Bonaire begeistert über und unter Wasser!
Die Zeit vergeht rasend schnell. Wir erleben regelrechten Urlaubsstress, wollen wir es doch ausnutzen, dass wir einen Mietwagen haben.
Am Mittwoch wollen wir endlich mal wieder tauchen. Den anstrengendsten Teil haben wir bereits hinter uns, das Tauchzeug ist aus der Achterkammer an Deck gewandert. Wir haben uns einen Tauchplatz im Süden der Insel ausgesucht. Auf dem Parkplatz bei „Angel City“, so heißt der Tauchplatz, steht nur ein anderes Auto. Wir ziehen uns um und gehen wenige Meter hinter dem Auto ins Wasser. Wir atmen eine Stunde Bremer Luft. Wir sind zwar auf unserer Reise schon getaucht, aber nicht mit unseren eigenen Flaschen. Nach knapp einer Stunde tauchen wir wieder auf und sind begeistert. Es war wirklich schön! Ein intaktes Riff und viele bunte Fische haben uns einen schönen Tauchgang beschert. Da macht es auch nichts, dass ich auf allen vieren aus dem Wasser komme. In der Brandung mit dem Tauchgerödel auf dem Rücken aus dem Wasser zu kommen ist gar nicht so einfach. Hinzu kommt, dass wir keine Neoprenschuhe mitgenommen haben, wenn wir die Flossen ausziehen sind wir also barfuß unterwegs. Nicht immer ganz einfach. Wir tauchen dort wo die beiden verlassenen Paare FlipFlops nebeneinander stehen und warten!
Wir verlängern unsere Rückfahrt um die die Südspitze der Insel. Hier wird Salz gewonnen. Das Wasser leuchtet in den Becken rosa und türkis, dazwischen türmen sich die weißen Salzberge auf. Wir entdecken einige Flamingos und treffen auf wilde Esel. Zurück an der Tauchbasis lernen wir, wie wir unsere Tauchflaschen binnen weniger Minuten wieder füllen können.
Am Nachmittag verdienen wir uns einen Fleißpunkt. Wir machen einen Ausflug zum Waschsalon, frieren dort (Klimaanlage) bei schnellem Internet und freuen uns nun über die frisch gewaschene Wäsche.
Donnerstagmorgen türmen sich dunkle Wolken am Himmel auf. Das passt nicht so gut zu unseren Tauchplänen, schließlich ist die Unterwasserwelt doch umso schöner wenn sie von der Sonne angeleuchtet wird. Wir entscheiden uns vormittags in den Nationalpark zufahren. Das Tauchen am Nachmittag fällt aus, uns gefällt es viel zu gut im Nationalpark.
Auf sandigen Wegen führt der Weg durch hohe Kakteen, schnell wird klar, weshalb man hier nicht mit einem Kleinwagen unterwegs sein sollte. Unser „Drempel-Hopser“ aus Suriname hätte vermutlich nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft. Wir sehen uns interessante Steinformationen an, besuchen den Leuchtturm, genießen die Aussicht auf die wilde Ostküste und treffen grüne Leguane und viele Vögel. Zum Glück haben wir unsere Flossen dabei. Wir beschließen im Nationalpark schnorcheln zu gehen und finden einen tollen Platz. Über eine dreiviertel Stunde halten wir es nur in Badeklamotten im Wasser aus. Das ist ganz schön lange, wenn man bedenkt dass wir in 7mm dicken Neoprenanzügen tauchen und uns das nicht zu warm ist. Es gibt einfach so viele Fische, Korallen, Schwämme und Schnecken zu sehen, dass wir uns nur schwer trennen können.
Die beiden nächsten Tage sind Tauchtage. Morgens geht es wieder nach Süden, nach dem Tauchgang essen wir die mitgebrachten Brote. Dann füllen wir die Flaschen und fahren weiter an einen Tauchplatz nördlich der Marina. Der Platz „Alice in Wonderland“ gefällt uns so gut, dass wir ihn gleich zweimal besuchen. Bei unserem Tauchgang bei „1000 Steps“ dürfen wir gleich zweimal für längere Zeit eine Schildkröte begleiten. Eine schubbert sich ausgiebig an einem Stein. Kann es Schildkröten tatsächlich unterm Panzer jucken? Ich dachte das wäre nur im Comic möglich! Am nächsten Nachmittag sehen wir in „Tolo“ sogar einen kleinen Hai und freuen uns über riesige Fischschwärme.
Heute Mittag müssen wir den Mietwagen wieder abgeben. Wir müssen uns entscheiden ob wir mit dem Auto komfortabel einkaufen, oder ob wir tauchen. Wir sind vernünftig und entscheiden uns fürs Tauchen. Das Tauchen hier macht uns Spaß, unabhängig und entspannt. Wenn an einem Platz schon viele Autos stehen, taucht man halt an einem anderen. Die Tauchplätze sind nicht sehr tief, die Riffe weitgehend intakt und es sind sehr viele Fische am Riff unterwegs.
Warum gleich meine beiden Tauchcomputer auf Bonaire ihr Leben aushauchen müssen, bleibt unklar. Nun bin noch abhängiger von meinem Mann und Buddy, aber nun ja, wir sitzen ja ohnehin im selben Boot…
Zwischendurch haben wir es genossen ein Auto zu haben und jederzeit zum Supermarkt fahren zu können. Wir sind gute Kunden beim Schiffshändler und nun stolze Besitzer einer amerikanischen Gasflasche aus Kevlar. Sie kann nicht durchrosten. Zurzeit steht sie im Cockpit und wartet darauf, dass wir Zeit haben uns um sie zu kümmern.
In den nächsten Tagen steht wieder das Bootsleben im Vordergrund, der Blick auf das Wetter für die Weiterreise und natürlich Weihnachten!
Dushi Bonaire
Nach unserer Ankunft am Sonntag hatten wir uns vorgenommen mindestens bis acht Uhr wach zu bleiben. Auch wenn es um fünf nicht so aussah als könnten wir das schaffen, haben wir doch durchgehalten. Nach zehn Stunden Schlaf waren wir Montag wieder fit für neue Abenteuer.
Wir haben beschlossen auf Bonaire einen kleinen Weihnachtsurlaub einzulegen! Und schon wird es stressig. Das Urlaubsprogramm will organisiert werden. Doch zunächst melden wir uns bei der Marina an, besuchen den Schiffshändler, vervollständigen unsere Weihnachtsdeko und besuchen den Supermarkt. Wir stellen fest, dass es nicht so einfach ist kurz vor Weihnachten einen Mietwagen auf Bonaire zu bekommen. Auch andere machen hier Weihnachtsurlaub.
Heute Vormittag haben wir eine Tauchbasis gefunden, bei der wir unsere Flaschen füllen können und heute Nachmittag haben wir unseren Mietwagen bekommen. Morgen können wir also abtauchen.
Da wir für die Übergabe des Mietwagens ohnehin am Flughafen waren, sind wir von dort aus weiter zur Eselstation gefahren. Die Esel kamen im 16. Jahrhundert als Arbeitstiere, wurden irgendwann nicht mehr gebraucht und dann einfach freigelassen. Die Station sammelt kranke und verletzte Esel ein. Mittlerweile leben auf dem Gelände 700 Esel. Wir streicheln fleißig die weichen Nasen und die plüschigen Ohren. Mit dem Auto kann man einen kleinen Rundweg fahren. Einige Esel sind sehr selbstbewusst, stecken ihre Nasen ins Auto und fordern die Herausgabe der Möhren, doch wir lassen uns nicht weichklopfen. Wir heben unsere Möhren für die schüchterneren Esel auf und gewinnen echte Freunde. Liebe geht eben durch den Magen.
Bonaire zu mögen fällt leicht. Die Menschen sind entspannt und freundlich, die Häuser sind gelb, weiß, pink, türkis oder grün. Bonaire ist eine schöne Mischung aus Karibik, Südamerika und Holland. Es ist heiß, aber windig und dadurch sehr angenehm. Es gibt Palmen und Kakteen, Esel, bunte Eidechsen und Flamingos. Und drumherum dieses unanständig türkise Wasser. Wir kennen bereits mehr gute Restaurants, als man nach drei Tagen kennen sollte.
Bonaire ist 288 km² groß, das ist kleiner als Bremen, oder um bei den Inseln zu bleiben kleiner als Usedom aber größer als Fehmarn. Hier leben 18.000 Menschen. Die Amtssprachen sind Papiamentu und Niederländisch. Bonaire gehört mit dem Aruba und Curacao zu den ABC-Inseln.
Politisch ist das Ganze, wie so oft bei diesen Überbleibseln der Kolonialzeit, etwas kompliziert. Bis 2010 gehörte es zu den Niederländischen Antillen. Während Aruba (seit 1985), Curacao und Sint Maarten heute autonome Länder im Königreich Niederlande sind, sind Saba, Sint Eustatius und Bonaire seit 2010 „Besondere Gemeinden“ der Niederlande. Das bedeutet im Wesentlichen, dass niederländische Gesetze hier nicht automatisch gültig sind. Wir sind hier im Königreich Niederlande und Willem-Alexander ist König, doch die Währung ist der US-Dollar.
Uns gefällt es hier spontan ausgesprochen gut. Wir freuen uns auf die nächsten Tage!
Überfahrt nach Bonaire
Donnerstagmorgen geht es los. Wir trinken Kaffee, gehen Anker auf, setzen Segel und sind ungefähr so schnell wie ein Stück Treibholz. Ich rechne aus, dass wir frühestens Montag, vielleicht erst Dienstag ankommen und bin demotiviert. Nach dem Frühstück baumen wir die Fock aus. Da wir alle Leinen vertüddeln dauert das etwas (Warum haben wir das eigentlich nicht am Ankerplatz gemacht?). Schließlich steht die Fock gegenüber dem Groß und der Baum ist so fixiert, dass er stehen bleiben kann, wenn wir die Fock wegrollen. Inzwischen haben wir den Windschatten von Bequia verlassen und rauschen dahin. Sehr schön.
Die erste Nacht verläuft ruhig. Flottes Segeln, die Fock lassen wir komplett stehen. Zwischen den Wolken zeigt sich der Sternenhimmel und wir sehen viele Sternschnuppen. Beide schlafen wir nicht besonders gut, das Schiff rollt fröhlich von einer auf die andere Seite.
Am zweiten Tag nehmen Wind und Welle deutlich zu. Solange es sonnig ist, sieht es toll aus, wenn die Wellen von Achtern heranrollen und man durch ihre hellblaue Kuppe hindurchsehen kann, kurz bevor sie sich schäumend weiß brechen. Ist es bewölkt und grau, scheint es eher ungastlich.
Den späten Nachmittag des zweiten Tages verdränge ich, nachdem Essen (Rührei und Kartoffeln) werde ich seekrank, hänge schließlich über dem Seezaun und bin froh, als es mir mit Einbruch der Nacht besser geht. Wir segeln mittlerweile im zweiten Reff und von der Fock steht nur das berühmte Handtuch, trotzdem machen wir zwischen sechs und acht Knoten.
Der dritte Tag bringt noch mehr Wind. Irgendwann rollen wir die Fock komplett weg. Immer wieder kommt ein kleiner Schauer vorbei. Meistens mit wenig Regen, aber mit etwas Wind. Nachmittags zieht ein besonders gemeiner durch, kaum Regen, eine kleine fluffige graue Wolke (keine böse, schwarze) aber satte acht Beaufort. Er ist genauso schnell wieder weg wie er gekommen ist. Die karibische See ist launisch. Sie verändert häufig ihr Gesicht. Mal haben wir eine lange angenehme Welle, wenig später eine kurze brechende. Die dritte Nacht ist ungemütlich, aber wir wissen, dass wir fast am Ziel sind. Nobbi sichtet Lichter, die er erst für Fischer, dann für Piraten und dann für eine Bohrinsel hält. Pünktlich zu Wachübergabe stellt sich heraus, dass es nur ein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff ist. Während ich auch in dieser Nacht schlecht schlafe, schläft Nobbi so fest, dass ich ihn energisch wecken muss. In meiner Wache kommt immer wieder Wasser ins Cockpit. Die kurzen, steilen Wellen klatschen mit Schwung gegen Mari und schwappen am Rumpf hoch. Eine fiese Welle bricht über dem Cockpit zusammen und flutet alles bis zum Niedergang, wo ich mich verkeilt habe. Ich finde mir steht eine Aufmunterung zu und höre Weihnachtslieder. Mit „ Rudolph the red nosed Reindeer“ passieren wir den Leuchtturm mit „Es ist ein Ros´entsprungen“ erreichen wir den Wegpunkt an der Südspitze. Mit dem ersten Licht fahren wir eine Halse und erreichen wenig später den Schutz der Insel. Im ruhigen Wasser, segeln wir ganz langsam die Küste entlang und kommen in Ruhe an. Eine große Gruppe Delfine heißt uns willkommen. Nach ziemlich genau drei Tagen machen wir in der Marina fest. Ein Schnitt von über sechs Knoten. Das ist für unser kleines Boot eine schnelle Reise.
Bonaire gefällt uns sofort. Das Einklarieren bei Zoll und Immigration geht fix und der Passstempel zeigt einen Flamingo!
Abschied von den Grenadinen
Die Admiralty Bay gefällt uns. Das Wasser ist schön klar und immer wieder sehen wir Schildkröten. Port Elizabeth ist ein fröhlicher Ort und wir schlendern gerne am Wasser entlang. Die Fähre pendelt nach St. Vincent, ein kleines Kreuzfahrtschiff ist zu Besuch und mehrere Großsegler waren in den letzten Tagen hier.
Unser Bord-PC ist vorüber gehend gestorben. Wir hoffen, dass wir ihn irgendwann wieder zum Leben erwecken können. Bis dahin nutzen wir unsere Laptops für das Abfragen von Wetterinformationen mittels Funk und zur Darstellung der elektronischen Seekarte.
In der Bucht ist es überraschend leer geworden. Leer bedeutet, dass hier sicher noch immer mehr als 100 Boote liegen, doch Boote, die sich vor einigen Tagen einen Platz mitten im Ankerfeld gesucht haben, liegen nun alleine. Es weht ganz fröhlich und immer wieder rauschen Böen durchs Ankerfeld, doch die Anker halten und es gibt hier keinen Schwell. Das Bootsleben ist also überaus gemütlich.
Die meisten Boote segeln nach Norden, nach St.Lucia, Martinique, Dominica usw. Wir biegen hier ab, für uns geht es nach Westen. Unser nächster Stopp ist Bonaire, drei bis vier Tage werden wir bis dorthin brauchen. Auf den MP3-Playern ist Weihnachtsmusik, so dass uns das Weihnachtsgefühl auf dem Törn nicht abhandenkommt. Wir haben uns mit einem Radiosender, der sehr viel Weihnachtsmusik spielt, schon eingestimmt und arbeiten regelmäßig mit Spekulatius am Adventsgefühl.
Heute Nachmittag klarieren wir aus und geben unsere letzten East Carribbean Dollar aus. Morgenfrüh soll es losgehen, sobald die Sonne aufgeht!
Die Segelbilder sind von dem Törn hierher, die hatten sich noch auf dem Stick versteckt.
Tobago Cays, Canouan und Bequia
Genauso wenig wie Petit Martinique bei Martinique liegt, liegen die Tobago Cays bei Tobago. Die Antillen sind verwirrend. Von unserem Ankerplatz in Mayreau sind es nur ein paar Meilen zu den Tobago Cays.
Der Atlantik bricht sich am Riff, dahinter liegen einige kleine Inselchen, türkises Wasser schwappt an weißen Sand und gut geschützt liegen die Segelboote. Viele Boote. Wir suchen uns einen Platz auf türkisenem Grund, das heißt Sandboden. Schon auf der Fahrt hierher sehen wir sehr viele Schildkröten und auch jetzt gucken sie immer wieder aus dem Wasser. Vormittags schnorcheln wir, Nachmittag fahren wir mit dem Schlauchboot zu einem kleinen Strand. Unsere Schnorchelversuche hier sind nicht so erfolgreich. Auf der einen Seite der kleinen Landzunge ist die Sichtweite unter Wasser ungefähr 1m, auf der anderen Seite ist das Wasser kristallklar, wir sehen viele Fische, aber hier schnorcheln wir in der Brandung, mir ist das schnell zu sportlich und auch Nobbi kommt bald wieder raus. Vorher beobachten wir noch einen Oktopus, wie er seine acht Arme in ein kleines Loch sortiert.
Der Himmel wir immer dunkler und es wird ungemütlich, wir haben einen kleine kabbelige Welle am Ankerplatz, die Gemütlichkeit ist dahin. Wir entscheiden für die Nacht zu unserem Ankerplatz in Mayreau zurückzukehren. Der kürzeste Weg wäre der südliche Ausgang aus dem Riff, doch wir können das Riff gegen die tiefstehende Sonne nicht sehen und beschließen vernünftig zu sein und den etwas weiteren Weg zunehmen. Da überholt uns ein 70 Fuss Kat mit Profiskipper an Bord und nimmt den Südausgang. Wir beschließen, dass er das nicht zum ersten Mal macht und fahren hinterher. Wenig später liegen wir wieder am geschützten Ankerplatz uns sind froh darüber als ein Schauer nach dem anderen uns in der Nacht das Deck wäscht.
Am nächsten Tag machen wir auch nur einen kurzen Törn nach Canouan. Die nächste Insel hatte eine tiefe Bucht, die überraschend leer ist. Ein Fischer will uns einen Hummer verkaufen, wir nehmen den Hummer nicht, schenken ihm aber einen Fender. Nun haben wir einen neuen Freund, den ganzen Nachmittag winkt er jedes Mal beim Vorbeifahren und ruft „Hello my friend!“. Wir wollen wenigstens einen kleinen Eindruck der Insel bekommen, gehen an Land, laufen auf den nächsten Hügel und kaufen Brot. Die Hotels scheinen sehr leer zu sein, genau wie die neue Marina direkt am Flughafen für die Privatjets. Der Norden der Insel gehört zu einem 5*Hotel mit Golfplatz. Wir haben den Eindruck, dass die Inselbevölkerung nicht viel davon hat, dass man auf sehr reiche Touristen setzt. Aber natürlich sind ein kleiner Spaziergang und ein paar Gespräche beim Einkaufen oder an der Hotelbar nicht ausreichend um zu verstehen wie die Menschen hier leben.
Nach einer Nacht geht es am Samstag weiter nach Bequia. Wir erleben den schönsten Segeltag seit langem. Hart am Wind gibt Mari ihr Bestes, wir gleiten über tiefblaues Wasser, die Sonne scheint und die Reise ist nach 20 Meilen viel zu schnell zu Ende. Bei solchen Bedingungen hat der Autopilot keine Chance, da wollen wir beide gerne steuern.
In der Admirality Bay liegen bereits viele Boote, aber da die Bucht riesig ist, ist es nicht schwer einen Ankerplatz zu finden. Kurz bevor wir ankommen fällt unser Computer aus. Wir verbringen den Abend mit Computerproblemen, wollen gerade einen Etappensieg feiern, da verabschiedet er sich wieder und wir haben inzwischen unsere Backup-Systeme aktualisiert. Es sieht so aus als müssten wir auf ungewisse Zeit ohne unseren Bordrechner auskommen. Irgendetwas ist ja immer.
Heute am Adventssonntag habe ich Franzbrötchen gebacken, die helfen gegen fast alles, besonders gegen Computerfrust. Dann erreicht uns die Nachricht, dass eine Freundin sich verletzt hat und uns wird klar, dass wir dankbar sein sollten, dass es nur der Computer ist, der ausgefallen ist. Als Frühsport schwimme ich zur SY Courante. Zwischen den vielen weißen Schiffen findet man den orangenen (oder goldenen, oder braunen?) Kat leicht. Wir kennen uns aus Grenada und hatten nicht damit gerechnet uns nochmal über den Weg zu segeln. Auf dem Rückweg sehe ich mehrere Adlerrochen und eine Schildkröte. Das Wasser ist hier wunderbar klar. Abends spazieren wir durch Port Elizabeth, kaufen Obst und Gemüse und trinken ein Bier auf der netten Terrasse von Maria´s Café. Es gefällt uns. Wir haben es nicht eilig.
Union Island und Mayreau
Die Distanzen sind übersichtlich. Wir haben nur 11 Meilen von Tyrell Bay nach Clifton Harbour auf Union Island vor uns. Montagmorgen geht es zunächst zu Immigration und Zoll. Wie immer wenn ein Behördenbesuch ansteht ziehen wir uns vernünftig an. Wir sind aus Suriname und Brasilien trainiert. Der Herr vor uns nimmt das mit der Etikette nicht so genau und taucht barfuß und in dreckigem, ärmellosem Hemd auf. Das Auschecken geht schnell. Ob es uns gefallen hat und warum wir dann nicht bleiben. Außerdem kommt natürlich das unvermeidliche „Deutschland? Ey, Alles klar!“. Wir legen mit dem Dinghi noch kurz vor dem Supermarkt an und sind dort zu früher Stunde die einzigen Kunden. Der Obst- und Gemüsestand hat heute ein besonders spärliches Angebot, aber es gibt Möhren!
Dann geht’s los. Noch einmal den gerade erst wieder getroffenen Freunden winken, Segel setzen und schon liegt die Tyrell Bay hinter uns. Angesagt war wenig Wind (4 Bft., das ist hier wenig), wir haben dann satte sechs gegenan. Mühsam pirschen wir uns an Carriacou entlang und können dann etwas abfallen nach Union Island, andere Boote versuchen es anders herum, segeln erst Richtung Union Island und motoren dann die Küste entlang nach Osten. Wir kommen alle gleichzeitig in Clifton Harbour an. Hier ist es erstmal unübersichtlich und ganz schön voll, außerdem weht es immer noch tüchtig. Schließlich sortiert es sich und wir finden einen guten Platz. Hier liegen wir wunderbar geschützt in der hintersten Ecke, vor uns das Riff, hinter uns die Insel. Das Wasser ist türkis, die Wellen rauschen am Riff und die Kiter düsen am Boot vorbei. Wir sind zufrieden.
Hier sind viele Boat Boys aktiv. Ständig kommt jemand vorbei und möchte Diesel oder Banana-Bread verkaufen, uns ein Restaurant empfehlen, einen Fisch loswerden oder uns in eine Bar lotsen. Alle sind sehr nett und ich werde bestens informiert, der eine war schon mal beim Werder-Spiel im Weserstadion (gegen HSV), die Mutter des anderen hat eine Tierklinik und der Dritte findet ich könnte doch kiten lernen, wenn ich schon keinen Fisch kaufen möchte.
Es herrscht ein ständiges Kommen- und Gehen der (meist Charter-) Segelboote, als wir Ankommen ist es ziemlich voll, nachmittags leert es sich merklich und die verbliebenen Boote brechen fast alle um acht Uhr am nächsten Morgen auf. Kurz darauf treffen aber bereits die ersten neuen Boote ein.
Für uns geht es zum Einklarieren. Wir fahren mit dem Schlauchboot an Land und sind zunächst irritiert. Wo sind die Dinghis der anderen Segler? Dann entdecken wir das Dinghi-Dock. Gut geschützt fährt man unter einer niedrigen Brücke hindurch in ein kleines Minihafenbecken, dort liegen die Schlauchboote sicher. Das Einklarieren geht wieder fix und sehr freundlich vonstatten.
Jetzt sind wir in St. Vincent und die Grenadinen. Die Grenadinen sind die Inselgruppe zwischen Grenada und St. Vincent, sie umfasst 32 Inseln (und Inselchen) von denen 11 bewohnt sind. Einige gehören zu Grenada, wie Carriacou, die meisten gehören zu St. Vincent wie Union Island.
Wir machen noch einen Spaziergang und klettern auf den nächsten Hügel um ein Foto zu machen. Union Island erscheint uns viel touristischer als Carriacou. Es gibt (noch) mehr Bars und Restaurants, außerdem viele Souvenirstände und Läden mit Bademoden und T-Shirts.
In der Nacht haben wir viel Regen (der unser Schiff vom Salz befreit) und immer wieder garstige Schauerböen, doch wir liegen an unserem Platz super geschützt. Als Nobbi aufwacht überlegt er, ob das Schiff an Land steht, so ruhig haben wir es.
Gestern ging es weiter nach Mayreau. Die Etappe ist noch kürzer als die vorige, ganze 2 Meilen liegen zwischen den beiden Inseln. Wir entscheiden uns für die Saline Bay. Ein schöner Strand säumt die Bucht, den Hang hinauf zieht sich das bunte Dorf. Wir schnorcheln ausgiebig über dem Seegras, hier gibt es viele verschiedene Fische. Und natürlich besuchen wir unseren Anker und gucken ob er sich vernünftig eingegraben hat.
Nachmittags unternehmen wir eine kleine Wanderung über die Insel. Als erstes geht es auf die Windseite. Ein kleiner Weg führt durch eine abwechslungsreiche Vegetation. Sträucher, Kakteen und Gräser säumen den Weg, dazwischen liegen kleine Felder auf denen Zucchini, Bohnen und Kürbis angebaut wird. Wir sehen viele unterschiedliche Vögel und noch mehr Schmetterlinge. Dann endet der Weg, wir kehren um und unternehmen einen neuen Versuch auf der „Hauptstraße“. Sie ist zeitweise ziemlich steil und wir kommen ordentlich ins Schnaufen. Der Weg führt uns an 2 Kirchen vorbei bis zur Saltwhistle Bay im Norden. Die kleine Bucht ist sehr schön und sehr voll. Segler und Gäste des Hotels teilen sich den Bilderbuchstrand. Klares Wasser schwappt an den weißen Sand, Palmen rascheln im Wind und über eine schmale Landzunge hinweg sieht man die Tobago Cays.
Wir machen uns auf den Rückweg und sind bei Sonnenuntergang wieder an Bord. Ein Großsegler kommt beim letzten Licht unter Segeln in die Bucht und ankert hinter uns. Sehr romantisch.
Heute Morgen entschließen wir uns hier zu bleiben und einen Arbeitstag einzulegen. Der Wassermacher bekommt ein wenig Zuwendung und in den Wartezeiten erledigen wir Kleinkram. Wenn alles erledigt ist belohnen wir uns mit einer Schnorcheltour.
Ausflüge nach Paradise Beach und Sandy Island
Zunächst fahren wir mit dem Bus nach Hillsborough. Das Busfahren funktioniert genau wie auf Grenada. Kaum sind wir an der Straße angekommen hält ein Bus, wir stoppen an einem kleinen Laden, der Fahrer hat Durst, dann an einem anderen Laden wo wir eine Kiste abholen und schon sind wir auf dem Weg in den Hauptort. Wir sehen uns etwas um und wollen nun zum Paradise Beach laufen. Die wenig befahrene Straße liegt oft im Schatten, so macht das Laufen Spaß. Am Flughafen kommen wir nicht weiter, wir wechseln an den Strand. Unser Revierführer behauptet man würde hier nasse Füße bekommen, könne aber zum nächsten Strand laufen. Wir finden zwar einen kleinen Weg durch die Mangroven, doch der endet schließlich am Wasser. Weiter ginge es nur durch die Brandung über das Riffdach, das gefällt weder dem Riff noch uns, wir kehren um.
Nach einer kleinen Pause in einer netten Bar erreichen wir wieder Hillsborough, von hier wollen wir den Bus zum Paradise Beach nehmen, wir sind auf der Hinfahrt bereits daran vorbei gefahren. Kaum sind wir an der Hauptstraße, kommt ein Bus. Da einer der Fahrgäste auf der Ostseite wohnt kommen wir unerwartet zu einer Inselrundfahrt. Carriacou gefällt uns, die Häuser sind bunt und gepflegt. Überall sind Ziegen, Schafe, Kühe, Esel und natürlich Hühner unterwegs. Die meisten laufen frei rum, wenige sind angeleint. Als wir schließlich aus dem Bus aussteigen fängt es an zu Regnen. Zum Glück regnet es nun wenige Minuten. Am Strand essen wir in einem kleinen Restaurant das Tagesmenü mit Fisch, Kartoffeln, Reis und Salat. Anschließend laufen wir zurück zu Carriacou Marine, wo unser Beiboot am Steg auf uns wartet. Bevor es zurück an Bord geht wollen wir noch Tanken, die Kanister liegen bereits im Beiboot. Wir erfahren, dass der zuständige Mitarbeiter in der Mittagspause ist und um 17h wiederkommt. Also warten wir eine dreiviertel Stunde bis wir unsere Kanister gefüllt bekommen. Nach einem schönen und langen Abend sind wir um halb sechs wieder an Bord.
Heute stand ein Tagesausflug nach Sandy Island auf dem Programm. Es ist ganz schön windig (Bft. 6) und entsprechend hat sich eine kleine Welle aufgebaut. Nur drei andere Boote haben sich diesen Spot ausgesucht und wir können uns eine der freien Bojen aussuchen. Kaum sind wir angekommen hält ein kleines Boot auf uns zu. Ein junger Mann erzählt, dass er sonst Hummer verkauft, heute aber nur Tomaten oder Zitronen im Angebot hat. Wir freuen uns über die Tomaten, ist es doch gar nicht so einfach hier an schönes Gemüse zukommen.
Sandy Island ist ein kleines Inselchen. Ein paar Palmen säumen einen weißen Sandstreifen. Pelikane stürzen sich ins Wasser. Wir gehen ausgiebig schnorcheln, das Wasser ist schön klar und wird von vielen Fischen bewohnt. Schwärme kleiner silberner Fischchen glitzern knapp unter der Oberfläche, ein großer Igelfisch schwimmt knapp über dem Grund und ein Rochen liegt auf dem Sand. Erst als uns richtig kalt ist kommen wir wieder aus dem Wasser.
Später landen wir mit dem Dinghi auf der Insel an, werden bei der Überfahrt ziemlich nass und gehen auf der lütten Insel spazieren und Pelikane angucken. Es gibt einen kleinen Salzwasserpool in dem eine Gruppe Engländer ein Picknick macht. Nachmittags gehen wir Anker auf und sind nach 40 min wieder auf unserem alten Ankerplatz in der Tyrell Bay.
Carriacou
Donnerstag (gestern) verlassen wir Grenada. Im Windschatten der Insel haben wir zunächst wenig Wind und motoren nach Norden. Hinter der Insel können wir segeln, doch der Wind kommt sehr spitz, also sehr weit von vorne und ein starker Strom versetzt uns nach Westen. Das Segeln ist zunächst mühsam, die Welle stoppt uns immer wieder auf. Umso länger wir unterwegs sind, umso besser wird das Segeln und so rauschen wir schließlich auf Carriacou zu. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und das Meer leuchtet tiefblau. Unterwegs sehen wir endlich mal wieder Mondfische, die sich sonnen, außerdem Tropikvögel mit ihren langen Schwanzfedern und viele Tölpel.
Als wir nach 30 Meilen die Tyrell Bay erreichen, bin ich zunächst mäßig begeistert. So viele Boote! Dass es hier nicht leer ist war mir klar, aber so voll? Nobbi ist mit dem Ankerplatz den ich ausgesucht habe zufrieden, wir haben eine schöne Lücke gefunden, und als eine große Schildkröte auftaucht bin auch ich versöhnt. Wir sehen viele bekannte Boote, darunter gleich drei Schiffe, die wir aus Suriname kennen. Eine nette Überraschung. Ich habe während des Segelns etwas zu viel Sonne bekommen, bin sehr müde und schlafe daher noch eher als sonst.
Heute Morgen macht Nobbi mich darauf aufmerksam, dass der erste Dezember unmittelbar bevorsteht. Er möchte, dass vor dem ersten Advent dekoriert wird. Die Weihnachtsbox ist natürlich ganz hinten in der Achterkammer, schließlich braucht man sie nicht so häufig. Nachdem ich die Weihnachtskugeln aufgehängt habe, sieht es so leer aus, also packe ich auch die Lichterkette aus, obwohl sie auf 220 V läuft. Wir können doch jetzt nicht jeden Abend den Inverter betreiben, nur für die Lichterkette? Aber schön sieht es aus. Nachdem dekorieren lese ich Nobbi vor, dass der Trafo der Lichterkette eine Ausgangsspannung von 4,5 V hat, das ist doch fast USB, können wir da nicht was machen? Nachmittags bastelt Nobbi mir aus einem alten Handy-Ladegerät einen USB-Stecker für die Lichterkette. Jetzt leuchtet jede zweite LED, die sind mit wechselnder Polarität zusammen getüddelt, das macht ja auch Sinn, deshalb kann man mit dem original Trafo „Twinkling“ oder „Pulse“ auswählen. Wir könnten jetzt alle nicht leuchtenden LEDs umdrehen, aber das lassen wir mal…
Mittags machen wir einen Spaziergang an Land, kaufen Obst und Gemüse und essen lecker in einem kleinen Restaurant. Tauchbasen, kleine Läden und Restaurants säumen den Strand. Es gibt ein Bier als Lazy Pelican heißt, sehr lecker, und in der Bucht fischen die Pelikane. Carriacou ist sehr entspannt und ruhig. Uns gefällt es hier.
Nachmittags besucht Nobbi schnorchelnd den Anker und trifft einen Barakuda unter unserem Boot. Kein Wunder, dass die kleinen Fische immer aus dem Wasser springen.
Morgen ist der erste Dezember, da dürfen wir das erste Türchen öffnen. Außerdem ist ab morgen an Bord Weihnachtsmusik erlaubt. Vielleicht gibt es am Sonntag zum ersten Advent sogar den ersten Spekulatius?
Entspannte Tage in der Grand Mal Bay
Die Nacht zu Dienstag war etwas schwellig, aber gemütlich. Der Morgen ist es nicht. Ein großes Kreuzfahrtschiff ist angekommen, einer der beliebteren Ausflüge scheint der zu Grand Anse, einem sehr schönen Strand, zu sein. Die Wassertaxis, stark überladene Motorboote, preschen durchs Feld der Ankerlieger, zum Teil so dicht, dass wir sie anfassen könnten. Ihre Wellen schütteln uns durch. Wir wollen nicht warten bis sie alle wieder zurückkommen und gehen Anker auf. Irgendwo weiter im Norden wollen wir uns einen ruhigeren Ankerplatz suchen.
Wir schnappen uns eine von drei Bojen an der Südseite des Marineparks, weit sind wir nicht gekommen, etwa zwei Meilen und wir können St. George’s und das Kreuzfahrtterminal noch sehen, doch der Platz gefällt uns, warum sollten wir weitersuchen.
Nachmittags schnorcheln wir ausgiebig vom Boot aus. Mari liegt an der Riffkante, unter ihrem Heck ist es 25m, unter ihrem Bug 15m tief. Schwimmt man 50m richtig Küste wird es flacher. Die Korallen sind ziemlich kaputt, doch es gibt viele nette Fische zu sehen. Die Mooringleine ist sehr schön bewachsen. Zwei ausgiebige Schnorcheltouren machen uns müde und nach einem gemütlichen Abend geht es früh ins Bett.
Heute Morgen nutzen wir die Windstille und wechseln von unserer Genua auf die kleinere Fock. Der anstrengendste Teil ist das Zusammenlegen der großen Genua an Deck noch vor dem Frühstück. Vormittags fahren wir mit dem Dinghi um die Ecke zum Moliniere Point. Dort gibt es einen Unterwasser-Skulpturen-Park, den wollen wir uns ansehen. Wir binden unser Schlauchboot an eine der Bojen für die Ausflugsschiffe und machen uns schnorchelnd auf den Weg. Die Sicht ist gut und bald sehen wir die ersten Statuen, überall auf den Sandflächen stehen sie. Wir entdecken z.B. eine Meerjungfrau, einige Gesichter, kleine und größere Gruppen von Menschen die im Kreis stehen und eine Frau die auf einer Bank sitzt. Viele der Statuen sind leider kaputt, doch trotzdem gibt es noch genug zusehen. Es sind viele Fische unterwegs: Doktorfische, Papageifische, Sepias, ein Barakuda, eine riesige Languste, eine Muräne… Wir sind zufrieden und wiederholen unsere Tour am Nachmittag. Der Platz ist sehr beliebt. Schnorchel-Gruppen und Tauchboote kommen und gehen. Da wir quasi in der ersten Reihe liegen, konnten wir einen Zeitpunkt abpassen wo wir den Platz für uns alleine haben.
Der Rest des Tages vergeht mit Vögel beobachten, Baden und Lesen. Ein richtiger Urlaubstag. Morgen segeln wir weiter Richtung Norden, so ist zumindest der Plan.








