Kourou

Man merkt es nicht gleich, doch wir sind wieder in Frankreich. Französisch Guyana ist ein Departement Frankreichs, Teil der EU und der Euro-Zone. Übrigens ist Französisch Guyana auf jedem Euro-Schein. Macht euch auf die Suche, es funktioniert mit einem 5 Euro-Schein genauso, wie mit einem grünen Exemplar. Französisch Guyana ist nicht Teil des Schengen-Raums, das überrascht nicht, und nicht Teil des Zollraumes, das ist schon interessanter. Die EU ist schon ein Wahnsinnskonstrukt. Es lohnt sich, sich damit genauer zu befassen.
Am Morgen nach dem Raketenstart, also am Donnerstag, fanden wir es an der Zeit mal beim Zoll vorstellig zu werden. Das Einklarieren ist hier denkbar einfach, wir sind ja in der EU, man muss lediglich zum Zoll.
Wir beschlossen das Schlauchboot klar zu machen und auf dem Fluss zum Zoll zufahren, das erschien uns netter als der Fußweg von einer dreiviertel Stunde. Mari-Chen (so heißt unser Schlauchboot) war schnell aufgepumpt, doch unser Aussenborder hatte keine Lust. Irgendwie bekam er keinen Sprit. Der Schlauchanschluss leckte, zum Glück haben wir Ersatz aus Deutschland mitgebracht. Der neue Stecker passt perfekt auf den Motor, leider jedoch nicht auf den Schlauch. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Nobbi bastelt eine Verbindung. Der Motor will immer noch nicht. Nachdem er den Vergaser ausgebaut, getätschelt und wieder eingebaut hat, schnurrt der Außenborder. Es kann losgehen. Wir legen mit dem Dingi direkt neben dem 20m langen Zollboot an und fragen den ersten der vorbei kommt, ob das in Ordnung sei. Er zuckt mit den Schultern und erklärt uns den Weg zum Zoll. Geradeaus und zweimal rechts. Das Zollgebäude liegt am Ende eines Weges, der zunächst noch geteert, dann geschottert und schließlich nur noch aus Sand ist. Am Zaun hängt ein Schild auf dem in Schriftgröße 26 irgendwas mit Douane steht. Wir sind richtig. In dem unscheinbaren Büro arbeiten fünf Personen, wir werden mit Handschlag begrüßt. Lediglich die Bootspapiere und unsere Pässe sind interessant, nicht mal die Clearance aus Brasilien will der Beamte sehen. „Wann seid ihr angekommen?“ „Am 19. auf den Iles du Salut“ Wir machen ein schuldbewusstes Gesicht. Das ist schließlich fünf Tage her. Doch das scheint kein Problem zu sein. Lautet die nächste Frage nur „Diesen Monats?“. Wir bekommen ein unspektakulär aussehendes Papier in die Hand uns dürfen nun sechs Monate bleiben. „Bon Voyage“. Das war unkompliziert.
Das Industriegebiet, das den Hafen umgibt ist sehr sauber. Wir trauen uns gar nicht unsere Eis-Stile aus Holz in den Graben zu werfen. Das Hafengebiet ist mit mehreren Elektrozäunen und Stacheldrahtreihen geschützt. Die meinen das ernst.
Wir besuchen den Bootsladen und staunen, so etwas haben wir in Brasilien gesucht und nicht gefunden. Einen Händler, der etwas zu verkaufen hat. Das Klientel sind hier vorrangig Angler, aber neben Angeln und Ködern gibt es auch Motorenzubehör, Leinen, Kleinkram, Reparaturkits, Kanus, Hängematten, Farben und lebende Fische. Mir haben besonders die bunten Fische gefallen, aber ein Aquarium auf Mari ist vielleicht doch nicht optimal. Danach überfallen wir einen kleinen Supermarkt. Camembert, Schinken, Baguette, Schokocroissants und Rotwein. Wir sind im Himmel.
Als wir zurück an Bord klettern platscht es am Heck. Wir hatten Besuch. Ein Leguan lässt sich ins Wasser fallen, er hatte es sich auf der Halterung unserer Windsteueranlage bequem gemacht. Die Viecher können verdammt gut schwimmen. Er dreht noch eine Runde, aber mit uns an Bord hat der Platz anscheinend an Attraktivität verloren, er zieht sich in die Mangroven zurück.

Kourou ist eine verschlafene französische Kleinstadt im Nichts. Mittags werden die Bürgersteige hochgeklappt, die Geschäfte machen Mittagspause von halb eins bis vier, die Straßen sind ausgestorben. Der Handel ist fest in chinesischer Hand. Alle Supermärkte und auch alle „Plastikzeug-Haushaltsdinge-Läden“ gehören Chinesen. Der Bäcker in der Nähe des Hafens hat neben leckeren Baguettes auch guten Kuchen und eine schattige Terrasse mit guter Internetverbindung. Samstag ist der Gemüsemarkt besonders groß und Kourou erwacht für einige Stunden. So sauber es im Industriegebiet ist, so dreckig ist es im Ort. Der Müll wird auf der Straße gesammelt und überall fliegen Plastikflaschen rum.
Die Bevölkerung ist bunt gemischt, wenn auch anscheinend kaum vermischt. Die Polizisten und Zollbeamten sind alle weiß und scheinen zu großem Teil (für begrenzte Zeit) vom Französischen Festland zukommen. Ein großer Teil der Bevölkerung ist schwarz. Anders als in Brasilien, scheint es hier keine Vermischung zu geben, wir sehen keine gemischten Paare. Schwarze, Weiße, Chinesen, Vietnamesen, alle scheinen parallel und doch voneinander getrennt zu leben. Das ist neu für uns.
Es scheint Einwanderer oder Gastarbeiter von überall zugeben. Die Frau in der Bäckerei kommt aus der Karibik und spricht Spanisch. Der Sicherheitstyp von der Marina ist aus Coimbra Portugal, kann auf Deutsch sagen, dass Deutsch sehr schwierig ist und freut sich wenn wir ihn mit „Bom dia“ grüßen. Der Tankstellenangestellte spricht Holländisch mit uns, schließlich ist das so ähnlich wie deutsch, und ist stolz auf seinen niederländischen Pass, den er nicht gegen den Französischen tauschen würde. Kourou ist so klein, dass man sich grüßt. Ob wir vor der Bäckerei auf der Terrasse oder im Waschsalon sitzen, ob wir in der Tankstelle anstehen oder einfach die Straße entlang gehen, wir werden überall gegrüßt.
Unser Dinghi binden wir in der Marina an, die ihren Namen kaum verdient hat. Dort liegen die
Ausflugskatamarane, die zu den Iles du Salut fahren, zwei Yachten einer Segelschule und Schiffe ganz unterschiedlichen Verfallzustands. Nur eines dieser Schiffe sieht aus als würde es noch segeln. Alle anderen sind Schrott, werden aber bewohnt. Die Bewohner sind freundlich und hilfsbereit, wir dürfen einen Wasserschlauch zum Füllen unserer Kanister nutzen und werden auch hier immer freundlich gegrüßt.
Kourou ist zugepflastert mit Werbetafeln. Auf den meisten wirbt Carrefour. Diese Woche ist Pute aus Deutschland im Angebot. Willkommen in Europa.

Raketenstart

Nach drei Nächten vor der Ile Royale müssen wir den Ankerplatz räumen. Wenn in Kourou eine Rakete startet werden die Inseln zum Sperrgebiet.
Zunächst sollte der Wettersatellit Aeolus, der uns in Zukunft bessere Wettervorhersagen bescheren soll, am Dienstag in den Himmel geschossen werden. Jeremy, der einzige andere Segler, den wir auf der Insel getroffen haben, informiert uns, dass der Start um einen Tag verschoben wurde, so haben wir einen Tag an diesem Ankerplatz gewonnen.
Dienstagnachmittag kommt das Polizeiboot und macht an einer Boje fest. Wir machen unser Funkgerät an, ob die mit uns kommunizieren wollen? Es bleibt ruhig. Wir paddeln an Land. Am späten Nachmittag verlässt das Boot seine Boje. Wir sind beeindruckt vom Manöver, per Lautsprecher kommen die Kommandos aus dem Brückenhaus. Nobbi hätte auch gerne solche Lautsprecher. Allerdings stehe ich bei Ankermanövern am Ruder und würde dann die Lautsprecherkommandos geben.
Jeremy ist mittags schon weiter gesegelt, wir sind ganz allein in der Bucht. Die Touristen-Katamarane haben schon Feierabend und sind nach Kourou zurückgekehrt. Zwei Stunden später liegt das Polizeiboot wieder neben uns an der Boje. Hektische Geschäftigkeit herrscht an Deck. Wir sind gespannt was nun passiert. Der Grill wird angezündet, Zeit fürs Abendessen. Wir sind ein wenig neidisch. Bei uns an Bord gibt es nichts was man auf den Grill legen könnte. Am nächsten Morgen bekommen wir doch noch Besuch. Das Schlauchboot wird ausgesetzt und drei nette junge (äußerst ansehnliche) Beamte kommen Längsseite. Sie fragen, ob wir wissen, dass wir den Platz wegen dem Raketenstart verlassen müssen? Sie sind sehr nett, sprechen Englisch und freuen sich über unser grottiges Französisch. Wir erklären, dass wir gerne noch zwei Stunden warten würden, da die Einfahrt nach Kourou so flach ist und wir nicht mit Niedrigwasser in der Einfahrt ankommen möchten. Das ist kein Problem, die Rakete startet erst heute Abend.
Heute ist es unglaublich ruhig. Keine Hotelgäste, keine Touristentouren. Der Ankerplatz gehört uns ganz allein, die Insel wurde bereits geräumt. Kaum ist das Polizeiboot davon gerauscht, tauschen an Land die beiden Ranger auf und beginnen nervös hin und her zu laufen. Sie rufen uns zu, dass wir den Platz verlassen müssen, wir rufen, dass wir gleich losfahren. Keiner versteht den anderen, sie werden unruhig und beginnen zu telefonieren.
Schließlich fahren wir das langsamst mögliche Ankerauf-Manöver. Wir signalisieren so, dass wir abhauen, schinden aber Zeit. Die Einfahrt nach Kourou ist doch sehr flach. Dann tüddeln wir so langsam wie möglich zum Festland. Bis zur Ansteuerungstonne sind es nur 3 Meilen, wir schaffen es dafür eineinhalb Stunden zu brauchen, machen Wasser und Duschen.
Nun kommen auch noch zwei Hubschrauber vorbei und kreisen über uns. Zum Raketenstart wird hier alles aufgeboten, wir haben uns noch nie so gut beschützt gefühlt. Raketenstarts sind hier wohl das Salz in der Suppe des langweilen Polizeialltags, da würden Schnellboote und Hubschrauber zeigen was sie können. Ob die Polizisten sich freiwillig für den Dienst in dem entlegenen Departement (wir sind ja in Frankreich!) melden, oder ob sie hierher versetzt werden, wenn sie sich in Paris nicht gut benehmen? Vielleicht ist der Dienst auch ein Karrieresprungbrett?
Die Einfahrt ist unglaublich gut betonnt, Tonne an Tonne, auch im Fluss geht es so weiter. Alle sind sehr gut in Farbe und beleuchtet, hier kann man nicht verloren gehen, obwohl einen der Strom versucht aus dem Fahrwasser zu schieben. Ein riesiger Aufwand für die kleine Einfahrt, aber schließlich kommt ab und zu ein Schiff und bringt Raketenteile. Die Einfahrt ist kurz hinter der Ansteuerungstonne am Flachsten, keine 3 Meter und das 2 h nach Niedrigwasser, für uns reicht das, doch bei Welle würden wir das nicht testen wollen.
Die Betonnung ist ein Kontrast zu Brasilien. Da war die Fahrwassermarkierung auch gut, aber manchmal kreativ. In der Bucht „Todos os Santos“ fehlte eine Tonne, wurde aber ein paar Wochen später ersetzt, manch eine rote war so ausgeblichen, dass sie gelb wirkte und eine grüne Tonne entpuppte sich als rot weißer Pfahl. In der Einfahrt nach Cabedelo gab es deutlich mehr Tonnen als in der brasilianischen Karte. Besser zu viele als zu wenige. Am besten hat uns die Lösung gefallen, die wir entdeckt haben, als wir Cabedelo verlassen haben. Eine grüne Tonne wurde eingezogen, wir haben das kleine Boot mit ihr im Schlepp gesehen, und durch ein rot gemaltes Ölfass ersetzt. Darauf soll man erstmal kommen…
Und nun diese perfekte Betonnung in diesem kleinen Fluss. Allerdings, bei einer grünen Tonne geht das Licht nicht, ob ich das direkt nach Paris melden soll?
Wir suchen uns einen Ankerplatz, eine leichte Aufgabe, hier liegen nur zwei andere Schiffe vor Anker. Nachmittags packt die Gendarmerie Maritime auch noch ihre Jetskis aus und sichert damit den Fluss, jetzt sind wohl wirklich alle Kräfte im Einsatz.
Die Rakete startet pünktlich um 1820 Uhr. Wir sitzen gespannt an Deck und beobachten wie sie in den Himmel steigt. Während wir ganz aus dem Häuschen sind, einen Raketenstart sieht man nicht alle Tage, schon gar nicht vom eigenen Boot, unterbrechen die Drachenbootfahrer dafür nicht mal ihr Training.
Der Kondensstreifen der Rakete malt Kringel in die Luft. Ob man daraus die Zukunft vorhersagen kann? Zumindest geben die Kringel Auskunft über die Höhenwinde, da hat der Satellit also schon Wetterinformationen preisgegeben, bevor er von der Rakete getrennt wurde.

Kourou Raketenstart 1Kourou Raketenstart 2Kourou Raketenstart 3Kourou Raketenstart 4 man beachte die SchattenKourou Raketenstart 5 Wolkenkringel

Iles du Salut

Die Ile Royale ist wunderschön. Wir falten unsere Banane auseinander und paddeln an Land. Die Insel ist dicht bewaldet mit Laubbäumen und Kokospalmen. Es gibt Papageien, Affen und Agutis. Die kleinen Nager mit ihrem braunen Fell gefallen mir besonders gut. Die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine, dadurch sehen sie lustig aus. Ihr Fell glänzt in der Sonne, deshalb heißen sie auch Goldhasen. Die Affen werden gefüttert und sind dadurch nicht scheu. Wir treffen Totenkopfäffchen und Kapuziner.
Die Ile Royale ist die größte und höchste der drei Inseln. Trotzdem braucht man deutlich unter einer Stunde um einmal um die Insel zu laufen.
Von seiner Vergangenheit als Gefängnisinsel zeugen einige erhaltene Gebäude und Ruinen. Bis 1951 nutzte Frankreich die Inselgruppe als Gefängnis. Auf der Ile Royale befand sich die Verwaltung, das Hospital und der Todestrakt. Die meisten Gefangenen wurden in Zellen auf der Ile Joseph gefangen gehalten. Die Haftbedingungen waren grausam. Es gab Zellen ohne Dach, so dass die Gefangenen dem Wetter schutzlos ausgeliefert waren, der tropischen Sonne ebenso, wie dem Regen. Es gab Zellen für die Einzelhaft und Haft in völliger Dunkelheit ohne Kontakt zu Menschen über lange Zeit. Die meisten Gefangenen starben innerhalb des ersten Jahres, was den Inseln auch den Namen „trockene Guillotine“ gab. Politische Gefangene wurden auf die Ile Diable, die Teufelsinsel gebracht, und dort völlig isoliert. Die Ile Diable ist heute nicht zugänglich.
Im ehemaligen Haus des Direktors gibt es eine kleine Ausstellung zur Vergangenheit der Inselgruppe. Zu unserer Freude gibt es alle Erklärungen auch auf Englisch. Die Kapelle und die Häuser der Wärter sind restauriert worden. In den Wohnhäusern der Wärter kann man heute übernachten, sie gehören zu dem Hotel, das heute auf der Insel ist. Das Haus des Direktors aber auch die der Wärter sind hübsch. Mit Fensterläden und blühendem Hibiskus. Vom Lazarett, das sich an den Leuchtturm schmiegt und dem Kloster stehen nur noch Ruinen. Ein Teil der früheren Gefängniszellen ist verfallen, die Zellen des Todestraktes mit Einzelhaft im Dunkeln sind zum Teil erhalten. Hinter dem Leuchtturm stoßen wir auf den Kinderfriedhof, die erwachsenen Toten der Bewachungsmannschaft wurden auf Ile Joseph begraben, die Toten unter den Gefangenen einfach ins Meer geworfen.
Auf der Insel ist es sehr ruhig. Das Hotel hat ein Restaurant mit sehr europäischen Getränkepreisen. Es gibt keinen Kiosk und keinen Eisladen. Die Tagestouristen bringen sich ihr Picknick in Kühltruhen mit, wer zum Baden auf die Insel gekommen ist, sucht sich einen schattigen Platz auf der Nordseite in der Nähe der Badestelle. Die Badestelle wurde ebenso wie die Straßen und Wege auf der Insel von Gefangenen gebaut.
So schrecklich die Vergangenheit der Inseln ist, so schön sind sie heute als Urlaubsziel. Es ist etwas kühler als am Festland, die Palmen wiegen sich im Wind und das Wasser ist zwar nicht klar, aber im Gegensatz zu den Stränden am Festland milchig türkis und nicht braun. Die Gewässer um die Inseln sollen „haiverseucht“ sein, es wird jedoch fleißig gebadet und wir baden auch. Ob es hier keine Haie mehr gibt, so vielleicht nie gab, wissen wir nicht.
Wir werden noch einmal wieder kommen, wir möchten die Insel noch weiter erkunden und uns unbedingt auch die Ile Joseph anschauen.

Angekommen in Französisch Guyana

Wir haben unseren Bordzoo weiter vergrößert. Hinzugekommen ist Splashy, ein Schiffshalter. Wir haben ihn Splashy getauft, weil er so spritzt, wenn er zu Mari aufschließt. Er hat seinen Platz zwischen den kleinen Fischen am Heck gefunden. Tatsächlich haben die kleinen Fische uns bis heute Vormittag begleitet, über 400 Meilen weit. Splashy ist immerhin 100 Meilen mit uns geschwommen.
Gestern Abend wurde es dann noch einmal interessant. Das Abendessen stand auf dem Herd, grünes Curry und Reis, als der Wind von drei auf sieben Beaufort zunahm. Innerhalb von einer Minute. Also Herd aus und schnell ein Reff ins Großsegel. Mit verkleinerter Segelfläche machte das flotte Segeln richtig Spaß. Mari wurde ausgiebig geduscht und das ganze Salz wurde abgewaschen. Wir haben uns nach untern verzogen und nur ab und zu einen Blick nach draußen riskiert. Nach knapp zwei Stunden war alles vorbei und der Wind schlief komplett ein. Zunächst haben wir versucht zu segeln. Heute Nacht haben wir aufgegeben, die Maschine angeschmissen und sind die letzten Meilen motort.
Auch unsere letzte Nacht auf See war wieder weitgehend sternenklar und wir haben noch einmal viele Sternschnuppen gesehen.
Bei Sonnenaufgang konnten wir die Iles du Salut, unser Ziel bereits sehen. Zwei kleine schwarze Pilotwale begrüßten uns in den neuen Gewässern. Bei strahlendem Sonnenschein legten wir die letzten Meilen zurück.
Nun ankern wir dicht vor der Ile Royale, der größten der der Inseln. Die Boote mit den Tagesausflüglern haben den Ankerplatz verlassen und außer uns liegt hier nur noch ein anderes Segelboot. Wir haben es heute ruhig angehen lassen und den Tag mit Ankommen verbracht. Wir haben uns ausgeruht, gelesen und endlich mal wieder gebadet! Tatsächlich haben wir Ende Januar das letzte Mal richtig baden können.
Morgen wollen wir uns die Insel ansehen. Die Inselgruppe diente Frankreich bis 1951 als Gefängnis und erlangte durch den Roman Papillon traurige Berühmtheit.

Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – Tierisch gute Laune

Tag 10 der Ueberfahrt. Seit gestern geht es Schlag auf Schlag. Zunaechst hatten wir nachts Delfinbesuch. Morgens schwammen einige kleine blaue Fische mit gelber Schwanzflosse neben Mari. Sie schwimmen jetzt seit eineinhalb Tagen immer in Maris Schatten und ganz dicht hinterm Heck.
Gestern Nachmittag begegnete uns ein grosser Wal. Nur 30m neben uns schwamm er auf Gegenkurs an uns vorbei. Er war etwas groesser als Mari, blieb an der Oberflaeche und wir konnten noch lange seinen Blas sehen. Zu Sonnenuntergang hatten wir wieder ausgiebigen Delfinbesuch. Eine grosse Gruppe Tiere schwamm vor unserem Bug. Bevor es ganz dunkel wurde, kam eine grosse Schildkroete vorbei.
Heute Morgen faellt uns zuerst die veraenderte Wasserfarbe auf. Dunkelgruen statt tiefblau. Und wir haben neue Begleiter. Tuerkis leuchtende Mahi Mahis begleiten uns. Die grossen Goldmakrelen haben einen gelben Schwanz, leuchtend blaue Flossen, einen tuerkisenen Koerper und eine gelbe Stirn. Sie sind elegante Schwimmer, jagen gelegentlich die fliegenden Fische aus dem Wasser und bleiben sonst dicht bei Mari. Unsere kleinen blau-gelben Begleitfische halten sich sehr eng an Mari, seit ihre grossen Kollegen aufgetaucht sind. Nobbis Angelversuche wurden sofort beantwortet. Der Koeder war noch nicht ganz im Wasser, schon wurde der Haken abgebissen. Anscheinend war der Koeder zu klein.
Der Wind schlaeft langsam ein. Bis Mitternacht waren wir sehr flott unterwegs, seitdem geht es immer langsamer voran. Gestern Abend um zehn haben wir eine Halse gefahren, wir standen sehr weit oestlich von unserer Kurslinie. Heute Mittag hat der Wind dann gedreht, wir haben wieder gehalst und die Genua ausgebaumt. Jetzt nimmt der Wind noch weiter ab und die Segel stehen schlecht. Dennoch, solange wir uns in die richtige Richtung bewegen haben wir keine Lust zu motoren.
Wir lassen es um gut gehen. Zum Fruehstueck gab es Ruehrei und Spargel mit Knaeckebrot. Der Speiseplan fuer das Abendessen steht noch nicht. Vielleicht gibt es frischen Fisch?

Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – Segelwechsel und Fischbesuch

Tag 8 der Ueberfahrt. Wir haben weniger Wind als in den letzten Tagen, noch duempeln wir aber in die richtige Richtung. Kein Grund sich zu beschweren. Gestern haben wir noch vor dem Fruehstueck das Segel gewechselt, die Fock heruntergenommen und die Genua gesetzt. Bei so wenig Wind kann etwas mehr Segelflaeche nicht schaden. Wir sind ganz schoen ins Schwitzen gekommen, doch nun liegt die Fock saubergefaltet im Vorschiff und unsere betagte Genua zieht uns nach Norden. Tatsaechlich sind wir die letzten 9000 Meilen, die Strecke seit Bremen, immer mit der Fock gesegelt. Es wurde Zeit fuer einen Auftritt der Genua.
Es ist waermer geworden. Haben wir uns in den ersten Naechten im Cockpit noch mit einem Handtuch zugedeckt, ist die Nachtwache nun auch in kurzen Hosen gemuetlich. Und es wird etwas feuchter, was wir auch daran merken, dass der Sternenhimmel nicht mehr ganz so hell funkelt wie vor einigen Tagen. Trotzdem ist die Aussucht auf die Milchstrasse berauschend.
Eine Gruppe kleiner Fische begleitet uns, anscheinend gefaellt es ihnen in Maris Schatten zu schwimmen. Heute Morgen hatten wir Besuch von einem Delfin und heute Nacht einen schwarzen Vogel als Passagier. Gelegentlich werden wir von einem Schiff ueberholt. Die Sonnenauf- und Untergaenge sind wunderschoen. Dass wir bereits eine ganze Strecke nach Westen zurueckgelegt haben, merken wir auch daran, dass die Sonne deutlich spaeter verschwindet und auch wieder auftaucht. Praktischerweise haben Start und Ziel dieser Etappe die gleiche Zeitzone, wir muessen die Uhren also nicht umstellen.
Zum spaeten Fruehstueck gab es heute Pfannkuchen mit Pflaumenkompott. Die Pflaumen habe ich im Dezember in Salvador eingekocht. Sehr lecker. Unser langsam ueberreifes Obst haben wir fast komplett aufgefuttert. Es gibt noch eine Handvoll AEpfel und zwei Ananas, sowie 40 Orangen, die sich aber noch eine Weile halten werden.
Fuer die Energiebilanz ist unser Nordwestkurs nicht optimal. Ab fruehen Nachmittag liegt das ganze Schiff im Schatten der Segel, die Solarpanels machen keinen Strom und bei dem wenigen Wind, bringt unser Windgenerator auch nichts. Fuer das entspannte Lesen im Cockpit ist die Beschattung aber wunderbar.

Ueberfahrt nach Franzoesisch Guyana – ein doppelter Feiertag

Tag 6 der Ueberfahrt. Die Stimmung an Bord von Marisol ist ausgezeichnet. Das Wetter meint es gut mit uns. Der Passat schiebt uns, die Welle ist moderat, das Leben an Bord rundum schoen. Wir haben heute Bergfest, die Haelfte der Strecke liegt hinter uns, und wir ueberqueren heute den AEquator und sind dann wieder auf der Nordhalbkugel. Zwei Gruende zu feiern.
Am Mittwoch haben wir Jacare gegen Mittag bei Hochwasser verlassen. Das Ablegemanoever war furchtbar, das Schlimmste unserer Reise, wir haben uns mit dem Kiel in der Mooring des Nachbarboots verheddert, doch zum Glueck ist nichts passiert. Durch die tatkraeftige Unterstuetzung unserer hollaendischen Nachbarn kamen wir frei. In der Flussmuendung treffen wir noch einmal die kleinen Delfine, die Fregattvoegel kreisen, ein letzter Blick aufs Fort, das hohe Silo und den Strand von Cabedelo und schon sind wir unterwegs.
Den zweiten Tag der Reise wuerde ich gern aus meinem Gedaechtnis streichen, ich war furchtbar seekrank. Als ich im stroemenden Regen ueber der Kante hing, habe ich mich nicht zum ersten Mal gefragt warum ich das tue. Die ersten beiden Tage aergerten uns gelegentliche Schauer, seitdem ist es trocken.
Jetzt macht das Segeln Spass, die Tage gehen ineinander ueber, die Ereignislosigkeit ist Luxus. War das gestern als ich das Schiff gesehen habe? Ursel, unsere Windsteueranlage, uebernimmt das Rudergehen, wir lesen, hoeren Musik und Podcasts, unterhalten uns, schlafen und futtern uns durch unsere Vorraete. Das Motto ist, was wir aufgegessen haben, kann nicht mehr schlecht werden. Gestern gab es Nudeln mit Zucchini-Tomaten-Sosse und Tomaten-Gurken-Salat, ausserdem Melone. Heute stehen Suesskartoffeln mit Rotkohl-Tsatsiki und Papaya auf der Speisekarte. Unsere Bananen haben wir schon fast aufgegessen, aber ab morgen muessen wir uns dringend um unsere Ananas kuemmern.
Der Sternenhimmel ist fantastisch, wir koennen Venus, Jupiter, Mars und Saturn sehen. Da der Mond sich nur kurz nach Sonnenuntergang zeigt, ist es so dunkel, dass die Planeten eine silberne Strasse aufs Wasser zeichnen. Ausserdem sind viele Sternschnuppen unterwegs. Natuerlich verrate ich nicht was ich mir wuensche.
Unser friedlicher Bordalltag wurde heute Morgen empfindlich gestoert. Nobbi hat mich mit Kaffee geduscht. Ich schlief, als die Kaffeekanne (French Press) sich nicht runterdruecken lassen wollte und dann schliesslich doch nachgab. Was fuer ein Schreck. Zum Glueck ist nichts passiert. Nur die Kaffeeflecken auf meinem T-Shirt, das eigentlich Nobbi gehoert, und der leichte Kaffeegeruch in unserer Koje erinnern an den Zwischenfall.

Abschied von Brasilien

Nach einer Neuauflage der Chicken-Pool-Party am Sonntag, ist für uns die Zeit des Abschieds gekommen.
Wir wollen auschecken. Die Behörden hier haben einen zweifelhaften Ruf, es soll ewig dauern, Geschichten von sehr langen Aufenthalten bei der Policia Federal kursieren und der Zoll soll es besonders genau nehmen. Wir beschließen es entspannt angehen zulassen und uns selbst ein Bild zu machen. Für die Ausreise muss man zunächst zur Policia Federal, der Immigration, und sich den Pass stempeln lassen, dann zur Receita Federal, das ist der Zoll, und schließlich zur Capitania. Das Prozedere wird dadurch erschwert, dass die drei Behörden in drei verschiedenen Stadtteilen liegen. Die Policia Federal ist in Intermares, die zuständige Receita Federal in Cabedelo und die Capitania in Joao Pessoa.
Zunächst laufen wir nach Intermares und beschließen den Weg am Strand entlang zu nehmen, das ist zwar nicht der direkte Weg, aber wir hoffen auf einen schöneren Weg und frischen Wind. Leider weht kein Wind und es ist sehr heiß. Bei der Polizei hingegen ist es angenehm kühl. Nach ein paar Minuten Wartezeit werden wir aufgerufen. Ein fröhlicher Beamter macht unsere Papiere fertig, nur das Einlesen unserer Pässe dauert etwas. Er beklagt sich über das langsame Internet und wir lachen gemeinsam über den mühsam wachsenden Ladebalken auf seinem Bildschirm. Wir bekommen unsere Stempel und dazu gute Wünsche für die Reise. Das ging schon mal fix. Nun müssen wir nach Cabedelo. Da der Zug erst in über einer Stunde wieder fährt, beschließen wir ein Taxi zunehmen. Wir laufen zehn Minuten bis wir ein Taxi finden und sind dann schnell in Cabedelo.
Zunächst stehen wir im falschen Büro der Receita Federal. Eine junge Frau erklärt uns in schönstem Englisch, dass ihr Englisch leider nicht sehr gut sei, ob sie uns den Weg auch auf Spanisch beschreiben könnte. Ein paar Minuten später sind wir auf dem Hafengelände und auf der Suche nach dem Büro der Receita Federal, da geht hinter uns ein Fenster auf. Wir sind vorbei gelaufen.
Ein sehr resoluter Mann kramt in unseren Unterlagen. Wir haben unsere Bootspapiere nicht mit. Warum eigentlich nicht? ? Doch wir haben Glück. Er erklärt uns, dass er seinen Kollegen aus Salvador traut, die hätten unsere Papiere sicherlich geprüft. Dann wird es lustig. Er entdeckt zwischen unseren Papieren einen Flyer, den wir in Salvador bekommen haben. Unglaublich, die Kollegen aus Salvador haben seinen Flyer kopiert. Er zeigt uns seinen Flyer im Vergleich mit dem der Kollegen aus Salvador, kopiert den aus Salvador und stempelt unsere Papiere. Dann macht er uns darauf aufmerksam, dass wir uns nicht beeilen müssen, 72 Stunden haben wir Zeit für die Ausreise. Die ganze Zeit ist sehr zackig und etwas knurrig. Als ich zum Abschied sage, dass uns Brasilien sehr gefallen hat und wir eines Tages wiederkommen wollen, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Wir sind jederzeit willkommen.
Jetzt könnten wir zur Capitania nach Joao Pessoa fahren, doch wir entscheiden uns für etwas Sightseeing. In Cabedelo beginnt die Transamazonica. Es gibt ein großes Schild am Kilometer null und ein gekacheltes Bild des Streckenverlaufs. Dahinter, sorgfältig versteckt, ist das Schild zum Fort Santa Catarina. Nicht nur die Portugiesen, auch die Holländer und Französen hatten Interesse an Brasilien und so wurde hier im 16. Jhd. .ein Fort errichtet. Die Anlage ist hübsch und der Ausblick vom Fort auf den Fluss schön. Das Fort liegt direkt neben den Tanklagern, es riecht etwas nach Raffinerie und Diesel.
Heute ging es also nach Joao Pessoa zur Capitania. Die Zugfahrt dauert eine Viertelstunde, nach ein paar Minuten Fußweg stehen wir vor der Capitania. Hier sieht es sehr ruhig aus, ob geschlossen ist? Unser Anliegen wird direkt am Empfang bearbeitet, ein paar Kopien, ein paar Stempel, „gute Reise“, das war’s.
Wir machen noch einen Spaziergang, finden Nobbis Lieblings FlipFlops in blau, kaufen Obst und Gemüse auf dem Markt und essen in einem kleinen Imbiss. Dann bummeln wir ein bisschen durch die sehr heißen Straßen im Elektro-, Bau- und Lampenviertel bis der Zug uns zurück nach Jacare bringt. Zurück auf dem Boot schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Supermarkt. Auf dem Rückweg sehen wir kleine Äffchen auf der Stromleitung und legen einen Kokosnuss-Stopp an der Porta do Sol ein, wo wir ein letztes Mal den Bolero hören.
Morgen soll es weiter gehen. Wir verabschieden uns von Brasilien und freuen uns auf Französisch Guyana. Brasilien, vor allem die freundlichen Brasilianer, werden wir vermissen!
Muito obrigado Brasil! Danke für eine schöne Zeit!

Wir haben heute übrigens Geburtstag! Heute vor zwei Jahren haben wir in Lesum die Leinen gelöst.

Entspannte Warteschleife

Man kann hier spielend leicht einen Tag, oder auch eine Woche, mit Warten auf irgendwas verbringen.
Warten darauf, dass sich herausstellt auf welchem Platz in der Marina wir liegen können.
Warten darauf, dass eine Internetverbindung hergestellt wird.
Warten darauf, dass unsere Wäsche zusammengelegt ist.
Warten darauf, dass unsere Badeleiter-Aufhängung geschweißt wird.
Der Bundesstaat Bahia (mit Hauptstadt Salvador) hat einen schlechten Ruf in Sachen Effektivität und Schnelligkeit. Von den Brasilianern, die wir auf unserer Amazonasreise getroffen haben, haben wir gelernt, dass es eine Menge Witze über die Langsamkeit in Bahia gibt. Diese Witze haben einen wahren Kern. Auf meiner ganz persönlichen Landkarte ist jedoch Jacare die Hauptstadt der Langsamkeit.
Wir haben Nüsse gekauft. Es gibt hier sehr leckere Kreationen quasi gebrannte Cashewkerne mit Zimt und natürlich Paranüsse. Unsere Ausrede, weshalb wir unbedingt diese ziemlich teuren Nüsse kaufen müssen ist übrigens, dass sie super gegen den kleinen Hunger in der Nachtwache sind. Natürlich muss die Eignung vorher überprüft werden… Die Dame die die Nüsse verkauft ist sehr freundlich und sehr langsam. Hat man eine Sorte ausgewählt und die Nüsse wurden in ein Tütchen gefüllt, wird nun ein Schildchen mit Barcode darauf geklebt. Auf das Schild wird per Hand noch die Sorte notiert. Falls man das mal vergisst wird das Schild wieder abgezogen. Der Vorgang dauert locker 5 min, pro Sorte. Ich tue etwas für meine Haltung und warte auf einem Bein (Fortgeschrittene stehen auf dem Ballen, einbeinig natürlich).
Während unserer Warterei lassen wir es uns gut gehen. Wir haben bereits einige Bücher aus der Marina-Bibliothek gelesen. Hier gibt es eine große Sammlung von Romanen, Segelbüchern und Ratgebern. Interessant finde ich die hohe Anzahl an ungelesenen Langfahrtsegel-Ratgebern. Wer es bis hierher geschafft hat, braucht diese Bücher auch nicht mehr lesen. Unseren sieben Winschen ist der Aufenthalt hier gut bekommen, sie sind frisch gewartet, gefettet und besser als neu.
Beim Putzen des Hecks hatte ich gesehen, dass die Aufhängung der Badeleiter auf beiden Seiten einen kleinen Riss hat. Nichts Dramatisches, aber etwas was man im Auge behalten sollte. Gegenüber unseres Stegs ist eine Outdoor-Schweißerei. Die frisch geschweißten Edelstahlteile machten einen guten Eindruck, also haben wir ein Foto von unserem Schaden gemacht und gefragt, ob er den Riss schweißen könnte. „Klar kein Problem!“. Nun folgte eine typische Bootsbaustelle. Kleine Sache, große Baustelle. Zum Abschrauben der kleinen Platten muss man von innen gegen halten. Dafür „darf“ ich in die Backskiste. Damit ich reinpasse müssen Dieselkanister, Eimer, die Tasche mit den Teakholzresten und der Ersatzanker aus der Kiste raus. Die Niro-Halterungen wurden dem Schweißer am Strand übergeben und verschwanden erstmal, tauchten zum Glück am nächsten Tag schon kurz nach der vereinbarten Zeit wieder auf. Es mussten erst die richtigen Inox Schweißanoden besorgt werden. Mit der Arbeit sind wir sehr zufrieden. Beim Wiedereinbau haben wir sie mit Sikaflex abgedichtet (das ist eine fürchterlich schmierende schwarze Dichtungsmasse). Die Platten sitzen perfekt, ich denke das hält jetzt locker die nächsten 25 Jahre. Da ich sowieso gerade in der Kiste saß, habe ich die Kabel dort kontrolliert, ein paar neu befestigt und etwas „Wetprotect“ verteilt. Alle Kanister und Eimer sind wieder in der Kiste verschwunden. An die Baustelle erinnern nur noch die Sikaflexreste unter meinen Fingernägeln, die wohl rauswachsen müssen. Nobbi hat mehr mit dem Sikaflex rumgeschmiert aber weniger Andenken gesammelt. Er hat mir geraten so lange zu duschen bis ich völlig aufgeweicht bin, dann würde es ab gehen. Toller Tipp. Wie lange muss man denn unter einer kalten! Dusche stehen, bis man verschrumpelt?
Die letzten Tage hielten wieder interessante Tierbegegnungen bereit. Mehrere Flötenfische schwimmen um Mari, ich habe versucht sie zu füttern, aber sie hatten kein Interesse an meinem Angebot. Im Supermarkt habe ich eine riesige Spinne zwischen den Bananen gesehen, ich hatte kein Interesse an einer engeren Interaktion.
Da heute Sonntag ist, wird gegrillt, oder es gibt eine Wiederholung der Chicken-Pool-Party. Genauere Pläne gibt es noch nicht. Die Seglergemeinschaft hat sich dem brasilianischen Tempo angepasst.

Umzug in die Marina

Wir liegen am Steg. Der Umzug in die Marina gestaltete sich komplizierter als gedacht, ursprünglich wollten wir am Montag an den Steg umziehen gestern, also Mittwochmorgen, war es schließlich so weit. Um sieben Uhr, pünktlich zu Hochwasser haben wir unseren Anker ausgegraben. Das Manöver war durch die „Hilfe“ der Marineros spektakulärer als nötig, doch zum Glück kann man unsere vergleichsweise leichte Mari per Hand von den scharfkantigen Pfeilern abhalten. Hier am Steg ist es nicht unbedingt gemütlicher als am Anker, die Wellen platschen unter die Schiffe und gegen die Schwimmstege, aber die Wege sind deutlich kürzer. Morgens mal eben Duschen oder Brötchen holen geht zu Fuß einfach schneller als mit dem Beiboot. Wir freuen uns über die kurzen Wege, bringen Wäsche zum Waschen, setzen uns nachmittags mit den Laptops in den Yacht Club und freuen uns über die französischen Brötchen. Die Brötchen hier sind eine Sensation, sie sind tatsächlich nicht gesüßt! Was Zuhause selbstverständlich ist, ist hier die Ausnahme. In vielen Produkten sind unglaubliche Mengen Zucker enthalten, von versteckt kann nicht die Rede sein. Manch ein „Saft“ hat mehr Zucker als Cola, „Naturjoghurt“ ist oft unerträglich süß und eben auch fast jedes Brot ist ordentlich gezuckert. Inzwischen haben wir Säfte ohne Zuckerzusatz gefunden, wissen von welchen Herstellern es zuckerfreien Joghurt gibt und haben jetzt eben diese leckeren Brötchen entdeckt.
Die kleinen Tücken des (Boots-) Lebens halten uns auf Trab. Nobbis Computer erkennt jedes WLAN, nur das des Yacht Clubs nicht, in meinem Rucksack ist Waschmittel ausgelaufen (das hat vielleicht geschäumt) und leider haben wir die Rostbrösel der Druckfeder aus unserem kaputten Niederholer gleichmäßig übers Boot verteilt (innen und außen), was wieder zu unschönen Rostflecken führt.
Nach wie vor finde ich es hier nicht besonders schön, trotzdem fühlen wir uns wohl. Die Marina ist inzwischen fest in Französischer Hand. Die Betreiber der Marina kommen aus Frankreich, genau wie alle verbliebenen Gäste, abgesehen von uns. Die meisten sprechen gut Englisch und wir lernen jetzt Französisch in Vorbereitung auf Französisch Guyana. Wir testen unser Französisch an den Kindern auf dem Nachbarboot, die wiederum ihr Englisch an uns ausprobieren. So kommt es, dass wir uns regelmäßig gegenseitig nach dem Namen und dem Befinden fragen. Wer an der Bar etwas essen möchte muss auf Portugiesisch oder Französisch ein paar Stunden zuvor bestellen. Nobbi hat gestern auf Französisch erfolgreich eine Pizza für den Abend bestellt, die ausgesprochen lecker war.
Tierische Begegnungen sind immer ein Highlight. Regelmäßig sichten wir Delfine am Ankerplatz, in einer hohlen Palme nisten grün-gelbe Papageien, eine Truppe grüner Papageien macht viel Krach beim abendlichen Rundflug (immer in Paaren) und ein merkwürdiger Eulen(?)vogel schreit uns auf dem Weg zum Supermarkt immer vom gleichen Zaunpfahl aus herausfordernd an.

Jacare Schreivogel