Die letzten Tage sind wir recht flott unterwegs, allerdings ist das Leben an Bord auch anstrengender geworden. Wir haben mehr Wind und hoehere Wellen. Kochen oder Abwaschen sind Leistungssport. Heute ist sehr grau und schwuel- unter Deck ist es sehr warm. Ab und zu kommt eine schwarze Wolke vorbei, bringt Wind aber nur wenig Regen. Immer gerade so viel dass das Cockpit nass ist und man nicht weiss, wo man sitzen soll. Zum Deckwaschen oder fuer eine ausgiebige Dusche reicht das Wasser nicht. Fuer besondere Erheiterung sorgte heute die Lektuere von Jimmy Cornells Segelrouten der Welt. Wir befinden uns gerade am Rande eine Gebietes, in dem der Himmel haeufig bedeckt sein soll und der Schwell konfus, ausserdem soll es hier haeufig flau sein. Die ersten beiden Dinge treffen zu, zum Glueck haben wir jedoch Wind. Ansonsten faenden wir den Hinweis die beste Taktik sei es einfach hindurch zu motoren nicht so lustig. Immerhin umfasst das angesprochene Gebiet mehr als 10 Laengengrade. Der Ratschlag solche Strecken zu motoren ist fuer ein Boot unserer Groesse (und Tankkapazitaet) etwa so hilfreich wie Microsofts Hinweis man solle bei Problemen einen Freund fragen.
Gestern ist eine Welle in einer Boee uebers Deck geschossen. Leider war die Luke uebern Salon auf. Die ganze Zeit haben wir bei jedem noch so kleinen Spruehregen und jeder groesseren Welle die Luke geschlossen. Diesmal haben wir es vergessen. Die Welle hat ihren Weg auf den Tisch, auf dem lauter Buecher lagen, und in unsere Seekoje gefunden. Soll ja sehr luxurioes sein so ein Wasserbett. Ich bin noch nicht ueberzeugt. Inzwischen sind Buecher und Koje getrocknet. Doch der Salzgehalt unter Deck nimmt kontinuierlich zu.
Nobbis Frisur ist richtig gut gelungen. Zunaechst habe ich versucht seine Haare mit der Schere in Form zu bringen, doch wegen der hohen Wellen haben wir auf die Haarschneidemaschine zurueckgegriffen. Ich hatte Angst, dass er ausser seinen Haaren auch ein Ohr verliert. Es ist nicht so einfach sich selbst festzuhalten und gleichzeitig Haare und Schere zu koordinieren. Mindestens eine Hand fehlt.
Die letzten Naechte waren stockdunkel. Wegen der starken Bewoelkung haben wir keine Sterne gesehen und der Mond ist eine ganz schmale Sichel, die erst in den fruehen Morgenstunden auftaucht. Es fuehlt sich an, als segle man im Nichts. Nur kompaktes Schwarz um einen herum. Tagsueber beobachten wir die schnell wechselnden Wolken. Sie ziehen in mindestens zwei verschiedene Richtungen und wechseln staendig Form und Farbe. Im Prinzip finde ich, das Wolken den Himmel erst richtig interessant machen, trotzdem wuerde ich mich ueber einen sonnigen Tag und eine sternklare Nacht freuen.
Wir feiern heute Bergfest. Wir sind 2000 Meilen gesegelt und 2000 Meilen liegen noch vor uns. Zeitlich hoffen wir, dass bereits mehr als die Haelfte der Etappe hinter uns liegt.
Wieder auf der Suedhalbkugel
Der Wind kommt aus Suedost, wir segeln gemuetlich nach Westen. Das Seglerleben kann so schoen sein. Ab und zu schickt eine dunkelgraue Wolke ein paar Minuten Spruehregen. Die Tage vergehen mit essen, lesen, schlafen, Emails schreiben und aufs Wasser gucken.
Und dann passiert doch immer irgendetwas. Fliegende Fische leuchten in der Sonne, Seevoegel umkreisen uns und Delfine springen. Gestern bietet sich uns ein Spektakel der besonderen Art. Mehrere hundert Delfine kreisen Frischschwaerme ein. Die Segelvoegel kreisen darueber und beteiligen sich am grossen Fressen. Wir beobachten die Tiere durchs Fernglas und koennen uns nicht satt sehen.
Und dann gibt es immer wieder Fischer. Nobbi hat eine naechtliche Begegnung der dritten Art, er hoert Stimmen. Fischer in einem offenen Boot schreien und gestikulieren, gerade noch kann er das Netz zwischen Boot und Boje umfahren. Beide Seiten sind gleichermassen erleichtert, dass wir nicht im Netz haengen geblieben sind. Am naechsten Morgen treffen wir auf einer Fischerboot das 12 (!) kleine offene Boote im Schlepp hat. Wir starten den Motor um auszuweichen, weil der Fischer wenig vorhersehbare Schlenker faehrt und ploetzlich auf uns zu faehrt als wir eigentlich schon vorbei sind. Ob da ueberhaupt mal jemand auf dem Fenster guckt? Wir passieren ein weiteres kleines Boot im Abstand von einer knappen Meile, da sehen wir im letzten Moment eine Boje voraus. Zwischen Boje und Boot spannt sich eine Leine ueber der Wasseroberflaeche. Fuer uns ist es zu spaet, wir koennen nicht mehr ausweichen. Eine grosse Welle hebt uns an und schiebt uns ueber das Netz. Nichts passiert! Was fuer ein Glueck.
Wir sind wieder auf der Suedhalbkugel. Am Donnerstag den 25. April um 2100 (Bordzeit) ueberqueren wir zum dritten Mal den AEquator. Neptun laesst uns passieren, merkt aber an, dass Nobbis Frisur grenzwertig wuschelig ist. Deshalb muss er jetzt zum Frisoer. Es gibt nur wenige Frisoersalons hier draussen (wir haben noch keine Frisoerbojen gesehen), deshalb uebernehme ich den Job. Eventuelle Kunstfehler koennen in den naechsten Wochen rauswachsen.
Ausflug in den Mast
Heute Vormittag hoerten wir ein Fiepen und hatten zunaechst die Teekanne im Verdacht, die sich als unschuldig herausstellte. Tatsaechlich hatten wir wieder Besuch von der Grindwal- Grosse Tuemmler- Gemeinschaft. Ob es dieselben Tiere waren wie vor drei Tagen? In den letzten Tagen haben wir sehr viele Delfine gesehen und auch die Zahl der Voegel ist hier in der Naehe der Galapagos noch hoeher. Mir gefallen die kleinen Schwalben die unermuedlich Jagd auf kleine Fische machen.
Wir haben die Galapagos passiert, endlich! Das war aber eine schwere Geburt. Immer wieder hatten wir Phasen komplett ohne Wind, oder mit sehr, sehr wenig Wind. Gestern war besonders nervenaufreibend, vom neun bis neun hatten wir Flaute. Die schlagenden Segel, dass Geklapper und das Nicht-Voran-Kommen gingen uns gewaltig auf die Nerven. Wir haben die Chance genutzt und Nobbi hat einen Ausflug in den Mast gemacht. Das Kabel fuer das Windinstrument, das eigentlich in einer Nut im Mast liegen soll, hatte sich befreit und in die Nut in der das Grosssegel laeuft gelegt. Deshalb konnten wir das Grosssegel nicht mehr Ausreffen oder Bergen, weil wir Angst hatten, das Kabel abzureissen oder das Segel festzuklemmen. Vorsichtig haben wir das Kabel straff gezogen und das Segel geborgen. Nobbi ist in den Mast gestiegen, hat das Kabel aus der Nut gezogen und es provisorisch aussen am Mast nach untern gefuehrt. Um das Kabel neueinfaedeln zu koennen, mussten wir es im Cockpit loesen, aus dem Kabelkanal unter der Decke ziehen und durch den Kabeldurchlass am Mast fuehren. Eine Aktion die einige Vorbereitung brauchte. Nun liegt das Kabel wieder an seinem Platz und wir hoffen, dass das Provisorium haelt bis wir an einem ruhigen Ankerplatz liegen und es dann dauerhaft in den Mast einfaedeln koennen. Obwohl es so ruhig war, war das Klettern in den Mast nicht ungefaehrlich. Natuerlich habe ich Nobbi gesichert, trotzdem ist er ein paarmal ordentlich gegen den Mast geknallt und hat einige Kratzer und blaue Flecken vom Festhalten. Wir waren beide sehr erleichtert, als er wohlbehalten wieder an Deck stand.
Heute Nacht hatten wir wenig Wind, aber einen Schauer nach dem anderen. Die Sicht betraegt dann keine 100 m, was uns nicht weiter stoert, weil wir ohnehin meist davon ausgehen, dass hier ausser uns niemand unterwegs ist. Das stimmt nicht ganz, alleine heute haben wir einen Fischer, einen Helikopter und ein Segelkreuzfahrtschiff gesehen. Zugegeben, es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir mit einem Helikopter kollidieren.
Unsere Restdistanz ist unter 2900 Meilen, es geht voran. Vermutlich ueberqueren wir noch heute den Aequator, ihr ahnt es, wieder ein Grund zum Feiern.
Grindwale querab
Gerade hatte ich den letzten Blogeintrag abgeschickt, da verliess uns der Wind. Nachts sitze ich bei sehr wenig Wind im Cockpit und freue mich, dass die Segel nicht schlagen, wir bewegen uns mit 1,5 kn in die richtige Richtung. Besser als nichts. Da sehe ich Lichter am Horizont, ein Schiff kommt vom achtern auf. Die Anordnung der Lichter spricht fuer eine Segelyacht. Ich bin gespannt, im AIS sehe ich, dass das Schiff 11,5 kn laeuft. Das ist flott fuer eine Segelyacht unter Motor und segeln kann sie unmoeglich, wir haben 2kn Wind. Und tatsaechlich, dass Mondlicht enthuellt eine 46 m lange Luxussegelyacht mit endlos langem Mast. Ganz schoen was los hier draussen.
Das Osterfest feiern wir leider nicht mit Eier suchen sondern mit Eier ueber Bord schmeissen. Ein Teil unserer Eier ist schlecht. Wir unterziehen alle verbliebenen Eier dem Schwimmtest. Trotzdem wir jedes Ei vor Gebrauch einzeln aufgeschlagen und besichtigt. Der Appetit auf gekochte Eier oder Spiegeleier ist uns vergangen. Also habe ich gestern mal wieder Kuchen gebacken, ueber den wir uns nun waehrend der Nachtwachen freuen.
Trotz gelegentlicher Flauten kommen wir einigermassen gut voran. Der Wetterbericht stimmt uns positiv, wir naehern uns langsam aber sicher den Galapagos Inseln. Gestern war ein schoener Segeltag mit einem Etmal von 110 Meilen.
Gerade eben hatten wir eine fantastische Tierbegegnung. Delfine und Grindwale haben uns besucht und sind nur wenige Meter vom Boot entfernt geschwommen. Wir konnten sie in Ruhe angucken und sie uns. Solche Begegnungen werden nie langweilig. Es ist spannend zu beobachten wie die Tiere mit einander kommunizieren, die Klick- und Pfeifflaute zu hoeren, zu sehen wie sie mit der Fluke aufs Wasser klatschen und sich daran zu freuen wenn sie hoch aus dem Wasser springen.
Herrlich ereignislos
Seit knapp drei Tagen ist die Segelei herrlich ereignislos. Der Wind kommt stetig aus suedlichen Richtungen, flauschige Woelkchen und klarer Himmel wechseln einander ab. Keine Gewitter, keine Blitze, keine unbeleuchteten Boote. Wir segeln nach Westen, schlafen, essen und lesen. Da wir gerade Vollmond hatten, sind die Naechte hell. Die ganze Nacht kann man den Horizont und die Wellen sehen, das ist sehr angenehm. Heute ist Tag 12 seit wir die Las Perlas verlassen haben, wenn ich nicht im Logbuch nachgeschaut haette wuesste ich es nicht. Die Tage verschwimmen. Haben wir die Delfine gestern gesehen, oder war das schon vorgestern? Solange das Leben an Bord angenehm ist, spielt Zeit keine Rolle. Wir bekommen genug Schlaf, einzig dass Geweckt werden zur zweiten Nachtwache ist manchmal etwas muehsam. Beide sind wir dann zunaechst muede, Nobbi um eins und ich um vier. Ist man dann aufgewacht und das Buch spannend genug, vergeht die Zeit. Wie haben die Segler ihre Nachtwachen frueher ohne Kindle durchgehalten? Mir ist das unbegreiflich, ich halte noch immer meinen Schnitt von einem Buch pro Tag.
Etwas Abwechslung brachte ein Besucher. Ein Toelpel landete gestern Mittag nach mehreren Versuchen auf unserem Bugkorb. Anscheinend gefiel es ihm dort, er putzte sich, schlief mit dem Schnabel im Gefieder und flog erst heute Morgen weiter. Jede Nacht kommt die Gruene Gang zu Besuch. Wir nennen die Gruppe von Seeschwalben so, weil sie im gruenen Licht der Steuerbordlaterne jagen. Sie machen merkwuerdige knarrende Geraeusche und streiten sich wenn ein Vogel etwas faengt und nicht mit den Kollegen teilen will.
Unsere Speisekarte wird nach dem Motto was wir aufgegessen haben kann nicht schlecht werden gestaltet. Heute gibt es die letzten Kartoffeln. Zu den letzten Kartoffeln gibt es die letzte Dose Knipp. Ein vorgezogenes Osteressen. Gestern habe ich einen Kuchen gebacken. Eigentlich sollte es zu Ostern Kuchen geben, doch wer weiSS wie morgen das Wetter wird? Bei gemuetlichen Bedingungen koennte ich einen weiteren Kuchen backen oder Ostereier anmalen. Wir hoffen, dass uns noch ein paar weitere unspektakulaere Tage vergoennt sind.
Naechtliche Besucher
Nachdem wir in der Nacht zu Montag diese heftigen Gewitter hatten, waren wir froh, dass es in der Nacht zu Dienstag trocken blieb. Trotzdem war auch diese Nacht wieder spannend. Wir duempelten bei wenig Wind durch die Nacht, ich sass im Cockpit und hoerte einen Podcast. War da nicht ein Geraeusch? Ganz klar, ein anderes Boot muss ganz in der Naehe sein. Ich sehe aber keine Lichter und auch kein AIS-Signal. Das Geraeusch naehert sich und ich werde nervoes. Deshalb schalte ich das Radar ein, dort sieht man deutlich, dass das Boot nur noch eine halbe Meile entfernt ist. Ob das Piraten sind? Ich wecke Nobbi, wir holen den Strahler raus und leuchten das andere Boot an. Jetzt geht dort das Licht an. Ein kleines Boot mit starken Aussenbordern faehrt auf 50 m an uns heran. Die Maenner sprechen miteinander Spanisch, sprechen aber nicht mit uns. Das Boot gibt Gas, das Licht geht aus und es ist genauso schnell verschwunden wie es gekommen ist. Wir vermuten, dass es die kolumbianische Guardia Costa war, da wir uns 30 sm querab der Insel Malpelo befanden, doch wissen tun wir es nicht. Wenn sie sich zu erkennen gegeben haetten waere es etwas weniger unheimlich gewesen.
Bei uns wechseln sich Nordost- und Suedwind ab. Dazwischen ist Flaute und die Duenung schuettelt uns durch. Noch nie sind wir waehrend einer Passage so viele Segelmanoever gefahren. Heute Nacht war es wieder sehr nass. Seit 10 Stunden regnet es jetzt ohne Pause, in den fruehen Morgenstunden hatten wir wieder heftige Gewitter, wenn auch nicht so nah wie zwei Naechte zuvor. Wusstet ihr, dass man Blitze riechen kann? In der Nacht zu Montag, als es direkt ueber uns gewittert hat, ist ein Blitz neben dem Boot eingeschlagen. Diesen Blitz konnten wir beide riechen, er roch nach Strom.
Neben den Gewittern die uns besuchen hatten wir auch Delfinbesuch, der ist mir viel lieber. Ein Tier hat uns lange begleitet und ist unter Maris Bug geschwommen.
Mir wuerde es gefallen wenn dieser Toern in den naechsten Tagen ein bisschen weniger abwechslungsreich verlaufen wuerde. Bestaendige Winde stehen ganz oben auf der Wunschliste.
Geduldsprobe fuer Fortgeschrittene
Nachdem wir in den vorangegangenen Tagen schon aeusserst langsam, aber immerhin gemuetlich unterwegs waren, wurde es in der vorletzten Nacht unerfreulich. Wir trieben nach Nordosten, das Schiff torkelte im Schwell, das Schlagen der Segel zerrte an den Nerven. Wir hatten sehr schwache Winde, mit denen wir die entgegenlaufende Stroemung kaum aussegeln konnten. Die Stimmung an Bord litt. Sollen wir umdrehen und nach Panama zuruecksegeln, sollen wir einen Nothafen in Kolumbien anlaufen? Keine der Optionen ueberzeugte und ohne Wind muessten wir ja auch erst einmal nach Kolumbien oder Panama kommen. Zwischendurch segelten wir ab und zu eine Stunde auf einem annehmbaren Kurs und schoepften Hoffnung.
Mit wenig Wind und nach Osten treibend ging es in die letzte Nacht, nachdem wir am Nachmittag segeln konnten. Gegen Mitternacht konnte ich wieder Fahrt aufnehmen, das Schiff umdrehen und nach Suedwesten segeln. Nobbi segelte in seiner Wache langsam aber bestaendig. Als ich um vier die Wache uebernehme, blitzt es am Horizont, Nobbi murmelte irgendwas von Wetterleuchten und verschwindet in seiner Koje. Die Blitze kommen immer naeher, jetzt sehe ich nicht mehr nur die Strobe-Lights am Himmel, jetzt hoere ich den Donner und sehe die Blitze um mich herum schnellen. Unheimlich. In meinem Podcast sagt jemand man muesse seine Komfortzone verlassen, ich wuensche mich sehnlichst in meine Komfortzone, die garantiert gewitterfrei ist. Ich beneide Nobbi darum, dass er schlaeft und hoffe dass die Zeit vergeht und das Gewitter mitnimmt. Dann springt der Wind um, wir segeln jetzt nicht mehr nach Westen, sondern ploetzlich nach Osten. Ich wecke Nobbi. Keine Minute zu frueh. Nun kommt der Regen mit satten Schauerboeen. Nobbi rollt das Vorsegel weg, ich steuere die Boeen aus. Minuten spaeter bin ich klatschnass. Zeit zum Jacke anziehen blieb nicht. Schliesslich laesst der Wind nach, es regnet nur noch gleichmaessig und nicht mehr als wuerden wir unter einem Hochdruckreiniger hindurch segeln. Nobbi darf wieder ins Bett und ich beobachte das Geschehen von drinnen. Acht Stunden spaeter regnet es noch immer, endlich ist der Panamadreck vom Deck gespuelt. Seit dem Gewitterschauer haben wir nun starken Nordostwind und segeln zuegig nach Suedwesten. Endlich geht es voran, auch wenn das kein Wetterbericht vorhergesagt hat.
Eine Nacht mit Wal
Gestern segelten wir langsam aber stetig in die richtige Richtung. Leider verabschiedete sich abends der Wind. Die ganze Nacht hatten wir absolute Flaute. Zum Teil war es richtig unheimlich, weil es so still war, dass wir jeden springenden Fisch und jeden piepsenden Vogel hoeren konnten. Es war unglaublich dunkel. Eine Gruppe von Walen verbrachte Teile der Nacht neben uns, zunaechst hoerte ich sie nur atmen, dann trieben sie neben uns. Unheimlich und schoen, wann verbringt man schon mal eine Nacht mit einem Wal? In der Ferne blinkte ein Licht, zunaechst dachten wir an einen anderen Segler, weil viele Segler ein Blitzlicht im Mast Top fahren, doch dann tauchten weitere Lichter auf, vermutlich markierten sie ein Fischernetz oder Langleinen, zum Glueck sind wir davon weggetrieben. Als es hell wurde, war es so neblig, dass wir den Horizont nicht sehen konnten. Das Grau von Meer und Himmel ging ineinander ueber. Jetzt ist es wieder schoen sonnig und die Wasseroberflaeche kraeuselt sich. Von Segelwind koennen wir noch nicht sprechen, doch der Wetterbericht verspricht Wind fuer heute Nacht. Wir freuen uns drauf.
Fuer alle, die unsere Ankunftszeit noch nicht getippt haben: morgen ist die Deadline. Teilnahme per Mail.
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Tierisch langsam
Gestern Mittag schlief der Wind ein. Fuenfzehn Stunden dauerte die Flaute bis heute Morgen der Wind zurueckkam. Nachmittags war die Wasseroberflaeche absolut glatt, nicht das leichteste Kraeuseln war zu sehen. Sonne und Wolken spiegelten sich im Meer. Da sahen wir zwei kleine Flossen synchron auftauchen. Und wieder. Eine kleine Schildkroete schwamm auf uns zu, tauchte auf, sah uns mehrfach an und ueberholte uns. Wir sind also so langsam, dass wir von Schildkroeten ueberholt werden. Nachts landete ein kleiner schwarzer Vogel bei uns im Cockpit und blieb mehrere Stunden. Zunaechst wollte er unbedingt auf dem Cockpitboden sitzen, Nobbi konnte ihn waehrend seiner Wache ueberreden an Deck umzuziehen und als ich die Wache dann wieder uebernommen habe, flog er schliesslich davon.
Unser langsames Tempo hat auch Vorteile, wir konnten heute Morgen baden. Als Nobbi die Badeleiter runterklettert mache ich Witze, dass er erst mal testen solle ob die Haie hungrig sind. Nobbi badet ausgiebig, dann bin ich dran. Ich bin gerade die Leiter hinunter geklettert als hinter uns die charakteristischen Flossen eines Hais auftauchen. So schnell bin ich noch nie die Badeleiter hochgeklettert. Bis heute Mittag konnten wir gut segeln, jetzt sind wir wieder langsamer als jede Schildkroete. Gerade haben wir Kaffee getrunken und frisch gebackene Franzbroetchen gegessen, heute Abend gibt es Griessbrei mit Mango zum Nachtisch. Wenn wir schon so langsam sind, koennen wir es geniessen, dass das Kochen so problemlos moeglich ist. Derweil ueberlegen wir, wie lange wir duempeln wollen. Bekannte haben uns heute Nacht elegant ueberholt, unter Motor. Im Gegensatz zu ihnen haben wir aber viel zu wenig Diesel um ihn jetzt schon zu verbrauchen. Wir benoetigen noch Diesel falls wir auf die Galapagos zutreiben, um gegebenenfalls Schiffen ausweichen zu koennen, damit wir unsere Batterien laden und Wasser machen koennen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen und fuer das Einlaufen in den Marquesas. Vor uns liegen noch 4000 Meilen, da koennen noch viele ungeplante Dinge passieren und daher duerfen wir unsere Dieselreserven nicht aufbrauchen. Unser Notfallplan ist ein Stopp in Kolumbien zum Tanken. Wenn moeglich wollen wir das jedoch vermeiden. Noch geben wir nicht auf.
Auf den Las Perlas haben wir leider sehr viel Plastikmuell gesehen, am Strand, in den Mangroven und im Wasser. Plastikflaschen, Kanister, Tueten, Loeffel, Babywindeln, die ganze Palette. Auch an den ersten beiden Segeltagen haben wir immer wieder Kanister und Flaschen gesehen. Heute haben wir zum Glueck erst eine Flasche gesichtet, auch wenn eine Flasche eine zu viel ist und man den groessten Anteil des Muells vermutlich nicht sieht. Das Meer leuchtet blau, atmet leicht und erscheint unendlich gross. Gerade eben ist ein grosser brauner Wal neben uns abgetaucht. Ich setze mich jetzt ins Cockpit, hoffe, dass er wiederkommt und beginne ein neues Buch
Hinaus auf den Pazifik
Der Abschied von den Las Perlas faellt uns schwer. Die wilden, schoenen Inseln gefallen uns. Die Inseln sind felsig und dicht mit Baeumen bestanden. In dieser Jahreszeit sind viele der Baeume kahl und von tausenden von Voegeln bevoelkert. Bei Flut erinnern die Inseln ein wenig an schwedische Schaeren, bei Ebbe werden ueberall Straende sichtbar, viele davon sind weiss. Die Las Perlas sind nur wenig bevoelkert, die meisten Inseln sind unbewohnt. Die Inseln gehoeren den Tieren. Das Wasser ist vergleichsweise trueb, aber voll Fisch. Schwaerme von kleinen und grossen Fischen tummeln sich unterm Boot, vom Dinghi sehen wir Stachelrochen und mehrere Krebse suchen Asyl auf der Badeleiter. Pelikane, Toelpel, Fregattvoegel, Papageien und Moewen kontrollieren den Luftraum.
Wir schliessen uns Momo und Seahawk an und segeln mit ihnen zur Insel Espiritu Santo. Rainer mit seinen Gaesten Thomas und Thomas kennen wir aus Shelter Bay, Thomas ist mit uns durch den Kanal gefahren. Wir verbringen gemeinsam lustige Abende und erkunden die Insel. Gerne haetten wir noch mehr Zeit mit ihnen verbracht, doch wir entscheiden, dass es fuer uns Zeit ist weiterzuziehen. Wir suchen uns einen Ankerplatz ganz im Sueden der Isla del Rey an der Muendung eines kleinen Flusses, essen unseren Snapper, den wir einem Fischer abgekauft haben, verbringen hier eine sehr ruhige Nacht, baden im klaren Wasser und starten von hier am Dienstagmorgen, den 9. April.
Kaum sind wir unterwegs zeigt sich neben uns der grosse schwarze Ruecken eines Wals. Zunaechst freuen wir uns, dass wir bei recht schwachem Wind gut segeln koennen. Doch in den naechsten Stunden beginnt ein staendiger Wechsel aus wenig Wind und Flaute. Das waere nicht so schlimm, wenn wir nicht einen recht starken Strom haetten, der uns nach Nordwesten in den Golf von Panama hineinversetzt. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt als wir mitten in der Nacht rueckwaerts aufs Verkehrstrennungsgebiet (die Autobahn fuer die grossen Schiffe zum Panamakanal) zutreiben. Zu allem UEberfluss sind ueberall um uns herum Fischer die Zick-Zack fahren oder Kreise drehen. Schliesslich machen wir die Maschine an, um von dem Verkehrstrennungsgebiert und den Fischern freizukommen. Am zweiten Tag klappt es schon besser mit dem Segeln in die richtige Richtung, auch wenn wir uns noch einmal unter Motor von einem Verkehrstrennungsgebiert befreien muessen. Nun sind wir weit genug von den Hauptschifffahrtsrouten entfernt und der Strom zieht uns nach Westen. Heute Nacht und heute Vormittag sind wir schoen gesegelt, im Moment treiben wir.
Es gibt immer wieder etwas zusehen, zum einen scheinen wir auf der Hauptroute nach Suedamerika zu segeln und gelegentlich kommt ein Frachter vorbei, zum anderen haben wir viele tierische Besucher. Ein cleverer Toelpel fischt nachts im Licht unserer Steuerbordlaterne, Delfine machen einen kurzen Besuch, in der Ferne springt ein Wal und eben hat ein Baby-Manta einen Bauchklatscher kurz hinter unserem Boot gemacht. Die Stimmung an Bord ist gut, da es so ruhig ist haben wir hervorragend geschlafen und ich lese bereits das vierte Buch.