Uacari Lodge

Dienstagmorgen ging es mal wieder früh los. Wir flogen von Manaus nach Tefé noch knapp 600 km weiter nach Westen. In Tefé wurden wir am Flughafen abgeholt und zum Hafen gebracht, von hier dauerte die Fahrt noch knapp eine Stunde mit dem Boot bis wir an der Uacari Lodge ankamen.
Der Amazonas ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde. Er fließt von den Anden bis in den Atlantik (bevor die Anden sich neulich aufgefaltet haben und dem Fluss vor 10 Mio. Jahren endgültig den Weg abgeschnitten haben, floss er übrigens in die andere Richtung). Die Quellflüsse entspringen in den Peruanischen Anden, weitere Zuflüsse in Kolumbien, Ecuador und Bolivien. Der tropische Regenwald, der das Amazonasbecken prägt, gilt als die grüne Lunge unseres Planeten.
Wer einen Amazonas-Urlaub plant sieht sich einem riesigen Angebot gegenüber. Für uns war klar, dass wir Manaus sehen wollen, die Oper besichtigen und von dort aus etwas Regenwald entdecken möchten. Es gibt Unterkünfte und Angebote in jeder Preisklasse, besonders nach oben gibt es kein Limit. Uns war wichtig, dass wir Gelegenheit haben etwas über Pflanzen und Tiere zu lernen. Schließlich haben wir uns für die Uacari Lodge entschieden. Sie liegt im Mamiraua Reservat, einem Gebiet zwischen Rio Japura und Rio Solimoes.
Im Amazonas-Gebiet unterscheidet man Igapo-Wald, Terra-Firme-Wald und die Varzeas. Der Terra-Firme-Wald liegt so hoch, dass er in der Flutsaison nicht überschwemmt wird, der Igapo wird von Schwarzwasserflüssen geflutet und die Varzeas von Weißwasserflüssen. Das Gebiet des Mamiraua Reservats gehört zur Varzea. Die Landschaft wird durch nähstoffreiches, sedimentreiches „Weißwasser“ in der Flutsaison überschwemmt. Alle Pflanzen, die hier wachsen sind daran angepasst mindestens vier Monate im Jahr durchgehend nasse Füße zu haben (oder auch mehr als nasse Füße, das Wasser steigt um mehrere Meter). Die Tiere müssen begeisterte Schwimmer sein, sich mit einem Leben auf dem Baum arrangieren oder fliegen können. Da es einen Kanal zwischen Rio Japura und Rio Solimoes gibt, ist es nicht möglich das Gebiet des Mamiraua Reservats trockenen Fußes zu verlassen. Tatsächlich handelt es sich also um eine Insel zwischen zwei Flüssen, die regelmäßig überspült wird. Wir sind zur Flutsaison hier und sehen diese besondere Landschaft also „unter Wasser stehend“. Wanderungen sind nicht möglich, wir bewegen uns mit Booten und Kanus auf dem Fluss und durch den Wald.
Das Mamiraua Reservat wurde Mitte der 90er Jahre eingerichtet und baut auf die Einbindung der Menschen, die in den Gemeinden am Ende des Reservates leben. Deshalb kommen auch die meisten der Angestellten der Lodge aus den umliegenden Gemeinden, arbeiten jeweils einige Tage dort und verbringen dann wieder Zeit in ihren Dörfern. Das Reservat liegt in einem Gürtel aus verschiedenen Naturschutzgebieten, die zusammen viermal so groß sind wie die Schweiz. Das Gebiet selbst ist etwa halb so groß wie Hessen. Im Mamiraua Reservat laufen unterschiedliche Forschungsprojekte, einige davon konnten wir kennenlernen.

Die Lodge schwimmt im Fluss und liegt wunderschön in einer Flussbiegung. Die Zimmer sind in kleinen schwimmenden Häusern untergebracht, die über Stege mit dem Haupthaus verbunden sind. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Das Wasser gurgelt unter den Häusern hindurch, die Brüllaffen und die Vögel machen ganz schön viel Lärm. Noch schöner als wir es uns vorgestellt hatten!
Nachdem wir die Angestellten der Lodge kennengelernt und Mittag gegessen haben, setzten wir uns auf die Terrasse und entspannen. Ein Pärchen rote Aras (Ara macao, für die, die es ganz genau wissen wollen) fliegt vorbei. Perfekt!
Nachmittags unternehmen wir unsere erste Tour mit dem Boot. Praktikantin Daniela begleitet uns, sie kennt sich gut aus und übersetzt die Erklärungen von unserem Guide Alan. Wir sehen Totenkopfäffchen, einen kranken (?) Brüllaffen und unser erstes Faultier. Bei Vögeln gibt es gelegentlich Missverständnisse, wenn wir den portugiesischen Namen nicht verstehen und den englischen nicht kennen, aber Dani und Alan haben immer ihr Vogelbuch dabei und zeigen uns, was wir gesehen haben.
Unsere Tage haben nun einen angenehmen Rhythmus. Frühstück ist um 6:30 Uhr, eine halbe Stunde später geht es los zur Vormittagstour, von der wir gegen elf zurückkehren. Um 12:00 Uhr ist Mittagessen, danach Pause bis um 15:30 Uhr. Dann beginnt unsere Nachmittagstour die bis kurz nach 18:00 Uhr dauert. Um 19:00 Uhr ist Abendessen und an einigen Tagen noch ein Vortrag. Bei Sonnenaufgangs- oder Sonnenuntergangstouren werden die Mahlzeiten ein bisschen verschoben. Die freie Zeit verbringen wir auf der Terrasse und schauen auf den Fluss, lesen, liegen in der Hängematte oder wälzen Bestimmungsbücher um herauszufinden welchen Vogel wir gesehen haben. Im Gemeinschaftsraum liegen viele Bücher über den Wald, Vögel, Säugetiere und Reptilien und einige davon sind sogar auf Englisch. So werden wir immer schlauer.

Mittwochmorgen machen wir unsere erste Kanu-Tour. Guide Alan sitzt vorne im Kanu, Nobbi in der Mitte und ich hinten. Alan paddelt uns, wenn wir gegen die Strömung unterwegs sind wird er von Nobbi unterstützt. Ich gucke nur schlau. Die Touren mit dem Kanu sind besonders schön, wir fahren mitten durch den Wald und genießen die Stille. Alan zeigt uns viele Tiere. Wir sehen wieder viele Totenkopfäffchen und Kapuzineraffen, außerdem stellen wir fest, dass er mit Krokodilen sprechen kann. Er macht tiefe Laute und sie antworten tatsächlich!
Nachmittags geht es zum Maumiraua-See zum Sonnenuntergang. Auf dem Rückweg ist es schon dunkel und die Guides suchen für uns nach Kaimanen. Tatsächlich sehen wir ein kleines Exemplar.
Nach dem Abendessen, haben wir Gelegenheit uns einen Vortrag über Jaguare anzuhören. Seit Jahren wird im Reservat an den großen Katzen geforscht. Heute sind die Teilnehmer der „Jaguar-Expedition“ angekommen. Sie begleiten die Forscher und haben so die Chance die scheuen Tiere zu sehen. Wir lernen, dass nirgends auf der Welt so viele Jaguare leben wie hier und dass sie tatsächlich auch in der Flutsaison hier bleiben. Die Jaguare verbringen also einen Teil des Jahres hauptsächlich auf dem Baum. Sie fressen hier vor allem Faultiere und Kaimane, manchmal werden sie aber auch von den Kaimanen gebissen. Einigen fehlt nämlich ein Stück vom Schwanz.

Die wohl größte Überraschung unseres Amazonas-Aufenthalts ist, dass es kalt ist. Also kalt für tropische Verhältnisse. Auf einigen Bootstouren sind wir froh über die wärmenden Schwimmwesten. In den ersten Tagen ist es bedeckt, zum Teil recht dunkel und so kalt wie nur selten hier. Das kühle Wetter sorgt dafür, dass die Fotos der ersten Tage ziemlich dunkel sind und dass wir wunderbar schlafen!

Manaus

Am Freitag, 1. Juni flogen wir nach Manaus. Sehr früh, genauer gesagt um ein Uhr morgens holte Aurelio uns ab und brachte uns zum Flughafen. Von Salvador ging es nach Sao Paulo, 1400 km nach Südwesten, von dort nach Manaus, wiederum 2700 km nach Nordwesten. Direktflüge von Salvador nach Manaus gibt es nicht.
Die Anreise verlief, bis auf ihren frühen Beginn, sehr entspannt. Bemerkenswert war nur der Kaffeeautomat auf dem Flughafen in Sao Paulo. Dort konnte man die Zuckermenge manuell einstellen, Nobbi wählte 50 %. Der Kaffee war so süß, dass wir augenblicklich einen Zuckerschock bekamen und dass obwohl in dem kleinen Becher noch etwa zwei Stück Zucker ungelöst zurückblieben.
Manaus liegt 1700 Flusskilometer von der Amazonasmündung entfernt am Rio Negro mitten im Regenwald und damit an einem der vielen Enden der Welt. Die Stadt ist nur übers Wasser oder durch die Luft zu erreichen. In Manaus gibt es sehr viele Autos, doch wer weiter als 200 km fahren möchte braucht Allrad-Antrieb, gutes Wetter und Glück. Oder er muss im Kreis fahren.
Die Stadt wurde durch den nur 40 Jahre dauernden Kautschukboom um 1900 reich, danach verfiel sie. Seit 1957 ist Manaus Freihandelszone, deshalb produzieren hier viele Firmen, die Stadt ist auf 2 Mio. Einwohner gewachsen und viele der alten Gebäude wurden renoviert. Aus Salvador kommend erscheint uns Manaus vergleichsweise wohlhabend und sauber. Die Altstadt ist sehr nett und versprüht Kleinstadtcharme.

Wir verbringen zunächst knapp vier Tage in Manaus. Als erstes laufen wir zum Hafen, der leider nicht frei zugänglich ist. Doch wir treffen Manoel, der Werbung für Flussfahrten macht und anbietet uns die Ausflugsschiffe und den Hafen zu zeigen. Da der Rio Negro sehr wechselnde Wasserstände aufweist, der Unterschied zwischen Trocken- und Regenzeit kann 12 m betragen, sind alle Piers Schwimmpontons. Der Fährhafen, den wir besichtigen, ist über 100 Jahre alt und wurde in England gefertigt. Auch das Gebäude der Zollverwaltung wurde Ende des 19. Jhd. aus Liverpool hierher verschifft. Während Manoel sich mit seinen Kollegen unterhält dürfen wir uns umsehen. Von hier fahren Schiffe flussabwärts nach Belem (5 Tage) und flussaufwärts nach Tabatinga an der Grenze zu Kolumbien (6-7 Tage). Die Reisenden bringen eine Hängematte mit und spannen diese auf dem Oberdeck. Nur selten gibt es die Möglichkeit Kabinen zu buchen, wer es sich leisten kann fliegt. Hier im kleinen Fährhafen wird vor allem Obst umgeschlagen, einige Meilen flussabwärts liegt der Containerhafen und die Tankerpier.
Schließlich buchen wir bei Manoel eine Flusstour. Encontro das Aguas, das „Treffen der Wasser“, die Stelle an der Rio Negro und Rio Solimoes aufeinandertreffen wollen wir gerne sehen. Der Rio Solimoes kommt aus Peru, wo er Amazonas heißt, ist relativ kalt, nährstoffreich, fließt schneller und hat einen pH Wert von 7,5. Der Rio Negro entspringt in Kolumbien, ist wärmer, nährstoffarm, fließt langsamer und hat einen niedrigen pH Wert von 3,5. Aufgrund der unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften vermischen die Ströme sich zunächst nicht, sondern fließen 11 km nebeneinander her. Es entstehen schöne Muster aus dem dunkeln „schwarzen“ Wasser des Rio Negros und dem hellbraunen „weißen“ Wasser des Rio Solimoes. Diese „Encontro das Aguas“ gibt es an vielen Stellen, einige Kilometer flussabwärts von Manaus jedoch besonders schön. Nach dem Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimoes heißt der Fluss dann wieder Amazonas.

Die Flusstour macht uns letztlich viel Spaß. Bei 36 Grad ist es auf dem breiten Fluss mit dem Fahrtwind gut auszuhalten. Wir verbringen fast den ganzen Tag auf dem Wasser, schauen uns große Seerosen an, machen einen Spaziergang durch einen Naturpark, essen sehr gut zu Mittag und sehen einen der größten Süßwasserfische der Welt, den Arapaima oder Pirarucu. Unsere Tour beinhaltet einen Stopp bei einer Indio-Gemeinde, die aus einer Region an der kolumbianischen Grenze hierher umgezogen ist um sich hier den Lebensunterhalt mit Touristentouren zu verdienen. Im Schnellverfahren sehen wir uns einen Tanz an, sollen geröstete Ameisen essen und schon geht es weiter. Ein merkwürdiges Gefühl. Viele der brasilianischen Touristen in unserer Gruppe hatten eine kürzere Anreise als die Menschen, die hier ihre Tänze aufführen. Irgendwo zwischen Dokumentarfilm und Disneyland. Mein ganz persönliches Highlight sind die beiden blauen Aras, die während des Tanzes durch die Versammlungshütte fliegen und draußen auf einer Palme streiten. Der letzte Tagesordnungspunkt ist das Baden mit den Flussdelfinen. Die Touristen stellen sich in einer Schwimmweste ins brusthohe Wasser und die Delfine werden zwischen den Menschen mit Fischen gefüttert. Dabei werden die Delfine eifrig betatscht. Wir sehen uns die Tiere lieber nur an.

Natürlich sehen wir uns die berühmte Oper, das „Teatro Amazonas“ an. Bei unseren ersten Besuch bekommen wir eine merkwürdige Auskunft, es würde englische Führungen geben, allerdings nur vielleicht. Wir seinen in Brasilien. Das kommt uns merkwürdig vor. Bei unserem nächsten Versuch sitzt eine kompetente junge Dame an der Kasse. Eine Stunde später beginnt die ausgezeichnete Führung. Wir lernen, dass alle Baumaterialen, abgesehen vom Holz für die Fußböden, aus Europa stammen. Bevor die Oper eine Klimaanlage bekam, war der Platz um die Oper mit Gummiblöcken gepflastert damit die Pferdegespanne nicht so einen Lärm machen. Gummi war ja reichlich vorhanden! Die Oper ist wirklich schön, die ungewöhnliche Kuppel in den brasilianischen Farben hebt sie von anderen Gebäuden der Zeit ab. Ganz besonders wird sie jedoch durch ihren Standort. Bei der Eröffnung 1896 ist das Opernhaus „mitten im Urwald“ ein Zeichen des unglaublichen Reichtums der Stadt. Man schickte seine Wäsche damals zum Waschen nach Lissabon…

Wir machen einen kleinen Ausflug zum „Bosque de Ciencia“ einem kleinen Wald der zur Uni gehört. Hier kann man Otter, Manatis und Kaimane sehen. Im Wald und dem zugehörigen See trifft man mit Glück viele andere Tiere wie Affen, Faultiere, Schildkröten und Fische. Auf dem Rückweg werden wir wieder einmal „Opfer“ brasilianischer Hilfsbereitschaft. Weit und breit ist kein Taxi zusehen und wir entscheiden uns zur Hauptstraße zulaufen. Als ein Taxi vorbei kommt dem wir winken, ruft die Familie die dieses Taxi bestellt hat uns ein Taxi und ruft uns zu, dass wir zurück zum Eingang gehen sollen, unser Taxi käme gleich. Nur wenige Minuten später sammelt uns ein Taxi ein und bringt uns zurück in die Altstadt.
Die Adolfo Lisboa Markthalle, die den Pariser „Les Halles“ nachempfunden ist, beherbergt heute nicht nur den Fisch- und den Fleischmarkt, sondern neben Gemüseständen auch viele Andenkenläden. Kurz überlegen wir, ob wir ein 1,20m langes Paddel im Handgepäck mitnehmen können, dann fällt uns ein, dass wir es auch an Bord irgendwo lassen müssen und kaufen dieses Mal kein Paddel.
Der Palacio Rio Negro wurde von dem Hamburger Karl Waldemar Scholz Anfand des 20. Jhd. als Wohnhaus erbaut und diente von 1918 bis 1995 als Regierungssitz des Bundesstaates Amazonas. Heute kann er besichtigt werden. Wir bewundern nicht nur die schönen Räume, sondern lernen auch einiges über die Verfassung und die Flagge des Bundesstaates Amazonas.
Das kleine Museu Amazonico liegt in der Nähe unseres Hotels. Zunächst macht es den Eindruck geschlossen zu sein, doch die Pforte lässt sich öffnen und die Haustür steht offen. Im Untergeschoss ist eine Ausstellung moderner Gemälde und Fotografien, die sich unter dem Titel „das Universum als Wassermelone“ zusammenfassen lässt und uns nicht überzeugt. Wir sind immer noch nicht sicher ob geöffnet ist, als eine Frau reinkommt uns Licht macht und wieder verschwindet. Im Obergeschoss finden wir eine nette kleine Ausstellung mit Alltagsgegenständen der Ureinwohner und mit Gefäßen und Werkzeugen die bei Ausgrabungen gefunden wurden und über 6000 Jahre alt sind.

Am Wochenende findet auf dem Platz an der Oper ein Tanzfestival statt. Wir finden einen Platz direkt davor in einer Pizzeria, sehen sehr gute Ballettvorführungen, lustige tanzende Putzkolonnen, engagierte Tangotänzer und begeisterte Hip-Hop tanzende Kinder. Überhaupt ist auf dem Platz an der Oper immer etwas los, wir legen immer mal wieder eine Pause im Schatten der Bäume ein.
Ansonsten bummeln wir durch die gemütliche Stadt, essen Fischgerichte und testen immer neue Obstsorten wie Cupuacu und Jenipapo. Wir fühlen uns überraschend sicher. Unsere Telefone jedoch scheinen weniger sicher zu sein. Gemessen an der Anzahl gebrauchter Telefone, die uns zum Kauf angeboten werden muss die Quote „verlorener“ Telefone riesig sein.
Nach schönen Tagen in Manaus begann am Dienstag unsere Woche im Regenwald.

Zurück in Salvador

Gestern Abend sind wir von unserer Amazonas-Reise zurückgekehrt. Wir hatten wunderbare Tage im Regenwald und waren äußerst positiv überrascht von Manaus. Nun heißt es Fotos und Erlebnisse zu sortieren, damit es bald was zu lesen gibt.
Die Rückreise war interessant. Wir hatten ein Flug von Manaus via Sao Paulo nach Salvador gebucht, wurden aber umgebucht. Schließlich sind wir von Manaus via Santarem, Belem und Recife nach Salvador geflogen, 14 Stunden waren wir von Haus zu Boot unterwegs und das nur für eine Reise durch das nördliche Brasilien und ohne lange Wartezeiten. Von Manaus nach Recife ging es mit demselben Flieger und wir durften sitzen bleiben. In Recife sind wir umgestiegen. Die Strecke war interessant, immer entlang des Amazonas bis zur Küste. Dank wolkenlosem Himmel und Fensterplatz konnten wir die Aussicht genießen. Wir kennen uns nun sehr gut mit dem Service von Azul aus. Auf allen vier Teilstrecken gab es was zu trinken und wir wurden großzügig mit Keksen, Chips, Erdnüssen, Kuchen und Gummibärchen eingedeckt. Ich möchte in nächster Zeit keine Chips mehr essen. Auf Azulflügen gibt es Fernsehempfang, so hat (fast) der ganze Flieger gemeinsam das erste Spiel der WM gesehen.
Die WM ist hier natürlich das Thema. Bei der Sicherheitskontrolle hat sich niemand für mein Gepäck interessiert, mein Brasilien-Deutschland-Anstecker hingegen hat Anerkennung geerntet. Straßen und Läden sind großzügig mit grün-gelben Girlanden geschmückt, die Straßenlaternen in unserer Hauptstraße hier sind gelb und grün gemalt worden und auf vielen Mauern leuchtet ein neues Gemälde der brasilianischen Flagge. Sehr lustig war unsere Taxifahrt vom Flughafen zur Marina. Wir wurden das erste Mal überhaupt für Brasilianer gehalten, der Taxifahrer hat gedacht wir kommen aus Sao Paulo. Dann wollte Nobbi sich etwas unterhalten und hat gefragt wann Brasilien das erste WM-Spiel hat. Daraufhin ergoss sich ein 20-minütiger Monolog über uns. Wir haben nicht alles verstanden, doch der Fahrer ist sehr unzufrieden mit dem brasilianischen Fußball und der Verehrung der Stars. Neymar ist gar nicht gut weggekommen, die deutsche Elf wurde dafür hochgelobt. Was uns sehr verwirrt hat und nicht gerade für seinen Fußballverstand spricht ist, dass er an ein Finale zwischen Holland und Deutschland glaubt…

Amazonas Pläne

Ende November haben wir in Recife ein kanadisches Paar getroffen. Wir haben ein paar nette Abende miteinander verbracht, dann sind die beiden zum Amazonas geflogen und wir sind nach Salvador gesegelt. Seit Roberta und John uns von ihren Amazonas-Plänen erzählt haben, sind wir Feuer und Flamme. Wir wollen auch in den Regenwald. Heute Nacht geht es los. Mari bleibt in Salvador, wir fliegen via Sao Paulo nach Manaus. Zwei Wochen werden wir insgesamt unterwegs sein und so lang wird also auch die Blogpause dauern. Wenn wir wieder kommen, haben wir hoffentlich viele tolle Erlebnisse und Fotos im Gepäck.
Mich trennt noch das Abenteuer „packen“ von der Abreise. 14 Tage nur mit Handgepäck, da muss ich genau überlegen was ich mitnehmen möchte. Meine Sonnencreme ist leider in einer 200 ml Flasche, das Taschenmesser darf auch nicht mit und außer Wanderschuhen schaffen es nur FlipFlops auf die Packliste. Nobbi sieht das gelassener „also ich nehme nur mit, was in den Rucksack passt“. Ach nee… Ich habe aber einen Vorteil, ich bin kleiner und meine T-Shirts sind es auch. Ich kann also mehr Teile bei gleichem Volumen einpacken. Vielleicht drehe ich ihm auch noch die Zahnpasta an.

Wir haben es heute geschafft, trotz vieler kräftiger Schauer, unsere Wäsche trocken zu bekommen. Heute Nacht und auch heute Vormittag hat es zum Teil ergiebig geregnet. Die Straßen stehen unter Wasser, die Siele laufen über. Trotzdem konnten wir draußen frühstücken. Nobbi hat den ganzen Vormittag den Schauerwächterposten übernommen und bei einsetzendem Regen die Wäsche abgenommen und sobald es wieder trocken war wieder rausgehängt. Ja, so ist man sinnvoll beschäftigt.

Neue Füße für den Motor

Kurz nach dem Sonntagsfrühstück beschließt Nobbi wir könnten „mal eben“ die Motorfüße tauschen. Aus Deutschland haben wir vier neue Füße mitgebracht, zwei um die kaputten zu ersetzen und zwei für die Ersatzteilkiste. Natürlich ist das nicht ganz so einfach, zum einem steht ja der Motor drauf, zum anderen ist bei Bootsbaustellen ja grundsätzlich kein Platz um das Werkzeug anzusetzen. Mit vereinten Kräften gelingt es uns schließlich den alten Fuß auszubauen und den neuen ein. Leider braucht es ein paar Anläufe bis wir alle Fehler gemacht haben, die sich anbieten. Mal fehlt eine Unterlegscheibe, mal kontern sich die Muttern gegenseitig. Wir stellen fest, dass alle vier Füße kaputt sind und nicht nur zwei. Warum dachten wir eigentlich nur zwei wären hin? Beim Wechsel des zweiten Fußes stellen wir fest, dass wir mit dem kompliziertesten begonnen haben. Nummer zwei geht ganz fix.  Wir bauen Nummer drei aus und wundern uns. Sieht doch heil aus. Er wird entrostet und gefettet (als einziger der Füße sieht er nicht nagelneu aus) und wir bauen ihn wieder ein. Wir tauschen Nummer vier und haben uns unser Mittagessen verdient.

Nach dem Essen folgt der Motortestlauf. Ich habe die Aufgabe den Motor zu beobachten. Ich weiß zwar nicht so genau worauf ich achten soll, aber berichte nach dem Testlauf: wenig Vibration aber Motorlager Nummer drei ist doch kaputt. Die Begeisterung ist grenzenlos. Um bei Nummer drei den hinteren Bolzen zu lösen muss nämlich die Achterkoje wenigstens teilweise geleert werden. Das haben wir gerade schon einmal erledigt. Hilft ja nichts. Unser Motor hat nun vier neue Füße und unsere neue Einkaufsliste ihren ersten Punkt „Ersatz-Motorfüße“.

Das geplante Belohnungseisessen fiel einem kräftigen Regenguss zum Opfer, wird aber nachgeholt. Sonnenuntergang ist um viertel nach fünf, da beginnt für uns die gemütliche Zeit auf der Terrasse des Yachtclubs und an Bord.

Heute ging es zum Zoll. Wir brauchten ein neues TECAT, das Papier was uns schon in Recife auf Trab gehalten hat. Auch diesmal war es nicht ganz einfach, wir saßen drei Stunden beim Zoll, alle halbe Stunde kam die junge Dame vorbei und fragte nach den Pässen oder den Bootspapieren. Schließlich sollten wir eine Zollerklärung am Computer ausfüllen, dabei stürzte der Rechner ab und das Programm verhedderte sich mehrmals, doch letztendlich kam dabei eine Erklärung heraus, laut der wir heute mit dem Flugzeug angekommen sind und Mari im Gepäck hatten. Oder so ähnlich. Nun halten wir das begehrte TECAT in den Händen und haben auch noch ein Papier, das die Aufhebung der temporären Stilllegung unserer Mari bescheinigt.

Zum Mittag wartete ein echtes Highlight auf uns! Wir trafen Walter und Roswitha von der Aloma. Die beiden haben wir zuletzt vor 11 Monaten auf Madeira gesehen. Wir hatten uns viel zu erzählen und haben uns sehr über das unverhoffte Wiedersehen gefreut.

Anschließend waren wir bei der Capitania, dort bekommen wir mit unserem neuen TECAT nun wieder einen Eingangs-Zettel für Bahia. Die Capitania war leider schon geschlossen. Die beiden Wachposten am Tor waren sehr freundlich und hatten viel Spaß dabei ihre Englischkenntnisse an uns zu testen „good afternoon“ „bye bye“. Auf dem Rückweg haben wir herausgefunden, dass ein kleiner Laden ganz in der Nähe unseres Liegeplatzes eine gute Brotauswahl hat und ich habe einen für mich neuen sehr leckeren Saft probiert „Caja“. Heute war es trockener als angesagt. Es ist Regenzeit und es regnet häufig und stark. Wir sind aber nur auf dem Rückweg vom Duschen nass geworden. Dafür aber so nass, dass wir die Kleidung auswringen konnten.

Morgen geht es dann erneut zur Capitania. Es wird nicht langweilig.

 

Wieder im Brasilien

Unsere Anreise verlief wie gewünscht unspektakulär, allerdings blieb der Adrenalinspiegel die ganze Zeit recht hoch. Schon in Bremen hatte unser Flug Verspätung. In Frankfurt sind wir dann eilig quer über den Flughafen zum Anschluss-Gate getrabt, um dort festzustellen, dass auch der Flug nach Lissabon verspätet ist. In Lissabon gießt es in Strömen, die Mitreisenden sind wenig enthusiastisch, kein Wunder, sind in Bremen doch 26 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Wir nehmen den kürzesten Weg zum neuen Gate und haben Glück, außer uns will niemand durch die Passkontrolle. Unser knapp-drei-Stunden-Aufenthalt in Lissabon ist auf eine halbe Stunde zusammen geschmolzen. Uns stört das nicht, als wir am Gate ankommen beginnt das Einsteigen und wenig später hebt der Flieger nach Salvador ab, mit uns an Bord.
In Salvador bestätigt sich unser Eindruck, dass fast alle anderen Passagiere Brasilianer sind. Die Touristenschlange bei der Immigration besteht aus 5 Personen, uns eingeschlossen. Dementsprechend schnell verläuft die Einreise. Niemand interessiert sich für das Papier auf dem wir eingetragen haben, dass wir das Land mit SY Marisol verlassen wollen. Auch die vier Zöllner interessieren sich nicht für unsere drei Koffer, sondern weisen uns nur den Weg zum Ausgang.
Um vier Uhr deutscher Zeit sind wir müde und zufrieden wieder an Bord unserer Mari. Mari hat unsere Abwesenheit gut überstand und begrüßt uns fröhlich schaukelnd. Ob sie uns auch vermisst hat?
Gestern haben wir eingekauft und die Koffer ausgepackt. Auspacken hieß vor allem alle Dinge aus den Koffern nehmen und irgendwo ablegen. Heute kam dann das Feintuning. Alle Ersatzteile sind in den entsprechenden Boxen verschwunden, die Bordapotheke ist aufgestockt und die zugehörige Liste aktualisiert, die Kleidung in den Schränken gelandet und die Bücher passten haargenau in den knappen Regalplatz.
Da der Tag mit norddeutschem Sprühregen begann (er ist genauso fein, man wird genauso nass, nur etwas wärmer), passte das Wegsortieren gut in die Tagesplanung. Mittags wurde es dann freundlicher und trocken.
Zum Mittag tappten wir erneut in die Pansenfalle. Erinnert ihr euch, dass wir Anfang des Jahres schon einmal Pansen auf dem Teller hatten, weil wir nicht verstanden hatten, was es zu essen gibt? Wir dachten nun Freitag sei Pansentag und wähnten uns heute in Sicherheit. Leider zu unrecht. Entweder wir haben die Tage verwechselt, oder aber der Pansenrhythmus ist durcheinander. Nun ja, die Bohnen und die Soße waren lecker… . Zum Ausgleich gab es nachmittags noch ein Eis von unserer Lieblingseisdiele. Unsere entleerten Koffer waren wenig Bordkompatibel und fanden regen Anklang bei den Marineros. So war es ja auch von Anfang an geplant.
Am Montag müssen wir zum Zoll und unsere Mari wieder „aktivieren“ damit wir sie wieder bewegen dürfen.
Vielen Dank für eine netten Mails und guten Wünsche zur Weiterreise! Alle die uns nicht geantwortet haben bekommen in Zukunft keine Mail mehr wenn es etwas Neues zu lesen gibt.

Rhabarberschorle und Rapsfelder

In knapp einer Woche geht es für uns wieder nach Brasilien. Unsere Marisol wartet in Salvador auf uns und wir freuen uns auf sie. Die Zeit in Deutschland ist schnell vergangen. Drei Monate „an Land“ erschienen uns vorher sehr lang, rückblickend gingen die Wochen doch sehr fix rum. Wir haben es geschafft ganz viele Freunde zu treffen, unsere Familie (zwischen Kopenhagen und Singapur) besucht und das frühlingshafte Bremen genossen.
Wir freuen uns nicht nur auf unser schwimmendes Zuhause, sondern auch auf Brasilien, das warme Klima und die leckersten Ananas. Die letzten Tage hier gilt es unsere norddeutsche Heimat voll auszukosten, Rhabarberschorle, Spargel, Erdbeeren, Käse, Lakritz und Schokolade mit Kaffeesplittern. Nein, es geht nicht nur ums Essen. Ich war heute Morgen (fast) nackt auf dem windigen Balkon, um das Gefühl zu frieren so richtig auszukosten. Rapsfelder, die so gelb sind, dass sie in den Augen brennen, eine schöne Ausstellung in der Kunsthalle Bremen und Fahrradfahren auf dem Deich, wir nehmen alles mit.
Umso näher der Termin der Abreise rückt umso sicherer sind wir, dass wir irgendetwas Wichtiges vergessen haben. Egal was es sein sollte, nun muss es ohne gehen. Alle Dinge die mit zu Mari sollen bilden einen großen Haufen, der in den nächsten Tagen gesittet in den einen oder anderen Koffer umziehen soll. Ausnahmsweise werden wir nicht erst am Abend vorher packen.
Sobald wir wieder auf Reisen sind, berichten wir hier gewohnt regelmäßig über unsere Erlebnisse. Hoffentlich ist der Blogeintrag über unsere Reise nach Brasilien kurz und nüchtern, wir würden uns über eine ereignislose Anreise freuen.

Hier auf der Seite haben wir einige Dinge verändert. Die Aalgalerie hat ein neues Outfit bekommen, die Rubrik Kurioses haben wir rausgeschmissen, die Beschreibung unserer zurückgelegten Route aktualisiert und die Datenschutzerklärung wird noch angepasst. Den Newsletter haben wir (vorerst) inaktiviert. Wenn ihr weiterhin eine Mail bekommen möchtet, wenn es einen neuen Blogeintrag gibt, schreibt uns eine Mail! (Kleiner Tipp, die Emailadresse findet ihr unter Kontakt, wer hätte das gedacht.)

Website im Umbau

Die Nichterreichbarkeit unseres Blogs hat für so viel Verwirrung gesorgt, dass ich beschlossen habe, die Seite zunächst wieder auftauchen zulassen, auch wenn sich in den nächsten Wochen noch einige Dinge ändern sollen.
Wir freuen uns über allerfeinstes Wetter und leuchtende Rapsfelder, genießen Freunde und Familie und entdecken Bremen neu.
Viele Grüße vom ÄquatoriAal, den wir sicherlich bald treffen.

Urlaub auch für die Website

Unsere Seite macht Urlaub. Allerdings wird es eher ein Arbeitsurlaub als eine Entspannungsreise. Wir möchten einige Dinge ändern und überlegen unseren Blog umzuziehen. In der Umbauphase wird unsere Seite nicht erreichbar sein. Wenn wir Ende Mai zum Boot zurückkehren, gibt es hoffentlich eine schöne neue Seite. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns weiterhin auf unserer Reise begleitet.

Abstecher nach Singapur und Bali

Vergleichsweise spontan ging es für uns nach Singapur, dort lebt und arbeitet meine Schwester samt Mann seit einem dreiviertel Jahr. Höchste Zeit für einen Besuch. Singapur ist eine spannende, sehr moderne Stadt. Neben den vielen (teilweise sehr interessanten) Hochhäusern fällt uns zunächst auf wie gut dieser Stadtstaat organisiert ist. Natürlich haben wir uns das touristische Singapur angesehen, sind mit der MRT (der U-Bahn) gefahren und haben uns die Füße rundgelaufen, Marina Bay, Chinatown und Little India, das Aquarium, alt und neu, Wolkenkratzer und Parks, Moscheen, Tempel und Kirchen auf engstem Raum.

Neben den Hochhäusern (ich bin ein ausgesprochener Hochhausfan) hat uns der botanische Garten besonders gut gefallen. Eine große, grüne Oase mitten in dieser großen Stadt. Noch mehr als das Sightseeing-Singapur, hat uns Lisas Singapur interessiert, wollten wir doch sehen wie sie hier lebt. Und wir haben uns unter ihrer Anleitung durch die Stadt gefuttert. Singapur ist nicht nur die Stadt des Shoppings sondern auch des Essens. Wunderbar!


Insgesamt hatten wir gar nicht so viel Zeit für Singapur, zu dritt haben wir uns auf den Weg nach Bali gemacht. Auf der Götterinsel ging es zunächst nach Ubud, hinterher nach Canggu, dichter an die Küste. Wir haben Tempel besichtigt und heilige Affen besucht, sind mit dem Roller zwischen den Reisfeldern über kleine Straßen gesaust, haben fern der Touristenziele kleine Dörfer gesehen, uns mit vielen anderen Besuchern aus aller Welt abends durch die Läden in Ubud geschoben, sind den langen Strand in Canggu und Seminyak entlang spaziert, haben uns balinesische Massagen gegönnt und haben wunderbar gegessen. Wir kannten Bali alle drei bereits und waren wieder begeistert von der Vielseitigkeit der Insel und der Freundlichkeit der Balinesen.


Singapur hat uns beeindruckt, Bali zu mögen fällt leicht, doch besonders schön war es, dass ich fast zwei Wochen mit meiner kleinen Schwester verbringen durfte.
Seit Montag sind wir zurück in Deutschland, jetzt heißt es wieder Dinge erledigen und Listen abarbeiten. Wir werden täglich einen Spaziergang einschieben, schließlich müssen wir unsere Asienkilos wieder loswerden!