Nach vier Nächten in Itaparica beschlossen wir weiter zu ziehen. Itaparica ist der wohl beliebteste Ankerplatz in Todos os Santos, das ist nicht weiter überraschend, das Wasser ist meistens recht klar, der Ort nett und es gibt einige kleine Geschäfte. Es ist aber auch einer der lautesten Ankerplätze in der Bucht. Normalerweise sind tagsüber Roller und Autos mit riesigen Lautsprechern unterwegs, die fleißig für alles mögliche werben und abends fährt ein Disco-Bus, hinzu kommen die verschiedenen Partys auf irgendwelchen Booten und an Land. Der Disco-Bus blinkt in allen Farben und fährt nachts langsam durch die Straßen und beschallt Mitfahrer und Anwohner. Als Mitfahrer könnte mir der Bus gefallen, als Bewohner einer der Häuser an seiner Lieblingsstrecke wäre ich weniger begeistert. Samstag wurde im Ort gefeiert, es gab einen Umzug, ab mittags Musik auf dem Marktplatz und abends ein Konzert. Dem Trommel-Konzert haben wir aus dem Cockpit gelauscht. Nachts wurden wir dann mal wieder überrascht, wir hatten nach einem solchen Tag mit einer unruhigen Nacht gerechnet, doch es war ungewöhnlich ruhig.
Wir gingen Sonntagmorgen Anker auf, unser Ziel war Aratu, an Bord von Mari auch die Bucht der zwei Papageien genannt (für Blitzmerker: Ara two…). Auf dem Weg dorthin konnten wir sehr schön segeln und der Strom spülte uns die letzten Meilen durch die gewundene Einfahrt in die große Bucht. Die Einfahrt ist nicht romantisch, aber sehr abwechslungsreich. Da gibt es einen großen Marinehafen mit Trockendock, eine Pier wo Chemietanker anlegen, eine Getreidepier und einen riesigen Parkplatz mit lauter neuen Fords. Dazwischen genießen die Brasilianer an kleinen Stränden, die Chemietanks im Rücken (dann sieht man sie nicht), den Sommer. Die Bucht selbst ist recht grün, es gibt einige Wracks, ein paar alte Industrieanlagen und zwei Yachthäfen. Wir entschieden uns für den Aratu Yacht Club, wo wir an einer Boje liegen durften. Es gibt einen Taxiservice der einen rund um die Uhr vom Boot abholt oder dahin zurück bringt. Sehr komfortabel. Im Clubrestaurant gibt es fantastische Steaks zu unglaublich niedrigen Preisen und wir fanden es sehr schön mal wieder in einem netten Yachthafen die Stege entlangzugehen. Im Aratu Yacht Club liegen fast ausschließlich Segelyachten, die meisten davon in sehr gutem Zustand.
Am Dienstag morgen zog es uns weiter, im Handbuch ist ein interessanter Ankerplatz beschrieben den wir uns ansehen wollten. In der Durchfahrt zwischen der Insel Bimbarra und der Insel Maria Guarda soll man schön ankern können. Wir stellen fest, dass sich seit der Aufnahme des Fotos im Revierführer einiges geändert hat, auf Bimbarra gibt es nun eine edle Hotelanlage, die auf der einen Seite des anvisierten Ankerplatzes liegt, gegenüber, auf Maria Guarda ist inzwischen ein kleiner Ort entstanden, vor dem eine Handvoll Boote liegt. Wir müssten dazwischen in sehr tiefem Wasser ankern, von romantischem Plätzchen keine Spur. Außerdem gibt es eine Hochspannungsleitung, die in keiner Karte verzeichnet ist, wir wissen also nicht ob wir drunter durch passen. Da uns der Strom auf die Enge zu schiebt beschließen wir es nicht zu testen, und kehren um. Trotzdem wollen wir uns noch die Westseite Maria Guardas und die benachbarte Ilha Vaca ansehen. Maria Guarda sieht ganz nett aus, Ilha Vaca ist tatsächlich, bis auf ein altes Haus an der Südspitze, unbebaut. Trotzdem entscheiden wir uns an den bewährten Ankerplatz zwischen Ilha do Frade und Bom Jesus zu legen. Das Wetter ist merkwürdig, wir haben kräftigen Südwind und keinen Wetterbericht. Später sind wir froh über diese Entscheidung, der Wind dreht auf Nord, das wäre eine unruhige Nacht geworden. Als wir um Mitternacht noch einmal raus gucken bekommen wir einen Schreck, wenige Meter hinter uns ist eine Sandbank aufgetaucht. Wir haben Springzeit, das Hochwasser ist besonders hoch und das Niedrigwasser ist besonders niedrig, zu dem hat der Nordwind das Wasser aus der Bucht gedrückt. So sehen wir diese Sandbank das erste Mal, obwohl wir schon öfter an dieser Stelle geankert haben.
Wir genießen es noch einmal ausgiebig zu baden, lassen uns vom warmen Wasser treiben und schwimmen immer mal wieder ums Schiff. Ilha do Frade bietet eine schöne Kulisse, sie ist mit altem Wald bewachsen, tief grün und voller Vögel. Leider wird auch auf dieser Insel tüchtig gebaut, dass ein Steg und eine Mauer gebaut werden hatten wir das letzte Mal bereits gesehen, jetzt mussten wir feststellen, dass sich eine Schneise über die Insel zieht, die von LKWs befahren wird, die Sand bringen. Im Prinzip können wir verstehen, dass die Menschen hier an der Nähe zur Großstadt verdienen wollen, doch trotzdem ist es traurig zu sehen, wie die Natur zerstört wird. Auf vielen der Inseln und auch am Fluss Rio Paraguacu gibt es Hotelprojekte, die fast alle leer zu stehen scheinen, ob es keine Gäste gibt, oder ob die Hotels niemals eröffnet haben, konnten wir bisher nicht erfahren. Sicher ist nur, sind die Mangroven einmal abgeholzt, fehlen sie als Schutz für den Fischkindergarten und als Lebensraum für die vielen Vögel, außerdem muss das Ufer befestigt werden, sonst wird der Sand weggespült. Vielleicht sehen wir, wenn wir in ein paar Monaten wieder dort ankern, was aus den Bauprojekten geworden ist.
Am Donnerstag ging es nach Ribeira, hier wird Mari im Yacht Club Angra dos Veleiros auf uns warten solange wir Brasilien verlassen müssen.
Während der letzten Tage am Anker sind wir mit dem Abarbeiten unserer Liste gut voran gekommen. Ein Jahr lang hat unser Wassermacher (Seewasser-Entsalzungsanlage) uns zuverlässig versorgt und 5000 Liter Trinkwasser für uns produziert. Da er in den nächsten vier Monaten nicht laufen wird, haben wir ihn konserviert. Dazu wird das ganze System samt der Membran mit einem Biozid gespült, worin die Umkehr-Osmose-Membran dann auch liegen bleibt. Laut Nobbi funktioniert es so, dass in der Biozid-Lösung lauter kleine Biologen sind, die durch die Membran marschieren und allem was bio ist, auf den Kopf hauen. So so. Es geht doch nicht über solides Fachwissen…
InternationAal
Der Internation Aal würde so gerne an den Olympischen Spielen teilnehmen. Doch für welches Land? Treiben Aale Sport? Wassersport oder Wintersport? Ein neuer Aal und lauter neue Fragen.
Ruhige Tage in der Bucht Todos os Santos
Nachdem wir aus Rio zurück gekommen sind, standen am Freitag Wäsche waschen und einkaufen auf dem Programm. Am Samstag besuchten wie die angeblich beste Eisdiele Salvadors. Das traditionsreiche Geschäft Sorveteria da Bahia besteht seit 1931 und bietet unzählige Sorten an. Mir gefiel Jackfruit, ich freue mich schon auf den nächsten Besuch. Mittags haben wir im Yachtclub bei Rosa gegessen, leider verstehen wir selten was wir bestellen. Die Soße und die Rindfleischstückchen im Eintopf waren lecker, die Brocken die wir als Pansen identifizierten, konnten wir vermeiden. Schüttel. Allerdings muss man sagen, ich hätte es nie bestellt, wenn ich gewusst hätte, was es ist und dann wäre mir die leckere Soße entgangen. Nachmittags ging es mit Hochwasser wieder über die Barre. Nach drei Stunden erreichten wir den Ankerplatz.
Wir ankern wieder südöstlich von Bom Jesus. Als wir um die Ecke kommen liegen hier schon 12 Yachten. Was woanders ganz normal ist, ist hier die Ausnahme, meistens haben wir die Ankerplätze für uns. Im Laufe des Sonntags gehen alle anderen Boote Anker auf und abends sind wir wieder allein. Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang auf Bom Jesus. Gerade wir eine Promenade gebaut, die irgendwann ganz um die Insel führen soll, das wird sicherlich schön. Die Inselbewohner nutzen den Sonntag für Picknicks und gehen baden. Es gibt viele rot blühende Flammbäume, die Schatten bieten. Leider ist viel Plastikmüll auf der Insel unterwegs und auf dem Weg ins Meer. Auch Bom Jesus ist ein Ferien- und Wochenendinsel, neben den Bewohnern treffen wir viele die sich am Nachmittag mit ihren Taschen auf den Weg zum Fähranleger machen. Im Gegensatz zu Itaparica ist Bom Jesus keine schicke Ferieninsel, sondern eher für den kleineren Geldbeutel. Es gibt viele kleine Häuschen und es ist sehr stark bebaut, Bom Jesus muss eine unglaubliche Einwohnerdichte haben.
Am Montag segeln wir quer über die Bucht, in den Itaparicakanal. Wir ankern vor der Insel Matarandiba gegenüber des kleinen Wasserfalls Tororo. Abends rudern wir zum Wasserfall. Da fällt nix, ein paar Tropfen dröppeln aus den Bäumen in das Becken. In der Nacht regnet es, am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg zum Wasserfall. Noch immer ist er nicht beeindruckend, aber nun tropft es stärker und unten gibt es immerhin ein kleines Rinnsal. Der kleine Strand ist sehr schön, das Wasser zwischen den Mangroven ist glasklar und der ganz feine Sand schmeichelt den Füßen. Wir beobachten einige Zeit den Fischkindergarten, der sich zwischen den Mangroven tummelt, bevor wir wieder zu Mari rudern. Der Ankerplatz gefällt uns auch ohne Wasserfall, nachts ist es unglaublich ruhig, es gibt keinen Schwell und wir erfreuen uns an Papageien, Ibissen und Geiern. Mittwochnachmittag ziehen wir nach Itaparica um. Wir genießen das Segeln auch wenn wir nach zehn Meilen schon ankommen. Wir müssen dringend einkaufen, zum ersten mal seit unserer Abreise in Bremen sind uns die Zwiebeln ausgegangen. Wurst und Käse finden wir nicht, außer Zwiebeln kaufen wir Brot, Ananas, Paprika, Tomaten, Mangos und Acerolas. Die roten Beeren lassen sich kaum lagern, wollen also schnell verarbeitet werden. Bei uns an Bord wandern sie mit Wasser in den Mixer und ergeben ein leckeres Getränk.
Wir genießen die Zeit am Anker, baden viel und bereiten unsere Abwesenheit vor. Unsere Mari ist noch immer gut in Schuss und soll es auch bleiben. Einige Kleinigkeiten sind auf der Liste, wir haben ein paar Schrauben ersetzt, ein paar Haushaltsaufgaben, die Vorhänge sind schon gewaschen, und einige typische Instandhaltungsarbeiten stehen an. Die letzten Tage haben wir damit verbracht Rumpf und Deck zu waschen, gelbe Flecken zu entfernen und alle Flächen zu wachsen. Das Auspolieren des Wachses ist ein Knochenjob und wird nicht einfacher, wenn man neben dem Schiff im Beiboot hängt, mit einer Hand das Beiboot an den Rumpf zieht und mit der anderen poliert. Wir sind fast fertig, unsere Lady glänzt wieder und bei dieser Sonneneinstrahlung braucht auch ein Boot etwas Sonnencreme. Ich spüre einen stechenden Schmerz in der Schulter, Nobbi motiviert mich mit der Aussicht auf neue Schuhe. Was tut man nicht alles für sein Boot und neue Schuhe. Aber wenn ich noch einmal gefragt werde, ob ich mich an Bord aktiv beteilige, sehe ich mich gezwungen den Fragesteller zu erwürgen.
Heute Morgen tummeln sich Delfine in der Ankerbucht. Jetzt zum Wochenende füllt sich der Ankerplatz, morgen soll hier ein großes Fest statt finden. Vielleicht bleiben wir noch etwas, bevor wir weiter ziehen. Es gibt noch zwei Ankerplätze die wir gerne besuchen würden, bevor wir Mari Anfang Februar in den Hafen in Ribeira legen.
Rio de Janeiro
Am Montag geht es früh los. Sehr früh. Der Wecker klingelt um eins. Ein Angestellter der Marina fährt uns zum Flughafen, das hat die Sekretärin für uns vereinbart. Der Flieger startet überpünktlich und um halb neun Ortszeit sind wir in Rio. Im Hotel angekommen, stellen wir überrascht fest, dass wir bereits in unser Zimmer einziehen dürfen und stellen unser Gepäck dort ab. Wir wohnen in Copacabana, ganz klar, es geht zuerst an den berühmten Strand. Beim Mittagessen beschließen wir uns den botanischen Garten anzusehen. Der Besuch lohnt sich. Der Garten wurde 1808 angelegt und einige der Königspalmen, die die Hauptallee säumen, sollen noch aus dieser Zeit stammen. Wir spazieren durch den sehr schönen Park, lernen wieder neue Pflanzen kennen, Nobbi muss einige Vorträge seiner Hausbotanikerin anhören und wir entdecken spannende Tiere. Ein Ameisenvolk transportiert große Blattstücke und ein Tukanpaar sorgt für Nachwuchs. Der lange Tag endet mit einem Sundowner am Strand mit Copacabana Ausblick.
Am Dienstag werden wir morgens zur Stadtrundfahrt abgeholt, sie gehört zu unserem Reisepaket. Als erstes geht es auf den Zuckerhut. Wir haben Glück, morgens ist es noch ziemlich leer und wir können in Ruhe den Ausblick genießen. Dann geht es kreuz und quer durch die Stadt, vorbei am Maracana-Stadium, den größten Farvelas, den bekanntesten Stränden, modernen und historischen Gebäuden und dem Sambadrom. Unsere etwas anstrengende Reiseleiterin (oder Reiseleiter? da sind wir nicht sicher) versorgt uns mit Informationen. Irgendwann wundere ich mich, dass ich das Portugiesisch manchmal richtig gut verstehe. Dann stellen wir fest, dass sie mit der bolivischen Familie Spanisch spricht… . Mittags essen wir in einem Steakhaus. Innerhalb von zwanzig Minuten kann man hier locker den Wochenverbrauch an Fleisch einer deutschen Familie wegputzen. Wir geben früher auf. Nachmittags steht der Corcovado auf dem Programm, der Berg auf dem die Christusstatue steht. Mit einer kleinen Bahn geht es durch das Naturschutzgebiet nach oben, auf der Fahrt sehen wir eine Truppe kleiner Affen und ein Faultier! Der Corcovado ist mit seinen 711 m deutlich höher als der 396 m hohe Zuckerhut. Von hieraus kann man die gesamte riesige Stadt überblicken. Die Stadt hat etwa 7 Mio. Einwohner, der Großraum Rio wohl zwischen 13 und 17 Mio. Die grünen Hügel, die nur nicht bebaut sind, weil sie so steil sind, gliedern das Häusermeer. Wir genießen die Aussicht und bestaunen die Auswüchse des Selfiemachens. Für das perfekte Fotos legt man sich schon mal unter die Christusstatue, auch wenn andere dann über die Haare laufen. Zum Ende unserer Stadtrundfahrt lernen wir, dass auch Brasilianer sich gelegentlich für ihre Landsleute schämen, als unsere Reiseleiterin einige sehr schlechte Witze macht und beginnt zu singen, entschuldigen sich gleich mehrere Brasilianerinnen bei uns. Abends spazieren wir durch Copacabana. Bei Einbruch der Dunkelheit werden noch mehr Stände auf den Straßen und am Strand eröffnet, außerdem treffen sich die Sportler. Es wird Volleyball und Fußball gespielt und sich zum Crossfit und Yoga getroffen. Wir trinken Caipi und gucken zu.
Mittwoch nehmen wir die Metro in Richtung Centro. Unserer Reiseführer schlägt einen Spaziergang vor, den wir als groben Anhaltspunkt für unsere Route wählen. Wir kommen am prächtigen Theater vorbei, gucken in mehrere Kirchen und laufen durch kleine Gassen und große Straßen. Wir besuchen die königliche portugiesische Bibliothek, die 1837 erbaut wurde und 350000 Bücher beherbergt. Der Lesesaal ist ein wunderschöner Raum mit einem buntem Oberlicht. In der „Confeitaria Colombo“ machen wir eine Pause. Das Café ist von 1894 und ein schöner Ort für eine Tasse Kaffee und einen Brigadeiro, die brasilianische Antwort auf die Rumkugel, ohne Alkohol aber genau so viele Kalorien. Auf der Suche nach einem Kulturzentrum, das in einem Palast untergebracht sein soll, stolpern wir über den „Palacio Tiradentes“. Ich steige die Stufen zum Portal hoch, um herauszufinden um was für ein Gebäude es sich handelt. Eine junge Frau fängt mich ab, ob ich eine Führung mitmchen möchte, vielleicht auf Englisch? Klar wollen wir. Bis 1960 war der Palacio das Gebäude des Nationalkongresses, seit Brasília die Hauptstadt ist, tagt hier die Versammlung des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die nette Führung bringt uns nicht nur das Gebäude näher, wir erfahren auch einiges über die brasilianische Demokratie und die Geschichte der Stadt. Am Marinehafen schauen wir aufs Wasser und finden in einer kleinen Straße ein niedliches Restaurant fürs Mittagessen. Den Abend nutzen wir wieder für einen ausgiebigen Copacabana Spaziergang.
Donnerstag haben wir noch Zeit für einen Spaziergang und ein frühes Mittagessen, bevor es zurück zum Flughafen geht. Abends um sieben sind wir wieder an Bord unserer Mari.
Rio hat uns gut gefallen und ist einen Besuch wert. Brasiliens Süden ist wesentlich wohlhabender als der Norden, diesen Unterschied spürt man auch zwischen Rio und Salvador. Auch in Rio gibt es viele Ruinen und baufällige Häuser, doch die touristisch interessanten Gebäude sind sehr viel besser erhalten als in Salvador. Für uns war es schön für einige Tage in einer Gegend zu wohnen, wo wir zu Fuß unterwegs sein konnten. In Salvador ist das, je nach Liegeplatz, nur tagsüber oder nur in einem kleinen Bereich möglich. Wir haben das Gefühl, wir hätten uns in Rio abgekühlt, dabei war es heißer als in Salvador. Ein klimatisiertes Hotelzimmer (wir haben die Klimaanlage auf 27 Grad gestellt) war eine nette Abwechslung, auch das eigene Bad mit unbegrenzt Duschwasser haben wir genossen. Natürlich wäre ein Foto von Mari vor dem Zuckerhut toll gewesen, doch der Törn nach Rio und wieder zurück passt schlecht zu unseren Plänen. Wir sind mit unserer Stippvisite per Flieger rundum zufrieden.
Brasilianische Besonderheiten, Merkwürdigkeiten und Beobachtungen
In den fast acht Wochen, die wir nun in Brasilien sind, sind uns einige Dinge aufgefallen. Hier die nicht vollständige, sehr subjektive Liste von Beobachtungen die wir in Recife und Salvador gemacht haben.
- Musik ist überall. Die Größe der Boxen und die Lautstärke der Musik ist häufig umgekehrt proportional zur Länge des Bootes. In jedem Alter ist es völlig normal mit einer kleinen Box um den Hals oder in der Hand durch die Gegend zu laufen.
- Nasse Badekleidung wird nicht gewechselt. Man lässt sie an, zieht eventuell etwas drüber (eher etwas sehr dünnes, wenig bedeckendes) und geht nass ins Restaurant in Strandnähe oder steigt nass in den Bus oder ins Auto.
- Brasilien ist das Land der Vielfalt. Das gilt nicht nur für Tierarten und Landschaften sondern auch für Getränkedosen, es gibt sie in jeder Größe. Zur Zeit auf Marisol 200, 269, 335, 440, 500 und 600 ml. Das ist nur eine kleine Auswahl, es gibt auch 550 ml oder 473…
- Getränke werden kalt serviert. Sehr kalt. Bier lagert häufig in der Kühltruhe und ist schon mal zum Teil gefroren. In netten Restaurants wird die angebrochene Bierflasche auf Eis in einen Sektkühler gelegt, in einfacheren Restaurants in Thermohüllen gesteckt, oder in Styroporboxen mit Eis (das erinnert dann sehr an Laborarbeit).
- Wer keine Musik spielt, siehe oben, singt selbst. Ob im Supermarkt, beim Duschen unter dem Gartenschlauch auf dem Steg, auf dem Fahrrad oder beim Spazierengehen, einer singt immer.
- Für Bikinis gilt: weniger ist nichts. Die Bikinis sind extrem knapp, ganz egal welche Figur darin steckt. Es gibt auch Badeanzüge, allerdings haben die mehr Löcher als Stoff. Für Kinder gilt das nicht. Bei Kindern wird sehr auf UV-Schutz geachtet, Badeanzüge haben häufig lange Ärmel und kleine Jungs baden oft im T-shirt.
- Aussehen und Schönheit sind sehr wichtig. Nicht nur, dass Frau stets gut gestylt ist, Laserstudios gibt es an jeder Ecke, genauso wie Schönheitssalons und Waxing- Studios. Viele Erwachsene tragen Zahnspangen und brasilianische Schönheitschirurgen sollen die besten der Welt sein, da sie so viel Übung haben….
- Essen und Bier werden in der Regel geteilt. Bestellt man Bier, bekommt jeder ein Glas und die Flasche Bier wird geteilt. Ist sie leer, kommt die nächste Flasche. Wenn man etwas zu Essen bestellt, bekommt automatisch jede Person am Tisch einen Teller. Die Portionen sind reichlich bis riesig.
- Wenn Musik gespielt wird, also immer, wird auch getanzt. Neulich haben alle Menschen an der roten Ampel getanzt bis diese auf grün sprang.
- Angst vor Katzen scheint verbreitet zu sein. Laufen im Restaurant Katzen unter den Tischen herum, klettern nicht nur kleine Kinder, sondern auch schon mal erwachsene Frauen auf den Stuhl.
- Ausgetrunkene Bierflaschen werden im Restaurant unter den Tisch gestellt. So gibt es keine Diskussion wie viele Flaschen Bier getrunken wurden.
- Fahrradfahren ist in! Zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel von 4 bis 6 Uhr (ja genau, morgens) und sonntags, ist in vielen Bereichen die linke Spur für den Autoverkehr gesperrt. Fahrradfahrer haben freie Fahrt.
- Das Essen war bisher fast immer ausgesprochen gut. Rindfleisch, aber nicht nur, können die Brasilianer. Argentinien wird sich anstrengen müssen.
Wir haben in Salvador ganz viel Zeit
Die Anfragen, ob wir immer noch in Salvador sind und wann wir weiterfahren mehren sich, Zeit für eine kleine Vorschau.
Auf den Kanaren haben wir erstmals begonnen einen konkreten Reiseplan aufzustellen. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, allerdings unterliegen Segler auch gewissen Saisons. Im (Nord-)Sommer zum Beispiel ist die Karibik Hurrikan bedingt no-sail-area. Letztlich haben wir vier Routen als grobe Planung für 2018 gebastelt. Nachdem wir die Durchschnittstemperaturen von Punta Arenas (Süd-Chile) nachgeschlagen haben, ist die Süd-Südamerika-Route ausgeschieden. Schließlich haben wir uns entschieden, in die klassische Kanaren-Karibik-Route (ob mit oder ohne Kap Verden) eine ausführliche Brasilienschleife einzubauen.
Leider dürfen wir nur 90 Tage in Brasilien bleiben, das ist uns zu kurz, deshalb haben wir beschlossen uns zweimal 90 Tage Brasilien zu gönnen. Von unseren ersten 90 Tagen sind jetzt 53 Tage um, dann müssen wir ausreisen. Anders als in vielen anderen Ländern reicht es nicht, nur einmal die Grenze zu überqueren. Wir dürfen erst nach 90 Tagen wiederkommen. (Ganz genau dürfen wir 90 Tage innerhalb von 180 Tagen bleiben).
Da wir den südlichsten Punkt unserer geplanten Segelroute bereits erreicht haben, haben wir so viel Zeit die Bucht Todos os Santos und Salvador zu erkunden. Mari wird hier in Salvador bleiben wenn wir Brasilien verlassen. Während unseres zweiten Brasilienaufenthalts werden wir dann nach Norden segeln und Brasilien in Richtung Französisch Guayana verlassen.
Brasilien ist ein riesiges Land, in dem es unglaublich viel zusehen gibt, nicht nur an der Küste. Wir planen noch einige Ausflüge, werden es aber trotzdem nicht schaffen alle Highlights dieses tollen Landes zu besuchen.
Rio wollen wir nicht auslassen, auch wenn wir uns entschlossen haben, es nicht mit dem Boot zu besuchen. Deshalb wechseln wir das Verkehrsmittel und fliegen am Montag nach Rio. Gefühlt ist es gar nicht mehr weit, das liegt aber daran, dass Brasilien so riesig ist. Der Flug von Salvador dauert zwei Stunden.
Am Donnerstag sind wir von Itaparica nach Ribeira gesegelt, in der Hoffnung hier einen Platz zu finden, an dem Mari sicher liegt, während wir Rio unsicher machen. Dabei haben wir nicht daran gedacht, dass Lavagem de Bomfin ist, eine riesige Prozession quer durch Salvador, die hier in der Nähe endet. Trotzdem hatten wir Glück, haben einen Platz gefunden und Mari kann bleiben. Nachmittags haben wir uns ins Getümmel gestürzt und uns die vielen Pferde angesehen, die auch zur Prozession gekommen waren und mit denen fröhlich auf der Straße galoppiert wurde, entgegen der Fahrtrichtung versteht sich.
Gestern waren wir im Reisebüro um unsere Tickets abzuholen. Das war an sich unspektakulär, doch die Fahrt hatte es in sich. Wir hatten beschlossen den Bus zu nehmen und haben auch ziemlich schnell einen Bus mit dem richtigen Ziel gefunden. Im dichten Verkehr kam der Bus nur langsam voran. Wir waren schon über eine halbe Stunde unterwegs, als der Bus kaputt ging. Niemand hat geschimpft oder sich aufgeregt. Alle sind ausgestiegen, der Busfahrer hat andere Busse angehalten und dafür gesorgt, dass alle einsteigen dürfen ohne noch einmal zu bezahlen. Wir hatten mal wieder Glück mit den netten Brasilianern. Eine nette Frau hat sich darum gekümmert, wo wir hin wollen, dem Busfahrer Bescheid gesagt, dass wir nichts verstehen und welches Ziel wir haben, und schließlich haben uns gleich mehrere Leute in den richtigen Bus gewinkt. Letztlich haben wir eineinhalb Stunden für die Hinfahrt gebraucht, dabei unterschiedlichste Wohngegenden besichtigt und uns wieder über die brasilianische Hilfsbereitschaft gefreut.
Heute und Morgen tüddeln wir am Boot rum und packen unser kleines Gepäck. In der Nacht zu Montag geht es nach Rio. Wir freuen uns auf die spannende Stadt und auf ein Hotelzimmer mit eigener Dusche!
Itaparica
Inzwischen liegen wir in Itaparica vor Anker. Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie viele Inseln es in der Bucht Todos os Santos gibt. Die Zahlen schwanken zwischen 30 und knapp 60. Vermutlich hängt es davon ab, ob man bei Hoch- oder bei Niedrigwasser zählt. Auf jeden Fall ist Itaparica die größte Insel und eine beliebte Ferieninsel, auf der viele (reiche) Salvadorianer ihr Wochenendhaus haben. Direkt hinter der Marina vor der wir ankern, gibt es die Fonte da Bica, eine Quelle. Hier kann man sich das Mineralwasser in Kanister oder Flaschen abfüllen, auch wir füllen unsere Wasserkanister.
Das vergangene Wochenende haben wir auf dem Fluss verbracht. Am Samstag waren wir morgens wieder auf dem Markt und am Sonntag haben wir das Dorfleben auf dem Platz am Hafen genossen. Auf dem Markt haben wir eine nette Begegnung, ein alter Mann spricht uns an. Er weiß, dass wir mit einem Segelboot da sind und erzählt uns von der Zeit, in der er auf einem Saveiro gesegelt ist. Sonntagnachmittag finden sich nach und nach alle auf dem großen Platz ein. Die Mädchen spielen Fußball, die Jungs spannen sich eine Slackline, der Popcornverkäufer eröffnet seinen Stand, unter den großen Bäumen wird gegrillt und die Jugendlichen ziehen sich auf die lange Mole zurück. Wir haben eine leckere Pizza gegessen. Wieder hat uns der Rio Paraguacu und Maragogipe gut gefallen, vielleicht kommen wir wieder.
Am Montag ging es mit dem Strom flussabwärts und nach Itaparica. Der beliebte Ankerplatz ist gut geschützt und das Wasser lädt zum Baden ein. Am Wochenende soll es hier voll werden, jetzt treffen wir einige Langfahrer, die schon länger hier liegen, überfüllt ist es jedenfalls nicht.
Gestern sind wir durch den Ort spaziert, immer auf der Suche nach Schatten. Es ist ziemlich warm und die Sonne verbrennt einen erbarmungslos, wenn man nicht aufpasst. Hier gibt es eine Menge schöner Häuser, ich habe mein Lieblingshaus schon gefunden. Ich befürchte mein Bankkonto und mein Traumhaus passen nicht zueinander, ich brauche also nicht überlegen, ob ich das Seglerleben hier aufgebe. Nachmittags ist Niedrigwasser, so bietet sich die Gelegenheit einen Spaziergang auf einer Sandbank zu unternehmen. Wir entdecken tausende kleiner Krebse, die alle eine große und eine kleine Schere haben. Die meisten Krebse haben links die große, rechts die kleine Schere, etwa 10 % der Population hat jedoch rechts die große Schere. Sehr interessant. Egal auf welcher Seite die Schere, die Krebse wollen nicht fotografiert werden und ziehen sich in ihre Löcher zurück wenn wir ihnen zu nahe kommen.
Ein Segler den wir auf dem Steg treffen will alles über unser Bananaboot wissen und erzählt uns, dass der Ankerplatz bei No
rdwestwind gefährlich ist. Da wir, aufgrund unserer Portugiesischschwäche, nicht sicher sind, ob es sich um eine allgemeine Warnung oder einen aktuellen Wetterbericht handelt, beschließen wir, dass es Zeit für einen aktuellen Wetterbericht ist. Bei den gleichbleibend schönen Wetter vergisst man nur zu leicht, dass sich auch hier das Wetter ändern kann. Unser Sturmglas langweilt sich und ist seit Wochen klar, doch darauf allein wollen wir uns nicht verlassen. Leider hat unser brasilianisches Handy mal wieder keinen Empfang, also suchen wir uns eine Bar mit Internet und fragen bei der Bestellung nach dem Passwort. Der Blick auf den Wetterbericht gibt Entwarnung, wir genießen unsere Drinks, die Aussicht von der Terrasse und freuen uns über schnelles Internet. Irgendwann fällt uns auf, dass die aufziehenden Wolken doch sehr dunkel sind. Wir zahlen, rudern zurück zu Mari und schließen unser Bananaboot an. Kaum sind wir beide unter Deck beginnt es zu regnen, wir sind keine Minute zu früh aufgebrochen. Auch heute Morgen haben einige kräftige Schauer das Boot gewaschen, jetzt ist es wieder sonnig und heiß.
Sao Felix und Cachoeira
Die beiden Orte liegen einander an den Ufern des Rio Paraguacu gegenüber. Wir besuchen sie nicht mit dem Boot, der Fluss ist hier viel zu flach für uns. Wir nehmen von Maragogipe aus den Landweg. Der Wecker klingelt um sechs, wir baden, frühstücken, rudern an Land und laufen zur Stadtmitte. Am Busbahnhof rührt sich nichts, doch wir finden einen Taxifahrer, der uns für umgerechnet 10 Euro nach Sao Felix bringen will. Der Preis erscheint uns günstig und umso länger wir unterwegs sind, umso sicherer sind wir, dass wir ihn falsch verstanden haben. Die Landschaft, durch die sich die löchrige Straße schlängelt, besteht aus einer endlosen Zahl kleiner grüner Hügel. Auf den Hügeln wachsen Bäume, Sträucher und Palmen. Auf den vielen Weiden stehen hellgraue Rinder, Esel, Pferde und Ziegen. Zwischen den Hügeln gibt es kleine Höfe, darunter einige Schmuckstücke. Der Taxifahrer macht einen Umweg, um uns einen kleinen Ort zu zeigen und den Ausblick auf den Fluss zu ermöglichen. Zwischendurch hält er, um Jambos zu kaufen. Wir dürfen probieren, die kleinen roten Früchte erinnern im Geschmack etwas an Birnen. Nach 40 Minuten erreichen wir Sao Felix, tatsächlich kostet die Taxifahrt 10 Euro. Anscheinend sind nicht nur wir mit dem Preis zufrieden, der Taxifahrer bietet an zu warten und uns auch zurückzufahren.
Wir besuchen das Centro Dannemann. Der Bremer Kaufmann Geraldo Dannemann eröffnete hier 1873 seine Zigarrenfabrik. Die Region Mata Fina bietet gute Bedingungen für den Tabakanbau. Die frühere Zigarrenfabrik wurde renoviert, heute wird in diesen Räumen nur noch eine Zigarrenlinie in Handarbeit produziert. Der Tabak wird weiter in der Region angebaut, ein Teil der Zigarren auch hier produziert, die Zigarillos zum Beispiel werden jedoch in Deutschland hergestellt. Wir bekommen eine Führung und lernen den Weg vom Tabaksamen bis zur Zigarre kennen. Es ist interessant, wie unterschiedlich die (fermentierten) Blätter einer Pflanze riechen, je nachdem ob sie oben oder knapp über dem Boden gewachsen sind. Natürlich gehen wir nicht ohne Zigarren zu kaufen. Zu unserer Bootsausstattung gehört nun auch ein Zigarrenkistchen mit unserem Schiffsnamen. Dannemann setzt sich für den Erhalt der Mata Atlantica ein und unterstützt die Wiederaufforstung. Der Atlantische Regenwald bedeckte früher diese Region, nur noch etwa 5% der Fläche sind erhalten. Uns gefällt das Projekt und wir adoptieren einen Baum.
Sao Felix und das gegenüberliegende Cachoeira werden durch eine interessante Brücke, die sich Eisenbahn und Autoverkehr teilen müssen, miteinander verbunden. Angeblich war diese Brücke für den Nil bestimmt, landete aber hier. Ob diese Geschichte stimmt? Zumindest gefällt sie mir. Cachoeira ist eine hübsche kleine Stadt mit einer Vielzahl alter, schöner Häuser aus der Kolonialzeit. Natürlich hat sie auch mehrere Kirchen und einen Konvent, sowie ein knapp 200 Jahre altes Krankenhaus. Heute ist es ein Segen, dass anscheinend das Geld fehlte diese Häuser abzureißen und durch moderne zu ersetzen. Es gibt einige Ruinen, aber auch sehr viele frisch renovierte Häuser aus dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir entfliehen der Mittagshitze und finden ein schattiges Restaurant am Fluss.
Unser Taxifahrer bringt uns wieder nach Maragogipe, diesmal mit einem Umweg über ein anderes Dorf, und auf dem Fussweg zum Hafen stürzt Nobbi sich gleich ins nächste Abenteuer, er geht mal wieder zum Friseur. Wir kehren in unserem Stammlokal am Hafen ein, hier habe ich Gelegenheit die zweite neue Frucht des Tages zu testen und gönne mur ein Umbu-Eis. Umbu schmeckt nach einer Mischung aus Stachelbeere und Mirabelle und gefällt mir sehr. Gerade hatte ich beschlossen in Brasilien nur noch Acai-Eis zu essen, das finde ich auch so lecker, da muss ich meinen Entschluss überdenken.
Nach diesem ereignisreichen Tag rudern wir zurück zu Mari, setzen uns ins Cockpit und sehen der Sonne beim Untergegen zu.
Noch mehr Kirchen und endlich wieder segeln
Am Dienstag wollten wir eigentlich den Hafen verlassen. Beim Frühstück besprechen wir was wir erledigen wollen bevor wir losfahren und beschließen daraufhin noch einen Tag dran zu hängen. Auf dem Weg zum Volvo Service kommen wir an der Kirche Nossa Senhora do Concepcion da Praia vorbei. Bisher war sie immer geschlossen, wenn wir sie von innen sehen wollten nun haben wir Glück. Wir besichtigen die große, gut erhaltene Kirche, die einige schöne Details aufweist. Bei Volvo bekommen wir einen neuen Impeller für die Kühlwasserpumpe, einen Ersatz für das Ersatzteil was Nobbi letzte Woche eingebaut hat. Den Simmering bekommen wir nicht, das ist nicht schlimm, wir haben noch einen in Reserve. Nachdem wir unser Telefonguthaben aufgeladen haben, nehmen wir den Aufzug in die Altstadt und suchen nach einem Zigarrenladen. Wir glauben einen gesehen zu haben, sind aber nicht sicher wo. Den Laden finden wir nicht, aber eine Reiseagentur in der wir uns nach Ausflügen erkundigen. Der Angestellte spricht sehr gut Englisch und gibt uns zunächst Tipps für unsere nächste Brasilienreise. Wir sollen unbedingt nach Bonito reisen, er zeigt uns Bilder im Internet. Er liebt sein Brasilien und begeistert uns. Leider ist Bonito nicht um die Ecke, es liegt an der Grenze zu Paraguay.
Wir nutzen die Gelegenheit und sehen uns die Kirche Sao Francisco an. Das kommt euch bekannt vor? Uns auch. Die Franziskaner waren hier sehr aktiv. Es gibt zwei Kirchen die Sao Francisco heißen unmittelbar neben einander. Das ist verwirrend, zumal beide neben einem Kreuzgang mit Azulejos liegen. Falls wir das richtig verstanden haben gehörten sie zeitweise zum gleichen Klosterkomplex in dem Mönche und Nonnen lebten. Diese Kirche und dieser Teil des Konvents wurde zwischen 1705 und 1750 erbaut. Die Kirche ist ein barocker Traum in Gold. Fast das gesamte Innenraum ist von vergoldeten Schnitzereien bedeckt. Mir gefallen ganz besonders die nicht vergoldeten Holzgeländer mit ihren Gesichtern, Masken und Tieren. Der Kreuzgang ist auch hier mit Azulejos aus Portugal geschmückt. Dargestellt sind Szenen nach dem Vorbild eines Flämischen Malers und behandeln moralische Grundsätze zu Themen wie Neid, Habgier, Macht und Tod. Einige Darstellungen sind mir zu grausig, das entsprach wohl dem Zeitgeschmack, andere sind noch immer gültig, wie zum Beispiel, dass wir alle sterben, ob arm oder reich.
Der Abend beginnt ganz harmlos mit einer Kokosnuss an Bord von Maramalda und endet erst viele Stunden später.
Am Mittwoch verabschiedeten wir uns von der Stadt und legten uns nördlich der Ilha do Frade an den Anker. Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wo wir hier in der Bucht herumsegeln, habe ich eine Karte gemalt. Diese findet ihr in den Fotos von heute und künftig auch unter „Route“. Mit achterlichem Wind sind wir ziemlich langsam, aber sehr entspannt zu unserem Tagesziel gesegelt, haben gebadet und den ruhigen Abend genossen.
Donnerstagmorgen war es bedeckt. Die wohltuende Sonnenpause haben wir für etwas Getüddel an Deck genutzt. Dann ging es wieder auf den Fluss. Wir hatten tolles Segelwetter und segelten am Wind über die Bucht. Der Platz am Ruder war heiß begehrt, so viel Spaß hatten wir an der Segelei. Mari legte sich auf die Seite und wir freuten uns mal wieder über unser gut segelndes Boot. Unser Ehrgeiz war geweckt, wir wollten den Fluss hoch segeln. Es wurde getrimmt, jede Böe ausgenutzt und die Strömung genau beobachtet. Es klappte, erst kurz vor Maragogipe warfen wir den Motor an und ankerten an unserem alten Platz hinter der Jetty.
Frischer Aal
Nach langer Aalpause gibt es frischen Fisch von Mareike. Sie hat einen weihnachtlichen Aal unterm Tannenbaum entdeckt.









