Sturmtage

Die letzten Tage hat es hier ausgiebig gestürmt. Wir haben ein bisschen gehadert, so gerne wären wir auf dem Weg nach Norden. Doch noch nie hat uns eine Wettervorhersage so deutlich gezeigt, dass wir jetzt nicht lossegeln wollen. Eine imposante Front zwischen Neukaledonien und Neuseeland hätte uns auf jeden Fall erwischt.
Am Dienstag hat es schon ganz ordentlich geweht und auch etwas geregnet. Wir sind mit dem Bus nach Kerikeri gefahren und Nobbi war beim Friseur. Der Rückweg mit dem Beiboot an Bord war schon recht feucht. Die kurzen steilen Wellen spritzten uns ziemlich nass.
Mittwoch und Donnerstag machen wir es uns an Bord gemütlich. Es stürmt und regnet heftig. Der Sturm kommt aus Nordosten und wir liegen hier gut geschützt. Die Böen pfeifen ganz ordentlich im Rigg. Wie unruhig es ist hängt von der Tide ab, bei „Wind gegen Strom“ knallen kleine Schwabbelwellen gegen das Heck. Am Donnerstag sehen wir am merkwürdigen Wellenbild, dass sich draußen hoher Schwell aufgebaut haben muss. Sieben Meter sollen es bei Cape Brett sein. Wie gut, dass wir hier drinnen sind und nicht auf See!
Der viele Regen sorgt dafür, dass das Wasser der Bucht wieder schlammig braun ist und nicht mehr dunkelgrün.

Winterstürme sind hier nichts Besonderes, sie gehören zum neuseeländischen Winterwetter. Doch dieser hat nicht nur uns Segler auf Trab gehalten. Die Nachrichten berichten von überfluteten Straßen. So war zum Beispiel der äußerste Norden der Nordinsel abgeschnitten, beide Zufahrtsstraßen standen unter Wasser. Viele Haushalte in der Region hatten am Donnerstag keinen Strom, genau wie hier in Opua. Aber auch die Südinsel hat ordentlich was abbekommen. Überflutete und abgerutschte Straßen und von der Außerwelt abgeschnittene Orte, außerdem wurden 500 Menschen evakuiert.
In 24 Stunden hat es mehr geregnet als sonst im ganzen Monat. Und das, nachdem schon der Juli der nasseste Juli seit Beginn der Aufzeichnung war. Außerdem lernen wir, dass die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die wärmste Augustnacht war, die jemals auf der Nordinsel gemessen wurde. Die Tiefsttemperatur lag bei 15 Grad und damit höher als die Tageshöchsttemperatur an vielen Tagen in der vorigen Woche. Wir hätten ja lieber den schönsten Winter aller Zeiten in Neuseeland verbracht. Leider hat das Wetter uns nicht gefragt.

Das Wetter am Donnerstag aus Windy.com. Windy zeigt ganz toll Druckgebilde und Winde an, deshalb benutzen wir es gerne. Diese Front sieht beeindruckend aus. Segeln will man da auf keinen Fall.

In den Nachrichten haben wir heute auch gelernt, dass in Kopenhagen kein Wind war. Insgesamt fallen die Nachrichten bei den meisten Radiosendern eher kurz aus. Ein paar neuseeländische Meldungen (hier geht es wilder zu als gedacht, schon wieder eine Leiche), Wetter und Sport. Nur selten tauchen internationale Meldungen auf und noch seltener beschäftigen sie sich mit Politik. Und wie kommt nun Kopenhagen in die Nachrichten? Dort ist SailGP, ein Segelwettbewerb der Extraklasse mit 15m langen foilenden Kats. Segeln ist hier so wichtig, dass die Absage von Wettfahrten es hier in die Nachrichten schafft.

Heute ist es wieder schön. Dank Sprühregen bei Sonnenschein haben zeigen sich viele Regenbögen.

Urupukapuka Bay

Samstag sollte eigentlich ein grauer Tag werden. Doch wir werden von der Sonne geweckt. Manchmal ist es auch schön, wenn der Wetterbericht Unrecht hat. Wir sind auf den Geschmack gekommen, die kleinen Inseln in der Bay of Islands gefallen uns. Also machen wir es wie an den Tagen zuvor und suchen uns einen Tagesankerplatz in einer schönen Bucht. Die Wahl fällt auf die Urupukapuka Bay auf der gleichnamigen Insel. Am Mittwoch waren wir auch auf Urupukapuka, aber in einer Bucht auf der Westseite der Insel. Die Bucht ist schön groß, aber ziemlich flach. Da wir mittags Niedrigwasser haben und gerade Vollmond ist, das Niedrigwasser ist also noch etwas niedriger, müssen wir ein bisschen vorsichtig sein.
Im Sommer ist in der Bucht ein Campingplatz. Jetzt wird der Rasen von vierbeinigen Rasenmähern gepflegt. Überall treffen wir auf Schafe, sowohl auf den Campingplatzflächen, als auch auf den dahinter liegenden Weiden. Viele Mutterschafe haben kleine Lämmer dabei. Sie beäugen uns interessiert und verstecken sich dann doch lieber hinter der Mutter.
Erstmal geht es rauf auf den Hügel und wieder gibt es tolle Ausblicke. Es gibt verschiedene Wege, wir machen eine schöne Runde und treffen auf eine Gruppe Tagesausflügler. Sie sind mit der Fähre in der Nachbarbucht angekommen und alle dick eingepackt. Außerdem treffen wir unsere Bojen-Nachbarn aus Opua am Strand, sie sammeln Algen, der Geheimtipp für den Garten. Leider weht der Südwest-Wind in die nach Süden offene Bucht und so entscheiden wir, wie an den vorigen Tagen auch, im Sinne einer entspannten Nacht umzuziehen.

Am Sonntag ist es grau und unsere Obstvorräte gehen zur Neige. Also fahren wir nach Russel um dort einzukaufen. Vor dem Ort ist ein Bojenfeld, in dem weniger als die Hälfte der Bojen besetzt sind. Da wir annehmen, dass alle Bojen privat sind, ankern wir außerhalb. Nach unserem Einkauf beschließen wir uns einen schöneren Platz für die Nacht zu suchen. Hier ist es etwas unruhig. Mitten in der Bay of Islands fällt uns auf, dass der Schwell der vom Pazifik kommt zugenommen hat und unser anvisierter Platz ungemütlich werden könnte. Wir ändern den gerade gefassten Plan schon wieder und beschließen wieder in der Bucht von Moturohia zu ankern, die uns neulich schon gut gefallen hatte. Diese Planänderung der Planänderung verschafft uns das Vergnügen von fast 2 Stunden wunderschönem Segeln, bis zu unserem Ankerplatz. Endlich.

Montagmorgen ist es grau und es nieselt. Wir machen uns auf den Rückweg nach Opua. Den angesagten Sturm wollen wir an der Boje verbringen. Außer uns ist am diesem grauen Wochentag niemand unterwegs, wir tuckern gemächlich dahin, wieder nichts mit Segeln, und sind äußerst zufrieden mit unserem schönen Ausflug. Wir haben einen schönen Eindruck von der Bay of Islands bekommen. An acht Plätzen haben wir in sechs Tagen geankert, hatten immer guten Ankergrund und einen schönen Ausblick.

Moturua – Waiwhapuku Bay

Freitagmorgen scheint die Sonne. Wir frühstücken im Cockpit, graben den Anker aus und machen uns auf den Weg zum nur 3 Meilen entfernten Ankerplatz in der Waiwhapuku Bay, im Nordosten der Insel Moturua.
Die Inseln gehören zum Teil dem Department of Conservation bzw. werden von diesem verwaltet. Unser Glück, denn hier dürfen wir spazieren gehen. Am „Festland“ ist das meiste Land in Privatbesitz und zahlreiche „Private Property“ Schilder weisen darauf hin, dass wir hier nicht erwünscht sind.
Auf Moturua finden wir genau wie auf Urupukapuka schöne Wege vor. Wir folgen dem Weg den Hügel hinauf und genießen den Ausblick über die Bay of Islands. Es gibt mehrere schöne Aussichtspunkte. Die grünen Inseln mit hellen Ständen und dunklen Felsen in leuchtend blauem Wasser, am blauen Himmel einige hingetupfte flauschige weiße Wolken. Unglaublich kitschig und sehr schön.
Zurück am Ufer klettern wir ein bisschen zwischen den Steinen am Stand umher. Es ist Niedrigwasser, in den kleinen Becken, die die Flut zurück gelassen hat beobachten wir kleine Fisch, Krebse und Krabben. Endlich wieder barfuß laufen, die Kiwis können das das ganze Jahr. Hier gefällt es uns auch.
Auf der Insel herumzuspazieren macht Spaß, doch die Temperatur ist grenzwertig. Sobald wir im Schatten sind oder stehenbleiben fangen wir an zu frieren. Zurück an Bord gibt es Kaffee im sonnigen Cockpit. Die Nacht wollen wir wieder in einer geschützteren Bucht verbringen, bei Süd bis Südwestwind liegen wir hier etwas unruhig. Bei der nur 2 Meilen langen Überfahrt bläst es plötzlich ordentlich mit 6 bis 7 Bft. Mal wieder werden wir daran erinnert, dass wir Winter haben. Plötzlich ist es kalt und die sommerlichen Gefühle werden weggepustet. Kurz nach Sonnenuntergang schläft der Wind ein und wir genießen eine sehr ruhige Vollmondnacht am Anker.

Urupukapuka – Paradise Bay

Mittwochmorgen ist der Nebel so dicht, dass wir die Nachbarboote nur schemenhaft ausmachen können. Es sieht gespenstisch aus.
Wir teilen dem Zoll mit, dass wir nicht wie geplant am Donnerstag ausklarieren wollen. Für die nächsten Tage verspricht das Wetter einen guten Start für die geplante Überfahrt. Doch dann bildet sich eine Front die von Neuseeland bis nach Neukaledonien reicht und in die wir nicht geraten wollen. Alles rechnen hilft nichts, vorher schaffen wir es nicht. Wir müssen warten bis das schlechte Wetter durchgezogen ist.
Noch zehn Tage (oder noch länger) in Opua, das erscheint uns zu langweilig. Als der Nebel sich lichtet und die Sonne durchkommt werfen wir die Boje los und fahren hinaus um die Bay of Islands zu erkunden. An Segeln ist nicht zu denken, das Wasser ist spiegelglatt. Wir nutzen die Chance und lassen den Wassermacher laufen. Das glatte Wasser hat auch Vorteile, sonst hätten wir die kleinen Pinguine wohl nicht entdeckt. Die niedlichen Vögel sind in Zweier und Dreigrüppchen unterwegs und tauchen ab, wenn man ihnen zu nahe kommt. Zwergpinguine sind die kleinste Pinguinart und werden nur etwa 35 cm groß, fressen hauptsächlich Fisch und tauchen bis zu 70 m tief. Nachdem wir die putzigen Tiere nun einmal gesehen haben, sichten wir sie in den nächsten Tagen immer wieder und freuen uns jedes Mal. Nur mit dem Fotografieren klappt es nicht so gut.

Im Nebel erahnen wir die Nachbarboote
Das Pinguin-Beweisfoto. Kein Fall für National Geographic.

Wir ankern an der Insel Urupukapuka in der Paradise Bay. Schon der Name Urupukapuka klingt verheißungsvoll. Ein bisschen nach Takatuka-Land. Die Bucht ist wirklich sehr schön und wir haben sie für uns allein. An Land gibt es schöne Wanderwege. Auf dem Weg der ins Inselinnere führt kehren wir bald wieder um, hier ist es uns zu matschig, wir ziehen den Küstenweg vor. Noch nie haben wir in Neuseeland so viele verschiedene Vögel gesehen und gehört. Uns gefällt besonders ein Vogel, den wir als Nordinsel-Sattelvogel bestimmen. Er ist schwarz mit einem roten Sattelartigen Flecken auf dem Rücken, roten Hautlappen neben dem Schnabel und pfeift eine richtige Melodie. Die Lappenvögel, die diese Hautlappen am Schnabel haben, wie die Sattelvögel und weitere Arten waren in Neuseeland weitverbreitet. Einige Arten sind heute ausgestorben, andere gelten als gefährdet. Die Vögel brüten bodennah und die Jungvögel hüpfen am Boden herum, sie sind ein leichtes Fressen für die eingeführten Raubtiere, wie Marder, Ratten und Fuchskudu. Auf Urupukapuka sind Haustiere streng verboten und Fallen sorgen dafür, dass sich Ratten und andere Räuber, die hier als ausgerottet gelten nicht wieder etablieren können. Die Sattelvögel wurden hier angesiedelt. Das alles wussten wir auf unserem Spaziergang noch nicht, uns gefällt der lebhafte Vogel, der so viel Krach macht. Deshalb recherchieren wie später, weshalb wir ihn sonst noch nie gesehen haben.
In der Nachbarbucht stoßen wir auf eine Kolonie brütender Kormorane (Elsterscharben – Phalacrocorax varius). Sie haben ihre Nester in den Bäumen. Die Jungtiere sind fast so groß wie ihre Eltern und sehr fordernd, außerdem gibt es Streit um die besten Plätze. Dementsprechend laut ist es. Diese Kormoran-Art ist besonders hübsch. Die Tiere haben einen weißen Bauch und einen schwarzen Rücken. Die Augen sind blauumrandet, was besonders gut zur Geltung kommt weil sie davor einen gelben Fleck haben. Wie die meisten anderen Vertreter ihrer Familie sieht man sie häufig mit gespreizten Flügeln das Gefieder trocknen.

Auch wenn wir gerne in der schönen Bucht bleiben würden, entschließen wir uns für die Nacht in eine geschütztere Bucht umzuziehen. Die Strecke in die Omakiwi Bucht beträgt gerade einmal zweieinhalb Meilen, da fällt die Entscheidung nicht schwer.
Am Donnerstag ist es sehr windig und morgens regnet es. Wir verbringen einen gemütlichen Tag in der Ankerbucht. Ich backe einen Zimtkringel, wir beobachten einen Hubschrauber, der auf dem Nachbargrundstück landet und lesen im Cockpit.

Wanderung von Okiato nach Russell

Nachdem uns schlechtes Wetter am Sonntag an Bord festgehalten hatte und wir den Montag mit einem Ausflug mit Mari in die Marina, um den Wassertank zu füllen, Wäsche waschen, Magnum Pfefferminz und anderen Nichtigkeiten um die Ecke gebracht hatten, wurde es dringend Zeit für ein wenig Abwechslung.
Am Dienstag stellen wir uns den Wecker, ausnahmsweise haben wir einen Zeitplan. Als wir aufstehen ist der Nebel so dicht, dass wir den Hafen nicht sehen können. Wir fahren trotzdem mit dem Schlauchboot dorthin. Weil es so kalt ist, lassen wir die Regenhosen zunächst an und laufen zur Fähre, die uns nach Okiato übersetzt. Die Fährpreise haben sich verdoppelt, aber mit zwei Dollar pro Person ist die Fahrt trotzdem weiterhin erschwinglich. Von Okiato laufen wir nach Russell. Diese Wanderung hatten wir im Sommer, bevor wir Neuseeland verlassen haben, schon gemacht und sie hatte uns gefallen.
Die Stimmung ist wunderschön. Erste Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Nebel, der über dem ursprünglichen Wald liegt. Ich mag diese Vegetation, die uns so vertraut vorkommt. Viele Pflanzen kennen wir aus den heimischen Wäldern und dazwischen die uns fremden Bäume und die viele Baumfarne, bei denen ich immer an Dinosaurier denke.
Wir sind froh, dass wir ausnahmsweise früher losgekommen sind als geplant. Der Weg ist durch den Regen der vorangegangenen Tage sehr rutschig und wir müssen auf jeden Schritt achten. Schließlich kommt die Sonne durch und es wird richtig warm. Wir wandern im T-Shirt und freuen uns über die vielen Vögel, die auch in Frühlingsstimmung sind.
Eigentlich wollten wir noch etwas Zeit in Russell verbringen, der kleine Ort ist sehr sympathisch und hat einige kleine nette Läden, doch die Zeit bis die Fähre fährt wird etwas knapp. Das macht nichts, in Russel sind heute ohnehin fast alle Läden geschlossen, sogar der Supermarkt – Stromausfall!
Als wir mit der kleinen Fähre nach Paihia übersetzten, türmen sich dunkle Wolken auf und es wird kühl. In Paihia essen wir noch etwas und kaufen ein, bevor wir mit dem Bus zurück nach Opua fahren. Kaum sitzen wir im Bus, beginnt es zu regnen. Im strömenden Regen laufen wir zum Marina Büro und von dort zum Dinghy-Steg. Nun folgt ein Langfahrt-Klassiker. Wir wollen mit unseren Einkäufen schnell zurück an Bord fahren, doch der Außenborder springt nicht an. Schließlich baut Nobbi im strömenden Regen die Zündkerze aus, pustet sie trocken, ruckelt am Kerzenstecker. Der Motor springt an uns wir tuckern zurück zu Mari. Die Aktion hat uns über eine Stunde im heftigen Regen gekostet. Wir legen uns trocken und während wir uns mit heißem Tee aufwärmen, hört es auf zu regnen. Die Wanderung war wieder sehr schön, aber die ausgiebige Dusche danach wäre nicht unbedingt nötig gewesen.

Großsegel, Wanderungen und Wetter

Gerade als wir das den Blick über die Ankerbucht von Motuarohia vom Aussichtspunkt genossen, kam eine Nachricht vom Segelmacher, wir sollen das Segel so schnell wie möglich vorbeibringen. Also fahren wir am nächsten Tag (am Mittwoch) zurück nach Opua. Während ich steuere schlägt Nobbi das Segel ab und bindet es zu einer langen Wurst zusammen. Wir machen einen kurzen Zwischenstopp in der Marina und tragen das Segel zum Segelmacher. Das ist definitiv ein Vorteil bei einem kleineren Boot, wir können unser Segel zu zweit gut transportieren.
Wir waren ziemlich enttäuscht, dass das neue Segel nicht gut passte und hatten wenig Hoffnung, dass wir da noch etwas ändern können. Das Segel hatten wir 2019 bestellt, 2020 bezahlt und jetzt eben erst abholen können. So waren wir positiv überrascht, dass der Segelmacher sich Montagmorgen von Nobbi mit dem Schlauchboot abholen und zu Mari an der Boje bringen ließ. Er sah sich das Problem an und versprach unser Segel zu ändern.
Freitagmittag können wir es wieder abholen und Nobbi bringt es mit dem Dinghi zurück zu Mari. Die Segellatten binden wir am Schlauchboot fest, die zu versenken wäre sehr ärgerlich. Abends schlagen wir das geänderte Segel an. Es sitzt nicht perfekt, aber viel besser als vorher. So nimmt die Großsegelgeschichte ein viel besseres Ende als wir zu hoffen gewagt hatten. Mal sehen wie es sich auf den nächsten Meilen schlägt.
Die Wartezeit verbringen wir mit kleinen Wanderungen. Am Donnerstag suchen wir in Paihia erfolglos nach einem Frisör für Nobbi und laufen dann nach Waitangi, essen im Café, füllen unseren Benzinkanister und kaufen etwas Obst. Am Freitag geht es bei schönem Frühlingswetter nochmal die Omorahoe Road entlang in den Wald, diesmal kehren wir aber um und machen nicht wieder die lange Tour über Paihia. Am Samstag ist es meist grau, der Küstenwanderweg ist trotzdem schön und am Aussichtspunkt wurden die Bäume beschnitten, so dass es dort auch wieder eine Aussicht gibt.
Da unser Segel nun wieder an Bord ist sind wir bereit Neuseeland zu verlassen. Nun warten wir passendes Segelwetter. Bis gestern Abend sah es aus, als könnten wir uns Mitte der Woche auf den Weg machen. Seit heute Morgen beschleicht uns das Gefühl, dass wir wohl noch mindestens zehn Tage in Neuseeland bleiben werden. Das Gefühl entspringt einem Blick auf die Wettervorhersage, doch da kann sich noch einiges ändern. Es bleibt spannend.

Landgang auf Motuarohia

Anfang der Woche versprach der Wetterbericht ruhiges Wetter. Uns zieht es wieder raus in die Bucht, wir wollen unseren Wassermacher wieder in Betrieb nehmen und freuen uns auf eine Auszeit am Anker. Unter der Woche sind nur wenige Boote unterwegs, auch wenn die Touristensaison ganz langsam anläuft. Ein Tourboot überholt uns und ein Boot zieht zwei Leute an einem Fallschirm in großen Kreisen durch die Bucht vor Paihia.
Der Wassermacher bekommt neue Filter und nimmt seinen Dienst auf. Das produzierte Wasser wird zunächst verworfen, so wird zunächst die Membran gesäubert. Bevor wir Mari 2020 in Neuseeland zurückgelassen haben, haben wir die Membran konserviert. Als wir das Wasser schließlich probieren sind wir überrascht, dass es wirklich gut schmeckt. Anscheinend hat der Wassermacher unsere Abwesenheit gut überstanden, mal sehen ob es bei diesem Urteil bleibt.
Wir lassen den Anker auf der Südseite von Motuarohia fallen, in der gleichen Bucht wie beim letzten Mal. Unser Schlauchboot bringt uns an den langen Sandstrand. Auf der Nordseite der Insel gibt es große natürliche Becken, die bei Hochwasser volllaufen und es gibt einen gut ausgebauten Weg zu einem schönen Aussichtspunkt. Im Sommer ist hier sicherlich viel los, jetzt sitzen wir alleine auf der Holzfläche und genießen den fantastischen Ausblick.
Die Insel ist nicht nur ein touristisches Highlight, sondern hat auch eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Liebevolle Hinweisschilder erklären, dass James Cook 1769 mit seiner Endeavour südlich der Insel geankert hat und hier auf 200 Maori traf.
Die Tierwelt verwöhnt uns, vom Aussichtspunkt sehen wir einen Seebären, der im flachen Wasser spielt und abends können wir lange eine Gruppe Delfine beobachten die ihr Abendbrot jagt.

Ein Sonntagsspaziergang

Es wird Zeit, dass wir uns mal wieder ausgiebig bewegen. Für Sonntag ist viel Wind bei freundlichem Wetter angesagt. Gute Bedingungen für einen Wandertag.
Für die Fahrt im Dinghi ziehen wir unsere Regenhosen über und packen die Wanderschuhe in den Rucksack. Natürlich kommt der Wind genau dort her wo wir hin wollen. Jede fünfte Welle sprüht uns nass. Am Steg angekommen legen wir uns trocken, schnüren die Wanderschuhe und laufen los. Ein konkretes Ziel haben wir nicht. Den Opua Bush Walk kennen wir noch nicht, wir wollen uns den Weg mal ansehen. Zuerst geht es den Berg rauf und über die Landstraße in die kleine Nebenstraße Omorahoe Rd. Die Bebauung wird schnell dünner und die Häuschen immer hübscher, die Straße wird schmaler und ist bald nur noch geschottert. Es läuft sich super und nach gut einer Stunde erreichen wir den Abzweig des Wanderwegs durch den Wald nach Paihia. Auf dem Schild steht, dass der Weg sechs Kilometer lang ist und man zwei Stunden vierzig Minuten braucht. Das erscheint uns lang. Wir beschließen loszulaufen und nach einer halben Stunde zusehen wie weit wir gekommen sind. Nun geht es ordentlich hoch und runter, zum Teil über Stufen und matschige Hänge. Wir sind nicht mehr ganz so zuversichtlich und schnaufen ganz schön. Aber der Weg ist auch sehr schön, er folgt dem Rücken der Hügelkette. Hier oben pfeift der Wind und es ist ziemlich kühl, doch wir schwitzen trotzdem. Schließlich entscheiden wir, dass wir es nach Paihia schaffen, wo wir uns eine Mittagspause gönnen. Der Weg hat uns sehr gefallen. Es sollte allerdings wirklich nicht feuchter sein, dann ist es noch rutschiger.
Jetzt müssen wir ja noch wieder nach Hause. Gut eineinhalb Stunden braucht man auf dem sehr schönen Küstenwanderweg von Paihia nach Opua. Leider ist dieser Wanderweg an einer entscheidenden Stelle über den Kerikeri Creek gesperrt. So wechseln wir für den zweiten Teil der Strecke auf die Landstraße.
Als wir zurück am Hafen sind, legen wir eine Pause ein, bevor wir uns eine heiße Dusche gönnen. Wenn wir morgens überlegt hätten ob wir achtzehn Kilometer laufen wollen, hätten wir uns dagegen entschieden. Gut, dass wir das nicht durchdacht hatten, was hätten wir verpasst!

Endlich unter Segeln

Es ist windstill als wir heute Morgen die Boje loswerfen und mit ablaufenden Wasser losfahren. Und es ist frisch. Bei 12 Grad erinnern wir uns daran, dass wir im Mai auf der Ostsee meistens auch eine Mütze getragen haben. Also kommen bei mir Segelstiefel und Wollpulli zum Einsatz. Bald kommt die Sonne raus und später bekommen wir auch etwas Wind, so dass wir endlich mal wieder segeln. Das ist der erste Einsatz unseres neuen Segels. In Wirklichkeit passt das Segel nicht, darüber haben wir uns gestern sehr geärgert. Dem Ärger segeln wir jetzt davon. Es muss so gehen.
Auch der Anker möchte mal wieder zum Einsatz kommen. Mittags ankern wir in einer schönen Bucht mit klarem Wasser. Trotz des sonnigen Samstags sind nur wenige Boote unterwegs, es ist eben Winter und für hiesige Verhältnisse kühl. Wir freuen uns, dass wir die Bucht ganz für uns allein
haben und gehen baden. Das Bad fällt bei 15 Grad Wassertemperatur eher kurz aus, macht aber trotzdem glücklich. Nachmittags segeln wir zurück, der Wind frischt auf satte fünf Windstärken auf und die Boje ist schneller wieder erreicht als uns lieb ist.
Der Ausflug unter Segeln war dringend nötig. Die Stimmung an Bord konnte nach Sturm, Regen, Ärger, Enttäuschungen und wieder Regen gut eine Aufhellung gebrauchen. Außerdem haben wir das Boot mal ein wenig geschüttelt, alle Systeme haben funktioniert und wir konnten feststellen, dass wir noch segeln können und dass es nirgends so schön ist wie am Anker.

Segeln mit Mütze und Wollpulli…
… baden ohne Mütze
Ein schöner Ankerplatz vor Motuarohia
Ein schöner Tag geht zuende

Splash – Marisol schwimmt wieder

Gestern war der große Tag, endlich ging es zurück ins Wasser. Nachdem es am Donnerstag mal wieder wie aus Eimern gegossen hat, war es Freitagmorgen wunderbar sonnig. Zuerst ging es ins Büro, die Rechnung begleichen. Hier gilt no cash – no splash. Nur wer bezahlt hat wird wieder ins Wasser geschubst. Marisol wurde in die Gurte des Travellifts gehoben und Nobbi hat den kleinen Bereich, an dem zuvor die Stützen standen, gemalt. Während der Frühstückspause durfte die Farbe trocknen und dann wurde Mari wieder ihrem Element übergeben. Wundervoll unaufgeregt und sehr professionell. Wir sind nur die kurze Strecke zu unserem Liegeplatz in der Marina motort, wie schnell und manövrierfähig wir ohne unsere Muschelbank sind! Für eine Woche haben wir einen Platz am Steg reserviert. Es gibt noch einiges zu putzen und zu räumen, da ist das einfach praktischer. Nachmittags bin ich dann mit unserem Schlauchboot durch die Marina gerudert. Das Dinghy lag noch am Steg der Werft und sollte mit uns umziehen. Bei dem sonnigen Wetter hat es richtig Spaß gemacht, auch wenn sich das Schlauchboot nicht so wahnsinnig gut rudert.

Wir wurden mehrfach gefragt, warum wir so lange auf dem Trockenen standen. Das ist einfach, wir arbeiten zu langsam!
Es gab drei größere Baustellen: Unterwasserschiff, Rumpf und Borddurchlässe. Das Unterwasserschiff wurde geschliffen (das ist das einzige, das die Werft gemacht hat), wir haben einige rostige Stellen am Kiel freigelegt, mit Rostumwandler behandelt und mit Metallfarbe gemalt. Einige kleine Stellen wurden mit Epoxy gespachtelt und dann natürlich Antifouling gemalt.
Der Rumpf wurde gereinigt, poliert und gewachst. Das hört sich einfach an, insbesondere die Reinigung war diesmal aber unerfreulich, es galt Austern am Rumpf mit Essig aufzulösen. Und mit vielen Flecken müssen wir nun einfach erstmal leben. Und, es gab einen neuen gelben Streifen.
Sieben Borddurchlässe haben wir erneuert, außerdem gab es neue Ventile aus Kunststoff, die nicht so leicht korrodieren und viele neue Schläuche. Natürlich verhalten sich die neuen Schläuche anders als die alten und wollten sich nicht in den Schrank biegen lassen. Die neuen Ventile nehmen etwas mehr Platz weg als die alten, was auch wieder einige Anpassungen erforderte.

Mari wird mit allen Mittelchen bearbeitet, die sich in den Backskisten finden.
Die hartnäckigen Muschelreste bekommen Essigpflaster und werden in vielen Schritten langsam aufgeweicht.

Nebenher haben wir die Arbeiten am Mast erledigt, von denen ich neulich schon berichtet habe. Bei Regen haben wir viele Schränke aufgeräumt, nicht mehr benötigtes weggeworfen, uns gefreut was für tolles Werkzeug wir besitzen und verloren geglaubte Ersatzteile (wieder) gefunden. Wir haben alle Nahrungsmittel sortiert und festgestellt, dass wir nie wieder getrocknete Petersilie kaufen müssen. Außerdem gibt es unzählige Kleinigkeiten die erledigt werden wollen. Die Persennige, die während unserer Abwesenheit auf den Luken waren, sind gereinigt und imprägniert. Hier fehlt ein Bändsel, dort hat sich ein Klebeband gelöst und weshalb ist eigentlich die Antenne so schief?

Die Liste der anstehenden Arbeiten wird kontinuierlich länger, mal sehen wie wir vorankommen. Einige Punkte streichen sich auch selbst (zumindest vorübergehend) von der Liste. Der Tankgeber des Dieseltanks zeigte gestern plötzlich „voll“. Wir wissen, dass der Tank nicht voll ist. Nobbi hat den Motor heute noch mal gestartet und nach ein paar Minuten zeigte er wieder richtig an. Wenn sich alle Probleme so schnell erledigen würden!
Wir freuen uns darüber wieder zu schwimmen und feiern mit Tee mit Rum, das passt zu den sechs Grad, die uns für heute Nacht versprochen werden.