In der Wellness-Oase

Wer jetzt denkt wir hätten den Tag im Bademantel verbracht, kennt Nobbi schlecht. Unsere Mari wird verwöhnt. Endlich haben wir Zeit für die Arbeiten die immer liegen geblieben sind. Seit zwei Tagen sind wir mit Lappen, Schwamm, Schraubenzieher und Zahnbürste unterwegs. Unsere Scheuerleiste und die Grätinge im Cockpit, also die Holzteile, wurden von ihrem Grünschleier befreit. Das Heck und die Backbord-Seite vom Rumpf sind bereits geputzt, die gelben Verfärbungen entfernt und gewachst. Hier haben wir auch die Scheuerleiste geölt. Fehlt noch die Steuerbord-Seite. Aber keine Angst, wir sind dann nicht fertig. Wir haben eine Liste mit kleineren und größeren Dingen, die man mal erledigen könnte. Beim Putzen, Renovieren und Basteln sind wir froh, dass Mari nicht größer ist.
Gerade sieht es so aus, als würden wir Cascais noch ein wenig erhalten bleiben. Zum einen gefällt es uns hier gut und zum anderen ist das Wetter im Moment recht interessant. Das Tief, oder besser gesagt die Tiefdruckfamilie, die euch in Norddeutschland am Sonntag Sturmböen bescheren wird, beschäftigt auch uns. Das Tief kommt über die Biskaya und zieht dann über den Ärmelkanal, ist eigentlich also weit weg von uns. Morgen bekommen wir hier auch ein bisschen Wind und anscheinend eine ganze Menge Regen, aber vor allem bekommen wir hier den Schwell zu spüren. In der Biskaya sind z.T. 8 m Welle angesagt. Das heißt, dass wenn man alle Wellen misst und dann aus dem Drittel der höchsten Wellen den Mittelwert berechnet, erhält man 8 m. Mit andern Worten es sind noch deutlich höhere Wellen dabei, aber auch viele niedrigere. Und diese Wellen spüren wir dann hier. Montag sollen die Wellen hier 4 bis 5 m hoch werden. Die Wellenhöhe nimmt dann wieder ab, Dienstag sollen es noch 3m sein, Mittwoch 2,3 m. Ende nächster Woche kommt dann ein neues, kleineres Tief, das anscheinend hier über Lissabon hinwegziehen möchte. Aber das ist noch viel zu lange hin… Wir sind gespannt auf die hohen Wellen am Montag und ob es dann wirklich unheimliche Geräusche aus dem Höllenschlund (Boca do Inferno) gibt.
Da jetzt überall die Weihnachtsbeleuchtung daran erinnert, dass nächste Woche der erste Advent ist, haben wir aufgerüstet und uns eine Lichterkette gekauft. Geschmückt wird aber erst nächste Woche.
Gerade haben wir uns die Preisliste der Marina nochmal angeguckt, falls jemand Lust hat uns zu besuchen, denkt bitte daran, dass Landung und Abflug vom Helipad 150 Euro kosten!

Als wenn es Winter wäre…

Seit gestern liegen wir wieder in Cascais. Man bekommt wirklich bei erneutem Einchecken wieder eine Flasche Wein. Sehr nett. Da es gestern wunderschön sonnig war haben wir die Fahrt von Lissabon hier raus sehr genossen und sind gesegelt! Gut zum Teil sehr langsam, aber wir hatten ja Zeit. Es sind nur 13 Meilen und da macht es dann auch nichts wenn wir zwischenzeitlich dank Gegenstrom nur mit einem Knoten vorangekommen sind.
Wir freuen uns über das unglaublich schöne Wetter, da kann man schon mal vergessen, dass es eigentlich auf den Winter zugeht, auch wenn überall die Weihnachtsdeko aufgebaut wird. Der Weihnachtsbaum auf der Verkehrsinsel vorm Jumbo ist jetzt fertig und auch in den Straßen hängen überall schon Lichterketten. Besonders schön finde ich es ja, wenn hier mit Kunstschnee dekoriert wird. Gestern Abend guckt Nobbi aus dem Schiebeluk, bestaunt den Sternenhimmel und sagt: „Da ist Orion. Und Sirius. Obwohl das doch eigentlich ein Wintersternenbild ist“. Der Wetterbericht hat schon angekündigt, dass das Wetter sich bald der Jahreszeit etwas anpassen wird, noch mehr Grund jeden Sonnenstrahl zu genießen. Heute Morgen auf dem Rückweg vom Bäcker haben wir gesehen, dass ein Dreimaster auf den Hafen zukommt. Das mussten wir natürlich sehen. So haben wir unsere Marzipantörtchen eben auf der Pier verspeist, das Frühstück auf später verschoben und das Anlegen der holländischen „Atlantis“ beobachtet. Wir waren auch mal wieder einkaufen, die letzten Tage war das nicht nötig, da uns unsere französischen Nachbarn in Lissabon ihre restlichen Lebensmittel überlassen haben, als sie nach Hause geflogen sind. Wir waren gut versorgt. Bei Jumbo gibt es fast alles und der Portwein der in Sintra knapp 20 Euro kostet, kostet hier 6 Euro. Das sind Gewinnspannen von denen können Flugzeugverkäufer nur träumen. Hier gibt es auch pinken Portwein. Musste ich natürlich haben. Schmeckt sehr lecker, Rosé-Portwein in einer sehr ansprechenden Farbe, passt perfekt zu meinem Lieblings-T-Shirt. Hauptgrund für unseren Einkauf war jedoch nicht der Mangel an alkoholischen Getränken, sondern ein leeres Obstregal. Neben den obligatorischen Äpfeln gibt es nun auch wieder Khakis, Maracujas und ein Krokodil. Krokodil ist der Bordname von Cherimoyas, die gerade besonders beliebt sind. Wer plant seinen Einkauf in bar zu bezahlen, der muss früher oder später zum Geldautomaten. Wir haben noch keinen Automaten gefunden, der mehr als 200 Euro ausspuckt und freuen uns jedes Mal darüber, dass einem 10 Euro, 20 Euro oder eine andere Summe zur Wahl gestellt werden. Auch an der Tankstelle konnte man eingeben, dass man für einen Euro tanken möchte. Weit kommt man damit allerdings nicht, ein Liter Benzin kostet fast 1,50 Euro.
Nach einem Bootstüddeltag haben wir zum Sonnenuntergang einen Spaziergang entlang der Küste zum „Boca do Inferno“ gemacht. Ein Inferno gab es heute nicht, bei entsprechender Dünung soll eine Schlucht dort Geräusche machen, dafür aber jede Menge Japaner, die lauter Selfies gemacht haben. Übrigens gibt es hier sogar Schilder, die auf Stellen hinweisen an denen man Selfies machen soll. Prima, dass einem diese schwierige Entscheidung abgenommen wird…

Lisboa

Nachdem wir noch einen Tag in Cascais mit Bootsgetüddel verbracht haben, sind wir am Samstag den 12. nach Lissabon umgezogen. Von Cascais waren wir nach zwei Stunden mitsamt Boot in der Innenstadt. Mit dem eigenen Boot unter der berühmten Brücke hindurch zu fahren ist schon toll! Die  Brücke sieht nicht nur imposant aus, sie ist auch wahnsinnig laut. Auf sechs Spuren fahren jeden Tag etwa 150.000 Autos und zusätzlich jede Menge Züge über die Brücke und verursachen ein ununterbrochenes Summen und Brummen. Die Alcantara Marina liegt ziemlich zentral und hat den Ruf recht laut zu sein. Sie ist nicht nur in der Nähe der Brücke, sondern auch in der Einflugschneise, neben dem Containerhafen und nahe einer stark befahrenden Straße. Wir finden es zwar nicht wahnsinnig romantisch, aber im Boot hören wir die Brücke kaum und beim Schlafen hat uns das alles nicht gestört. Die übrige Zeit waren wir in der Stadt und haben es genossen zu Fuß unterwegs zu sein. Heute Morgen beim Frühstück (im sonnigen Cockpit!) war es plötzlich ganz leise. Ein Stau auf der Brücke. Nobbi wurde ein wenig unruhig, wir liegen ja in der Einflugschneise, doch es zeigte sich kein Flugzeug einer bekannten deutschen Airline mit blau-gelber Bemalung. Heute um 11.15 h konnte Entwarnung gegeben werden. Sie fliegen doch noch. Ich verfüge ja mittlerweile über ein recht solides Flugzeuggrundwissen, habe hier aber einen neuen Flugzeugtyp kennengelernt.
An unserem ersten Abend in Lissabon wurden wir doch tatsächlich von einem Schauer überrascht. Wer rechnet denn mit so was! Lissabon im Regen? Darauf hatten wir keine Lust. Schnell nach Hause. Am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein, also sind wir am Ufer des Tejo lang spaziert bis zum Torre Belem, der nun schon seit 500 Jahren auf den Fluss schaut. Kurz entschlossen haben wir von dort aus eine Stadtrundfahrt gemacht und so einen guten Überblick bekommen. Gestern waren wir auf dem Castelo Sao Jorge, wieder bei fantastischem Wetter, und abends im Casa de Fado. Es gab ein leckeres Abendessen und zwischendurch traten verschiedene Fadosänger auf. Heute waren wir dann wieder in Belem um das Museum de Marinha zu besuchen, quasi Pflicht für Leute die mit dem Boot nach Lissabon kommen. Das Museum ist in sehr schönen Räumen im Mosteiro dos Jeronismos (Hieronymus-Kloster). Es gibt Exponate zu verschiedenen Themen die mit dem Meer verbunden sind: Fischerei, Handelsschifffahrt und Marine, vor allem gibt es aber eine schöne Ausstellung zu den portugiesischen Entdeckungsreisen. Für uns passte das besonders gut, da wir beide gerade „Sextant – Die Vermessung der Meere“ von David Barrie gelesen haben, das sich auch mit den Entdeckungsreisen beschäftigt. Natürlich waren wir auch bei der berühmten Bäckerei in Belem, die in jedem Reiseführer steht, wo man diese wunderbaren Blätterteig-Pudding-Törtchen bekommt.  Wir futtern sie bereits seit Viana, unserem ersten portugiesischen Hafen, mit Begeisterung, aber diese waren besonders gut. Insgesamt gefällt uns Lissabon sehr gut. Die letzten Tage sind wie sehr viele Kilometer gelaufen, haben Plätze bewundert und sind tapfer die steilen schmalen Straßen hochgeklettert, haben Sundowner am Tejo getrunken und den Trubel genossen, doch jetzt haben wir (erst mal) genug vom Stadtrummel und werden in einen ruhigeren Hafen verholen.
Mit meiner Bemerkung es habe ein Update der Route gegeben, wollte ich euch nicht wuschig machen. Es tut mir leid, dass der ein oder andere das falsch verstanden hat. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass ich unter dem Menüpunkt „Route“ eine neue Karte eingestellt habe, auf der jetzt auch die Überquerung der Biskaya eingezeichnet ist und unsere Strecke entlang Spaniens Küste. Für alle die dachten, dass wir nun verraten wie es weitergeht: wir wissen es schlicht und einfach nicht. Mal sehen, oder wie Nobbi sagen würde: „das wuppt sich“. Allerdings studiere ich gerade eingehend Jimmy Cornells „Segelrouten der Welt“ und überrasche ihn mehrmals täglich mit neuen Reisezielen.

Cascais und Sintra

In Peniche haben wir noch einen Tag drangehängt der mit Wäsche waschen, einkaufen und Regenschauern schnell vergangen ist. Vorgestern haben wir den Weg von Peniche nach Cascais gemacht. Zu gerne hätte ich jetzt geschrieben gesegelt, doch das stimmt leider nicht. Vorausgesagt waren 4 Beaufort aus Nord. Letztlich hatten wir zunächst Südwind, dann gar keinen Wind, zwischenzeitlich auch mal ein bisschen Ost und West, von allem etwas, aber nichts Segelbares. Leider. Dafür hatten wir mal wieder Delfinbesuch. Mit dem Cabo da Roca kurz vor Cascais haben wir den westlichsten Punkt Festlandeuropas gerundet. Das wurde natürlich gefeiert. Wir sind nun nur noch etwa 10 Meilen von Lissabon entfernt, bei der Einfahrt konnten wir schon die Brücke sehen.
Die Marina in Cascais ist riesig und nobel gegen die letzten Häfen. Die Endeavour liegt auch hier, allerdings nicht am gleichen Steg. Das könnte daran liegen, dass sie 100 Fuss länger ist als unsere Mari. Beim Einchecken gab es eine Flasche Wein. Das ist doch mal nett. Ob es auch jedes Mal eine Flasche Wein gibt, wenn man nur jede zweite Nacht in der Marina verbringt, die andere am Anker und immer wieder neu eincheckt? Gestern haben wir uns den Ort angeguckt und sind an der Strandpromenade entlang spaziert. Sehr hübsch ist es hier. Wenn man es sich leisten kann wohnt man anscheinend nördlich von Lissabon mit Atlantikblick.
Heute haben wir einen wundervollen Ausflug nach Sintra gemacht. Auf dem Hinweg haben wir einen Bus genommen, der eine schöne Strecke entlang der Küste fährt, so dass wir auch von der Landseite einen Blick auf das Cabo da Roca werfen konnten. Der Weg führte zum Teil durch sehr enge Straßen, wir haben die Aussicht genossen und uns gefreut, dass wir nicht fahren mussten. In Sintra haben wir uns direkt auf den Weg zum Palácio Nacional da Pena, dem Kummerpalast, gemacht. Das Schloss wurde etwa 1840 auf Klosterruinen aus dem 15. Jhd erbaut und ist so bunt und verspielt, dass Disneyland neidisch ist. Wir haben das Schloss besichtigt, die Inneneinrichtung aus dem 19. Jhd ist fast komplett erhalten. Nicht nur das Schloss ist sehenswert, es liegt in einem wunderbaren Park, die Aussicht ist grandios und rundherum gibt es noch eine Handvoll weitere Schlösser und eine maurische Burg. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Bummel durch die Altstadt von Sintra gemacht, haben den Palácio Nacional, die Sommerresidenz der portugiesischen Könige, bewundert und sind dann nach Cascais zurück gefahren. Sintra hat uns ausgesprochen gut gefallen, zumal wir heute wunderbares Besichtigungswetter hatten. Es war zwar nicht so warm, aber sehr sonnig. Wir könnten uns vorstellen noch einen weiteren Abstecher nach Sintra zu unternehmen.
Uns fällt es sehr auf, dass fast alle Portugiesen Englisch sprechen, egal ob im Supermarkt, im Kiosk, der Pförtner im Fischereihafen, die Polizisten oder der Busfahrer. Das ist sehr praktisch, unsere Portugiesischversuche sind „stets bemüht“, aber nur mäßig erfolgreich. Lesen kann man vieles, wenn man Spanisch kann, doch sprechen und verstehen? Da fehlen immer ein paar Buchstaben und gefühlt hat jedes Wort ein „sch“. Wie in Cascais: sprich Caschcaisch. Wir bleiben dran.

Übrigens, es gab ein Update unserer „Route“.

 

Nazaré: Liebe auf den zweiten Blick

Zunächst waren wir alles andere als begeistert von Nazaré. Als wir dort ankamen, war der Steg moosgrün und voll belegt mit Möwen. Die Gegend um den Steg erschien uns verlassen und wenig einladend. Auf den zweiten Blick haben wir Nazaré richtig lieb gewonnen. Im Marinagebäude ist eine Kreuzung aus Mini-Supermarkt und Bar. Dort trifft man sich. Von morgens bis abends ist dort Betrieb. So wurden auch wir zu Stammkunden. Nach dem zweiten Tag wird man mit Handschlag begrüßt, morgens gibt es frisches Brot, nachmittags kann man mit seinem Bier in der Sonne sitzen. Das Marinagebäude ist ein wenig herunter gekommen, man sollte eine Taschenlampe mitnehmen, damit man den Lichtschalter findet, der sich nicht in der Nähe der Tür befindet. Doch die Duschen sind sauber und heiß. Der Ort Nazaré ist schön, weiße Gebäude mit roten Dächern, die unten am Strand oder aber oben auf den Klippen stehen. Weil der Ort bei Surfern so beliebt ist, ist immer noch Saison und alle Restaurants und Andenkenläden sind geöffnet.
Wir haben drei schöne Tage in Nazaré verbracht. Wir waren einkaufen, haben unsere Dieselkanister gefüllt, in einer Bar am Strand gegessen, das Boot ausgiebig geschrubbt, ein paar Kleinigkeiten repariert, Lebensmittel sortiert und lustige Abende mit Armin von der Kairos verbracht. Natürlich waren wir auch auf den Klippen, also im dem Teil Nazarés, der oben liegt, nicht unten am Strand. Normalerweise gibt es eine Bahn dorthinauf, die wird aber gerade repariert. Also mussten wir laufen. Gut für die Fitness. Die Aussicht ist wirklich toll, wir waren am Leuchtturm und haben den Blick auf den Surferstrand im Norden genossen. Mehrmals im Jahr findet hier das Big Wave Nazaré Challenge mit den höchsten Surf-Wellen statt. Im Süden konnten wir bis zum nächsten Kap schauen, um das wir heute gefahren sind.
Heute ging es weiter nach Peniche. Der Wetterbericht hatte 4 bis 5 Windstärken aus Nord versprochen und wir freuten uns auf einen schnellen Segeltag. Daraus wurde leider nichts. Der Wind war schwach, doch der Schwell deutlich höher als die Tage zuvor. Das Schiff wurde also in Wellen, die zum Teil 2 bis 3 m hoch waren, hin und her geschüttelt und unser Großsegel knallte immer hin und her. Wir hatten Angst um unser Segel und haben schließlich das 2. Reff reingebunden, dann hat das Segel nicht mehr geschlagen und wir sind nach Peniche motort. Kurz vor dem Hafen hatten wir dann doch noch mal richtig Wind und einen Schauer beim Anlegen. Der wäre nicht nötig gewesen. Peniche ist auf den ersten Blick ganz nett. Wir haben im Schnelldurchgang den Ort samt Kirche und Festungsanlage besichtigt. Außerdem wissen wir bereits wo Supermarkt und Waschsalon sind, um sich im Hafen anzumelden mussten wir um den ganzen Hafen laufen und uns an der Einfahrt zum Fischereihafen melden, deshalb sind wir jetzt gut informiert.
Ob wir morgen hierbleiben und Waschsalon (von den netten Franzosen, die morgen nach Madeira auslaufen, haben wir bereits einen Gutschein geschenkt bekommen) und Supermarkt besuchen, oder ob wir weiterfahren, müssen wir noch entscheiden.

Entlang Portugals Küste

Aus Porto sind wir zu Sonnenaufgang ausgelaufen. Der Sicherheitsdienst war instruiert worden und tauschte unseren Schlüssel gegen Pfand. Schon mittags kamen wir in Aveiro an und bei der Einfahrt wurde uns klar, weshalb dieser Hafen einer der ersten ist der gesperrt wird. Mit 10 Knoten schossen wir durch die Einfahrt, 5 Knoten Strom schoben uns in die Lagune. Gegen den Strom hätten wir keine Chance gehabt. Der Ankerplatz wirkte merkwürdig, aber wir hatten dort einen sehr schönen Nachmittag. Auf der einen Seite der Einfahrt liegt der Handelshafen, in dem sechs Schiffe lagen, auf der anderen Seite liegt ein gepflegter militärischer Flieger-Stützpunkt und daneben ein kleiner Ort. Aveiro selbst soll hübsch sein mit 3 Kanälen angeblich vergleichbar mit denen in Venedig, doch wir haben einen wunderbaren Nachmittag im Cockpit verbracht, gelesen, die Sonne genossen und gebadet. Abends gab es Pizza, sie war nicht perfekt, aber doch viel besser als die Brötchen neulich, die nur noch an die Möwen verfüttert werden konnten.
Nach einer ruhigen Nacht am Anker ging es weiter nach Figueira da Foz. In Figueira haben wir einen Ruhetag eingelegt, schließlich war gestern Feiertag (Allerheiligen) in Portugal. Wir haben Waden und Füße bei einem ausgiebigen Strandspaziergang trainiert, Surfern in den Brandungswellen zugeguckt und eine Pause in einem kleinen Restaurant am Strand eingelegt. Figueira hat uns ganz gut gefallen, es ist hübsch und gepflegt.
Heute standen 35 Meilen nach Nazaré auf dem Programm. Der Ort ist bekannt für seine beeindruckenden Wellen. Die höchste Welle, die weltweit je gesurft wurde, brach sich hier am Strand. Der Grund für diese besonderen Wellen liegt in der besonderen Topographie. Bei Nazaré gibt es eine tiefe Unterwasserschlucht, 15 Meilen vor Nazaré ist diese Schlucht noch 1000 m tief und 1 Meile vor dem Strand noch 130 m. Diese Schlucht ist sehr schmal, dort wo sie 1000 tief ist, ist sie vielleicht 4 Meilen breit, außenrum ist es 150 m tief. Irgendwie überlagern sich die Wellen die direkt auf den Strand laufen, die die durch die Schlucht abgelenkt werden und die zurückkommenden Wellen und türmen sich so am „Pontal da Nazaré“ zu diesen Wahnsinnswellen auf.
Trotz der Surferwelle hat Nazaré einen Hafen der als sicher gilt und bei jeden Wetter anzulaufen sein soll. Die Marina mit dem benachbarten Fischereihafen hat bessere Tage gesehen und wird von abertausenden von Möwen bewohnt. Zu dem Ort, der ganz nett sein soll und den wir uns eigentlich noch ansehen wollten, haben wir es heute Abend nicht mehr geschafft. Erst haben uns die netten Australier zu einem Drink auf ihre Amel 55 „Little Fish“ eingeladen und nach dem Abendessen beobachteten wir wie Armin in den Hafen einlief und halfen ihm beim Festmachen.
Die letzten Tage mit dem wenigen Wind passten ganz gut zu den schwierigen Einfahrten und wir haben die Sonne sehr genossen, wir würden jetzt aber ganz gerne mal wieder richtig schön segeln. Und tatsächlich sieht es so aus als würden wir bald Segelwind bekommen.

Porto

Viana do Castelo hat uns so gut gefallen, dass wir noch einen Tag geblieben sind. Der Haushalt macht sich auch an Bord nicht von allein, wir haben Wäsche gewaschen, waren einkaufen, unsere Kurzwellenantenne wurde neu am Achterstag befestigt und der Motor bekam auch Streicheleinheiten.
Nachmittags haben wir die „Gil Eannes“ besichtigt. Das 1955 gebaute Hospitalschiff hat die Kabeljaufischer vor Grönland unterstützt und war bis 1984 im Einsatz. Mir war nicht klar, dass die Fischer von ihrem Mutterschiff in Ruderbooten (!) ausgesetzt wurden und den Kabeljau geangelt haben. Kein Wunder, dass es da Arbeit für eine Krankenstation mit richtigem OP gab. Mein Kapitän hat ganz verträumt Brücke und Maschineraum inspiziert und wäre am liebsten gleich in See gestochen.
Gestern ging es weiter nach Porto. Zunächst hatten wir noch etwas Wind, aber die meiste Zeit war das Wasser so glatt, dass sich die Wolken gespiegelt haben. Es gibt eine Marina im Handelshafen von Leixoes, 5 Meilen vor Porto, doch da das Wetter so ruhig war haben wir uns entschlossen direkt weiter in die Douro-Marina von Porto zufahren. Leixoes sah mit seinem Ölhafen, Raffinerien, Container- und Kreuzfahrerpiers auch nicht so einladend aus. Die Einfahrt nach Porto in den Fluss Douro gilt als nicht ganz einfach, da sie nicht nur ungeschützt ist, sondern der Fluss auch ziemlich flach ist. In der Einfahrt auf der Barre vom Douro liegt ein Wrack der „Inga“, wenn das kein Zeichen ist. Der Empfang war wieder ausgesprochen nett, neben Sightseeingtipps, Stadtplänen und Restaurantempfehlungen gibt es auch Brötchen zum Frühstück, die direkt ins Cockpit geliefert werden. Ein netter Service. Abends waren wir in der Nähe des Hafens Fischessen und haben einen lustigen Abend mit zwei Australiern verbracht, die gerade ihr nagelneues Schiff in Frankreich in der Werft abgeholt haben. Die beiden sind zufällig an unserem Tisch gelandet und so hatten wir ganz unverhofft einen sehr geselligen Abend mit Unmengen gegrilltem Fisch.
In der Nähe des Hafens ist ein öffentliches Waschhaus, wo die Frauen ihre Wäsche mit der Hand waschen und dann auf einem Platz zum Trocknen aufhängen. Da habe ich mich gleich ganz privilegiert gefühlt als ich unsere Bettwäsche heute Morgen nicht nur in der Waschmaschine versenkt, sondern hinterher auch noch in den Trockner gestopft habe.
Heute stand Sightseeing auf dem Programm. Zu Fuss haben wir eine gute halbe Stunde nach Porto in die Altstadt gebraucht und dann die touristischen Highlights abgeklappert, die Brücke, die verschiedenen Kirchen (inklusive Hochzeit), den Bahnhof mit der gekachelten Bahnhofshalle und all die kleinen Gassen. Insgesamt hat Porto doch einen etwas verblichenen Charme, der Anteil baufälliger Häuser ist erschreckend hoch. Von weitem sieht die Stadt ganz wunderbar aus, ist man aber in den Straßen unterwegs erschreckt die Ruinendichte und der Anteil von bewohnten Häusern, deren Dächer mit Sicherheit nicht dicht sind. Nobbi hat es geschafft mich in eine Seilbahn zu bewegen, ich muss sagen es war gar nicht so schlimm und so haben wir uns wenigstens einen der vielen Aufstiege gespart. Auf dem Rückweg ging es noch durchs Portweinviertel und dann zurück an Bord. Die Marina liegt quasi in der Einflugschneise des Flughafens Porto, was andere vielleicht als Nachteil werten, obwohl es nicht laut ist, macht Nobbi glücklich. Wer hätte gedacht, dass SAS mit B737-600 herfliegt?
Wir haben unglaublich gutes Wetter, die letzten Tage immer um 25 Grad, und genießen den verlängerten Sommer. Es wird noch immer gebadet, das Wasser in den Flüssen ist sogar noch wärmer als das des Atlantiks.

Bom dia Portugal!

Ja! Wir sind in Portugal. Aber der Reihe nach. Vigo haben wir in vollen Zügen genossen, die Stadt hat es uns angetan. Wir haben nochmal wunderbar gegessen, einen tollen Park über der Stadt erkundet und die Häuser angeguckt, die in unserem Architekturführer erwähnt wurden. Interessant ist ja aber auch das normale Leben. Nobbi war beim Frisör und so hatten wir Gelegenheit Cosmopolitan, Hola und Cuore, also Klatschzeitschriften, zu lesen. Da macht es auch nichts wenn das Spanisch nicht so doll ist. Schade, dass ich die älteren Damen morgens unter der Dusche im Schwimmbad nicht verstanden habe, da wären bessere Sprachkenntnisse wertvoll. Unseren letzten Abend haben wir mit Rotwein und Tapas auf dem trubeligen Marktplatz verbracht. Ein wunderbarer Ort zum Leute beobachten. Kniestrümpfe sind gerade sehr angesagt, und das nicht nur zum Faltenrock der Schuluniform.
Gestern sind haben wir nur die 10 Meilen von Vigo nach Baiona zurückgelegt. In Baiona hat man die Wahl zwischen Marina und Yacht Club, wir entschieden uns für letzteres. Eigentlich wollten wir Wäsche waschen, doch das kostete 12,50 Euro, bisheriger Rekord, das fanden wir zu teuer. Beim Reinfahren hatten wir die Kairos gesichtet und freuen uns über ein Wiedersehen mit Armin und das Kennenlernen seiner Frau Carola. Wir besuchen die beiden, schnacken auf dem Steg und beschließen den Abend gemeinsam zu verbringen. Unser Schweinefilet musste also im Kühlschrank ausharren, dafür haben wir mit leckeren Tapas sehr nett Abschied von Spanien gefeiert.
Obwohl Baiona einen schönen Eindruck hinterlassen hat, zog es uns heute weiter nach Süden, über die Grenze nach Portugal, nach Viana do Castelo. Der Tag war wunderbar sonnig und wir konnten sogar einige Zeit segeln. Zurzeit haben wir sehr schwache Winde aus Nord und Ost, was uns aber nicht besonders stört, da das Wetter sehr schön ist. Die portugiesische Küste ist ein wenig berüchtigt, es gibt keine geschützten Buchten wie in Galizien, die Häfen liegen häufig in Flussmündungen, die durch eine Mole gegen den Schwell des Atlantiks geschützt sind. Bei hohem Schwell ist das Passieren der Barre gefährlich und einige Häfen werden geschlossen. Und bevor wir bei viel Wind nicht wissen, ob wir sicher in den Hafen gelangen, genießen wir doch lieber das schöne Wetter bei wenig Wind und freuen uns über jede Meile die wir segeln können. Unterwegs haben wir wieder einen Mondfisch gesehen, erst dachten wir er wäre tot, doch dann hat er uns mit der Flosse gewinkt.
Beim Anmelden im Hafen hat der Hafenmeister uns nicht nur einen Stadtplan gegeben, sondern uns auch Bilder der Stadt im Internet gezeigt und uns empfohlen uns zu beeilen, so lange die Kirche noch geöffnet ist. Also haben wir wieder keine Wäsche gewaschen, sondern uns lieber die berühmte Kirche (Santa Casa da Misericordia) angeschaut, die wirklich sehenswert ist. Die Wände sind fast komplett mit blau weißen Fliesen bedeckt die Bibelszenen zeigen und die Deckenmalereien sind frisch restauriert. Hinterher sind wir durch die schöne und anscheinend recht wohlhabende Stadt spaziert und haben noch einen Abstecher zu einem alten Hospitalschiff gemacht, das im Fischereihafen liegt. Leider konnten wir es nicht mehr besichtigen, das wäre sicherlich auch interessant gewesen.
Wir haben die Uhr heute eine Stunde zurück gestellt, der Tag ist also eine Stunde länger und das erklärt auch warum ich so müde bin!