Mittwoch wird es Zeit für einen Ortswechsel. Wir wollen zur Nachbarinsel Tahaa umziehen. Während wir Anker auf gehen beginnt es zu nieseln. Als wir die Bucht verlassen, trifft uns der Schwell der durch den Pass in die Lagune läuft. Eine unangenehme, erstaunlich hohe Welle schüttelt uns durch. Die Welle nimmt mit der Entfernung vom Pass ab, dafür nimmt der Regen zu. Wir sehen die Fahrwassertonne in 100m Entfernung nicht mehr. Das macht uns keinen Spaß, die Sightseeingtour hatten wir uns anders vorgestellt. Wir fischen in einer kleinen Bucht eine Boje und beschließen die Weiterfahrt zu vertagen. Nachmittags fahren wir mit dem Schlauchboot an Land und laufen bis zu einem kleinen chinesischen Laden der auch nachmittags Baguette verkauft.
Am nächsten Tag zeigen sich noch immer dunkle Wolken, das Frühstück muss wegen Regen wieder unter Deck stattfinden, trotzdem schnüren wir die Wanderschuhe. Es gibt einen Wanderweg, der zu drei Wasserfällen führen soll. Zunächst wandern wir einen breiten Feldweg zwischen Weiden und Feldern bergan. Hier läuft es sich fantastisch, der Blick auf den Bergkamm ist toll und das Pferd auf der Weide lässt sich streicheln. Irgendwann wird der Weg schmaler und führt über den Bach. Oder sagen wir, normalerweise führt er über den Bach. Durch die starken Regenfälle ist der Bach angeschwollen und über seine Ufer getreten. Ich ziehe meine Schuhe aus, um sie trocken auf die andere Seite zu bekommen. Nobbi holt sich einen nassen Fuß als er auf den moosbedeckten Felsen ausrutscht. Auf der anderen Seite wartet ein Rudel hungriger Mücken auf uns. Wir wehren uns mit Mückenspray und versuchen ihnen davon zu laufen. Der Weg wird nicht nur schmaler, sondern leider auch immer matschiger. Wir queren eine Fläche die mit Elefantenohr-Taro bestanden ist. Das ist toll zwischen den riesigen Blättern hindurch zulaufen. (Für alle, die das Klimahaus in Bremerhaven kennen, das fühlt sich an wie auf der Insektenwiese! Für alle anderen, ihr müsst nach Bremerhaven!) Der vermeintliche Wanderweg endet im Nichts, ob wir falsch abgebogen sind? Wir kehren um und testen einen anderen Pfad, als der Matsch uns hier entgegenfließt geben wir auf. Auf dem Rückweg hole auch ich mir einen nassen Fuß. Nun haben wir beide einen trockenen linken und einen nassen rechten Fuß. Wir wandern die Straße entlang, den in der Karte verzeichneten Bäcker gibt es ebenso wenig wie den Supermarkt. Also kehren wir um, kaufen auf dem Rückweg wieder ein Baguette beim chinesischen Laden und kriechen nach Hause. Der Rückweg zieht sich und uns tun die Haxen weh. Wir beschließen am nächsten Tag auf keinen Fall irgendwo hinzulaufen.
Heute Morgen frühstücken wir draußen! Zwar zeigt sich die Sonne nicht, doch der Himmel ein fröhliches hellgrau. Wir wollen weiter ziehen. Das Schlauchboot hängt startbereit hinter Mari, eine Bojenleine ist bereits gelöst. Es kann losgehen! Da fängt es an zu regnen. Das kann doch nicht sein! Wir streiken. Die Abfahrt ist verschoben – auf morgen. Kuchen backen, Bilge putzen, Rost entfernen. Man kann sich mit so netten Dingen beschäftigen, man muss gar nicht segeln.
Die Stimmung ist trotzdem gut an Bord. Nobbi singt. Ich dachte zunächst er singt Weihnachtslieder, aber nein. Er singt das Lied vom Regentier. „Rudolph, the red nosed rain-deer…“
Raiatea – Regentage
Wir sind nun drei Tage auf Raiatea, aber ob es schön ist können wir nicht genau sagen. Man sieht es nicht. Das Wetter ist so grausam wie schon lange nicht. Nieseln und Regen wechseln sich ab. Der Norddeutsche fühlt sich Zuhause, gestern Abend gab es doch tatsächlich Tee mit Rum, aber dazu weiter unten mehr.
Südseegefühle kommen wirklich nicht auf. Als ich heute Morgen mein Müsli im Cockpit esse, schwappt Wasser vom Bimini in meine Müslischale. Und wann immer wir uns freuen, dass es trocken ist, kommt der nächste Schauer über die Berge.
Wir erledigen Bootsgetüddel. Unsere Hebelklemmen die die Fallen halten haben sich gelöst. Das ist mehr als unerfreulich. Wir haben sie erneuern lassen. Das war die einzige Arbeit in Bremen, die wir nicht selbst durchgeführt haben. Wir setzen längere Schrauben mit reichlich Epoxy ein und hoffen, dass es nun hält. Mal wieder zeigt sich wie wichtig eine gut sortierte Bordwerkstatt ist, Epoxy findet sich im Farbenschapp, in der Schraubensammlung finden sich tatsächlich 4 längere Inbusbolzen der richtigen Stärke. Ich nähe neue Verschlüsse ans Segelkleid, wir putzen ein bisschen, es gibt ein paar neue Taklinge, irgendwas ist immer zu tun. Ansonsten vertreiben wir uns die Zeit mit Regenbeschäftigungen wie Kuchen backen, Fotos sortieren und lesen.
Zum Glück regnet es nicht immer, sondern nur fast immer. Wir fahren mit dem Schlauchboot den Fluss hoch. André bewirtschaftet hier zwei Hektar Land und hat mit den Touristen eine Einnahmequelle gefunden. Er zeigt seinen Garten, erklärt welche Pflanzen er anbaut und verkauft Obst. Wir treffen ihn hinter der ersten Biegung des Flusses. Für uns kehrt er um. In seinem Kanu ist er deutlich schneller als wir mit dem Schlauchboot mit Außenborder. Der kleine Fluss wird immer schmaler und schlängelt sich durch das Tal. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auflaufen, so flach ist es. Seit langem treffen wir in André das erste Mal auf einen Menschen der sich über unsere mühsamen Versuche Französisch zu sprechen freut. Wir erfahren, dass er kein Auto hat und deshalb nicht auf dem Markt verkaufen kann. Doch mittlerweile kommen so viele Touristen, dass er davon gut leben kann. Neben den Seglern, bei denen dieser Ausflug beliebt ist, kommen Touristen mit gemieteten Kanus und sogar ein kleines Ausflugsboot fährt in den Fluss. Er pflanzt verschiedene Sorten Bananen, unterschiedliche Arten Taro, Papaya, Gurken und Bohnen. Er hat einen Mango- und einen Rhambutanbaum, Zitronenbäume und viele schöne Blumen. Pampelmusen- und Orangenbäume hat er neugepflanzt, sie brauchen noch ein paar Jahre, außerdem versucht er sein Glück mit Pfeffersträuchern. Wir kaufen ihm Bananen und Kochbanen, sowie zwei Papaya ab, bekommen noch ein paar Zitronen zugesteckt und eine Trinknuss serviert.
Es wird Zeit mal wieder zu laufen. Wir sind in Crocs unterwegs. Ich habe mir bei unserem Gewaltmarsch auf Moorea eine blutige Blase gelaufen und kann keine anderen Schuhe tragen. Außerdem passt unser Schuhwerk zum schlammigen Untergrund und der Absicht es etwas ruhiger anzugehen. Wir entscheiden uns der Straße ins Inselinnere zu folgen. Wir kommen an einem Kindergarten, der Feuerwehr und einer kleinen Kirche vorbei. Fast jeder hier hat einen großen Garten oder richtige Plantagen. André bekommt professionelle Konkurrenz, der Botanische Garten wird renoviert. Neue Wege wurden angelegt, der Parkplatz ist schon fertig und überall pflanzen Arbeiter prächtige Pflanzen. Auch ein College gibt es hier im Tal und an der Vereinigung der Kokosbauern. Am Wegrand wachsen Avocados, das sind die ersten Avocados, die wir seit Panama treffen. Uns begeistern der grüne Wald mit seinen unterschiedlichen Bäumen und die Vielzahl der Pflanzen, die wir am Wegrand, in den Gärten und Feldern entdecken.
Wenn die Wolken sich zurückziehen geben sie den Blick auf eine tolle Landschaft frei. Hohe grüne Berge und schroffe Felsen werden sichtbar. Der höchste Berg ist immerhin gute 1000m hoch, damit ist Raiatea die höchste der „Iles sous le Vent“. Zur Inselgruppe „unter dem Winde“ gehören neben Huahine, Raiatea und Tahaa auch die weniger bekannten Inseln Maupiti, Tupai, Manuae, Maupihaa (= Mopelia) und Motu One. Der Star der Inselgruppe ist Bora Bora. Raiatea und Tahaa sind nicht nur Nachbarn, die beiden Inseln liegen auch im gleichen Riff und teilen sich eine Lagune. Das finden wir nett, so können wir innerhalb des Riffs, geschützt vorm Schwell zur Nachbarinsel segeln. Das ist dann das Programm für einen der nächsten hoffentlich trockenen Tage.
Wir werden bei einem anderen Boot zu einem leckeren Essen eingeladen und verbringen einen netten Abend zusammen. Und tatsächlich trinken wir Tee mit Rum. Das schmeckt so gut, dass wir das heute Abend wiederholen. Das hätten wir nicht gedacht, dass wir in der Südsee Tee mit Rum trinken! Nun haben wir keinen Rum mehr, hoffen auf besseres Wetter und gehen irgendwann mal wieder einkaufen.
Heute folgen wir der Straße in die andere Richtung und haben Gelegenheit uns die Häuser aus der Nähe anzusehen. Das ist sehr interessant. Traurige Bretterbuden versinken im Schlamm, während die Nachbarn ein hübsches kleines Häuschen in einem schönen Garten ihr Eigen nennen. Es gibt auch in dieser Richtung einige tolle Gärten mit riesigen Fächerpalmen, einer Palmenbestanden Auffahrt samt Parkbank und großem Tor. Eine Pension ist geschlossen und hat ein ziemlich altes Zu-vermieten-Schild an der Tür. Ein Restaurant weckt mit einem Hinano-Schild Hoffnungen auf ein Bier, ist jedoch geschlossen. Das Schild, das für eine Veranstaltung Anfang Juni macht nicht den Eindruck, dass häufig geöffnet ist. Auch viele Wohnhäuser scheinen leer zu stehen. Heute Morgen wurde der Seitenstreifen gemäht, wir laufen also sehr komfortabel auf dem kurzen Gras. Nach einer Pause am Wasser, mit Blick auf den Pass, machen wir uns auf dem Rückweg. Katzenbabys und Kühe, die sich streicheln lassen, sorgen für Abwechslung. Und natürlich regnet es auch wieder.
Auch wenn es aussieht wie Herbst in Norddeutschland, irgendwas ist anders. Tagestemperatur heute ca. 26 Grad…
Huahine – eine Südseeperle
Von Moorea nach Huahine sind es über 80 Meilen, das ist zu weit für eine Tagesetappe. Nachmittags verlassen wir unseren Ankerplatz in der Baie de Cook. Beim Segelsetzen bricht Nobbi die Winschkurbel ab. Das hatten wir auch noch nie. Im Pass treffen wir ein befreundetes Schiff, schade dass wir uns knapp verpasst haben. Über Funk tauschen wir Neuigkeiten aus.
Eigentlich ist es eine schöne Segelnacht. Wir haben gerefft, weil wir sonst zu schnell wären, wir wollen Huahine nicht im Dunklen erreichen. Die erste Nacht ist immer anstrengend, wir sind noch nicht im Wachrhythmus angekommen, sind müde und können trotzdem nicht gut schlafen. Es ist überraschend viel Verkehr. Viele Segler nutzen die ungewöhnliche Wetterlage, wir haben Nordwind, um die Insel zu wechseln. Wir werden überholt, eine Yacht segelt fast gleich schnell die ganze Nacht neben uns und uns kommen viele Segler entgegen. Ein Boot ist gänzlich unbeleuchtet, eins hat die Lichter vertauscht und bereitet mir damit Kopfzerbrechen und viele Boote haben kein AIS (das ist so ein hübsches Identifikationssystem, das große Schiffen haben müsse und das inzwischen auch die meisten Yachten haben). Eine Luxusyacht schleicht sich von hinten an, einige Fischer queren und der Versorger ist auch unterwegs.
Huahine präsentiert sich wunderschön im Morgenlicht. Der Pass ist ruhig, das dunkelblaue Wasser bricht sich in weißem Schaum auf dem türkisenen Riff. Die grünen Berge leuchten intensiv, hier und dort gibt es einen weißen Sandstrand. Die Südsee schöner als in jedem Prospekt. Die beiden Pässe auf der Westseite liegen im Norden der Insel. Wir wählen den südlicheren und biegen hinterm Riff nach Süden ab. Wir haben uns einen Ankerplatz ganz im Süden ausgeguckt und schlängeln uns nun an der Westseite der Insel zwischen Riff und Insel entlang. Das Fahrwasser ist gut betonnt, außerdem kann man einfach dem Farbcode folgen. Dunkelblaues Wasser ist sehr tief. Wir genießen unsere Inselrundfahrt. Tiefe Täler, große Buchten, wenige Häuser und nur ein Hotel mit den typischen Pfahlbungalows. Huahine ist sehr ruhig und gemütlich. Die große Bucht im Süden bietet einen schönen Ankerplatz mit sandigem Ankergrund, viel Platz und nicht zu großen Wassertiefen. Eine Rarität in den Gesellschaftsinseln. Meistens ist es sehr tief oder sehr flach.
Wir ruhen uns von der Nachfahrt aus und verbringen den Nachmittag mit Schnorcheln. Dabei lernen wir, dass die hübschen Adlerrochen großen Respekt vor den Stechrochen haben, sobald sie sich nähern suchen die Adlerrochen das Weite. Der Sonnenuntergang über der westlichen Nachbarinsel Raiatea ist spektakulär und wir schlafen ausgezeichnet.
Am nächsten Tag wechseln wir den Ankerplatz und verlegen uns 3 Meilen Richtung Pass. Der Platz, den wir uns ausgesucht haben, ist schön doch das Wasser ist tief und wir sehen keinen sandigen Spot, nur Korallen. Als wir gerade überlegen, wo wir alternativ ankern könnten, legt ein Boot ab und macht eine von drei Bojen frei. Glück muss man haben! Nachmittags schnorcheln wir wieder und trainieren unsere müden Beine. Hier ist hinter dem Riff so viel Strom, dass man permanent paddeln muss. Abends beginnt es zu regnen, wir entscheiden uns für einen gemütlichen Abend unter Deck und schauen einen Tatort.
Samstagmorgen nieselt es. Wir wollen nach Raiatea segeln, in der Nacht soll 3m hoher Schwell aus Südwesten kommen, da wollen wir schon da sein. Ich habe wenig Lust bei Regen zu segeln und mache ein paar halbherzige Versuche Nobbi zum Bleiben zu Überreden. Er murmelt irgendwas Vernünftiges und reicht mit meine Öljacke. Unser Zwischenstopp auf Huahine war viel zu kurz aber sehr schön.
Nach Raiatea ist es nur ein Hüpfer, etwa 20 Meilen. Auf Am Wind Kurs sind wir flott unterwegs, Mari läuft meist 7 Knoten und der Segelspaß ist viel zu schnell zu Ende. Tatsächlich hat es auch gar nicht so viel geregnet, nur ab und zu ein wenig genieselt. Die erste Bucht in der wir eventuell ankern wollen überzeugt uns nicht, wir fahren weiter. Die tief eingeschnittene Bucht von Faaroa gefällt uns besser. Kaum haben wir geankert nieselt es wieder. Zeit sich unter Deck zu verkriechen.
Moorea – Baie de Cook
Die Sonne geht hinter den hohen Bergen unter. Die steilen Felsen werfen sich ständig verändernde Schatten auf die Bucht. Wir liegen in der Baie de Cook in Moorea. Diese Bucht ist eine der Buchten im Who-is-Who der Ankerbuchten der Welt. Das Panorama ist fantastisch. Die meisten Weltumsegler ankerten hier. Die Bilder dieser Bucht kennen wir aus all den Büchern, die auf unseren Nachttischen lagen als wir noch von einer solchen Reise träumten. James Cook selbst lag in der Nachbarbucht, diese aber wurde nach ihm benannt.
Montag war ein ganz klarer Tag als wir Tahiti hinter uns lassen und nach Moorea fahren. Nicht mal 20 Meilen sind es von der Marina in Papeete zum Ankerplatz hier in der Bucht. Wir haben schöne Tage in Papeete verbracht. Alle wichtigen Dinge sind erledigt und besorgt. Die Schönheitsreparaturen haben wir auf später verschoben, wir wollen nicht die wertvollen Wochen unserer Segelzeit im Südpazifik mit Lackarbeiten verbringen. In den Tagen in der Marina haben wir einige bekannte Schiffe getroffen oder wieder getroffen. Bei Kaffee oder Bier haben wir uns über unsere Pläne ausgetaucht. Leider trennen sich hier die Wege. Uns zieht es nach Westen, andere bleiben in den Gesellschaftsinseln, segeln zurück zu den Marquesas oder auf die Gambiers. Damit sinken die Chancen, dass wir uns (unter Segeln) wiedersehen.
Dienstagmorgen regnet es. Die Bucht wird dadurch noch eindrucksvoller. Die Berge rücken enger zusammen, die Wolken wälzen sich über die gezackten Berge. Spektakulär. Wir wollen aber eigentlich gerne wandern gehen, da passt der Regen nicht so gut. Nach dem Frühstück ist es trocken. Wir schmeißen unser Schlauchboot ins Wasser und schnüren die Wanderschuhe. Unser Ausflug beginnt ganz gemächlich, eine Straße führt ins Inselinnere. Sie geht in einen breiten Feldweg über und steigt nur leicht an. Vom Ananas-Aussichtspunkt sehen wir die großen Ananasplantagen am Fuß der hohen Berge. Wir entschließen uns zum Belvedere-Aussichtspunkt weiter zu wandern. Zunächst schlängelt sich der Weg zwischen den Ananasfeldern hindurch und verschwindet dann als schmaler Pfad im Wald. Es beginnt zu regnen, doch im Wald werden wir nicht sehr nass. Der Pfad wird steiler und führt nun über viele Stufen vorbei an alten Dörfern und heiligen Plätzen zum Aussichtspunkt. Inzwischen gießt es, wir können nicht mehr unterscheiden, ob wir vom Regen oder vom Schweiß nass sind. Die Stufen sind nun rutschig und glatt. Die Aussicht ist super, es hört auf zu regnen. Wir machen eine kleine Pause und treten dann den Rückweg über den Drei-Kiefern-Aussichtspunkt an. Am Aussichtspunkt stehen wirklich drei Kiefern auf einer steilen Klippe. Der Blick über die Baie de Cook ist toll. Nun müssen wir nur noch wieder runter. Die ersten Meter sind sehr steil, dann wird der Weg langsam besser. An einer Stelle hilft ein Seil beim Abstieg. Als wir aus dem Wald aufs Feld kommen, erwartet uns ein tropischer Regenschauer. Obwohl wir schon ziemlich durchgeweicht sind ziehen wir unsere Regenjacken an. Als wir nach viereinhalb Stunden wieder an der Bucht ankommen haben wir platte Füße.
In der Nacht hat es kräftig geregnet, heute wechseln sich Regenschauer und Sonne ab. Moorea gefällt uns sehr, trotz feuchter Witterung. Doch wir machen uns heute auf den Weg nach Huahine, wo wir morgen Vormittag ankommen sollten.
Flaggen und Perlen
Eigentlich waren wir auf dem Weg zum Supermarkt, sind dann jedoch abgebogen und haben uns Papeetes Regierungsviertel angesehen. Schöne Gebäude an einer schattigen Allee laden zum regieren ein. Französische Flaggen so weit das Auge reicht, viele größer als unser Großsegel. Nobbi haben die Hühner, die vor dem Palast rumgelaufen sind am Besten gefallen.
Kurz vor dem Supermarkt haben wir einen Abstecher ins Perlenmuseum gemacht. Dort haben wir einiges über die Aufzucht der Muscheln, die Geschichte der Perle und über Qualität und Wert der Perlen gelernt. Das Museum schmiegt sich um den Showroom von „Robert Wan“. Hier kann man sich Schmuckstücke in allen Preislagen ansehen und sie natürlich auch kaufen. Die unterschiedlichen Farben und Formen der Perlen sind beeindruckend. Wir haben „unsere“ Perlen bereits auf Fakarava gefunden und heute verzichtet. Das teuerste ausgestellte Stück ist zur Zeit eine Perlenkette für knapp 150.000 Euro, die teuerste Einzelperle die heute zum Verkauf steht kostet stolze 25.000 Euro!
Papeete – Bilder
Papeete
Papeete – jeder Buchstabe wird einzeln gesprochen – ist Tahitis Hauptstadt. Über Tahiti und Papeete haben wir viel Schlechtes gehört „Das Beste an Tahiti ist der Blick auf Moorea“ oder „Eine Woche in Tahiti sind fünf Tage zu viel. Uns jedoch gefällt es hier.
Sonntagmorgen stehen wir zeitig auf und gehen auf der Markt. Der Markt beginnt irgendwann in den frühen Morgenstunden. Ich glaube um vier, das überprüfen wir jedoch nicht. In der großen Markthalle und in den angrenzenden Straßen reihen sich Stände mit Obst und Gemüse aneinander, aber auch Blumenkränze, Fisch, Fleisch und Gebäck werden verkauft. Wir tragen eine große Tasche Gurken, Tomaten, Papaya, Salat, Bananen, Mango und vier Ananas nach Hause. An einem kleinen Stand trinken wir einen Kaffee, schauen uns das Marktleben an und essen eine Blätterteigschnecke. Wir probieren FiriFiri, ein typisches Gebäck, das etwas an Kreppel erinnert.
Wir sind hier vor allem nach Tahiti gekommen um einzukaufen – und natürlich um zu duschen. Übrigens, danke der Nachfrage. Wir waren nicht total schmutzig, als wir hier angekommen sind. Es wäre auch ziemlich schwierig schmutzig zu bleiben wenn man mehrmals am Tag baden geht. Nur warme Frischwasserduschen sind sehr limitiert an Bord. Deshalb genießen wir jetzt all-you-can-shower. Die letzte Dusche mit unbegrenztem Frischwassernachschub hatten wir in Atuona, die war zwar etwas rustikal, aber das kühle frische Wasser aus dem Bergen war ganz wundervoll.
Wir benötigen einige Ersatzteile und waren bisher recht erfolgreich. Das neue Relais für den Wassermacher ist bereits eingebaut, wir haben Diesel- und Ölfilter für den Motor bekommen und eine neue Gasflasche gekauft. Neben dem Bootsgetüddel bunkern wir Lebensmittel für die zweite Hälfte des Pazifiks. Nobbi hat nicht nur den Motor gestreichelt, Öl und Filter gewechselt, sondern auch unsere Ankerkette abgesägt. Die ersten Kettenglieder waren rostig. Der Niro-Anker und die verzinkte Kette sind kein Dreamteam. Dies war einer der Punkte, den wir hier unbedingt erledigen wollten solange wir hier am Steg liegen. Die Ankerkette absägen wenn man an selbiger hängt ist ja doch eher schwierig. Ich konnte meine Computerprobleme lösen und vertreibe mir die Zeit mit Wäsche waschen und Einkochen.
Nebenbei machen wir ein wenig Sightseeing und genießen das Stadtleben. Auf dem Weg zu den verschiedenen Schiffshändlern und zum Supermarkt haben wir bereits einige Kilometer zurückgelegt und Papeete wenigstens etwas kennengelernt. Vorgestern hatten wir Glück und sind zufällig auf die Verabschiedung der Faafaite gestoßen. Das traditionelle Segelschiff hat sich auf den Weg nach Neuseeland gemacht. Dort wird das 250ste Jubiläum der Entdeckung durch Cook gefeiert. Die Verabschiedung war sehr emotional mit viel Gesang. Als das Muschelhorn zum Abschied geblasen wurde hatten viele Tränen in den Augen.
Papeete bietet ein interessantes Stadtleben. Es gibt viele Restaurants, Cafés, Bars und Geschäfte. Morgens sieht man viele Läufer, junge Leute treffen sich zum Crossfit oder zum Fußballspielen. Im Vergleich zu allen Orten die wir bisher in Polynesien besucht haben ist hier viel Verkehr. Es gibt ein Kino und Shopping Center, ich bin gestern gleich zweimal Rolltreppe gefahren. Auch die Schattenseiten des Stadtlebens treten zu Tage, viele Menschen leben auf der Straße. Trotz Stadtflair vergisst man nie, dass man in Polynesien ist. Ständig sind Männer und Frauen unterwegs zum Kanutraining, leicht zu erkennen am Paddel unterm Arm. Mit einer Blume hintern Ohr ist man immer richtig angezogen, wer mag trägt einen Blumenkranz.
Wir bekommen Hafenkino geboten. Am Wochenende war ein großer Kreuzfahrer hier, im (kleinen) Handelshafen wechseln sich kleine Containerschiffe und Autotransporter ab, im Marinehafen liegen ein paar Kriegsschiffe und die Luxusyachten kommen zum Tanken in die Marina und um ihre Gäste einzusammeln. Und wenn uns das nicht reicht, können wir immer noch Flugzeuge gucken, die sind wunderschön bunt lackiert und starten über uns hinweg zu den anderen Atollen oder auch nach Übersee.
Nachschlag Fakarava
Zum Duschen nach Tahiti
Das Wasser hat dieses unglaubliche Blau, dass es nur mitten auf dem Ozean gibt. Die Wellen wiegen uns sanft und wir gleiten leise dahin. Segeln kann so schön sein. Leider sind wir am zweiten Tag unserer Überfahrt nach Tahiti zu langsam. Wir wollen Tahiti bei Tageslicht erreichen. Nachmittags verabschiedet sich der Wind fast ganz, wir beschließen etwas zu motoren. Abends kommt der Wind wieder. Wir erleben eine schöne Nacht unter Segeln. Gegen Morgen nimmt die Bewölkung zu, bei Sonnenaufgang tummeln sich dicke Wolken um uns, in der Ferne schauert es. Dann taucht Tahiti aus den Wolken auf. Wir waren schneller als gedacht. In den letzten Stunden legt Mari noch einen richtigen Sprint hin, so dass wir bereits um elf Uhr den Pass erreichen. Wir melden uns an und dürfen sofort reinfahren. In der Einfahrt begrüßen uns verspielte Delfine. Immer wieder schön! Port Control lotst uns zügig am Flughafen vorbei nach Süden. Zweimal müssen wir warten bis ein Flieger gestartet ist. Nobbi ist begeistert. Richtige Flugzeuge!
Wir funken die Marina Taina an, niemand meldet sich. Mittagspause? Wir fischen eine Boje, an der ein Priveé Schild hängt und beschließen hier zu warten. Nach der Mittagspause antwortet die Marina sich noch immer nicht über Funk, dafür erreichen wir telefonisch eine Dame im Büro, die uns schnippisch erklärt, dass wir am nächsten Tag nach einem Platz fragen sollen. Der Hafenmeister ist nicht da. Wir suchen nach einem anderen Platz und finden eine freie Boje. Nach einiger Zeit taucht ein kleines Boot vom Hafen auf, sie geben dem Hafenbüro durch, dass wir an der Boje liegen, daraufhin haben wir die schnippische Dame am Funk, die zwar nicht weiß wo wir liegen, aber sicher ist, dass wir dort nicht liegen bleiben können. Die beiden Marineros sind freundlicher, sie sagen wir können über Nacht bleiben, am nächsten Morgen sollen wir mit dem Hafenmeister sprechen, nicht mit dem Büro. Da wir ja gar nicht an der Mooring sein dürfen, brauchen wir sie auch nicht bezahlen.
Wir erleben einen traumhaften Sonnenuntergang mit Moorea in der Hauptrolle. Hinter der spektakulären Skyline der Nachbarinsel geht die Sonne unter und zaubert einen goldenen Himmel.
Um zwei wache ich auf und treffe Nobbi an Deck. Neben dem Schiff bricht sich die Welle, Mari hopst über kabbeliges Wasser. Der hohe Südwest-Schwell ist wie vorhergesagt da. Leider läuft er über das Riff. Unsere Boje liegt jetzt im Hexenkassel, das Wasser um uns herum erinnert an eine Waschmaschine. Gefährlich ist das Ganze nicht, auf der Mooring ist keine Belastung, aber gemütlich ist es auch nicht. Am Ankerplatz ist es etwas besser als im Bojenfeld, aber auch nicht gut.
Morgens fragen wir in der Marina nach einen Liegeplatz, wir haben einige Jobs zu erledigen, für die ein Stegplatz schön wäre, außerdem hätten wir gerne eine Dusche. Die Marina ist voll. Wir rufen die Marina in Papeete an, dort geht niemand ans Telefon. Also ziehen wir ins Ankerfeld um. Als wir uns entscheiden nun ein letztes Mal die Marina in Papeete anzurufen, geht doch tatsächlich jemand ans Telefon. Wir dürfen kommen, aber nicht in der Mittagspause. Eine große Schildkröte taucht neben dem Boot auf und heitert uns auf.
Wir verstauen Dinghy und Außenborder, verpacken unser Großsegel, holen Festmacherleinen und Fender hervor und essen Spiegeleier. Dann machen wir uns auf den Weg. Kurz vor dem Flughafen melden wir uns bei Port Control und erbitten Clearance für die Passage der Landebahn. Unsere Anfrage wird ignoriert. Wir stoppen auf, warten und funken Port Control an. Ob die auch Mittagspause machen? Nicht unwahrscheinlich. Unsere Anfragen werden ignoriert. Ab und zu landet ein Flieger. Schließlich vermittelt eine französische Yacht, deren Anfrage auf Französisch beantwortet wird. Ein Schelm wer Böses denkt. Wir passieren das Südliche Ende des Runways, fahren mit ordentlich Schiebestrom mit Rekordtempo zum nördlichen Ende des Runways und erbitten erneut um Clearance. Nach einigen hin und her, dürfen wir passieren, zwischen zwei startenden Fliegern fahren wir am nördlichen Ende des Flughafens vorbei. Schade, der Kollege des Mitarbeiters von Port Control, der uns am Tag zuvor durchs Fahrwasser gelotst hat, war ausgesprochen nett. Dass der grummelige Kerl uns immer wieder ignoriert hat, hat unsere Fahrt um eine Stunde verlängert und den Tag ziemlich anstrengend gestaltet.
Am frühen Nachmittag machen wir in der Marina fest wo uns ein netter Mitarbeiter begrüßt. Warum sind wir eigentlich nicht am Tag zuvor direkt hierher gefahren? Das hätten wir einfacher haben können. Mari liegt nach 5 Monaten das erste Mal wieder an einem Steg (seit Shelter Bay Marina in Panama) und wir gehen sofort ausgiebig Duschen!
Toau
Montagmorgen verlassen wir Fakarava. Um kurz vor sieben lösen wir die Leinen von der Boje um pünktlich zu Niedrigwasser um acht am Pass zu sein. Das Timing stimmt, der Pass zeigt sich friedlich und wir werden sanft auf den Ozean hinausgespült. Unterwegs macht Nobbi uns Frühstück und wir genießen einen fantastischen Segeltag.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Toaus Nordpass. Anse Amyot ist ein falscher Pass, ein Riff versperrt den Zugang zur Lagune. Die Einfahrt ist schmal, aber gut betonnt. Die Einfahrt ist hier unabhängig von der Gezeit möglich, das macht die Planung einfach. Freunde berichteten begeistert von Toaus Norden. Doch wir wurden auch gewarnt, nach Toau würden alle fahren, dort sei es nicht mehr schön. Tatsächlich war das erste was wir von der Bucht sahen ein 30m langer Ankerlieger, ein Segler der Luxusklasse, dazu ein 58 Fuss Chartercat mit Crew. Die beiden anderen Fahrtensegler fielen daneben kaum auf. Kaum liegen wir an der Boje, fällt neben uns der Anker des nächsten 50 Fuss Chartercats. Eine italienische Truppe mit französischer Skipperin macht nun gefühlt in unserem Cockpit (weil sie so dicht hinter uns liegen) Yoga. Ganz schön voll hier, finden wir das jetzt gut? Doch, wie so oft, kommt es ganz anders als gedacht. Wir verbringen fantastische gemeinsame Tage.
Am ersten Abend treffen wir Valentine und Gaston an Land. Die beiden wohnen hier an der kleinen Bucht und leben vom Fischfang und vom gelegentlichen Restaurantbetrieb. Wir vereinbaren am nächsten Abend gemeinsam mit den beiden Chartercats bei ihnen zu essen. Die Crew des Luxusseglers hat ein paar Stunden frei bekommen, wir treffen uns bei Valentine auf ein Bier und sie berichten vom Berufssegeln.
Den folgenden Tag verbringen wir unter Wasser. Wir schnorcheln im Zick-Zack durch die Bucht. Der Artenreichtum ist beeindruckend. Ein grauer Riffhai, eine Schwarzspitze und ein Silberspitzenhai, viele Napoleons, Muränen, riesige Zackenbarsche, Doktorfische (lauter Doris), Papageifische, … alles was sich der Schnorchler nur wünscht. Als ich in der Dämmerung der dritten freischwimmenden Muräne begegne, beschließe ich, dass die zunehmende Aktivität dieser nachtaktiven Jäger das Ende meines Badetages bedeutet.
Nach Einbruch der Dunkelheit werden wir von Valentine und Gaston empfangen. Achtzehn hungrige Segler freuen sich auf ein leckeres Essen und werden nicht enttäuscht. Vorweg gibt es eine Art Thunfischpizza. Die Vorbereitungen laufen schon den ganzen Tag. Für das spontane Fest wurde morgens ein Schwein geschlachtet, das den ganzen Tag (von Hand!) über dem Feuer gedreht wurde. Ein echtes Atollschwein, das hauptsächlich Kokosnüsse gefressen hat. Wir sitzen mit den Italienern an einem Tisch, die alle hervorragend Englisch sprechen. Schnell beginnt ein interessantes Gespräch übers Segeln, Reisen, Europa und das Leben. Und zwischendurch verputzen wir das leckere Essen. Fisch-Carpaccio (roher Fisch mit einer würzigen Knoblauchmarinade), Poisson Cru (roher Fisch in Zitrone und Kokosmilch), Fischpuffer, zwei Sorten selbstgebackenes Brot, Reis und natürlich das Schwein. Die Tische biegen sich. Zum Nachtisch gibt es einen Kokoskuchen, der uns so gut schmeckt, dass wir nach dem Rezept fragen. Der Kokoskuchen von Valentine wird zukünftig nicht nur auf Marisol gebacken werden, sondern sicher auch in Mailand. Anschließend sitzen wir mit Hunden und Katzen auf der Terrasse und Valentine, Gaston und zwei Freunde machen Musik für uns. Mein Favorit ist definitiv Gastons Bass aus einem Eimer, einem Stock und mit einer Saite. Wunderschön.
Am nächsten Morgen treffen wir uns alle wieder. Die Hunde und Katzen kennen wir schon, doch nun ist auch der Fregattvogel da. Seit 10 Jahren kommt er einfach immer wieder. Er sitzt mitten auf dem Tisch und lässt sich mit Schweinefleisch füttern. Am Steg läuft die „Spülmaschine“. Das Geschirr vom letzten Abend liegt im flachen Wasser und die kleinen Fische fressen es sauber.
In der kurzen Zeit haben wir von Valentine unglaublich viel über das Leben auf dem Atoll gelernt, sie spricht gut Englisch, interessiert sich sehr für ihre Besucher und ist äußerst mitteilsam. Wusstet ihr, dass Einsiedlerkrebse Tsunamis vorhersagen können? Gaston ist etwas schweigsamer als seine Frau, aber nicht weniger nett. Es fällt uns schwer weiter zu fahren, doch am Samstag soll 3m hoher Schwell aus Südwesten kommen, dann wollen wir in Tahiti sein. Wir verabschieden uns herzlich von „unseren“ Italienern und von Valentine und Gaston. Großzügig werden wir mit Essen versorgt und mit Perlen beschenkt. Die beiden freuen sich über die Zahnbürsten die wir ihnen mitgebracht haben, der nächste Supermarkt ist weit weg. Der Großteil unserer Vorräte neigt sich dem Ende zu und will in Tahiti aufgefüllt werden, doch Zahnbürsten haben wir reichlich.
Bei ruhigem Wetter fahren wir durch den Pass und setzen Segel. Zum Mittagessen gibt es Schwein von Toau mit Valentines leckerem Reis. Langsam verschwindet Anse Amyot und dann Toau am Horizont. Wehmütig blicken wir zurück. Wie gut, dass wir dort waren. Ein schöner Platz mit ganz besonderen Menschen, der uns in Erinnerung bleiben wird.








