Auf unserer Reise in den Norden haben wir einige dieser geschnitzten Skulpturen fotografiert. Viele davon beim leider geschlossenen Kulturzentrum in der Nähe von Hienghène. Sie dienen der Ahnenverehrung, als Schmuck vor Häusern und in Dörfern. Sie erzählen ganze Geschichten, bilden Szenen des täglichen Lebens und viele Pflanzen und Tiere ab. Einige sind sehr eher einfach gehalten, die meisten jedoch beeindruckende Kunstwerke.
Am Samstag waren wir, wie so oft, auf dem Markt. Wir sitzen mit unserem Espresso an einem kleinen Tisch und beobachten das Treiben. Eine ältere Dame sucht einen Platz, doch es ist alles gut belegt. Ich biete ihr einen Stuhl an unserem Tisch an. Erst möchte sie nicht, aber dann setzen sie und ihre Freundin sich doch zu uns an den Tisch. Sie wollen wissen woher wir kommen und was wir in Nouméa machen. Sie kommen aus einem Dorf im Norden und freuen sich, dass wir schon so viel von der Insel gesehen haben. Nun wollen sie uns unbedingt auf einen Kaffee einladen. Wir versuchen freundlich abzulehnen, aber lernen, dass das nicht geht. Es sei „Costume“, der Brauch, wir sollen ihre Gäste sein. Ich krame also mein ganzes Französisch zusammen und bedanke mich für den Kaffee und dafür, dass wir in ihrem Land sein dürfen. Das war anscheinend genau die richtige Reaktion, ein Strahlen geht über das Gesicht der beiden. Sie erzählen von ihrem Leben im Norden und davon wie teuer das Leben in Nouméa im Vergleich ist, von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und dem Jagen, von ihren Reisen in die Nachbarländer und nach Frankreich. Ihnen gefällt es, dass es immer mehr Ehen zwischen Kanaks und Weißen gibt und, dass in Neukaledonien so viele verschiedene Gruppen zusammen leben. Und sie sind stolz darauf, dass ihre Kinder Englisch sprechen und die Enkel Englisch und Japanisch lernen. Innerhalb kürzester Zeit lernen wir unglaublich viel über das Leben der Kanaks im Norden und trauen uns Fragen zu stellen, die die beiden geduldig beantworten. Allein für dieses nette Gespräch hat es sich gelohnt, dass wir so fleißig, wenn auch nicht so erfolgreich wie erhofft, Französisch gelernt haben.
Den Sonntag verdrömeln wir äußerst erfolgreich. Nach dem Frühstück gehen wir auf den Markt, auf dem Rückweg bleiben wir bei Freunden hängen, quatschen und trinken Kaffee. Als wir um zwei schließlich zurück an Bord sind gibt es ein Baguette zum Mittag und wir machen eine kleine Siesta. Beim Nachmittagsspaziergang auf die Mole treffen wir die Freunde vom Vormittag wieder, finden einen netten Platz auf einem Steg an der Marina-Tankstelle und essen zusammen ein Eis. Schon ist auch der Nachmittag rum. Abends gibt es ein Omelett und anschließend einen spannenden Krimi im Bordkino. Nichtstun für Fortgeschrittene.
Seit Ende letzter Woche liegen hier lauter Kriegsschiffe. Zunächst fallen uns drei französische große Graue auf. Es sind nicht die beiden, die immer hier stationiert sind, sondert ein Hubschrauberträger und zwei Fregatten. Am Freitag hatten wir bereits beobachtet wie eins der Schiffe eine neue Ankerkette bekommt. Immer eine Länge, also 25m, hing am Kran. Gestern Abend hörten wir ein tiefes Typhon und wussten, dass wieder ein interessantes Schiff angekommen ist. Auf dem Aufbau unserer Mari stehend konnten wir zwei weitere große graue Schiffe beim Einlaufen beobachten. Grund genug uns die Angelegenheit noch mal von Nahem anzusehen. Bei den Neuankömmlingen handelt es sich um die USS Oakland und die HMS Spey, also US-amerikanische und britische Gäste. Die französische Fregatte La Fayette dürfen wir besichtigen. Ein junger Mann führt unsere kleine Gruppe über das Schiff und wir erfahren, dass zwei der Schiffe auf der „Mission Jeanne d’Arc“ sind, einer Ausbildungsfahrt für Offiziersanwärter rund um die Welt. Hier in Nouméa treffen sie auf verschiedene andere Schiffe für die internationale Übung „Croix du Sud“. In den nächsten Tagen werden also noch weitere Schiffe erwartet. Wir werden über das Schiff geführt, der angehende Maschinist erzählt nicht nur begeistert vom Antrieb (4 Maschinen!) des Schiffes, sondern erklärt auch die Aufgabenverteilung auf der Brücke, die Waffensysteme an Bord, die relative Unsichtbarkeit auf dem Radar und das Leben an Bord. Alles verstehen wir nicht, trotzdem ist es sehr interessant. Wie schon bei unserem letzten Besuch bei der französischen Marine sind wir begeistert von der Freundlichkeit der jungen Männer und Frauen. Die Oakland ist ein ungewöhnliches Schiff. Ein Trimaran. Von achtern ziemlich hässlich, von vorne schnittig. Wir wollen wissen, was es kann und Google hilft uns weiter. Die Fregatte der Independence-Klasse ist schnell. Sehr schnell, maximal 45kn, leer noch schneller, ergibt die Recherche. Der fast 130 m lange Trimaran ist hauptsächlich aus Alu und der Wasserstrahlantrieb bekommt seine Kraft aus Dieselmotoren und Gasturbinen. Natürlich ist auch dieses Schiff ordentlich bewaffnet, aber da kenn ich mich nicht gut aus und es interessiert mich auch wenig. Interessanter finde ich die anderen Features, zum Beispiel hat es eine RoRo-Rampe, um schnell Fahrzeuge aufnehmen zu können, und Platz für Helikopter und Drohnen. Wir stellen fest, dass wir tatsächlich einen Verwandten dieses Schiffes aus der Handelsschifffahrt kennen. Die Olsen-Schnellfähren zwischen den Kanaren sind quasi die Vorfahren dieser flotten Kriegsschiffe.
Die Hauptinsel Grande Terre hat den Spitznamen Caillou, was Kiesel oder Steinchen bedeutet. Das kleine Kieselchen gehört allerdings zu den größeren Inseln im Pazifik. Im Südteil der Insel waren wir schon ziemlich viel unterwegs. Wir würden gerne auch etwas vom nördlichen Teil sehen. Seit wir das Auto abgeholt haben ist das Wetter mäßig, die Vorhersage für die nächsten Tage ist schaurig. Wir wollten gerne eine Tour an die Ostküste unternehmen, aber können uns zunächst nicht entscheiden. Sollen wir bei so schlechtem Wetter wirklich fahren? Wir entscheiden uns trotzdem eine Tour zu machen und buchen nach einigem Hin und Her zwei Übernachtungen. Am Samstag starten wir zeitig. Vor uns liegen 370 km, eine Strecke die uns auf deutschen Autobahnen nicht lang vorkäme, aber die Berichte über die Straßenverhältnisse sind gemischt. Zunächst geht es 170 km die Westküste entlang bis Bourail. Diese Strecke kennen wir schon, hier waren wir vor einigen Wochen zum Wandern. Unterwegs legen wir eine kleine Teepause ein, ansonsten wollen wir Meilen machen. Nach Bourail biegen wir ab, hier geht es für uns quer über die Insel an die Ostküste. Ein Gebirge, das sich über die ganze Insel zieht, teilt die fast 400km lange Insel in einen feuchten Osten und einen trockenen Westen. Die höchsten Berge sind bis zu 1600m hoch, die Straße verläuft aber die meiste Zeit in einem Flusstal und schlängelt sich zwischen den Bergen durch.
Teepause am Kofferraumbuffet
An der Ostküste folgen wir der Straße nach Norden. Hier ist noch weniger los, als auf der Straße an der Westküste. Meistens ist die Straße gut ausgebaut, dicht an der Küste oder über Brücken aber nur einspurig. Es gibt nur wenige Orte, aber immer wieder machen Schilder darauf aufmerksam, dass man das Gebiet eines Tribus, eines Stammes, durchfährt und langsam fahren soll. Die kleinen Häuser und Hütten stehen oft etwas von der Straße entfernt und wer sich nicht auskennt, könnte sonst übersehen, dass er gerade quasi mitten im Ort ist. An einigen Stellen wird das Fußballspiel auf der Straße unterbrochen, damit wir passieren können. Vor vielen Häusern stehen kleine Stände, auf denen Obst, Gemüse, Pflanzen, Muscheln oder Körbe aus Palmenblättern angeboten werden, das Geld legt man in eine Box oder Spardose. Also wie bei uns Zuhause. Entgegen kommende Autos und Fußgänger grüßt man, Kinder winken begeistert zurück. In den Dörfern sehen wir Frauen in Gruppen zusammensitzen und klönen. Auch sie winken fröhlich zurück. Samstagnachmittag scheint eine gute Zeit für ein Treffen zu sein, überall ein ähnliches Bild.
Den ganzen Tag drohen dunkle Wolken, aber es bleibt bis kurz vor unserem Ziel trocken. In einem Teil der Strecke wird die Straße gerade erneuert und immer wieder fehlt für einige Kilometer die Fahrbahndecke. Bei starkem Regen könnte das ein Problem für unser kleines Auto werden. Immer wieder halten wir an und werfen einen Blick auf die wilde Küste. Die dunkelgrüne üppige Vegetation weckt Regenwaldgefühle. Die Pflanzenwelt bietet ihre ganze Vielfalt auf um uns zu begeistern. Hohe Bäume und Schlingpflanzen, breite Kronen und schlanke Nadelbäume, riesige Blätter, Epiphyten, Palmen, Baumfarne und lange Gräser. Um die kleinen Häuser stehen Bougainvillea und Hibiskus-Hecken, in den Gärten wachsen Papaya, Bananen und Taro. Etwas traurig stimmt uns der Müll. An fast allen kleinen Rastplätzen fallen uns die vielen grünen Bierdosen („Number One“) auf. Nicht nur die Mülleimer laufen über, auch die Parkbuchten sind gepflastert von platten Dosen. Uns fällt es deshalb besonders auf, weil es sonst fast überall in Neukaledonien sehr sauber ist.
Nachmittags erreichen wir Hienghène, unser Ziel für heute. Inzwischen regnet es etwas, trotzdem fahren wir zuerst zum Aussichtspunkt. Von hier hat man den perfekten Blick auf die Henne, einen Felsen im Meer, der aussieht wie ein Huhn auf seinem Nest. Immer wieder hatten wir gehört, dass Hienghène so schön sei. Jetzt verstehen wir es. Schwarze, steile Felsen ragen direkt an der Küste aus dem grünen Wald. Davor ein Riff, das sogar bei Regenwetter leuchtet und kleine weiße Strände.
Die berühmte Henne
Wir haben hier ein Zimmer in einer Pension gemietet. Das Zimmer ist sehr spartanisch und mit zwei Betten eingerichtet, ein Spiegel oder eine Nachtischlampe wäre schön gewesen. Es ist sauber und wir schlafen gut, aber es ist kein Ort an dem man sich aufhalten möchte. Die Terrasse des angeschlossenen Restaurants ist da viel attraktiver und das Essen landestypisch und lecker. Mir gefällt der Kürbis, der in Kokosmilch gekocht wurde, Nobbi mag den Choux kanak, den „Kanaken-Kohl“, der an Spinat erinnert, besonders gern. Vor dem Essen gehen wir noch ein paar Schritte und sehen uns die Marina an. Die kleine Marina und die Boote, die hier liegen sind total heruntergekommen. Ein trauriges Bild. Auch der Anleger, das (ehemalige?) Marktgebäude und ein leerstehendes Restaurant sind verfallen und strahlen wenig Hoffnung aus.
Unser Zimmer, rechts im Anbau…
Die traurige Marina
Am nächsten Morgen gießt es. Wir legen zunächst eine Pause auf der Restaurant-Terrasse ein. Wenn man trocken sitzt, ist der Ausblick sehr schön. Lust nass zu werden haben wir nicht. Als der Regen nachlässt, fahren wir los. Zunächst geht es nach Norden, nach einigen schönen Aussichtspunkten regnet es wieder stärker und wir drehen um. Heute nehmen wir eine andere Traverse. Dieser Weg über die Berge zurück an die Westküste gefällt uns noch besser als der Hinweg. An der Westküste dominieren Buschwerk und Weiden mit wenigen großen Bäumen. Dies ist das Land der Kühe und Cowboys. Hier ist es meist trocken und heiß. Heute ist es grau und nieselt. Wir haben noch etwas Zeit und finden ein Café an einer Tankstelle, essen extrem leckere Eclairs und beobachten das ländliche Leben. Für diese Nacht haben wir eine ganz tolle Unterkunft via AirBnB gefunden. Sylvia, unsere Gastgeberin ist sehr nett und gibt sich viel Mühe sich mit uns zu unterhalten. Sie wohnt in einem schönen Haus und wir verbringen einen gemütlichen Abend auf ihrer Terrasse.
Wunderschönes AirBnB mit fantastischer Terrasse samt Pool und Katzen,
Am Montag machen wir uns auf den Rückweg nach Nouméa. In Bourail sind wir gerade aus dem Auto gestiegen, als der Regen einsetzt als hätte jemand die Dusche eingeschaltet. Wir fliehen zurück ins Auto und sind trotzdem durchnässt. Auf der Höhe von Farino ist es gerade trocken, wir setzen uns auf eine Bank vorm Rathaus, machen ein kleines Picknick und beobachten wie es in der Ebene unter uns schauert. Die letzten zwei Stunden unserer Fahrt regnet es immer wieder heftig. Aquaplaning bekommt eine ganz neue Bedeutung, wir kommen ganz schön ins Schwimmen. Ich bin froh, dass Nobbi so gute Nerven hat. Glücklicherweise haben wir genügend Zeit es ruhig angehen zu lassen. Immer wieder tun sich auch auf der „Autobahn“ riesige Pfützen auf und es hat bereits die ersten Unfälle gegeben. Wir erreichen nachmittags die Marina und hören im Radio von schweren Überschwemmungen auf der Straße, auf der wir wenige Stunden zuvor unterwegs waren.
Auch wenn wir uns über etwas besseres Wetter gefreut hätten, hat sich die Tour gelohnt. Wir haben weitere Facetten dieser tollen Insel kennenlernen dürfen und können bestätigen: an der Ostküste sieht es ganz anders aus.
Die Unterwasserwelt der Marina ist erstaunlich artenreich. Seit Wochen versuche ich die schwarze Schlange, die in den Korallen zwischen Steg A und B lebt zu fotografieren. Erfolglos. Mal sichte ich die Schlange, habe aber kein Telefon dabei, mal liege ich auf der Lauer und sie zeigt sich nicht. Dann reflektiert die Wasseroberfläche so sehr, dass die Schlange kaum zu sehen ist. Anders ging es mir bei diesem wunderschönen Rochen, er gab mir Gelegenheit ein Bild zu machen.
Neben den dauerhaften Bewohnern, wie den vielen kleinen Rifffischen, schaut gelegentlich auch mal ein größerer Meeresbewohner vorbei. Neulich war eine große Schildkröte im Hafenbecken unterwegs, eine kleinere zeigt sich regelmäßig in der Nähe der Tankstelle. Und vor einigen Wochen schwamm ein Delfin ein paar Runden. Leider ist der ein Frühaufsteher, ich habe ihn verschlafen.
Die Ursache unserer Motorprobleme haben wir noch nicht geklärt, trotzdem (oder gerade deshalb!) steht uns der Sinn nach Abwechslung. Gern hätten wir über die Ostertage ein Auto gemietet, bekommen kurzfristig aber keins. Also haben wir uns nun für eine Woche ein Auto gegönnt und möchten einige Ausflüge machen. Leider hat der Wettergott kein Herz für uns, die Vorhersage verspricht schlechtes Wetter.
Gestern haben wir eine tolle Wanderung im Parc des Grand Fougères gemacht. Der Park ist etwa 120 km und zwei Stunden entfernt. Für die ersten 110 km braucht man etwa eineinhalb Stunden, die letzten 10 km windet sich eine schmale, ungeteerte Piste mit großen Schlaglöchern durch den Wald. Wunderschön! Auf der kleinen Straße treffen wir kein anderes Auto und haben das Gefühl ganz weit weg in der Wildnis zu sein, so wundern wir uns über die 15 Autos auf dem Parkplatz und die große und gepflegte Anlage mit Parkrezeption, Toiletten, Duschen und Picknickplätzen.
Wir entscheiden uns für eine 7,5 km lange Runde, die drei Stunden dauern soll. Der Weg ist perfekt ausgeschildert und sehr schön. Der Wald ist dicht und abwechslungsreich. Kleine Sträucher und hohe Bäume, Palmen, Kaori und die namensgebenden Baumfarme. Fougères heißen die Baumfarne, acht endemische Arten dieser sehr alten Gewächse gibt es in Neukaledonien. Wir freuen uns über die guten Wege, weniger Meter später wird es matschig. „Solange es nicht regnet“ sind wir uns einig „ist es in Ordnung“. Es beginnt zu regnen. Wir finden an einem überdachten Picknickplatz Schutz, essen die Hälfte des Proviants und setzen unseren Weg fort, als es aufhört zu regnen. Immer wieder quert der Weg kleine Bäche. Es gelingt uns mehr oder weniger trocknen Fußes auf die andere Seite zu kommen. Gelegentlich mit einem beherzten Sprung. Aufwärts geht’s ganz gut, bergab wird es nun zunehmend rutschig. Trockenere Wegpassagen werden von aufgeweichten, matschigen Pfaden abgelöst. Der Matsch findet den Weg in unsere Schuhe. Wir verlassen „unseren“ Weg und machen einen Abstecher zum „Herz von Farino“. In den Stromschnellen gibt es eine Kuhle in Herzform. Ein kräftiger Schauer geht nieder als wir am nächsten Picknickplatz unsere Brote aufessen. Wir sind sehr dankbar für das große Dach. Als wir zurück auf unserem Weg sind, suchen wir den nächsten geschützten Platz auf und verarzten die Blasen an unseren Füssen. Der Schlamm, der in die Schuhe geraten ist, hat empfindlich gescheuert. Wir sind begeistert vom leuchtend grünen Wald und den vielen Vögeln. Es beginnt wieder zu regnen, wir sind bald nass. Immerhin ist der Regen warm und da der Hut das Gesicht trocken hält ist es nicht so schlimm. Nach drei Stunden sind wir zurück am Parkplatz, säubern uns und ziehen andere Schuhe an. Die Wanderung war als „sehr einfach“ eingestuft. Für uns hat das heute völlig ausgereicht. Der Regen hört auf und wir laufen noch ein wenig in der Nähe der Parkrezeption herum, sehen uns die „Baumsammlung“ an. Einen Weg an dem verschiedene Baumarten, Palmen und Baumfarne erklärt sind. Baumfarne und Palmen sind keine Bäume, auch das wird hier anschaulich erklärt. Und wir beobachten Vögel. Hier gibt es die wunderschönen grünen Tauben. Bei uns haben Tauben ja ein etwas zweifelhaftes Image, hier gibt es gleich mehrere besondere Vertreter. Darunter die sehr hübsche grüne Taube und die Notous, eine sehr große Taubenart. Bei haben wir auch auf unserer Wanderung gesehen, genau wie die neukaledonische, die zu den schlausten Vögeln gehören soll und auch Werkzeuge benutzt. Die Vögel bieten uns ein regelrechtes Konzert und zeigen sich auch bereitwillig. Wir vermissen die Kamera mit dem Tele. Und dann zeigen sich auch noch einige Flughunde und machen das Spektakel perfekt. Der Ausflug hat sich sehr gelohnt und die drei Euro Eintritt haben wir gerne bezahlt.
Auf dem Rückweg, begleitet von heftigen Regenschauern, wurde es schnell dämmerig und dann bald dunkel. In den Tropen geht das sehr schnell. Wir wundern uns über die hohe Anzahl an unbeleuchteten Autos auf der Fernstraße und sind froh, als wir heil wieder an der Marina ankommen.
Vorgestern waren wir in Dumbea zum Wandern. Diesmal haben wir uns getraut den Fluss zu überqueren und eine entspannte Runde gedreht. Hier gibt es nicht so einen beeindruckenden Wald, aber auch viele Vögel und Schmetterlinge. Außerdem haben wir viele potentielle Badeplätze entdeckt.
Ostern war es hier sehr ruhig. Nichts los im Restaurant nahe der Marina, kaum Menschen auf den Stegen und ganze viele freie Liegeplätze, weil die Segler die Tage am Anker verbracht haben. Am Wochenende zuvor haben wir uns ins Gewusel gestürzt. An jedem ersten Sonntag im Monat findet ein großer Flohmarkt auf dem Place de Cocotiers statt. Auch wenn wir nichts kaufen wollen, macht es Spaß sich unters Volk zu mischen. Der Flohmarkt ist überraschend groß, sehr bunt und gut besucht. Hauptsächlich werden Kleidung und Spielsachen angeboten, ein wenig Gerümpel und Dinge, die man nicht unbedingt vermuten würde wie Ski-Ausrüstungen. Und Live-Musik gab es auch. Für Pazifik-Verhältnisse klang es ungewöhnlich schief und unmelodisch, wurde aber sehr enthusiastisch vorgetragen. Das Auge hört schließlich auch mit, auf den Fotos sieht man nicht, dass nicht alle das gleiche Lied gespielt haben.
Ein kleines Verkaufstalent
Think Pink! Diese Kombination aus Kleid und Imbisswagen!
Enthusiastisch vorgetragene Live-Musik
Die Dirigentin mit stylischem Outfit
Nobbi musste dringend mal wieder zum Friseur. Der Haarschnitt ist in Ordnung, aber lange nicht so gut, wie der in Hiva Oa. Wie nach jedem Friseurbesuch überlegen wir, ob wir noch einmal dorthin zurück segeln sollen.
Unsere letzte Ausfahrt war recht durchwachsen, ihr erinnert euch. Der Motor qualmt, spuckt schwarzes Wasser aus dem Auspuff und bringt keine Leistung. Wir erkundigen uns bei verschiedenen Leuten nach einem Mechaniker. Endlich haben wir einige Nummern und beginnen zu telefonieren. Es beginnt wenig vielversprechend. Der erste hat keine Zeit. Wir bitten unsere Nachbarin für uns zu telefonieren, weil wir nicht alles verstanden haben. Er könnte eventuell im Juni kommen. Über zwei Monate Wartezeit (zu diesem Zeitpunkt sind wir noch im März). Wir bitten eine Mitarbeiterin aus dem Marina-Büro bei dem nächsten anzurufen. Er hat auch keine Zeit und empfiehlt seinen Kollegen. Der Kollege geht nicht ans Telefon, wir warten im Büro auf den Rückruf. Es passiert nichts. Wir gehen einkaufen und zurück aufs Schiff. Nachmittags fragen wir nach, ob es einen Rückruf gab. Kein Problem der Volvo-Mechaniker kommt noch heute. Er kommt nicht. Am nächsten Morgen (Dienstag) rufen wir ihn selbst an. Er kann vorbeikommen. Am Donnerstag. Er kommt am Donnerstag, schaut sich den Motor an und telefoniert mit einem Kollegen. Am nächsten Montag will er wiederkommen. Wir sind etwas enttäuscht, dass er jetzt nicht einfach am Motor gearbeitet hat, aber froh, dass er gekommen ist. Am Montag lässt er den Motor wieder Probe laufen, auch noch mal aus seinem Kanister (also nicht mit unserem Diesel) und nimmt den Ventildeckel ab. Nichts zu sehen. Wir einigen und darauf, dass er die Einspritzdüsen ausbaut und zum Testen mitnimmt. Am Mittwoch ruft er an, die Düsen wurden getestet und müssen alle überholt werden. Das dauert ein paar Tage und er braucht Geld, weil er das nicht selber macht. Wir laufen zum Geldautomaten und übergeben das Geld abends auf dem Parkplatz. Nach der letzten Episode mit der Auslandsüberweisung scheint uns das der schnellste Weg zu sein. Anfang der Woche fragen wir uns, wann die vier Tage um sind, die er braucht um die Düsen wieder fit zu machen. Am Dienstagmorgen rufen wir ihn an. Mittwoch soll es so weit sein. Am Dienstagabend ruft er an, es wird nun doch Donnerstag. Danach wissen wir, die Einspritzdüsen waren es nicht. Als der Mechaniker uns fragt, ob der schwarze Abgas-Qualm nicht vielleicht doch einfach normal sei, und uns vorschlägt bei 30kn Wind eine Probefahrt zu machen, beschließen wir die Zusammenarbeit vorerst auf Eis zu legen. Er bekommt sein restliches Honorar und hat es eilig von Bord zu verschwinden. Wir sind also weiterhin in der Warteschleife und hoffen, dass wir das Problem nach Ostern finden. Inzwischen haben wir sehr viele Menschen gefragt und einige gute Hinweise bekommen.
Arbeit am Motor
Während wir warten geben wir uns Mühe das Leben zu genießen und andere Dinge zu erledigen. Gerne würden wir noch einmal ausgiebig in der Lagune segeln und ein Auto mieten, doch wir mögen keine Pläne machen, bevor unser Motorproblem nicht gelöst ist. Es wird Zeit unsere Proviantschapps zu füllen. Nouméa ist ein guter Ort zum Einkaufen, es gibt praktisch alles was ein europäisches Seglerherz begehrt. Allerdings sind die Preise hoch. Und in den letzten Wochen sind die Preise noch einmal deutlich gestiegen. Der Kaffee, der bei unserer Ankunft 1200 CPF kostete, dann 1400 kostet jetzt 1700 (ungefähr 14 Euro. Wir reden über 500g). Unser Lieblingskaffee, den auch das Café auf dem Markt verwendet liegt im Supermarkt bei fast 20 Euro. Dass die Nahrungsmittel, die aus Europa importiert werden teuer sind, leuchtet ein, weshalb auch einheimisches Obst und Gemüse so teuer ist, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Wir sind keine Freunde dieser „Provisioning Runs“, bei denen viele Einkaufswagen mit Lebensmitteln auf einmal eingekauft werden. Wir kaufen lieber jedes Mal wenn wir unterwegs sind ein paar leckere Dinge für den Vorrat. Nach unseren Kürbis-Einkoch-Exzessen gibt es nur noch wenige leere Gläser an Bord. Ich koche einen großen Topf Gulasch und fülle die letzten drei. Das hätte man natürlich auch an einem Tag machen können, an dem wir nicht schon vor dem Einschalten des Herds 33 Grad unter Deck hatten. Leider hatten wir gleich mehrere Zwischenfälle mit unangenehmen Gästen. Schon vor Weihnachten hatten wir Chia-Samen gekauft und fanden es gut, dass es diese unverpackt gab und wir sie uns selbst abfüllen konnten. Als sich dann darin bewegte, waren wir nicht mehr so erfreut. Kurz darauf verfütterten wir unser Mehl an die Fische, weil wir darin Gespinste und Larven fanden. Letzte Woche hatten wir unter anderem Knäckebrot gekauft (sehr wichtig, teuer und schwer zu bekommen). Am Tag nach dem Einkauf schaue ich zufällig in den Schrank und sehe einen Käfer in der Tüte, in der ich das Knäckebrot-Paket glücklicherweise verpackt hatte. Wir wissen nun, dass die kleinen Käfer bei Wärme versuchen aus der Tüte zu kommen. Leider waren nicht einige, sondern hunderte Käfer im geliebten Knäckebrot. Es wanderte also in die Mülltonne. In den Haferflocken waren nur wenige Käfer unterwegs, die Nobbi rausgesammelt hat. Ich habe die Haferflocken hinterher in kleinen Portionen erhitzt, um sicher zu sein, dass da nicht doch jemand überlebt, der sich dann vermehrt. Aber schön ist das natürlich nicht und vermutlich auch nur begrenzt gesund. Haferflocken in Dosen oder Plastik sind bei uns plötzlich sehr gefragt.
Die Guten ins Töpfchen… Nobbi sortiert Haferflocken
Die ersten Boote sind schon unterwegs, heute sind wieder Yachten angekommen. Und die Kanadier mit ihrer Idlewild, die ein paar Wochen am Ende des Stegs lagen, haben sich auf den Weg nach Australien gemacht. Die Idlewild ist ein bemerkenswertes Boot. Ein schlankes Motorboot aus Alu, das die Nachbarn der heutigen Eigner gebaut haben und damit bereits einmal um die Welt gefahren sind. Die heutigen Eigner mögen es etwas wärmer und planen, anders als ihre Vorgänger, nicht durch die Nordwestpassage zu segeln. Wir haben einen netten Nachmittag bei Tex und Grete an Bord verbracht und das Buch geschenkt bekommen, das von der erste Reise handelt. Es beginnt damit, dass die Familie 1000 Meilen mit einem Floß in der kanadischen Wildnis zurückgelegt hat, um herauszufinden, ob es möglich ist mit dem Boot von Alberta in die Beringstraße zu fahren. Wir hatten einen Nachmittag voller unglaublicher Geschichten.
Die Idlewild
Auf dem Weg zur Tankstelle und dann nach Australien
Letzten Freitag hatten wir hier eine Pontonnade. Ein neues Wort. Die Französische Variante eines „Potlucks“ auf dem Steg. Man trifft sich auf dem Steg und jeder bringt etwas zu essen mit. Unsere direkten Nachbarn hatten dazu aufgerufen. Ein Handwagen diente als Buffet, jemand brachte einen Tisch für die Getränke mit, ein anderer eine Lampe und eine Verlängerungsschnur. Das war ein sehr netter Abend, an dem wir viele Bewohner unserer kleinen „Reihenhaussiedlung“ (besser) kennengelernt haben.
Tatsächlich gab es in Nouméa noch ein Museum, das wir nicht kennen. Leider muss ich das etwas einschränken. Das Museum Neukaledonien kennen wir auch noch nicht, es wird erst 2024 wieder eröffnet. Der Neubau wirkt vielversprechend. Das andere Museum, das wir noch nicht kennen, ist das über den Zweiten Weltkrieg. Am Dienstagnachmittag steht es schließlich auf dem Programm. Wir haben nicht viel erwartet und werden (mal wieder) überrascht. Die Ausstellung kommt mit wenigen Exponaten aus und erklärt trotzdem kurzweilig die Rolle Neukaledoniens im Zweiten Weltkrieg. Die neueren Tafeln und Plakate sind zweisprachig, Französisch und Englisch. In der Ausstellung weisen Zahlen auf Inhalte hin, die mit dem Tablett, das wir am Eingang bekommen haben, aufgerufen werden können. Kurze Texte und Wortbeiträge auf Französisch, Englisch und Japanisch führen durchs Museum. Hier für euch eine kurze und sehr grobe Zusammenfassung eines außerordentlich komplexen Geschehens: Aus neukaledonischer Sicht, fand der Krieg zunächst weit entfernt in Europa statt. Im Juni 1940 wurde der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland vereinbart. Währenddessen rief Charles de Gaulle aus dem Londoner Exil auf ihm zu folgen, die Niederlage sei nicht endgültig. Erstaunlich viele neukaledonische Männer folgten dem Aufruf und kämpften im pazifischen Bataillon in Nordafrika und Europa für ein freies Frankreich. Mit dem Angriff auf Pearl Harbour weitete sich der Krieg im Pazifik, der zunächst hauptsächlich ein Krieg zwischen Japan und China war, auf den (West-) Pazifischen Raum aus. Ab 1941 besetzte Japan große Teile des Westpazifiks. Die Schlacht um Guadalcanal in den Salomonen (im pazifischen Maßstab nebenan) gilt als Wendepunkt des zweiten Weltkriegs im Pazifik. 1942/43 fanden hier erbitterte Kämpfe um die Inseln und die Vorherrschaft im Pazifik statt, aus denen die US-Amerikaner siegreich hervorgingen und den Rückzug der Japaner einleiteten. Neukaledonien diente (glücklicherweise) nicht als Schlachtfeld der Großmächte, wurde aber von Australien, Neuseeland und USA als Truppenstützpunkt genutzt. Auf der kleinen Insel mit ihren nur ca. 50.000 Bewohnern wurden Flughäfen, Krankenhäuser und Stützpunkte gebaut. In gewisser Weise wurde die Insel wachgeküsst (oder heimgesucht…). Die Soldaten brachten nicht nur neue Musik und Mode, und suchten Unterhaltung, sondern brachten auch wirtschaftlichen Aufschwung. Die einheimischen Kanaken hatten unter der französischen Kolonialmacht wenig Rechte, mussten Zwangsarbeit leisten (etwa 55 Tage im Jahr), durften sich nicht frei bewegen und wurden schlecht bezahlt. Hier brachte der Krieg gravierende gesellschaftliche Veränderungen. Es begann mit der Verdoppelung der Löhne durch die US-Amerikaner, die dringend Arbeitskräfte, insbesondere im Hafen, brauchten. 1946 wurden die Kanaken Bürger mit allen Rechten und Neukaledonien wurde französisches Überseegebiet. Die Ausstellung endete mit den Zukunftsaussichten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Während für uns Mitteleuropäer mit Ende des 2. Weltkriegs eine lange friedliche Zeit begann (wenn auch mit der Bedrohung des kalten Kriegs), sah das im Indo-Pazifischen Raum ganz anders aus. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs hatten die großen Kolonialmächte diesen Teil der Welt unter sich aufgeteilt. Indochina war Französisch, die Briten waren nicht nur in Malaysia, Hongkong und Papua, Indonesien war niederländisch, die Philippinen US-amerikanisch,… Nach dem zweiten Weltkrieg folgte hier eine „Neuordnung“, mit z.T. furchtbaren Kriegen (wie in Vietnam, Ost-Timor), während der viele Staaten unabhängig wurden. Einige Menschen, die als Arbeiter vor dem Krieg nach Neukaledonien gekommen waren (zum Beispiel aus Java oder Indochina), wollten zurück in ihr nun unabhängiges Heimatland. Andere blieben, weil sie heimisch geworden waren, es ihr Land nicht mehr gab oder sich im Krieg befand. 1100 Japaner wurden um 1941 aus Neukaledonien deportiert, enteignet und verbrachten Jahre in Lagern in Australien. Sie durften nicht zurückkehren, obwohl viele von ihnen eine Familie in Neukaledonien hatten. Und dann gab es da natürlich noch die Atomwaffentests in Australien, Bikini oder in den französischen Tuamotus. Das ist wieder ein ganz anderes Thema, auch ein wichtiges in Sachen pacifique Pacifique. Friedlicher Pazifik. Wir haben viel Neues gelernt oder, oft noch interessanter, Bekanntes in neuem pazifisch-französischem Zusammenhang gesehen. Umso mehr man lernt, umso weniger glaubt man zu wissen.
Ob wohl wir nun schon so lange in dieser recht kleinen Stadt unterwegs sind, entdecken wir noch immer Neues. Nouméa liegt auf mehreren Hügeln und zwischen den Stadtteilen gibt es Abkürzungen. Nicht selten sind das schmale Trampelpfade, die eine steile Abkürzung durchs Unterholz bieten. Belohnt wird man manchmal mit einem überraschenden Ausblick über die Stadt oder auf die Lagune.
Nobbi auf dem Schleichweg
Überraschender Ausblick über die Baie Orphelinat
Spätestens jeden zweiten Tag brauchen wir Bewegung und gerne kombinieren wir unsere Wanderungen durch die Stadt mit ein wenig Sightseeing. Wir besuchen das Chateau Hagen. Ein hübsch restauriertes Haus, in dem es gerade eine kleine, aber durchaus sehenswerte Ausstellung zum Thema „Sinne“ zu sehen gibt. Im Obergeschoss sind einige erotische Zeichnungen weitgehend unbekleideter Schönheiten ausgestellt. Bemerkenswert finden wir die Anzahl an Warnschildern, die darauf hinweisen, dass das Obergeschoss nur vom Erwachsenen betreten werden darf. Anschließend sitzen wir noch ein bisschen im ausgesprochen schönen Garten.
Das Maison Célières, das von der Familie gleichen Namens bewohnt wurde, dient im Stadtteil Faubourg als eine Art Heimatmuseum. Wir kommen ausgerechnet zum Osterbasteln für Kinder vorbei, dürfen uns aber trotzdem umsehen und eine Pause auf einer Bank im Garten einlegen.
Maison Célières
Der Parc Forestier gefällt uns noch immer. Das Bild, dessen Entstehung wir am 60. Geburtstag beobachtet haben ist inzwischen fertig. Die Kunstaktion bei der einzelne Bäume mit „Fliegenpilz“-Stoff umwickelt wurden, erschließt sich uns nicht so richtig. Wir sind wieder ausgiebig durch den Park spaziert und haben uns die einheimischen Vögel angesehen. Auch außerhalb der Volieren leben hier sehr viele Vögel.
Auch untypische Spots stehen auf unserem Besichtigungsprogramm. Schon häufiger sind wir am Friedhof vorbei gefahren, diesmal haben wir einen Stopp eingelegt und uns umgesehen. Kein schlechter Platz für die letzte Ruhe. Geschmückt sind die Gräber mit Plastikblumen in allen Farben, das sieht zumindest von weitem sehr schön aus.
Hinterm Kreuzfahrtterminal steht ein riesiger Banyanbaum auf einem Parkplatz. An einem Sonntag nutzen wir die Chance, dass dort keine Autos geparkt sind und machen Fotos von dem schönen Exemplar. Wir sind nicht ganz sicher, ob es eine Banyan-Feige ist, es könnte auch eine andere Ficus Art handeln. In jedem Fall wäre der Baum auch in einem Park gut aufgehoben. Er wird nicht mehr umziehen, da müsste der Park schon zum Baum kommen.
An Bord von Marisol wird immer viel gelesen. Die Vorstellung, dass ein ebook-Reader stirbt und der Besitzer dann unterhaltungslos in dunkler Nacht sitzt, finden wir so entsetzlich, dass es ein wasserdicht verpacktes Ersatzgerät an Bord gibt. Doch im Moment lesen wir echte „Papier“-Bücher. Hier gibt es reichlich Lesestoff im Bücherregal der Marina. Wir finden immer wieder interessante Bücher auf Deutsch oder Englisch. Bücher die wir gelesen haben, stempeln wir und schreiben Ort und Datum rein, bevor wir sie wieder ins Regal stellen. Es ist immer spannend zu sehen, welche Boote vor uns ihre Bibliothek aussortiert haben. Besonders interessant sind natürlich Bücher mit einer Widmung drin oder Bücher, in die der Vorbesitzer gar eine Rezension geschrieben hat. An Bord bleiben dürfen die Bücher nicht. Zu schwer. Es gibt bereits Verhandlungen, weil Nobbi „heimlich“ zwei Bildbände gekauft hat. Jetzt hat er zehn Kilo verzinkte Kette aussortiert und versucht damit die Mitnahme der Bücher zu rechtfertigen. Wie in vielen anderen Häfen zuvor räumen wir auch hier das Bücherregal auf. Einige Bücher wird nie wieder jemand lesen. Die Highlights: ein deutsches Gynäkologiebuch mit Gewebeschnitten unterschiedlicher Tumore, Erziehung von drei bis fünf Jährigen ca. 30 Jahre alt, eine Zeitschrift von einem Fliegerverein 1997 und Segelziele im Mittelmeer (1980). Neben verschiedenen Krimis, Romanen und Segelbücher, die wir zum Teil schon kennen, lesen wir Bücher, die wir uns nie selbst gekauft hätten und lernen so ganz viel über die Fremdenlegion oder reisen mit einer Nonne durch den Nahen Osten. Ab und zu finden wir eine wahre Perle wie einen spannenden Segelthriller oder den Indonesien Revierführer, den wir schon lange lesen wollten (der darf an Bord bleiben!)