei, die Entwicklung des Fotoapparates, Münzen aus der ganzen Welt und Archäologische Ausgrabungen sehen wir uns nur kurz um. Dann schließt das Museum. Nach diesem Besichtigungsmarathon brauchen wir eine Pause und verholen wieder zu unserem Eckkiosk, dort gibt es Hamburger. Zum Nachtisch ziehen wir weiter in unseren „Saftladen“ auf einen Obstsalat.
Auf dem Heimweg stellen wir fest, dass der Palacio Justicia heute geöffnet ist. Obwohl die FlipFlopFüße brennen gehen wir hinein. Bis 2006 saß hier der oberste Gerichtshof, jetzt ist es Kulturzentrum. Neben den Gerichtsräumen sind einige Gemälde ausgestellt und es gibt ein kleines Kriminalmuseum, das wir auslassen. Aus den Räumen im ersten Stock hat man einen fantastischen Blick auf den glitzernden Fluss und die hässliche Bebauung am Ufer.
Abends gibt es ein Konzert auf dem Opernplatz, das von einem Suppenstand gesponsert wird. Wir ergattern wieder einen Platz in unserer Pizzeria und lassen unsere Amazonas-Reise bei Pizza und Caipi ausklingen.