Endspurt nach Neuseeland

Die letzten beiden Tage war das Wetter recht ruppig. Sehr boeiger Wind, 5 Beaufort in Boeen 6 oder auch mal 7 und hoher Seegang haben uns durchgeschuettelt. Trotzdem sind wir ueberraschend gut hart am Wind vorangekommen, jeden Winddreher haben wir versucht auszunutzen und uns langsam an Neuseeland herangearbeitet. Heute Morgen haben Wind und Seegang nachgelassen, wir schmeissen die Maschine an und wittern unsere Chance die letzten 100 Meilen auf direktem Weg nach Neuseeland zu kommen.
Gestern haben wir das erste Mal einen Albatros gesehen. Der riesige Vogel umkreiste uns einige Zeit. Wir wurden gerade von Boeen mit sieben Windstaerken hart am Wind durchgeschuettelt, er flog entspannt und unbeeindruckt wunderschoene Manoever zwischen den Wellenkaemmen. Waehrend wir hier draussen nur zu Besuch sind, wohnt er hier.
Es ist kalt geworden, gerade haben wir 17 Grad gemessen (mittags!). Da es so trocken ist, ist es trotzdem sehr angenehm, der Taupunkt liegt bei 13 Grad. Nachts ziehen wir ueber die lange Unterwaesche nun den Teddyfleece und ich hatte in der vergangenen Nacht zum ersten Mal eine Muetze auf. Zu jedem Wachwechsel kochen wir eine Kanne Tee, so kommen wir wunderbar durch die Nacht. Tagsueber ist es windgeschuetzt in der Sonne sehr schoen, in T-Shirt und kurzer Hose kann man es gut aushalten.
Mal sehen wer Neuseeland zuerst sieht, als Preis winkt der Rest der letzten Tafel Schokolade. Das ist besonders fuer mich ein Anreiz die Augen offen zu halten. Ich bin gespannt, ob ueber Neuseeland, die beruehmte lange weisse Wolke auf uns wartet.
Noch knapp 70 Meilen liegen vor uns, wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes passiert erreichen wir morgenfrueh Opua. Vorher wartet noch eine lange kalte Nacht auf uns, ich hoffe wir bekommen ein letztes Mal auf dieser Etappe diesen unglaublichen Sternenhimmel zusehen.

Leben in der Waschmaschine

Es ist bumpy. Das ist die Untertreibung schlechthin. Bumpy hoert sich irgendwie niedlich an. Der Seegang ist aber nicht niedlich. Der Profi nennt das eine ausgereifte Windsee. Es fuehlt sich an wie segeln durch Schlagloecher. Ziemlich grosse Schlagloecher. So gross, dass Mari hinein passt. Wir kreuzen nach Neuseeland. Was an einem sonnigen Nachmittag auf der Kieler Foerde schoenstes Segeln bedeutet, eine Kreuz hoch am Wind, Lage schieben, ist mit einem Wohnschiff auf einem Ozean mit Welle nicht so lustig. Man schlaeft einfach nicht gut, wenn man immer wieder von der Koje abhebt, in der Luft stehen bleibt und dann in die Koje zurueckfaellt.
Mari macht ihre Sache gut, zeigt dass sie segeln kann. Ihre Crew hat sich richtig Muehe gegeben, trimmt eifrig und freut sich ueber jede Meile in die richtige Richtung. Wie gut, dass unser Schiff am Wind segelt, an Tag neun wuerde man doch sehr ungern umdrehen. Wir wurden gerade von einem Tanker ueberholt, ich dachte der koennte uns vielleicht ein Stueckchen mitnehmen (ist ja nur so eine Idee), doch der ist auf dem Weg nach Ecuador. Am 12. Dezember soll er dort sein. Bis dahin waere ich ganz gerne in Neuseeland. Also weiter segeln.
Meine Nacht war aeusserst interessant. Die Wolken verzogen sich und so hatte ich viel Zeit mir den Sternenhimmel anzugucken, inklusive Sternschnuppen und Flugzeug. In Maris Wellen veranstalteten irgendwelche Meeresbewohner ein Feuerwerk ungewoehnlich intensiven Meeresleuchtens.
Ich hing achtern ueber dem Seezaun, nicht um die Fische zu fuettern, sondern auf der Jagd nach einem Geraeusch. Die Ursache fuer das leise Brummen habe ich nicht gefunden, hatte dafuer aber eine ungewoehnliche Begegnung, Nur wenige Meter hinter dem Boot zeigten sich die beiden Flossen eines Hochseehais. Das gut drei Meter lange Tier schwamm ein paar Minuten hinter uns her, verlor dann das Interessen und verschwand in der Dunkelheit.
Unsere Passage von Fiji begann sehr angenehm. Das Ausklarieren fand schnell und unkompliziert in der Marina statt, die Marina-Crew sang uns ein Staendchen, Mari bekam eine kleine Blumengirlande an den Bugkorb und dann ging es los. Die ersten Meilen bis zum Pass sind wir motort. Am Pass hat Fiji uns mit Delfinen verabschiedet und der Pazifik empfing uns mit 30 Knoten Wind, doch je groesser der Abstand zu Fiji wurde, umso ruhiger wurden die Bedingungen. Sechs schoene Tage segelten wir am Wind. Der erste Tag war noch ruppig, danach einfach fantastisch. Leichte Winde, wenig Seegang. Mari lief hervorragend am Wind. Erst ein bisschen weiter nach Westen, dann das Ziel Neuseeland direkt voraus. Schoenstes Segelwetter, trocken und sonnig. Dann verliess uns der Wind, der Motor musste ran. Auch ganz nett. Nach einer Woche schraegen Lebens, stete Fahrt auf glattem Wasser. Lediglich eine Front, die uns Gewitter und Regen brachte hielt uns fuer ein paar Stunden auf Trab.
Seit gestern ist der Wind wieder da, leider kommt er aus Sueden. Dort wollen wir hin. Seit gestern Nachmittag segeln wir so hoch am Wind, wie es geht. Das ist mal ungemuetlich mal sehr ungemuetlich. Im Gegensatz zu den ersten sechs Tagen unserer UEberfahrt haben wir diese gemeine Welle gegen uns und gelegentlich sogar Gegenstrom. Leider wird der Wind bis auf weiteres aus Sueden wehen, mal mehr, mal weniger stark. Im Moment sieht es aus als muessten wir nach Neuseeland kreuzen. Zwar sind es nur noch etwa 200 Meilen, die koennten aber ziemlich lang werden. Ist fuer Segler die kuerzeste Strecke zwischen zwei Punkten doch manchmal eine Zickzacklinie…

Aufbruch nach Neuseeland

Es geht los. Wir sind bereit zur Abfahrt. Sozusagen fix und fertig. Mari ist sauber, aufgeräumt und startklar und wir sind es auch. Gerade haben wir ausklariert, jetzt geht es los. Gute 1000 Meilen sind es nach Opua in Neuseeland. Wir rechnen mit ungefähr 10 Tagen Fahrtdauer.

Am Anker vor ein paar Tagen hatten wir entdeckt, dass mit unserer Rollanlage irgendetwas nicht stimmt. Deshalb sind wir einen Tag eher zurück in die Marina gefahren, um genügend Zeit zu haben, diese noch einmal genau anzusehen. Also, wieder das Vorsegel runter und die Rollanlage auseinander nehmen. Der Fehler ist schnell gefunden, eigentlich sind es sogar drei kleine, dann wieder zusammenbauen, Vorsegel wieder angeschlagen und aufgerollt. Nun scheint alles in Ordnung zu sein, sie besser rollt besser denn je.
Wir schreiben uns eine Liste mit lauter kleinen Aufgaben, die vor der Abfahrt erledigt werden wollen. Beim Abarbeiten kommen wir ordentlich ins Schwitzen, es ist schwül und es regnet häufig. Oft nicht lange, dafür umso heftiger. Dieses Wetter freut die Mücken, die ohnehin schon große Mückenpopulation vermehrt sich fleißig und ist ausgesprochen hungrig. Der Oldie-Radiosender sorgt dafür, dass wir durch unsere Erledigungen tanzen. Wir belohnen uns ausgiebig mit Kokos-Maracuja-Eis und Abendessen im Restaurant der Marina.

Fiji hat uns sehr gut gefallen. Tolle Ankerplätze, unendliche viele Inseln, schöne Riffe und extrem freundliche Menschen. Wir überlegen bereits, ob wir im nächsten Jahr wiederzukommen.
Vinaka Fiji!

Urlaub vom Marinaleben

Wir brauchen einen Tapetenwechsel. Die Vuda Marina ist nett, aber wir sind schon zu lange hier. Außerdem ist es staubig und sehr warm. Wir beschließen zu einer der vorgelagerten Inseln umzuziehen.
Wir legen uns vor Musket Cove vor Anker. Dies ist einer der beliebtesten Plätze Fijis. Auf der Insel Malolo Lailai gibt es einige Resorts und den Musket Cove Yacht Club. Wir sind nicht wegen des berühmten Clubs hier, sondern wegen des gut geschützten Platzes. Um die Insel tummelt sich eine ganze Gruppe kleinerer und größerer Riffe und sorgt für glattes Wasser. Damit man diese Riffe gut sieht empfiehlt es sich bei Sonne hineinzufahren. Wir haben dunkelgrauen Himmel und Sprühregen. Doch mit ein wenig Vorsicht und eingespielter Teamarbeit kommen wir gut an den Ankerplatz. Selbst bei schlechtem Wetter sieht man die Riffe gut.
Wir genießen den Wind am Ankerplatz, der das Schiff abkühlt. Nicht mal der Regen stört. Es ist schön wieder zu ankern. Wir lesen und baden. Ich backe Franzbrötchen und es gibt Falafel. Man könnte denken wir machen Urlaub. Doch natürlich gibt es auch wieder etwas zu tun. Am Relais der Ankerwinsch ist ein Kontakt korrodiert und wir putzen mal wieder unser Unterwasserschiff. Neuseeland möchte, dass wir mit sauberem Rumpf ankommen. Zum Glück ist Maris Bauch erfreulich sauber und wir hatten bereits bevor wir in die Marina gefahren sind geputzt. Das Marina Wasser hat einen schleimigen Saum am Wasserpass hinterlassen. Nach einer Stunde Hochleistungsschnorcheln waren wir platt, aber Mari ist schön sauber, sogar der Propeller glänzt. Das gefällt den Fischen bestimmt, da können sie sich mal spiegeln. Zwischen den Hotels und auf dem Ankerplatz ist reger Schiffsverkehr, Tauchboote, die kleinen Fähren, die Motorboote mit dem Personal, mehrere Arbeitsboote die eine Baustelle versorgen, es gibt den ganzen Tag etwas zusehen. Auch bei den Seglern herrscht Betrieb. Etwa fünfundzwanzig Boote liegen hier, aber es ist nicht voll. Sicher würden auch hundert und mehr Segler hier einen Platz finden. Wir haben uns etwas abseits einen schönen Platz gesucht und sind damit sehr zufrieden. Wir haben deutlich mehr Wind als erwartet und zwischendurch heftige Gewitter, unser Anker hält ausgezeichnet, Mari liegt ruhig und wir schlafen gut.
Gerne würden wir noch bleiben, gerne auch bei weniger wechselhaftem Wetter die Insel erkunden und ausgiebig schnorcheln, doch heute Morgen beschließen wir wieder in die Marina umzuziehen. Es sieht so aus, als könnten wir vielleicht am Dienstag starten. Falls das Wetter passt wollen wir dann bereit sein.
Nobbi holt den Anker hoch, ich stehe am Ruder. Kaum sind wir unterwegs setzt ein leichter Sprühregen ein. Ich ziehe mir eine dünne Regenjacke an und finde das alles ganz lustig. Bald geht der Sprühregen in Regen, dann in ernsthafte Schauer über. Jetzt finde ich es nicht mehr so lustig, es könnte mal wieder aufhören. Der Regen ist so stark, dass wir nichts mehr sehen und das Radar anmachen. Nobbi ist guter Dinge und berichtet „Das Regengebiet hat die Form von Südamerika, du fährst den Amazonas hoch“. Super. „Du bist jetzt auf der Höhe von Manaus“. Leider hört der Regen auch nicht auf, als ich die Anden überquert habe. Es regnet den gesamten Weg bis zur Vuda Marina drei Stunden ununterbrochen. Wir legen im Regen an. Dann hört es auf, pünktlich zu unserer Ankunft. Ich gehe erstmal duschen, ich bin ohnehin klatschnass.
Heute Nacht wird bei uns die Zeit auf Sommerzeit umgestellt. Um es etwas komplizierter zu machen stellt man nicht etwa mit Neuseeland gemeinsam die Uhr um, sondern gönnt sich eine verkürzte Sommerzeit. Am 13. Januar wird die Uhr schon wieder zurück gestellt. Wir haben schon heute Sommerzeit, weil Nobbi gestern den ganzen Tag dachte es sein Samstag und schon mal alle Uhren gestellt hat. Er ist aber nicht der einzige der sich eine eigene Uhrumstellung gönnt. Vodaphone ist letzte Woche in die Sommerzeit gewechselt. Seit letztem Samstag sind die Telefone uns also eine Stunde voraus. Warum auch immer.
Wenn der Wetterbericht so erfreulich bleibt, machen wir uns in drei Tagen auf den Weg nach Neuseeland, wenn nicht machen wir eben noch einmal „Urlaub“.

In Warteposition

Das Wetter bestimmt unsere Tage. Morgens schauen wir uns ausgiebig das Wetter an, dann verschieben wir die Abfahrt und überlegen wie wir den Tag verbringen. Am Sonntag hatten wir noch gedacht, dass wir vermutlich Dienstag losfahren könnten. Montagmorgen war nach einem Blick aufs Wetter klar, dass wir das nicht wollen. Ein Tief sollte uns das Leben auf dem Weg nach Neuseeland schwer machen, ein weiteres die Ankunft in Neuseeland.
Bettina und Erwin von der Sawadiva hatten einen Ausflug für Montag geplant und wir haben uns gefreut, dass wir sie begleiten durften. Zunächst sind wir nach Denarau in die Marina gefahren. Die zweite Marina in der Region liegt am Südende der Nadi Bay, während wir in der Vuda Marina auf der Nordseite der riesigen Bucht liegen. Die Marina Denarau erinnert uns an Disneyland, hier fahren die Fähren zu den vorgelagerten Inseln, es gibt Andenkenläden, Bars und Restaurants und einen Golfplatz, es könnte überall auf der Welt sein. Anschließend besuchen wir den „Garden of the sleeping Giant“. Die Berge, an dessen Fuß der Garten liegt, haben die Form eines schlafenden Riesen.
Der Orchideen Garten ist sehr schön angelegt und von alten hohen Bäumen wunderbar beschattet. Ein Pfad führt durch den Wald und zu einem Aussichtspunkt. Es tut gut mal wieder ein Stückchen zu gehen, die Waden freuen sich. Unterwegs sehen wir zwei Fohlen, die allein unterwegs sind uns ganz gemütlich vor uns die Straße queren. Wenn ihre Mütter das wüssten! Wir hatten einen ausgesprochen netten Tag zu viert.
Heute waren wir zum zweiten Mal in Lautoka, der nächsten Stadt. Dort gibt es viele Läden, ein Shoppingcenter, die Post, Restaurants und einen schönen großen Markt. Ich habe mich sogar zum Frisör getraut und es nicht bereut. Nobbi hat derweil Klatschzeitschriften gelesen und weiß jetzt alles über Prinz Charles. Die Ananas schmecken hervorragend und sind sehr günstig. Wir haben gleich sechs gekauft. Leider finden die Ameisen unsere Ananas auch lecker und so haben wir heute Schwimmunterricht für Ameisen angeboten. Ameisen an Bord auf dem Weg nach Neuseeland. Das hat uns gerade noch gefehlt.
Ansonsten vertreiben wir uns die Zeit mit kleinen Bootsarbeiten, spazieren zum Nachbarresort um festzustellen, dass es uns dort nicht besonders gefällt, treffen nette Leute und schwitzen vor uns hin.

In der Vuda Marina

Die restliche Strecke legen wir in zwei kleinen Etappen zurück. Wir verbringen eine Nacht in der Saweni Bay, baden noch einmal ausgiebig und putzen das Unterwasserschiff. Unser Antifouling ist erst ein halbes Jahr alt und das Schiff fast bewuchsfrei. Wir kratzen eine Handvoll Seepocken ab und wischen ein bisschen grünen Algenschleim weg. Sonst ist Maris Bauch schön sauber. Unter dem Boot treffen wir den größten Falterfisch, den ich je gesehen habe. Er lässt sich durch unsere Putzaktivitäten nicht vertreiben, scheint aber froh zu sein, als wir sein Element wieder verlassen. In der Saweni Bay sind wir, im Gegensatz zu den anderen Plätzen in der letzten Woche, nicht das einzige Boot. Wir lernen unsere Nachbarn kennen, ein nettes Paar aus Deutschland, das uns besuchen kommt.
Diwali, das Lichterfest der Hindus, beschert uns Samstag und Sonntag reichlich Feuerwerk. Von Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht leuchten die Raketen am Himmel.
Jetzt liegen wir in der Marina und vermissen das Ankern. Doch die Marina ist praktisch. Die Wäsche verschwindet in der Waschmaschine und die Dieselkanister werden gefüllt. Lauter kleine Dinge wollen vor der Abfahrt nach Neuseeland erledigt werden. Manche Kleinigkeiten sind dann doch nicht so schnell erledigt. Wir wollen das Vorstag etwas durchsetzen. Eigentlich wirklich keine große Sache. Wir rollen das Vorsegel von der Rollanlage ab, ziehen es runter und binden es da Deck fest. Dann bauen wir die Rollanlage auseinander, schieben die Trommel nach oben und schon können wir das Vorstag spannen. Nun noch schnell die Kugellager der Rollanlage fetten, die Anlage wiederzusammen bauen, die Fock wieder anschlagen. Und „schon“ sind wir fertig. Nun steht der Mast perfekt, Nobbi klettert noch einmal in den Mast und guckt sich das Ganze von oben an. Wir sind zufrieden.
Der Motor bekommt seine üblichen Streicheleinheiten, ein paar kleine Bimssteine haben sich im Kühlwasserfilter versammelt, das Schlauchboot ist wieder in seiner Tasche an Deck verzurrt und das UKW weiß wieder wo es ist. Seit Samoa hatte unser UKW keine GPS-Position mehr. Nach längerem Suchen haben wir herausgefunden, dass das Datenkabel innerlich korrodiert ist, nun bekommt das UKW vorübergehend die Daten vom anderen GPS-Gerät.
Ursprünglich wollten wir am Donnerstag oder Freitag lossegeln (also heute oder morgen), doch das Wetter überzeugt nicht, so haben wir beschlossen zu warten. Die Zeit nutzen wir für kleine Arbeiten und einen gründlichen Bootsputz. Vorhänge und Kissenbezüge sind gewaschen, das Vorschiff aus- und wieder eingeräumt. Nebenbei sortieren wir Dinge aus, die wir nicht brauchen oder nicht mehr spazieren fahren wollen. Selten schaffen wir es mit den aussortierten Dingen bis zum Mülleimer. „Schmeißt du das weg?“ Findet sich auf den knapp 100m vom Boot zum Marina-Gebäude kein neuer Eigentümer legen wir einfach alles auf die Büchersammlung, bisher war alles in weniger als einer halben Stunde verschwunden. Ganz egal ob Sonnenbrille, Nagellack, Segeltuch, Backpapier, Golden Sirup. Irgendjemand kann es gebrauchen. Nur mit den Büchern ist es hier schwierig. Die Büchersammlung ist zwar riesig, jedoch gibt es fast nur Bücher auf Schwedisch. Als ich auf die Waschmaschine gewartet habe, habe ich im „Handbuch für den ärztlichen Bereitschaftsdienst“ gelesen. Ganz interessant. Auf jeden Fall besser als der Mittelmeerführer von 1992.
In der Marina herrscht ein eifriges Kommen und Gehen. Viele Yachten bleiben aber auch und verbringen die Zyklon Saison hier. Man kann sein Boot hier im Wasser liegen lassen, aber es gibt auch die Möglichkeit sein Boot an Land in einem „Cyclon Pit“ zu parken. Dabei wird eine Grube für den Kiel ausgehoben. Umfallen kann das Boot bei Sturm so jedenfalls nicht.
Jeden Tag laufen Yachten aus, meistens mit Ziel Neuseeland oder Australien. Wer hier in der Marina ausklariert wird mit einem Blumenkranz am Bug und einem Ständchen der Marina-Crew verabschiedet. Sehr sympathisch wie wir finden.
Bisher waren wir nur einmal beim Supermarkt, ansonsten hatten wir noch keine Zeit die Marina zu verlassen. Damit wir keinen Marina-Koller bekommen, machen wir morgen einen kleinen Ausflug.

In Tagesetappen entlang der Küste Viti Levus

Die weit entfernten Inseln der Yasawa-Gruppe spiegeln sich im Horizont und scheinen zu schweben. Bei Niedrigwasser kommen die Riffe die zwischen uns und den Inseln liegen zum Vorschein, bei Hochwasser sind sie nicht zu sehen. Die Tage sind recht grau, ab und zu zeigt sich ein blaues Stückchen Himmel. Wir sind trotzdem zufrieden, hatte der Wetterbericht uns doch verregnete Tage versprochen.
Wir genießen es in Tagesetappen unterwegs zu sein. 19 Meilen nach Naigani, 28 Meilen an die Hauptinsel Viti Levu, 11 Meilen zum Ankerplatz hinter der kleinen Insel Nananu-i-Cake, 29 Meilen entlang der Nordküste Viti Levus, 21 Meilen nach Vitogo Bay. Im Windschatten der Hauptinsel fahren wir in den Südwesten Fijis. Auf den ersten Etappen konnten wir flott segeln, im Schutz der großen Insel ist wenig Wind. Gegen Mittag haben wir häufig eine starke Thermik, der Landwind kommt dann aus Nord oder Nordwest, nachmittags schläft der Wind komplett ein. Vom starken Südostwind merken wir hier hinter der Hauptinsel nur wenig.
Besonders schön waren die Ankerplätze hinter den kleinen Inseln. Naigani hat uns mit leuchtend blauem Wasser verwöhnt, Nananu-i-Cake bot guten Schutz bei kräftigen Böen und neugierige Fische. In Naigani wollte mich eine Seeschlange fressen. Nicht alle an Bord wollen glauben, dass sie es auf mich abgesehen hatte. Viti Levu, die große Insel, die auch „the mainland“ genannt wird, zeigt uns hohe Berge, schroffe Felsen, dunkel grüne Hänge und verdorrte Bergrücken und bietet eine tolle Kulisse. Wir sehen nicht nur viele Kühe, wir hören sie abends auch muhen. Nobbi hat die Theorie aufgestellt, dass braune Kühe Bergkühe sind, weiße sich lieber in flacheren Bereichen aufhalten. Nachdem die braunen Kühe von gestern Abend sich als Pferde entpuppt haben muss diese These noch einmal überprüft werden. Einen Ankerplatz zu finden ist meistens nicht schwer, es ist nicht sehr tief und der Ankergrund ist schlammig und hält bombenfest. Allerdings ist die Küste von Mangroven gesäumt und damit ist es schwierig an Land zu kommen.
Das Fahrwasser verläuft immer im Zickzack zwischen den Riffen, fehlen im östlichen Abschnitt fast alle in der Seekarte eingetragenen Baken, so gibt es hier im westlichen Teil sogar frisch rot und grün gemalte Seezeichen. Das macht die Durchfahrten entspannter. Segler treffen wir nur wenige, seit Makogai lagen wir an allen Ankerplätzen allein. Die Saison ist bereits vorbei.
Langweilig ist die Fahrt entlang der Küste nicht, wir sehen sehr viele Vögel, Fischer kommen Bula rufend dicht vorbei, ein Schlepper mit einer Barge im Schlepp verfolgt uns stundenlang. Die Konstruktion, die wir erst für eine Fähre, dann für eine Fischereianlage und dann für eine Ölplattform halten entpuppt sich als Spezialschiff. Anscheinend wird ein Hafen gebaut.
Fiji gefällt uns ausgesprochen gut, 300 Inseln warten darauf entdeckt zu werden. Uns drängt jedoch die Zeit bzw. die kommende Zyklonsaison. Noch zwei Tagesetappen, dann haben wir unser Zwischenziel erreicht und warten auf passendes Wetter für die Überfahrt nach Neuseeland.

Makogai und segeln in der Steinwüste

Der Sonntag beginnt früh. Um fünf klingelt der Wecker, um halb sechs lösen wir die Bojenleine. Über 50 Meilen liegen vor uns und wir wollen nachmittags bei hoch stehender Sonne ankommen. Für Fiji passt das Wort riffgespickt. Auf dem Übersegler sieht man die beiden großen und ein paar kleine Inseln, wählt man einen kleineren Maßstab stellt man fest, dass das Gebiet von Riffen durchzogen ist.
Zunächst müssen wir die Maschine mitlaufen lassen, doch dann können wir ein wenig abfallen und rauschen am Wind dahin. Segeln wie aus dem Bilderbuch. Nachdem Nobbi das Ruder erobert hat will er es nicht wieder hergeben.
Dann entdecken wir die Bimssteinfelder. Wir segeln durch große Teppiche aus kleinen Bimssteinen. Seit August sind diese Bimssteine unterwegs. Sie stammen von einem Vulkanausbruch in Tonga und treiben mit dem Wind in Richtung Australien. Einige australische Wissenschaftler hoffen, dass diese Bimssteine Fische und Algen in Tonga und Fiji einsammeln, sie zum Great Barrier Reef bringen und dieses neu beleben. Bis dahin machen die Steinchen den Seglern das Leben schwer. Zu Beginn war der Teppich bis zu 15 cm dick und riesig groß, wir haben nun kleinere Felder gesehen und auch nur noch eine Lage kleiner Steinchen dick, trotzdem waren wir froh, dass wir gesegelt sind, wir möchten das Zeug nicht in unserem Kühlkreislauf haben. Mal sehen, wo wir die Steinchen noch überall treffen.
Die Einfahrt nach Makogai ist spannend. Sie ist nicht besonders eng, aber die Strömung setzt quer zur Einfahrt und sie ist nicht gekennzeichnet, keine Tonnen, keine Peillinie. Zum Glück ist das Wetter gut und wir sehen das Riff türkis leuchten. Außerdem haben wir einen Track von anderen Seglern, eine gute Hilfe.
Makogai ist eine hohe grüne Insel, mit schwarze Felsen und weißer Sandstrand. Der Ankerplatz gefällt uns. Wir baden ausgiebig und fallen früh ins Bett.
Am nächsten Morgen gehen wir an Land. Wenn wir irgendwo abseits der Häfen oder großen Orte an Land gehen, fragen wir die Menschen ob wir unser Dinghi dort parken dürfen oder am Strand herumlaufen dürfen. In Fiji gibt es ein spezielles Prozedere. Man macht Sevusevu wenn man vor einem traditionellen Dorf ankert. Man fragt nach dem Chief und überreicht ein Bündel Kavawurzeln. Diese Wurzeln haben wir in Savusavu auf dem Markt gekauft. Manchmal wird Kava zubereitet und gemeinsam, mit einem festgelegten Ritual, getrunken. Kava ist ein berühmt berüchtigtes, berauschendes Getränk, das aus den Wurzeln des Kavastrauchs (Piper methysticum) hergestellt wird. Kava wird auch auf in den anderen Inselstaaten getrunken, zum Beispiel in Samoa, doch die Tradition des Sevusevu gibt es in dieser Form nur in Fiji. Hier in Makogai hatten wir das Gefühl, dass die Übergabe der Kavawurzeln nicht unbedingt erwartet wurde, sie sich aber sehr darüber gefreut haben.
Besonders die Kinder freuen sich über unseren Besuch. Die Schulkinder sind morgens mit dem Boot auf die andere Seite der Insel zur Schule gebracht worden, die kleinen Kinder sind begeistert, dass wir für Abwechslung sorgen. Ein Mann führt uns über die Insel, zeigt uns die Reste der Leprastation die von 1911 bis 1969 auf der Insel war und in der bis zu 4500 Menschen gelebt haben. Wir besuchen den alten Friedhof und erfahren viel über das heutige Leben auf der Insel. Auf dieser Seite der Insel leben sechs Familien, auf der anderen Seite neun. Der Zyklon Winston, der die Insel 2016 getroffen hat, hat nicht nur die meisten Häuser zerstört, auch viele Tiere sind gestorben. Inzwischen wurde alles wieder sehr schön aufgebaut. Am Strand sehen wir uns die Becken an in denen Riesenmuscheln und Schildkröten aufgezogen werden. Die Riesenmuscheln wurden in Fiji fast ausgerottet und sollen nun wieder eingeführt werden.
Mittags schnorcheln wir bis uns zu kalt wird. Sogar eine Schildkröte und ein Silberspitzenhai zeigen sich. Mir gefallen aber die vielen Clownfische, die immer wieder in ihrer Anemone verschwinden am besten.
Als wir ankamen, lagen noch zwei andere Boote in der Bucht. Eines ist morgens weitergefahren, die Crew des anderen Bootes treffen wir an Land und verabreden uns zum Kaffee. Wir verstehen uns gut, verbringen einen schönen Nachmittag zusammen und freuen uns, dass wir uns sicherlich in den nächsten Tagen wiedersehen, planen wir doch eine ähnliche Route.

Ein Ausflug auf Vanua Levu

Savusavu gefällt uns, die Stimmung ist fröhlich und es gibt einiges zu entdecken. Direkt unterm Steg der Marina lebt eine beachtliche Anzahl von Fischen. Uns interessiert jedoch besonders das Boot am Steg. Ein Rettungsboot, das Westerland heißt. Google hilft uns weiter. Nicht nur der Name stammt von Sylt, auch das Rettungsboot. Die Fähre Westerland (Bj. 1970!) verkehrte zwischen Sylt und Dänemark, bevor sie nach Fiji verkauft wurde.
Wir möchten gerne etwas von Vanua Levu sehen, bevor wir Savusavu wieder verlassen. Mit dem Bus unternehmen wir am Freitag einen Ausflug quer über die Insel nach Labasa. Interessant ist bereits die Vorbereitung, da die Angaben etwas wage sind. Die Karten mit denen man die Busfahrt bezahlt bekommt man in der Nähe des Busbahnhofs und der Bus fährt etwa um halb acht. Zum Glück sind wir bereits um kurz nach sieben am Busbahnhof, der Bus verlässt Savasavu bereits um 7.15 Uhr. Labasa ist kein touristisches Ziel. Wir schlendern die Hauptstraße entlang, machen eine Pause in einem Park und fotografieren den Tempel. Schon in Savusavu fällt auf, dass Fiji einen hohen Anteil indischer Bevölkerung hat, doch Labasa ist eindeutig fest in indischer Hand. Außerhalb von Labasa liegt die Zuckerfabrik. Durch die Stadt fährt nicht nur der „Zuckerzug“, die Bahn die das Zuckerrohr bringt, sondern auch eine nicht endende Schlange von Lastwagen, die mit Zuckerrohr beladen sind.
Die Menschen sind nett und interessiert. Nicht viele Touristen sind hier unterwegs, schon gar nicht jenseits der Hauptstraße. Leute wünschen uns einen Guten Morgen, wollen wissen wo wir herkommen oder schütteln uns die Hand. Der Polizist posiert stolz mit seinem Motorrad, als Nobbi fragt ob er ein Foto machen darf.
Das eigentlich Sehenswerte ist die Busfahrt über die Insel. Zweieinhalb Stunden dauert die Tour pro Richtung und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Die Insel ist grün und bergig. Der Bus muss sich ganz schön anstrengen um die Berge hinaufzuklettern und wir sind dankbar, dass der Busfahrer nicht die erlaubten 80 km/h fährt. Wir sehen große stolze Villen und bescheidene Hütten, in kleinen Dörfern. Wir kommen an belebten Kreuzungen vorbei und fahren durch menschenleere Gegenden. Der Ausblick auf die unterschiedlich geformten Berge vulkanischen Ursprungs ist toll, sogar einen Wasserfall sehen wir. In den Bergen (die Insel ist fast 1000 m hoch) ist es richtig kühl und ziemlich feucht. Die Kiefern im Nebel erinnern uns an Madeira. Wann haben wir das letzte Mal Kiefern gesehen?
Neben der landschaftlichen Schönheit sorgen die Kinder im Bus für Unterhaltung. Das kleine Mädchen in der Reihe hinter mir beobachtet mich die ganze Hinfahrt, zweieinhalb Stunden lang. Wenn ich ihr zuzwinkere lacht sie. Als sie aussteigt fasst sie ganz schnell meine Haare an, bekommt Ärger von ihrer Mutter und strahlt trotzdem übers ganze Gesicht. Auf dem Rückweg steigen lauter Kinder ein, die aus der Schule kommen. Alle in Schuluniform, alle barfuß. Sie sind erstaunlich leise, lachen sich aber darüber kaputt wenn Nobbi fotografiert.
Gibt es ein Wort für die Diskriminierung durch eine App? Fiji liegt für in vielen Programmen am Rand der Welt. Möchte man in Maps.me von Samoa nach Fiji scrollen, muss man den Weg „außen rum“ via Südamerika und Afrika nehmen. Der 180. Längengrad verläuft durch Fiji. Die echte Datumsgrenze, soweit man davon sprechen kann. Schließlich ist die Position des Greenwich- Längengrads willkürlich. Wir sind jetzt wieder im Osten. Vor gut drei Jahren sind wir auf dem Weg nach Cherbourg über den Null-Meridian gesegelt, und hatten seitdem immer eine Position „westlicher Länge“.

Eine Frage, die wir uns unabhängig von Längengrad und Zeitzone stellen ist, wo ist eigentlich unser Gecko?

Bula Fiji!

Wir sind gestern in Savusavu auf Vanua Levu, Fiji angekommen. (Ich weiß, dass man Fiji im Deutschen Fidschi schreibt, bleibe aber trotzdem bei der englischen Schreibweise Fiji, ich bin einfach zu unflexibel).
Ihr fragt euch „Fiji? Wollten die nicht nach Tonga?“. Ja, wollten wir. Das Wetter wollte nicht wie wir und jeden Morgen haben wir überlegt, dass das Wetter passen würde wenn wir nach Fiji wollen würden. Also entscheiden wir uns kurzfristig nach Fiji zu segeln. Wind und Wellen sind auf dem Ozean einfach netter wenn sie von achtern kommen.
Am Donnerstag klarieren wir aus. Zuerst geht es zur Immigration, da bekommen wir den Ausreisestempel in den Pass und einen Brief für den Zoll, dass alle Voraussetzungen für die Ausreise vorliegen. Beim Zoll bezahlen wir eine sehr überschaubare Gebühr und bekommen eine sehr hübsche Clearance mit Siegel.
Freitagmorgen nutzen wir eine Regenpause und laufen aus. Ein paar Regenschauer duschen uns, wir segeln mal wieder in Ölzeug. Zum Mittagessen gibt es Leberwurstbrote. Diese Brote sind ein echtes Highlight, super lecker. Unsere deutschen Nachbarn in der Marina haben sie uns zum Abschied über den Seezaun gereicht. Selbstgebackenes Brot mit selbstgemachter Leberwurst. Sie haben ein ganzes Schwein gekauft und verarbeitet. Auf dem Boot! Nicht nur zu Schnitzeln, Eisbein, Gulasch und Würsten, sondern auch zu Leberwurst. Ich hätte schon Zuhause keine Ahnung was ich mit einem ganzen Schwein machen sollte.
Wir fahren zwischen Upolu und Savaii, den großen Inseln Samoas hindurch und können dann Kurs nehmen auf Fiji. In der ersten Nacht haben wir netten Segelwind und wenig Seegang, dafür heftige Schauer. Ich sitze im Ölzeug im strömenden Regen und beobachte ein entgegenkommendes Containerschiff und einen Zickzack fahrenden Fischer. Zum Glück wird der Regen irgendwann weniger. Samstag und Sonntag haben wir recht viel Wind, immer satte sechs Windstärken dazu kräftige Böen. Wir kommen schnell voran. Nur der Seegang ist eklig. Hoch und steil. Keine lange, nette Ozeanwelle. Immer wieder spritzt Seewasser ins Cockpit oder duscht das Bimini. Zum Glück ist es aber die meiste Zeit trocken.
Am Montag nimmt der Wind etwas ab und der Seegang wird gemütlicher. Die Wellen sind zwar noch hoch, aber sie brechen nicht mehr. Wir rechnen aus, dass wir unseren Zielhafen mit dem abnehmenden Wind nicht mehr am Dienstag erreichen können. Also lassen wir uns Zeit, wir wollen nicht im Dunkeln ankommen. Nachts stelle ich fest, dass wir einen blinden Passagier an Bord haben, als ich einen vermeintlichen Fleck wegwischen will, läuft der weg. Wir haben einen Gekko! Das soll ja Glück bringen. Dienstagmorgen sehe ich die ersten Inseln von Fiji. Erst Palmen eines Atolls, später die Berge einer höheren Insel. Wir stellen die Uhr um eine Stunde zurück, die gewonnene Stunde investiere ich in Pfannkuchen zum Frühstück. Mal wieder fragen wir uns, weshalb eigentlich immer hohe Wellen auftauchen, wenn wir Duschen oder Kochen. Zwischenzeitlich treiben wir mehr, als das wir segeln, doch das macht nichts. Wir sind gut in der Zeit und freuen uns, dass wir so gut schlafen.
Immer wieder ist es spannend, wenn neues Land vor dem Bug auftaucht. Bei Tagesanbruch werden die hohen Berge sichtbar, ab und zu kann man das Land riechen. Süß, schwer und grün. Unsere letzten Eier gibt es als Rührei zum Frühstück, wir haben Angst, dass die Biosecurity sie uns wegnimmt. Dann stoppen wir das Boot und baden im blauen Pacifik. Ein Luxus, der nur bei ganz wenig Wind möglich ist.
Genau fünf Tage nach der Abfahrt legen wir am Steg der Copra Shed Marina an. Hier warten wir auf die Offiziellen, später ziehen wir an eine Mooring-Boje um. Zunächst kommt der Mann von der Gesundheitsbehörde, fragt ob wir gesund sind und füllt ein paar Zettel aus. Das ganze dauert nur ein paar Minuten, kostet umgerechnet aber über 60 Euro und wir dürfen die gelbe Q-Flagge einholen. Dann passiert erstmal nichts. Ich bin so müde, dass ich ein Schläfchen mache. Irgendwann taucht der Nächste auf. Zoll und Immigration in Personalunion. Tatsächlich hat er das Formblatt, das wir zuvor ausfüllen mussten und von Samoa aus per E-Mail verschickt haben dabei. Wieder geht es schnell und wir müssen nichts bezahlen.
Er erklärt uns, dass wir noch auf Biosecurity warten müssen und dass das etwas dauern könnte. Aus „humanitären Gründen“ (seine Wortwahl!) dürfen wir das Schiff verlassen. Es sei so heiß und wir würden sicher etwas essen wollen, sollten aber unser Handheld-VHF mitnehmen. Wir melden uns in der Marina an und ziehen ins Marina Café um. Kaum sitzen wir auf der Terrasse, knackt das Handfunkgerät „Marisol?“. Die Biosecurity ist da. Ich bewache unseren Tisch und das Essen, Nobbi geht zurück an Bord. Wir sollen unseren Müll in den Container werfen und dürfen unsere Zwiebeln, das einzig „Frische“ das wir noch an Bord haben behalten. Fiji hat den Ruf ziemlich bürokratisch zu sein. Wir waren überrascht, dass es insgesamt recht flott ging und wir jeder nur die Passenger Arrival Card abgeben mussten, d.h. dieses Kärtchen, das man auch im Flieger immer ausfüllen darf. Ansonsten haben die Beamten die Schreibarbeit übernommen, Nobbi musste ab und zu unterscheiben.
Der bürokratische Teil ist jedoch noch nicht ganz abgeschlossen. Nachmittags gehen wir zum Geld Automaten Fiji Dollar abholen und dann zur Biosecurity, um dort unsere Gebühren zu bezahlen, außerdem fehlt noch irgendein Formular. Die Dame, die für uns zuständig ist, ist aber nicht da und der Kollege hat weder Wechselgeld noch den Quittungsblock und zweitens weiß er auch nicht so genau. Wir bekommen aber begeistert lauter Ausflugstipps für ganz Fiji und sollen lieber morgen noch einmal wieder kommen. Heute konnten wir nun bezahlen (35 Euro) und das fehlende Formular und die Quittung abholen.
Wenn man in Fiji umher segeln möchte braucht man ein Cruising Permit. Das hat die Marina gestern bereits für uns beantragt. Wir können es nun abholen und müssen damit dann aber wiederum zum Zoll. Hier bekommen wir die „Coastal Clearance“. Das Cruising Permit kostet nichts. Nun dürfen wir auslaufen wann immer wir wollen, dürfen in Fiji umhersegeln und müssen uns nur einmal pro Woche per Email melden. Damit ist der offizielle Teil erledigt.
Ich mag diesen Moment in dem man das erste Mal an Land geht. Auch wenn man nach einer Ankunft nach einer längeren Etappe meist ziemlich müde ist, ist es so spannend. Fiji bzw. Savusavu ist wieder ganz anders als Samoa. Nicht nur die Insel, auch Häuser und Läden und besonders die Menschen sehen anders aus. Etwa zwei Drittel der Menschen stammen von der ursprünglichen melanesischen Bevölkerung ab, ein Drittel sind Inder. Amtssprachen sind Fiji, Englisch und Hindi. In den Läden findet sich nicht nur der Männerrock, den wir aus Samoa kennen, sondern auch Saris. Ganz besonders merkt man es natürlich am Essen, Naan, Curry, Roti…
Hier ist alles sehr dicht zusammen, das erleichtert nicht nur die Wege zu den Behörden, sondern sorgt auch dafür, dass wir mit unseren Erledigungen fix vorankommen. Wir haben unsere Wäsche zum Waschen gegeben, eine SIM Karte gekauft (umgerechnet 2,50 Euro für 12 GB Datenvolumen, das ist rekordverdächtig, irgendein Sonderangebot), eingekauft und E-Tickets für Busfahrten sowie erste Souvenirs erstanden.

Ach ja, Bula heißt Hallo!