Stinklorbeer im Nebel

Hört sich wenig romantisch an? Tatsächlich war es eine tolle Tour. Diesmal ging es unzählige Stufen Abwärts um zu einer hübschen Levada zu gelangen. An einem Aussichtspunkt können wir auf die umliegenden, bewaldeten Berge sehen. Die Levada führt „Hochwasser“ und schwappt gelegentlich über die Begrenzung, so dass es zum Teil sehr matschig ist und wir auf der Kante der Levada balancieren. Der Vergleich mit dem Schwebebalken ruft bei dem einem oder anderen unserer kleinen Wandergruppe unangenehme Assoziationen hervor. Der Weg entlang des kleinen Kanals verläuft im Schatten, wir sind umgeben von Bäumen, Wasserfällen und Farnen. Als wir auf die Straße gelangen, befürchten wir zunächst es könne in der Sonne zu heiß werden. Doch ein langer und anstrengender Aufstieg führt uns geradewegs in eine Wolke. In dichtem Nebel finden wir die Stinklorbeerbäume und einen kleinen See, an dem gerade eine Kuh trinkt. Uns wird klar, weshalb es hier überall so grün ist und weshalb hier so viele Farne wachsen. Wir stehen auf einem grasbewachsenen Gipfel und werden von der Wolke völlig eingehüllt. Wir sehen weder wie weit es neben uns in die Tiefe geht, noch wo unser Weg entlang führt. Kurz bevor wir unserer Auto erreichen setzt sich die Sonne durch und verdrängt den Nebel.
Auf dem Rückweg besuchen wir die natürlichen Schwimmbecken im Nordwesten Madeiras bei Seixal. Bei Hochwasser schwappt die See in die Becken und wechselt so das Wasser aus. Bei Niedrigwasser kann man hier geschützt schwimmen, während das Wasser an die felsige Küste donnert und das Baden unmöglich macht.

Madeira 4 matschige Wege

Madeira 4 verwunschener Wald

Madeira 4 am Aussichtspunkt

Am Aussichtspunkt

Madeira 4 Berge und WolkenMadeira 4 gruene BergeMadeira 4 Inga im Wald

Madeira 4 Levada biegt ab

Die Levada biegt ab

Madeira 4 auf der Brueke

Über die tiefe Schlucht führt eine Brücke

Madeira 4 eingehuellt von der Wolke

Plötzlich sind wir in einer Wolke

Madeira 4 Nobbi hat den See gefunden

Nobbi hat den See gefunden

Madeira 4 am SeeMadeira 4 Paradies fuer farne

Madeira 4 Wo ist der Weg

Und wo geht’s jetzt weiter?

Madeira 4 Wiese und das nichts

Eine Wiese im Nichts

Madeira 4 Nebel lichtet sich

Der Nebel lichtet sich…

Madeira 4 Seixal Pool

Madeira 4 netter Einstieg zum Seixal Pool

… und wir gehen in den natürlichen Pools von Seixal baden

Madeira 4 badespass

Madeira 4 relaxtes baden bei Brandung

Trotz starker Brandung kann man hier entspannt baden

Ursprüngliche Levadas und Blumenpracht

An der Kirche von Boaventura im Norden Madeiras startet eine Wanderung mit vielen Treppenstufen, die uns zu einem Aussichtspunkt über das Dorf bringt. Anschließend klettern wir auf schmalen Pfaden hinauf zu einer ursprünglichen Levada. Nach einem gemächlichen Abschnitt entlang des Bewässerungskanals folgen wir einem Bach. Die Vegetation ist üppig und überall blüht es. Wir gelangen zu einem kleinen Ort, wo wir wiederum kleine Pfade hinauf steigen, um zur nächsten Levada zu gelangen. Hier müssen wir auf der Kante der Levada balancieren, an der einen Seite der nasse, überhängende Felsen, auf der anderen Seite geht es in die Tiefe. Besser nicht nach unten gucken. Zum Glück ist der Weg nur ein kurzes Stück so aufregend, danach spazieren wir wieder gemütlich entlang der Levada. Der letzte Teil des Weges verläuft durch Gärten und Felder und bringt uns zurück nach Boaventura.

Levada und Badespaß

Nach einer abenteuerlichen Autofahrt hoch zur zentral gelegenen Hochebene auf über 1000 m, finden wir im zweiten Versuch den kleinen Pfad, der uns zu einer Bilderbuchlevada führt. Die Levadas sind Bewässerungskanäle, die das Wasser aus dem Norden und der Mitte der Insel in die trockeneren Gebiete bringen. Entlang der Levadas wandert es sich wunderbar, sie haben meistens wenig Gefälle und die Orientierung ist einfach. Wir laufen entlang der Levada bis zu ihrer Quelle, einem Becken, in das sich ein kleiner Wasserfall ergießt. Hier quaken die Frösche und ein kleiner Vogel ist so zutraulich, dass ich ihn mit den Krümeln meines Pasteis de nata füttere. Kurz überlegen wir hier zu baden, doch unser Wanderführer verspricht nach einem steilen Abstieg einen tollen natürlichen Pool. Der Abstieg gestaltet sich tatsächlich sportlich und auch der weitere Weg ist zum Teil sehr unwegsam, doch es hat sich gelohnt. Wir baden in einem Becken, das von einem Wasserfall gespeist wird und sich wiederum als Wasserfall ins Tal stürzt. Das Wasser ist klar und kalt. Wir haben den zweiten Teil des Weges für uns alleine und werden immer wieder mit tollen Ausblicken belohnt. Als wir zurück zum Auto kommen werden wir von einer Kuh-Herde beobachtet. Die Kühe genießen beim Wiederkäuen den Ausblick und lassen sich nicht stören.

Madeira 2 Bilderbuch Levada

Entlang der Levada

Madeira 2 Mareike und IngaMadeira 2 Levada mit Treppe

Madeira 2 alternative Levadanutzung

alternative Levadanutzung

Madeira 2 Quelle der Levada

Quelle der Levada

Madeira 2 Abstieg

Madeira 2 es wird steil

Der Abstieg ist steil

Madeira 2 kleiner Wasserfall

Madeira 2 Wasserfall

Natürlicher Pool

Madeira 2 natuerlicher Pool

Erfrischendes Bad

Madeira 2 da gehts runter

Da geht’s ganz schön tief runter

Madeira 2 Aussicht beim baden

Aus unserem Schwimmbad stürzt das Wasser ins Tal

Madeira 2 gruen

Blick in den Urwald

Madeira 2 gruene Berge

Madeira 2 fast angekommen

Fast wieder zurück

Madeira 2 wiederkauen mit Aussicht

Wiederkäuen mit Aussicht

Der östlichste Zipfel Madeiras

Die Marina Quinta do Lorde liegt ganz im Osten Madeiras, der karg und fast baumlos ist. Im Vergleich zur übrigen Insel ist es hier flach. Von der Marina aus sind es etwa 5 km zur östlichen Spitze. Auf keinem anderen Weg haben wir so viele andere Touristen getroffen, es scheint eine beliebte Wanderung zu sein.

Freizeitstress

Auf Madeira machen wir Urlaub mit allem Drum und Dran. Wir haben Besuch von Mareike und wandern zu dritt über die abwechslungsreiche Insel.
Auf Madeira weiß man nicht nur nicht wie das Wetter wird, sondern auch nicht wie es ist. Die Wolken bleiben an den Gipfeln Madeiras hängen, bilden sich, lösen sich wieder auf. Der Wind ist zum Teil kühl, doch in der Sonne ist es heiß. Wir haben also immer eine Jacke und Badezeug dabei. Man weiß ja nie.
Madeira begeistert uns mit seiner Vielfältigkeit. Nachdem wir uns an unserem ersten gemeinsamen Tag nicht so recht für eine Wanderung entscheiden können, schlägt Mareike einen Wanderführer vor, den wir kurzerhand herunterladen (Kindle sei Dank) und dem wir in den nächsten Tagen treu folgen ohne jemals enttäuscht zu werden. An der Ostspitze, die wir von Hafen aus erwandern, treffen wir auf baumlose, karge Felsen. Am nächsten Tag fahren wir auf die zentral gelegene Hochebene auf über 1000 m, wandern von dort entlang einer Levada und klettern dann abwärts zu einem natürlichen Pool, der von einem Wasserfall gespeist wird und sich wiederum als Wasserfall ins Tal stürzt. Eine Wanderung an der Nordküste Madeiras verläuft entlang ursprünglicher Levadas, Felder und Gärten. An jeder Ecke lauert ein toller Ausblick und wir treffen den ganzen Tag keine anderen Wanderer. Bei der nächsten Wanderung wartet zunächst ein sehr langer Abstieg mit unzähligen Stufen auf uns, bevor wir an einer Levada entlang wandern. Gegen Ende unseres Weges suchen wir unseren Weg in mitten einer Wolke, aus der plötzlich ein See und Kühe auftauchen. Gestern sind wir im Süden Madeiras unterwegs gewesen, haben einen Gipfel erklommen und von dort die Aussicht auf die Südküste und Funchal genossen.
Häufiger haben gelesen, es sei ratsam früh aufzubrechen. Entweder um dem Ansturm der Wanderer aus dem Weg zu gehen, oder aber um tendenziell besseres Wetter zu haben. Wir haben diese Empfehlung konsequent ignoriert und hatten Glück, nirgendwo war es überfüllt, manchmal haben wir den ganzen Tag niemanden getroffen und das Wetter hat auch mitgespielt. Ohne Auto ist es schwierig Madeira zu erkunden, schon ganz und gar wenn man etwas abgelegen wohnt wie wir zurzeit. Also haben wir ein Auto gemietet und fahren damit zu den Ausgangspunkten der Wanderungen. Autofahren wird zum Abenteuer obwohl außerhalb der „rapidos“ kaum über 30-40 km/h. Mareike ist froh, dass sie nicht fahren muss und ich halte mir die Augen zu, Nobbi hingegen freut sich über die Herausforderung im ersten Gang. Ob Serpentinen oder Straßen mit 40 % Steigung Nobbi scheucht unseren Polo kreuz oder quer über die Insel. Interessant sind nicht nur die Straßen, auch die Parkplätze begeistern. Ebene Flächen sind rar auf Madeira, was liegt da näher als auf dem Dach zu parken? Häufig gibt es nicht mal eine Begrenzung wie eine kleine Mauer oder einen Zaun, wer zu schwungvoll ausparkt hat ein Gartenhaus (30 m tiefer) und braucht ein neues Auto.
Natürlich sehen wir uns auch die Hauptstadt Funchal an. Wir spazieren am Wasser entlang und besichtigen die Marina, fahren mit der Seilbahn nach Monte, laufen durch Parks mit vielen Blumen und spannenden Bäumen, kaufen auf dem Obstmarkt ein und sehen uns die riesigen Thunfische auf dem Fischmarkt an.
Auch auf Madeira gibt es die wundervollen Puddingtörtchen Pasteis de Nata, wie überall in Portugal. Wie wir finden sind sie der ideale Proviant für Wanderungen. Außerdem entdecken wir „Tim Tam Tum“ für uns, einen typischen Likör, der besonders in der Weihnachtszeit getrunken wird. Uns schmeckt er pur nicht so gut, doch mit Vanillepudding wird er zum Dessert des Jahres gekört.
Madeira ist keine Badeinsel, anders als auf der kleinen Schwester Porto Santo gibt hier kaum natürliche Strände, trotzdem haben wir ausgiebig gebadet: während der Wanderung in einem natürlichen Süßwasserpool, im Hotelpool, an einem kleinen schwarzen Strand und in natürlichen Meerwasserpools an der Nordwestküste.
Heute ist Mareike zurück nach Deutschland geflogen und wir kümmern uns in den nächsten Tagen um den Bordalltag. Der Besuch von Mareike hat uns viel Spaß gemacht, nicht nur weil sie uns Ritter Sport und Lakritz mitgebracht hat. So haben wir „Urlaub im Urlaub“ gemacht, viel gesehen und viel gewandert. Mareike, schön dass du bei uns warst!
Auf unseren Wanderungen haben wir tolle Fotos gemacht, die wir hier nicht einfach anhängen möchten, deshalb werden wir sie in den nächsten Tagen, sortiert nach Wanderungen, nachreichen.

 

Abschied von Porto Santo und Geburtstagsdelfine

Die Tage in Porto Santo sind schnell vergangen. Einen Tag haben wir einen Roller gemietet und sind kreuz und quer über die Insel geflitzt. Nun ja eher gekrochen als geflitzt, selten schneller als 40, meist ging es gemächlich mit 20 km/h die Hügel hoch. Es gibt viel mehr Straßen als auf den Karten eingezeichnet, so sind wir auch an Orten gelandet, von denen wir gar nicht wussten, dass wir dort hinwollten. Meistens hatten wir die kleinen Straßen abseits der Küstenstraße für uns. Wir sind zu einem Aussichtspunkt ganz im Süden gelaufen und haben in einem kleinen Vogelpark eine Kaffeepause eingelegt. Abends sind wir die Stufen auf den Gipfel des Pico do Castelo hoch (und wieder runter) gekraxelt, haben eine traumhafte kleine Straße zum Pico Facho durch den Wald genommen und sind dort ein wenig auf dem Wanderweg spaziert. Nach einem Abstecher über einen weiteren Aussichtspunkt im Nordosten waren wir bei Einbruch der Dunkelheit wieder an Bord.
Einen anderen Tag haben waren wir mit der „Try“ und der „Lotta“ zum Schnorcheln an der felsigen Nordost-Spitze der Insel. Den Weg kannten wir schon von einer kleinen Wanderung. Wieder ging es den steinigen Wanderweg entlang durch den kleinen Tunnel. Tatsächlich haben wir eine ganze Menge verschiedene Fische gesehen, darunter auch einen Papageifisch!
Gestern ging es für uns schließlich weiter. Der Abschied ist uns nicht leicht gefallen. Porto Santo ist eine tolle Insel, aber vor allem haben wir hier liebe Freunde gefunden und wieder getroffen. Unseren letzten Abend haben wir gemeinsam mit „Lotta“, „Aloma“ und „Try“ verbracht, lecker gegessen und viel gelacht.
Nach Madeira waren es nur 30 Meilen, eine entspannte Tagesetappe. Zwischen den Inseln war die Atlantikwelle wieder recht hoch, doch dank des frischen Windes sind wir flott vorangekommen. Wir haben die ganze Etappe von Hand gesteuert, weil es so viel Spaß gemacht hat. Mal wieder waren wir froh, dass unser Boot Marisol heißt. Kurz vor Madeira wurden wir angefunkt, ob wir das Spezialschiff der portugiesischen Marine „green to green“ hinter deren Heck passieren könnten. „Marisol“ versteht jeder und kann jeder aussprechen, ich hatte mit „NRP Gago Coutinho“ schon mehr Probleme. Ich wollte Mari ja ursprünglich Ümptidümpti nennen, gut dass Nobbi das verhindert hat. Man stelle sich das Gefunke vor. „Please repeat and spell: Uniform with Tüddels- Mike-Papa-Tango-India-Uniform with Tüddels-Mike-Papa-Tango-India …“.
Bei Porto Santo haben wir einen riesen Truppe Seevögel getroffen, die wir als Gelbschnabel-Sturmtaucher identifiziert haben. Sie haben uns ebenso interessiert beäugt wie wir sie. Auf der kurzen Überfahrt hatten wir gleich dreimal Delfinbesuch (darunter einmal große Tümmler und einmal Fleckendelfine). Vermutlich handelte es sich um Geburtstagsdelfine, ich hatte nämlich gestern Geburtstag, was ich auf Porto Santo allerdings nicht erzählt habe, sonst hätten wir unmöglich an dem Tag weiter segeln können. Viele liebe Menschen haben an meinen Geburtstag gedacht und mir damit eine große Freude gemacht. Gerade trage ich meine neuen „Happy Socks“, dunkelgrün mit pinken Palmen, die meine Schwester mir geschenkt hat (vielleicht sollte ich mal ein Bordmoden-Spezial schreiben?).
Nun liegen wir in der Marina Quinta do Lorde, ganz im Osten Madeiras, und dienen als Dekoration eines fünf Sterne Hotels, genießen aber auch dessen Annehmlichkeiten. Wir wurden nicht nur mit dem Schlauchboot vor dem Hafen empfangen und an unseren Platz geleitet, wir wurden bei der Anmeldung auch gleich mit vielen Informationen rund um die Insel, Wanderwege und Veranstaltungen versorgt. An der Hotelbar haben wir gestern den Tag ausklingen lassen, weiter sind wir noch nicht gekommen. Heute wollen wir uns die nähere Umgebung ansehen.
Übrigens, wir haben unsere Route auf den aktuellen Stand gebracht und die Rubrik Kurioses eingeführt. Eine Seite auf der wir gewagte, mäßig elegante, scheußliche und außergewöhnliche Bootslösungen sammeln.

Urlaubsinsel Porto Santo

Die Tage plätschern dahin. Porto Santo ist ruhig, entspannt und sonnig. Wir passen uns an. Wenn wir sonst nichts zu tun haben laufen wir ins 2km entfernte Cidade Vila Baleira den langen Sandstrand entlang, der direkt an der Hafenmole beginnt.
Jeden Morgen baden Lisa, Christine und ich im Meer (manchmal ist auch Michele dabei), so beginnt der Tag erfrischend, fröhlich und sehr kommunikativ. Nobbi macht inzwischen Frühstück. Unsere Frühstücksstandards sind hoch: jeden zweiten Tag ein Ei und jeden Tag mindestens ein Stück leckeres Obst. Maracuja, Nispeln und Cherimoya sind die Favoriten neben dem frisch gepressten Orangensaft. Nach dem ausgiebigen Frühstück überlegen wir, was wir mit dem Tag anfangen wollen.
In den letzten Tagen haben wir mehrere kleine Ausflüge unternommen. Wir sind um die Nord-Ostspitze gewandert, wo es einen kleinen steinigen Wanderweg gibt, der tatsächlich durch einen Tunnel führt. Ein Ausflug mit den Crews der „Try“, „Lotta“ und „Aloma“ hat uns an die Westküste geführt, wo wir in natürlichen Pools gebadet haben, ein kleines Museum besichtigt und sehr gut gegessen haben. Hinter jeder Ecke wird man mit fantastischen Ausblicken belohnt.
Heute haben wir noch einmal einen Spaziergang durch die Ort unternommen, wichtige Besorgungen erledigt (z.B. einen Anspitzer gekauft) und bei einem kühlen Coral-Bier das Treiben auf dem Marktplatz beobachtet. Nach einem Hamburger ging es auf dem Rückweg wieder den wunderbaren Strand entlang zum Hafen.

Galerie an der Hafenmole

Direkt neben dem Hafen beginnt der lange Sandstrand, in den Ort sind es eineinhalb Kilometer, die man wahlweise auf der Straße oder am Strand laufen kann, und in dem kleinen Hafen hat sich eine sehr nette Gemeinschaft zusammen gefunden.
Sonntag wurde es Zeit, etwas mehr von der Insel zu sehen, deshalb haben wir uns für eine Rundfahrt mit dem Bus entschieden. Die Insel ist klein (etwa 11 x 6 km) und das Straßennetz übersichtlich. Der Bus hat an verschiedenen Orten gehalten. Wir konnten aussteigen, die Aussicht genießen, rumlaufen und Fotos machen. Während die Ostseite von dem langen Strand gesäumt wird, ist die Westseite felsig und rau. Nach einer Pizza im Ortszentrum, schauen wir uns noch den kleinen Ort an, kaufen Dinge von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie brauchen und beenden den Tag mit einem Spaziergang um den Hafen.
Auf der Hafenmole Porto Santos haben sich unzählige Segler verewigt, man hinterlässt sein Logo oder seinen Schiffsnamen. Jedes Mal wenn wir an der langen Mole entlang laufen fallen uns Namen auf, die wir zuvor übersehen haben. Es gibt bunte und einfache, kreative und lustige Ideen. Wir sehen die Logos von Schiffen, die wir kennen und Namen von Schiffen und Crews, deren Blogs wir gelesen haben. Auch wir wollen natürlich unser Marisol-Logo an der Mole hinterlassen und so habe ich die letzten Tage daran gearbeitet. Seit heute besitzen wir auch ganz dünne Pinsel, hätte ich die am Wochenende bereits gehabt, wäre es viel einfacher gewesen. Das nächste Mal. Während des Malens hatte ich viel Unterhaltung. Am Freitag lag ein Kreuzfahrtschiff vorm Strand, die Passagiere sind mit Booten in den Yachthafen gebracht worden und dort an Land gegangen. Ich habe mich nett mit der Crew unterhalten und den zum Teil sehr lustigen Gesprächen der Passagiere gelauscht. Da es sich um ein deutschsprachiges Schiff handelte, musste ich mich nicht mal besonders anstrengen. Samstag und Sonntag habe ich alle Autos der Insel mehrfach gesehen. Da die Insel so klein ist, hat der Autofahrer anscheinend wenig Auslauf. Man fährt also die Hafenmole entlang, dreht am Leuchtturm um und fährt wieder zurück. Und weil’s so schön war gleich nochmal. Wir kennen nun alle Autos der Insel und die ca. 20 Taxis. Lustiger weise sind die Taxis 4-stellig nummeriert, wobei die ersten 3 Ziffern meist aus Nullen bestehen. Man denkt halt an die Zukunft und will für das Wachstum gewappnet sein.

94 Stunden blau

In 94 Stunden sind wir von Ayamonte nach Porto Santo gesegelt. Sonntagmorgen ging es um sieben Uhr los, aber auch nur, weil wir auf portugiesische Zeit umgestellt haben, eigentlich war es sechs. In der Einfahrt in den Rio Guadiana gibt es eine Barre, also eine flache Stelle. Deshalb mussten wir uns mit unserer Abfahrtszeit nach der Tide richten um sicher zu sein, dass es dort tief genug für uns ist. Der Strom spült uns schnell aus dem Fluss aufs Meer hinaus und über uns fliegt ein Schwarm mit über 100 Flamingos. Was für ein grandioser Abschied.
In der ersten Nacht auf See queren wir die Schifffahrtsstraße, auf der die großen Schiffe von der portugiesischen Küste Richtung Gibraltar fahren. Später treffen wir auf die Schiffe, die von Gibraltar in die Karibik unterwegs sind oder umgekehrt auf dem Weg ins Mittelmeer. Wir freuen uns, wenn wir die Lichter der Schiffe sehen, bevor sie auf dem AIS auftauchen und passen den Kurs ab und zu etwas an, eng wird es aber nie. In der zweiten Nacht werden wir von einem Yachttransporter überholt, mit dem Fernglas kann ich an Deck die Yachten sehen, doch ich frage nicht, ob er uns mitnimmt.
Der Sonntag fühlt sich wie ein ganz normaler Segeltag an, Montag ist unser Eingewöhnungstag, wir müssen uns ans Schaukeln gewöhnen, ich kann nicht lesen und bin lieber an als unter Deck. Ab Dienstag können wir die Überfahrt in vollen Zügen genießen. Dieses unglaubliche blau des Atlantiks, an dem wir uns nicht satt sehen können. Unsere Mari segelt unbeeindruckt Meile um Meile und Ursel, unsere Windsteueranlage, steuert uns zuverlässig. Wieder einmal sind wir mit unserem Boot und seinen angenehmen Seegangseigenschaften rundum zufrieden. Was für einen tollen Job unsere Windsteueranlage macht, merken wir erst als wir die letzten Meilen in den Hafen per Hand steuern und bei den hohen achterlichen Wellen sehr gut aufpassen müssen. Einmal am Tag rufen wir mittels Kurzwellenfunk und Pactormodem den Wetterbericht ab, es gibt keine Überraschungen. Zunächst bläst der Wind mit vier bis fünf Windstärken aus Nord bis Nord-Ost, am Mittwoch nimmt der Wind auf satte 6 Windstärken zu und auch die Wellen werden höher.
Die Tage vergehen mit Essen, Schlafen, Lesen und nichts tun. Einmal eingeschaukelt, könnte es so immer weiter gehen. Aus unserer Biskayaüberquerung haben wir gelernt keine Segelbücher auf Überfahrten zu lesen. Lord Nelson soll gesagt haben, das sicherste Mittel gegen Seekrankheit sei sich unter einen Apfelbaum zu legen. Wir befolgen diesen Rat indirekt und lesen auf See nur noch absolut wasserfreie Bücher. Beide verschlingen wir einen Krimi nach dem anderen. Während Nobbi im Münsterland ermittelt bin ich in München und Italien aktiv. Nachts schlafen wir abwechselnd in unserer sicheren, gemütlichen Seekoje und holen auch tagsüber ein wenig fehlenden Schlaf nach. Neben dem warmen Mittagessen und dem Sundowner (auf See gibt es keinen Alkohol auf Mari, einzige Ausnahme ist der Sundowner) ist die Dusche das Tages-highlight. Wir duschen ausgiebig mit Atlantikwasser, das macht wach und erfrischt. Da wir, Dank unseres Wassermachers ausreichend Wasser haben, gönne ich mir anschließend eine Süßwasserdusche zum Haare waschen. Ein wahrer Luxus, gefolgt vom anschließenden Trocknen in der Sonne und aufs blaue Wasser gucken. Wunderbar. Einen Wal haben wir noch nicht gesehen, dafür gab es einige andere tierische Begegnungen. In der ersten Nacht hatten wir eine Gruppe jagender Delfine am Boot und am Mittwoch haben wir eine Gruppe Delfine beobachtet, die über die 3m hohen Wellen gesprungen sind. Ich habe eine Schildkröte überfahren, die es aber hoffentlich gut überstanden hat. Sie ist taumelnd in unserem Kielwasser aufgetaucht, hat sich dann aber sortiert und mir entsetzt hinterher geschaut. In kleiner Vogel hat eine Pause bei uns gemacht und saß einige Stunden auf dem Steuerrad. Nach der Ankunft haben wir festgestellt, dass auch einige Tintenfische auf Mari eine Pause eingelegt haben, allerdings ihre letzte. Nobbi hat ihre Reste von Deck geschrubbt. Am Mittwochabend sichtet Nobbi schließlich Porto Santo aus 30sm (!) Entfernung und gewinnt damit die dafür ausgelobte Schokolade. Als Gewinn nimmt er aber auch Aquadiente aus Madeira an. Donnerstagmorgen um fünf Uhr lassen wir den Anker in der Hafenbucht Porto do Porto Santo fallen und stoßen auf die angenehme Überfahrt an. Wir freuen uns über die schöne Reise, die wir nicht nur heil, sondern auch ausgesprochen fröhlich überstanden haben.
Nach einem gemütlichen Frühstück fragen wir über Funk im Hafen nach einem Liegeplatz und dürfen nachmittags schließlich an den Steg umziehen. Hier treffen wir die „Lotta“ wieder, die 12 Stunden vor uns angekommen ist.
Porto Santo, die kleine Schwester von Madeira, gefällt uns auf Anhieb. Direkt am Hafen beginnt ein langer Strand mit feinem weißem Sand und an der Kasse im Supermarkt wartet man mit Blick auf die Brandung und den blauen Atlantik. Da macht Schlange stehen doch Spaß.

Alcoutim und Sanlucar

Bevor unsere Zeit auf dem Fluss zu Ende geht wollen wir die beiden Orte Sanlucar und Alcoutim ansehen. Zuvor machen wir noch einmal eine Wanderung auf dem GR114 von Puerto de la Laja aus. Wir wandern 3 Stunden durch die wunderbare Landschaft und nehmen auf dem Rückweg eine Abkürzung über die Landstraße, auf dem ganzen Weg sehen wir kein Auto und nur einen anderen Wanderer, dafür ein totes Schaf, das anscheinend einen Hang hinabgestürzt ist.
Wir ankern zunächst nördlich von Alcoutim und Sanlucar und fahren mit dem Schlauchboot die eineinhalb Meilen. Unsere letzte Nacht auf dem Fluss ankern wir im Ankerfeld zwischen den beiden Orten. Alcoutim auf portugiesischer Seite und Sanlucar auf spanischer Seite liegen sich genau gegenüber, beide Orte habe einen Steg an dem es ein paar Liegeplätze gibt, dazwischen erstreckt sich ein großes Ankerfeld in dem ungefähr 60 Boote ankern. Wir pendeln mit dem Schlauchboot zwischen den beiden niedlichen Orten und können uns nicht entscheiden, welcher uns besser gefällt. Wir bummeln durch die kleinen Orte, essen wunderbar Fisch (auf der portugiesischen Seite), auf beiden Seiten gibt es verschiedene Kirchen und je eine Festung. Hier ist es ruhig, friedlich und wieder auffällig sauber. Wir können verstehen, dass mancher hier hängenbleibt. Es ist nett mal wieder andere Segler zu treffen. Der Fluss scheint fest in englischer Hand zu sein, manch einer wohnt hier. Doch wir sehen auch isländische, amerikanische, argentinische, französische und viele holländische Flaggen. Wir kommen mit einem portugiesischen Segler ins Gespräch und sind uns einig, dass der Fluss ein tolles Revier ist. Doch wir hören auch mit an, wie davor gewarnt wird, den Fluss weiter aufwärts zu fahren, er sei viel zu flach und vor Pomarao gäbe es gefährliche Felsen. Nun ja, wir haben die Felsen nicht gesehen und hatten mit fast 2m Tiefgang keine Probleme, die Navionics-Karten stimmten und unser Anker hat überall sofort gehalten. Gut, dass wir nicht auf dem Hinweg hier waren, sonst hätten wir das vielleicht geglaubt und den schönsten Teil des Flusses verpasst.
Bevor wir uns verabschieden machen wir noch eine Wanderung auf der spanischen Seite (wieder auf dem GR 114) und sehen hunderte von Schmetterlingen. Der Rückweg auf dem Rio Guadiana nach Ayamonte ist ungemütlich. Es ist grau und immer wieder erwischen uns Schauerböen. Ich trage mal wieder Ölzeug und wir sind froh, als wir ankommen. Kurz vor Ayamonte sehen wir eine Yacht, die mitten im Fluss treibt. Wir fahren ein Kringel und das brasilianische (!) Schiff, das zwar einen Anker im Wasser hat, aber dennoch vorm Wind Fahrt flussaufwärts macht. Wir tröten um festzustellen, ob jemand an Bord ist und sprechen mit dem Eigner, der zum Glück an Bord ist und uns versichert es sei alles in Ordnung (!). Beim Anlegen weht es nochmal ordentlich und wir freuen uns über einen hilfsbereiten Iren, der unsere Leinen annimmt.
Die Tage in Ayamonte vergehen schnell, wir erledigen kleine Einkäufe, können Kabel und Farbdosen von unserer Liste streichen und lernen die Wohngegenden von Ayamonte kennen, als wir das außerhalb gelegene Shoppingcenter besuchen. Nobbi wagt sich wieder zu einem spanischen Friseur  und ist diesmal sehr zufrieden. Während wir über den mit 8 Euro doch überschaubaren Preis staunen, freut sich der Friseur über das (anscheinend unerwartete) Trinkgeld und alle sind zufrieden. Abends genießen wir das Leben auf dem Marktplatz, wundern uns über Elektroroller für zu dicke Kinder und haben bereits eine Stammkneipe und ein Lieblingsrestaurant.