Zum Ende dieser Etappe haelt der Pazifik uns noch einmal richtig auf Trab. Der Dienstag beginnt ruhig. Fast zu ruhig. Wir werden so langsam, dass ich zu rechnen beginne ob wir einen Tag laenger brauchen. Vormittags werden wir stundenlang von Delfinen begleitet, die so dicht am Boot schwimmen, dass es scheint als koenne man sie anfassen. Der erste Teil der Nacht vergeht ruhig, bei Wachuebergabe um vier Uhr wird es ploetzlich ungemuetlich. Ein dicker Schauer schickt uns Boeen, wir rollen das Vorsegel fast ganz weg und verschwinden in der Regenwolke. Nobbi, der Glueckliche, darf in die Koje, ich habe bis viertel nach fuenf wenig Wind und Boeen von ueber 30 Knoten im Wechsel, immer wieder sorgen heftige Schauer fuer Sichtweiten von unter 10 m. Als es hell wird wundere ich mich zunaechst weshalb es im Osten, wo die Sonne aufgehen sollte so dunkel ist, waehrend der Himmel ueber mir langsam heller wird. Schliesslich sehe ich eine gigantische schwarze Wand im Osten hinter uns, und befuerchte, dass es nun wieder ungemuetlich wird. Zum Glueck zieht das meiste vorbei. Der Vormittag bleibt unfreundlich, die See ist aufgewuehlt, immer wieder fordern Boeen unsere Aufmerksamkeit und einige kleine Schauer duschen uns. Ich bin froh, dass ich weite Teile des Vormittags in der Koje verbringen darf. Nachmittags wird es ruhiger, die Sonne kommt raus und bis auf gelegentliche Schubswellen ist das Bordleben wieder komfortabel. Gestern zeigte der Himmel zwar wilde staendig wechselnde Wolkengebilde, starke Schauer und Boeen blieben jedoch aus. Heute Nacht pirschten sich einige dunkle Wolken an und schickten etwas Wind, jedoch war der Spuk immer noch ein paar Minuten vorbei. Gegen Morgen nimmt der Wind dann so stark ab, dass ich wieder befuerchte unsere Reise verlaengert sich um einen Tag. Also rolle ich unsere riesige Genua komplett aus und zupfe an den Segeln bis wir fuenf Knoten laufen. Jetzt ist der Wind wieder da, die Sonne scheint, der Ozean leuchtet tiefblau und kleine flauschige Woelkchen verzieren den Himmel. Man koennte denken es sei hier immer so friedlich.
Wir versuessen uns die letzten Meilen auf dieser langen UEberfahrt mit leckeren UEberraschungen aus den Tiefen unserer Vorraete. Ich habe Hefeteigschnecken mit Maroni-Fuellung gebacken, Tortellini mit Spinat wurde in die Sammlung unserer Lieblingsrezepte aufgenommen und gestern haben wir das letzte Glas Schweinefleisch Tandoori‘ gegessen, da ich vor zwei Jahren im spanischen Lalinea eingekocht habe.
Von Hiva Oa trennen uns noch 90 Meilen, wir haben gute Chancen morgen, also am Freitag, bei Tageslicht anzukommen!
Pazifisches Happy Sailing
Der Pazifik ist leuchtend blau, einige flauschige Cumuluswoelkchen tummeln sich dekorativ am Horizont und die Welle rollt von Suedosten auf uns zu und hebt und senkt sich. Heute Nacht war es recht windig, doch da die Wellen nicht mehr so hoch sind wie in den letzten Tagen, war es nicht ungemuetlich. Nun hat der Wind sich wieder bei 5 Bft eingependelt und Mari segelt gleichmaessig vor sich hin. Noch immer halten wir einen Schnitt von knapp unter sechs Knoten, das ist fuer unser kleines Reiseschiff eine gute Leistung, zumal unser Grosssegel im zweiten Reff steht und wir die Genua nachts grosszuegig reffen.
Nachts hoeren wir haeufig die gleichen Podcasts und tauschen uns dann morgens darueber aus. So war das Thema beim Fruehstueck heute Kuenstliche Intelligenz‘. Nobbi beschaeftigt sich mit der Frage ob ein selbstfahrendes Auto seinem Wunsch einfach mal ins Gruene zu fahren nachkommen wird oder ob es in der Lage waere ein nettes, nicht zu volles Cafim Blockland zu finden. Voll ist es hier draussen sicherlich nicht, immerhin hatten wir heute mal wieder einen Toelpel zu Besuch. Die einzigen anderen Gaeste sind die fliegenden Fische, morgens sammeln wir die winzigen Tiere von Deck, die meisten sind nur 5 cm gross geworden. Tintenfische haben wir schon laenger nicht mehr gefunden, ihre Tintenflecke an Deck erinnern allerdings noch an ihre Besuche.
Die Essensaufnahme bestimmt unseren Tagesrhythmus. Nach dem morgendlichen Kaffeetrinken und der Dusche gibt es meistens Haferflocken oder Muesli. Heute Mittag gab es Schwarzbrot mit Leberwurst, Zwiebeln, Senf und scharfen Gurken. Da gestern Sonntag und somit Schwarzbrottag war haben wir noch ein paar Scheiben uebrig. Die Abendessenfrage ist heute noch nicht geklaert. Vermutlich irgendetwas mit Hackfleisch. Danach gibt es den Sundowner, heute wieder ein Bier. Am Wochenende gibt es Rotwein. Ausnahmsweise ist das Bier heute sogar kalt. Durch den frischen Wind der letzten Nacht waren unsere Batterien schon vor Sonnenaufgang vollgeladen, deshalb lief heute der Kuehlschrank. Nachts gibt es Muesliriegel, Lakritz oder Erdnuesse. Je nach Bedarf.
Neben dem Kochen gehoert Wasserschoepfen zum Duschen zu den anstrengendsten Taetigkeiten. Es ist ganz schoen schweisstreibend den gefuellten Eimer zwischen Badeleiter, Windsteueranlage und Bimini hochzuziehen und sich gleichzeitig festzuhalten. Nobbi hat ein Duschgel, das Ocean Mineral heisst. Was da wohl drin ist? Ein Schubs Seewasser? Ich dusche jeden Morgen mit mindestens drei Eimern Pacific Ocean Mineral und fuehle mich auch ohne Niveas Hilfe ausreichend mineralisiert.
Wir haben nur noch 440 Meilen vor uns und beginnen vorsichtig auszurechnen wann wir auf Hiva Oa ankommen werden. Vermutlich werden wir die Insel im Dunkeln erreichen. Mal sehen ob wir Glueck haben und der Mond die Bucht genuegend ausleuchtet. Freunde von uns sind uns etwa zwei Tage voraus, so ist es schoen zu wissen, dass wir erwartet werden.
Ein kleines Stimmungstief
Dieser Ozean ist riesig. Gestern, unserem 31. Tag auf See, hatten wir ein kleines Stimmungstief. Ich musste es einfach mal aussprechen: Ich wuerde gerne ankommen. Nobbi weiss nichts zu entgegnen, ihm geht es nicht anders. Wer sich hier draussen selber sucht ist hier falsch. Hier ist niemand. Und in den langen Nachtwachen ist man mit sich selbst allein. Besser man mag sich.
Wir segeln inzwischen wieder vor dem Wind, die eingerollte Genua auf der einen, das gereffte Gross auf der anderen Seite. Das Rollen von einer Seite auf die andere ist nervig. Wir sammeln eifrig blaue Flecken. Der Wind ist ziemlich konstant bei 5 Bft, mal etwas weniger, mal etwas mehr. Der Seegang unregelmaessig und ueberraschend steil. Gestern hatten wir alle 10 min eine Gruppe von Wellen ueber 4 m hoch und steil. Mari laesst sich davon nicht beeindrucken und laesst sie unter ihrem Heck durchrauschen. Ursel, unsere Windsteueranlage, steuert souveraen. Haeufig hoert man Windsteueranlagen wuerden vor dem Wind schlecht steuern. Das koennen wir nicht bestaetigen. Ursel steuert auch bei steilen Seen besser als wir das koennten.
Als Nobbi mich um zehn weckt ist er wieder bester Dinge. Er hat im Cockpit eine entspannte Leseposition gefunden und erzaehlt begeistert von seinem Buch. Die Nacht ist schauklig aber angenehm. Ich lese in meinen beiden Nachtwachen, mache etwas Gymnastik zu Sonnenaufgang und beginne mit dem Broetchen backen sobald Nobbi die Augen aufschlaegt. Das Fruehstueck mit frischen Mohnbroetchen mit Butter und Marmelade schmeckt uns sehr und wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Grosse Schwaerme fliegender Fische springen auf beiden Seiten aus dem Wasser. Ihre hellen Baeuche werden von der Sonne angestrahlt und leuchten vor dem tiefblauen Wasser. Das Exemplar, dass wir im Cockpit gefunden haben gehoert zu einer anderen Art, ist es doch komplett schwarz.
Wir fragen uns, ob direkt vor uns eine andere Yacht segelt, die ihren Muell ueber Bord wirft. Immer wieder treffen wir auf Plastikflaschen, die aussehen, als ob sie noch nicht lange schwimmen.
Noch weniger erfreulich war unsere gestrige Begegnung mit einem Floss, das wohl mal zu einer Fischfarm gehoerte. Wir haben es im Abstand von 20 m passiert und es erst gesehen als wir daran vorbei waren. Eine Flosskonstruktion, mit einer langen Bojenleine mit Schwimmern daran, trieb flott nach Westen. Es muss von Suedamerika bereits 2500 Meilen zurueckgelegt haben. Gut, dass wir da nicht drauf gesegelt sind. Reines Glueck.
Jetzt machen wir unsere Wetterbeobachtung, dann lernen wir Franzoesisch-Vokabeln und schon ist Zeit fuer das Abendessen. Heute gibt es Rinderfilet mit Champignons in Sahnesosse und dazu Reis. Essen haelt Leib und Seele zusammen. Zu feiern gibt es auch schon wieder etwas: weniger als 900 Meilen bis zum Ziel und mehr als 15000 Meilen seit Lesum!
28 Tage auf See
Weiterhin kommen wir gut voran. Etmals (also die zurueckgelegte Strecke von Mittagsort zu Mittagsort, also in 24 h) von 130 bis 150 Seemeilen stellen uns zufrieden.
Am Samstag hatte Nobbi Geburtstag und wir haben ausgiebig gefeiert. Die Partygesellschaft war recht uebersichtlich, trotz hohem Seegang gab es natuerlich Kuchen und zum Abendessen Gulasch. Am Sonntag hatten wir eine Verschnaufpause, der Seegang flachte sich ab und auch der Wind liess etwas nach. Ein ruhiger Tag war zur Abwechslung sehr angenehm und langsam waren wir trotzdem nicht. Seit gestern sind wir bei konfusem Seegang wieder schnell unterwegs. Immer wieder schwappen vorwitzige Wellen ins Cockpit oder spritzen ueber Sprayhood und Bimini. Zeitweise ist es recht feucht draussen. Nun kommt der Wind direkt von achtern. Wir haben die Genua an Backbord ausgebaumt, der Gross steht an Steuerbord. Wing-to-wing. Da die Wellen nach wie vor aus unterschiedlichen Richtungen auf uns zu rollen, rollen auch wir froehlich von einer Seite auf die andere. Solange man sitzt oder liegt geht es
Es gab erste Verluste. Bei Nobbis Marisol-Tasse ist der Henkel abgebrochen und mein MP3-Player streikt. Der MP3 Player liegt nun, nachdem wir ihn geoeffnet haben, in Reis. Wir hoffen auf Wunderheilung. Auch Nobbis Kindle hatte ein Nahtoderlebnis nach der Konfrontation mit schwappendem Kaffee. Nobbi hat nicht aufgegeben, ihn immer wieder ein und ausgeschaltet, die Anschluesse mit Luft ausgepustet und siehe da, er lebt wieder. Erschreckt hat uns heute der Wassermacher, der ploetzlich den Dienst quittiert hat. Kurz bevor unsere Tanks voll waren ist er ausgegangen. Zunaechst waren wir erleichtert, dass wir mehr als genug Wasser haben um einigermassen entspannt zu den Marquesas zu kommen. Dann hat Nobbi sich auf die Suche nach dem Fehler gemacht und alle Leitungen durchgemessen. Ich habe das Geschehen nur aus der Koje hinterfragt und kommentiert. Aufgewacht bin ich, als die Pumpe wieder lief. Das Relais ist schuld. Wir haben natuerlich kein Ersatzrelais, bzw. keines was ohne weiteres passt, aber eine manuelle Bedienung ist moeglich.
Nachdem wir in der letzten Woche sehr wenige Tiere gesehen haben, hatten wir heute wieder ausgiebig Delfinbesuch. Eine grosse Gruppe hat uns lange begleitet und erfreut. Auch der Sternhimmel hat uns in den letzten Naechten Freude bereitet. Stundenlang haben wir uns die Sterne mit dem Fernglas angesehen. Selten hat man Gelegenheit die Michstrasse so ausfuehrlich zu bewundern.
1300 Meilen liegen noch vor uns. Das ist etwas die Strecke unserer Atlantikueberquerung von den Kap Verden nach Fernando de Noronha. Trotzdem haben wir das Gefuehl, dass es jetzt gar nicht mehr so weit ist.
Ein Wasserbett
Die letzten Tage sind wir recht flott unterwegs, allerdings ist das Leben an Bord auch anstrengender geworden. Wir haben mehr Wind und hoehere Wellen. Kochen oder Abwaschen sind Leistungssport. Heute ist sehr grau und schwuel- unter Deck ist es sehr warm. Ab und zu kommt eine schwarze Wolke vorbei, bringt Wind aber nur wenig Regen. Immer gerade so viel dass das Cockpit nass ist und man nicht weiss, wo man sitzen soll. Zum Deckwaschen oder fuer eine ausgiebige Dusche reicht das Wasser nicht. Fuer besondere Erheiterung sorgte heute die Lektuere von Jimmy Cornells Segelrouten der Welt. Wir befinden uns gerade am Rande eine Gebietes, in dem der Himmel haeufig bedeckt sein soll und der Schwell konfus, ausserdem soll es hier haeufig flau sein. Die ersten beiden Dinge treffen zu, zum Glueck haben wir jedoch Wind. Ansonsten faenden wir den Hinweis die beste Taktik sei es einfach hindurch zu motoren nicht so lustig. Immerhin umfasst das angesprochene Gebiet mehr als 10 Laengengrade. Der Ratschlag solche Strecken zu motoren ist fuer ein Boot unserer Groesse (und Tankkapazitaet) etwa so hilfreich wie Microsofts Hinweis man solle bei Problemen einen Freund fragen.
Gestern ist eine Welle in einer Boee uebers Deck geschossen. Leider war die Luke uebern Salon auf. Die ganze Zeit haben wir bei jedem noch so kleinen Spruehregen und jeder groesseren Welle die Luke geschlossen. Diesmal haben wir es vergessen. Die Welle hat ihren Weg auf den Tisch, auf dem lauter Buecher lagen, und in unsere Seekoje gefunden. Soll ja sehr luxurioes sein so ein Wasserbett. Ich bin noch nicht ueberzeugt. Inzwischen sind Buecher und Koje getrocknet. Doch der Salzgehalt unter Deck nimmt kontinuierlich zu.
Nobbis Frisur ist richtig gut gelungen. Zunaechst habe ich versucht seine Haare mit der Schere in Form zu bringen, doch wegen der hohen Wellen haben wir auf die Haarschneidemaschine zurueckgegriffen. Ich hatte Angst, dass er ausser seinen Haaren auch ein Ohr verliert. Es ist nicht so einfach sich selbst festzuhalten und gleichzeitig Haare und Schere zu koordinieren. Mindestens eine Hand fehlt.
Die letzten Naechte waren stockdunkel. Wegen der starken Bewoelkung haben wir keine Sterne gesehen und der Mond ist eine ganz schmale Sichel, die erst in den fruehen Morgenstunden auftaucht. Es fuehlt sich an, als segle man im Nichts. Nur kompaktes Schwarz um einen herum. Tagsueber beobachten wir die schnell wechselnden Wolken. Sie ziehen in mindestens zwei verschiedene Richtungen und wechseln staendig Form und Farbe. Im Prinzip finde ich, das Wolken den Himmel erst richtig interessant machen, trotzdem wuerde ich mich ueber einen sonnigen Tag und eine sternklare Nacht freuen.
Wir feiern heute Bergfest. Wir sind 2000 Meilen gesegelt und 2000 Meilen liegen noch vor uns. Zeitlich hoffen wir, dass bereits mehr als die Haelfte der Etappe hinter uns liegt.
Wieder auf der Suedhalbkugel
Der Wind kommt aus Suedost, wir segeln gemuetlich nach Westen. Das Seglerleben kann so schoen sein. Ab und zu schickt eine dunkelgraue Wolke ein paar Minuten Spruehregen. Die Tage vergehen mit essen, lesen, schlafen, Emails schreiben und aufs Wasser gucken.
Und dann passiert doch immer irgendetwas. Fliegende Fische leuchten in der Sonne, Seevoegel umkreisen uns und Delfine springen. Gestern bietet sich uns ein Spektakel der besonderen Art. Mehrere hundert Delfine kreisen Frischschwaerme ein. Die Segelvoegel kreisen darueber und beteiligen sich am grossen Fressen. Wir beobachten die Tiere durchs Fernglas und koennen uns nicht satt sehen.
Und dann gibt es immer wieder Fischer. Nobbi hat eine naechtliche Begegnung der dritten Art, er hoert Stimmen. Fischer in einem offenen Boot schreien und gestikulieren, gerade noch kann er das Netz zwischen Boot und Boje umfahren. Beide Seiten sind gleichermassen erleichtert, dass wir nicht im Netz haengen geblieben sind. Am naechsten Morgen treffen wir auf einer Fischerboot das 12 (!) kleine offene Boote im Schlepp hat. Wir starten den Motor um auszuweichen, weil der Fischer wenig vorhersehbare Schlenker faehrt und ploetzlich auf uns zu faehrt als wir eigentlich schon vorbei sind. Ob da ueberhaupt mal jemand auf dem Fenster guckt? Wir passieren ein weiteres kleines Boot im Abstand von einer knappen Meile, da sehen wir im letzten Moment eine Boje voraus. Zwischen Boje und Boot spannt sich eine Leine ueber der Wasseroberflaeche. Fuer uns ist es zu spaet, wir koennen nicht mehr ausweichen. Eine grosse Welle hebt uns an und schiebt uns ueber das Netz. Nichts passiert! Was fuer ein Glueck.
Wir sind wieder auf der Suedhalbkugel. Am Donnerstag den 25. April um 2100 (Bordzeit) ueberqueren wir zum dritten Mal den AEquator. Neptun laesst uns passieren, merkt aber an, dass Nobbis Frisur grenzwertig wuschelig ist. Deshalb muss er jetzt zum Frisoer. Es gibt nur wenige Frisoersalons hier draussen (wir haben noch keine Frisoerbojen gesehen), deshalb uebernehme ich den Job. Eventuelle Kunstfehler koennen in den naechsten Wochen rauswachsen.
Ausflug in den Mast
Heute Vormittag hoerten wir ein Fiepen und hatten zunaechst die Teekanne im Verdacht, die sich als unschuldig herausstellte. Tatsaechlich hatten wir wieder Besuch von der Grindwal- Grosse Tuemmler- Gemeinschaft. Ob es dieselben Tiere waren wie vor drei Tagen? In den letzten Tagen haben wir sehr viele Delfine gesehen und auch die Zahl der Voegel ist hier in der Naehe der Galapagos noch hoeher. Mir gefallen die kleinen Schwalben die unermuedlich Jagd auf kleine Fische machen.
Wir haben die Galapagos passiert, endlich! Das war aber eine schwere Geburt. Immer wieder hatten wir Phasen komplett ohne Wind, oder mit sehr, sehr wenig Wind. Gestern war besonders nervenaufreibend, vom neun bis neun hatten wir Flaute. Die schlagenden Segel, dass Geklapper und das Nicht-Voran-Kommen gingen uns gewaltig auf die Nerven. Wir haben die Chance genutzt und Nobbi hat einen Ausflug in den Mast gemacht. Das Kabel fuer das Windinstrument, das eigentlich in einer Nut im Mast liegen soll, hatte sich befreit und in die Nut in der das Grosssegel laeuft gelegt. Deshalb konnten wir das Grosssegel nicht mehr Ausreffen oder Bergen, weil wir Angst hatten, das Kabel abzureissen oder das Segel festzuklemmen. Vorsichtig haben wir das Kabel straff gezogen und das Segel geborgen. Nobbi ist in den Mast gestiegen, hat das Kabel aus der Nut gezogen und es provisorisch aussen am Mast nach untern gefuehrt. Um das Kabel neueinfaedeln zu koennen, mussten wir es im Cockpit loesen, aus dem Kabelkanal unter der Decke ziehen und durch den Kabeldurchlass am Mast fuehren. Eine Aktion die einige Vorbereitung brauchte. Nun liegt das Kabel wieder an seinem Platz und wir hoffen, dass das Provisorium haelt bis wir an einem ruhigen Ankerplatz liegen und es dann dauerhaft in den Mast einfaedeln koennen. Obwohl es so ruhig war, war das Klettern in den Mast nicht ungefaehrlich. Natuerlich habe ich Nobbi gesichert, trotzdem ist er ein paarmal ordentlich gegen den Mast geknallt und hat einige Kratzer und blaue Flecken vom Festhalten. Wir waren beide sehr erleichtert, als er wohlbehalten wieder an Deck stand.
Heute Nacht hatten wir wenig Wind, aber einen Schauer nach dem anderen. Die Sicht betraegt dann keine 100 m, was uns nicht weiter stoert, weil wir ohnehin meist davon ausgehen, dass hier ausser uns niemand unterwegs ist. Das stimmt nicht ganz, alleine heute haben wir einen Fischer, einen Helikopter und ein Segelkreuzfahrtschiff gesehen. Zugegeben, es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir mit einem Helikopter kollidieren.
Unsere Restdistanz ist unter 2900 Meilen, es geht voran. Vermutlich ueberqueren wir noch heute den Aequator, ihr ahnt es, wieder ein Grund zum Feiern.
Grindwale querab
Gerade hatte ich den letzten Blogeintrag abgeschickt, da verliess uns der Wind. Nachts sitze ich bei sehr wenig Wind im Cockpit und freue mich, dass die Segel nicht schlagen, wir bewegen uns mit 1,5 kn in die richtige Richtung. Besser als nichts. Da sehe ich Lichter am Horizont, ein Schiff kommt vom achtern auf. Die Anordnung der Lichter spricht fuer eine Segelyacht. Ich bin gespannt, im AIS sehe ich, dass das Schiff 11,5 kn laeuft. Das ist flott fuer eine Segelyacht unter Motor und segeln kann sie unmoeglich, wir haben 2kn Wind. Und tatsaechlich, dass Mondlicht enthuellt eine 46 m lange Luxussegelyacht mit endlos langem Mast. Ganz schoen was los hier draussen.
Das Osterfest feiern wir leider nicht mit Eier suchen sondern mit Eier ueber Bord schmeissen. Ein Teil unserer Eier ist schlecht. Wir unterziehen alle verbliebenen Eier dem Schwimmtest. Trotzdem wir jedes Ei vor Gebrauch einzeln aufgeschlagen und besichtigt. Der Appetit auf gekochte Eier oder Spiegeleier ist uns vergangen. Also habe ich gestern mal wieder Kuchen gebacken, ueber den wir uns nun waehrend der Nachtwachen freuen.
Trotz gelegentlicher Flauten kommen wir einigermassen gut voran. Der Wetterbericht stimmt uns positiv, wir naehern uns langsam aber sicher den Galapagos Inseln. Gestern war ein schoener Segeltag mit einem Etmal von 110 Meilen.
Gerade eben hatten wir eine fantastische Tierbegegnung. Delfine und Grindwale haben uns besucht und sind nur wenige Meter vom Boot entfernt geschwommen. Wir konnten sie in Ruhe angucken und sie uns. Solche Begegnungen werden nie langweilig. Es ist spannend zu beobachten wie die Tiere mit einander kommunizieren, die Klick- und Pfeifflaute zu hoeren, zu sehen wie sie mit der Fluke aufs Wasser klatschen und sich daran zu freuen wenn sie hoch aus dem Wasser springen.
Herrlich ereignislos
Seit knapp drei Tagen ist die Segelei herrlich ereignislos. Der Wind kommt stetig aus suedlichen Richtungen, flauschige Woelkchen und klarer Himmel wechseln einander ab. Keine Gewitter, keine Blitze, keine unbeleuchteten Boote. Wir segeln nach Westen, schlafen, essen und lesen. Da wir gerade Vollmond hatten, sind die Naechte hell. Die ganze Nacht kann man den Horizont und die Wellen sehen, das ist sehr angenehm. Heute ist Tag 12 seit wir die Las Perlas verlassen haben, wenn ich nicht im Logbuch nachgeschaut haette wuesste ich es nicht. Die Tage verschwimmen. Haben wir die Delfine gestern gesehen, oder war das schon vorgestern? Solange das Leben an Bord angenehm ist, spielt Zeit keine Rolle. Wir bekommen genug Schlaf, einzig dass Geweckt werden zur zweiten Nachtwache ist manchmal etwas muehsam. Beide sind wir dann zunaechst muede, Nobbi um eins und ich um vier. Ist man dann aufgewacht und das Buch spannend genug, vergeht die Zeit. Wie haben die Segler ihre Nachtwachen frueher ohne Kindle durchgehalten? Mir ist das unbegreiflich, ich halte noch immer meinen Schnitt von einem Buch pro Tag.
Etwas Abwechslung brachte ein Besucher. Ein Toelpel landete gestern Mittag nach mehreren Versuchen auf unserem Bugkorb. Anscheinend gefiel es ihm dort, er putzte sich, schlief mit dem Schnabel im Gefieder und flog erst heute Morgen weiter. Jede Nacht kommt die Gruene Gang zu Besuch. Wir nennen die Gruppe von Seeschwalben so, weil sie im gruenen Licht der Steuerbordlaterne jagen. Sie machen merkwuerdige knarrende Geraeusche und streiten sich wenn ein Vogel etwas faengt und nicht mit den Kollegen teilen will.
Unsere Speisekarte wird nach dem Motto was wir aufgegessen haben kann nicht schlecht werden gestaltet. Heute gibt es die letzten Kartoffeln. Zu den letzten Kartoffeln gibt es die letzte Dose Knipp. Ein vorgezogenes Osteressen. Gestern habe ich einen Kuchen gebacken. Eigentlich sollte es zu Ostern Kuchen geben, doch wer weiSS wie morgen das Wetter wird? Bei gemuetlichen Bedingungen koennte ich einen weiteren Kuchen backen oder Ostereier anmalen. Wir hoffen, dass uns noch ein paar weitere unspektakulaere Tage vergoennt sind.
Naechtliche Besucher
Nachdem wir in der Nacht zu Montag diese heftigen Gewitter hatten, waren wir froh, dass es in der Nacht zu Dienstag trocken blieb. Trotzdem war auch diese Nacht wieder spannend. Wir duempelten bei wenig Wind durch die Nacht, ich sass im Cockpit und hoerte einen Podcast. War da nicht ein Geraeusch? Ganz klar, ein anderes Boot muss ganz in der Naehe sein. Ich sehe aber keine Lichter und auch kein AIS-Signal. Das Geraeusch naehert sich und ich werde nervoes. Deshalb schalte ich das Radar ein, dort sieht man deutlich, dass das Boot nur noch eine halbe Meile entfernt ist. Ob das Piraten sind? Ich wecke Nobbi, wir holen den Strahler raus und leuchten das andere Boot an. Jetzt geht dort das Licht an. Ein kleines Boot mit starken Aussenbordern faehrt auf 50 m an uns heran. Die Maenner sprechen miteinander Spanisch, sprechen aber nicht mit uns. Das Boot gibt Gas, das Licht geht aus und es ist genauso schnell verschwunden wie es gekommen ist. Wir vermuten, dass es die kolumbianische Guardia Costa war, da wir uns 30 sm querab der Insel Malpelo befanden, doch wissen tun wir es nicht. Wenn sie sich zu erkennen gegeben haetten waere es etwas weniger unheimlich gewesen.
Bei uns wechseln sich Nordost- und Suedwind ab. Dazwischen ist Flaute und die Duenung schuettelt uns durch. Noch nie sind wir waehrend einer Passage so viele Segelmanoever gefahren. Heute Nacht war es wieder sehr nass. Seit 10 Stunden regnet es jetzt ohne Pause, in den fruehen Morgenstunden hatten wir wieder heftige Gewitter, wenn auch nicht so nah wie zwei Naechte zuvor. Wusstet ihr, dass man Blitze riechen kann? In der Nacht zu Montag, als es direkt ueber uns gewittert hat, ist ein Blitz neben dem Boot eingeschlagen. Diesen Blitz konnten wir beide riechen, er roch nach Strom.
Neben den Gewittern die uns besuchen hatten wir auch Delfinbesuch, der ist mir viel lieber. Ein Tier hat uns lange begleitet und ist unter Maris Bug geschwommen.
Mir wuerde es gefallen wenn dieser Toern in den naechsten Tagen ein bisschen weniger abwechslungsreich verlaufen wuerde. Bestaendige Winde stehen ganz oben auf der Wunschliste.