Fischige Tage auf La Gomera

Hier in der Marina wohnen viele verschiedene Fische. Die allgegenwärtigen Hafenfische, die unermüdlich die Oberfläche reinigen und sich gierig auf Brotstücken stürzen, treffen wir seit der Bretagne in jedem Hafen. Hier gibt es aber noch viel mehr zusehen zum Beispiel Baracudas, Trompeten-, Koffer- und Papageifische. Mich hat doch tatsächlich ein Papageifisch in den Fuß gezwickt, als ich auf dem Steg saß und die Füße zur Kühlung im Wasser hatte! Die Fische hier interessieren sich aber nicht nur für meine Füße und Brot, auch Tomatenstückchen stehen hoch im Kurs. Wenn wir unser Cockpit ausspülen und die ganzen Krümel wegwaschen findet unter unserem Boot eine Party statt. Natürlich wollten wir die Fische aus der Nähe angucken. Am Strand um die Ecke gibt es eine Mole an der man wunderbar schnorcheln kann, wir haben viele bunte Fische gesehen und die Sichtweiten freuen selbst verwöhnte Taucher. Kein Wunder, dass für heute Nachmittag wieder schnorcheln auf dem Bordprogramm steht. Gestern gab‘s auch noch Fisch auf dem Teller, wir haben einen ganz frischen Bonito geschenkt bekommen, der in Sesam gewälzt in der Pfanne landete und den Fischtag abrundete.
Die Seglergerüchteküche brodelt, wir haben gehört, dass es schwierig sei Dinge auf die Kanaren zu schicken. Oft stimmen diese Gerüchte zum Glück nicht, oder nur eingeschränkt. Wir hatten Glück, Nobbis Brief erreichte uns in Rekordzeit und er konnte ihn gerade aus dem Marinabüro abholen. Ein netter (ehemaliger) Kollege hat ihm sein neues Firmen-Tamagotchi hierher geschickt, so kommt er auch weiterhin auf dem Firmenserver. Danke Gerhard!
In den letzten Tagen haben wir wieder etwas am Boot rumgetüddelt. Die Pantry hat zum Teil neuen Lack bekommen. Schrank anschleifen, lackieren und das Weite suchen solange es trocknet. Die Türen haben wir ausgebaut, auf dem Steg geschliffen und im Cockpit lackiert. Generell sind Arbeiten auf dem Steg und an Deck sehr kommunikativ, weil jeder der vorbei kommt sich erkundigt was man macht, einen bedauert oder anbietet beim eigenen Schiff gleich weiter zu machen, einem gute Tipps gibt oder sich einfach nur unterhalten möchte.
Das männerkompatible Moskitonetz für den Niedergang ist fertig, nun brauchen wir nur noch einen Reißverschluss schließen, wenn Mücken auftauchen. Gerade hatte Nobbi gelernt das alte Netz zu bedienen und konnte das Schiff verlassen ohne sich einzuwickeln.
Ihr merkt schon, es geht uns gut hier auf La Gomera. Es ist entspannt und schön hier, wir genießen das Hafenleben, freuen uns auf weitere Ausflüge über die Insel und baden. Befreundete Boote wieder zu treffen ist immer schön. Die Balu liegt uns am Steg genau gegenüber, sozusagen Schnauze an Schnauze und die Try ist vorgestern hier eingetroffen. Wir bleiben noch ein paar Tage hier, weil es uns so gut gefällt und wir nächste Woche Besuch bekommen.

Ein Geburtstag, ein ungebetener Gast und Wanderprogramm

Am Montag hatte unsere Reise Geburtstag, vor einem Jahr sind wir in Lesum losgefahren. Dieser Tag musste gefeiert werden. Nachmittags gab es selbstgebackenen Kuchen, abends haben wir Sekt getrunken und überlegt wo es bisher am schönsten war. Zu einem Ergebnis sind wir nicht gekommen, zu viele interessante Orte, schöne Städte und spannende Erlebnisse liegen in unserem Kielwasser.
San Sebastián de La Gomera, die Inselhauptstadt, gefällt uns, doch es wurde Zeit die Insel zu erkunden. Wir haben für zwei Tage ein Auto gemietet und waren am Mittwoch zunächst im Norden der Insel. Unser Wanderführer schlug eine Wanderung von Agulo „durch die rote Wand“ vor. Als wir den Ausgangspunkt der Wanderung erreichten konnten wir nicht so ganz glauben, dass wir es zu dem Aussichtspunkt schaffen, den man von unten sieht. Der erste Teil des Weges hatte es in sich, wir kletterten steile Stufen hoch. Bald waren wir klatschnass geschwitzt und dankbar für jede Wolke, die sich vor die Sonne schob. Nach der Hälfte des Aufstiegs war klar, dass Umkehren nicht in Frage kommt, schon weil wir auf keinen Fall diesen Weg bergab klettern wollten. Als wir den Mammutanstieg zu Beginn der Wanderung bewältigt hatten, wurde der Weg angenehmer, es ging nur noch leicht bergan und an verschiedenen Aussichtspunkten konnten wir den Ausblick über die Küste und den kleinen Ort Agulo genießen. Nach der Hälfte der Wanderung erreichten wir ein Besucherzentrum mit einem kleinen botanischen Garten, wo wir einiges über La Gomera lernten. Das Restaurant hatte geschlossen, also stärkten wir uns mit Lavakeksen (Bordsprachte für Oreos) und machten uns auf den Rückweg. Das Bergablaufen zwickte in den Knien, dafür konnten die nassen T-Shirts nun wieder trocken. Inzwischen wurden wir von einer Wolke eingehüllt und waren froh, dass wir die Aussicht auf dem Hinweg bestaunt hatten. Nach 700 Höhenmetern im Auf- wie im Abstieg kamen wir wieder in Agulo an.
Mittwochabend wurde unser gemütliches Bordleben aufgemischt. Kurz vor Mitternacht, ich lag im Bett und habe gelesen, da sehe ich im Augenwinkel einen Schatten an der Decke entlanglaufen. Einen ziemlich großen Schatten. Ich hoffe, dass ich mich geirrt habe und gucke genau hin. Leider nicht. Eine Kakerlake. Unsere erste an Bord. Zum Glück sind wir vorbereitet. Ich schreie nach Nobbi, er bewacht das Vieh und ich krame das Kakerlaken-Killer-Spray raus. Für Kakerlaken an Bord gibt es keine Gnade. Wir hoffen, dass sie (oder noch lieber „er“, denn „er“ legt keine Eier) alleine unterwegs war. Trotzdem haben wir Fallen aufgestellt und die Ecken vergiftet.
Für Gestern fiel die Wahl auf zwei kleinere Wanderungen, schließlich wollten wir noch etwas von der Insel sehen. Zunächst ging es auf den Garajonay, mit 1487 m der höchste Berg La Gomeras. Die kleine Tour war eher gemütlich, was sehr gut zum heißen Wetter passte. Auffallend viele Vögel waren unterwegs. Später machten wir eine kleine Wanderung durch den Lorbeerwald. Der märchenhafte Wald hat uns sehr gefallen und der Schatten kam sehr gelegen. Anschließend ging es nach Chipude, wir hatten Glück und fanden im einzigen geöffneten Restaurant einen freien Tisch. Am Nachbartisch trafen sich Männer aus dem Dorf, einer nach dem anderen packte die Gitarre aus und es wurde musiziert und gesungen. Der Kellner entschuldigte sich für die „Música catastrófica“, doch wir fanden es sehr schön und das leckere Essen wurde zur Nebensache. Späten Nachmittag fuhren wir nach Valle Gran Rey, ein Ort der an der Küste in einem sich tief einschneidenden Tal liegt. Das Tal ist fantastisch und wir stiegen immer wieder aus, um noch einen Aussichtspunkt zu besuchen. Entlang der Berge wehte ein unglaublich heißer Wind. In Valle Gran Rey war es auch abends noch so heiß, dass wir nur einen kurzen Spaziergang am Hafen machten und uns über den Rochen im Hafenbecken freuten. Dann flohen wir ins klimatisierte Auto. Auf dem Rückweg tauchten wir im Norden der Insel in die Wolken ein, die Temperatur sank auf angenehme 23 Grad und wir kühlten uns ab. Hier im Hafen war es dann wieder deutlich wärmer, kühlte aber nachts auf angenehme Schlaftemperaturen ab.
Heute verging der Tag mit Einkaufen, Wäsche waschen, Rumtüddeln (ich besitze nun einen Schuhschrank!) und Schnorcheln. Für Morgen sind die Aussichten ähnlich gut.

Eine ungemütliche Überfahrt

Nach der morgendlichen Schwimmeinheit rund um Boje Nr. 8 haben wir uns am Donnerstagmorgen mit einem ausgiebigen Frühstück auf den Segeltag vorbereitet. Da der Anmeldesteg durchgehend besetzt war, haben wir (verbotenerweise) am Platz der Polizei angelegt und ausgecheckt. Von dem Stegbesetzer erfahre ich, dass die Marina-Crew ihm irgendwie nicht glauben will, dass er die ARC (eine große Regatta über den Atlantik) mitsegelt. Zwar hat er die riesige ARC 2017 Flagge gesetzt, doch auch ich habe beim Anblick seines gammeligen Bootes Zweifel.
Zunächst geht es um die Nordspitze Gran Canarias, der Wassermacher füllt unsere Tanks und wir haben diesmal eine gute Sicht auf die Insel. Wir segeln gemütlich, haben Besuch von vielen Delfinen und ich mache einen Mittagschlaf. Man weiß ja nie.
Zwischen den Kanarischen Inseln gibt es sogenannte „Acceleration Zones“, Bereiche in denen der Wind stark beschleunigt wird, zu Deutsch starke Düseneffekte. Die hohen Berge bilden enorme Düsen, so dass man zwischen den Inseln mit deutlich (10-15 Knoten) mehr Wind rechnen muss. Wir haben die Acceleration Zones voll ausgekostet und sind in den zweifelhaften Genuss eines ungeplanten Schwerwettertrainings gekommen.
Als wir den Teide im Abendlicht sehen und wir Kurs auf Teneriffa nehmen nimmt der Wind zu und wir gönnen uns ein Reff. Wenig später wird es Zeit für das zweite Reff. Der Wind wird mehr, die Wellen brechen sich. Wir rollen unsere Fock bis auf einen Geschirrhandtuchgröße weg. Inzwischen haben wir satte 7 Bft mit 8er Böen und eine relativ Steile Welle, leider genau von achtern. Wir rauschen mit 8 Knoten durch die Wellen. Schließlich nehmen das Groß weg und rollen die Fock auf Badehandtuchgröße aus. Zum ersten Mal seit Wochen (oder Monaten?) trage ich meine Öljacke zur kurzen Hose, es wird richtig nass im Cockpit. Ursel, unsere Hydrovane-Windsteueranlage steuert souverän, doch es ist ungemütlich. Einige hohe Wellen brechen direkt hinter unserem Heck und schicken ein paar Liter Wasser ins Cockpit, eine Premiere für uns. Das Handtuch ist im Dauereinsatz. Wir entschließen uns, dass es jetzt reicht und ändern den Kurs um 20 Grad. Zwar ist es weiterhin ungemütlich, aber nicht mehr so nass.
Erst als wir schon weit in Teneriffas Süden sind lässt der Wind nach. Wir rollen das Vorsegel aus und segeln gemütlich dahin, der Schwell lässt uns rollen. Nobbi legt sich hin und ich höre Musik, beobachte den Nachtverkehr auf dem Flughafen und bekomme noch einmal Delfinbesuch. Als ich später in der Koje liege schläft der Wind völlig ein und Nobbi schmeißt den Motor an.
Kurz darauf ist der Wind zwischen Teneriffa und La Gomera wieder da, diesmal gibt es 7 Bft auf die Nase. Mit dem Groß im zweiten Reff können wir San Sebastian auf La Gomera anliegen. Unter Motor hätten wir keine Chance gegen die unangenehme Welle, aber so kommen wir gut voran. Uns wird keine Meile geschenkt, noch an der Hafenmole messen wir 30 Knoten Wind. Morgens um kurz nach neun machen wir in San Sebastian fest.
Unser Fazit: Auch wenn es ungemütlich war, unser Vertrauen in unser Schiff und die Windsteueranlage ist weiter gewachsen. Ursel, die Windsteueranlage hat nicht nur bei viel Wind, sondern auch bei sehr wenig Wind und bei Wind direkt von Achtern hervorragend gesteuert. Das nächste Mal darf es dann ruhig wieder etwas gemütlich werden.
Die Marina La Gomera gefällt uns auf Anhieb, hier geht es familiär zu. Ich erlebe den fröhlichsten Check-in der Reise. Schon öfter wurde mir erzählt, dass es eine spanische Sängerin gibt die Marisol heißt, vorher hat mir aber noch nie jemand ein Lied von ihr vorgesungen! Außerdem erfahre, dass La Gomera die schönste kanarische Insel ist, was natürlich auch an den netten Bewohnern liegt.
Der Rest des Tages vergeht mit einer Bootsentsalzungsaktion, Schlaf nachholen und einem Spaziergang durch den netten Ort. San Sebastian gefällt uns sehr, es ist hübsch und entspannt. Hier werden wir ein wenig bleiben.
Heute hat unser Radio eine neue Antenne am Windgeneratormast bekommen und unser Kurzwellen-Amateurfunkgerät musste eine Diode hergeben und kann dafür jetzt auch auf den Seefunkfrequenzen senden. Gerade lauschen wir einem Rock-Konzert, das lautstark am Strand neben der Marina stattfindet. Hoffentlich führt das gleich zu schönen Träumen.
Morgen wollen wir uns die nähere Umgebung ansehen und natürlich die verschiedenen Badeplätze ausgiebig testen.

Bootsausstellung und Einkaufsbummel

Die Marina Las Palmas ist riesig und recht voll. Hier gibt es fast alles zu sehen was schwimmt, kleine Angelboote und schicke Yachten, Serienschiffe und Selbstbauten, hässliche Kisten und Traumschiffe, Schiffe die morgen zum Südpol aufbrechen könnten und solche bei denen nicht sicher ist, ob sie hier jemals wieder weg kommen. Unser Favorit ist ein Boot, das vom offenen Boot zum Hochseefischer umgebaut wurde und dessen Innenraum fast komplett vom Motor ausgefüllt wird. Außerdem gibt es eine ganze Reihe trauriger Schiffe deren Reise hier endet, die von der Polizei festgesetzt wurden, wo lange alles abgebaut wurde, das etwas wert ist. Winschen und Instrumente fehlen, bei vielen sogar der Motor. Bei manchen wundert man sich, dass sie es hierher geschafften haben.
Hier in Las Palmas gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Ob Schuhe, Klamotten oder Bootskrempel, Läden gibt es hier genug. Eines Tages werden wir uns nach diesem Angebot sehnen, doch jetzt brauchen wir gar nichts. Gestern habe ich doch tatsächlich gesagt ich bräuchte keine neuen Schuhe. Unglaublich. Da wir morgen vermutlich weiter segeln wollen, waren wir dann heute doch noch mal bei den Bootsausrüstern, haben aber nur ein paar Schäkel, Ösen und Filter gekauft. Dabei haben wir festgestellt, dass es sich doch sehr lohnt ein paar Meter weiter zu laufen. Der Platzhirsch unter den Bootsausrüstern verkauft den Filter den wir suchten für 15 Euro, der Laden in der Mitte der Ladenzeile für 4 Euro. Bei den Schäkeln war die Preisgestaltung ähnlich. Beim Bummeln durch die Bootsläden stellt man auch fest wie viele große Yachten hier unterwegs sind. Da werden Stopfbuchsen für armdicke Wellen verkauft und riesige Blöcke für 1300 Euro (nein, keine Null zu viel!).
Nachmittags sind wir noch einmal durch die Altstadt gebummelt und haben auf dem Weg dorthin einen Blick auf die Bauhausarchitektur geworfen, zu der wir einen interessanten Flyer im Tourismusbüro gefunden hatten. Nun sind die Segel wieder ausgepackt, die Schoten angeschlagen, die Tanks gefüllt und die Eier segelfertig gestaut. Es kann morgen weiter gehen.

Kolumbus und ein Saxophon

Heute stand ein Besuch der Altstadt von Las Palmas samt einer Besichtigung des Kolumbushauses auf dem Programm. Bei schönstem Wetter bummeln wir entlang der Uferpromenade und „gucken Schiffe“, die 8-spurige Straße, die parallel verläuft, ist nicht wirklich romantisch, hält aber den Verkehr aus der Stadt. Die Einkaufsstraße ist hübsch und wartet mit all jenen Geschäften auf, die eben alle Einkaufsstraßen haben. Wir freuen uns über zwei neue „-erias“ in unserer Sammlung. Joyeria (Schmuck) oder Panaderia (Bäckerei) gibt es überall, aber die relojeria, das Uhrengeschäft, und die Hiperpapeleria, quasi der Papier-Supermarkt, sind neu. Uns gefallen die bunten Häuser und schließlich die eigentliche Altstadt mit Holzbalkonen und Fensterläden aus Holz. Nach ein paar Schleifen um die Kathedrale und die verschiedenen Museen besuchen wir das Kolumbushaus.
Das Haus, das das Museum beherbergt, ist fantastisch. Es hat mehrere Innenhöfe, hölzerne Galerien und natürlich Fensterläden. Ein kanarisches Wohlfühlhaus vom Feinsten. Tatsächlich besuchte Kolumbus 1492 Teile dieses Hauses. Das Portal des Gouverneurspalastes, den Kolumbus besuchte, wurde in dieses Gebäude integriert. Obwohl wir Kolumbus auf unserer Reise ja nun schon einige Male getroffen haben, haben wir noch etwas Neues gelernt. Zum Beispiel das Kolumbus bei seiner vierten Reise (ja, er ist fleißig über den Atlantik hin- und her gesegelt) den Weg genommen hat, den noch heute die meisten Segler wählen: von den Kanaren nach Süden bis zu den Kap Verden, dann nach Westen und zurück nach Europa ging es dann über die Azoren.
Nachdem es in den letzten Häfen doch eher ruhig zuging, ist es hier deutlich wuseliger. Gestern Abend wurde auf einem Boot am Nachbarsteg Saxophon geübt. Mit Absicht habe ich nicht geschrieben `gespielt´, das würde einen völlig falschen Eindruck erwecken. Nobbi dachte zunächst jemand würde seine Katze quälen. Doch die Töne kamen nicht von einer weinenden Katze sondern aus dem Saxophon. Schade, dass dort niemand an Bord war, der spielen konnte, das hätte ich gerne gehört. Heute wird auf dem gleichen Boot Musik gehört und laut mitgesungen, doch im Gegensatz zur gequälten Katze gefällt mir die Musik.
Nachdem ich beim ersten Duschen hier im Hafen Würmer (sieht aus wie Regenwürmer) in der Dusche getroffen habe, hatte ich überlegt, ob ich nur noch bade oder unter dem Wasserschlauch auf dem Steg dusche. Inzwischen habe ich jedoch eine absolut wurmfreie Dusche gefunden, für die ich nur etwas weiter laufen muss. Das wiederum wird dann gleich als Fitnessprogramm angerechnet.
Heute haben wir zweimal gebadet diesen Schnitt gilt es morgen zu halten, außerdem könnten wir darüber nachdenken wann es weiter geht.

TEA-Time und eine neue Insel

Es gab Zeiten da haben wir 10 Minuten zwischen Boot betreten und ablegen gebraucht. Diese Zeiten sind vorbei. Am Mittwoch haben wir die verschiedenen Wäscheleinen abgenommen und unter Deck alles segelbereit verstaut. Allein das Abnehmen der Wäscheleinen und Einsammeln der Wäscheklammern hat gedauert. Die Schuhsammlung im Cockpit musste verschwinden, genauso wie die gestapelten Weinkartons unter Deck. Ein Gang zum Supermarkt wurde durch einen Abstecher in die Kunsthalle verlängert. Das „TEA“ Tenerife Espacio de las Artes ist ein spannendes Gebäude, das neben Ausstellungsräumen ein Café und eine Bibliothek beherbergt. Das TEA wurde vom Architekturbüro Herzog und de Meuron entworfen, das auch das Auditorio von Hamburg (bekannt als Elbphilharmonie) gezeichnet hat. Schon mehrfach hatten wir uns das Gebäude angesehen und immer gesagt, dass wie bei Gelegenheit mal die Ausstellungen besuchen könnten. Nun haben wir die vielleicht letzte Gelegenheit genutzt. In der Sammlung „Malerei und Gedichte“ mit Werken aus dem 20. Jahrhundert habe ich einen Kaiserpinguin entdeckt und mich gefragt was eine Fischreuse zu Kunst werden lässt, konnte mich aber auch für einen mit Bleistift gemalten Wald und Skulpturen aus Holz begeistern. Einige Fotographien und eine Collage zum Reaktorunglück in Fukushima in der Ausstellung „Sätze, die ich niemals schreiben werde“ haben mir gut gefallen. Außerdem gibt es gerade eine Ausstellung über die Architekten Javier Díaz-Llanos und Vicente Saavedra, die eine Menge Betonträume für den Kanaren, insbesondere Teneriffa entworfen haben. Ob Einfamilienhaus, Gebäude der Uni in La Laguna, Hochhaus am Hafen von Santa Cruz oder Hotelanlage, die beiden haben sich mit Beton ausgetobt und viele der vorgestellten Gebäude aus Santa Cruz haben wir erkannt.
Donnerstagmorgen ging es endlich weiter. Eigentlich wollten wir im Norden Teneriffas Ankern, doch je näher wir der Ankerbucht kamen, umso stärker wurde der Wind. Natürlich kam der Wind aus Nord-Ost und nicht wie erhofft aus Nord. Nach einem Blick in die Ankerbucht entschlossen wir uns direkt nach Gran Canaria zu segeln. Dank des frischen Windes waren wir flott unterwegs. Die Sicht wurde immer schlechter, es war so diesig, dass wie Gran Canaria erst gesehen haben, als wir schon fast dort waren. Für Unterhaltung sorgte der Schiffsverkehr, neben einem riesigen Containerschiff, einem Autotransporter und einigen Frachtern, haben wir mehrere Fähren gesehen. Sehr gefreut haben wir uns über eine Gruppe Grindwale, eine große Schule Delfine und eine Schildkröte. Mit dem allerletzten Licht haben wir es in den Hafen von Las Palmas geschafft. Von Santa Cruz sind es 55 Meilen und durch unsere Ankerpläne haben wir einen Umweg gemacht und etwas Zeit verloren. Die Einfahrt nach Las Palmas war aufregend, sehr viel Schiffsverkehr. Wir haben den Funk mit gehört und waren vorgewarnt welcher Frachter in den Hafen fährt, dass eine Schnellfähre rauskommt und dass mehrere Schlepper angefordert wurden. Im Yachthafen (1250 Liegeplätze!) haben wir uns in die letzte Lücke am Rezeptionssteg gequetscht und erfahren, dass der Hafen voll sei, wir aber die Nacht dort bleiben könnten. Heute Morgen waren wir gleich nach der Öffnung des Büros dort, um nach einem Platz zu fragen. Das gestaltete sich kompliziert, doch nach gut zwei Stunden lagen wir an unserem neuen Platz und dürfen mindestens eine Woche bleiben. Im Büro mussten wir zunächst eine Nummer ziehen, obwohl außer uns keiner dort war. Dann wurde uns gesagt, dass es schwierig sei, sie aber sehen würden, ob sie einen Platz für uns finden. Dann wurden wir erst mal eingecheckt, für den Fall, dass sich ein Platz findet. Nach einigen Kopien unserer Bootspapiere und Pässe und vielen Unterschriften bekamen wir Zugangskarten für die Toiletten und sollten warten. Schließlich fand sich ein Platz, also mussten wir wieder ins Büro, wieder eine Nummer ziehen, etwas warten. Dann wurden die Karten, mit dem Zugangs-Code für die Toiletten auch für den Steg an dem wir liegen würden programmiert und wir konnten bezahlen (es ist hier unschlagbar günstig, wir bezahlen 7,70 Euro pro Nacht). Nun hieß es Warten auf die Marineros, die uns per Zodiak zu dem Platz geleiten sollten. Und schon lagen wir am zugewiesenen Liegeplatz, an Moorings vertäut und gut versteckt zwischen lauter 50 Fuss Yachten.
Da es heute sehr warm war, haben wir es ruhig angehen lassen und unser Schiff vom Salz befreit, die schattenspendenden Persennige wieder aufgespannt und ausgiebig gebadet.

Auditorio

Hier ist immer was los. Gestern marschierte eine Truppe verkleideter Engländer, oder als Engländer verkleidete Spanier, in historischen Uniformen durch die Innenstadt. Abends war wieder eine Prozession im Hafenbecken unterwegs und es gab es großes Feuerwerk. Während unser Besuch sich Zuhause wieder am Bremer Regen erfreut, widmen wir uns dem Segleralltag. Rumtüddeln, Pläne machen, Kleinigkeiten erledigen oder wenigstens eine Liste schreiben.
Heute Stand der Kauf neuer Crocs für Nobbi auf der Liste. Zum Geburtstag hatte er neue bekommen und diese gehütet. Erst vor drei Wochen, als wir aus der Werft kamen, wurden sie eingeweiht. Und nun sind sie zu klein. Nein, kein Wachstumsschub von Nobbi, die Crocs sind nicht hitzebeständig. Inzwischen sind die Schuhe so klein, dass sie gar nicht mehr auf die Füße passen. Anscheinend ist bekannt, dass Crocs nur begrenzt Sonne vertragen. Unglaublich praktisch bei so einem Garten- und Segelschuh… Jetzt hat er das gleiche Modell, das zuvor über ein Jahr keine Anstalten machte zu schrumpfen.
Nachdem wir am Freitag leider nicht mehr an der Führung durch das Auditorio teilnehmen konnten, haben wir uns für heute angemeldet. Das Auditorio ist Konzerthalle und Veranstaltungsraum, erinnert an die Oper von Sydney und ist das Wahrzeichen von Santa Cruz. Das weiße Gebäude steht direkt am Meer nicht weit vom Hafen. Der Grundriss des von Santiago Calatrava entworfenen Gebäudes soll ein Auge zeigen, wir fühlen uns eher an eine Welle oder an ein großes Blatt erinnert. Während der Führung dürfen wir auch die Konzertsäle besichtigen und sind beeindruckt. Schade, dass wir hier keine Oper erleben können, wenn die neue Spielzeit beginnt wollen wir weiter gezogen sein. Wir lernen, dass es zwar Garderoben gibt, die aber auf Grund des guten Wetter fast nie genutzt werden und dass es äußerst schwierig ist mit dem Rollstuhl in den Konzertsaal zukommen. Auch der schönste Entwurf ist nicht perfekt. Zum Schluss trinken wir noch einen Kaffee in der Halle des Auditoriums mit Blick aufs Meer.

Pyramiden, Gipfel und Badespaß

Seit 10 Tagen sind meine Eltern hier und gemeinsam erkunden wir die Insel. Die ersten Tage verbringen wir in Santa Cruz, dann haben wir für eine Woche ein Auto gemietet und nutzen es voll aus. Kreuz und quer fahren wir über die Insel, insgesamt 950 km! Wir besuchen den schroffen Norden, wandern im Orotava-Tal und besichtigen das hübsche Städtchen La Orotava samt des schönen botanischen Gartens. Ganz im Westen der Insel, in maximaler Entfernung zu Santa Cruz, schauen wir uns den Ort Los Gigantes mit seinen steil aufragenden Klippen und einem kleinen völlig überfüllten Hafen an, weiter geht es in die berühmte Masca-Schlucht. Wir besichtigen die Pyramiden von Güimar und das zugehörige Museum. Dort lernen wir nicht nur einiges über Pyramiden auf der ganzen Welt, sondern auch über Thor Heyerdahl und die Osterinseln. Thor Heyerdahl hat in den 90er Jahren mit seinem Freund Fred Olsen dafür gesorgt, dass die Pyramiden ausgegraben und nicht als Steinhaufen abgetan wurden.
Am Sonntag fand eine Prozession statt, die direkt durchden Hafen an unserem Liegeplatz vorbei führte. Eine Heiligenfigur der ‚Virgen del Carmen‘, der Schutzheiligen der Fischer, wurde durch den Hafen getragen, auf ein Schiff (einen Schlepper!) gebracht und aufs Meer bzw. durch das große Hafenbecken gefahren. Viele Menschen strömten zum Hafen, begleiteten die Prozession oder kamen mit ihren kleinen Booten ins Hafenbecken. Nur über die „Prozessionsbekleidung“ bestehend aus einem String-Tanga-Bikini, den man gleich auf mehreren Booten zusehen bekam, haben wir uns gewundert. Was der Papst wohl davon hält? Im Dunkeln kehrte die Prozession zurück und die Musikanten spielen direkt vor unserem Boot noch einmal, sehr feierlich und schön.
Gestern hieß es früh aufstehen. Wir wollten auf den Teide und hatten Tickets für die Seilbahn gebucht. Die Seilbahn bringt einen auf über 3500 m, wer von hier die letzten knapp 200m auf den Gipfel klettern möchte braucht eine Genehmigung. Wir verzichten auf den Aufstieg und laufen bzw. klettern auf den Pfaden zu den verschiedenen Aussichtspunkten, genießen den Anblick des Gipfels, die Aussicht und den schwefeligen Geruch. Als wir mit der Seilbahn zur Talstation zurückkehren ist es dort brechend voll und wir sind froh, dass wir so früh auf dem Berg waren.
Natürlich haben wir in den letzten Tagen an unzähligen Miradores gehalten und genießen die Aussicht auf Teneriffas abwechslungsreiche Landschaften, neben dem ruhigeren, kargen Norden haben es uns besonders die hochgelegenen vulkanischen Mondlandschaften angetan.
Leider lädt die Marina in Santa Cruz nicht zum Baden ein, so dass wir die unterschiedlichen Badeplätze auf der Insel testen. Da gibt es den langen, künstlichen, weißen Strand Las Teresitas nördlich von Santa Cruz, einen Strand mit starker Brandung, kleine schwarze Strände, kleine felsige Buchten und natürliche Schwimmbecken aus schwarzem Lavagestein. Morgen geben wir unser Auto wieder ab und sind dann wieder zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs.

Ausflüge in die Berge, den Wald und auf den Mond

Nun sind wir schon zwei Wochen auf Teneriffa und kaum aus Santa Cruz herausgekommen. Das galt es zu ändern. Mittwoch und Donnerstag hatten wir ein Auto gemietet. Es war schwierig das Büro des Autovermieters zu finden, noch schwieriger war es allerdings das Hafengebiet zu verlassen. Wir waren schon 11km gefahren, als wir eine Kreuzung passierten, die 100 m Fußweg von unserem Liegeplatz entfernt liegt. Jetzt kennen wir den Trick, das nächste Mal machen wir keine unfreiwillige Hafenrundfahrt.
Am Mittwoch ging es in den Norden, ins Anaga-Gebirge. Dieser älteste Teil Teneriffas ist bewaldet und zu großem Teil Naturschutzgebiet. Die Wolken hängen in den Bergen und auf dem Pass weht es so stark, dass die Stromleitungen schwingen. Hier ist es ziemlich nass und richtig kalt. Wir fahren bis zu einem kleinen Ort auf der Westseite der Nordspitze und machen eine kleine Wanderung, die es in sich hat. Sie beginnt auf einem breiten Weg entlang der Küste, doch nach einer halben Stunde biegen wir auf einen steilen schmalen Pfad ab. Nun sind wir sehr froh, dass es bewölkt und vergleichsweise kühl ist, denn wir erkämpfen uns 450 Höhenmeter auf einem kleinen gewundenen Pfad, auf dem man auf jeden Schritt achten muss. Wer hatte eigentlich behauptet es sei eine ganz einfache Wanderung und wir könnten die Wanderschuhe an Bord lassen und die Sportschuhe nehmen? Wir werden mit tollen Ausblicken auf die wilde Nordküste belohnt und laufen nun am Waldrand entlang durch eine großartige Landschaft. Überall im Wald gibt es große Felsen und das bröselige Gestein wird von den Wurzeln der Bäume gehalten. Es ist unglaublich still und riecht nach Kräutern. Beim Abstieg auf steilen mit Geröll bedeckten Pfaden vermissen wir wieder unsere Wanderschuhe und machen erst mal eine Pause, als wir wieder am Auto ankommen.
Am Donnerstag zieht es uns zunächst in die Inselmitte, auf 1500 bis 2000m befinden wir uns über den Wolken. Wir legen bei verschiedenen Aussichtspunkten einen Stopp ein, genießen den Blick auf Santa Cruz, Gran Canaria im Osten, Las Palmas im Westen und natürlich die Aussicht auf den majestätischen Teide. Wir fahren hinab in Orotava-Tal, wo wir eine Wanderung geplant haben und verschwinden in den Wolken. Zunächst ist uns bei nur gut 15 Grad kalt, doch wir laufen uns schnell warm. Die Bäume klammern sich an die steilen Wände, die das Orotava-Tal umgeben. Lorbeer und Eukalyptusbäume erinnern uns an Madeira. Die Wanderung ist eher gemütlich und wir genießen nach der Sonne auf den Bergen den bedeckten Himmel.
Anschließend gönnen wir uns eine Pizza in La Orotava und bummeln durch die sehr sehenswerte Stadt. Da wir nochmal die Sonne sehen wollen entscheiden wir uns für eine verlängerte Rückfahrt über die Berge. Eine gute Idee, das Farbspiel des Abendlichts auf den unterschiedlichen Gesteinen ist wunderschön. Das Licht ist weich, es ist nicht mehr so heiß und die Berge leuchten. Bei einem Spaziergang auf einem Lavafeld fühlen wir uns wie auf dem Mond, gar nicht so abwegig, die NASA testet hier Fahrzeuge für Mond und Mars. Dank der Küstenautobahn kommen wir nach einem langen Tag schnell wieder zurück zum Schiff.
Wir waren überrascht wie ruhig es an vielen Ecken ist obwohl Hochsaison herrscht und zum Beispiel die Wanderung im Orotava-Tal nicht gerade ein Geheimtipp ist. Wir freuen uns auf weitere Ausflüge, da trifft es sich gut, dass wir morgen Besuch bekommen und das Urlaubsprogramm dann im Vordergrund steht.
Gestern und heute haben wir uns mit Boots- und Haushaltsgetüddel beschäftigt. Wir haben eingekauft, Wäsche gewaschen, geputzt und eingekocht – unser Haushalt reist ja mit. Der Radarreflektor sucht einen besseren Platz, ein neues Gerät soll in die Schalttafel, passt aber natürlich nicht an den Platz des alten und im Ankerkasten hat die Gasflasche Rostflecken hinterlassen. Für die Schalttafel wurde ein neues Segment gesägt, das bereits den ersten Schlag Lack erhalten hat, die Rostflecke sind Geschichte und der Radarreflektor hängt nun woanders. Mit dem neuen Platz des Radarreflektors sind wir sind nicht zufrieden, er muss noch mal umziehen.

Von Ruderlagern und Moskitonetzen

Wir wollten wir „nur mal eben kurz“ das Ruderlager schmieren. An sich dauert das nur ein paar Minuten: Fettpresse auf dem Schmiernippel drücken, Fett ins Lager pressen, rausquellendes Fett wegwischen. Doch zuerst muss die kleine Backskiste ausgeräumt werden, ganz hinten unten liegt die Fettpresse. An das Ruderlager kommen wir nur wenn wir die große Backkiste komplett ausräumen, denn nur dann passe ich in die Kiste. Also räumen wir die Kiste komplett aus, Dieselkanister, der Beutel mit dem Holz für Reparaturen, Eimer, ein Anker, Ankerkette, Angelzeug, der Bojenhaken und zwei Gasflaschen türmen sich im Cockpit. Nun falte ich mich in die Kiste und Nobbi reicht die Lampe, die Fettpresse und Küchenpapier an. Da ich nun schon in der Kiste sitze kontrolliere ich gleich die Kabel, die hier verlaufen, und verarbeite noch ein paar Kabelbinder und etwas Tape. Nun räumt Nobbi die Kiste wieder ein und „schon“ gute zwei Stunden später sind wir fertig. So oder so ähnlich tüddeln wir uns durch die Tage. Die Spannung kann noch dadurch erhöht werden, dass ein Werkzeug nicht an dem Ort ist, an dem wir dachten. Doch inzwischen ist auch die kleine Pumpe aufgetaucht und das Getriebeöl im Motor gewechselt. Das kleine Polster in unserer Koje hat einen Bezug bekommen, das war gar nicht so einfach, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Nobbi auch. Er findet ich könne ja gleich auch neue Bezüge für die anderen Polster nähen. Nun ja, das schiebe ich mal auf.
Ein neuer Punkt ist auf die ToDo-Liste gewandert: die Konstruktion und Anfertigung eines männerkompatiblen Moskitonetzes für den Niedergang. Weshalb können Männer nicht mit Moskitonetzen umgehen? Ein hoher Zaun, ein abgeschlossenes Tor? Kein Problem. Aber in einem einfachen Moskitonetz wird sich verheddert. Das Problem ist bekannt und betrifft nicht nur mein Exemplar, auch Freundinnen haben Männer Zuhause, die nicht mit Moskitonetzen umgehen können. Meine Schwester sagte den wunderbaren Satz: „Das Aggressionspotential im Zusammenhang mit Moskitonetzen steigt auch bei zahmen Männern exponentiell“. Ein Moskitonetz, das von allem Crewmitgliedern bedient werden kann muss also her. Ich denke an eine Lösung mit Reißverschluss.
Natürlich wird nicht nur getüddelt auf Marisol, wir lassen es uns gut gehen. Auf dem Markt haben wir uns mit Obst eingedeckt zum Frühstück gab es Melone und Aprikosen, Mangos, Drachenfrucht und Guanabana (das ist eine Verwandte von Cherimoya und Annona) dekorieren unseren Salon und warten auf dem Verzehr. Zwischendurch ist auch Zeit die Umgebung zu erkunden. Gestern waren wir in einem ausgesprochen schönen Park und haben, ebenso wie viele Tinerfeños (ja, so heißen die Bewohner Teneriffas), dort unseren Sonntagsspaziergang gemacht. Heute sind wir Straßenbahn gefahren. Die „Tranvía“ bringt einen bequem von Santa Cruz nach La Laguna, das eigentlich San Cristóbal de La Laguna heißt und die frühere Hauptstadt Teneriffas ist. Die hübsche Stadt liegt etwa 550 m hoch und so ist es dort etwas kühler, was heute sehr angenehm war. Der historische Stadtkern ist eine große Fußgängerzone mit schönen bunten Häusern, zu großem Teil im traditionellen Stil mit Holzfenstern und Balkons. La Laguna ist Universitätsstadt, Bischofssitz und bietet eine ganze Reihe historischer Gebäude, Kirchen und Museen. Wir bummeln durch die schönen Straßen, bekommen in der Touristeninformation einen Stadtplan und einige Tipps, essen lecker und beschließen noch einmal wieder zu kommen. La Laguna gefällt uns richtig gut!
Anschließend haben wir noch einige kleine Besorgungen gemacht. Natürlich gibt es neben der ToDo-Liste auch eine Liste mit Dingen, die wir kaufen müssen oder wollen. Vom Bleiband, mit dem man normalerweise Gardinen beschwert, bis zu Knopfbatterien konnten einige Posten von der Liste gestrichen werden.
Da die Marina in Santa Cruz im Handelshafen liegt, haben wir Hafenkino der besonderen Art. Gerade ist ein holländischer Frachter aus dem benachbarten Becken ausgelaufen. Nobbi meldete „vier Mann auf der Brücke“. Vorher haben wir beim Verladen einer Baustellenausrüstung inklusive Kran und Wohncontainer zugesehen. Zum Nachbarbecken gibt es keinen Zaun, ein Paradies für „Schiffegucker“. Der Zoll patrouilliert zu Fuß, am liebsten zu dritt, und die Policia Portuaria fährt alle paar Minuten durch das Hafengebiet, um den schönen Pickup zu bewegen und die vielen Liebespaare zu beobachten.