Konvent Sao Francisco
Dienstag stand ein Ausflug zum verlassenen Konvent wenige Meilen flussaufwärts auf dem Programm. Der Tag begann verwirrend, wie heißt das Kloster denn nun, Sao Antonio oder Sao Francisco? In zwei Revierführern steht Sao Antonio, im dritten Francisco. Schließlich finden wir heraus, dass der kleine Ort Sao Francisco heißt, auch das Franziskanerkloster heißt auf dem Schild Sao Francisco, wurde aber dem heiligen Antonio gewidmet. Um es noch etwas komplizierter zu machen gibt es auf der anderen Flussseite noch eine Klosterruine, die wiederum Sao Antonio heißt.
Nach einem gemütlichen Frühstück ziehen wir den Anker aus dem Schlick und machen uns auf den Weg. Unterwegs sehen wir ein Pärchen hellgrauer Delfine im Fluss. Bringen Flussdelfine nicht Glück? Gilt das auch für Salzwasserdelfine, die einen Fluss hochschwimmen?
Wir ankern direkt vor der Kirche und rudern mit Donkey an Land. Das Kloster ist verschlossen, doch als wir uns nähern schließt der Wächter auf und wir bekommen eine Führung auf Portugiesisch, von der wir überraschend viel verstehen. Die Kirche stammt von 1660, das Kloster von 1686, es gab nicht nur eine Schule und eine Bibliothek, sondern auch eines der ersten Krankenhäuser Brasiliens. Die Anlage direkt am Fluss ist beeindruckend und ziemlich verfallen, es handelt sich eher um eine Ruine. Die Holzdecken fehlen, nur die Kirche ist noch (wieder?) überdacht. Es stehen nur noch die Grundmauern. Alle beweglichen Teile sind verschwunden. Die Sakristei, die Kirche, der Kreuzgang und weitere Räume des Klosters waren mit portugiesischen Azulejos geschmückt, leider fehlen auch die blau- weißen Fliesen zum Großteil. Das gleiche gilt für die Fußböden, die wohl auch teilweise gestohlen wurden. Die Kirche ist praktisch leer, es gibt einen Altar und zwei Gemälde, die jedoch nicht aus der Zeit der Franziskanermönche stammen, sondern neu sind. In der Kirche findet Samstags ein Gottesdienst statt. In der Ruine treffen wir auf Geier und am Wasser grast ein Pferd vor dem Portal.
Bevor wir zurück zu Mari fahren trinken wir unter einem großen Baum ein Bier. Zunächst sitze ich leider mitten in einem Ameisenhaufen, nachdem ich den Platz gewechselt habe kann ich die Aussicht genießen. Der Ort wirkt ein wenig traurig. Überall liegt Plastik und auf den Tischen stehen leere Bierflaschen, die niemanden abgesehen von uns zu stören scheinen.
Spät nachmittags ziehen wir wieder an unseren alten Ankerplatz vor Maragogipe um. An diesem Platz lagen wir nicht nur sehr geschützt sondern mückenfrei.
7:1 für Maragogipe
Maragogipe ist eine nicht besonders schöne Kleinstadt im Nichts. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten, die meisten Häuser sind nicht schön, dafür aber hochvergittert. Trotzdem uns gefällt es. Wir entdecken immer wieder schöne, alte oder neue, liebevoll gestaltete, kunterbunte Häuser. Wir erkunden diese ganz normale Stadt. Es gibt eine ganze Reihe Supermärkte, ein Postamt, ein Beerdigungsunternehmen mit 24 h Service, mehrere Werkstätten, einen Dessousladen, kleine und große Bekleidungsgeschäfte, einen Schlachter, mehrere Bäcker, einen Optiker, eine Konditorei, die nur eine Art Kuchen verkauft, und viele Obststände. Mittags schließen die meisten Geschäfte und die eben noch wuselige Straße wirkt wie ausgestorben.
Es gibt viele arme, kleine Häuser und viele Straßen in denen kein Auto steht. Doch es fahren auch viele nagelneue VWs durch die kleinen Kopfsteinpflasterstraßen und so treffen sich Pferde, Motorräder und Autos. Wir beobachten auch eine Fahrschülerin, wie sie in einer Straße, in der kein anderes Auto steht, das Einparken übt. Nachmittags wird es voller in den schmalen Straßen. Jeder der ein Motorrad besitzt führt es aus. Die Männer fahren ihre Liebste spazieren, vorzugsweise um den Platz am Hafen, doch auch auffallend viele Frauen fahren Motorrad. Einen Helm trägt hier niemand, in Hotpants, Bikinioberteil und Flip Flops ist frau genau richtig angezogen für eine Spritztour.
Die lange Pier in den Fluss, über 300m, dient als Sportplatz und Treffpunkt. Morgens sobald es hell wird (um fünf), wird in kleinen Gruppen die Pier entlang gewalkt oder gejoggt. Nachmittags treffen sich die Jugendlichen zum Baden und abends ist die Pier ein beliebter Treffpunt bei Liebespärchen.
Nach zwei Besuchen in der Kneipe am Hafen werden wir nicht nur vom Wirt sondern auch von den Stammgästen begrüßt. Sonntagnachmittag trifft sich hier das ganze Dorf. Die Kinder essen Eis und die Erwachsenen trinken Bier. Ab und zu hält ein Auto und tauscht die leeren Bierflaschen gegen volle um dann weiter durch den Ort zu cruisen. Immer wieder werden wir gefragt wo wir herkommen. „Alemanha“. „7:1“ lautet die Antwort. Doch die Brasilianer sind uns nicht böse, das nächste Mal gewinnen sie.
Markttag in Maragogipe
Maragogipe ist eine kleine Stadt am Rio Paraguacu. Der Rio Paraguacu mündet in die Baia Todos os Santos, die große Bucht an der Salvador liegt. Mit Rita und Daniel von der Maramalda waren wir Freitagmorgen mitten in der Bucht verabredet, wir wollen gemeinsam mit dem auflaufenden Wasser den Fluss hochfahren. Maramalda kommt aus Salvador, wir haben eine Nacht in Ribeira verbracht und von Donnerstag auf Freitag südlich der Ilha do Frade, einer Insel Mitten in der Bucht, geankert. In Ribeira waren wir auf der Suche nach einem Liegeplatz an dem wir unsere Mari länger liegen lassen können. Der ruhige Stadtteil im Norden Salvadors gefällt uns auf Anhieb. Wir bekommen im Supermarkt Jackfruit geschenkt, einfach so weil wir sie probieren sollen, kaufen in einem Minibaumarkt bei einem sehr freundlichen Mitarbeiter einen 7er Schlüssel und sehen das erste Mal einen Geier außerhalb eines Tierparks. Jetzt, wo wir wissen, dass es hier Rabengeier gibt, sehen wir ständig welche.
An unserem Treffpunkt treffen wir nicht nur die Maramalda sondern auch eine Gruppe Delfine. Die Fahrt flussaufwärts ist abwechslungsreich. Grüner Wald säumt den Fluss, hinter der ersten Biegung wird gerade eine Werft gebaut und einige Ölplattformen warten auf ihre Verschrottung, hier und dort steht ein Haus, mal ein Luxusferienanwesen, mal eine Ruine. Nach zehn Meilen auf dem Fluss ankern wir nebeneinander vor dem langen Steg von Maragogipe.
Abends machen wir einen Spaziergang durch die Stadt. Maragogipe ist eine alte Stadt und wurde bereits 1557 gegründet. In der Region wurde zunächst Zuckerrohr und später Tabak angebaut. In einem kleinen Ort wenige Meilen flussaufwärts gründete der Bremer Geraldo Dannemann eine Zigarrenfabrik. Ende des 19. Jhd. war sicherlich deutlich mehr Verkehr auf dem Fluss, als die Zigarren per Boot nach Salvador gebracht wurden und von dort nach Europa verschifft wurden. Reste kolonialer Architektur und Schriftzüge wie Suerdiek (auch ein Zigarrenproduzent) zeugen von der glanzvollen Vergangenheit. Heute ist es ruhig auf dem Fluss. Einige Fischerboote liegen im flachen Hafen, darunter auf mehrere Einbäume. Bei Niedrigwasser begeben sich die Vögel im Schlamm auf Nahrungssuche, wir sehen hier unsere ersten roten Ibisse.
Heute, am Samstag, ist Markttag. Als wir aufwachen sehen wir bereits viele kleine Boote am Steg liegen, darunter auch ein Segelboot aus Holz. Nach einem schnellen Frühstück rudern wir um halb acht an Land, binden Donkey am Steg fest und machen uns auf den Weg in die Stadt. Zunächst glauben wir den Markt gäbe es nicht mehr, doch dann kommen uns viele Leute mit vollen Taschen entgegen. Wir laufen in die Richtung aus der die meisten Leute kommen und stehen kurz darauf in mitten kleiner Stände. Es werden hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft, aber auch Kleidung, Schuhe, Mehl direkt aus dem Sack, lebende Hühner und Singvögel. Wir kaufen reichlich frisches Obst und Gemüse. Das Einkaufen macht uns viel Spaß, zum Einen sind die Menschen freundlich und hilfsbereit, zum Anderen ist das Angebot hervorragend. Obst und Gemüse sind frisch und die Auswahl ist riesig. Wir kaufen was wir brauchen und vieles was wir probieren wollen. Aus den Acerolakirschen haben wir uns ein Getränk gemixt, das von nun an auf der Bordspeisekarte steht, die Süßigkeit aus Zuckerrohr ist klebrig aber sehr lecker und die Verkostung des Cashewapfels steht noch aus. Als es anfängt zu regnen stellen wir uns unter und trinken einen Kaffee. Eine alte Frau hat einen gut frequentierten Imbissstand in der Mitte des Marktes, sie verkauft warmes Essen, Gebäck und uns einen sehr leckeren, sehr süßen Kaffee. Verkehrsmittel Nummer eins ist die Schubkarre. Viele Jungen bieten ihre Dienste an, sie begleiten einen beim Einkauf mit der Schubkarre und fahren einem anschließend die Einkäufe nach Hause. So etwas fehlt in der Kleinmarkthalle! Außerdem sind viele Motorräder unterwegs, auch als Taxis und als Gastransporter. Es ist kein Problem drei große Flaschen a 10kg auf einem Motorrad zu transportieren. An einem kleinen Platz, nicht weit vom Markt, entdecken wir den Pferde- und Eselparkplatz.
In den nächsten Tagen wird an Bord gegessen, das ganze Obst und Gemüse möchte verarbeitet werden. Auf dem Fluss gefällt es uns gut, wir wollen noch weitere Plätze besuchen, bevor wir mit dem Strom wieder flussabwärts in die Baia Todos os Santos fahren.
Verschwundene Papiere und Pelourinho
Am Sonntag ging es endlich nach Pelourinho, das historische Zentrum. Das Viertel liegt oberhalb des Hafenviertels und der Aufzug bringt einen die 60m Höhenunterschied in wenigen Sekunden nach oben. Die Benutzung des Aufzugs kostet umgerechnet 4 Cent. Ob man mit den Einnahmen das Personal finanzieren kann? Wir bummeln durch die Gassen und da sonntags die meisten Geschäfte geschlossen haben, ist es recht ruhig. Salvador soll 365 Kirchen haben. Die Zahl ist vermutlich etwas hochgegriffen, doch Kirchen gibt es wirklich reichlich, wohin immer man blickt, man sieht eine Kirche. Spontan besuchen wir das Kloster Sao Francisco, das mit einer Vielzahl von blauweißen Azulejos aus Lissabon geschmückt ist. Pelourinho ist toll, bunte Häuser, Kopfsteinpflaster, Läden, Restaurants und unzählige Kirchen. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit Rita und Daniel von der Maramalda, die wir hier wieder getroffen haben, nachdem wir uns in Fernando und Recife jeweils ganz knapp verpasst haben. Wir sitzen gemütlich an Bord, als wir feststellen, dass unsere Bootspapiere verschwunden sind. Später, als wir gemeinsam im Restaurant sitzen, zieht ein Unwetter über Salvador hinweg. Während wir Glück haben, bricht bei Maramalda, die in der benachbarten Marina liegt, die Mooring und ihre Aries-Windsteueranlage wird am Steg verbogen.
Am Montag machten wir uns zunächst auf den Weg zur Capitania, wir waren uns sicher, dass wir die Papiere gar nicht zurückbekommen hatten und vermuteten sie dort auf dem Kopierer. An einem Wochentag ist das Prozedere ein anderes, als wir es vom Samstag her kannten. Wir bekommen einen Besucherausweis und versuchen mit den zuvor aufgeschriebenen Vokabeln unser Problem zu schildern. Schließlich werden wir in ein riesiges Büro mit mindestens zehn Schreibtischen in einer langen Reihe geschickt. Dort übergaben uns sieben Uniformierte unsere vermissten Original-Papiere und freuten sich herzlich mit uns. Unsere Erleichterung war anscheinend sichtbar.
Auch heute sind wir noch ein wenig durch das historische Zentrum der Stadt gebummelt und haben die Souvenirläden unsicher gemacht. In Salvador gibt es viel zu sehen. Hier wird es uns sicherlich nicht langweilig.
Ankunft in Salvador
Inzwischen sind wir in Salvador angekommen. Montag haben wir uns in Recife noch einen gemütlichen Vormittag gegönnt, schließlich konnten wir die Marina ohnehin erst nachmittags mit dem Hochwasser verlassen. Knapp 400 Meilen sind es von Recife nach Salvador entlang der brasilianischen Küste nach Süden. Insgesamt hatten wir eine angenehme Überfahrt, der Strom hat uns geschoben und wir kamen schnell in unseren Bordrhythmus. Wie angenehm die Reise war, kann man daran ablesen, dass ich am zweiten Tag einen Franzbrötchenkranz gebacken habe. Dazu stapelt man einfach die Franzbrötchen dicht an dicht in der Omniaform. Ich liebe Franzbrötchen, den süßen Hefeteig, der furchtbar an den Fingern klebt allerdings weniger. In der zweiten Nacht kam plötzlich Wind, so dass mein Schlaf gleich zweimal von einem Reffmanöver unterbrochen wurde. Am dritten Tag wurde der Wind immer weniger und wir immer langsamer, perfekte Bedingungen für geruhsames Lesen. Die brasilianischen Gewässer präsentierten sich weiter delfinreich, wir hatten mehrfach Besuch. In der Nacht zu Freitag haben wir versucht etwas zu bremsen, schließlich wollten wir Salvador gerne im Hellen erreichen. Das mit dem langsamen Segeln klappte nicht so richtig, um vier Uhr erreichten wir die Bucht „Todos os Santos“ an der Salvador liegt und um fünf Uhr lagen wir bereits in der Marina.
Die Ankunft in Salvador war beeindruckend. Salvador ist eine gigantische Stadt mit knapp 3 Mio. Einwohnern und massenweise Wolkenkratzern. Im Dunkeln sahen wir zunächst nur das Lichtermeer, im ersten Licht dann die unzähligen Hochhäuser, die Strände, den Hafen und die Kirchtürme. Wir entschlossen uns in die Bahia Marina zu gucken, ob wir dort im Halbdunkeln ohne Hilfe einen Platz finden. Als wir die Hafeneinfahrt passieren entdecken wir ein Wachhäuschen, das tatsächlich besetzt ist. Der Wachmann antwortete uns über Funk auf Englisch, was hier mehr als ungewöhnlich ist, und ein Marinero winkte uns an einen Steg. Kaum waren wir fest, gab es ein Feuerwerk, um fünf Uhr morgens! Eine nette Begrüßung. Im Laufe des Tages stellten wir fest, dass hier gestern ein kirchlicher Feiertag war. Viele Bootsbesitzer waren jedoch nicht bei der Prozession, die ganz in der Nähe des Hafens stattfand, sondern feierten auf ihren Booten. Mittags war es in der Marina ohrenbetäubend laut. Motorboote fuhren auf und ab. Ganz wichtig sind die großen Boxen an Bord, auf jedem Boot läuft Musik, laut, sehr laut. Natürlich wird auf jedem Boot eine andere Musik gehört und neben der Marina gab es Livemusik. Nachmittags war die Party plötzlich zu Ende und die Nacht entgegen aller Befürchtungen sehr ruhig.
Es gibt einen neuen Verlust zu beklagen, leider ist mein Laptop gestorben. Zum Glück habe ich eine aktuelle Datensicherung.
Heute, am Samstag, ging es mal wieder um den offiziellen Teil. Neuer Bundesstaat, neues Glück. Das Handbuch sagt wir müssen zur Policia Federal und zur Capitania, die Dame im Marinabüro ist sich sicher, dass wir zuerst zur Policia Federal, dann zum Zoll und schließlich zur Capitania müssen, wir beschließen direkt zur Capitania zu gehen. Unser Zoll-Dokument haben wir ja durch unseren Marathon in Recife bekommen. Tatsächlich waren wir keine zehn Minuten bei den weiß uniformierten Marine-Offizieren im Büro der Capitania und haben ein hübsches neues Papier bekommen. Wenn wir Salvador verlassen, bekommen wir da noch einen weiteren Stempel drauf.
Danach sind wir noch ein wenig durch die Hitze getrabt, haben etwas Sightseeing in verschiedenen Boots- und Angelläden gemacht, waren auf einem Markt mit Kunsthandwerk und Souvenirs, haben einen Maracujasaft getrunken und uns die andere Marina angesehen. Im Terminal Nautico liegen die Rennyachten, die am Race von Le Havre nach Salvador teilgenommen haben. Wir bestaunen die Rennschüsseln und befragen einen französischen Segler. Er hat 14 Tage gebraucht. Als wir erzählen, dass wir vor etwa 14 Monaten in Le Havre waren, fragt er ob wir einen Kühlschrank mit kaltem Bier hätten und meinte, dann wäre doch alles prima. Nachmittags waren wir einkaufen. Als wir im Supermarkt sind, gibt es ein gewaltiges Gewitter. Innerhalb kurzer Zeit sind die Straßen überflutet. Es gelingt uns ein Taxi zu ergattern, das uns durch sehr tiefe Pfützen zur Marina zurückfährt. Das Fenster im Bad war offen, zum Glück hat es direkt ins Waschbecken geregnet. Jetzt, vier Stunden später, gießt es noch immer.
In den nächsten Wochen wollen wir nicht nur Salvador, sondern auch die große Bucht „Todos os Santos“ erkunden. Hier soll es viele schöne Ankerplätze geben, was es zu überprüfen gilt.
Kleines Fazit unserer Atlantiküberquerung
Bevor wir vergessen haben wie es war, wird es Zeit für ein kleines Fazit. Durch den Stopp auf den Kap Verden haben wir die Strecke von den Kanaren „auf die andere Seite“ in zwei Teile geteilt. Die erste Etappe von La Palma nach Sal war insgesamt angenehm zu segeln. Eine Woche waren wir unterwegs. Nachdem wir unseren Rhythmus gefunden hatten vergingen die Tage schnell, der Wind kam von achtern und das Wetter war schön.
Der Aufenthalt auf den Kap Verden hat uns gefallen. Für uns war es viel mehr als nur eine willkommene Unterbrechung der Segelstrecke. Die zweite Etappe Kap Verden Fernando de Noronha ist eine sehr kurze Variante der Atlantiküberquerung. Von Mindelo nach Fernando sind es direkt nur 1313 Meilen, wir sind durch Kreuzschläge 1630 Meilen gesegelt und haben dafür 17 Tage gebraucht. Von Fernando de Noronha waren es auch noch 300 Meilen und drei Tage nach Recife, doch gefühlt waren wir in Fernando schon fast da.
Und wie war es? So wie wir uns vorgestellt haben? Es war schön, anstrengend, frustrierend, entspannend, gemütlich, nervig und bezaubernd. Als wir kreuzen mussten und nach 24 Stunden nur 2 Meilen weiter südlich standen als am Morgen zuvor, war das sehr frustrierend. Wenn man seekrank ist oder nicht schlafen kann, man sich unentwegt blaue Flecken holt oder alles durch die Gegend fliegt, dann ist das nervig oder anstrengend und mich macht es manchmal wütend. Dann macht Segeln gelegentlich keinen Spaß. Ich bleibe dabei, es segeln so viele Leute über den Atlantik, weil man unterwegs nicht aussteigen kann. Es gab durchaus Momente, da dachte ich, wenn die Fee jetzt fragt, dann liege ich gleich in Bremen unter meiner kuscheligen Daunendecke. Zum Glück kommt keine Fee. Die schönen Tage und zauberhaften Momente waren sehr viel häufiger, als Momente in denen ich mich gefragt habe, wer eigentlich diese blöde Idee hatte. Den Zauber des Ozeans kann ich nicht in Worte fassen. Die überwältigende Weite, das tiefe Blau und der unendliche Sternenhimmel, die einen spüren lassen, dass es ein großes Privileg ist dort draußen zu sein sind unbeschreiblich. Die ruhigen und entspannten Nächte, in denen man nicht nur ein Buch nach dem anderen lesen, sondern auch so frei nachdenken kann, waren sehr schön. Begegnungen mit Delfinen, Sonnenauf- und untergänge, Wolkenformationen, Vogelbesuch, langersehnter Regen und viele weitere besondere Momente bleiben uns im Gedächtnis. Außerdem liegt eine ganz besondere Zeit zu zweit hinter uns.
Viele liebe Menschen haben mit uns mitgefiebert und mitgelitten. Wir haben ganz viele nette Nachrichten und Glückwünsche zu unserer Ankunft bekommen und uns sehr darüber gefreut. Es ist schön zu wissen, dass ihr mit uns reist und an uns denkt.
Wir sind ein bisschen stolz und sehr dankbar, dass wir heil und fröhlich in Brasilien angekommen sind. Zum Glück vergisst man Müdigkeit und Seekrankheit schneller als das Blau, die Weite, den Sternenhimmel und die Delfine. Wir werden es wieder tun!
Caipirinha und Capybara – Recife und Olinda
Die Tage vergehen schnell in Recife. Bootsgetüddel, Sightseeing und Caipi stehen auf dem Programm. Wir haben das Frischwasser auf dem Steg ausgiebig genutzt, Boot, Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sind wieder salzfrei. Unsere ToDo-Liste ist sehr kurz geworden, unsere Mari ist klar zur Weiterfahrt. Zum Glück hatten wir, abgesehen von unserem kaputten Babystag, keine ernsthaften Schäden. Irgendwas zu tun ist jedoch immer. Wir haben eine neue Dirk eingezogen, die wir nun auch als Ersatz-Großfall nutzen können, die üblichen Kontrollen durchgeführt, den Schwanenhals, der die Kabel ins Boot führt, neu abgedichtet, ein Kojenbrett abgesägt und herausgefunden, weshalb unser Ankerlicht so gelb ist. Auch unsere Annäherung an Brasilien geht voran, wir haben gelernt, dass man Caipirovska trinkt, nicht Caipirinha, und ich besitze nun einen brasilianischen Bikini.
Donnerstag haben wir uns die Altstadt Recifes angesehen und sind kreuz und quer durch Recife Antigo und Santo Antonio getrabt, die beiden Stadtteile mit den meisten Sehenswürdigkeiten. Es gibt viele alte Bauten, besonders Fans morbiden Charmes kommen auf ihre Kosten. Vieles ist verfallen, bräuchte deutlich mehr als nur neue Farbe und Schimmel scheint ein Problem zu sein. Die kreuz und quer verlaufenen Oberleitungen laden nicht zum Fotografieren ein. Doch insgesamt gefällt uns die Stadt. Im ehemaligen Gefängnis, einem spannenden Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss, ist das Casa da Cultura untergebracht. In den ehemaligen Zellen finden sich viele kleine Läden, die Kunsthandwerk, Getränke und Snacks verkaufen, hier macht das Bummeln Spaß. Gleich um die Ecke ist die Aquariumsstraße, in der es lauter Stände gibt, die lebende Fische verkaufen. Mir tun die Fische in ihren Plastiktüten und Flaschen leid, aber ich bin auch beeindruckt von der Vielfalt. Wir stürzen uns schließlich in die vielen kleinen Straßen Santo Antonios, in denen alles an Ständen verkauft wird, Obst, Gemüse, Haushaltswaren, Kleidung und Plastikmüll. Es ist ohrenbetäubend laut, jeder bewirbt seine Waren, gerne mit Lautsprechern und überall läuft (natürlich unterschiedliche) Musik. Doch die Stimmung ist fröhlich und nicht aggressiv. Wir kaufen lediglich eine Schale Jackfruit.
Schon morgens waren wir am Gouverneurspalast dem Palacio do Campo das Princesas. Dieser sehr gepflegte und gut erhaltene Palast ist der Amtssitz des Gouverneurs von Pernambuco, des Bundesstaates dessen Hauptstadt Recife ist. Das sehr freundliche Wachpersonal erlaubte uns die Eingangshalle zu besichtigen und wir erfuhren, dass es Nachmittagsführungen gibt. Wir wollen den Palast von Innen sehen und kommen zurück. Die Halle ist voll mit Schülern und wir hoffen, dass wir uns der Führung anschließen dürfen. Eine Dame fragt ob wir zur Führung wollen, wir müssen unsere Passnummern angeben und sollen kurz warten. Gleich darauf erscheint Louisa, eine Studentin die extra angerufen wurde, um uns eine Englische Führung zu geben. So bekommen wir eine sehr nette, private Führung. Es geht durch den typisch brasilianischen Garten, die ehemalige Gouverneurswohnung und die Räume, die für offizielle Anlässe genutzt werden. Die Queen war hier auch irgendwann in den 60er-Jahren zu Besuch. Der Palast ist auch von innen ein Schmuckstück. Am besten hat uns das aufwendige Parkett gefallen, in jedem Raum hat es ein anders Muster. Anhand der Glasfenster lernen wir einiges über die Geschichte Brasilien und Pernambucos. Der Palast war einen Besuch wert und da Louisa so gut Englisch spricht, wurden uns viele Fragen zu Recife beantwortet.
Gestern waren wir in Olinda, einer Stadt wenige Kilometer nördlich von Recife. Olinda gilt als eine der am besten erhaltenen Kolonialstädten Brasilien und wurde 1535 gegründet. Es gibt eine Vielzahl barocker Kirchen, schöne Kolonialbauten, kleine Kopfsteinpflasterstraßen, Gärten und viele bunte Häuser. Olinda erinnert uns etwas an Porto. Von weitem sieht es toll aus, wenn man näher kommt sieht man die undichten Dächer. Tatsächlich sind die meisten der alten Gebäude in sehr schlechtem Zustand, allerdings gibt es mehrere Renovierungsprojekte in der Stadt. Vom oberen Teil der Stadt hat man einen tollen Blick über die roten Dächer des unteren Teils und den leuchtend türkisen Ozean. Während Olindas Häuser eher niedrig sind, meistens nicht mehr als zwei Stockwerke, sieht man im Hintergrund die vielen Wolkenkratzer Recifes.
Am Wochenende tobt das Leben hier im Yachtclub. Man trifft sich, isst hier, grillt, die Kinder spielen im Pool und einige Boote werden bewegt. Jeder macht auf seinem Boot Musik, laut und natürlich eine andere als der Nachbar. Die meisten Boote werden länger gewaschen als bewegt. Man wäscht sein Boot natürlich nicht selbst, sondern sitzt mit einer Zigarre im Liegestuhl auf der Pier und guckt beim Putzen zu. Abends wird an der Bar gefeiert, morgens zeugen die Armadas von leeren Flaschen von einem vergnügten Abend. Gestern war anscheinend Kindertag. Morgens um kurz nach acht traf eine Gruppe von 20 etwa 9-jährigen Mädchen ein und dann wurde es fröhlich. Bis zum Dunkelwerden wurde geplantscht. Mittwoch, Donnerstag und Samstag ist Optisegeln. Hauptsächlich kleine Mädels, das Kinder-Clubleben ist fest in weiblicher Hand, segeln im Hafenbecken und der Einfahrt zum Hafen. Heute, am Sonntagvormittag, ist es ruhiger. Das Fitnessstudio ist gut besucht und einige Leute sitzen im Schatten und lesen Zeitung.
Der Fluss, in dem der Hafen liegt ist ziemlich dreckig. Plastikflaschen, Mülltüten und FlipFlops ziehen vorbei. Seit gestern treibt ein Kühlschrank in der Tide flussauf- und abwärts. Was ins Hafenwasser fällt, wie gestern unser 7er-Schlüssel, ist verloren. Hier gehen wir sicherlich nicht baden. Trotz des ganzen Drecks gibt es hier viele tolle Vögel, Fische und kleine Tiere, von denen wir die wenigsten kennen. Viele verschiedene Reiher durchwühlen den schlammigen Grund bei Niedrigwasser, ein netter gelber Vogel trinkt das gechlorte Poolwasser und Kolibris naschen an den Blüten der Sträucher auf den Marinagelände. Zwischen den angrenzenden Mangroven gibt es immer Vögel und Krebse zu sehen. Hier ist es recht sauber, allerdings nur weil Netze verhindern, dass der Müll von Fluss zwischen die Mangroven treibt. Hier soll es Capybaras geben, gelegentlich wird so ein Wasserschwein sogar auf der Pier gesichtet. Ich halte die Augen offen, so ein Riesenmeerschwein würde ich zu gerne treffen.
Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschlagexemplars…
Die Überschrift haben wir uns bei Reinhard Mey geliehen. Unser Formular heißt TECAT und eigentlich war alles ganz einfach, doch das wissen wir erst jetzt.
Gestern Morgen machen wir uns auf den Weg zur Hafenbehörde. Auch wenn wir auf Fernando de Noronha in Brasilien offiziell eingereist sind, müssen wir dort vorstellig werden. Der erste Bus fährt an uns vorbei, wir lernen, dass wir deutlicher zeigen müssen, dass wir mitgenommen werden wollen. Als der nächste Bus mit „unserer“ Nummer auftaucht winken wir energisch, der Bus hält und wir klettern rein. Es gibt einen Schaffner im Bus! Wir bezahlen und haben keine Schwierigkeiten die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu finden. Zweimal fragen wir nach dem Weg, zweimal wird uns sehr nett geholfen. Die Hafenbehörde befindet sich in einem schönen Gebäude, es ist geflaggt und die Angestellten tragen alle möglichen Uniformen. Wir werden zunächst in einem Warteraum zwischen geparkt, in dem noch viele andere warten, dann aber abgeholt und zu einem netten Beamten gebracht, der kaum Englisch spricht. Gleichstand mit unseren Portugiesisch-Kenntnissen. Zum Glück gibt es Google Translator, so lernen wir, dass ein Formular fehlt. Er bringt uns zu Tor und zeigt den Weg zur Receita Federal, das ist zum Glück schräg gegenüber. Dort versuchen wir zu erklären, dass wir mit dem Boot da sind und ein Formular brauchen. Man erklärt uns, dass wir falsch sind und zu einem Büro ein paar Straßen weiter gehen sollen. Dieses Büro finden wir schnell, dort weiß nur leider niemand was wir eigentlich wollen. Der Pförtner bringt uns schließlich in ein Büro mit zwei engagierten Damen. Wieder kommt ein Übersetzungsprogramm zum Einsatz, ein englischsprechender Kollege wird gefunden, telefoniert und wir werden schließlich zu einer Agentur geschickt. Wir haben Zweifel, wollen gar keinen Agenten haben und beschließen zur Hafenbehörde zurückzukehren und nach dem genauen Namen des Formulars zu fragen. Dort kennt man uns bereits, wir werden direkt ins Büro geführt. Nun wissen wir, dass wir TECAT brauchen, ein Formular für die zeitlich begrenzte Einfuhr unseres Bootes nach Brasilien. Nun geht es wieder zur Receita Federal, dort geht es diesmal in ein anderes Büro, wo wir aber nur erfahren, dass wir wieder in das Büro einige Straßen weiter gehen sollen. Auch dort kennt man uns, trotzdem versuchen zwei Angestellte und eine andere Dame, die selbst wartet, unser Problem zu lösen. Schließlich werden wir zum Hafen geschickt. Der Weg wird uns mit google maps erklärt und wir bekommen den Namen des zuständigen Chefs beim Zoll. Am Hafen angekommen wissen wir zwar in welches Büro wir gehen sollen, doch am Empfang sitzen drei Leute, die uns leider nicht einfach so rein lassen wollen. Ein Kollege der Englisch spricht wird gerufen, es wird nachgefragt, telefoniert, wir warten, bekommen ein Glas Wasser und dürfen dann zum Zollbüro. Dort weiß man nicht nur was wir wollen, es gibt auch einen Merkzettel auf Englisch wie bei der Einreise von Fernando de Noronha vorzugehen ist. Nun geht es schnell. Wir füllen ein Formular aus, das der Chef unterschreiben muss, der gerade nicht da ist. Jetzt merken wir, dass Brasilien eine Sommerzeit hat, deshalb war morgens um sieben so wenig Verkehr, es war erst sechs… Bevor wir das Büro verlassen, bekommen wir einen Stadtplan von Recife und Beschreibungen von Spaziergängen zu den Sehenswürdigkeiten. Außerdem unterhalten wir uns via Übersetzungsprogramm noch ein bisschen mit den beiden netten Angestellten.
Jetzt haben wir vier Stunden Zeit bis wir unser Formular abholen können und machen einen Abstecher in eine Shopping Mall. Die Weihnachtsdeko ist riesig und es gibt alles. Wir gehen fast verloren zwischen Bikinis, Schuhen, Wohnartikeln und Weihnachtsdeko, kaufen letztlich aber nur zwei Reiseführer und im Supermarkt ein. Der Supermarkt ist eine Art Schlaraffenland. Obst und Gemüse soweit das Auge reicht, in allen Farben! Wir bringen unsere Einkäufe mit dem Taxi zum Boot und fahren wieder zum Hafen. Natürlich dürfen wir wieder nicht einfach so zum Zollbüro. Wir versuchen zu erklären, dass wir wieder zum Zoll wollen, genau wie vormittags. Aber so einfach geht das nicht. Wieder wird ein Englischsprechender Mitarbeiter gesucht. Dieser nimmt uns kurzer Hand mit. Sein Chef wiederum fährt uns mit dem Auto die 400 m zum Zollbüro. Unser Formular ist bereits fertig. Lustig ist allerdings, dass der Chef, der unser Formular unterschreiben musste, einer der Beamten ist, den wir bereits vormittags in einem anderen Büro getroffen haben. Wir müssen nicht alles verstehen. Nun geht es mit dem Formular zurück zur Hafenbehörde, wo wir direkt ins entsprechende Büro eskortiert werden. Leider hat inzwischen ein anderer Beamte Dienst. Er füllt eines unserer Formulare erst mal falsch aus, aber wofür gibt es TippEx. Nachmittags um vier sind wir, nach acht Stunden, fertig mit dem offiziellen Teil. Angeblich müssen wir nun erst in Salvador, unserem nächsten Hafen, wieder zur Hafenbehörde. Mal sehen was uns dort erwartet.
Trotz des ganzen Hin- und Herlaufens hatten wir einen schönen Tag. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Brasilianer ist umwerfend. Überall waren die Menschen sehr freundlich, haben versucht uns zu helfen und uns einen Stuhl, Wasser oder Kaffee angeboten. Mehrfach hat uns jemand den Weg gezeigt, ist ein Stück mit uns gegangen oder hat sein Telefon raus gezogen, um etwas zu übersetzen oder eine Karte aufzurufen. Wir haben viel über brasilianische Arbeitsplätze und Behörden erfahren, wie sollte man sonst so viele verschiedene Büros an einem Tag zu sehen bekommen. Nach den vielen netten Begegnungen sind wir nun noch motivierter unsere sehr mageren portugiesisch Kenntnisse auszubauen.
Den Merkzettel des Zolls haben wir für die Marina Cabanga kopiert, auch wenn unseren Nachfolgern vielleicht viele nette Begegnungen entgehen, wenn sie einfach direkt zum Zoll gehen.
Überfahrt ans brasilianische Festland
Von Fernando de Norohna nach Recife am brasilianischen Festland sind es knapp 300 Meilen. Im Vergleich zur Strecke Kap Verden Fernando eine kurze Etappe.
Morgens gehen wir natürlich baden. Während Nobbi Entenmuscheln vom Boot kratzt schnorchle ich um ihn herum. Wir haben unglaubliches Glück! Die Delfine kommen zu uns, erst zwei Tiere und kurz darauf eine ganze Gruppe. Eine Unterwasserdelfinbegegnung, ich bin rundum glücklich!
Vor der Abreise müssen wir zum Hafenbüro, der zuständige Beamte wird angerufen und geht nicht ans Telefon. Wir sollen in drei Stunden wiederkommen. Das kennen wir doch irgendwie? Gegenüber vom Hafenbüro sitzt die Hälfte der Kama-Crew bei einem Kaffee. Wir setzten uns dazu. Anschließend wandern wir ins Dorf, kaufen im Supermarkt Brot für die Überfahrt und gehen Essen. Zurück am Hafen bekommen wir unseren Stempel. Bevor wir uns auf die Reise machen können muss das Schlauchboot an Bord geholt und verpackt werden. In Rekordzeit machen wir das Boot seeklar und gehen ankerauf. Mittlerweile ist es später Nachmittag und wir segeln der untergehenden Sonne entgegen. Eine große Schule Delfine begleitet uns aus den Gewässer Fernando de Noronha, ein grandioser Abschied von diesem besonderen Fleckchen Erde. Die Nacht ist ruhig, doch ich kann nur schlecht schlafen. Etwas grummelig sitze ich bei früh morgens, ich habe seit 4 Uhr Wache, im Cockpit, da gibt es hinter mir einen lauten Klatsch. Ein Delfin hat einen Bauchklatscher gemacht und er ist nicht allein. Eine Schule Delfine spielt mit Mari. Meine Laune hebt sich schlagartig, ich klettere auf die Cockpitbänke damit ich besser sehe und genieße die nette Gesellschaft. Als Nobbi eineinhalb Stunden später aufwacht sind sie noch immer da und so kommt auch er in Genuss dieses Schauspiels. Der Tag ist eigentlich schön, wir kommen schnell voran, doch ich muss ich erst wieder ans Segeln gewöhnen und kann es nicht so richtig genießen. Die zweite Nacht ist genauso entspannt wie die erste und der Sternenhimmel wunderschön. Der Verkehr nimmt zu, immer mehr Frachter kreuzen unseren Weg. Am Vormittag des nächsten Tags sind sie wieder da. Delfine! Eine große Truppe gefleckter Delfine, begleitet uns, als eine Gruppe schwarzer Grindwale unseren Weg kreuzt und sich uns ebenfalls anschließt. Nachmittags, ich bin leider gerade unter Deck, sichtet Nobbi einen Wal, der dreimal zu sehen ist, bevor er endgültig abtaucht. Die ganze Etappe von Fernando nach Recife segeln wir am Wind. Die letzte Nacht, als wir die flachen Gewässer vor der Küste Brasiliens erreichen und der Seegang abnimmt, ist perfekt. Mari segelt stabil durch die Nacht, der Wind ist angenehm und nicht zu schwach, es ist warm und sternenklar. Sollte dies ein Vorgeschmack auf das Segeln entlang Brasiliens Küste sein? Pünktlich zu Sonnenaufgang sind wir an der Einfahrt nach Recife. Vor uns fährt ein großes Kreuzfahrtschiff, die „MSC Musica“, durch, nachdem sie uns die halbe Nacht mit 9 Kn verfolgt hat.
Wir passieren die Altstadt Recifes und ankern hinter einem traurig wirkenden Yachtclub. Der Hafen in den wir wollen ist nur bei Hochwasser erreichbar. Es gibt Spiegeleier zum Frühstück und anschließend ein kleines Schläfchen, dann verholen wir in den Yachthafen. Trotz der „Hilfe“ der Marineros, die uns mit dem Schlauchboot ohne Vorwarnung in die falsche Richtung schieben, machen wir unbeschadet fest. Der Yacht Club ist luxuriös. Es gibt ein Fitnessstudio, Pools, ein Basketballfeld, einen Tennisplatz, Bars und ein Restaurant. Man lässt an seinen Booten arbeiten. Am Montag ist einiges los in der Marina, fast ausschließlich Personal, das sich um die Boote kümmert. Wir werden nett begrüßt, werden gut bewacht und wollen von hier aus in den nächsten Tagen Recife erkunden.









