Segeln vom Feinsten und Zwischenstopp im Schrebergarten

Von Sines aus haben wir einen langen Schlag an die Algarve gemacht. Wir wollten gerne bei Tageslicht um das Cabo de Sao Vicente segeln und sind daher früh aufgestanden und um 6 h ausgelaufen. Der Himmel war dunkel und wolkenverhangen, und aus einem abziehenden Gewitter blitzte es heftig. Kein romantischer Morgen und auch relativ kalt, also sind wir mal wieder in vollem Ölzeug gesegelt. Nach einiger Zeit sahen wir es vor uns blitzen, noch ein Gewitter? Nein, Mündungsfeuer! Das hatten wir auch noch nicht. Anscheinend eine Übung. In der Seekarte gab es nur die Bemerkung, dass man an der gesamten Küste Ausschau nach U-Booten halten soll und dass normalerweise nur Übungen stattfinden, wenn keine anderen Schiffe unterwegs sind. Klingt beruhigend. Tatsächlich wurde das Feuer eingestellt als wir näher kamen. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, wie ich ein U-Boot sehen soll, ich dachte das ist der Witz beim U-Boot, dass ich es nicht sehen kann. Und was hat Nobbi vorhin vorgelesen? Es gibt mehr Flugzeuge im Meer, als U-Boote im Himmel.
Nachdem wir erst wenig Wind hatten wurde es im Laufe des Tages immer mehr, so dass wir einen schnellen Segeltag hatten. Wieder wurden wir von vielen Delfinen begleitet, die so nah neben dem Boot schwimmen, dass man das Gefühl hat sie anfassen zu können. Nachmittags binden wir ein Reff rein, wir sind ein eingespieltes Team, es klappt in unter 2 min. Am Cabo de Sao Vicente, dem Südwest-Zipfel Europas, nimmt der Wind weiter zu. Diese Kaps sind tückisch, das kennen wir mittlerweile, wir binden ein 2. Reff ein und werden von den Kreuzseen durchgeschüttelt, bis wir Landschutz haben. Kurz hinter Sagres ankern wir in der Bucht von Baleeira. Wir freuen uns endlich mal wieder zu ankern und verbringen eine ruhige Nacht unter sternklarem Himmel.
Am nächsten Morgen genießen wir die Vorteile des Ankerns und gehen ganz in Ruhe baden. Das Wasser hat noch immer fast 18 Grad, für Ostseebader ist das Sommer. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit uns mit der Tauchmaske das Schiff von unten an zusehen. In Sines hatten wir diese Knusperfische, die an Maris Buch geknabbert haben, deshalb dachten wir, dass wir vielleicht starken Bewuchs haben, doch das Unterwasserschiff sieht gut aus. Die Knusperfische sind ganz kleine silberne Fischchen, am Ankerplatz haben wir sie beim Knabbern beobachtet. Ob sie sich am Antifouling berauschen?
Nach Lagos ist es nicht weit, nur 15 Meilen, wir segeln bei wenig Wind, mit bummeligen 2 bis 3 Knoten, als an Bord eine Diskussion entsteht, ob es sich lohnt den Blister zu setzten. Der Blister wird schließlich aus der Achterkammer gezerrt und gesetzt, belohnt werden wir mit wunderbarem Segelspaß und bis zu 6 Knoten Fahrt. Wir genießen jede Minute dieses wundervollen Segeltags und wenn Lagos noch ein bisschen weiter entfernt gewesen wäre, hätten wir unsere britischen Freunde mit ihrem viel größeren Boot sicher noch eingeholt…
Bisher hatten wir mit Fischern überhaupt keine Probleme, im Gegenteil, häufig änderten sie ihren Kurs um uns Platz zu machen. Auf dem Weg nach Lagos hatten wir jedoch ein unerfreuliches Erlebnis. Während wir sehr langsam segeln, fährt ein Fischer langsam in einigem Abstand neben uns her, wirft eine Boje über Bord, dreht auf uns zu und gibt Gas. Das wird knapp, zu knapp. Wir starten den Motor. Ein winkender Fischer erscheint auf der Brücke, dreht ab und passiert uns ganz eng. Der Abstand betrug keine 20 m mehr. Ob wir es geschafft hätten aus dem Weg zu kommen, wenn er nicht doch noch auf der Brücke aufgetaucht wäre?
Nun liegen wir in Lagos. Hier ist viel los, der Hafen ist gut belegt und fest in britischer Hand. Es fühlt sich ein bisschen an wie im Schrebergarten, aber ein sehr netter Schrebergarten. Man trifft sich zu allen möglichen Aktivitäten, wenn man möchte. Viele haben beschlossen den Winter hier zu verbringen und richten sich entsprechend ein. Wir fühlen uns gleich wohl, uns gefällt das quirlige hier, nachdem die letzten Häfen doch schon recht ruhig waren. Wir treffen verschiedene Segler wieder, die wir zuvor in anderen Häfen kennengelernt haben. Die Sonarosa, mit der wir einen lustigen Abend in Sines verbracht haben, ist auch hier und unsere Stegnachbarn kennen wir aus der Ostsee.
Unsere Stopfbuchse leckt immer mehr, Nobbi hat sie schon ein paar Mal nachgezogen, doch nun sind wir am Ende. Wir brauchen eine neue Dichtung. Eigentlich nicht schlimm, aber für den Wechsel der Packung müssen wir aus dem Wasser. Glücklicherweise gibt es hier eine Werft, bei der wir aus dem Wasser gehoben werden können. Zunächst war gestern geplant. Gestern war sehr viel Wind, deshalb sind wir morgens nochmal zur Werft gelaufen und haben nachgefragt, ob sie denken, dass das bei dem starken Wind eine gute Idee ist. Dabei stellte sich heraus, dass heute Feiertag ist und dass wir deshalb erst am Freitag wieder ins Wasser gekrant werden können. Wir möchten aber nicht länger auf dem Trockenen bleiben als nötig, also Freitag. Freitag ist aber Freitag… und nun haben wir einen Termin für Montag. Da sind wir uns allerdings nicht ganz sicher ob das mit der Tide passt, anscheinend können wir bei Niedrigwasser nicht gekrant werden. Wir gehen also morgen nochmal rüber und lassen uns den Termin für Montag bestätigen.
Bis Dienstag sind wir also mindestens hier. Die Zeit hier nutzen wir für die Fortsetzung des Wohlfühlprogramms für Mari. Gestern wurde die Achterkammer ausgeräumt, geputzt und wieder eingeräumt. Nobbi hat den Motor ausgiebig gestreichelt, inklusive Ölwechsel und Wechsel des Öl- und Dieselfilters. Heute wurden einige Schrauben im Spibaum durch Nieten ersetzt und Leinen angeschlagen, so dass wir unseren Spibaum unabhängig von der Schot fixieren können. Das Lümmellager (da wo der Baum am Mast befestigt ist) hat neue Teflonscheiben und quietscht nun hoffentlich nicht mehr und die Steuerbord-Seite des Rumpfs wurde entgilbt.
Wir haben hier nicht auszustehen und sehen dem unfreiwillig verlängerten Aufenthalt hier gelassen entgegen. Lagos ist nett und wir hatten heute fast 20 Grad und saßen mit T-Shirt und kurzer Hose im Cockpit. Rotweinabende mit anderen Seglern mindern das Leid und die wunderschöne Küste möchte in den nächsten Tagen von der Landseite erkundet werden.

Von Sintra nach Sines

Am Dienstag waren wir nochmal in Sintra. Wir haben wieder den Bus genommen, der den Umweg übers Cabo Roca fährt und obwohl wir die Strecke ja schon kannten lauter Neues entdeckt. Diesmal haben wir uns das Nationalschloss angesehen, hier hat König Manuel I. 1499 von der Entdeckung des Seewegs nach Indien erfahren und zwei Jahre später von der Entdeckung Brasiliens. Die Decken der Säle im Schloss sind toll bemalt z. B. mit Schwänen, Elstern, Schiffen und Wappen, und natürlich gibt es im Schloss eine Vielzahl von Fliesen aus den verschiedenen Epochen. Nach unserem Schlossbesuch haben wir die Sonne auf den Schlosstreppen genossen und uns dann auf den Rückweg gemacht.
Am Mittwoch ging es weiter nach Sesimbra. Wir sind die ganze Strecke wunderbar gesegelt. Bei 4 bis 5 Windstärken und rauschender Fahrt wurden wir von Delfinen begleitet und die Reise war nach 20 Meilen viel zu schnell zu Ende. Am Kap Espichel kurz vor Sesimbra hatten wir 3 bis 4 m hohe Wellen, die uns dort flott um die Ecke geschoben haben. Zwischen diesen hohen Wellen tauchte eine Gruppe Fischern auf, die wir nur sehen konnten, wenn sie und wir gleichzeitig auf einem Wellenkamm waren. Die Fischer fahren selbst bei dieser hohen Welle in kleinen Booten und Schlauchbooten raus. Für mich wär das nix.
Gestern ging es weiter nach Sines. Das Wetter war etwas gemischt angesagt, aber der Wind sollte passen, also haben wir uns auf den Weg gemacht. Die Schauer haben uns fast verschont und sind freundlicherweise vor oder nach uns abgeregnet, so dass wie fast nicht nass geworden sind. Zunächst hatten wir wenig Wind, dafür beim Einlaufen in den Hafen von Sines dann umso mehr. Sines hat einen mäßig romantischen Industriehafen (großer Tiefwasserhafen, innerhalb der Molen mehr als 30m Wassertiefe), in dem der Yachthafen liegt. In den großen Außenmolen, die sich immerhin eine Meile weit öffnen, liegt auf der einen Seite der Ölhafen, wo die Tanker anlegen, auf der anderen Seite ist die Frachterpier und der Containerhafen. Hinter den inneren Molen liegen auf der einen Seite die Fischer, auf der anderen Seite der Yachthafen. Schon bei der Einfahrt wurde uns einiges geboten, ein großes Containerschiff fuhr gerade raus und ein anderes rein und auch bei den Tankern gab es einen Wechsel. Hier im Yachthafen merkt man nicht, dass man eigentlich in so einem großen Hafen liegt, da man nicht über die Innenmole gucken kann. Allerdings riecht man, je nach Wind mal mehr mal weniger, die Raffinerie.
Heute Morgen war das Wetter ausgesprochen grausam, so schlimm war es nicht mal in Hooksiel, es hat gegossen und Mari hat sich im Wind richtig auf die Seite gelegt. Mittags wurde es besser, so dass wir uns den Ort ansehen konnten und einen langen Spaziergang gemacht haben. Sines ist der Geburtsort von Vasco da Gama, also heißt hier alles nach ihm. Der Strand, der Hafen, die Bar,… . Die Portugiesen sagen übrigens Vaschk zu Vasco. Die Strandpromenade inklusive der Treppen in den Ort wurde sehr nett renoviert und es gibt neben dem für Portugal obligatorischen Fitness-Park auch einige Musikinstumente, wie Xylophone und Trommeln, die wir begeistert bespielt haben.
Wir haben ein knisperndes und knusperndes Geräusch an Bord und suchen dessen Ursache. Es hört sich an, also ob sich eine Brausetablette auflöst, oder wie die Weihnachtskugeln von Milka mit pinker Schrift die Knuspern. Anscheinend sind das die Fische die an Maris Bauch knabbern, wir haben also unsere eigenen Putzerfische!
Übrigens, in einem Monat ist Weihnachten! Ich darf erst am Sonntag das Boot schmücken und für Glühwein ist es auch bei Regen viel zu warm, dafür gab es heute Muffins mit Zimt und Nüssen.

Fischsuppe

Heute haben wir einen Ausflug nach Lissabon gemacht und waren im Aquarium, dem Oceanario. Von Cascais sind es 40 min mit der Bahn nach Lissabon und dann ging es weiter mit der U-Bahn zum ehemaligen Expogelände, wo das Aquarium liegt. Uns hat der Parque das Nacoes, wie das Expogelände jetzt heißt, ganz gut gefallen. Nach einem Kaffee und einem Spaziergang zum Yachthafen und dem Viermaster (!) „Santa Maria Manuela“, der dort an der Pier lag, haben wir ganz in Ruhe Fische geguckt.
Das Aquarium ist wirklich toll. In der Mitte ist ein Zentrales Becken, der Ozean. Man läuft zwei Runden um das große Becken, eine im oberen Bereich, eine auf Meeresgrundebene. Dabei kommt man an mehreren kleineren Becken vorbei. Im Ozean gibt es Rochen, Haie, Makrelen und viele anderen Fische. Und Mondfische. Ihr erinnert euch, dass wir mittlerweile schon mehrfach Mondfische vom Boot aus gesichtet haben. Jetzt wissen wir weshalb. Wir haben gelernt, dass der Mondfisch auf Englisch „Ocean Sunfish“ heißt und ein Sonnenfisch ist. Er schwimmt gerne an der Wasseroberfläche und nimmt ein Sonnenbad, außerdem hofft er darauf, dass Vögel vorbeikommen und Parasiten von seiner Haut picken. Ob er mit der Flosse wackelt, um die Vögel heranzuwinken?
Es viel zu sehen, über 400 Spezies, Pinguine, Tölpel, tropische Fische, Oktopusse und Quallen. Mir haben die Otter besonders gefallen. Sie mögen kaltes Wasser, im Aquarium leben sie bei 10 bis 15 Grad, damit sie nicht frieren, haben sie 155.000 Haare pro cm2. Unglaublich. Im Gegensatz zu Robben und Co haben Otter nämlich keine wärmende Fettschicht, sie nutzen also quasi Funktionskleidung als Isolierung. Weil diese Funktionskleidung auch beim Menschen so beliebt war, wurden sie massiv bejagt. Inzwischen ist die Jagd verboten und der Bestand hat sich wohl etwas erholt.
Heute war es im Oceanario nicht so voll, so konnten wir uns alles in Ruhe anschauen. Alle Informationen gibt es auf Portugiesisch und auf Englisch, ein gibt einen schönen Film über die Arbeit hinter den Kulissen und viele Hinweise, was für den Schutz der Meere getan werden müsste. Viele Reptilien-Arten sind vom Aussterben bedroht, wir überlegen ob wir uns einen Frosch halten, der die Insekten an Bord fängt, denn leider mögen auch die Mücken den milden portugiesischen Herbst.
Auch wenn wir erst im Dunkeln nach Cascais zurückgekehrt sind, haben wir noch einen Spaziergang zum Boca do Inferno gemacht. Heute war zwar mehr Welle als die letzten Tage und im Boca schäumte es, doch wir haben keine unheimlichen Geräusche gehört. Vielleicht kam die Welle aus der falschen Richtung. Die angekündigten 4 bis 5 m Schwell konnten wir von der Küste nicht sehen, vielleicht weiter draußen. Sehr gemütlich war es heute sicherlich nicht.
Morgen soll die Persenning für unser Schlauchboot, die wir zur Reparatur gegeben haben, fertig sein. Wir könnten also Übermorgen weiter segeln.

In der Wellness-Oase

Wer jetzt denkt wir hätten den Tag im Bademantel verbracht, kennt Nobbi schlecht. Unsere Mari wird verwöhnt. Endlich haben wir Zeit für die Arbeiten die immer liegen geblieben sind. Seit zwei Tagen sind wir mit Lappen, Schwamm, Schraubenzieher und Zahnbürste unterwegs. Unsere Scheuerleiste und die Grätinge im Cockpit, also die Holzteile, wurden von ihrem Grünschleier befreit. Das Heck und die Backbord-Seite vom Rumpf sind bereits geputzt, die gelben Verfärbungen entfernt und gewachst. Hier haben wir auch die Scheuerleiste geölt. Fehlt noch die Steuerbord-Seite. Aber keine Angst, wir sind dann nicht fertig. Wir haben eine Liste mit kleineren und größeren Dingen, die man mal erledigen könnte. Beim Putzen, Renovieren und Basteln sind wir froh, dass Mari nicht größer ist.
Gerade sieht es so aus, als würden wir Cascais noch ein wenig erhalten bleiben. Zum einen gefällt es uns hier gut und zum anderen ist das Wetter im Moment recht interessant. Das Tief, oder besser gesagt die Tiefdruckfamilie, die euch in Norddeutschland am Sonntag Sturmböen bescheren wird, beschäftigt auch uns. Das Tief kommt über die Biskaya und zieht dann über den Ärmelkanal, ist eigentlich also weit weg von uns. Morgen bekommen wir hier auch ein bisschen Wind und anscheinend eine ganze Menge Regen, aber vor allem bekommen wir hier den Schwell zu spüren. In der Biskaya sind z.T. 8 m Welle angesagt. Das heißt, dass wenn man alle Wellen misst und dann aus dem Drittel der höchsten Wellen den Mittelwert berechnet, erhält man 8 m. Mit andern Worten es sind noch deutlich höhere Wellen dabei, aber auch viele niedrigere. Und diese Wellen spüren wir dann hier. Montag sollen die Wellen hier 4 bis 5 m hoch werden. Die Wellenhöhe nimmt dann wieder ab, Dienstag sollen es noch 3m sein, Mittwoch 2,3 m. Ende nächster Woche kommt dann ein neues, kleineres Tief, das anscheinend hier über Lissabon hinwegziehen möchte. Aber das ist noch viel zu lange hin… Wir sind gespannt auf die hohen Wellen am Montag und ob es dann wirklich unheimliche Geräusche aus dem Höllenschlund (Boca do Inferno) gibt.
Da jetzt überall die Weihnachtsbeleuchtung daran erinnert, dass nächste Woche der erste Advent ist, haben wir aufgerüstet und uns eine Lichterkette gekauft. Geschmückt wird aber erst nächste Woche.
Gerade haben wir uns die Preisliste der Marina nochmal angeguckt, falls jemand Lust hat uns zu besuchen, denkt bitte daran, dass Landung und Abflug vom Helipad 150 Euro kosten!

Als wenn es Winter wäre…

Seit gestern liegen wir wieder in Cascais. Man bekommt wirklich bei erneutem Einchecken wieder eine Flasche Wein. Sehr nett. Da es gestern wunderschön sonnig war haben wir die Fahrt von Lissabon hier raus sehr genossen und sind gesegelt! Gut zum Teil sehr langsam, aber wir hatten ja Zeit. Es sind nur 13 Meilen und da macht es dann auch nichts wenn wir zwischenzeitlich dank Gegenstrom nur mit einem Knoten vorangekommen sind.
Wir freuen uns über das unglaublich schöne Wetter, da kann man schon mal vergessen, dass es eigentlich auf den Winter zugeht, auch wenn überall die Weihnachtsdeko aufgebaut wird. Der Weihnachtsbaum auf der Verkehrsinsel vorm Jumbo ist jetzt fertig und auch in den Straßen hängen überall schon Lichterketten. Besonders schön finde ich es ja, wenn hier mit Kunstschnee dekoriert wird. Gestern Abend guckt Nobbi aus dem Schiebeluk, bestaunt den Sternenhimmel und sagt: „Da ist Orion. Und Sirius. Obwohl das doch eigentlich ein Wintersternenbild ist“. Der Wetterbericht hat schon angekündigt, dass das Wetter sich bald der Jahreszeit etwas anpassen wird, noch mehr Grund jeden Sonnenstrahl zu genießen. Heute Morgen auf dem Rückweg vom Bäcker haben wir gesehen, dass ein Dreimaster auf den Hafen zukommt. Das mussten wir natürlich sehen. So haben wir unsere Marzipantörtchen eben auf der Pier verspeist, das Frühstück auf später verschoben und das Anlegen der holländischen „Atlantis“ beobachtet. Wir waren auch mal wieder einkaufen, die letzten Tage war das nicht nötig, da uns unsere französischen Nachbarn in Lissabon ihre restlichen Lebensmittel überlassen haben, als sie nach Hause geflogen sind. Wir waren gut versorgt. Bei Jumbo gibt es fast alles und der Portwein der in Sintra knapp 20 Euro kostet, kostet hier 6 Euro. Das sind Gewinnspannen von denen können Flugzeugverkäufer nur träumen. Hier gibt es auch pinken Portwein. Musste ich natürlich haben. Schmeckt sehr lecker, Rosé-Portwein in einer sehr ansprechenden Farbe, passt perfekt zu meinem Lieblings-T-Shirt. Hauptgrund für unseren Einkauf war jedoch nicht der Mangel an alkoholischen Getränken, sondern ein leeres Obstregal. Neben den obligatorischen Äpfeln gibt es nun auch wieder Khakis, Maracujas und ein Krokodil. Krokodil ist der Bordname von Cherimoyas, die gerade besonders beliebt sind. Wer plant seinen Einkauf in bar zu bezahlen, der muss früher oder später zum Geldautomaten. Wir haben noch keinen Automaten gefunden, der mehr als 200 Euro ausspuckt und freuen uns jedes Mal darüber, dass einem 10 Euro, 20 Euro oder eine andere Summe zur Wahl gestellt werden. Auch an der Tankstelle konnte man eingeben, dass man für einen Euro tanken möchte. Weit kommt man damit allerdings nicht, ein Liter Benzin kostet fast 1,50 Euro.
Nach einem Bootstüddeltag haben wir zum Sonnenuntergang einen Spaziergang entlang der Küste zum „Boca do Inferno“ gemacht. Ein Inferno gab es heute nicht, bei entsprechender Dünung soll eine Schlucht dort Geräusche machen, dafür aber jede Menge Japaner, die lauter Selfies gemacht haben. Übrigens gibt es hier sogar Schilder, die auf Stellen hinweisen an denen man Selfies machen soll. Prima, dass einem diese schwierige Entscheidung abgenommen wird…

Lisboa

Nachdem wir noch einen Tag in Cascais mit Bootsgetüddel verbracht haben, sind wir am Samstag den 12. nach Lissabon umgezogen. Von Cascais waren wir nach zwei Stunden mitsamt Boot in der Innenstadt. Mit dem eigenen Boot unter der berühmten Brücke hindurch zu fahren ist schon toll! Die  Brücke sieht nicht nur imposant aus, sie ist auch wahnsinnig laut. Auf sechs Spuren fahren jeden Tag etwa 150.000 Autos und zusätzlich jede Menge Züge über die Brücke und verursachen ein ununterbrochenes Summen und Brummen. Die Alcantara Marina liegt ziemlich zentral und hat den Ruf recht laut zu sein. Sie ist nicht nur in der Nähe der Brücke, sondern auch in der Einflugschneise, neben dem Containerhafen und nahe einer stark befahrenden Straße. Wir finden es zwar nicht wahnsinnig romantisch, aber im Boot hören wir die Brücke kaum und beim Schlafen hat uns das alles nicht gestört. Die übrige Zeit waren wir in der Stadt und haben es genossen zu Fuß unterwegs zu sein. Heute Morgen beim Frühstück (im sonnigen Cockpit!) war es plötzlich ganz leise. Ein Stau auf der Brücke. Nobbi wurde ein wenig unruhig, wir liegen ja in der Einflugschneise, doch es zeigte sich kein Flugzeug einer bekannten deutschen Airline mit blau-gelber Bemalung. Heute um 11.15 h konnte Entwarnung gegeben werden. Sie fliegen doch noch. Ich verfüge ja mittlerweile über ein recht solides Flugzeuggrundwissen, habe hier aber einen neuen Flugzeugtyp kennengelernt.
An unserem ersten Abend in Lissabon wurden wir doch tatsächlich von einem Schauer überrascht. Wer rechnet denn mit so was! Lissabon im Regen? Darauf hatten wir keine Lust. Schnell nach Hause. Am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein, also sind wir am Ufer des Tejo lang spaziert bis zum Torre Belem, der nun schon seit 500 Jahren auf den Fluss schaut. Kurz entschlossen haben wir von dort aus eine Stadtrundfahrt gemacht und so einen guten Überblick bekommen. Gestern waren wir auf dem Castelo Sao Jorge, wieder bei fantastischem Wetter, und abends im Casa de Fado. Es gab ein leckeres Abendessen und zwischendurch traten verschiedene Fadosänger auf. Heute waren wir dann wieder in Belem um das Museum de Marinha zu besuchen, quasi Pflicht für Leute die mit dem Boot nach Lissabon kommen. Das Museum ist in sehr schönen Räumen im Mosteiro dos Jeronismos (Hieronymus-Kloster). Es gibt Exponate zu verschiedenen Themen die mit dem Meer verbunden sind: Fischerei, Handelsschifffahrt und Marine, vor allem gibt es aber eine schöne Ausstellung zu den portugiesischen Entdeckungsreisen. Für uns passte das besonders gut, da wir beide gerade „Sextant – Die Vermessung der Meere“ von David Barrie gelesen haben, das sich auch mit den Entdeckungsreisen beschäftigt. Natürlich waren wir auch bei der berühmten Bäckerei in Belem, die in jedem Reiseführer steht, wo man diese wunderbaren Blätterteig-Pudding-Törtchen bekommt.  Wir futtern sie bereits seit Viana, unserem ersten portugiesischen Hafen, mit Begeisterung, aber diese waren besonders gut. Insgesamt gefällt uns Lissabon sehr gut. Die letzten Tage sind wie sehr viele Kilometer gelaufen, haben Plätze bewundert und sind tapfer die steilen schmalen Straßen hochgeklettert, haben Sundowner am Tejo getrunken und den Trubel genossen, doch jetzt haben wir (erst mal) genug vom Stadtrummel und werden in einen ruhigeren Hafen verholen.
Mit meiner Bemerkung es habe ein Update der Route gegeben, wollte ich euch nicht wuschig machen. Es tut mir leid, dass der ein oder andere das falsch verstanden hat. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass ich unter dem Menüpunkt „Route“ eine neue Karte eingestellt habe, auf der jetzt auch die Überquerung der Biskaya eingezeichnet ist und unsere Strecke entlang Spaniens Küste. Für alle die dachten, dass wir nun verraten wie es weitergeht: wir wissen es schlicht und einfach nicht. Mal sehen, oder wie Nobbi sagen würde: „das wuppt sich“. Allerdings studiere ich gerade eingehend Jimmy Cornells „Segelrouten der Welt“ und überrasche ihn mehrmals täglich mit neuen Reisezielen.

Cascais und Sintra

In Peniche haben wir noch einen Tag drangehängt der mit Wäsche waschen, einkaufen und Regenschauern schnell vergangen ist. Vorgestern haben wir den Weg von Peniche nach Cascais gemacht. Zu gerne hätte ich jetzt geschrieben gesegelt, doch das stimmt leider nicht. Vorausgesagt waren 4 Beaufort aus Nord. Letztlich hatten wir zunächst Südwind, dann gar keinen Wind, zwischenzeitlich auch mal ein bisschen Ost und West, von allem etwas, aber nichts Segelbares. Leider. Dafür hatten wir mal wieder Delfinbesuch. Mit dem Cabo da Roca kurz vor Cascais haben wir den westlichsten Punkt Festlandeuropas gerundet. Das wurde natürlich gefeiert. Wir sind nun nur noch etwa 10 Meilen von Lissabon entfernt, bei der Einfahrt konnten wir schon die Brücke sehen.
Die Marina in Cascais ist riesig und nobel gegen die letzten Häfen. Die Endeavour liegt auch hier, allerdings nicht am gleichen Steg. Das könnte daran liegen, dass sie 100 Fuss länger ist als unsere Mari. Beim Einchecken gab es eine Flasche Wein. Das ist doch mal nett. Ob es auch jedes Mal eine Flasche Wein gibt, wenn man nur jede zweite Nacht in der Marina verbringt, die andere am Anker und immer wieder neu eincheckt? Gestern haben wir uns den Ort angeguckt und sind an der Strandpromenade entlang spaziert. Sehr hübsch ist es hier. Wenn man es sich leisten kann wohnt man anscheinend nördlich von Lissabon mit Atlantikblick.
Heute haben wir einen wundervollen Ausflug nach Sintra gemacht. Auf dem Hinweg haben wir einen Bus genommen, der eine schöne Strecke entlang der Küste fährt, so dass wir auch von der Landseite einen Blick auf das Cabo da Roca werfen konnten. Der Weg führte zum Teil durch sehr enge Straßen, wir haben die Aussicht genossen und uns gefreut, dass wir nicht fahren mussten. In Sintra haben wir uns direkt auf den Weg zum Palácio Nacional da Pena, dem Kummerpalast, gemacht. Das Schloss wurde etwa 1840 auf Klosterruinen aus dem 15. Jhd erbaut und ist so bunt und verspielt, dass Disneyland neidisch ist. Wir haben das Schloss besichtigt, die Inneneinrichtung aus dem 19. Jhd ist fast komplett erhalten. Nicht nur das Schloss ist sehenswert, es liegt in einem wunderbaren Park, die Aussicht ist grandios und rundherum gibt es noch eine Handvoll weitere Schlösser und eine maurische Burg. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Bummel durch die Altstadt von Sintra gemacht, haben den Palácio Nacional, die Sommerresidenz der portugiesischen Könige, bewundert und sind dann nach Cascais zurück gefahren. Sintra hat uns ausgesprochen gut gefallen, zumal wir heute wunderbares Besichtigungswetter hatten. Es war zwar nicht so warm, aber sehr sonnig. Wir könnten uns vorstellen noch einen weiteren Abstecher nach Sintra zu unternehmen.
Uns fällt es sehr auf, dass fast alle Portugiesen Englisch sprechen, egal ob im Supermarkt, im Kiosk, der Pförtner im Fischereihafen, die Polizisten oder der Busfahrer. Das ist sehr praktisch, unsere Portugiesischversuche sind „stets bemüht“, aber nur mäßig erfolgreich. Lesen kann man vieles, wenn man Spanisch kann, doch sprechen und verstehen? Da fehlen immer ein paar Buchstaben und gefühlt hat jedes Wort ein „sch“. Wie in Cascais: sprich Caschcaisch. Wir bleiben dran.

Übrigens, es gab ein Update unserer „Route“.

 

Nazaré: Liebe auf den zweiten Blick

Zunächst waren wir alles andere als begeistert von Nazaré. Als wir dort ankamen, war der Steg moosgrün und voll belegt mit Möwen. Die Gegend um den Steg erschien uns verlassen und wenig einladend. Auf den zweiten Blick haben wir Nazaré richtig lieb gewonnen. Im Marinagebäude ist eine Kreuzung aus Mini-Supermarkt und Bar. Dort trifft man sich. Von morgens bis abends ist dort Betrieb. So wurden auch wir zu Stammkunden. Nach dem zweiten Tag wird man mit Handschlag begrüßt, morgens gibt es frisches Brot, nachmittags kann man mit seinem Bier in der Sonne sitzen. Das Marinagebäude ist ein wenig herunter gekommen, man sollte eine Taschenlampe mitnehmen, damit man den Lichtschalter findet, der sich nicht in der Nähe der Tür befindet. Doch die Duschen sind sauber und heiß. Der Ort Nazaré ist schön, weiße Gebäude mit roten Dächern, die unten am Strand oder aber oben auf den Klippen stehen. Weil der Ort bei Surfern so beliebt ist, ist immer noch Saison und alle Restaurants und Andenkenläden sind geöffnet.
Wir haben drei schöne Tage in Nazaré verbracht. Wir waren einkaufen, haben unsere Dieselkanister gefüllt, in einer Bar am Strand gegessen, das Boot ausgiebig geschrubbt, ein paar Kleinigkeiten repariert, Lebensmittel sortiert und lustige Abende mit Armin von der Kairos verbracht. Natürlich waren wir auch auf den Klippen, also im dem Teil Nazarés, der oben liegt, nicht unten am Strand. Normalerweise gibt es eine Bahn dorthinauf, die wird aber gerade repariert. Also mussten wir laufen. Gut für die Fitness. Die Aussicht ist wirklich toll, wir waren am Leuchtturm und haben den Blick auf den Surferstrand im Norden genossen. Mehrmals im Jahr findet hier das Big Wave Nazaré Challenge mit den höchsten Surf-Wellen statt. Im Süden konnten wir bis zum nächsten Kap schauen, um das wir heute gefahren sind.
Heute ging es weiter nach Peniche. Der Wetterbericht hatte 4 bis 5 Windstärken aus Nord versprochen und wir freuten uns auf einen schnellen Segeltag. Daraus wurde leider nichts. Der Wind war schwach, doch der Schwell deutlich höher als die Tage zuvor. Das Schiff wurde also in Wellen, die zum Teil 2 bis 3 m hoch waren, hin und her geschüttelt und unser Großsegel knallte immer hin und her. Wir hatten Angst um unser Segel und haben schließlich das 2. Reff reingebunden, dann hat das Segel nicht mehr geschlagen und wir sind nach Peniche motort. Kurz vor dem Hafen hatten wir dann doch noch mal richtig Wind und einen Schauer beim Anlegen. Der wäre nicht nötig gewesen. Peniche ist auf den ersten Blick ganz nett. Wir haben im Schnelldurchgang den Ort samt Kirche und Festungsanlage besichtigt. Außerdem wissen wir bereits wo Supermarkt und Waschsalon sind, um sich im Hafen anzumelden mussten wir um den ganzen Hafen laufen und uns an der Einfahrt zum Fischereihafen melden, deshalb sind wir jetzt gut informiert.
Ob wir morgen hierbleiben und Waschsalon (von den netten Franzosen, die morgen nach Madeira auslaufen, haben wir bereits einen Gutschein geschenkt bekommen) und Supermarkt besuchen, oder ob wir weiterfahren, müssen wir noch entscheiden.