Nach windigen Tagen in La Linea entschlossen wir uns noch einen Tag zu bleiben. Am Sonntag haben wir uns ein wenig La Linea angesehen, sind um die Stierkampfarena gelaufen und den Strand entlang. Wirklich schön ist die Stadt nicht und selbst direkt am Strand gibt es eine Menge heruntergekommene Häuser. Auf unserem Rückweg zur Marina haben wir dann noch das letzte Aufbäumen des Karnevals erlebt, der am Sonntag endete. Alle Kinder waren noch einmal verkleidet unterwegs und sprühten alles, was sich nicht bewegt oder nicht schnell genug wegläuft, mit Luftschlangen aus der Dose ein.
Gestern ging es weiter. Wir sind nach Estepona gesegelt und sind nun im Mittelmeer. Ursprünglich wollten wir hier gar nicht hin, heißt es doch: „Kaum bist du im Mittelmeer, hast du keine Mittel mehr“… Aber nun hat es eben gepasst und wir haben uns in La Linea einen Revierführer und Seekarten gekauft. Die Costa del Sol bekämpft nun mit phantastischem Wetter meine Vorurteile gegen das Mittelmeer im Allgemeinen und die spanische Mittelmeerküste im Besonderen. Gestern sind wir flott um Gibraltar herumgesegelt. Zunächst hat Felsen uns wieder mit seinen starken Fallböen geärgert und wir haben nicht nur gerefft, sondern zeitweise sogar das Vorsegel weggerollt. Aber dann sind wir fast bis Estepona wunderbar gesegelt. Kurz vorm Ziel wurde der Wind plötzlich abgeschaltet, als hätte einer einen Schalter umgelegt. Mit 6 Knoten sind wir entspannt gesegelt, als das Boot plötzlich anfängt zu rollen und die Segel schlagen. Der Wind war wohl verbraucht. Das war lustig. Der Ort Estepona hat uns ganz gut gefallen, alles Apartmenthäuser, die aber bewohnt sind. Tatsächlich gab es kein verfallenes oder leerstehendes Haus in Strandnähe und Blumen in den Straßen. Mal eine schöne Abwechslung. Nobbi hat abends noch ein unfreiwilliges Bad genommen. Er hatte seine Sonnenbrille neben dem Boot „abgelegt“ und wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Der kleine Tauchgang war sofort erfolgreich und bei fast 18 Grad auch nicht unangenehm – halt wie die Ostsee im Sommer.
Heute hatten wir gar keinen Wind. Aber soll ich mich darüber bei 23 Grad und strahlender Sonne beschweren? Wir sind die 12 Meilen nach Puerto Banús motort und haben die Sonne genossen. Der Hafen ist ziemlich voll, doch wir sind anscheinend das einzige Boot auf dem heute Abend jemand schläft. Die meisten Boote hier sind Motoryachten zwischen 5 und 50m. Um den Hafen gibt es Restaurants und Geschäfte, teure Geschäfte, Versace und Co, die ideale Kulisse um sich angucken zu lassen. Seinen Bentley parkt man in zweiter Reihe, dann kommt er besser zur Geltung. Hier wird also ordentlich gezeigt und geprotzt. Insgesamt ist das hier eine Art Zoo, wir haben beschlossen wir sind die Besucher und gucken Leute an. Wenn man schon ein paar Millionen übrig hat sich so Motorboot zu kaufen, kann man dann nicht auch seine Steuern bezahlen? Warum muss das Ding dann unter Panama-Flagge fahren. Armselig. Übrigens, falls jemand Interesse hat an einem alten gebrauchten Motorboot, die örtlichen Yachtmakler haben zwischen zwischen € 500.000 und 6 Mio einige Schnäppchen im Angebot.
Um die Duschen zu finden mussten wir ein wenig suchen. Es scheint eher die Ausnahme zu sein, dass da jemand hin möchte, man muss über das Werftgelänge laufen. Dafür sind sie extrem chic und auf Hochglanz poliert, wenn sie jetzt auch noch heiß sind bin ich begeistert. Das weiß ich allerdings erst morgenfrüh. Ein paar Irritationen gab es auch als wir einen Adapter angeboten bekamen, hier gibt es ganz merkwürdige Stecker, die uns bisher noch nie begegnet sind, da passt unser Eurostecker nicht. Der Adapter entpuppte sich nicht als Adapter, sondern als ein Stecker, den wir an unser Kabel hätten anschrauben sollen. Also unseren Stecker abbauen und den anderen Stecker anbauen. Für eine Nacht ein bisschen übertrieben, wir haben darauf verzichtet.
Wir sind ein bisschen am Strand entlang gelaufen, der sehr schön ist, und haben im Ort auch tatsächlich einen ganz normalen Supermarkt gefunden. Einen Nachteil hat dieser Frühsommer der hier gerade über uns hereinbricht jedoch, wir jagen gerade Mücken.
Morgen geht’s dann weiter, mangels Wind wird es vermutlich wieder nur eine kleine Etappe.
Tierische Begegnungen – Störche, Flamingos und Affen
Am Dienstag zieht es uns weiter. Die Wettervorhersage passt und Barbate ist kein Ort an dem wir unbedingt verweilen wollen. Da unser nächstes Ziel die Straße von Gibraltar ist, darf ein wenig gerechnet werden. Zwar ist der Tidenhub nicht groß, jedoch treten recht starke Strömungen auf. Die Strömung wird durch die Gezeiten, die vorherrschenden Wind und die Meeresspiegeldifferenz beeinflusst. Das Mittelmeer hat tatsächlich einen etwa eineinhalb Meter niedrigeren Meeresspiegel als der Atlantik. Die Strömungen ins Mittelmeer sind stärker als die heraus, im Moment passt uns das ganz gut, auf dem Rückweg dann weniger.
Wir starten etwas früher als wir ausgerechnet hatten und erschrecken zunächst als wir sehen, dass sich auch bei wenig Wind eine Welle in der Einfahrt nach Barbate bricht. Wir kommen unbeschadet aus dem Hafen, doch stellen fest, dass man hier leicht festsitzen kann, bei starken auflandigen Winden oder hohem Schwell ist das Auslaufen hier gefährlich. Zunächst segeln wir ganz gemütlich und freuen uns über das sonnige Wetter. Wir sehen einen Schwarm Störche, der nach Norden zieht. Die Sicht ist umwerfend gut, die Straße von Gibraltar ist schmal, an der engsten Stelle nur etwa 14 km breit und wir können die marokkanische Küste sehr gut zu sehen. Die Säulen des Herakles, die Berge, die die Straße begrenzen, bildeten in der Antike das Tor, das das Ende der bekannten Welt bezeichnete. Wind und Schwell nehmen zu und wir beschließen zu reffen.
Ich hatte gehofft, dass wir einen Wal treffen. Viele Segler fürchten Wale, weil eine Kollision für die Wale vermutlich schmerzhaft, für Segelboote jedoch nicht ungefährlich ist. Trotzdem würde ich gerne einen sehen. In der Seekarte steht eine Walwarnung und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 13 Knoten wegen der Wale, deshalb hatte ich mir Hoffnungen gemacht, allerdings ist zwischen April und August Walsaison. Einen Wal sehen wir heute nicht, haben jedoch eine andere zauberhafte tierische Begegnung. Ein Schwarm leuchtend rosa Flamingos zieht dicht an uns vorbei!
Pünktlich zu Hochwasser runden wir Tarifa, den südlichsten Punkt des europäischen Festlands, und sind im Mittelmeer. Der Strom schiebt uns nun gewaltig und wir rauschen mit über 8 Knoten auf Gibraltar zu. Den ganzen Tag haben wir die Großschifffahrt beobachtet, da die großen Schiffe jedoch alle einem festgelegten Weg folgen, brauchen wir uns um sie nicht zu kümmern, nur die Schnellfähren von und nach Marokko kreuzen unseren Weg. Dies ändert sich als wir in die Bucht von Gibraltar (die Spanier nennen sie Algeciras Bucht) einbiegen. Die Bucht ist eine Art riesige Schiffstankstelle. Zwar haben Gibraltar und Algeciras große Seehäfen, die meisten Schiffe kommen jedoch zum Tanken, 6000 sollen es jedes Jahr sein. Die Schiffe ankern in der Bucht und Bunkerboote, ihrerseits von der Größe seegängiger Tanker, bringen den Treibstoff. Das mit dem Ankern ist hier gar nicht so einfach, in der Mitte ist es 500 m tief, das ist auch für große Schiffe zu viel und so konzentrieren sich die Ankerlieger auf die Randbereiche der Bucht. Wir schlängeln uns zwischen den großen Schiffen hindurch und versuchen den Überblick zu behalten, wer liegt vor Anker, wer fährt noch, welche Bunkerboote legen gerade ab und was ist eigentlich mit der Fähre da vorne. Der Wind hat auf satte 6 Windstärken zugenommen und immer wieder bekommen wir starke Böen, zwischenzeitlich machen wir über 9 Knoten unter Segeln, geschoben vom starken Strom. Wir kommen in den Genuss der Düse für den die Ecke hier so bekannt ist. Der Wind wird durch die hohen Berge auf beiden Seiten, Afrika und Europa, stark beschleunigt. Was man auf Wetterkarten toll sehen kann, fühlen wir nun hautnah. Pünktlich bei Sonnenuntergang erreichen wir unsere Marina und liegen nun auf der spanischen Seite in La Linea de la Conceptión.
Am Mittwoch heißt es erst mal ankommen, Wäsche waschen und einkaufen. Das Wetter ist wieder schön, wir spazieren zur Touristeninformation und bekommen einen Plan von La Linea. Nachmittags machen wir einen Spaziergang nach Gibraltar. Von der Marina sind es nur ein paar Minuten bis zur Grenze, die vierspurige Straße führt über die Landebahn. Besonders die flugzeugaffinen Crewmitglieder freuen sich über den Spaziergang auf der Landebahn. Mit Gibraltar haben die Briten natürlich wieder einen ganzen Sack voller Sonderregelungen. Gibraltar gehört zur EU, aber nicht zum Schengenraum und nicht zum EU-Binnenmarkt. Alle Besucher müssen also ihren Pass vorzeigen und durch eine Zollkontrolle gehen. Viele Spanier, die in Gibraltar arbeiten haben Sonderausweise, trotzdem gibt es zur Feierabendzeit erhebliche Schlangen am Grenzübergang.
Nach unserem kurzen Spaziergang am Mittwoch wurde es Donnerstag Ernst, wir wollten auf dem Rock. 426 m ist er hoch, eine Seilbahn bringt einen nach oben. Sportliche Leute können da auch hoch laufen. Wir sind gelaufen, nicht (oder zumindest nicht nur) weil wir so sportlich sind, sondern weil ich mich nicht in eine Seilbahn setze, wenn es sich vermeiden lässt. Der recht anstrengende Fußmarsch hat sich gelohnt, wir waren auf den meisten Wegen allein unterwegs und der Ausblick ist gigantisch. Zuvor hatten wir gehört, der Eintritt in den Naturpark im oberen Teil des Felsens sei teuer. Das können wir nicht bestätigen, wir haben einen Euro bezahlt. Unsere Wanderung wurde dadurch etwas verlängert, dass Karte und Realität nicht immer übereinstimmten und das neue Schildersystem noch nicht fertig, das alte aber nicht mehr vollständig ist… Die Affen haben wir natürlich auch getroffen. Über den ersten, den wir gesehen haben, bin ich fast gestolpert und hab mich sehr erschreckt. Ein ganzes Rudel Berberaffen lebt auf dem Felsen, lässt sich von Rangern füttern, erschreckt Touristen und genießt die super Aussicht. Ein toller Tag war das, den wir heute ein bisschen in den Waden merken.
Heute hatten wir viel Wind und haben am Boot rumgetüddelt. Gestern haben wir vor unserem Ausflug noch einen kleinen Abstecher zum Schiffsausrüster gemacht und natürlich einiges gefunden von dem wir vorher nicht wussten, dass wir es brauchen, aber auch einige Dinge von unserer Liste streichen können. Das kleine Regal, dass wir gestern gekauft haben, habe ich heute gleich lackiert, während Nobbi unsere Bilgepumpe doch noch mal anders angebaut hat. Auch hat er das Boot mal wieder gewaschen, trotzdem wird es wohl noch etwas dauern bis wir den Saharasand wieder los sind und ich habe das erste Brot auf Marisol gebacken. Wegen des starken Windes haben wir Leinen über die Nachbarbox gespannt und uns gut festgestrickt. So können wir gut schlafen.
Morgen soll es mit Böen über 40 Knoten und Regen noch ungemütlicher werden als heute, das verspricht einen weiteren Basteltag. Ab Sonntag sieht das Wetter gemäß Vorhersage wieder angenehmer aus.
Karneval und eine Leiche
Samstag und Gestern haben wir uns also in Karnevals-Getümmel gestürzt. Die Stimmung war sehr friedlich und fröhlich. Neben Verkleidungen sind beim Karneval in Cádiz die Lieder das Wichtigste. Schon in den Tagen zuvor beginnen die Wettbewerbe im Theater und während des Karnevals treten ständig irgendwo Gruppen auf, die ihre selbst geschriebenen Lieder präsentieren. Es gibt unterschiedliche Kategorie, die meisten Lieder sind satirisch oder lustig. Natürlich haben wir fast nichts verstanden, gefallen hat es uns trotzdem. Neben den offiziellen Gruppen die auf den Bühnen überall in der Stadt singen, gibt es die ‚illegales‘ und die machen den eigentlichen Reiz aus. Sie ziehen durch die Stadt und singen, an Straßenecken oder einfach mitten in der Gasse. Man läuft also durch eine Gasse und kommt nicht weiter, weil eine Gruppe grüner Insekten gerade singt und sich eine Menschentraube gebildet hat. Gegessen und getrunken wird natürlich auch. Das Bier wird in praktischen 1,1l Flaschen verkauft. Von den Verkleidungen hat mir am besten die Gruppe Flamingos gefallen und die Familie Supermänner. 15 Personen, vom Baby bis zur Oma, alle im gleichen Kostüm, das sah so süß aus! Das häufigste Kostüm, neben Bananen, waren als Frauen verkleidete Männer, allerdings ließen die Kostüme doch häufiger auf ein erschreckendes Frauenbild schließen… Am meisten Fans hatte der junge Mann der mitsamt seiner Dusche durch die Stadt gezogen ist, alle Frauen wollten mit ihm duschen.
Gestern war der große Umzug, um 17.30 h sollte es so weit sein, wir sind der Masse hinterhergelaufen und haben so die richtige Straße gefunden und uns dann in die wartende Menge an den Straßenrand gestellt. Die Cádizer Karnevalsfans sind hartgesottene Warter. Der Zug war um viertel vor acht endlich zu sehen, leider war es da bereits dunkel, zwar waren die Wagen beleuchtet, doch die Kostüme der Fußgänger konnte man nicht so gut sehen. Um zehn waren wir mit platten Füßen wieder Zuhause, gleichzeitig mit uns kam die Kuhherde vom Nachbarboot nach Hause. Die Männer waren als Kuhhirten verkleidet, die Frauen als Kühe… Andere haben wesentlich länger gefeiert, die Crew eines anderen Boots kam um sechs nach Hause, die Musik im Festzelt ging bis um sieben und heute Morgen, als wie duschen gegangen sind, kamen einige gerade zurück zu ihren Wohnwagen. Aus mir wird kein Karnevalist mehr, aber Spaß gemacht hat es trotzdem und wenn ich mich mal verkleiden muss gehe ich als Flamingo oder eben als Clownfisch…
Manchmal wenn wir spazieren gehen erfinden wir Krimihandlungen, mit dem Mord auf Langör zum Beispiel sind wir sehr weit gekommen. Vor ein paar Tagen hatten wir über einen Cádizkrimi der im Karneval spielt nachgedacht. Gestern war die Leiche dann keine Einbildung mehr. Als wir Mittags von einem kleinen Spaziergang wiederkamen erzählte der Hafenmeister uns etwas, wovon wir das meiste nicht verstanden haben, aber ‚muerte‘ war eindeutig. Die Guardis Civil war in Aufregung, die Besatzung vom Rettungskreuzer trug weiße ‚Seuchenanzüge‘, die Polizei kam mit Blaulicht. Schließlich fuhr der Rettungskreuzer raus, kam kurz darauf wieder und lud ein winziges Boot und eine Leiche auf dem Steg ab. Natürlich wissen wir nicht was passiert ist und wer der Tote ist. So traurig die Situation ist, dadurch dass der ein oder andere anscheinend aus dem ‚Frei‘ gerufen wurde wirkte es ziemlich skurril. Neben einem ziemlich genervten Staatsanwalt, war ein Henker dort, der irgendwas unterschreiben musste, die Rolle von Robin Hood blieb jedoch unklar.
Heute sind wir tatsächlich weiter gefahren! Nach 17 Tagen in Cádiz war es Zeit weiterzuziehen. Bei der Ausfahrt aus Cádiz hatten wir noch einmal Gelegenheit einen Blick auf den berühmten Strand La Caleta zu werfen und haben ein abweisendes Amerikanisches Kriegsschiff getroffen. Die Amerikaner haben eine Basis in der Bucht von Cádiz und kreuzen dort fleißig auf und ab, aber immer ganz geheim mit ausgeschaltetem AIS. Unterwegs konnten wir schön segeln, leider jedoch nicht die ganze Zeit. Dafür hatten wir heute die bisher schönste Delfinbegegung. Zwei große Tiere haben uns nicht nur begleitet, sondern sind lange in unserer Bugwelle geschwommen, direkt unter dem Bugkorb und haben uns angeguckt. Wir haben schon große Herden gesehen, mit vielen Tieren, oder welche die ganz lange geblieben sind, aber noch nie hatten wir so stark das Gefühl, dass die Kontakt zu uns aufnehmen. Sehr berührend, es gibt wohl wenig was so direkt ins Herz geht, wie das Treffen eines Delfins. Morgens war es ziemlich diesig, nachmittags wurde die Sicht jedoch besser und wir konnten bis nach Marokko gucken. Jetzt sind wir in Barbate, einem mäßig charmanten Hafen. Man liegt hier sicher, auch wenn die Wellen schon bei wenig Wind über die Mole spritzen, aber kuschelig ist es hier nicht. Der Hafen ist ziemlich leer, das Gebäude in dem die Duschen sind wurde drei Nummern zu groß geplant, es ist zweigeschossig und wartet auf Läden die dort einziehen, allerdings nicht erst seit gestern. Wir sind um den Hafen herum zur Strandpromenade gelaufen, auf der anderen Seite des Hafens befindet sich ein bisschen Fischerei, die Strecke dazwischen wirkt verlassen und ich möchte da nicht im Dunkeln spazieren gehen. Die Strandpromenade war belebt und der Strand ist schön, leider flog aber überall ziemlich viel Müll rum. Der Strand wandert langsam über die Promenade und den Hafen, überall ist feinster weißer Sand.
Falls das Wetter keine Überraschungen parat hat, geht´s morgen weiter.
Karnevalsvorbereitungen
Wir sind noch immer in Cádiz. Einer der Gründe, weshalb wir noch hier sind ist der berühmte Karneval von Cádiz. Seit Wochen wird hier geprobt und vorbereitet, die Straßen sind geschmückt und im Theater läuft seit Tagen jeden Abend der Karnevalswettbewerb, wo verschiedene Gruppen mit ihren Liedern gegeneinander antreten. Morgen ist es so weit und der Karneval in den Straßen beginnt. Wir sind gespannt, mein Karnevalsbedürfnis ist normalerweise nicht sehr ausgeprägt, aber jetzt wollen wir es vor Ort erleben.
Heute war eigentlich ein unspektakulärer Tag, an dem wir trotzdem viel erlebt haben. Im Hafen erlebten wir die Kontrolle von zwei Anglern durch die Guardia Civil, sie hatten viel mehr Fische raus geholt als erlaubt. Also konnten sie sich 5 kg Fisch pro Person aussuchen, den Rest mussten sie abgeben. Es folgte eine Belehrung, jede Menge Ärger und anscheinend ein Bußgeld. Mittags wollten wir ganz in Ruhe die Gemüsevorräte auffüllen und waren überrascht, dass es nicht nur in den Einkaufsstraßen, sondern auch im Supermarkt brechend voll war. Wir hörten schließlich im Supermarkt, dass die Läden am Sonntag und Montag wegen Karneval und am Dienstag wegen des „Dia del Andalucia“ geschlossen haben, morgen sind einige Läden vormittags geöffnet. Da hat sich das Spanisch lernen doch gelohnt, wir haben ein Brot mehr gekauft und brauchen bis auf weiteres nicht einkaufen. Im Supermarkt war es also sehr voll, die Spanier jedoch erfrischend entspannt. Man wartet also eine halbe Stunde an der Kasse, kein Problem sicherlich trifft man jemandem mit dem man sich unterhalten kann. Dann klappte auch noch eine alte Dame im Eingangsbereich zusammen, kein Problem, da wurde ein Stuhl organisiert, eine Wasserflasche besorgt, getröstet und als es Omi wieder gut ging, ging es auch an der Kasse langsam weiter. Ich finde das prima, wenn ich die Leute um mich herum belausche (zum Beispiel in der Schlange an der Kasse) rede ich mir ein, dass ich nicht neugierig bin, sondern nur mein Spanisch verbessern möchte…
Nachdem es die ersten Tage hier im Hafen sehr ruhig war, sind jetzt mehr Schiffe bewohnt, verschiedene Motorboote wurden ins Wasser gebracht und heute sind einige Segler reingekommen, die anscheinend mit dem Boot zum Karneval anreisen. Vorgestern ist ein finnisches Boot morgens ausgelaufen, gestern haben wir sie wieder getroffen, leider ist der Mast von oben gekommen und sie mussten wieder zurückkehren. Die Frau an Bord hat sich beim Fallen des Mastes den Arm gebrochen und ist heute nach Hause geflogen. Nach einigen Missverständnissen haben wir festgestellt, dass „Zuhause“ Russland ist und nicht wie von uns angenommen Finnland. Die beiden kommen aus Russland, segeln aber ein Boot mit finnischer Flagge und finnischem Heimathafen. Der Mann versucht das Boot wieder flott zu machen. Wir waren heute Morgen bei den beiden, um Ihnen unsere Hilfe anzubieten, der Mast hing noch immer auf halb acht an der Bordwand. Doch sie wollten unsere Hilfe nicht in Anspruch nehmen, oder haben uns nicht verstanden, auf jeden Fall hat die Werft heute Nachmittag den Mast mit dem Kran vom Boot gehoben und ihn an Land gelegt.
Morgen stürzen wir uns ins Karnevalsgetümmel und Anfang der Woche könnte es dann langsam weitergehen.
Schönes Cádiz
Cádiz gefällt uns, die touristischen Highlights haben wir abgehakt und nun haben Zeit die kleinen, netten Dinge zu entdecken. Da gibt es Häuser, die von außen langweilig aussehen, deren Eingänge aber auf schöne Innenhöfe hinweisen, oder das Denkmal des Dichters, der nicht auf dem Sockel stehen möchte, die schönen gekachelten Bänke und das (wie wir finden sehr gelungene) Denkmal zur Meinungs- und Pressefreiheit. Und deshalb findet ihr hier einfach noch ein paar Fotos!
Tanzende Pferde
Heute Morgen klingelte mal wieder der Wecker, wir hatten also einen Termin! Diesmal ging es nach Jerez de la Frontera, dort befindet sich die „Real Escuela Andaluza del Arte Equestre“, die Königlich- Andalusische Reitschule.
Zunächst wartete an Deck eine Überraschung auf uns, unser Schiff war mit rötlich braunem Matsch bedeckt. Diese Überraschung hatte sich angekündigt, die letzten Tage hatten wir sehr viel Wind, der Sand aus der Sahara im Gepäck hatte. Bei jedem Spaziergang bekam man ein leichtes Peeling, vor dem Wäsche aufhängen musste man dringend den Seezaun abwischen und wenn man zu viel gelacht oder geredet hat, hatte man später Sand zwischen den Zähnen. Gestern Nacht hat es etwas geregnet und den Sand schön an Deck fixiert. Das dreckige Boot musste warten, wir wollten schließlich unseren Zug bekommen.
Diesmal haben wir den Vorortszug genommen. Laut Nobbi bekommt man da mehr Stopps für sein Geld. Dank der netten Dame bei der Touristeninformation hatten wir einen Stadtplan von Jerez de la Frontera dabei und haben den Weg vom Bahnhof zur Reitschule problemlos gefunden. Interessant war allerdings schon, dass es zwar unendlich viele Hinweisschilder gab, jedoch vorzugsweise zu Restaurants und nicht zur Reitschule. Als wir die Reitschule gefunden hatten waren wir auch bereits bei den Ställen, bevor wir festgestellt haben, dass dies nicht der offizielle Besuchereingang war… Die Anlage ist wirklich hübsch, leider war das Wetter nicht so toll. Pünktlich zum Beginn der Vorstellung begann es zu regnen, da die Show in der Halle stattfand war das nicht weiter schlimm. Amüsiert waren wir, dass zum Auftakt alle anwesenden Schulklassen (heute gefühlt/gehört 2/3 der Besucher) namentlich begrüßt wurden und wir dann gemeinsam die andalusische Hymne gesungen haben. Auch meine weniger pferdeaffine Begleitung war von den schönen vierbeinigen Huftieren und der wirklich ästhetischen Darbietung begeistert. Wir sind uns einig, dass dieser Ausflug sich sehr gelohnt hat!
Im Anschluss haben wir uns ein nettes Restaurant gesucht, lecker Mittag gegessen und einen Spaziergang durch Jerez unternommen. Zurück in Cádiz waren wir noch bei Carrefour, denn dort gibt es neben dem extrem günstigen Tonic für unseren Sun-Downer auch diese wunderbaren Oliven, die nicht in Dosen, sondern in Plastikbeuteln vakuum-verpackt sind, und sich damit sehr gut in der Bilge stauen lassen. Schon wieder eine Eichhörnchen Tätigkeit.
Sevilla
Gestern hat der Wecker zeitig geklingelt, zumindest Nobbis. Meiner hat dafür gar nicht geweckt, wurde heute aber mit der Hilfe von Wetprotect wiederbelebt, ein weiteres Korrosionsopfer.
Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir eine ganze Menge Partygänger getroffen, die auf dem Weg nach Hause waren. Unter der Hafenmole befinden sich ein Theater, Diskos und Bars und nachts wird hier ausgiebig gefeiert, was man morgens auch an den unglaublichen Mengen Müll auf der Straße sieht. Vormittags kommt die Straßenreinigung, zurück bleiben nur die Glasscherben auf der Mole.
Während der Bahnfahrt haben wir gefrühstückt und hatten Gelegenheit uns die Landschaft anzusehen. Das Land ist hier so platt wie in Dittmarschen, erst kurz vor Sevilla wird es ein bisschen hügeliger. Wenn man den Bereich nahe der Küste, wo noch immer Landgewinnung betrieben wird (Cádiz war mal eine Insel, eigentlich sogar zwei!), verlassen hat, sieht man wie trocken es hier im Sommer ist. Bäume und Sträucher gibt es fast ausschließlich auf Plantagen oder in unmittelbarer Nähe zu Häusern und obwohl wir Februar haben ist die Landschaft eher braun als grün.
In Sevilla angekommen geht’s zuerst zur Plaza España, der Platz samt umstehender Gebäude wurde für eine Ausstellung 1929 angelegt. Geländer, Bänke und Bordüren, alles ist gefliest. Sehr hübsch. Besonderen Spaß macht es den Spaniern dabei zuzusehen wie sie sich in Gruppen vor dem Wappen ihrer Heimat-Provinz fotografieren. Um den Platz sind die Wappen aller 48 spanischen Provinzen samt Landkarten abgebildet. Gefallen hat uns, dass das Halbrund des Gebäudes, das den Platz einfasst, die Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien symbolisieren soll. Über diese Umarmung haben die Kolonien sich sicher sehr gefreut… .
Anschließend laufen wir am Ufer des Guadalquivir entlang, vorbei am Torre del Oro, einem Wachturm aus dem 13. Jahrhundert. Außen um die Stierkampfarena geht es zur Kathedrale. Die Schlange vor der Kathedrale ist kürzer als befürchtet und wir brauchen nur gute 10 Minuten anstehen bis wir in der gigantischen Kirche sind. Sie ist eine der größten Kirchen der Welt und beeindruckt durch die Ausmaße und den unglaublichen Reichtum. Im 12. Jahrhundert wurde hier eine Moschee gebaut, von der nur noch der Orangenhof und der Turm erhalten sind, im 14. Jahrhundert wurde dann an die gleiche Stelle die riesige gotische Kathedrale gesetzt. In der Kirche gibt es unzählige wertvolle Gemälde, Seitenkapellen, Kirchenschätze, einen gigantischen goldenen Hauptaltar, eine sehr große Orgel und das Grab von Christoph Kolumbus. Der Mann ist rumgekommen, er hat post mortem noch zweimal den Atlantik überquert und wurde 1902 schließlich in Sevilla untergebracht. Zum Abschluss der Besichtigung der Kathedrale besteigen wir den Turm und sehen uns die Stadt von oben an.
Nach einem lecken Mittagessen in der Sonne in einem Straßen-Restaurant laufen wir noch ein bisschen kreuz und quer durch Sevilla, vorbei am Alcázar Palast und dem Columbus Denkmal und enden schließlich im sehr belebten Viertel Santa Cruz.
Überall in der Stadt sieht man den Schriftzug „NO8DO“, nicht nur im Wappen der Stadt, sondern auch auf Straßenschildern, Laternen und in der Werbung es für Sevilla. Die Geschichte dazu ist hübsch: die 8 soll ein Wollknäul darstellen, was auf Spanisch madeja heißt. Trennt man das entstenadene „No madeja do“ nun geschickt entsteht (fast) „No me ha dejado“, was „Sie hat mich nicht verlassen“ bedeutet und vermutlich auf Alfons den 10. (nicht den Viertel vor 12ten) zurückgeht. Dieser hat nach seiner Absetzung in Sevilla im Exil gelebt. Ob Alfons nun Schuld ist oder nicht ist nicht gesichert, sicher ist das N08DO überall ist.
Abends geht es mit der Bahn wieder nach Hause. Im Gegensatz zur wundervollen Altstadt hat Sevilla in der jüngeren Vergangenheit kein so gutes Händchen in Sachen Stadtplanung. So gibt ein Olympiastadion, obwohl, richtig es gab nie Olympische Spiele in Sevilla, und der Bahnhof wirkt mehr als nur etwas überdimensioniert.
Sevilla hat uns sehr gefallen, so sehr dass wir überlegen, ob wir nochmal hinfahren!
Mit L’Oréaal gibt es schon wieder einen neuen Aal! Da das Aalthema zum Dauerbrenner wird ist die Aal Galerie umgezogen, ihr findet sie nun im Hauptmenü.
Cádiz, die Stadt die lächelt
„Hallo! Ich will nach Amerika, also Festlandamerika, aber ich hab kein Geld“ sprach uns gerade ein junger Mann im Hafen an, der Name „Puerto America“ hatte ihm wohl Mut gemacht, dass es hier auf Schiffe treffen könnte die nach Amerika fahren. Allerdings sieht es nicht gut aus, im Hafen liegen derzeit abgesehen von uns noch zwei andere bewohnte Boote, die Finnen sind heute Morgen ausgelaufen (nicht nach Amerika)… vielleicht findet er ja eine andere Möglichkeit oder ein neues Reiseziel.
Wir genießen weiterhin Cádiz, nicht mehr im Regen sondern bei wunderbarem sonnigem Wetter. Nur windig ist es, sehr windig. Die letzten Tage haben wir immer wieder 6 Windstärken aus Ost mit kräftigen Böen der Stärke 8, laut unserer Stadtführerin ist das das typische Wetter für Cádiz. Mittwoch stand ganz im Zeichen der Stadtbesichtigung. Mittags haben wir eine Führung durch den ältesten Teil der 3000 Jahre alten Stadt gemacht, nachmittags eine Führung durch die westlichen Teile der Altstadt. Natürlich haben wir während der Führungen viel über Cádiz gelernt, und haben zusätzlich noch einige Tipps bekommen, was wir noch besichtigen könnten und hatten Gelegenheit Fragen zu stellen. Hier haben wir auch gelernt, dass Cádiz die Stadt ist, die lächelt. Und es stimmt! Zwischen den beiden Führungen waren wir in der Kathedrale, ein Besuch der sich sehr gelohnt hat. Das Ticket für den Besuch der Kathedrale schließt die Besichtigung der riesigen Krypta mit erstaunlicher Akustik und den Aufstieg auf den 40 m hohen Turm mit ein, außerdem bekommt man einen Audio-Guide und kann sich so alles ganz genau erklären lassen. Nach der beeindruckenden Kathedrale haben wir den Ausblick vom Turm über die Stadt genossen und dabei festgestellt, dass das unscheinbare Hotel am Marktplatz einen Pool mit gläserner Vorderseite auf dem Dach hat. Am Donnerstag haben wir unser Sightseeing-Programm fortgesetzt und vormittags eine Bustour gemacht, die uns an den Fuß der neuen, erst 2015 eröffneten, Festlands-Brücke und in die Neustadt gebracht hat. Nachmittags haben wir die beiden Forts San Sebastian und Santa Catalina besichtigt.
Heute sind wir bei tollem Wetter den langen Strand-Spaziergang zur Neustadt entlang gewandert, die 8 km, die der Strand lang ist haben wir nicht ganz geschafft, obwohl wir uns mit ausreichend Proviant eingedeckt hatten. Gestern haben wir nämlich eine kleine Bäckerei entdeckt, die leckere Empanadas und wunderbaren Kuchen verkauft, seither ist unsere Mittagsverpflegung gesichert.
Auch auf Marisol hat sich einiges getan. Der Wassermacher wurde komplettiert und erstmalig in Betrieb genommen, wir machen jetzt also aus Seewasser unser eigenes Trinkwasser. Ein bisschen überrascht waren wir schon, dass es bei den vielen Anschlüssen nicht mal ein kleines Leck gab. Das nenne ich perfekte Vorbereitung. Das Plexiglas-Steckschott passt nun auch wieder, als wir es das letzte Mal benutzt haben, haben wir das Schiebeluk zwar mit Schwung zu bekommen, dann aber nicht wieder auf… Wie gut, dass wir den Multimaster dabei haben, er kommt regelmäßig zum Einsatz. Nicht nur Mari wird gepflegt, Nobbi war beim Frisör. Allerdings ist er nicht so ganz glücklich mit seiner neuen Frisur, es ist doch sehr kurz geworden, falls ihr ihn also nicht auf Fotos seht, ihr wisst Bescheid. Ich hatte mehr Spaß, ich habe wieder spanische Klatschzeitschriften gelesen (es wird absolut alles eingespanischt nicht nur principe Guillermo, Prinz William, sondern auch el gran manzana, big apple New York).
Wenn man aus Portugal kommt muss man sich zunächst wieder an spanische Öffnungszeiten gewöhnen. In Portugal gibt es entweder gar keine Mittagspause, oder aber ein bis eineinhalb Stunden Pause zwischen eins und drei. Ganz anders in Spanien. Hier wird ausgiebig Siesta gemacht. Unser Supermarkt schließt zum Beispiel von Viertel nach zwei bis viertel vor sechs (im Winter), der Laden daneben öffnet sogar erst um halb sieben wieder. Noch einen anderen Unterschied zwischen Portugal und Spanien haben wir heute bemerkt, hier sind Turnbeutel extrem angesagt. Man trägt ihn entweder lässig in der Hand oder auf dem Rücken. Das Spektrum reicht vom öko Leinenturnbeutel bis zum knallbunten aus Plastik, das Alter der Turnbeutelnutzer reicht von 6 bis 75, auch wenn die meisten zwischen 15 und 30 sind. In Portugal ist die Turnbeutelmode noch nicht angekommen. Ich überlege ob ich den Beutel, in dem meine Duschsachen transportiere ab sofort als Handtasche verwende.
Unseren Liegeplatz findet ihr in dem Bild vom Hafen hinter dem roten Containerschiff und in der Aalgalerie gibt es einen echten Notfaal.
Cádiz im Regen
Die letzten beiden Tage haben wir in der Schiffswaschanlage verbracht. Mit anderen Worten es hat geregnet. Insbesondere gestern war das Wetter grausam, es hat gegossen und ziemlich geweht. Wir liegen hier in Cádiz gut und sicher. Der Yachthafen Puerto America ist sehr geschützt und liegt dicht an der Stadt.
Am Samstag waren wir zunächst einkaufen und haben unsere spanische SIM-Karte wieder aktiviert. Dabei bekommen wir gleich mehrfach Gelegenheit Spanisch zu üben, im Supermarkt kauft man Obst und Gemüse an der Theke, genau wie Käse und Wurst und hat so Gelegenheit neue Vokabeln zu lernen, der Verkäufer bei Vodafone spricht zwar kein Englisch, versteht aber unsere mühsamen Spanischversuche und schickt uns auf die andere Straßenseite zum Aufladen unseres Guthabens. Nachmittags machen wir dann noch einen Sightseeing-Spaziergang, besorgen uns einen Stadtplan und trocknen uns danach an Bord. Abends sehen wir „James Bond – Die another day“, da wir gelernt haben, dass Halle Berry gar nicht in Havanna, sondern in Cádiz aus dem Wasser steigt. Das mussten wir natürlich überprüfen.
Gestern waren wir im Museo de Cádiz. Im Untergeschoss befindet sich die archäologische Ausstellung, dort sind nicht nur Werkzeuge ausgestellt, die die Menschen vor 20000 Jahren angefertigt haben, sondern auch Exponate aus der Zeit der Phönizier und Römer. Cádiz ist eine der ältesten Städte des Abendlandes, so ganz ist es wohl nicht klar wann die Phönizier sich hier niedergelassen haben, irgendwann vor etwa 3000 Jahren. Der Schmuck aus der Zeit der Phönizier ist beeindruckend aktuell, hübsche Perlen und goldene Ohrringe, würde ich sofort tragen. Im Museum gab aus außerdem noch Gemäldesammlungen und eine Fotoausstellung. Die Fotos von José María Mellado haben uns sehr gefallen, lauter eigentlich alltägliche Szenen in Lateinamerika, aber auch zum Beispiel auf Island, die aus einem besonderen Blickwinkel aufgenommen wurden oder durch tolle Farben besonders wirken. Anschließend waren wir noch in einem sehr lebendigen Restaurant Pizza essen und haben uns dann an Bord verkrochen, um uns wieder zu trocknen. Zum Trost und zur Erheiterung gab es dann abends gleich 3 Folgen der französischen Krimi-Serie „Candice Renoir“.
Heute war das Wetter wieder schön. Abgesehen von einem Schauer, der die Wäsche noch mal etwas angefeuchtet hat, kaum hing sie auf der Leine, war es heute trocken und sonnig. Neben Bootsgetüddel wie Matratzenlüften und Stopfbuchse anziehen (damit ist das Thema jetzt hoffentlich vom Tisch und wird nur noch beobachtet), stand natürlich auch wieder ein Spaziergang durch die Stadt inklusive Pausenbier in der Sonne beim Castillo de San Sebastian auf dem Programm. Jetzt gibt es gleich Kartoffel-Porree-Auflauf und anschließend wieder „Candice Renoir“.
Es sieht nicht aus, als ob wir so schnell von hier wegkommen, denn in der nächsten Woche kommt eine Menge Wind aus Osten. Aber eigentlich treibt uns auch nichts so schnell weg aus Cádiz und es gibt noch viel zu entdecken.
Aalfreunde finden eine neuen Aal in der Galerie, Joachim hat eine neue Gattung entdeckt.
Wieder in Spanien!
Mittwoch ging es von Vila Real de Santo Antonio nach Mazagón. Hochwasser war um halb eins, also hatten wir Zeit und sind morgens nochmal durch den Ort geschlendert, haben kurzentschlossen doch noch Portugalandenken gekauft und sind schließlich gegen halb zwölf ausgelaufen. Kurz nach dem Auslaufen stand der Grenzübertritt nach Spanien an, ihr ahnt es, ein Grund zum Feiern. Also spanische Gastlandflagge gesetzt, Uhrzeit umgestellt! und angestoßen. Erfreulicherweise hat auch unser GPS mitgefeiert. Nachdem es in Vilamoura irgendwann nicht mehr wusste wo es ist und sich nicht berappeln wollte, ist es pünktlich zu den Feierlichkeiten wieder erwacht. Da es nicht unser einziges GPS ist und nicht mit der elektronischen Karte verbunden ist, ist es nicht dramatisch wenn es ausfällt, aber es stört schon. Mich, weil ich da gerne drauf schaue und Nobbi, weil es ihn einfach stört wenn irgendwas nicht funktioniert. Leider wurde der Wind pünktlich zu unserem Ablegen abgeschaltet. Als wir vom Einkaufen kamen wehte es noch heftig, wir überlegten wie wir am besten vom Steg weg kommen und auf dem Fluss waren kleine Schaumkronen zu sehen. Als wir unsere Einkäufe verstaut hatten war der Wind plötzlich weg. Zwar haben wir hochmotiviert Segel gesetzt, als wir dann aber immer langsamer wurden, sind wir eben nach Mazagón motort. Da es sonnig und warm war, fanden wir es nicht so schlimm im T-Shirt in der Sonne zu sitzen und zu lesen. Mazagón liegt in der Einfahrt nach Huelva, so dass wir mal wieder einige große Schiffe gesehen haben. Von Mazagón haben wir leider nichts gesehen, wir kamen abends an und sind nur einmal über das Hafengelände gelaufen. Anders als in Portugal sprach in der Marina niemand Englisch, so habe ich beim Einchecken mein jämmerliches Spanisch aktiviert. Jetzt habe ich ja wieder einen Grund mal ein paar Vokabeln zu lernen.
Donnerstag ging es weiter nach Chipiona, diesmal mit viel Wind. Die ersten Stunden hatten wir 5 bis 6 Beaufort und sind ein schnelles Zickzack um die Fischerbojen gesegelt. Erst kurz vor dem Hafen nahm der Wind ab und drehte sogar in die richtige Richtung, so dass wir bis vor die Einfahrt segeln konnten. Ich hab fast die gesamten 5 Stunden von Hand gesteuert, es hat viel Spaß gemacht und wir waren schnell! In Chipiona wurden wir eingecheckt wie in einem 5-Sterne Hotel. Ich habe mir nicht nur den Liegeplatz aussuchen dürfen, nein, es gab noch ein paar Prospekte, Informationen über den Ort, die Erklärung wo ich den Supermarkt finde und eine Karte der Region Cadíz. Unglaublich was für eine Bürokratie, ich glaube es wurden 14 Seiten gedruckt und fotokopiert. Und alles damit wir eine Nacht bleiben und 14,90 Euro bezahlen. Der Ort sah vom Wasser aus eigentlich ganz interessant aus mit seinem Leuchtturm und der Kirche direkt am Strand, doch von Chipiona haben wir noch weniger gesehen als von Mazagón. Wir hatten noch nicht an unserem Liegeplatz festgemacht, da haben wir Lisa und Wolfgang von der Lotta getroffen. Deshalb sind wir gar nicht mehr spazieren gegangen, sondern haben mit den beiden einen netten Abend verbracht. Im Moment sind kaum andere Segler unterwegs, da ist es schön wenn man jemanden trifft, schon ganz und gar wenn man sich bereits kennt! Außerdem haben wir ein paar Informationen ausgetauscht, während wir nach Osten unterwegs sind, sind die beiden schon wieder auf dem Weg nach Westen und konnten uns so einige Tipps geben. Wir sind gespannt wo wir die beiden wieder treffen, denn für uns ging es heute gleich weiter nach Cadíz.
Heute hatten wir keinen besonders gemütlichen Tag. Die nächsten Tage, darauf wurden wir schon in den letzten Häfen wiederholt hingewiesen, soll das Wetter schlecht werden, da wollten wir gerne in einer relativ großen Stadt sein. In Cadíz könnten wir bei Regenwetter vielleicht mal ein Museum besuchen. Der Wind kam genau aus Süden, da wo wir hin wollten und schickte uns auch eine unangenehme kurze Welle, die uns immer wieder aufgestoppt hat, zusätzlich kam 2 m hoher Schwell aus Westen, der uns ordentlich durchgeschüttelt hat. Nichts schlimmes, aber ungemütlich. Immerhin sind wir trocken geblieben. Obwohl der Himmel dunkelgrau gedroht hat, sind die Schauer an uns vorbei gezogen. Das erste Mal seit Langem hatte ich komplettes Ölzeug an und habe Nobbi dabei beobachtet, wie der Segelunterwäsche untergezogen hat. Es war also kalt (16 Grad). Aber wer im Herbst auf der Ostsee segeln kann, lässt sich doch von einem kalten Tag in Andalusien nicht schrecken. Immerhin konnte ich endlich meine neuen Segelstiefel, ein Weihnachtsgeschenk, testen. Wundervoll! Hier in Cadíz haben wir einen gut geschützten Platz gefunden und freuen uns nach unserem ersten Spaziergang über die historische Strandpromenade schon sehr darauf diese Stadt in den nächsten Tagen ausgiebig zu erkunden. Der erste Eindruck ist schon mal super!









