Unsere Freitagspläne sind samt der Mondfinsternis ins Wasser gefallen. Nachdem wir lange Glück hatten und es tagsüber immer schön war und wir nur nachts gelegentlich von einem Schauer geweckt wurden, hat es Freitag fast den ganzen Tag geregnet. Schade, ich hätte die Mondfinsternis so gerne gesehen.
Samstags findet in Joao Pessoa Sabadinho Bom statt, das ist eine nette Musikveranstaltung. Auf einer Bühne spielt eine Band, davor wird getanzt, auf einem Platz unter den Bäumen stehen lauter Tische und außen rum gibt es viele kleine Stände, die Gegrilltes, Suppen, Bier und Caipi verkaufen. Die Musik ist gut und die Stimmung fröhlich. Wir entdecken unterschiedlichste Tanzstile unter anderem eine brasilianische Antwort auf Tango, die uns sehr gefällt. Wir mochten die entspannte Atmosphäre, jeder tanzt mit jeden, sogar Leute in kurzen Hosen mit weißen Socken in schwarzen Halbschuhen finden Tanzpartnerinnen. Ein älterer Mann hat seine Triangel dabei und „begleitet“ die Band, niemand stört sich daran. Man trifft sich im Schatten der großen Bäume und wenn der offizielle Teil beendet ist, wird selbst Musik gemacht.
Auf dem Rückweg saßen wir zu sechst in einem Taxi. Die Bahn fährt leider nur unter der Woche und Samstag vormittags, also wurde von irgendeinem hilfsbereiten Bekannten ein Taxi organisiert. Während dieser unterhaltsamen Rückfahrt wurde die Idee eines gemeinsamen Grillhähnchen Essens geboren. Als wir nach unserer Ankunft feststellten, dass der Pool das erste Mal seit wir hier sind mit Wasser gefüllt ist, beschlossen wir eine Chicken-Pool-Party zu veranstalten. Wir hatten Glück mit dem Wetter, haben uns zu zehnt voll gefuttert und gebadet. Jedes Schiff hat einen Salat mitgebracht und die Hähnchen waren sehr lecker.
Nebenbei haben wir Maris Rumpf geputzt, vom Beiboot aus war das eine sportliche Veranstaltung. Dabei haben wir leider festgestellt, dass Mari lauter ganz kleine schwarze Punkte hat. Anscheinend wurde in Salvador der Steg gemalt als wir nicht da waren. Es wird also noch weitere Trainingseinheiten geben. Vorhin hat Nobbi hundert Euro gespart. Hundert Euro soll es kosten das Schiff von unten reinigen zu lassen, Maris Bauch ist aber noch recht sauber, so dass wir das für teuer halten. Nobbi ist bei wenig Strömung in den Fluss gesprungen, hat unseren Impeller gängig gemacht und den Propeller gesäubert.
Heute wollten wir eigentlich an den Strand, der ein oder andere Schauer hat die Begeisterung für dieses Vorhaben gedämpft. Es blieb bei einem langen Spaziergang und einem Wassereinkauf.
Gefährliches Jacare
Dieses beschauliche Kaff ist gefährlicher als es zunächst wirkt. Beim Duschen wurde ich von einem Frosch „angegriffen“. Eigentlich ein sympathischer Hüpfer, jetzt wo wir uns kennen dusche ich gern mit ihr (?). Doch als ich mit geschlossenen Augen unter der Dusche stand und sie auf mir landete habe ich mich furchtbar erschrocken.
Gestern auf dem Rückweg vom Einkaufen musste ich in die Büsche springen um nicht unters Pferd zu geraten. Pferde, Mulis und Esel werden hier gerne für den Transport genutzt. Gestern kam uns zum Beispiel eine Sofagarnitur auf einem Eselkarren entgegen. Diese Pferde- und Eseltransporte sind meistens im Galopp unterwegs und nehmen gerne die Innenseite der Kurve.
Jacare bedeutet Krokodil. Leider ist es lange her, dass das letzte Kroko gesichtet wurde. Wir haben natürlich den am Amazonas gelernten Kroko-Ruf ausprobiert und keine Antwort erhalten. Ein paar Meter (vielleicht 300m) flussaufwärts der Marina befindet sich eine kleine Touristenmeile mit vielen Beton-Krokodilen und unzähligen kleinen Läden. Die Faszination der Touristenattraktion „Porta do Sol“ hat sich uns noch nicht so ganz erschlossen. Jeden Nachmittag kommen mehrere Busladungen brasilianischer Touristen hierher und bewundern den Sonnenuntergang, entweder von der Promenade aus oder von einem der Ausflugsschiffe, die jeden Abend die gleiche Runde um unseren Ankerplatz drehen und dabei jeden Abend die gleiche Musik spielen. Der Star ist der Saxophonspieler, der seit 23 Jahren jeden Abend im weißen Anzug in einem Boot stehend den Bolero spielt. Sehr kitschig, aber auch irgendwie schön.
Die Mücken hier stellen eine echte Gefahr dar. Jeden Abend gegen halb fünf stürzen sie sich auf uns. Zum abendlichen Treffen der Segler in der Marina Bar gehen wir nur noch mit Anti-Mücken-Spray. Trotzdem bin ich total zerstochen. Die Mücken bzw. ihre Abwesenheit machen den Ankerplatz gegen über dem Platz am Steg attraktiv. Wir hatten gestern das erste Mal eine einzelne Mücke an Bord, die wir erlegt und seebestattet haben. Ein Platz am Steg wäre bequemer, aber dann müssten wir unsere Moskitonetze wieder konsequent geschlossen halten. Vorerst bleiben wir am Anker.
Bei uns ist es kühler als in Deutschland. Im Moment haben wir jeden Tag sonnige 27 Grad, nachts regnet es gelegentlich. Der frische Wind am Ankerplatz sorgt für Kühlung, wir schließen nachts manchmal die Luke über unsere Koje, weil es uns (mir) zu kühl ist.
Die Tage vergehen mit Kleinigkeiten, lesen und Seglerschnack. Wir haben unsere Dirk ersetzt, einen neuen Niederholer gebastelt und das Segelkleid geflickt. Auch unsere WLAN-Antenne funktioniert inzwischen und das „Nudelschapp“ wurde umgeräumt. Hoffentlich öffnet es sich jetzt nicht mehr im Seegang. Anscheinend ist gerade Kokosnuss-Hochsaison, denn sie schmecken zur Zeit besonders süß und fruchtig. Eine kalte Kokosnuss ist unsere Lieblingserfrischung. Gestern waren unsere Einkäufe schwerer als gedacht und der Heimweg zog sich in die Länge. Dann konnten wir nicht widerstehen und haben auch noch Ananas und Orangen an einem Stand an der Straße gekauft. Nun kam zu den schweren Rucksäcken und einer Tasche auch noch ein Sack Orangen hinzu. Dann haben wir dann auch noch eine Ananas geschenkt bekommen. Völlig überladen hatten wir eine gute Ausrede unterwegs einen Kokosnuss-Stopp einzulegen. Natürlich hätten wir ein Taxi nehmen können, aber dann hätten wir weder die Ananas geschenkt bekommen, noch die Kokosnuss getrunken.
In den letzten Tagen haben fünf Yachten in Richtung Norden abgelegt, eine sechste wird morgen folgen. Wir bleiben noch ein paar Tage, wir sind einfach noch nicht fertig mit dem Nichtstun.
Ruhige Ankertage in Jacare
„Gibt die Erdbeeren her, sonst sind die gleich weg“. Nobbi hatte Angst, dass ich die gerade erstandenen Erdbeeren an das nette Pferd verfüttere. Hier sind eine ganze Menge Pferde unterwegs, einige sind angeleint, andere laufen hier einfach in der Gegend rum. Natürlich muss ich sofort Kontakt aufnehmen. Wenige Dinge machen mich kurzfristig so fröhlich wie das Streicheln einer samtigen Pferdenase oder einer besonders netten Katze. Das Pferd hat die Erdbeeren nicht bekommen, sich aber bereitwillig streicheln lassen. Im ersten kleinen Laden gibt es eine besonders schöne Katze mit leuchtend blauen Augen, natürlich sind wir bereits Freunde.
Die Tage vergehen schnell hier in Jacare. Wir liegen noch immer Anker vor dem Yachtclub und Nobbi bestreitet sein tägliches Fitnessprogramm in dem er uns an Land rudert. Ich lerne gerade die Ruderkommandos „In die Auslage“ und unterstütze ihn so.
Nach unserem vergeblichen Einklarierungsversuch am Dienstag, waren wir am Mittwoch in Joao Pessoa bei der Capitania und haben dort die Formalitäten erledigt. Wir hatten Glück, es ging schnell, freundlich und unkompliziert. Anschließend haben wir uns in der Stadt umgesehen. Für brasilianische Verhältnisse ist Joao Pessoa mit 800.000 Einwohnern eine Kleinstadt. Sie ist uns auf den ersten Blick sympathisch. Hier ist es recht sauber und irgendwie nett. Die Läden sind „sortiert“, wie das hier üblich ist. Kommt man vom Bahnhof, geht es zunächst entlang der Autoschrauber, dann der Eisenwarenhändler und dann kommen die Möbelläden. Als nächstes kommen die Elektronikgeschäfte. Hier werden Musikanlagen verkauft, deren Boxen 1800 Watt Bums haben, das wäre doch was für Mari…
Wir schlendern durch die Fußgängerzone und besichtigen das Kloster Sao Francisco. Wir haben Glück und es beginnt gerade eine Führung. Wir verstehen kein Wort, trotzdem gefällt uns die Führung, bekommen wir so doch einen guten Überblick. Das Kloster liegt im höchsten Teil der Stadt und ein kühler Wind weht durch die Räume. Der Ausblick vom Kloster über den Fluss und die grünen Ufer ist sehr schön. Nach einer Kokosnusspause haben wir Hunger und landen in einem kleinen Kiosk. Nach einem Hamburger entdecken wir Limetten- und Maracujamousse. Nur für diesen super Nachtisch werden wir wiederkommen. Später stellen wir fest, dass dies unser günstigstes Mittagessen in Brasilien war. Nahe des Bahnhofs gibt es einer ganze Reihe farbenfroh renovierter Häuser. Ich würde gerne in dem Pinken Wohnen.
Am Donnerstag erkunden wir Intermares, der Stadtteil der gegenüber vom Jacare am Strand liegt. Hier gibt es Supermärkte und einige Obststände. Sonst ist es eher tot, oder netter ausgedrückt sehr ruhig. Wir spazieren ein wenig an dem langen Strand entlang und kaufen dann ein.
Die Zeit am Anker nutzen wir für Tüddelei am Boot. An Deck sind während der Überfahrt Brösel aufgetaucht, deren Herkunft geklärt werden muss. Vermutlich kommen sie aus unserem Niederholer (Rod Kicker). An einem der Wasseralarme (die gleichen Dinger, die man unter seiner Waschmaschine legt oder im Labor unter den Autoklaven…) muss eine Lötstelle erneuert werden. Das dauert ungefähr 3 min. Dafür wird der gesamte Salon in eine Baustelle verwandelt und Werkzeug aus drei Schränken wird benötigt. Nach bereits einer Stunde ist es erledigt… Nachdem ich einen ganzen Tag mit unserer WLAN Antenne verbracht habe, sie dann 2 min funktioniert hat und sie jetzt nichts mehr sagt, suche ich mir eine Beschäftigung mit garantiertem Erfolg und putze unsere Schiffsglocke. Beim Messing putzen sieht man unmittelbar seinen Erfolg, das habe ich gebraucht.
Am späten Nachmittag verholen wir auf die Terrasse der Marina, dort trifft man sich. Andere Segler haben ganz andere Probleme, ein Schiff ist vom Slip gefallen und voll Wasser gelaufen. Der Schaden ist immens. Einige der Boote hier sind schon einmal rum und berichten von Südafrika, vom indischen Ozean und immer wieder vom Pazifik. Bei ihnen hört es sich an als sei Cocos Keeling gleich neben an. Das Empfinden der Entfernung verschiebt sich.
Boa ConstricTOOR
Die Fußball WM ist vorbei. Als Frankreich Weltmeister geworden ist, haben wir nicht an Fußball gedacht, sondern querab Recife das leuchtend blaue Wasser genossen. Als wir wissen wollten wer denn nun gewonnen hat, haben wir Radiosender via Kurzwelle gesucht, doch leider keinen Sender mit Nachrichten, die wir verstehen, gefunden. Dafür konnten wir einige chinesische und mehrere spanische Kirchensender empfangen.
Boa ConstricTOOR ist jetzt Frankreich-Fan und ruht sich von der ganzen WM Aufregung aus!
Überfahrt nach Cabedelo
Ganz genau 4 Tage, also 96 Stunden haben wir von Salvador bis zur Ansteuerung von Cabedelo gebraucht. Eine Punktlandung, besser hätte man es nicht planen können und bei uns war es einfach Zufall. Genau als wir die Einfahrt passierten war Niedrigwasser, das ist ideal für die Einfahrt in den Rio Paraiba. Während wir langsam den Fluss hochtuckerten setzte die Flut ein und schob uns sanft flussaufwärts.
Nun liegen wir vor der Marina Jacare Village vor Anker. Jacare ist ein kleiner eher unspektakulärer Ort, zwischen Cabedelo auf der Landspitze und der Stadt Joao Pessoa. Wir sind nun in Brasilien „ganz an der Ecke“. Hier geht die Sonne in Amerika zuerst auf, dies ist der östlichste Ort ganz Amerikas (des Doppelkontinents). Die Marina hier ist nett, es macht Spaß mal wieder andere Segler zu treffen. Einige kennen wir bereits aus anderen Häfen und es ist natürlich interessant zu hören wie es den anderen in der Zwischenzeit ergangen ist.
Rückblickend könnte man behaupten wir hatten eine tolle Überfahrt. Schönes Segeln, keinen Regen und der leuchtend blaue Atlantik. An Tag zwei war ich allerdings gänzlich anderer Meinung, als ich ziemlich seekrank im Cockpit hing und darüber nachgedacht habe warum man freiwillig segeln geht. Schon währenddessen wusste ich, ich würde es wieder tun. Nun habe ich den blöden Teil der Reise bereits weitgehend verdrängt. Aber, es war wirklich nicht immer schön!
Zunächst segelten wir hart am Wind. Wir kamen schnell voran und Mari zeigte, dass sie auch bei wenig Wind flott segeln kann, doch das Leben an Bord war sehr schräg und wir haben schlecht geschlafen. In den nächsten Tagen drehte der Wind langsam und kam aus südlicheren Richtungen. In der letzten Nacht hatten wir einen perfekten Halb-Wind-Kurs, die Welle lief nun genau quer zum Schiff, ein unglaubliches Geschaukel. Mit entsprechender Müdigkeit und einer ausgefeilten Kissenanordnung, haben wir aber ganz gut geschlafen. Unser Wetterbericht versprach leichten Wind für die Nacht zu Montag und den folgenden Tag, so dass wir damit rechneten eventuell erst Dienstag anzukommen, doch stattdessen nahm der Wind immer weiter zu und wir wurden immer schneller. Am Montag in der Ansteuerung auf Cabedelo hatten wir schließlich satte sechs Windstärken, so dass wir uns zwei Stunden vor der Ankunft noch ein zweites Reff gegönnt haben. Die Einfahrt wurde durch den Wind und den stark nach Norden setzenden Strom etwas spannender und wir waren froh, als wir die ersten Tonnen erreicht hatten. Der Rest war dann ganz einfach.
In Brasilien soll man sich ja immer fleißig an und ab melden. Neuer Bundesstaat, neuer Spaß. Wir haben uns heute also hübsch gemacht, das heißt lange Hosen und Schuhe angezogen, und uns auf den Weg zu Capitania gemacht. Wir hatten unterschiedliche Informationen, wo man sich anmelden soll und haben die falsche Möglichkeit gewählt. Wir waren an der Capitania in Cabedelo, die Jungs waren sehr freundlich und haben uns zur Capitania in Joao Pessoa geschickt. Da werden wir dann morgen hinfahren. Praktischerweise gibt es hier eine Bahnverbindung. Ein „Vorortszug“ fährt für einen Real (umgerechnet sind das 25 Cent) in die eine Richtung nach Cabedelo, in die andere Richtung nach Joao Pessoa.
Da wir nun schon einmal in Cabedelo waren, sind wir zum Strand gelaufen und haben dort fantastischen gegessen. Hummer in Kokosmilch. Es hätte schlimmer kommen können.
Tchau Salvador!
Der Fernseher wurde wieder ausgepackt, weiterhin kann im Mercado Modelo Fußball geguckt werden. Heute waren vor allem kroatische Fans unterwegs. Die Stimmung war wieder super. Für uns war es (hoffentlich) das letzte Spiel dieser WM, während des Finales werden wir auf See sein.
Gestern waren wir ein letztes Mal in der Altstadt, haben dort noch einmal hervorragend gegessen und einen besonders schönen Sonnenuntergang beobachtet. Salvador ist uns ans Herz gewachsen, es ist marode, gelegentlich schmutzig und manchmal sehr chaotisch, aber vor allem ist es bunt und fröhlich.
Heute haben wir noch eine kleine Einkaufstour gemacht, waren im Segelladen, wo wir nur einen Punkt von unserer Liste erledigen konnten, und im Supermarkt um frischen Proviant für die Reise zu kaufen und unsere Biervorräte aufzustocken. Mal wieder haben wir uns über die Vielfalt brasilianischer Getränkedosen und –flaschen gefreut. Unsere Cachaca-Flasche hat 965 ml. Irgendwie sind wir in einen Einkaufsrausch verfallen, unser Obst würde für eine Atlantiküberquerung locker reichen. Orangen, Mandarinen, Papaya, Limetten, Bananen, Äpfel, Maracuja. Außerdem hat Nobbi beschlossen, dass drei Ananas für eine fünftägige Reise genau die richtige Menge sind…
Im Shoppingcenter wurde die Brasiliendeko abgenommen, nun kommt die Winterdeko wieder zur Geltung. Das passt auch viel besser zur Eisfläche. Jeder der möchte kann dort sein Eislauftalent unter Beweis stellen. Die brasilianisch sehr minimalistisch bekleideten Mädels auf der Eisbahn, wunderbar! Da jetzt Winter ist, trägt der ein oder andere auch Jeans und wir haben sogar einen Mantel gesehen, für den ist es aber nur im Shopping Center kalt genug.
Das Ruder der Windsteueranlage ist schon eingehängt und Nobbi hat die ersten Fender bereits weggepackt, es wird ernst. Morgenfrüh müssen wir noch zur Capitania uns abmelden und dann hoffen wir auf eine schöne Segeletappe!

Eine Probefahrt, traurige Brasilianer und zwanzig Tropfen Whisky
Unsere Probefahrt am Donnerstag verlief erfolgreich. Mit Hochwasser um halb neun haben wir Ribeira verlassen und liegen nun wieder im Terminal Nautico, direkt unterhalb der Altstadt. Die Fahrt hierher haben wir durch einige Kringel und Schleifen verlängert, damit wir genügend Zeit hatten alles zu testen. Unser Wassermacher läuft wieder, der Motor schnurrt wie er soll, wir sind zufrieden.
Am Freitag stand eine kleine Reparatur auf dem Programm, die richtig Spaß gemacht hat. Die Fußpumpe für das Frischwasser leckte ein wenig. Wir haben sie problemlos ausgebaut bekommen, hatten das Ersatzteil-Kit mit den neuen Dichtungen an Bord, haben alle Dichtungen und Membranen ausgetauscht und die Pumpe wieder eingebaut.
Gestern stand uns der Sinn nach einem Spaziergang, deshalb sind wir zum Zoo gefahren. Der Zoo beheimatet fast nur in Brasilien heimische Tiere, neben einigen afrikanischen Vögeln bilden Nilpferde, Zebras und ein betagtes Dromedar die Ausnahme. Wir haben den Spaziergang auf sauberen Wegen genossen. Im und um den Zoo gibt es eine Vielzahl schöner großer Bäume, die angenehmen Schatten spenden. Auf dem Gelände leben neben den Zootieren viele Vögel und Affen, die den grünen Fleck in der Stadt zu schätzen wissen. Leider war der Ameisenbär nicht zu Hause, den hätte ich gerne gesehen, aber der Tapir und das Capybara haben mir auch sehr gut gefallen. Vom Zoo laufen wir ans Meer und am Atlantik entlang nach Barra. In der Sonne ist es heiß, aber zum Glück machen auch die Hochhäuser an der Küste angenehmen Schatten.
Heute waren wir im Museum für Moderne Kunst. Das Museum ist auf dem Gelände einer ehemaligen Zucker-Mühle untergebracht. Leider wird das Museum zurzeit renoviert. Nur ein Saal in der früheren Kapelle war geöffnet, alle anderen Gebäude und der Skulpturen-Garten waren geschlossen.
Die Brasilianer sind natürlich schon etwas traurig, dass die WM nun ohne sie weitergeht. Doch sehr tief sitzt die Trauer nicht. Freitag haben wir auf einem großen Fernseher vorm Mercado Modelo das Ausscheiden von Brasilien erlebt. An mangelnder Unterstützung der brasilianischen Fans lag es jedenfalls nicht. Bei uns war es sicherlich lauter als im Stadion. Nachdem Spiel wurde ein wenig geknallt, alle zucken mit den Schultern, nun ja. Gestern haben wir an gleicher Stelle noch das Ende des Spiels Russland –Kroatien, die Verlängerung und das elf-Meter-Schießen gesehen, beide Teams wurden ordentlich angefeuert. Heute ist der Fernseher abgebaut worden. Jetzt wo Brasilien raus ist, ist die hier WM vorbei.
Hier ist absolute Nebensaison, außer Mari ist nur ein anderes Schiff im Terminal Nautico bewohnt. Die Lel aus Kiew haben wir hier Silvester schon getroffen, während wir uns danach in der Bucht rumgetrieben haben und zwischendurch in Deutschland waren, sind sie in Chile gewesen, haben Kap Hoorn gerundet und sind den langen Weg wieder nach Norden gesegelt. Nun sind sie auf dem Weg zurück ins Schwarze Meer. Das Schiff hat der Eigner selbst gebaut. Mit dem schnellen Aluboot hat er schon einige Meisterschaften gewonnen, doch sein Traum war es immer einmal um Kap Hoorn zu segeln. Wir werden eingeladen die Lel anzuschauen und hören spannende Geschichten. Wie sie Eis an Deck hatten, wie mehrere Autopiloten aufgegeben haben und sie per Hand steuern mussten, wie sie den Leuchtturm auf Kap Hoorn angefunkt haben und die Funkwache sie für Teilnehmer des Volvo Ocean Races hielt, dessen Teilnehmer den Leuchtturm nur knapp einen Tag nach ihnen rundeten. Schließlich stoßen wir mit „zwanzig Tropfen Whisky“ auf die frischgebackenen Kap Hoorniers und auf eine glückliche Heimkehr an. Wie gut, dass wir vorher gut gefrühstückt hatten.
Die Regenzeit ist noch nicht vorbei
Fertig wird man auf einem Boot ja irgendwie nie, aber alle wichtigen Punkte auf unserer Liste sind erledigt und nebenbei unzählige Kleinigkeiten abgehakt. Seit die Badeleiter, die während unserer Abwesenheit unter dem Tisch lagerte, und das Vorsegel, das zwischen Tisch und Spüle eingeklemmt war, wieder an ihrem Platz sind, haben wir hier unter Deck ein ganz neues Raumgefühl. Neue Flaggen wehen, die Leinen sind vom grünen Schleier befreit, im Vorschiff haben wir einen neuer Lüfter, es gibt neue USB-Steckdosen, der Motor wurde entkalkt und die Püttinge sind neu abgedichtet.
Püttinge sind die Beschläge an denen die Wanten befestigt sind. Das Abdichten der Püttinge ist einer der wenigen Punkte, die die wenige Seiten dünne „Anleitung“ unseres Boots vorschlägt. Einen Job haben wir diesmal nicht selbst gemacht, das Abkratzen des Riffs an unserem Unterwasserschiff hat einer der Männer von der Marina übernommen. Fische und Krebse, die sich in „unserem“ Riff eingerichtet hatten, waren über die Säuberungsaktion nicht erfreut. Heimatlos schwammen sie um Mari herum. In den ersten zwei Tagen nach der Reinigungsaktion schwammen bei jeder Toilettenspülung heimatlose Krebse im Spülwasser, zweimal sogar ein Fisch!
Der Regen gibt den Takt der Arbeiten vor. Nachdem es an den ersten Tagen nach unserem Amazonas-Ausflug weitgehend trocken war, hatten wir bereits auf einen allgemeinen Trend gehofft. Anfang dieser Woche war es dann so regnerisch wie zuletzt in Sines in Portugal im November 2016. Montag war durchgehend Weltuntergang. Die Arbeiten an Deck waren in den letzten Tagen sehr mühsam, weil es immer entweder regnete oder noch nass war.
Wir genießen das Brasilianische Obst. Mehrfach die Woche laufen wir zum Supermarkt, schwelgen in Maracuja, Papaya, Melonen, Orangen und Ananas, und finden irgendwas für unsere Vorräte. Unser Saftschapp haben wir mit Säften gefüllt die es nur in Brasilien gibt, Umbu, Caja und Caju. Nun sind alle Schapps gefüllt, es wird nicht mehr eingekauft.
Es wird Zeit weiter zu segeln. Zunächst steht eine Probefahrt auf dem Programm. Wir hoffen, dass diese ereignislos verläuft und wir Salvador bald Richtung Norden verlassen können. Der Wettercheck gehört bereits zum Tagesablauf.
Die Geschichte mit der Gasflasche
Gas ist ein beliebtes Thema unter Seglern, gibt es doch in jedem Land andere Gasflaschen. Sie sind nicht nur unterschiedlich groß und dick, sie haben auch unterschiedliche Anschlüsse, außerdem werden sie entweder mit Propan oder mit Butan gefüllt.
Irgendwann letzte Woche beim Einkochen war die Gasflasche leer. Nobbi schnappt sich die Flasche und fragt bei den Marineros, ob die Flasche hier gefüllt werden kann. Nachdem unsere Flasche ein paar Tage auf der Terrasse stand, meldet Ana sich, die Sekretärin des Yacht Clubs. Sie erklärt Nobbi genau, wer die Flasche wo füllen kann. Wir finden den veranschlagten Preis teuer, beschließen aber sie trotzdem füllen zu lassen. Wer weiß wie kompliziert es das nächste Mal wird. Zunächst scheint unsere Flasche verschwunden, taucht dann aber nach einigen Tagen gefüllt wieder auf. Wir sollen noch ein paar Euro nachzahlen, weil sie mehr Gas in unsere Flasche gefüllt haben. Da die Flasche nun zu voll ist, wollen wir sie zuerst verwenden und schließen sie abends gleich an,
Am nächsten Morgen erzählt Nobbi mir noch im Bett, dass er über die Gasflasche nachgedacht hat und dass er ein schlechtes Gefühl hat. Im Gaskasten riecht es nach Gas, wir nehmen die Flasche also wieder raus. Der Test mit Spüliwasser ergibt, dass der Boden der Flasche unterm Lack fröhlich korrodiert ist und Gas entweicht. Da nützt uns der gültige Prüfstempel auch nichts. Wir wiegen die Flasche und stellen fest, dass die kaum Gas verloren hat. Trotzdem, eine undichte Flasche wollen wir nicht an Bord haben. Wir lassen das Gas entweichen und bestatten die Gasflasche. Das alles hätten wir einfacher und günstiger haben können…
208 Millionen Neymars
Natürlich ist die Fußball-WM hier in Brasilien eine große Sache. Zum einen, Brasilien und Fußball, klar, zum anderen lauert da doch die eine oder andere Party und die lassen sich die Brasilianer garantiert nicht entgehen.
Weite Teile Brasilianischer Straßen sind unter grün-gelben Plastikgirlanden verschwunden, viele Hauswände haben neue Bemalung in grün und gelb bekommen und die Einkaufszentren ersticken in gelb-grünen Flaggen und Luftballons. Wenn Brasilien spielt, sollte man sich nichts vornehmen. Da bleiben die kleinen Läden geschlossen und es fahren weniger Busse. Die Restaurants machen erst wieder auf, wenn der Sieg ausgiebig gefeiert wurde.
Egal ob im Kiosk, im Supermarkt, sogar in manchen Apotheken, die Berufskleidung wurde vieler Ort für die Dauer der WM durch Brasilianische Trikots ersetzt. Anscheinend wurden nur Neymar-Trikots gedruckt, die Nummer 10 ist überall. An Tagen an denen Brasilien spielt, trägt das halbe Land grün-gelb, Ohrstecker und Ringe mit Brasilien-Flagge und dazu natürlich ein Neymar-Trikot. Mein Lieblingsaccessoir ist der Haarreifen mit Antennen an dem Brasilien-Flaggen wedeln, eine Verkäuferin trägt ihn tapfer seit über zwei Wochen. Nach jedem Tor und am Ende des Spiels wird ausgiebig geknallt, so wie wir es nur von Silvester um Mitternacht kennen.
Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft sorgte für ein wenig Schadenfreude, wir wurden aber auch ausgiebig bemitleidet. Heute war es für viele Brasilianer in erster Linie wichtig, dass Argentinien nicht gewinnt. Auf den Nachbarn im Süden ist man mal neidisch mal böse, da ist es doch schön wenn sie wenigstens beim Fußball verlieren.
Für die WM gibt es auf der Terrasse des Yachtclubs einen Fernseher. Jetzt, da Deutschland ausgeschieden ist, werden wir bei jedem Spiel gefragt für wem wir die Daumen drücken. Gerade beim heutigen Spiel war es nicht einfach, Uruguay gegen Portugal. Uruguay hat „neulich“ das WM-Finale im Maracana-Stadion gegen die Brasilianer gewonnen. Die Schmach von 1950 ist nicht vergessen. Zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal hat man ohnehin ein nicht ungetrübtes Verhältnis. Anscheinend war es in Ordnung Uruguay die Daumen zu drücken. Mitten im Spiel hatten wir Stromausfall und haben so das 1:1 verpasst. Hoffentlich gibt es kein Stromausfall während eines Brasilien-Spiels.
Ich bin eigentlich kein Fußballgucker. Doch dadurch, dass Karli mich überzeugt hat an der Tipprunde teilzunehmen, fiebere ich nun mit. Ich lese die Überschriften im Fußballteil der Zeitung, bin so über die unzähligen Favoriten informiert und lege mich durch das Tippen vorher fest an welches Team ich glaube. Für mich steht fest, kein großes Turnier mehr ohne Tipprunde! Danke Karli!
Das nächste Brasilien-Spiel (und hoffentlich weitere) werden wir hier auf der Terrasse ansehen, ich habe keine Angst vor feiernden Brasilianer, eher vor ihren (bestimmt TÜV-geprüften) Böllern.








