Abschied von den Grenadinen

Die Admiralty Bay gefällt uns. Das Wasser ist schön klar und immer wieder sehen wir Schildkröten. Port Elizabeth ist ein fröhlicher Ort und wir schlendern gerne am Wasser entlang. Die Fähre pendelt nach St. Vincent, ein kleines Kreuzfahrtschiff ist zu Besuch und mehrere Großsegler waren in den letzten Tagen hier.
Unser Bord-PC ist vorüber gehend gestorben. Wir hoffen, dass wir ihn irgendwann wieder zum Leben erwecken können. Bis dahin nutzen wir unsere Laptops für das Abfragen von Wetterinformationen mittels Funk und zur Darstellung der elektronischen Seekarte.
In der Bucht ist es überraschend leer geworden. Leer bedeutet, dass hier sicher noch immer mehr als 100 Boote liegen, doch Boote, die sich vor einigen Tagen einen Platz mitten im Ankerfeld gesucht haben, liegen nun alleine. Es weht ganz fröhlich und immer wieder rauschen Böen durchs Ankerfeld, doch die Anker halten und es gibt hier keinen Schwell. Das Bootsleben ist also überaus gemütlich.
Die meisten Boote segeln nach Norden, nach St.Lucia, Martinique, Dominica usw. Wir biegen hier ab, für uns geht es nach Westen. Unser nächster Stopp ist Bonaire, drei bis vier Tage werden wir bis dorthin brauchen. Auf den MP3-Playern ist Weihnachtsmusik, so dass uns das Weihnachtsgefühl auf dem Törn nicht abhandenkommt. Wir haben uns mit einem Radiosender, der sehr viel Weihnachtsmusik spielt, schon eingestimmt und arbeiten regelmäßig mit Spekulatius am Adventsgefühl.
Heute Nachmittag klarieren wir aus und geben unsere letzten East Carribbean Dollar aus. Morgenfrüh soll es losgehen, sobald die Sonne aufgeht!

Die Segelbilder sind von dem Törn hierher, die hatten sich noch auf dem Stick versteckt.

Tobago Cays, Canouan und Bequia

Genauso wenig wie Petit Martinique bei Martinique liegt, liegen die Tobago Cays bei Tobago. Die Antillen sind verwirrend. Von unserem Ankerplatz in Mayreau sind es nur ein paar Meilen zu den Tobago Cays.
Der Atlantik bricht sich am Riff, dahinter liegen einige kleine Inselchen, türkises Wasser schwappt an weißen Sand und gut geschützt liegen die Segelboote. Viele Boote. Wir suchen uns einen Platz auf türkisenem Grund, das heißt Sandboden. Schon auf der Fahrt hierher sehen wir sehr viele Schildkröten und auch jetzt gucken sie immer wieder aus dem Wasser. Vormittags schnorcheln wir, Nachmittag fahren wir mit dem Schlauchboot zu einem kleinen Strand. Unsere Schnorchelversuche hier sind nicht so erfolgreich. Auf der einen Seite der kleinen Landzunge ist die Sichtweite unter Wasser ungefähr 1m, auf der anderen Seite ist das Wasser kristallklar, wir sehen viele Fische, aber hier schnorcheln wir in der Brandung, mir ist das schnell zu sportlich und auch Nobbi kommt bald wieder raus. Vorher beobachten wir noch einen Oktopus, wie er seine acht Arme in ein kleines Loch sortiert.
Der Himmel wir immer dunkler und es wird ungemütlich, wir haben einen kleine kabbelige Welle am Ankerplatz, die Gemütlichkeit ist dahin. Wir entscheiden für die Nacht zu unserem Ankerplatz in Mayreau zurückzukehren. Der kürzeste Weg wäre der südliche Ausgang aus dem Riff, doch wir können das Riff gegen die tiefstehende Sonne nicht sehen und beschließen vernünftig zu sein und den etwas weiteren Weg zunehmen. Da überholt uns ein 70 Fuss Kat mit Profiskipper an Bord und nimmt den Südausgang. Wir beschließen, dass er das nicht zum ersten Mal macht und fahren hinterher. Wenig später liegen wir wieder am geschützten Ankerplatz uns sind froh darüber als ein Schauer nach dem anderen uns in der Nacht das Deck wäscht.
Am nächsten Tag machen wir auch nur einen kurzen Törn nach Canouan. Die nächste Insel hatte eine tiefe Bucht, die überraschend leer ist. Ein Fischer will uns einen Hummer verkaufen, wir nehmen den Hummer nicht, schenken ihm aber einen Fender. Nun haben wir einen neuen Freund, den ganzen Nachmittag winkt er jedes Mal beim Vorbeifahren und ruft „Hello my friend!“. Wir wollen wenigstens einen kleinen Eindruck der Insel bekommen, gehen an Land, laufen auf den nächsten Hügel und kaufen Brot. Die Hotels scheinen sehr leer zu sein, genau wie die neue Marina direkt am Flughafen für die Privatjets. Der Norden der Insel gehört zu einem 5*Hotel mit Golfplatz. Wir haben den Eindruck, dass die Inselbevölkerung nicht viel davon hat, dass man auf sehr reiche Touristen setzt. Aber natürlich sind ein kleiner Spaziergang und ein paar Gespräche beim Einkaufen oder an der Hotelbar nicht ausreichend um zu verstehen wie die Menschen hier leben.
Nach einer Nacht geht es am Samstag weiter nach Bequia. Wir erleben den schönsten Segeltag seit langem. Hart am Wind gibt Mari ihr Bestes, wir gleiten über tiefblaues Wasser, die Sonne scheint und die Reise ist nach 20 Meilen viel zu schnell zu Ende. Bei solchen Bedingungen hat der Autopilot keine Chance, da wollen wir beide gerne steuern.
In der Admirality Bay liegen bereits viele Boote, aber da die Bucht riesig ist, ist es nicht schwer einen Ankerplatz zu finden. Kurz bevor wir ankommen fällt unser Computer aus. Wir verbringen den Abend mit Computerproblemen, wollen gerade einen Etappensieg feiern, da verabschiedet er sich wieder und wir haben inzwischen unsere Backup-Systeme aktualisiert. Es sieht so aus als müssten wir auf ungewisse Zeit ohne unseren Bordrechner auskommen. Irgendetwas ist ja immer.
Heute am Adventssonntag habe ich Franzbrötchen gebacken, die helfen gegen fast alles, besonders gegen Computerfrust. Dann erreicht uns die Nachricht, dass eine Freundin sich verletzt hat und uns wird klar, dass wir dankbar sein sollten, dass es nur der Computer ist, der ausgefallen ist. Als Frühsport schwimme ich zur SY Courante. Zwischen den vielen weißen Schiffen findet man den orangenen (oder goldenen, oder braunen?) Kat leicht. Wir kennen uns aus Grenada und hatten nicht damit gerechnet uns nochmal über den Weg zu segeln. Auf dem Rückweg sehe ich mehrere Adlerrochen und eine Schildkröte. Das Wasser ist hier wunderbar klar. Abends spazieren wir durch Port Elizabeth, kaufen Obst und Gemüse und trinken ein Bier auf der netten Terrasse von Maria´s Café. Es gefällt uns. Wir haben es nicht eilig.

Union Island und Mayreau

Die Distanzen sind übersichtlich. Wir haben nur 11 Meilen von Tyrell Bay nach Clifton Harbour auf Union Island vor uns. Montagmorgen geht es zunächst zu Immigration und Zoll. Wie immer wenn ein Behördenbesuch ansteht ziehen wir uns vernünftig an. Wir sind aus Suriname und Brasilien trainiert. Der Herr vor uns nimmt das mit der Etikette nicht so genau und taucht barfuß und in dreckigem, ärmellosem Hemd auf. Das Auschecken geht schnell. Ob es uns gefallen hat und warum wir dann nicht bleiben. Außerdem kommt natürlich das unvermeidliche „Deutschland? Ey, Alles klar!“. Wir legen mit dem Dinghi noch kurz vor dem Supermarkt an und sind dort zu früher Stunde die einzigen Kunden. Der Obst- und Gemüsestand hat heute ein besonders spärliches Angebot, aber es gibt Möhren!
Dann geht’s los. Noch einmal den gerade erst wieder getroffenen Freunden winken, Segel setzen und schon liegt die Tyrell Bay hinter uns. Angesagt war wenig Wind (4 Bft., das ist hier wenig), wir haben dann satte sechs gegenan. Mühsam pirschen wir uns an Carriacou entlang und können dann etwas abfallen nach Union Island, andere Boote versuchen es anders herum, segeln erst Richtung Union Island und motoren dann die Küste entlang nach Osten. Wir kommen alle gleichzeitig in Clifton Harbour an. Hier ist es erstmal unübersichtlich und ganz schön voll, außerdem weht es immer noch tüchtig. Schließlich sortiert es sich und wir finden einen guten Platz. Hier liegen wir wunderbar geschützt in der hintersten Ecke, vor uns das Riff, hinter uns die Insel. Das Wasser ist türkis, die Wellen rauschen am Riff und die Kiter düsen am Boot vorbei. Wir sind zufrieden.
Hier sind viele Boat Boys aktiv. Ständig kommt jemand vorbei und möchte Diesel oder Banana-Bread verkaufen, uns ein Restaurant empfehlen, einen Fisch loswerden oder uns in eine Bar lotsen. Alle sind sehr nett und ich werde bestens informiert, der eine war schon mal beim Werder-Spiel im Weserstadion (gegen HSV), die Mutter des anderen hat eine Tierklinik und der Dritte findet ich könnte doch kiten lernen, wenn ich schon keinen Fisch kaufen möchte.
Es herrscht ein ständiges Kommen- und Gehen der (meist Charter-) Segelboote, als wir Ankommen ist es ziemlich voll, nachmittags leert es sich merklich und die verbliebenen Boote brechen fast alle um acht Uhr am nächsten Morgen auf. Kurz darauf treffen aber bereits die ersten neuen Boote ein.
Für uns geht es zum Einklarieren. Wir fahren mit dem Schlauchboot an Land und sind zunächst irritiert. Wo sind die Dinghis der anderen Segler? Dann entdecken wir das Dinghi-Dock. Gut geschützt fährt man unter einer niedrigen Brücke hindurch in ein kleines Minihafenbecken, dort liegen die Schlauchboote sicher. Das Einklarieren geht wieder fix und sehr freundlich vonstatten.
Jetzt sind wir in St. Vincent und die Grenadinen. Die Grenadinen sind die Inselgruppe zwischen Grenada und St. Vincent, sie umfasst 32 Inseln (und Inselchen) von denen 11 bewohnt sind. Einige gehören zu Grenada, wie Carriacou, die meisten gehören zu St. Vincent wie Union Island.
Wir machen noch einen Spaziergang und klettern auf den nächsten Hügel um ein Foto zu machen. Union Island erscheint uns viel touristischer als Carriacou. Es gibt (noch) mehr Bars und Restaurants, außerdem viele Souvenirstände und Läden mit Bademoden und T-Shirts.
In der Nacht haben wir viel Regen (der unser Schiff vom Salz befreit) und immer wieder garstige Schauerböen, doch wir liegen an unserem Platz super geschützt. Als Nobbi aufwacht überlegt er, ob das Schiff an Land steht, so ruhig haben wir es.
Gestern ging es weiter nach Mayreau. Die Etappe ist noch kürzer als die vorige, ganze 2 Meilen liegen zwischen den beiden Inseln. Wir entscheiden uns für die Saline Bay. Ein schöner Strand säumt die Bucht, den Hang hinauf zieht sich das bunte Dorf. Wir schnorcheln ausgiebig über dem Seegras, hier gibt es viele verschiedene Fische. Und natürlich besuchen wir unseren Anker und gucken ob er sich vernünftig eingegraben hat.
Nachmittags unternehmen wir eine kleine Wanderung über die Insel. Als erstes geht es auf die Windseite. Ein kleiner Weg führt durch eine abwechslungsreiche Vegetation. Sträucher, Kakteen und Gräser säumen den Weg, dazwischen liegen kleine Felder auf denen Zucchini, Bohnen und Kürbis angebaut wird. Wir sehen viele unterschiedliche Vögel und noch mehr Schmetterlinge. Dann endet der Weg, wir kehren um und unternehmen einen neuen Versuch auf der „Hauptstraße“. Sie ist zeitweise ziemlich steil und wir kommen ordentlich ins Schnaufen. Der Weg führt uns an 2 Kirchen vorbei bis zur Saltwhistle Bay im Norden. Die kleine Bucht ist sehr schön und sehr voll. Segler und Gäste des Hotels teilen sich den Bilderbuchstrand. Klares Wasser schwappt an den weißen Sand, Palmen rascheln im Wind und über eine schmale Landzunge hinweg sieht man die Tobago Cays.
Wir machen uns auf den Rückweg und sind bei Sonnenuntergang wieder an Bord. Ein Großsegler kommt beim letzten Licht unter Segeln in die Bucht und ankert hinter uns. Sehr romantisch.
Heute Morgen entschließen wir uns hier zu bleiben und einen Arbeitstag einzulegen. Der Wassermacher bekommt ein wenig Zuwendung und in den Wartezeiten erledigen wir Kleinkram. Wenn alles erledigt ist belohnen wir uns mit einer Schnorcheltour.

Ausflüge nach Paradise Beach und Sandy Island

Zunächst fahren wir mit dem Bus nach Hillsborough. Das Busfahren funktioniert genau wie auf Grenada. Kaum sind wir an der Straße angekommen hält ein Bus, wir stoppen an einem kleinen Laden, der Fahrer hat Durst, dann an einem anderen Laden wo wir eine Kiste abholen und schon sind wir auf dem Weg in den Hauptort. Wir sehen uns etwas um und wollen nun zum Paradise Beach laufen. Die wenig befahrene Straße liegt oft im Schatten, so macht das Laufen Spaß. Am Flughafen kommen wir nicht weiter, wir wechseln an den Strand. Unser Revierführer behauptet man würde hier nasse Füße bekommen, könne aber zum nächsten Strand laufen. Wir finden zwar einen kleinen Weg durch die Mangroven, doch der endet schließlich am Wasser. Weiter ginge es nur durch die Brandung über das Riffdach, das gefällt weder dem Riff noch uns, wir kehren um.
Nach einer kleinen Pause in einer netten Bar erreichen wir wieder Hillsborough, von hier wollen wir den Bus zum Paradise Beach nehmen, wir sind auf der Hinfahrt bereits daran vorbei gefahren. Kaum sind wir an der Hauptstraße, kommt ein Bus. Da einer der Fahrgäste auf der Ostseite wohnt kommen wir unerwartet zu einer Inselrundfahrt. Carriacou gefällt uns, die Häuser sind bunt und gepflegt. Überall sind Ziegen, Schafe, Kühe, Esel und natürlich Hühner unterwegs. Die meisten laufen frei rum, wenige sind angeleint. Als wir schließlich aus dem Bus aussteigen fängt es an zu Regnen. Zum Glück regnet es nun wenige Minuten. Am Strand essen wir in einem kleinen Restaurant das Tagesmenü mit Fisch, Kartoffeln, Reis und Salat. Anschließend laufen wir zurück zu Carriacou Marine, wo unser Beiboot am Steg auf uns wartet. Bevor es zurück an Bord geht wollen wir noch Tanken, die Kanister liegen bereits im Beiboot. Wir erfahren, dass der zuständige Mitarbeiter in der Mittagspause ist und um 17h wiederkommt. Also warten wir eine dreiviertel Stunde bis wir unsere Kanister gefüllt bekommen. Nach einem schönen und langen Abend sind wir um halb sechs wieder an Bord.
Heute stand ein Tagesausflug nach Sandy Island auf dem Programm. Es ist ganz schön windig (Bft. 6) und entsprechend hat sich eine kleine Welle aufgebaut. Nur drei andere Boote haben sich diesen Spot ausgesucht und wir können uns eine der freien Bojen aussuchen. Kaum sind wir angekommen hält ein kleines Boot auf uns zu. Ein junger Mann erzählt, dass er sonst Hummer verkauft, heute aber nur Tomaten oder Zitronen im Angebot hat. Wir freuen uns über die Tomaten, ist es doch gar nicht so einfach hier an schönes Gemüse zukommen.
Sandy Island ist ein kleines Inselchen. Ein paar Palmen säumen einen weißen Sandstreifen. Pelikane stürzen sich ins Wasser. Wir gehen ausgiebig schnorcheln, das Wasser ist schön klar und wird von vielen Fischen bewohnt. Schwärme kleiner silberner Fischchen glitzern knapp unter der Oberfläche, ein großer Igelfisch schwimmt knapp über dem Grund und ein Rochen liegt auf dem Sand. Erst als uns richtig kalt ist kommen wir wieder aus dem Wasser.
Später landen wir mit dem Dinghi auf der Insel an, werden bei der Überfahrt ziemlich nass und gehen auf der lütten Insel spazieren und Pelikane angucken. Es gibt einen kleinen Salzwasserpool in dem eine Gruppe Engländer ein Picknick macht. Nachmittags gehen wir Anker auf und sind nach 40 min wieder auf unserem alten Ankerplatz in der Tyrell Bay.

Carriacou

Donnerstag (gestern) verlassen wir Grenada. Im Windschatten der Insel haben wir zunächst wenig Wind und motoren nach Norden. Hinter der Insel können wir segeln, doch der Wind kommt sehr spitz, also sehr weit von vorne und ein starker Strom versetzt uns nach Westen. Das Segeln ist zunächst mühsam, die Welle stoppt uns immer wieder auf. Umso länger wir unterwegs sind, umso besser wird das Segeln und so rauschen wir schließlich auf Carriacou zu. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und das Meer leuchtet tiefblau. Unterwegs sehen wir endlich mal wieder Mondfische, die sich sonnen, außerdem Tropikvögel mit ihren langen Schwanzfedern und viele Tölpel.
Als wir nach 30 Meilen die Tyrell Bay erreichen, bin ich zunächst mäßig begeistert. So viele Boote! Dass es hier nicht leer ist war mir klar, aber so voll? Nobbi ist mit dem Ankerplatz den ich ausgesucht habe zufrieden, wir haben eine schöne Lücke gefunden, und als eine große Schildkröte auftaucht bin auch ich versöhnt. Wir sehen viele bekannte Boote, darunter gleich drei Schiffe, die wir aus Suriname kennen. Eine nette Überraschung. Ich habe während des Segelns etwas zu viel Sonne bekommen, bin sehr müde und schlafe daher noch eher als sonst.
Heute Morgen macht Nobbi mich darauf aufmerksam, dass der erste Dezember unmittelbar bevorsteht. Er möchte, dass vor dem ersten Advent dekoriert wird. Die Weihnachtsbox ist natürlich ganz hinten in der Achterkammer, schließlich braucht man sie nicht so häufig. Nachdem ich die Weihnachtskugeln aufgehängt habe, sieht es so leer aus, also packe ich auch die Lichterkette aus, obwohl sie auf 220 V läuft. Wir können doch jetzt nicht jeden Abend den Inverter betreiben, nur für die Lichterkette? Aber schön sieht es aus. Nachdem dekorieren lese ich Nobbi vor, dass der Trafo der Lichterkette eine Ausgangsspannung von 4,5 V hat, das ist doch fast USB, können wir da nicht was machen? Nachmittags bastelt Nobbi mir aus einem alten Handy-Ladegerät einen USB-Stecker für die Lichterkette. Jetzt leuchtet jede zweite LED, die sind mit wechselnder Polarität zusammen getüddelt, das macht ja auch Sinn, deshalb kann man mit dem original Trafo „Twinkling“ oder „Pulse“ auswählen. Wir könnten jetzt alle nicht leuchtenden LEDs umdrehen, aber das lassen wir mal…
Mittags machen wir einen Spaziergang an Land, kaufen Obst und Gemüse und essen lecker in einem kleinen Restaurant. Tauchbasen, kleine Läden und Restaurants säumen den Strand. Es gibt ein Bier als Lazy Pelican heißt, sehr lecker, und in der Bucht fischen die Pelikane. Carriacou ist sehr entspannt und ruhig. Uns gefällt es hier.
Nachmittags besucht Nobbi schnorchelnd den Anker und trifft einen Barakuda unter unserem Boot. Kein Wunder, dass die kleinen Fische immer aus dem Wasser springen.
Morgen ist der erste Dezember, da dürfen wir das erste Türchen öffnen. Außerdem ist ab morgen an Bord Weihnachtsmusik erlaubt. Vielleicht gibt es am Sonntag zum ersten Advent sogar den ersten Spekulatius?

Entspannte Tage in der Grand Mal Bay

Die Nacht zu Dienstag war etwas schwellig, aber gemütlich. Der Morgen ist es nicht. Ein großes Kreuzfahrtschiff ist angekommen, einer der beliebteren Ausflüge scheint der zu Grand Anse, einem sehr schönen Strand, zu sein. Die Wassertaxis, stark überladene Motorboote, preschen durchs Feld der Ankerlieger, zum Teil so dicht, dass wir sie anfassen könnten. Ihre Wellen schütteln uns durch. Wir wollen nicht warten bis sie alle wieder zurückkommen und gehen Anker auf. Irgendwo weiter im Norden wollen wir uns einen ruhigeren Ankerplatz suchen.
Wir schnappen uns eine von drei Bojen an der Südseite des Marineparks, weit sind wir nicht gekommen, etwa zwei Meilen und wir können St. George’s und das Kreuzfahrtterminal noch sehen, doch der Platz gefällt uns, warum sollten wir weitersuchen.
Nachmittags schnorcheln wir ausgiebig vom Boot aus. Mari liegt an der Riffkante, unter ihrem Heck ist es 25m, unter ihrem Bug 15m tief. Schwimmt man 50m richtig Küste wird es flacher. Die Korallen sind ziemlich kaputt, doch es gibt viele nette Fische zu sehen. Die Mooringleine ist sehr schön bewachsen. Zwei ausgiebige Schnorcheltouren machen uns müde und nach einem gemütlichen Abend geht es früh ins Bett.
Heute Morgen nutzen wir die Windstille und wechseln von unserer Genua auf die kleinere Fock. Der anstrengendste Teil ist das Zusammenlegen der großen Genua an Deck noch vor dem Frühstück. Vormittags fahren wir mit dem Dinghi um die Ecke zum Moliniere Point. Dort gibt es einen Unterwasser-Skulpturen-Park, den wollen wir uns ansehen. Wir binden unser Schlauchboot an eine der Bojen für die Ausflugsschiffe und machen uns schnorchelnd auf den Weg. Die Sicht ist gut und bald sehen wir die ersten Statuen, überall auf den Sandflächen stehen sie. Wir entdecken z.B. eine Meerjungfrau, einige Gesichter, kleine und größere Gruppen von Menschen die im Kreis stehen und eine Frau die auf einer Bank sitzt. Viele der Statuen sind leider kaputt, doch trotzdem gibt es noch genug zusehen. Es sind viele Fische unterwegs: Doktorfische, Papageifische, Sepias, ein Barakuda, eine riesige Languste, eine Muräne… Wir sind zufrieden und wiederholen unsere Tour am Nachmittag. Der Platz ist sehr beliebt. Schnorchel-Gruppen und Tauchboote kommen und gehen. Da wir quasi in der ersten Reihe liegen, konnten wir einen Zeitpunkt abpassen wo wir den Platz für uns alleine haben.
Der Rest des Tages vergeht mit Vögel beobachten, Baden und Lesen. Ein richtiger Urlaubstag. Morgen segeln wir weiter Richtung Norden, so ist zumindest der Plan.

Ein überraschendes Treffen

Gestern wurde es ganz dringend Zeit für einen Ankerplatzwechsel, wir mochten nicht mehr an unserem schaukligen Platz in der Prickly Bay bleiben. Unser Ziel, der Ankerplatz vor St. George‘s ist nur 7 Meilen entfernt auf der anderen Seite der Insel. Wir nehmen den Außenborder vom Dinghi und verstauen ihn an Deck, unser Schlauchboot ziehen wir hinterher. Als wir die Bucht verlassen empfangen uns die Atlantikwelle und satte sechs Windstärken. Das Segeln auf dem leuchtend blauen Wasser macht Spaß und schnell haben wir Grenadas Südspitze erreicht. Nun haben wir Landschutz, die Welle wird kleiner, dafür kommt der Wind fast von vorn. Nur langsam nähern wir uns Saint- George´s. Wir haben Gegenstrom, wo kommt der jetzt wieder her?
Der Ankerplatz ist nicht so voll, wir finden einen schönen Spot. Das Wasser ist ganz klar, wir können den Grund sehen. Natürlichen gehen wir erstmal ausgiebig baden. Nobbi besucht schnorchelnd unseren Anker und stellt fest, dass sich einige Kofferfische für ihn interessieren. Hoffentlich richten sie sich nicht zu wohnlich ein, den Anker nehmen wir wieder mit.
Eigentlich wollten wir heute Morgen weiter, doch als wir nach dem Baden unsere Telefone einschalten wartet eine Überraschung auf uns, ein ehemaliger Kollege von Nobbi besucht heute gemeinsam mit seiner Frau Grenada. Die beiden sind auf Kreuzfahrt auf der „Star Flyer“ und haben heute in St. George’s Landgang. Ein Treffen klappt spontan, wir gehen zusammen Kaffeetrinken. Laut unserer kanadischen Freunde ist es übrigens merkwürdig, dass die Deutschen, Franzosen und Holländer „ständig“ Kaffee trinken wollen. Finden wir nicht.
Als wir wieder an Bord sind überlegen wir kurz, ob wir noch eine Bucht weiter ziehen wollen, beschließen dann aber zu bleiben. Nobbi putzt schnorchelnd das Unterwasserschiff, ich den Wasserpass.
Dann sehen wir der „Star Flyer“ beim Ablegen zu. Es handelt sich nicht um irgendein Schiff, sondern um einen schönen Viermaster. Leider dauert es etwas bis alle Segel stehen. Die Rahsegel sehen wir nur noch durchs Fernglas im Sonnenuntergang leuchten. Im Dunkeln sind die Segel angeleuchtet und wir sehen das schöne Schiff nach Westen verschwinden. Es nimmt ungefähr unsere geplante Route, westwärts zu den ABC-Inseln. Wir werden ihm demnächst etwas langsamer hinterher segeln.

St. George‘s

Zeit für etwas Sightseeing. Eigentlich wollten wir uns gestern etwas auf der Insel umsehen, aber dann verging der Tag viel zu schnell mit dem Abschluss der Reparatur unserer Schaltung, dem Aufräumen und Putzen eines Teils des Achterschiffs und den nötigen Computerupdates im Marina Café.
Der heutige Tag begann ausgezeichnet für mich. Beim morgendlichen Bad guckte nur wenige Meter neben mir eine Schildkröte aus dem Wasser. Nach dem Frühstück, mit selbstgebackenen Franzbrötchen (!), ging es los. Wir sind mit dem Bus gefahren. Das Bussystem ist günstig und sehr effizient. Die kleinen Busse haben neben dem Fahrer einen Schaffner, der die Fahrgäste akquiriert. Kaum ist man auf einer größeren Straße hört man den „Bus?“ –Ruf. Nach ungefähr einer Minute Wartezeit sind wir unterwegs in Richtung St-George’s, der Hauptstadt. Wir steigen etwas eher aus, besuchen einen großen Bootsausrüster, und laufen dann am Wasser entlang zum Fort George. Wir kommen an der Luxus-Marina vorbei, am Container-Hafen und beschließen dann, dass es Zeit ist eine Kokosnuss zu trinken. An dem kleinen Stand gibt es einen Fisch, der in trübem Wasser in einem Wasserkanister schwimmt. Der arme! Auf dem Feld nebenan wird Cricket gespielt, da schlägt die englische Vergangenheit durch. Grenada war bis 1974 britische Kronkolonie, war im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts aber unter französischer Kontrolle. 1762 eroberte England Grenada, die Franzosen gaben sich zunächst nicht geschlagen, also ging es ein wenig hin und her, aber ab 1795 gehörte es den Engländern. Wir setzten unseren Weg um die Bucht fort und erklimmen das Fort George. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die bunten Häuser, den Hafen, die Kreuzfahrerpier, den Ankerplatz der Yachten und auf die grünen Berge. Wir bummeln durch die überraschend hübsche Stadt, über den Markt und sind auf der Suche nach einem Restaurant. Wir werden nicht so recht fündig und enden im Schokoladenhaus. Hier bekommen wir erklärt wie Schokolade gemacht wird und essen leckeren Schokoladenkuchen aus Schokolade von der Insel. Wir laufen noch ein wenig durch die hügelige Stadt, es geht immer hoch und runter, und suchen uns dann einen Supermarkt. Kaum stehen wir mit unseren Einkäufen wieder auf der Straße hält neben uns der Bus um uns zurück zu Spice Island Marine zu bringen, wo wir unser Dinghi vertäut haben.

Arbeitsreiche Tage auf Grenada

Grenada liegt im Süden der kleinen Antillen und gehört zu den Inseln über dem Winde. Hier in der Karibik gibt es lauter nette Bezeichnungen für die Inselgruppen, die zu allerlei Verwirrung führen. Die Insel Grenada gehört zum gleichnamigen Staat, zu dem außerdem noch Carriacou und ein paar sehr kleine Inseln gehören.
Die Insel ist grün, in den Bergen hängen immer tiefe Wolken. Sie ist vulkanischen Ursprungs und gilt als sehr fruchtbar. Grenada ist die Gewürzinsel, hier werden Zimt, Nelken, Ingwer und Muskatnuss angebaut.
Leider haben wir von Grenada bisher kaum etwas gesehen. Am Tag nach unserer Ankunft haben wir zunächst Geld abgeholt, eine Kokosnuss getrunken und einklariert. Die Einklarierungsprozedur ging sehr fix, maximal drei Monate dürfen wir nun hier bleiben. Danach mussten wir leider unseren Ankerplatz wechseln, der Amerikaner hinter uns, hat uns wenig freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass wir stören. Wir hatten keine Lust uns zu streiten und sind umgezogen.

Zum Glück haben wir unsere Dieselbaustelle in den Griff bekommen. Viele Stunden haben wir damit verbracht den Tank soweit es geht zu leeren und ihn mit gefiltertem Diesel zu waschen. Nun ist der Tank mit frischen Diesel gefüllt und diese Episode damit hoffentlich beendet. Die Dieselbaustelle sorgte für nervige Putzarbeiten und lange Aufenthalte in der Backskiste. Wir haben nun einen neuen Einlass dessen Deckel wir nicht verlieren können und da der Motorraum ohnehin offen war, haben wir den Aquaalarm (der den Kühlwasserfluss misst) nun hinter dem Wasserfilter eingebaut und ein paar Schläuche ersetzt.
Zwischendurch haben wir allerhand Kleinkram erledigt, ein paar Takel- und Verschönerungsarbeiten durchgeführt und ein neues Großfall eingezogen. Das Großfall war teurer als gedacht, dass der Preis in Dollar pro Fuss angegeben ist und nicht in Dollar pro Meter dämmerte uns erst als wir bereits 105 Fuss geordert hatten… Ohnehin haben wir genug Geld beim Schiffsausrüster gelassen. Wir sind nicht Schuld sollte er pleitegehen.
Zum Glück kommt das soziale Leben nicht zu kurz. Wir hatten ein glückliches Händchen mit der Wahl unseres neuen Ankerplatzes- Wir haben sympathische Nachbarn, die uns zum Einkaufen mitschnacken, uns mit Informationen versorgen und mit denen wir sehr nette Stunden bei dem ein oder anderen Bier verbringen. Außerdem haben wir Freunde wieder getroffen, die wir zuletzt auf den Kanaren getroffen haben.

Heute Morgen wollte Nobbi sich nur noch kurz die Schaltung ansehen, während ich unsere schon ziemlich verschlissene Sprayhood genäht habe. Beim letzten Manöver hatte ich mich beschwert, dass ich nun noch „digital“ fahren kann, also Gas oder kein Gas, und dass es nicht mehr möglich ist wenig Gas zu geben.
Nobbi stellt leider fest, dass in der Schaltung ein Teil gebrochen ist. Wir sind ein wenig ratlos. Das unspektakuläre Metall-Teil kostet in England zwölf Pfund recherchieren wir, aber England ist weit weg. Jetzt sind wir also vorübergehend antriebslos und deprimiert. Da taucht direkt hinter unserem Heck eine Schildkröte auf. Bestimmt will sie uns Mut machen.
Wir düsen also mal wieder mit dem Dingi zum Schiffsausrüster. Dort kann man uns nicht helfen (aber natürlich finden wir etwas anderes, das wir brauchen können), also machen wir uns auf den Weg zu einer Automerkstatt, bei der wir auch ein Yanmar/Perkins Schild gesehen haben. Anscheinend kennt man sich dort auch mit Bootsmotoren aus. Ein fröhlicher Mitarbeiter erklärt uns, dass er nicht glaubt, dass wir das Teil auf Grenada bekommen. Aber vielleicht könnte man das Ding nachbauen? Stimmt, Nobbi überlegt bereits, ob wir das Ding nicht aus Alu biegen können, da verrät uns der nette Mitarbeiter wen wir auf der Werft fragen müssen. Also laufen wir zur Werft. Dort ist gerade Mittagspause, wir sollen später wieder kommen. Nun haben wir über zwei Stunden Zeit und unternehmen eine kleine Wanderung. Zunächst geht es durch eine sehr wohlhabende Wohngegend, später durch einen Naturpark. Die Wanderung ist nicht spektakulär, aber die meiste Zeit im Schatten. Trotzdem kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Die interessanteste tierische Begegnung hatten wir mit drei Ziegen.
Als wir wieder auf der Werft auftauchen hat sich noch nichts getan, zwanzig Minuten schauen wir uns Schiffe an, dann ist das kleine Teil geschweißt. Die einfache Reparatur erspart uns eine Menge Ärger. Nobbi bastelt die Schaltung wiederzusammen und legt vorsichtig Vorwärts- und Rückwärtsgang ein, bevor es zum Thanksgiving Dinner fahren. Das haben wir uns verdient und dankbar sind wir auch!

Eine ereignisreiche Überfahrt nach Grenada

Diese Überfahrt bot uns eine Art komprimierte Form der Vor- und Nachteile des Fahrtenseglerlebens. Die ganze Bandbreite an Aspekten durften wir in wenigen Tagen erleben. Es war schön, anstrengend, ruhig, aufregend, verlangte uns manchmal mehr ab, als wir zu geben bereit waren und endete glücklich. Hier findet ihr die Zusammenfassung. Wie immer habe ich schon kurz nach der Ankunft vergessen wie müde ich war, wie nass ich geworden bin und dass Segeln ziemlich doof sein kann. Ich erinnere mich an wunderschöne Nächte und leuchtend blaues Wasser.

Wir frühstücken zeitig, die Tide kentert und für uns geht es los. Ein letzter Blick auf Domburg, Abschied von Suriname. Mit dem ablaufenden Wasser geht es vorbei an Paramaribo hinaus aufs Meer. Der Strom schiebt uns, wir kommen flott voran und laufen mehr als 8 Knoten. Im Fluss sehen wir Delfine, die im schlammig braunen Wasser vor unserem Bug spielen.
An der vorletzten Tonne des Fahrwassers geht plötzlich unser Motor aus. Während Nobbi unter Deck verschwindet, entlüftet und den Filter wechselt, segle ich hoch am Wind aus der Mündung des Suriname River. Was hätten wir gemacht wenn der Motor etwas eher ausgegangen wäre? Vor der Küste liegen große Sandbänke und das Wasser ist flach. Wir sind froh, als wir es endlich ins tiefere Wasser geschafft haben.
Nobbi taucht wieder auf. Der Filter war sauber, Luft ist auch nicht in den Leitungen. Diese Feststellung ist der Beginn einer Dieselbaustelle, die uns die nächsten drei Tage immer wieder auf Trab hält. Schließlich können wir das Problem einkreisen. Wir scheinen verunreinigten Diesel getankt zu haben. Wir lassen den Motor mit Diesel aus dem Kanister laufen. Mit dem Diesel den wir zuletzt getankt haben läuft der Motor, mit dem den wir zuvor getankt haben (anderer Kanister) läuft er nicht. Mit der Mischung aus dem Tank läuft er bis er warm wird, dann nicht mehr. Macht das Sinn? Und weshalb ist er zu Beginn fast fünf Stunden gelaufen? Wir stellen Thesen auf, schlafen drüber, testen…
Schon lauert das nächste Problem. Während der Motor läuft, mit „gutem“ Diesel aus dem Kanister, überlegen wir wieviel Diesel eigentlich über die Rücklaufleitung in den Tank läuft. Da geht der Motor aus. Der Kanister ist halb leer. Wir lernen, es geht sehr viel mehr Diesel zurück in den Tank, als wir dachten. Wir haben so also unseren „guten“ Diesel über den Rücklauf in den Tank mit dem „schlechten“ Diesel laufen lassen. Das war nicht so schlau.
Der neue Versuchsaufbau hat zwei Kanister, einen aus dem der Diesel kommt, einen in den er laufen soll. Das funktioniert super, bis der Schlauch als dem Kanister rutscht und der Diesel im Salon landet. Was für eine Sauerei. Wir beschließen den Diesel aus dem Tank in die leeren Kanister abzupumpen, das ist mühsam, funktioniert aber ganz gut. Am nächsten Tag stellen wir fest, dass wir ein neues Problem verursacht haben, durch unser Gepumpe haben wir irgendwelche Partikel im Tank gelöst, diese verstopfen nun die Dieselleitung vom Tank zum Motor. Leider haben wir ja bereits einen Teil unseres guten Diesels in den Tank gekippt…
Schließlich baut Nobbi baut eine neue Kanisterlösung. Mit einem Stück Kupferrohr werden zwei Schläuche verbunden und so die Rücklaufleitung so weit verlängert, dass der Diesel nun in den Kanister, aus dem er kommt, zurückfließt.
Dieses Schlamassel wieder aufzulösen ist unsere Aufgabe für die nächsten Tage. Hinzu kommt die Beseitigung der Kollateralschäden. Leider ist der Diesel durchs halbe Schiff nach vorne geschwappt und in der Bilge unter dem Salon unter den Lack gelaufen. Wie auch immer das geht. Jetzt haben wir mit Diesel gefüllt Blasen unterm Lack. Leider ist bei der ganzen Aktion auch der Tankdeckel über Bord gegangen, wir werden also eine neue Tankzuleitung samt Deckel einbauen.
Weitere technische Unannehmlichkeiten waren der Ausstieg unseres Navigationsprogramms und eine stark tropfende Stopfbuchse. Die Stopfbuchse hat Nobbi auf See nachgezogen, das war kein Problem, die Lösung für unser Problem mit dem Navi-Programm kennen wir. Leider braucht man dafür eine Internetverbindung. Extrem praktisch auf See. Wie gut, dass wir die ein oder andere Backuplösung hatten.
Ansonsten sind wir wunderbar gesegelt. Nach den schlammigen Flüssen haben wir uns am Morgen des zweiten Tages sehr über das blaue Atlantikwasser gefreut. Am zweiten und dritten Tag hatten wir wenig Wind und sind entsprechend langsam, aber auch sehr gemütlich gesegelt. Die Nächte waren sternenklar und wunderschön. Zeit zum Nachdenken und Lesen. Wann hat man so viel Zeit seinen Gedanken nachzuhängen, wie in einer ruhigen Nacht auf See.
Am Montag nahm der Wind zu, wir kamen schneller voran, wurden aber auch immer wieder von fiesen Böen auf Trab gehalten. Viele schnelle Reff-Manöver waren nötig. Die Nächte waren nun nicht mehr entspannt, sondern nass. Immer wieder zogen Gewitter durch, es blitzte immer wieder. Zunächst fand ich die Gewitter sehr unheimlich, doch sogar daran gewöhnt man sich. Irgendwann hat es mich nur noch geärgert, wenn es wieder angefangen hat zu regnen. Nasse Klamotten können wir unter Deck nicht auch noch brauchen, wer im Regen draußen bleibt muss sich schnell ausziehen oder die Öljacke überziehen. Zum Glück lässt unsere Mari sich von dem wilden Wetter nicht beeindrucken und unsere Windsteueranlage steuert gewohnt unbeeindruckt ihren Kurs.
Unterwegs haben wir die 10.000ste Meile seit Bremen gefeiert. Wir waren vorbereitet, hatten eingekauft und haben den „Sprudel“ mit Neptun geteilt.
Dienstagabend sehen wir endlich Tobago, unser Ziel. Das Wetter wird immer unangenehmer. Heftige Schauer mit starken Böen halten uns in Atem. Ab und zu kommt ein Gewitter hinzu. Es ist lange dunkel als wir Tobagos Nordspitze runden, der Strom schiebt uns nach Westen. Im Dunkeln fällt die Orientierung schwer, wegen des starken Stroms müssen wir 50 Grad vorhalten und kommen und der Bucht in der wir ankern wollen nur sehr langsam näher. Dann erreicht uns der nächste Schauer. Bei diesen Bedingungen wollen wir die unbekannte Bucht nicht ansteuern, zumal wir auf über 20 m Wassertiefe hätten ankern müssen. Wir beschließen eine weitere Nacht auf See zu verbringen und nach Grenada weiter zu segeln.
Der letzte Schauer stellt sich als viel weniger spektakulär heraus als die vorherigen und der Wind lässt bald etwas nach. Während ich noch mit mir ringe, ob wir vielleicht doch hätten warten sollen und versuchen sollen Tobago anzulaufen, macht Nobbi sofort seinen Frieden mit der Entscheidung.
Gegen Morgen kehrt der Wind zurück, wir rauschen bei 3 m hoher achterlicher See in Richtung Grenada. Es ist dunkelgrau, die Luft, das Wasser, die Wolken. Das ist also die Karibik. Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Grenada taucht nachmittags endlich aus dunklen Wolken auf. Noch ein heftiger Schauer und dann wartet ein Kulturschock auf uns. Wir sehen hunderte von Masten. Ende der Einsamkeit.
Nach fünf Tagen und neun Stunden fällt unser Anker in der Prickly Bay. Aufräumen, Lüften, Ankommen. Wir pumpen unser Beiboot auf, entscheiden aber nicht mehr an Land zu fahren. Zur Feier des Tages gibt es Knipp mit Kartoffeln und Apfelmus.
Wir sind angekommen. Nach fast genau einem Jahr in Südamerika sind wir gespannt auf die Karibik.