Eine tierisch gute Überfahrt

Wir haben La Gomera und die Marina in San Sebastián liebgewonnen, doch jetzt ist es Zeit weiter zu ziehen. Am Samstag machen wir uns bei wenig Wind auf den Weg an die Westseite von La Gomera.
Südlich von La Gomera sehen wir eine große Schildkröte, die etwas hinter sich herzieht. Wir befürchten, dass sie sich in irgendetwas verheddert hat, machen den Bootshaken klar und nähern uns vorsichtig um zu sehen, ob sie unsere Hilfe braucht. Sie ist ebenso neugierig wie wir, schaut uns an und paddelt auf uns zu. Sie braucht keine Hilfe, sie hat einen riesigen, halben, toten Fisch im Schlepp.
Unser Anker fällt vor Valle Gran Rey auf fast 12 m Tiefe zwischen zwei französischen Yachten. Hinter dem Heck recken sich die riesigen Felsen in den Himmel, ein bisschen unheimlich. Wir baden ausgiebig, genießen das klare Wasser und schnorcheln zu unserem Anker. Direkt unter unserem Boot schauen Röhrenaale neugierig aus ihren Löchern im Sand solange man ihnen nicht zu nahe kommt. Die Nacht ist sehr ruhig, Mari schaukelt uns in den Schlaf. Wenn man liegt oder sitzt merkt man den Schwell kaum, doch wenn man im Boot hin und her läuft oder versucht aus einer Flasche einzuschenken, merkt man wie sehr das Boot in der Dünung rollt.
Gestern ging es weiter nach La Palma. Kurz überlege ich, ob ich mit meinem Reiseleiter um einen weiteren Ankertag feilschen soll, doch die Wettervorhersage ist super und wir sind neugierig auf La Palma. In San Sebastián haben wir die Vairea wieder getroffen, Martina und Daniel haben uns nicht nur von La Palma vorgeschwärmt, sondern uns auch ihren Reiseführer geliehen.
Wir kommen in den Genuss des Kanarenbilderbuchsegelns. Geht doch. So hatte ich mir das vorgestellt. An der Küste von Gomera haben wir überhaupt kein Wind, nach wenigen Meilen setzt er mit 5-6 Beaufort ein und bleibt konstant bis nach La Palma. Eine Gruppe Delfine, die als Große Tümmler bestimmt werden, kreuzt unseren Weg und wir sichten unsere ersten Fliegenden Fische.
Kaum kommen wir südwestlich von La Palma in die Abdeckung der Insel nimmt der Wind innerhalb weniger Meter von 6 Bft auf 0 bis 1 Bft ab. Hier ist das Wasser ganz ruhig und optimal zu Schildkröten sichten. Gleich fünf große Schildkröten sehen wir, die sich an der Wasseroberfläche sonnen. (Liebe Aloma, wir zählen jetzt Schildkröten  ;-))
Wir laufen die Marina an der Westküste La Palmas an, die uns von verschiedenen Seglern wärmstens empfohlen wurde. Die Marina liegt geschützt hinter gigantischen Molen, die sicher nicht für Segler gebaut wurden, sondern in der Hoffnung, Kreuzfahrer anzulocken. Im Hafen erleben wir eine Überraschung, der Marinero winkt uns an einen Liegeplatz neben eine Bavaria unter französischer Flagge. Diesen auffälligen Heckträger kennen wir doch! Wir liegen neben Christine und Michel mit der Try, die wir bereits auf den Azoren wähnten, was für ein netter Zufall!
Die Marina Tazacorte macht einen freundlichen Eindruck, im Moment ist es windstill, ruhig und heiß. Wir freuen uns nun darauf die Insel zu erkunden und die letzten Vorbereitungen für unsere bisher längste Etappe zu den Kap Verden anzugehen.