Kleines „Schöner Wohnen“ – Spezial

Bereits mehrfach wurden Bilder unserer verschiedenen „Schöner Wohnen“- Projekte angefordert. Hier sind sie! Die Aufzählung ist nicht chronologisch und vermutlich auch nicht vollständig.SardinenkissenSie wurden als Tischdecke geboren, doch eine Tischdecke brauchen wir wirklich nicht! Die Tischdecke haben wir im Winter in Vila Real de Santo Antonio gekauft, die Kissen sind an der spanischen Atlantikküste entstanden.

GartentraumEinen „Garten“ brauchen wir auch nicht, doch Nobbi hat sich diesen hängenden Garten angelegt. Mit der Ausführung ist er noch nicht ganz zufrieden, Umbauten sind geplant. (Der Leuchtturm ist hier noch im Bau, siehe unten).

SardinenwäschebeutelWeil uns die Sardinentischdecken so gut gefielen, wir aber immer noch keine Tischdecke brauchen, entstand dieser Wäschesack.

SofaschonerDie Polster im Salon leiden gewaltig, zunächst haben wir große Badehandtücher draufgelegt. Eine Lösung die sich nicht bewährt hat, die Handtücher fusselten fröhlich vor sich hin, was uns wiederum weniger fröhlich stimmte. In Santa Cruz haben wir eine riesige Überdecke erstanden und in zwei Teile geteilt. Wesentlich besser. (Die tollen Ankerkissen hat meine Schwester uns genäht).

männertaugliches MoskitonetzDies ist das männerfreundliche Moskitonetz für den Niedergang. Nun kann das Netz einfach mit dem Reißverschluss geöffnet werden und die Vertüddelungsgefahr ist wesentlich geringer.

MoskitonetzsalonlukNoch ein Moskitonetz-Projekt. Dieses sehr simple, aber unkomplizierte und praktische Moskitonetz haben wir uns bei der SUBEKI abgeschaut und sind sehr zufrieden.

TilleyhuthakenKleine Aktion – riesige Wirkung. Unsere Tilley-Hüte haben nun eigene Haken im Vorschiff und werden nicht mehr platt gedrückt.

VorlukaufhalteleuchtturmDas Hölzchen, das unser Vorluk aufhält, sah so langweilig aus. Da habe ich es als Leuchtturm angemalt.

KummelKaum war der erste Leuchtturm fertig, wurde ein weiterer angefordert. Die Luke im Salon hat diesen „Kummel“ bekommen. (Kummel sind die kleinen Seezeichen, die einem in den schwedischen Schären den Weg weisen und meistens viel schlichter als dieses blau-weiße Exemplar).

VorlukbeschattungDiese Persenning beschattet das Vorluk und sorgt dafür, dass es auch bei einem kleinen Schauern nicht rein regnet.

 

 

Auf die Kanaren und dann nach Westen – Routenplanung

Langsam wird es Zeit sich Gedanken darum zu machen wo wir eigentlich hin wollen. Dabei hilft es zu wissen wo wir sind. Also gehen wir auf die Hafenmole, um mit dem Sextant die Sonne zu „schießen“, von unserem Liegeplatz sehen wir den Horizont nicht. Natürlich kommen ein paar Wolken vorbei und machen es etwas spannender. Wie ging das nochmal mit dem Sextanten? Zum Glück habe ich einen Profi dabei.
Wir sind auf La Gomera. Das trifft sich gut. Eigentlich wussten wir das schon, schließlich steht es auch auf der Brötchentüte. Wir lesen Revierführer, studieren Seekarten, befragen Seglerseiten im Netz, schauen uns Klimatabellen an und immer neue Pläne entstehen. Unser Planet ist riesig und es gibt so viel zu entdecken. Am Wochenende wollen wir nach La Palma gehen. La Palma wird unsere letzte Kanareninsel, von dort werden wir zu den Kap Verden segeln. Zu den Kap Verden werden wir etwa eine Woche brauchen. Wir freuen uns sehr auf diese spannende Inselgruppe.
Die letzten Tage sind schnell vergangen. Mit Fabian waren wir noch einmal auf Gomeras höchstem Berg dem Garajonay und sind auf kleinen Straßen durch den Nationalpark gefahren. Am Montag ging es für ihn zurück nach Hause. Da wir ein Mietauto hatten, haben die Gelegenheit genutzt und eine tolle Wanderung von dem kleinen Ort Imada gemacht. Während die grandiose Landschaft uns begeistert hat, hat die heiße Sonne uns an unsere Grenzen gebracht. Auf dem Rückweg sind wir durch Zufall in einem tollen Restaurant am Hafen gelandet und haben uns dort bei Rinderfilet erholt.
Ansonsten arbeiten wir uns langsam auf unserer ToDo-Liste voran. Die letzten leeren Gläser wurden mit Pflaumenkompott gefüllt, Nobbi ist in unserm Mast herum geklettert und hat alles kontrolliert und eines Tages finden wir auch noch einen Behälter für unser Mehl. Letzte Woche dachten wir, wir hätten endlich die optimalen Boxen gefunden, doch bereits Minuten nach dem Befüllen stellten wir fest, dass diese Dosen nicht dauerhaft bei uns bleiben dürfen. Die hübschen Deckel machen sich schon ohne Seegang selbstständig und auch ein helfendes Tape brachte kein zufriedenstellendes Ergebnis. Das Mehl ist wieder in einen 5l Wassercontainer umgezogen und die Boxen wurden ausgesetzt. Nach zweimaligen Mehlumfüllen inklusive der Mehlwölkchen die sich in der Pantry verteilt haben, sind wir nun so weit wie vorher.
Die neue Badestelle direkt neben dem Hafen wurde eröffnet und natürlich gleich von uns getestet und für gut befunden. Nicht ganz so schön wie unser Lieblingsschnorchelplatz, aber noch näher und auch fischreich.
Morgenfrüh geht’s noch einmal zur Ferreteria (bei uns heiß das früher ja auch Eisenwarenhandlung) und dann wären wir bereit für La Palma. Mal sehen was der Wind sagt.

Kreuz und quer über La Gomera

Besuchszeit ist Ausflugszeit. Nobbis Sohn Fabian besucht uns und gemeinsam machen wir die Insel unsicher. Nach einem entspannten Tag in San Sebastian mit einem Spaziergang zum Leuchtturm und Schnorcheln, haben wir für drei Tage ein Auto gemietet und waren in (fast) jedem Winkel der zerklüfteten Insel.
Am Dienstag sehen wir gleich 5 (!) Rochen im Hafenbecken von Playa Santiago, stellen fest, dass der Weg zum Flughafen wesentlich länger ist als gedacht und machen eine anstrengende Wanderung im Lorbeerwald. Anschließend essen wir bei Maria, in einer lila Bar mit einer eigenwilligen Dekoration aus Feuerzeugen und Schlüsselanhängern und mit Bildern von Flugzeugträgern und Heiligen.
Am Mittwoch geht es wieder in das Herz des Nationalparks mitten in den Wald. Schon die Fahrt ist spannend. Wir wandern wieder im Wald und steigen bis zu einem Platz ab, von dem wir auf La Gomeras längsten Wasserfall gucken können. Der Wasserfall fäll 200m tief, doch in dieser Jahreszeit eher dünn. Der Ausblick über das tiefeingeschnittene grüne Tal ist wunderschön. Wir essen in einer kleinen Bar, ebenfalls mit gigantischem Ausblick und wandern zurück zum Auto. Anschließend geht es in den Südwesten der Insel. Von einem Mirador können wir La Palma im Westen und El Hierro im Süden sehen. Das Tal von Valle Gran Rey kennen wir schon, doch ein Aussichtspunkt ist schöner als der nächste.
Gestern ging es in den Norden der Insel. Wir hatten gehofft, dass es dort etwas kühler als im Süden wäre, doch um Tag oberhalb von Vallehermoso war es genauso heiß wie im Süden. Wir hatten uns eine kleine Rundwanderung ausgesucht, deren Einstieg wir zunächst nicht fanden. Schließlich folgen wir einem Hinweisschild. Den ausgeschilderten Stausee erreichten wir nie, wir verliefen uns aber so geschickt, dass wir schließlich am Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder aus dem Unterholz auf den Weg kamen. Unser Rundweg führte uns zwischen Brombeerhecken und Terrassen, vorbei an verfallenen Häusern entlang durch das schöne Tal. Nachmittags fuhren wir zum Schnorcheln in den äußersten Westen der Insel. Der Strand von Alojera liegt an der Mündung einer steilen Schlucht, das Baden dort war sehr schön, das Schnorcheln nicht spektakulär, aber das Tal selbst sehenswert.
Für mich steht fest: eines Tages komme ich im Frühjahr zum Wandern wieder. Im Moment ist es ziemlich heiß, eigentlich kein Wanderwetter. Hinzukommt ein heißer Wind, der ab und zu durch die Schluchten fegt. Vorgestern Abend hatten wir abends um zehn 31 Grad und einen trocknen Wind, der die Handtücher innerhalb kürzester Zeit getrocknet hat und uns das Gefühl gab gegrillt zu werden.
Heute gönnen wir uns einen entspannten Tag mit ausgiebigem Schnorcheln. Heute Abend spielt ein Orchester im Park Filmmusik und morgen findet das Fest „Sun Set Bastian“ statt. Für Unterhaltung ist gesorgt.

 

Gomeras Twitter und ein Badeausflug

Auf La Gomera gibt es eine Form der Kurznachrichteüberbringung, die deutlich älter ist als das Internet. „El Silbio“ ist eine Pfeifsprache, die ursprünglich auf die Guanchen zurückgeht, heute aber auf dem Spanischen basiert. Inzwischen ist „Silbio Gomero“ Pflichtfach in der Schule, so dass junge Leute die Sprache beherrschen, die ursprünglich verwendet wurde, um sich über die tiefen Schluchten hinweg Nachrichten zu übermitteln. Uns gefällt das melodische Pfeifen, das man häufig abends am Hafen von San Sebastian hört.
Gestern haben wir uns einen kleinen Badeausflug gegönnt und sind eine Stunde an La Gomeras Küste gen Süden gefahren um dort zu Ankern. Unterwegs haben wir den Wassermacher angeschmissen und alle Kanister wieder gefüllt, so dass wir nun wieder Wasser aus eigener Quelle trinken.
Am Ankerplatz fanden wir feinen Sand als perfekten Ankergrund vor. Der einzige Nachteil am Sandboden ist, dass Fische den nicht besonders schätzen und so gab es, abgesehen von unserem Anker, nicht viel zu sehen. Wir hatten Glück und wurden von einem kleinen Rochen umkreist. Nach dem Mittagessen und ausgiebigem Baden haben wir uns auf dem Rückweg gemacht.

 

Fischige Tage auf La Gomera

Hier in der Marina wohnen viele verschiedene Fische. Die allgegenwärtigen Hafenfische, die unermüdlich die Oberfläche reinigen und sich gierig auf Brotstücken stürzen, treffen wir seit der Bretagne in jedem Hafen. Hier gibt es aber noch viel mehr zusehen zum Beispiel Baracudas, Trompeten-, Koffer- und Papageifische. Mich hat doch tatsächlich ein Papageifisch in den Fuß gezwickt, als ich auf dem Steg saß und die Füße zur Kühlung im Wasser hatte! Die Fische hier interessieren sich aber nicht nur für meine Füße und Brot, auch Tomatenstückchen stehen hoch im Kurs. Wenn wir unser Cockpit ausspülen und die ganzen Krümel wegwaschen findet unter unserem Boot eine Party statt. Natürlich wollten wir die Fische aus der Nähe angucken. Am Strand um die Ecke gibt es eine Mole an der man wunderbar schnorcheln kann, wir haben viele bunte Fische gesehen und die Sichtweiten freuen selbst verwöhnte Taucher. Kein Wunder, dass für heute Nachmittag wieder schnorcheln auf dem Bordprogramm steht. Gestern gab‘s auch noch Fisch auf dem Teller, wir haben einen ganz frischen Bonito geschenkt bekommen, der in Sesam gewälzt in der Pfanne landete und den Fischtag abrundete.
Die Seglergerüchteküche brodelt, wir haben gehört, dass es schwierig sei Dinge auf die Kanaren zu schicken. Oft stimmen diese Gerüchte zum Glück nicht, oder nur eingeschränkt. Wir hatten Glück, Nobbis Brief erreichte uns in Rekordzeit und er konnte ihn gerade aus dem Marinabüro abholen. Ein netter (ehemaliger) Kollege hat ihm sein neues Firmen-Tamagotchi hierher geschickt, so kommt er auch weiterhin auf dem Firmenserver. Danke Gerhard!
In den letzten Tagen haben wir wieder etwas am Boot rumgetüddelt. Die Pantry hat zum Teil neuen Lack bekommen. Schrank anschleifen, lackieren und das Weite suchen solange es trocknet. Die Türen haben wir ausgebaut, auf dem Steg geschliffen und im Cockpit lackiert. Generell sind Arbeiten auf dem Steg und an Deck sehr kommunikativ, weil jeder der vorbei kommt sich erkundigt was man macht, einen bedauert oder anbietet beim eigenen Schiff gleich weiter zu machen, einem gute Tipps gibt oder sich einfach nur unterhalten möchte.
Das männerkompatible Moskitonetz für den Niedergang ist fertig, nun brauchen wir nur noch einen Reißverschluss schließen, wenn Mücken auftauchen. Gerade hatte Nobbi gelernt das alte Netz zu bedienen und konnte das Schiff verlassen ohne sich einzuwickeln.
Ihr merkt schon, es geht uns gut hier auf La Gomera. Es ist entspannt und schön hier, wir genießen das Hafenleben, freuen uns auf weitere Ausflüge über die Insel und baden. Befreundete Boote wieder zu treffen ist immer schön. Die Balu liegt uns am Steg genau gegenüber, sozusagen Schnauze an Schnauze und die Try ist vorgestern hier eingetroffen. Wir bleiben noch ein paar Tage hier, weil es uns so gut gefällt und wir nächste Woche Besuch bekommen.

Ein Geburtstag, ein ungebetener Gast und Wanderprogramm

Am Montag hatte unsere Reise Geburtstag, vor einem Jahr sind wir in Lesum losgefahren. Dieser Tag musste gefeiert werden. Nachmittags gab es selbstgebackenen Kuchen, abends haben wir Sekt getrunken und überlegt wo es bisher am schönsten war. Zu einem Ergebnis sind wir nicht gekommen, zu viele interessante Orte, schöne Städte und spannende Erlebnisse liegen in unserem Kielwasser.
San Sebastián de La Gomera, die Inselhauptstadt, gefällt uns, doch es wurde Zeit die Insel zu erkunden. Wir haben für zwei Tage ein Auto gemietet und waren am Mittwoch zunächst im Norden der Insel. Unser Wanderführer schlug eine Wanderung von Agulo „durch die rote Wand“ vor. Als wir den Ausgangspunkt der Wanderung erreichten konnten wir nicht so ganz glauben, dass wir es zu dem Aussichtspunkt schaffen, den man von unten sieht. Der erste Teil des Weges hatte es in sich, wir kletterten steile Stufen hoch. Bald waren wir klatschnass geschwitzt und dankbar für jede Wolke, die sich vor die Sonne schob. Nach der Hälfte des Aufstiegs war klar, dass Umkehren nicht in Frage kommt, schon weil wir auf keinen Fall diesen Weg bergab klettern wollten. Als wir den Mammutanstieg zu Beginn der Wanderung bewältigt hatten, wurde der Weg angenehmer, es ging nur noch leicht bergan und an verschiedenen Aussichtspunkten konnten wir den Ausblick über die Küste und den kleinen Ort Agulo genießen. Nach der Hälfte der Wanderung erreichten wir ein Besucherzentrum mit einem kleinen botanischen Garten, wo wir einiges über La Gomera lernten. Das Restaurant hatte geschlossen, also stärkten wir uns mit Lavakeksen (Bordsprachte für Oreos) und machten uns auf den Rückweg. Das Bergablaufen zwickte in den Knien, dafür konnten die nassen T-Shirts nun wieder trocken. Inzwischen wurden wir von einer Wolke eingehüllt und waren froh, dass wir die Aussicht auf dem Hinweg bestaunt hatten. Nach 700 Höhenmetern im Auf- wie im Abstieg kamen wir wieder in Agulo an.
Mittwochabend wurde unser gemütliches Bordleben aufgemischt. Kurz vor Mitternacht, ich lag im Bett und habe gelesen, da sehe ich im Augenwinkel einen Schatten an der Decke entlanglaufen. Einen ziemlich großen Schatten. Ich hoffe, dass ich mich geirrt habe und gucke genau hin. Leider nicht. Eine Kakerlake. Unsere erste an Bord. Zum Glück sind wir vorbereitet. Ich schreie nach Nobbi, er bewacht das Vieh und ich krame das Kakerlaken-Killer-Spray raus. Für Kakerlaken an Bord gibt es keine Gnade. Wir hoffen, dass sie (oder noch lieber „er“, denn „er“ legt keine Eier) alleine unterwegs war. Trotzdem haben wir Fallen aufgestellt und die Ecken vergiftet.
Für Gestern fiel die Wahl auf zwei kleinere Wanderungen, schließlich wollten wir noch etwas von der Insel sehen. Zunächst ging es auf den Garajonay, mit 1487 m der höchste Berg La Gomeras. Die kleine Tour war eher gemütlich, was sehr gut zum heißen Wetter passte. Auffallend viele Vögel waren unterwegs. Später machten wir eine kleine Wanderung durch den Lorbeerwald. Der märchenhafte Wald hat uns sehr gefallen und der Schatten kam sehr gelegen. Anschließend ging es nach Chipude, wir hatten Glück und fanden im einzigen geöffneten Restaurant einen freien Tisch. Am Nachbartisch trafen sich Männer aus dem Dorf, einer nach dem anderen packte die Gitarre aus und es wurde musiziert und gesungen. Der Kellner entschuldigte sich für die „Música catastrófica“, doch wir fanden es sehr schön und das leckere Essen wurde zur Nebensache. Späten Nachmittag fuhren wir nach Valle Gran Rey, ein Ort der an der Küste in einem sich tief einschneidenden Tal liegt. Das Tal ist fantastisch und wir stiegen immer wieder aus, um noch einen Aussichtspunkt zu besuchen. Entlang der Berge wehte ein unglaublich heißer Wind. In Valle Gran Rey war es auch abends noch so heiß, dass wir nur einen kurzen Spaziergang am Hafen machten und uns über den Rochen im Hafenbecken freuten. Dann flohen wir ins klimatisierte Auto. Auf dem Rückweg tauchten wir im Norden der Insel in die Wolken ein, die Temperatur sank auf angenehme 23 Grad und wir kühlten uns ab. Hier im Hafen war es dann wieder deutlich wärmer, kühlte aber nachts auf angenehme Schlaftemperaturen ab.
Heute verging der Tag mit Einkaufen, Wäsche waschen, Rumtüddeln (ich besitze nun einen Schuhschrank!) und Schnorcheln. Für Morgen sind die Aussichten ähnlich gut.

Eine ungemütliche Überfahrt

Nach der morgendlichen Schwimmeinheit rund um Boje Nr. 8 haben wir uns am Donnerstagmorgen mit einem ausgiebigen Frühstück auf den Segeltag vorbereitet. Da der Anmeldesteg durchgehend besetzt war, haben wir (verbotenerweise) am Platz der Polizei angelegt und ausgecheckt. Von dem Stegbesetzer erfahre ich, dass die Marina-Crew ihm irgendwie nicht glauben will, dass er die ARC (eine große Regatta über den Atlantik) mitsegelt. Zwar hat er die riesige ARC 2017 Flagge gesetzt, doch auch ich habe beim Anblick seines gammeligen Bootes Zweifel.
Zunächst geht es um die Nordspitze Gran Canarias, der Wassermacher füllt unsere Tanks und wir haben diesmal eine gute Sicht auf die Insel. Wir segeln gemütlich, haben Besuch von vielen Delfinen und ich mache einen Mittagschlaf. Man weiß ja nie.
Zwischen den Kanarischen Inseln gibt es sogenannte „Acceleration Zones“, Bereiche in denen der Wind stark beschleunigt wird, zu Deutsch starke Düseneffekte. Die hohen Berge bilden enorme Düsen, so dass man zwischen den Inseln mit deutlich (10-15 Knoten) mehr Wind rechnen muss. Wir haben die Acceleration Zones voll ausgekostet und sind in den zweifelhaften Genuss eines ungeplanten Schwerwettertrainings gekommen.
Als wir den Teide im Abendlicht sehen und wir Kurs auf Teneriffa nehmen nimmt der Wind zu und wir gönnen uns ein Reff. Wenig später wird es Zeit für das zweite Reff. Der Wind wird mehr, die Wellen brechen sich. Wir rollen unsere Fock bis auf einen Geschirrhandtuchgröße weg. Inzwischen haben wir satte 7 Bft mit 8er Böen und eine relativ Steile Welle, leider genau von achtern. Wir rauschen mit 8 Knoten durch die Wellen. Schließlich nehmen das Groß weg und rollen die Fock auf Badehandtuchgröße aus. Zum ersten Mal seit Wochen (oder Monaten?) trage ich meine Öljacke zur kurzen Hose, es wird richtig nass im Cockpit. Ursel, unsere Hydrovane-Windsteueranlage steuert souverän, doch es ist ungemütlich. Einige hohe Wellen brechen direkt hinter unserem Heck und schicken ein paar Liter Wasser ins Cockpit, eine Premiere für uns. Das Handtuch ist im Dauereinsatz. Wir entschließen uns, dass es jetzt reicht und ändern den Kurs um 20 Grad. Zwar ist es weiterhin ungemütlich, aber nicht mehr so nass.
Erst als wir schon weit in Teneriffas Süden sind lässt der Wind nach. Wir rollen das Vorsegel aus und segeln gemütlich dahin, der Schwell lässt uns rollen. Nobbi legt sich hin und ich höre Musik, beobachte den Nachtverkehr auf dem Flughafen und bekomme noch einmal Delfinbesuch. Als ich später in der Koje liege schläft der Wind völlig ein und Nobbi schmeißt den Motor an.
Kurz darauf ist der Wind zwischen Teneriffa und La Gomera wieder da, diesmal gibt es 7 Bft auf die Nase. Mit dem Groß im zweiten Reff können wir San Sebastian auf La Gomera anliegen. Unter Motor hätten wir keine Chance gegen die unangenehme Welle, aber so kommen wir gut voran. Uns wird keine Meile geschenkt, noch an der Hafenmole messen wir 30 Knoten Wind. Morgens um kurz nach neun machen wir in San Sebastian fest.
Unser Fazit: Auch wenn es ungemütlich war, unser Vertrauen in unser Schiff und die Windsteueranlage ist weiter gewachsen. Ursel, die Windsteueranlage hat nicht nur bei viel Wind, sondern auch bei sehr wenig Wind und bei Wind direkt von Achtern hervorragend gesteuert. Das nächste Mal darf es dann ruhig wieder etwas gemütlich werden.
Die Marina La Gomera gefällt uns auf Anhieb, hier geht es familiär zu. Ich erlebe den fröhlichsten Check-in der Reise. Schon öfter wurde mir erzählt, dass es eine spanische Sängerin gibt die Marisol heißt, vorher hat mir aber noch nie jemand ein Lied von ihr vorgesungen! Außerdem erfahre, dass La Gomera die schönste kanarische Insel ist, was natürlich auch an den netten Bewohnern liegt.
Der Rest des Tages vergeht mit einer Bootsentsalzungsaktion, Schlaf nachholen und einem Spaziergang durch den netten Ort. San Sebastian gefällt uns sehr, es ist hübsch und entspannt. Hier werden wir ein wenig bleiben.
Heute hat unser Radio eine neue Antenne am Windgeneratormast bekommen und unser Kurzwellen-Amateurfunkgerät musste eine Diode hergeben und kann dafür jetzt auch auf den Seefunkfrequenzen senden. Gerade lauschen wir einem Rock-Konzert, das lautstark am Strand neben der Marina stattfindet. Hoffentlich führt das gleich zu schönen Träumen.
Morgen wollen wir uns die nähere Umgebung ansehen und natürlich die verschiedenen Badeplätze ausgiebig testen.

Bootsausstellung und Einkaufsbummel

Die Marina Las Palmas ist riesig und recht voll. Hier gibt es fast alles zu sehen was schwimmt, kleine Angelboote und schicke Yachten, Serienschiffe und Selbstbauten, hässliche Kisten und Traumschiffe, Schiffe die morgen zum Südpol aufbrechen könnten und solche bei denen nicht sicher ist, ob sie hier jemals wieder weg kommen. Unser Favorit ist ein Boot, das vom offenen Boot zum Hochseefischer umgebaut wurde und dessen Innenraum fast komplett vom Motor ausgefüllt wird. Außerdem gibt es eine ganze Reihe trauriger Schiffe deren Reise hier endet, die von der Polizei festgesetzt wurden, wo lange alles abgebaut wurde, das etwas wert ist. Winschen und Instrumente fehlen, bei vielen sogar der Motor. Bei manchen wundert man sich, dass sie es hierher geschafften haben.
Hier in Las Palmas gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Ob Schuhe, Klamotten oder Bootskrempel, Läden gibt es hier genug. Eines Tages werden wir uns nach diesem Angebot sehnen, doch jetzt brauchen wir gar nichts. Gestern habe ich doch tatsächlich gesagt ich bräuchte keine neuen Schuhe. Unglaublich. Da wir morgen vermutlich weiter segeln wollen, waren wir dann heute doch noch mal bei den Bootsausrüstern, haben aber nur ein paar Schäkel, Ösen und Filter gekauft. Dabei haben wir festgestellt, dass es sich doch sehr lohnt ein paar Meter weiter zu laufen. Der Platzhirsch unter den Bootsausrüstern verkauft den Filter den wir suchten für 15 Euro, der Laden in der Mitte der Ladenzeile für 4 Euro. Bei den Schäkeln war die Preisgestaltung ähnlich. Beim Bummeln durch die Bootsläden stellt man auch fest wie viele große Yachten hier unterwegs sind. Da werden Stopfbuchsen für armdicke Wellen verkauft und riesige Blöcke für 1300 Euro (nein, keine Null zu viel!).
Nachmittags sind wir noch einmal durch die Altstadt gebummelt und haben auf dem Weg dorthin einen Blick auf die Bauhausarchitektur geworfen, zu der wir einen interessanten Flyer im Tourismusbüro gefunden hatten. Nun sind die Segel wieder ausgepackt, die Schoten angeschlagen, die Tanks gefüllt und die Eier segelfertig gestaut. Es kann morgen weiter gehen.

Kolumbus und ein Saxophon

Heute stand ein Besuch der Altstadt von Las Palmas samt einer Besichtigung des Kolumbushauses auf dem Programm. Bei schönstem Wetter bummeln wir entlang der Uferpromenade und „gucken Schiffe“, die 8-spurige Straße, die parallel verläuft, ist nicht wirklich romantisch, hält aber den Verkehr aus der Stadt. Die Einkaufsstraße ist hübsch und wartet mit all jenen Geschäften auf, die eben alle Einkaufsstraßen haben. Wir freuen uns über zwei neue „-erias“ in unserer Sammlung. Joyeria (Schmuck) oder Panaderia (Bäckerei) gibt es überall, aber die relojeria, das Uhrengeschäft, und die Hiperpapeleria, quasi der Papier-Supermarkt, sind neu. Uns gefallen die bunten Häuser und schließlich die eigentliche Altstadt mit Holzbalkonen und Fensterläden aus Holz. Nach ein paar Schleifen um die Kathedrale und die verschiedenen Museen besuchen wir das Kolumbushaus.
Das Haus, das das Museum beherbergt, ist fantastisch. Es hat mehrere Innenhöfe, hölzerne Galerien und natürlich Fensterläden. Ein kanarisches Wohlfühlhaus vom Feinsten. Tatsächlich besuchte Kolumbus 1492 Teile dieses Hauses. Das Portal des Gouverneurspalastes, den Kolumbus besuchte, wurde in dieses Gebäude integriert. Obwohl wir Kolumbus auf unserer Reise ja nun schon einige Male getroffen haben, haben wir noch etwas Neues gelernt. Zum Beispiel das Kolumbus bei seiner vierten Reise (ja, er ist fleißig über den Atlantik hin- und her gesegelt) den Weg genommen hat, den noch heute die meisten Segler wählen: von den Kanaren nach Süden bis zu den Kap Verden, dann nach Westen und zurück nach Europa ging es dann über die Azoren.
Nachdem es in den letzten Häfen doch eher ruhig zuging, ist es hier deutlich wuseliger. Gestern Abend wurde auf einem Boot am Nachbarsteg Saxophon geübt. Mit Absicht habe ich nicht geschrieben `gespielt´, das würde einen völlig falschen Eindruck erwecken. Nobbi dachte zunächst jemand würde seine Katze quälen. Doch die Töne kamen nicht von einer weinenden Katze sondern aus dem Saxophon. Schade, dass dort niemand an Bord war, der spielen konnte, das hätte ich gerne gehört. Heute wird auf dem gleichen Boot Musik gehört und laut mitgesungen, doch im Gegensatz zur gequälten Katze gefällt mir die Musik.
Nachdem ich beim ersten Duschen hier im Hafen Würmer (sieht aus wie Regenwürmer) in der Dusche getroffen habe, hatte ich überlegt, ob ich nur noch bade oder unter dem Wasserschlauch auf dem Steg dusche. Inzwischen habe ich jedoch eine absolut wurmfreie Dusche gefunden, für die ich nur etwas weiter laufen muss. Das wiederum wird dann gleich als Fitnessprogramm angerechnet.
Heute haben wir zweimal gebadet diesen Schnitt gilt es morgen zu halten, außerdem könnten wir darüber nachdenken wann es weiter geht.

TEA-Time und eine neue Insel

Es gab Zeiten da haben wir 10 Minuten zwischen Boot betreten und ablegen gebraucht. Diese Zeiten sind vorbei. Am Mittwoch haben wir die verschiedenen Wäscheleinen abgenommen und unter Deck alles segelbereit verstaut. Allein das Abnehmen der Wäscheleinen und Einsammeln der Wäscheklammern hat gedauert. Die Schuhsammlung im Cockpit musste verschwinden, genauso wie die gestapelten Weinkartons unter Deck. Ein Gang zum Supermarkt wurde durch einen Abstecher in die Kunsthalle verlängert. Das „TEA“ Tenerife Espacio de las Artes ist ein spannendes Gebäude, das neben Ausstellungsräumen ein Café und eine Bibliothek beherbergt. Das TEA wurde vom Architekturbüro Herzog und de Meuron entworfen, das auch das Auditorio von Hamburg (bekannt als Elbphilharmonie) gezeichnet hat. Schon mehrfach hatten wir uns das Gebäude angesehen und immer gesagt, dass wie bei Gelegenheit mal die Ausstellungen besuchen könnten. Nun haben wir die vielleicht letzte Gelegenheit genutzt. In der Sammlung „Malerei und Gedichte“ mit Werken aus dem 20. Jahrhundert habe ich einen Kaiserpinguin entdeckt und mich gefragt was eine Fischreuse zu Kunst werden lässt, konnte mich aber auch für einen mit Bleistift gemalten Wald und Skulpturen aus Holz begeistern. Einige Fotographien und eine Collage zum Reaktorunglück in Fukushima in der Ausstellung „Sätze, die ich niemals schreiben werde“ haben mir gut gefallen. Außerdem gibt es gerade eine Ausstellung über die Architekten Javier Díaz-Llanos und Vicente Saavedra, die eine Menge Betonträume für den Kanaren, insbesondere Teneriffa entworfen haben. Ob Einfamilienhaus, Gebäude der Uni in La Laguna, Hochhaus am Hafen von Santa Cruz oder Hotelanlage, die beiden haben sich mit Beton ausgetobt und viele der vorgestellten Gebäude aus Santa Cruz haben wir erkannt.
Donnerstagmorgen ging es endlich weiter. Eigentlich wollten wir im Norden Teneriffas Ankern, doch je näher wir der Ankerbucht kamen, umso stärker wurde der Wind. Natürlich kam der Wind aus Nord-Ost und nicht wie erhofft aus Nord. Nach einem Blick in die Ankerbucht entschlossen wir uns direkt nach Gran Canaria zu segeln. Dank des frischen Windes waren wir flott unterwegs. Die Sicht wurde immer schlechter, es war so diesig, dass wie Gran Canaria erst gesehen haben, als wir schon fast dort waren. Für Unterhaltung sorgte der Schiffsverkehr, neben einem riesigen Containerschiff, einem Autotransporter und einigen Frachtern, haben wir mehrere Fähren gesehen. Sehr gefreut haben wir uns über eine Gruppe Grindwale, eine große Schule Delfine und eine Schildkröte. Mit dem allerletzten Licht haben wir es in den Hafen von Las Palmas geschafft. Von Santa Cruz sind es 55 Meilen und durch unsere Ankerpläne haben wir einen Umweg gemacht und etwas Zeit verloren. Die Einfahrt nach Las Palmas war aufregend, sehr viel Schiffsverkehr. Wir haben den Funk mit gehört und waren vorgewarnt welcher Frachter in den Hafen fährt, dass eine Schnellfähre rauskommt und dass mehrere Schlepper angefordert wurden. Im Yachthafen (1250 Liegeplätze!) haben wir uns in die letzte Lücke am Rezeptionssteg gequetscht und erfahren, dass der Hafen voll sei, wir aber die Nacht dort bleiben könnten. Heute Morgen waren wir gleich nach der Öffnung des Büros dort, um nach einem Platz zu fragen. Das gestaltete sich kompliziert, doch nach gut zwei Stunden lagen wir an unserem neuen Platz und dürfen mindestens eine Woche bleiben. Im Büro mussten wir zunächst eine Nummer ziehen, obwohl außer uns keiner dort war. Dann wurde uns gesagt, dass es schwierig sei, sie aber sehen würden, ob sie einen Platz für uns finden. Dann wurden wir erst mal eingecheckt, für den Fall, dass sich ein Platz findet. Nach einigen Kopien unserer Bootspapiere und Pässe und vielen Unterschriften bekamen wir Zugangskarten für die Toiletten und sollten warten. Schließlich fand sich ein Platz, also mussten wir wieder ins Büro, wieder eine Nummer ziehen, etwas warten. Dann wurden die Karten, mit dem Zugangs-Code für die Toiletten auch für den Steg an dem wir liegen würden programmiert und wir konnten bezahlen (es ist hier unschlagbar günstig, wir bezahlen 7,70 Euro pro Nacht). Nun hieß es Warten auf die Marineros, die uns per Zodiak zu dem Platz geleiten sollten. Und schon lagen wir am zugewiesenen Liegeplatz, an Moorings vertäut und gut versteckt zwischen lauter 50 Fuss Yachten.
Da es heute sehr warm war, haben wir es ruhig angehen lassen und unser Schiff vom Salz befreit, die schattenspendenden Persennige wieder aufgespannt und ausgiebig gebadet.