Blaue Tage

Eigentlich wollte ich einen kleinen Beitrag ueber die doch recht begrenzte Versorgungslage und die Bordkueche schreiben, doch die letzten Atolltage waren so schoen, dass sie einen Post verdienen. Diese Tage sind es, die fuer ungemuetliche UEberfahrten, unruhige Ankernaechte, sorgenvolle Blicke auf den Wetterbericht, Unbequemlichkeiten und bange Stunden entschaedigen und eine solche Reise so lohnenswert machen.
Zunaechst liegen wir noch immer zwischen den beiden Motus im Suedosten Makemos. Motu bedeutet nichts anderes als Insel auf polynesisch. Wir ankern unser Schlauchboot im flachen Wasser und schnorcheln zwischen grossen Korallenbloecken. Bunte Fische tummeln sich um die Korallen, an einer Putzerstation geniesst ein Papageifisch die Koerperpflege, ein kleiner Hai patrouilliert und ist auf dem Sandgrund kaum auszumachen. Wunderschoene Tridacna, die Riesenmuscheln, wachsen zwischen den Korallen. Mir gefallen am besten die gruenen mit den blauen Punkten.
Montag hat der Wind auf Ost gedreht und wir machen uns auf den Weg zurueck zum Dorf am Pass. Der frische Wind hat eine erstaunlich hohe Welle in der Lagune aufgebaut, die die Lagunennavigation noch anstrengender macht. Die Korallenbloecke, die dicht an die Oberflaeche reichen, sind besser zu sehen, weil sie die Welle an ihnen bricht, die anderen schlechter. Ausserdem schaukelt Mari in der kurzen Welle. An dem Ankerplatz vorm Ort sind wir das einzige Schiff und so parken wir diesmal in der ersten Reihe. Wie immer kontrollieren wir schnorchelnd unseren Anker und erleben so zufaellig das beste Schnorcheln der Reise. Unterm Boot haben wir einen Schwarm Doktorfische, ich verzaehle mich bei ueber 200, ihnen gefaellt es anscheinend unter Mari. Unsere Schiffshalter haben wir uebrigens verloren, die sind nicht mit umgezogen. Das Wasser ist ganz klar und die Sicht hervorragend, ein Barrakuda und einige grosse Makrelen sind unterwegs. Da wird es dunkel. Ein Fischschwarm naehert sich. Tausende (oder noch viel mehr ?) Fische bilden eine riesige Wolke. Wenn der Schwarm ganz kompakt ist, quasi Fisch an Fisch, hat er einen Durchmesser von etwa 8m und eine Hoehe von ca. 6m. Um den Schwarm kreisen Haie. Immer wieder stossen sie in den Schwarm vor, worauf dieser sich teilt. Fantastisch! Natuerlich haben wir schon Schwaerme gesehen und auch viele Haie. Aber noch nie einen so riesigen Schwarm aus so vielen Individuen und noch nie mit Haien auf der Jagd. Wir halten uns am Rande des Geschehens und koennen uns gar nicht satt sehen. Was fuer ein Schnorchelglueck.
Am naechsten Morgen fuettern wir noch ein wenig die Doktorfische unterm Boot, sie moegen Kraecker, Schwarzbrot mit Leberwurst und Baguette-Kruemel, dann geht es fuer uns weiter.
17 Meilen stehen auf dem Programm, eigentlich eine uebersichtliche Strecke. In der Lagune jedoch, sind 17 Meilen nach Westen ganz schoen weit. Startet man frueh, steht die Sonne noch zu niedrig, nachmittags jedoch, wenn die Sonne im Westen steht, wird ihr Licht auf der Oberflaeche reflektiert und man sieht die Korallenkoepfe nicht. Wir haben einen Tag mit perfektem Wetter erwischt, moderater Wind von achtern und keine Wolke am Himmel. Wir gleiten mit reduzierter Fahrt dahin, die Korallentuerme leuchten im tiefblauen Wasser. Trotzdem ist es anstrengend so lange konzentriert zu navigieren und wir sind froh, als wir den Ankerplatz ansteuern koennen.
Auch hier ist es wunderschoen. Kitschig. Absolut Postkartengeeignet. Ein weisser Strand gesaeumt von Palmen, tuerkises Wasser, ein Riff, dass sich weit in die dunkelblaue Lagune zieht. Wir beobachten die weissen Voegel, die ueber dem Wasser kreisen und sehr erfolgreich kleine Fische jagen. Ihre Unterseite erscheint durch das leuchtende Wasser der Lagune hellblau.
Wir unternehmen einen Spaziergang und erreichen das Aussenriff. Roetliche Korallenbloecke leuchten in der Abendsonne, auf dem Riffdach ist das Wasser nur wenige Dezimeter tief, jenseits des Riffs faellt es sofort auf tausend Meter. Korallengeroell tuermt sich hinter dem Riff, einige Pflanzen schaffen es hier zu wachsen. Der angespuelte Muell erinnert uns daran, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Kanister, Fischkisten, kaputte Bojen, Fischernetze, Zahnbuersten und Plastikflaschen. Warum schraubt jemand eine Glasflasche zu, bevor er sie ins Wasser wirft? Der Anblick macht traurig und hilflos.
Abends liegen wir im Cockpit und betrachten den Sternenhimmel und die Milchstrasse mit dem Fernglas. Keine Wolke und kein Lichtschein trueben die Sicht. Wir entdecken Nebel, rote, weisse und blau leuchtende Sterne und helle Sternschnuppen. Wir fuehlen uns sehr klein und wunderbar geborgen in ?unserem? Atoll.

Im Dorf haben wir versucht Fotos hochzuladen. Das ist uns nicht bzw. nur sehr begrenzt geglueckt. Wir konnten nicht sehen, was wir hochgeladen haben, haben es aber trotzdem unter ?Bildergalerie Makemo? veroeffentlicht. Mehr Bilder gibt es sobald wir Internet finden, das diesen Namen verdient. Wir hoffen auf Tahiti.

Tolle Atolltage

Zunaechst entschuldige ich mich fuer die Ueberschrift. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Der Wind kommt seit Tagen aus Sued oder Sued- Ost. Wir sind nach drei Naechten in der Ost-Ecke des Atolls in den Sued-Osten umgezogen. Die Fahrt in der Lagune war spannend. Der Ost-Zipfel ist flacher und gespickt mit Korallen, es ist schwer auszumachen, welche von ihnen Mari gefaehrlich werden koennten. Wir kurven als in einem abenteuerlichen Zick-Zack zwischen den Korallenkoepfen hin und her, bis wir tiefes Wasser erreichen. Dann ist es wieder einfach. Dunkelblau ist tief, alles tuerkis leuchtende flach. Das Ankern ist wieder nicht einfach, hier gibt es sehr viele Korallen. Nobbi dirigiert mich genau ueber einen Sandpatschen und laesst dort den Anker fallen. Unsere Ankerkette schwebt nun an Fendern ueber den Korallen. Wir wollen die Korallen nicht kaputt machen und wir wollen nicht, dass sich unsere Ankerkette darin verhakt.
Die Tage reihen sich aneinander wie die Inselchen auf dem Riff (stammt nicht von mir, habe ich mir bei meiner Mama ausgeliehen). Landgang, Schnorcheln, Bootsgetueddel.
Beim Landgang braucht man unbedingt Schuhe. Von weitem locken die Inselchen mit ihrem weissen Sand, doch wenn man naeher heran kommt sieht man die Korallenplatten am Ufer. Scharfkantig liegen sie auf der Lauer um nackte Fuesse zu fangen. UEberall stehen hier Kokospalmen, die auch bewirtschaftet werden, d.h. es wird Kopra geerntet und verkauft. In den flachen Baeumen und Straeuchern, die seewaerts der Palmen wachsen beobachten wir viele Voegel.
Wir spazieren zur Aussenseite des Riffs. Es erinnert an einen Baustoffhandel. Berge von grauen Korallengerippen tuermen sich auf. Die Farbspiele in den flachen Bereichen der Lagune sind toll. Hellblau, weiss, hellgelb, rosa.
Unsere Haustiere sind uns trotz Ankerplatzwechsel treu geblieben. Zwei hellblau, schwarz gestreifte Schiffshalter haben sich an Maris Bauch geheftet und schauen uns vorwurfsvoll an, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Richtig begeistert waren sie als Nobbi einige Muscheln von Rumpf abgekratzt hat, die Reste haben sie weggefuttert. Ob der Hai, der uns hier morgens umkreist, der gleiche ist wir am letzten Platz, ist unklar. Hier gibt es viele neugierige Haie. Bei jedem Schnorcheln treffen wir sie und auch wenn wir im flachen Wasser am Strand entlang laufen, kommen neugierige Haibabys und beobachten uns (oder unsere Fuesse).
Einige heftige Schauer hatten wir in den letzten Tagen, die meisten jedoch nachts. Jeden Tag gibt es schoene sonnige Phasen, die wir zum Schnorcheln oder fuer einen Ausflug an Land nutzen. Doch, es ist kalt geworden. Das Wasser hat ?nur noch? 25 Grad und auch die Luft hat sich in den letzten Tagen deutlich abgekuehlt. Heute haben wir um 16 Uhr nur 22 Grad gemessen. Nach dem Schnorcheln haben wir lange in der Sonne gesessen um uns aufzuwaermen. Bei 5 Windstaerken sind die geschuetzten Plaetze im Cockpit ploetzlich wieder sehr beliebt. Nachts machen wir die Luke zu, damit es nicht ueber die Kopfkissen weht. Wo sind eigentlich die Pullover? Ausser den ?Nachtwachen-Pullis? habe ich lange kein gesehen, doch wenn wir draussen Abendessen wollen brauchen wir sie. Ich sitze also auf einem Boot in der Suedsee, mitten in einem Atoll und trinke Pfefferminztee. Wir sind gespannt wie sich die Temperaturen in den naechsten Tagen und Wochen entwickeln. Schliesslich haben wir hier auf der Suedhalbkugel tiefsten Suedseewinter.
Den morgigen Tag werden wir vermutlich noch in diesem tuerkisenen Suedseetraum verbringen und dann am Montag weiterziehen.

Makemo – Nationalfeiertag und Lagunennavigation

Uns zieht es in den Osten des Atolls, doch es ist bedeckt. Weite Teile der Lagunen sind nicht kartographiert, es gilt sich den Weg via eyeball navigation zu suchen. Das bedeutet nichts anderes, als das man fleissig Ausguck geht. Mit der Sonne mit Ruecken sind die tiefen Bereiche dunkelblau, die flachen tuerkis und die Riffe braun, eigentlich ganz einfach. Ist es bedeckt sieht man wenig, faehrt man der Sonne entgegen sieht man nichts. UEbrigens stellen wir bei der naechtlichen Dinghifahrt von der Feier zurueck zum Boot fest, dass man die Riffe auch sehr gut bei Vollmond sieht.
Heute ist Sonntag der 14. Juli, Nationalfeiertag Frankreichs. Da wir bei bedecktem Himmel nicht weiterfahren wollen beschliessen wir an Land zugehen und uns die Parade anzusehen. Kein Scherz! Es gibt hier eine Parade zum 14. Juli. Mindestens so schoen wie in Paris, wenn auch ohne Triumphbogen. Alle nehmen Aufstellung am Leuchtturm und dann geht es die Hauptstrasse hinunter bis zum Rathaus. Angefuehrt wird der Zug von den Buergermeistern der Atolle und anderen wichtigen Politikern (mit Schaerpe in den Farben Frankreichs!), es folgen die alten und neuen Schoenheitskoeniginnen der fuenf Atolle (mit Schaerpe und Blumenkranz!), dann die Bewohner der Atolle (je mit Schild mit dem Namen ihres Atolls, wie bei Olympia), den Schluss bildet die Feuerwehr. Vor dem Rathaus stellen sich alle auf, singen die Marseillaise und die Hymne Franzoesisch Polynesiens, die Flaggen werden gesetzt und der Zug setzt sich fort bis zum Festplatz, der Turnhalle. Es folgen Reden, Tanz und Gesang, dann wird das opulente Bueffet gepluendert und es finden Kinderspiele wie Sackhuepfen und Staffellaeufe statt. Wir machen einen Spaziergang und beobachten wie das kleine Versorgungsschiff durch den Pass faehrt und an der Pier fest macht.
Als nachmittags endlich die Sonne durch kommt, springen wir ins Schlauchboot und fahren zu einem kleinen Riff zum Schnorcheln. Das Wasser ist schoen klar und der Fischreichtum beeindruckend. Wir schwimmen um den Korallenblock herum, als uns ploetzlich klar wird, dass irgendwas nicht stimmt. Der Wind hat gedreht, es wird kalt, dunkel und ungemuetlich. Schnell machen wir uns auf den Weg zurueck zu Mari. Von ueberall kommen die Crews der verbliebenden sechs Boote zurueck. Wir haben nun Sued-West-Wind und liegen ungeschuetzt auf Legerwall, d.h. kurz hinter unserem Heck hebt sich das Riff, Reaktionszeitraum bei ausbrechendem Anker: sehr kurz. Der Wind nimmt zu und schnell baut sich eine unangenehme Welle in der grossen Lagune auf. Auf allen Booten sieht man Segler Beiboote sichern und Anker kontrollieren. Ein Boot verlaesst die Lagune, ein anderes ankert neu. Zum Glueck halten alle Anker und am spaeten Abend nimmt der Wind ab und dreht langsam auf Sued-Ost.
Am naechsten Morgen ist es wieder schoen und friedlich bei schwachem Wind aus Ost. Im Ort erfahren wir den Grund fuer das schlechte Wetter am Vortag. Das Versorgungsschiff hatte einen Toten an Bord, der nach Tahiti gebracht wurde. Immer wenn ein Leichnam an Bord ist gibt es schlechtes Wetter. So einfach kann Meteorologie sein!
Bevor wir Anker auf gehen, geht es zum Einkaufen. Wir landen in einem kleinen Seitenarm an und suchen den Weg zum Supermarkt. Als wir ueberlegen wo wir entlanglaufen sollen, wir wollen nicht durch die Gaerten gehen, winkt uns eine Frau heran, begruesst uns auf Makemo und zeigt uns den Weg ueber ihr Grundstueck inklusive Abkuerzung durch die Luecke im Zaun. Baguette und Eier gibt es nicht, dafuer aber Kartoffeln.
Das Ankermanoever dauert schliesslich fast eine Stunde, erst holen wir einen Korallenblock herauf, der sich an unserer Kette verhakt hat, dann haengt unsere Kette in den Resten einer Boje. Zunaechst versuche ich schnorchelnd Nobbi und Mari um mich und die Boje zu dirigieren, doch eine Leine hat eine Schlaufe um unsere Kette gebildet und haelt den Anker in der Tiefe. Schliesslich springt Nobbi mit einem Messer ins Wasser und braucht genau einen Versuch um uns frei zuschneiden. Ich glaube ich muss das Tauchen mit Schnorchel trainieren, heute durfte Nobbi wieder alle Heldenpunkte sammeln.
Dann beginnen wir unsere Fahrt durch die Lagune. Zehn Meilen sind es in den Osten. Bei dem schoenen Wetter, Sonnenschein und schwachem Wind, ist es gar nicht schwierig. Die Korallenbloecke leuchten im dunklen Wasser und sind von weitem zu sehen. Die Lagune ist, abgesehen von den Korallenbloecken 30 bis 40m tief. Eine gute Hilfe sind die Satellitenfotos von Google Earth. Auf den Bildern sieht man die flachen Bereiche toll, eben weil der Kontrast so stark ist, zwischen der tiefen Lagune und den flachen Bloecken. Schwieriger wird es erst als das Wasser flacher wird. Jetzt ist es nur noch 15 m oder flacher, das Wasser ist tuerkis und die Korallenbloecke schwerer auszumachen. Da das Wasser so klar ist, denkt man oft, dass es doch unmoeglich mehrere Meter tief sein kann. Hier helfen auch die Satellitenfotos nicht, auch weil sich ueber diesem Bereich am Tag der Aufnahme Schaefchenwoelkchen tummelten. Nobbi steht am Bug und lotst mich im Zickzack zwischen den Korallen hindurch, ich behalte die Wassertiefe im Auge, unser vorausschauendes Echolot ist hier eine gute Hilfe.
Kaum ist der Anker eingegraben, werden wir von einem neugierigen Hai umkreist, den wir kurz darauf beim Schnorcheln wieder treffen. Nun liegen wir ganz allein hier im Osten der Lagune in tuerkisenem Wasser, auf eine Seite liegt ein Saum palmenbestandener Inselchen, auf der anderen bricht sich die Welle auf dem breiten Riff. Unglaublich schoen. Ein Suedseetraum von einem Ankerplatz.

Makemo – Ankunft auf unserem ersten Atoll und ein rauschendes Fest

Unser letzter Abend auf See goennt uns einen Green Flash. Bei Sonnenuntergang, sehen wir den gruenen Lichtblitz, unmittelbar nachdem die Sonne im Meer versunken ist. Die Nacht ist ruhig und trocken, die Nachtwachen sind unspektakulaer und entspannt. Freitag in den fruehen Morgenstunden nimmt der Wind immer weiter ab. Schliesslich entscheiden wir uns die Maschine anzuwerfen und so dafuer zu sorgen, dass wir Makemo rechtzeitig erreichen.
Makemo ist unser erstes Atoll. Die Tuamotus sind eine Kette aus fast 80 Atollen und einigen Inseln. Wenn die Marquesas die Kleinkinder im Leben einer Insel sind, sind die Tuamotus die Greise. In der Kurzfassung sieht ein solches Inselleben so aus: Ein Vulkan bricht aus, durchbricht die Wasseroberflaeche und die Insel ist geboren. Wind, Wasser und Vegetation formen sie. Korallen besiedeln die Uferzone. Es entsteht ein Saumriff. Die Insel versinkt, es bleibt das Saumriff mit einigen Inselchen (Motus), das Atoll.
Das Riff umschliesst die Lagune und wenn wir Segler Glueck haben, gibt es einen Pass durch dieses Riff, der uns ermoeglicht in die Lagune einzufahren. Abhaengig von der Groesse der Lagune, der Breite und Tiefe des Passes, des Wetters der vergangenen Tage, des Windes und der Tide, koennen in den Paessen erhebliche Stroemungen auftreten.
Theoretisch tritt beim Kentern der Tide, also bei Flut oder Ebbe, beim Wechsel von einlaufendem zu ablaufendem Wasser (oder anders herum) Stillwasser oder Slack Time ein. Verschiedene Faktoren koennen die Slack Time verschieben oder dafuer sorgen, dass es kein Stillwasser gibt. Die einzig sichere Methode ist hinfahren und sich den Pass ansehen.
Wir sind laut Tidenkalender genau zu Hochwasser am Pass. Einige Quelle behaupten, nun muesste Stillwasser herrschen, andere prognostizieren einlaufenden Strom und eine Verschiebung der slack time um mindestens eineinhalb Stunden. Wir sehen weisse Wellen, Schaumkoepfe, kleine Strudel und das Wasser laeuft definitiv aus der Lagune heraus. Da wir wenig Wind haben, entscheiden wir es trotzdem zu versuchen, verschliessen den Niedergang mit dem Steckschott und leinen uns an. Nobbi steuert, ich navigiere. Die kleine kabbelige stehende Welle ist nicht so wild wie sie aussieht, doch die kleinen Strudel druecken Maris Nase immer wieder zur Seite, so dass wir zeitweise eher seitwaerts durch den Pass fahren. Unsere Geschwindigkeit nimmt trotz Vollgas auf 0.9 Knoten ab, wenn der Strom noch staerker setzt kehren wir um, ob wir wollen oder nicht. Das Wasser brodelt und ploetzlich ist es glatt und wir sind durch.
Vor dem kleinen Ort liegen 13 Boote, die wir fast alle kennen. Wir suchen uns einen Platz, unser Anker faellt auf 17 m Tiefe. Als erstes gehen wir Schnorcheln, ein Hai beaeugt unseren Anker und wir ihn. Wir geniessen das Schauspiel der Blautoene und den Abend im Cockpit und fallen frueh ins Bett.
Am naechsten Morgen gestaltet sich unsere Fahrt mit dem Dinghi als zeitaufwendig, weil wir natuerlich bei anderen Booten stoppen, Hallo sagen, Kaffee trinken und Geschichten austauschen. Auf Makemo steppt dieser Tage der Baer. Hier ist ein grosses Fest Heiva Ko Te Vanaga. Die Bewohner der umliegenden Atolle Raoira, Takume, Katiu und Taenga sind zu Besuch.
Unter anderem werden Wettbewerbe in unterschiedlichsten Disziplinen abgehalten. Heute finden die Finals im Basketball bei den Maennern und Petanque bei den Frauen statt. Gerade ueberlegen wir, wie wir die Wartezeit bis zur Ladenoeffnung ueberbruecken, da geraten wir in die Tanzprobe fuer den Abend. Wir beobachten wie die Choreografie den letzten Schliff bekommt. Natuerlich kommt die Musik nicht vom Band, wer gerade nicht tanzt, trommelt, singt und huetet nebenbei Kleinkinder. Uns gefallen besonders die Jungs und wir freuen uns darauf sie abends noch einmal zusehen.
Auf dem Rueckweg vom Einkaufen ist die Strasse gesperrt (mit dem nagelneuen Polizeiauto!), gerade findet ein Rennen statt. Fuer jedes Atoll tritt ein Laeufer an. Maenner laufen 2 km und tragen 30 kg, Frauen 15 kg. Traditionell werden Schalen mit Obst auf der Schulter balanciert, da es auf den Atollen kein Obst gibt, traegt man halt Palmenstaemme.
Abends finden die Tanz- und Gesangswettbewerbe in der Turnhalle, einer ueberdachte Betonflaeche, statt. Fuer jedes Atoll treten Frauen und Maenner auf. Ein Teil der Kostueme wurde erst mittags gefertigt: Huete, Roecke und Accessoires aus Palmenplaettern. Die Mischung des geballten Suedseekitsches mit der Bodenstaendigkeit des kleinen Ortes ist wunderschoen und mitreissend. Die kleinen Maedels von Makemo treten tatsaechlich im Kokosnussschalen-Bikini auf, die Palmenwedelroeckchen werden geschuettelt und geschwenkt. Wir verstehen nicht wer gewonnen hat, die Stimmung bei der Siegerehrung ist grandios, es wird ausgelassen gefeiert, die Jury tanzt bei der UEbergabe der Preise und alle scheinen sehr zufrieden mit dem Abend zu sein. Wir sind es auch.

Abschied von den Marquesas

Marisol gleitet sanft dahin, die Nacht ist sternenklar, der Halbmond leuchtet hell und malt ein silbernes Band aufs Meer. Im Mondlicht zeigt sich der Ruecken einen grossen Wales, der nach einem Blick auf Mari lautlos abtaucht. Solche magischen Momente der letzten, sehr schoenen Nacht auf See, lassen vergessen, dass die Nacht zuvor sich wenig romantisch, doch umso nasser zeigte. 25 bis 30 Knoten Wind und viele Schauer gestalteten das Leben an Bord ungemuetlich und liessen uns schlecht schlafen. Doch heute ist das Segeln schoener als in jedem Prospekt, das Meer ist tiefblau, die Wellen sind kaum hoeher als eineinhalb Meter, die Sonne scheint und kleine flauschige Woelkchen dekorieren den Himmel. So darf es bleiben.
Die letzten Tage auf den Marquesas haben wir uns mit ausgiebigen Spaziergaengen vertrieben. Wir sind der Strasse in beiden Richtungen ueber den jeweils naechsten Berg gefolgt und haben in die Nachbarbuchten geblickt. Ein weiteres Mal sind wir zum Wasserfall gelaufen um dort ein ausgiebiges Frischwasserbad zu geniessen. Vom vielen Wandern haben wir tatsaechlich einen kleinen Muskelkater bekommen, doch nun koennen sich die mueden Fuesse ein paar Tage ausruhen. Sonntagmorgen steigen wir trotz Regens frueh in unser Dinghi, beginnt doch um acht der Gottesdienst. Etwa 30 Menschen besuchen an diesem Morgen die kleine Kirche. Der katholische Gottesdienst ist kurzweilig, auch wenn wir nichts verstehen. Aufstehen, Setzen, Hinknien und zwischendurch der schoene Gesang mit Gitarrenbegleitung. Obwohl nur so wenig Menschen an diesem Morgen die kleine Kirche besuchen, entspricht der Gesang einer gut gefuellten Kirche am Weihnachtsabend in Deutschland. Leidenschaftlich und mit Inbrunst wird gesungen. Selbst die jungen Maenner, die verdeckt durch Nobbis Ruecken in Ruhe mit dem iPhone spielen, singen mit beeindruckender Hingabe.
Mittags essen wir gemeinsam mit Sympatic die am Tag zuvor bestellten Abschiedshummer. Als wir mit dem Schlauchboot zurueck zu Mari fahren begleitet uns eine fuenfkoepfige Adlerrochenfamilie, ein schoenes Abschiedskomitee. Nachmittags packen wir das Dinghi ein, bauen das Ruder der Windsteueranlage wieder an und geben die Wegpunkte fuer unsere naechste Etappe ein.
Wenn der Wind durchhaelt erreichen wir morgen Makemo, unser erstes Atoll der Tuamotus.

Ua Pou – Ausflug, Wasserfall und Schokolade

Montagmorgen haben wir einen Termin. Um acht Uhr treffen wir uns mit den Crews von drei Booten auf der Pier. Ein Ausflug steht auf dem Programm. Mit dem Auto geht es entlang der Ostküste, die wir mit dem Boot nicht besuchen können, da es die Windseite der Insel ist. Wir lernen vieles über die vulkanische Vergangenheit der Inseln, Bäume mit bunter Rinde, über die Dörfer auf Ua Pou, Missionare und Walfänger. Bei einem Besuch eines alten Festplatzes hören wir Geschichten über das Dorfleben, Menschenopfer und Beerdigungen. Unser Guide führt uns überzeugend den Schweine-Tanz vor und erklärt uns wie man Ziegen fängt. Sie werden mit Kokos angefüttert, genauer gesagt mit dem was übrig bleibt, wenn das Kokosöl aus dem Copra gepresst wurde. So kommen die Ziegen immer bereitwillig zum gleichen Platz und man muss sie dann nur noch in sein Auto stecken. Als wir zurückkehren rauchen unsere Köpfe, die ganze Tour fand auf Französisch mit gelegentlichen englischen Einsprengseln statt.
Am nächsten Tag wollen wir auf die Westseite der Insel wechseln, in die angepeilte Ankerbucht sind es nur 7 Meilen. Die Überfahrt ist kurzweilig, wir bekommen Delfinbesuch, werden von einem Schauer geduscht und rauschen mit achterlichem Wind um die Ecke. Zwischenzeitlich verschwindet die Insel komplett in den Regenwolken, so dass wir Gelegenheit haben unser Radar zu testen, doch pünktlich als wir die Bucht erreichen verschwinden die Wolken und geben die wunderschöne Kulisse frei. Der kleine Ort Hakahetau gefällt uns. Am Hafen hüten die Väter die Babys, während die Frauen Tänze einüben. Wir freuen uns über die kleine exklusiv-Vorführung, sehr anmutig!
Jeder Segler der hier ankert läuft zum Wasserfall und die meisten von dort aus weiter zu Manfred, dem Schoko-Mann. So auch wir. Mittwochmorgen regnet es, doch wir wollen trotzdem los. Gerade 100 m haben wir auf der Dorfstraße zurückgelegt, als ein Auto anhält und fragt ob wir wandern gehen wollen. Der Fahrer ist Manfred, der Schoko-Mann. Wir klettern in sein Auto und so gestaltet sich der Hinweg sehr kräftesparend. Manfred ist Deutscher und seit über 25 Jahren auf der Insel. Er hat sich ein kleines Paradies geschaffen und macht seit einigen Jahren Schokolade. Mit dieser Schokolade hat er einige Berühmtheit erlangt, nicht nur die Segler kommen zum Probieren, auch das Fernsehen war schon da. Die Kakaobohnen und alle anderen Früchte werden ökologisch angebaut und Energie wird über Wasserkraft mit selbstgebauten Generatoren erzeugt. Wir werden mit skurrilen und haarsträubenden, aber auch interessanten Geschichten unterhalten, erfahren seine Lebensgeschichte und gucken Fotos an. Seine Witze sind sehr schlecht, und waren es schon als er Deutschland vor 30 Jahren verlassen hat, seine Schokolade hingegen ist ausgezeichnet. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zu dem Wasserfall. Das Becken unter dem Wasserfall lädt zum Baden ein, das Wasser ist schön klar, kalt und tief. Wunderbar erfrischt treten wir den Rückweg an.
In der ersten Nacht waren wir hier zwei Boote, inzwischen sind wir fünf. Wir freuen uns neue Segler kennenzulernen und Freunde wiederzutreffen. Gestern hab es Kuchen bei uns, zwei nette kleine Mädchen haben Bilder für uns gemalt und das Deck geputzt, während wir mit ihren Eltern geschnackt haben.
Auf den Tuamotus weht es tüchtig, wir bleiben noch etwas hier und vielleicht darf ich noch einmal am Wasserfall baden.

Hakahau

Sonntags öffnet der Bäcker um fünf. Richtig, um fünf Uhr morgens, da ist es noch dunkel. Im Supermarkt rät man uns früh zum Bäcker zugehen, sonst sei alles ausverkauft. Wir fragen in der Bäckerei ob am Sonntag Baguettes verkauft werden. Ja, um fünf. Ich sehe mich Brötchen backen, fünf Uhr ist nicht meine Lieblingseinkaufszeit. Die nette Frau beim Bäcker bietet uns an Baguettes für uns zurückzulegen (und Schokocroissants!), wir brauchen „erst“ um halb acht kommen. Um acht schließt der Bäcker.
Wir sind inzwischen auf Ua Pou. Die Insel liegt 25 Meilen südlich von Nuku Hiva und ist die südlichste der nördlichen Marquesas. Die Überfahrt hat Spaß gemacht, schönstes Am-Wind-Segeln.
Der Tag begann bereits hervorragend, bzw mantastisch. Als Nobbi sein Morgenbad nahm, bekam der Gesellschaft. Der neugierige Manta umkreiste Mari, bis wir den Ankerplatz verlassen haben. Delfine begleiten uns als wir Nuku Hiva verlassen und empfangen uns in Ua Pou. Segeln kann so schön sein.
Der Ankerplatz in Hakahau ist recht beengt. Wir sind das fünfte Boot und finden einen Platz. Eine Mole schützt die nach Norden offene Bucht, die Plätze im Schutz der Mole sind begehrt. Der Platz ist besonders knapp, weil Aranui, das Versorgungsschiff, kommt. So klein Aranui in der weiten Bucht von Taiohae drei Tage zuvor aussah, so groß wirkt sie hier in Hakahau. Wir wachen auf, als sie sich morgens um sechs langsam in den Hafen schiebt. Die Mole ist deutlich kürzer als das Schiff, doch das macht nichts. Der vordere Teil, dort wo Aranui ein Frachter ist liegt an der Pier, der hintere Teil, den die Passagiere bewohnen, ragt ins Hafenbecken. Wir freuen uns am Hafenkino. Container und Kisten werden entladen, die Passagiere treten ihren Ausflug an, eine Wandergruppe setzt sich in Bewegung, Säcke werden mit dem Gabelstapler auf die Pickups verteilt, ein Tankwagen wird viermal mit Dieselöl gefüllt und fährt rückwärts (!!) den Berg hinauf zum Kraftwerk, die Spätaufsteher unter den Passagieren verlassen das Schiff, eine Holzkiste wird verladen, Obst geht aufs Schiff, die ersten Passagiere kommen zurück, die Leercontainer werden verladen, einige Passagiere gehen nur in ein Handtuch gewickelt zum Baden an den Strand, die Gabelstapler werden an Deck gestellt, die Passagiere gehen zurück an Bord, die Matrosen springen von der Pier ins Wasser, die Pier wird mit dem Wasserschlauch gereinigt, die letzten Passagiere kommen im Laufschritt vom Baden, die Gangway wird eingeklappt, die Aranui legt ab. Den ganzen Tag gibt`s Programm. Nobbis persönliches Highlight ist das Ablegemanöver, eine Achterleine wird zur Hafenmole ausgebracht, an der Aranui sich rückwärts aus der kleinen Bucht zieht.
Samstagmorgen regnet es immer wieder, wir warten auf eine Regenpause um an Land überzusetzen. Es bleibt trocken und wir tüddeln durchs Dorf, sehen uns die gut sortierten Läden an, gucken in die Kirche, schnacken mit der Bäckersfrau, kraxeln auf den Hügel im Osten der Bucht, sehen den Männern mit ihren Rennkanus beim Training zu und sind beeindruckt von den Fischern die im schäumenden Wasser an den Felsen mit der Harpune tauchen. Das eigentlich schlechte Wetter sorgt für Entspannung, wir kommen kaum ins Schwitzen und bekommen keinen Sonnenbrand. Und dann geben die Wolken ganz kurz die Skyline frei, aber nur um sie gleich wieder zu verschlucken. Über dem tiefeingeschnittenen Tal thronen drei große Felszacken, die sich meistens in den Wolken verstecken.
Nachdem Nobbi Sonntagmorgen die Baguettes beim Bäcker abgeholt hat frühstücken wir ausgiebig und erholen uns von der Nacht. Wir sind Zeugen einer sehr ausschweifenden Schulabschlussfeier geworden. Die Feier fand direkt am Hafen statt und kam nur langsam in Schwung. Während einiger Aufführungen wurde moderne Popmusik gespielt, ansonsten erinnerte die Musik beunruhigend stark an Bayrische Volksmusik (kein Scherz!). Einige Reden wurden mit wenig Beifall belohnt und der Grill qualmte so sehr, dass über den Dorf eine dunkle Wolke hing. Wir sind irgendwann ins Bett gegangen und um zwei aufgewacht, als die Party für beendet erklärt wurde. Zwei Gruppen verlegten die inoffizielle Fortsetzung der Feier an den Strand und auf die Mole, leider mit unterschiedlichen Musikgeschmack. Utz utz von der Mole, spanische Liebeslieder am Strand. Als wir frühstücken, hat sich die eine Gruppe mit einer kleinen Schlägerei voneinander verabschiedet. Die betrunkenen Mädels am Strand haben noch schief (und inzwischen heiser) gesungen als wir um halb elf ins Dorf gelaufen sind. Ihre Blumenkränze waren nach der durchgefeierten Nacht nicht mehr ganz frisch, saßen aber noch immer perfekt. Auch das ist Südsee-Exotik.
Der Wetterbericht lädt so gar nicht zum Weitersegeln nach Westen ein, wir sind dankbar für eine Nachspielzeit in Ua Pou.

Ein Ozean voller Möglichkeiten

Die Fragen häufen sich „wo wollt ihr hin?“ und „welche Inseln besucht ihr?“. Auch unter den Seglern ist die nach der Routenplanung für diese Saison eins der wichtigsten Themen.
Die Segelsaison im Südpazifik wird durch die Zyklonsaison beschränkt. Je nach Region sind Zyklone, so heißen die Hurricanes im Pazifik, ungefähr zwischen Dezember und Mai möglich. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man verschwindet aus dem Gebiet, oder man bleibt, sucht sich einen möglichst sicheren Platz und hofft. Grob reicht das gefährdete Gebiert von 10°S bis 30°S, wobei der Ostpazifik als recht sicher gilt, umso weiter westlich, umso höher die Chance auf Zyklone.
Wer dieses Gebiet verlassen will, kann entweder nach Norden segeln, also nach Hawaii oder in Richtung der Marshallinseln, oder nach Süden, also nach Australien oder Neuseeland. Die Marquesas liegen nicht nur schön weit im Osten, sondern auch weit südlich des Äquators, auf ungefähr 9°S. Französisch Polynesien gilt als recht sicher (eher östlich), die Marquesas als sicher. Es gibt auch Segler, die in der betreffenden Zeit in Tonga und Fiji segeln und in der Nähe von sogenannten „Hurricane Holes“ bleiben. Das sind meistens gut geschützte Plätze, wo man die Schiffe bei herannahendem Sturm in die Mangroven verlegt. Außerdem gibt es die Möglichkeit sein Schiff an verschiedenen Orten „einzusommern“.
Wir haben uns gegen die Hoffen-dass-uns-kein-Sturm-trifft-Strategie entschieden, was bedeutet, dass wir im November irgendwo außerhalb des gefährdeten Gebiets sein wollen. Nur haben wir noch immer nicht endgültig entschieden, ob wir nach Neuseeland segeln, ob Mari in Französisch Polynesien bleibt, oder doch ganz anders? Viele befreundete Segler haben bereits Flüge von Neuseeland oder Australien nach Deutschland gebucht oder einen Werftplatz reserviert. Wir mögen uns nicht festlegen, haben wir doch immer das Gefühl, dass das Unglück bringt. Wir lassen die Routenplanung, wie immer, auf uns zukommen und sind gespannt. Im Moment hat Neuseeland knapp die Nase vorn, was bedeutet, dass wir uns demnächst auf den Weg machen müssen.
Auf dem Weg nach Westen warten viele Inseln und Atolle darauf besucht zu werden, an viel mehr wunderschönen Inseln werden wir jedoch vorbei segeln. Die Zeit reicht nicht um alle lohnenswerten Ziele zu besuchen, zwar haben wir eine kleine Reiseziel-Wunschliste mit Plätzen, an denen wir gerne den Anker fallen lassen würden, die finale Entscheidung wird jedoch das Wetter treffen. Es warten die Atolle der Tuamotus und die Gesellschaftsinseln, die Cook-Inseln, Niue und viele mehr. Und jeweils werden wir nur eine oder wenige Inseln einer Inselgruppe besuchen können. Andere Segler zu fragen hilft nicht, oder nur sehr beschränkt. (Fast) jeder betrachtet sich als das Maß aller Dinge. Ist man schneller, heißt es „ihr habt es aber eilig“, ist man langsamer „seid ihr festgewachsen?“. Jeder findet die Inseln auf denen er selbst war am Besuchens wertesten. Und kaum etwas hört man unter Seglern so häufig wie „Waaas!? Ihr wart nicht auf XY? Da habt ihr das Beste verpasst“. Ob einem ein Ort besonders gut gefällt hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab und am Ende findet jeder seine eigene Lieblingsinsel.
Inzwischen ist das Gefühl, dass wir die falsche Entscheidung treffen und die falschen Ziele wählen könnten der Gewissheit gewichen, dass vor uns ein Ozean voller fantastischer Möglichkeiten liegt. Eine Insel ist interessanter, ein Atoll spannender als das andere. Wir freuen uns darauf und sind gespannt ob wir im November Neuseeland erreichen.

Taiohae

Nach schönen Tagen in Taipivai sind wir eine Bucht weiter nach Westen gezogen und liegen nun in der großen Bucht von Taiohae vor Anker. Beim Verlassen der Baie Controlleur wurden wir von großen Mantas umkreist und hier in der Bucht von kleineren Exemplaren begrüßt.
Dir großen Rochen scheinen sehr neugierig zu sein. Ständig sind sie zwischen den Booten unterwegs, einmal lag ich auf dem Rücken hinter Mari im Wasser und hab mich treiben lassen, da kam ein kleiner Manta mit „nur“ zwei Metern Spannweite so dicht vorbei, dass er mich berührt hat. Ich habe mich furchtbar erschreckt, schließlich gibt es in der Bucht auch einige Haie. Wenn die Fischer auf der Pier ihre Fische ausnehmen und die Abfälle ins Meer werfen, kreisen mehrere ausgewachsene Schwarzspitzenriffhaie nervös vor der Pier. Das wäre vermutlich kein so guter Moment um dort ins Wasser zu fallen. Außerdem soll es hier einen Hammerhai geben. Eine Freundin hat ihn vor ein paar Tagen gesichtet, wir hatten leider noch keinen Erfolg halten aber immer die Augen offen, ob er sich nicht doch zeigt.
Ab und zu regnet es, meistens nur kurz und dafür heftig. Zweimal habe ich die Chance genutzt eine Frischwasserdusche zu nehmen. Einmal war ich gerade eingeschäumt, da hat es natürlich aufgehört zu regnen, das andere Mal stand ich auf dem Vorschiff und hab mir im heftigen Regen die Haare gewaschen und gleichzeitig die Mantas anguckt, die Maris umkreist haben. Unschlagbar!
Taiohae ist der Hauptort Nuku Hivas und das Zentrum der nördlichen Marquesas. Es gibt eine Polizeistation, ein Krankenhaus, ein Postamt, Schulen und mehrere Läden, doch Stadtgefühle kommen hier nicht auf. Locker verteilt liegen die kleinen Häuser rund um die Bucht, es ist sehr grün und die meisten Häuser haben schöne Gärten. Eingerahmt wird das Ganze von den hohen Bergen, die das Tal an drei Seiten umschließen.
Neben den ganz normalen Bootsleben mit Einkaufen, Wäsche waschen, Bekanntschaften schließen, Freunde treffen, Heckanker versetzen und kleinen Reparaturen, machen wir auch etwas Sightseeing. Natürlich waren wir in der Kirche. Notre Dame ist ein moderner, offener Bau von 1975 mit vielen Schnitzereien, davor steht aber das Tor der alten hölzernen Kathedrale. Wir haben das Melville-Denkmal gefunden, auf dem zu sehen ist, wo er in dieser Bucht 1842 an Land gegangen ist und welche Route ihn über die Insel nach Taipivai geführt hat. Es gibt einen Kunsthandwerkermarkt, wo man nicht nur Schnitzereien und Schmuck kaufen kann, sondern auch zusehen kann, wie die Schmuckstücke hergestellt werden oder die Knochen geschnitzt werden. Hier kann man nicht nur die üblichen Andenken bewundern, es sind auch fantastische Schnitzereien die sich gut in der Sammlung des Überseemuseums machen würden.
Außerdem passiert immer irgendetwas Interessantes. Gestern wurde ein riesiger Marlin angelandet und zerlegt. Das Tier war mindestens 2,5 m lang. Als das erste Filet herausgeschnitten war, brauchte es drei Männer um es zu tragen. So ein schönes Tier, zu gerne würde ich mal einen lebenden unter Wasser treffen.
Hier gibt es Internet, ein rares Gut auf den Marquesas. Viele Stunden haben wir darauf gewartet, dass die Fotos hochgeladen werden. Unser Negativ-Rekord lag bei 12 Fotos in fünf Stunden… aber jetzt sind sie online. Ihr findet die Bilder in den letzten Einträgen über Hiva Oa, Tahuata und Nuku Hiva.