Rio de Janeiro

Am Montag geht es früh los. Sehr früh. Der Wecker klingelt um eins. Ein Angestellter der Marina fährt uns zum Flughafen, das hat die Sekretärin für uns vereinbart. Der Flieger startet überpünktlich und um halb neun Ortszeit sind wir in Rio. Im Hotel angekommen, stellen wir überrascht fest, dass wir bereits in unser Zimmer einziehen dürfen und stellen unser Gepäck dort ab. Wir wohnen in Copacabana, ganz klar, es geht zuerst an den berühmten Strand. Beim Mittagessen beschließen wir uns den botanischen Garten anzusehen. Der Besuch lohnt sich. Der Garten wurde 1808 angelegt und einige der Königspalmen, die die Hauptallee säumen, sollen noch aus dieser Zeit stammen. Wir spazieren durch den sehr schönen Park, lernen wieder neue Pflanzen kennen, Nobbi muss einige Vorträge seiner Hausbotanikerin anhören und wir entdecken spannende Tiere. Ein Ameisenvolk transportiert große Blattstücke und ein Tukanpaar sorgt für Nachwuchs. Der lange Tag endet mit einem Sundowner am Strand mit Copacabana Ausblick.


Am Dienstag werden wir morgens zur Stadtrundfahrt abgeholt, sie gehört zu unserem Reisepaket. Als erstes geht es auf den Zuckerhut. Wir haben Glück, morgens ist es noch ziemlich leer und wir können in Ruhe den Ausblick genießen. Dann geht es kreuz und quer durch die Stadt, vorbei am Maracana-Stadium, den größten Farvelas, den bekanntesten Stränden, modernen und historischen Gebäuden und dem Sambadrom. Unsere etwas anstrengende Reiseleiterin (oder Reiseleiter? da sind wir nicht sicher) versorgt uns mit Informationen. Irgendwann wundere ich mich, dass ich das Portugiesisch manchmal richtig gut verstehe. Dann stellen wir fest, dass sie mit der bolivischen Familie Spanisch spricht… . Mittags essen wir in einem Steakhaus. Innerhalb von zwanzig Minuten kann man hier locker den Wochenverbrauch an Fleisch einer deutschen Familie wegputzen. Wir geben früher auf. Nachmittags steht der Corcovado auf dem Programm, der Berg auf dem die Christusstatue steht. Mit einer kleinen Bahn geht es durch das Naturschutzgebiet nach oben, auf der Fahrt sehen wir eine Truppe kleiner Affen und ein Faultier! Der Corcovado ist mit seinen 711 m deutlich höher als der 396 m hohe Zuckerhut. Von hieraus kann man die gesamte riesige Stadt überblicken. Die Stadt hat etwa 7 Mio. Einwohner, der Großraum Rio wohl zwischen 13 und 17 Mio. Die grünen Hügel, die nur nicht bebaut sind, weil sie so steil sind, gliedern das Häusermeer. Wir genießen die Aussicht und bestaunen die Auswüchse des Selfiemachens. Für das perfekte Fotos legt man sich schon mal unter die Christusstatue, auch wenn andere dann über die Haare laufen. Zum Ende unserer Stadtrundfahrt lernen wir, dass auch Brasilianer sich gelegentlich für ihre Landsleute schämen, als unsere Reiseleiterin einige sehr schlechte Witze macht und beginnt zu singen, entschuldigen sich gleich mehrere Brasilianerinnen bei uns. Abends spazieren wir durch Copacabana. Bei Einbruch der Dunkelheit werden noch mehr Stände auf den Straßen und am Strand eröffnet, außerdem treffen sich die Sportler. Es wird Volleyball und Fußball gespielt und sich zum Crossfit und Yoga getroffen. Wir trinken Caipi und gucken zu.


Mittwoch nehmen wir die Metro in Richtung Centro. Unserer Reiseführer schlägt einen Spaziergang vor, den wir als groben Anhaltspunkt für unsere Route wählen. Wir kommen am prächtigen Theater vorbei, gucken in mehrere Kirchen und laufen durch kleine Gassen und große Straßen. Wir besuchen die königliche portugiesische Bibliothek, die 1837 erbaut wurde und 350000 Bücher beherbergt. Der Lesesaal ist ein wunderschöner Raum mit einem buntem Oberlicht. In der „Confeitaria Colombo“ machen wir eine Pause. Das Café ist von 1894 und ein schöner Ort für eine Tasse Kaffee und einen Brigadeiro, die brasilianische Antwort auf die Rumkugel, ohne Alkohol aber genau so viele Kalorien. Auf der Suche nach einem Kulturzentrum, das in einem Palast untergebracht sein soll, stolpern wir über den „Palacio Tiradentes“. Ich steige die Stufen zum Portal hoch, um herauszufinden um was für ein Gebäude es sich handelt. Eine junge Frau fängt mich ab, ob ich eine Führung mitmchen möchte, vielleicht auf Englisch? Klar wollen wir. Bis 1960 war der Palacio das Gebäude des Nationalkongresses, seit Brasília die Hauptstadt ist, tagt hier die Versammlung des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die nette Führung bringt uns nicht nur das Gebäude näher, wir erfahren auch einiges über die brasilianische Demokratie und die Geschichte der Stadt. Am Marinehafen schauen wir aufs Wasser und finden in einer kleinen Straße ein niedliches Restaurant fürs Mittagessen. Den Abend nutzen wir wieder für einen ausgiebigen Copacabana Spaziergang.


Donnerstag haben wir noch Zeit für einen Spaziergang und ein frühes Mittagessen, bevor es zurück zum Flughafen geht. Abends um sieben sind wir wieder an Bord unserer Mari.
Rio hat uns gut gefallen und ist einen Besuch wert. Brasiliens Süden ist wesentlich wohlhabender als der Norden, diesen Unterschied spürt man auch zwischen Rio und Salvador. Auch in Rio gibt es viele Ruinen und baufällige Häuser, doch die touristisch interessanten Gebäude sind sehr viel besser erhalten als in Salvador. Für uns war es schön für einige Tage in einer Gegend zu wohnen, wo wir zu Fuß unterwegs sein konnten. In Salvador ist das, je nach Liegeplatz, nur tagsüber oder nur in einem kleinen Bereich möglich. Wir haben das Gefühl, wir hätten uns in Rio abgekühlt, dabei war es heißer als in Salvador. Ein klimatisiertes Hotelzimmer (wir haben die Klimaanlage auf 27 Grad gestellt) war eine nette Abwechslung, auch das eigene Bad mit unbegrenzt Duschwasser haben wir genossen. Natürlich wäre ein Foto von Mari vor dem Zuckerhut toll gewesen, doch der Törn nach Rio und wieder zurück passt schlecht zu unseren Plänen. Wir sind mit unserer Stippvisite per Flieger rundum zufrieden.

 

Brasilianische Besonderheiten, Merkwürdigkeiten und Beobachtungen

In den fast acht Wochen, die wir nun in Brasilien sind, sind uns einige Dinge aufgefallen. Hier die nicht vollständige, sehr subjektive Liste von Beobachtungen die wir in Recife und Salvador gemacht haben.

  • Musik ist überall. Die Größe der Boxen und die Lautstärke der Musik ist häufig umgekehrt proportional zur Länge des Bootes. In jedem Alter ist es völlig normal mit einer kleinen Box um den Hals oder in der Hand durch die Gegend zu laufen.
  • Nasse Badekleidung wird nicht gewechselt. Man lässt sie an, zieht eventuell etwas drüber (eher etwas sehr dünnes, wenig bedeckendes) und geht nass ins Restaurant in Strandnähe oder steigt nass in den Bus oder ins Auto.
  • Brasilien ist das Land der Vielfalt. Das gilt nicht nur für Tierarten und Landschaften sondern auch für Getränkedosen, es gibt sie in jeder Größe. Zur Zeit auf Marisol 200, 269, 335, 440, 500 und 600 ml. Das ist nur eine kleine Auswahl, es gibt auch 550 ml oder 473…
  • Getränke werden kalt serviert. Sehr kalt. Bier lagert häufig in der Kühltruhe und ist schon mal zum Teil gefroren. In netten Restaurants wird die angebrochene Bierflasche auf Eis in einen Sektkühler gelegt, in einfacheren Restaurants in Thermohüllen gesteckt, oder in Styroporboxen mit Eis (das erinnert dann sehr an Laborarbeit).
  • Wer keine Musik spielt, siehe oben, singt selbst. Ob im Supermarkt, beim Duschen unter dem Gartenschlauch auf dem Steg, auf dem Fahrrad oder beim Spazierengehen, einer singt immer.
  • Für Bikinis gilt: weniger ist nichts. Die Bikinis sind extrem knapp, ganz egal welche Figur darin steckt. Es gibt auch Badeanzüge, allerdings haben die mehr Löcher als Stoff. Für Kinder gilt das nicht. Bei Kindern wird sehr auf UV-Schutz geachtet, Badeanzüge haben häufig lange Ärmel und kleine Jungs baden oft im T-shirt.
  • Aussehen und Schönheit sind sehr wichtig. Nicht nur, dass Frau stets gut gestylt ist, Laserstudios gibt es an jeder Ecke, genauso wie Schönheitssalons und Waxing- Studios. Viele Erwachsene tragen Zahnspangen und brasilianische Schönheitschirurgen sollen die besten der Welt sein, da sie so viel Übung haben….
  • Essen und Bier werden in der Regel geteilt. Bestellt man Bier, bekommt jeder ein Glas und die Flasche Bier wird geteilt. Ist sie leer, kommt die nächste Flasche. Wenn man etwas zu Essen bestellt, bekommt automatisch jede Person am Tisch einen Teller. Die Portionen sind reichlich bis riesig.
  • Wenn Musik gespielt wird, also immer, wird auch getanzt. Neulich haben alle Menschen an der roten Ampel getanzt bis diese auf grün sprang.
  • Angst vor Katzen scheint verbreitet zu sein. Laufen im Restaurant Katzen unter den Tischen herum, klettern nicht nur kleine Kinder, sondern auch schon mal erwachsene Frauen auf den Stuhl.
  • Ausgetrunkene Bierflaschen werden im Restaurant unter den Tisch gestellt. So gibt es keine Diskussion wie viele Flaschen Bier getrunken wurden.
  • Fahrradfahren ist in! Zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel von 4 bis 6 Uhr (ja genau, morgens) und sonntags, ist in vielen Bereichen die linke Spur für den Autoverkehr gesperrt. Fahrradfahrer haben freie Fahrt.
  • Das Essen war bisher fast immer ausgesprochen gut. Rindfleisch, aber nicht nur, können die Brasilianer. Argentinien wird sich anstrengen müssen.

Wir haben in Salvador ganz viel Zeit

Die Anfragen, ob wir immer noch in Salvador sind und wann wir weiterfahren mehren sich, Zeit für eine kleine Vorschau.
Auf den Kanaren haben wir erstmals begonnen einen konkreten Reiseplan aufzustellen. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, allerdings unterliegen Segler auch gewissen Saisons. Im (Nord-)Sommer zum Beispiel ist die Karibik Hurrikan bedingt no-sail-area. Letztlich haben wir vier Routen als grobe Planung für 2018 gebastelt. Nachdem wir die Durchschnittstemperaturen von Punta Arenas (Süd-Chile) nachgeschlagen haben, ist die Süd-Südamerika-Route ausgeschieden. Schließlich haben wir uns entschieden, in die klassische Kanaren-Karibik-Route (ob mit oder ohne Kap Verden) eine ausführliche Brasilienschleife einzubauen.
Leider dürfen wir nur 90 Tage in Brasilien bleiben, das ist uns zu kurz, deshalb haben wir beschlossen uns zweimal 90 Tage Brasilien zu gönnen. Von unseren ersten 90 Tagen sind jetzt 53 Tage um, dann müssen wir ausreisen. Anders als in vielen anderen Ländern reicht es nicht, nur einmal die Grenze zu überqueren. Wir dürfen erst nach 90 Tagen wiederkommen. (Ganz genau dürfen wir 90 Tage innerhalb von 180 Tagen bleiben).
Da wir den südlichsten Punkt unserer geplanten Segelroute bereits erreicht haben, haben wir so viel Zeit die Bucht Todos os Santos und Salvador zu erkunden. Mari wird hier in Salvador bleiben wenn wir Brasilien verlassen. Während unseres zweiten Brasilienaufenthalts werden wir dann nach Norden segeln und Brasilien in Richtung Französisch Guayana verlassen.
Brasilien ist ein riesiges Land, in dem es unglaublich viel zusehen gibt, nicht nur an der Küste. Wir planen noch einige Ausflüge, werden es aber trotzdem nicht schaffen alle Highlights dieses tollen Landes zu besuchen.
Rio wollen wir nicht auslassen, auch wenn wir uns entschlossen haben, es nicht mit dem Boot zu besuchen. Deshalb wechseln wir das Verkehrsmittel und fliegen am Montag nach Rio. Gefühlt ist es gar nicht mehr weit, das liegt aber daran, dass Brasilien so riesig ist. Der Flug von Salvador dauert zwei Stunden.
Am Donnerstag sind wir von Itaparica nach Ribeira gesegelt, in der Hoffnung hier einen Platz zu finden, an dem Mari sicher liegt, während wir Rio unsicher machen. Dabei haben wir nicht daran gedacht, dass Lavagem de Bomfin ist, eine riesige Prozession quer durch Salvador, die hier in der Nähe endet. Trotzdem hatten wir Glück, haben einen Platz gefunden und Mari kann bleiben. Nachmittags haben wir uns ins Getümmel gestürzt und uns die vielen Pferde angesehen, die auch zur Prozession gekommen waren und mit denen fröhlich auf der Straße galoppiert wurde, entgegen der Fahrtrichtung versteht sich.
Gestern waren wir im Reisebüro um unsere Tickets abzuholen. Das war an sich unspektakulär, doch die Fahrt hatte es in sich. Wir hatten beschlossen den Bus zu nehmen und haben auch ziemlich schnell einen Bus mit dem richtigen Ziel gefunden. Im dichten Verkehr kam der Bus nur langsam voran. Wir waren schon über eine halbe Stunde unterwegs, als der Bus kaputt ging. Niemand hat geschimpft oder sich aufgeregt. Alle sind ausgestiegen, der Busfahrer hat andere Busse angehalten und dafür gesorgt, dass alle einsteigen dürfen ohne noch einmal zu bezahlen. Wir hatten mal wieder Glück mit den netten Brasilianern. Eine nette Frau hat sich darum gekümmert, wo wir hin wollen, dem Busfahrer Bescheid gesagt, dass wir nichts verstehen und welches Ziel wir haben, und schließlich haben uns gleich mehrere Leute in den richtigen Bus gewinkt. Letztlich haben wir eineinhalb Stunden für die Hinfahrt gebraucht, dabei unterschiedlichste Wohngegenden besichtigt und uns wieder über die brasilianische Hilfsbereitschaft gefreut.
Heute und Morgen tüddeln wir am Boot rum und packen unser kleines Gepäck. In der Nacht zu Montag geht es nach Rio. Wir freuen uns auf die spannende Stadt und auf ein Hotelzimmer mit eigener Dusche!

Itaparica

Inzwischen liegen wir in Itaparica vor Anker. Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie viele Inseln es in der Bucht Todos os Santos gibt. Die Zahlen schwanken zwischen 30 und knapp 60. Vermutlich hängt es davon ab, ob man bei Hoch- oder bei Niedrigwasser zählt. Auf jeden Fall ist Itaparica die größte Insel und eine beliebte Ferieninsel, auf der viele (reiche) Salvadorianer ihr Wochenendhaus haben. Direkt hinter der Marina vor der wir ankern, gibt es die Fonte da Bica, eine Quelle. Hier kann man sich das Mineralwasser in Kanister oder Flaschen abfüllen, auch wir füllen unsere Wasserkanister.
Das vergangene Wochenende haben wir auf dem Fluss verbracht. Am Samstag waren wir morgens wieder auf dem Markt und am Sonntag haben wir das Dorfleben auf dem Platz am Hafen genossen. Auf dem Markt haben wir eine nette Begegnung, ein alter Mann spricht uns an. Er weiß, dass wir mit einem Segelboot da sind und erzählt uns von der Zeit, in der er auf einem Saveiro gesegelt ist. Sonntagnachmittag finden sich nach und nach alle auf dem großen Platz ein. Die Mädchen spielen Fußball, die Jungs spannen sich eine Slackline, der Popcornverkäufer eröffnet seinen Stand, unter den großen Bäumen wird gegrillt und die Jugendlichen ziehen sich auf die lange Mole zurück. Wir haben eine leckere Pizza gegessen. Wieder hat uns der Rio Paraguacu und Maragogipe gut gefallen, vielleicht kommen wir wieder.
Am Montag ging es mit dem Strom flussabwärts und nach Itaparica. Der beliebte Ankerplatz ist gut geschützt und das Wasser lädt zum Baden ein. Am Wochenende soll es hier voll werden, jetzt treffen wir einige Langfahrer, die schon länger hier liegen, überfüllt ist es jedenfalls nicht.
Gestern sind wir durch den Ort spaziert, immer auf der Suche nach Schatten. Es ist ziemlich warm und die Sonne verbrennt einen erbarmungslos, wenn man nicht aufpasst. Hier gibt es eine Menge schöner Häuser, ich habe mein Lieblingshaus schon gefunden. Ich befürchte mein Bankkonto und mein Traumhaus passen nicht zueinander, ich brauche also nicht überlegen, ob ich das Seglerleben hier aufgebe. Nachmittags ist Niedrigwasser, so bietet sich die Gelegenheit einen Spaziergang auf einer Sandbank zu unternehmen. Wir entdecken tausende kleiner Krebse, die alle eine große und eine kleine Schere haben. Die meisten Krebse haben links die große, rechts die kleine Schere, etwa 10 % der Population hat jedoch rechts die große Schere. Sehr interessant. Egal auf welcher Seite die Schere, die Krebse wollen nicht fotografiert werden und ziehen sich in ihre Löcher zurück wenn wir ihnen zu nahe kommen.
Ein Segler den wir auf dem Steg treffen will alles über unser Bananaboot wissen und erzählt uns, dass der Ankerplatz bei No

rdwestwind gefährlich ist. Da wir, aufgrund unserer Portugiesischschwäche, nicht sicher sind, ob es sich um eine allgemeine Warnung oder einen aktuellen Wetterbericht handelt, beschließen wir, dass es Zeit für einen aktuellen Wetterbericht ist. Bei den gleichbleibend schönen Wetter vergisst man nur zu leicht, dass sich auch hier das Wetter ändern kann. Unser Sturmglas langweilt sich und ist seit Wochen klar, doch darauf allein wollen wir uns nicht verlassen. Leider hat unser brasilianisches Handy mal wieder keinen Empfang, also suchen wir uns eine Bar mit Internet und fragen bei der Bestellung nach dem Passwort. Der Blick auf den Wetterbericht gibt Entwarnung, wir genießen unsere Drinks, die Aussicht von der Terrasse und freuen uns über schnelles Internet. Irgendwann fällt uns auf, dass die aufziehenden Wolken doch sehr dunkel sind. Wir zahlen, rudern zurück zu Mari und schließen unser Bananaboot an. Kaum sind wir beide unter Deck beginnt es zu regnen, wir sind keine Minute zu früh aufgebrochen. Auch heute Morgen haben einige kräftige Schauer das Boot gewaschen, jetzt ist es wieder sonnig und heiß.

 

 

Sao Felix und Cachoeira

Die beiden Orte liegen einander an den Ufern des Rio Paraguacu gegenüber. Wir besuchen sie nicht mit dem Boot, der Fluss ist hier viel zu flach für uns. Wir nehmen von Maragogipe aus den Landweg. Der Wecker klingelt um sechs, wir baden, frühstücken, rudern an Land und laufen zur Stadtmitte. Am Busbahnhof rührt sich nichts, doch wir finden einen Taxifahrer, der uns für umgerechnet 10 Euro nach Sao Felix bringen will. Der Preis erscheint uns günstig und umso länger wir unterwegs sind, umso sicherer sind wir, dass wir ihn falsch verstanden haben. Die Landschaft, durch die sich die löchrige Straße schlängelt, besteht aus einer endlosen Zahl kleiner grüner Hügel. Auf den Hügeln wachsen Bäume, Sträucher und Palmen. Auf den vielen Weiden stehen hellgraue Rinder, Esel, Pferde und Ziegen. Zwischen den Hügeln gibt es kleine Höfe, darunter einige Schmuckstücke. Der Taxifahrer macht einen Umweg, um uns einen kleinen Ort zu zeigen und den Ausblick auf den Fluss zu ermöglichen. Zwischendurch hält er, um Jambos zu kaufen. Wir dürfen probieren, die kleinen roten Früchte erinnern im Geschmack etwas an Birnen. Nach 40 Minuten erreichen wir Sao Felix, tatsächlich kostet die Taxifahrt 10 Euro. Anscheinend sind nicht nur wir mit dem Preis zufrieden, der Taxifahrer bietet an zu warten und uns auch zurückzufahren.
Wir besuchen das Centro Dannemann. Der Bremer Kaufmann Geraldo Dannemann eröffnete hier 1873 seine Zigarrenfabrik. Die Region Mata Fina bietet gute Bedingungen für den Tabakanbau. Die frühere Zigarrenfabrik wurde renoviert, heute wird in diesen Räumen nur noch eine Zigarrenlinie in Handarbeit produziert. Der Tabak wird weiter in der Region angebaut, ein Teil der Zigarren auch hier produziert, die Zigarillos zum Beispiel werden jedoch in Deutschland hergestellt. Wir bekommen eine Führung und lernen den Weg vom Tabaksamen bis zur Zigarre kennen. Es ist interessant, wie unterschiedlich die (fermentierten) Blätter einer Pflanze riechen, je nachdem ob sie oben oder knapp über dem Boden gewachsen sind. Natürlich gehen wir nicht ohne Zigarren zu kaufen. Zu unserer Bootsausstattung gehört nun auch ein Zigarrenkistchen mit unserem Schiffsnamen. Dannemann setzt sich für den Erhalt der Mata Atlantica ein und unterstützt die Wiederaufforstung. Der Atlantische Regenwald bedeckte früher diese Region, nur noch etwa 5% der Fläche sind erhalten. Uns gefällt das Projekt und wir adoptieren einen Baum.
Sao Felix und das gegenüberliegende Cachoeira werden durch eine interessante Brücke, die sich Eisenbahn und Autoverkehr teilen müssen, miteinander verbunden. Angeblich war diese Brücke für den Nil bestimmt, landete aber hier. Ob diese Geschichte stimmt? Zumindest gefällt sie mir. Cachoeira ist eine hübsche kleine Stadt mit einer Vielzahl alter, schöner Häuser aus der Kolonialzeit. Natürlich hat sie auch mehrere Kirchen und einen Konvent, sowie ein knapp 200 Jahre altes Krankenhaus. Heute ist es ein Segen, dass anscheinend das Geld fehlte diese Häuser abzureißen und durch moderne zu ersetzen. Es gibt einige Ruinen, aber auch sehr viele frisch renovierte Häuser aus dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir entfliehen der Mittagshitze und finden ein schattiges Restaurant am Fluss.
Unser Taxifahrer bringt uns wieder nach Maragogipe, diesmal mit einem Umweg über ein anderes Dorf, und auf dem Fussweg zum Hafen stürzt Nobbi sich gleich ins nächste Abenteuer, er geht mal wieder zum Friseur. Wir kehren in unserem Stammlokal am Hafen ein, hier habe ich Gelegenheit die zweite neue Frucht des Tages zu testen und gönne mur ein Umbu-Eis. Umbu schmeckt nach einer Mischung aus Stachelbeere und Mirabelle und gefällt mir sehr. Gerade hatte ich beschlossen in Brasilien nur noch Acai-Eis zu essen, das finde ich auch so lecker, da muss ich meinen Entschluss überdenken.
Nach diesem ereignisreichen Tag rudern wir zurück zu Mari, setzen uns ins Cockpit und sehen der Sonne beim Untergegen zu.

 

Noch mehr Kirchen und endlich wieder segeln

Am Dienstag wollten wir eigentlich den Hafen verlassen. Beim Frühstück besprechen wir was wir erledigen wollen bevor wir losfahren und beschließen daraufhin noch einen Tag dran zu hängen. Auf dem Weg zum Volvo Service kommen wir an der Kirche Nossa Senhora do Concepcion da Praia vorbei. Bisher war sie immer geschlossen, wenn wir sie von innen sehen wollten nun haben wir Glück. Wir besichtigen die große, gut erhaltene Kirche, die einige schöne Details aufweist. Bei Volvo bekommen wir einen neuen Impeller für die Kühlwasserpumpe, einen Ersatz für das Ersatzteil was Nobbi letzte Woche eingebaut hat. Den Simmering bekommen wir nicht, das ist nicht schlimm, wir haben noch einen in Reserve. Nachdem wir unser Telefonguthaben aufgeladen haben, nehmen wir den Aufzug in die Altstadt und suchen nach einem Zigarrenladen. Wir glauben einen gesehen zu haben, sind aber nicht sicher wo. Den Laden finden wir nicht, aber eine Reiseagentur in der wir uns nach Ausflügen erkundigen. Der Angestellte spricht sehr gut Englisch und gibt uns zunächst Tipps für unsere nächste Brasilienreise. Wir sollen unbedingt nach Bonito reisen, er zeigt uns Bilder im Internet. Er liebt sein Brasilien und begeistert uns. Leider ist Bonito nicht um die Ecke, es liegt an der Grenze zu Paraguay.
Wir nutzen die Gelegenheit und sehen uns die Kirche Sao Francisco an. Das kommt euch bekannt vor? Uns auch. Die Franziskaner waren hier sehr aktiv. Es gibt zwei Kirchen die Sao Francisco heißen unmittelbar neben einander. Das ist verwirrend, zumal beide neben einem Kreuzgang mit Azulejos liegen. Falls wir das richtig verstanden haben gehörten sie zeitweise zum gleichen Klosterkomplex in dem Mönche und Nonnen lebten. Diese Kirche und dieser Teil des Konvents wurde zwischen 1705 und 1750 erbaut. Die Kirche ist ein barocker Traum in Gold. Fast das gesamte Innenraum ist von vergoldeten Schnitzereien bedeckt. Mir gefallen ganz besonders die nicht vergoldeten Holzgeländer mit ihren Gesichtern, Masken und Tieren. Der Kreuzgang ist auch hier mit Azulejos aus Portugal geschmückt. Dargestellt sind Szenen nach dem Vorbild eines Flämischen Malers und behandeln moralische Grundsätze zu Themen wie Neid, Habgier, Macht und Tod. Einige Darstellungen sind mir zu grausig, das entsprach wohl dem Zeitgeschmack, andere sind noch immer gültig, wie zum Beispiel, dass wir alle sterben, ob arm oder reich.
Der Abend beginnt ganz harmlos mit einer Kokosnuss an Bord von Maramalda und endet erst viele Stunden später.
Am Mittwoch verabschiedeten wir uns von der Stadt und legten uns nördlich der Ilha do Frade an den Anker. Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir hier in der Bucht herumsegeln, habe ich eine Karte gemalt. Diese findet ihr in den Fotos von heute und künftig auch unter „Route“. Mit achterlichem Wind sind wir ziemlich langsam, aber sehr entspannt zu unserem Tagesziel gesegelt, haben gebadet und den ruhigen Abend genossen.
Donnerstagmorgen war es bedeckt. Die wohltuende Sonnenpause haben wir für etwas Getüddel an Deck genutzt. Dann ging es wieder auf den Fluss. Wir hatten tolles Segelwetter und segelten am Wind über die Bucht. Der Platz am Ruder war heiß begehrt, so viel Spaß hatten wir an der Segelei. Mari legte sich auf die Seite und wir freuten uns mal wieder über unser gut segelndes Boot. Unser Ehrgeiz war geweckt, wir wollten den Fluss hoch segeln. Es wurde getrimmt, jede Böe ausgenutzt und die Strömung genau beobachtet. Es klappte, erst kurz vor Maragogipe warfen wir den Motor an und ankerten an unserem alten Platz hinter der Jetty.

Frischer Aal

Nach langer Aalpause gibt es frischen Fisch von Mareike. Sie hat einen weihnachtlichen Aal unterm Tannenbaum entdeckt.

Zwischen den Jahren in Salvador

Die Tage zwischen den Jahren vergingen schnell. Am 26. wechselten wir den Liegeplatz und verholten von der Bahia Marina zum Terminal Nautico. Der neue Liegeplatz ist deutlich günstiger, aber auch wesentlich unruhiger. Das Beste an diesem Platz ist der Kokosnusstand gleich auf der anderen Seite der Straße. Zunächst lagen wir hier nur in Gesellschaft eines Engländers und unbewohnter brasilianischer Boote, doch in den letzten Tagen trafen immer mehr Langfahrer ein. Wir trafen Freunde wieder und lernten interessante Menschen mit spannenden Geschichten kennen. Emma aus Schweden gehört zur seltenen Spezies der Einhandseglerinnen und träumt von langen Etappen auf dem Südatlantik, auf http://www.emmasailing.com berichtet sie von ihrer Reise. Ricardo segelt eine schnelle Rennschüssel und ist auf Pilgersegeltour. Zum 100. Jahrestag einer Marienerscheinung in Portugal und dem 300. Jahrestag einer Marienerscheinung in Salvador hat er eine Marienstatue von Fatima in Portugal nach Salvador gebracht. Die meisten, die hier Station machen sind auf dem Weg nach Süden, einige wollen nach Südafrika, andere nach Argentinien oder gar in die Antarktis. Auf dem Steg trifft man immer jemanden zum Quatschen und an Bord einer polnischen Yacht trinken wir einen der besten Caipirinhas überhaupt.
Wir legten einen Arbeitstag ein, die Kühlwasserpumpe vom Motor leckte und an unserer Sprayhood lösen sich die Nähte auf, also schwitzte Nobbi im Motorraum, während ich am Deck genäht habe. Die sich auflösenden Nähte werden uns weiterhin auf Trab halten, die tropfende Pumpe gehört hoffentlich der Vergangenheit an.
Das Forte Santo Antonio, das Fort am Eingang zur Bucht Todos os Santos gefiel uns schon bei der Einfahrt nach Salvador. Auf dem Fort steht ein Leuchtturm, darin ist ein maritimes Museum untergebracht. Der Besuch hat sich gelohnt. Das Fort gibt es seit Ende des 16. Jahrhunderts. 1668 lief die Sacramento am Eingang zur Bucht auf und sank, an Bord war der zukünftige Gouverneur. Dieser Unfall beschleunigte den Bau eines Leuchtturms, der als der erste Südamerikas gilt. Der heutige Leuchtturm wurde 1839 erbaut, die Linse und die Mechanik sind noch immer in Betrieb und die Kennung ist unverändert weiß – weiß – rot. Vom Leuchtturm hat man einen tollen Blick über den Eingang zur Bucht und die Strände. Nach dem Museumsbesuch liefen wir die Strandpromenade entlang und schauten auf die extrem vollen Strände, mussten unseren Spaziergang aber auf Grund der Hitze etwas abkürzen. Es war einfach zu heiß in der Sonne.
Den Busfahrplan haben wir bisher nicht verstanden, wir fragen einfach an jedem Bus, ob der zu unserem Ziel fährt und sind immer angekommen. Für Verwirrung sorgte der Fahrer, der uns zwar sagt er führe zum Shopping Center uns aber nach hinten winkte. Bis wir verstanden hatten, dass wir hinten einsteigen sollen, weil der Kassierer hinten sitzt hat es etwas gedauert. Nun dachten wir, wir müssten in allen gelben Bussen hinten einsteigen, in den grünen vorne. Einen Tag später lernten wir, dass es auch gelbe Busse gibt, bei denen man vorne einsteigt. Es bleibt spannend.
Wir wollten das Jahr nicht zu Ende gehen lassen ohne den Kopf unter Wasser zu stecken und buchten einen Ausflug mit der Tauchbasis hier im Hafen. Um an unser Tauchzeug zu kommen mussten wir die Achterkammer einmal komplett ausräumen und so unser Schiff ins Chaos stürzen. Das Tauchen hat Spaß gemacht. Der erste Tauchgang war das totale Chaos bei miserabler Sicht, aber der zweite, an einem Wrack, war sehr schön und fischreich.
Silvester haben wir mit Rita und Daniel von der Maramalda gefeiert. Die beiden liegen unmittelbar neben uns. Wir hatten einen schönen Abend, haben uns gegenseitig bekocht und uns gemeinsam ins neue Jahr geschlemmt.
Gestern haben wir es ruhig angehen lassen. Morgens fand eine Prozession zur See statt. Eine Marienstatue wurde sehr stilvoll von Marinesoldaten in einem alten Ruderboot aufs Meer gebracht und schließlich in eine Kirche im Norden Salvadors. Da die Prozession gleich neben an bei der Marine aufs Boot ging, hatten wir einen Logenplatz. Nachmittags waren wir in der Altstadt und haben in einem sehr schönen Restaurant ausgezeichnet gegessen. Ein guter Beginn des neuen Jahres.

 

 

 

Ein kleiner Jahresrückblick

2017 haben wir vier Länder besucht: Portugal, Spanien, Kap Verden und Brasilien. Wir haben über 5000 Meilen zurückgelegt, sind an 88 Tagen gesegelt (bzw. mit dem Boot unterwegs gewesen) und haben 38 Nächte auf See verbracht. Wir haben 25 verschiedene Häfen besucht, viele davon mehrfach, und an 20 Plätzen geankert, kurze Stopps nicht eingerechnet. 48 Nächte haben wir am Anker verbracht.
So eine Aufzählung ist ganz interessant, wird dem Erlebten aber nicht gerecht. Interessante Orte, schöne Momente, Begegnungen und Erlebnisse lassen sich nicht mit gesegelten Meilen oder besuchten Häfen zusammenfassen. Eine Segelmeile kann mühelos bei sonnigem Wetter unter dem Kiel verschwunden oder aber mühsam erkämpft worden sein.
2017 war für uns ein Jahr voller Highlights, wir haben viele schöne Plätze besucht und können uns nicht entscheiden wo es uns am besten gefallen hat. Culatra hat diesen weißen Strand und den geschützten Ankerplatz in der Lagune, in Cadiz haben wir den Carneval erlebt und auf dem Rio Guardiana die Ruhe genossen. Porto Santo hat mit seinem Traumstrand und Madeira als Wanderparadies überzeugt. Auf Teneriffa hat uns die wilde Mondlandschaft des Teide beeindruckt und mit La Gomera haben wir „unsere“ Kanaren-Insel gefunden. Die Kap Verden haben uns mit ihrem Motto „No Stress“ gefallen, insbesondere im kleinen Palmeira auf Sal haben wir uns wohlgefühlt. Tierischer Höhepunkt war zweifellos Fernando de Noronha mit seinen Delfinen, Schildkröten, Fischen und Vögeln. Und schließlich Salvador bzw. die Bucht Todos os Santos, für uns der vielleicht spannendste Stopp unserer bisherigen Reise.
Der größte Luxus unserer Reise ist die Langsamkeit. Wir verbringen viel Zeit in Orten von denen wir vor einem halben Jahr noch gar nicht wussten, dass es sie gibt und haben Gelegenheit das ganz normale Leben kennenzulernen. Häufig ist das viel spannender als die topp Sehenswürdigkeiten.
Wir sind gespannt wo wir das nächste Silvester verbringen werden!
Allen Bloglesern wünschen wir ein spannendes und glückliches Jahr 2018.

 

Weihnachten auf Marisol

Zunächst ein kurzer Rückblick. Nach unserem Ausflug zum Kloster am Dienstag sind wir am Mittwoch zu einem netten Ankerplatz flussabwärts umgezogen. Hinter zwei kleinen Inseln lagen wir sehr geschützt und haben mit dem Bananaboot rudernd eine der beiden Inseln umrundet. Auf dem Rio Paraguacu sind Saveiros, traditionelle Frachtsegler unterwegs. Die hölzernen Gaffelsegler haben nur wenig Tiefgang und können über die Sandbänke segeln. Sie sind flott unterwegs, kreuzen geschickt den Strom aus und werfen nur den Motor an wenn es gar keinen Wind gibt.
Nach dem Segeln auf dem Atlantik in den letzten Monaten ist das Segeln in der Bucht Todos os Santos eine angenehme Abwechslung. Wir segeln bei glattem Wasser, ohne Welle, und können sogar die Fenster auflassen. Richtiges Spaßsegeln! Todos os Santos ist quasi die Flensburger Förde Brasiliens, ein abwechslungsreiches, geschütztes Gewässer mit Ankerplätzen für jedes Wetter. Salvador ist „ein bisschen“ größer als Flensburg, doch die Anzahl der Segler die sich hier herumtreiben ist deutlich kleiner.
Am Donnerstag ging es quer durch die Bucht zu einem interessanten Ankerplatz südlich der Insel Bom Jesus. Bom Jesus ist nicht die einzige Insel in der „Allerheiligen“- Bucht bei deren Benennung um Gottes Beistand gebeten wurde. Die Einfahrt zu dem Ankerplatz war interessant, weil er mitten zwischen kleinen Inseln und Sandbänken liegt. Wir sind bei Niedrigwasser rein gefahren, so konnten wir die Sandbänke sehen und wussten, dass wir, falls wir auflaufen, nur auf das steigende Wasser warten müssen. Wir sind nicht aufgelaufen und lagen zwischen Mangroven, einer Hotelinsel und der Insel Bom Jesus gut geschützt. Ganz in der Nähe des Bootes waren rote und grau-blaue Ibisse in den Mangroven unterwegs. Sehr hübsch. Nachmittags besuchten wir die Maramalda, die auf der anderen Inselseite ankerte, mussten uns aufgrund der einbrechenden Dunkelheit auf dem Rückweg jedoch sehr beeilen. Nobbi ist 20 min flott gerudert während es schneller dunkel wurde als gedacht.
Am Freitag haben wir nach Salvador in die Bahia Marina verholt. Auch wenn die Marina teuer ist haben wir uns für diesen Ort entschieden, da es hier schnelles Internet gibt das wir für die Planung unserer Reise und für die Weihnachtspost gut brauchen können. Bei einem Bummel am 23. kamen wir an einer Reiseagentur vorbei und buchten spontan einen Ausflug für den nächsten Tag.
Heilig Abend werden wir um acht Uhr abgeholt und fahren nach Praia do Forte, einen kleinen Touri-Ort. Dort gibt es eine Schildkrötenstation von der Organisation TAMAR, die sich für den Schutz von Meeresschildkröten einsetzt. Hier leben 5 marinen Schildkrötenarten, die alle an der Küste Bahias vorkommen. Wir lernen die Arten auseinander zu halten, beobachten wie kranke Schildkröten gefüttert werden und sehen uns die winzigen Babyschildkröten an. Die Organisation schützt die Gelege und zieht einige Schildkröten in der Station auf, um sie später auszuwildern. Die Unterbringung der Schildkröten hätte für unser Gefühl etwas Verbesserungspotential, doch wer möchte kann hier viel lernen. Außer Schildkröten leben hier noch ein Oktopus, Rochen, Thunfische und Ammenhaie. Hier gelang die erste Nachzucht eines Ammenhais in Brasilien, die dritte weltweit.
Anschließend geht es an einen Strand etwas weiter südlich. Hier essen wir lecker zu Mittag und machen einen langen Spaziergang am Bilderbuchstrand. Palmen säumen den weißen Strand und das Wasser schimmert türkis. Kitschig schön. Nach 200m gibt es keine Sonnenschirme mehr und nach 500m haben wir den Strand fast für uns allein.
Die Brasilianische Familie, die mit uns im Kleinbus sitzt, ist sehr nett. Die Mutter möchte sich gerne mit uns unterhalten, die große Tochter muss ins Englische übersetzen, mit dem Vater klappt die Kommunikation in einem Spanisch- Portugisisch Mix. Die Familie kommt aus dem Süden Brasiliens. Letztes Jahr waren sie in Rio, wir bekommen gleich Tipps für die schönsten Strände. Sie passen auf, dass der Tourguide uns die Treffpunkte ins Englische übersetzt und erklären uns in der Eisdiele welches die typischen Sorten sind. Rundum Betreuung. Wir hatten einen schönen Tag und haben auch die lange Busfahrt (zwei Stunden Hinweg, zurück etwas weniger) genossen. Unterwegs haben wir neue Gegenden von Salvador und die Landschaft entlang der Küste gesehen.
Abends haben wir mit „Tatsächlich Liebe“ für Weihnachtsgefühle gesorgt und zur Feier des Tages die allerallerletzte Packung Saftbären gegessen. Seit wir in Salvador sind haben wir unseren Salon mit roten Kugeln und einer Lichterkette geschmückt. Nobbi findet die Weihnachtsdeko sollte mindestens bis Ostern bleiben, weil es so gemütlich ist. Dieser Vorschlag wird derzeit eingehend geprüft.
Gestern haben wir das flotte Internet für allerlei Bürokram genutzt und ausgezeichnet gegessen. Dieses Schokotörtchen mit dem flüssigen Kern…