Bomfin – das gute Ende

Bahia und insbesondere Salvador ist der Teil Brasiliens in das afrikanische Erbe besonders deutlich wird. Bis irgendwann vor 150 bis 100 Millionen Jahren Afrika und Südamerika auseinanderdrifteten, kuschelte sich Bahia tief in den afrikanischen Kontinent. Auch wenn das Bild der ineinanderpassenden Kontinente gerne in der Werbung benutzt wird, ist der kulturelle Einfluss Schwarzafrikas deutlich jünger. Zwischen dem 16. Und 19. Jhd. wurden bis zu fünf Millionen Afrikaner als Sklaven nach Brasilien verschleppt. Das Zentrum des brasilianischen Sklavenhandels war Salvador, die erste Hauptstadt Brasiliens (die zweite war Rio ab 1763 und die dritte dann Brasilia seit 1960). Die afrikanischen Wurzeln sind sicher am stärksten spürbar in Musik, Essen und Religion. Für uns ist diese Mischung Brasilien, denn wir kennen ja (bisher) kein anderes Brasilien.
Gestern haben wir die Bonfim-Kirche besucht, die Igreja do Nosso Senhor do Bonfim. Sie ist einer dieser Plätze an dem Katholizismus und Candomblé aufeinandertreffen. Die katholische Kirche ist aus dem 18. Jhd. und für die katholischen Bewohner die vielleicht wichtigste Kirche Salvadors. Gleichzeitig ist diese Kirche der Ort an dem die Fitinhas angeknotet werden und die Prozession Lavagem do Nosso Senhor do Bonfim endet. Der Katholizismus und der Candomblé existieren hier auf merkwürdige Art gleichzeitig, parallel und manchmal vereinigt, die vielleicht nur in Brasilien möglich ist. Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion. Die Sklaven brachten aus Afrika ihre Götter mit und weil sie ihre Religion nicht ausüben durften und in Brasilien zwangsgetauft wurden, wurden den katholischen Heiligen afrikanische Götter zugeordnet, die dann stellvertretend angebetet wurden. Gleichzeitig wurden Traditionen und Rituale im Verborgenen gepflegt. Soweit die Kurzfassung, die Wirklichkeit ist, wie immer, deutlich komplizierter. Man kann nicht durch Salvador laufen ohne einige der Götter zu treffen. Oxala, eine Art „Chefgott“ und Vater aller Götter, und Yemanja, die Herrscherin der Meere sind stark vertreten. Die beiden, aber auch andere Götter zieren unzählige Souvenirs. Es gibt viele Fischrestaurants die Yemanja heißen und die Meerjungfrauen Gestalt ist ein beliebtes Motiv. Zu Ehren Oxalas trägt man weiß, besonders freitags an seinem Lieblingstag. Allgegenwärtig sind in Salvador die Fitinhas, die bunten Bänder. Mit drei Knoten lässt man sie an sein Handgelenk binden, wenn das Band abfällt, gehen die Wünsche, an die man während des Knotens gedacht, hat in Erfüllung. Diese Bänder werden überall in Salvador verteilt. Sie sind ein Souvenir der Kirche, gleichzeitig sollen die Farben für verschiedene Götter des Candomblé stehen. Kompliziert. Der Zaun um die Bonfim-Kirche ist unter den Wunschbändern kaum noch zu erkennen.
Candomblé Feiertage sind fester Bestandteil der Kultur Salvadors, nicht nur bei den Anhängern dieser Religion, sondern auch vieler Katholiken. Überhaupt gibt es in Brasilien eine interessante Art der alltäglichen Religionspflege. Es gibt praktisch keinen LKW auf dem nicht Jesus oder Gott um Beistand gebeten wird, über so manchem Stringtanga-Bikini ist eine Maria oder eine Bitte an Jesus tätowiert und gleichzeitig trägt man Bekenntnisse zu Oxala oder Yemanja. Beistand, egal woher, kann nicht schaden. Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem Candomblé scheint zurückhaltend neutral. Wenn am zweiten Donnerstag im Januar hunderttausende weißgekleidete Menschen zur Kirche pilgern, Oxala ehren und die Kirchenstufen waschen bleibt das Portal jedoch geschlossen.
Die Bonfim-Kirche selbst ist im Vergleich zu anderen Kirchen Salvadors eher schlicht. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe, so dass man sowohl die Hochhäuser in Barra sehen kann, als auch über Ribeira. Neben der Sakristei gibt es ein Wunderzimmer, das ich ziemlich verstörend fand. Hier bittet oder dankt man für Wunder, insbesondere Heilungen von schwerer Krankheit. Unter der Decke hängen Wachsnachbildungen geheilter Körperteile. Nicht nur Arme und Beine baumeln von der Decke, auch Bäuche und Köpfe. Die Wände sind mit Bildern bedeckt. Menschen danken für das Kind, das doch noch gekommen ist oder die Heilung vom Krebs. Gerne mit Vorher-nachher-Foto. Was ich beunruhigend fand zieht viele Menschen an. Viele bitten hier um Zuspruch, lassen sich segnen und kaufen Weihwasser.
Neben den viele katholischen Kirchen und dem Einfluss von Religionen mit afrikanischem Ursprung, sieht man Versammlungsräume vieler protestantischer Sekten und Kirchen. Viele dieser Gotteshäuser sind nur durch das Schild von einer Lagerhalle zu unterscheiden. Auch da gibt es Ausnahmen und Kirchen, die gigantische Tempel errichten. Die größte Pfingstkirche Brasiliens ist Assembleia de Deus, deren Versammlungsräume wir überall gesehen haben. Einige der Kirchen in Ribeira haben wir fotografiert.

 

Im Süden ist sie nie zu sehen

Koffer und Segelboote sind nicht kompatibel. Wir haben also keinen Koffer in der Backskiste gestaut, doch nun sollen unsere Souvenirs und unzählige Bücher mit uns nach Deutschland reisen. Die Mission für gestern war es einen Koffer zu kaufen, in den die Bilder passen, die wir auf den Kap Verden gekauft haben. Bewaffnet mit einem Zollstock nehmen wir den Bus ins Zentrum und stellen fest, dass viele Läden geschlossen haben. Wir hatten angenommen an „Aschermittwoch sei alles vorbei“, doch ganze Stadtteile sind wir ausgestorben. Einen Koffer haben wir trotzdem bekommen, nach einem Spaziergang durch Pelourinho und einem ausgezeichneten Mittagessen haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Diesmal hat es mit dem Busfahren geklappt, auf Hin- und Rückweg sind wir ohne Zwischenfälle ans Ziel gekommen. Am Hafen haben wir die tolle Galerie an den Hafenschuppen fotografiert. Die meisten Kunstwerke sind von 1998, uns hat es gefreut, dass niemand in der Zwischenzeit auf die doofe Idee kommen ist sie zu verunstalten.
Gestern Abend, als wir auf der Terrasse saßen, erklang laute Musik, wir dachten es gibt eine Karnevalsnachfeier und sind ans Tor gegangen, doch es schob nur jemand seine Lautsprecherbox in der Schubkarre durch die Straßen. Brasilien.
Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen. Setzen sechs. Dieser Merksatz, den ich kürzlich in der Grundschule gelernt habe, gilt eben nur auf der Nordhalbkugel nördlich des Wendekreises. Für uns steht die Sonne mittags nun im Norden. Heute kulminiert sie um 12:14 Uhr auf 12°35´ S, wir befinden uns auf 12°55´S also südlich der Sonne.

 

Carnaval in Salvador

Wer denkt Rio sei die Karnevalshauptstadt, der irrt. Sagen die Baianos, die Einwohner Bahias. Der Carnaval da Bahia hier in Salvador ist der größte Straßenkarneval und eine der größten Partys der Welt. Das ist eigentlich nicht verwunderlich. Hier wird immer gefeiert, eine Party jagt die nächste, ein Grund wird sich schon finden. Ganz bescheiden wird die Party des Jahres mit „der beste Karneval des Planeten“ beworben. Das riesige Fest steigt an drei Hauptorten und unzähligen Nebenschauplätzen und dauert sechs Tage und Nächte. Karnevalszüge ziehen durch abgesperrte Straßen, die „Trios Eletricos“ sind große LKWs mit Lautsprecherboxen und einer Bühne, auf der die Bands spielen, begleitet werden sie von den tanzenden Fans in sogenannten „Blocos“.
Seit Wochen laufen die Vorbereitungen, die Ladenbesitzer an den Straßen, in denen der Karneval tobt, haben ihre Türen und Fenster verbarrikadiert. Viele Anwohner, die in den entsprechenden Vierteln wohnen, haben ihre Wohnungen vermietet. Wir haben viele Menschen nach dem Karneval gefragt und festgestellt, dass es hier viele gibt, die froh sind wenn der ganze Rummel vorbei ist. Unsere direkten Bootsnachbarn aber sind begeisterte Fans und haben uns gern Auskunft gegeben.
Ob Karneval in Salvador das Richtige für Leute ist, die bereits in Frankfurt auf dem Schweizer Straßenfest Platzangst bekommen? Das galt es herauszufinden. Als wir gestern Mittag auf der Terrasse des Yacht Clubs sitzen und unseren Karnevalsschlachtplan entwickeln, kommen Mauricio und Carmen vom Nachbarschiff vorbei. Sie wollen mit dem Taxi fahren, ob wir nicht mitkommen möchten. Das ist die Gelegenheit. Wir haben drei Minuten Zeit uns umzuziehen und schon geht es los.
Die beiden tragen das Kostüm ihres „Blocos“. Es gibt drei Möglichkeiten am Carnaval teilzunehmen. Man kann in einem Bloco einem Trio folgen, der Bereich wird durch Seile abgesperrt, die von hunderten Helfern getragen werden. Die Blocos sind Karnevalsgruppen die mit Musikgruppen auftreten, aber auch religiöse, gesellschaftliche oder politische Zugehörigkeit ausdrücken können. Wer sich nicht ins dichte Getümmel stürzen möchte, kann von einem Balkon das bunte Treiben beobachten. Diese Camarotes können als Tribüne am Straßenrand stehen oder auf einem zweiten Wagen dem Trio Eletricos folgen. Alle anderen sind als Pipoca, als Popcorn, unterwegs und feiern an der Straße und folgen dem Zug. Für die Blocos und die Balkons kauft man ein Ticket, als Eintrittskarte fungiert ein T-Shirt oder ein ganzes Kostüm. Carmen und Mauricio sind Teil des Blocos „Filhos (Filhas) de Gandhy“. Die Söhne Gandhis tragen aufwendige Kostüme mit Turban und Kopfschmuck (eigentlich ist es ein traditioneller Bloco in dem nur Männer laufen, es gibt jetzt aber auch Töchter Gandhis). Die meisten Blocos haben ein einfaches T-Shirt als gemeinsame Kleidung, die abada heißt. Die Shirts werden von den Teilnehmern, insbesondere von den Teilnehmerinnen dem persönlichen Geschmack angepasst. Die Shirts werden großzügig gekürzt, es werden Ärmel ergänzt oder zu Spaghetti-Trägern umgewandelt, Fransen geschnitten, der Rücken entfernt und neu geschnürt. Besonders Kreative verwandeln das Shirt in ein Kleid oder einen Bikini. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Als wir Barra erreichen beginnt es zu regnen, bevor wir den Karnevalszug erreicht haben sind wir klatschnass, doch dann klart es auf und wir trocknen schnell wieder. Wir finden einen super Standort ganz dicht am Zug, genießen die feiernde Menge, die ausgelassene fröhliche Stimmung und tanzen zur ohrenbetäubend lauten Musik. Es ist sehr bunt, sehr fröhlich und sehr laut!
Als norddeutscher Karnevalsmuffel muss ich zugeben, Carnaval in Salvador macht Spaß!

Hafentage sind Arbeitstage

Unsere Liste wird kürzer. Alles wird gecheckt, entsalzen und eingemottet. Das Vorsegel ist unter Deck verstaut, die Rollanlage wurde mit der Zahnbürste vom Sand der Kap Verden befreit, kleine Löcher im Gelcoat haben wir aufgefüllt und das Vorluk hat eine neue Persenning bekommen. Auch unangenehme Highlights, wie das Schmieren des Ruderlagers haben wir schon hinter uns gebracht. Gestern haben wir die große Backskiste ausgeräumt, nur wenn die Kiste leer ist, passe ich rein. Das Schmieren des Ruders mit der Fettpresse geht schnell, das Fett ist hinterher überall. Also Putzen und alles wieder einräumen. Nebenbei krempeln wir das Schiff um und sortieren unser Hab und Gut, einiges wird verschenkt, anderes wandert in die Mülltonne und auch der Stapel „kommt mit nach Deutschland“ wächst. Der Platz auf Mari ist begrenzt. Leider wird die Liste nicht nur kürzer. Gestern und Vorgestern standen Motorstreicheleinheiten auf dem Programm, Ölwechsel, Getriebeölwechsel, Getriebezug neu einstellen und Filterwechsel. Der Separfilter leistet ganze Arbeit, der dreckige brasilianische Diesel wird seinem schlechten Ruf gerecht. Motorarbeiten sind normalerweise Nobbis Revier (obwohl ich durchaus in der Lage bin einen Ölwechsel zu machen), meine Aufgabe ist die abschließende Besichtigung. Dabei stelle ich fest, dass eines der Motor-Gummilager gerissen ist, ein zweites angerissen. Das ist nicht gut. Gut, wenn man mal auf dem Bauch vor seinem Motors liegt. Ein neuer Punkt für die Liste. Nobbi überlegt bereits wie wir den Motor ausbauen können, falls es uns nicht gelingt die gleichen Motorlager zu bekommen. Ich würde gerne auf eine Wiederholung der Erfahrung „Motorausbau“ verzichten, einmal hat mir gereicht.
Trotz der langen Liste und einiger Rückschläge ist die Stimmung an Bord ausgesprochen gut. Die Rauchmelder wurden hoch professionell getestet und funktionieren. Gelegentlich hält uns ein Tropenschauer auf Trab. Einmal Wäsche abnehmen und Luken zu. Wenn man nicht schnell genug ist, wird die Wäsche erneut gespült. Meine Sportschuhe waren seit gestern schon dreimal fast trocken. Nach ein paar Minuten ist alles wieder vorbei. Heute Nacht um vier war es mal wieder so weit, wenn es durchs Vorluk ins Gesicht regnet, ist es Zeit aufzustehen und auch die Luken im Salon zu schließen. Wer gute Nerven hat kann noch kurz warten, ob der andere vielleicht aufsteht… . Anschließend versucht man schnell wieder einzuschlafen, schließlich kommt bereits um sechs das erste Party-Boot mit dröhnendem Samba-Rhythmus vorbei gefahren.
Heute Nachmittag machen wir eine Arbeitspause. Schließlich ist Carnaval in Salvador, die größte Party der Welt.

Chapada Diamantina

Chapada Diamantina ist ein Mittelgebirge mit gleichnamigem Naturschutzgebiet im Landesinneren. Auf der Karte in unserem Reiseführer liegt dieses grüne Juwel gleich westlich von Salvador. Wir dachten wir könnten dort „mal kurz“ hinfahren, tatsächlich braucht der Bus je nach Tageszeit sechs bis acht Stunden. Der Name verrät noch heute, dass hier in der Vergangenheit Diamanten abgebaut wurden.
Montagmorgen klingelte der Wecker um halb fünf, nach einer weckenden Tasse Kaffee geht es für uns zum großen Busbahnhof in Salvador. Dort steigen wir in einem bequemen Reisebus. Auf der Fahrt bekommen wir einen Eindruck vom Landesinneren. Nachdem wir Salvador hinter uns gelassen haben, fahren wir zunächst durch trockenes Weideland. Die Kühe und Ziegen weiden auf riesigen Faciendas, die zum Teil sehr kahlgefressen sind. Nach einer Pause an einer Raststätte, springt der Bus nicht wieder an. Wir befürchten, dass wir Stunden hier verbringen müssen und kaufen uns erstmal eine frische Ananas. Tatsächlich ist nach 10 Minuten der Mechaniker da, schließt das Relais des Anlassers kurz und es geht weiter. Umso näher wir Chapada Diamantina kommen, umso grüner wird es. Das Buschwerk wird immer höher und die Kühe fressen hier die Blätter von den Sträuchern. Schließlich beginnt der leuchtend grüne Wald. Hier ist gerade Regenzeit, in den frühen Morgenstunden regnet es kräftig. Tagsüber haben wir gelegentlich Bremer Sprüh, allerdings bei 25 bis 30 Grad.
Nach sieben Stunden Busfahrt erreichen wir Lencois mit etwas Verspätung. Die kleine Stadt ist Ausgangspunkt der meisten Touren in der Region. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre, die Häuser sind bunt bemalt und abends stehen überall in den kleinen Kopfsteinpflasterstraßen Tische vor den Restaurants. Die touristische Infrastruktur ist perfekt, von Internetzugang bis Trekkingbedarf gibt es hier alles was sich Reisende wünschen. Lencois bedeutet Laken, es gibt verschiedene Geschichten wie der Fluss zu seinem Namen gekommen ist. Vermutlich stammt er von dem Bettlaken, die im Fluss gewaschen wurden und dann zum Trocknen auf den Steinen ausgebreitet wurden. Das funktioniert heute noch ganz genauso.
Wie beziehen unser Zimmer in einer kleinen Pousada, es ist einfach aber nett und das Frühstück ist sehr lecker. Jeden Morgen gibt es etwas anderes, süßes Gebäck, Kuchen, Brötchen, gebratene oder gekochte Bananen, frisches Obst, Saft und Kaffee. Besonders haben uns die Pfannkuchen aus Tapioca, Maniokstärke, geschmeckt und nachdem Nobbi einmal ein Rührei gegessen hat, hat die Köchin ihm am nächsten Morgen gleich wieder eins gemacht.
Kurz nach unserer Ankunft steht gleich eine kleine Wanderung auf dem Programm. Unser Guide erzählt uns einiges über den Ort. Wir laufen am Rio Serrano entlang, dem Fluss, der durch Lencois fließt, und baden an verschiedenen Stellen. Die Löcher, die der Diamantenabbau hinterlassen hat, werden als Pools genutzt. Allerdings muss man wissen in welchen man entspannt baden kann, in einigen entstehen kräftige Strudel. An anderer Stelle baden wir in einem natürlichen Becken das der Fluss geformt hat und am Ende duschen wir noch unter einem Wasserfall. Die Landschaft entlang des Flusses ist schön. Wir klettern über große Steinplatten unter riesigen Felsbrocken hindurch und folgen kleinen Pfaden.

Die nächsten zwei Tage sind wir jeweils mit einer kleinen Gruppe unterwegs. An beiden Tagen haben wir Glück und treffen Brasilianer, die Englisch sprechen und Lust haben uns etwas über ihr Land zu erzählen. So bekommen wir Tipps wo wir hinfahren sollen, erfahren dass der Englischunterricht schlecht ist und dass man ein Problem hat, wenn man auf den einsamen Straßen eine Panne hat. Außerdem lernen wir vieles über das Rechtssystem, Politik und Korruption. In einem scheinen sich alle Brasilianer einig zu sein, ihren Politikern trauen sie nicht über den Weg.
Am Dienstag stehen Poco Encantada und Poco Azul auf dem Programm. Beides sind Grotten, die teilweise mit Wasser gefüllt sind und in beiden leuchtet das Wasser blau. In dem zweiten unterirdischen See dürfen wir baden. Nobbi ist schwer begeistert, dass er dafür eine Schwimmweste tragen muss. Trotzdem ist es schön, das Wasser ist ganz klar und die Sichtweite gigantisch. Während der Fahrt genießen wir grandiose Ausblicke, sehen viele Vögel, insbesondere viele Eulen, grau-beige Kühe und ganz viel grünen Wald. Unterwegs treffen wir einen alten Bekannten, wir queren mehrfach den Rio Paraguacu, den Fluss auf dem wir viele Nächte geankert haben.

Am Mittwoch machen wir morgens eine kleine Wanderung am Rio Mucugezihno bis zu einem Wasserfall. Entlang des Flusses treffen wir auf viele interessante Pflanzen, Vögel und Insekten. Gegen Mittag erreichen wir die Gruta da Lapa, eine große Höhle. Sie ist 27 km lang, wir begehen aber nur einen kleinen Abschnitt. Schon der riesige Eingang zur Höhle ist beeindruckend. Bewaffnet mit Taschenlampen machten wir uns auf dem Weg ins Dunkle und freuen uns an den schönen Strukturen, die Stalagmiten und Stalaktiten bilden. Nachmittags erreichen wir eine weitere kleine Grotte, die mit den blauleuchtenden vom Vortag aber nicht mithalten kann. Anschließend baden wir in einem Fluss mit ganz klarem, blauschimmernden Wasser. Auf dem Rückweg wollen wir vom Pai Inacio die Aussicht genießen, leider verschwindet der Berg gerade in einer Regenwolke.

Donnerstagvormittag haben wir noch ein paar Stunden Zeit in Lencois, spazieren durch den Ort und essen fantastisch in einem sehr einfachen und wenig vertrauenserweckenden Restaurant. Der Wirt fragt ob wir Fisch oder Fleisch essen möchten und verschwindet. Wenig später bringt er einen großen Salat, Nudeln, Reis, eine Schale mit gebratenem Rindfleisch und Zwiebeln, eine scharfe Paste aus Maniok, Bohnen und eine scharfe Soße. So steigen wir rundum gesättigt in den Bus nach Salvador, wo wir siebeneinhalb Stunden später eintreffen.
Uns hat Chapada Diamantina sehr gut gefallen. So gut, dass wir über eine Wiederholung während unserer nächsten Brasilienetappe nachdenken.

Nachschlag Brasilianische Besonderheiten

Kaum war der Artikel über die Brasilianischen Besonderheiten veröffentlicht, fielen uns lauter Dinge ein, die wir vergessen haben. Deshalb gibt es nun ein Nachschlag.

Feuerwerk ist sehr beliebt und wird zu jeder Gelegenheit abgeschossen, gerne zu ungewöhnlichen Uhrzeiten. Als wir in Salvador ankamen, gab es morgens um fünf Feuerwerk. Auch vormittags steigen häufig Raketen in den Himmel, dass man die im gleißenden Sonnenlicht nicht sehen kann, scheint nicht schlimm zu sein.

Brasilien wirkt auf uns überraschend liberal. Anders als man bei einem Land, in dem es von Kirchen wimmelt und über 80 % der Einwohner katholisch sind, vielleicht erwarten würde, sieht man viele schwule und lesbische Paare. Auch scheinen die Brasilianer in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau auf einem guten Weg zu sein. Egal ob bei der Straßenreinigung, beim Zoll, der Polizei, beim Militär, überall trifft man ganz selbstverständlich Frauen und die haben auch noch was zu sagen. Brasilien wurde übrigens von einer Frau regiert, aber Politik ist hier ein ganz heikles Thema.

Anscheinend besitzt jeder Brasilianer eine Auswahl FlipFlops. Fast jeder trägt die praktischen Latschen, unabhängig von Alter und Einkommen. Ob im Shopping Center, in den Marinas, im Bus oder der Innenstadt, tagsüber trägt man fast überall Flip Flops. Doch es gibt Ausnahmen. Wenn man Regierungsgebäude besichtigt, wie wir in Recife, sind Flip Flops verboten, außer Sonntags. Menschen die in Büros arbeiten tragen auch keine Flip Flops, genauso abends in netteren Restaurants. Für uns ist nicht immer ganz klar wonach sich der Flip Flop Dresscode richtet, manchmal haben wir aber den richtigen Riecher. Auf unserer Stadtbesichtigung in Rio trugen alle Brasilianer Sportschuhe, wir auch.

Hier fahren unglaublich viele VWs rum. Der Gol ist eins der beliebtesten Modelle Südamerikas, häufig sieht man auch Saveiro, Fox, Spacefox und alte VW Busse (Model 70er Jahre bei uns). Bei der Präsentation eines neuen Models im Shopping Center wurde ich zu VWs befragt und als ich zugeben musste, dass es die meisten Modelle bei uns nicht gibt, war die Enttäuschung groß. Zum Glück gibt es hier auch Golf und Polo, das sorgte für fröhliche Gesichter.

Das Geschäft auf der Straße floriert. Überall sind Verkäufer mit kalten Getränken, Süßigkeiten, Kuchen, salzigem Gebäck, gegrilltem Käse am Spieß und vielen anderen Snacks unterwegs. Für uns ungewohnt, sie verkaufen auch in Restaurants. Während man seinen Hauptgang isst, kann man sich also einen Käse grillen lassen oder einen Nachtisch kaufen.

Überall ist Kartenzahlung möglich, auch am Kiosk mitten auf dem Strand oder bei Straßenständen.

Inselrundfahrt mal anders

Nach vier Nächten in Itaparica beschlossen wir weiter zu ziehen. Itaparica ist der wohl beliebteste Ankerplatz in Todos os Santos, das ist nicht weiter überraschend, das Wasser ist meistens recht klar, der Ort nett und es gibt einige kleine Geschäfte. Es ist aber auch einer der lautesten Ankerplätze in der Bucht. Normalerweise sind tagsüber Roller und Autos mit riesigen Lautsprechern unterwegs, die fleißig für alles mögliche werben und abends fährt ein Disco-Bus, hinzu kommen die verschiedenen Partys auf irgendwelchen Booten und an Land. Der Disco-Bus blinkt in allen Farben und fährt nachts langsam durch die Straßen und beschallt Mitfahrer und Anwohner. Als Mitfahrer könnte mir der Bus gefallen, als Bewohner einer der Häuser an seiner Lieblingsstrecke wäre ich weniger begeistert. Samstag wurde im Ort gefeiert, es gab einen Umzug, ab mittags Musik auf dem Marktplatz und abends ein Konzert. Dem Trommel-Konzert haben wir aus dem Cockpit gelauscht. Nachts wurden wir dann mal wieder überrascht, wir hatten nach einem solchen Tag mit einer unruhigen Nacht gerechnet, doch es war ungewöhnlich ruhig.
Wir gingen Sonntagmorgen Anker auf, unser Ziel war Aratu, an Bord von Mari auch die Bucht der zwei Papageien genannt (für Blitzmerker: Ara two…). Auf dem Weg dorthin konnten wir sehr schön segeln und der Strom spülte uns die letzten Meilen durch die gewundene Einfahrt in die große Bucht. Die Einfahrt ist nicht romantisch, aber sehr abwechslungsreich. Da gibt es einen großen Marinehafen mit Trockendock, eine Pier wo Chemietanker anlegen, eine Getreidepier und einen riesigen Parkplatz mit lauter neuen Fords. Dazwischen genießen die Brasilianer an kleinen Stränden, die Chemietanks im Rücken (dann sieht man sie nicht), den Sommer. Die Bucht selbst ist recht grün, es gibt einige Wracks, ein paar alte Industrieanlagen und zwei Yachthäfen. Wir entschieden uns für den Aratu Yacht Club, wo wir an einer Boje liegen durften. Es gibt einen Taxiservice der einen rund um die Uhr vom Boot abholt oder dahin zurück bringt. Sehr komfortabel. Im Clubrestaurant gibt es fantastische Steaks zu unglaublich niedrigen Preisen und wir fanden es sehr schön mal wieder in einem netten Yachthafen die Stege entlangzugehen. Im Aratu Yacht Club liegen fast ausschließlich Segelyachten, die meisten davon in sehr gutem Zustand.
Am Dienstag morgen zog es uns weiter, im Handbuch ist ein interessanter Ankerplatz beschrieben den wir uns ansehen wollten. In der Durchfahrt zwischen der Insel Bimbarra und der Insel Maria Guarda soll man schön ankern können. Wir stellen fest, dass sich seit der Aufnahme des Fotos im Revierführer einiges geändert hat, auf Bimbarra gibt es nun eine edle Hotelanlage, die auf der einen Seite des anvisierten Ankerplatzes liegt, gegenüber, auf Maria Guarda ist inzwischen ein kleiner Ort entstanden, vor dem eine Handvoll Boote liegt. Wir müssten dazwischen in sehr tiefem Wasser ankern, von romantischem Plätzchen keine Spur. Außerdem gibt es eine Hochspannungsleitung, die in keiner Karte verzeichnet ist, wir wissen also nicht ob wir drunter durch passen. Da uns der Strom auf die Enge zu schiebt beschließen wir es nicht zu testen, und kehren um. Trotzdem wollen wir uns noch die Westseite Maria Guardas und die benachbarte Ilha Vaca ansehen. Maria Guarda sieht ganz nett aus, Ilha Vaca ist tatsächlich, bis auf ein altes Haus an der Südspitze, unbebaut. Trotzdem entscheiden wir uns an den bewährten Ankerplatz zwischen Ilha do Frade und Bom Jesus zu legen. Das Wetter ist merkwürdig, wir haben kräftigen Südwind und keinen Wetterbericht. Später sind wir froh über diese Entscheidung, der Wind dreht auf Nord, das wäre eine unruhige Nacht geworden. Als wir um Mitternacht noch einmal raus gucken bekommen wir einen Schreck, wenige Meter hinter uns ist eine Sandbank aufgetaucht. Wir haben Springzeit, das Hochwasser ist besonders hoch und das Niedrigwasser ist besonders niedrig, zu dem hat der Nordwind das Wasser aus der Bucht gedrückt. So sehen wir diese Sandbank das erste Mal, obwohl wir schon öfter an dieser Stelle geankert haben.
Wir genießen es noch einmal ausgiebig zu baden, lassen uns vom warmen Wasser treiben und schwimmen immer mal wieder ums Schiff. Ilha do Frade bietet eine schöne Kulisse, sie ist mit altem Wald bewachsen, tief grün und voller Vögel. Leider wird auch auf dieser Insel tüchtig gebaut, dass ein Steg und eine Mauer gebaut werden hatten wir das letzte Mal bereits gesehen, jetzt mussten wir feststellen, dass sich eine Schneise über die Insel zieht, die von LKWs befahren wird, die Sand bringen. Im Prinzip können wir verstehen, dass die Menschen hier an der Nähe zur Großstadt verdienen wollen, doch trotzdem ist es traurig zu sehen, wie die Natur zerstört wird. Auf vielen der Inseln und auch am Fluss Rio Paraguacu gibt es Hotelprojekte, die fast alle leer zu stehen scheinen, ob es keine Gäste gibt, oder ob die Hotels niemals eröffnet haben, konnten wir bisher nicht erfahren. Sicher ist nur, sind die Mangroven einmal abgeholzt, fehlen sie als Schutz für den Fischkindergarten und als Lebensraum für die vielen Vögel, außerdem muss das Ufer befestigt werden, sonst wird der Sand weggespült. Vielleicht sehen wir, wenn wir in ein paar Monaten wieder dort ankern, was aus den Bauprojekten geworden ist.
Am Donnerstag ging es nach Ribeira, hier wird Mari im Yacht Club Angra dos Veleiros auf uns warten solange wir Brasilien verlassen müssen.
Während der letzten Tage am Anker sind wir mit dem Abarbeiten unserer Liste gut voran gekommen. Ein Jahr lang hat unser Wassermacher (Seewasser-Entsalzungsanlage) uns zuverlässig versorgt und 5000 Liter Trinkwasser für uns produziert. Da er in den nächsten vier Monaten nicht laufen wird, haben wir ihn konserviert. Dazu wird das ganze System samt der Membran mit einem Biozid gespült, worin die Umkehr-Osmose-Membran dann auch liegen bleibt. Laut Nobbi funktioniert es so, dass in der Biozid-Lösung lauter kleine Biologen sind, die durch die Membran marschieren und allem was bio ist, auf den Kopf hauen. So so. Es geht doch nicht über solides Fachwissen…

InternationAal

Der Internation Aal würde so gerne an den Olympischen Spielen teilnehmen. Doch für welches Land? Treiben Aale Sport? Wassersport oder Wintersport? Ein neuer Aal und lauter neue Fragen.

Ruhige Tage in der Bucht Todos os Santos

Nachdem wir aus Rio zurück gekommen sind, standen am Freitag Wäsche waschen und einkaufen auf dem Programm. Am Samstag besuchten wie die angeblich beste Eisdiele Salvadors. Das traditionsreiche Geschäft Sorveteria da Bahia besteht seit 1931 und bietet unzählige Sorten an. Mir gefiel Jackfruit, ich freue mich schon auf den nächsten Besuch. Mittags haben wir im Yachtclub bei Rosa gegessen, leider verstehen wir selten was wir bestellen. Die Soße und die Rindfleischstückchen im Eintopf waren lecker, die Brocken die wir als Pansen identifizierten, konnten wir vermeiden. Schüttel. Allerdings muss man sagen, ich hätte es nie bestellt, wenn ich gewusst hätte, was es ist und dann wäre mir die leckere Soße entgangen. Nachmittags ging es mit Hochwasser wieder über die Barre. Nach drei Stunden erreichten wir den Ankerplatz.
Wir ankern wieder südöstlich von Bom Jesus. Als wir um die Ecke kommen liegen hier schon 12 Yachten. Was woanders ganz normal ist, ist hier die Ausnahme, meistens haben wir die Ankerplätze für uns. Im Laufe des Sonntags gehen alle anderen Boote Anker auf und abends sind wir wieder allein. Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang auf Bom Jesus. Gerade wir eine Promenade gebaut, die irgendwann ganz um die Insel führen soll, das wird sicherlich schön. Die Inselbewohner nutzen den Sonntag für Picknicks und gehen baden. Es gibt viele rot blühende Flammbäume, die Schatten bieten. Leider ist viel Plastikmüll auf der Insel unterwegs und auf dem Weg ins Meer. Auch Bom Jesus ist ein Ferien- und Wochenendinsel, neben den Bewohnern treffen wir viele die sich am Nachmittag mit ihren Taschen auf den Weg zum Fähranleger machen. Im Gegensatz zu Itaparica ist Bom Jesus keine schicke Ferieninsel, sondern eher für den kleineren Geldbeutel. Es gibt viele kleine Häuschen und es ist sehr stark bebaut, Bom Jesus muss eine unglaubliche Einwohnerdichte haben.
Am Montag segeln wir quer über die Bucht, in den Itaparicakanal. Wir ankern vor der Insel Matarandiba gegenüber des kleinen Wasserfalls Tororo. Abends rudern wir zum Wasserfall. Da fällt nix, ein paar Tropfen dröppeln aus den Bäumen in das Becken. In der Nacht regnet es, am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg zum Wasserfall. Noch immer ist er nicht beeindruckend, aber nun tropft es stärker und unten gibt es immerhin ein kleines Rinnsal. Der kleine Strand ist sehr schön, das Wasser zwischen den Mangroven ist glasklar und der ganz feine Sand schmeichelt den Füßen. Wir beobachten einige Zeit den Fischkindergarten, der sich zwischen den Mangroven tummelt, bevor wir wieder zu Mari rudern. Der Ankerplatz gefällt uns auch ohne Wasserfall, nachts ist es unglaublich ruhig, es gibt keinen Schwell und wir erfreuen uns an Papageien, Ibissen und Geiern. Mittwochnachmittag ziehen wir nach Itaparica um. Wir genießen das Segeln auch wenn wir nach zehn Meilen schon ankommen. Wir müssen dringend einkaufen, zum ersten mal seit unserer Abreise in Bremen sind uns die Zwiebeln ausgegangen. Wurst und Käse finden wir nicht, außer Zwiebeln kaufen wir Brot, Ananas, Paprika, Tomaten, Mangos und Acerolas. Die roten Beeren lassen sich kaum lagern, wollen also schnell verarbeitet werden. Bei uns an Bord wandern sie mit Wasser in den Mixer und ergeben ein leckeres Getränk.
Wir genießen die Zeit am Anker, baden viel und bereiten unsere Abwesenheit vor. Unsere Mari ist noch immer gut in Schuss und soll es auch bleiben. Einige Kleinigkeiten sind auf der Liste, wir haben ein paar Schrauben ersetzt, ein paar Haushaltsaufgaben, die Vorhänge sind schon gewaschen, und einige typische Instandhaltungsarbeiten stehen an. Die letzten Tage haben wir damit verbracht Rumpf und Deck zu waschen, gelbe Flecken zu entfernen und alle Flächen zu wachsen. Das Auspolieren des Wachses ist ein Knochenjob und wird nicht einfacher, wenn man neben dem Schiff im Beiboot hängt, mit einer Hand das Beiboot an den Rumpf zieht und mit der anderen poliert. Wir sind fast fertig, unsere Lady glänzt wieder und bei dieser Sonneneinstrahlung braucht auch ein Boot etwas Sonnencreme. Ich spüre einen stechenden Schmerz in der Schulter, Nobbi motiviert mich mit der Aussicht auf neue Schuhe. Was tut man nicht alles für sein Boot und neue Schuhe. Aber wenn ich noch einmal gefragt werde, ob ich mich an Bord aktiv beteilige, sehe ich mich gezwungen den Fragesteller zu erwürgen.
Heute Morgen tummeln sich Delfine in der Ankerbucht. Jetzt zum Wochenende füllt sich der Ankerplatz, morgen soll hier ein großes Fest statt finden. Vielleicht bleiben wir noch etwas, bevor wir weiter ziehen. Es gibt noch zwei Ankerplätze die wir gerne besuchen würden, bevor wir Mari Anfang Februar in den Hafen in Ribeira legen.

Rio de Janeiro

Am Montag geht es früh los. Sehr früh. Der Wecker klingelt um eins. Ein Angestellter der Marina fährt uns zum Flughafen, das hat die Sekretärin für uns vereinbart. Der Flieger startet überpünktlich und um halb neun Ortszeit sind wir in Rio. Im Hotel angekommen, stellen wir überrascht fest, dass wir bereits in unser Zimmer einziehen dürfen und stellen unser Gepäck dort ab. Wir wohnen in Copacabana, ganz klar, es geht zuerst an den berühmten Strand. Beim Mittagessen beschließen wir uns den botanischen Garten anzusehen. Der Besuch lohnt sich. Der Garten wurde 1808 angelegt und einige der Königspalmen, die die Hauptallee säumen, sollen noch aus dieser Zeit stammen. Wir spazieren durch den sehr schönen Park, lernen wieder neue Pflanzen kennen, Nobbi muss einige Vorträge seiner Hausbotanikerin anhören und wir entdecken spannende Tiere. Ein Ameisenvolk transportiert große Blattstücke und ein Tukanpaar sorgt für Nachwuchs. Der lange Tag endet mit einem Sundowner am Strand mit Copacabana Ausblick.


Am Dienstag werden wir morgens zur Stadtrundfahrt abgeholt, sie gehört zu unserem Reisepaket. Als erstes geht es auf den Zuckerhut. Wir haben Glück, morgens ist es noch ziemlich leer und wir können in Ruhe den Ausblick genießen. Dann geht es kreuz und quer durch die Stadt, vorbei am Maracana-Stadium, den größten Farvelas, den bekanntesten Stränden, modernen und historischen Gebäuden und dem Sambadrom. Unsere etwas anstrengende Reiseleiterin (oder Reiseleiter? da sind wir nicht sicher) versorgt uns mit Informationen. Irgendwann wundere ich mich, dass ich das Portugiesisch manchmal richtig gut verstehe. Dann stellen wir fest, dass sie mit der bolivischen Familie Spanisch spricht… . Mittags essen wir in einem Steakhaus. Innerhalb von zwanzig Minuten kann man hier locker den Wochenverbrauch an Fleisch einer deutschen Familie wegputzen. Wir geben früher auf. Nachmittags steht der Corcovado auf dem Programm, der Berg auf dem die Christusstatue steht. Mit einer kleinen Bahn geht es durch das Naturschutzgebiet nach oben, auf der Fahrt sehen wir eine Truppe kleiner Affen und ein Faultier! Der Corcovado ist mit seinen 711 m deutlich höher als der 396 m hohe Zuckerhut. Von hieraus kann man die gesamte riesige Stadt überblicken. Die Stadt hat etwa 7 Mio. Einwohner, der Großraum Rio wohl zwischen 13 und 17 Mio. Die grünen Hügel, die nur nicht bebaut sind, weil sie so steil sind, gliedern das Häusermeer. Wir genießen die Aussicht und bestaunen die Auswüchse des Selfiemachens. Für das perfekte Fotos legt man sich schon mal unter die Christusstatue, auch wenn andere dann über die Haare laufen. Zum Ende unserer Stadtrundfahrt lernen wir, dass auch Brasilianer sich gelegentlich für ihre Landsleute schämen, als unsere Reiseleiterin einige sehr schlechte Witze macht und beginnt zu singen, entschuldigen sich gleich mehrere Brasilianerinnen bei uns. Abends spazieren wir durch Copacabana. Bei Einbruch der Dunkelheit werden noch mehr Stände auf den Straßen und am Strand eröffnet, außerdem treffen sich die Sportler. Es wird Volleyball und Fußball gespielt und sich zum Crossfit und Yoga getroffen. Wir trinken Caipi und gucken zu.


Mittwoch nehmen wir die Metro in Richtung Centro. Unserer Reiseführer schlägt einen Spaziergang vor, den wir als groben Anhaltspunkt für unsere Route wählen. Wir kommen am prächtigen Theater vorbei, gucken in mehrere Kirchen und laufen durch kleine Gassen und große Straßen. Wir besuchen die königliche portugiesische Bibliothek, die 1837 erbaut wurde und 350000 Bücher beherbergt. Der Lesesaal ist ein wunderschöner Raum mit einem buntem Oberlicht. In der „Confeitaria Colombo“ machen wir eine Pause. Das Café ist von 1894 und ein schöner Ort für eine Tasse Kaffee und einen Brigadeiro, die brasilianische Antwort auf die Rumkugel, ohne Alkohol aber genau so viele Kalorien. Auf der Suche nach einem Kulturzentrum, das in einem Palast untergebracht sein soll, stolpern wir über den „Palacio Tiradentes“. Ich steige die Stufen zum Portal hoch, um herauszufinden um was für ein Gebäude es sich handelt. Eine junge Frau fängt mich ab, ob ich eine Führung mitmchen möchte, vielleicht auf Englisch? Klar wollen wir. Bis 1960 war der Palacio das Gebäude des Nationalkongresses, seit Brasília die Hauptstadt ist, tagt hier die Versammlung des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die nette Führung bringt uns nicht nur das Gebäude näher, wir erfahren auch einiges über die brasilianische Demokratie und die Geschichte der Stadt. Am Marinehafen schauen wir aufs Wasser und finden in einer kleinen Straße ein niedliches Restaurant fürs Mittagessen. Den Abend nutzen wir wieder für einen ausgiebigen Copacabana Spaziergang.


Donnerstag haben wir noch Zeit für einen Spaziergang und ein frühes Mittagessen, bevor es zurück zum Flughafen geht. Abends um sieben sind wir wieder an Bord unserer Mari.
Rio hat uns gut gefallen und ist einen Besuch wert. Brasiliens Süden ist wesentlich wohlhabender als der Norden, diesen Unterschied spürt man auch zwischen Rio und Salvador. Auch in Rio gibt es viele Ruinen und baufällige Häuser, doch die touristisch interessanten Gebäude sind sehr viel besser erhalten als in Salvador. Für uns war es schön für einige Tage in einer Gegend zu wohnen, wo wir zu Fuß unterwegs sein konnten. In Salvador ist das, je nach Liegeplatz, nur tagsüber oder nur in einem kleinen Bereich möglich. Wir haben das Gefühl, wir hätten uns in Rio abgekühlt, dabei war es heißer als in Salvador. Ein klimatisiertes Hotelzimmer (wir haben die Klimaanlage auf 27 Grad gestellt) war eine nette Abwechslung, auch das eigene Bad mit unbegrenzt Duschwasser haben wir genossen. Natürlich wäre ein Foto von Mari vor dem Zuckerhut toll gewesen, doch der Törn nach Rio und wieder zurück passt schlecht zu unseren Plänen. Wir sind mit unserer Stippvisite per Flieger rundum zufrieden.