Ein Faultier, Cola, Fisch und Schmetterlinge

Am Montag sind wir wieder mit Anne-Mieke und Gerrit zu einem Ausflug verabredet. Der Schmetterlingspark hat, anders als auf der Website angegeben nicht geöffnet. Schade.
Also fahren wir direkt weiter zu unserem zweiten Tagesziel, dem Cola Creek. Der Cola Creek ist ein kleiner Flusslauf, dessen Wasser durch Blätter und Wurzeln stark gefärbt ist. Die Farbe hat ihm den Namen Cola Creek eingebracht. Am Creek gibt es eine Art Freizeit-Bad. Eine Cafeteria, schattige Hütten, einen Spielplatz und einen Kinderbereich. Das ist nicht unbedingt unser Ding, da wir aber fast die ganze Zeit die einzigen Gäste sind, genießen wir den Aufenthalt. Das Wasser ist angenehm kühl und wir baden ausgiebig.
Die Suche nach einen Restaurant zum Mittagessen gestaltet sich als schwierig. Montags sind nicht nur Parks und Museen geschlossen, sondern auch viele Restaurants. Wir finden, nach einiger Fahrerei, schließlich einen Roti-Laden und werden doch noch satt. Auf dem Rückweg werfen wir einen Blick auf ein riesiges, geschlossenes Aluminiumwerk und machen einen Abstecher zu der Marina, die etwas flussaufwärts von unserem Liegeplatz liegt. Die recht lange Fahrstrecke hat uns einen interessanten Überblick darüber gegeben, wie die Menschen auf dem Land, in größerer Entfernung zu den Städten leben.
Wir sind schon fast zurück in Domburg, da entdecken wir, dass „etwas“ auf der Straße vor uns ist. Ein kleines Faultier versucht die Straße zu überqueren. Gerrit bremst natürlich auch für Faultiere, bei den Einheimischen sind wir nicht sicher. Wir wissen nicht ob wir es anfassen sollen. Nobbi fasst zu und stupst es von der Straße. Es ist teilweise nass, ob es im Graben gelandet ist? Ich kann nicht widerstehen und streichle es. Es ist viel weicher als ich gedacht hätte. Faultiere sind gute Schwimmer, haben eine ausgesprochen gute Wundheilung (das ist doch sehr spannend!) und können sich mit ihren langen Krallen gut wehren. Das Überqueren von Straßen gehört leider nicht zu ihren besonderen Fähigkeiten.
Heute Morgen haben wir zu neunt (alles Marina-Bewohner) die Fischfabrik gleich nebenan besucht. Der Besitzer der Fischfabrik trinkt häufiger ein Bier in der Marina Bar und Gerrit hat für uns alle einen Besuch dort vereinbart. Der Fisch kommt aus dem Atlantik vor Suriname und wird dann sortiert. Die Fische werden ausgenommen und tiefgefroren. Die Fabrik produziert „Surimi“, dafür werden die Fische ausgenommen und gewaschen. Dann werden Blut, Fett, Knochen und Schuppen entfernt. Schließlich wird das Fleisch gemahlen und mit Zuckern vermengt. Dieses Surimi wird nach Japan verkauft und dort zu Fischfrikadellen weiter verarbeitet. Überhaupt ist das Geschäft sehr international. Letztlich landet der Fisch aus Suriname überall auf der Welt: in Japan, in der ganzen Karibik, in Europa, in Afrika… manchmal direkt, manchmal über Zwischenstationen. Zum Beispiel wird ein Teil des Fisches in Holland geräuchert und dann weiter verkauft, ein großer Teil geht nach Jamaika, sowohl in der unteren Preisklasse für die lokalen Märkte, als auch die teuersten Fische für die Touristenhotels. Wir dürfen uns die Maschinen ansehen (wann sieht man schon mal eine Fischwaschmaschine), laufen durch Kühl- und Gefrierhäuser und stellen ganz viele Fragen. Die ganze Anlage ist extrem sauber. Nach Fisch riecht es überhaupt nicht und eklig ist hier gar nichts. Ein informativer und interessanter Tagesbeginn! Anschließend werfen wir natürlich noch einen Blick auf die Fischtrawler.
Wir (die bewährte holländisch-deutsche Reisegruppe) beschließen unser Glück erneut beim Schmetterlingspark zu versuchen. In erster Linie handelt es sich gar nicht um eine Touristenattraktion, sondern um eine Schmetterlingsfarm. Die Schmetterlinge werden hier gezüchtet und exportiert. Schmetterlingsparks und Zoos in Europa und den USA sind die Kunden. Es gibt ein Insektenmuseum, einen Raum in dem ganz toll die verschiedenen Ökosysteme in Suriname dargestellt werden und ein großes Gehege in dem viele Schmetterlinge leben und man Spazieren gehen kann. Außerdem bekommen wir eine Führung. Zunächst laufen wir durch einen wunderschönen Sekundärwald, die Chefin zeigt uns Fledermäuse und erklärt uns verschiedene Pflanzen und ihre Nutzung in Suriname. Wir sehen wo die Schmetterlinge gehalten werden, wo sie ihre Eier auf ihre Wirtspflanze legen, wie die Raupen gefüttert werden und wie die Puppen für den Export verpackt werden. Es gibt gold-glänzende Puppen. Das wusste ich nicht. Und man kann unterschiedliche Schmetterlinge nicht zusammenhalten. Die verschiedenen Arten müssen einen ähnlichen Charakter haben, sonst verstehen sie sich nicht, lassen sich nicht fressen oder ärgern sich gegenseitig. Außerdem werden noch Boaconstrictors gezogen und Schildkröten verkauft.
Ein sehr leckeres spätes Mittagessen rundet einen tollen Besuch ab. Wer jemals nach Suriname kommt sollte unbedingt den Schmetterlingspark besuchen, ich habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt!

Fort Nieuw Amsterdam

Unsere kleine holländisch-deutsche Reisegruppe (wir sind wieder zu viert unterwegs) hat beschlossen noch einmal den Suriname River zu überqueren und sich das Fort Nieuw Amsterdam anzusehen, das am Zusammenfluss von Suriname und Comenwijne River liegt.
Als wir ankommen ist das Museum, das etwa die Hälfte des Forts einnimmt noch geschlossen. Wir warten ein wenig und beschließen dann um das Tor herum zugehen und später zu bezahlen. Das Freilichtmuseum ist erstaunlich groß, vielfältig und sehr interessant. Wir erfahren einiges über die verschiedenen Einwanderungswellen nach Suriname, es gibt eine kleine Ausstellung über die Sklavenzeit, die ehemaligen Gefängnisse sind gut erhalten, genauso wie die beiden Pulverhäuser. Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe Kanonen zu sehen, die Hütten in denen Sklaven lebten und ein ehemaliges Feuerschiff. Als wir Hunger bekommen verlassen wir das Museum und finden ein noch geschlossenes Restaurant. Für uns wird geöffnet, wir bekommen etwas zu trinken und einige (holländische) Snacks. Frisch gestärkt gehen wir wieder ins Museum, diesmal bezahlen wir Eintritt und setzen unsere Besichtigung fort. Ein Regenschauer bringt etwas Abkühlung. Auf dem Museumsgelände entdecken wir interessante Vögel, z.B. Kolibris und einen Tagschläfer, der nachtaktiv ist, tagsüber schläft (wer hätte das gedacht) und sich als Ast tarnt.
Heute, am Sonntag, legen wir einen Bootstag ein. Die Wäsche ist fast, aber eben nur fast trocken als ein Schauer für Hektik sorgt. Das Klima unter Deck erinnert ein wenig an ein Dampfbad, die feuchte Wäsche hängt unter Deck, auf dem Herd kocht der Kartoffelauflauf und die Fenster müssen geschlossen bleiben. Nun ist es wieder trocken, die Wäsche hängt wieder draußen in der Sonne und die Chancen auf ein trockenes Bettlaken steigen mit jeder Minute.

Plantagen-Tag

Zusammen mit Anne-Mieke und Gerrit wollen wir einen Ausflug unternehmen. Es geht über die hohe Brücke auf die andere Seite des Suriname Rivers. Wir parken am Comenwijne River, ein kleines Boot bringt uns zur Plantage Fredriksdorp. Die Plantagen am Fluss waren alle 600m breit und verschieden tief, in der Mitte der Plantage gab es einen Kanal mit einer Schleuse zum Fluss. In Fredriksdorp wurde Kaffee und Kakao angebaut. Die Plantage, die im 18. Jhd. Von einem Deutschen gegründet wurde ist nicht mehr in Betrieb, aber einige Gebäude, wie das Ärztehaus, das frühere Gefängnis und die Häuser der Polizisten sind sehr schön erhalten. Wir bekommen eine sehr interessante Führung zur Geschichte der Plantage und erfahren gleichzeitig viel über die Geschichte Surinames. Ein leckeres Mittagessen im Restaurant auf dem Gelände der Plantage rundet unseren Besuch ab.
Wir beschließen auf dem Rückweg die alte Zuckerfabrik in Marienburg zu Besuchen. Neben Rohrzucker wurde hier Rum produziert, der nach Hamburg verschifft wurde und später auch Kristallzucker. Die Plantage samt Fabrik wurde 1974 an den Staat verkauft und Ende der Achtziger Jahre endete die Zuckerproduktion hier. Der Marienburg Rum wird heute in Paramaribo hergestellt, die Melasse wird aber importiert. Der für den Export bestimmte Rum hat 81 % Alkohol und gehört damit zu den stärksten Rumsorten. In unserem kleinen Supermarkt hier wollte der Inhaber Nobbi eine Flasche mit 90 % verkaufen, er hat dankend abgelehnt. Ein früherer Angestellter der Zuckerfabrik führt uns über die Anlage. Der Rundgang ist informativ, auch weil er sich bereitwillig von uns ausfragen lässt. Sein Großvater ist aus Java (via Amsterdam) nach Suriname gekommen, seine Tochter lebt heute in Delft. Die Natur erobert das Fabrikgelände zurück, Bäume wachsen auf den Dächern und in den Gebäuden und wir treffen ungewöhnlich viele Bienen.
Den Abschluss des schönen Tages bildet ein ausgiebiges Bad im Pool der Marina Domburg.

Paramaribo

Am Dienstag unternehmen wir einen Ausflug nach Paramaribo. Das Mieten eines Autos ist hier sehr günstig. Freunde von uns haben ein Auto für zwei Wochen und uns gefragt, ob wir es uns teilen möchten. Suriname hat Linksverkehr und ich bin froh, dass Nobbi fährt.
Paramaribo ist die Hauptstadt Surinames. Suriname ist eines dieser Länder über das ich praktisch nichts weiß. Es ist das kleinste Land Südamerikas und seit 1975 unabhängig. Die Holländer haben ihre Sprache hier gelassen, Niederländisch ist Amtssprache. Sranan-Tongo ist eine Kreolsprache, die von fast allen Bewohnern gesprochen wird. Außerdem haben die vielen verschiedenen Einwanderer ihre Sprachen mitgebracht.
Ein Drittel der 600.000 Einwohner hat afrikanische Wurzeln, ihre Vorfahren kamen als Sklaven nach Suriname. Zunächst Inder und später Javanesen kamen als Arbeitskräfte her. Auch hier sind die Supermärkte in chinesischer Hand. Die gemischte Bevölkerung hat nicht nur zu einer religiösen Vielfalt sondern auch zu einer kulinarischen Vielfalt geführt. Roti, Bami, Saté und Poffertjes gelten als einheimisches Essen. Suriname ist aber auch ein Auswandererland. Fast 30 Prozent der in Suriname geborenen Menschen leben im Ausland, sehr viele davon in den Niederlanden.
Wir parken das Auto am Fort Zeelandia im Zentrum der Altstadt und spazieren durch die Straßen. Die weißen Holzhäuser mit grünen Fensterläden gefallen uns sehr. Hier und dort steht ein „Projekt“, doch viele Häuser sind sehr gepflegt, was sicher auch daran liegt, dass Regierungsinstitutionen viele der alten Häuser bewohnen. Wir kommen am Präsidentenpalast vorbei, am Kabinett, an der National Versammlung, am Gericht und am Finanzministerium. Uns fällt auf, dass überall auf Halbmast geflaggt ist und fragen die Soldatin, die die Nationalversammlung bewacht. Sie weiß es auch nicht und schickt uns ins Gebäude. Wir erfahren dort, dass ein Mitglied des Parlaments gestorben ist.
Die hölzerne Kathedrale gefällt uns besonders gut. Eigentlich wird sie gerade geschlossen, doch die zuständige Dame erlaubt uns einen Besuch. Nach den brasilianischen goldenen und überladenen Kirchen gefällt und die zurückhaltende Gestaltung besonders gut. Leider ist das Dach nicht so richtig dicht, es muss immer wieder restauriert werden. Natürlich machen wir auch einen Abstecher zur Synagoge und zur Moschee. Die beiden stehen friedlich Seite an Seite.
Übrigens wird in Suriname gerade der „Monat der Gerechtigkeit für alle Weltbürger“ gefeiert und überall sind die bunten Flaggen zu sehen. Das gefällt uns. Dass die Einwohner friedlich zusammen wohnen, heißt jedoch nicht, dass nicht mit Vorurteilen um sich geworfen wird. Der eine rät uns prinzipiell von schwarzen Taxifahrern ab, der nächste klärt uns über die Unzuverlässigkeit von Chinesen auf, usw. … Alle scheinen sich jedoch darüber einig zu sein, dass die Regierung an allem Schuld ist.
Es ist so heiß, dass wir erstmal einen Trinkstopp an einem Kiosk einlegen und eine Literflasche Wasser leeren, dann geht es durch einen Park mit Palmen zu einem schattigen Café.
Auf dem Rückweg möchte Nobbi einen Friseurstopp einlegen. Beim ersten Friseur wollen wir nicht halten, weil wir noch mitten im Stau stecken. Den zweiten Friseur sehen wir zu spät, aber beim dritten halten wir auf dem Seitenstreifen. Nobbi bekommt den schlechtesten Haarschnitt seines Lebens für 2,50 Euro, ist aber froh einen Teil seiner Wolle los zu sein.
Mittwoch fahren wir nach einem gemütlichen Frühstück an Land. Wir haben unsere Computer dabei uns wollen einiges erledigen und recherchieren. Ich lade einen Blogpost und Fotos hoch, dann beschließe ich Updates zu machen. 6 Stunden später bin ich fertig… so kann man auch seinen Tag um die Ecke bringen. In den nächsten Tagen werden wir wohl einen neuen Versuch in Sachen Bürotag unternehmen.

Ankunft in Suriname

Kurz nach unserer Ankunft in Domburg pumpen wir unser Schlauchboot auf und machen uns auf den Weg an Land. Was für eine dumme Idee. Wir sind viel zu müde. Schnell fahren wir zurück an Bord und fallen in unsere Koje.
Sonntagmorgen sieht die Welt viel besser aus. Wir melden uns in der Marina an und gehen Einkaufen. Geld abheben gestaltet sich nicht ganz so einfach, wir probieren viele verschiedene Karten an zwei unterschiedlichen Geldautomaten aus und bekommen schließlich eine kleine Summe. Nachmittags wird gegrillt, es gilt einen vierten Geburtstag zu feiern. Für uns eine tolle Gelegenheit Freunde und Bekannte wieder zutreffen, Neuigkeiten auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Montagmorgen werden wir von Arwin abgeholt, der uns zum Einklarieren begleitet. Der viele Verkehr sorgt für eine lange Anfahrt in das Centrum von Paramaribo. Die Straßen sind verstopft, der Bus hält mitten auf dem Highway. Das geordnete Chaos wird nur selten durch Ampeln gestört, doch die Stimmung ist entspannt, kein Hupen, kein Schimpfen. Bei der MAS liefern wir einen Packen Papiere ab, die wir zuvor an Bord ausgefüllt hatten. Da wir die Touristencard bereits in Saint Laurent gekauft hatten, müssen wir nur noch zur Immigration. Bei der Militärpolizei werden unsere Pässe gestempelt. Der nette Herr möchte sich dann noch etwas unterhalten. Wie ist es zu zweit an Bord? Habt ihr keine Angst? Wo wart ihr vorher? Was seid ihr von Beruf? Warum bekommen Menschen Krebs? Was kann man dagegen tun?
Auf dem Rückweg kaufen wir eine surinamische SIM Karte samt Datenpaket. Arwin ist ein netter Begleiter. Er unterhält sich die ganze Fahrt mit uns, beantwortet unsere Fragen, gibt uns Tipps und macht kleine Umwege, um uns interessante Gebäude zu zeigen. Wir schließen Suriname sofort ins Herz. Die Häuser sind bunt, die Gärten gepflegt. Mangobäume und Lotusblüten am Wegrand, neben dem südamerikanischen Müll. Hinduistische Tempel, Synagogen, Moscheen und Kirchen. Verzierte Zäune, abenteuerliche Hauskonstruktionen und wunderschöne Holzhäuser. Wir fühlen uns an Indonesien erinnert, in Südamerika mit holländischer Sprache.
Nachmittags baden wir ausgiebig im Pool. Das Wasser des Suriname River ist gerade ziemlich schlammig und es strömt stark, da ist das türkise Badewasser des Pools sehr willkommen. Außerdem ist der Pool nachmittags ein beliebter Treffpunkt. Die Segler hängen im Wasser, unterhalten sich und träumen von türkisem Wasser ums Boot.

 

Kurz bevor wir hier ankamen landete ein Schiff, das lange Zeit an der Boje lag, am Ufer. Nobbi überlegte schon, ob man es dort nicht bei Ebbe mit unserer Motorpumpe lenzen und bei Flut abbergen könnte, ich hatte Angst, dass wir hier plötzlich zwei Schiffe haben. Anfang der Woche wurde es leer gepumpt und von dem privaten Grundstück, auf der es lag, heruntergezogen und an Pfähle flussaufwärts gebunden. Dort sank es wenige Stunden später. Auch wenn das Boot schon etwas heruntergekommen war, so ist es doch sehr traurig ein Schiff sinken zu sehen.

Kleiner Nachtrag: Karte unserer Tour durch die Criques

Besonders gut hat es uns in den Criques östlich vom Maroni gefallen. Obwohl man in den Criques nur wenige Meilen von Saint-Laurent und vom Fluss entfernt ist, haben wir in der Woche keinen Menschen getroffen, dafür Vögel, Affen und Schmetterlinge. Auf der Karte habe ich eingezeichnet wo wir entlang gefahren sind. Es gibt viele andere mögliche Routen und weitere Crique-Kilometer zu entdecken. An vielen Stellen hätten wir gerne noch um die nächste Ecke geguckt oder wären gern noch in einen anderen Abzweig hineingefahren.

Abschied von Französisch Guyana

Am Mittwoch gehen wir wieder auf den Markt und freuen uns noch einmal über die leckere Suppe. Nachmittags geht es für uns zur Polizei an der Fähre, dort bekommen wir unseren Ausreisestempel. Samuel fährt uns mit dem Auto und, weil wir gerade unterwegs sind, zeigt er uns noch einige Dinge in der Umgebung und fährt mit uns durch ein Dorf, in dem indianische Bevölkerung nach ihren Regeln lebt. Dort wird das Land noch vom Chef des Stammes verteilt. Die Marina hat den Zollbesuch für uns bereits erledigt, wir bekommen das entsprechende Formular ausgehändigt und brauchen selbst nicht mehr zum Zoll.
Nachmittag sehen wir dem regen Verkehr der Schulboote zu. Die Piroggen, das sind Einbäume mit erhöhtem Schanzkleid, sind das Verkehrsmittel über den Maroni. Die langen, schlanken Boote knattern den ganzen Tag mit ihren Außenbordern über den Fluss. Nachts ist das Überqueren der Grenze jetzt verboten, was allerdings nicht heißt, das der ein oder andere die Überfahrt im Dunkeln nicht trotzdem wagt. Viele Kinder kommen mit dem Boot nach Saint Laurent zur Schule, nachmittags werden die Kinder dann wieder auf ihre Boote sortiert und manch einer muss ganz schön rennen, damit das Boot nicht ohne ihn ablegt.
Am Donnerstag verabschieden wir uns, kaufen noch einmal Baguette und fahren mit der ablaufenden Ebbe flussabwärts. Wir ankern in der Einfahrt zum Coswine Crique, sehen einen wunderschönen Sonnenuntergang und lauschen Brüllaffen und hunderten Papageien. Wir genießen den Abend im Cockpit und sind versucht einfach wieder in die Criques abzubiegen.
Doch wir entschließen uns Suriname eine Chance zu geben, wir wollen das Nachbarland kennenlernen. Außerdem sind wir ja bereits ausgereist. Wir nehmen die Gastlandflagge Französisch Guyanas runter. Unsere is,t mit einer halben Ausnahme (nur noch halb vorhanden und falschrum gesetzt,) die einzige Flagge Französisch Guyanas die wir in den sechs Wochen gesehen haben. Überall hängt die Tricolore, man ist schließlich in Frankreich. Bretonische Flaggen haben wir übrigens einige gesehen, an Booten, Häusern und Autos.
Freitagmorgen packe ich das Großsegel aus und stehe plötzlich in einer Wolke von Wespen (?) oder Bienen (?). Die Insekten hatten sich ein Nest unter der Persenning gebaut, mit dem wir unser Segel einpacken wenn wir länger irgendwo liegen. Wir tasten wir uns bei Niedrigwasser aus dem Crique und lassen uns von dem Maroni aufs Meer tragen. Noch lange werden wir von den Insekten begleitet, die ihr Nest suchen. Zum Glück sind die Viecher nicht aggressiv. Die Ausfahrt zieht sich, das Meer ist milchig hellgrün, viele kleine Fischerboote liegen in der Einfahrt, ab und zu springt ein gelber Fisch.
Zunächst müssen wir motoren, kein Wind, doch später können wir zum Glück segeln. Wir hatten mit Strom entlang der Küste gerechnet, der uns eine schnelle Reise beschert und erwartet, etwas zu früh in Suriname anzukommen. Doch der Strom enttäuscht uns, wir werden nicht geschoben und haben zeitweise sogar einen leichten Gegenstrom.
Bei Sonnenuntergang werden wir von einem Frachter überholt, die Nacht ist schön, der Sternenhimmel präsentiert sich in seiner ganzen Schönheit und wir zählen Sternschnuppen. Ich kann zwar nicht schlafen, ruhe mich aber während meiner Freiwache aus und freue mich über die gemütliche Koje. Als ich um zehn die Wache übernehme sagt Nobbi ich solle mein Fernglas mitbringen, wir bräuchten jeder eins zur Übergabe. Als ich an Deck komme wird mir klar weshalb. Ich bin geschockt, Fischer überall. Es sind keine kleinen Boote, wie wir sie in Brasilien gesehen haben, sondern ausgewachsene Trawler. Überall um uns herum tauchen Lichter auf, dazwischen blinken die Bojen, die die Enden der Netze markieren. Segler müssen Fischern ausweichen. Wir müssen uns also unseren Weg durch dieses Gewusel bahnen, ohne die hier ihren harten Beruf ausübenden Fischer zu behindern. Manchmal ist es schwer die Entfernungen abzuschätzen, außerdem weiß man nie so genau wie lang die Netze sind, die geschleppt werden. Die surinamische Fischerflotte beschert uns eine kurzweilige Nacht, gelegentlich hilft das Radar den Überblick zu behalten. Letztlich klappt es sehr gut, wir kommen niemandem zu nahe und die Fischer haben sicherlich auch keine Lust auf zu enge Begegnungen mit Seglern. Lediglich ein kleines unbeleuchtetes Boot, das aus der Nacht auftaucht, kurz hinter uns durch fährt und in der Dunkelheit verschwindet, erschreckt mich sehr.
In den Morgenstunden verschwindet der Wind, wir müssen wieder motoren und erreichen die Ansteuerung des Suriname Rivers pünktlich mit Niedrigwasser. Die Einfahrt in den Fluss wird uns lang, das Wasser ist schlammig braun, wir haben 36 Grad und kaum Wind. Der Strom schiebt uns später als gedacht, so kommen wir erst nur langsam voran.
Die MAS, die Maritime Authority Suriname, kommt mit einem kleinen Motorboot Längsseite und kontrolliert unsere Bootspapiere und Pässe. Die Beamten sind mit den laminierten Kopien die wir ihnen rüberreichen zufrieden, ungern wollen wir unser Pässe von einem Boot zum nächsten weitergeben.
In der Umgebung Paramaribos (der Hauptstadt) sehen wir die Fischtrawler liegen, denen wir nachts begegnet sind. Eine so große Fischereiflotte haben wir lange nicht gesehen. Dazu kommen noch Containerschiffe, Tanker und jede Menge kleiner Schlepper mit Bargen im Anhang.
Um 15 Uhr erreichen wir ziemlich müde unser Ziel Domburg. Hier liegen bereits zehn Yachten, einige kennen wir bereits aus Brasilien. Wir schnappen uns eine freie Boje und sind froh angekommen zu sein.

Bordalltag in Saint-Laurent du Maroni

Saint-Laurent gefällt uns. Die Stimmung im Ort ist fröhlich und es gibt einige ganz nette Gebäude. Der Fluss ist erfreulich sauber, wir tunken uns mehrmals täglich ein und waschen auch die Handwäsche mit Flusswasser.
Das heutige Highlight war das Einkaufen mit Einkaufswagen. Samuel, der eigentlich gar nicht mehr für die Marina arbeitet, hat heute den Einkauf erledigt und uns mit dem Auto mitgenommen. Wir haben ihn ausgequetscht und er hat all unsere Fragen nett und ausführlich beantwortet. Die Marina bietet diesen Einkaufsservice an und wir haben beschlossen uns eine Autofahrt zu gönnen, so konnten wir Wasser, Wein, Bier, Milch und Saft kaufen ohne darüber nachzudenken, ob wir die Sachen auch zum Boot getragen bekommen. Mein Französisch hat sich nicht besonders verbessert in unserer Zeit hier, doch die wirklich wichtigen Dinge schnappt man auf. Dank Haribo weiß ich jetzt was Schlümpfe heißt – Schtroumpfs! Hier gibt es fast alles zu kaufen von dem Kühlschrank und Magen träumen. Nur kein Lakritz. In Sachen Lakritz setze ich auf Suriname. Ich hoffe, dass die holländische Vergangenheit zu Lakritz-Liebe geführt hat. Wir sind ziemlich unterlakritzt (Fachwort für einen Zustand zu geringer Lakritz-Zufuhr). Natürlich haben ich eine Lakritz-Notration an Bord, die ist aber gut versteckt (Nobbi hofft darauf, dass ich hier jetzt schreibe wo… nix da!) Übrigens, ein Verkaufsschlager sind eingelegte Schweineschwänze, die gibt es in riesigen Gebinden. Uns sprechen sie nicht so an.
Ansonsten schwitzen wir bei 35 Grad und tüddeln uns durch den Bootsalltag. Wir haben einiges erledigt, allerdings hauptsächlich Dinge, die gar nicht auf der Liste standen. Die Tür zum Elektro- und Handtuchschrank geht jetzt anders herum auf. Warum haben wir das nicht viel eher gemacht? Die ganze Aktion hat eine halbe Stunde gedauert und es macht das Leben so viel einfacher.
Nobbi hat unsere Getriebe-Schaltung auseinander gebaut, geschmiert und wieder zusammen gebaut, das war gar nicht so einfach und auch nicht mal eben erledigt, doch nun können wir die Maschine wieder in den Leerlauf schalten. Ich habe in der Zeit Senfgurken eingekocht, das war eine super Idee bei 35 Grad…
Gestern waren wir mit unserer Sackkarre (ein kleines Klappding, quasi Hackenporsche für Männer) bei der Autowerkstatt und haben uns eine neue Starterbatterie gekauft, dort fand man es super lustig, dass wir die zu Fuß mitgenommen haben. Die alte Batterie haben wir strategisch günstig geparkt, als wir das nächste Mal dort vorbeikam hatte sie bereits einen neuen Eigner, bzw. war verschwunden. Der Einbau war schnell erledigt, der Motor sprang gleich an. Das war doch mal eine nette Baustelle. Wir versuchen immer noch einen O-Ring für den Außenborderstecker zu bekommen, das Unternehmen verläuft erfolglos, beschert uns aber viele nette Kontakte. Bei Würth ist man sehr hilfsbereit, wir haben nun eine Nummer für Rückfragen per WhatsApp.
Weniger kommunikativ verlief unser Besuch auf dem surinamischen Konsulat. Der Herr hat nicht so richtig mit uns gesprochen, aber das Ausstellen der Tourist Card hat ungefähr 3 Minuten gedauert. Die Tourist Card braucht man für die Einreise nach Suriname, im Prinzip ist es einfach eine Steuer. Man zahlt 37 Euro und bekommt einen Zettel.
Es gibt ja immer irgendwas Interessantes zu entdecken. Einer der großen Antennenmasten ist als Palme getarnt, das haben wir uns mal aus der Nähe angeguckt. Warum haben große Biotechunternehmen hier am Ende der Welt eine Niederlassung? Steuervorteile, Erforschung von Tropenkrankheiten oder Erprobung von Medikamenten am Ende der Welt? Vielleicht habe ich einfach zu viel Phantasie.
An der Tankstelle hängen Vogelkäfige mit kleinen Singvögeln. Ob das Sensorvögel sind? Wenn der Vogel von der Stange fällt ist die Gaskonzentration zu groß? Vermutlich sind es einfach Haustiere. Kein besonders schönes Vogelleben. Vögel sind hier sehr beliebt. Erwachsene Männer fahren gerne mit ihrem Vogel am Lenker auf dem Fahrrad durch die Gegend. Zum Piepen.
Morgen ist Mittwoch, da ist wieder Markttag. Damit steht das Programm: Obst- und Gemüseeinkauf und hinterher eine Suppe. Mal sehen ob wir da unsere Batterie wiedertreffen. Wie wir gelernt haben, werden sie gerne verwendet um Marktstände zu beschweren…

Ein Wrack als Insel

Das Highlight des Bojenfelds hier ist die Insel in der Mitte, die gar keine Insel ist. Der Dampfer Edith Cavell ist im November 1924 hier auf eine Sandbank aufgelaufen und wenige Wochen später zerbrochen. Seitdem liegt der Dampfer hier und bildet eine nett bewachsene Insel. Sehr schönes Detail: die gelben Kreuze, die die Gefahrenstelle markieren, werden von den Pflanzen als Rankhilfe akzeptiert und sind komplett eingewachsen. Am Strand liegen weitere Wracks. Kurioserweise tragen alle Wracks die Tricolore, obwohl die Edith Cavell ein englisches Schiff ist.

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St. Laurent du Maroni

St. Laurent hat eine wenig erbauliche Geschichte. Hier kamen die Schiffe mit dem Ziel Strafkolonie Franz. Guyana an. Im Camp de la Transportation wurden die Gefangenen verwaltet, aufgeteilt und von hier aus weiter geschickt in verschiedene andere Camps. Gefangene, die schon einen Fluchtversuch hinter sich hatten, als besonders gefährlich galten und politische Gefangene kamen auf die Iles du Salut. Weitere Gefangenenlager gab es in unterschiedlichen Teilen des Landes. Das Camp de la Transportation wurde 1858 gegründet, alle Gebäude wurden von Gefangenen errichtet. Der Ort St. Laurent wurde erst 1880 gegründet.
Der Gefängniskomplex ist weitgehend erhalten und kann besichtigt werden. Wir fragen beim Tourismusbüro nach einer Führung und haben Glück. Freitagnachmittag gibt es eine Englische Tour. Ronny führt unsere kleine Gruppe durch das Lager. Wir finden wir es erschreckend, wieviel Mühe man sich gemacht hat, um die Gefangenen zu quälen. Es gab Einzelhaft, angekettet im Liegen, harte Strafen und die Todesstrafe durch die Guillotine. Die Bedingungen in St. Laurent galten als vergleichsweise gut. Gefangene, die als friedlich galten und weniger schlimmer Verbrechen schuldig gesprochen worden waren, konnten „Glück haben“ und im Krankenhaus oder in der Verwaltung in St. Laurent eingesetzt werden.
Wer tatsächlich seine Strafe in Franz Guyana abgesessen hatte, musste anschließend noch länger im Land bleiben, in der Regel genauso lange wie die Haftstrafe. Hinzu kam, dass die Schiffspassage zurück nach Frankreich so teuer war, dass sie kaum jemand bezahlen konnte.

Heute ist St. Laurent ein netter Ort. Abends trifft man sich am Wasser. Familien mit kleinen Kindern machen den Spielplatz unsicher, Erwachsene sitzen an der kleinen Bar mit Blick auf den Ankerplatz und die Jugendlichen belagern den kleinen Anleger. Freitagvormittag haben wir bereits eine Autowerkstatt gefunden, in der wir am Montag eine neue Batterie kaufen können, und waren beim Super U. Super U ist der große Supermarkt hier, dort gibt es fast alles. Wir haben uns zunächst mit Lebenswichtigem eingedeckt, mit Camembert und Bordeaux. Der Weg ist nicht weit, aber bei 35 Grad war mir der Rückweg definitiv zu lang.
Heute Morgen war, wie jeden Samstag, Markt. Wir haben unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt und eine leckere vietnamesische Suppe zum Frühstück gegessen. Der Markt hat uns gefallen, das Obst und Gemüse ist in netten Häufchen aufgebaut, die jeweils ein oder zwei Euro kosten. Außerdem gibt es einige Essensstände, Blumen und natürlich die Billigklamotten, die nirgendwo fehlen dürfen. Auf dem Rückweg haben wir in einer netten Bäckerei das Baguette für heute Abend gekauft. Wir haben inzwischen 2 Bäckereien und mehrere kleine Supermärkte gefunden, die alle Baguette verkaufen. Wo kauft wohl der junge Mann aus dem Marina Büro ein?