Eingeweht in Cádiz

Es stürmt. Seit gestern Morgen weht es ohne Unterbrechung. Im Moment haben wir hier 7 Windstärken in Böen 10 ab und zu gar 11, so geht das seit gestern Abend, vorher hatten wir 6-7 in Böen 9. Unser Windanzeiger zeigt minutenlang über 40 Knoten, manchmal über 50.
Wir haben unsere Mari festgestrickt und inzwischen 14 Leinen draußen. Zum Glück haben wir einen der besten Plätze hier im Hafen, wir liegen im inneren Becken, hier gibt es keinen Schwell, in Luv neben uns liegt ein schweres Stahlschiff aus Finnland, das uns ein bisschen Schutz bietet und wir liegen ablandig, das heißt wir liegen nicht auf unseren Fendern, sondern hängen in den Leinen, so ist es bei uns vergleichsweise gemütlich. Die größeren Yachten, die im äußeren Hafenbecken liegen haben es deutlich unbequemer, da baut sich auch auf kurze Distanz eine eklige Welle auf, die die Boote hin und her tanzen lässt.
Der Marina-Bar sind heute Nacht Teile des Dachs weggeflogen, ab und zu treibt ein Fender, ein Rettungsring oder eine Planke aus einem der Stege vorbei. Einem Boot an unserem Steg ist heute Nacht das Bimini zerrissen, ein anderes hat sich einen Kratzer geholt, weil die Fender auf denen es liegt völlig platt sind. Bei einem Boot ist heute Nacht das Vorsegel ausgeweht, heute Morgen lagen die zerrissenen Fetzen im nächsten Zaun. Sonst gibt es bisher zum Glück keine größeren Schäden, die Marineros checken selbst nachts die Leinen der Boote und versuchen jetzt aufzuräumen, soweit das bei diesen Windstärken geht.
Die einzigen die das alles gar nicht beeindruckt sind die Möwen und die Seeschwalben. Gerade ist unsere Lieblingsmöwe am Slip gelandet um dort ihr tägliches Nachmittagsbad zu nehmen. Ich wusste gar nicht, dass Möwen so gerne baden. Die Tauben wirken weniger entspannt, ihnen ist es anscheinend zu viel Wind und sie kämpfen darum nicht vom Wind aufs Meer hinaus getragen zu werden.
Gestern haben wir einen Stadtspaziergang gemacht, heute waren wir nur beim Supermarkt und verbringen den Tag ansonsten an Bord. Man lernt dazu, gestern habe ich lange Ohrringe getragen, heute habe ich gerefft und mich für Ohrstecker entschieden, das diesem Wetter gilt es so wenig Windangriffsfläche zu bieten wie möglich. Gut war der Getränkeeinkauf, die schweren Rucksäcke haben die Straßenlage deutlich verbessert.
Am Dienstag, bevor dieser Sturm begonnen hat, hatten wir noch ein ganz anderes Problem zu lösen. Montagabend hat Nobbi eine Zahnfüllung verloren. Deshalb entschieden wir nicht weiter darüber nachzudenken, ob wir vor dem Sturm noch weiter Richtung Norden segeln wollen, sondern uns zunächst auf die Suche nach einem Zahnarzt zu machen. Mit der Hilfe von Frau Google hatte ich eine vielversprechende Praxis in der Innenstadt herausgesucht und wir hatten Glück, nicht nur, dass wir warten durften und Nobbi noch am Vormittag dran kam. Die Praxis war auch sehr modern, Nobbi mit der Arbeit des Zahnarztes zufrieden und die Kommunikation wurde dadurch vereinfacht, dass der Zahnarzt nicht nur Englisch sondern auch Deutsch sprach. Den Nachmittag haben wir, nach einem kleinen Imbiss in unserem Restaurant gegenüber der Kathedrale bei sonnigen 28 Grad für einen Spaziergang am sehr beliebten Badestrand genutzt. Insgesamt 10 km sind wir an Cádiz‘ feinem Stadtstrand entlang spaziert und haben uns danach in der Strandbar mit einem kühlen Getränk erfrischt.
Morgenfrüh soll der Wind abnehmen, die Aussicht auf 6 in Böen 8 lässt uns hoffen. Mal sehen wie lange wir dann brauchen um den Sand wieder los zu werden. Ein paar hundert Meter von uns entfernt lagert feinster weißer Sand, der nach und nach zu uns herüber gepustet wird, da brauchen wir diesmal gar keinen Saharasand um gepudert zu werden.