Fleißige Tage in La Línea

Seit gestern haben wir eine neue Furlex, sprich Rollreffanlage. Eric, über den wir sie gekauft haben, hat sie mit uns installiert, dass ging letztendlich recht flott und wir haben noch einiges gelernt und ein paar netten Geschichten gelauscht. Unser Mast steht jetzt nur leicht nach achtern gebogen, genau wie wir uns das vorgestellt hatten. Unser Segel haben wir gleich gestern Abend wieder angeschlagen, schließlich wollen wir bald weiter.
Heute wollten wir eigentlich alle Spannschrauben sichern und einige Sicherungsringe unter einer Lage Tape verstecken, doch dann hat Nobbi auf einem Kontrollgang im Mast festgestellt, dass eine Lampe (das Topplicht) wackelt. Kurz haben wir überlegt, ob wir da jetzt wirklich Lust zu haben, doch dann beschlossen es jetzt gleich zu erledigen. Die alten korrodierten Nieten haben schnell aufgegeben, mussten dann aber ausgebohrt werden, die die eigentlich rein sollten passten nicht, also eine Größe größer, wieder ausbohren, wieder mit der Nietzange in den Mast… gut, dass wir Stufen am Mast und so viel Werkzeug an Bord haben. Die Laterne ist nun so fest, man könnte man seinen Sicherheitsgurt daran befestigen!
Auch in den Tagen zuvor waren wir fleißig, unser Wassermacher hat nun einen Betriebsstundenzähler, der WLAN Router hat ein neues Netzteil und die Antenne wurde neu angeschraubt, das neue (alte) GPS zeigt zuverlässig wo wir sind und lässt sich ohne Volkshochschulkurs bedienen und unsere neue Ankerlaterne wurde getestet, lediglich über den Montageort wird noch diskutiert. Nebenbei haben wir uns um Kleinigkeiten gekümmert wie Rostflecken entfernen, kleine Gelcoatschäden flicken, putzen und Schweinefleisch Tandoori einkochen. Gestern hat Nobbi mal wieder Gelegenheit bekommen zu baden, nachdem er einen Schraubenzieher neben das Boot gelegt hatte. Im ersten Versuch hat er den Schraubenzieher aus 5m geborgen und nach zwei weiteren Versuchen auch den bayrischen Bierkrug unseres Nachbarn, den ein Besucher vor ein paar Tagen bei einem unfreiwilligen Bad verloren hat.
Da wir die letzten Tage sehr viel Zeit im Hafen verbracht haben, hatten wir Gelegenheit das Hafenleben ausführlich zu beobachten. Die Saison hat begonnen, viele Segler sind auf der Durchreise und viele Schiffe, die im Sommer als Charterschiffe im Mittelmeer Geld verdienen sollen, werden dorthin überführt. Ab und zu liegen auch ganz besondere Segelyachten hier im Hafen, wie die in Neuseeland gebaute „Escapade“ (Aluminium mit Carbonrigg, fast 40m lang, unter der Flagge Vanuatus) oder die deutsche Yacht „Cool Breeze“, ein mintfarbener 80 Fuss langer Segeltraum. Heute Nacht ist ein estnischer Traditionssegler rein gekommen, ein Gaffelsegler fällt natürlich gleich ins Auge. Britische Segelschulen fahren hier fleißig ihre Manöver, mindestens drei Yachten sind jeden Tag dabei An- und Ablegen zu trainieren. Darunter eine ganze Gruppe von Leuten die hier ihren Yachtmaster machen, in einem 15 wöchigen (!) Kurs, dass muss man sich auch leisten können.
Ansonsten sind der Brexit und die Konsequenzen für Gibraltar weiterhin ein großes Thema. Auch ist die Frage, ob Gibraltar zum United Kingdom gehören sollte (das tut es anscheinend nicht, dass ist so kompliziert mit United Kingdom und Great Britain, dass verstehen nicht mal die Engländer, oder Briten?), dann müssten sie allerdings auch Steuern zahlen. Natürlich kann es unmöglich an die Spanier abgetreten werden. In diesem Zusammenhang wird seit Tagen im Radio diskutiert was Churchill 1941 (!) zu Franco gesagt haben soll. Nebenbei ärgern Spanien und Gibraltar sich gegenseitig ein wenig, kontrollieren die einen an der Grenze besonders gründlich, sperren die anderen am nächsten Tage eine Spur am Grenzübergang. Und so weiter.

Zurück in La Línea

Seid ihr immer noch in Gibraltar? Geht es euch gut? Warum gab es so lange keinen Bericht von euch? Wir haben viele Anfragen erhalten, was denn mit uns los sei. Marisol liegt noch immer auf ihren Liegeplatz in La Línea mit Blick auf den „Rock“ und seit gestern Abend sind wir auch wieder hier. Wir haben einen kleinen Abstecher nach Bremen gemacht, meine Schwester hat geheiratet, das wollten wir nicht verpassen. Die Hochzeit war wundervoll und die Party grandios. Wie schön, dass wir dabei sein durften und konnten. Bremen hat uns mit sonnigem Frühlingswetter überrascht und wir haben mal wieder festgestellt wie schön unsere Landbasis ist. Leider hat Nobbi die Zeit für eine fiese Bronchitis und Fieber genutzt, doch nun ist er wieder fit und fröhlich. Der Nachteil einer Heimreise ist der Abschiedsschmerz, der jedes Mal ein bisschen schlimmer wird.
Unsere Rückreise hat gestern überraschend gut funktioniert, trotzdem waren es vierzehneinhalb Stunden zwischen Lesum und La Línea. Mit dem Auto ging es in Bremen zum Flughafen, über München nach Málaga mit dem Flieger, dann mit dem Langstreckenbus nach Algeciras und schließlich mit dem Stadtbus nach La Línea.
Heute haben wir ausgeschlafen, eingekauft und die Dinge verstaut die wir aus Bremen mitgebracht haben. Das ist ja immer ganz unterhaltsam. Wir reisen mit unserer Tauchertasche, in der, wie der Name schon sagt, unsere Tauschsachen verstaut sind. Diese Tasche lagert im Achterschiff ziemlich weit unten, um sie wieder an ihren Platz zu schaffen, müssen wir das ganze Achterschiff ausräumen, die Tauchsachen in die Tasche quetschen und alles wieder einräumen.
Ein paar Tage werden wir noch hier bleiben, bevor es weiter nach Westen geht. Im Moment weht es ganz ordentlich und das soll auch noch ein paar Tage so bleiben, was uns hier hält ist jedoch unsere neue Rollreffanlage für das Vorsegel. Als sich vor drei Wochen abzeichnete, dass wir einige Zeit hier bleiben werden, haben wir beschlossen unser Rigg kontrollieren zulassen. Für die Kontrolle der Wanten und Stagen (das sind die Drähte die den Mast halten) haben wir unser Vorsegel abgeschlagen. Schnell wurde klar, dass unsere alte Rollreffanlage ihre besten Tage hinter sich hat. Wir haben hier ein gutes Angebot für eine neue Furlex (das ist der Markenname) bekommen und beschlossen sie dann gleich hier zu ersetzen. Ich bin ja froh, dass ich meine neuen Schuhe zuvor gekauft habe, ob die jetzt noch genehmigt werden würden? Tatsächlich wurde die Furlex innerhalb von drei Tagen aus Frankreich geliefert und liegt bereits Boot. Sehr praktisch, so ein 2,5 m langes Paket im Salon… Für die Montage der neuen Anlage und das exakte Spannen der Drähte brauchen wir weniger windige Tage. Bis dahin könnten wir uns mit unseren anderen Projekten beschäftigen. Wir haben ein (gebrauchtes) GPS-Navi als Unterstützung für unser etwas störanfälliges GPS aus Deutschland mitgebracht, das Nobbi heute schon getestet hat. Solche stand-alone-GPS Geräte sind kaum noch zu bekommen und wir sind glücklich über das bedienungsfreundliche Gerät, dass nebenbei die Signale (für die automatische Positionsübermittlung in einem Seenotfall) an unser UKW-Funkgerät übermittelt. Wir könnten also „mal eben schnell“ die Kabel verlegen, dafür müssten lediglich einige Schränke und Kisten leergeräumt werden. Ich freu mich drauf!

Ausflug nach Tarifa

Gestern haben wir einen Ausflug nach Tarifa gemacht, die südlichste Ecke Europas wollten wir uns auch noch mal von der Landseite ansehen. Mit dem Bus haben wir eine Stunde gebraucht, die Fahrt war interessant, die Landschaft zwischen Algeciras und Tarifa ist sehr schön.
In Tarifa haben wir das „Castillo Guzmán el Bueno“ besichtigt. Die Burg wurde 960 n. Chr. gebaut und wurde 1000 Jahre durchgehend benutzt. Die Aussicht von der Burg über die Straße von Gibraltar, die hohen Berge Marokkos, den Hafen und die Altstadt Tarifas ist sehr schön. In dem erstaunlich aufwendig restaurierten Kastell wurden an mehreren Stellen alte Burgteile freigelegt und erklärt und es gibt ein Museum, das sich mit der Geschichte der strategisch wichtigen Festung, der Bewaffnung der Burg und der Bedeutung der Herrschaft über die Straße von Gibraltar beschäftigt.
So viel Kultur macht hungrig, auf der Suche nach etwas Essbarem sind wir in ein nettes Fischrestaurant geraten und haben einen wunderbaren Steinbutt verspeist. Während es im frischen Westwind recht kühl war, merkt man im Windschatten wie viel Kraft die Sonne hat. Beim Mittagessen war es selbst im T-Shirt schön warm. Zurück sind wir am endlosen Playa de Los Lances entlanggewandert, wo sich hunderte von Kitesurfern tummeln. Tarifa hat sich gelohnt, eine Wiederholung des Ausflugs ist nicht ausgeschlossen.
Ansonsten nutzen wir die Zeit hier für kleine Arbeiten und Rumgetüddel. Die Tasche, in der unser Schlauchboot verpackt ist, hatte einen Riss, der mit einer wunderschönen Bootsmannsnaht geschlossen wurde, unsere Fender sind prall aufgepumpt und Nobbi ist getaucht und hat die Logge von Seegras befreit, sie läuft wieder. Unser Traveller (daran ist die Großschot befestigt, mit der man wiederum den Winkel des Großsegels einstellt) hat ein wenig Pflege bekommen. Den Traveller-Schlitten haben wir umgedreht, er kann die nächsten 25 Jahre von der anderen Seite verschleißen, und wir haben eine neue Leine eingenäht. Die Matratze, die über dem Motorraum liegt und deshalb öfter mal angehoben wird, hat einen neuen Bezug aus einem alten Bettbezug bekommen. Ansonsten kann man sich ja auch mit seinem normalen Bootshaushalt beschäftigen: waschen, putzen, Matratzen lüften, Motor streicheln, Wassermacher spülen,… . Wir haben alle Lebensmittel ausgeräumt, gezählt, die Liste aktualisiert und alles wieder eingeräumt. Das ist ja immer interessant. Es sind noch zwei Gläser Maronencreme da, das stimmt mich froh, aber wer hat 9 Dosen Erbsen gekauft, die esse ich doch gar nicht besonders gerne. Für die Erbsendosen haben wir gleich eine Anwendung gefunden. Unser Cockpittisch hat eine neue Lackierung bekommen und die lackierten Teile kann man wunderbar auf Dosen lagern bis sie getrocknet sind.
Angeblich kann man in Gibraltar billig Alkohol kaufen, das mag sein, viel interessanter finde ich allerdings die Schuhpreise. Dienstag habe ich Paar wunderschöne blau-pinke Schuhe bekommen. Da an Bord ja Gewicht und Platz eine wichtige Rolle spielt, musste ich dafür natürlich etwas aussortieren, zwei Paar Schuhe sind heute Morgen in der Mülltonne gelandet. Ihr ahnt es, ich habe heute noch ein paar super leichte, leuchtend blaue Treter bekommen. Und Nobbi? Der sagt, er bräuchte keine (er hat tatsächlich noch zwei Paar nagelneue, ungetragene Schuhe im Schrank). Er durfte meine bezahlen. Das ist wie beim Slowfox: „Happy wife, happy life“ ;-) .

 

Frühling on the rocks und 64 Mio. Paar Schuhe

Der Tag begann wunderbar mit einem Frühstück im Cockpit. Das schöne Wetter haben wir genutzt und Wäsche gewaschen. Wir waren nicht die einzigen, überall im Hafen wehte Wäsche und aufgeschobene Arbeiten wurden in Angriff genommen, so viele putzende und bastelnde Bootsbesitzer haben wir lange nicht gesehen. Kurz haben wir überlegt ob wir einen Basteltag einlegen uns dann aber für einen erneuten Ausflug auf Gibraltars „Upper Rock“ entschieden.
Wir sind einen anderen Weg gelaufen als beim letzten Mal und haben viel Neues entdeckt. Natürlich haben wir auch wieder die Affen gesehen. Leider werden die Affen ziemlich viel gefüttert, obwohl es verboten ist. Die Schilder auf denen steht, dass das Füttern der Affen mit einem Bußgeld von 4000 Pfund bestraft wird, scheinen Dekoration zu sein. Die Taxifahrer füttern die Affen in Gegenwart der Ranger und eine Frau hat versucht einen Affen mit einem Kaugummi zu locken. Zum Glück hat ihm das Kaugummi nicht gefallen. Es gibt aber auch Affen die nicht auf Touristen, Erdnüsse und Kaugummis stehen, sich ein wenig abseits halten und Blätter sammeln. Klar ist es toll die Affen zu sehen, doch uns haben heute besonders die tausenden von Möwen gefallen, die in den Aufwinden um den Felsen ihre Flugküste unter Beweis stellen. Nicht nur bei den Möwen wird für Nachwuchs gesorgt auch das Pflanzenreich ist auf Vermehrung aus, es blüht an jeder Ecke und duftet wunderbar. Von den 6 Schlangenarten die es geben soll haben wir keine gesehen, dafür Eidechsen, Schmetterlinge und fleischfressende Pflanzen.
Auch wenn die Sicht heute eher schlecht war und von der marokkanischen Küste nichts zu sehen war,  hat man vom „Rock“ einen hervorragenden Blick auf die Bucht. Wir hatten Glück und waren gerade auf der Nordseite, als die Straße über den Flughafen gesperrt wurde, weil ein Flugzeug startete. So konnten wir den Flugzeugstart auch mal von oben beobachten.
Von oben haben wir auch die HMS „Ocean“ gesehen. Das größte Schiff der britischen Marine ist gerade in Gibraltar, wie wir heute Morgen im Radio gelernt haben. Die HMS „Ocean“ ist ein Hubschrauberträger und 208 m lang. Allerdings hat ihr ein Containerschiff heute die Show gestohlen. Als wir auf dem Weg vom Rock nach unten waren haben wir gesehen, wie ein riesiges Schiff sich langsam in die Bucht schob. Dank „Find Ship“ App auf dem Smartphone konnten wir das Containerschiff als „Magleby Maesk“ identifizieren. Die „Magleby Maesk“ ist 399 m lang  und 59 m breit und damit eines der größten Containerschiffe der Welt. Schiffsfetischisten wissen, dass sie ein triple E-class Schiff ist und eine Kapazität von 18270 TEU hat. Für alle die sich nun fragen was um Himmelswillen TEU sein sollen, habe ich ausgerechnet, dass die Magleby Maesk ungefähr 64 Mio Paar Schuhe transportieren kann. Ein TEU entspricht einem 20 Fuss Container (20 Fuss Container sind die kleinen, auf LKWs sieht man meistens die großen, die 40 Fuss Container). In so einen Container gehen ungefähr 3500 Schuhkartons (das habe ich nicht ausprobiert und wir überlegen jetzt auch nicht, dass viel mehr Kartons mit Schuhen für mich reinpassen würden, als mit Schuhen für Nobbi). Also 18270 Container mit je 3500 Schuhkartons macht knapp 64 Mio. Paar Schuhe. Auf einem Schiff. Unglaublich!

 

Stürmische Zeiten

Am Montag haben wir unseren Sommerurlaub im Mittelmeer beendet und haben uns wieder nach La Linea verholt. Wir liegen am gleichen Steg wie vor einer Woche mit Blick auf Gibraltar, falls der Felsen nicht gerade von einer Wolke verschluckt wird.
Montag war das Wetter noch ganz nett, nicht mehr so warm wir die letzte Woche, aber sonnig und mit moderatem Wind aus West. Wir haben den Felsen schnell umrundet, hatten Besuch einer Gruppe kleinerer Delfine, haben einen Mondfisch und einen großen Raubvogel gesehen, haben uns zwischen den großen Schiffen durchgeschlängelt und waren am frühen Nachmittag im Zielhafen. Uns wurde wieder einiges geboten, ein Bunkerboot was direkt neben uns ablegt und auf uns zudreht, ein Tanker der Ankerauf geht und „Gibraltar Customs“ hat mit seinem Boot a ein Kringel um uns gefahren.
Seit Dienstag ist das Wetter grausam. Es weht aus Ost und ist sehr böig. Am Dienstag hatten wir 6 Windstärken mit 8er Böen, abends nahm der Wind zu. In der Nacht von Dienstag erreichte der Wind seinen Höhepunkt mit Böen von 56 Knoten, das sind 11 Windstärken. Gestern hatten wir den ganzen Tag 7 bis 8 Windstärken mit 10er Böen. Der Ostwind hat uns nach einem nächtlichen Hagelschauer auch wieder eine Ladung Saharasand gebracht, so dass nun wieder alles mit einer braunen Schicht überzogen ist. Wir haben am Montagnachmittag unsere Fock abgeschlagen und unter Deck gestaut, darüber sind wir jetzt froh, so war sie weder dem starken Wind ausgesetzt, noch dem Sand. Bei anderen Booten gab es ein paar kleinere Schäden, wie die eine oder andere zerrissene Persenning, aber es gab auch ein paar größere Schäden. Bei einem deutschen Schiff ist der Besanmast umgefallen. Natürlich ist es für den Besitzer vielleicht besser, dass das jetzt im Hafen passiert ist und nicht auf See, trotzdem braucht man so etwas wirklich nicht. Es gibt Erfahrungen auf die ich gerne verzichten möchte, ein gebrochener oder umgefallener Mast gehört unbedingt dazu.
Nicht nur den Seglern schlackern die Ohren bei so viel Wind. Die großen Schiffe, die im Osten von Gibraltar lagen sind Anker auf gegangen. Bei 4 m Welle und so starkem auflandigen Wind wird es auch auf 300m langen Containerschiffen ungemütlich und irgendwann gefährlich. Gestern war auch der Flughafen von Gibraltar geschlossen, die Brandungswellen liefen auf der Ostseite bis auf die Landebahn. Allerdings ist der Flughafen häufiger geschlossen, so dass die Information, ob von Gibraltar geflogen wird, zum ganz normalen Radioprogramm gehört.
Dienstag hatten wir beschlossen, dass das Wetter gar nicht so schlecht ist und wir einen Spaziergang nach Gibraltar machen könnten. Kaum unterwegs sind wir wieder umgekehrt, wer nach Gibraltar will muss seinen Pass dabei haben. Der einsetzende Nieselregen wurde bald stärker, nach einiger Zeit waren wir klatschnass, haben sogar auf dem Pub-Besuch verzichtet und es uns auf Marisol gemütlich gemacht. Nicht nur Hosen, Jacken, Strümpfe und Schuhe mussten getrocknet werden, auch die Pässe wurden erst getrocknet und dann unter einem dicken Buch einigermaßen wieder in Form gebracht.
Gestern war es zwar den ganzen Tag sehr windig, dafür aber trocken. Wir haben unsere Gibraltar-Erkundung fortgesetzt und waren im Museum. Das Museum ist klein und die Ausstellung ein wenig durcheinander, trotzdem hat es uns gefallen, lernt man doch viel über die Neandertaler, die hier in einer Höhle bis vor 30.000 Jahren gelebt haben.
Gibraltar hat einen hohen Unterhaltungswert. Das liegt auch daran, dass wir das Radioprogramm verstehen. Am Montag war Feiertag. Da anscheinend viele Gibraltarer nach Spanien gefahren sind, kam es am Montagabend zu einem Stau an der Grenze. Zwei Stunden hat man abends gebraucht, um mit dem Auto über die Grenze zu kommen, wir haben das wütende Hupen bis in den Hafen gehört. Seit dem wird dieser Stau im Radio diskutiert, wie kann es sein, dass die Polizei so lange braucht für die Kontrollen? Ist das Schikane? Die ehemaligen Frankfurter an Bord finden das ziemlich lustig. Auch sonst gibt es in Gibraltar viele Kuriositäten. Zum Beispiel eine eigene Währung. „Elizabeth II Queen of Gibraltar“ ziert die Münzen und das Gibraltar-Pfund ist direkt ans britische Pfund gekoppelt. Man kann mit britischen Pfund bezahlen, mit dem Gibraltar-Pfund jedoch nicht in Großbritannien. Eigentlich wird überall auch der Euro akzeptiert, wenn auch manchmal zu abenteuerlichen Umrechnungskursen. Bei Automaten hingegen ist der Euro-Zahler im Vorteil, da kann man häufig wahlweise einen Euro oder ein Pfund einwerfen. Die Briefkästen präsentieren sich sehr royal, es gibt nicht nur Briefkästen mit der Queen, auch der kleine George ziert einen Briefkasten in Gibraltar. Autos fahren in Gibraltar rechts, genau wie in Spanien, Fußgänger werden beim Überqueren der Grenze jedoch aufgefordert links zu laufen „Keep left“. Mir ist das egal, ich kann links und rechts sowieso nicht unterscheiden.
Heute ist graues Schmuddelwetter und wir haben „nur noch“ 6 Windstärken mit 8er Böen. Zum Wochenende soll das Wetter besser werden und in Gibraltar wird St. Patrick‘s Day gefeiert.

Urlaubstage in Sotogrande

Am Freitag sind wir von Marbella nach Sotogrande gefahren. Nachdem die beiden Tage zuvor kein Wind angesagt war und es mittags dann aber mit vier bis fünf Windstärken aus Osten blies, hatten wir gehofft, dass es wieder so kommt. Natürlich bekamen wir keinen Ostwind, wir wollten nach Westen, also gab es Westwind. Kurz haben wir überlegt, ob wir doch nach Osten fahren wollen, aber da war der Wind dann ganz weg und so sind wir motort.
Sotogrande ist ein eher nobler Hafen. Bevor ich zur Rezeption gegangen bin haben wir also überlegt was wir maximal für eine Nacht bezahlen. Die Sorge war unbegründet, für uns ist es hier nicht teuer.
Für die unter euch, die nicht so knauserig sind wie wir hätten wir eine Urlaubsidee. Hier liegt die 40m lange Motoryacht Tatyana, die ihr chartern könnt. Den Preis konnte ich nicht finden, für vergleichbare Schiffe muss man 100.000 bis 150.000 Euro, Dollar oder Pfund (da ist die Währung dann ja langsam auch egal) berappen. Unsere Nachbarin Tatyana fährt unter der Flagge der Marshallinseln, die mussten wir erst mal nachschlagen, gebaut wurde das gute Stück aber in Bremen bei Lürssen. So viel zu den Nachbarn.
Sotogrande ist ein künstliches Dorf angelegt um künstliche Kanäle mit einem Yachthafen und wirklich schön. Wir hatten befürchtet, dass es verlassen oder heruntergekommen sein könnte, das ist nicht der Fall. Die Häuser sind rot, gelb und orange, haben Fensterläden und fast alle einen eigenen Bootsliegeplatz. Am Ende unseres Stegs steht ein anscheinend gut gebuchtes vier Sterne Hotel, die Parkplätze im Ort sind fast alle belegt, die Restaurants und Cafés sind gefüllt, es gibt eine ganze Reihe Geschäfte und es ist viel Betrieb im Hafen. Der große Hafen ist bei weitem nicht voll, doch es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Mit anderen Worten wir sind an dem richtigen Ort gelandet um ein richtiges Urlaubswochenende zu verbringen, hatten wir doch gestern 25 Grad.
Neben Urlaubsaktivitäten stand gestern auch die Aktion Schlauchspülen auf dem Programm. Wir haben in der Pantry einen Salzwasserhahn, das heißt wir können dort Meerwasser entnehmen und zum Beispiel Geschirr mit Salzwasser vorspülen. Seit Wochen riecht es eklig aus dem Hahn. Im Schlauch haben wir uns wohl Algen kultiviert die wir lieber nicht hätten. Also könnte man ja mal den Schlauch säubern haben wir uns gedacht, gar nicht so trivial (auch ein Aal, wann habt ihr das letzte Mal in die Galerie geguckt?). Gestern ist Nobbi mit Tauchermaske und Schnorchel ins Wasser gegangen und hat einen Schlauch von außen ins Seeventil gesteckt. Der erste Schlauch passte nicht, der zweite saß perfekt. In unserem Trichtersatz gab es auch einen passenden Trichter, durch den wir dann Essig in den Schlauch und gekippt haben. Nun hieß es innen so lange pumpen bis Essig kommt, dann das Seeventil schließen. Bis heute Morgen stand der Essig im Schlauch und es scheint funktioniert zu haben, kein widerlicher Geruch mehr.
Auch heute war es wieder sehr schön. Dank fünf Windstärken und sehr trockener Luft war unsere Bettwäsche nach einer Stunde trocken, allerdings musste Nobbi die Wäsche bewachen, damit sie nicht von der Leine fliegt. Ich habe derweil Zitronenkuchen gebacken, der Omnia-Ofen bewährt sich. Nachmittags haben wir einen schönen Spaziergang entlang des Strandes gemacht und im nächsten Ort eine schöne Strandbar gefunden.
Ab Dienstag soll das Wetter schlechter und vor allem regnerisch werden. Morgen wollen wir eigentlich weiter, allerdings nur wenn es dann nicht mehr so weht. Angesagt ist es nicht, aber jetzt weht es auch und das hat auch keiner angesagt…

Unverhofft kommt oft – wir sind in Marbella

 

Die Dusche in Puerto Banus war heiß und wundervoll. Auf dem Rückweg wurde ich von einer jungen Spanierin angesprochen wo ich diesen tollen Beutel gekauft hätte. Letztes Jahr habe ich diesen Beutel mit Ankermotiv von meiner Schwester zum Geburtstag bekommen und jetzt transportiere ich darin meine Duschsachen. Die junge Frau wollte unbedingt so einen Beutel haben und so habe ich ihr dort auf dem Bürgersteig gleich einen im deutschen Onlineshop bestellt. Ein lustiger Tagesbeginn!
Morgens war es fast windstill und wir beschlossen die Küste Richtung Málaga entlang zu motoren und auf Wind zu hoffen, zwei Häfen hatten wir ausgesucht, den einen 20 Meilen entfernt, den anderen etwas weiter. Kaum hatten wir ausgecheckt kam der Wind. Aber wie! 5 Windstärken genau auf die Nase. So kamen wir zu der bisher kürzesten Etappe dieser Reise, nach 5 Meilen liefen wir in Marbella ein. Marbella gefällt uns gut, die Altstadt ist richtig niedlich, die endlose Strandpromenade lädt zu langen Spaziergängen ein und es gibt viele nette Restaurants und Cafés. Klar ist es hier touristisch, es gibt hier schwedische Makler, Apfelkuchen, heimische Zeitungen, englische Radiosender und man hört alle möglichen Sprachen, doch überlaufen ist es hier keineswegs und es ist auffällig sauber. Im Sommer soll hier am Hafen bis spät in die Nacht gefeiert werden, jetzt ist davon nichts zu merken.
Heute sind wir die Strandpromenade 5 km in Richtung Westen entlang gelaufen, was bedeutete, dass wir fast wieder in Puerto Banús waren. Hier sollte es ein Museum geben, das wir als Ziel unserer Wanderung auserkoren hatten. An das Museo Ralli hatten wir keine großen Erwartungen und wurden fulminant überrascht. In der tollen Sammlung zeitgenössischer Kunst haben wir viel länger verbracht als geplant. Es sind Skulpturen und Gemälde von europäischen und lateinamerikanischen Künstlern ausgestellt und zu vielen Kunstwerken gibt es kleine Tafeln mit zusätzlichen Informationen. Am meisten Zeit haben wir mit den Skulpturen von Salvador Dalí verbracht, von denen gleich eine ganze Reihe ausgestellt sind, aber auch die zeitgenössischen Gemälde haben uns sehr beeindruckt. Nachbildungen einiger Dalí-Skulpturen findet man auch in der Avenida del Mar in Marbella, die die Verbindung zwischen Strand und Altstadt darstellt. Nach dem Museumsbesuch sind wir zurück nach Marbella gelaufen, haben ein nettes Restaurant gefunden und gut gegessen. Da der Abend so schön war und wir im Westen Gibraltar und Marokko vor einem roten Himmel sehen konnten haben wir uns auf die Mole gesetzt und dabei zugesehen bis es ganz dunkel geworden ist. Jetzt kommt der Leuchtturm gut zur Geltung. Er ist so eingebaut, dass man ihn tagsüber kaum sieht, abends beleuchtet er jedoch das oberste Stockwerk der nebenstehenden Häuser. Ich glaube das würde mich verrückt machen, so ein Lichtstrahl alle 14,5 Sekunden (sehr ungewöhnliche Kennung, das ein Leuchtturm im Abstand halber Sekunden leuchtet haben wir bewusst noch nie gesehen).
Wie es weiter geht? Kommt drauf an. Eine der aktuellsten Fragen auf Marisol wird auch weiterhin lauten: „Kann man einen Umweg machen, wenn man gar nicht weiß wo man hin will?“

Eigentlich wollten wir nicht ins Mittelmeer…

Nach windigen Tagen in La Linea entschlossen wir uns noch einen Tag zu bleiben. Am Sonntag haben wir uns ein wenig La Linea angesehen, sind um die Stierkampfarena gelaufen und den Strand entlang. Wirklich schön ist die Stadt nicht und selbst direkt am Strand gibt es eine Menge heruntergekommene Häuser. Auf unserem Rückweg zur Marina haben wir dann noch das letzte Aufbäumen des Karnevals erlebt, der am Sonntag endete. Alle Kinder waren noch einmal verkleidet unterwegs und sprühten alles, was sich nicht bewegt oder nicht schnell genug wegläuft, mit Luftschlangen aus der Dose ein.
Gestern ging es weiter. Wir sind nach Estepona gesegelt und sind nun im Mittelmeer. Ursprünglich wollten wir hier gar nicht hin, heißt es doch: „Kaum bist du im Mittelmeer, hast du keine Mittel mehr“… Aber nun hat es eben gepasst und wir haben uns in La Linea einen Revierführer und Seekarten gekauft. Die Costa del Sol bekämpft nun mit phantastischem Wetter meine Vorurteile gegen das Mittelmeer im Allgemeinen und die spanische Mittelmeerküste im Besonderen. Gestern sind wir flott um Gibraltar herumgesegelt. Zunächst hat Felsen uns wieder mit seinen starken Fallböen geärgert und wir haben nicht nur gerefft, sondern zeitweise sogar das Vorsegel weggerollt. Aber dann sind wir fast bis Estepona wunderbar gesegelt. Kurz vorm Ziel wurde der Wind plötzlich abgeschaltet, als hätte einer einen Schalter umgelegt. Mit 6 Knoten sind wir entspannt gesegelt, als das Boot plötzlich anfängt zu rollen und die Segel schlagen. Der Wind war wohl verbraucht. Das war lustig. Der Ort Estepona hat uns ganz gut gefallen, alles Apartmenthäuser, die aber bewohnt sind. Tatsächlich gab es kein verfallenes oder leerstehendes Haus in Strandnähe und Blumen in den Straßen. Mal eine schöne Abwechslung. Nobbi hat abends noch ein unfreiwilliges Bad genommen. Er hatte seine Sonnenbrille neben dem Boot „abgelegt“ und wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Der kleine Tauchgang war sofort erfolgreich und bei fast 18 Grad auch nicht unangenehm – halt wie die Ostsee im Sommer.
Heute hatten wir gar keinen Wind. Aber soll ich mich darüber bei 23 Grad und strahlender Sonne beschweren? Wir sind die 12 Meilen nach Puerto Banús motort und haben die Sonne genossen. Der Hafen ist ziemlich voll, doch wir sind anscheinend das einzige Boot auf dem heute Abend jemand schläft. Die meisten Boote hier sind Motoryachten zwischen 5 und 50m. Um den Hafen gibt es Restaurants und Geschäfte, teure Geschäfte, Versace und Co, die ideale Kulisse um sich angucken zu lassen. Seinen Bentley parkt man in zweiter Reihe, dann kommt er besser zur Geltung. Hier wird also ordentlich gezeigt und geprotzt. Insgesamt ist das hier eine Art Zoo, wir haben beschlossen wir sind die Besucher und gucken Leute an. Wenn man schon ein paar Millionen übrig hat sich so Motorboot zu kaufen, kann man dann nicht auch seine Steuern bezahlen? Warum muss das Ding dann unter Panama-Flagge fahren. Armselig. Übrigens, falls jemand Interesse hat an einem alten gebrauchten Motorboot, die örtlichen Yachtmakler haben zwischen zwischen € 500.000 und 6 Mio einige Schnäppchen im Angebot.
Um die Duschen zu finden mussten wir ein wenig suchen. Es scheint eher die Ausnahme zu sein, dass da jemand hin möchte, man muss über das Werftgelänge laufen. Dafür sind sie extrem chic und auf Hochglanz poliert, wenn sie jetzt auch noch heiß sind bin ich begeistert. Das weiß ich allerdings erst morgenfrüh. Ein paar Irritationen gab es auch als wir einen Adapter angeboten bekamen, hier gibt es ganz merkwürdige Stecker, die uns bisher noch nie begegnet sind, da passt unser Eurostecker nicht. Der Adapter entpuppte sich nicht als Adapter, sondern als ein Stecker, den wir an unser Kabel hätten anschrauben sollen. Also unseren Stecker abbauen und den anderen Stecker anbauen. Für eine Nacht ein bisschen übertrieben, wir haben darauf verzichtet.
Wir sind ein bisschen am Strand entlang gelaufen, der sehr schön ist, und haben im Ort auch tatsächlich einen ganz normalen Supermarkt gefunden. Einen Nachteil hat dieser Frühsommer der hier gerade über uns hereinbricht jedoch, wir jagen gerade Mücken.
Morgen geht’s dann weiter, mangels Wind wird es vermutlich wieder nur eine kleine Etappe.

Tierische Begegnungen – Störche, Flamingos und Affen

Am Dienstag zieht es uns weiter. Die Wettervorhersage passt und Barbate ist kein Ort an dem wir unbedingt verweilen wollen. Da unser nächstes Ziel die Straße von Gibraltar ist, darf ein wenig gerechnet werden. Zwar ist der Tidenhub nicht groß, jedoch treten recht starke Strömungen auf. Die Strömung wird durch die Gezeiten, die vorherrschenden Wind und die Meeresspiegeldifferenz beeinflusst. Das Mittelmeer hat tatsächlich einen etwa eineinhalb Meter niedrigeren Meeresspiegel als der Atlantik. Die Strömungen ins Mittelmeer sind stärker als die heraus, im Moment passt uns das ganz gut, auf dem Rückweg dann weniger.
Wir starten etwas früher als wir ausgerechnet hatten und erschrecken zunächst als wir sehen, dass sich auch bei wenig Wind eine Welle in der Einfahrt nach Barbate bricht. Wir kommen unbeschadet aus dem Hafen, doch stellen fest, dass man hier leicht festsitzen kann, bei starken auflandigen Winden oder hohem Schwell ist das Auslaufen hier gefährlich. Zunächst segeln wir ganz gemütlich und freuen uns über das sonnige Wetter. Wir sehen einen Schwarm Störche, der nach Norden zieht. Die Sicht ist umwerfend gut, die Straße von Gibraltar ist schmal, an der engsten Stelle nur etwa 14 km breit und wir können die marokkanische Küste sehr gut zu sehen. Die Säulen des Herakles, die Berge, die die Straße begrenzen, bildeten in der Antike das Tor, das das Ende der bekannten Welt bezeichnete. Wind und Schwell nehmen zu und wir beschließen zu reffen.
Ich hatte gehofft, dass wir einen Wal treffen. Viele Segler fürchten Wale, weil eine Kollision für die Wale vermutlich schmerzhaft, für Segelboote jedoch nicht ungefährlich ist. Trotzdem würde ich gerne einen sehen. In der Seekarte steht eine Walwarnung und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 13 Knoten wegen der Wale, deshalb hatte ich mir Hoffnungen gemacht, allerdings ist zwischen April und August Walsaison. Einen Wal sehen wir heute nicht, haben jedoch eine andere zauberhafte tierische Begegnung. Ein Schwarm leuchtend rosa Flamingos zieht dicht an uns vorbei!
Pünktlich zu Hochwasser runden wir Tarifa, den südlichsten Punkt des europäischen Festlands, und sind im Mittelmeer. Der Strom schiebt uns nun gewaltig und wir rauschen mit über 8 Knoten auf Gibraltar zu. Den ganzen Tag haben wir die Großschifffahrt beobachtet, da die großen Schiffe jedoch alle einem festgelegten Weg folgen, brauchen wir uns um sie nicht zu kümmern, nur die Schnellfähren von und nach Marokko kreuzen unseren Weg. Dies ändert sich als wir in die Bucht von Gibraltar (die Spanier nennen sie Algeciras Bucht) einbiegen. Die Bucht ist eine Art riesige Schiffstankstelle. Zwar haben Gibraltar und Algeciras große Seehäfen, die meisten Schiffe kommen jedoch zum Tanken, 6000 sollen es jedes Jahr sein. Die Schiffe ankern in der Bucht und Bunkerboote, ihrerseits von der Größe seegängiger Tanker, bringen den Treibstoff. Das mit dem Ankern ist hier gar nicht so einfach, in der Mitte ist es 500 m tief, das ist auch für große Schiffe zu viel und so konzentrieren sich die Ankerlieger auf die Randbereiche der Bucht. Wir schlängeln uns zwischen den großen Schiffen hindurch und versuchen den Überblick zu behalten, wer liegt vor Anker, wer fährt noch, welche Bunkerboote legen gerade ab und was ist eigentlich mit der Fähre da vorne. Der Wind hat auf satte 6 Windstärken zugenommen und immer wieder bekommen wir starke Böen, zwischenzeitlich machen wir über 9 Knoten unter Segeln, geschoben vom starken Strom. Wir kommen in den Genuss der Düse für den die Ecke hier so bekannt ist. Der Wind wird durch die hohen Berge auf beiden Seiten, Afrika und Europa, stark beschleunigt. Was man auf Wetterkarten toll sehen kann, fühlen wir nun hautnah. Pünktlich bei Sonnenuntergang erreichen wir unsere Marina und liegen nun auf der spanischen Seite in La Linea de la Conceptión.
Am Mittwoch heißt es erst mal ankommen, Wäsche waschen und einkaufen. Das Wetter ist wieder schön, wir spazieren zur Touristeninformation und bekommen einen Plan von La Linea. Nachmittags machen wir einen Spaziergang nach Gibraltar. Von der Marina sind es nur ein paar Minuten bis zur Grenze, die vierspurige Straße führt über die Landebahn. Besonders die flugzeugaffinen Crewmitglieder freuen sich über den Spaziergang auf der Landebahn. Mit Gibraltar haben die Briten natürlich wieder einen ganzen Sack voller Sonderregelungen. Gibraltar gehört zur EU, aber nicht zum Schengenraum und nicht zum EU-Binnenmarkt. Alle Besucher müssen also ihren Pass vorzeigen und durch eine Zollkontrolle gehen. Viele Spanier, die in Gibraltar arbeiten haben Sonderausweise, trotzdem gibt es zur Feierabendzeit erhebliche Schlangen am Grenzübergang.
Nach unserem kurzen Spaziergang am Mittwoch wurde es Donnerstag Ernst, wir wollten auf dem Rock. 426 m ist er hoch, eine Seilbahn bringt einen nach oben. Sportliche Leute können da auch hoch laufen. Wir sind gelaufen, nicht (oder zumindest nicht nur) weil wir so sportlich sind, sondern weil ich mich nicht in eine Seilbahn setze, wenn es sich vermeiden lässt. Der recht anstrengende Fußmarsch hat sich gelohnt, wir waren auf den meisten Wegen allein unterwegs und der Ausblick ist gigantisch. Zuvor hatten wir gehört, der Eintritt in den Naturpark im oberen Teil des Felsens sei teuer. Das können wir nicht bestätigen, wir haben einen Euro bezahlt. Unsere Wanderung wurde dadurch etwas verlängert, dass Karte und Realität nicht immer übereinstimmten und das neue Schildersystem noch nicht fertig, das alte aber nicht mehr vollständig ist… Die Affen haben wir natürlich auch getroffen. Über den ersten, den wir gesehen haben, bin ich fast gestolpert und hab mich sehr erschreckt. Ein ganzes Rudel Berberaffen lebt auf dem Felsen, lässt sich von Rangern füttern, erschreckt Touristen und genießt die super Aussicht. Ein toller Tag war das, den wir heute ein bisschen in den Waden merken.
Heute hatten wir viel Wind und haben am Boot rumgetüddelt. Gestern haben wir vor unserem Ausflug noch einen kleinen Abstecher zum Schiffsausrüster gemacht und natürlich einiges gefunden von dem wir vorher nicht wussten, dass wir es brauchen, aber auch einige Dinge von unserer Liste streichen können. Das kleine Regal, dass wir gestern gekauft haben, habe ich heute gleich lackiert, während Nobbi unsere Bilgepumpe doch noch mal anders angebaut hat. Auch hat er das Boot mal wieder gewaschen, trotzdem wird es wohl noch etwas dauern bis wir den Saharasand wieder los sind und ich habe das erste Brot auf Marisol gebacken. Wegen des starken Windes haben wir Leinen über die Nachbarbox gespannt und uns gut festgestrickt. So können wir gut schlafen.
Morgen soll es mit Böen über 40 Knoten und Regen noch ungemütlicher werden als heute, das verspricht einen weiteren Basteltag. Ab Sonntag sieht das Wetter gemäß Vorhersage wieder angenehmer aus.

Karneval und eine Leiche

Samstag und Gestern haben wir uns also in Karnevals-Getümmel gestürzt. Die Stimmung war sehr friedlich und fröhlich. Neben Verkleidungen sind beim Karneval in Cádiz die Lieder das Wichtigste. Schon in den Tagen zuvor beginnen die Wettbewerbe im Theater und während des Karnevals treten ständig irgendwo Gruppen auf, die ihre selbst geschriebenen Lieder präsentieren. Es gibt unterschiedliche Kategorie, die meisten Lieder sind satirisch oder lustig. Natürlich haben wir fast nichts verstanden, gefallen hat es uns trotzdem. Neben den offiziellen Gruppen die auf den Bühnen überall in der Stadt singen, gibt es die ‚illegales‘ und die machen den eigentlichen Reiz aus. Sie ziehen durch die Stadt und singen, an Straßenecken oder einfach mitten in der Gasse. Man läuft also durch eine Gasse und kommt nicht weiter, weil eine Gruppe grüner Insekten gerade singt und sich eine Menschentraube gebildet hat. Gegessen und getrunken wird natürlich auch. Das Bier wird in praktischen 1,1l Flaschen verkauft. Von den Verkleidungen hat mir am besten die Gruppe Flamingos gefallen und die Familie Supermänner. 15 Personen, vom Baby bis zur Oma, alle im gleichen Kostüm, das sah so süß aus! Das häufigste Kostüm, neben Bananen, waren als Frauen verkleidete Männer, allerdings ließen die Kostüme doch häufiger auf ein erschreckendes Frauenbild schließen… Am meisten Fans hatte der junge Mann der mitsamt seiner Dusche durch die Stadt gezogen ist, alle Frauen wollten mit ihm duschen.
Gestern war der große Umzug, um 17.30 h sollte es so weit sein, wir sind der Masse hinterhergelaufen und haben so die richtige Straße gefunden und uns dann in die wartende Menge an den Straßenrand gestellt. Die Cádizer Karnevalsfans sind hartgesottene Warter. Der Zug war um viertel vor acht endlich zu sehen, leider war es da bereits dunkel, zwar waren die Wagen beleuchtet, doch die Kostüme der Fußgänger konnte man nicht so gut sehen. Um zehn waren wir mit platten Füßen wieder Zuhause, gleichzeitig mit uns kam die Kuhherde vom Nachbarboot nach Hause. Die Männer waren als Kuhhirten verkleidet, die Frauen als Kühe… Andere haben wesentlich länger gefeiert, die Crew eines anderen Boots kam um sechs nach Hause, die Musik im Festzelt ging bis um sieben und heute Morgen, als wie duschen gegangen sind, kamen einige gerade zurück zu ihren Wohnwagen. Aus mir wird kein Karnevalist mehr, aber Spaß gemacht hat es trotzdem und wenn ich mich mal verkleiden muss gehe ich als Flamingo oder eben als Clownfisch…
Manchmal wenn wir spazieren gehen erfinden wir Krimihandlungen, mit dem Mord auf Langör zum Beispiel sind wir sehr weit gekommen. Vor ein paar Tagen hatten wir über einen Cádizkrimi der im Karneval spielt nachgedacht. Gestern war die Leiche dann keine Einbildung mehr. Als wir Mittags von einem kleinen Spaziergang wiederkamen erzählte der Hafenmeister uns etwas, wovon wir das meiste nicht verstanden haben, aber ‚muerte‘  war eindeutig. Die Guardis Civil war in Aufregung, die Besatzung vom Rettungskreuzer trug weiße ‚Seuchenanzüge‘, die Polizei kam mit Blaulicht. Schließlich fuhr der Rettungskreuzer raus, kam kurz darauf wieder und lud ein winziges Boot und eine Leiche auf dem Steg ab. Natürlich wissen wir nicht was passiert ist und wer der Tote ist. So traurig die Situation ist, dadurch dass der ein oder andere anscheinend aus dem  ‚Frei‘ gerufen wurde wirkte es ziemlich skurril. Neben einem ziemlich genervten Staatsanwalt, war ein Henker dort, der irgendwas unterschreiben musste, die Rolle von Robin Hood blieb jedoch unklar.
Heute sind wir tatsächlich weiter gefahren! Nach 17 Tagen in Cádiz war es Zeit weiterzuziehen. Bei der Ausfahrt aus Cádiz hatten wir noch einmal Gelegenheit einen Blick auf den berühmten Strand La Caleta zu werfen und haben ein abweisendes Amerikanisches Kriegsschiff getroffen. Die Amerikaner haben eine Basis in der Bucht von Cádiz und kreuzen dort fleißig auf und ab, aber immer ganz geheim mit ausgeschaltetem AIS. Unterwegs konnten wir schön segeln, leider jedoch nicht die ganze Zeit. Dafür hatten wir heute die bisher schönste Delfinbegegung. Zwei große Tiere haben uns nicht nur begleitet, sondern sind lange in unserer Bugwelle geschwommen, direkt unter dem Bugkorb und haben uns angeguckt. Wir haben schon große Herden gesehen, mit vielen Tieren, oder welche die ganz lange geblieben sind, aber noch nie hatten wir so stark das Gefühl, dass die Kontakt zu uns aufnehmen. Sehr berührend, es gibt wohl wenig was so direkt ins Herz geht, wie das Treffen eines Delfins. Morgens war es ziemlich diesig, nachmittags wurde die Sicht jedoch besser und wir konnten bis nach Marokko gucken. Jetzt sind wir in Barbate, einem mäßig charmanten Hafen. Man liegt hier sicher, auch wenn die Wellen schon bei wenig Wind über die Mole spritzen, aber kuschelig ist es hier nicht. Der Hafen ist ziemlich leer, das Gebäude in dem die Duschen sind wurde drei Nummern zu groß geplant, es ist zweigeschossig und wartet auf Läden die dort einziehen, allerdings nicht erst seit gestern. Wir sind um den Hafen herum zur Strandpromenade gelaufen, auf der anderen Seite des Hafens befindet sich ein bisschen Fischerei, die Strecke dazwischen wirkt verlassen und ich möchte da nicht im Dunkeln spazieren gehen. Die Strandpromenade war belebt und der Strand ist schön, leider flog aber überall ziemlich viel Müll rum. Der Strand wandert langsam über die Promenade und den Hafen, überall ist feinster weißer Sand.
Falls das Wetter keine Überraschungen parat hat, geht´s morgen weiter.