Hier ist immer was los. Gestern marschierte eine Truppe verkleideter Engländer, oder als Engländer verkleidete Spanier, in historischen Uniformen durch die Innenstadt. Abends war wieder eine Prozession im Hafenbecken unterwegs und es gab es großes Feuerwerk. Während unser Besuch sich Zuhause wieder am Bremer Regen erfreut, widmen wir uns dem Segleralltag. Rumtüddeln, Pläne machen, Kleinigkeiten erledigen oder wenigstens eine Liste schreiben.
Heute Stand der Kauf neuer Crocs für Nobbi auf der Liste. Zum Geburtstag hatte er neue bekommen und diese gehütet. Erst vor drei Wochen, als wir aus der Werft kamen, wurden sie eingeweiht. Und nun sind sie zu klein. Nein, kein Wachstumsschub von Nobbi, die Crocs sind nicht hitzebeständig. Inzwischen sind die Schuhe so klein, dass sie gar nicht mehr auf die Füße passen. Anscheinend ist bekannt, dass Crocs nur begrenzt Sonne vertragen. Unglaublich praktisch bei so einem Garten- und Segelschuh… Jetzt hat er das gleiche Modell, das zuvor über ein Jahr keine Anstalten machte zu schrumpfen.
Nachdem wir am Freitag leider nicht mehr an der Führung durch das Auditorio teilnehmen konnten, haben wir uns für heute angemeldet. Das Auditorio ist Konzerthalle und Veranstaltungsraum, erinnert an die Oper von Sydney und ist das Wahrzeichen von Santa Cruz. Das weiße Gebäude steht direkt am Meer nicht weit vom Hafen. Der Grundriss des von Santiago Calatrava entworfenen Gebäudes soll ein Auge zeigen, wir fühlen uns eher an eine Welle oder an ein großes Blatt erinnert. Während der Führung dürfen wir auch die Konzertsäle besichtigen und sind beeindruckt. Schade, dass wir hier keine Oper erleben können, wenn die neue Spielzeit beginnt wollen wir weiter gezogen sein. Wir lernen, dass es zwar Garderoben gibt, die aber auf Grund des guten Wetter fast nie genutzt werden und dass es äußerst schwierig ist mit dem Rollstuhl in den Konzertsaal zukommen. Auch der schönste Entwurf ist nicht perfekt. Zum Schluss trinken wir noch einen Kaffee in der Halle des Auditoriums mit Blick aufs Meer.
Pyramiden, Gipfel und Badespaß
Seit 10 Tagen sind meine Eltern hier und gemeinsam erkunden wir die Insel. Die ersten Tage verbringen wir in Santa Cruz, dann haben wir für eine Woche ein Auto gemietet und nutzen es voll aus. Kreuz und quer fahren wir über die Insel, insgesamt 950 km! Wir besuchen den schroffen Norden, wandern im Orotava-Tal und besichtigen das hübsche Städtchen La Orotava samt des schönen botanischen Gartens. Ganz im Westen der Insel, in maximaler Entfernung zu Santa Cruz, schauen wir uns den Ort Los Gigantes mit seinen steil aufragenden Klippen und einem kleinen völlig überfüllten Hafen an, weiter geht es in die berühmte Masca-Schlucht. Wir besichtigen die Pyramiden von Güimar und das zugehörige Museum. Dort lernen wir nicht nur einiges über Pyramiden auf der ganzen Welt, sondern auch über Thor Heyerdahl und die Osterinseln. Thor Heyerdahl hat in den 90er Jahren mit seinem Freund Fred Olsen dafür gesorgt, dass die Pyramiden ausgegraben und nicht als Steinhaufen abgetan wurden.
Am Sonntag fand eine Prozession statt, die direkt durchden Hafen an unserem Liegeplatz vorbei führte. Eine Heiligenfigur der ‚Virgen del Carmen‘, der Schutzheiligen der Fischer, wurde durch den Hafen getragen, auf ein Schiff (einen Schlepper!) gebracht und aufs Meer bzw. durch das große Hafenbecken gefahren. Viele Menschen strömten zum Hafen, begleiteten die Prozession oder kamen mit ihren kleinen Booten ins Hafenbecken. Nur über die „Prozessionsbekleidung“ bestehend aus einem String-Tanga-Bikini, den man gleich auf mehreren Booten zusehen bekam, haben wir uns gewundert. Was der Papst wohl davon hält? Im Dunkeln kehrte die Prozession zurück und die Musikanten spielen direkt vor unserem Boot noch einmal, sehr feierlich und schön.
Gestern hieß es früh aufstehen. Wir wollten auf den Teide und hatten Tickets für die Seilbahn gebucht. Die Seilbahn bringt einen auf über 3500 m, wer von hier die letzten knapp 200m auf den Gipfel klettern möchte braucht eine Genehmigung. Wir verzichten auf den Aufstieg und laufen bzw. klettern auf den Pfaden zu den verschiedenen Aussichtspunkten, genießen den Anblick des Gipfels, die Aussicht und den schwefeligen Geruch. Als wir mit der Seilbahn zur Talstation zurückkehren ist es dort brechend voll und wir sind froh, dass wir so früh auf dem Berg waren.
Natürlich haben wir in den letzten Tagen an unzähligen Miradores gehalten und genießen die Aussicht auf Teneriffas abwechslungsreiche Landschaften, neben dem ruhigeren, kargen Norden haben es uns besonders die hochgelegenen vulkanischen Mondlandschaften angetan.
Leider lädt die Marina in Santa Cruz nicht zum Baden ein, so dass wir die unterschiedlichen Badeplätze auf der Insel testen. Da gibt es den langen, künstlichen, weißen Strand Las Teresitas nördlich von Santa Cruz, einen Strand mit starker Brandung, kleine schwarze Strände, kleine felsige Buchten und natürliche Schwimmbecken aus schwarzem Lavagestein. Morgen geben wir unser Auto wieder ab und sind dann wieder zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs.
Ausflüge in die Berge, den Wald und auf den Mond
Nun sind wir schon zwei Wochen auf Teneriffa und kaum aus Santa Cruz herausgekommen. Das galt es zu ändern. Mittwoch und Donnerstag hatten wir ein Auto gemietet. Es war schwierig das Büro des Autovermieters zu finden, noch schwieriger war es allerdings das Hafengebiet zu verlassen. Wir waren schon 11km gefahren, als wir eine Kreuzung passierten, die 100 m Fußweg von unserem Liegeplatz entfernt liegt. Jetzt kennen wir den Trick, das nächste Mal machen wir keine unfreiwillige Hafenrundfahrt.
Am Mittwoch ging es in den Norden, ins Anaga-Gebirge. Dieser älteste Teil Teneriffas ist bewaldet und zu großem Teil Naturschutzgebiet. Die Wolken hängen in den Bergen und auf dem Pass weht es so stark, dass die Stromleitungen schwingen. Hier ist es ziemlich nass und richtig kalt. Wir fahren bis zu einem kleinen Ort auf der Westseite der Nordspitze und machen eine kleine Wanderung, die es in sich hat. Sie beginnt auf einem breiten Weg entlang der Küste, doch nach einer halben Stunde biegen wir auf einen steilen schmalen Pfad ab. Nun sind wir sehr froh, dass es bewölkt und vergleichsweise kühl ist, denn wir erkämpfen uns 450 Höhenmeter auf einem kleinen gewundenen Pfad, auf dem man auf jeden Schritt achten muss. Wer hatte eigentlich behauptet es sei eine ganz einfache Wanderung und wir könnten die Wanderschuhe an Bord lassen und die Sportschuhe nehmen? Wir werden mit tollen Ausblicken auf die wilde Nordküste belohnt und laufen nun am Waldrand entlang durch eine großartige Landschaft. Überall im Wald gibt es große Felsen und das bröselige Gestein wird von den Wurzeln der Bäume gehalten. Es ist unglaublich still und riecht nach Kräutern. Beim Abstieg auf steilen mit Geröll bedeckten Pfaden vermissen wir wieder unsere Wanderschuhe und machen erst mal eine Pause, als wir wieder am Auto ankommen.
Am Donnerstag zieht es uns zunächst in die Inselmitte, auf 1500 bis 2000m befinden wir uns über den Wolken. Wir legen bei verschiedenen Aussichtspunkten einen Stopp ein, genießen den Blick auf Santa Cruz, Gran Canaria im Osten, Las Palmas im Westen und natürlich die Aussicht auf den majestätischen Teide. Wir fahren hinab in Orotava-Tal, wo wir eine Wanderung geplant haben und verschwinden in den Wolken. Zunächst ist uns bei nur gut 15 Grad kalt, doch wir laufen uns schnell warm. Die Bäume klammern sich an die steilen Wände, die das Orotava-Tal umgeben. Lorbeer und Eukalyptusbäume erinnern uns an Madeira. Die Wanderung ist eher gemütlich und wir genießen nach der Sonne auf den Bergen den bedeckten Himmel.
Anschließend gönnen wir uns eine Pizza in La Orotava und bummeln durch die sehr sehenswerte Stadt. Da wir nochmal die Sonne sehen wollen entscheiden wir uns für eine verlängerte Rückfahrt über die Berge. Eine gute Idee, das Farbspiel des Abendlichts auf den unterschiedlichen Gesteinen ist wunderschön. Das Licht ist weich, es ist nicht mehr so heiß und die Berge leuchten. Bei einem Spaziergang auf einem Lavafeld fühlen wir uns wie auf dem Mond, gar nicht so abwegig, die NASA testet hier Fahrzeuge für Mond und Mars. Dank der Küstenautobahn kommen wir nach einem langen Tag schnell wieder zurück zum Schiff.
Wir waren überrascht wie ruhig es an vielen Ecken ist obwohl Hochsaison herrscht und zum Beispiel die Wanderung im Orotava-Tal nicht gerade ein Geheimtipp ist. Wir freuen uns auf weitere Ausflüge, da trifft es sich gut, dass wir morgen Besuch bekommen und das Urlaubsprogramm dann im Vordergrund steht.
Gestern und heute haben wir uns mit Boots- und Haushaltsgetüddel beschäftigt. Wir haben eingekauft, Wäsche gewaschen, geputzt und eingekocht – unser Haushalt reist ja mit. Der Radarreflektor sucht einen besseren Platz, ein neues Gerät soll in die Schalttafel, passt aber natürlich nicht an den Platz des alten und im Ankerkasten hat die Gasflasche Rostflecken hinterlassen. Für die Schalttafel wurde ein neues Segment gesägt, das bereits den ersten Schlag Lack erhalten hat, die Rostflecke sind Geschichte und der Radarreflektor hängt nun woanders. Mit dem neuen Platz des Radarreflektors sind wir sind nicht zufrieden, er muss noch mal umziehen.
Von Ruderlagern und Moskitonetzen
Wir wollten wir „nur mal eben kurz“ das Ruderlager schmieren. An sich dauert das nur ein paar Minuten: Fettpresse auf dem Schmiernippel drücken, Fett ins Lager pressen, rausquellendes Fett wegwischen. Doch zuerst muss die kleine Backskiste ausgeräumt werden, ganz hinten unten liegt die Fettpresse. An das Ruderlager kommen wir nur wenn wir die große Backkiste komplett ausräumen, denn nur dann passe ich in die Kiste. Also räumen wir die Kiste komplett aus, Dieselkanister, der Beutel mit dem Holz für Reparaturen, Eimer, ein Anker, Ankerkette, Angelzeug, der Bojenhaken und zwei Gasflaschen türmen sich im Cockpit. Nun falte ich mich in die Kiste und Nobbi reicht die Lampe, die Fettpresse und Küchenpapier an. Da ich nun schon in der Kiste sitze kontrolliere ich gleich die Kabel, die hier verlaufen, und verarbeite noch ein paar Kabelbinder und etwas Tape. Nun räumt Nobbi die Kiste wieder ein und „schon“ gute zwei Stunden später sind wir fertig. So oder so ähnlich tüddeln wir uns durch die Tage. Die Spannung kann noch dadurch erhöht werden, dass ein Werkzeug nicht an dem Ort ist, an dem wir dachten. Doch inzwischen ist auch die kleine Pumpe aufgetaucht und das Getriebeöl im Motor gewechselt. Das kleine Polster in unserer Koje hat einen Bezug bekommen, das war gar nicht so einfach, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Nobbi auch. Er findet ich könne ja gleich auch neue Bezüge für die anderen Polster nähen. Nun ja, das schiebe ich mal auf.
Ein neuer Punkt ist auf die ToDo-Liste gewandert: die Konstruktion und Anfertigung eines männerkompatiblen Moskitonetzes für den Niedergang. Weshalb können Männer nicht mit Moskitonetzen umgehen? Ein hoher Zaun, ein abgeschlossenes Tor? Kein Problem. Aber in einem einfachen Moskitonetz wird sich verheddert. Das Problem ist bekannt und betrifft nicht nur mein Exemplar, auch Freundinnen haben Männer Zuhause, die nicht mit Moskitonetzen umgehen können. Meine Schwester sagte den wunderbaren Satz: „Das Aggressionspotential im Zusammenhang mit Moskitonetzen steigt auch bei zahmen Männern exponentiell“. Ein Moskitonetz, das von allem Crewmitgliedern bedient werden kann muss also her. Ich denke an eine Lösung mit Reißverschluss.
Natürlich wird nicht nur getüddelt auf Marisol, wir lassen es uns gut gehen. Auf dem Markt haben wir uns mit Obst eingedeckt zum Frühstück gab es Melone und Aprikosen, Mangos, Drachenfrucht und Guanabana (das ist eine Verwandte von Cherimoya und Annona) dekorieren unseren Salon und warten auf dem Verzehr. Zwischendurch ist auch Zeit die Umgebung zu erkunden. Gestern waren wir in einem ausgesprochen schönen Park und haben, ebenso wie viele Tinerfeños (ja, so heißen die Bewohner Teneriffas), dort unseren Sonntagsspaziergang gemacht. Heute sind wir Straßenbahn gefahren. Die „Tranvía“ bringt einen bequem von Santa Cruz nach La Laguna, das eigentlich San Cristóbal de La Laguna heißt und die frühere Hauptstadt Teneriffas ist. Die hübsche Stadt liegt etwa 550 m hoch und so ist es dort etwas kühler, was heute sehr angenehm war. Der historische Stadtkern ist eine große Fußgängerzone mit schönen bunten Häusern, zu großem Teil im traditionellen Stil mit Holzfenstern und Balkons. La Laguna ist Universitätsstadt, Bischofssitz und bietet eine ganze Reihe historischer Gebäude, Kirchen und Museen. Wir bummeln durch die schönen Straßen, bekommen in der Touristeninformation einen Stadtplan und einige Tipps, essen lecker und beschließen noch einmal wieder zu kommen. La Laguna gefällt uns richtig gut!
Anschließend haben wir noch einige kleine Besorgungen gemacht. Natürlich gibt es neben der ToDo-Liste auch eine Liste mit Dingen, die wir kaufen müssen oder wollen. Vom Bleiband, mit dem man normalerweise Gardinen beschwert, bis zu Knopfbatterien konnten einige Posten von der Liste gestrichen werden.
Da die Marina in Santa Cruz im Handelshafen liegt, haben wir Hafenkino der besonderen Art. Gerade ist ein holländischer Frachter aus dem benachbarten Becken ausgelaufen. Nobbi meldete „vier Mann auf der Brücke“. Vorher haben wir beim Verladen einer Baustellenausrüstung inklusive Kran und Wohncontainer zugesehen. Zum Nachbarbecken gibt es keinen Zaun, ein Paradies für „Schiffegucker“. Der Zoll patrouilliert zu Fuß, am liebsten zu dritt, und die Policia Portuaria fährt alle paar Minuten durch das Hafengebiet, um den schönen Pickup zu bewegen und die vielen Liebespaare zu beobachten.
Werfttage
Seit dem letzten Blogeintrag ist eine arbeitsreiche Woche vergangen. Als wir am Freitag am Fischereihafen waren und das schwimmende Auto für Aufregung sorgte, wollten wir uns eigentlich nur auf der Werft umsehen. Wir hatten Glück, ein anderes Schiff konnte seinen Termin am Montag nicht halten und so bekamen wir diesen Platz gleich am Montag. Das Wochenende verging schnell. Wir bereiteten alles für die anstehenden Arbeiten in der Werft zu und verbrachten einige Zeit bei der Kriminalpolizei. Von Nobbi wurde eine Zeugenaussage benötigt.
Als wir am Montag um elf Uhr, samt Schiff, an der Werft ankommen wartet der Travel-Lift bereits auf uns. Um Viertel nach elf ist Mari auf dem Trockenen, wird mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und sicher abgestellt. Nun sind wir dran. Nobbi widmet sich dem Propeller, er wird poliert und abgeschmiert. Die Opferanoden am Propeller werden durch neue ersetzt. Dann verschwindet Nobbi im Schiff: unsere Stopfbuchse bekommt eine neue Packung. Ich rücke derweil den kleinen rostigen Stellen am Kiel zu Leibe. Hier wird der Rost entfernt (wie gut, dass wir die Drahtbürsten für die Bohrmaschine doch noch gefunden haben) und die Stellen mit Rostumwandler und hinterher mit Rostschutz gestrichen. Eine kleine Macke will gespachtelt werden, auch das ist meine Aufgabe. Schon sind wir bereit für das Antifouling, diesen Job teilen wir uns. Lose Farbe wird mit dem Spachtel abgekratzt, ein bisschen Anschleifen und schon wandert der erste Eimer Farbe aufs Schiff. 2,5 l giftige Farbe wird zunächst auf die Flächen gemalt, die besonders gerne bewachsen werden: den Wasserpass und das Ruder. Auf Spanisch heißt Antifouling Anticrustante, das kann man sich gut merken „gegen Krustentiere“. Zwischendurch frage ich an, ob ich ein Recht auf Pausen habe, zur Belohnung mehrere Tage Spa-Besuch bekomme oder wir auf Mari gewerkschaftlich organisiert sind. Die Antwort auf alle diese Fragen fällt negativ aus. Das Motto lautet „wer schneller schleift darf früher baden“ oder so ähnlich. Nach einer Dusche und einem Abendessen im Fischrestaurant fallen wir geschafft ins Bett. Leider ist die Nacht wenig erholsam. Mal abgesehen davon, dass es sehr warm ist, haben wir Besuch. Hungrigen Besuch. Lange hatten wir höchstens mal eine Mücke, nun kommen sie im Schwarm. Mitten in der Nacht hüllen wir Mari in Mosquitonetze und gehen auf die Jagd.
Dienstag geht es weiter. Die zweite Dose Antifouling wird auf Maris Bauch verteilt. Während Nobbi den Rumpf vom Gelbschleier befreit und wachst, bessere ich den blauen Streifen aus und repariere kleine Macken im Gelcoat. Mittwoch könnten wir eigentlich wieder ins Wasser, doch Nobbi hat zunächst einen Termin bei Gericht. Er macht sich stadtfein und fährt mit dem Bus nach Santa Cruz, ich beschäftige mich inzwischen damit, unseren rostfreien Edelstahl von Rostflecken zu befreien (Finde den Fehler!). Nobbi erlebt eine Vorverhandlung mit allem Drum und Dran: Richterin in Robe, Dolmetscherin, Gerichtsmedizinierin (alles fest in weiblicher Hand, nur der Gerichtsschreiber war ein Mann). Die Autofahrt ins Wasser war anscheinend kein Unfall. Dadurch, dass Nobbi jetzt vor Gericht ausgesagt hat, müssen wir nicht zur Hauptverhandlung bleiben, sondern dürfen weiter segeln wann immer wir möchten. Mittags ist Nobbi wieder da. Wir entscheiden uns erst am nächsten Morgen wieder ins Wasser zu gehen und haben so Zeit in Ruhe aufzuräumen und erneuern die Silikonfuge an unserer Spüle. Das neue Silikon liebevoll in der Küche zu verteilen ist ja kein Problem, aber das alte wehrt sich und will seinen Platz nicht verlassen. Schließlich haben wir genug gearbeitet und laufen nach San Andres zur Pizzeria, die kennen wir bereits vom Abend vorher.
Gestern Morgen, pünktlich um neun, werden wir wieder angehoben. Nobbi malt noch Antifouling an den Stellen wo die Stützen standen und dann sind wir fertig. Die Sicht ist fantastisch und vom Werftgelände können wir den Gipfel des Teide sehen, der von der Sonne angeleuchtet wird. Als Mari wieder schwimmt, fahre ich ganz langsam durchs Hafenbecken, während Nobbi die Bilgen kontrolliert. Kein Wasser im Schiff. Zum Glück! Auf dem Rückweg zur Marina lassen wir den Wassermacher laufen und checken um halb zwölf wieder in der Marina ein.
Insgesamt war das ein sehr erfolgreicher Werftbesuch. Antifouling anschleifen oder abkratzen steht auch weiterhin ziemlich weit oben auf der Liste der ungeliebten Arbeiten. Trotzdem, „Winterarbeit“ macht bei knapp 30 Grad mehr Spaß als bei 5, auch wenn es sehr schweißtreibend war. Die Farbe trocknet ruckzuck und die Spachtelmasse härtet bei Blickkontakt mit dem Härter. Mit der Werft „Varaderos Anaga“ waren wir sehr zufrieden. Unsere Mari wurde äußerst vorsichtig behandelt, der Chef spricht gut Englisch, alles hat sehr pünktlich geklappt, der Preis war absolut in Ordnung und wir konnten auf dem Boot schlafen und an der Werft duschen. Die kleine Werft ist äußerst lebendig, an fast allen Booten wird gearbeitet und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Wir freuen uns, dass wir wieder schwimmen und haben als erstes den ganzen Werftstaub vom Schiff, aber auch von uns abgewaschen.
Heute waren wir mal wieder beim Schiffsausrüster, dort warteten unsere neuen Batterien bereits auf uns. Nachmittags wurden sie uns zum Schiff gebracht und Nobbi hat sie gleich eingebaut. Natürlich sind die Anschlüsse anders angeordnet als bei den Vorgängern, so dass es nicht ganz einfach war. Zuvor gab es Streicheleinheiten für den Motor: Ölwechsel, einen frischen Impeller und neue Diesel-Filter. Unsere ToDo-Liste wird langsam kürzer!
Nobbi ist ein Held!
Grundsätzlich ist mir schon länger klar, dass Nobbi ein Held ist, heute konnte er es jedoch unter Beweis stellen. Unserem aufregenden Nachmittag ist ein interessanter Vormittag voraus gegangen. Wir waren im „Museum der Natur und des Menschen“. Das Museum ist in einem sehr schönen Gebäude mit zwei großen Innenhöfen untergebracht und umfasst eine naturkundliche Sammlung, eine archäologische Ausstellung und eine Sonderausstellung über Raubvögel. Wir wissen jetzt also viel mehr über die Entstehung der Kanaren, die Tier- und Pflanzenwelt und über die Guanchen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln.
Nachmittags wollten wir zur Werft fahren, uns das Gelände ansehen und nach den Preisen fragen. Der Bus brachte uns in 12 Minuten zum Fischereihafen und dank Google Maps wussten wir wie das Gebäude aussieht, das wir suchten. Als wir gerade um einen Schuppen biegen und ans Hafenbecken kommen, sagt Nobbi plötzlich: „Guck mal! Das Auto fährt ins Wasser!“ und rennt los. Er hatte recht, ein kleines goldenes Auto treibt im Hafenbecken. Ich renne in die erste geöffnete Tür, lande in einer Lagerhalle und rufe nach Hilfe. Zum Glück taucht schnell ein Mann auf und läuft mit mir zusammen zum Hafenbecken. Dort sehe ich gerade noch wie Nobbi, der Handy, Portemonnaie und Sonnenbrille auf einem Poller deponiert hat, ins Wasser springt. Das Auto schwimmt noch, doch zwei Frauen sind noch im Auto und schreien. Kurz bevor Nobbi das Auto erreicht, gelingt es beiden Frauen aus dem Fenster zu klettern. Die jüngere der beiden (die Tochter der anderen?) kreischt und planscht, so dass wir Angst haben, dass sie nicht schwimmen kann. Nobbi packt sie und beginnt sie abzuschleppen, da beruhigt sie sich und schwimmt die letzten Meter schließlich alleine. Inzwischen sind mehrere Männer dazu gekommen, werfen Rettungswesten ins Wasser oder springen auch ins Wasser um zu helfen, die Tochter wird auf ein Fischerboot gezogen und Nobbi klettert an einer Leiter aus dem Wasser. Die Situation scheint unter Kontrolle, das Auto schwimmt noch, die andere Frau schwimmt mit zwei Männern in Richtung Hafenmauer. Plötzlich beginnt die Frau zu schreien, schlägt nach den Männern, macht sich los und schwimmt zurück zum Auto. Nun bricht Chaos aus, das Auto versinkt im Hafenbecken und ein Schiff der Lebensretter kommt angeschossen und zieht die Frau aus dem Wasser. Kurz darauf trifft die Polizei ein, zwei Polizisten springen auch noch ins Hafenbecken. Nach ein paar Minuten steht die Pier voll mit Autos, Policía Marítima, Polícia National und Polícia Portuaria, dazu zwei Rettungswagen. Zum Glück scheinen es beide Frauen unverletzt überstanden zu haben, auch wenn wir nicht wissen, was eigentlich genau passiert ist. Die Polizisten sind sehr nett und bedanken sich bei Nobbi für seinen Einsatz. Es findet sich ein in Hamburg geborener Polizist, der perfekt Deutsch spricht und die Zeugenaussage aufnimmt. Dann beginnen Taucher der Polizei das Auto zu bergen. Nobbi ist, abgesehen von seinen Schuhen, die er vor seinem Bad auf der Pier zurückgelassen hat, komplett nass. Bei 28 Grad ist das jedoch nicht weiter schlimm und er ist schnell getrocknet. Leider hat das Handy mit der spanischen SIM-Card, das in der Hosentasche steckte, das Bad nicht überlebt.
Schließlich schaffen wir es doch noch zur Werft und sind mit dem Bus schnell wieder zurück auf unserer Mari. Ich bin nach der ganzen Aufregung ziemlich geschafft. Nobbi räumt erst mal das halbe Achterschiff aus, misst das Batteriefach aus und räumt alles wieder ein. Zeit für einen Sundowner!

Es schwimmt noch

blubb, blubb
Ankunft in Santa Cruz de Tenerife
Nun sind wir schon 3 Tage auf Teneriffa! Die Überfahrt war ruhig und unerwartet schnell. Am Samstag waren wir im Marinabüro, um uns abzumelden und unsere Genehmigung für den Besuch der Ilhas Salvagems abzuholen. Die Salvagems sind kleine Inseln, oder eher Felsen, die zwischen Madeira und den Kanaren liegen und zu Portugal gehören. Den Rest des Tages haben wir mit Vorbereitungen für die Überfahrt verbracht. Abends sind die Lotta und die Aloma in Quinta do Lorde eingetroffen. Das Wiedersehen musste natürlich gefeiert werden. Außerdem hatten wir ja an meinem Geburtstag Porto Santo verlassen, ohne zu verraten, dass ich Geburtstag habe. Eine weitere Feierlichkeit die nachgeholt werden musste. Ein letzter Blick auf den Wetterbericht brachte keine guten Nachrichten, anstelle der vier Windstärken, auf die wir uns gefreut hatten, sollte der Wind nun wesentlich schwächer ausfallen. Kurz haben wir überlegt unsere Abfahrt zu verschieben, der Wetterbericht und die Ankunft unserer Freunde hätten es fast geschafft uns zum Bleiben zu bewegen, doch wir wollten weiter und außerdem hatten wir ja nun die nur für zwei Tage gültige Erlaubnis für den Besuch der Salvagems. Sonntagmorgen klingelte also der Wecker und nach einen kurzen Frühstück ging es um halb acht los. Bei wenig Wind ließen wir Madeira hinter uns und sichteten immer wieder größere Gruppen von Grindwalen. Die großen schwarzen Delfine hielten sich längere Zeit an der Oberfläche auf und so konnten wir sie gut beobachten. Nachmittags kam auch noch eine Schule Tümmler vorbei. Leider hatten sie keine Lust uns länger zu begleiten, sondern hatten anscheinend andere Pläne. Zwar mussten wir mangels Wind zunächst Motorsegeln, doch dank eines überraschend starken Stroms kamen wir flott voran. Schon am Abend zeichnete sich ab, dass es für unseren Plan an den Salvagems zu Ankern schlecht aussieht, der Wind drehte immer weiter auf West. Bei Westwind ist die einzige Bucht, für die man zurzeit eine Genehmigung bekommt, sehr ungeschützt. Montagmittag hatten wir die kleine Insel Salvagem Grande querab, machten einige Fotos, freuten uns über die vielen Vögel und beschlossen weiter zu segeln. Traurig waren wir nicht, wurden wir doch mit einem der schönsten Segeltage unsere bisherigen Reise beschenkt. Bei wenig Welle segelten wir flott Richtung Teneriffa, umgeben von diesem fantastischen Blau. Einige Meilen südlich der Insel, als wir gerade Mittag essen wollten, tauchte plötzlich ein Schlauchboot hinter uns auf. Die Beamten der portugiesischen Polizei forderten uns auf langsamer zu segeln. Nachdem wir das Vorsegel weggerollt hatten kamen zwei Polizisten an Bord, fotografierten unsere Pässe, die Bootspapiere und unsere Genehmigung und fragten nach unserem letzten bzw. nächsten Hafen. Das Schlauchboot kam wieder längsseits, der erste Polizist sprang auf den Gummiwulst und ins Boot, der zweite fand den Absprung nicht so recht, sprang auf den Gummiwulst und wäre um ein Haar rücklings ins Wasser gefallen. Eine schmerzhafte Landung. Wir hatten wir immer wieder von den Kontrollen der portugiesischen Polizei gehört, waren selber aber nie kontrolliert worden. Wir hatten den französischen Zoll an Bord und mehrfach Besuch von der spanischen Polizei, doch nie von den Portugiesen. Schließlich hat die portugiesische Polizei ihre allerletzte Chance genutzt und uns auf den letzten Meilen in portugiesischen Gewässern kontrolliert. Ich stelle mir den Kontrolljob ziemlich langweilig vor, viele Boote kommen dort nicht vorbei.
Wir rollten unser Vorsegel wieder aus, stellten unsere Windsteueranlage wieder ein und aßen endlich unseren Kartoffelsalat mit Würstchen. Auch die zweite Nacht auf See war toll. Kurz bevor es dunkel wurde, sahen wir Teneriffa, beziehungsweise den Pico de Teide. Die Nacht war sternenklar und warm. Lange lag ich auf dem Rücken im Cockpit und habe mir die Sterne angeguckt. Obwohl ich nicht so richtig fit war, habe ich meine Wache nicht als Pflicht, sondern als unglaubliches Privileg empfunden. Irgendwann hörte der Wind auf und so sind wir die letzten Meilen motort. Pünktlich zu Sonnenaufgang waren wir an der Nordspitze Teneriffas, zwei Stunden später haben wir in der Marina in Santa Cruz festgemacht.
Nach unserer Ankunft am Dienstagmorgen haben wir Mari gewaschen, die von einer dicken Salzschicht bedeckt war, unser Bimini aufgebaut und auch unsere Persenning über dem Vorluk aufgespannt. Hier ist Sommer, wenn es auch nicht so heiß ist, wie in Deutschland in den letzten Tagen. Den Tag haben wir mit duschen, lesen, schlafen und einem Spaziergang verbracht und in der folgenden Nacht lange und festgeschlafen.
Gestern haben wir Schiffszubehörläden besichtigt. Unsere ToDo-Liste hat einige Punkte, einige Arbeiten haben wir verschoben bis wir auf den Kanaren sind. Da sind wir nun. Vier Läden haben wir bisher besucht und konnten feststellen, dass wir hier alles bekommen werden. Anschließend sind wir kreuz und quer durch die quirlige Stadt gebummelt. Santa Cruz gefällt uns auf den ersten Blick gut und nach den Liegeplätzen in kleinen Orten ist ein Aufenthalt in einer Stadt eine willkommene Abwechslung.
Heute stand Sightseeing auf dem Programm. Um uns zunächst einen Überblick zu verschaffen, haben wir an einer Stadtführung und einer Stadtrundfahrt teilgenommen. Nun haben wir viele Ideen, was wir hier noch alles unternehmen wollen. In der Stadt locken Museen, Befestigungsanlagen, Parks und die Konzerthalle. Zum nächsten Strand ist es nicht weit mit dem Bus und nach La Laguna, eine alte Universitätsstadt, fährt die Straßenbahn. Natürlich will auch Teneriffa erwandert werden, es gibt verschiedene Naturparks und eine Vielzahl von Wanderwegen. Und schließlich ist da noch der Teide (3718m) , der höchste Berg Spaniens, der auf einen Besuch wartet. Ob wir hier wieder weg kommen?
Heute Nachmittag waren wir im Palmetum, einem relativ neu angelegten Palmenpark. In dem botanischen Garten wachsen 2000 Pflanzenarten. Der Garten hat sich auf Palmengewächse spezialisiert, gleich 400 Arten sollen hier zu sehen sein. Der Park liegt direkt am Meer auf einem künstlichen Hügel, der eine Vergangenheit als Müllkippe hat. Uns hat es sehr gefallen, die Vielfalt der Pflanzen, die nach Herkunft geordnet sind, ist beeindruckend, die guten Erklärungen runden den Spaziergang ab.
Die Königin der Levadas und der westlichste Punkt
Wir sind noch auf Madeira und haben einige Tage mit Baden und kleinen Wanderungen in der Umgebung verbracht, nebenbei am Boot getüddelt und immer wieder nette Segler kennengelernt.
Am Donnerstag haben wir wieder ein Auto gemietet und entscheiden uns für eine weitere Levada-Wanderung. Die Wahl fällt auf die Levada do Rei. Die Königslevada soll sich für eine zauberhafte Wanderung durch den Lorbeerwald anbieten. Diesmal könnrn wir keinen Rundwanderweg laufen, sondern wir wandern auf dem Hin- und Rückweg entlang der Levada. Wir werden nicht enttäuscht, die Levada do Rei bietet alles was man sich von einer Levada wünscht: einen Wasserfall, der einen duscht, einen Tunnel, dichten Lorbeerwald, eine Vielzahl blühender Pflanzen und grandiose Ausblicke. Die Wanderung führt bis zur Quelle der Levada, wo der Ribeiro Bonito, ein Wildbach, die Levada speist. Wir machen eine kleine Rast und Nobbi füttert die zutraulichen Madeira-Buchfinken mit Schokokeksen. Hier treffen wir eine portugiesische Familie, die den heutigen Feiertag für einen Familienausflug nutzt. Wir werden von ihnen ausgiebig mit Kuchen versorgt und treten frisch gestärkt den Rückweg an. Auf dieser Wanderung treffen wir, anders als bei den meisten anderen Touren die wir unternommen haben, häufiger andere Leute. Trotzdem ist es wahrlich nicht überlaufen. Während Nobbi am Wasserfall seine Jacke anzieht, denke ich „wird schon nicht so schlimm werden“ und werde ziemlich nass. Daraufhin höre ich einige Kommentare zur Nützlichkeit von Regenjacken. Wieder am Auto angekommen machen wir uns auf den Rückweg. Wir beschließen der irgendwie nett aussehenden Beschilderung zu einem Café zu folgen und erreichen nach etlichen Kilometern ein kleines Restaurant. Dort essen wir in der Sonne mit fantastischem Meerblick traditionell gegrilltes Hühnchen.
Bevor wir das Auto wieder abgeben wollen wir noch den westlichsten Punkt Madeiras Ponta do Pago besuchen. Deshalb entschließen wir uns eine Inselrundfahrt zu machen. Zunächst kommen wir auf der Schnellstraße flott voran und machen einen ersten Stopp in Calheta. Hier gibt eine kleine Marina, einen künstlichen Strand und einige Hotels. Wir essen ein Eis und schlendern über die Promenade, bevor es weiter geht. Eine kleine Straße führt in unendlich vielen Serpentinen immer weiter in den Westen der Insel. Madeira ist ohnehin nicht überlaufen, doch hier ist es leer. Nur gelegentlich kommt uns ein Auto entgegen. Die Straßenränder leuchten blau und weiß, sie sind gesäumt von Hortensien und Agapanthussen (oder heißt es Agapanthii?). Die Straße führt immer wieder durch lichte Eukalyptuswälder und es riecht leicht nach Hustenbonbons. In Ponta do Pago halten wir an einem Teehaus und machen einen Spaziergang zum Leuchtturm. Nach einem Abstecher nach Cabo zu einer kleinen Kapelle mit gigantischem Ausblick, wo wir viel Spaß mit ein paar ausgebüxten Ziegen haben, fahren wir zu nordwestlichsten Ecke nach Porto Moniz. Porto Moniz ist ein beliebter Ferienort und berühmt für seine natürlichen Schwimmbecken aus schwarzer Lava. Wir genießen den tollen Ausblick und beschließen eine Planänderung. Statt an der Nordküste zurück zu fahren (den Weg kennen wir schon) wollen wir die Hochebene Paul da Serra nochmal sehen. Dort hatte es uns schon während unserer Wanderungen besonders gut gefallen. Die Straße führt auf knapp 1000 m in die Wolken und das Thermometer sinkt auf 14 Grad. Wenig später ist es oberhalb der Wolken wieder sonnig und mit 19 Grad auch wieder deutlich wärmer. Wir halten immer wieder an und freuen uns über spektakuläre Ausblicke, die vielen Kühe und den blühenden Ginster. De Straße verläuft auf fast 1600 m, bis wir schließlich zum Encumeada Pass gelangen. Im Norden kann man entlang einer Schlucht aufs Meer sehen. Wir nehmen die Straße nach Süden und erreichen in Ribeira Brava wieder das Meer. Die Schnellstraße bringt uns zurück in den Osten der Insel. In Machico kaufen wir ein, bummeln durch die kleinen Straßen und essen am Hafen in einem netten Restaurant.
Madeira begeistert uns. Diese unglaubliche Vielfältigkeit, die verschiedenen Landschaften, die fantastische Pflanzenwelt und die grandiosen Ausblicke. Es gibt es noch unzählige Levadas an denen wir gerne entlang wandern würden, doch für uns wird es nun Zeit weiter zuziehen.
Gemütliche Tage auf Madeira und ein Besuch im Walmuseum
Die Tage auf Madeira vergehen schnell. Bevor wir den Mietwagen wieder abgeben kaufen wir gründlich ein, sehen uns Machico an und machen einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt auf dem Pico Facho.
Wir lesen in unseren Revierführern und recherchieren im Internet wo es als nächstes hin gehen soll und betüddeln unser Boot. Irgendwas ist immer zu tun. Zu Großprojekten haben wir keine Lust, doch das Deck wurde gewachst (auch unsere Mari braucht Sonnencreme), die Edelstahlteile poliert und das Unterwasserschiff von Algen befreit. Das Wäschewaschen war mal wieder ein Event. Die Waschmaschine nimmt nur 20 Cent Münzen und 2 Euro Stücke, gut dass wir 1 Euro und 50 Cent Stücke sammeln. Nachdem ich mit Hilfe des Marinabüros genügend Kleingeld gesammelt hatte, hatte der Wind aufgefrischt und die Wäsche musste nicht nur beim Trocknen bewacht, sondern sogar festgehalten werden. Doch dank des starken, trocknen Windes war die Wäsche binnen 50 min trocken. Nachdem unser letztes selbstgebackenes Brot starke Ähnlichkeit mit einem Brikett hatte, ist der aktuelle Versuch richtig lecker und ziemlich fluffig geworden. Das Brikett war das Werk einer nicht aufgegangenen portugiesischen Backmischung, die aktuelle Version entstand mit einer veganen, superöko, glutenfreien, quinoahaltigen Sauerteigalternative, die ich allerdings mit Weizenmehl gemischt habe. Ich werde weiter experimentieren. Eine der Tischdecken, die wir in Portugal gekauft haben, hat sich gestern mit Hilfe der Nähmaschine in einen Wäschesack verwandelt und ziert nun unsere Kammer.
Am Sonntag haben wir das Walmuseum in Carniçal besucht. Zu Fuß sind wir eine knappe Stunde in den Nachbarort gelaufen, auf dem Rückweg haben wir eine Abkürzung gefunden und waren etwas schneller. Das Museum ist toll. Der erste Teil befasst sich mit dem Walfang, der hier nur 40 Jahre lang zwischen 1941 und 1981 von offenen Ruderbooten aus betrieben wurde. Gejagt wurden fast ausschließlich Pottwale. Der zweite Teil des Museums befasst sich mit den Besonderheiten der Wale, den Arten, die hier vor Madeira vorkommen, und dem Schutz der Wale. Ein Audioguide führt die Besucher durch das Museum und im zweiten Teil erklären gut gemachte 3D-Filme zum Beispiel die Organsysteme der Wale, weshalb sie so tief tauchen können und die verschiedenen Walarten. Uns hat das Museum sehr gut gefallen und wir haben über 3 Stunden in der Ausstellung verbracht.
Madeira ist keine Badeinsel. Trotzdem wird bei uns eifrig gebadet. Das Hafenbecken ist klar und tief, jede über Bord gegangene Wäscheklammer muss gerettet werden. Bei einer seiner Wäscheklammerrettungsaktionen meldet Nobbi eine Schule Baracudas unter dem Boot, was auch mich dazu bewegt ins Hafenbecken zu hüpfen. Tatsächlich, eine Schule kleiner Baracudas wohnt hier im Hafen unweit vom Boot und kommt manchmal neugierig näher. Die anderen Fische lassen sich mit Brot anlocken und bekommen gelegentlich ihren Anteil am Frühstück.
Auch der Meerwasserpool des Hotels ist schön und in der kleinen Bucht vor dem Hotelstrand haben wir Fische und Seeigel beim Schnorcheln angeguckt und sogar einen kleinen Rochen gesehen. Nur der Ein- und Ausstieg ist hier nicht ganz einfach. Bei Hochwasser kann man an der Treppe, die auch die Tauchschule benutzt, ins Wasser steigen, bei Niedrigwasser bleibt nur der Einstieg über den Strand. Das ist mühsam, da es auch bei wenig Wind immer eine recht ordentliche Brandung gibt. In der Nachbarbucht, nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, gibt es einen der seltenen Sandstrände Madeiras. Hier haben wir letzte Woche Mareikes Abschiedsbad genommen und die kleine Strandbar stellt einen netten Anlaufpunkt für Spaziergänge dar. Eigentlich wollten wir hier noch Tauchen, doch jetzt sind wir mit Schnorcheln und Baden ganz zufrieden.
Kuhweide mit Aussicht
Auf dieser Wanderung galt es 500 Höhenmeter zwischen dem Start in einem kleinen Dorf im Süden Madeiras und dem 1436 m hohen Gipfel des Chão dos Terreiros zu überwinden. Trotzdem war dies wohl unsere gemütlichste Wanderung. Der Weg verläuft zunächst zwischen Feldern, später entlang der baumlosen Berge, die durch den Ginster, der überall wächst, gelb leuchten. Hier oben treffen wir nur einige andere Wanderer und viele Kühe. Die Kühe haben nicht nur eine tolle Aussicht und klare Luft, sie müssen auch sehr trittsicher sein. Ob die schleswig-holsteinischen Schwarz-Bunten sich hier wohl fühlen würden? Der Wanderführer empfiehlt früh zu dieser Wanderung aufzubrechen, wir starten gleich nach dem Frühstück und beginnen die Wanderung erst um 13 Uhr. Doch wir haben Glück, es ist sonnig und klar. Die Aussicht ist grandios. Wir sehen die hohen Berge Madeiras und können vom Gipfel weite Teile der Südküste mit der Hauptstadt Funchal überblicken. Auf dem Rückweg sind wir froh, als der Weg schließlich durch Eukalyptuswälder führt und wir im Schatten laufen.









