In der Warteschleife

Unsere letzte Ausfahrt war recht durchwachsen, ihr erinnert euch. Der Motor qualmt, spuckt schwarzes Wasser aus dem Auspuff und bringt keine Leistung. Wir erkundigen uns bei verschiedenen Leuten nach einem Mechaniker. Endlich haben wir einige Nummern und beginnen zu telefonieren. Es beginnt wenig vielversprechend. Der erste hat keine Zeit. Wir bitten unsere Nachbarin für uns zu telefonieren, weil wir nicht alles verstanden haben. Er könnte eventuell im Juni kommen. Über zwei Monate Wartezeit (zu diesem Zeitpunkt sind wir noch im März). Wir bitten eine Mitarbeiterin aus dem Marina-Büro bei dem nächsten anzurufen. Er hat auch keine Zeit und empfiehlt seinen Kollegen. Der Kollege geht nicht ans Telefon, wir warten im Büro auf den Rückruf. Es passiert nichts. Wir gehen einkaufen und zurück aufs Schiff. Nachmittags fragen wir nach, ob es einen Rückruf gab. Kein Problem der Volvo-Mechaniker kommt noch heute. Er kommt nicht. Am nächsten Morgen (Dienstag) rufen wir ihn selbst an. Er kann vorbeikommen. Am Donnerstag. Er kommt am Donnerstag, schaut sich den Motor an und telefoniert mit einem Kollegen. Am nächsten Montag will er wiederkommen. Wir sind etwas enttäuscht, dass er jetzt nicht einfach am Motor gearbeitet hat, aber froh, dass er gekommen ist. Am Montag lässt er den Motor wieder Probe laufen, auch noch mal aus seinem Kanister (also nicht mit unserem Diesel) und nimmt den Ventildeckel ab. Nichts zu sehen. Wir einigen und darauf, dass er die Einspritzdüsen ausbaut und zum Testen mitnimmt. Am Mittwoch ruft er an, die Düsen wurden getestet und müssen alle überholt werden. Das dauert ein paar Tage und er braucht Geld, weil er das nicht selber macht. Wir laufen zum Geldautomaten und übergeben das Geld abends auf dem Parkplatz. Nach der letzten Episode mit der Auslandsüberweisung scheint uns das der schnellste Weg zu sein.
Anfang der Woche fragen wir uns, wann die vier Tage um sind, die er braucht um die Düsen wieder fit zu machen. Am Dienstagmorgen rufen wir ihn an. Mittwoch soll es so weit sein. Am Dienstagabend ruft er an, es wird nun doch Donnerstag. Danach wissen wir, die Einspritzdüsen waren es nicht. Als der Mechaniker uns fragt, ob der schwarze Abgas-Qualm nicht vielleicht doch einfach normal sei, und uns vorschlägt bei 30kn Wind eine Probefahrt zu machen, beschließen wir die Zusammenarbeit vorerst auf Eis zu legen. Er bekommt sein restliches Honorar und hat es eilig von Bord zu verschwinden. Wir sind also weiterhin in der Warteschleife und hoffen, dass wir das Problem nach Ostern finden. Inzwischen haben wir sehr viele Menschen gefragt und einige gute Hinweise bekommen.

Arbeit am Motor

Während wir warten geben wir uns Mühe das Leben zu genießen und andere Dinge zu erledigen. Gerne würden wir noch einmal ausgiebig in der Lagune segeln und ein Auto mieten, doch wir mögen keine Pläne machen, bevor unser Motorproblem nicht gelöst ist.
Es wird Zeit unsere Proviantschapps zu füllen. Nouméa ist ein guter Ort zum Einkaufen, es gibt praktisch alles was ein europäisches Seglerherz begehrt. Allerdings sind die Preise hoch.
Und in den letzten Wochen sind die Preise noch einmal deutlich gestiegen. Der Kaffee, der bei unserer Ankunft 1200 CPF kostete, dann 1400 kostet jetzt 1700 (ungefähr 14 Euro. Wir reden über 500g). Unser Lieblingskaffee, den auch das Café auf dem Markt verwendet liegt im Supermarkt bei fast 20 Euro. Dass die Nahrungsmittel, die aus Europa importiert werden teuer sind, leuchtet ein, weshalb auch einheimisches Obst und Gemüse so teuer ist, kann ich nicht so recht nachvollziehen.
Wir sind keine Freunde dieser „Provisioning Runs“, bei denen viele Einkaufswagen mit Lebensmitteln auf einmal eingekauft werden. Wir kaufen lieber jedes Mal wenn wir unterwegs sind ein paar leckere Dinge für den Vorrat.
Nach unseren Kürbis-Einkoch-Exzessen gibt es nur noch wenige leere Gläser an Bord. Ich koche einen großen Topf Gulasch und fülle die letzten drei. Das hätte man natürlich auch an einem Tag machen können, an dem wir nicht schon vor dem Einschalten des Herds 33 Grad unter Deck hatten.
Leider hatten wir gleich mehrere Zwischenfälle mit unangenehmen Gästen. Schon vor Weihnachten hatten wir Chia-Samen gekauft und fanden es gut, dass es diese unverpackt gab und wir sie uns selbst abfüllen konnten. Als sich dann darin bewegte, waren wir nicht mehr so erfreut. Kurz darauf verfütterten wir unser Mehl an die Fische, weil wir darin Gespinste und Larven fanden.
Letzte Woche hatten wir unter anderem Knäckebrot gekauft (sehr wichtig, teuer und schwer zu bekommen). Am Tag nach dem Einkauf schaue ich zufällig in den Schrank und sehe einen Käfer in der Tüte, in der ich das Knäckebrot-Paket glücklicherweise verpackt hatte. Wir wissen nun, dass die kleinen Käfer bei Wärme versuchen aus der Tüte zu kommen. Leider waren nicht einige, sondern hunderte Käfer im geliebten Knäckebrot. Es wanderte also in die Mülltonne. In den Haferflocken waren nur wenige Käfer unterwegs, die Nobbi rausgesammelt hat. Ich habe die Haferflocken hinterher in kleinen Portionen erhitzt, um sicher zu sein, dass da nicht doch jemand überlebt, der sich dann vermehrt. Aber schön ist das natürlich nicht und vermutlich auch nur begrenzt gesund. Haferflocken in Dosen oder Plastik sind bei uns plötzlich sehr gefragt.

Die Guten ins Töpfchen… Nobbi sortiert Haferflocken

Die ersten Boote sind schon unterwegs, heute sind wieder Yachten angekommen. Und die Kanadier mit ihrer Idlewild, die ein paar Wochen am Ende des Stegs lagen, haben sich auf den Weg nach Australien gemacht. Die Idlewild ist ein bemerkenswertes Boot. Ein schlankes Motorboot aus Alu, das die Nachbarn der heutigen Eigner gebaut haben und damit bereits einmal um die Welt gefahren sind. Die heutigen Eigner mögen es etwas wärmer und planen, anders als ihre Vorgänger, nicht durch die Nordwestpassage zu segeln. Wir haben einen netten Nachmittag bei Tex und Grete an Bord verbracht und das Buch geschenkt bekommen, das von der erste Reise handelt. Es beginnt damit, dass die Familie 1000 Meilen mit einem Floß in der kanadischen Wildnis zurückgelegt hat, um herauszufinden, ob es möglich ist mit dem Boot von Alberta in die Beringstraße zu fahren. Wir hatten einen Nachmittag voller unglaublicher Geschichten.

Die Idlewild
Auf dem Weg zur Tankstelle und dann nach Australien

Letzten Freitag hatten wir hier eine Pontonnade. Ein neues Wort. Die Französische Variante eines „Potlucks“ auf dem Steg. Man trifft sich auf dem Steg und jeder bringt etwas zu essen mit. Unsere direkten Nachbarn hatten dazu aufgerufen. Ein Handwagen diente als Buffet, jemand brachte einen Tisch für die Getränke mit, ein anderer eine Lampe und eine Verlängerungsschnur. Das war ein sehr netter Abend, an dem wir viele Bewohner unserer kleinen „Reihenhaussiedlung“ (besser) kennengelernt haben.

Einladung zur Pontonnade auf Steg B
Eine gute Gelegenheit für Pizzarolle „Marisol“

Wir wünschen euch schöne Ostertage!

Eine Geschichtsstunde

Tatsächlich gab es in Nouméa noch ein Museum, das wir nicht kennen. Leider muss ich das etwas einschränken. Das Museum Neukaledonien kennen wir auch noch nicht, es wird erst 2024 wieder eröffnet. Der Neubau wirkt vielversprechend. Das andere Museum, das wir noch nicht kennen, ist das über den Zweiten Weltkrieg. Am Dienstagnachmittag steht es schließlich auf dem Programm.
Wir haben nicht viel erwartet und werden (mal wieder) überrascht. Die Ausstellung kommt mit wenigen Exponaten aus und erklärt trotzdem kurzweilig die Rolle Neukaledoniens im Zweiten Weltkrieg. Die neueren Tafeln und Plakate sind zweisprachig, Französisch und Englisch. In der Ausstellung weisen Zahlen auf Inhalte hin, die mit dem Tablett, das wir am Eingang bekommen haben, aufgerufen werden können. Kurze Texte und Wortbeiträge auf Französisch, Englisch und Japanisch führen durchs Museum.
Hier für euch eine kurze und sehr grobe Zusammenfassung eines außerordentlich komplexen Geschehens:
Aus neukaledonischer Sicht, fand der Krieg zunächst weit entfernt in Europa statt. Im Juni 1940 wurde der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland vereinbart. Währenddessen rief Charles de Gaulle aus dem Londoner Exil auf ihm zu folgen, die Niederlage sei nicht endgültig. Erstaunlich viele neukaledonische Männer folgten dem Aufruf und kämpften im pazifischen Bataillon in Nordafrika und Europa für ein freies Frankreich.
Mit dem Angriff auf Pearl Harbour weitete sich der Krieg im Pazifik, der zunächst hauptsächlich ein Krieg zwischen Japan und China war, auf den (West-) Pazifischen Raum aus. Ab 1941 besetzte Japan große Teile des Westpazifiks. Die Schlacht um Guadalcanal in den Salomonen (im pazifischen Maßstab nebenan) gilt als Wendepunkt des zweiten Weltkriegs im Pazifik. 1942/43 fanden hier erbitterte Kämpfe um die Inseln und die Vorherrschaft im Pazifik statt, aus denen die US-Amerikaner siegreich hervorgingen und den Rückzug der Japaner einleiteten.
Neukaledonien diente (glücklicherweise) nicht als Schlachtfeld der Großmächte, wurde aber von Australien, Neuseeland und USA als Truppenstützpunkt genutzt. Auf der kleinen Insel mit ihren nur ca. 50.000 Bewohnern wurden Flughäfen, Krankenhäuser und Stützpunkte gebaut. In gewisser Weise wurde die Insel wachgeküsst (oder heimgesucht…). Die Soldaten brachten nicht nur neue Musik und Mode, und suchten Unterhaltung, sondern brachten auch wirtschaftlichen Aufschwung. Die einheimischen Kanaken hatten unter der französischen Kolonialmacht wenig Rechte, mussten Zwangsarbeit leisten (etwa 55 Tage im Jahr), durften sich nicht frei bewegen und wurden schlecht bezahlt. Hier brachte der Krieg gravierende gesellschaftliche Veränderungen. Es begann mit der Verdoppelung der Löhne durch die US-Amerikaner, die dringend Arbeitskräfte, insbesondere im Hafen, brauchten. 1946 wurden die Kanaken Bürger mit allen Rechten und Neukaledonien wurde französisches Überseegebiet.
Die Ausstellung endete mit den Zukunftsaussichten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Während für uns Mitteleuropäer mit Ende des 2. Weltkriegs eine lange friedliche Zeit begann (wenn auch mit der Bedrohung des kalten Kriegs), sah das im Indo-Pazifischen Raum ganz anders aus. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs hatten die großen Kolonialmächte diesen Teil der Welt unter sich aufgeteilt. Indochina war Französisch, die Briten waren nicht nur in Malaysia, Hongkong und Papua, Indonesien war niederländisch, die Philippinen US-amerikanisch,… Nach dem zweiten Weltkrieg folgte hier eine „Neuordnung“, mit z.T. furchtbaren Kriegen (wie in Vietnam, Ost-Timor), während der viele Staaten unabhängig wurden. Einige Menschen, die als Arbeiter vor dem Krieg nach Neukaledonien gekommen waren (zum Beispiel aus Java oder Indochina), wollten zurück in ihr nun unabhängiges Heimatland. Andere blieben, weil sie heimisch geworden waren, es ihr Land nicht mehr gab oder sich im Krieg befand. 1100 Japaner wurden um 1941 aus Neukaledonien deportiert, enteignet und verbrachten Jahre in Lagern in Australien. Sie durften nicht zurückkehren, obwohl viele von ihnen eine Familie in Neukaledonien hatten.
Und dann gab es da natürlich noch die Atomwaffentests in Australien, Bikini oder in den französischen Tuamotus. Das ist wieder ein ganz anderes Thema, auch ein wichtiges in Sachen pacifique Pacifique. Friedlicher Pazifik.
Wir haben viel Neues gelernt oder, oft noch interessanter, Bekanntes in neuem pazifisch-französischem Zusammenhang gesehen. Umso mehr man lernt, umso weniger glaubt man zu wissen.

Kleine Entdeckungen in Nouméa

Ob wohl wir nun schon so lange in dieser recht kleinen Stadt unterwegs sind, entdecken wir noch immer Neues.
Nouméa liegt auf mehreren Hügeln und zwischen den Stadtteilen gibt es Abkürzungen. Nicht selten sind das schmale Trampelpfade, die eine steile Abkürzung durchs Unterholz bieten. Belohnt wird man manchmal mit einem überraschenden Ausblick über die Stadt oder auf die Lagune.

Nobbi auf dem Schleichweg
Überraschender Ausblick über die Baie Orphelinat

Spätestens jeden zweiten Tag brauchen wir Bewegung und gerne kombinieren wir unsere Wanderungen durch die Stadt mit ein wenig Sightseeing.
Wir besuchen das Chateau Hagen. Ein hübsch restauriertes Haus, in dem es gerade eine kleine, aber durchaus sehenswerte Ausstellung zum Thema „Sinne“ zu sehen gibt. Im Obergeschoss sind einige erotische Zeichnungen weitgehend unbekleideter Schönheiten ausgestellt. Bemerkenswert finden wir die Anzahl an Warnschildern, die darauf hinweisen, dass das Obergeschoss nur vom Erwachsenen betreten werden darf. Anschließend sitzen wir noch ein bisschen im ausgesprochen schönen Garten.


Das Maison Célières, das von der Familie gleichen Namens bewohnt wurde, dient im Stadtteil Faubourg als eine Art Heimatmuseum. Wir kommen ausgerechnet zum Osterbasteln für Kinder vorbei, dürfen uns aber trotzdem umsehen und eine Pause auf einer Bank im Garten einlegen.

Maison Célières

Der Parc Forestier gefällt uns noch immer. Das Bild, dessen Entstehung wir am 60. Geburtstag beobachtet haben ist inzwischen fertig. Die Kunstaktion bei der einzelne Bäume mit „Fliegenpilz“-Stoff umwickelt wurden, erschließt sich uns nicht so richtig. Wir sind wieder ausgiebig durch den Park spaziert und haben uns die einheimischen Vögel angesehen. Auch außerhalb der Volieren leben hier sehr viele Vögel.

Auch untypische Spots stehen auf unserem Besichtigungsprogramm. Schon häufiger sind wir am Friedhof vorbei gefahren, diesmal haben wir einen Stopp eingelegt und uns umgesehen. Kein schlechter Platz für die letzte Ruhe. Geschmückt sind die Gräber mit Plastikblumen in allen Farben, das sieht zumindest von weitem sehr schön aus.


Hinterm Kreuzfahrtterminal steht ein riesiger Banyanbaum auf einem Parkplatz. An einem Sonntag nutzen wir die Chance, dass dort keine Autos geparkt sind und machen Fotos von dem schönen Exemplar. Wir sind nicht ganz sicher, ob es eine Banyan-Feige ist, es könnte auch eine andere Ficus Art handeln. In jedem Fall wäre der Baum auch in einem Park gut aufgehoben. Er wird nicht mehr umziehen, da müsste der Park schon zum Baum kommen.

Ein Prachtexemplar

Aus dem Bücherregal

An Bord von Marisol wird immer viel gelesen. Die Vorstellung, dass ein ebook-Reader stirbt und der Besitzer dann unterhaltungslos in dunkler Nacht sitzt, finden wir so entsetzlich, dass es ein wasserdicht verpacktes Ersatzgerät an Bord gibt. Doch im Moment lesen wir echte „Papier“-Bücher. Hier gibt es reichlich Lesestoff im Bücherregal der Marina. Wir finden immer wieder interessante Bücher auf Deutsch oder Englisch. Bücher die wir gelesen haben, stempeln wir und schreiben Ort und Datum rein, bevor wir sie wieder ins Regal stellen. Es ist immer spannend zu sehen, welche Boote vor uns ihre Bibliothek aussortiert haben. Besonders interessant sind natürlich Bücher mit einer Widmung drin oder Bücher, in die der Vorbesitzer gar eine Rezension geschrieben hat. An Bord bleiben dürfen die Bücher nicht. Zu schwer. Es gibt bereits Verhandlungen, weil Nobbi „heimlich“ zwei Bildbände gekauft hat. Jetzt hat er zehn Kilo verzinkte Kette aussortiert und versucht damit die Mitnahme der Bücher zu rechtfertigen.
Wie in vielen anderen Häfen zuvor räumen wir auch hier das Bücherregal auf. Einige Bücher wird nie wieder jemand lesen. Die Highlights: ein deutsches Gynäkologiebuch mit Gewebeschnitten unterschiedlicher Tumore, Erziehung von drei bis fünf Jährigen ca. 30 Jahre alt, eine Zeitschrift von einem Fliegerverein 1997 und Segelziele im Mittelmeer (1980).
Neben verschiedenen Krimis, Romanen und Segelbücher, die wir zum Teil schon kennen, lesen wir Bücher, die wir uns nie selbst gekauft hätten und lernen so ganz viel über die Fremdenlegion oder reisen mit einer Nonne durch den Nahen Osten. Ab und zu finden wir eine wahre Perle wie einen spannenden Segelthriller oder den Indonesien Revierführer, den wir schon lange lesen wollten (der darf an Bord bleiben!)

Reiseplanung: wohin führt uns die nächste Etappe?

Als wir uns im November entschieden haben hier in Nouméa zu bleiben, haben wir uns gefragt, was wir hier monatelang machen sollen. Vor ein paar Tagen ist uns aufgefallen, dass die Zeit bis zum Ende der Zyklonsaison verfliegt und wir uns nun schon ranhalten müssen alle Dinge zu tun, die wir uns vorgenommen haben.
Am 1. Mai endet hier die Zyklonsaison (hoffentlich wissen die Tiefs das!) und damit können wir endlich weiter segeln und zu neuen Zielen aufbrechen.
Wir lesen Revierführer und blättern in Reisebeschreibungen, holen uns Inspirationen aus Blogs von Seglern, die vor uns in die gleiche Richtung gesegelt sind, breiten Seekarten aus und scrollen uns auf dem Tablett von Ankerbucht zu Ankerbucht. Unter einer Palme vorm Marina Büro finden wir eine stabile Internetverbindung, die es uns erlaubt, uns ein Webinar anzusehen, in dem wir allerdings keine einzige der erhofften Informationen bekommen, dafür aber ganz neue Routenideen entwickeln. Unsere Ideen passen unmöglich in eine Segelsaison. Deshalb tragen wir die Distanzen auf einer selbstgemalten Karte ein und haben nun eine grobe zeitliche Vorstellung.
Von hier aus wollen wir zunächst nach Vanuatu segeln und in dem kleinen Archipel von Insel zu Insel segeln. Anschließend geht es nach Australien, wo wir der Küste nach Norden folgen wollen. Australien ist erschreckend groß und wir rechnen damit, dass uns spätestens hier die Zeit ein wenig knapp werden könnte. Dann wechseln wir den Ozean und den Kontinent. Das nächste Ziel ist Indonesien, ein weiteres riesiges Land. Unser Etappenziel ist Singapur, es wäre toll Ende des Jahres dort anzukommen.
Vor unserem Start zum nächsten Reiseabschnitt soll Marisol noch einen kurzen Abstecher an Land machen. Der Bewuchs hier ist sehr stark, schon mehrfach haben wir ihren Bauch geschrubbt, vom Antifouling, das wir in Neuseeland in den Regenpausen gemalt haben ist nicht mehr viel übrig.

Wir sind sehr gespannt, auf die Überraschungen, die die nächste Etappe für uns bereithält und freuen uns auf neue Länder und ihre Menschen. Mal sehen, wo wir am Ende des Jahres dann wirklich festmachen werden.

Auf dem Markt von Nouméa

Der Markt ist einer unserer liebsten Plätze hier. Jeden Morgen außer Montag findet er statt. Er öffnet lange bevor wir die Augen öffnen und endet gegen zwölf. Praktischerweise ist er ganz nah an der Marina direkt am Hafenbecken.
In einem Pavillon ist der Fischmarkt untergebracht, in den anderen wird hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft, aber auch Souvenirs, Blumen, Gebäck, Honig und viele Leckereien von Frühlingsrollen über süßen Reis im Bananenblatt bis zu Kokos-Eis. Samstags und sonntags ist am meisten los, vor dem Marktgebäude stehen mehr Stände, die bunte Tücher, Seifen und Tüdelüt anbieten, die Trinknüsse sind manchmal schon vor zehn ausverkauft und einige Verkäufer sind auch nur am Wochenende auf dem Markt. Auf dem Markt gibt es auch das absolut beste Weltkulturerbe. Das perfekte Baguette. Das „Tradition“ von der netten Dame im mittleren Pavillon.
Immer geöffnet ist das Café in der Mitte des Marktes. Wenn wir sonst keine Pläne haben, sitzen wir hier gerne, trinken einen Espresso und gucken Leute. Ist der Espresso an den anderen Tagen eine Option, gehört er sonntags inzwischen zum liebgewonnenen Pflichtprogramm. Wir werden es vermissen. Den Kaffee, die netten Bedienungen, das Gewusel. Und es deshalb jetzt ausgiebig genießen. Es ist schließlich Sonntag.

Ein entspannter Sonntagsausflug und ein etwas zu ereignisreicher Segelausflug

Wir dürfen das Auto unserer Nachbarn benutzen und verschieben alle geplanten Arbeiten für den Sonntag auf später. Nach einem Abstecher zur Quelle, um die Wasserkanister zu füllen, wollen wir das Erfolgsmodel vorangegangener Ausflüge wiederholen. Kurz wandern und lange Baden. Wir laufen am Rivière des Pirogues entlang, hier waren wir vor einigen Wochen schon mal. Diesmal laufen wir ein bisschen weiter und werfen einen Blick auf einen Wasserfall und einen tollen Badeplatz. Hier findet aber gerade ein Treffen vom Wanderverein statt. Wir suchen uns unseren eigenen Badespot, kühlen uns im frischen Wasser ab und verspeisen unser Picknick. Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass man sich die Haut doch sehr viel mehr an den harten Pflanzen verletzt, wenn man zuvor bei einem ausgiebigen Bad die Haut aufgeweicht hat. Trotz einiger Kratzer war es wieder schön und darf wiederholt werden.

Der Wetterbericht verspricht schlechtes Wetter für Mitte der Woche, wir entscheiden uns deshalb vorher noch eine kleine Ausfahrt zu unternehmen. Morgens kaufen wir ein und schlagen das Vorsegel wieder an, dann geht los. Der Motor spuckt schwarzes Kühlwasser, nimmt seine Arbeit dann aber auf. Gleich nach dem Verlassen der Marina kalibrieren wir unseren Autopiloten, dazu müssen wir langsam mehrere Kreise fahren. Wir sind froh, dass er wieder einwandfrei funktioniert. Für die Reparatur der Steuersäule haben wir ihn demontiert und nach dem Zusammenbau tat sich erstmal nichts. Wir hatten befürchtet, dass wir ihn eventuell ausversehen kurzgeschlossen haben, doch es lag nur an einer Steckverbindung, die sich getrennt hatte. Da sie im Schrank, hinter den Klopapiervorräten ist, war das Problem nicht ganz so einfach zu finden.
Wir setzen das Großsegel und freuen uns über den frischen Segelwind, auch wenn sich schon wieder eine beachtliche Welle aufgebaut hat. Ein lautes „Zong“ lässt uns erschrecken. Die Hebelklemmen die das Großfall und die Reffleine halten haben sich verabschiedet. Sie sind aus dem Deck gekommen und gegen die Scheibe im Cockpit gerumst. Wir sichern Fall und Reffleine auf den Winschen und sind erleichtert, dass unser Segel heil geblieben ist. Ganz überraschend kommt das Versagen der Hebelklemmen nicht. Wir haben die Vorgänger noch in Deutschland getauscht. Da wir die Schrauben nicht aus dem Deck bekommen haben, haben wir den Auftrag an einen Bootsbauer gegeben. Irgendwann haben sich die Hebelklemmen an Backbord aus dem Deck gehoben. Wir haben sie abgebaut, festgestellt, dass die Arbeit erschreckend schlecht erledigt worden war und die Klemmen neu angebaut. Mit deutlich längeren Bolzen, die wir mit Epoxy eingesetzt haben. Hätten wir die Steuerbordklemmen doch auch gleich hochgenommen und neu eingebaut.
Wenig später verabschiedet sich auch noch der Baumniederholer. Eine Curry- Klemme ist gebrochen. Langsam wird es uns zu wild, wir entschließen uns abzudrehen und eine ruhige Bucht an der Hauptinsel anzulaufen. Kurz vorm angepeilten Ankerplatz machen wir die Maschine an und bergen das Segel. Als ich Gas gebe, weil ich Maris Nase in den Wind drehen will, kommt keine Leistung. Der Motor nimmt kein Gas an, qualmt und das Kühlwasser ist schwarz. Unter Standgas schleichen wir uns an den Ankerplatz und sind etwas demotiviert.
Nobbi taucht später, stellt fest, dass wir uns keine Plastiktüte um den Propeller gewickelt haben, aber das der Propeller ziemlich bewachsen ist. Das scheint aber nicht unser einziges Motorproblem zu sein. Wir überlegen was das Problem sein könnte, lesen in unseren Motorbüchern, streicheln den Motor ein bisschen und machen einige Tests. Er nimmt wieder Gas an, aber hat weiterhin irgendein Problem. Die Einspritzdüsen? Wir werden sehen.
Abends genießen wir einen spektakulären Sonnenuntergang und freuen uns über einen wolkenlosen Sternenhimmel.

Wir beschließen, dass wir nach der Aufregung vom Vortag einen gemütlichen Ankertag verdient haben. Lesen, kochen, Sonnenuntergang angucken. Unser Gecko zeigt sich endlich mal wieder. Während wir Kaffee trinken, genießt er eine Ameise.
Am Mittwoch sind wir auf, bevor die Sonne über den Berg guckt und schon um halb sieben unterwegs. Wir wollen zurück in die Marina, bevor am Donnerstag das schlechte Wetter kommt. Der Motor läuft, aber mehr als 1600 Umdrehungen sind nicht drin. Geben wir mehr Gas, ist das Kühlwasser schwarz. Wir sind nie schnell unter Motor, schon gar nicht wenn wir gegen eine unangenehme Welle an motoren müssen. Nun sind wir eben noch etwas langsamer. Das Motto ist Tee trinken und geduldig bleiben. Es ist ein schöner sonniger Morgen, trotzdem sind wir erleichtert als wir unseren Liegeplatz erreichen.
Das schlechte Wetter ist eingetroffen. Heute schüttet es ohne Ende und auch die nächsten Tage sollen ziemlich nass werden. Die Zeit nutzen wir um über die nun wieder etwas längere ToDo-Liste nachzudenken und von neuen Reisezielen zu träumen.

Bei Sonnenaufgang sind wir unterwegs.
Mit Tee und Geduld zurück nach Noumèa.

Mission Steuersäule

In unserer Steuerung ist ein wenig zu viel Spiel. Wenn man das Steuerrad dreht, hat man ein etwas wabbeliges Gefühl. Das gefällt uns nicht. Wir haben uns auf die Suche nach Konstruktionszeichnungen unserer Steuersäule gemacht und neue Lager bestellt. Meine Eltern haben die Lager nach Singapur mitgebracht und ich habe sie dort abgeholt. Nobbi hatte schon vorher einige schlaflose Nächte und auch ich habe Befürchtungen. Irgendwann müssen wir es angehen, jetzt ist der richtige Moment.
Als erstes bauen wir den Kompass aus und verstauen ihn sicher im Vorschiff. Solche Baustellen bieten die große Gefahr unverzeihliche Kollateralschäden zu verursachen. Steuerrad, Autopilot, Haltebügel, Getriebeschaltung, diese Dinge haben wir schon häufiger abgebaut. Kein Problem. Dann wird es spannend. Um die oberen Elemente abnehmen zu können, muss man zwei Sicherungsstifte ziehen. Die Stifte wollen nicht weichen. Schließlich, lassen sie sich, mit massiver Gewalteinwirkung doch überreden. Einer der Stifte fliegt dabei durchs Cockpit und verschwindet im Abfluss. Das kann doch nicht wahr sein! Ich klettere auf die Badeleiter und halte unter Wasser die Hände vor den Auslass. Nobbi stochert mit einer Leine vom Cockpit aus darin herum. Tatsächlich, der Stift war noch nicht im Hafenbecken verschwunden, sondern lag im Abfluss. Glück gehabt!!! Wir stülpen einen Eimer über die nun oben geöffnete Säule und beschließen am nächsten Tag weiterzumachen.
Nobbi liegt auf dem Rücken in der Achterkoje und schraubt dort den Fuß der Säule los, ich brauche nur von oben gegenhalten. Beim Lösen der Schubstange, die die Kraft zum Ruder überträgt fällt ihm ein 24er Schlüssel auf die Nase. Er ist etwas beschädigt,
Nun können wir die Säule endlich aus dem Cockpit heben und die äußere Hülle lösen. Endlich halten wir das Innenleben der Steuersäule in den Händen. Jetzt müssten wir die Lager abziehen, durch die neuen ersetzen und schon könnten wir alles wieder zusammenbauen. Nobbi hat schon ausgiebig darüber nachgegrübelt, wie er es schaffen soll das untere Lager über die ganze Achse nach oben abzuziehen. Nun sind wir doch etwas sprachlos. Gleichzeitig stellen wir fest, dass sich das untere Lager nicht von der Achse schieben lassen wird. Oben ist ein kleiner Ring angeschweißt, der das obere Lager positioniert, unten ein Winkel. Eine kleine Abweichung von der Konstruktionszeichnung mit großer Wirkung. Plan B wird geboren. Das können wir nicht selbst. Der Hebel, der die Übertragung aufs Ruder übernimmt, muss abgetrennt und anschließend wieder angeschweißt werden.
Charly hatte bei der Reparatur der Hydrovane gute Arbeit geleistet und wir wissen, dass er Stahl, Niro und Alu bearbeiten kann. Leider ist Charly beim ersten Versuch nicht in seiner Werkstatt. Mal wieder bekommen wir Hilfe vom Marina Büro, eine der Frauen telefoniert für uns. Am nächsten Nachmittag sollen wir vorbeikommen.
Wir erklären Charly unser Problem, das ist nicht ganz einfach, unser Französisch ist zu schlecht und Charly spricht kein Englisch. Der Handwerker aus der Nachbarwerkstatt hilft und übersetzt.
Das Ganze gestaltet sich als nicht gerade trivial. Eineinhalb Stunden gibt Charly alles. Mit Flex, Hydraulikpresse, Schweißgerät, einer Armada weiterer Geräte und mehreren spontan zurecht gesägten Hilfskonstruktionen schafft er es die Lager zu entfernen. Das obere Lager leistete deutlich mehr Widerstand als erwartet und das untere Lager war in der Schale, in der es gelagert ist, so elegant festkorrodiert, dass gar nicht mehr sichtbar war, dass es sich ursprünglich um zwei Teile handelte. Einige Male hatten wir Angst, dass Charly aufgibt, doch er hatte für jedes auftauchende Problem eine neue Idee. Nachdem dann auch noch die neuen Lager eingepresst und der Steuerhebel wieder im 90 Grad Winkel am unteren Teil der Welle verschweißt ist verlassen wir die Werkstatt sehr erleichtert und sind einen riesigen Schritt weiter.
Bevor wir nun alles wieder einbauen, könnten wir doch die korrodierten Stellen außen am Fuß lackieren, denken wir uns. An wenigen Stellen kommt der Lack freiwillig runter, sonst nur sehr zögerlich. Das ist im Prinzip super, dass der Lack nach 30 Jahren wunderbar haftet, nur eben nicht wenn man „mal eben“ lackieren möchte. Wir entscheiden uns gegen die große Lösung, wir haben hier keine Werkstatt, wollen das auch nicht in Auftrag geben, sondern entscheiden uns, nur die schlimmen Stellen zu reparieren. Ich male das unhandliche Teil unter Deck, auf dem Tisch, Nobbi hält es fest und bindet es anschließend fest, so dass es nicht umfällt. Dann gehen wir zum Markt einen Kaffee trinken. Als wir zurückkommen ist der Lack soweit trocken, dass das Teil im Bad angebunden werden kann, um dort weiter zu trocknen. Wer etwas aus den Schränken im Bad braucht, hat Pech. Drei Anstriche gönnen wir uns – und dazwischen drei ausgezeichnete Espressi.
Zwischendurch passieren immer wieder Dinge, die den Fortgang der Arbeiten entschleunigen. Nobbi setzt den Multimaster an und möchte mit der Scheibe schleifen. Da zerlegt sich die Schleifscheibe in zwei Teile. Macht nichts, wir haben noch eine. Zack, wieder zwei Teile. Also werden diese Teller, auf die man das Schleifpapier klettet, erstmal mit Epoxi neu zusammen geklebt.
Hochmotiviert machen wir uns an den Einbau. Und, es ist mal wieder schlimmer als gedacht. Die Sicherungsstifte wollen nicht wieder an ihren Platz. Schließlich gewinnt Nobbi, aber es ist ein schmerzhafter Sieg. Diese mechanischen Baustellen, wo es am Ende doch nur mit Gewalt geht, mögen wir beide nicht. Dann können wir die Säule wieder an ihren Platz stellen und festschrauben. Nun haben wir endlich kein Loch mehr im Cockpitboden. Wir hatten einfach die Gasflasche auf das Loch gestellt und es ist auch bei starken Regenschauern erstaunlich wenig Wasser ins Schiff gekommen. Jetzt wird es wieder lustiger. Wir müssen die Länge der Schubstange neu einstellen. Ich sitze in der achteren Backskiste, Nobbi liegt in der Achterkoje. „Dreht das Gewinde links?“ „Welches links?“ „Kürzer!“ „Nee, andersrum“. Gar nicht so einfach. Ich peile die Mittschiffslage des Ruders während ich bis zu Hüfte im Wasser auf der Badeleiter stehe und Nobbi stellt in der Achterkammer die Länge der Schubstange ein. Schließlich sind wir zufrieden. Für die Endabnahme springt Nobbi mit der Taucherbrille in das Hafenbecken. Kein Vergnügen.
Letztlich brauchen wir fast zwei Wochen, in denen wir natürlich nicht ununterbrochen, aber eben immer wieder daran arbeiten. Wir sind froh, dass wir diese Aufgabe hinter uns gebracht haben. Das untere Lager war völlig hin. Zwischendurch haben wir ernsthaft überlegt, ob wir nicht einfach auf eine Pinne umrüsten sollten, dann hätten wir den ganzen Ärger nicht. Aber wo lassen wir dann unseren Kompass? Jetzt hoffen wir, dass wir auch nach der Testfahrt zufrieden sind und diese Lager auch erst in 30 Jahren wieder getauscht werden müssen.

Endlich haben wir die Achse mit den Lagern freigelegt
Da braucht man kein Experte sein, das Lager ist hin.
Charly gibt alles. Die Reste des kaputten Kugellagers müssen raus.
Oben das neue Lager, darunter die alten.
Nun muss der „Steuerhebel“ noch wieder angeschweißt werden.
Eine Arbeitsposition schöner als die andere…

Wetter, ein neues Telefon und eine Beinahe-Rettung

Letzte Woche haben die beiden Zyklone Judy und Kevin das Geschehen auf der Wetterkarte bestimmt. Wir hatten Glück, es gab zwar Vorwarnung und die Aufforderung das Wetter zu beobachten, aber es blieb bei ein paar schwülen und regnerischen Tagen. Weniger Glück hatte Vanuatu. Die beiden Wirbelstürme sind in wenigen Tagen auf sehr ähnlichem Track über den Inselstaat gefegt. Beide Stürme waren mit Kat 3-4 bzw. 4 (das Ganze ist etwas verwirrend, weil es verschiedene Skalen gibt) recht stark. Kevin erreichte sogar kurzzeitig Kat 5, zum Glück aber erst, als er sich auf dem insellosen Ozean austobte.
Zyklon Freddy bricht gerade alle Rekorde im Indischen Ozean. Der Sturm wurde Anfang Februar zwischen Indonesien und Australien auf dem indischen Ozean geboren. Nachdem er den ganzen Indischen Ozean überquert hatte, überquerte er Madagaskar und traf in Mozambique den afrikanischen Kontinent. Normalerweise „sterben“ diese Stürme über Land. Freddy jedoch hat neue Energie bekommen, ist umgekehrt, hat wieder die Straße von Mosambik überquert, wieder Madagaskar getroffen, wieder kehrt gemacht und trifft nun wieder das Festland. Seit ein paar Tagen ist trägt er den zweifelhaften Titel des am längsten lebenden Zyklons.
Wetterseitig ist es gerade ruhig bei uns, so darf es gerne bleiben. Wir tüddeln uns durch den ganz normalen Langfahreralltag mit Bootsarbeiten, Wäsche waschen, Steuererklärung und gelegentlich einem Mittagessen im Schatten der großen Bäume auf dem Place de Cocotiers.
Nobbis Handy hat ein Bad genommen. Nein, es ist nicht ins Hafenbecken gesprungen, sondern ist ins Süßwasser gefallen. Trotz umfassender Wiederbelebungsversuche konnten wir es nicht retten. Das neue Telefon einzurichten war nicht ganz trivial, schließlich haben wir hier ein schwaches WLAN und keine Möglichkeit SMS zu empfangen, was ein Manko beim Freischalten unterschiedlichster App ist. Wir haben wieder ganz viel gelernt und Nobbi ist wieder rundum einsatzfähig. Es ist schon beruhigend, wenn man wieder Zugriff auf seine Konten hat…
Gestern Morgen sind wir um halb sechs aus dem Bett gefallen. Wildes Gehupe. Hier wird ausgiebig protestiert. Also haben wir beim Frühstück recherchiert, Grund für die Proteste ist eine Reform der Krankenversicherung. Die Anhebung der Beiträge trifft unter anderem die Fahrer der Minen, dementsprechend imposant sind die Fahrzeuge, die hupen und Kreuzungen und Durchfahrtsstraßen lahmlegen.
Mittags hatten wir Besuch vom großen Lotsenboot. Ein wenig peinlich. Für uns. Vor ein paar Tagen, als wir beide mitten in einer blöden Reparatur steckten, stelle Nobbi fest, dass eine meiner Schwimmesten sich aufgeblasen hatte. Die Salztablette war zerbröselt. Wir beschließen es als Wartung einzustufen. Sie bläst sich auf und hält die Luft, also ist sie in Ordnung. Bevor wir sie nun wieder richtig zusammenlegen und wegpacken, wollen wir die persönlichen AIS Signale testen. Die Dinger sind in der Schwimmweste befestigt. Sollte ich ins Wasser fallen, soll das Ding ein AIS Signal senden und Nobbi helfen mich wiederzufinden. Natürlich hat Nobbi auch eins. Während wir versucht haben rauszufinden, wie man die kleinen Geräte testet, haben wir wohl eins ausgelöst. Die Crew des großen Lotsenbootes hat unser Signal gesehen und ist mal kurz vorbeigekommen. Sie waren übrigens sehr freundlich und haben nur gelacht.
Auf dem Weg zum Schiffshändler kommen wir an einer Schiffstaufe vorbei. Der Zoll hat ein neues Boot bekommen, das nun getauft wird. Die Zöllner tun uns ein wenig leid, müssen sie doch in der prallen Sonne warten. Für wichtige Leute und die Gäste gibt es schattenspendende Pavillons. Wir beobachten das Geschehen aus dem Schatten einer Palme. Neben uns stehen zwei Möwen. Sogar den Vögeln ist es zu warm in der Sonne.

Warten auf die Taufzeremonie

Briefgeheimnis mal anders

Irgendwann im Dezember wurden wir gefragt, an welche Adresse man uns Weihnachtspost schicken könne. Kurz vor Weihnachten beginne ich jeden Tag im Marina Büro nachzuschauen bzw. zu fragen, ob Post für uns angekommen ist. Es dauert. Keine Post für Marisol.
Dann erhalte ich eine Nachricht aus Deutschland. Mareike schreibt, dass die Weihnachtspost zurückgekommen ist. Auf dem Umschlag ist ein Stempel, dass die Zustellung ins Bestimmungsland nicht möglich ist. Ich bekomme Fotos des Inhalts und freue mich wieviel Mühe sie sich gemacht hat.
Wir wussten, dass DHL keine Pakete mehr nach Neukaledonien verschickt. Schade, wir hatten gehofft, dass wir uns einige Kleinigkeiten schicken lassen könnten. Ein Blick auf die Internetseite zeigt, dass in viele Pazifikstaaten nicht zugestellt wird. „Aufgrund der COVID 19 Pandemie oder wegen sonstiger internationaler Ereignisse“ kann sich die Zustellung verzögern bzw. ist nicht möglich und „Überflugverbote Russlands“ führen dazu, dass Transportkosten höher sind, einige Destinationen nicht bedient werden usw. Wir dachten, so ein Brief würde einfach nach Frankreich gehen und von dort nach Neukaledonien.
Am 28. Februar kommt Nobbi aus dem Marina Büro zurück und freut sich. Wir haben Post! Die Weihnachtskarte von meinen Eltern ist doch noch angekommen. Nach mehr als zweieinhalb Monaten hat der Brief den Weg um die halbe Welt zurückgelegt und wird Nobbi im Büro persönlich übergeben. Der Briefumschlag ist gestempelt „Zurück an den Absender. Postverkehr mit dem Bestimmungsland ist momentan unterbrochen. Die Wiederaufnahme ist zur Zeit nicht absehbar“. Der gleiche Stempel war auf Mareikes Brief. Anscheinend wurde der Brief von meinen Eltern am 16.02. noch einmal gestempelt und dann doch versendet?
Wie der Brief es geschafft hat hierher zu kommen bleibt sein Geheimnis. Wir freuen uns über die überraschenden Grüße.