Ein überraschendes Treffen

Gestern wurde es ganz dringend Zeit für einen Ankerplatzwechsel, wir mochten nicht mehr an unserem schaukligen Platz in der Prickly Bay bleiben. Unser Ziel, der Ankerplatz vor St. George‘s ist nur 7 Meilen entfernt auf der anderen Seite der Insel. Wir nehmen den Außenborder vom Dinghi und verstauen ihn an Deck, unser Schlauchboot ziehen wir hinterher. Als wir die Bucht verlassen empfangen uns die Atlantikwelle und satte sechs Windstärken. Das Segeln auf dem leuchtend blauen Wasser macht Spaß und schnell haben wir Grenadas Südspitze erreicht. Nun haben wir Landschutz, die Welle wird kleiner, dafür kommt der Wind fast von vorn. Nur langsam nähern wir uns Saint- George´s. Wir haben Gegenstrom, wo kommt der jetzt wieder her?
Der Ankerplatz ist nicht so voll, wir finden einen schönen Spot. Das Wasser ist ganz klar, wir können den Grund sehen. Natürlichen gehen wir erstmal ausgiebig baden. Nobbi besucht schnorchelnd unseren Anker und stellt fest, dass sich einige Kofferfische für ihn interessieren. Hoffentlich richten sie sich nicht zu wohnlich ein, den Anker nehmen wir wieder mit.
Eigentlich wollten wir heute Morgen weiter, doch als wir nach dem Baden unsere Telefone einschalten wartet eine Überraschung auf uns, ein ehemaliger Kollege von Nobbi besucht heute gemeinsam mit seiner Frau Grenada. Die beiden sind auf Kreuzfahrt auf der „Star Flyer“ und haben heute in St. George’s Landgang. Ein Treffen klappt spontan, wir gehen zusammen Kaffeetrinken. Laut unserer kanadischen Freunde ist es übrigens merkwürdig, dass die Deutschen, Franzosen und Holländer „ständig“ Kaffee trinken wollen. Finden wir nicht.
Als wir wieder an Bord sind überlegen wir kurz, ob wir noch eine Bucht weiter ziehen wollen, beschließen dann aber zu bleiben. Nobbi putzt schnorchelnd das Unterwasserschiff, ich den Wasserpass.
Dann sehen wir der „Star Flyer“ beim Ablegen zu. Es handelt sich nicht um irgendein Schiff, sondern um einen schönen Viermaster. Leider dauert es etwas bis alle Segel stehen. Die Rahsegel sehen wir nur noch durchs Fernglas im Sonnenuntergang leuchten. Im Dunkeln sind die Segel angeleuchtet und wir sehen das schöne Schiff nach Westen verschwinden. Es nimmt ungefähr unsere geplante Route, westwärts zu den ABC-Inseln. Wir werden ihm demnächst etwas langsamer hinterher segeln.

St. George‘s

Zeit für etwas Sightseeing. Eigentlich wollten wir uns gestern etwas auf der Insel umsehen, aber dann verging der Tag viel zu schnell mit dem Abschluss der Reparatur unserer Schaltung, dem Aufräumen und Putzen eines Teils des Achterschiffs und den nötigen Computerupdates im Marina Café.
Der heutige Tag begann ausgezeichnet für mich. Beim morgendlichen Bad guckte nur wenige Meter neben mir eine Schildkröte aus dem Wasser. Nach dem Frühstück, mit selbstgebackenen Franzbrötchen (!), ging es los. Wir sind mit dem Bus gefahren. Das Bussystem ist günstig und sehr effizient. Die kleinen Busse haben neben dem Fahrer einen Schaffner, der die Fahrgäste akquiriert. Kaum ist man auf einer größeren Straße hört man den „Bus?“ –Ruf. Nach ungefähr einer Minute Wartezeit sind wir unterwegs in Richtung St-George’s, der Hauptstadt. Wir steigen etwas eher aus, besuchen einen großen Bootsausrüster, und laufen dann am Wasser entlang zum Fort George. Wir kommen an der Luxus-Marina vorbei, am Container-Hafen und beschließen dann, dass es Zeit ist eine Kokosnuss zu trinken. An dem kleinen Stand gibt es einen Fisch, der in trübem Wasser in einem Wasserkanister schwimmt. Der arme! Auf dem Feld nebenan wird Cricket gespielt, da schlägt die englische Vergangenheit durch. Grenada war bis 1974 britische Kronkolonie, war im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts aber unter französischer Kontrolle. 1762 eroberte England Grenada, die Franzosen gaben sich zunächst nicht geschlagen, also ging es ein wenig hin und her, aber ab 1795 gehörte es den Engländern. Wir setzten unseren Weg um die Bucht fort und erklimmen das Fort George. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die bunten Häuser, den Hafen, die Kreuzfahrerpier, den Ankerplatz der Yachten und auf die grünen Berge. Wir bummeln durch die überraschend hübsche Stadt, über den Markt und sind auf der Suche nach einem Restaurant. Wir werden nicht so recht fündig und enden im Schokoladenhaus. Hier bekommen wir erklärt wie Schokolade gemacht wird und essen leckeren Schokoladenkuchen aus Schokolade von der Insel. Wir laufen noch ein wenig durch die hügelige Stadt, es geht immer hoch und runter, und suchen uns dann einen Supermarkt. Kaum stehen wir mit unseren Einkäufen wieder auf der Straße hält neben uns der Bus um uns zurück zu Spice Island Marine zu bringen, wo wir unser Dinghi vertäut haben.

Arbeitsreiche Tage auf Grenada

Grenada liegt im Süden der kleinen Antillen und gehört zu den Inseln über dem Winde. Hier in der Karibik gibt es lauter nette Bezeichnungen für die Inselgruppen, die zu allerlei Verwirrung führen. Die Insel Grenada gehört zum gleichnamigen Staat, zu dem außerdem noch Carriacou und ein paar sehr kleine Inseln gehören.
Die Insel ist grün, in den Bergen hängen immer tiefe Wolken. Sie ist vulkanischen Ursprungs und gilt als sehr fruchtbar. Grenada ist die Gewürzinsel, hier werden Zimt, Nelken, Ingwer und Muskatnuss angebaut.
Leider haben wir von Grenada bisher kaum etwas gesehen. Am Tag nach unserer Ankunft haben wir zunächst Geld abgeholt, eine Kokosnuss getrunken und einklariert. Die Einklarierungsprozedur ging sehr fix, maximal drei Monate dürfen wir nun hier bleiben. Danach mussten wir leider unseren Ankerplatz wechseln, der Amerikaner hinter uns, hat uns wenig freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass wir stören. Wir hatten keine Lust uns zu streiten und sind umgezogen.

Zum Glück haben wir unsere Dieselbaustelle in den Griff bekommen. Viele Stunden haben wir damit verbracht den Tank soweit es geht zu leeren und ihn mit gefiltertem Diesel zu waschen. Nun ist der Tank mit frischen Diesel gefüllt und diese Episode damit hoffentlich beendet. Die Dieselbaustelle sorgte für nervige Putzarbeiten und lange Aufenthalte in der Backskiste. Wir haben nun einen neuen Einlass dessen Deckel wir nicht verlieren können und da der Motorraum ohnehin offen war, haben wir den Aquaalarm (der den Kühlwasserfluss misst) nun hinter dem Wasserfilter eingebaut und ein paar Schläuche ersetzt.
Zwischendurch haben wir allerhand Kleinkram erledigt, ein paar Takel- und Verschönerungsarbeiten durchgeführt und ein neues Großfall eingezogen. Das Großfall war teurer als gedacht, dass der Preis in Dollar pro Fuss angegeben ist und nicht in Dollar pro Meter dämmerte uns erst als wir bereits 105 Fuss geordert hatten… Ohnehin haben wir genug Geld beim Schiffsausrüster gelassen. Wir sind nicht Schuld sollte er pleitegehen.
Zum Glück kommt das soziale Leben nicht zu kurz. Wir hatten ein glückliches Händchen mit der Wahl unseres neuen Ankerplatzes- Wir haben sympathische Nachbarn, die uns zum Einkaufen mitschnacken, uns mit Informationen versorgen und mit denen wir sehr nette Stunden bei dem ein oder anderen Bier verbringen. Außerdem haben wir Freunde wieder getroffen, die wir zuletzt auf den Kanaren getroffen haben.

Heute Morgen wollte Nobbi sich nur noch kurz die Schaltung ansehen, während ich unsere schon ziemlich verschlissene Sprayhood genäht habe. Beim letzten Manöver hatte ich mich beschwert, dass ich nun noch „digital“ fahren kann, also Gas oder kein Gas, und dass es nicht mehr möglich ist wenig Gas zu geben.
Nobbi stellt leider fest, dass in der Schaltung ein Teil gebrochen ist. Wir sind ein wenig ratlos. Das unspektakuläre Metall-Teil kostet in England zwölf Pfund recherchieren wir, aber England ist weit weg. Jetzt sind wir also vorübergehend antriebslos und deprimiert. Da taucht direkt hinter unserem Heck eine Schildkröte auf. Bestimmt will sie uns Mut machen.
Wir düsen also mal wieder mit dem Dingi zum Schiffsausrüster. Dort kann man uns nicht helfen (aber natürlich finden wir etwas anderes, das wir brauchen können), also machen wir uns auf den Weg zu einer Automerkstatt, bei der wir auch ein Yanmar/Perkins Schild gesehen haben. Anscheinend kennt man sich dort auch mit Bootsmotoren aus. Ein fröhlicher Mitarbeiter erklärt uns, dass er nicht glaubt, dass wir das Teil auf Grenada bekommen. Aber vielleicht könnte man das Ding nachbauen? Stimmt, Nobbi überlegt bereits, ob wir das Ding nicht aus Alu biegen können, da verrät uns der nette Mitarbeiter wen wir auf der Werft fragen müssen. Also laufen wir zur Werft. Dort ist gerade Mittagspause, wir sollen später wieder kommen. Nun haben wir über zwei Stunden Zeit und unternehmen eine kleine Wanderung. Zunächst geht es durch eine sehr wohlhabende Wohngegend, später durch einen Naturpark. Die Wanderung ist nicht spektakulär, aber die meiste Zeit im Schatten. Trotzdem kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Die interessanteste tierische Begegnung hatten wir mit drei Ziegen.
Als wir wieder auf der Werft auftauchen hat sich noch nichts getan, zwanzig Minuten schauen wir uns Schiffe an, dann ist das kleine Teil geschweißt. Die einfache Reparatur erspart uns eine Menge Ärger. Nobbi bastelt die Schaltung wiederzusammen und legt vorsichtig Vorwärts- und Rückwärtsgang ein, bevor es zum Thanksgiving Dinner fahren. Das haben wir uns verdient und dankbar sind wir auch!

Eine ereignisreiche Überfahrt nach Grenada

Diese Überfahrt bot uns eine Art komprimierte Form der Vor- und Nachteile des Fahrtenseglerlebens. Die ganze Bandbreite an Aspekten durften wir in wenigen Tagen erleben. Es war schön, anstrengend, ruhig, aufregend, verlangte uns manchmal mehr ab, als wir zu geben bereit waren und endete glücklich. Hier findet ihr die Zusammenfassung. Wie immer habe ich schon kurz nach der Ankunft vergessen wie müde ich war, wie nass ich geworden bin und dass Segeln ziemlich doof sein kann. Ich erinnere mich an wunderschöne Nächte und leuchtend blaues Wasser.

Wir frühstücken zeitig, die Tide kentert und für uns geht es los. Ein letzter Blick auf Domburg, Abschied von Suriname. Mit dem ablaufenden Wasser geht es vorbei an Paramaribo hinaus aufs Meer. Der Strom schiebt uns, wir kommen flott voran und laufen mehr als 8 Knoten. Im Fluss sehen wir Delfine, die im schlammig braunen Wasser vor unserem Bug spielen.
An der vorletzten Tonne des Fahrwassers geht plötzlich unser Motor aus. Während Nobbi unter Deck verschwindet, entlüftet und den Filter wechselt, segle ich hoch am Wind aus der Mündung des Suriname River. Was hätten wir gemacht wenn der Motor etwas eher ausgegangen wäre? Vor der Küste liegen große Sandbänke und das Wasser ist flach. Wir sind froh, als wir es endlich ins tiefere Wasser geschafft haben.
Nobbi taucht wieder auf. Der Filter war sauber, Luft ist auch nicht in den Leitungen. Diese Feststellung ist der Beginn einer Dieselbaustelle, die uns die nächsten drei Tage immer wieder auf Trab hält. Schließlich können wir das Problem einkreisen. Wir scheinen verunreinigten Diesel getankt zu haben. Wir lassen den Motor mit Diesel aus dem Kanister laufen. Mit dem Diesel den wir zuletzt getankt haben läuft der Motor, mit dem den wir zuvor getankt haben (anderer Kanister) läuft er nicht. Mit der Mischung aus dem Tank läuft er bis er warm wird, dann nicht mehr. Macht das Sinn? Und weshalb ist er zu Beginn fast fünf Stunden gelaufen? Wir stellen Thesen auf, schlafen drüber, testen…
Schon lauert das nächste Problem. Während der Motor läuft, mit „gutem“ Diesel aus dem Kanister, überlegen wir wieviel Diesel eigentlich über die Rücklaufleitung in den Tank läuft. Da geht der Motor aus. Der Kanister ist halb leer. Wir lernen, es geht sehr viel mehr Diesel zurück in den Tank, als wir dachten. Wir haben so also unseren „guten“ Diesel über den Rücklauf in den Tank mit dem „schlechten“ Diesel laufen lassen. Das war nicht so schlau.
Der neue Versuchsaufbau hat zwei Kanister, einen aus dem der Diesel kommt, einen in den er laufen soll. Das funktioniert super, bis der Schlauch als dem Kanister rutscht und der Diesel im Salon landet. Was für eine Sauerei. Wir beschließen den Diesel aus dem Tank in die leeren Kanister abzupumpen, das ist mühsam, funktioniert aber ganz gut. Am nächsten Tag stellen wir fest, dass wir ein neues Problem verursacht haben, durch unser Gepumpe haben wir irgendwelche Partikel im Tank gelöst, diese verstopfen nun die Dieselleitung vom Tank zum Motor. Leider haben wir ja bereits einen Teil unseres guten Diesels in den Tank gekippt…
Schließlich baut Nobbi baut eine neue Kanisterlösung. Mit einem Stück Kupferrohr werden zwei Schläuche verbunden und so die Rücklaufleitung so weit verlängert, dass der Diesel nun in den Kanister, aus dem er kommt, zurückfließt.
Dieses Schlamassel wieder aufzulösen ist unsere Aufgabe für die nächsten Tage. Hinzu kommt die Beseitigung der Kollateralschäden. Leider ist der Diesel durchs halbe Schiff nach vorne geschwappt und in der Bilge unter dem Salon unter den Lack gelaufen. Wie auch immer das geht. Jetzt haben wir mit Diesel gefüllt Blasen unterm Lack. Leider ist bei der ganzen Aktion auch der Tankdeckel über Bord gegangen, wir werden also eine neue Tankzuleitung samt Deckel einbauen.
Weitere technische Unannehmlichkeiten waren der Ausstieg unseres Navigationsprogramms und eine stark tropfende Stopfbuchse. Die Stopfbuchse hat Nobbi auf See nachgezogen, das war kein Problem, die Lösung für unser Problem mit dem Navi-Programm kennen wir. Leider braucht man dafür eine Internetverbindung. Extrem praktisch auf See. Wie gut, dass wir die ein oder andere Backuplösung hatten.
Ansonsten sind wir wunderbar gesegelt. Nach den schlammigen Flüssen haben wir uns am Morgen des zweiten Tages sehr über das blaue Atlantikwasser gefreut. Am zweiten und dritten Tag hatten wir wenig Wind und sind entsprechend langsam, aber auch sehr gemütlich gesegelt. Die Nächte waren sternenklar und wunderschön. Zeit zum Nachdenken und Lesen. Wann hat man so viel Zeit seinen Gedanken nachzuhängen, wie in einer ruhigen Nacht auf See.
Am Montag nahm der Wind zu, wir kamen schneller voran, wurden aber auch immer wieder von fiesen Böen auf Trab gehalten. Viele schnelle Reff-Manöver waren nötig. Die Nächte waren nun nicht mehr entspannt, sondern nass. Immer wieder zogen Gewitter durch, es blitzte immer wieder. Zunächst fand ich die Gewitter sehr unheimlich, doch sogar daran gewöhnt man sich. Irgendwann hat es mich nur noch geärgert, wenn es wieder angefangen hat zu regnen. Nasse Klamotten können wir unter Deck nicht auch noch brauchen, wer im Regen draußen bleibt muss sich schnell ausziehen oder die Öljacke überziehen. Zum Glück lässt unsere Mari sich von dem wilden Wetter nicht beeindrucken und unsere Windsteueranlage steuert gewohnt unbeeindruckt ihren Kurs.
Unterwegs haben wir die 10.000ste Meile seit Bremen gefeiert. Wir waren vorbereitet, hatten eingekauft und haben den „Sprudel“ mit Neptun geteilt.
Dienstagabend sehen wir endlich Tobago, unser Ziel. Das Wetter wird immer unangenehmer. Heftige Schauer mit starken Böen halten uns in Atem. Ab und zu kommt ein Gewitter hinzu. Es ist lange dunkel als wir Tobagos Nordspitze runden, der Strom schiebt uns nach Westen. Im Dunkeln fällt die Orientierung schwer, wegen des starken Stroms müssen wir 50 Grad vorhalten und kommen und der Bucht in der wir ankern wollen nur sehr langsam näher. Dann erreicht uns der nächste Schauer. Bei diesen Bedingungen wollen wir die unbekannte Bucht nicht ansteuern, zumal wir auf über 20 m Wassertiefe hätten ankern müssen. Wir beschließen eine weitere Nacht auf See zu verbringen und nach Grenada weiter zu segeln.
Der letzte Schauer stellt sich als viel weniger spektakulär heraus als die vorherigen und der Wind lässt bald etwas nach. Während ich noch mit mir ringe, ob wir vielleicht doch hätten warten sollen und versuchen sollen Tobago anzulaufen, macht Nobbi sofort seinen Frieden mit der Entscheidung.
Gegen Morgen kehrt der Wind zurück, wir rauschen bei 3 m hoher achterlicher See in Richtung Grenada. Es ist dunkelgrau, die Luft, das Wasser, die Wolken. Das ist also die Karibik. Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Grenada taucht nachmittags endlich aus dunklen Wolken auf. Noch ein heftiger Schauer und dann wartet ein Kulturschock auf uns. Wir sehen hunderte von Masten. Ende der Einsamkeit.
Nach fünf Tagen und neun Stunden fällt unser Anker in der Prickly Bay. Aufräumen, Lüften, Ankommen. Wir pumpen unser Beiboot auf, entscheiden aber nicht mehr an Land zu fahren. Zur Feier des Tages gibt es Knipp mit Kartoffeln und Apfelmus.
Wir sind angekommen. Nach fast genau einem Jahr in Südamerika sind wir gespannt auf die Karibik.

Abschied aus Suriname

In den letzten Tagen haben wir unsere Weiterreise vorbereitet und einige kleinere Dinge erledigt. Wir haben einen größeren Einkauf gemacht und uns mit Dingen versorgt von denen wir befürchten, dass sie an den nächsten Destinationen sehr viel teurer sein könnten, unsere Dieselkanister und unsere Gasflaschen gefüllt.
Nobbi war im Mast und hat unser Rigg kontrolliert, ich hab Nobbis Hose repariert, wir haben gewaschen, nicht nur unsere Wäsche, sondern auch einige Leinen, die Halterung unserer Rettungsschlinge hat neue Klettverschlüsse bekommen und unser „Grabbag“ (der Beutel den wir mit in die Rettungsinsel nehmen, falls wir keine andere Wahl haben) hat ein Update bekommen und viele andere Dinge von der stetig wachsenden Liste haben wir abgehakt. Oft sind es die kleinen ungeplanten Dinge, die einen mit Arbeit versorgen. Ein paar ausgelaufene Batterien im Grabbag, die alles eingesaut haben, oder eine Naht am Bimini, die gerissen ist als wir es „nur mal eben“ wieder aufziehen wollten nachdem wir es gewaschen haben, haben uns ausreichend beschäftigt. Nun sind wir so weit, dass es weitergehen kann und soll.
Irgendetwas Interessantes passiert auch um uns herum immer. Einen Tag fand ein Schwimmwettbewerb im Fluss statt und wir saßen bei uns an Bord quasi in der ersten Reihe. Am Sonntag fand nach der Kirche eine Taufe im Pool der Marina statt. So etwas sieht man auch nicht alle Tage. Wir baden also in geweihtem Wasser. Das bringt sicherlich Glück. Außerdem haben wir gelernt „Caribbean Dominos“ zu spielen. Eine fortgeschrittene Dominovariante mit Steinen bis 15 Punkte und allerlei speziellen Regeln. Jackie und Gary sind begeisterte Spieler und haben es geschafft uns anzustecken. Nach dem Bad im Pool am späten Nachmittag treffen wir uns nun häufig zu einer Partie Dominos. Laut Jackie sind wir nun perfekt auf die Segelsaison in der Karibik vorbereitet.
Suriname hat uns gefallen, ein lohnenswerter Stopp. Ein friedliches, vielfältiges Land, mit netten Bewohnern, der Möglichkeit einiges anzusehen und der Option mit dem eigenen Boot in den Regenwald zu fahren. Mein ganz persönliches Highlight sind die vielen Papageien-Pärchen, die schnatternd zu ihren Schlafbäumen fliegen.
Heute Morgen waren wir bei der Polizei und haben ausgecheckt. Eigentlich wollten wir das bereits gestern erledigen, doch gestern war Feiertag. Diwali, das Lichterfest der Hindus wurde gefeiert. Wir haben erst am Abend vorher durch Zufall erfahren, dass Feiertag ist und mussten unsere Planung kurzfristig ändern. Jetzt hoffen wir, dass wir unsere gefüllte Gasflasche heute noch wiederbekommen, dann sind wir bereit zur Abfahrt.
Morgenfrüh soll es losgehen Die ablaufende Tide wird uns aufs Meer hinausschieben und dann hoffen wir auf Segelwind. Nächster Stopp voraussichtlich Tobago. Wir freuen uns nun auf türkises Badewasser!

Einige Neuigkeiten gibt es auch im Blog, die Seiten „Revierinfos“ und „Tipps und Tricks“ sind hinzugekommen und wollen in Zukunft mit Leben gefüllt werden.

Topfgucker

Wir verbringen die Tage mit kleinen Erledigungen, Bürokram und Vorbereitungen der Weiterreise. Also nichts besonders Interessantes.
Mit Joana hab ich vor Wochen darüber gesprochen, welche Lebensmittel wir vermissen und was bei uns so auf den Tisch kommt. In jedem Land gibt es andere interessante Lebensmittel und dafür andere Dinge nicht. In Brasilien zum Beispiel hatten wir Probleme schwarzen Tee zu kaufen, in Suriname gibt es lange nicht überall Kaffee (Nescafé aber schon).
Was wir essen, setzt sich also aus dem zusammen was wir vor Ort kaufen können, und was wir in unseren Vorräten finden. Unsere Vorräte sind nicht unendlich, reichen aber eine ganze Weile. Bei uns kommt hinzu, dass unser Kühlschrank ja zurzeit nicht funktioniert. Frische Sachen sind also nur sehr kurz haltbar. Das gilt insbesondere für Käse und Wurst. Im Moment kaufen wir jeden Tag einen Beutel Eis und kühlen damit unsere Aufschnitt Vorräte runter, nicht dass die leckere Salami schlecht wird bevor wir hier wegfahren.
In Brasilien haben wir in Obst geschwelgt. Ananas, Mangos, Äpfel, Pflaumen, Maracujas, sehr günstig und sehr lecker. Dafür war es dort ein Highlight ungesüßtes Brot zu finden. In Frankreich, also in Französisch Guyana, gab es fast alles. Also gab es an Bord Entenbrust und Dorade. Dafür war Obst dort vergleichsweise teuer, da haben wir genauer überlegt wieviel wir essen möchten.
Insgesamt haben sich unsere Prioritäten beim Obst- und Gemüseeinkauf verschoben. Wir schätzen Obst und Gemüse, das sich bei diesen Temperaturen länger hält. Statt Blattsalat erfreut sich Kohl großer Beliebtheit, außerdem sind Gurken der Renner bei uns an Bord. Diese Landgurken mit der dicken Schale halten sich wirklich lange. Bei uns gibt es sie als Schmorgurken, mit Kartoffeln, oder als Gurkensalat. Durch einen „Kochunfall“ ist ein Gurkensalat aus Pampelmuse und Gurke mit einem Dressing aus Sojasoße, Honig und Zitronensaft entstanden. Sehr lecker, den gibt es nun häufiger! Der Kohl wird zu Krautsalat, auch sehr lecker aus Rotkohl, oder landet in der Pfanne, zum Beispiel mit Corned Beef.
Vor ein paar Tagen gab es bei uns Eier mit Senfsoße, also einen deutschen Klassiker. Überhaupt gibt es häufig Eier. Auf See ist Rührei mit Kartoffeln die beliebteste Kombination. Eier gibt es überall, sie halten sich lange und sie schmecken als Spiegelei, Rührei oder Pfannkuchen.
Wir essen sehr häufig Curry. Größere Mengen Currypaste verstecken sich im Gewürzschapp, traurige Gemüsereste haben einen letzten glamourösen Auftritt und es schmeckt mit oder ohne Fleisch.
Neben dem Angebot spielt auch die Kochzeit eine große Rolle. Zum einen weil langes Kochen Gas kostet und Gasflaschenfüllen häufig eine langwierige Aufgabe ist. Viel wichtiger ist aber, dass wir hier in Suriname häufig Temperaturen jenseits der 35 Grad unter Deck haben. Da habe ich noch weniger Motivation als sonst mein Süppchen eine Stunde köcheln zu lassen… Übrigens, wenn es kalt ist, ist das auch nicht lustig, dann muss man nämlich die ganze Feuchtigkeit wieder aus dem Boot bekommen.
Die Klassiker aus der Backskiste, also wenn frisches Gemüse verbraucht ist, sind Nudeln mit Thunfisch, Reis mit Estragonsoße (aus Corned Beef und Sahne/Kondensmilch) und Kartoffelklöße mit Pilzsoße. Ab und zu öffnen wir eins unserer selbsteingekochten Gläser. Dann gibt es Gulasch, Rindercurry, Schweinefilet Tandoori oder Pflaumenkompott, Senfgurken, Kürbis, Papayachutney oder Apfelmus.
Ganz wichtig ist Nachtisch an Bord. Häufig wartet die vom Frühstücksmüsli übrig gebliebene Milch auf zeitnahe Weiterverarbeitung. Die Klassiker Vanillepudding, Milchreis und Grießbrei, gerne in Kombination mit frischem Obst oder Kompott, erfreuen sich größter Beliebtheit.
Ich backe gerne Kuchen, Muffins oder Franzbrötchen. Brot backe ich nur sehr ungern, das macht mir einfach keinen Spaß. Kuchen gibt es also häufiger einfach weil ich Lust habe einen zu backen, selbstgebackenes Brot nur bei äußerst schlechter Versorgungslage.
Was ich vermisse? Schwarzbrot mit Fleischsalat. Nobbi träumt von Grünkohl, aber der schmeckt nicht bei tropischen Temperaturen.
Manchmal vermisse ich „meinen“ Supermarkt in dem ich mich auskenne und ruckzuck eingekauft habe. Meistens macht es uns aber Spaß uns in neuen Geschäften umzugucken und neue Dinge auszuprobieren. Für Fälle besonders schlimmes Nahrungsmittelheimweh haben wir noch zwei sorgsam gehütete Dosen Knipp.
Jetzt habe ich Hunger. Ich weiß noch nicht was ich heute koche. Zum Nachtisch gibt es auf jeden Fall Griesbrei.

Flusskreuzfahrt

Nach fast drei Wochen in Domburg und vielen Ausflügen wird es Zeit für einen kleinen Tapetenwechsel. Unser „Floating Village“ löst sich langsam auf. Fünf der verbliebenen sieben Boote wollen Suriname jetzt verlassen. Der Abschied fällt schwer, wir hatten eine schöne Zeit zusammen.
Wir sind eines der beiden Boote, das noch etwas bleibt und beschließen eine kleine Flusskreuzfahrt zu unternehmen. Freitagmorgen geht es los. Wir fahren mit dem Ebbstrom den Suriname hinab und biegen in den Commewijne Rivier ab, der kurz vor der Mündung in den Suriname Rivier fließt. Nun sind wir gegen den Ebbstrom unterwegs, fahren wir doch jetzt flussaufwärts. Natürlich hatten wir uns das so vorgestellt, dass der Strom hier kentert und wir nun vom Flutstrom geschoben werden. Das klappt nicht so ganz. Mit zweieinhalb Knoten schieben wir uns in den Commewijne. Es heißt geduldig sein. Schließlich lässt der Strom nach, wir werden schneller, legen noch ein paar Meilen zurück und suchen uns schließlich einen Ankerplatz am Südufer des Commewijne. Das Flussfahren hat uns heute keinen Spaß gemacht. Ob es daran lag, dass wir unerwartet viel Wind hatten und so nervige Wind-gegen-Strom-Welle, oder daran, dass es so heiß ist?
Abends sehen wir sehr viele Papageien. Bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie immer in Pärchen zu ihren Schlafbäumen. Romantisch sieht es aus wie mindestens hundert Paare über den Fluss fliegen. Die Partner bleiben dicht zusammen und schnattern ununterbrochen.
Am nächsten Morgen beschließen wir, das auflaufende Wasser zu nutzen und vor dem Frühstück ein paar Meilen zurückzulegen. Als der Commewijne auf den Cottica Rivier trifft biegen wir in den Bowen Commewijne ab. Der Fluss wird schnell schmaler. Wir ankern und frühstücken in Ruhe. Nun haben wir die ganze Ebbe lang Zeit, lesen und beobachten das Getier um uns herum. Mit der nächsten Flut verlassen wir den Boven Commewijne und setzen unsere Fahrt auf dem Cottica fort. Unterwegs beobachten wir viele große Greifvögel. Einer fängt einen Fisch. Zunächst werden die Ufer fast überall von Mangroven gesäumt, wir sind auf der Suche nach einem Flussabschnitt mit artenreicher Vegetation. Die Suche nach einen Ankerplatz gestaltet sich schwieriger als angenommen. Uns gefällt das Ufer, doch der Fluss ist recht schmal aber sehr tief. Hier soll es gelegentlich Schiffsverkehr geben. Deshalb wollen wir nicht mitten im Fluss ankern. Schnell wird es dunkler, wir werden etwas unruhig. Dunkelheit macht die Ankerplatzsuche nicht einfacher. Schließlich finden wir einen Platz, an dem es nur 10 bis 12 m tief ist. Der Grund ist steinig, aber der Anker hält. Nachts hören wir immer mal wie unsere Ankerkette über die Steine schubbert. Morgens sehen wir Affen. Sie klettern durch die Bäume am Ufer, es raschelt und knackt.
Noch vor dem Frühstück gehen wir Anker auf und fahren ein paar Meilen bis in dem Perica, einen schmalen Fluss. Spätestens als wir einen umgefallenen Baum sehen, der die Hälfte der Durchfahrt versperrt sind wir uns sicher, dass es hier keinen Schiffsverkehr gibt. Wir ankern mitten im Fluss, beide Ufer sind dicht bewaldet. So einen Platz haben wir gesucht. Kurz nach dem Sonntagsfrühstück freuen wir uns über das charakteristische Schütteln der Bäume, schon wieder Affen. Zunächst sehen wir einige Totenkopfäffchen, dann eine Familie Kapuziner. Der Tag ist unheimlich heiß. Hier in dem schmalen Fluss geht kaum ein Windhauch, wir schwitzen und lesen. Für jegliche Aktivität ist es zu heiß. Wir genießen das mitten-im-Wald-Gefühl. Diese unglaubliche Ruhe, die Geräusche der Insekten, die bunten Schmetterlinge und die vielen Vögel. Abends sehe ich ein Krokodil, das aber nicht wieder auftaucht. Doch nur ein großer Fisch? Nachts hören wir einen Vogel, der eine richtige Melodie singt und sehen Glühwürmchen.
Kaum zu glauben, dass das ganze Gebiet vor hundert Jahren von Plantagen bedeckt war. Die Plantagen wurden nach und nach fast alle aufgegeben, ein Sekundär-Wald bedeckt weite Teile des früheren Plantagen-Gebietes.
Am nächsten Morgen bin ich noch mit dem Aufwachen beschäftigt, als Nobbi flüstert ich solle rauskommen, die Affen seien wieder da. Was folgt ist unsere schönste Affenbegegnung. Nur 15m entfernt frühstückt eine ganze Familie auf einem Baum. Sie schauen immer wieder zu uns rüber. Wir haben Gelegenheit sie über eine Stunde ganz in Ruhe zu beobachten. Dem großen Männchen fehlt ein Großteil des Schwanzes, wer den wohl abgebissen hat? Ein Affenbaby möchte uns auch mal angucken und die Früchte des Baumes scheinen richtig lecker zu sein.
Obwohl es hier so schön ist, beschließen wir den Platz zu verlassen und flussabwärts in dem breiteren Teil des Flusses zu ankern. Es ist einfach zu heiß. Wir hoffen auf etwas Wind am nächsten Platz. Die Fahrt den Fluss hinunter ist toll. Zum Abschied sehen wir noch einmal Affen, Reiher begleiten uns, die eleganten Geier kreisen in den Aufwinden und Bussards halten nach Beute Ausschau. Wir ankern schließlich nahe unseres ersten Ankerplatzes im Commewijne und stellen fest, dass wir vom Affenbaum an den Papageienplatz verlegt haben. Es ist richtig laut, bis alle ihren Schlafbaum gefunden haben. Leider können wir sie nur hören und nicht sehen. Wir sehen sie nur, wenn sie in Pärchen über den Fluss fliegen.
Am nächsten Tag (Dienstag) machen wir uns nach einem entspannten Vormittag wieder auf den Weg. Wir wollen weiter flussabwärts vor Frederiksdorp ankern. Dann ist unser Weg zurück nach Domburg am nächsten Tag nicht so weit.
Heute machen wir uns zeitig auf den Weg und liegen mittags wieder an einer Boje in Domburg. Die Auswahl der Boje fällt schwer. Wir haben die Qual der Wahl. Nur noch ein Boot liegt hier vor Anker, alle anderen Boote haben sich bereits auf den Weg nach Barbados, Trinidad oder Tobago gemacht.

Suriname die Ankerplätze unserer Flusskreuzfahrt

Koto-Mode und tierische Begegnungen

Am Montag wurde es mal wieder Zeit für ein wenig Kultur, leider war Fort Zeelandia geschlossen (Montag!) also beschlossen wir das Koto-Museum zu besuchen. Gemeinsam mit Anne-Mieke und Gerrit ging es nach Paramaribo. Das kleine Museum war schnell gefunden, doch leider war es geschlossen. Ein Anruf ergab, dass das Museum eigentlich geöffnet sein sollte, ab elf sei jemand dort. Also gingen wir Kaffee trinken, versuchten erfolglos unsere übrig gebliebenen Brasilianischen Reais umzutauschen, kamen so zu einem Besuch der Zentralbank, und gingen zurück zum Museum. Hier bekamen wir eine kleine Führung. Das Museum beschäftigt sich mit der Koto-Mode nach 1880, also nach Abschaffung der Sklaverei. Das Outfit der Koto-Missi, einer Frau, die sich in dieser Mode kleidete, bestand aus einem langen Rock, einem Jäckchen und einer Art Hut, gefaltet aus einem Tuch. Die Kopfbedeckung gefällt uns, die mutigen Konstruktionen aus gestärkten Tüchern fallen auf einem Laufsteg kaum auf. Doch der Rock wirft Fragen auf, wird er doch mit einem Kissen aufgepolstert. Ein Kissen unterm Rock? Bei diesem Temperaturen? Heute sieht man die traditionelle Kleidung nur noch zu besonderen Gelegenheiten.
Am nächsten Morgen fahren Nobbi und ich noch einmal auf die andere Seite des Suriname River nach Peperpot. Peperpot ist eine ehemalige Plantage, dort wurden Kaffee und Kakao angebaut. Heute ist sie von Sekundärwald bedeckt, es gibt einen schönen Weg, weitere Pfade werden gerade angelegt. Wir wandern durch den lichten Wald, freuen uns über den größtenteils beschatteten Weg und halten nach Tieren Ausschau. Überall knackt es im Unterholz, es wird gepiept, geschnattert und gesungen. Wir sehen viele Vögel, darunter blau-metallic glänzende Kolibris, Schmetterlinge und Eidechsen. Dann tauchen die ersten Affen auf. Ein Totenkopfäffchen spaziert mit erhobenem Schwanz über den Weg. Immer wieder sehen wir Affen, die neugierigen Totenkopfäffchen beobachten uns so gern wie wir sie, außerdem sind Brüllaffen und Kapuziner unterwegs. Vielleicht haben wir noch eine vierte Spezies gesichtet, da ist sich die Biologin nicht sicher. Große Leguane rascheln am Wegesrand und dann klettert ein Faultier nahe am Weg einen Baum hoch. Die Viecher sind einfach sympathisch, gucken sie doch so freundlich. Außerdem lassen sie sich gut fotografieren, sie sind eben nicht so schnell wie die Affen.
Auch das Leben an Bord ist tierisch unterhaltsam. Bevor wir letzte Woche nach Bigi Pan aufgebrochen sind, lagen immer wieder kleine Zweige an Deck. Schließlich fand ich das Nest, schon fast fertig gestellt in unserer Rollreffanlage. So gern ich die hübschen kleinen Schwalben mag, sie müssen den Nestbau leider neu beginnen. Ich habe lange gebraucht um die kleinen Zweige aus der Furlex zu fummeln. Damit sie nicht auf die Idee kommen sofort den Wiederaufbau zu starten haben wir einen Schwamm und einen Lappen in die Öffnung gestopft. Gestern hat Nobbi festgestellt, dass die gemeinen beißenden Fliegen es sich nun in dem Lappen bequem gemacht haben. Also haben wir Lappen und Schwamm wieder entfernt. Dienstagabend saßen wir lesend im Cockpit, als der Schatten einer Kakerlake uns aufschreckte. Ein großes Tier, ungefähr 6 cm langer Köper, ging in unserem Cockpit spazieren. Eigentlich sind es ja interessante Tiere, ich möchte aber auf keinen Fall eine WG mit ihnen eingehen. Leider können sie (nicht alle, aber viele) fliegen. Dieses Exemplar fliegt nun nirgendwo mehr hin, wir haben sie schachmatt gesetzt und dann zu einem Freibad eingeladen.

Ein Ausflug nach Bigi Pan

Diesmal stand ein dreitägiger Ausflug in den Westen Surinams auf dem Programm. Mittwochmorgen machen wir uns mit vier Crews in zwei Autos auf den Weg. Wir reisen wieder mit der bewährten holländisch-deutschen Reisegruppe.
Unser Ziel ist Bigi Pan, eine große Lagune mitten in der sumpfigen Landschaft an der Küste. Ein Vogelparadies. Die Anfahrt zieht sich hin. Wir versuchen die Staus um Paramaribo zu meiden, was damit endet, dass wir Nebenstraßen benutzen. Leider gibt es in Suriname unglaublich viele Drempel. Das sind Verkehrsberuhigungshubbel („Speed Bumper“). Die Dinger sind extrem effektiv. Unser kleines Auto, ein Toyota Cargo Fun, hat aber nur sehr wenig „Freibord“. Nicht selten setzen wir auf. Vor den meisten Drempeln müssen wir halten und sie dann langsam überwinden. Gerrit fährt uns sicher über unendlich viele Drempel und gilt nun bei uns als Drempel-Experte. Nervig ist es trotzdem. Um 14 Uhr erreichen wir einen Platz am Nickerie River in der Nähe Nieuw Nickeries. Von hier geht es mit dem Boot über einen Kanal zum Bigi Pan. Zwischen dem Nickerie River und dem Kanal muss das Boot über eine Art Schwelle geschoben werden, also quasi umgetragen werden. Das ist interessant. Doch das Boot, das sehr unsanft behandelt wird tut uns etwas leid. Während der Fahrt auf dem Kanal sehen wir viele interessante Vögel, darunter viele schöne Raubvögel. Schließlich erreichen wir ein Haus auf Stelzen mitten in der flachen Lagune. Unsere Unterkunft für diese Nacht. Mit uns acht Seglern kommt eine vierköpfige Familie an, kurz danach eine fünfzehnköpfige chinesisch-holländische Reisegruppe. Die Unterkunft ist etwas überbelegt. Am späten Nachmittag machen wir eine Ausfahrt mit dem Boot und sehen hunderte von roten Ibissen, die auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen sind. Die rote Wolke aus Vögeln ist beeindruckend.
Wir haben einen lustigen Abend zu acht, erzählen Geschichten und lachen viel. Es geht etwas chaotisch zu, die Jungs sind etwas überfordert mit den vielen Gästen. Wir lassen uns dadurch nicht stören und genießen die gemeinsame Zeit. Typisch Segler, da verlassen wir unser Boot und wo verbringen wir die Tage? Auf dem Wasser.
Die Nacht ist unruhig und früh zu Ende. Irgendjemand ist immer unterwegs und um fünf können die ersten nicht mehr schlafen und warten auf den Sonnenaufgang. Leider unterhalten sie sich lebhaft in der Nähe unseres Raumes. Vormittags machen wir eine längere Tour mit dem Boot und besuchen eine große Gruppe Flamingos. Ich wusste nicht, dass Flamingos sich so ähnlich anhören wie Gänse. Sie haben eifrig geschnattert und sich nicht weiter für uns interessiert. Anschließend fahren wir durch die Sumpflandschaft. Das Wasser hier ist sehr flach, immer wieder setzen wir mit dem Boot auf und der Außenborder wühlt sich durch den Schlamm. Mit unserem Boot und Motor würden wir das nicht machen.
Zu viert fahren wir nachmittags nach Nieuw Nickerie, die anderen beiden Crews machen sich auf den Rückweg zum ihren Booten. Im Hotel nehmen wir erstmal eine ausgiebige Dusche. Danach sehen wir uns den Deich an und werfen einen Blick auf Guyana, wir können hier über den Grenzfluss gucken. Nach einem Spaziergang verbringen wir einen weiteren netten Abend zusammen.
Nach der kurzen vorherigen Nacht schlafen wir ausgezeichnet und genießen die Klimaanlage. Am nächsten Morgen wird wieder ausgiebig geduscht. Wer weiß wann wir mal wieder eine eigene Dusche mit unbegrenztem Wasser zur Verfügung haben?
Beim Frühstück staunen wir nicht schlecht, als wir unsere chinesische Reisegruppe in der Zeitung sehen. Wir dachten sie würden Urlaub machen, aber anscheinend handelte es sich auch um eine Geschäftsreise.
Auf dem Rückweg sehen wir uns in Wageningen das frisch renovierte Reis-Silo an. Die Wiederöffnung hat es ebenfalls in die Zeitung geschafft. Hier im Westen wird der Suriname-Reis angebaut, links und rechts der Straße haben wir die großen Reisfelder gesehen. Bei den renovierten Silos soll der Reis gewaschen, geschält und gelagert werden, bis er verschifft wird. Mittags machen wir ein Picknick. Anne-Mieke ist perfekt organisiert und hat an alles gedacht, sogar an einen Käseschneider. Bei dieser Gelegenheit lerne ich, dass ich gar nicht merkwürdig bin, wenn ich Käse auf Rosinenbrötchen esse. Für die Holländer ist das völlig normal. Ich mag Rosinenbrötchen mit Käse und die Holländerin in mir.
Die letzten Kilometer legen wir im strömenden Regen zurück, die Fahrt gestaltet sich auf den schlechten Straßen sehr abenteuerlich. Nach ereignisreichen Tagen sind wir froh unsere Mari abends wohlbehalten wieder zu sehen.
Leider gibt es auch einige Verluste zu beklagen: eine verlorene Sonnenbrille, eine zerbrochene Sonnenbrille und eine vom ATM eingezogene Visa-Card. Irgendwas ist ja immer. Außerdem habe ich (unfreiwillig) grüne Haare. Nobbi denkt ich brauche neues Antifouling, Otti glaubt ich verwandle mich in einen Frosch, vermutlich liegt es nur am Wasser des Pools.