Nachschlag San Blas

Für alle die genau wissen möchten, wo wir auf den San Blas waren, habe ich wieder eine kleine Karte gemalt. Wie man sieht sind wir einen kleinen Kringel durchs Archipel gesegelt. Und wie immer, ist diese Karte nicht zur Navigation geeignet.

Am Tor zum Pazifik

Am Mittwoch ging es von Isla Linton nach Colon. Wir konnten die ganze Strecke segeln und erlebten noch einmal einen sehr schönen Reisetag. Als eine Yacht von achtern aufkommt, die das gleiche Ziel hat wie wir, fragen wir ob sie uns fotografieren können und machen natürlich auch Fotos.
Nachmittags erreichen wir Colon, die Shelter Bay Marina liegt innerhalb der Molen, die das Hafengebiet und den Eingang zum Panama-Kanal schützen. Letztendlich ist die Einfahrt unspektakulär, es ist weniger Verkehr als wir erwartet hatten. Die Einfahrt nach Gibraltar oder das Queren der Einfahrt nach Rotterdam waren sehr viel aufregender. Trotzdem feiern wir diese Etappe, haben wir nun doch die Karibik hinter uns gelassen und sind am Tor zum Pazifik angekommen.
Schnell finden wir unseren Liegeplatz, die Marina ist perfekt organisiert, wir erfahren noch in der Einfahrt auf welcher Seite wir Fender brauchen. Nun wird Mari hier liegen bleiben, bis es für uns durch den Panama-Kanal geht. Vorher fliegen wir aber noch nach Deutschland und Mari bekommt neues Antifouling.
Für uns heißt es nun waschen, putzen, organisieren. Mari wird komplett entsalzen, unsere Wäsche wird entweder per Handwäsche bearbeitet oder wandert hier in die Waschmaschine, das Vorsegel ist schon abgeschlagen und verstaut, das Großsegel haben wir durchgesehen und Scheuerstellen getapt, der Motor hat neue Filter und einen Ölwechsel bekommen, der Ölwechsel des Getriebes ist erledigt, wir haben von einem Norweger am Steg eine neue Membran für unseren Wassermacher gekauft, die bei ihm überzählig war, und von Hamburger Seglern konnten wir einen 2 PS Außenborder übernehmen. Damit können wir nun auch unser Bananaboot motorisiert betreiben, wenn es mal etwas weitere Strecken zu überbrücken gibt. Das Schlauchboot ist bereits geputzt und verpackt. Es geht voran. Wir haben einen Flug gebucht, einen Werfttermin gemacht und Kontakt zu einem Agenten aufgenommen, um die Passage des Panama-Kanals zu organisieren.
Zuerst wussten wir nicht wo wir anfangen sollten, welchen Termin wir von welchem abhängig machen sollen, aber es hat sich alles zurecht geschüttelt. Nobbi würde sagen „das wuppt sich“. Ansonsten freuen wir uns, Bekannte wieder zutreffen und Kontakte zu knüpfen. Viele werden zur gleichen Zeit eine ähnliche Strecke segeln und wir werden uns im Pazifik wieder treffen.
Bevor wir Mari verlassen wird noch fleißig weiter geputzt und packen müssen wir auch noch. Viele Bücher kommen mit nach Hause, sollen sie doch den neuen Südsee-Revierführern Platz machen.
Der Weg zum Einkaufen ist weit, es fährt aber ein Bus von der Marina nach Colon zum Supermarkt. Die Fahrt ist schön (zumindest wenn man sie nicht zu oft macht) und geht durch den Regenwald. Man hat eine gute Aussicht auf die neue Brücke über den Kanal und fährt direkt über die Schleusen und man kann schon mal etwas Kanalluft schnuppern.

Cayos Holandes

Wir verlassen Coco Bandero und segeln zu den Cayos Holandes, oder den Holland Cays. Im Westen der Inselgruppe gibt es ein großes Gebiet umgeben von Inseln und Riffen, in dem es schöne Ankerplätze gibt. Als wir dort auftauchen, sind bereits ziemlich viele Boote dort, anscheinend ist dies heute auch ein beliebter Treffpunkt der World ARC. Doch es gibt genug Platz für alle Boote. Wir finden eine Ausbuchtung im Riff, die im Revierführer nicht als Ankerplatz verzeichnet ist. Der Platz ist ideal für uns, dunkelblaues Wasser, ziemlich tief etwa 17m, umrahmt von einem türkisen Streifen. Hier liegen wir ganz für uns, weit ab von den anderen Booten. Wir gehen ausgiebig schnorcheln und klettern erst wieder an Bord als wir komplett durchgefroren sind. Das Wasser kommt kalt über das Riff. Hinter dem Riff sinkt das kalte Wasser ab und das warme Wasser schiebt sich darüber. Das Wasser ist schön klar, auf einer Seegraswiese sehen wir hunderte Sepia und viele kleine Fische, zwischen den Korallen im flachen Wasser entdecken wir Langusten, Krebse, Schnecken und große Schulen verschiedener Fischarten. Später gehen wir auf Entdeckungstour mit dem Dinghi und sehen uns die beiden unbewohnten Inseln nahe unseres Ankerplatzes an. Im flachen Wasser taucht immer wieder eine Flosse auf, wie im Comic, wenn sich der Hai nähert. Und tatsächlich, es ist ein Babyhai. Zwischen den Mangroven tummelt sich ein ganzer Fischkindergarten.
Auch diese Inseln schrumpfen sichtlich und auch hier findet sich Müll auf der Luvseite, wenn auch weniger als wir auf den weiter innen liegenden Inseln, wie Green Island, gesehen haben. Spitzenreiter sind die Plastikflaschen, gefolgt von Flip Flops, Schuhsohlen und Crocs.
Am nächsten Morgen kommt Victor vorbei und möchte Bananen und Zitronen tauschen, am liebsten gegen Öl. Es macht Spaß unser Spanisch zu testen, wir befragen jeden Kuna, der vorbei kommt. So erfahren wir zum Beispiel wer auf welcher Insel wohnt. Auch wir werden befragt, sie wollen wissen wie der Wetterbericht ist, ob in den nächsten Tagen mehr Wind sein soll, oder wieviel Boote an welchem Platz liegen. Außerdem interessiert sie, bei wem wir Molas gekauft und was wir dafür bezahlt haben.
Etwas wehmütig trennen wir uns von dem traumhaften Platz, hier hätten wir gut noch ein paar Tage oder Wochen verbringen können. Wir werden mit einem perfekten Segeltag beschenkt, toller Segelwind und kaum Welle hinter dem schützenden Riff. Wir segeln an unzähligen kleinen Inseln vorbei. Viele sehen aus wie Palmeninseln im Comic, etwas weißer Sand, einige Kokospalmen umgeben von blauem Wasser (dazu passt dann sehr gut der Comichai, der die Flosse zeigt).
Schließlich ankern wir wieder bei Uchutupu Dummat in den Chichime Cays, unserem ersten Ankerplatz in den San Blas. Neben dem Boot finden wir einen sehr schönen Schnorchelplatz. Viele verschiedene Korallen bieten unterschiedlichen Fischen hier einen Lebensraum. Wir schnorcheln vor und nach dem verspäteten Mittagessen. Nachmittags wollen wir uns die Insel ansehen und umrunden sie zu Fuß. Wir sind schockiert. Dies ist die mit Abstand dreckigste Insel die wir besucht haben. Auf der anderen Seite der Insel liegen etwa zwanzig Boote zwischen Riff und Insel und schmeißen ihren Biomüll ins Wasser, die Ananasschale, die gammeligen Tomaten und die halben Gurken schwappen dann zwischen dem ganzen Plastikmüll am Ufer. Da hilft es wenig, dass das Wasser leuchtend blau ist. Auf der Insel sind eine Menge Touristen, die einen kommen als Tagesgäste und werden abends vom Motorboot abgeholt, die anderen wohnen in einfachen Hütten oder Zelten. Sie alle scheint es nicht zu stören, dass unter jeder Palme mindestens eine Bierdose liegt, dass kaputte Zelte am Ufer im Sand liegen oder dass sich im Inneren der Insel lauter Plastikflaschen anhäufen. Auf dieser Insel möchten wir unsere Tage in den San Blas nicht ausklingen lassen, wir genießen den Abend lieber im Cockpit.
Die Nacht ist unruhig, leider dreht der Wind auf Nordwest, wir liegen wenig geschützt und rollen im Schwell. Dienstagmorgen brechen wir früh auf, damit wir die Strecke bis nach Isla Linton bei Tageslicht schaffen. Wir kommen gut voran, segeln diesmal dicht unter der Küste und genießen den Blick auf die grünen Berge, die die dichten Wolken ab und an freigeben. Unterwegs sehen wir immer wieder Portugiesische Galeeren, die Quallen sehen toll aus mit ihrem pinken Streifen im Segel, doch beim Baden möchte man sie nicht treffen. Nach gut neun Stunden ankern wir wieder in der Linton Bay am gleichen Platz wie beim letzten Mal.

Unser Fazit nach Besuch der San Blas Inseln:
Es hat uns hier sehr gut gefallen. Das Segeln in den kleinen Etappen zwischen den vielen Inseln und Riffen hat uns viel Spaß gemacht. Wir haben zahlreiche schöne Plätze gefunden, haben viel gebadet und geschnorchelt. Leider war es oft diesig und bewölkt und der Himmel sehr grau.
Gerne hätten wir hier mehr Zeit verbracht, weitere Inseln besucht und mehr über die Kultur der Kunas erfahren.
Leider ist dieses Paradies nicht nur vom Klimawandel bedroht, es steht zu befürchten, dass es im Plastikmüll untergeht, bevor der steigende Meeresspiegel die Insel versinken lässt.

 

Coco Bandero Cays

Nach einer sehr ruhigen Nacht bei Green Island beschliessen wir nach Coco Bandero zu segeln. Mit 4 Meilen ist das ein sehr uebersichtlicher Toern. Im Osten des Riffs liegen vier Inselchen bei denen wir Ankern wollen. Eine Handvoll Yachten liegen bereits hier, doch es genuegend Platz. Wir sind mit Abstand das kleinste Boot.
Ein Kuna Mann kommt im Kanu vorbeigesegelt und winkt mit einer Languste. Wir winken zurueck, damit steht das Abendessen fest. Dazu wuerden wir gerne Knoblauch-Mayonnaise und Baguette essen. Unser (selbstgebackenes) Brot ist aber fast aufgegessen. Ich entscheide Weissbrot zu backen. Nun bestimmt das Brot den Rhythmus. Teig kneten, waehrend er geht, die Zeit zum Schnorcheln nutzen, Brot formen und in den Omnia legen, Baden und anschliessend das Brot backen.
Nachmittags besuchen wir zwei der Inseln mit dem Schlauchboot. Die Inseln sind schnell umrundet. Wir machen kitschige Strandfotos und werden ziemlich nass, als wir unser Schlauchboot wieder ins Wasser schieben. Olosicuidup ist bewohnt und hat Einfamilienhaus-Grundstueck-Groesse, vielleicht 700 m2. Eine Familie mit vier Maedchen wohnt in einer winzigen Huette mit Haengematten. Wir beobachten uns gegenseitig und winken uns ab und zu. Die Maedels spielen Basketball, als Korb dient ein Rettungsring an einer Palme. Abends wird Vaters Kanu mit vereinten Kraeften an Land gezogen. Waehrend wir unsere Langusten essen, brennt an Land ein Feuer, sonst ist es absolut dunkel. Wie es wohl ist auf so einer kleinen Insel zu leben?
Der Platz gefaellt uns, wir bleiben noch einen Tag. Leider ist es heute wieder sehr grau. Zeit Tueddelkram zu erledigen. Trotz des grauen Wetters haben wir jede Menge Entertainment. Anscheinend liegen wir hier in einem Nest‘ der World ARC. Die World ARC ist eine Segel-Rally um die Welt. Auf dem englischen Schiff querab von uns ist eine Bombenstimmung, dort traegt man vorzugsweise Adamskostuem und erfreut sich an den schockierten Reaktionen der Amerikaner. Neuankoemmlinge werden per Funk bei der Ankerplatzwahl beraten und es herrscht ein reger Dinghi-Verkehr. Ein bisschen neidisch bin ich auf den aufblasbaren, schwimmenden Sessel der Nachbarn. Das Ding ist allerdings groesser als unser Dinghi Trotzdem ist es hier nicht ueberfuellt, jeder kann den Platz finden, den er sucht.
Schweren Herzens haben wir uns entschieden unseren Termin am 30. Januar in der Shelter Bay Marina, in Colon zu bestaetigen. Es gaebe noch so viel zu entdecken, gerne wuerden wir die Inseln weiter im Osten besuchen, in den Mangroven am Festland ankern, die Inseln im Golf de San Blas besuchen und Yessica auf ihrer Insel besuchen. Yessica hat uns gestern wunderschoene Molas verkauft und uns einen Ankerplatz in der Naehe der Insel auf der sie wohnt empfohlen. Trotz allem, fuer uns geht es nun wieder westwaerts.

Von Inselchen zu Inselchen

Ukupsui, Achudup, Salardup, Banedup, Myriadup, … Dup heißt Insel. Hier gibt es für jeden Tag eine, oder zumindest eine ganz kleine.
Mittwoch sind wir an einen Platz hinter Myriadup umgezogen. Nur 3 Meilen entfernt von dem Platz an dem wir zuvor lagen. Diesen Platz hatten wir ganz für uns alleine. Auf der einen Seite von Myriadup wohnt eine Familie. Nachmittags kommen die Eltern mit ihren beiden kleinen Kindern mit dem Kanu längsseite und fragen nach Wasser. Auf den kleinen Inseln gibt es kein Frischwasser. Wir schenken ihnen außerdem den Rest von unserem Nescafé, der hier anscheinend sehr beliebt ist. Sie freuen sich sehr und beschenken uns mit Fisch. Vielleicht Barakuda? Dass Kopf und Schwanz fehlen erschwert die Bestimmung. Da wir vorher bereits einen Bonito gekauft haben, gibt es zum Abendessen nun reichlich Fisch und wir starten eine kleine Versuchsreihe. Nach Bonito in Limette und Kokosmilch (roh), Bonito in Sojasoße und Sesam gebraten, Bonito pur gebraten und Barrakuda-Steaks sind wir sehr, sehr satt. Für eine Fischsuppe am nächsten Mittag hat es auch noch gereicht.
Die Jungs, die uns den Fisch verkauft haben waren keine Verkaufsprofis, schüchtern haben sie den Fisch hochgehalten, sind erst näher gekommen, als wir sie herangewinkt haben und wollten zwei Dollar für einen Fisch haben. Ganz anders die junge Frau, die uns zwei Tage zuvor eine Mola verkauft hat. Zack, saß sie bei uns im Cockpit, so schnell konnten wir gar nicht gucken. Wir haben uns eine sehr schöne Mola ausgesucht, Nobbi hat sie runter gehandelt, am Ende waren alle zufrieden. Einen Stift haben wir ihr gerne geschenkt, unser Fernglas haben wir aber nicht hergegeben.
Bevor wir am nächsten Tag weiterziehen wollen wir uns die Insel ansehen. Es wird gebaut, außerdem sieht es aus als würde die Insel auseinander brechen. Ein junger Mann kommt uns entgegen als wir unser Boot an den Strand ziehen. Wir dürfen uns umsehen, aber keine Fotos machen, sie haben keine Lizenz. Ob sie für den Bau der Hütten, die ein Hotel werden sollen, keine Lizenz haben oder für das Abholzen der Mangroven oder für Ausfahren mit Touristen, verstehen wir nicht. Die neuen Hütten mit ihren grünen Dächern und Holzwänden passen gut unter die Palmen, doch wir fragen uns wie lange die Insel den Hotelbetrieb erleben wird. Sie flachen Inseln sind bedroht, durch den Anstieg des Meeresspiegels und durch starke Stürme. Aus der Insel sind bereits zwei geworden und die Wellen, die über das Riff donnern nagen an dem schmalen Streifen Land. Nun werden die Mangroven abgeholzt und die kleine Insel noch mehr der Gewalt der Wellen ausgesetzt.
Wir holen den Anker auf, verlassen vorsichtig den flachen Bereich und segeln entspannt innerhalb des Riffs nach Osten. Überall gibt es kleine Riffe und versunkene Inseln, die man mal sehr gut, mal gar nicht sieht. Wir steuern den Ankerplatz hinter Kanlildup oder Green Island an. Im Osten der Insel liegen schon viele Yachten, im Westen der Insel ist noch Platz. Ein sehr schöner Platz. Blaues Wasser eingerahmt von türkisenen, flachen Bereichen, eine palmenbestandene Insel mit weißem Stand. Den ganzen Nachmittag schwimmt eine Schildköte in der Nähe von Mari. Nachmittags machen wir einen Spaziergang auf der Insel, hier gibt es keine Mangroven, nur Kokospalmen, ein paar Gräser, ein paar kleine den bodenbedeckende Pflanzen und einige Vögel. Leider sehen wir auch hier sehr viel Plastikmüll, hauptsächlich Plastikflaschen.
Vor zwei Tagen saßen wir gerade gemütlich im Cockpit, da macht es Pfüüüüüt. Unsere Gasflasche! Der Boden ist durchgerostet. Zum Glück war kaum noch Gas in der Flasche, wir haben den Schlauch abgenommen und sie einmal aufgedreht, da war sie gleich leer. Sie hat ein Loch im Boden. Einfach durchgerostet. Da hilft es uns wenig, dass draufsteht, dass sie bis 2023 getestet ist… Wir hatten bereits nachdem uns die erste deutsche Gasflasche durchgerostet ist beschlossen, dass wir diese auch loswerden wollen und haben uns auf Bonaire eine amerikanische Flasche aus Kevlar gekauft, die kann nicht rosten. So erlebt man immer etwas an Bord, auch wenn man eigentlich nur einen gemütlichen Tag am Anker verbringen wollte.

San Blas Inseln

Am Samstag haben wir einen weiteren Ausflug nach Portobelo unternommen, haben uns das zweite Fort angesehen, sind ein wenig an der Kueste entlanggelaufen, haben eingekauft, leckere Maracuja-Torte gegessen und haben Ewigkeiten auf den Bus zurueck nach Isla Linton gewartet.


Sonntag klingelte der Wecker frueh, als wir unseren Kaffee trinken ist es noch dunkel. Um halb sieben, in der Daemmerung fahren wir los und faedeln uns durch die vielen Ankerlieger nach draussen. Ganz langsam quaelen wir uns hinter der Isla Linton hervor, an dem vorgelagerten Riff vorbei ins freie Wasser. Wind und Welle kommen direkt voran, das macht keinen Spass. Ich denke, wenn es so weiter geht koennen wir gleich wieder umkehren. Unsere heutige Etappe ist 44 Meilen lang und wir muessen ankommen bevor es dunkel wird.
Zum Glueck koennen wir bald segeln. Hart am Wind kaempft Mari sich ueber die betraechtlichen Wellen. Wir werden ordentlich durch die Gegend geschleudert und muessen uns gut festhalten. Nach neun Stunden erreichen wir unseren Ankerplatz. Leider ist es inzwischen komplett bewoelkt. Die Navigation ist hier nicht ganz einfach, kleine flache Inseln liegen auf unzaehligen Riffe. Es wird empfohlen die Ankerplaetze stets mit der Sonne im Ruecken anzusteuern. Die Ansteuerung unseres ersten Ankerplatzes hinter Uchutupu Dummat ist gluecklicherweise einfach. Mit unserem vorausschauenden Echolot tasten wir uns ins flachere Wasser. Sehen koennen wir das Riff vor uns nicht, das Wasser ist gleichmaessig grau.
Wir sind in den San Blas Islands angekommen. Die San Blas Inseln und das Hinterland sind als Guna Yala autonom. Die Kuna Indianer leben hier unabhaengig und bewahren ihre Kultur und ihre Traditionen. Fremde duerfen hier weder siedeln noch einheiraten. Die Kunas leben von den Kokospalmen auf den unzaehligen Inseln (340 sollen es sein), von der Landwirtschaft und vom Fisch. Im Westen der Inselgruppe, wo wir unterwegs sind, ist Tourismus eine weitere Einnahmequelle, neben den Seglern kommen immer mehr Backpacker auf die Inseln. Die oestlichen Inseln an der Grenze zu Kolumbien sind urspruenglicher. Ausserdem verkaufen die Kuna-Frauen Molas, das sind bunte Naeharbeiten, bei den verschiedene Stoffe mit kleinen Stichen vernaeht werden, so dass abstrakte Muster oder Tieremotive entstehen.
Wir hatten eine ruhige Nacht am ersten Ankerplatz, doch morgens nimmt der Schwell zu. Die Welle, die draussen aufs Riff donnert, wird immer hoeher und laeuft nun auch ums Riff herum. Wir beschliessen an einen anderen Platz umzuziehen. Eigentlich dachten wir an gemuetliches Segeln im Schutz der vorgelagerten Riffe, doch es kommt, wie so oft, ganz anders als erwartet. Der kraeftige Wind baut eine ueberraschend hohe und steile Welle auf. Wir fuehlen uns an die Daenische Suedsee bei starkem Westwind erinnert, dann ist es dort auch nicht so lieblich wie an ruhigen Sommertagen.
Unsere Mari wird komplett eingesalzen, auch wir bekommen reichlich salzigen Sprueh ab, genau wie Kamera, Fernglaeser und Tablet. Schliesslich erreichen wir die Naguargandup Cays und ankern im Nordwesten der kleinen Inselgruppe hinter Salardup. Wir waren nicht mal zweieinhalb Stunden unterwegs, doch es kommt uns viel laenger vor.
Die Fotos reichen wir nach wenn wir eine Internetverbindung haben. Stellt euch einfach eine Postkartenidylle vor: kleine Inseln, weisser Strand, Palmen, die sich im Wind wiegen, tuerkises und dunkelblaues Wasser. So sieht es hier aus, zumindest wenn die Sonne scheint. Zwischendurch ist es immer wieder sehr grau und die Sicht schlecht. Die Bergkette im Sueden koennen wir in den dicken Wolken nur erahnen.

Linton Bay

Der Ankerplatz hinter der Isla Linton gefällt uns, auch wenn es ziemlich voll ist. Hier ist so eine Art Seglerdrehkreuz, hier treffen sich die Wege derer die nach Norden wollen, derer die nach Kolumbien weitersegeln und derer die durch den Panamakanal gehen. Die recht neue Linton Bay Marina mit dem riesigen Travel-Lift läuft bestens und ist gut belegt. Wir liegen aber lieber vor Anker, fahren nachmittags an Land zur Marina Bar und haben inzwischen schon viele Segler kennengelernt und wieder getroffen.
Wir bereiten unseren Abstecher nach Deutschland und die weitere Reise vor. Die Zahl der Listen steigt ständig und soll verhindern, dass wir den Überblick verlieren. Neben der ganz normalen ToDo Liste, sammeln wir Dinge, die mit nach Hause sollen, die wir in Deutschland erledigen oder einkaufen müssen, die wir für Lieferung nach Panama bestellen können, die wir in Panama organisieren müssen, die wir recherchieren möchten wenn wir eine vernünftige Internetverbindung haben, usw. Zum Glück kommen wir auch beim Abarbeiten der aufgestellten Listen voran.
Kleine Pannen sorgen für Abenteuer und neue Aufgaben, die sich an jeder Liste vorbeidrängeln. Gestern Nachmittag wollten wir eigentlich nur auf ein Bier an Land fahren. Wir haben uns festgequatscht, sind dann noch weitergezogen und haben an Land gegessen. Als wir zurück zum Boot fahren wollen ist es lange dunkel. Unser Außenborder will nicht anspringen. Alle Überredungsversuche scheitern. Schließlich rudert Nobbi mich nach Hause. Sehr romantisch im Mondschein. Es ist nicht ganz einfach ein Schlauchboot eine längere Strecke zu rudern und wir sind froh, dass der Wind auf unserer Seite ist und nicht gegenan bläst.
Heute Morgen entfällt der Landgang zunächst, wir kommen hier ohne Außenborder nicht an Land. Nobbi zerlegt den Motor, säubert und streichelt ihn ein bisschen. Danach schnurrt er wieder und wir können wieder jederzeit an Land fahren.
Tierische Erlebnisse bieten Unterhaltung. Wir hatten eine Schildkröte neben den Boot und eine Fledermaus im Boot. Die Fledermaus steht auf Bananen und hinterlässt große Löcher in ihnen. Nobbi ist nicht mehr bereit mit einer Fledermaus zu teilen und versteckt die Bananen nun abends. An Mangos hat die Fledermaus kein Interesse. Unsere Grün-Abfälle verfuttern wir an die Bootshühner, sie sind begeistert. Auf einem Grundstück am Wasser hält jemand Strauße und an der Marina sind viele Hunde unterwegs. Bei unserem Spaziergang gestern Morgen haben wir viele Brüllaffen gesehen, die wir schon oft gehört haben, und gleich drei Faultiere. Hier ist es also ein wenig wie im Zoo. Übrigens, wir freuen uns nicht nur über Tiere, die wir sehen, sondern manchmal auch darüber wenn wir Tiere nicht sehen. Netterweise gibt es hier kaum Moskitos, trotz des grünen Dschungels auf allen Seiten.

Wir sind in Panama!

Hinter mir stürzt sich der große Wagen ins Meer, vor mir funkelt Sirius in allen Farben. Es ist sehr dunkel, aber sternenklar. Das Wasser rauscht an Maris Bug. Ich schaue mir den Sternenhimmel an und beschließe noch ein Kapitel in meinem Buch zu lesen.
Wir hatten eine schöne Überfahrt von Curacao nach Panama, ziemlich genau sechs Tage und sechs Nächte haben wir gebraucht. Am Montag um 14 Uhr ging es los, am Sonntag um 14 Uhr sind wir hier angekommen.
Die Reise beginnt spannend. Nobbi meldet sich über Funk, wir möchten die Brücke passieren. Zunächst bekommen wir keine Antwort. Doch schließlich meldet sich jemand. Die Brücke wird gerade geöffnet, große Schiffe wollen einlaufen. Die Schiffe sind noch weit weg, wir können direkt durchfahren. In Willemstad ist viel los, vier Kreuzfahrtschiffe sind zu Besuch. Auf unzähligen Fotos passiert eine kleine deutsche Yacht die geöffnete Brücke.
Schiebt der Strom uns in der ersten Nacht noch kräftig an Aruba vorbei, treffen wir bald auf den „Carribbean Countercurrent“ der uns dann mal mehr mal weniger verlangsamt und uns erst kurz vor Panama wieder loslässt. Als wir die Küste Kolumbiens hinter uns haben, sind wir erleichtert. In den letzten Wochen war hier immer sehr viel Wind. Der Wetterbericht hat Wort gehalten, wir haben, abgesehen von einer kurzen Flaute in der wir einige Stunden dümpeln, immer vier bis fünf Windstärken. Schönste Segelbedingungen.
Unterwegs haben wir mehr Großschiffe gesehen als auf allen anderen Passagen. Vor Aruba tummelten sich nachts die Kreuzfahrer, viele Schiffe waren auf dem Weg von oder nach Kolumbien und schließlich viele Schiffe mit dem Ziel Panamakanal. Am letzten Tag ist ein Hamburg-Süd Frachter uns doch recht nahe gekommen. Er fuhr hinter uns her. Irgendwann habe ich ihn angefunkt und gefragt ob er uns gesehen hat. Ja hat er, er würde nun so weiter fahren und uns überholen. Doch dann hat er „heimlich“ den Kurs geändert uns ist uns immer näher gekommen. „Heimlich“ ist in Zeiten von AIS ziemlich unheimlich, kann man doch den Kurs des anderen abgelesen. Nobbi erklärt mir fröhlich: „wenn ich von einem Frachter überfahren werde, möchte ich wenigstens als letztes den Hamburg Schriftzug lesen“. Mein Eindruck bestätigt sich immer wieder. Hamburg ist eine schöne Stadt, aber diese Hamburger sind komische Leute. Wir haben uns nicht überfahren lassen, auch nicht von einem Hamburg-Süd Schiff.
Noch nie haben wir so viele fliegende Fische gesehen, manchmal sah es aus als würde es Fische regnen, weil ganze Schwärme von Fischen gleichzeitig gesprungen sind. Viele haben Mari getroffen. Die die ins Cockpit fliegen, schmeißen wir möglichst lebend wieder rein, die die an Deck liegen werden am nächsten Morgen seebestattet. Am Morgen des fünften Tages hat Nobbi 52 Fische von Deck gesammelt. Unser ganzes Schiff ist voller Schuppen. Ein Fisch hat einen dicken Fettfleck (und einige Schuppen) auf der Windfahne hinterlassen. Doch wir haben nicht nur die Gejagten gesehen, sondern auf die Jäger. Ein Thunfisch hat einen riesigen Satz gemacht und ein Marlin ist weit aus dem Wasser gesprungen. Am schönsten war jedoch die Begegnung mit drei Pottwalen. Alle drei waren etwa so lang wie unser Boot und kamen uns entgegen.
Sonntagnachmittag fällt der Anker hinter der Isla Linton bei dem kleinen Ort Porto Lindo. Wir sind in Panama! Wir klaren auf, pusten das Schlauchboot auf, essen Bratkartoffeln und fallen in die Koje.

Heute Morgen sind wir wieder fit. Nach elf! Stunden Schlaf kann man das wohl auch erwarten. Wir fahren an Land, finden das Büro der AMP und bekommen dort unser „Cruising Permit“. Der Wisch kostet 185 Dollar und ist gültig für ein Jahr. Der nette Beamte unterhält sich mit uns, erklärt uns, dass er viel schneller arbeitet als in Colon und wir Glück haben, dass wir am Montag einklarieren, kostet das Permit an Sonntagen doch 20 Dollar mehr.
Nun müssen wir noch zur Immigration, dafür müssen wir nach Portobelo. Der Bus ist theoretisch vor fünf Minuten abgefahren, doch ein Paar sitzt noch an der Bushaltestelle, der Bus war noch nicht da. Wir kommen ins Gespräch, die beiden wollen auch zur Immigration. Als der Bus mit 40 Minuten Verspätung abfährt, haben wir gerade festgestellt, dass wir schon viele Geschichten über die beiden gehört haben, sind sie doch Freunde von Freunden und mit ihnen mehr oder weniger parallel in den letzten zehn Jahren um die Welt gesegelt. Die Segelwelt ist ein Dorf. Bei der Immigration geht es schnell, wir dürfen nun ein halbes Jahr in Panama bleiben.
Anschließend sehen wir uns in Portobelo um und spazieren über das verfallene Fort. Der kleine Ort hat eine bewegte Geschichte, denn die Spanier haben doch von hier das Gold weggeschafft, das sie erbeutet haben. Als wir einen Blick in die Kirche werfen, wundern wir uns gleich doppelt. Sie ist brechend voll und die Gebete werden auf Deutsch gesprochen. Wir erfahren, dass das Weltjugendtreffen der katholischen Kirche gerade in Panama stattfindet. 120 deutsche Jugendliche, die meisten aus Trier, verbringen einige Tage in der Umgebung von Portobelo. Die Abschlussveranstaltung in zwei Wochen findet in Panama City statt, dafür kommt dann auch der Papst angereist.
Das Schiff neben uns scheint verlassen zu sein und nähert sich langsam dem Wrack-Stadium. An Bord leben drei Hühner. Wer hat sie dorthin gebracht? Werden sie nur von Seglern gefüttert, die zufällig vorbei kommen oder kümmert sich jemand? Ein Boot ist doch kein Lebensraum für ein Huhn.
Uns gefällt die Landschaft hier. Die grünen Berge, in denen die Wolken hängen, die Mischung aus Palmen und Bäumen, die kleinen Strände, die schroffen Felsen. Morgen bleiben wir erst mal hier, mal sehen wo es uns dann hinzieht.

Nächster Stopp Panama

Wir haben ausklariert und eingekauft, vorgekocht, die Seekoje gebaut und alles was herum fliegen könnte verstaut. Die Wepunkte unserer Reise sind im GPS, im Laptop und im Tablet gespeichert. Bücher, Musik und Podcasts warten auf Nachtwachen. Knapp 700 Meilen liegen vor uns, etwa eine Woche wird die Reise dauern.

Mari zerrt schon an den Leinen, sie möchte sich von tiefblauem Wasser den Rumpf streicheln lassen. Es geht los!

Gemütliche Inselerkundung

Gestern Morgen lassen wir unsere ambitionierten Ausflugspläne fallen, die wir am Abend zuvor geschmiedet haben. Wir entscheiden uns für eine ganz gemütliche Tour und wollen nicht so weit fahren. Am Tag zuvor standen wir im Stau, auf so viel Verkehr haben wir keine Lust. Wir sitzen an verschiedenen Plätzen an der Küste, bestaunen das klare Wasser, beobachten Vögel und Leguane, genießen die Aussicht von einem Fort, erkunden einen kleinen Wanderweg und gehen Schnorcheln. An dem Strand, den wir uns eigentlich ausgeguckt hatten ist und zu viel los, aber ein paar hundert Meter weiter finden wir einen schönen Platz ganz für uns allein. Die Korallen sind so nah am Ufer ziemlich kaputt, erobern aber Lebensräume wie Treckerreifen, die hier versenkt wurden. Wir sind trotzdem sehr zufrieden, zählen wir doch 30 Fischarten darunter auch eine hübsche gefleckte Muräne.
Abends grillen alle Segler, die hier gerade in der Marina und der Werft sind, gemeinsam. Eine gute Gelegenheit sich kennenzulernen. Als wir um den Grill sitzen beginnt das Feuerwerk der Firma gegenüber (Die Feuerwerkssaison ist noch immer nicht vorüber). Es ist sehr, sehr schön und wir sitzen in der ersten Reihe.
Heute haben wir uns für eine Hafenrundfahrt angemeldet. Vorher baut Nobbi den neuen Lüfter an und ich stelle die Schutzbezüge für die Dieselkanister fertig, wieder zwei Punkte von der Liste erledigt. Die Hafenrundfahrt ist interessant, wir erfahren viel über die Geschichte des Hafens, über die Raffinerie, die Werft und über die Insel. Anschließend gibt uns die Führerin einen guten Überblick über die Ausstellungen des Schifffahrtsmuseums in einem schön restaurierten historischen Gebäude, das wir uns auch noch ansehen. Das Museum ist klein, nicht aufregend, aber sehr liebevoll gestaltet.
Später erleben wir den Sound Check für das große Konzert, das heute die Karneval-Saison in Curacao eröffnet.