Abschied von den Marquesas

Marisol gleitet sanft dahin, die Nacht ist sternenklar, der Halbmond leuchtet hell und malt ein silbernes Band aufs Meer. Im Mondlicht zeigt sich der Ruecken einen grossen Wales, der nach einem Blick auf Mari lautlos abtaucht. Solche magischen Momente der letzten, sehr schoenen Nacht auf See, lassen vergessen, dass die Nacht zuvor sich wenig romantisch, doch umso nasser zeigte. 25 bis 30 Knoten Wind und viele Schauer gestalteten das Leben an Bord ungemuetlich und liessen uns schlecht schlafen. Doch heute ist das Segeln schoener als in jedem Prospekt, das Meer ist tiefblau, die Wellen sind kaum hoeher als eineinhalb Meter, die Sonne scheint und kleine flauschige Woelkchen dekorieren den Himmel. So darf es bleiben.
Die letzten Tage auf den Marquesas haben wir uns mit ausgiebigen Spaziergaengen vertrieben. Wir sind der Strasse in beiden Richtungen ueber den jeweils naechsten Berg gefolgt und haben in die Nachbarbuchten geblickt. Ein weiteres Mal sind wir zum Wasserfall gelaufen um dort ein ausgiebiges Frischwasserbad zu geniessen. Vom vielen Wandern haben wir tatsaechlich einen kleinen Muskelkater bekommen, doch nun koennen sich die mueden Fuesse ein paar Tage ausruhen. Sonntagmorgen steigen wir trotz Regens frueh in unser Dinghi, beginnt doch um acht der Gottesdienst. Etwa 30 Menschen besuchen an diesem Morgen die kleine Kirche. Der katholische Gottesdienst ist kurzweilig, auch wenn wir nichts verstehen. Aufstehen, Setzen, Hinknien und zwischendurch der schoene Gesang mit Gitarrenbegleitung. Obwohl nur so wenig Menschen an diesem Morgen die kleine Kirche besuchen, entspricht der Gesang einer gut gefuellten Kirche am Weihnachtsabend in Deutschland. Leidenschaftlich und mit Inbrunst wird gesungen. Selbst die jungen Maenner, die verdeckt durch Nobbis Ruecken in Ruhe mit dem iPhone spielen, singen mit beeindruckender Hingabe.
Mittags essen wir gemeinsam mit Sympatic die am Tag zuvor bestellten Abschiedshummer. Als wir mit dem Schlauchboot zurueck zu Mari fahren begleitet uns eine fuenfkoepfige Adlerrochenfamilie, ein schoenes Abschiedskomitee. Nachmittags packen wir das Dinghi ein, bauen das Ruder der Windsteueranlage wieder an und geben die Wegpunkte fuer unsere naechste Etappe ein.
Wenn der Wind durchhaelt erreichen wir morgen Makemo, unser erstes Atoll der Tuamotus.