Ein Ozean voller Möglichkeiten

Die Fragen häufen sich „wo wollt ihr hin?“ und „welche Inseln besucht ihr?“. Auch unter den Seglern ist die nach der Routenplanung für diese Saison eins der wichtigsten Themen.
Die Segelsaison im Südpazifik wird durch die Zyklonsaison beschränkt. Je nach Region sind Zyklone, so heißen die Hurricanes im Pazifik, ungefähr zwischen Dezember und Mai möglich. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man verschwindet aus dem Gebiet, oder man bleibt, sucht sich einen möglichst sicheren Platz und hofft. Grob reicht das gefährdete Gebiert von 10°S bis 30°S, wobei der Ostpazifik als recht sicher gilt, umso weiter westlich, umso höher die Chance auf Zyklone.
Wer dieses Gebiet verlassen will, kann entweder nach Norden segeln, also nach Hawaii oder in Richtung der Marshallinseln, oder nach Süden, also nach Australien oder Neuseeland. Die Marquesas liegen nicht nur schön weit im Osten, sondern auch weit südlich des Äquators, auf ungefähr 9°S. Französisch Polynesien gilt als recht sicher (eher östlich), die Marquesas als sicher. Es gibt auch Segler, die in der betreffenden Zeit in Tonga und Fiji segeln und in der Nähe von sogenannten „Hurricane Holes“ bleiben. Das sind meistens gut geschützte Plätze, wo man die Schiffe bei herannahendem Sturm in die Mangroven verlegt. Außerdem gibt es die Möglichkeit sein Schiff an verschiedenen Orten „einzusommern“.
Wir haben uns gegen die Hoffen-dass-uns-kein-Sturm-trifft-Strategie entschieden, was bedeutet, dass wir im November irgendwo außerhalb des gefährdeten Gebiets sein wollen. Nur haben wir noch immer nicht endgültig entschieden, ob wir nach Neuseeland segeln, ob Mari in Französisch Polynesien bleibt, oder doch ganz anders? Viele befreundete Segler haben bereits Flüge von Neuseeland oder Australien nach Deutschland gebucht oder einen Werftplatz reserviert. Wir mögen uns nicht festlegen, haben wir doch immer das Gefühl, dass das Unglück bringt. Wir lassen die Routenplanung, wie immer, auf uns zukommen und sind gespannt. Im Moment hat Neuseeland knapp die Nase vorn, was bedeutet, dass wir uns demnächst auf den Weg machen müssen.
Auf dem Weg nach Westen warten viele Inseln und Atolle darauf besucht zu werden, an viel mehr wunderschönen Inseln werden wir jedoch vorbei segeln. Die Zeit reicht nicht um alle lohnenswerten Ziele zu besuchen, zwar haben wir eine kleine Reiseziel-Wunschliste mit Plätzen, an denen wir gerne den Anker fallen lassen würden, die finale Entscheidung wird jedoch das Wetter treffen. Es warten die Atolle der Tuamotus und die Gesellschaftsinseln, die Cook-Inseln, Niue und viele mehr. Und jeweils werden wir nur eine oder wenige Inseln einer Inselgruppe besuchen können. Andere Segler zu fragen hilft nicht, oder nur sehr beschränkt. (Fast) jeder betrachtet sich als das Maß aller Dinge. Ist man schneller, heißt es „ihr habt es aber eilig“, ist man langsamer „seid ihr festgewachsen?“. Jeder findet die Inseln auf denen er selbst war am Besuchens wertesten. Und kaum etwas hört man unter Seglern so häufig wie „Waaas!? Ihr wart nicht auf XY? Da habt ihr das Beste verpasst“. Ob einem ein Ort besonders gut gefällt hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab und am Ende findet jeder seine eigene Lieblingsinsel.
Inzwischen ist das Gefühl, dass wir die falsche Entscheidung treffen und die falschen Ziele wählen könnten der Gewissheit gewichen, dass vor uns ein Ozean voller fantastischer Möglichkeiten liegt. Eine Insel ist interessanter, ein Atoll spannender als das andere. Wir freuen uns darauf und sind gespannt ob wir im November Neuseeland erreichen.