Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – Tierisch gute Laune

Tag 10 der Ueberfahrt. Seit gestern geht es Schlag auf Schlag. Zunaechst hatten wir nachts Delfinbesuch. Morgens schwammen einige kleine blaue Fische mit gelber Schwanzflosse neben Mari. Sie schwimmen jetzt seit eineinhalb Tagen immer in Maris Schatten und ganz dicht hinterm Heck.
Gestern Nachmittag begegnete uns ein grosser Wal. Nur 30m neben uns schwamm er auf Gegenkurs an uns vorbei. Er war etwas groesser als Mari, blieb an der Oberflaeche und wir konnten noch lange seinen Blas sehen. Zu Sonnenuntergang hatten wir wieder ausgiebigen Delfinbesuch. Eine grosse Gruppe Tiere schwamm vor unserem Bug. Bevor es ganz dunkel wurde, kam eine grosse Schildkroete vorbei.
Heute Morgen faellt uns zuerst die veraenderte Wasserfarbe auf. Dunkelgruen statt tiefblau. Und wir haben neue Begleiter. Tuerkis leuchtende Mahi Mahis begleiten uns. Die grossen Goldmakrelen haben einen gelben Schwanz, leuchtend blaue Flossen, einen tuerkisenen Koerper und eine gelbe Stirn. Sie sind elegante Schwimmer, jagen gelegentlich die fliegenden Fische aus dem Wasser und bleiben sonst dicht bei Mari. Unsere kleinen blau-gelben Begleitfische halten sich sehr eng an Mari, seit ihre grossen Kollegen aufgetaucht sind. Nobbis Angelversuche wurden sofort beantwortet. Der Koeder war noch nicht ganz im Wasser, schon wurde der Haken abgebissen. Anscheinend war der Koeder zu klein.
Der Wind schlaeft langsam ein. Bis Mitternacht waren wir sehr flott unterwegs, seitdem geht es immer langsamer voran. Gestern Abend um zehn haben wir eine Halse gefahren, wir standen sehr weit oestlich von unserer Kurslinie. Heute Mittag hat der Wind dann gedreht, wir haben wieder gehalst und die Genua ausgebaumt. Jetzt nimmt der Wind noch weiter ab und die Segel stehen schlecht. Dennoch, solange wir uns in die richtige Richtung bewegen haben wir keine Lust zu motoren.
Wir lassen es um gut gehen. Zum Fruehstueck gab es Ruehrei und Spargel mit Knaeckebrot. Der Speiseplan fuer das Abendessen steht noch nicht. Vielleicht gibt es frischen Fisch?

Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – Segelwechsel und Fischbesuch

Tag 8 der Ueberfahrt. Wir haben weniger Wind als in den letzten Tagen, noch duempeln wir aber in die richtige Richtung. Kein Grund sich zu beschweren. Gestern haben wir noch vor dem Fruehstueck das Segel gewechselt, die Fock heruntergenommen und die Genua gesetzt. Bei so wenig Wind kann etwas mehr Segelflaeche nicht schaden. Wir sind ganz schoen ins Schwitzen gekommen, doch nun liegt die Fock saubergefaltet im Vorschiff und unsere betagte Genua zieht uns nach Norden. Tatsaechlich sind wir die letzten 9000 Meilen, die Strecke seit Bremen, immer mit der Fock gesegelt. Es wurde Zeit fuer einen Auftritt der Genua.
Es ist waermer geworden. Haben wir uns in den ersten Naechten im Cockpit noch mit einem Handtuch zugedeckt, ist die Nachtwache nun auch in kurzen Hosen gemuetlich. Und es wird etwas feuchter, was wir auch daran merken, dass der Sternenhimmel nicht mehr ganz so hell funkelt wie vor einigen Tagen. Trotzdem ist die Aussucht auf die Milchstrasse berauschend.
Eine Gruppe kleiner Fische begleitet uns, anscheinend gefaellt es ihnen in Maris Schatten zu schwimmen. Heute Morgen hatten wir Besuch von einem Delfin und heute Nacht einen schwarzen Vogel als Passagier. Gelegentlich werden wir von einem Schiff ueberholt. Die Sonnenauf- und Untergaenge sind wunderschoen. Dass wir bereits eine ganze Strecke nach Westen zurueckgelegt haben, merken wir auch daran, dass die Sonne deutlich spaeter verschwindet und auch wieder auftaucht. Praktischerweise haben Start und Ziel dieser Etappe die gleiche Zeitzone, wir muessen die Uhren also nicht umstellen.
Zum spaeten Fruehstueck gab es heute Pfannkuchen mit Pflaumenkompott. Die Pflaumen habe ich im Dezember in Salvador eingekocht. Sehr lecker. Unser langsam ueberreifes Obst haben wir fast komplett aufgefuttert. Es gibt noch eine Handvoll AEpfel und zwei Ananas, sowie 40 Orangen, die sich aber noch eine Weile halten werden.
Fuer die Energiebilanz ist unser Nordwestkurs nicht optimal. Ab fruehen Nachmittag liegt das ganze Schiff im Schatten der Segel, die Solarpanels machen keinen Strom und bei dem wenigen Wind, bringt unser Windgenerator auch nichts. Fuer das entspannte Lesen im Cockpit ist die Beschattung aber wunderbar.

Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – ein doppelter Feiertag

Tag 6 der Ueberfahrt. Die Stimmung an Bord von Marisol ist ausgezeichnet. Das Wetter meint es gut mit uns. Der Passat schiebt uns, die Welle ist moderat, das Leben an Bord rundum schoen. Wir haben heute Bergfest, die Haelfte der Strecke liegt hinter uns, und wir ueberqueren heute den AEquator und sind dann wieder auf der Nordhalbkugel. Zwei Gruende zu feiern.
Am Mittwoch haben wir Jacare gegen Mittag bei Hochwasser verlassen. Das Ablegemanoever war furchtbar, das Schlimmste unserer Reise, wir haben uns mit dem Kiel in der Mooring des Nachbarboots verheddert, doch zum Glueck ist nichts passiert. Durch die tatkraeftige Unterstuetzung unserer hollaendischen Nachbarn kamen wir frei. In der Flussmuendung treffen wir noch einmal die kleinen Delfine, die Fregattvoegel kreisen, ein letzter Blick aufs Fort, das hohe Silo und den Strand von Cabedelo und schon sind wir unterwegs.
Den zweiten Tag der Reise wuerde ich gern aus meinem Gedaechtnis streichen, ich war furchtbar seekrank. Als ich im stroemenden Regen ueber der Kante hing, habe ich mich nicht zum ersten Mal gefragt warum ich das tue. Die ersten beiden Tage aergerten uns gelegentliche Schauer, seitdem ist es trocken.
Jetzt macht das Segeln Spass, die Tage gehen ineinander ueber, die Ereignislosigkeit ist Luxus. War das gestern als ich das Schiff gesehen habe? Ursel, unsere Windsteueranlage, uebernimmt das Rudergehen, wir lesen, hoeren Musik und Podcasts, unterhalten uns, schlafen und futtern uns durch unsere Vorraete. Das Motto ist, was wir aufgegessen haben, kann nicht mehr schlecht werden. Gestern gab es Nudeln mit Zucchini-Tomaten-Sosse und Tomaten-Gurken-Salat, ausserdem Melone. Heute stehen Suesskartoffeln mit Rotkohl-Tsatsiki und Papaya auf der Speisekarte. Unsere Bananen haben wir schon fast aufgegessen, aber ab morgen muessen wir uns dringend um unsere Ananas kuemmern.
Der Sternenhimmel ist fantastisch, wir koennen Venus, Jupiter, Mars und Saturn sehen. Da der Mond sich nur kurz nach Sonnenuntergang zeigt, ist es so dunkel, dass die Planeten eine silberne Strasse aufs Wasser zeichnen. Ausserdem sind viele Sternschnuppen unterwegs. Natuerlich verrate ich nicht was ich mir wuensche.
Unser friedlicher Bordalltag wurde heute Morgen empfindlich gestoert. Nobbi hat mich mit Kaffee geduscht. Ich schlief, als die Kaffeekanne (French Press) sich nicht runterdruecken lassen wollte und dann schliesslich doch nachgab. Was fuer ein Schreck. Zum Glueck ist nichts passiert. Nur die Kaffeeflecken auf meinem T-Shirt, das eigentlich Nobbi gehoert, und der leichte Kaffeegeruch in unserer Koje erinnern an den Zwischenfall.

Abschied von Brasilien

Nach einer Neuauflage der Chicken-Pool-Party am Sonntag, ist für uns die Zeit des Abschieds gekommen.
Wir wollen auschecken. Die Behörden hier haben einen zweifelhaften Ruf, es soll ewig dauern, Geschichten von sehr langen Aufenthalten bei der Policia Federal kursieren und der Zoll soll es besonders genau nehmen. Wir beschließen es entspannt angehen zulassen und uns selbst ein Bild zu machen. Für die Ausreise muss man zunächst zur Policia Federal, der Immigration, und sich den Pass stempeln lassen, dann zur Receita Federal, das ist der Zoll, und schließlich zur Capitania. Das Prozedere wird dadurch erschwert, dass die drei Behörden in drei verschiedenen Stadtteilen liegen. Die Policia Federal ist in Intermares, die zuständige Receita Federal in Cabedelo und die Capitania in Joao Pessoa.
Zunächst laufen wir nach Intermares und beschließen den Weg am Strand entlang zu nehmen, das ist zwar nicht der direkte Weg, aber wir hoffen auf einen schöneren Weg und frischen Wind. Leider weht kein Wind und es ist sehr heiß. Bei der Polizei hingegen ist es angenehm kühl. Nach ein paar Minuten Wartezeit werden wir aufgerufen. Ein fröhlicher Beamter macht unsere Papiere fertig, nur das Einlesen unserer Pässe dauert etwas. Er beklagt sich über das langsame Internet und wir lachen gemeinsam über den mühsam wachsenden Ladebalken auf seinem Bildschirm. Wir bekommen unsere Stempel und dazu gute Wünsche für die Reise. Das ging schon mal fix. Nun müssen wir nach Cabedelo. Da der Zug erst in über einer Stunde wieder fährt, beschließen wir ein Taxi zunehmen. Wir laufen zehn Minuten bis wir ein Taxi finden und sind dann schnell in Cabedelo.
Zunächst stehen wir im falschen Büro der Receita Federal. Eine junge Frau erklärt uns in schönstem Englisch, dass ihr Englisch leider nicht sehr gut sei, ob sie uns den Weg auch auf Spanisch beschreiben könnte. Ein paar Minuten später sind wir auf dem Hafengelände und auf der Suche nach dem Büro der Receita Federal, da geht hinter uns ein Fenster auf. Wir sind vorbei gelaufen.
Ein sehr resoluter Mann kramt in unseren Unterlagen. Wir haben unsere Bootspapiere nicht mit. Warum eigentlich nicht? ? Doch wir haben Glück. Er erklärt uns, dass er seinen Kollegen aus Salvador traut, die hätten unsere Papiere sicherlich geprüft. Dann wird es lustig. Er entdeckt zwischen unseren Papieren einen Flyer, den wir in Salvador bekommen haben. Unglaublich, die Kollegen aus Salvador haben seinen Flyer kopiert. Er zeigt uns seinen Flyer im Vergleich mit dem der Kollegen aus Salvador, kopiert den aus Salvador und stempelt unsere Papiere. Dann macht er uns darauf aufmerksam, dass wir uns nicht beeilen müssen, 72 Stunden haben wir Zeit für die Ausreise. Die ganze Zeit ist sehr zackig und etwas knurrig. Als ich zum Abschied sage, dass uns Brasilien sehr gefallen hat und wir eines Tages wiederkommen wollen, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Wir sind jederzeit willkommen.
Jetzt könnten wir zur Capitania nach Joao Pessoa fahren, doch wir entscheiden uns für etwas Sightseeing. In Cabedelo beginnt die Transamazonica. Es gibt ein großes Schild am Kilometer null und ein gekacheltes Bild des Streckenverlaufs. Dahinter, sorgfältig versteckt, ist das Schild zum Fort Santa Catarina. Nicht nur die Portugiesen, auch die Holländer und Französen hatten Interesse an Brasilien und so wurde hier im 16. Jhd. .ein Fort errichtet. Die Anlage ist hübsch und der Ausblick vom Fort auf den Fluss schön. Das Fort liegt direkt neben den Tanklagern, es riecht etwas nach Raffinerie und Diesel.
Heute ging es also nach Joao Pessoa zur Capitania. Die Zugfahrt dauert eine Viertelstunde, nach ein paar Minuten Fußweg stehen wir vor der Capitania. Hier sieht es sehr ruhig aus, ob geschlossen ist? Unser Anliegen wird direkt am Empfang bearbeitet, ein paar Kopien, ein paar Stempel, „gute Reise“, das war’s.
Wir machen noch einen Spaziergang, finden Nobbis Lieblings FlipFlops in blau, kaufen Obst und Gemüse auf dem Markt und essen in einem kleinen Imbiss. Dann bummeln wir ein bisschen durch die sehr heißen Straßen im Elektro-, Bau- und Lampenviertel bis der Zug uns zurück nach Jacare bringt. Zurück auf dem Boot schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Supermarkt. Auf dem Rückweg sehen wir kleine Äffchen auf der Stromleitung und legen einen Kokosnuss-Stopp an der Porta do Sol ein, wo wir ein letztes Mal den Bolero hören.
Morgen soll es weiter gehen. Wir verabschieden uns von Brasilien und freuen uns auf Französisch Guyana. Brasilien, vor allem die freundlichen Brasilianer, werden wir vermissen!
Muito obrigado Brasil! Danke für eine schöne Zeit!

Wir haben heute übrigens Geburtstag! Heute vor zwei Jahren haben wir in Lesum die Leinen gelöst.

Entspannte Warteschleife

Man kann hier spielend leicht einen Tag, oder auch eine Woche, mit Warten auf irgendwas verbringen.
Warten darauf, dass sich herausstellt auf welchem Platz in der Marina wir liegen können.
Warten darauf, dass eine Internetverbindung hergestellt wird.
Warten darauf, dass unsere Wäsche zusammengelegt ist.
Warten darauf, dass unsere Badeleiter-Aufhängung geschweißt wird.
Der Bundesstaat Bahia (mit Hauptstadt Salvador) hat einen schlechten Ruf in Sachen Effektivität und Schnelligkeit. Von den Brasilianern, die wir auf unserer Amazonasreise getroffen haben, haben wir gelernt, dass es eine Menge Witze über die Langsamkeit in Bahia gibt. Diese Witze haben einen wahren Kern. Auf meiner ganz persönlichen Landkarte ist jedoch Jacare die Hauptstadt der Langsamkeit.
Wir haben Nüsse gekauft. Es gibt hier sehr leckere Kreationen quasi gebrannte Cashewkerne mit Zimt und natürlich Paranüsse. Unsere Ausrede, weshalb wir unbedingt diese ziemlich teuren Nüsse kaufen müssen ist übrigens, dass sie super gegen den kleinen Hunger in der Nachtwache sind. Natürlich muss die Eignung vorher überprüft werden… Die Dame die die Nüsse verkauft ist sehr freundlich und sehr langsam. Hat man eine Sorte ausgewählt und die Nüsse wurden in ein Tütchen gefüllt, wird nun ein Schildchen mit Barcode darauf geklebt. Auf das Schild wird per Hand noch die Sorte notiert. Falls man das mal vergisst wird das Schild wieder abgezogen. Der Vorgang dauert locker 5 min, pro Sorte. Ich tue etwas für meine Haltung und warte auf einem Bein (Fortgeschrittene stehen auf dem Ballen, einbeinig natürlich).
Während unserer Warterei lassen wir es uns gut gehen. Wir haben bereits einige Bücher aus der Marina-Bibliothek gelesen. Hier gibt es eine große Sammlung von Romanen, Segelbüchern und Ratgebern. Interessant finde ich die hohe Anzahl an ungelesenen Langfahrtsegel-Ratgebern. Wer es bis hierher geschafft hat, braucht diese Bücher auch nicht mehr lesen. Unseren sieben Winschen ist der Aufenthalt hier gut bekommen, sie sind frisch gewartet, gefettet und besser als neu.
Beim Putzen des Hecks hatte ich gesehen, dass die Aufhängung der Badeleiter auf beiden Seiten einen kleinen Riss hat. Nichts Dramatisches, aber etwas was man im Auge behalten sollte. Gegenüber unseres Stegs ist eine Outdoor-Schweißerei. Die frisch geschweißten Edelstahlteile machten einen guten Eindruck, also haben wir ein Foto von unserem Schaden gemacht und gefragt, ob er den Riss schweißen könnte. „Klar kein Problem!“. Nun folgte eine typische Bootsbaustelle. Kleine Sache, große Baustelle. Zum Abschrauben der kleinen Platten muss man von innen gegen halten. Dafür „darf“ ich in die Backskiste. Damit ich reinpasse müssen Dieselkanister, Eimer, die Tasche mit den Teakholzresten und der Ersatzanker aus der Kiste raus. Die Niro-Halterungen wurden dem Schweißer am Strand übergeben und verschwanden erstmal, tauchten zum Glück am nächsten Tag schon kurz nach der vereinbarten Zeit wieder auf. Es mussten erst die richtigen Inox Schweißanoden besorgt werden. Mit der Arbeit sind wir sehr zufrieden. Beim Wiedereinbau haben wir sie mit Sikaflex abgedichtet (das ist eine fürchterlich schmierende schwarze Dichtungsmasse). Die Platten sitzen perfekt, ich denke das hält jetzt locker die nächsten 25 Jahre. Da ich sowieso gerade in der Kiste saß, habe ich die Kabel dort kontrolliert, ein paar neu befestigt und etwas „Wetprotect“ verteilt. Alle Kanister und Eimer sind wieder in der Kiste verschwunden. An die Baustelle erinnern nur noch die Sikaflexreste unter meinen Fingernägeln, die wohl rauswachsen müssen. Nobbi hat mehr mit dem Sikaflex rumgeschmiert aber weniger Andenken gesammelt. Er hat mir geraten so lange zu duschen bis ich völlig aufgeweicht bin, dann würde es ab gehen. Toller Tipp. Wie lange muss man denn unter einer kalten! Dusche stehen, bis man verschrumpelt?
Die letzten Tage hielten wieder interessante Tierbegegnungen bereit. Mehrere Flötenfische schwimmen um Mari, ich habe versucht sie zu füttern, aber sie hatten kein Interesse an meinem Angebot. Im Supermarkt habe ich eine riesige Spinne zwischen den Bananen gesehen, ich hatte kein Interesse an einer engeren Interaktion.
Da heute Sonntag ist, wird gegrillt, oder es gibt eine Wiederholung der Chicken-Pool-Party. Genauere Pläne gibt es noch nicht. Die Seglergemeinschaft hat sich dem brasilianischen Tempo angepasst.

Umzug in die Marina

Wir liegen am Steg. Der Umzug in die Marina gestaltete sich komplizierter als gedacht, ursprünglich wollten wir am Montag an den Steg umziehen gestern, also Mittwochmorgen, war es schließlich so weit. Um sieben Uhr, pünktlich zu Hochwasser haben wir unseren Anker ausgegraben. Das Manöver war durch die „Hilfe“ der Marineros spektakulärer als nötig, doch zum Glück kann man unsere vergleichsweise leichte Mari per Hand von den scharfkantigen Pfeilern abhalten. Hier am Steg ist es nicht unbedingt gemütlicher als am Anker, die Wellen platschen unter die Schiffe und gegen die Schwimmstege, aber die Wege sind deutlich kürzer. Morgens mal eben Duschen oder Brötchen holen geht zu Fuß einfach schneller als mit dem Beiboot. Wir freuen uns über die kurzen Wege, bringen Wäsche zum Waschen, setzen uns nachmittags mit den Laptops in den Yacht Club und freuen uns über die französischen Brötchen. Die Brötchen hier sind eine Sensation, sie sind tatsächlich nicht gesüßt! Was Zuhause selbstverständlich ist, ist hier die Ausnahme. In vielen Produkten sind unglaubliche Mengen Zucker enthalten, von versteckt kann nicht die Rede sein. Manch ein „Saft“ hat mehr Zucker als Cola, „Naturjoghurt“ ist oft unerträglich süß und eben auch fast jedes Brot ist ordentlich gezuckert. Inzwischen haben wir Säfte ohne Zuckerzusatz gefunden, wissen von welchen Herstellern es zuckerfreien Joghurt gibt und haben jetzt eben diese leckeren Brötchen entdeckt.
Die kleinen Tücken des (Boots-) Lebens halten uns auf Trab. Nobbis Computer erkennt jedes WLAN, nur das des Yacht Clubs nicht, in meinem Rucksack ist Waschmittel ausgelaufen (das hat vielleicht geschäumt) und leider haben wir die Rostbrösel der Druckfeder aus unserem kaputten Niederholer gleichmäßig übers Boot verteilt (innen und außen), was wieder zu unschönen Rostflecken führt.
Nach wie vor finde ich es hier nicht besonders schön, trotzdem fühlen wir uns wohl. Die Marina ist inzwischen fest in Französischer Hand. Die Betreiber der Marina kommen aus Frankreich, genau wie alle verbliebenen Gäste, abgesehen von uns. Die meisten sprechen gut Englisch und wir lernen jetzt Französisch in Vorbereitung auf Französisch Guyana. Wir testen unser Französisch an den Kindern auf dem Nachbarboot, die wiederum ihr Englisch an uns ausprobieren. So kommt es, dass wir uns regelmäßig gegenseitig nach dem Namen und dem Befinden fragen. Wer an der Bar etwas essen möchte muss auf Portugiesisch oder Französisch ein paar Stunden zuvor bestellen. Nobbi hat gestern auf Französisch erfolgreich eine Pizza für den Abend bestellt, die ausgesprochen lecker war.
Tierische Begegnungen sind immer ein Highlight. Regelmäßig sichten wir Delfine am Ankerplatz, in einer hohlen Palme nisten grün-gelbe Papageien, eine Truppe grüner Papageien macht viel Krach beim abendlichen Rundflug (immer in Paaren) und ein merkwürdiger Eulen(?)vogel schreit uns auf dem Weg zum Supermarkt immer vom gleichen Zaunpfahl aus herausfordernd an.

Jacare Schreivogel

Sabadinho Bom und die Chicken-Pool-Party

Unsere Freitagspläne sind samt der Mondfinsternis ins Wasser gefallen. Nachdem wir lange Glück hatten und es tagsüber immer schön war und wir nur nachts gelegentlich von einem Schauer geweckt wurden, hat es Freitag fast den ganzen Tag geregnet. Schade, ich hätte die Mondfinsternis so gerne gesehen.
Samstags findet in Joao Pessoa Sabadinho Bom statt, das ist eine nette Musikveranstaltung. Auf einer Bühne spielt eine Band, davor wird getanzt, auf einem Platz unter den Bäumen stehen lauter Tische und außen rum gibt es viele kleine Stände, die Gegrilltes, Suppen, Bier und Caipi verkaufen. Die Musik ist gut und die Stimmung fröhlich. Wir entdecken unterschiedlichste Tanzstile unter anderem eine brasilianische Antwort auf Tango, die uns sehr gefällt. Wir mochten die entspannte Atmosphäre, jeder tanzt mit jeden, sogar Leute in kurzen Hosen mit weißen Socken in schwarzen Halbschuhen finden Tanzpartnerinnen. Ein älterer Mann hat seine Triangel dabei und „begleitet“ die Band, niemand stört sich daran. Man trifft sich im Schatten der großen Bäume und wenn der offizielle Teil beendet ist, wird selbst Musik gemacht.
Auf dem Rückweg saßen wir zu sechst in einem Taxi. Die Bahn fährt leider nur unter der Woche und Samstag vormittags, also wurde von irgendeinem hilfsbereiten Bekannten ein Taxi organisiert. Während dieser unterhaltsamen Rückfahrt wurde die Idee eines gemeinsamen Grillhähnchen Essens geboren. Als wir nach unserer Ankunft feststellten, dass der Pool das erste Mal seit wir hier sind mit Wasser gefüllt ist, beschlossen wir eine Chicken-Pool-Party zu veranstalten. Wir hatten Glück mit dem Wetter, haben uns zu zehnt voll gefuttert und gebadet. Jedes Schiff hat einen Salat mitgebracht und die Hähnchen waren sehr lecker.
Nebenbei haben wir Maris Rumpf geputzt, vom Beiboot aus war das eine sportliche Veranstaltung. Dabei haben wir leider festgestellt, dass Mari lauter ganz kleine schwarze Punkte hat. Anscheinend wurde in Salvador der Steg gemalt als wir nicht da waren. Es wird also noch weitere Trainingseinheiten geben. Vorhin hat Nobbi hundert Euro gespart. Hundert Euro soll es kosten das Schiff von unten reinigen zu lassen, Maris Bauch ist aber noch recht sauber, so dass wir das für teuer halten. Nobbi ist bei wenig Strömung in den Fluss gesprungen, hat unseren Impeller gängig gemacht und den Propeller gesäubert.
Heute wollten wir eigentlich an den Strand, der ein oder andere Schauer hat die Begeisterung für dieses Vorhaben gedämpft. Es blieb bei einem langen Spaziergang und einem Wassereinkauf.

Gefährliches Jacare

Dieses beschauliche Kaff ist gefährlicher als es zunächst wirkt. Beim Duschen wurde ich von einem Frosch „angegriffen“. Eigentlich ein sympathischer Hüpfer, jetzt wo wir uns kennen dusche ich gern mit ihr (?). Doch als ich mit geschlossenen Augen unter der Dusche stand und sie auf mir landete habe ich mich furchtbar erschrocken.
Gestern auf dem Rückweg vom Einkaufen musste ich in die Büsche springen um nicht unters Pferd zu geraten. Pferde, Mulis und Esel werden hier gerne für den Transport genutzt. Gestern kam uns zum Beispiel eine Sofagarnitur auf einem Eselkarren entgegen. Diese Pferde- und Eseltransporte sind meistens im Galopp unterwegs und nehmen gerne die Innenseite der Kurve.
Jacare bedeutet Krokodil. Leider ist es lange her, dass das letzte Kroko gesichtet wurde. Wir haben natürlich den am Amazonas gelernten Kroko-Ruf ausprobiert und keine Antwort erhalten. Ein paar Meter (vielleicht 300m) flussaufwärts der Marina befindet sich eine kleine Touristenmeile mit vielen Beton-Krokodilen und unzähligen kleinen Läden. Die Faszination der Touristenattraktion „Porta do Sol“ hat sich uns noch nicht so ganz erschlossen. Jeden Nachmittag kommen mehrere Busladungen brasilianischer Touristen hierher und bewundern den Sonnenuntergang, entweder von der Promenade aus oder von einem der Ausflugsschiffe, die jeden Abend die gleiche Runde um unseren Ankerplatz drehen und dabei jeden Abend die gleiche Musik spielen. Der Star ist der Saxophonspieler, der seit 23 Jahren jeden Abend im weißen Anzug in einem Boot stehend den Bolero spielt. Sehr kitschig, aber auch irgendwie schön.
Die Mücken hier stellen eine echte Gefahr dar. Jeden Abend gegen halb fünf stürzen sie sich auf uns. Zum abendlichen Treffen der Segler in der Marina Bar gehen wir nur noch mit Anti-Mücken-Spray. Trotzdem bin ich total zerstochen. Die Mücken bzw. ihre Abwesenheit machen den Ankerplatz gegen über dem Platz am Steg attraktiv. Wir hatten gestern das erste Mal eine einzelne Mücke an Bord, die wir erlegt und seebestattet haben. Ein Platz am Steg wäre bequemer, aber dann müssten wir unsere Moskitonetze wieder konsequent geschlossen halten. Vorerst bleiben wir am Anker.
Bei uns ist es kühler als in Deutschland. Im Moment haben wir jeden Tag sonnige 27 Grad, nachts regnet es gelegentlich. Der frische Wind am Ankerplatz sorgt für Kühlung, wir schließen nachts manchmal die Luke über unsere Koje, weil es uns (mir) zu kühl ist.
Die Tage vergehen mit Kleinigkeiten, lesen und Seglerschnack. Wir haben unsere Dirk ersetzt, einen neuen Niederholer gebastelt und das Segelkleid geflickt. Auch unsere WLAN-Antenne funktioniert inzwischen und das „Nudelschapp“ wurde umgeräumt. Hoffentlich öffnet es sich jetzt nicht mehr im Seegang. Anscheinend ist gerade Kokosnuss-Hochsaison, denn sie schmecken zur Zeit besonders süß und fruchtig. Eine kalte Kokosnuss ist unsere Lieblingserfrischung. Gestern waren unsere Einkäufe schwerer als gedacht und der Heimweg zog sich in die Länge. Dann konnten wir nicht widerstehen und haben auch noch Ananas und Orangen an einem Stand an der Straße gekauft. Nun kam zu den schweren Rucksäcken und einer Tasche auch noch ein Sack Orangen hinzu. Dann haben wir dann auch noch eine Ananas geschenkt bekommen. Völlig überladen hatten wir eine gute Ausrede unterwegs einen Kokosnuss-Stopp einzulegen. Natürlich hätten wir ein Taxi nehmen können, aber dann hätten wir weder die Ananas geschenkt bekommen, noch die Kokosnuss getrunken.
In den letzten Tagen haben fünf Yachten in Richtung Norden abgelegt, eine sechste wird morgen folgen. Wir bleiben noch ein paar Tage, wir sind einfach noch nicht fertig mit dem Nichtstun.

Ruhige Ankertage in Jacare

„Gibt die Erdbeeren her, sonst sind die gleich weg“. Nobbi hatte Angst, dass ich die gerade erstandenen Erdbeeren an das nette Pferd verfüttere. Hier sind eine ganze Menge Pferde unterwegs, einige sind angeleint, andere laufen hier einfach in der Gegend rum. Natürlich muss ich sofort Kontakt aufnehmen. Wenige Dinge machen mich kurzfristig so fröhlich wie das Streicheln einer samtigen Pferdenase oder einer besonders netten Katze. Das Pferd hat die Erdbeeren nicht bekommen, sich aber bereitwillig streicheln lassen. Im ersten kleinen Laden gibt es eine besonders schöne Katze mit leuchtend blauen Augen, natürlich sind wir bereits Freunde.
Die Tage vergehen schnell hier in Jacare. Wir liegen noch immer Anker vor dem Yachtclub und Nobbi bestreitet sein tägliches Fitnessprogramm in dem er uns an Land rudert. Ich lerne gerade die Ruderkommandos „In die Auslage“ und unterstütze ihn so.
Nach unserem vergeblichen Einklarierungsversuch am Dienstag, waren wir am Mittwoch in Joao Pessoa bei der Capitania und haben dort die Formalitäten erledigt. Wir hatten Glück, es ging schnell, freundlich und unkompliziert. Anschließend haben wir uns in der Stadt umgesehen. Für brasilianische Verhältnisse ist Joao Pessoa mit 800.000 Einwohnern eine Kleinstadt. Sie ist uns auf den ersten Blick sympathisch. Hier ist es recht sauber und irgendwie nett. Die Läden sind „sortiert“, wie das hier üblich ist. Kommt man vom Bahnhof, geht es zunächst entlang der Autoschrauber, dann der Eisenwarenhändler und dann kommen die Möbelläden. Als nächstes kommen die Elektronikgeschäfte. Hier werden Musikanlagen verkauft, deren Boxen 1800 Watt Bums haben, das wäre doch was für Mari…
Wir schlendern durch die Fußgängerzone und besichtigen das Kloster Sao Francisco. Wir haben Glück und es beginnt gerade eine Führung. Wir verstehen kein Wort, trotzdem gefällt uns die Führung, bekommen wir so doch einen guten Überblick. Das Kloster liegt im höchsten Teil der Stadt und ein kühler Wind weht durch die Räume. Der Ausblick vom Kloster über den Fluss und die grünen Ufer ist sehr schön. Nach einer Kokosnusspause haben wir Hunger und landen in einem kleinen Kiosk. Nach einem Hamburger entdecken wir Limetten- und Maracujamousse. Nur für diesen super Nachtisch werden wir wiederkommen. Später stellen wir fest, dass dies unser günstigstes Mittagessen in Brasilien war. Nahe des Bahnhofs gibt es einer ganze Reihe farbenfroh renovierter Häuser. Ich würde gerne in dem Pinken Wohnen.
Am Donnerstag erkunden wir Intermares, der Stadtteil der gegenüber vom Jacare am Strand liegt. Hier gibt es Supermärkte und einige Obststände. Sonst ist es eher tot, oder netter ausgedrückt sehr ruhig. Wir spazieren ein wenig an dem langen Strand entlang und kaufen dann ein.
Die Zeit am Anker nutzen wir für Tüddelei am Boot. An Deck sind während der Überfahrt Brösel aufgetaucht, deren Herkunft geklärt werden muss. Vermutlich kommen sie aus unserem Niederholer (Rod Kicker). An einem der Wasseralarme (die gleichen Dinger, die man unter seiner Waschmaschine legt oder im Labor unter den Autoklaven…) muss eine Lötstelle erneuert werden. Das dauert ungefähr 3 min. Dafür wird der gesamte Salon in eine Baustelle verwandelt und Werkzeug aus drei Schränken wird benötigt. Nach bereits einer Stunde ist es erledigt… Nachdem ich einen ganzen Tag mit unserer WLAN Antenne verbracht habe, sie dann 2 min funktioniert hat und sie jetzt nichts mehr sagt, suche ich mir eine Beschäftigung mit garantiertem Erfolg und putze unsere Schiffsglocke. Beim Messing putzen sieht man unmittelbar seinen Erfolg, das habe ich gebraucht.
Am späten Nachmittag verholen wir auf die Terrasse der Marina, dort trifft man sich. Andere Segler haben ganz andere Probleme, ein Schiff ist vom Slip gefallen und voll Wasser gelaufen. Der Schaden ist immens. Einige der Boote hier sind schon einmal rum und berichten von Südafrika, vom indischen Ozean und immer wieder vom Pazifik. Bei ihnen hört es sich an als sei Cocos Keeling gleich neben an. Das Empfinden der Entfernung verschiebt sich.

Boa ConstricTOOR

Die Fußball WM ist vorbei. Als Frankreich Weltmeister geworden ist, haben wir nicht an Fußball gedacht, sondern querab Recife das leuchtend blaue Wasser genossen. Als wir wissen wollten wer denn nun gewonnen hat, haben wir Radiosender via Kurzwelle gesucht, doch leider keinen Sender mit Nachrichten, die wir verstehen, gefunden. Dafür konnten wir einige chinesische und mehrere spanische Kirchensender empfangen.
Boa ConstricTOOR ist jetzt Frankreich-Fan und ruht sich von der ganzen WM Aufregung aus!