La Palma möchte erkundet werden, wir schnappen uns einen Mietwagen und machen zwei Tage Inselrundfahrt. Zunächst geht es in den Norden.
Tazacorte liegt auf der Westseite der Insel etwa in der Mitte, gegenüber von der Hauptstadt Santa Cruz, die an der Ostseite der Insel liegt. Wir folgend er Westküste nach Norden, halten gelegentlich an einem Mirador und landen schließlich im Nordwesten in einem Weingebiet. Dort entschließen wir uns die Küste zu verlassen und durch den Nationalpark quer über die Insel zu fahren. La Palma sieht wieder ganz anders aus, als die anderen Inseln, die wir besucht haben. La Palma gehört mit einem Alter von ca. 2 Millionen Jahren zu den Teenies unter den Kanarischen Inseln, nur El Hierro ist noch etwas jünger. Während auf La Gomera, der mit 11 Millionen Jahren nächstälteren Insel, der letzte Vulkanausbruch 2 Millionen Jahre her ist, ist in La Palmas Süden 1971 das letzte Mal ein Vulkan ausgebrochen. Auf Gomera ist die Erosion weit fortgeschritten, die Insel ist zerklüftet und die Täler schneiden tief ein, La Palma sieht ganz anders aus, viel glatter.
Die Nordhälfte La Palmas wird von der Caldera de Taburiente dominiert. Der riesige Krater entstand irgendwann vor 2-500.000 Jahren, als die Westflanke eines großen Vulkans ins Meer abrutschte. Die Straße, die durch den Nationalpark führt, verläuft entlang des Nordost Randes des Kraters. Wir kommen am Observatorium vorbei und besuchen La Palmas höchsten Gipfel den Roque de los Muchachos (2426 m), der Teil des Kraterrandes ist. Der Blick in die bewaldete Caldera ist grandios. Von vielen Punkten können wir die riesige Hafenmauer sehen, denn der Hafen Tazacorte liegt dort, wo die Flanke des Vulkans ins Meer gerutscht ist. Wir halten immer wieder an, klettern ein bisschen auf den Felsen herum und treffen neugierige Raben. Schließlich setzten wir unsere Tour fort und fahren in vielen Serpentinen durch den Wald nach Santa Cruz.
Santa Cruz gefällt uns gut, viele schöne bunte Häuser mit malerischen Balkons und eine lebendige Fußgängerzone wirken einladend, doch ein Besuch der Marina zeigt uns, dass wir mit Tazacorte die richtige Wahl getroffen haben. In der Marina liegen nur eine Handvoll Gastlieger und die Läden um das Hafenbecken sind leider alle geschlossen. Der Wind pfeift durch den Hafen, die Gischt wird über die meterhohe Mole getragen und die Schiffe zerren im Schwell an ihren Leinen. Nachdem wir In Santa Cruz lecker gegessen haben, machen wir uns in der Abendsonne auf den Weg zurück nach Tazacorte.
Alles Banane!
Bananen soweit das Auge reicht. Tazacorte liegt in mitten von Bananenplantagen. Also steht heute der Besuch des Bananenmuseums auf dem Programm. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in den Ort Tazacorte, der oberhalb des Hafens liegt. Der Fußmarsch gestaltet sich weniger anstrengend als befürchtet, nach 20 min waren wir im Ort. Das Bananenmuseum ist in einem hübschen Haus untergebraucht, aus den Ausstellungsräumen bietet sich ein schöner Ausblick über die Bananenplantagen. Wir lernen viel über Bananenpflanzen, Anbau, Schädlinge, Ernte, Transport und Weltmarkt, aber auch über die Geschichte der Insel und des Bananenanbaus auf La Palma. Nicht nur eine Vielzahl von Schädlingen macht den Bananenstauden das Leben auf La Palma schwer, sie mögen auch den Wind nicht. Deshalb sind die Bananenplantagen von hohen Mauern oder, weniger hübsch, von hohen Planen umgeben. Hier wird hauptsächlich „Small Dwarf“ angebaut, deren Stauden nur etwa 2,5 m hoch werden. Praktisch, dann müssen die Mauern nicht so hoch sein. Nobbi hat sich besonders darüber gefreut, dass der tägliche Genuss einer Banane sein Herzinfarktrisiko angeblich um 40 % senkt. Wie gut, dass es bei uns fast täglich Bananenmilch gibt. Den Weg zum Supermarkt, wo wir natürlich auch Bananen gekauft haben, haben wir mit Diskussionen um Herzinfarktrisiken verbracht. Was passiert wenn man 3 Bananen täglich isst? Und, was ist eigentlich das Gegenteil eines Herzinfarktes? Natürlich haben wir uns auch noch Bananenpflanzen aus der Nähe angeschaut, dass lässt sich hier nicht vermeiden. Zurück auf dem Boot habe ich, zur Abrundung des Bananentags, einen Bananenkuchen gebacken.
Morgenfrüh beginnt der neue Tag mit einem Glas Bananenmilch zum Frühstück, danach wollen wir uns etwas auf der Insel umsehen.
Eine tierisch gute Überfahrt
Wir haben La Gomera und die Marina in San Sebastián liebgewonnen, doch jetzt ist es Zeit weiter zu ziehen. Am Samstag machen wir uns bei wenig Wind auf den Weg an die Westseite von La Gomera.
Südlich von La Gomera sehen wir eine große Schildkröte, die etwas hinter sich herzieht. Wir befürchten, dass sie sich in irgendetwas verheddert hat, machen den Bootshaken klar und nähern uns vorsichtig um zu sehen, ob sie unsere Hilfe braucht. Sie ist ebenso neugierig wie wir, schaut uns an und paddelt auf uns zu. Sie braucht keine Hilfe, sie hat einen riesigen, halben, toten Fisch im Schlepp.
Unser Anker fällt vor Valle Gran Rey auf fast 12 m Tiefe zwischen zwei französischen Yachten. Hinter dem Heck recken sich die riesigen Felsen in den Himmel, ein bisschen unheimlich. Wir baden ausgiebig, genießen das klare Wasser und schnorcheln zu unserem Anker. Direkt unter unserem Boot schauen Röhrenaale neugierig aus ihren Löchern im Sand solange man ihnen nicht zu nahe kommt. Die Nacht ist sehr ruhig, Mari schaukelt uns in den Schlaf. Wenn man liegt oder sitzt merkt man den Schwell kaum, doch wenn man im Boot hin und her läuft oder versucht aus einer Flasche einzuschenken, merkt man wie sehr das Boot in der Dünung rollt.
Gestern ging es weiter nach La Palma. Kurz überlege ich, ob ich mit meinem Reiseleiter um einen weiteren Ankertag feilschen soll, doch die Wettervorhersage ist super und wir sind neugierig auf La Palma. In San Sebastián haben wir die Vairea wieder getroffen, Martina und Daniel haben uns nicht nur von La Palma vorgeschwärmt, sondern uns auch ihren Reiseführer geliehen.
Wir kommen in den Genuss des Kanarenbilderbuchsegelns. Geht doch. So hatte ich mir das vorgestellt. An der Küste von Gomera haben wir überhaupt kein Wind, nach wenigen Meilen setzt er mit 5-6 Beaufort ein und bleibt konstant bis nach La Palma. Eine Gruppe Delfine, die als Große Tümmler bestimmt werden, kreuzt unseren Weg und wir sichten unsere ersten Fliegenden Fische.
Kaum kommen wir südwestlich von La Palma in die Abdeckung der Insel nimmt der Wind innerhalb weniger Meter von 6 Bft auf 0 bis 1 Bft ab. Hier ist das Wasser ganz ruhig und optimal zu Schildkröten sichten. Gleich fünf große Schildkröten sehen wir, die sich an der Wasseroberfläche sonnen. (Liebe Aloma, wir zählen jetzt Schildkröten ;-))
Wir laufen die Marina an der Westküste La Palmas an, die uns von verschiedenen Seglern wärmstens empfohlen wurde. Die Marina liegt geschützt hinter gigantischen Molen, die sicher nicht für Segler gebaut wurden, sondern in der Hoffnung, Kreuzfahrer anzulocken. Im Hafen erleben wir eine Überraschung, der Marinero winkt uns an einen Liegeplatz neben eine Bavaria unter französischer Flagge. Diesen auffälligen Heckträger kennen wir doch! Wir liegen neben Christine und Michel mit der Try, die wir bereits auf den Azoren wähnten, was für ein netter Zufall!
Die Marina Tazacorte macht einen freundlichen Eindruck, im Moment ist es windstill, ruhig und heiß. Wir freuen uns nun darauf die Insel zu erkunden und die letzten Vorbereitungen für unsere bisher längste Etappe zu den Kap Verden anzugehen.
Kleines „Schöner Wohnen“ – Spezial
Bereits mehrfach wurden Bilder unserer verschiedenen „Schöner Wohnen“- Projekte angefordert. Hier sind sie! Die Aufzählung ist nicht chronologisch und vermutlich auch nicht vollständig.
Sie wurden als Tischdecke geboren, doch eine Tischdecke brauchen wir wirklich nicht! Die Tischdecke haben wir im Winter in Vila Real de Santo Antonio gekauft, die Kissen sind an der spanischen Atlantikküste entstanden.
Einen „Garten“ brauchen wir auch nicht, doch Nobbi hat sich diesen hängenden Garten angelegt. Mit der Ausführung ist er noch nicht ganz zufrieden, Umbauten sind geplant. (Der Leuchtturm ist hier noch im Bau, siehe unten).
Weil uns die Sardinentischdecken so gut gefielen, wir aber immer noch keine Tischdecke brauchen, entstand dieser Wäschesack.
Die Polster im Salon leiden gewaltig, zunächst haben wir große Badehandtücher draufgelegt. Eine Lösung die sich nicht bewährt hat, die Handtücher fusselten fröhlich vor sich hin, was uns wiederum weniger fröhlich stimmte. In Santa Cruz haben wir eine riesige Überdecke erstanden und in zwei Teile geteilt. Wesentlich besser. (Die tollen Ankerkissen hat meine Schwester uns genäht).
Dies ist das männerfreundliche Moskitonetz für den Niedergang. Nun kann das Netz einfach mit dem Reißverschluss geöffnet werden und die Vertüddelungsgefahr ist wesentlich geringer.
Noch ein Moskitonetz-Projekt. Dieses sehr simple, aber unkomplizierte und praktische Moskitonetz haben wir uns bei der SUBEKI abgeschaut und sind sehr zufrieden.
Kleine Aktion – riesige Wirkung. Unsere Tilley-Hüte haben nun eigene Haken im Vorschiff und werden nicht mehr platt gedrückt.
Das Hölzchen, das unser Vorluk aufhält, sah so langweilig aus. Da habe ich es als Leuchtturm angemalt.
Kaum war der erste Leuchtturm fertig, wurde ein weiterer angefordert. Die Luke im Salon hat diesen „Kummel“ bekommen. (Kummel sind die kleinen Seezeichen, die einem in den schwedischen Schären den Weg weisen und meistens viel schlichter als dieses blau-weiße Exemplar).
Diese Persenning beschattet das Vorluk und sorgt dafür, dass es auch bei einem kleinen Schauern nicht rein regnet.
Auf die Kanaren und dann nach Westen – Routenplanung
Langsam wird es Zeit sich Gedanken darum zu machen wo wir eigentlich hin wollen. Dabei hilft es zu wissen wo wir sind. Also gehen wir auf die Hafenmole, um mit dem Sextant die Sonne zu „schießen“, von unserem Liegeplatz sehen wir den Horizont nicht. Natürlich kommen ein paar Wolken vorbei und machen es etwas spannender. Wie ging das nochmal mit dem Sextanten? Zum Glück habe ich einen Profi dabei.
Wir sind auf La Gomera. Das trifft sich gut. Eigentlich wussten wir das schon, schließlich steht es auch auf der Brötchentüte. Wir lesen Revierführer, studieren Seekarten, befragen Seglerseiten im Netz, schauen uns Klimatabellen an und immer neue Pläne entstehen. Unser Planet ist riesig und es gibt so viel zu entdecken. Am Wochenende wollen wir nach La Palma gehen. La Palma wird unsere letzte Kanareninsel, von dort werden wir zu den Kap Verden segeln. Zu den Kap Verden werden wir etwa eine Woche brauchen. Wir freuen uns sehr auf diese spannende Inselgruppe.
Die letzten Tage sind schnell vergangen. Mit Fabian waren wir noch einmal auf Gomeras höchstem Berg dem Garajonay und sind auf kleinen Straßen durch den Nationalpark gefahren. Am Montag ging es für ihn zurück nach Hause. Da wir ein Mietauto hatten, haben die Gelegenheit genutzt und eine tolle Wanderung von dem kleinen Ort Imada gemacht. Während die grandiose Landschaft uns begeistert hat, hat die heiße Sonne uns an unsere Grenzen gebracht. Auf dem Rückweg sind wir durch Zufall in einem tollen Restaurant am Hafen gelandet und haben uns dort bei Rinderfilet erholt.
Ansonsten arbeiten wir uns langsam auf unserer ToDo-Liste voran. Die letzten leeren Gläser wurden mit Pflaumenkompott gefüllt, Nobbi ist in unserm Mast herum geklettert und hat alles kontrolliert und eines Tages finden wir auch noch einen Behälter für unser Mehl. Letzte Woche dachten wir, wir hätten endlich die optimalen Boxen gefunden, doch bereits Minuten nach dem Befüllen stellten wir fest, dass diese Dosen nicht dauerhaft bei uns bleiben dürfen. Die hübschen Deckel machen sich schon ohne Seegang selbstständig und auch ein helfendes Tape brachte kein zufriedenstellendes Ergebnis. Das Mehl ist wieder in einen 5l Wassercontainer umgezogen und die Boxen wurden ausgesetzt. Nach zweimaligen Mehlumfüllen inklusive der Mehlwölkchen die sich in der Pantry verteilt haben, sind wir nun so weit wie vorher.
Die neue Badestelle direkt neben dem Hafen wurde eröffnet und natürlich gleich von uns getestet und für gut befunden. Nicht ganz so schön wie unser Lieblingsschnorchelplatz, aber noch näher und auch fischreich.
Morgenfrüh geht’s noch einmal zur Ferreteria (bei uns heiß das früher ja auch Eisenwarenhandlung) und dann wären wir bereit für La Palma. Mal sehen was der Wind sagt.
Kreuz und quer über La Gomera
Besuchszeit ist Ausflugszeit. Nobbis Sohn Fabian besucht uns und gemeinsam machen wir die Insel unsicher. Nach einem entspannten Tag in San Sebastian mit einem Spaziergang zum Leuchtturm und Schnorcheln, haben wir für drei Tage ein Auto gemietet und waren in (fast) jedem Winkel der zerklüfteten Insel.
Am Dienstag sehen wir gleich 5 (!) Rochen im Hafenbecken von Playa Santiago, stellen fest, dass der Weg zum Flughafen wesentlich länger ist als gedacht und machen eine anstrengende Wanderung im Lorbeerwald. Anschließend essen wir bei Maria, in einer lila Bar mit einer eigenwilligen Dekoration aus Feuerzeugen und Schlüsselanhängern und mit Bildern von Flugzeugträgern und Heiligen.
Am Mittwoch geht es wieder in das Herz des Nationalparks mitten in den Wald. Schon die Fahrt ist spannend. Wir wandern wieder im Wald und steigen bis zu einem Platz ab, von dem wir auf La Gomeras längsten Wasserfall gucken können. Der Wasserfall fäll 200m tief, doch in dieser Jahreszeit eher dünn. Der Ausblick über das tiefeingeschnittene grüne Tal ist wunderschön. Wir essen in einer kleinen Bar, ebenfalls mit gigantischem Ausblick und wandern zurück zum Auto. Anschließend geht es in den Südwesten der Insel. Von einem Mirador können wir La Palma im Westen und El Hierro im Süden sehen. Das Tal von Valle Gran Rey kennen wir schon, doch ein Aussichtspunkt ist schöner als der nächste.
Gestern ging es in den Norden der Insel. Wir hatten gehofft, dass es dort etwas kühler als im Süden wäre, doch um Tag oberhalb von Vallehermoso war es genauso heiß wie im Süden. Wir hatten uns eine kleine Rundwanderung ausgesucht, deren Einstieg wir zunächst nicht fanden. Schließlich folgen wir einem Hinweisschild. Den ausgeschilderten Stausee erreichten wir nie, wir verliefen uns aber so geschickt, dass wir schließlich am Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder aus dem Unterholz auf den Weg kamen. Unser Rundweg führte uns zwischen Brombeerhecken und Terrassen, vorbei an verfallenen Häusern entlang durch das schöne Tal. Nachmittags fuhren wir zum Schnorcheln in den äußersten Westen der Insel. Der Strand von Alojera liegt an der Mündung einer steilen Schlucht, das Baden dort war sehr schön, das Schnorcheln nicht spektakulär, aber das Tal selbst sehenswert.
Für mich steht fest: eines Tages komme ich im Frühjahr zum Wandern wieder. Im Moment ist es ziemlich heiß, eigentlich kein Wanderwetter. Hinzukommt ein heißer Wind, der ab und zu durch die Schluchten fegt. Vorgestern Abend hatten wir abends um zehn 31 Grad und einen trocknen Wind, der die Handtücher innerhalb kürzester Zeit getrocknet hat und uns das Gefühl gab gegrillt zu werden.
Heute gönnen wir uns einen entspannten Tag mit ausgiebigem Schnorcheln. Heute Abend spielt ein Orchester im Park Filmmusik und morgen findet das Fest „Sun Set Bastian“ statt. Für Unterhaltung ist gesorgt.
Gomeras Twitter und ein Badeausflug
Auf La Gomera gibt es eine Form der Kurznachrichteüberbringung, die deutlich älter ist als das Internet. „El Silbio“ ist eine Pfeifsprache, die ursprünglich auf die Guanchen zurückgeht, heute aber auf dem Spanischen basiert. Inzwischen ist „Silbio Gomero“ Pflichtfach in der Schule, so dass junge Leute die Sprache beherrschen, die ursprünglich verwendet wurde, um sich über die tiefen Schluchten hinweg Nachrichten zu übermitteln. Uns gefällt das melodische Pfeifen, das man häufig abends am Hafen von San Sebastian hört.
Gestern haben wir uns einen kleinen Badeausflug gegönnt und sind eine Stunde an La Gomeras Küste gen Süden gefahren um dort zu Ankern. Unterwegs haben wir den Wassermacher angeschmissen und alle Kanister wieder gefüllt, so dass wir nun wieder Wasser aus eigener Quelle trinken.
Am Ankerplatz fanden wir feinen Sand als perfekten Ankergrund vor. Der einzige Nachteil am Sandboden ist, dass Fische den nicht besonders schätzen und so gab es, abgesehen von unserem Anker, nicht viel zu sehen. Wir hatten Glück und wurden von einem kleinen Rochen umkreist. Nach dem Mittagessen und ausgiebigem Baden haben wir uns auf dem Rückweg gemacht.
Fischige Tage auf La Gomera
Hier in der Marina wohnen viele verschiedene Fische. Die allgegenwärtigen Hafenfische, die unermüdlich die Oberfläche reinigen und sich gierig auf Brotstücken stürzen, treffen wir seit der Bretagne in jedem Hafen. Hier gibt es aber noch viel mehr zusehen zum Beispiel Baracudas, Trompeten-, Koffer- und Papageifische. Mich hat doch tatsächlich ein Papageifisch in den Fuß gezwickt, als ich auf dem Steg saß und die Füße zur Kühlung im Wasser hatte! Die Fische hier interessieren sich aber nicht nur für meine Füße und Brot, auch Tomatenstückchen stehen hoch im Kurs. Wenn wir unser Cockpit ausspülen und die ganzen Krümel wegwaschen findet unter unserem Boot eine Party statt. Natürlich wollten wir die Fische aus der Nähe angucken. Am Strand um die Ecke gibt es eine Mole an der man wunderbar schnorcheln kann, wir haben viele bunte Fische gesehen und die Sichtweiten freuen selbst verwöhnte Taucher. Kein Wunder, dass für heute Nachmittag wieder schnorcheln auf dem Bordprogramm steht. Gestern gab‘s auch noch Fisch auf dem Teller, wir haben einen ganz frischen Bonito geschenkt bekommen, der in Sesam gewälzt in der Pfanne landete und den Fischtag abrundete.
Die Seglergerüchteküche brodelt, wir haben gehört, dass es schwierig sei Dinge auf die Kanaren zu schicken. Oft stimmen diese Gerüchte zum Glück nicht, oder nur eingeschränkt. Wir hatten Glück, Nobbis Brief erreichte uns in Rekordzeit und er konnte ihn gerade aus dem Marinabüro abholen. Ein netter (ehemaliger) Kollege hat ihm sein neues Firmen-Tamagotchi hierher geschickt, so kommt er auch weiterhin auf dem Firmenserver. Danke Gerhard!
In den letzten Tagen haben wir wieder etwas am Boot rumgetüddelt. Die Pantry hat zum Teil neuen Lack bekommen. Schrank anschleifen, lackieren und das Weite suchen solange es trocknet. Die Türen haben wir ausgebaut, auf dem Steg geschliffen und im Cockpit lackiert. Generell sind Arbeiten auf dem Steg und an Deck sehr kommunikativ, weil jeder der vorbei kommt sich erkundigt was man macht, einen bedauert oder anbietet beim eigenen Schiff gleich weiter zu machen, einem gute Tipps gibt oder sich einfach nur unterhalten möchte.
Das männerkompatible Moskitonetz für den Niedergang ist fertig, nun brauchen wir nur noch einen Reißverschluss schließen, wenn Mücken auftauchen. Gerade hatte Nobbi gelernt das alte Netz zu bedienen und konnte das Schiff verlassen ohne sich einzuwickeln.
Ihr merkt schon, es geht uns gut hier auf La Gomera. Es ist entspannt und schön hier, wir genießen das Hafenleben, freuen uns auf weitere Ausflüge über die Insel und baden. Befreundete Boote wieder zu treffen ist immer schön. Die Balu liegt uns am Steg genau gegenüber, sozusagen Schnauze an Schnauze und die Try ist vorgestern hier eingetroffen. Wir bleiben noch ein paar Tage hier, weil es uns so gut gefällt und wir nächste Woche Besuch bekommen.
Ein Geburtstag, ein ungebetener Gast und Wanderprogramm
Am Montag hatte unsere Reise Geburtstag, vor einem Jahr sind wir in Lesum losgefahren. Dieser Tag musste gefeiert werden. Nachmittags gab es selbstgebackenen Kuchen, abends haben wir Sekt getrunken und überlegt wo es bisher am schönsten war. Zu einem Ergebnis sind wir nicht gekommen, zu viele interessante Orte, schöne Städte und spannende Erlebnisse liegen in unserem Kielwasser.
San Sebastián de La Gomera, die Inselhauptstadt, gefällt uns, doch es wurde Zeit die Insel zu erkunden. Wir haben für zwei Tage ein Auto gemietet und waren am Mittwoch zunächst im Norden der Insel. Unser Wanderführer schlug eine Wanderung von Agulo „durch die rote Wand“ vor. Als wir den Ausgangspunkt der Wanderung erreichten konnten wir nicht so ganz glauben, dass wir es zu dem Aussichtspunkt schaffen, den man von unten sieht. Der erste Teil des Weges hatte es in sich, wir kletterten steile Stufen hoch. Bald waren wir klatschnass geschwitzt und dankbar für jede Wolke, die sich vor die Sonne schob. Nach der Hälfte des Aufstiegs war klar, dass Umkehren nicht in Frage kommt, schon weil wir auf keinen Fall diesen Weg bergab klettern wollten. Als wir den Mammutanstieg zu Beginn der Wanderung bewältigt hatten, wurde der Weg angenehmer, es ging nur noch leicht bergan und an verschiedenen Aussichtspunkten konnten wir den Ausblick über die Küste und den kleinen Ort Agulo genießen. Nach der Hälfte der Wanderung erreichten wir ein Besucherzentrum mit einem kleinen botanischen Garten, wo wir einiges über La Gomera lernten. Das Restaurant hatte geschlossen, also stärkten wir uns mit Lavakeksen (Bordsprachte für Oreos) und machten uns auf den Rückweg. Das Bergablaufen zwickte in den Knien, dafür konnten die nassen T-Shirts nun wieder trocken. Inzwischen wurden wir von einer Wolke eingehüllt und waren froh, dass wir die Aussicht auf dem Hinweg bestaunt hatten. Nach 700 Höhenmetern im Auf- wie im Abstieg kamen wir wieder in Agulo an.
Mittwochabend wurde unser gemütliches Bordleben aufgemischt. Kurz vor Mitternacht, ich lag im Bett und habe gelesen, da sehe ich im Augenwinkel einen Schatten an der Decke entlanglaufen. Einen ziemlich großen Schatten. Ich hoffe, dass ich mich geirrt habe und gucke genau hin. Leider nicht. Eine Kakerlake. Unsere erste an Bord. Zum Glück sind wir vorbereitet. Ich schreie nach Nobbi, er bewacht das Vieh und ich krame das Kakerlaken-Killer-Spray raus. Für Kakerlaken an Bord gibt es keine Gnade. Wir hoffen, dass sie (oder noch lieber „er“, denn „er“ legt keine Eier) alleine unterwegs war. Trotzdem haben wir Fallen aufgestellt und die Ecken vergiftet.
Für Gestern fiel die Wahl auf zwei kleinere Wanderungen, schließlich wollten wir noch etwas von der Insel sehen. Zunächst ging es auf den Garajonay, mit 1487 m der höchste Berg La Gomeras. Die kleine Tour war eher gemütlich, was sehr gut zum heißen Wetter passte. Auffallend viele Vögel waren unterwegs. Später machten wir eine kleine Wanderung durch den Lorbeerwald. Der märchenhafte Wald hat uns sehr gefallen und der Schatten kam sehr gelegen. Anschließend ging es nach Chipude, wir hatten Glück und fanden im einzigen geöffneten Restaurant einen freien Tisch. Am Nachbartisch trafen sich Männer aus dem Dorf, einer nach dem anderen packte die Gitarre aus und es wurde musiziert und gesungen. Der Kellner entschuldigte sich für die „Música catastrófica“, doch wir fanden es sehr schön und das leckere Essen wurde zur Nebensache. Späten Nachmittag fuhren wir nach Valle Gran Rey, ein Ort der an der Küste in einem sich tief einschneidenden Tal liegt. Das Tal ist fantastisch und wir stiegen immer wieder aus, um noch einen Aussichtspunkt zu besuchen. Entlang der Berge wehte ein unglaublich heißer Wind. In Valle Gran Rey war es auch abends noch so heiß, dass wir nur einen kurzen Spaziergang am Hafen machten und uns über den Rochen im Hafenbecken freuten. Dann flohen wir ins klimatisierte Auto. Auf dem Rückweg tauchten wir im Norden der Insel in die Wolken ein, die Temperatur sank auf angenehme 23 Grad und wir kühlten uns ab. Hier im Hafen war es dann wieder deutlich wärmer, kühlte aber nachts auf angenehme Schlaftemperaturen ab.
Heute verging der Tag mit Einkaufen, Wäsche waschen, Rumtüddeln (ich besitze nun einen Schuhschrank!) und Schnorcheln. Für Morgen sind die Aussichten ähnlich gut.
Eine ungemütliche Überfahrt
Nach der morgendlichen Schwimmeinheit rund um Boje Nr. 8 haben wir uns am Donnerstagmorgen mit einem ausgiebigen Frühstück auf den Segeltag vorbereitet. Da der Anmeldesteg durchgehend besetzt war, haben wir (verbotenerweise) am Platz der Polizei angelegt und ausgecheckt. Von dem Stegbesetzer erfahre ich, dass die Marina-Crew ihm irgendwie nicht glauben will, dass er die ARC (eine große Regatta über den Atlantik) mitsegelt. Zwar hat er die riesige ARC 2017 Flagge gesetzt, doch auch ich habe beim Anblick seines gammeligen Bootes Zweifel.
Zunächst geht es um die Nordspitze Gran Canarias, der Wassermacher füllt unsere Tanks und wir haben diesmal eine gute Sicht auf die Insel. Wir segeln gemütlich, haben Besuch von vielen Delfinen und ich mache einen Mittagschlaf. Man weiß ja nie.
Zwischen den Kanarischen Inseln gibt es sogenannte „Acceleration Zones“, Bereiche in denen der Wind stark beschleunigt wird, zu Deutsch starke Düseneffekte. Die hohen Berge bilden enorme Düsen, so dass man zwischen den Inseln mit deutlich (10-15 Knoten) mehr Wind rechnen muss. Wir haben die Acceleration Zones voll ausgekostet und sind in den zweifelhaften Genuss eines ungeplanten Schwerwettertrainings gekommen.
Als wir den Teide im Abendlicht sehen und wir Kurs auf Teneriffa nehmen nimmt der Wind zu und wir gönnen uns ein Reff. Wenig später wird es Zeit für das zweite Reff. Der Wind wird mehr, die Wellen brechen sich. Wir rollen unsere Fock bis auf einen Geschirrhandtuchgröße weg. Inzwischen haben wir satte 7 Bft mit 8er Böen und eine relativ Steile Welle, leider genau von achtern. Wir rauschen mit 8 Knoten durch die Wellen. Schließlich nehmen das Groß weg und rollen die Fock auf Badehandtuchgröße aus. Zum ersten Mal seit Wochen (oder Monaten?) trage ich meine Öljacke zur kurzen Hose, es wird richtig nass im Cockpit. Ursel, unsere Hydrovane-Windsteueranlage steuert souverän, doch es ist ungemütlich. Einige hohe Wellen brechen direkt hinter unserem Heck und schicken ein paar Liter Wasser ins Cockpit, eine Premiere für uns. Das Handtuch ist im Dauereinsatz. Wir entschließen uns, dass es jetzt reicht und ändern den Kurs um 20 Grad. Zwar ist es weiterhin ungemütlich, aber nicht mehr so nass.
Erst als wir schon weit in Teneriffas Süden sind lässt der Wind nach. Wir rollen das Vorsegel aus und segeln gemütlich dahin, der Schwell lässt uns rollen. Nobbi legt sich hin und ich höre Musik, beobachte den Nachtverkehr auf dem Flughafen und bekomme noch einmal Delfinbesuch. Als ich später in der Koje liege schläft der Wind völlig ein und Nobbi schmeißt den Motor an.
Kurz darauf ist der Wind zwischen Teneriffa und La Gomera wieder da, diesmal gibt es 7 Bft auf die Nase. Mit dem Groß im zweiten Reff können wir San Sebastian auf La Gomera anliegen. Unter Motor hätten wir keine Chance gegen die unangenehme Welle, aber so kommen wir gut voran. Uns wird keine Meile geschenkt, noch an der Hafenmole messen wir 30 Knoten Wind. Morgens um kurz nach neun machen wir in San Sebastian fest.
Unser Fazit: Auch wenn es ungemütlich war, unser Vertrauen in unser Schiff und die Windsteueranlage ist weiter gewachsen. Ursel, die Windsteueranlage hat nicht nur bei viel Wind, sondern auch bei sehr wenig Wind und bei Wind direkt von Achtern hervorragend gesteuert. Das nächste Mal darf es dann ruhig wieder etwas gemütlich werden.
Die Marina La Gomera gefällt uns auf Anhieb, hier geht es familiär zu. Ich erlebe den fröhlichsten Check-in der Reise. Schon öfter wurde mir erzählt, dass es eine spanische Sängerin gibt die Marisol heißt, vorher hat mir aber noch nie jemand ein Lied von ihr vorgesungen! Außerdem erfahre, dass La Gomera die schönste kanarische Insel ist, was natürlich auch an den netten Bewohnern liegt.
Der Rest des Tages vergeht mit einer Bootsentsalzungsaktion, Schlaf nachholen und einem Spaziergang durch den netten Ort. San Sebastian gefällt uns sehr, es ist hübsch und entspannt. Hier werden wir ein wenig bleiben.
Heute hat unser Radio eine neue Antenne am Windgeneratormast bekommen und unser Kurzwellen-Amateurfunkgerät musste eine Diode hergeben und kann dafür jetzt auch auf den Seefunkfrequenzen senden. Gerade lauschen wir einem Rock-Konzert, das lautstark am Strand neben der Marina stattfindet. Hoffentlich führt das gleich zu schönen Träumen.
Morgen wollen wir uns die nähere Umgebung ansehen und natürlich die verschiedenen Badeplätze ausgiebig testen.








