Ein neues Atoll

Manchmal ahnt man bereits, dass das eigene Verhalten nur mäßig schlau ist und kann doch nicht widerstehen. Wir haben unsere Zeit auf Makemo etwas ausgedehnt, auch wenn wir bereits geahnt haben, dass wir dadurch den idealen Zeitpunkt zur Weiterreise verpassen würden.
In Punaruku, im Westen Makemos, gefiel es uns ausgesprochen gut. Wir haben ausgiebig geschnorchelt und haben die Familien an Land besucht, die zur Kopra-Ernte dort waren. Dabei haben wir gelernt, dass sie 140 Franc für ein Kilo Kopra bekommen (das entspricht 1,20 Euro) und dass das Fruchtfleisch der Kokosnuss in der Sonne trocknet bevor es in Säcke gefüllt wird. Am West-Pass hätten wir gerne geankert, doch nachdem wir die 8 Meilen dorthin gefahren sind, scheint uns der Platz, insbesondere bei aufkommendem Süd-Ost-Wind ungeschützt, wir kehren um und legen uns wieder in Punaruka hinters Riff. Die folgende Nacht war die ruhigste seit langem, wenn wir das geahnt hätten wären wir am Pass liegen geblieben.
Nach dem wir einen weiteren Schnorchel- und Basteltag eingelegt haben, reißen wir uns am Samstag schließlich schweren Herzens von Makemo los. Es ist etwas mehr Wind angesagt als wir uns wünschen würden, aber da es in den nächsten Tagen noch windiger werden soll entscheiden wir uns weiter zu segeln. Wir erreichen den Pass bei Hochwasser und fahren durch ganz glattes Wasser hinaus in den Ozean. So einfach kann es auch sein durch einen Pass zufahren.
Fünf Windstärken aus Ost bescheren uns eine flotte Fahrt. Die Wellen sind mit einem Meter fünfzig sehr angenehm, nur ab und zu kommt eine Wolke und bringt uns ein paar Böen. In der Nacht nimmt der Wind immer weiter zu, leider auch die Wellen. Nun haben wir sechs Bft in Böen sieben bis acht. Mari zeigt sich völlig unbeeindruckt, wir rauschen dahin. Es macht richtig Spaß, nur die Regenschauer stören. Der Spaß wäre ungetrübt, wenn wir nicht ein Atoll anlaufen wollen würden. Diesen starken Wind und die hohe Welle können wir in einem engen Pass nicht brauchen. Wir haben uns vorher verschiedene Möglichkeiten durchgeplant und entscheiden uns nun für den Nord-Pass von Fakarava. Der Pass ist breit, der breiteste in Französisch Polynesien, und er liegt auf der Nordseite des Atolls, bei Südost Wind also auf der Wind abgewandten Seite.
Zuvor haben wir errechnet, dass etwa um zwanzig vor eins Hochwasser sein müsste. Wir erreichen den Pass bereits gegen elf. Der Pass ist sehr breit, doch über die ganze Breite sehen wir eine stehende Welle, die sich weiß schäumend bricht. Der hereindrängende Flutstrom trifft auf die Wassermassen die vom starken Wind aus der Lagune gedrückt werden. Der Meeresboden steigt hier fast senkrecht von 600 m auf 12 m an.
Eine andere Yacht passiert uns, ein großes Schiff mit starker Maschine. Sie geben Gas und fahren einfach durch. Wir sehen wie das Schiff tief eintaucht, und die Wellen bis zum Mast über das Deck laufen. Als das Boot die Lagune erreicht hat funken wir es an und wollen wissen ob wir recht mit unserer Annahme haben, dass der Flutstrom noch in die Lagune hineinschiebt, doch wir bekommen keine Antwort. Wir entscheiden uns dieses Manöver nicht nachzumachen und unserem eigenen Urteil zu vertrauen. Wir warten. Um Viertel nach zwölf entscheiden wir einen Versuch zu wagen. Die Welle in der Einfahrt scheint niedriger geworden zu sein und seltener zu brechen. Ein Zweimaster taucht auf, und fährt an uns vorbei durch den Pass, er taumelt in der Welle, es sieht aber nicht so dramatisch aus wie bei seinem Vorgänger. Wir kommen gut durch den Pass. Es ist eine schauklige Angelegenheit. Erst gilt es die stehende Welle zu überwinden, das geht besser als erwartet, wir setzen nur zweimal tief ein. Dahinter hat sich ein Feld unangenehmer steiler Wellen aufgebaut. Diese unangenehme steile Welle kennen wir aus der Ostsee, so fühlt sich die dänische Südsee bei 6 bis 7 Bft aus West an. Nach einer Meile können wir den Kurs ändern und den Ort anlaufen. In tiefem Wasser fällt der Anker. Wir sind müde aber sehr zufrieden.
Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man nicht einfach einem anderen Schiff hinterherfahren sollte in der Annahme der andere würde sich besser auskennen. Wir treffen die Crew vom ersten Schiff am nächsten Tag beim Kaffee. Sie hatten keinerlei Tideninformation und sind einfach reingefahren und dachten wir ankern (nun ja, da hätten wir aber viel Kette gebraucht bei 600m Wassertiefe…). Sie berichten, dass sie noch nie so viel Wasser an Deck hatten und die Erfahrung nicht wiederholen wollen.
Nun liegen wir in Fakarava vorm Dorf Rotoava. Dieses Atoll ist im Vergleich zu Makemo richtig touristisch. Es gibt einige kleine Hotels, viele Tauchbasen und ein paar Andenkenstände. Insgesamt ist es jedoch auch hier eher ruhig.
Es gibt Eier! Im ersten Laden fragen wir danach. Die Verkäuferin entschuldigt sich, leider keine Eier, geht dann aber doch ins Lager und bringt uns ein Paket. Im zweiten Laden wird jeder Kunde darauf aufmerksam gemacht, dass es Eier gibt. Wir kaufen ein weiteres Paket. Als wir unsere 24 Eier heil an Bord befördert haben, feiern wir dies mit Spiegelei auf Baguette!

Treasures of the Bilge

Das ist normalerweise der Name fuer die Rubrik in der ueberzaehlige Ersatzteile in Funkrunden verkauft werden. Wir heben dieser Tage auch unzaehlige Schaetze, diese sind allerdings kulinarischer Natur.
Das Angebot an frischen Nahrungsmitteln ist auf Makemo sehr begrenzt. Vor ueber einer Woche haben wir Kartoffeln, Zwiebeln und eine Gurke ergattert. Bei unserem letzten Einkauf am Montag haben wir nur ein paar Zwiebeln gekauft, die wenigen frischen Lebensmittel sahen sehr traurig aus. Das Versorgungsschiff war laenger nicht da, sogar die Tiefkuehltruhen waren fast leer.
Abgesehen von frischen Produkten kann man in Makemo ganz gut einkaufen. Dosen gibt es in grosser Vielfalt zu teilweise unglaublichen Preisen. Anscheinend gibt es hier Kunden die Fertiggerichte fuer umgerechnet dreizehn Euro pro Dose kaufen! Auch die Tiefkuehltruhen sind normalerweise gut gefuellt. Rindfleisch, Putenfilets und Entenbrust, Brokkoli, Moehren, Pommes Frites und Hamburger. Die Preisgestaltung fasziniert uns. Wie kann es sein, dass tiefgefrorener Brokkoli teurer ist als Rindfleisch? Ein Teil der Lebensmittel wird subventioniert, wie ueberall in Franzoesisch Polynesien, und ist somit guenstig. Das gilt zum Beispiel fuer Baguettes und Milch.
Das letzte Mal Gemuese haben wir in Taiohae auf Nuku Hiva gekauft, das ist jetzt ueber vier Wochen her. In Ua Pou gab es einige Laeden in Hakahau im Osten, jedoch gab es kein Obst und Gemuese. Bevor wir die Marquesas verliessen, haben wir Zitronen, Pampelmusen und einige Maracujas gepflueckt.
Viele Boote machen einen „Provision run“ bevor sie auf die Tuamotus segeln, wir sind einfach losgefahren als das Wetter passte. Je nach Sichtweise sind wir also unorganisiert oder spontan.
Unsere letzte Pampelmuse haben wir inzwischen gegessen. Der grosse Auftritt fuer die Dosen, Glaeser und Pakete die seit Wochen, Monaten oder Jahren in der Tiefe unserer Schapps lagern, ist gekommen. Wir sind gut versorgt und finden immer neue Leckereien. Da in Tahiti ein Carrefour wartet, wo wir unseren Proviant aufstocken koennen, darf geschlemmt werden.
In den letzten Tagen gab es beispielsweise Couscous (mit Zitrone, Zwiebel, Knoblauch, Petersilie) und dazu Fisch (Dose), Vanillepudding mit Rum-Rosinen (aus Suriname), Rindergeschnetzeltes (in Panama eingekocht) mit Rotkohl (Curacao) und Kartoffelpueree, Nudeln mit Tomatensosse, Gries mit Mango (in Nuku Hiva eingekocht), einen Kuchen mit Bananenpueree und Zitronensirup (beides in den Marquesas eingekocht) dafuer ohne Eier, Pho mit Reisnudeln aus der Tuete, Wuerstchen (Suriname) mit Erbsen-Mais-Moehren-Gemuese, Rosenkohl (Dose) und Rindfleisch (Dose) mit Kartoffeln, Kartoffelpuffer, Milchreis mit Pflaume (eingekocht in Salvador), …
Die Arbeit mit dem Einkochen hat sich gelohnt. Wir freuen uns ueber Mangos von Nuku Hiva, Pflaumen aus Suriname und Salvador, Gurken aus Franzoesisch Guyana, Kuerbis aus Salvador und natuerlich Rindfleisch aus Panama. Sogar fuer die Bananen haben wir Verwendung gefunden. Bananen sind wirklich kein Obst, das eingekocht werden moechte, doch die Bananen an unserer Staude in Nuku Hiva wurden natuerlich alle gleichzeitig reif.
Einige sorgsam versteckte Schaetze, die mit uns vor drei Jahren aus Deutschland losgesegelt sind, haben wir noch. Zum Beispiel eine Dose Wuerstchen, eine Dose Huehnersuppe, einige Fischdosen und zwei Packungen Kartoffelknoedel. Nichts davon wird Neuseeland erreichen, wir werden das alles in den naechsten Wochen aufessen.
Abgesehen von frischem Obst und Gemuese vermissen wir Eier. Bisher hatten wir auf Makemo kein Glueck. In dem einen Laden wurden wir ausgelacht als wir nach Eier gefragt haben, in dem anderen gab es Eier, jedoch leider nicht fuer uns. Sie waren vorbestellt von einem anderen Kunden. Dienstagmorgen hat Nobbi unsere vorbestellten Baguettes abgeholt. Ein Fruehstueck mit Baguette, Butter und Marmelade war eine nette Abwechslung.
Manchmal traeume ich von einem grossen Salat. Doch dann schaue ich aus dem Fenster und sehe dieses hellblaue Leuchten des Wassers. Im Moment moechte ich den Ausblick nicht gegen einen grossen Salat tauschen. Vielleicht sollten wir jedoch aufhoeren uns gegenseitig Rezepte vorzuschlagen, fuer die es keine der Zutaten auf den Tuamotus zu kaufen gibt.

Blaue Tage

Eigentlich wollte ich einen kleinen Beitrag ueber die doch recht begrenzte Versorgungslage und die Bordkueche schreiben, doch die letzten Atolltage waren so schoen, dass sie einen Post verdienen. Diese Tage sind es, die fuer ungemuetliche UEberfahrten, unruhige Ankernaechte, sorgenvolle Blicke auf den Wetterbericht, Unbequemlichkeiten und bange Stunden entschaedigen und eine solche Reise so lohnenswert machen.
Zunaechst liegen wir noch immer zwischen den beiden Motus im Suedosten Makemos. Motu bedeutet nichts anderes als Insel auf polynesisch. Wir ankern unser Schlauchboot im flachen Wasser und schnorcheln zwischen grossen Korallenbloecken. Bunte Fische tummeln sich um die Korallen, an einer Putzerstation geniesst ein Papageifisch die Koerperpflege, ein kleiner Hai patrouilliert und ist auf dem Sandgrund kaum auszumachen. Wunderschoene Tridacna, die Riesenmuscheln, wachsen zwischen den Korallen. Mir gefallen am besten die gruenen mit den blauen Punkten.
Montag hat der Wind auf Ost gedreht und wir machen uns auf den Weg zurueck zum Dorf am Pass. Der frische Wind hat eine erstaunlich hohe Welle in der Lagune aufgebaut, die die Lagunennavigation noch anstrengender macht. Die Korallenbloecke, die dicht an die Oberflaeche reichen, sind besser zu sehen, weil sie die Welle an ihnen bricht, die anderen schlechter. Ausserdem schaukelt Mari in der kurzen Welle. An dem Ankerplatz vorm Ort sind wir das einzige Schiff und so parken wir diesmal in der ersten Reihe. Wie immer kontrollieren wir schnorchelnd unseren Anker und erleben so zufaellig das beste Schnorcheln der Reise. Unterm Boot haben wir einen Schwarm Doktorfische, ich verzaehle mich bei ueber 200, ihnen gefaellt es anscheinend unter Mari. Unsere Schiffshalter haben wir uebrigens verloren, die sind nicht mit umgezogen. Das Wasser ist ganz klar und die Sicht hervorragend, ein Barrakuda und einige grosse Makrelen sind unterwegs. Da wird es dunkel. Ein Fischschwarm naehert sich. Tausende (oder noch viel mehr ?) Fische bilden eine riesige Wolke. Wenn der Schwarm ganz kompakt ist, quasi Fisch an Fisch, hat er einen Durchmesser von etwa 8m und eine Hoehe von ca. 6m. Um den Schwarm kreisen Haie. Immer wieder stossen sie in den Schwarm vor, worauf dieser sich teilt. Fantastisch! Natuerlich haben wir schon Schwaerme gesehen und auch viele Haie. Aber noch nie einen so riesigen Schwarm aus so vielen Individuen und noch nie mit Haien auf der Jagd. Wir halten uns am Rande des Geschehens und koennen uns gar nicht satt sehen. Was fuer ein Schnorchelglueck.
Am naechsten Morgen fuettern wir noch ein wenig die Doktorfische unterm Boot, sie moegen Kraecker, Schwarzbrot mit Leberwurst und Baguette-Kruemel, dann geht es fuer uns weiter.
17 Meilen stehen auf dem Programm, eigentlich eine uebersichtliche Strecke. In der Lagune jedoch, sind 17 Meilen nach Westen ganz schoen weit. Startet man frueh, steht die Sonne noch zu niedrig, nachmittags jedoch, wenn die Sonne im Westen steht, wird ihr Licht auf der Oberflaeche reflektiert und man sieht die Korallenkoepfe nicht. Wir haben einen Tag mit perfektem Wetter erwischt, moderater Wind von achtern und keine Wolke am Himmel. Wir gleiten mit reduzierter Fahrt dahin, die Korallentuerme leuchten im tiefblauen Wasser. Trotzdem ist es anstrengend so lange konzentriert zu navigieren und wir sind froh, als wir den Ankerplatz ansteuern koennen.
Auch hier ist es wunderschoen. Kitschig. Absolut Postkartengeeignet. Ein weisser Strand gesaeumt von Palmen, tuerkises Wasser, ein Riff, dass sich weit in die dunkelblaue Lagune zieht. Wir beobachten die weissen Voegel, die ueber dem Wasser kreisen und sehr erfolgreich kleine Fische jagen. Ihre Unterseite erscheint durch das leuchtende Wasser der Lagune hellblau.
Wir unternehmen einen Spaziergang und erreichen das Aussenriff. Roetliche Korallenbloecke leuchten in der Abendsonne, auf dem Riffdach ist das Wasser nur wenige Dezimeter tief, jenseits des Riffs faellt es sofort auf tausend Meter. Korallengeroell tuermt sich hinter dem Riff, einige Pflanzen schaffen es hier zu wachsen. Der angespuelte Muell erinnert uns daran, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Kanister, Fischkisten, kaputte Bojen, Fischernetze, Zahnbuersten und Plastikflaschen. Warum schraubt jemand eine Glasflasche zu, bevor er sie ins Wasser wirft? Der Anblick macht traurig und hilflos.
Abends liegen wir im Cockpit und betrachten den Sternenhimmel und die Milchstrasse mit dem Fernglas. Keine Wolke und kein Lichtschein trueben die Sicht. Wir entdecken Nebel, rote, weisse und blau leuchtende Sterne und helle Sternschnuppen. Wir fuehlen uns sehr klein und wunderbar geborgen in ?unserem? Atoll.

Im Dorf haben wir versucht Fotos hochzuladen. Das ist uns nicht bzw. nur sehr begrenzt geglueckt. Wir konnten nicht sehen, was wir hochgeladen haben, haben es aber trotzdem unter ?Bildergalerie Makemo? veroeffentlicht. Mehr Bilder gibt es sobald wir Internet finden, das diesen Namen verdient. Wir hoffen auf Tahiti.

Tolle Atolltage

Zunaechst entschuldige ich mich fuer die Ueberschrift. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Der Wind kommt seit Tagen aus Sued oder Sued- Ost. Wir sind nach drei Naechten in der Ost-Ecke des Atolls in den Sued-Osten umgezogen. Die Fahrt in der Lagune war spannend. Der Ost-Zipfel ist flacher und gespickt mit Korallen, es ist schwer auszumachen, welche von ihnen Mari gefaehrlich werden koennten. Wir kurven als in einem abenteuerlichen Zick-Zack zwischen den Korallenkoepfen hin und her, bis wir tiefes Wasser erreichen. Dann ist es wieder einfach. Dunkelblau ist tief, alles tuerkis leuchtende flach. Das Ankern ist wieder nicht einfach, hier gibt es sehr viele Korallen. Nobbi dirigiert mich genau ueber einen Sandpatschen und laesst dort den Anker fallen. Unsere Ankerkette schwebt nun an Fendern ueber den Korallen. Wir wollen die Korallen nicht kaputt machen und wir wollen nicht, dass sich unsere Ankerkette darin verhakt.
Die Tage reihen sich aneinander wie die Inselchen auf dem Riff (stammt nicht von mir, habe ich mir bei meiner Mama ausgeliehen). Landgang, Schnorcheln, Bootsgetueddel.
Beim Landgang braucht man unbedingt Schuhe. Von weitem locken die Inselchen mit ihrem weissen Sand, doch wenn man naeher heran kommt sieht man die Korallenplatten am Ufer. Scharfkantig liegen sie auf der Lauer um nackte Fuesse zu fangen. UEberall stehen hier Kokospalmen, die auch bewirtschaftet werden, d.h. es wird Kopra geerntet und verkauft. In den flachen Baeumen und Straeuchern, die seewaerts der Palmen wachsen beobachten wir viele Voegel.
Wir spazieren zur Aussenseite des Riffs. Es erinnert an einen Baustoffhandel. Berge von grauen Korallengerippen tuermen sich auf. Die Farbspiele in den flachen Bereichen der Lagune sind toll. Hellblau, weiss, hellgelb, rosa.
Unsere Haustiere sind uns trotz Ankerplatzwechsel treu geblieben. Zwei hellblau, schwarz gestreifte Schiffshalter haben sich an Maris Bauch geheftet und schauen uns vorwurfsvoll an, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Richtig begeistert waren sie als Nobbi einige Muscheln von Rumpf abgekratzt hat, die Reste haben sie weggefuttert. Ob der Hai, der uns hier morgens umkreist, der gleiche ist wir am letzten Platz, ist unklar. Hier gibt es viele neugierige Haie. Bei jedem Schnorcheln treffen wir sie und auch wenn wir im flachen Wasser am Strand entlang laufen, kommen neugierige Haibabys und beobachten uns (oder unsere Fuesse).
Einige heftige Schauer hatten wir in den letzten Tagen, die meisten jedoch nachts. Jeden Tag gibt es schoene sonnige Phasen, die wir zum Schnorcheln oder fuer einen Ausflug an Land nutzen. Doch, es ist kalt geworden. Das Wasser hat ?nur noch? 25 Grad und auch die Luft hat sich in den letzten Tagen deutlich abgekuehlt. Heute haben wir um 16 Uhr nur 22 Grad gemessen. Nach dem Schnorcheln haben wir lange in der Sonne gesessen um uns aufzuwaermen. Bei 5 Windstaerken sind die geschuetzten Plaetze im Cockpit ploetzlich wieder sehr beliebt. Nachts machen wir die Luke zu, damit es nicht ueber die Kopfkissen weht. Wo sind eigentlich die Pullover? Ausser den ?Nachtwachen-Pullis? habe ich lange kein gesehen, doch wenn wir draussen Abendessen wollen brauchen wir sie. Ich sitze also auf einem Boot in der Suedsee, mitten in einem Atoll und trinke Pfefferminztee. Wir sind gespannt wie sich die Temperaturen in den naechsten Tagen und Wochen entwickeln. Schliesslich haben wir hier auf der Suedhalbkugel tiefsten Suedseewinter.
Den morgigen Tag werden wir vermutlich noch in diesem tuerkisenen Suedseetraum verbringen und dann am Montag weiterziehen.

Makemo – Nationalfeiertag und Lagunennavigation

Uns zieht es in den Osten des Atolls, doch es ist bedeckt. Weite Teile der Lagunen sind nicht kartographiert, es gilt sich den Weg via eyeball navigation zu suchen. Das bedeutet nichts anderes, als das man fleissig Ausguck geht. Mit der Sonne mit Ruecken sind die tiefen Bereiche dunkelblau, die flachen tuerkis und die Riffe braun, eigentlich ganz einfach. Ist es bedeckt sieht man wenig, faehrt man der Sonne entgegen sieht man nichts. UEbrigens stellen wir bei der naechtlichen Dinghifahrt von der Feier zurueck zum Boot fest, dass man die Riffe auch sehr gut bei Vollmond sieht.
Heute ist Sonntag der 14. Juli, Nationalfeiertag Frankreichs. Da wir bei bedecktem Himmel nicht weiterfahren wollen beschliessen wir an Land zugehen und uns die Parade anzusehen. Kein Scherz! Es gibt hier eine Parade zum 14. Juli. Mindestens so schoen wie in Paris, wenn auch ohne Triumphbogen. Alle nehmen Aufstellung am Leuchtturm und dann geht es die Hauptstrasse hinunter bis zum Rathaus. Angefuehrt wird der Zug von den Buergermeistern der Atolle und anderen wichtigen Politikern (mit Schaerpe in den Farben Frankreichs!), es folgen die alten und neuen Schoenheitskoeniginnen der fuenf Atolle (mit Schaerpe und Blumenkranz!), dann die Bewohner der Atolle (je mit Schild mit dem Namen ihres Atolls, wie bei Olympia), den Schluss bildet die Feuerwehr. Vor dem Rathaus stellen sich alle auf, singen die Marseillaise und die Hymne Franzoesisch Polynesiens, die Flaggen werden gesetzt und der Zug setzt sich fort bis zum Festplatz, der Turnhalle. Es folgen Reden, Tanz und Gesang, dann wird das opulente Bueffet gepluendert und es finden Kinderspiele wie Sackhuepfen und Staffellaeufe statt. Wir machen einen Spaziergang und beobachten wie das kleine Versorgungsschiff durch den Pass faehrt und an der Pier fest macht.
Als nachmittags endlich die Sonne durch kommt, springen wir ins Schlauchboot und fahren zu einem kleinen Riff zum Schnorcheln. Das Wasser ist schoen klar und der Fischreichtum beeindruckend. Wir schwimmen um den Korallenblock herum, als uns ploetzlich klar wird, dass irgendwas nicht stimmt. Der Wind hat gedreht, es wird kalt, dunkel und ungemuetlich. Schnell machen wir uns auf den Weg zurueck zu Mari. Von ueberall kommen die Crews der verbliebenden sechs Boote zurueck. Wir haben nun Sued-West-Wind und liegen ungeschuetzt auf Legerwall, d.h. kurz hinter unserem Heck hebt sich das Riff, Reaktionszeitraum bei ausbrechendem Anker: sehr kurz. Der Wind nimmt zu und schnell baut sich eine unangenehme Welle in der grossen Lagune auf. Auf allen Booten sieht man Segler Beiboote sichern und Anker kontrollieren. Ein Boot verlaesst die Lagune, ein anderes ankert neu. Zum Glueck halten alle Anker und am spaeten Abend nimmt der Wind ab und dreht langsam auf Sued-Ost.
Am naechsten Morgen ist es wieder schoen und friedlich bei schwachem Wind aus Ost. Im Ort erfahren wir den Grund fuer das schlechte Wetter am Vortag. Das Versorgungsschiff hatte einen Toten an Bord, der nach Tahiti gebracht wurde. Immer wenn ein Leichnam an Bord ist gibt es schlechtes Wetter. So einfach kann Meteorologie sein!
Bevor wir Anker auf gehen, geht es zum Einkaufen. Wir landen in einem kleinen Seitenarm an und suchen den Weg zum Supermarkt. Als wir ueberlegen wo wir entlanglaufen sollen, wir wollen nicht durch die Gaerten gehen, winkt uns eine Frau heran, begruesst uns auf Makemo und zeigt uns den Weg ueber ihr Grundstueck inklusive Abkuerzung durch die Luecke im Zaun. Baguette und Eier gibt es nicht, dafuer aber Kartoffeln.
Das Ankermanoever dauert schliesslich fast eine Stunde, erst holen wir einen Korallenblock herauf, der sich an unserer Kette verhakt hat, dann haengt unsere Kette in den Resten einer Boje. Zunaechst versuche ich schnorchelnd Nobbi und Mari um mich und die Boje zu dirigieren, doch eine Leine hat eine Schlaufe um unsere Kette gebildet und haelt den Anker in der Tiefe. Schliesslich springt Nobbi mit einem Messer ins Wasser und braucht genau einen Versuch um uns frei zuschneiden. Ich glaube ich muss das Tauchen mit Schnorchel trainieren, heute durfte Nobbi wieder alle Heldenpunkte sammeln.
Dann beginnen wir unsere Fahrt durch die Lagune. Zehn Meilen sind es in den Osten. Bei dem schoenen Wetter, Sonnenschein und schwachem Wind, ist es gar nicht schwierig. Die Korallenbloecke leuchten im dunklen Wasser und sind von weitem zu sehen. Die Lagune ist, abgesehen von den Korallenbloecken 30 bis 40m tief. Eine gute Hilfe sind die Satellitenfotos von Google Earth. Auf den Bildern sieht man die flachen Bereiche toll, eben weil der Kontrast so stark ist, zwischen der tiefen Lagune und den flachen Bloecken. Schwieriger wird es erst als das Wasser flacher wird. Jetzt ist es nur noch 15 m oder flacher, das Wasser ist tuerkis und die Korallenbloecke schwerer auszumachen. Da das Wasser so klar ist, denkt man oft, dass es doch unmoeglich mehrere Meter tief sein kann. Hier helfen auch die Satellitenfotos nicht, auch weil sich ueber diesem Bereich am Tag der Aufnahme Schaefchenwoelkchen tummelten. Nobbi steht am Bug und lotst mich im Zickzack zwischen den Korallen hindurch, ich behalte die Wassertiefe im Auge, unser vorausschauendes Echolot ist hier eine gute Hilfe.
Kaum ist der Anker eingegraben, werden wir von einem neugierigen Hai umkreist, den wir kurz darauf beim Schnorcheln wieder treffen. Nun liegen wir ganz allein hier im Osten der Lagune in tuerkisenem Wasser, auf eine Seite liegt ein Saum palmenbestandener Inselchen, auf der anderen bricht sich die Welle auf dem breiten Riff. Unglaublich schoen. Ein Suedseetraum von einem Ankerplatz.

Makemo – Ankunft auf unserem ersten Atoll und ein rauschendes Fest

Unser letzter Abend auf See goennt uns einen Green Flash. Bei Sonnenuntergang, sehen wir den gruenen Lichtblitz, unmittelbar nachdem die Sonne im Meer versunken ist. Die Nacht ist ruhig und trocken, die Nachtwachen sind unspektakulaer und entspannt. Freitag in den fruehen Morgenstunden nimmt der Wind immer weiter ab. Schliesslich entscheiden wir uns die Maschine anzuwerfen und so dafuer zu sorgen, dass wir Makemo rechtzeitig erreichen.
Makemo ist unser erstes Atoll. Die Tuamotus sind eine Kette aus fast 80 Atollen und einigen Inseln. Wenn die Marquesas die Kleinkinder im Leben einer Insel sind, sind die Tuamotus die Greise. In der Kurzfassung sieht ein solches Inselleben so aus: Ein Vulkan bricht aus, durchbricht die Wasseroberflaeche und die Insel ist geboren. Wind, Wasser und Vegetation formen sie. Korallen besiedeln die Uferzone. Es entsteht ein Saumriff. Die Insel versinkt, es bleibt das Saumriff mit einigen Inselchen (Motus), das Atoll.
Das Riff umschliesst die Lagune und wenn wir Segler Glueck haben, gibt es einen Pass durch dieses Riff, der uns ermoeglicht in die Lagune einzufahren. Abhaengig von der Groesse der Lagune, der Breite und Tiefe des Passes, des Wetters der vergangenen Tage, des Windes und der Tide, koennen in den Paessen erhebliche Stroemungen auftreten.
Theoretisch tritt beim Kentern der Tide, also bei Flut oder Ebbe, beim Wechsel von einlaufendem zu ablaufendem Wasser (oder anders herum) Stillwasser oder Slack Time ein. Verschiedene Faktoren koennen die Slack Time verschieben oder dafuer sorgen, dass es kein Stillwasser gibt. Die einzig sichere Methode ist hinfahren und sich den Pass ansehen.
Wir sind laut Tidenkalender genau zu Hochwasser am Pass. Einige Quelle behaupten, nun muesste Stillwasser herrschen, andere prognostizieren einlaufenden Strom und eine Verschiebung der slack time um mindestens eineinhalb Stunden. Wir sehen weisse Wellen, Schaumkoepfe, kleine Strudel und das Wasser laeuft definitiv aus der Lagune heraus. Da wir wenig Wind haben, entscheiden wir es trotzdem zu versuchen, verschliessen den Niedergang mit dem Steckschott und leinen uns an. Nobbi steuert, ich navigiere. Die kleine kabbelige stehende Welle ist nicht so wild wie sie aussieht, doch die kleinen Strudel druecken Maris Nase immer wieder zur Seite, so dass wir zeitweise eher seitwaerts durch den Pass fahren. Unsere Geschwindigkeit nimmt trotz Vollgas auf 0.9 Knoten ab, wenn der Strom noch staerker setzt kehren wir um, ob wir wollen oder nicht. Das Wasser brodelt und ploetzlich ist es glatt und wir sind durch.
Vor dem kleinen Ort liegen 13 Boote, die wir fast alle kennen. Wir suchen uns einen Platz, unser Anker faellt auf 17 m Tiefe. Als erstes gehen wir Schnorcheln, ein Hai beaeugt unseren Anker und wir ihn. Wir geniessen das Schauspiel der Blautoene und den Abend im Cockpit und fallen frueh ins Bett.
Am naechsten Morgen gestaltet sich unsere Fahrt mit dem Dinghi als zeitaufwendig, weil wir natuerlich bei anderen Booten stoppen, Hallo sagen, Kaffee trinken und Geschichten austauschen. Auf Makemo steppt dieser Tage der Baer. Hier ist ein grosses Fest Heiva Ko Te Vanaga. Die Bewohner der umliegenden Atolle Raoira, Takume, Katiu und Taenga sind zu Besuch.
Unter anderem werden Wettbewerbe in unterschiedlichsten Disziplinen abgehalten. Heute finden die Finals im Basketball bei den Maennern und Petanque bei den Frauen statt. Gerade ueberlegen wir, wie wir die Wartezeit bis zur Ladenoeffnung ueberbruecken, da geraten wir in die Tanzprobe fuer den Abend. Wir beobachten wie die Choreografie den letzten Schliff bekommt. Natuerlich kommt die Musik nicht vom Band, wer gerade nicht tanzt, trommelt, singt und huetet nebenbei Kleinkinder. Uns gefallen besonders die Jungs und wir freuen uns darauf sie abends noch einmal zusehen.
Auf dem Rueckweg vom Einkaufen ist die Strasse gesperrt (mit dem nagelneuen Polizeiauto!), gerade findet ein Rennen statt. Fuer jedes Atoll tritt ein Laeufer an. Maenner laufen 2 km und tragen 30 kg, Frauen 15 kg. Traditionell werden Schalen mit Obst auf der Schulter balanciert, da es auf den Atollen kein Obst gibt, traegt man halt Palmenstaemme.
Abends finden die Tanz- und Gesangswettbewerbe in der Turnhalle, einer ueberdachte Betonflaeche, statt. Fuer jedes Atoll treten Frauen und Maenner auf. Ein Teil der Kostueme wurde erst mittags gefertigt: Huete, Roecke und Accessoires aus Palmenplaettern. Die Mischung des geballten Suedseekitsches mit der Bodenstaendigkeit des kleinen Ortes ist wunderschoen und mitreissend. Die kleinen Maedels von Makemo treten tatsaechlich im Kokosnussschalen-Bikini auf, die Palmenwedelroeckchen werden geschuettelt und geschwenkt. Wir verstehen nicht wer gewonnen hat, die Stimmung bei der Siegerehrung ist grandios, es wird ausgelassen gefeiert, die Jury tanzt bei der UEbergabe der Preise und alle scheinen sehr zufrieden mit dem Abend zu sein. Wir sind es auch.

Abschied von den Marquesas

Marisol gleitet sanft dahin, die Nacht ist sternenklar, der Halbmond leuchtet hell und malt ein silbernes Band aufs Meer. Im Mondlicht zeigt sich der Ruecken einen grossen Wales, der nach einem Blick auf Mari lautlos abtaucht. Solche magischen Momente der letzten, sehr schoenen Nacht auf See, lassen vergessen, dass die Nacht zuvor sich wenig romantisch, doch umso nasser zeigte. 25 bis 30 Knoten Wind und viele Schauer gestalteten das Leben an Bord ungemuetlich und liessen uns schlecht schlafen. Doch heute ist das Segeln schoener als in jedem Prospekt, das Meer ist tiefblau, die Wellen sind kaum hoeher als eineinhalb Meter, die Sonne scheint und kleine flauschige Woelkchen dekorieren den Himmel. So darf es bleiben.
Die letzten Tage auf den Marquesas haben wir uns mit ausgiebigen Spaziergaengen vertrieben. Wir sind der Strasse in beiden Richtungen ueber den jeweils naechsten Berg gefolgt und haben in die Nachbarbuchten geblickt. Ein weiteres Mal sind wir zum Wasserfall gelaufen um dort ein ausgiebiges Frischwasserbad zu geniessen. Vom vielen Wandern haben wir tatsaechlich einen kleinen Muskelkater bekommen, doch nun koennen sich die mueden Fuesse ein paar Tage ausruhen. Sonntagmorgen steigen wir trotz Regens frueh in unser Dinghi, beginnt doch um acht der Gottesdienst. Etwa 30 Menschen besuchen an diesem Morgen die kleine Kirche. Der katholische Gottesdienst ist kurzweilig, auch wenn wir nichts verstehen. Aufstehen, Setzen, Hinknien und zwischendurch der schoene Gesang mit Gitarrenbegleitung. Obwohl nur so wenig Menschen an diesem Morgen die kleine Kirche besuchen, entspricht der Gesang einer gut gefuellten Kirche am Weihnachtsabend in Deutschland. Leidenschaftlich und mit Inbrunst wird gesungen. Selbst die jungen Maenner, die verdeckt durch Nobbis Ruecken in Ruhe mit dem iPhone spielen, singen mit beeindruckender Hingabe.
Mittags essen wir gemeinsam mit Sympatic die am Tag zuvor bestellten Abschiedshummer. Als wir mit dem Schlauchboot zurueck zu Mari fahren begleitet uns eine fuenfkoepfige Adlerrochenfamilie, ein schoenes Abschiedskomitee. Nachmittags packen wir das Dinghi ein, bauen das Ruder der Windsteueranlage wieder an und geben die Wegpunkte fuer unsere naechste Etappe ein.
Wenn der Wind durchhaelt erreichen wir morgen Makemo, unser erstes Atoll der Tuamotus.

Ua Pou – Ausflug, Wasserfall und Schokolade

Montagmorgen haben wir einen Termin. Um acht Uhr treffen wir uns mit den Crews von drei Booten auf der Pier. Ein Ausflug steht auf dem Programm. Mit dem Auto geht es entlang der Ostküste, die wir mit dem Boot nicht besuchen können, da es die Windseite der Insel ist. Wir lernen vieles über die vulkanische Vergangenheit der Inseln, Bäume mit bunter Rinde, über die Dörfer auf Ua Pou, Missionare und Walfänger. Bei einem Besuch eines alten Festplatzes hören wir Geschichten über das Dorfleben, Menschenopfer und Beerdigungen. Unser Guide führt uns überzeugend den Schweine-Tanz vor und erklärt uns wie man Ziegen fängt. Sie werden mit Kokos angefüttert, genauer gesagt mit dem was übrig bleibt, wenn das Kokosöl aus dem Copra gepresst wurde. So kommen die Ziegen immer bereitwillig zum gleichen Platz und man muss sie dann nur noch in sein Auto stecken. Als wir zurückkehren rauchen unsere Köpfe, die ganze Tour fand auf Französisch mit gelegentlichen englischen Einsprengseln statt.
Am nächsten Tag wollen wir auf die Westseite der Insel wechseln, in die angepeilte Ankerbucht sind es nur 7 Meilen. Die Überfahrt ist kurzweilig, wir bekommen Delfinbesuch, werden von einem Schauer geduscht und rauschen mit achterlichem Wind um die Ecke. Zwischenzeitlich verschwindet die Insel komplett in den Regenwolken, so dass wir Gelegenheit haben unser Radar zu testen, doch pünktlich als wir die Bucht erreichen verschwinden die Wolken und geben die wunderschöne Kulisse frei. Der kleine Ort Hakahetau gefällt uns. Am Hafen hüten die Väter die Babys, während die Frauen Tänze einüben. Wir freuen uns über die kleine exklusiv-Vorführung, sehr anmutig!
Jeder Segler der hier ankert läuft zum Wasserfall und die meisten von dort aus weiter zu Manfred, dem Schoko-Mann. So auch wir. Mittwochmorgen regnet es, doch wir wollen trotzdem los. Gerade 100 m haben wir auf der Dorfstraße zurückgelegt, als ein Auto anhält und fragt ob wir wandern gehen wollen. Der Fahrer ist Manfred, der Schoko-Mann. Wir klettern in sein Auto und so gestaltet sich der Hinweg sehr kräftesparend. Manfred ist Deutscher und seit über 25 Jahren auf der Insel. Er hat sich ein kleines Paradies geschaffen und macht seit einigen Jahren Schokolade. Mit dieser Schokolade hat er einige Berühmtheit erlangt, nicht nur die Segler kommen zum Probieren, auch das Fernsehen war schon da. Die Kakaobohnen und alle anderen Früchte werden ökologisch angebaut und Energie wird über Wasserkraft mit selbstgebauten Generatoren erzeugt. Wir werden mit skurrilen und haarsträubenden, aber auch interessanten Geschichten unterhalten, erfahren seine Lebensgeschichte und gucken Fotos an. Seine Witze sind sehr schlecht, und waren es schon als er Deutschland vor 30 Jahren verlassen hat, seine Schokolade hingegen ist ausgezeichnet. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zu dem Wasserfall. Das Becken unter dem Wasserfall lädt zum Baden ein, das Wasser ist schön klar, kalt und tief. Wunderbar erfrischt treten wir den Rückweg an.
In der ersten Nacht waren wir hier zwei Boote, inzwischen sind wir fünf. Wir freuen uns neue Segler kennenzulernen und Freunde wiederzutreffen. Gestern hab es Kuchen bei uns, zwei nette kleine Mädchen haben Bilder für uns gemalt und das Deck geputzt, während wir mit ihren Eltern geschnackt haben.
Auf den Tuamotus weht es tüchtig, wir bleiben noch etwas hier und vielleicht darf ich noch einmal am Wasserfall baden.