Caipirinha und Capybara – Recife und Olinda

Die Tage vergehen schnell in Recife. Bootsgetüddel, Sightseeing und Caipi stehen auf dem Programm. Wir haben das Frischwasser auf dem Steg ausgiebig genutzt, Boot, Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sind wieder salzfrei. Unsere ToDo-Liste ist sehr kurz geworden, unsere Mari ist klar zur Weiterfahrt. Zum Glück hatten wir, abgesehen von unserem kaputten Babystag, keine ernsthaften Schäden. Irgendwas zu tun ist jedoch immer. Wir haben eine neue Dirk eingezogen, die wir nun auch als Ersatz-Großfall nutzen können, die üblichen Kontrollen durchgeführt, den Schwanenhals, der die Kabel ins Boot führt, neu abgedichtet, ein Kojenbrett abgesägt und herausgefunden, weshalb unser Ankerlicht so gelb ist. Auch unsere Annäherung an Brasilien geht voran, wir haben gelernt, dass man Caipirovska trinkt, nicht Caipirinha, und ich besitze nun einen brasilianischen Bikini.
Donnerstag haben wir uns die Altstadt Recifes angesehen und sind kreuz und quer durch Recife Antigo und Santo Antonio getrabt, die beiden Stadtteile mit den meisten Sehenswürdigkeiten. Es gibt viele alte Bauten, besonders Fans morbiden Charmes kommen auf ihre Kosten. Vieles ist verfallen, bräuchte deutlich mehr als nur neue Farbe und Schimmel scheint ein Problem zu sein. Die kreuz und quer verlaufenen Oberleitungen laden nicht zum Fotografieren ein. Doch insgesamt gefällt uns die Stadt. Im ehemaligen Gefängnis, einem spannenden Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss, ist das Casa da Cultura untergebracht. In den ehemaligen Zellen finden sich viele kleine Läden, die Kunsthandwerk, Getränke und Snacks verkaufen, hier macht das Bummeln Spaß. Gleich um die Ecke ist die Aquariumsstraße, in der es lauter Stände gibt, die lebende Fische verkaufen. Mir tun die Fische in ihren Plastiktüten und Flaschen leid, aber ich bin auch beeindruckt von der Vielfalt. Wir stürzen uns schließlich in die vielen kleinen Straßen Santo Antonios, in denen alles an Ständen verkauft wird, Obst, Gemüse, Haushaltswaren, Kleidung und Plastikmüll. Es ist ohrenbetäubend laut, jeder bewirbt seine Waren, gerne mit Lautsprechern und überall läuft (natürlich unterschiedliche) Musik. Doch die Stimmung ist fröhlich und nicht aggressiv. Wir kaufen lediglich eine Schale Jackfruit.
Schon morgens waren wir am Gouverneurspalast dem Palacio do Campo das Princesas. Dieser sehr gepflegte und gut erhaltene Palast ist der Amtssitz des Gouverneurs von Pernambuco, des Bundesstaates dessen Hauptstadt Recife ist. Das sehr freundliche Wachpersonal erlaubte uns die Eingangshalle zu besichtigen und wir erfuhren, dass es Nachmittagsführungen gibt. Wir wollen den Palast von Innen sehen und kommen zurück. Die Halle ist voll mit Schülern und wir hoffen, dass wir uns der Führung anschließen dürfen. Eine Dame fragt ob wir zur Führung wollen, wir müssen unsere Passnummern angeben und sollen kurz warten. Gleich darauf erscheint Louisa, eine Studentin die extra angerufen wurde, um uns eine Englische Führung zu geben. So bekommen wir eine sehr nette, private Führung. Es geht durch den typisch brasilianischen Garten, die ehemalige Gouverneurswohnung und die Räume, die für offizielle Anlässe genutzt werden. Die Queen war hier auch irgendwann in den 60er-Jahren zu Besuch. Der Palast ist auch von innen ein Schmuckstück. Am besten hat uns das aufwendige Parkett gefallen, in jedem Raum hat es ein anders Muster. Anhand der Glasfenster lernen wir einiges über die Geschichte Brasilien und Pernambucos. Der Palast war einen Besuch wert und da Louisa so gut Englisch spricht, wurden uns viele Fragen zu Recife beantwortet.
Gestern waren wir in Olinda, einer Stadt wenige Kilometer nördlich von Recife. Olinda gilt als eine der am besten erhaltenen Kolonialstädten Brasilien und wurde 1535 gegründet. Es gibt eine Vielzahl barocker Kirchen, schöne Kolonialbauten, kleine Kopfsteinpflasterstraßen, Gärten und viele bunte Häuser. Olinda erinnert uns etwas an Porto. Von weitem sieht es toll aus, wenn man näher kommt sieht man die undichten Dächer. Tatsächlich sind die meisten der alten Gebäude in sehr schlechtem Zustand, allerdings gibt es mehrere Renovierungsprojekte in der Stadt. Vom oberen Teil der Stadt hat man einen tollen Blick über die roten Dächer des unteren Teils und den leuchtend türkisen Ozean. Während Olindas Häuser eher niedrig sind, meistens nicht mehr als zwei Stockwerke, sieht man im Hintergrund die vielen Wolkenkratzer Recifes.
Am Wochenende tobt das Leben hier im Yachtclub. Man trifft sich, isst hier, grillt, die Kinder spielen im Pool und einige Boote werden bewegt. Jeder macht auf seinem Boot Musik, laut und natürlich eine andere als der Nachbar. Die meisten Boote werden länger gewaschen als bewegt. Man wäscht sein Boot natürlich nicht selbst, sondern sitzt mit einer Zigarre im Liegestuhl auf der Pier und guckt beim Putzen zu. Abends wird an der Bar gefeiert, morgens zeugen die Armadas von leeren Flaschen von einem vergnügten Abend. Gestern war anscheinend Kindertag. Morgens um kurz nach acht traf eine Gruppe von 20 etwa 9-jährigen Mädchen ein und dann wurde es fröhlich. Bis zum Dunkelwerden wurde geplantscht. Mittwoch, Donnerstag und Samstag ist Optisegeln. Hauptsächlich kleine Mädels, das Kinder-Clubleben ist fest in weiblicher Hand, segeln im Hafenbecken und der Einfahrt zum Hafen. Heute, am Sonntagvormittag, ist es ruhiger. Das Fitnessstudio ist gut besucht und einige Leute sitzen im Schatten und lesen Zeitung.
Der Fluss, in dem der Hafen liegt ist ziemlich dreckig. Plastikflaschen, Mülltüten und FlipFlops ziehen vorbei. Seit gestern treibt ein Kühlschrank in der Tide flussauf- und abwärts. Was ins Hafenwasser fällt, wie gestern unser 7er-Schlüssel, ist verloren. Hier gehen wir sicherlich nicht baden. Trotz des ganzen Drecks gibt es hier viele tolle Vögel, Fische und kleine Tiere, von denen wir die wenigsten kennen. Viele verschiedene Reiher durchwühlen den schlammigen Grund bei Niedrigwasser, ein netter gelber Vogel trinkt das gechlorte Poolwasser und Kolibris naschen an den Blüten der Sträucher auf den Marinagelände. Zwischen den angrenzenden Mangroven gibt es immer Vögel und Krebse zu sehen. Hier ist es recht sauber, allerdings nur weil Netze verhindern, dass der Müll von Fluss zwischen die Mangroven treibt. Hier soll es Capybaras geben, gelegentlich wird so ein Wasserschwein sogar auf der Pier gesichtet. Ich halte die Augen offen, so ein Riesenmeerschwein würde ich zu gerne treffen.

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschlagexemplars…

Die Überschrift haben wir uns bei Reinhard Mey geliehen. Unser Formular heißt TECAT und eigentlich war alles ganz einfach, doch das wissen wir erst jetzt.
Gestern Morgen machen wir uns auf den Weg zur Hafenbehörde. Auch wenn wir auf Fernando de Noronha in Brasilien offiziell eingereist sind, müssen wir dort vorstellig werden. Der erste Bus fährt an uns vorbei, wir lernen, dass wir deutlicher zeigen müssen, dass wir mitgenommen werden wollen. Als der nächste Bus mit „unserer“ Nummer auftaucht winken wir energisch, der Bus hält und wir klettern rein. Es gibt einen Schaffner im Bus! Wir bezahlen und haben keine Schwierigkeiten die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu finden. Zweimal fragen wir nach dem Weg, zweimal wird uns sehr nett geholfen. Die Hafenbehörde befindet sich in einem schönen Gebäude, es ist geflaggt und die Angestellten tragen alle möglichen Uniformen. Wir werden zunächst in einem Warteraum zwischen geparkt, in dem noch viele andere warten, dann aber abgeholt und zu einem netten Beamten gebracht, der kaum Englisch spricht. Gleichstand mit unseren Portugiesisch-Kenntnissen. Zum Glück gibt es Google Translator, so lernen wir, dass ein Formular fehlt. Er bringt uns zu Tor und zeigt den Weg zur Receita Federal, das ist zum Glück schräg gegenüber. Dort versuchen wir zu erklären, dass wir mit dem Boot da sind und ein Formular brauchen. Man erklärt uns, dass wir falsch sind und zu einem Büro ein paar Straßen weiter gehen sollen. Dieses Büro finden wir schnell, dort weiß nur leider niemand was wir eigentlich wollen. Der Pförtner bringt uns schließlich in ein Büro mit zwei engagierten Damen. Wieder kommt ein Übersetzungsprogramm zum Einsatz, ein englischsprechender Kollege wird gefunden, telefoniert und wir werden schließlich zu einer Agentur geschickt. Wir haben Zweifel, wollen gar keinen Agenten haben und beschließen zur Hafenbehörde zurückzukehren und nach dem genauen Namen des Formulars zu fragen. Dort kennt man uns bereits, wir werden direkt ins Büro geführt. Nun wissen wir, dass wir TECAT brauchen, ein Formular für die zeitlich begrenzte Einfuhr unseres Bootes nach Brasilien. Nun geht es wieder zur Receita Federal, dort geht es diesmal in ein anderes Büro, wo wir aber nur erfahren, dass wir wieder in das Büro einige Straßen weiter gehen sollen. Auch dort kennt man uns, trotzdem versuchen zwei Angestellte und eine andere Dame, die selbst wartet, unser Problem zu lösen. Schließlich werden wir zum Hafen geschickt. Der Weg wird uns mit google maps erklärt und wir bekommen den Namen des zuständigen Chefs beim Zoll. Am Hafen angekommen wissen wir zwar in welches Büro wir gehen sollen, doch am Empfang sitzen drei Leute, die uns leider nicht einfach so rein lassen wollen. Ein Kollege der Englisch spricht wird gerufen, es wird nachgefragt, telefoniert, wir warten, bekommen ein Glas Wasser und dürfen dann zum Zollbüro. Dort weiß man nicht nur was wir wollen, es gibt auch einen Merkzettel auf Englisch wie bei der Einreise von Fernando de Noronha vorzugehen ist. Nun geht es schnell. Wir füllen ein Formular aus, das der Chef unterschreiben muss, der gerade nicht da ist. Jetzt merken wir, dass Brasilien eine Sommerzeit hat, deshalb war morgens um sieben so wenig Verkehr, es war erst sechs… Bevor wir das Büro verlassen, bekommen wir einen Stadtplan von Recife und Beschreibungen von Spaziergängen zu den Sehenswürdigkeiten. Außerdem unterhalten wir uns via Übersetzungsprogramm noch ein bisschen mit den beiden netten Angestellten.
Jetzt haben wir vier Stunden Zeit bis wir unser Formular abholen können und machen einen Abstecher in eine Shopping Mall. Die Weihnachtsdeko ist riesig und es gibt alles. Wir gehen fast verloren zwischen Bikinis, Schuhen, Wohnartikeln und Weihnachtsdeko, kaufen letztlich aber nur zwei Reiseführer und im Supermarkt ein. Der Supermarkt ist eine Art Schlaraffenland. Obst und Gemüse soweit das Auge reicht, in allen Farben! Wir bringen unsere Einkäufe mit dem Taxi zum Boot und fahren wieder zum Hafen. Natürlich dürfen wir wieder nicht einfach so zum Zollbüro. Wir versuchen zu erklären, dass wir wieder zum Zoll wollen, genau wie vormittags. Aber so einfach geht das nicht. Wieder wird ein Englischsprechender Mitarbeiter gesucht. Dieser nimmt uns kurzer Hand mit. Sein Chef wiederum fährt uns mit dem Auto die 400 m zum Zollbüro. Unser Formular ist bereits fertig. Lustig ist allerdings, dass der Chef, der unser Formular unterschreiben musste, einer der Beamten ist, den wir bereits vormittags in einem anderen Büro getroffen haben. Wir müssen nicht alles verstehen. Nun geht es mit dem Formular zurück zur Hafenbehörde, wo wir direkt ins entsprechende Büro eskortiert werden. Leider hat inzwischen ein anderer Beamte Dienst. Er füllt eines unserer Formulare erst mal falsch aus, aber wofür gibt es TippEx. Nachmittags um vier sind wir, nach acht Stunden, fertig mit dem offiziellen Teil. Angeblich müssen wir nun erst in Salvador, unserem nächsten Hafen, wieder zur Hafenbehörde. Mal sehen was uns dort erwartet.
Trotz des ganzen Hin- und Herlaufens hatten wir einen schönen Tag. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Brasilianer ist umwerfend. Überall waren die Menschen sehr freundlich, haben versucht uns zu helfen und uns einen Stuhl, Wasser oder Kaffee angeboten. Mehrfach hat uns jemand den Weg gezeigt, ist ein Stück mit uns gegangen oder hat sein Telefon raus gezogen, um etwas zu übersetzen oder eine Karte aufzurufen. Wir haben viel über brasilianische Arbeitsplätze und Behörden erfahren, wie sollte man sonst so viele verschiedene Büros an einem Tag zu sehen bekommen. Nach den vielen netten Begegnungen sind wir nun noch motivierter unsere sehr mageren portugiesisch Kenntnisse auszubauen.
Den Merkzettel des Zolls haben wir für die Marina Cabanga kopiert, auch wenn unseren Nachfolgern vielleicht viele nette Begegnungen entgehen, wenn sie einfach direkt zum Zoll gehen.

Überfahrt ans brasilianische Festland

Von Fernando de Norohna nach Recife am brasilianischen Festland sind es knapp 300 Meilen. Im Vergleich zur Strecke Kap Verden Fernando eine kurze Etappe.
Morgens gehen wir natürlich baden. Während Nobbi Entenmuscheln vom Boot kratzt schnorchle ich um ihn herum. Wir haben unglaubliches Glück! Die Delfine kommen zu uns, erst zwei Tiere und kurz darauf eine ganze Gruppe. Eine Unterwasserdelfinbegegnung, ich bin rundum glücklich!
Vor der Abreise müssen wir zum Hafenbüro, der zuständige Beamte wird angerufen und geht nicht ans Telefon. Wir sollen in drei Stunden wiederkommen. Das kennen wir doch irgendwie? Gegenüber vom Hafenbüro sitzt die Hälfte der Kama-Crew bei einem Kaffee. Wir setzten uns dazu. Anschließend wandern wir ins Dorf, kaufen im Supermarkt Brot für die Überfahrt und gehen Essen. Zurück am Hafen bekommen wir unseren Stempel. Bevor wir uns auf die Reise machen können muss das Schlauchboot an Bord geholt und verpackt werden. In Rekordzeit machen wir das Boot seeklar und gehen ankerauf. Mittlerweile ist es später Nachmittag und wir segeln der untergehenden Sonne entgegen. Eine große Schule Delfine begleitet uns aus den Gewässer Fernando de Noronha, ein grandioser Abschied von diesem besonderen Fleckchen Erde. Die Nacht ist ruhig, doch ich kann nur schlecht schlafen. Etwas grummelig sitze ich bei früh morgens, ich habe seit 4 Uhr Wache, im Cockpit, da gibt es hinter mir einen lauten Klatsch. Ein Delfin hat einen Bauchklatscher gemacht und er ist nicht allein. Eine Schule Delfine spielt mit Mari. Meine Laune hebt sich schlagartig, ich klettere auf die Cockpitbänke damit ich besser sehe und genieße die nette Gesellschaft. Als Nobbi eineinhalb Stunden später aufwacht sind sie noch immer da und so kommt auch er in Genuss dieses Schauspiels. Der Tag ist eigentlich schön, wir kommen schnell voran, doch ich muss ich erst wieder ans Segeln gewöhnen und kann es nicht so richtig genießen. Die zweite Nacht ist genauso entspannt wie die erste und der Sternenhimmel wunderschön. Der Verkehr nimmt zu, immer mehr Frachter kreuzen unseren Weg. Am Vormittag des nächsten Tags sind sie wieder da. Delfine! Eine große Truppe gefleckter Delfine, begleitet uns, als eine Gruppe schwarzer Grindwale unseren Weg kreuzt und sich uns ebenfalls anschließt. Nachmittags, ich bin leider gerade unter Deck, sichtet Nobbi einen Wal, der dreimal zu sehen ist, bevor er endgültig abtaucht. Die ganze Etappe von Fernando nach Recife segeln wir am Wind. Die letzte Nacht, als wir die flachen Gewässer vor der Küste Brasiliens erreichen und der Seegang abnimmt, ist perfekt. Mari segelt stabil durch die Nacht, der Wind ist angenehm und nicht zu schwach, es ist warm und sternenklar. Sollte dies ein Vorgeschmack auf das Segeln entlang Brasiliens Küste sein? Pünktlich zu Sonnenaufgang sind wir an der Einfahrt nach Recife. Vor uns fährt ein großes Kreuzfahrtschiff, die „MSC Musica“, durch, nachdem sie uns die halbe Nacht mit 9 Kn verfolgt hat.
Wir passieren die Altstadt Recifes und ankern hinter einem traurig wirkenden Yachtclub. Der Hafen in den wir wollen ist nur bei Hochwasser erreichbar. Es gibt Spiegeleier zum Frühstück und anschließend ein kleines Schläfchen, dann verholen wir in den Yachthafen. Trotz der „Hilfe“ der Marineros, die uns mit dem Schlauchboot ohne Vorwarnung in die falsche Richtung schieben, machen wir unbeschadet fest. Der Yacht Club ist luxuriös. Es gibt ein Fitnessstudio, Pools, ein Basketballfeld, einen Tennisplatz, Bars und ein Restaurant. Man lässt an seinen Booten arbeiten. Am Montag ist einiges los in der Marina, fast ausschließlich Personal, das sich um die Boote kümmert. Wir werden nett begrüßt, werden gut bewacht und wollen von hier aus in den nächsten Tagen Recife erkunden.

Tierisches Willkommen in Brasilien

Auch im Paradies regnet es ab und zu, sonst waere es hier wohl auch nicht so gruen. Heute Nacht sind mehrere Schauer durchgezogen und haben unser Schiff gewaschen, auch heute Morgen hat es noch einmal geregnet. Geweckt hat mich heute Nacht allerdings nicht der Regen, sondern der Schwell. Das Schiff rollte unangenehm in der Welle. Morgens war ich unausgeschlafen und zunaechst nur mittel gut gelaunt, das aenderte sich beim morgendlichen Bad schlagartig. Erst kam ein Schwarm schwarz gestreifter Fische vorbei und dann habe ich direkt unterm Boot einen Hai gesehen. Er liess sich nicht vom mir stoeren und blieb zehn Minuten bei mir. Weniger willkommen sind die Entenmuscheln, die es sich auf Maris Bauch gemuetlich gemacht haben, wir ruecken ihnen mit einem zum Kratzer umfunktionierten Pfannenwender zu leibe. Nachdem Hailight war ich ohnehin oben auf und dann hat Nobbi mir auch noch ein Spiegelei zum Fruehstueck gebraten. So darf ein Tag beginnen. Und die Delfine waren auch wieder da!
Den Vormittag haben wir mit Bootsgetueddel verbracht. Unsere Positionslichter haben sich auf der Fahrt hierher einen Wackelkontakt zugelegt. Nobbi hatte das bereits auf See provisorisch geflickt und dieses Provisorium haben wir nun noch etwas verfeinert, so dass es wohl bis zum Festland haelt. Eine weniger amuesante Baustelle ist unser Babystag, es ist gebrochen, und zwar in der Mitte offensichtlich durch Korrosion. Ein gebrochenes Stag ist ueberhaupt nicht lustig. In unserem Fall ist es nun das, auf das wir verzichten koennen, so haben wir es einfach demontiert. Doch wie bricht ein Stag ohne Belastung? Diese Baustelle wird uns sicher spaeter laengere Zeit beschaeftigen. Ein Kuchen wartet darauf uns satt durch die anstehenden Nachtwachen zu bringen und das Mittagessen fuer die Seetage ist bereit gestellt.
Mittags ging es an Land. Gleich am ersten Tag haben wir ein nettes Restaurant mit sehr freundlichem Personal gefunden, dem wir seither treu bleiben. Nach einem tolles Essen waren wir im kleinen Supermarkt und haben uns mit Obst fuer die Weitereise eingedeckt: Mandarinen, Orangen, Mango, Maracuja und Bananen. Danach war mal wieder Tanken angesagt. Gestern haben wir diese Uebung schon einmal absolviert. Drei 20 Liter Kanister hatten wir im Schlauchboot deponiert, an der Tankstelle wurden sie gefuellt und dann mit der Sackkarre wieder zum Steg transportiert, von dort ging es ins Schlauchboot und zurueck zu Mari. Nun sind der Tank und alle Dieselkanister wieder voll, theoretisch koennten wir zum Festland motoren, was wir aber nicht vorhaben.
Nachmittags war dringend Zeit fuer etwas Urlaubsprogramm, wir sind also wieder ins Schlauchboot geklettert. Bei jeder Schlauchbootfahrt werden wir nass, mal etwas, mal komplett. Deshalb packen wir unsere Kleidung in einen wasserdichten Sack und machen uns in Badesachen auf den Weg. Bei diesen Temperaturen ist das kein Problem. Vom Strand aus sind wir im flachen Wasser herum geschnorchelt und haben uns die Unterwasserwelt angesehen. Die Artenvielfalt ist beeindruckend, grosse Kofferfische, verschiedene Doktorfische, ein Kaninchenfischpaar und viele andere Arten gab es zu sehen. Am schoensten war aber die Schildkroetenbegegnung. Im flachen Wasser hat sie genuesslich Pflanzen abgerissen und sich von uns begleiten lassen, als wir schliesslich zurueck zum Strand geschwommen sind, hat sie noch ein paarmal aus dem Wasser geguckt als wollte sie fragen wohin wir gehen. Der Tag endete mit einem Caipi bei Sonnenuntergang mit Blick ueber die Bucht.
Seit gestern sind wir offiziell in Brasilien eingereist und duerfen nun 90 Tage hier verbringen, jetzt also noch 88. Das Einklarieren ging schnell und ausgesprochen freundlich. Alle Beamten kamen ins Hafenbuero, wir wurden mit Kaffee versorgt und haben ein paar Zettel fuer uns und fuer das Schiff ausgefuellt. Einer der Beamten sprach Englisch und hat uns gute Tipps fuer unseren naechsten Stopp Recife gegeben. Er kommt daher und hat uns sogar den besten Liegeplatz und das nahe gelegene Shoppingcenter auf Google Maps gezeigt.
Gestern haben wir uns, nach dem Tanken und einem leckeren Essen im Restaurant, den kleinen Ort und das Fort angesehen. Das Fort ist wildromantisch, herbstliche Baeume, verfallene Mauern, eine Schaukel und darueber kreisen Fregattvoegel. Ausserdem bietet es einen tollen Blick ueber die Bucht. Eigentlich hatten wir noch grosse Plaene, doch es wurde bereits dunkel und wir hatten Muskelkater. Die kleine Insel ist ganz schoen huegelig, ganz besonders fuer entwoehnte Seglerbeine. Einen netten Abend haben wir mit der Crew der Kama verbracht (schon wieder Schweizer!), die auch einige Zeit in Brasilien bleiben werden. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen.
Morgen geht es fuer uns weiter. Das heisst, dass wir mal wieder ins Hafenbuero muessen. Etwas anstrengend, dass wir von vier Tagen hier an dreien Behoerdenkram erledigen muessen, aber so sind nun mal die Spielregeln. Bevor wir hier wegsegeln wird natuerlich noch mal geschnorchelt und morgenfrueh sitze ich wieder an Deck, wenn um halb acht die Delfine vorbei kommen.

Ankern im Delfinarium

Wir haben es geschafft und haben tatsaechlich gestern mit dem letzten Licht Fernando do Noronha erreicht. Als wir ankommen gehen die einzigen beiden anderen Yachten gerade Anker auf. Das ist schade, Maramalda kennen wir von den Kap Verden, wir haetten Rita und Daniel gerne wiedergetroffen. Nachdem wir unsere glueckliche Ankunft gefeiert haben fallen wir ins Bett.
Heute Morgen stand natuerlich zuerst ein Bad im herrlich tuerkisenen Wasser an. Obwohl wir auf etwa 10 m Wassertiefe ankern kann man den Grund sehen. Wir hatten von Joan, dem Brasilianer, den wir in Mindelo getroffen haben, gehoert, dass es hier Delfine am Ankerplatz geben soll. Doch was wir nach dem Fruehstueck erleben durften, hatten wir nicht erwartet. Eine Truppe von etwa 50 Delfinen tobte in der Bucht. Mal schwammen sie langsam, dann gab es einen Zwischenspurt, einzelne Tiere sprangen und vollfuehrten die tollsten Kunststuecke. Es handelt sich um Spinner-Delfine, die koennen sogar Schrauben in der Luft drehen, unbedingt mal Google befragen. Die Herde hat sich geteilt und hat Mari mit knapp 2 m Abstand passiert. Spaeter, als wir mit dem Dinghi an Land gefahren sind, waren die Delfine ploetzlich wieder ueberall, unter dem Schlauchboot, links und rechts von uns, so dicht, dass man sie haette anfassen koennen. 100 m Abstand von Delfinen sind vorgeschrieben, doch die Delfine halten sich einfach nicht dran. Ich bin gluecklich, der Aufenthalt hat sich schon jetzt gelohnt und vielleicht kommen sie morgen frueh ja wieder vorbei. Besuch von einer Schildkroete hatten wir auch, ausserdem gibt es hier jede Menge spannender Voegel. Ueber der Bucht kreisen staendig Fregattvoegel, die mir gefallen weil sie so elegante Flieger sind.
Fernando de Noronha ist ein Archipel aus 21 Inseln und Inselchen. In Wirklichkeit gibt es eine groessere Insel, die mit 17 km2 nicht gerade riesig ist und genauso heisst wir das Archipel, und eine Reihe kleinerer und groesserer Felsen. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und die hoechste Erhebung ist der Morro do Pico, ein steiler Zahn, der 323 m in die Hoehe ragt. Die Insel ist ein Ferienparadies der brasilianischen Oberschicht, anscheinend ein beliebtes Honeymoon-Ziel und bekanntes Tauchparadies. Die Insel ist gruen, verziert mit malerischen Felsen, und bietet weisse Straende, tuerkises Badewasser und schoene Schnorchelspots. Der Grossteil der Insel gehoert zu einem Marinepark, der zusammen mit dem Atoll das Rocas zum Weltnaturerbe gehoert. In der Baia dos Golfinhos, einer Bucht im Suedwesten, soll es die groesste Delfinpopulation weltweit geben, bis zu 1000 Delfine sollen dort gezaehlt worden sein. Außerdem gibt es hier Schildkroeten, die hier auch ihre Eier ablegen, eine artenreiche Unterwasserwelt mit mehreren Haiarten und viele Seevoegel. Die Brasilianer meinen es ernst mit dem Umweltschutz, die Dichte an Muelleimern ist beeindruckend, wir haben tatsaechlich bisher ueberhaupt keinen herumfliegenden Muell gesehen. Fuer den Zugang zum Marinepark und damit zu den besonders schoenen Straenden muss man eine Gebuehr bezahlen, an die Wasserlinie darf man nur in ausgewaehlten Bereichen und die Schildkroetenstraende sind nachts gesperrt, damit diese dort in Ruhe ihre Eier ablegen koennen.
Nachdem unser Aussenborder heute Morgen zunaechst nicht angesprungen ist, hat Nobbi den Vergaser ausgebaut und geputzt, dann lief er. Nach dieser kleinen Verzoegerung sind wir am spaeten Vormittag an Land gewesen und haben zunaechst das Hafenbuero gesucht. Der Weg dahin fiel uns schwer, torkelten wir doch anfangs wie betrunken den Holzsteg entlang denn wir versuchten die gewohnten Schiffsbewegungen auszugleichen. Die Capitania war geschlossen, daher ging es erst einmal in den kleinen Ort. Dort gab es nicht nur ein ausgesprochen leckeres Mittagessen, sondern auch brasilianisches Geld, Tomaten, Maracujas und Brot fuer uns. Im Hafenbuero haben wir einige Zettel ausgefuellt und sollen morgen frueh wiederkommen, dann kommt der Beamte von der Immigration und wir erfahren, ob wir hier bereits nach Brasilien einreisen duerfen. Nach einem Spaziergang ueber den Nordzipfel der Insel ging es zurueck an Bord. Mal sehen, ob wir morgen Muskelkater vom ungewohnten Laufen haben.
Vier Tage wollen wir hier bleiben, bevor es weiter geht. Das Paradies hat seinen Preis, ueber 400 Euro werden uns die vier Tage am Anker (!) an Gebuehren kosten, darin ist der Zugang zum Nationalpark noch nicht erhalten.

Land in Sicht!

Heute, an unserem 17. Tag auf See, hat Nobbi um 13.20 Uhr als erster Fernando de Noronha entdeckt. Jetzt trennen uns noch etwa 20 Meilen von der Ankerbucht, wir rechnen damit sie mit Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Waehrend wir heute noch ankommen, ist die Anna Smile noch 4 Wochen unterwegs. Der Frachter hat uns heute Vormittag mit nur 2 Meilen Abstand passiert und Nobbi hat einen kleinen Schnack mit dem wachhabenden Offizier gehalten. Sie kommen aus New Orleans und sind auf dem Weg nach Singapur.
Nach einer schoenen, sternklaren Nacht wird uns heute ein fantastischer Segeltag geschenkt. Wir sind hoch am Wind unterwegs, liegen also stark auf der Seite und die Segelei ist ungemuetlich, doch wir sind schnell. Die Gischt sprueht und Mari kaempft sich unermuedlich durch die Welle. Seit Sonnenaufgang laufen wir durchgehend mit ueber 6 kn, es scheint als wollte Mari uns zum Ende dieser Etappe nochmal beweisen, dass sie auch schnell segeln kann.
Wir sind gespannt auf die Insel, auf ein neues Land und freuen uns auf eine Nacht mit ausreichend Schlaf.

Atlantik – Tag 15

Um 7.39 Uhr haben wir den Aequator ueberquert. Von der Halbkugel der Eisbaeren auf die Halbkugel der Pinguine. Das Ueberqueren des Aequators wurde natuerlich gefeiert, vor allem haben wir uns bei Neptun bedankt. Er hat es uns nicht leicht gemacht, uespruenglich hatten wir gehofft bereits vor drei Tagen ueber den Aequator zu segeln. Das Kreuzen gegen Wind und Welle ist ungemuetlich und zeitweise frustrierend. Die ’nur noch 300 Meilen bis zum Ziel‘-Marke konnten wir gleich dreimal feiern. An Tag 12 haben wir nur 2 Meilen nach Süden und 40 Meilen nach Osten gut gemacht. Doch jetzt koennen wir unser Ziel fast anliegen. Waehrend wir gestern einen fast gemuetlichen Segeltag hatten, schuettelt uns die Welle heute wieder kraeftig durch, unter Deck fuehlen wir uns wie in der Waschmaschine. Gestern gab es Pfannkuchen zum Fruehstueck, das ist heute voellig undenkbar, schon Kaffeekochen glich einer sportlichen Hoechstleistung. Man muss sich immer festhalten und wir sammeln fleissig blaue Flecken.
Trotz der elenden Am-Wind-Segelei vergehen die Tage schnell. Lesen, essen, schlafen. Heute Nacht hatten wir wieder Vogelbesuch auf dem Bimini, unser Passagier ist abends gelandet und bis zum Sonnenaufgang geblieben. Ansonsten haben wir ein kleines Forschungsprojekt und versuchen zu ergruenden weshalb unser eines Kuechenhandtuch nur quer gefaltet auf der Stange vor dem Herd haengen bleibt, das andere, baugleiche, jedoch nur wenn man es laengs faltet. Seit ein paar Tagen merken wir, dass es kuehler wird. Die Wassertemperatur sinkt langsam aber kontinuierlich und nachts wird es in kurzer Hose und T-shirt frisch, ich decke mich im Cockpit mit einem grossen Handtuch zu.
Langsam beginnen wir zu rechnen, wann wir wohl ankommen und ob es eine Landung bei Tageslicht wird.

Atlantik – Tag 12

Kraah! Was? Ich habe gerade meine Nachtwache angetreten und bin noch ziemlich verschlafen, aber ich habe wirklich was gehoert. Ab und zu gucken ein paar Federn unter dem Bimini hervor. Anscheinend haben wir Vogelbesuch. Ich stelle mich auf die Cockpitbank und richte mich ganz langsam auf, schliesslich will ich unseren Besucher nicht verjagen. Auf dem Bimini sitzt ein 25 cm grosser schwarzer Vogel mit weissen Schwanzfedern und guckt mich an. Er bleibt zwei Stunden und verabschiedet sich dann mit einem Kraah-Kraah in die Nacht. Gestern Nachmittag hatten wir Besuch von einem Seeadler, der versucht hat auf der Saling zu landen, aber mit dem Achterstag kollidiert ist und heute begleitet uns ein junger Toelpel.
Wir sind sehr langsam unterwegs. Unser letztes Etmal, die Strecke die wir in 24 Stunden zwischen Mittag und Mittag zurueckgelegt haben,betraegt nur 83 Meilen. Das Duempeln in der Flaute vor einigen Tagen und die Segelversuche mit dem leichten Wind haben uns weit nach Westen versetzt. Der Wind kommt aus nun Suedost, statt wie erhofft aus Ost. Fuer uns bedeutet das ungemuetliches am Wind segeln. Trotzdem koennen wir unser Ziel nicht anliegen. Wir muessen kreuzen. Der frische Wind hat eine ordentliche Welle aufgebaut, so dass wir nun Wellenberge von zwei bis drei Metern Hoehe erklimmen muessen. Immer wieder stoppen die hohen Wellen das Schiff auf. Die Wellen knallen gegen den Rumpf und schicken Wasser uebers Deck. Doch unsere Mari macht ihre Sache gut, die Windsteueranlage steuert und wir ueben uns in Geduld, Wie schoen waere es nun abzufallen und vor dem Wind dahin zu rauschen, doch dann kommen wir nicht nach Brasilien.
Die taegliche Dusche an Deck verbessert das Wohlbefinden und Pflaumenkompott zum Nachtisch die Laune. Besondere Situationen erfordern besondere Massnahmen, ich habe die staerkeren Lakritz aus den gut versteckten Vorraeten befreit und esse nachts nun Teufelsfinger. Wir hoffen, dass wir morgen den Aequator ueberqueren koennen.