Mastputzen und Sightseeing

Wir haben heute unseren Mast gewaschen, eine selten blöde Beschäftigung. Nach den stürmischen Tagen ist die Ostseite von allem mit einer salzig, sandigen Schicht bedeckt. Jeder Draht und jede Leine hat diese Schicht und natürlich auch unser Mast, unser Windgeneratormast und unsere Vorsegelrollanlage. Nobbi ist also mit samt dem Wasserschlauch in den Mast geklettert und hat unser Schiff von oben nach unten gewaschen. Ich hatte die wesentlich trockenere Aufgabe ihn von unten zu dirigieren „da, unter dem Radar noch ein bisschen“ und „die Saling ist ganz außen noch sandig“. Auf den andern Schiffen gab es ähnliche Aktionen zu bewundern, unsere finnischen Nachbarn hatten ein ganz ausgeklügeltes System und waren nicht nur mit Wasserschlauch, sondern auch mit Eimer und Wischmopp im Mast. Am Nachbarsteg wurde ein System etabliert, wo der Schlauch in den Mast gezogen und mit einer zweiten Leine gesteuert wurde. Unser Schiff ist wieder weitgehend sauber, das Vorsegel wieder angeschlagen und die gebrochene Halterung der Wetterfaxantenne wurde auch erneuert. Nachmittags haben wir einen langen Strandspaziergang gemacht und uns von Cádiz verabschiedet.
Hier ist die Kreuzfahrtsaison ausgebrochen, jeden Tag liegt ein anderes Schiff an der Kreuzfahrerpier. Vor drei Tagen lag dort die Club Med 2, ein Segelkreuzfahrer, der vier Masten mehr hat als wir, gestern war es „Mein Schiff 5“ und heute ein kleines Luxuskreuzfahrtschiff. Die „Mein Schiff 5“ haben wir nicht nur morgens beim Festmachen beobachtet, wir haben einen Teil der Passagiere auch in Sevilla wieder gesehen. Nach den windigen Tagen, in denen wir viel Zeit an Bord verbracht haben, stand uns der Sinn nach ein wenig Sightseeing. So sind wir gestern ausnahmsweise vor dem Sonnenaufgang aufgestanden und haben den Zug nach Sevilla genommen. Sevilla hat uns wieder genauso gut gefallen wie bei unserem ersten Besuch, inzwischen blühen überall in den Straßen die Bäume und machen die Stadt noch schöner. Vormittags haben wir uns zunächst das Flamenco-Museum angesehen und nach einem Picknick auf einem der Plätze mitten in der Stadt haben wir uns in die Schlange des Alcázar, des mittelalterlichen Königspalastes, gestellt. Das Schlange stehen hat sich gelohnt, der Palast ist mit seinen vielen maurischen Elementen und den schönen Gärten beeindruckend. Wenn sich der spanische König in Sevilla aufhält residiert er in diesem schönen Schloss, würde ich auch machen, wenn ich König wäre. In einem Park mitten in Sevilla fand eine Ausstellung andalusischer Pferde mit Körungen und Wettbewerben in verschiedenen Disziplinen statt. Dort haben wir den Tag ausklingen lassen. Uns wurde andalusische Reitkunst vom Feinsten geboten und außerdem konnte man an den Boxen entlangspazieren und die schönen Pferde bewundern. Ich habe die Gelegenheit genutzt und so viele Samtnasen wie möglich gestreichelt. Rechtzeitig zum Sundowner waren wir dann wieder an Bord zurück.

Eingeweht in Cádiz

Es stürmt. Seit gestern Morgen weht es ohne Unterbrechung. Im Moment haben wir hier 7 Windstärken in Böen 10 ab und zu gar 11, so geht das seit gestern Abend, vorher hatten wir 6-7 in Böen 9. Unser Windanzeiger zeigt minutenlang über 40 Knoten, manchmal über 50.
Wir haben unsere Mari festgestrickt und inzwischen 14 Leinen draußen. Zum Glück haben wir einen der besten Plätze hier im Hafen, wir liegen im inneren Becken, hier gibt es keinen Schwell, in Luv neben uns liegt ein schweres Stahlschiff aus Finnland, das uns ein bisschen Schutz bietet und wir liegen ablandig, das heißt wir liegen nicht auf unseren Fendern, sondern hängen in den Leinen, so ist es bei uns vergleichsweise gemütlich. Die größeren Yachten, die im äußeren Hafenbecken liegen haben es deutlich unbequemer, da baut sich auch auf kurze Distanz eine eklige Welle auf, die die Boote hin und her tanzen lässt.
Der Marina-Bar sind heute Nacht Teile des Dachs weggeflogen, ab und zu treibt ein Fender, ein Rettungsring oder eine Planke aus einem der Stege vorbei. Einem Boot an unserem Steg ist heute Nacht das Bimini zerrissen, ein anderes hat sich einen Kratzer geholt, weil die Fender auf denen es liegt völlig platt sind. Bei einem Boot ist heute Nacht das Vorsegel ausgeweht, heute Morgen lagen die zerrissenen Fetzen im nächsten Zaun. Sonst gibt es bisher zum Glück keine größeren Schäden, die Marineros checken selbst nachts die Leinen der Boote und versuchen jetzt aufzuräumen, soweit das bei diesen Windstärken geht.
Die einzigen die das alles gar nicht beeindruckt sind die Möwen und die Seeschwalben. Gerade ist unsere Lieblingsmöwe am Slip gelandet um dort ihr tägliches Nachmittagsbad zu nehmen. Ich wusste gar nicht, dass Möwen so gerne baden. Die Tauben wirken weniger entspannt, ihnen ist es anscheinend zu viel Wind und sie kämpfen darum nicht vom Wind aufs Meer hinaus getragen zu werden.
Gestern haben wir einen Stadtspaziergang gemacht, heute waren wir nur beim Supermarkt und verbringen den Tag ansonsten an Bord. Man lernt dazu, gestern habe ich lange Ohrringe getragen, heute habe ich gerefft und mich für Ohrstecker entschieden, das diesem Wetter gilt es so wenig Windangriffsfläche zu bieten wie möglich. Gut war der Getränkeeinkauf, die schweren Rucksäcke haben die Straßenlage deutlich verbessert.
Am Dienstag, bevor dieser Sturm begonnen hat, hatten wir noch ein ganz anderes Problem zu lösen. Montagabend hat Nobbi eine Zahnfüllung verloren. Deshalb entschieden wir nicht weiter darüber nachzudenken, ob wir vor dem Sturm noch weiter Richtung Norden segeln wollen, sondern uns zunächst auf die Suche nach einem Zahnarzt zu machen. Mit der Hilfe von Frau Google hatte ich eine vielversprechende Praxis in der Innenstadt herausgesucht und wir hatten Glück, nicht nur, dass wir warten durften und Nobbi noch am Vormittag dran kam. Die Praxis war auch sehr modern, Nobbi mit der Arbeit des Zahnarztes zufrieden und die Kommunikation wurde dadurch vereinfacht, dass der Zahnarzt nicht nur Englisch sondern auch Deutsch sprach. Den Nachmittag haben wir, nach einem kleinen Imbiss in unserem Restaurant gegenüber der Kathedrale bei sonnigen 28 Grad für einen Spaziergang am sehr beliebten Badestrand genutzt. Insgesamt 10 km sind wir an Cádiz‘ feinem Stadtstrand entlang spaziert und haben uns danach in der Strandbar mit einem kühlen Getränk erfrischt.
Morgenfrüh soll der Wind abnehmen, die Aussicht auf 6 in Böen 8 lässt uns hoffen. Mal sehen wie lange wir dann brauchen um den Sand wieder los zu werden. Ein paar hundert Meter von uns entfernt lagert feinster weißer Sand, der nach und nach zu uns herüber gepustet wird, da brauchen wir diesmal gar keinen Saharasand um gepudert zu werden.

Der Wind bläst uns zurück in den Atlantik

Für die nächsten Tage ist Wind angesagt, viel Wind. Deshalb entschließen wir uns Gibraltar hinter uns zu lassen und die nächsten windigen Tage woanders zu verbringen. Wir wollen die Düse von Gibraltar, wo es fast immer sehr windig ist endlich wieder verlassen.
Bei der Ausfahrt aus der Bucht von Gibraltar wurde uns einiges geboten. Direkt über unserem Kopf tauchte ein Flugzeug, das im Landeanflug war, durch die tiefe Wolkendecke, startete durch und verschwand wieder in den Wolken. An der Kreuzfahrerpier lag die „Mein Schiff 4“, leider kein schöner Tag für einen Kurzbesuch des Rocks, wurde er doch von dunklen Wolken eingehüllt. Mitten in der Bucht, zwischen all den Fähren, Tankern und einigen besonders interessanten Schiffen, wie einem eleganten Kühlschiff oder einem Frachter, der lauter Motoryachten an Deck sehen hatte, schwamm ein Mondfisch, der uns zum Abschied gewinkt hat.
Für uns ging es nach Westen wieder in den Atlantik, das Tagesziel war Barbate. Da fünf Windstärken angesagt waren und wir die „Düse“ bei Tarifa schon kennen, haben wir gleich ein Reff ins Groß eingebunden. Letztendlich war der Wind jedoch deutlich stärker als wir gedacht hatten, wir hatten satte sieben Windstärken in Böen acht aus Ost. Als der Wind mehr wurde haben wir unsere Fock ganz weggerollt und das 2. Reff ins Groß gebunden, so konnten wir den Wind gut händeln, selbst das Halsen war unproblematisch, aber aufregend war es schon.
Wie schnell man sich an neue Verhältnisse gewöhnt, ich habe fast die ganze Zeit gesteuert und hatte zunächst gewaltiges Herzklopfen. Nach einiger Zeit war ich immer froh, wenn wir „nur“ 30 Knoten Wind hatten (das sind immer noch sieben Windstärken). Hinter Tarifa war der Wind weniger böig, kam nicht mehr direkt von achtern, wir konnten die Fock wieder etwas ausrollen und das Segeln war entspannter. Kurz vor Barbate hat Rasmus uns dann doch noch einen Streich gespielt. Der Wind nahm ab, es wurde warm im Cockpit und wir hatten nur noch drei Windstärken, also haben wir ausgerefft, die Fock ganz ausgerollt und es uns gemütlich gemacht, plötzlich hatten wir wieder 7er Böen. Schnell runter mit dem Segel. Zwischen den Böen konnten wir dann auch unser Vorsegel wegrollen und als wir nach Barbate in den Hafen gefahren sind war es wieder ganz ruhig. Unsere neue Rollanlage hat ihren Test bestanden, sie rollt ganz wunderbar, und unsere Mari hat mal wieder gezeigt, dass sie sich nicht so leicht beeindrucken lässt. Den ganzen Tag sind wir parallel zu einem deutschen Katamaran gesegelt, beide Boote waren fast gleich schnell und so sind wir auch zusammen in Barbate angekommen. Wir wurden von der Crew eingeladen und haben gemeinsam auf das gute Ende des aufregenden Segeltags angestoßen. So anstrengend so ein Tag ist, haben wir doch noch mehr Vertrauen in unser Schiff und uns gewonnen und werden das nächste Mal bei viel Wind denken „bei Tarifa hatten wir auch so viel Wind“.
Wer sich einen Eindruck von der „Düse“ in der Straße von Gibraltar verschaffen möchte, oder sich generell für Wetter interessiert, dem empfehlen wir die kostenlose App Windytv. Sie ist gut geeignet um sich die Lage der Windsysteme weltweit anzusehen und eine Vorhersage für die nächsten 10 Tage gibt es auch.
Heute hatten wir Kontrastprogramm gebucht, ein gemütlicher Segeltag. Der Wind kam genau von hinten, deshalb haben wir unsere Fock ausgebaumt und sind im „Schmetterling“ dahin geschaukelt. Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Ich hatte gestern zu viel Sonne und habe deshalb den ganzen Tag brav meinen Tilleyhat getragen. Zwar muss ich immer an „Linnea- und die schnellste Bohne der Stadt“ denken, wenn ich den Hut aufsetze, aber er beschattet mich zuverlässig und bleibt auch bei Segelmanövern auf dem Kopf. Nachmittags ist der Wind eingeschlafen, zwar mussten wir deshalb die letzten zwei Stunden motoren, hatten aber auch noch Gelegenheit zu einem Badestopp. Das Wasser hat so türkis-blau geleuchtet, da konnten wir nicht widerstehen. Inzwischen haben wir fast 20 Grad Wassertemperatur, wundervoll! Nun liegen wir wieder in Cádiz. Hier bleiben wir, bis der starke Wind vorbei ist und hoffen dann auf gutes Wetter um nach Madeira zu segeln.

Fleißige Tage in La Línea

Seit gestern haben wir eine neue Furlex, sprich Rollreffanlage. Eric, über den wir sie gekauft haben, hat sie mit uns installiert, dass ging letztendlich recht flott und wir haben noch einiges gelernt und ein paar netten Geschichten gelauscht. Unser Mast steht jetzt nur leicht nach achtern gebogen, genau wie wir uns das vorgestellt hatten. Unser Segel haben wir gleich gestern Abend wieder angeschlagen, schließlich wollen wir bald weiter.
Heute wollten wir eigentlich alle Spannschrauben sichern und einige Sicherungsringe unter einer Lage Tape verstecken, doch dann hat Nobbi auf einem Kontrollgang im Mast festgestellt, dass eine Lampe (das Topplicht) wackelt. Kurz haben wir überlegt, ob wir da jetzt wirklich Lust zu haben, doch dann beschlossen es jetzt gleich zu erledigen. Die alten korrodierten Nieten haben schnell aufgegeben, mussten dann aber ausgebohrt werden, die die eigentlich rein sollten passten nicht, also eine Größe größer, wieder ausbohren, wieder mit der Nietzange in den Mast… gut, dass wir Stufen am Mast und so viel Werkzeug an Bord haben. Die Laterne ist nun so fest, man könnte man seinen Sicherheitsgurt daran befestigen!
Auch in den Tagen zuvor waren wir fleißig, unser Wassermacher hat nun einen Betriebsstundenzähler, der WLAN Router hat ein neues Netzteil und die Antenne wurde neu angeschraubt, das neue (alte) GPS zeigt zuverlässig wo wir sind und lässt sich ohne Volkshochschulkurs bedienen und unsere neue Ankerlaterne wurde getestet, lediglich über den Montageort wird noch diskutiert. Nebenbei haben wir uns um Kleinigkeiten gekümmert wie Rostflecken entfernen, kleine Gelcoatschäden flicken, putzen und Schweinefleisch Tandoori einkochen. Gestern hat Nobbi mal wieder Gelegenheit bekommen zu baden, nachdem er einen Schraubenzieher neben das Boot gelegt hatte. Im ersten Versuch hat er den Schraubenzieher aus 5m geborgen und nach zwei weiteren Versuchen auch den bayrischen Bierkrug unseres Nachbarn, den ein Besucher vor ein paar Tagen bei einem unfreiwilligen Bad verloren hat.
Da wir die letzten Tage sehr viel Zeit im Hafen verbracht haben, hatten wir Gelegenheit das Hafenleben ausführlich zu beobachten. Die Saison hat begonnen, viele Segler sind auf der Durchreise und viele Schiffe, die im Sommer als Charterschiffe im Mittelmeer Geld verdienen sollen, werden dorthin überführt. Ab und zu liegen auch ganz besondere Segelyachten hier im Hafen, wie die in Neuseeland gebaute „Escapade“ (Aluminium mit Carbonrigg, fast 40m lang, unter der Flagge Vanuatus) oder die deutsche Yacht „Cool Breeze“, ein mintfarbener 80 Fuss langer Segeltraum. Heute Nacht ist ein estnischer Traditionssegler rein gekommen, ein Gaffelsegler fällt natürlich gleich ins Auge. Britische Segelschulen fahren hier fleißig ihre Manöver, mindestens drei Yachten sind jeden Tag dabei An- und Ablegen zu trainieren. Darunter eine ganze Gruppe von Leuten die hier ihren Yachtmaster machen, in einem 15 wöchigen (!) Kurs, dass muss man sich auch leisten können.
Ansonsten sind der Brexit und die Konsequenzen für Gibraltar weiterhin ein großes Thema. Auch ist die Frage, ob Gibraltar zum United Kingdom gehören sollte (das tut es anscheinend nicht, dass ist so kompliziert mit United Kingdom und Great Britain, dass verstehen nicht mal die Engländer, oder Briten?), dann müssten sie allerdings auch Steuern zahlen. Natürlich kann es unmöglich an die Spanier abgetreten werden. In diesem Zusammenhang wird seit Tagen im Radio diskutiert was Churchill 1941 (!) zu Franco gesagt haben soll. Nebenbei ärgern Spanien und Gibraltar sich gegenseitig ein wenig, kontrollieren die einen an der Grenze besonders gründlich, sperren die anderen am nächsten Tage eine Spur am Grenzübergang. Und so weiter.

Zurück in La Línea

Seid ihr immer noch in Gibraltar? Geht es euch gut? Warum gab es so lange keinen Bericht von euch? Wir haben viele Anfragen erhalten, was denn mit uns los sei. Marisol liegt noch immer auf ihren Liegeplatz in La Línea mit Blick auf den „Rock“ und seit gestern Abend sind wir auch wieder hier. Wir haben einen kleinen Abstecher nach Bremen gemacht, meine Schwester hat geheiratet, das wollten wir nicht verpassen. Die Hochzeit war wundervoll und die Party grandios. Wie schön, dass wir dabei sein durften und konnten. Bremen hat uns mit sonnigem Frühlingswetter überrascht und wir haben mal wieder festgestellt wie schön unsere Landbasis ist. Leider hat Nobbi die Zeit für eine fiese Bronchitis und Fieber genutzt, doch nun ist er wieder fit und fröhlich. Der Nachteil einer Heimreise ist der Abschiedsschmerz, der jedes Mal ein bisschen schlimmer wird.
Unsere Rückreise hat gestern überraschend gut funktioniert, trotzdem waren es vierzehneinhalb Stunden zwischen Lesum und La Línea. Mit dem Auto ging es in Bremen zum Flughafen, über München nach Málaga mit dem Flieger, dann mit dem Langstreckenbus nach Algeciras und schließlich mit dem Stadtbus nach La Línea.
Heute haben wir ausgeschlafen, eingekauft und die Dinge verstaut die wir aus Bremen mitgebracht haben. Das ist ja immer ganz unterhaltsam. Wir reisen mit unserer Tauchertasche, in der, wie der Name schon sagt, unsere Tauschsachen verstaut sind. Diese Tasche lagert im Achterschiff ziemlich weit unten, um sie wieder an ihren Platz zu schaffen, müssen wir das ganze Achterschiff ausräumen, die Tauchsachen in die Tasche quetschen und alles wieder einräumen.
Ein paar Tage werden wir noch hier bleiben, bevor es weiter nach Westen geht. Im Moment weht es ganz ordentlich und das soll auch noch ein paar Tage so bleiben, was uns hier hält ist jedoch unsere neue Rollreffanlage für das Vorsegel. Als sich vor drei Wochen abzeichnete, dass wir einige Zeit hier bleiben werden, haben wir beschlossen unser Rigg kontrollieren zulassen. Für die Kontrolle der Wanten und Stagen (das sind die Drähte die den Mast halten) haben wir unser Vorsegel abgeschlagen. Schnell wurde klar, dass unsere alte Rollreffanlage ihre besten Tage hinter sich hat. Wir haben hier ein gutes Angebot für eine neue Furlex (das ist der Markenname) bekommen und beschlossen sie dann gleich hier zu ersetzen. Ich bin ja froh, dass ich meine neuen Schuhe zuvor gekauft habe, ob die jetzt noch genehmigt werden würden? Tatsächlich wurde die Furlex innerhalb von drei Tagen aus Frankreich geliefert und liegt bereits Boot. Sehr praktisch, so ein 2,5 m langes Paket im Salon… Für die Montage der neuen Anlage und das exakte Spannen der Drähte brauchen wir weniger windige Tage. Bis dahin könnten wir uns mit unseren anderen Projekten beschäftigen. Wir haben ein (gebrauchtes) GPS-Navi als Unterstützung für unser etwas störanfälliges GPS aus Deutschland mitgebracht, das Nobbi heute schon getestet hat. Solche stand-alone-GPS Geräte sind kaum noch zu bekommen und wir sind glücklich über das bedienungsfreundliche Gerät, dass nebenbei die Signale (für die automatische Positionsübermittlung in einem Seenotfall) an unser UKW-Funkgerät übermittelt. Wir könnten also „mal eben schnell“ die Kabel verlegen, dafür müssten lediglich einige Schränke und Kisten leergeräumt werden. Ich freu mich drauf!

Ausflug nach Tarifa

Gestern haben wir einen Ausflug nach Tarifa gemacht, die südlichste Ecke Europas wollten wir uns auch noch mal von der Landseite ansehen. Mit dem Bus haben wir eine Stunde gebraucht, die Fahrt war interessant, die Landschaft zwischen Algeciras und Tarifa ist sehr schön.
In Tarifa haben wir das „Castillo Guzmán el Bueno“ besichtigt. Die Burg wurde 960 n. Chr. gebaut und wurde 1000 Jahre durchgehend benutzt. Die Aussicht von der Burg über die Straße von Gibraltar, die hohen Berge Marokkos, den Hafen und die Altstadt Tarifas ist sehr schön. In dem erstaunlich aufwendig restaurierten Kastell wurden an mehreren Stellen alte Burgteile freigelegt und erklärt und es gibt ein Museum, das sich mit der Geschichte der strategisch wichtigen Festung, der Bewaffnung der Burg und der Bedeutung der Herrschaft über die Straße von Gibraltar beschäftigt.
So viel Kultur macht hungrig, auf der Suche nach etwas Essbarem sind wir in ein nettes Fischrestaurant geraten und haben einen wunderbaren Steinbutt verspeist. Während es im frischen Westwind recht kühl war, merkt man im Windschatten wie viel Kraft die Sonne hat. Beim Mittagessen war es selbst im T-Shirt schön warm. Zurück sind wir am endlosen Playa de Los Lances entlanggewandert, wo sich hunderte von Kitesurfern tummeln. Tarifa hat sich gelohnt, eine Wiederholung des Ausflugs ist nicht ausgeschlossen.
Ansonsten nutzen wir die Zeit hier für kleine Arbeiten und Rumgetüddel. Die Tasche, in der unser Schlauchboot verpackt ist, hatte einen Riss, der mit einer wunderschönen Bootsmannsnaht geschlossen wurde, unsere Fender sind prall aufgepumpt und Nobbi ist getaucht und hat die Logge von Seegras befreit, sie läuft wieder. Unser Traveller (daran ist die Großschot befestigt, mit der man wiederum den Winkel des Großsegels einstellt) hat ein wenig Pflege bekommen. Den Traveller-Schlitten haben wir umgedreht, er kann die nächsten 25 Jahre von der anderen Seite verschleißen, und wir haben eine neue Leine eingenäht. Die Matratze, die über dem Motorraum liegt und deshalb öfter mal angehoben wird, hat einen neuen Bezug aus einem alten Bettbezug bekommen. Ansonsten kann man sich ja auch mit seinem normalen Bootshaushalt beschäftigen: waschen, putzen, Matratzen lüften, Motor streicheln, Wassermacher spülen,… . Wir haben alle Lebensmittel ausgeräumt, gezählt, die Liste aktualisiert und alles wieder eingeräumt. Das ist ja immer interessant. Es sind noch zwei Gläser Maronencreme da, das stimmt mich froh, aber wer hat 9 Dosen Erbsen gekauft, die esse ich doch gar nicht besonders gerne. Für die Erbsendosen haben wir gleich eine Anwendung gefunden. Unser Cockpittisch hat eine neue Lackierung bekommen und die lackierten Teile kann man wunderbar auf Dosen lagern bis sie getrocknet sind.
Angeblich kann man in Gibraltar billig Alkohol kaufen, das mag sein, viel interessanter finde ich allerdings die Schuhpreise. Dienstag habe ich Paar wunderschöne blau-pinke Schuhe bekommen. Da an Bord ja Gewicht und Platz eine wichtige Rolle spielt, musste ich dafür natürlich etwas aussortieren, zwei Paar Schuhe sind heute Morgen in der Mülltonne gelandet. Ihr ahnt es, ich habe heute noch ein paar super leichte, leuchtend blaue Treter bekommen. Und Nobbi? Der sagt, er bräuchte keine (er hat tatsächlich noch zwei Paar nagelneue, ungetragene Schuhe im Schrank). Er durfte meine bezahlen. Das ist wie beim Slowfox: „Happy wife, happy life“ ;-) .

 

Frühling on the rocks und 64 Mio. Paar Schuhe

Der Tag begann wunderbar mit einem Frühstück im Cockpit. Das schöne Wetter haben wir genutzt und Wäsche gewaschen. Wir waren nicht die einzigen, überall im Hafen wehte Wäsche und aufgeschobene Arbeiten wurden in Angriff genommen, so viele putzende und bastelnde Bootsbesitzer haben wir lange nicht gesehen. Kurz haben wir überlegt ob wir einen Basteltag einlegen uns dann aber für einen erneuten Ausflug auf Gibraltars „Upper Rock“ entschieden.
Wir sind einen anderen Weg gelaufen als beim letzten Mal und haben viel Neues entdeckt. Natürlich haben wir auch wieder die Affen gesehen. Leider werden die Affen ziemlich viel gefüttert, obwohl es verboten ist. Die Schilder auf denen steht, dass das Füttern der Affen mit einem Bußgeld von 4000 Pfund bestraft wird, scheinen Dekoration zu sein. Die Taxifahrer füttern die Affen in Gegenwart der Ranger und eine Frau hat versucht einen Affen mit einem Kaugummi zu locken. Zum Glück hat ihm das Kaugummi nicht gefallen. Es gibt aber auch Affen die nicht auf Touristen, Erdnüsse und Kaugummis stehen, sich ein wenig abseits halten und Blätter sammeln. Klar ist es toll die Affen zu sehen, doch uns haben heute besonders die tausenden von Möwen gefallen, die in den Aufwinden um den Felsen ihre Flugküste unter Beweis stellen. Nicht nur bei den Möwen wird für Nachwuchs gesorgt auch das Pflanzenreich ist auf Vermehrung aus, es blüht an jeder Ecke und duftet wunderbar. Von den 6 Schlangenarten die es geben soll haben wir keine gesehen, dafür Eidechsen, Schmetterlinge und fleischfressende Pflanzen.
Auch wenn die Sicht heute eher schlecht war und von der marokkanischen Küste nichts zu sehen war,  hat man vom „Rock“ einen hervorragenden Blick auf die Bucht. Wir hatten Glück und waren gerade auf der Nordseite, als die Straße über den Flughafen gesperrt wurde, weil ein Flugzeug startete. So konnten wir den Flugzeugstart auch mal von oben beobachten.
Von oben haben wir auch die HMS „Ocean“ gesehen. Das größte Schiff der britischen Marine ist gerade in Gibraltar, wie wir heute Morgen im Radio gelernt haben. Die HMS „Ocean“ ist ein Hubschrauberträger und 208 m lang. Allerdings hat ihr ein Containerschiff heute die Show gestohlen. Als wir auf dem Weg vom Rock nach unten waren haben wir gesehen, wie ein riesiges Schiff sich langsam in die Bucht schob. Dank „Find Ship“ App auf dem Smartphone konnten wir das Containerschiff als „Magleby Maesk“ identifizieren. Die „Magleby Maesk“ ist 399 m lang  und 59 m breit und damit eines der größten Containerschiffe der Welt. Schiffsfetischisten wissen, dass sie ein triple E-class Schiff ist und eine Kapazität von 18270 TEU hat. Für alle die sich nun fragen was um Himmelswillen TEU sein sollen, habe ich ausgerechnet, dass die Magleby Maesk ungefähr 64 Mio Paar Schuhe transportieren kann. Ein TEU entspricht einem 20 Fuss Container (20 Fuss Container sind die kleinen, auf LKWs sieht man meistens die großen, die 40 Fuss Container). In so einen Container gehen ungefähr 3500 Schuhkartons (das habe ich nicht ausprobiert und wir überlegen jetzt auch nicht, dass viel mehr Kartons mit Schuhen für mich reinpassen würden, als mit Schuhen für Nobbi). Also 18270 Container mit je 3500 Schuhkartons macht knapp 64 Mio. Paar Schuhe. Auf einem Schiff. Unglaublich!

 

Stürmische Zeiten

Am Montag haben wir unseren Sommerurlaub im Mittelmeer beendet und haben uns wieder nach La Linea verholt. Wir liegen am gleichen Steg wie vor einer Woche mit Blick auf Gibraltar, falls der Felsen nicht gerade von einer Wolke verschluckt wird.
Montag war das Wetter noch ganz nett, nicht mehr so warm wir die letzte Woche, aber sonnig und mit moderatem Wind aus West. Wir haben den Felsen schnell umrundet, hatten Besuch einer Gruppe kleinerer Delfine, haben einen Mondfisch und einen großen Raubvogel gesehen, haben uns zwischen den großen Schiffen durchgeschlängelt und waren am frühen Nachmittag im Zielhafen. Uns wurde wieder einiges geboten, ein Bunkerboot was direkt neben uns ablegt und auf uns zudreht, ein Tanker der Ankerauf geht und „Gibraltar Customs“ hat mit seinem Boot a ein Kringel um uns gefahren.
Seit Dienstag ist das Wetter grausam. Es weht aus Ost und ist sehr böig. Am Dienstag hatten wir 6 Windstärken mit 8er Böen, abends nahm der Wind zu. In der Nacht von Dienstag erreichte der Wind seinen Höhepunkt mit Böen von 56 Knoten, das sind 11 Windstärken. Gestern hatten wir den ganzen Tag 7 bis 8 Windstärken mit 10er Böen. Der Ostwind hat uns nach einem nächtlichen Hagelschauer auch wieder eine Ladung Saharasand gebracht, so dass nun wieder alles mit einer braunen Schicht überzogen ist. Wir haben am Montagnachmittag unsere Fock abgeschlagen und unter Deck gestaut, darüber sind wir jetzt froh, so war sie weder dem starken Wind ausgesetzt, noch dem Sand. Bei anderen Booten gab es ein paar kleinere Schäden, wie die eine oder andere zerrissene Persenning, aber es gab auch ein paar größere Schäden. Bei einem deutschen Schiff ist der Besanmast umgefallen. Natürlich ist es für den Besitzer vielleicht besser, dass das jetzt im Hafen passiert ist und nicht auf See, trotzdem braucht man so etwas wirklich nicht. Es gibt Erfahrungen auf die ich gerne verzichten möchte, ein gebrochener oder umgefallener Mast gehört unbedingt dazu.
Nicht nur den Seglern schlackern die Ohren bei so viel Wind. Die großen Schiffe, die im Osten von Gibraltar lagen sind Anker auf gegangen. Bei 4 m Welle und so starkem auflandigen Wind wird es auch auf 300m langen Containerschiffen ungemütlich und irgendwann gefährlich. Gestern war auch der Flughafen von Gibraltar geschlossen, die Brandungswellen liefen auf der Ostseite bis auf die Landebahn. Allerdings ist der Flughafen häufiger geschlossen, so dass die Information, ob von Gibraltar geflogen wird, zum ganz normalen Radioprogramm gehört.
Dienstag hatten wir beschlossen, dass das Wetter gar nicht so schlecht ist und wir einen Spaziergang nach Gibraltar machen könnten. Kaum unterwegs sind wir wieder umgekehrt, wer nach Gibraltar will muss seinen Pass dabei haben. Der einsetzende Nieselregen wurde bald stärker, nach einiger Zeit waren wir klatschnass, haben sogar auf dem Pub-Besuch verzichtet und es uns auf Marisol gemütlich gemacht. Nicht nur Hosen, Jacken, Strümpfe und Schuhe mussten getrocknet werden, auch die Pässe wurden erst getrocknet und dann unter einem dicken Buch einigermaßen wieder in Form gebracht.
Gestern war es zwar den ganzen Tag sehr windig, dafür aber trocken. Wir haben unsere Gibraltar-Erkundung fortgesetzt und waren im Museum. Das Museum ist klein und die Ausstellung ein wenig durcheinander, trotzdem hat es uns gefallen, lernt man doch viel über die Neandertaler, die hier in einer Höhle bis vor 30.000 Jahren gelebt haben.
Gibraltar hat einen hohen Unterhaltungswert. Das liegt auch daran, dass wir das Radioprogramm verstehen. Am Montag war Feiertag. Da anscheinend viele Gibraltarer nach Spanien gefahren sind, kam es am Montagabend zu einem Stau an der Grenze. Zwei Stunden hat man abends gebraucht, um mit dem Auto über die Grenze zu kommen, wir haben das wütende Hupen bis in den Hafen gehört. Seit dem wird dieser Stau im Radio diskutiert, wie kann es sein, dass die Polizei so lange braucht für die Kontrollen? Ist das Schikane? Die ehemaligen Frankfurter an Bord finden das ziemlich lustig. Auch sonst gibt es in Gibraltar viele Kuriositäten. Zum Beispiel eine eigene Währung. „Elizabeth II Queen of Gibraltar“ ziert die Münzen und das Gibraltar-Pfund ist direkt ans britische Pfund gekoppelt. Man kann mit britischen Pfund bezahlen, mit dem Gibraltar-Pfund jedoch nicht in Großbritannien. Eigentlich wird überall auch der Euro akzeptiert, wenn auch manchmal zu abenteuerlichen Umrechnungskursen. Bei Automaten hingegen ist der Euro-Zahler im Vorteil, da kann man häufig wahlweise einen Euro oder ein Pfund einwerfen. Die Briefkästen präsentieren sich sehr royal, es gibt nicht nur Briefkästen mit der Queen, auch der kleine George ziert einen Briefkasten in Gibraltar. Autos fahren in Gibraltar rechts, genau wie in Spanien, Fußgänger werden beim Überqueren der Grenze jedoch aufgefordert links zu laufen „Keep left“. Mir ist das egal, ich kann links und rechts sowieso nicht unterscheiden.
Heute ist graues Schmuddelwetter und wir haben „nur noch“ 6 Windstärken mit 8er Böen. Zum Wochenende soll das Wetter besser werden und in Gibraltar wird St. Patrick‘s Day gefeiert.

Urlaubstage in Sotogrande

Am Freitag sind wir von Marbella nach Sotogrande gefahren. Nachdem die beiden Tage zuvor kein Wind angesagt war und es mittags dann aber mit vier bis fünf Windstärken aus Osten blies, hatten wir gehofft, dass es wieder so kommt. Natürlich bekamen wir keinen Ostwind, wir wollten nach Westen, also gab es Westwind. Kurz haben wir überlegt, ob wir doch nach Osten fahren wollen, aber da war der Wind dann ganz weg und so sind wir motort.
Sotogrande ist ein eher nobler Hafen. Bevor ich zur Rezeption gegangen bin haben wir also überlegt was wir maximal für eine Nacht bezahlen. Die Sorge war unbegründet, für uns ist es hier nicht teuer.
Für die unter euch, die nicht so knauserig sind wie wir hätten wir eine Urlaubsidee. Hier liegt die 40m lange Motoryacht Tatyana, die ihr chartern könnt. Den Preis konnte ich nicht finden, für vergleichbare Schiffe muss man 100.000 bis 150.000 Euro, Dollar oder Pfund (da ist die Währung dann ja langsam auch egal) berappen. Unsere Nachbarin Tatyana fährt unter der Flagge der Marshallinseln, die mussten wir erst mal nachschlagen, gebaut wurde das gute Stück aber in Bremen bei Lürssen. So viel zu den Nachbarn.
Sotogrande ist ein künstliches Dorf angelegt um künstliche Kanäle mit einem Yachthafen und wirklich schön. Wir hatten befürchtet, dass es verlassen oder heruntergekommen sein könnte, das ist nicht der Fall. Die Häuser sind rot, gelb und orange, haben Fensterläden und fast alle einen eigenen Bootsliegeplatz. Am Ende unseres Stegs steht ein anscheinend gut gebuchtes vier Sterne Hotel, die Parkplätze im Ort sind fast alle belegt, die Restaurants und Cafés sind gefüllt, es gibt eine ganze Reihe Geschäfte und es ist viel Betrieb im Hafen. Der große Hafen ist bei weitem nicht voll, doch es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Mit anderen Worten wir sind an dem richtigen Ort gelandet um ein richtiges Urlaubswochenende zu verbringen, hatten wir doch gestern 25 Grad.
Neben Urlaubsaktivitäten stand gestern auch die Aktion Schlauchspülen auf dem Programm. Wir haben in der Pantry einen Salzwasserhahn, das heißt wir können dort Meerwasser entnehmen und zum Beispiel Geschirr mit Salzwasser vorspülen. Seit Wochen riecht es eklig aus dem Hahn. Im Schlauch haben wir uns wohl Algen kultiviert die wir lieber nicht hätten. Also könnte man ja mal den Schlauch säubern haben wir uns gedacht, gar nicht so trivial (auch ein Aal, wann habt ihr das letzte Mal in die Galerie geguckt?). Gestern ist Nobbi mit Tauchermaske und Schnorchel ins Wasser gegangen und hat einen Schlauch von außen ins Seeventil gesteckt. Der erste Schlauch passte nicht, der zweite saß perfekt. In unserem Trichtersatz gab es auch einen passenden Trichter, durch den wir dann Essig in den Schlauch und gekippt haben. Nun hieß es innen so lange pumpen bis Essig kommt, dann das Seeventil schließen. Bis heute Morgen stand der Essig im Schlauch und es scheint funktioniert zu haben, kein widerlicher Geruch mehr.
Auch heute war es wieder sehr schön. Dank fünf Windstärken und sehr trockener Luft war unsere Bettwäsche nach einer Stunde trocken, allerdings musste Nobbi die Wäsche bewachen, damit sie nicht von der Leine fliegt. Ich habe derweil Zitronenkuchen gebacken, der Omnia-Ofen bewährt sich. Nachmittags haben wir einen schönen Spaziergang entlang des Strandes gemacht und im nächsten Ort eine schöne Strandbar gefunden.
Ab Dienstag soll das Wetter schlechter und vor allem regnerisch werden. Morgen wollen wir eigentlich weiter, allerdings nur wenn es dann nicht mehr so weht. Angesagt ist es nicht, aber jetzt weht es auch und das hat auch keiner angesagt…

Unverhofft kommt oft – wir sind in Marbella

 

Die Dusche in Puerto Banus war heiß und wundervoll. Auf dem Rückweg wurde ich von einer jungen Spanierin angesprochen wo ich diesen tollen Beutel gekauft hätte. Letztes Jahr habe ich diesen Beutel mit Ankermotiv von meiner Schwester zum Geburtstag bekommen und jetzt transportiere ich darin meine Duschsachen. Die junge Frau wollte unbedingt so einen Beutel haben und so habe ich ihr dort auf dem Bürgersteig gleich einen im deutschen Onlineshop bestellt. Ein lustiger Tagesbeginn!
Morgens war es fast windstill und wir beschlossen die Küste Richtung Málaga entlang zu motoren und auf Wind zu hoffen, zwei Häfen hatten wir ausgesucht, den einen 20 Meilen entfernt, den anderen etwas weiter. Kaum hatten wir ausgecheckt kam der Wind. Aber wie! 5 Windstärken genau auf die Nase. So kamen wir zu der bisher kürzesten Etappe dieser Reise, nach 5 Meilen liefen wir in Marbella ein. Marbella gefällt uns gut, die Altstadt ist richtig niedlich, die endlose Strandpromenade lädt zu langen Spaziergängen ein und es gibt viele nette Restaurants und Cafés. Klar ist es hier touristisch, es gibt hier schwedische Makler, Apfelkuchen, heimische Zeitungen, englische Radiosender und man hört alle möglichen Sprachen, doch überlaufen ist es hier keineswegs und es ist auffällig sauber. Im Sommer soll hier am Hafen bis spät in die Nacht gefeiert werden, jetzt ist davon nichts zu merken.
Heute sind wir die Strandpromenade 5 km in Richtung Westen entlang gelaufen, was bedeutete, dass wir fast wieder in Puerto Banús waren. Hier sollte es ein Museum geben, das wir als Ziel unserer Wanderung auserkoren hatten. An das Museo Ralli hatten wir keine großen Erwartungen und wurden fulminant überrascht. In der tollen Sammlung zeitgenössischer Kunst haben wir viel länger verbracht als geplant. Es sind Skulpturen und Gemälde von europäischen und lateinamerikanischen Künstlern ausgestellt und zu vielen Kunstwerken gibt es kleine Tafeln mit zusätzlichen Informationen. Am meisten Zeit haben wir mit den Skulpturen von Salvador Dalí verbracht, von denen gleich eine ganze Reihe ausgestellt sind, aber auch die zeitgenössischen Gemälde haben uns sehr beeindruckt. Nachbildungen einiger Dalí-Skulpturen findet man auch in der Avenida del Mar in Marbella, die die Verbindung zwischen Strand und Altstadt darstellt. Nach dem Museumsbesuch sind wir zurück nach Marbella gelaufen, haben ein nettes Restaurant gefunden und gut gegessen. Da der Abend so schön war und wir im Westen Gibraltar und Marokko vor einem roten Himmel sehen konnten haben wir uns auf die Mole gesetzt und dabei zugesehen bis es ganz dunkel geworden ist. Jetzt kommt der Leuchtturm gut zur Geltung. Er ist so eingebaut, dass man ihn tagsüber kaum sieht, abends beleuchtet er jedoch das oberste Stockwerk der nebenstehenden Häuser. Ich glaube das würde mich verrückt machen, so ein Lichtstrahl alle 14,5 Sekunden (sehr ungewöhnliche Kennung, das ein Leuchtturm im Abstand halber Sekunden leuchtet haben wir bewusst noch nie gesehen).
Wie es weiter geht? Kommt drauf an. Eine der aktuellsten Fragen auf Marisol wird auch weiterhin lauten: „Kann man einen Umweg machen, wenn man gar nicht weiß wo man hin will?“