Bordalltag in Saint-Laurent du Maroni

Saint-Laurent gefällt uns. Die Stimmung im Ort ist fröhlich und es gibt einige ganz nette Gebäude. Der Fluss ist erfreulich sauber, wir tunken uns mehrmals täglich ein und waschen auch die Handwäsche mit Flusswasser.
Das heutige Highlight war das Einkaufen mit Einkaufswagen. Samuel, der eigentlich gar nicht mehr für die Marina arbeitet, hat heute den Einkauf erledigt und uns mit dem Auto mitgenommen. Wir haben ihn ausgequetscht und er hat all unsere Fragen nett und ausführlich beantwortet. Die Marina bietet diesen Einkaufsservice an und wir haben beschlossen uns eine Autofahrt zu gönnen, so konnten wir Wasser, Wein, Bier, Milch und Saft kaufen ohne darüber nachzudenken, ob wir die Sachen auch zum Boot getragen bekommen. Mein Französisch hat sich nicht besonders verbessert in unserer Zeit hier, doch die wirklich wichtigen Dinge schnappt man auf. Dank Haribo weiß ich jetzt was Schlümpfe heißt – Schtroumpfs! Hier gibt es fast alles zu kaufen von dem Kühlschrank und Magen träumen. Nur kein Lakritz. In Sachen Lakritz setze ich auf Suriname. Ich hoffe, dass die holländische Vergangenheit zu Lakritz-Liebe geführt hat. Wir sind ziemlich unterlakritzt (Fachwort für einen Zustand zu geringer Lakritz-Zufuhr). Natürlich haben ich eine Lakritz-Notration an Bord, die ist aber gut versteckt (Nobbi hofft darauf, dass ich hier jetzt schreibe wo… nix da!) Übrigens, ein Verkaufsschlager sind eingelegte Schweineschwänze, die gibt es in riesigen Gebinden. Uns sprechen sie nicht so an.
Ansonsten schwitzen wir bei 35 Grad und tüddeln uns durch den Bootsalltag. Wir haben einiges erledigt, allerdings hauptsächlich Dinge, die gar nicht auf der Liste standen. Die Tür zum Elektro- und Handtuchschrank geht jetzt anders herum auf. Warum haben wir das nicht viel eher gemacht? Die ganze Aktion hat eine halbe Stunde gedauert und es macht das Leben so viel einfacher.
Nobbi hat unsere Getriebe-Schaltung auseinander gebaut, geschmiert und wieder zusammen gebaut, das war gar nicht so einfach und auch nicht mal eben erledigt, doch nun können wir die Maschine wieder in den Leerlauf schalten. Ich habe in der Zeit Senfgurken eingekocht, das war eine super Idee bei 35 Grad…
Gestern waren wir mit unserer Sackkarre (ein kleines Klappding, quasi Hackenporsche für Männer) bei der Autowerkstatt und haben uns eine neue Starterbatterie gekauft, dort fand man es super lustig, dass wir die zu Fuß mitgenommen haben. Die alte Batterie haben wir strategisch günstig geparkt, als wir das nächste Mal dort vorbeikam hatte sie bereits einen neuen Eigner, bzw. war verschwunden. Der Einbau war schnell erledigt, der Motor sprang gleich an. Das war doch mal eine nette Baustelle. Wir versuchen immer noch einen O-Ring für den Außenborderstecker zu bekommen, das Unternehmen verläuft erfolglos, beschert uns aber viele nette Kontakte. Bei Würth ist man sehr hilfsbereit, wir haben nun eine Nummer für Rückfragen per WhatsApp.
Weniger kommunikativ verlief unser Besuch auf dem surinamischen Konsulat. Der Herr hat nicht so richtig mit uns gesprochen, aber das Ausstellen der Tourist Card hat ungefähr 3 Minuten gedauert. Die Tourist Card braucht man für die Einreise nach Suriname, im Prinzip ist es einfach eine Steuer. Man zahlt 37 Euro und bekommt einen Zettel.
Es gibt ja immer irgendwas Interessantes zu entdecken. Einer der großen Antennenmasten ist als Palme getarnt, das haben wir uns mal aus der Nähe angeguckt. Warum haben große Biotechunternehmen hier am Ende der Welt eine Niederlassung? Steuervorteile, Erforschung von Tropenkrankheiten oder Erprobung von Medikamenten am Ende der Welt? Vielleicht habe ich einfach zu viel Phantasie.
An der Tankstelle hängen Vogelkäfige mit kleinen Singvögeln. Ob das Sensorvögel sind? Wenn der Vogel von der Stange fällt ist die Gaskonzentration zu groß? Vermutlich sind es einfach Haustiere. Kein besonders schönes Vogelleben. Vögel sind hier sehr beliebt. Erwachsene Männer fahren gerne mit ihrem Vogel am Lenker auf dem Fahrrad durch die Gegend. Zum Piepen.
Morgen ist Mittwoch, da ist wieder Markttag. Damit steht das Programm: Obst- und Gemüseeinkauf und hinterher eine Suppe. Mal sehen ob wir da unsere Batterie wiedertreffen. Wie wir gelernt haben, werden sie gerne verwendet um Marktstände zu beschweren…

Ein Wrack als Insel

Das Highlight des Bojenfelds hier ist die Insel in der Mitte, die gar keine Insel ist. Der Dampfer Edith Cavell ist im November 1924 hier auf eine Sandbank aufgelaufen und wenige Wochen später zerbrochen. Seitdem liegt der Dampfer hier und bildet eine nett bewachsene Insel. Sehr schönes Detail: die gelben Kreuze, die die Gefahrenstelle markieren, werden von den Pflanzen als Rankhilfe akzeptiert und sind komplett eingewachsen. Am Strand liegen weitere Wracks. Kurioserweise tragen alle Wracks die Tricolore, obwohl die Edith Cavell ein englisches Schiff ist.

P1150331

St. Laurent du Maroni

St. Laurent hat eine wenig erbauliche Geschichte. Hier kamen die Schiffe mit dem Ziel Strafkolonie Franz. Guyana an. Im Camp de la Transportation wurden die Gefangenen verwaltet, aufgeteilt und von hier aus weiter geschickt in verschiedene andere Camps. Gefangene, die schon einen Fluchtversuch hinter sich hatten, als besonders gefährlich galten und politische Gefangene kamen auf die Iles du Salut. Weitere Gefangenenlager gab es in unterschiedlichen Teilen des Landes. Das Camp de la Transportation wurde 1858 gegründet, alle Gebäude wurden von Gefangenen errichtet. Der Ort St. Laurent wurde erst 1880 gegründet.
Der Gefängniskomplex ist weitgehend erhalten und kann besichtigt werden. Wir fragen beim Tourismusbüro nach einer Führung und haben Glück. Freitagnachmittag gibt es eine Englische Tour. Ronny führt unsere kleine Gruppe durch das Lager. Wir finden wir es erschreckend, wieviel Mühe man sich gemacht hat, um die Gefangenen zu quälen. Es gab Einzelhaft, angekettet im Liegen, harte Strafen und die Todesstrafe durch die Guillotine. Die Bedingungen in St. Laurent galten als vergleichsweise gut. Gefangene, die als friedlich galten und weniger schlimmer Verbrechen schuldig gesprochen worden waren, konnten „Glück haben“ und im Krankenhaus oder in der Verwaltung in St. Laurent eingesetzt werden.
Wer tatsächlich seine Strafe in Franz Guyana abgesessen hatte, musste anschließend noch länger im Land bleiben, in der Regel genauso lange wie die Haftstrafe. Hinzu kam, dass die Schiffspassage zurück nach Frankreich so teuer war, dass sie kaum jemand bezahlen konnte.

Heute ist St. Laurent ein netter Ort. Abends trifft man sich am Wasser. Familien mit kleinen Kindern machen den Spielplatz unsicher, Erwachsene sitzen an der kleinen Bar mit Blick auf den Ankerplatz und die Jugendlichen belagern den kleinen Anleger. Freitagvormittag haben wir bereits eine Autowerkstatt gefunden, in der wir am Montag eine neue Batterie kaufen können, und waren beim Super U. Super U ist der große Supermarkt hier, dort gibt es fast alles. Wir haben uns zunächst mit Lebenswichtigem eingedeckt, mit Camembert und Bordeaux. Der Weg ist nicht weit, aber bei 35 Grad war mir der Rückweg definitiv zu lang.
Heute Morgen war, wie jeden Samstag, Markt. Wir haben unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt und eine leckere vietnamesische Suppe zum Frühstück gegessen. Der Markt hat uns gefallen, das Obst und Gemüse ist in netten Häufchen aufgebaut, die jeweils ein oder zwei Euro kosten. Außerdem gibt es einige Essensstände, Blumen und natürlich die Billigklamotten, die nirgendwo fehlen dürfen. Auf dem Rückweg haben wir in einer netten Bäckerei das Baguette für heute Abend gekauft. Wir haben inzwischen 2 Bäckereien und mehrere kleine Supermärkte gefunden, die alle Baguette verkaufen. Wo kauft wohl der junge Mann aus dem Marina Büro ein?

Regenwaldrundfahrt und Ankunft in St. Laurent

Der Tag beginnt hervorragend. Wir beschließen die letzten beiden Eier in Form vom Pfannkuchen zu frühstücken. Als wir bei Pfannkuchen mit Mangomus im Cockpit sitzen wird das Frühstück gleich zweimal unterbrochen. Erst hören wir eine Alarmanlage. Es gibt tatsächlich Insekten (?!), die das Geräusch einer Alarmanlage machen (oder machen Alarmanlagen ein Insektenlaut?). Kurz darauf schüttelt sich der Baum neben uns. Affen zum Frühstück! Fröhliche Totenkopfäffchen toben durch den Baum.
Nach dem Frühstück paddeln wir nacheinander mit dem Dingi um Mari, sehen uns das Ufer genauer an, lassen uns treiben und machen ein paar Fotos. Als ich zurück an Bord klettere, beginnt es zu regnen. Schnell die Fotoapparate, Ferngläser und Bücher unter Deck bringen und die Luken schließen. Ein heftiger Schauer wäscht das Boot und uns. Wir nutzen die Chance auf eine ausgiebige Dusche. Nobbi wäscht sich die Haare unter dem Wasser, das vom Bimini läuft. Es gießt so ausgiebig, dass ich versuche das Wasser mit einem Eimer aufzufangen, bis Nobbi mich darauf aufmerksam macht, dass das Wasser im Beiboot 20 cm hoch steht. Ich setze mich als ins Dingi, spüle mir ausgiebig die Haare und dann auch noch die Cockpitkissen.
Mittags nieselt es noch ein bisschen, wir freuen uns, dass es bei bedecktem Himmel vergleichsweise kühl ist. Nachmittags setzen wir unsere Fahrt fort. Abgesehen von einer flachen Stelle kurz hinter unserem Ankerplatz ist es überall tief. Es macht Spaß durch die schmalen gewundenen Kanäle zu fahren. Wir werden von einer Truppe blau-grauer Reiher begleitet und sehen Fledermäuse. Schließlich gelangen wir in den breiteren Crique Vache. Da dieser ziemlich tief ist, entscheiden wir uns in einen Nebenarm zu fahren und dort nach einem Ankerplatz zu suchen. Hier ist es zwar nicht so tief, nur 6 bis 10m, aber der Lauf wird immer schmaler, wir drehen lieber um. Ich schwitze ganz schön bei dem Manöver in dem engen Arm, mit dem Strom der uns immer weiter hinein schiebt. Nobbi sieht alles eher entspannt und findet, dass ich auch wieder rausfahren muss, weil ich die Idee hatte in den Seitenarm hineinzufahren. Schließlich ankern wir in einer Kurve, hier ist das Wasser nur 10 m tief, das gefällt uns.
Kurz nach dem der Mond aufgegangen ist, sehe ich in zweites Licht am Himmel. Da fällt uns ein, dass heute doch wieder ein Raketenstart ist! Leider verdeckt eine Wolke die Sicht auf die steigende Ariane-Rakete, wir sehen sie nur ab und zu durch Wolkenlöcher. Minutenspäter hören wir das laute Rumpeln des Starts. Sozusagen hautnah erleben wir den Unterschied zwischen Licht- und Schallgeschwindigkeit.
Mittwochmorgen gibt es zwar keine Affen zum Frühstück, aber selbstgebackenes Weißbrot, Rosinenschnecken und große leuchtend blaue Schmetterlinge. Die großen Falter haben wir vereinzelt schon vorher gesehen, aber noch nie so viele wie hier. Solche Schmetterlinge kennen wir aus den Schubladen im Naturkundemuseum und jetzt flattern sie um unser Boot.
Nachmittags wollen wir wieder weiterfahren. Der Motor hüstelt einmal und sagt dann nichts mehr. Wir hatten bereits die Befürchtung, dass unsere Motorstarterbatterie hinüber ist, nun wissen wir es. Der Motor wird gestreichelt, doch hier ist alles in Ordnung, es muss an der Batterie liegen. Unser Batteriemessgerät kommt zum Einsatz, die Batterie hat nur noch 53 %. Wir starten den Motor mit den Bordnetzbatterien und setzen unseren Weg durch die Criques fort. Zeitweise ist es so schmal, dass wir die Mangroven am Ufer anfassen können. Wir erreichen den Criques Lamentin, der immer breiter wird. Wir entscheiden uns für einen Ankerplatz nur eine lange Kurve von der Mündung in den Maroni entfernt. Bei 35 Grad ist Kochen Schwerstarbeit. Wir schwitzen vor uns hin und kühlen uns gelegentlich mit Flusswasser ab.
Abends sitzen wir unter unserem Moskitonetz im Cockpit und lesen. Es ist sehr dunkel, der Mond ist noch nicht aufgegangen und wir haben unsere Petroleumlampe noch nicht eingeschaltet. Es raschelt im Gebüsch und ich erschrecke mich fürchterlich, sehe ich doch zwei Lichter aus dem Unterholz auftauchen. Nach kurzer Zeit wird klar, meine Schreckhaftigkeit hat mir mal wieder einen Streich gespielt (meine Schwester wird sich kaputt lachen), es sind nicht etwa Jäger mit Taschenlampe im Wald, sondern Glühwürmchen! Aber was für welche, richtige Scheinwerfer-Glühwürmchen. Jetzt, wo wir darauf achten sehen wir sie überall, bis eine Stunde später der Mond aufgeht und es zu hell wird.

Heute sind wir nach St. Laurent weiter gezogen, die letzten Meilen auf dem Crique Lamentin und dann etwa 5 Meilen den Maroni hoch. Auch das letzte Stück auf den Criques genießen wir, dieser Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Leider hören wir die Brüllaffen nur, genau wie in den vergangenen Tagen, sie zeigen sich nicht.
Auf dem Maroni kommen wir nun schleppend voran, das Wasser läuft immer noch ab. Erst kurz bevor wir St. Laurent erreichen kentert die Tide. Da wir mit Niedrigwasser ankommen, legen wir die letzte Meile bis zum Bojenfeld ganz langsam zurück. Es ist verdammt flach hier. Wir funken die Marina an, da sich niemand meldet fischen wir uns einfach eine Boje. Etwas verwundert schauen wir uns um, wir hatten erwartet hier ein paar Segler zu treffen, doch die wenigen anderen Boote machen den Eindruck als würden sie hier längere Zeit auf ihre Crew warten. Wir fahren mit dem Dinghi an Land und wollen uns anmelden. Wir können unsere Wasserkanister füllen und werden unseren Müll los, für alles andere sollen wir morgen wieder kommen. Wir fragen nach einem Laden in dem wir Baguette kaufen können und bekommen zu hören, dass es so einen Laden hier nicht gibt. Irgendwie können wir uns das nicht vorstellen, wir werden morgen die nähere Umgebung erkunden. Am Wasser findet sich ein netter Stand bei dem wir Fleischspieße zum Abendessen kaufen und diese mit Blick auf unsere Mari verspeisen.
Erstaunlicherweise liegen wir hier so unruhig wie schon lange nicht mehr. Gerade klatscht die Welle von hinten gegen das Schiff, die Boje rumst gegen den Bug. Mal sehen ob wir in den nächsten Tagen noch einen ruhigeren Platz finden, so hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Ein neuer Ankerplatz im Gruenen

Als ich Montagmorgen auf der Badeleiter stehe, bis zu den Oberschenkeln im Wasser und mir meine morgendliche Dusche genehmigen moechte, meldet Nobbi mir ein Kielwasser achteraus, das direkt auf mich zusteuert. Es ist windstill, die Wasseroberflaeche ganz glatt und so sehen wir umso deutlicher, das etwas zielstrebig auf mich zuhaelt. Ich klettere erst einmal aus dem Wasser, man weiss ja nie, nachher gibt es doch Krokodile. Das vermeidliche Croc entpuppt sich als schwarz gelb gestreifter Fisch mit der Form eines Kofferfisches, hoechstens 20 cm lang. Kurz vor Mari stoppt er auf, dreht mit hoher Geschwindigkeit ein paar Kringel und verschwindet. Faszinierend, mit seinen kleinen Flossen dreht er auf der Stelle, das sieht lustig aus. Bei Schiffen heisst das glaube ich Pod-Antrieb.
Nach 4 Naechten am gleichen Ankerplatz beschliessen wir uns einen neuen Ankerplatz zu suchen. Bevor wir den Motor starten und den Anker ausgraben suchen wir unsere Ankerboje. Die Idee, die Ankerboje zu setzen war gut, sorgt sie doch fuer Unterhaltung. Man wundert sich wo der Anker liegt. Die Ankerboje lag in den vier Tagen mal hinter und mal neben uns, selten auch, wie erwartet vor uns. Jetzt gilt es sie wieder einzufangen, bevor wir sie uns in den Propeller wickeln.
Da es gerade schoen ruhig ist beschliessen wir den Autopilot zu kalibrieren und fahren dazu zwei Kringel. Dann soll es endlich losgehen. Doch unsere Motoranzeige ist tot, keine Drehzahl, keine Tankanzeige, keine OEltemperatur. Wir beschliessen wieder zu ankern um den Motor neu zu starten. Nach einem neuen Motorstart funktioniert alles wie gewoehnt und wir koennen endlich weiterfahren. Wir fahren den Crique Coswine, den wir gekommen sind, ein Stueck zurueck und biegen in einen noch schmaleren Seitenkanal ab, der zum Crique Vaches fuehrt. In dem schmalen Fluss laeuft die Stroemung mit und schiebt uns schnell voran. Endlich sehen wir Affen, leider sind wir viel zu schnell an ihnen vorbei. Wir finden einen tollen Ankerplatz. Hier ist die Pflanzenwelt vielfaeltiger als an unserem vorherigen und es gibt sehr viele Voegel. Wir liegen in der Mitte des knapp 50 m breiten Laufs und beobachten blau schwarze Papageien, die im Unterholz direkt neben Mari ihre Streitigkeiten austragen. Ein riesiger Greifvogel, den wir noch nicht kennen und unbedingt bestimmen muessen, zieht seine Kreise ueber uns. Bei Sonnenuntergang sitzen wir auf dem Vorschiff und lauschen dem Vogelkonzert, bevor wir uns unter unseren Moskitonetzen abschotten.
Vielleicht fahren wir heute wieder ein Stueckchen weiter, es gibt viel zu entdecken und unser Wasservorrat neigt sich irgendwann dem Ende zu.

Ueberfahrt zum Maroni

Mittwochnachmittag gehen wir Anker auf. Im Westen der Iles du Salut ist das Wasser sehr kabbelig und wir sind froh, als wir endlich in tieferes Wasser kommen und die Wellen laenger und gleichmaessiger werden. Wir freuen uns, dass wir segeln koennen, hatten wir doch befuerchtet die ganze Strecke motoren zu muessen. Leider sind wir viel zu schnell. Normalerweise freuen wir uns, wenn es gut voran geht, doch diesmal haben wir einen Zeitplan, wir wollen bei aufflaufend Wasser und mit Tageslicht in den Maroni einfahren. Wir versuchen zu bremsen und segeln mit dem Gross im 2. Reff und gereffter Genua. Erst funktioniert es ganz gut, dann laesst der Wind nach. Durch den starken Strom sind wir schnell genug, doch das Boot schaukelt wild.
Ansonsten ist die Nacht ganz gut. Wir gehen unsere gewohnten Wachen, die Schauer entschliessen sich nicht ueber uns abzuregnen und wir sehen weder grosse Schiff noch Fischer. Der Mond erhellt die Nacht bis um vier, das ist sehr angenehm, dann gibt es noch ein bisschen Sternenhimmel zu sehen bis die Sonne aufgeht. Gegen Morgen werden wir zu langsam wir starten den Motor und aendern Kurs auf die Muendung des Fleuve Maroni. Nun zieht es sich, der Strom schiebt weiter die Kueste entlang nach Suriname, davon merken wir wenig. Schliesslich erreichen wir die Ansteuerungstonne, von hieran ist die Einfahrt gut ausgetonnt. Das Fahrwasser verlaeuft nun anders als die der Seekarte. Die Sandbaenke in der Einfahrt veraendern haeufig ihre Position, so dass dann auch das Fahrwasser verlegt wird.
Uns gefaellt die Muendung des Maroni. Am rechten Ufer sehen wir Suriname, das naechste Land, das wir besuchen wollen. Doch noch bleiben wir in Franzoesisch Guyana. Hunderte von Schmetterlingen begruessen uns, das ist bestimmt ein gutes Omen, nachdem uns in Kourou Delfine verabschiedet haben.
Wir biegen kurz nach der Einfahrt in den Fluss nach links in den Crique Coswine ab. Der kleine Nebenarm schlaengelt sich durch bewaldetes Gebiet. Wir haben keine Karte, doch der Revierfuehrer sagt, es sei hier ueberall tief genug. Wir passieren ein Dorf und wollen hinter naechsten Biegung ankern. Unser Anker sitzt nicht so gut und wir beschliessen noch etwas weiter zufahren und es woanders zu versuchen. Letztendlich haelt der Anker erst beim sechsten Versuch, der Flussarm hat einen felsigen Grund. Nur an dem ersten Platz, mit dem wir nicht zufrieden waren, und an dem Platz an dem wir schliesslich liegen, finden wir besseren Grund. Auf unserer Ankerplatz suche fahren wir immer weiter, gucken doch noch um die naechste Biegung und um noch eine. Nun liegen wir hier an einer schoenen Stelle und haben ausnahmsweise eine Ankerboje gesetzt. Falls der Anker sich verhakt will Nobbi hier nicht tauchen, er hat Angst, dass es Krokodile und Piranhas geben koennte.
Das Wasser ist kaum salzig und ziemlich klar. Den Liegeplatz in fast-Suesswasser kosten wir aus. Wir duschen ausgiebig mit dem Eimer, putzen das Cockpit und waschen unsere Leinen. Einige Festmacher waren aus Jacare noch immer sehr schmutzig, wir hatten sie nur notduerftig gespuelt. Nun haben wir sie eine Nacht ins Wasser gehaengt und sie sehen wesentlich besser aus.
Unsere Positionslichter sind auf dem Weg hierher ausgegangen. Erst flackerte die Lampe noch, dann war sie dunkel. Ein Kabel ist korrodiert. Wir haben aus Deutschland eine neue Lampe mitgebracht, die alte war schon etwas angeschlagen. Also ziehen wir ein neues Kabel und bauen die neue Lampe an. Auf einem Boot ist ja nichts einfach. Um das Kabel durch zuziehen duerfen wir beide abwechselnd ueber Kopf in den Ankerkasten. Ich finde es sieht lustig aus, wenn von Nobbi nur noch die Beine rausgucken. Aber wie bekomme ich ihn da heraus wenn er sich einen Hexenschuss holt?
Das Moskitonetz fuer den Niedergang hat mal wieder ein Upgrade erhalten. An den Raendern, an denen es auflag, drohte es sich aufzuloesen. Jetzt hat es einen neuen Rand aus einem weissen Laken mit gruenen Blumen bekommen. Das Laken, das mit Sicherheit aelter ist als ich, war als Putz- und Bastellappen-Spender an Bord, wer haette gedacht, dass es noch einen grossen Auftritt bekommt. Unser Moskitonetz fuers Cockpit, Projektname das Brautkleid, kommt jeden Abend zum Einsatz. Es ist eine ziemlich haessliche aber sehr effektive Bastelloesung, die uns stoerungsfreie Abende im Cockpit ermoeglicht. Es gibt hier eine Menge interessierter Fluginsekten, die bei Einbruch der Nacht Hunger bekommen. In Kourou habe ich bereits ein Moskitonetz fuer den Zugang zum Vorschiff, also zu unserem Schlafzimmer genaeht. Ein Moskito, das es abends bis zu unserer Koje schaffen will muss nun also drei Huerden ueberwinden. Ausserdem haben wir noch Moskito-Coils im Angebot. Nein, Muecken sind keine Freunde. Wir wollen weder die juckenden Stiche, noch Malaria, Chikungunya, Dengue und was es da noch alles so gibt.

Abschied von Kourou

Wenn man beim Einkaufen mit Handschlag begrüßt wird und die (4-jährige) Tochter des Bäckers einen adoptiert, ist es Zeit weiterzuziehen. Am Sonntag gehen wir ein letztes Mal zum Supermarkt und verabschieden uns von „unserem“ Bäcker. Abschiedsfotos werden geschossen und die besten Wünsche ausgetauscht.
Gestern, also Montag, ging es los. Morgens um elf war Hochwasser, wir holen den Anker hoch und verlassen Kourou. In der Fahrrinne treffen wir den Bagger, der die Fahrrinne freihält und eigentlich gar kein Bagger ist, sondern ein Spüler. An seinem Heck hat er eine Rohrkonstruktion durch die Wasser strömt. Das Wasser tritt durch viele Löcher aus, so dass hinter dem Schiff eine Art Regenvorhang entsteht, nur eben unter Wasser. Das Ganze erinnert an einen Rasensprenger oder eine Saatmaschine. Die Arbeit des „Spülers“ ist wichtig, ist die Fahrrinne doch ganz schön flach und neigt zum Versanden. Der starke Strom entlang der Küste schiebt immer wieder Sand in die Rinne. Der Sand hier an der Küste hat übrigens eine lange Reise hinter sich, er kommt aus dem Anden, ist den Amazonas hinunter getragen worden und wird nun entlang der Nordküste Südamerikas weiterverteilt.
An der Insel ist es ruhig, wir sind das einzige Segelboot, aber hier ankert noch ein Tanker. Zunächst finden wir ihn sympathisch, auf Dauer ist er aber ganz schön laut. Im Gegensatz zu uns klappt er halt keine Solarpanels auf, bei ihm läuft natürlich der Generator. Kurz vor Sonnenuntergang geht er Anker auf und macht sich auf den Weg nach Dégrad de Cannes, wir sind nicht traurig darüber und verbringen eine sehr ruhige Nacht.
Heute sollte es eigentlich in den Maroni gehen, das ist der Fluss an der Grenze zu Suriname. Doch dann haben wir gebadet und beschlossen noch einen Tag hier zu bleiben. Zum Mittagessen waren wir an Land und haben uns ein Essen in dem Restaurant auf der Insel gegönnt. Auf dem Rückweg haben wir die Manöver der Fremdenlegion beobachtet. Zwei kleine LKWs wurden auf ein Schiff verladen, das direkt auf die Rampe an der Insel fährt.
Morgen soll es wirklich weiter gehen. Wenn alles klappt erreichen wir Donnerstagmorgen die Ansteuerung zum Maroni.

Austern, Rippchen und Frisör

Nachdem wir von den Inseln zurück in Kourou sind ist es recht windig. Bei ablaufend Wasser und Wind aus Osten baut sich eine kabbelige Welle auf. Auf Mari stört uns das nicht weiter, das Dinghi-Fahren aber macht nicht so viel Spaß.
Am Mittwoch bleiben wir an Bord und tüddeln uns durch den Tag. Nobbi beschließt etwas von der Liste zu erledigen und entscheidet seine Aufmerksamkeit dem Aqua-Alarm zu widmen. Das Ding misst, ob durch den Motor Kühlwasser fließt. Bei einem der letzten Manöver ist uns aufgefallen, dass es nichts mehr sagt. Wenn man den Motor stoppt, die Kühlwasserpumpe also nicht mehr läuft, der Motor aber noch Strom hat, müsste der Aqua-Alarm piepen. Das tut er aber nicht. Nobbi misst die Kabel durch, das Ding hat Strom, und baut es aus. Überraschung. Wir haben eine kleine Auster im Kühlwasserschlauch. Schade, dass keine Perle drin ist! Die Auster ist schnell entfernt, der grüne Schleim im Schlauch ist hartnäckiger. Nobbi überlegt laut, ob diese grüne schleimige Biomasse nicht in das Arbeitsgebiet der Biologin fällt, als ich zu bedenken gebe, dass es sich auch bei Rotwein um Biomasse handelt, brechen diese Überlegungen abrupt ab. Da wir annehmen, dass alle unsere Schläuche von innen so schön grün sind, gönnen wir unserem Kühlwassersystem eine Essigspülung. Der Alarm piept wieder nach 2 Stunden und wir freuen uns über die erfolgreiche Reparatur.
Am Donnerstag ist es noch immer windig, wir wollen trotzdem an Land. Obwohl es (noch) kaum Wellen gibt, werden wir komplett nass. Kurz nach uns klettern Anne-Mieke und Gerrit aus ihrem Dingi, und sind fast trocken. Wir lernen von ihnen und kauern uns nun ins Boot statt uns auf die Schläuche zu setzen. Das sieht lustig aus, funktioniert aber sehr gut. Bei der nächsten Fahrt bleiben wir trocken.
Als wir nachmittags zurück zum Boot wollen, haben wir fast 1m hohe Wellen, die sich brechen am Ankerplatz. Die Dinghi-Fahrt wird sportlich. Zwar kommen die Wellen nun von hinten und schieben uns, aber Mari zu entern ist gar nicht einfach. Schließlich peilen wir das Heck an, ich wickle die Leine erstmal um die Windsteueranlage und klettere an Bord. Zu zweit holen wir das Boot längsseits und nehmen es schnell aus dem Wasser. Das brauchen wir nicht häufiger, zumal mit 40 l Wasser und Proviant an Bord. Inzwischen hat der Wind wieder abgenommen und die Dinghi-Fahrten verlaufen gewohnt gemütlich.
Samstags ist Markttag. Für uns geht es nach dem Kaffeetrinken an Land, wir kaufen Obst und Gemüse für die nächste Woche. Ganz Kourou ist auf den Beinen, auf dem Markt ist es wuselig. Auf dem Rückweg wollen wir Spare Ribs beim Stand vor der Fleischerei kaufen. Doch wo sind die Spare Ribs? Kein Stand? Kein unkompliziertes Mittagessen? Die ganze Straße riecht nach Grill, wir machen uns Hoffnungen, dass der Stand etwas später aufgebaut wird und legen eine Frühstücks-Pause in der Bäckerei ein. Die Schokocroissants sind perfekt.
Wir kehren zur Fleischerei zurück, da ist immer noch kein Stand. Wir schauen in den Laden, keine Spare Ribs. Wir wollen nicht aufgeben, schließlich haben wir uns so darauf gefreut, außerdem hat sich der Grillgeruch noch verstärkt. Nobbi wird schließlich hinter dem Haus fündig. Wer den schmalen Gang hinter das Haus geht und dort bei etwas was nach einer privaten Party aussieht fragt, wird belohnt.
Nach unserer Nachmittags-Dusche beginnt ein harmloses Gespräch. Nobbi müsste mal wieder zum Frisör, darüber sind wir uns einig. Er will aber nicht zu dem Salon der den „Fred Look“ anbietet. Ich hätte mir das ja gerne mal angeguckt. Er beschließt, dass ich seine Haare nachschneiden soll. Jetzt. Ich bin unsicher ob das was wird und schnibbel drauf los. Es macht Spaß, auch wenn ich ein bisschen Angst habe, wie es wohl aussieht wenn es trocken ist. Ich finde, dass es gar nicht schlecht geworden ist. Nobbi meint er guckt es sich morgenfrüh mal an, beim Rasieren guckt er sowieso in den Spiegel. Männer! Was soll man dazu sagen? Er argumentiert damit, dass ich ihn schließlich den ganzen Tag angucken müsse. Jetzt möchte ich auch frisch geschnittene Haare und überrede Nobbi mir meine Haare einfach gerade ab zu schneiden. Mindestens 7 cm sollen sie kürzer werden. Er murmelt etwas von vier Fingern, peilt dreimal, schneidet dann 2 Minuten. Sagt, ich bin gleich fertig, ich setzte nur mal meine Brille auf. Solche Kommentare bauen Vertrauen auf. Nochmal 1 Minute nachgearbeitet und er ist fertig. Das war der schnellste Haarschnitt meines Lebens, aber mit Sicherheit nicht der schlechteste. Mal sehen was wir morgenfrüh über unsere Haare denken.

Alltag in Kourou

Insgesamt sind wir nun schon drei Wochen in Kourou, wenn man von unseren kurzen Ausflug auf die Inseln absieht. Das war so nicht geplant, hatte sich aber so ergeben. Wir haben es nicht eilig, vor dem Ende der Hurrikan-Saison Mitte November wollen wir nicht in der Karibik ankommen und die Zahl der möglichen Ankerplätze auf dem Weg dorthin ist begrenzt.
In vorigen Einträgen haben wir schon darüber berichtet, dass Kourou nicht der Nabel der Welt ist. Trotzdem gibt es immer noch irgendetwas zu entdecken. Nachdem wir geschrieben hatten, dass Kourou trostlos ist und viele Häuser ungepflegt, machen wir uns auf die Suche nach schönen Häusern und finden einige. Die richtig schönen Häuser finden sich allerdings wenig fotogen hinter hohen Mauern in tropischen Gärten.
Sonntag vor einer Woche wollten wir Essen gehen. Wir machen uns pünktlich auf den Weg, laufen vom Dinghi-Steg die 3,5 km an den Strand. Eines der anvisierten Restaurants steht kurz vor dem Abriss, das zweite finden wir nicht und das dritte hat Sonntagsbrunch. Die 35 Euro pro Person wollen wir nicht anlegen. Schließlich finden wir eine kleine Bar, in der wir Nasi Goreng und Salat bestellen, jeweils im Paket mit Apfelsaft. Das Essen ist nicht schlecht, doch es kommt in Plastikschüsseln, auf Plastiktellern, mit Plastikbesteck und Plastikbechern, geradewegs aus der Mikrowelle. So hatten wir uns das Sonntagsessen nicht vorgestellt. Der Essen-Geh-Versuch am Montag verläuft dafür umso erfolgreicher. Wir fahren mit dem Dinghi flussaufwärts und parken es mal wieder am Zollsteg. In der Nähe gibt es einen Segelladen, wir brauchen ja ein neues Paddel. Der Laden ist geschlossen. Wir sind einigermaßen frustriert und beschließen dann eben ein Auto zu mieten, jetzt wo wir schon in der Gegend sind. Hertz hat geschlossen, genau wir zwei andere Autovermieter. Dass wir schließlich bei Sixt ein Auto gemietet haben und damit zwei Tage unterwegs waren, wisst ihr bereits. Bei einem kleinen Honda-Außenborder-Händler bekommen wir schließlich zwei neue Paddel, so endet die Einkaufstour doch noch erfolgreich. Flussaufwärts der Brücke liegt ein Restaurant am Fluss. Dort essen wir wunderbar zu Mittag. Auf der Rückfahrt werden wir im Dinghi klatschnass. „Strom-gegen-Wind“ sorgt für hübsche kleine Wellen und diese dafür, dass wir komplett Salzwassergetränkt wieder beim Boot ankommen. Allein die Creme brulée war es wert!
Auch die Tierwelt gibt sich Mühe uns zu unterhalten. Letzte Woche haben wir eine Gruppe Brüllaffen am Ankerplatz gehört, die Geier, die hier in großer Zahl unterwegs sind, machen wirklich was her, im Uferbereich wohnen ganze viele „Schlickrutscher-Fische“, die auf ihren Brustflossen im Flachwasser herum rutschen, endlich sehen wir mal wieder Möwen und abends gibt es die Vogelparade mit Papageien und Reihern.
Nachdem wir hier zunächst nur drei Ankerlieger waren, ein dauerhaft hier wohnender Belgier, ein Boot, das wir aus Jacare kennen und wir, lagen wir kurze Zeit hinter dem Belgier alleine hier. Inzwischen sind drei französische Boote angekommen und eine andere Yacht, die wir auch bereits aus Brasilien kennen. So wird es nicht langweilig und es gibt auch etwas Sozialleben. Viele der Segler, die dauerhaft auf ihren Booten am Marina-Steg leben, und von denen die meisten dort auch nie mehr wegkommen werden, sind sehr kommunikativ und hilfsbereit.
Wir freuen uns schon auf Samstag. Samstags ist Gemüsemarkt, wir werden also wieder Obst und Gemüse zu unglaublichen Preisen einkaufen, und es gibt Spare Ribs. Samstag verkaufen Mutter und Tochter wunderbar gegrillte Spare Ribs vorm Fleischerladen, der ebenfalls nur an diesem Tag geöffnet hat. Beide Frauen sind erfreut ihr Englisch an uns auszuprobieren.

Ausflug zu den Inseln

Wir dümpeln ja schon einige Zeit auf dem Kourou River oder dem Fleuve Kourou, wie der Franzose sagt, herum. Zeit für ein wenig Abwechslung. Uns fällt ein, dass wir früher, als wir an Land lebten, gerne übers Wochenende segeln gegangen sind, oder einfach nur nachmittags rausgefahren sind. Zum Spaß. Wir beschließen einen Ausflug zu den Iles du Salut zu machen, dort hatte es uns gut gefallen und wir haben die Ile Joseph noch nicht gesehen. Der Entschluss fällt spontan am Sonntag. Diesmal gibt es also keine Vorbereitung, kein vorheriges Einkaufen, wir fahren einfach los.
Montagmorgen ziehen wir bei ablaufendem Wasser den Anker hoch. Die Ankerkette ist sehr bewachsen. Seepocken und braune, stachelige Algen fühlen sich bei uns Zuhause. Unseren Guten-Morgen-Kaffee gibt es unterwegs. Das Frühstück soll es nach Ankunft am neuen Ankerplatz geben. In der Ausfahrt aus dem Fluss wird es dann doch spannend, hier ist es ganz schön flach. Wir sind erleichtert, als das Wasser langsam tiefer wird, beobachten die riesige dunkle Wolke über den Inseln und suchen uns einen Ankerplatz vor der Ile Royale. Hier ist das Wasser einigermaßen klar, wir lassen den Wassermacher laufen und gehen ausgiebig baden. Die Wolke zieht vorbei und bei uns gibt es ein langes Frühstück, das direkt in die Mittagspause mündet.
Nachmittags machen wir einen Spaziergang auf Ile Royale. Wir genießen die schönen schattigen Wege und treffen wieder viele Affen und Agutis. Die Katermarane mit den Tagestouristen sind schon wieder auf dem Weg nach Kourou, die Hotelgäste auf ihren Balkons und wir haben die Wege für uns.
In der Nacht wecken uns starke Regenfälle. Zeit die Luken zu schließen. Das Süßwasser ist willkommen, eine Bootswäsche kann nicht schaden. Morgens lauern dicke Wolken, ich hole die Eimer aus der Backskiste und warte auf den nächsten Schauer. Ich will Süßwasser auffangen und das Cockpit putzen. Die Wolken ziehen vorbei, ich räume die Eimer wieder weg, das Cockpit bleibt schmutzig.

Ein Ausflug zur Ile Joseph steht auf dem Programm. Zur Zeiten der Nutzung als Gefängnisinseln waren hier die meisten Gefangenen untergebracht. Heute hat die Fremdenlegion hier einen Stützpunkt. Die Fremdenlegion schützt den Weltraumbahnhof, deshalb ist das 3. Regiment hier in Kourou dauerhaft stationiert.
Das Anlanden mit dem Dingi gestaltet sich sportlicher als angenommen. Da der kleine Schwimmponton gerade zur Wartung ist, bleibt nur die Rampe als Möglichkeit an Land zugehen. Leider haben wir gerade Springniedrigwasser (das Niedrigwasser ist besonders niedrig) und die Rampe liegt komplett frei inklusive einer Stufe am Ende. Wir klettern also auf das untere Ende der glitschigen Rampe und versuchen einen einigermaßen sicheren Platz für unser Dinghi zu finden. Die hohe Stufe am Fuß der Rampe sorgt dafür, dass wir es nicht an Land tragen können.
Wir passieren das Schild auf dem steht, dass das Betreten der Ruinen verboten ist und machen uns auf die Suche nach eben diesen Ruinen. Die Ruinen des Gefängnisses sind viel schöner als die auf Ile Royale und viel größer als ich es mir vorgestellt habe. Natürlich betreten wir sie. Die Zellen sind nach oben offen und nur vergittert, die Gefangenen waren Sonne und Regen ausgesetzt. Über den langen Zellengängen sieht man die Reste der Brücken oder Stege, über die die Wärter gegangen sind um die Gefangenen von oben zu patrouillieren. Uns wundert es nicht, dass die meisten Gefangenen das erste Jahr nicht überlebt haben. Es ist feucht, heiß und wir bekommen Gesellschaft von Moskitos. Wenn man die Überreste dieser Gefängnisse sieht fragt man sich, warum man die Gefangenen nicht „einfach“ umgebracht hat. So zynisch es klingt, und auch ist!, dieses indirekte Umbringen der Gefangenen und der Versuch so Französisch Guyana zu besiedeln, war eher mit dem Rechtssystem vereinbar. Da sollte man ruhig mal in Ruhe drüber nachdenken.
Die Natur holt sich die Inseln zurück, ich den Ruinen wachsen große Bäume. Trotz der grausamen Geschichte ist es hier wunderschön. Es gibt einen Rundweg um die Insel dem wir folgen, nachdem wir uns versichert haben, dass es unserem Dingi gut geht. Wir gelangen zum Friedhof (auf dem die Wärter begraben wurden, die Leichen der Gefangenen wurden einfach ins Meer geschmissen). Der alte Friedhof strahlt Ruhe und Würde aus, ganz im Gegensatz zu dem in Kourou.

Wieder an Bord, beschließen wir, zurück nach Kourou zufahren. Der Wetterbericht ist unklar. Es sind südliche Winde angesagt, da würden wir hier ungeschützt liegen. Wenn wir in 10 Meilen Entfernung einen geschützten Ankerplatz haben, wollen wir das Risiko nicht eingehen. Der Sturm Isaac, der morgen auf die Antillen trifft, kann uns hier nichts anhaben, bringt aber das Wetter ein wenig durcheinander. Dieses Jahr hat es sehr lange gedauert bis die Hurrikan-Saison Fahrt aufgenommen hat, derzeit sind mit Florence, Isaac (der „nur“ ein Sturm ist) und Helene aber gleich drei gefährliche Tiefs unterwegs. Wir sind froh, dass wir die Lage nur interessenshalber verfolgen und nicht weil wir im Einzugsgebiet liegen. Florence hat es auf die US-Küste abgesehen, Isaac wandert in Richtung der Antillen und Helene schwenkt zu den Azoren.