Werfttage

Seit dem letzten Blogeintrag ist eine arbeitsreiche Woche vergangen. Als wir am Freitag am Fischereihafen waren und das schwimmende Auto für Aufregung sorgte, wollten wir uns eigentlich nur auf der Werft umsehen. Wir hatten Glück, ein anderes Schiff konnte seinen Termin am Montag nicht halten und so bekamen wir diesen Platz gleich am Montag. Das Wochenende verging schnell. Wir bereiteten alles für die anstehenden Arbeiten in der Werft zu und verbrachten einige Zeit bei der Kriminalpolizei. Von Nobbi wurde eine Zeugenaussage benötigt.
Als wir am Montag um elf Uhr, samt Schiff, an der Werft ankommen wartet der Travel-Lift bereits auf uns. Um Viertel nach elf ist Mari auf dem Trockenen, wird mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und sicher abgestellt. Nun sind wir dran. Nobbi widmet sich dem Propeller, er wird poliert und abgeschmiert. Die Opferanoden am Propeller werden durch neue ersetzt. Dann verschwindet Nobbi im Schiff: unsere Stopfbuchse bekommt eine neue Packung. Ich rücke derweil den kleinen rostigen Stellen am Kiel zu Leibe. Hier wird der Rost entfernt (wie gut, dass wir die Drahtbürsten für die Bohrmaschine doch noch gefunden haben) und die Stellen mit Rostumwandler und hinterher mit Rostschutz gestrichen. Eine kleine Macke will gespachtelt werden, auch das ist meine Aufgabe. Schon sind wir bereit für das Antifouling, diesen Job teilen wir uns. Lose Farbe wird mit dem Spachtel abgekratzt, ein bisschen Anschleifen und schon wandert der erste Eimer Farbe aufs Schiff. 2,5 l giftige Farbe wird zunächst auf die Flächen gemalt, die besonders gerne bewachsen werden: den Wasserpass und das Ruder. Auf Spanisch heißt Antifouling Anticrustante, das kann man sich gut merken „gegen Krustentiere“. Zwischendurch frage ich an, ob ich ein Recht auf Pausen habe, zur Belohnung mehrere Tage Spa-Besuch bekomme oder wir auf Mari gewerkschaftlich organisiert sind. Die Antwort auf alle diese Fragen fällt negativ aus. Das Motto lautet „wer schneller schleift darf früher baden“ oder so ähnlich. Nach einer Dusche und einem Abendessen im Fischrestaurant fallen wir geschafft ins Bett. Leider ist die Nacht wenig erholsam. Mal abgesehen davon, dass es sehr warm ist, haben wir Besuch. Hungrigen Besuch. Lange hatten wir höchstens mal eine Mücke, nun kommen sie im Schwarm. Mitten in der Nacht hüllen wir Mari in Mosquitonetze und gehen auf die Jagd.
Dienstag geht es weiter. Die zweite Dose Antifouling wird auf Maris Bauch verteilt. Während Nobbi den Rumpf vom Gelbschleier befreit und wachst, bessere ich den blauen Streifen aus und repariere kleine Macken im Gelcoat. Mittwoch könnten wir eigentlich wieder ins Wasser, doch Nobbi hat zunächst einen Termin bei Gericht. Er macht sich stadtfein und fährt mit dem Bus nach Santa Cruz, ich beschäftige mich inzwischen damit, unseren rostfreien Edelstahl von Rostflecken zu befreien (Finde den Fehler!). Nobbi erlebt eine Vorverhandlung mit allem Drum und Dran: Richterin in Robe, Dolmetscherin, Gerichtsmedizinierin (alles fest in weiblicher Hand, nur der Gerichtsschreiber war ein Mann). Die Autofahrt ins Wasser war anscheinend kein Unfall. Dadurch, dass Nobbi jetzt vor Gericht ausgesagt hat, müssen wir nicht zur Hauptverhandlung bleiben, sondern dürfen weiter segeln wann immer wir möchten. Mittags ist Nobbi wieder da. Wir entscheiden uns erst am nächsten Morgen wieder ins Wasser zu gehen und haben so Zeit in Ruhe aufzuräumen und erneuern die Silikonfuge an unserer Spüle. Das neue Silikon liebevoll in der Küche zu verteilen ist ja kein Problem, aber das alte wehrt sich und will seinen Platz nicht verlassen. Schließlich haben wir genug gearbeitet und laufen nach San Andres zur Pizzeria, die kennen wir bereits vom Abend vorher.
Gestern Morgen, pünktlich um neun, werden wir wieder angehoben. Nobbi malt noch Antifouling an den Stellen wo die Stützen standen und dann sind wir fertig. Die Sicht ist fantastisch und vom Werftgelände können wir den Gipfel des Teide sehen, der von der Sonne angeleuchtet wird. Als Mari wieder schwimmt, fahre ich ganz langsam durchs Hafenbecken, während Nobbi die Bilgen kontrolliert. Kein Wasser im Schiff. Zum Glück! Auf dem Rückweg zur Marina lassen wir den Wassermacher laufen und checken um halb zwölf wieder in der Marina ein.
Insgesamt war das ein sehr erfolgreicher Werftbesuch. Antifouling anschleifen oder abkratzen steht auch weiterhin ziemlich weit oben auf der Liste der ungeliebten Arbeiten. Trotzdem, „Winterarbeit“ macht bei knapp 30 Grad mehr Spaß als bei 5, auch wenn es sehr schweißtreibend war. Die Farbe trocknet ruckzuck und die Spachtelmasse härtet bei Blickkontakt mit dem Härter. Mit der Werft „Varaderos Anaga“ waren wir sehr zufrieden. Unsere Mari wurde äußerst vorsichtig behandelt, der Chef spricht gut Englisch, alles hat sehr pünktlich geklappt, der Preis war absolut in Ordnung und wir konnten auf dem Boot schlafen und an der Werft duschen. Die kleine Werft ist äußerst lebendig, an fast allen Booten wird gearbeitet und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Wir freuen uns, dass wir wieder schwimmen und haben als erstes den ganzen Werftstaub vom Schiff, aber auch von uns abgewaschen.
Heute waren wir mal wieder beim Schiffsausrüster, dort warteten unsere neuen Batterien bereits auf uns. Nachmittags wurden sie uns zum Schiff gebracht und Nobbi hat sie gleich eingebaut. Natürlich sind die Anschlüsse anders angeordnet als bei den Vorgängern, so dass es nicht ganz einfach war. Zuvor gab es Streicheleinheiten für den Motor: Ölwechsel, einen frischen Impeller und neue Diesel-Filter. Unsere ToDo-Liste wird langsam kürzer!

Nobbi ist ein Held!

Grundsätzlich ist mir schon länger klar, dass Nobbi ein Held ist, heute konnte er es jedoch unter Beweis stellen. Unserem aufregenden Nachmittag ist ein interessanter Vormittag voraus gegangen. Wir waren im „Museum der Natur und des Menschen“. Das Museum ist in einem sehr schönen Gebäude mit zwei großen Innenhöfen untergebracht und umfasst eine naturkundliche Sammlung, eine archäologische Ausstellung und eine Sonderausstellung über Raubvögel. Wir wissen jetzt also viel mehr über die Entstehung der Kanaren, die Tier- und Pflanzenwelt und über die Guanchen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln.
Nachmittags wollten wir zur Werft fahren, uns das Gelände ansehen und nach den Preisen fragen. Der Bus brachte uns in 12 Minuten zum Fischereihafen und dank Google Maps wussten wir wie das Gebäude aussieht, das wir suchten. Als wir gerade um einen Schuppen biegen und ans Hafenbecken kommen, sagt Nobbi plötzlich: „Guck mal! Das Auto fährt ins Wasser!“ und rennt los. Er hatte recht, ein kleines goldenes Auto treibt im Hafenbecken. Ich renne in die erste geöffnete Tür, lande in einer Lagerhalle und rufe nach Hilfe. Zum Glück taucht schnell ein Mann auf und läuft mit mir zusammen zum Hafenbecken. Dort sehe ich gerade noch wie Nobbi, der Handy, Portemonnaie und Sonnenbrille auf einem Poller deponiert hat, ins Wasser springt. Das Auto schwimmt noch, doch zwei Frauen sind noch im Auto und schreien. Kurz bevor Nobbi das Auto erreicht, gelingt es beiden Frauen aus dem Fenster zu klettern. Die jüngere der beiden (die Tochter der anderen?) kreischt und planscht, so dass wir Angst haben, dass sie nicht schwimmen kann. Nobbi packt sie und beginnt sie abzuschleppen, da beruhigt sie sich und schwimmt die letzten Meter schließlich alleine. Inzwischen sind mehrere Männer dazu gekommen, werfen Rettungswesten ins Wasser oder springen auch ins Wasser um zu helfen, die Tochter wird auf ein Fischerboot gezogen und Nobbi klettert an einer Leiter aus dem Wasser. Die Situation scheint unter Kontrolle, das Auto schwimmt noch, die andere Frau schwimmt mit zwei Männern in Richtung Hafenmauer. Plötzlich beginnt die Frau zu schreien, schlägt nach den Männern, macht sich los und schwimmt zurück zum Auto. Nun bricht Chaos aus, das Auto versinkt im Hafenbecken und ein Schiff der Lebensretter kommt angeschossen und zieht die Frau aus dem Wasser. Kurz darauf trifft die Polizei ein, zwei Polizisten springen auch noch ins Hafenbecken. Nach ein paar Minuten steht die Pier voll mit Autos, Policía Marítima, Polícia National und Polícia Portuaria, dazu zwei Rettungswagen. Zum Glück scheinen es beide Frauen unverletzt überstanden zu haben, auch wenn wir nicht wissen, was eigentlich genau passiert ist. Die Polizisten sind sehr nett und bedanken sich bei Nobbi für seinen Einsatz. Es findet sich ein in Hamburg geborener Polizist, der perfekt Deutsch spricht und die Zeugenaussage aufnimmt. Dann beginnen Taucher der Polizei das Auto zu bergen. Nobbi ist, abgesehen von seinen Schuhen, die er vor seinem Bad auf der Pier zurückgelassen hat, komplett nass. Bei 28 Grad ist das jedoch nicht weiter schlimm und er ist schnell getrocknet. Leider hat das Handy mit der spanischen SIM-Card, das in der Hosentasche steckte, das Bad nicht überlebt.
Schließlich schaffen wir es doch noch zur Werft und sind mit dem Bus schnell wieder zurück auf unserer Mari. Ich bin nach der ganzen Aufregung ziemlich geschafft. Nobbi räumt erst mal das halbe Achterschiff aus, misst das Batteriefach aus und räumt alles wieder ein. Zeit für einen Sundowner!

Teneriffa Da schwimmt es noch

Es schwimmt noch

Teneriffa da ist es weg

blubb, blubb

Ankunft in Santa Cruz de Tenerife

Nun sind wir schon 3 Tage auf Teneriffa! Die Überfahrt war ruhig und unerwartet schnell. Am Samstag waren wir im Marinabüro, um uns abzumelden und unsere Genehmigung für den Besuch der Ilhas Salvagems abzuholen. Die Salvagems sind kleine Inseln, oder eher Felsen, die zwischen Madeira und den Kanaren liegen und zu Portugal gehören. Den Rest des Tages haben wir mit Vorbereitungen für die Überfahrt verbracht. Abends sind die Lotta und die Aloma in Quinta do Lorde eingetroffen. Das Wiedersehen musste natürlich gefeiert werden. Außerdem hatten wir ja an meinem Geburtstag Porto Santo verlassen, ohne zu verraten, dass ich Geburtstag habe. Eine weitere Feierlichkeit die nachgeholt werden musste. Ein letzter Blick auf den Wetterbericht brachte keine guten Nachrichten, anstelle der vier Windstärken, auf die wir uns gefreut hatten, sollte der Wind nun wesentlich schwächer ausfallen. Kurz haben wir überlegt unsere Abfahrt zu verschieben, der Wetterbericht und die Ankunft unserer Freunde hätten es fast geschafft uns zum Bleiben zu bewegen, doch wir wollten weiter und außerdem hatten wir ja nun die nur für zwei Tage gültige Erlaubnis für den Besuch der Salvagems. Sonntagmorgen klingelte also der Wecker und nach einen kurzen Frühstück ging es um halb acht los. Bei wenig Wind ließen wir Madeira hinter uns und sichteten immer wieder größere Gruppen von Grindwalen. Die großen schwarzen Delfine hielten sich längere Zeit an der Oberfläche auf und so konnten wir sie gut beobachten. Nachmittags kam auch noch eine Schule Tümmler vorbei. Leider hatten sie keine Lust uns länger zu begleiten, sondern hatten anscheinend andere Pläne. Zwar mussten wir mangels Wind zunächst Motorsegeln, doch dank eines überraschend starken Stroms kamen wir flott voran. Schon am Abend zeichnete sich ab, dass es für unseren Plan an den Salvagems zu Ankern schlecht aussieht, der Wind drehte immer weiter auf West. Bei Westwind ist die einzige Bucht, für die man zurzeit eine Genehmigung bekommt, sehr ungeschützt. Montagmittag hatten wir die kleine Insel Salvagem Grande querab, machten einige Fotos, freuten uns über die vielen Vögel und beschlossen weiter zu segeln. Traurig waren wir nicht, wurden wir doch mit einem der schönsten Segeltage unsere bisherigen Reise beschenkt. Bei wenig Welle segelten wir flott Richtung Teneriffa, umgeben von diesem fantastischen Blau. Einige Meilen südlich der Insel, als wir gerade Mittag essen wollten, tauchte plötzlich ein Schlauchboot hinter uns auf. Die Beamten der portugiesischen Polizei forderten uns auf langsamer zu segeln. Nachdem wir das Vorsegel weggerollt hatten kamen zwei Polizisten an Bord, fotografierten unsere Pässe, die Bootspapiere und unsere Genehmigung und fragten nach unserem letzten bzw. nächsten Hafen. Das Schlauchboot kam wieder längsseits, der erste Polizist sprang auf den Gummiwulst und ins Boot, der zweite fand den Absprung nicht so recht, sprang auf den Gummiwulst und wäre um ein Haar rücklings ins Wasser gefallen. Eine schmerzhafte Landung. Wir hatten wir immer wieder von den Kontrollen der portugiesischen Polizei gehört, waren selber aber nie kontrolliert worden. Wir hatten den französischen Zoll an Bord und mehrfach Besuch von der spanischen Polizei, doch nie von den Portugiesen. Schließlich hat die portugiesische Polizei ihre allerletzte Chance genutzt und uns auf den letzten Meilen in portugiesischen Gewässern kontrolliert. Ich stelle mir den Kontrolljob ziemlich langweilig vor, viele Boote kommen dort nicht vorbei.
Wir rollten unser Vorsegel wieder aus, stellten unsere Windsteueranlage wieder ein und aßen endlich unseren Kartoffelsalat mit Würstchen. Auch die zweite Nacht auf See war toll. Kurz bevor es dunkel wurde, sahen wir Teneriffa, beziehungsweise den Pico de Teide. Die Nacht war sternenklar und warm. Lange lag ich auf dem Rücken im Cockpit und habe mir die Sterne angeguckt. Obwohl ich nicht so richtig fit war, habe ich meine Wache nicht als Pflicht, sondern als unglaubliches Privileg empfunden. Irgendwann hörte der Wind auf und so sind wir die letzten Meilen motort. Pünktlich zu Sonnenaufgang waren wir an der Nordspitze Teneriffas, zwei Stunden später haben wir in der Marina in Santa Cruz festgemacht.
Nach unserer Ankunft am Dienstagmorgen haben wir Mari gewaschen, die von einer dicken Salzschicht bedeckt war, unser Bimini aufgebaut und auch unsere Persenning über dem Vorluk aufgespannt. Hier ist Sommer, wenn es auch nicht so heiß ist, wie in Deutschland in den letzten Tagen. Den Tag haben wir mit duschen, lesen, schlafen und einem Spaziergang verbracht und in der folgenden Nacht lange und festgeschlafen.
Gestern haben wir Schiffszubehörläden besichtigt. Unsere ToDo-Liste hat einige Punkte, einige Arbeiten haben wir verschoben bis wir auf den Kanaren sind. Da sind wir nun. Vier Läden haben wir bisher besucht und konnten feststellen, dass wir hier alles bekommen werden. Anschließend sind wir kreuz und quer durch die quirlige Stadt gebummelt. Santa Cruz gefällt uns auf den ersten Blick gut und nach den Liegeplätzen in kleinen Orten ist ein Aufenthalt in einer Stadt eine willkommene Abwechslung.
Heute stand Sightseeing auf dem Programm. Um uns zunächst einen Überblick zu verschaffen, haben wir an einer Stadtführung und einer Stadtrundfahrt teilgenommen. Nun haben wir viele Ideen, was wir hier noch alles unternehmen wollen. In der Stadt locken Museen, Befestigungsanlagen, Parks und die Konzerthalle. Zum nächsten Strand ist es nicht weit mit dem Bus und nach La Laguna, eine alte Universitätsstadt, fährt die Straßenbahn. Natürlich will auch Teneriffa erwandert werden, es gibt verschiedene Naturparks und eine Vielzahl von Wanderwegen. Und schließlich ist da noch der Teide (3718m) , der höchste Berg Spaniens, der auf einen Besuch wartet. Ob wir hier wieder weg kommen?
Heute Nachmittag waren wir im Palmetum, einem relativ neu angelegten Palmenpark. In dem botanischen Garten wachsen 2000 Pflanzenarten. Der Garten hat sich auf Palmengewächse spezialisiert, gleich 400 Arten sollen hier zu sehen sein. Der Park liegt direkt am Meer auf einem künstlichen Hügel, der eine Vergangenheit als Müllkippe hat. Uns hat es sehr gefallen, die Vielfalt der Pflanzen, die nach Herkunft geordnet sind, ist beeindruckend, die guten Erklärungen runden den Spaziergang ab.

Die Königin der Levadas und der westlichste Punkt

Wir sind noch auf Madeira und haben einige Tage mit Baden und kleinen Wanderungen in der Umgebung verbracht, nebenbei am Boot getüddelt und immer wieder nette Segler kennengelernt.
Am Donnerstag haben wir wieder ein Auto gemietet und entscheiden uns für eine weitere Levada-Wanderung. Die Wahl fällt auf die Levada do Rei. Die Königslevada soll sich für eine zauberhafte Wanderung durch den Lorbeerwald anbieten. Diesmal könnrn wir keinen Rundwanderweg laufen, sondern wir wandern auf dem Hin- und Rückweg entlang der Levada. Wir werden nicht enttäuscht, die Levada do Rei bietet alles was man sich von einer Levada wünscht: einen Wasserfall, der einen duscht, einen Tunnel, dichten Lorbeerwald, eine Vielzahl blühender Pflanzen und grandiose Ausblicke. Die Wanderung führt bis zur Quelle der Levada, wo der Ribeiro Bonito, ein Wildbach, die Levada speist. Wir machen eine kleine Rast und Nobbi füttert die zutraulichen Madeira-Buchfinken mit Schokokeksen. Hier treffen wir eine portugiesische Familie, die den heutigen Feiertag für einen Familienausflug nutzt. Wir werden von ihnen ausgiebig mit Kuchen versorgt und treten frisch gestärkt den Rückweg an. Auf dieser Wanderung treffen wir, anders als bei den meisten anderen Touren die wir unternommen haben, häufiger andere Leute. Trotzdem ist es wahrlich nicht überlaufen. Während Nobbi am Wasserfall seine Jacke anzieht, denke ich „wird schon nicht so schlimm werden“ und werde ziemlich nass. Daraufhin höre ich einige Kommentare zur Nützlichkeit von Regenjacken. Wieder am Auto angekommen machen wir uns auf den Rückweg. Wir beschließen der irgendwie nett aussehenden Beschilderung zu einem Café zu folgen und erreichen nach etlichen Kilometern ein kleines Restaurant. Dort essen wir in der Sonne mit fantastischem Meerblick traditionell gegrilltes Hühnchen.
Bevor wir das Auto wieder abgeben wollen wir noch den westlichsten Punkt Madeiras Ponta do Pago besuchen. Deshalb entschließen wir uns eine Inselrundfahrt zu machen. Zunächst kommen wir auf der Schnellstraße flott voran und machen einen ersten Stopp in Calheta. Hier gibt eine kleine Marina, einen künstlichen Strand und einige Hotels. Wir essen ein Eis und schlendern über die Promenade, bevor es weiter geht. Eine kleine Straße führt in unendlich vielen Serpentinen immer weiter in den Westen der Insel. Madeira ist ohnehin nicht überlaufen, doch hier ist es leer. Nur gelegentlich kommt uns ein Auto entgegen. Die Straßenränder leuchten blau und weiß, sie sind gesäumt von Hortensien und Agapanthussen (oder heißt es Agapanthii?). Die Straße führt immer wieder durch lichte Eukalyptuswälder und es riecht leicht nach Hustenbonbons. In Ponta do Pago halten wir an einem Teehaus und machen einen Spaziergang zum Leuchtturm. Nach einem Abstecher nach Cabo zu einer kleinen Kapelle mit gigantischem Ausblick, wo wir viel Spaß mit ein paar ausgebüxten Ziegen haben, fahren wir zu nordwestlichsten Ecke nach Porto Moniz. Porto Moniz ist ein beliebter Ferienort und berühmt für seine natürlichen Schwimmbecken aus schwarzer Lava. Wir genießen den tollen Ausblick und beschließen eine Planänderung. Statt an der Nordküste zurück zu fahren (den Weg kennen wir schon) wollen wir die Hochebene Paul da Serra nochmal sehen. Dort hatte es uns schon während unserer Wanderungen besonders gut gefallen. Die Straße führt auf knapp 1000 m in die Wolken und das Thermometer sinkt auf 14 Grad. Wenig später ist es oberhalb der Wolken wieder sonnig und mit 19 Grad auch wieder deutlich wärmer. Wir halten immer wieder an und freuen uns über spektakuläre Ausblicke, die vielen Kühe und den blühenden Ginster. De Straße verläuft auf fast 1600 m, bis wir schließlich zum Encumeada Pass gelangen. Im Norden kann man entlang einer Schlucht aufs Meer sehen. Wir nehmen die Straße nach Süden und erreichen in Ribeira Brava wieder das Meer. Die Schnellstraße bringt uns zurück in den Osten der Insel. In Machico kaufen wir ein, bummeln durch die kleinen Straßen und essen am Hafen in einem netten Restaurant.
Madeira begeistert uns. Diese unglaubliche Vielfältigkeit, die verschiedenen Landschaften, die fantastische Pflanzenwelt und die grandiosen Ausblicke. Es gibt es noch unzählige Levadas an denen wir gerne entlang wandern würden, doch für uns wird es nun Zeit weiter zuziehen.

Gemütliche Tage auf Madeira und ein Besuch im Walmuseum

Die Tage auf Madeira vergehen schnell. Bevor wir den Mietwagen wieder abgeben kaufen wir gründlich ein, sehen uns Machico an und machen einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt auf dem Pico Facho.
Wir lesen in unseren Revierführern und recherchieren im Internet wo es als nächstes hin gehen soll und betüddeln unser Boot. Irgendwas ist immer zu tun. Zu Großprojekten haben wir keine Lust, doch das Deck wurde gewachst (auch unsere Mari braucht Sonnencreme), die Edelstahlteile poliert und das Unterwasserschiff von Algen befreit. Das Wäschewaschen war mal wieder ein Event. Die Waschmaschine nimmt nur 20 Cent Münzen und 2 Euro Stücke, gut dass wir 1 Euro und 50 Cent Stücke sammeln. Nachdem ich mit Hilfe des Marinabüros genügend Kleingeld gesammelt hatte, hatte der Wind aufgefrischt und die Wäsche musste nicht nur beim Trocknen bewacht, sondern sogar festgehalten werden. Doch dank des starken, trocknen Windes war die Wäsche binnen 50 min trocken. Nachdem unser letztes selbstgebackenes Brot starke Ähnlichkeit mit einem Brikett hatte, ist der aktuelle Versuch richtig lecker und ziemlich fluffig geworden. Das Brikett war das Werk einer nicht aufgegangenen portugiesischen Backmischung, die aktuelle Version entstand mit einer veganen, superöko, glutenfreien, quinoahaltigen Sauerteigalternative, die ich allerdings mit Weizenmehl gemischt habe. Ich werde weiter experimentieren. Eine der Tischdecken, die wir in Portugal gekauft haben, hat sich gestern mit Hilfe der Nähmaschine in einen Wäschesack verwandelt und ziert nun unsere Kammer.
Am Sonntag haben wir das Walmuseum in Carniçal besucht. Zu Fuß sind wir eine knappe Stunde in den Nachbarort gelaufen, auf dem Rückweg haben wir eine Abkürzung gefunden und waren etwas schneller. Das Museum ist toll. Der erste Teil befasst sich mit dem Walfang, der hier nur 40 Jahre lang zwischen 1941 und 1981 von offenen Ruderbooten aus betrieben wurde. Gejagt wurden fast ausschließlich Pottwale. Der zweite Teil des Museums befasst sich mit den Besonderheiten der Wale, den Arten, die hier vor Madeira vorkommen, und dem Schutz der Wale. Ein Audioguide führt die Besucher durch das Museum und im zweiten Teil erklären gut gemachte 3D-Filme zum Beispiel die Organsysteme der Wale, weshalb sie so tief tauchen können und die verschiedenen Walarten. Uns hat das Museum sehr gut gefallen und wir haben über 3 Stunden in der Ausstellung verbracht.
Madeira ist keine Badeinsel. Trotzdem wird bei uns eifrig gebadet. Das Hafenbecken ist klar und tief, jede über Bord gegangene Wäscheklammer muss gerettet werden. Bei einer seiner Wäscheklammerrettungsaktionen meldet Nobbi eine Schule Baracudas unter dem Boot, was auch mich dazu bewegt ins Hafenbecken zu hüpfen. Tatsächlich, eine Schule kleiner Baracudas wohnt hier im Hafen unweit vom Boot und kommt manchmal neugierig näher. Die anderen Fische lassen sich mit Brot anlocken und bekommen gelegentlich ihren Anteil am Frühstück.
Auch der Meerwasserpool des Hotels ist schön und in der kleinen Bucht vor dem Hotelstrand haben wir Fische und Seeigel beim Schnorcheln angeguckt und sogar einen kleinen Rochen gesehen. Nur der Ein- und Ausstieg ist hier nicht ganz einfach. Bei Hochwasser kann man an der Treppe, die auch die Tauchschule benutzt, ins Wasser steigen, bei Niedrigwasser bleibt nur der Einstieg über den Strand. Das ist mühsam, da es auch bei wenig Wind immer eine recht ordentliche Brandung gibt. In der Nachbarbucht, nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, gibt es einen der seltenen Sandstrände Madeiras. Hier haben wir letzte Woche Mareikes Abschiedsbad genommen und die kleine Strandbar stellt einen netten Anlaufpunkt für Spaziergänge dar. Eigentlich wollten wir hier noch Tauchen, doch jetzt sind wir mit Schnorcheln und Baden ganz zufrieden.

Kuhweide mit Aussicht

Auf dieser Wanderung galt es 500 Höhenmeter zwischen dem Start in einem kleinen Dorf im Süden Madeiras und dem 1436 m hohen Gipfel des Chão dos Terreiros zu überwinden. Trotzdem war dies wohl unsere gemütlichste Wanderung. Der Weg verläuft zunächst zwischen Feldern, später entlang der baumlosen Berge, die durch den Ginster, der überall wächst, gelb leuchten. Hier oben treffen wir nur einige andere Wanderer und viele Kühe. Die Kühe haben nicht nur eine tolle Aussicht und klare Luft, sie müssen auch sehr trittsicher sein. Ob die schleswig-holsteinischen Schwarz-Bunten sich hier wohl fühlen würden? Der Wanderführer empfiehlt früh zu dieser Wanderung aufzubrechen, wir starten gleich nach dem Frühstück und beginnen die Wanderung erst um 13 Uhr. Doch wir haben Glück, es ist sonnig und klar. Die Aussicht ist grandios. Wir sehen die hohen Berge Madeiras und können vom Gipfel weite Teile der Südküste mit der Hauptstadt Funchal überblicken. Auf dem Rückweg sind wir froh, als der Weg schließlich durch Eukalyptuswälder führt und wir im Schatten laufen.

Stinklorbeer im Nebel

Hört sich wenig romantisch an? Tatsächlich war es eine tolle Tour. Diesmal ging es unzählige Stufen Abwärts um zu einer hübschen Levada zu gelangen. An einem Aussichtspunkt können wir auf die umliegenden, bewaldeten Berge sehen. Die Levada führt „Hochwasser“ und schwappt gelegentlich über die Begrenzung, so dass es zum Teil sehr matschig ist und wir auf der Kante der Levada balancieren. Der Vergleich mit dem Schwebebalken ruft bei dem einem oder anderen unserer kleinen Wandergruppe unangenehme Assoziationen hervor. Der Weg entlang des kleinen Kanals verläuft im Schatten, wir sind umgeben von Bäumen, Wasserfällen und Farnen. Als wir auf die Straße gelangen, befürchten wir zunächst es könne in der Sonne zu heiß werden. Doch ein langer und anstrengender Aufstieg führt uns geradewegs in eine Wolke. In dichtem Nebel finden wir die Stinklorbeerbäume und einen kleinen See, an dem gerade eine Kuh trinkt. Uns wird klar, weshalb es hier überall so grün ist und weshalb hier so viele Farne wachsen. Wir stehen auf einem grasbewachsenen Gipfel und werden von der Wolke völlig eingehüllt. Wir sehen weder wie weit es neben uns in die Tiefe geht, noch wo unser Weg entlang führt. Kurz bevor wir unserer Auto erreichen setzt sich die Sonne durch und verdrängt den Nebel.
Auf dem Rückweg besuchen wir die natürlichen Schwimmbecken im Nordwesten Madeiras bei Seixal. Bei Hochwasser schwappt die See in die Becken und wechselt so das Wasser aus. Bei Niedrigwasser kann man hier geschützt schwimmen, während das Wasser an die felsige Küste donnert und das Baden unmöglich macht.

Madeira 4 matschige Wege

Madeira 4 verwunschener Wald

Madeira 4 am Aussichtspunkt

Am Aussichtspunkt

Madeira 4 Berge und WolkenMadeira 4 gruene BergeMadeira 4 Inga im Wald

Madeira 4 Levada biegt ab

Die Levada biegt ab

Madeira 4 auf der Brueke

Über die tiefe Schlucht führt eine Brücke

Madeira 4 eingehuellt von der Wolke

Plötzlich sind wir in einer Wolke

Madeira 4 Nobbi hat den See gefunden

Nobbi hat den See gefunden

Madeira 4 am SeeMadeira 4 Paradies fuer farne

Madeira 4 Wo ist der Weg

Und wo geht’s jetzt weiter?

Madeira 4 Wiese und das nichts

Eine Wiese im Nichts

Madeira 4 Nebel lichtet sich

Der Nebel lichtet sich…

Madeira 4 Seixal Pool

Madeira 4 netter Einstieg zum Seixal Pool

… und wir gehen in den natürlichen Pools von Seixal baden

Madeira 4 badespass

Madeira 4 relaxtes baden bei Brandung

Trotz starker Brandung kann man hier entspannt baden

Ursprüngliche Levadas und Blumenpracht

An der Kirche von Boaventura im Norden Madeiras startet eine Wanderung mit vielen Treppenstufen, die uns zu einem Aussichtspunkt über das Dorf bringt. Anschließend klettern wir auf schmalen Pfaden hinauf zu einer ursprünglichen Levada. Nach einem gemächlichen Abschnitt entlang des Bewässerungskanals folgen wir einem Bach. Die Vegetation ist üppig und überall blüht es. Wir gelangen zu einem kleinen Ort, wo wir wiederum kleine Pfade hinauf steigen, um zur nächsten Levada zu gelangen. Hier müssen wir auf der Kante der Levada balancieren, an der einen Seite der nasse, überhängende Felsen, auf der anderen Seite geht es in die Tiefe. Besser nicht nach unten gucken. Zum Glück ist der Weg nur ein kurzes Stück so aufregend, danach spazieren wir wieder gemütlich entlang der Levada. Der letzte Teil des Weges verläuft durch Gärten und Felder und bringt uns zurück nach Boaventura.

Levada und Badespaß

Nach einer abenteuerlichen Autofahrt hoch zur zentral gelegenen Hochebene auf über 1000 m, finden wir im zweiten Versuch den kleinen Pfad, der uns zu einer Bilderbuchlevada führt. Die Levadas sind Bewässerungskanäle, die das Wasser aus dem Norden und der Mitte der Insel in die trockeneren Gebiete bringen. Entlang der Levadas wandert es sich wunderbar, sie haben meistens wenig Gefälle und die Orientierung ist einfach. Wir laufen entlang der Levada bis zu ihrer Quelle, einem Becken, in das sich ein kleiner Wasserfall ergießt. Hier quaken die Frösche und ein kleiner Vogel ist so zutraulich, dass ich ihn mit den Krümeln meines Pasteis de nata füttere. Kurz überlegen wir hier zu baden, doch unser Wanderführer verspricht nach einem steilen Abstieg einen tollen natürlichen Pool. Der Abstieg gestaltet sich tatsächlich sportlich und auch der weitere Weg ist zum Teil sehr unwegsam, doch es hat sich gelohnt. Wir baden in einem Becken, das von einem Wasserfall gespeist wird und sich wiederum als Wasserfall ins Tal stürzt. Das Wasser ist klar und kalt. Wir haben den zweiten Teil des Weges für uns alleine und werden immer wieder mit tollen Ausblicken belohnt. Als wir zurück zum Auto kommen werden wir von einer Kuh-Herde beobachtet. Die Kühe genießen beim Wiederkäuen den Ausblick und lassen sich nicht stören.

Madeira 2 Bilderbuch Levada

Entlang der Levada

Madeira 2 Mareike und IngaMadeira 2 Levada mit Treppe

Madeira 2 alternative Levadanutzung

alternative Levadanutzung

Madeira 2 Quelle der Levada

Quelle der Levada

Madeira 2 Abstieg

Madeira 2 es wird steil

Der Abstieg ist steil

Madeira 2 kleiner Wasserfall

Madeira 2 Wasserfall

Natürlicher Pool

Madeira 2 natuerlicher Pool

Erfrischendes Bad

Madeira 2 da gehts runter

Da geht’s ganz schön tief runter

Madeira 2 Aussicht beim baden

Aus unserem Schwimmbad stürzt das Wasser ins Tal

Madeira 2 gruen

Blick in den Urwald

Madeira 2 gruene Berge

Madeira 2 fast angekommen

Fast wieder zurück

Madeira 2 wiederkauen mit Aussicht

Wiederkäuen mit Aussicht

Der östlichste Zipfel Madeiras

Die Marina Quinta do Lorde liegt ganz im Osten Madeiras, der karg und fast baumlos ist. Im Vergleich zur übrigen Insel ist es hier flach. Von der Marina aus sind es etwa 5 km zur östlichen Spitze. Auf keinem anderen Weg haben wir so viele andere Touristen getroffen, es scheint eine beliebte Wanderung zu sein.