In fünf Etappen zur Torres Straße

Wir liegen bei Horn Island vor Anker und haben damit die Nordspitze Australiens erreicht. Von Night Island sind wir noch fünf weitere Etappen gesegelt.
Eine sportliche Etappe nach Portland Road forderte uns. Morgens dachten wir zunächst wir hätten einen schweren Fehler gemacht unseren Platz in Night Island aufzugeben, viel Wind und die steile Welle von der Seite machten den Start sehr rau. Nach 2h wurde es ruhiger und wir haben die 40 Meilen zum nächsten Ankerplatz schnell bewältigt. Hier sahen wir mal wieder eine andere Yacht, einen Motor-Kat, den wir schon aus Lizard kannten und der genau wie wir furchtbar im Schwell rollte.
Am nächsten Tag ging es in die Margaret Bay hinter Cape Grenville. Wieder ein flotter Segeltag, schnelle 45 Meilen. Immer wieder wundern wir uns über die hohen steilen Wellen, die sich schnell aufbauen, also kein Wellnesssegeln. Aber tolles Wetter. Kurz vorm Ankerplatz segeln wir zwischen den Home Islands hindurch, eine schöne Passage zwischen sandigen Trauminseln. Später finden wir hier heraus, dass wir hier ein Anwesen auf einem privaten Eiland pachten könnten, entscheiden uns aber dagegen. Am Ankerplatz beobachten wir Delfine, die im nur 4m tiefen Wasser jagen und eine Luxusyacht, die diesen Platz mit uns teilt.
Um die nächste Etappe etwas zu verkürzen ziehen wir am nächsten Morgen in die Shelbourne Bay um. Nur 10 Meilenliegen vor uns, das Wetter scheint ruhig und sonnig, wir freuen uns auf einen kurzen Tag und einen entspannten Nachmittag. Mal wieder haben wir uns getäuscht. Die kurze Etappe ist extrem rau und der neue Ankerplatz sehr flach, wir haben inzwischen Springzeit, die Niedrigwasser sind besonders niedrig und wir trauen uns nicht so weit ins flache Wasser, dass wir wirklich geschützt liegen. Einen Meter Wasser wollen wir gerne unter dem Kiel haben, da sich in der flachen Bucht richtiger Seegang entwickelt hat. Nachmittags reparieren wir bei satten 6 Bft unser Bimini und werden fast weggeweht. Der Sonnenschutz ist wichtig und wir wollen nicht riskieren, dass die Naht noch weiter reißt. Wir schlafen besser als erwartet, allerdings nur kurz. Um halb zwei klingelt der Wecker, eine lange Etappe liegt vor uns. Nach einer aufmunternden Tasse Kaffee geht es um zwei Uhr los. Im Mondlicht setzen wir Segel, der Seegang hat sich beruhigt und wir segeln Tee trinkend in den frühen Morgen. Bald begleiten uns Delfine. Wir freuen uns sehr, hier haben wir viele Delfine gesehen, aber sie wollten uns, anders als in anderen Gebieten, nie begleiten. Ein wenig müde genießen wir den Segeltag und freuen uns darüber, dass unser Zeitplan aufgeht. Wir wollen durch die Albany Passage fahren und bei Niedrigwasser vor der Einfahrt stehen, so dass die einsetzende Flut uns durch die 2 Meilen lange Enge trägt. Trotz perfektem Zeitplan steht das Wasser in der Durchfahrt leider nicht still. Wir fahren schließlich gegen 2 Knoten Strom und kabbeliger Welle durch die Passage und beobachten, dass der Strom erst 2 Stunden später kentert. Nach 80 Meilen sind wir müde, etwas genervt und haben beide Kopfweh. Unsere Stimmung steigt gewaltig, als der Ankerplatz in der Shallow Bay direkt nach der Enge sich als schwellfrei und windstill entpuppt. Damit hatten wir nicht mehr gerechnet. Neerströme drehen Mari gelegentlich in die eine oder andere Richtung. Wir schlafen zehn Stunden und sind dann bereit für die letzte Tagesetappe.
Der Strom schiebt uns flott auf Horn Island zu, die Sonne scheint und das Wasser hat wieder diese ganz besondere Farbe, irgendwo zwischen türkis und jadefarben, leicht milchig leuchtet es. Wolken lassen es petrol bis dunkelblau werden. Cape York, die Nordspitze des australischen Festlands, ist eine harmlose Landspitze. Etliche Schildkröten sehen wir an diesem Vormittag und immer wieder umkreisen uns Tölpel. Dank des schiebenden Stroms sind wir schnell am Ziel. Die Beamten von der Border Force Police umkreisen uns mit einem Boot, machen ein Foto von uns und winken. Wir werden gut bewacht. Am Ankerplatz liegen ein paar Yachten, einige Arbeitsschiffe und ein paar heruntergekommene Wohnschiffe. Wir suchen uns einen Platz mit genügend Schwoi-Raum. Der Strom dreht die Schiffe alle sechs Stunden herum und oft liegen die Schiffe quer zum frischen Wind.

Von Cairns bis Horn Island haben wir 518 Meilen in 13 Tagesetappen und zweieinhalb Wochen zurückgelegt. Nun liegen wir in der Torres Strait, der Meerenge zwischen Papua und Australien, hier haben wir nicht nur das Great Barrier Reef, sondern auch den Pazifik verlassen. Der Abschied vom Pazifik, dem Ozean der Träume, fällt ein klein wenig schwer und doch freuen wir uns sehr auf einen neuen Ozean und einen neuen Kontinent.

Übrigens, die letzten Einträge habe ich um Fotos ergänzt.

Endlich ein Croc im Croc-Country

Samstag 22. bis Mittwoch 26. Juli
Krokodil-Witze haben Hochkonjunktur an Bord. Bei jedem Baumstamm der vorbeitreibt, vermuten wir, dass sich ein Croc darunter versteckt, und Nobbi fragt mich, ob ich lieber eine Handtasche oder Schuhe haben moechte. Wir sind an unserem Ankerplatz angekommen, ich sitze im Cockpit und suche mit dem Fernglas den Strand ab. Gerade will ich Nobbi von dem Baumstamm erzaehlen, der aussieht wie ein Krokodil, da sehe ich es. Unser erstes Croc. Dieses Urzeitwesen mit seinem langen Schwanz. Es liegt am Ufer, gerade soweit, dass es nicht nass wird. Es ist bestimmt 4m lang. Nobbi bietet an, sich zum Groessenvergleich daneben zulegen, macht dann aber doch einen Rueckzieher, als ich ihn frage, ob er sofort rueber schwimmen moechte.
An unserem letzten Ankerplatz hatten wir morgens schon Krokodilspuren gesehen, aber leider nicht die Tiere dazu. Wir beobachten es stundenlang, auch wenn es ein ziemlich langweiliges Tier zum Beobachten ist, es macht ja nichts. Es liegt einfach nur herum. Als die Sonne untergeht ist es noch da, am naechsten Morgen ist es weg.

Die Tage sind abwechslungsreich und ueberraschend verschieden. Einen tollen Segeltag erleben wir von Lizard nach Howick. Das Wasser ist tuerkis, die Sonne scheint, wir sind flott unterwegs und das Segeln macht Spass. Ausserdem sehen wir ganz viele Tiere. Wale (Minkwale?), immer wieder Delfine, einen Hai und Duzende Schildkroeten. Der naechste Tag ist fast windstill, wir motoren die ganze Strecke (ueber 50 Meilen) bis zum naechsten Ankerplatz bei Stanley Island und sehen nicht einen einzigen Meeresbewohner, obwohl das Wasser ganz glatt ist. Dafuer sehen wir gleich zwei Schiffe, zwei Viehtransporter, die sich auf unserer Hoehe begegnen.
Unsere naechste Etappe beginnt unangenehm, der Wind hat auf Suedwest gedreht und steht ploetzlich auf den Ankerplatz, wir segeln zunaechst auf Am-Wind-Kurs und nicht nur das Schiff wird komplett eingesalzen. Wie sehen zwei Fischkutter und werden von der ABF, der Australien Borderforce, ueberflogen. Das Flugzeug fliegt dicht ueber uns und blinkt uns an, dann werden wir ueber Funk gerufen. Nobbi gibt Auskunft, woher, wohin, wie wir heissen, welcher Heimathafen und schon sind sie wieder weg.
Auf der Strecke zwischen Fife und Night Island sehen wir zwei Motoryachten, eine ueberholt uns, eine kommt uns entgegen. Und die Fische springen. Immer wieder. Fische von bis zu einem Meter Groesse springen Meter hoch aus dem Wasser, gerne wuerden wir den Jaeger sehen.
Zunaechst haben wir deutlich weniger Wind als erwartet. Es gibt mal wieder eine Starkwindwarnung. Davon merken wir nichts, wir reffen aus und sind trotzdem langsamer als erhofft, zum Teil kommen wir nur mit 4 Knoten voran. Als wir ihn nicht mehr gebrauchen koennen, kommt der Wind schliesslich doch noch. Auf den letzten Meilen werden wir sehr schnell und bergen die Segel bei hohem Seegang.

Insgesamt ist es wechselhafter als gedacht und regnet ueberraschend viel, meistens zum Glueck nachts. Die Planung ist etwas schwierig. Mal haben wir viel weniger Wind als gedacht, mal kommt er aus einer ueberraschenden Richtung. In der Stokes Bay in Stanley Island dachten wir, wir laegen gut geschuetzt, ob es nun weht oder nicht. Um vier Uhr morgens ist es windstill und wir freuen uns ueber den grandiosen Sternenhimmel. Eine gute Stunde spaeter werden wir vom Seegang wach, der Wind hat auf Suedwest gedreht und weht nun in die Bucht was uns zu beschleunigtem Aufbruch motiviert. Am gleichen Abend ankern wir hinter Fife Island, wir haben erst eine Stunde geschlafen, da nimmt der Wind zu, aus Ost-Nord-Ost. Wir haben gerade so eben noch etwas Schutz, mehr Wind sollte es nicht werden. Nach zwei Stunden dreht der Wind auf Suedost, wir liegen wieder ganz ruhig und schlafen wunderbar.

Die Ankerplaetze an den Inseln und Inselchen sind ganz verschieden und alle schoen. Der Ankergrund war bisher ueberall super, der Anker beisst in den Grund sobald er Gelegenheit dazu hat. Howick Island ist flach und dicht mit Mangroven bewachsen, hat einen Riffsaum und wird von Pelikanen bewohnt. Wir sehen 5 Leuchtfeuer vom Ankerplatz, aber kein einziges Schiff.

Die Inseln der Flinders Group, wo wir in der Stokes Bay von Stanley Island ankern, sind hoch, der hoechste Berg ueber 300m. Die Windseite der Inseln ist felsig und hat schroffe Klippen. Unsere Bucht hat einen weissen Strand mit einigen Steinplatten und ist dicht bewaldet.
Ganz anders sieht Fife Island aus, das kleine sandige Eiland liegt auf einem grossen Riff und hebt sich nur ganz knapp ueber die Meeresoberflaeche. Einige karge Straeucher haben hier Fuss gefasst und eine einzelne Kokospalme waechst mitten auf der Insel. Hier leben tausende Voegel, Moewen, Reiher und grosse Greifvoegel (Adler?). Eine lange Sandbank saeumt das grosse Riff und bietet uns einen geschuetzten Ankerplatz.
Night Island ist eine schmale, lange, Mangroven bestandene Insel, nur an der Nordwestseite gibt es ein paar Meter weissen Sandstrand und genau hier lag das Krokodil in der Sonne. Auch hier wohnen viele Voegel. Wir sehen bunte Papageien, die zu ihren Schlafbaeumen fliegen, viele Ibisse und tausende kleiner Schwalben.

Das Australische Festland an dem wir entlang segeln liegt meist im Dunst oder ist wolkenverhangen. Oft sehen wir nur die Silhouetten der Berge. Am Cape Melville kommen wir der Kueste ganz nah und koennen uns das Kap aus der Naehe ansehen. Es sieht aus, als waeren Kiesel hoch aufgestapelt worden. Nur, dass die Korngroesse bei ueber 10m liegt. Lauter grosse Granitbrocken tuermen sich zu hohen Bergen auf.

Heute Morgen haben wir beschlossen, noch einen Tag hier vor Night Island liegenzubleiben. Es gibt Broetchen zum Fruehstueck, wir waschen Waesche, putzen ein bisschen an unserer Mari herum, Nobbi wechselt den Zahnriemen am Wassermacher und ich backe einen Apfelkuchen. Immer wieder suchen wir mit dem Fernglas den Strand ab, ob unser Croc zurueckkommt? Bei Sonnenuntergang ist es so weit. Gleich zwei grosse Krokodile sind im flachen Wasser unterwegs. Wir beobachten sie bis es dunkel ist und wir sie nicht mehr erkennen koennen.

Wo ist das Croc?

Pause im Paradies – Lizard Island

Dienstag 18.7. bis Freitag 21.7.
Dienstagmorgen ist das Wetter freundlich. Vermutlich wäre es schlau früh los zu segeln bevor der Wind zunimmt, wir entscheiden uns trotzdem für ein gemütliches Frühstück. Kurz überlegen wir an diesem friedlichen Platz einen Ruhetag einzulegen und entschließen uns dann nach Lizard Island zu segeln. Wir können die Insel schon sehen, heute liegen nur 20 Meilen vor uns.
Lizard Island ist zweifelsohne der beliebteste Platz an diesem Küstenabschnitt. Aus gutem Grund. Die Insel bietet einen sehr guten Ankerplatz, eine interessante Tierwelt, ein abwechslungsreiches Freizeitangebot, eine spannende Geschichte und ist einfach wunderschön.
Wir bergen die Segel im Schutz der Insel, eine hohe Welle schiebt uns in Richtung der hohen Felsen und wir tasten uns langsam in die Bucht. Einige Yachten liegen vor dem weißen Strand. Das Riff mitten in der Bucht ist gut zu sehen und mit Bojen gekennzeichnet. Wir lassen unseren Anker auf 3,5m Wassertiefe in den Sand fallen.
Wir gönnen uns einen gemütlichen Lese-Nachmittag im Cockpit und genießen es, endlich mal wieder zu baden. Die Queensland-Küste ist Croc-Country. Nach Norden nehmen die Bevölkerung ab und die Krokodile zu (ob da ein Zusammenhang besteht?). Die Crocs leben gerne in den Mangrovenbuchten am Festland, werden aber auch immer wieder auf den kleinen Riff-Inselchen gesichtet. Außerdem bietet das Great Barrier Reef noch Haie (nicht alle sind freundlich) und je nach Saison tödliche Quallen. Wassersportler und Badebegeisterte haben es also schwer. Kurz nachdem wir geankert haben, springen die Nachbarn von ihrem Boot ins Wasser, ein Segler schwimmt vom Strand zu seinem Boot und am Riff mitten in der Bucht wird geschnorchelt. Wir entscheiden, dass wir dann auch baden können und freuen uns sehr, denn ankern ohne baden macht einfach weniger Spaß. Am Strand stehen übrigens Croc-Warnschilder.
Mittwochmorgen gibt’s vom Wetterdienst mal wieder eine Starkwindwarnung. Den Wetterbericht können wir hier auf Kurzwelle hören oder mit dem Pactor-Modem abrufen. Wir haben heute keine Ambitionen weiterzusegeln. Das Wasser leuchtet türkis, der Strand weiß und wir waren noch gar nicht an Land. Wir falten das Bananaboot auseinander und rudern an den Strand. Andere Segler versorgen uns mit Tipps, wie dem besten Schnorchelplatz. Sie sind schon länger hier und bleiben auch noch einige Monate in der Gegend, bis der Wind dreht und sie nach Süden segeln.
Unsere Wanderschuhe kommen zum Einsatz, der Berg ist 359 m hoch und wir wollen dem Wanderweg auf den Aussichtspunkt folgen. Dies ist ein berühmter Ort und eigentlich Pflichtprogramm für Segler. Vor 250 Jahres ist James Cook auf diesen Berg gekraxelt und hat nach einer Ausfahrt aus dem Riff gesucht. Weil auch James Cook und seine Mitreisenden Blog äh Tagebuch geschrieben haben, wissen wir, dass sie am 12. August 1770 auf diesem Felsen standen. Einige Wochen vorher waren sie mit ihrer „Endeavour“ aufs Riff aufgelaufen, konnten sich befreien und haben ihr Schiff im Endeavour River in Cooktown (was es damals natürlich noch nicht gab) repariert. Im Gipfelbuch sehen wir, dass wir Freunde nur um Stunden am Ankerplatz verpasst haben, und freuen uns über einige uns bekannte Namen. Von Cook‘s Look hat man einen tollen Ausblick aufs Außenriff und auf die leuchtend blaue Lagune im Süden der Insel. Der Wind reißt uns fast von den Füßen, wir suchen uns deshalb einen etwas geschützteren Platz für unser Picknick.
Der Weg war im ersten Teil ziemlich anspruchsvoll und führt dann durch einen lichten Wald. Wir sehen viele Vögel und auch die etwa 1m langen Eidechsen, die Cook die Idee zur Namensgebung gaben. In der Sprache der Aborigines heißt die Insel Jiigurru.
Mir gefallen am besten die Weberameisen, die kunstvoll lebende Blätter am Ast zu Nestern zusammenkleben oder weben. Eine tolle Teamleistung. (Wer sich für Tiere ohne Fell interessiert, sollte das unbedingt mal googlen, im englischen Wikipedia-Eintrag sind ganz tolle Bilder). Die erste Beschreibung der Weberameisen in der westlichen Welt, wurde vermutlich durch Joseph Banks vorgenommen, der, ihr ahnt es, mit James Cook unterwegs war.
Der Rückweg fällt leicht. Wir legen noch einen Stopp ein, um unsere Emails abzurufen. 120m über dem Ankerplatz gibt es ganz guten Empfang. Hier treffen wir auch andere Segler, die deshalb hier hochgeklettert sind.

Im Resort scheint nicht viel los zu sein. Wir sehen nur eine Handvoll Gäste beim Schnorcheln und bei einer kleinen Bootstour durch die Bucht. Dafür bietet eine Yacht Programm. Eine der Motoryachten hat tatsächlich einen Amphibien-Dinghi oder wie auch immer man das nennt. Das ausgewachsene Schlauchboot hat große Räder, die kurz vor dem Strand ausgeklappt werden. Das Boot fährt nun auf den Strand, keine nassen Füße für die Bootscrew. Auf dem Rückweg das gleiche. Das Boot fährt ein wenig auf dem Strand entlang und dann ins Wasser, schließlich schwimmt es, die Räder werden eingeklappt und weiter geht’s als Schlauchboot. James Bond hätte auch gern so eins.

Es ist einfach kitschig schön. Der weiße Strand, die Boote in der Sonne, die Schildkröten im flachen Wasser, die Felsen und Riffe. Wir bleiben noch einen Tag, Zeit für ein Frühstück mit Brötchen, rumtüddeln, lesen, baden, Blog schreiben und einen Strandspaziergang. Leider ist das Wetter nicht ganz so schön wie am Tag zuvor, deshalb entscheiden wir uns am Freitagmorgen noch einen Tag zu bleiben.

Von Cairns innerhalb des Great Barrier Reef nach Norden

Samstag 15. Juli bis Montag 17. Juli
Samstagmorgen regnet es. Das macht den Abschied von Cairns leicht, sorgt aber nicht gerade für große Begeisterung segeln zu gehen. Nach einer letzten langen heißen Dusche legen wir ab. Wir hatten gehofft, dass uns das ablaufende Wasser den Fluss hinunter schiebt, leider führt es eher zu kabbeligem Seegang. Wir werden durchgeschüttelt und sind froh, als wir das Fahrwasser verlassen können. Der Wind lässt auf sich warten und kommt zwischenzeitlich sogar aus West. Die Wellen werden dafür immer höher und sind unangenehm kurz, eine unfreiwillige Achterbahnfahrt, die Butter fliegt vom Brot, das Brot in die Spüle. Wir nutzen die Motorfahrt um den Wassermacher laufenzulassen, aber auch das Füllen unserer kleinen Trinkwasserkanister ist Hochleistungssport.
Als wir die große Bucht von Cairns endlich verlassen, setzt der vorhergesagte Wind ein und nimmt schnell zu. Wir können flott zum geplanten Übernachtungsplatz bei Low Islets segeln. Die Tagestouristen kehren gerade zu ihrem Katamaran zurück und wir sind plötzlich allein an diesem schönen Platz. Wir können uns eine der Nationalpark-Bojen aussuchen und genießen den Sonnenuntergang. Es ist ein windiger und schöner Platz. Große Fledermausfische ziehen unter uns ihre Kreise und der Leuchtturm lässt sein Licht nach Einbruch der Dunkelheit über uns streifen.
Am spätem Abend ist Hochwasser, mit steigendem Wasser läuft immer mehr Schwell übers Riff, das gemütliche Schaukeln geht in ein wildes Taumeln über. Wir liegen jeder auf unserem Sofa und versuchen lesend die Wellen zu ignorieren. Als mein volles Glas vom Tisch abhebt und der Inhalt sich über mich ergießt, gehen wir ins Bett. Morgens wachen wir gerädert auf.
Der Sonntagmorgen wirkt mit dunkelgrauen Wolken wenig einladend. Wir warten einen kräftigen Schauer ab, bevor wir die Boje loswerfen. Ich habe heute gleich meine Ölhose angezogen, der nächste Schauer kommt bestimmt. Es wird ein schneller aber sehr anstrengender Segeltag hinter dem berühmten Great Barrier Reef. Sprühregen und Schauer, an einem Kap ist der Wind plötzlich weg und dann gibt es wieder heftige Böen, dazu dieser teilweise hohe und steile Seegang, der sich auch gerne mal bricht. Nach 42 Meilen suchen wir uns eine Boje bei Hope Island aus. Wir sind wieder das einzige Boot und haben die freie Wahl. Wieder läuft abends der Schwell übers Riff, es ist jedoch nicht so schauklig wie in der Nacht zuvor.

Aus der Nordsee kennen wir diese wunderbar regelmäßigen Tiden. Sechs Stunden läuft es ab, sechs Stunden auf. Etwa alle 12 Stunden ist Hochwasser. Da es nicht genau 12 Stunden sind, verschiebt sich das Ganze von Tag zu Tag. Zur Springzeit ist das Hochwasser höher und das Niedrigwasser niedriger. So schön regelmäßig schwappt das Wasser nicht überall hin und her.
Hier haben wir ein hohes Hochwasser, dann ein weniger niedrigeres Niedrigwasser, dann ein weniger hohes Hochwasser und dann ein niedrigeres Niedrigwasser. Verwirrend? Ein Beispiel Hope Island am 16.7.: abends um 2100 ist das hohe Hochwasser mit 2,60 m, am 17.7. morgens früh um 0300 das weniger niedrige Niedrigwasser mit 1,30 m, das nächste Hochwasser um 0830 ist nur 1,70 m hoch (also hier 0,90m weniger als das am Abend zuvor), das Niedrigwasser um 1400 ist mit 0,40 m viel niedriger als das am frühen Morgen, dann folgt wieder das hohe Abend-Hochwasser um 2130 mit 2,60m.)
Zur Springzeit (wir haben gerade Spring, 19.7 ist Neumond) ist das hohe Hochwasser besonders hoch und das niedrige Niedrigwasser besonders tief. Nun nähert sich das ganze wieder an, bis zu nächsten Spring. Das hohe Hochwasser ist immer nachts, das niedrige Niedrigwasser mittags. Mit anderen Worten nachts ist der Wasserstand höher als mittags. Das ist praktisch, wenn man einen Ankerplatz in einer flachen Bucht gefunden hat, aber unpraktisch, wenn man an einem Riff liegt, das vom Hochwasser überspült wird. Insgesamt ist das alles undramatisch, weil der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Hoch und Niedrigwasser, nicht so hoch ist, aber wenn es übers Riff schwappt, schläft man nicht gut.

Auch der Montag begrüßt uns mit heftigen Schauern. Wenn es gerade nicht regnet, sieht Hope Island interessant aus, große Vögel kreisen über der Insel, der Strand leuchtet in der Sonne und Riffe säumen unseren Übernachtungsplatz. Auch für heute gibt es eine Starkwindwarnung, morgens soll es bis zu 30kn (Bft 7) Wind geben und dann abnehmen. Wir segeln trotzdem los. Heute ziehe ich zusätzlich zur Ölhose meine Segelstiefel und die dicke Jacke an, ich habe keine Lust mehr auf nasse Füße und durchgeweichte Ärmel.
Wir kommen schnell voran, der Wind nimmt immer weiter zu. Wir finden, dass der Morgen um 14h eigentlich vorbei ist und der Wind langsam nachlassen könnte, doch wir werden nicht gefragt. Schließlich haben wir durchgängig deutlich über 30kn Wind, mit Böen um die 40kn. Segeln bei 7 bis 8 Bft, eigentlich muss das nicht sein. Der biestige Seegang bricht sich, einzelne Wellen sind deutlich über 2m hoch und sehr steil. Unsere Mari interessiert das alles nicht, mit dem Großsegel im 2. Reff stürmt sie mit 7 Knoten voran, häufig sind wir sogar noch deutlich schneller. Das Vorsegel rollen wir den ganzen Tag nicht aus, das hat heute Pause.
Wir entscheiden uns nicht hinter Cape Bedford zu ankern, die Bucht ist zu flach und unser Ankerplatz wäre weit weg vom Strand in unruhigem Wasser, daher segeln wir 22sm weiter bis Cape Flattery. Obwohl wir erst spät aufgebrochen sind, können wir den Platz noch bei Tageslicht erreichen, so hat der viele Wind auch Vorteile.
Hinter Cape Flattery gibt es zwei Buchten, in der westlichen liegen drei Schlepper und zwei Fischer, es gibt einige Bojen und eine Pier. Die östliche Bucht ist leer, da wollen wir ankern. Ein langer weißer Sandstrand fasst die weite Bucht ein, der Meeresgrund steigt langsam an und wir finden einen ruhigen Platz auf 5m Wassertiefe. War es in Vanuatu oft so tief, dass man etwas suchen musste um einen Platz zu finden der nicht so wahnsinnig tief ist, ist es hier oft sehr flach. In Vanuatu fanden wir, dass 20m eine akzeptable Wassertiefe für einen Ankerplatz sind, hier hinter dem Great Barrier Riff ist es nur selten 30m tief. Um in die Bucht einzufahren holen wir weit aus. Eine sandige Nase zieht sich vom Kap nach Norden, bei 2m brechender Welle sind 4m Wassertiefe nicht viel. Viele Buchten sind sehr flach, so dass man oft weit weg vom Land ankert. Hier hinter Cape Flattery aber, ist es auch für Boote mit viel Tiefgang einfach einen geschützten Platz zu finden.
Wir genießen einen ruhigen Abend im Cockpit. Der Wind heult im Rigg, aber wir bewegen uns kaum. Der Tag, der seglerisch etwas aufregender war als nötig, hat uns mit tierischen Highlights verwöhnt. Mehrfach haben wir Delfine und große Schildkröten gesichtet, eine Schlange ist erschreckt abgetaucht und als Krönung haben wir Buckelwale gesehen. Die Walsichtung war sehr schön, trotz der hohen Wellen konnten wir die Tiere eindeutig ausmachen und sie haben uns ihre Fluken gezeigt. Gerne würden wir sie bei weniger Seegang wiedertreffen. Die Begeisterung bei Tierbegegnungen nutzt sich nicht ab, ich freue mich über jeden Delfin und jede Schildkröte, und Walsichtungen sind einfach toll.

Karten

Es wird Zeit für einige Karten, die euch einen kleinen Überblick geben wo wir unterwegs sind. Ich habe mal wieder gemalt. Alle Karten sind, wie üblich, nicht zur Navigation geeignet und weisen einige Abweichungen zur Wirklichkeit auf, die dem zitternden Bleistift, einer gewissen Ungeduld oder endendem Papier geschuldet sind.
Als Titelbild seht ihr die Route, die wir seit Neuseeland gesegelt sind. Ende des Jahres können wir da hoffentlich eine lange rote Kurslinie Richtung Norden hinein malen. Mal sehen wo wir landen.

In die Karte vom Süden Neukaledonien habe ich nur die ersten beiden Kringel, die wir im September und Oktober gesegelt sind, eingetragen. Danach waren wir noch mehrfach in der Baie de Prony, auf Ilot Laregnere und Mbe Kouen, in der Baie de Papaye und an vielen anderen Plätzen. Diese kürzen Touren habe ich nicht eingezeichnet, sonst wäre es viel zu unübersichtlich.

83 Inseln gehören zu Vanuatu, wir haben nur eine Handvoll besucht. Die rote Linie zeigt unsere Kurslinie durch den Archipel.

Die letzten Etappen habe ich auch unter dem Menüpunkt Route eingefügt.

Kaffee im Bücherregal, Schilder und Flugzeuge

Nobbi liest mir beim Frühstück aus der Zeitung vor. Ein Teddy ist in einem Flugzeug gefunden worden und konnte seinem jugendlichen Besitzer zurückgegeben werden, die Lebenserwartung ist weiter gestiegen, eine Touristin aus Belgien wird vermisst, ein Unschuldiger saß fünf Jahre im Gefängnis, ein Rentner ist an einem Wasserfall in den Tod gestürzt, Camper haben einen Panther gesichtet und an einem Badeplatz im Nationalpark ist ein Krokodil aufgetaucht und hat dafür gesorgt, dass die badenden Touristen auch ganz schnell aufgetaucht sind.
Australien ist auch ein Land der Schilder, insbesondere Warnhinweise gibt es reichlich. Viele sind sicher sinnvoll, viele erscheinen mir ein wenig übertrieben. Mit oder ohne Schild, hatte ich noch nie die Idee Wasser aus einem Teich zu trinken oder bin auf die Idee gekommen Abdeckplatten abzuschrauben, um in einen Installationsschacht zu steigen. Es gibt auch Schilder, die darauf hinweisen, dass die Pikser, die auf dem Zaun sind, damit man da nicht darüber klettert, einen verletzen könnten, wenn man es trotzdem versuchen sollte.

Wir waren wieder im Botanischen Garten, diesmal sind wir mit dem Bus gefahren, hatten noch genug Energie um uns umzusehen und haben von dort eine kleine Wanderung unternommen. Auf dem Hinweg haben wir im Bus gar nichts bezahlt, der Busfahrer war allerdings ziemlich grummelig und wir haben nicht erfahren, weshalb die Fahrt kostenlos war.
Auf dem Wanderweg war es nicht gerade ruhig, weil er am Flughafen vorbeiführt. Wir haben beim Picknick Flugzeuge geguckt und den Stegnachbarn weit draußen segeln sehen, der zwei Stunden zuvor seine Leinen in der Marina gelöst hatte. Während der tolle Wanderweg in Kuranda menschenleer war, war hier richtig was los. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, dass man anscheinend nicht grüßt, das kennen wir aus Neukaledonien oder Vanuatu nicht. Viele meiden sogar den Augenkontakt. Umso mehr freuen wir uns, als eine junge Frau uns anlacht „Tilley, ehy!“ Sie winkt mit ihrem Tilley-Hut. Das Tilley-Hut-Träger sich grüßen, steht sogar im Manual (ja, diesen Hut gibt es tatsächlich mit einer Anleitung).


Wir haben genug eingekauft. Eine Liste gibt es nicht, aber die Kaffeepakete im Bücherregal weisen darauf hin, dass die Schränke voll sind. In die letzten leeren Gläser ist süß-saurer Kürbis gewandert und alle befüllten Gläser haben einen sicheren Platz gefunden. Nur der Frischproviant fehlt uns noch und ein bisschen weniger Wind in der Vorhersage wäre nett.

Schöne und fleißige Tage in Cairns

Bei fantastischem Wetter sind wir in Cairns angekommen, es herrscht Urlaubsgefühl. Die dunkelgrünen Berge geben einen Hinweis darauf, dass das Wetter nicht immer so schön ist. Leider erwischen wir eine Regenperiode. Es regnet und regnet. Wir laufen jeden Tag zum Supermarkt und tragen eine große Rucksackfüllung an Bord. Das Angebot ist sehr gut und die Preise durchaus akzeptabel, insbesondere im Vergleich zu Vanuatu und Neukaledonien. Eine gute Gelegenheit die Vorräte aufzustocken. Vor allem, weil Australien nördlich von hier sehr dünn besiedelt ist und es lange dauern wird, bis wir wieder in der Nähe eines Supermarktes liegen. Lauter Leckereien wandern in unsere Schapps, Nüsse und Körner, Rotwein, allerlei Dosenfutter, Getränke, Haferflocken, usw. Fast alle Gläser sind bereits wieder mit vorgekochten Gerichten gefüllt. Besonders freuen wir uns über das reichliche Obst- und Gemüseangebot zu traumhaften Preisen. Auf dem Markt kaufen wir ganze Rücksäcke voller Maracujas, Melonen, Avocados, Grapefruits, Papayas, Paprikas, Tomaten und Gurken. Und wir nutzen die Chance Dinge zu essen, in deren Genuss Langfahrer nur selten kommen, wie zum Beispiel frische Pilze.

Ein neues Land ist immer spannend, auch bei alltäglichem erlebt man etwas. Wir lernen, dass wir vormittags zwar Bier und Rum kaufen können, die kleinen Weinkanister dürfen wir aber erst nach 16 Uhr. Australien hat viele Regeln. Gasflaschen dürfen nicht im Auto transportiert werden, für uns kein Problem, wir haben ja kein Auto. Aber wir wollen eine australische Gasflasche kaufen. Der Marina-Mitarbeiter, den wir fragen, wo wir eine Flasche kaufen könnten, fährt uns kurzerhand zu einer Tankstelle, die Gas verkaufen und bringt uns wieder zurück zum Schiff (übrigens ganz legal mit dem Pickup). Ausgesprochen nett! Nach 10 Monaten können wir zum ersten Mal eine Waschmaschine nutzen. Bei dem regnerischen Wetter freuen wir uns auch über den Trockner.

Inzwischen ist auch die Biosecurity-Inspektion abgeschlossen. Der Ärger darüber, dass wir nicht nur die Preissteigerung ab dem 1. Juli, sondern auch einen Überstunden- und Wochenendzuschlag bezahlen mussten, obwohl wir am Donnerstagvormittag im Juni eingereist sind, ist zwar nicht ganz vergessen aber immerhin verdrängt.

Am Sonntag ist das Wetter schöner und wir machen einen langen Spaziergang entlang der Promenade. Hier stehen viele schöne Bäume, es gibt große Rasenflächen, tolle Spiel- und Sportplätze. Von dort geht’s weiter zum botanischen Garten. Uns gefällt besonders der Regenwaldweg. Wir haben schon ganz platte Füße, als wir dort ankommen und wollen auf dem Rückweg den Bus nehmen. Da der nächste Bus erst in einer Stunde fährt, drehen wir noch eine Runde. Als wir schließlich wieder auf dem Boot ankommen, fordern unsere Füße vehement einen Ruhetag.

Mitte der Woche bessert sich das Wetter, aber auf dem Weg nach Norden soll es windig werden. Ein guter Grund unseren Aufenthalt zu verlängern. Man kann hier ganz viel unternehmen und es gibt eine riesige Spaßindustrie. Mit dem Speedboat im Zickzack auf dem Fluss herumrasen, Heliflüge übers Riff, Tagestouren auf kleine Inseln, Schnorchel- und Tauchtouren, verschiedene Zoos und Tierparks. Die meisten Aktivitäten verlangen ein gut gefülltes Portemonnaie, der Eintritt ins Aquarium kostet 50 AUD (30 Euro), die 3-stündige Kulturtour 150 AUD (90 Euro), eine Tour nach Kuranda in den Regenwald ab 180 AUD (110 Euro). Regenwald hört sich interessant an, nach Kuranda kann man mit einer Museumseisenbahn oder mit einer Seilbahn fahren, beides ist teuer. Ein Blick aufs Busnetz zeigt, dass es eine gute Verbindung dorthin gibt. Donnerstag fahren wir mit dem Bus für 7 AUD nach Kuranda. Dort gibt es eine schöne kleine Wanderung auf gepflegten Wegen und wir gönnen uns noch einen kleinen Abstecher. Tolle Pflanzen mit riesigen Blättern säumen den Weg, wir sehen und hören viele Vögel, leider zeigt sich der riesige Helmkasuar nicht. Von diesen großen flugunfähigen Vögeln sehen wir nur die Fußspuren.
Im Ort gibt es eine große Ansammlung von Esoterikbedarfsläden, von Wikingern bis zu Nepalesen, von Duftherzen bis zu Klangschalen ist alles vertreten. Wir verzichten darauf uns die Zukunft vorhersagen zu lassen und bummeln lieber durch Souvenirgeschäfte und Galerien.

Ein wenig Kultur kann nicht schaden. Am Freitag gehen wir in die Galerie und sehen uns auch die Ausstellung im ehemaligen Gerichtsgebäude an. Beide Ausstellungen sind sehr übersichtlich. Vieles gefällt mir nicht, oder vielleicht verstehe ich es auch nicht alles. Einige Kunstwerke haben mir gut gefallen, diese Collage aus Kaffeesäcken und die in Braille Schrift geschriebenen Geschichten hinter dem „Do not touch“ Schild beispielsweise.

Eigentlich brauchen wir gar kein Programm. An der Strandpromenade mit der Lagune, dem öffentlichen Badeplatz, kann man schön spazieren gehen. Es gibt sehr viele schöne, laute und interessante Vögel. Abends fliegen hunderte von Papageien in ihre Schlafbäume und machen dabei einen unglaublichen Lärm, ein Pelikan sitzt immer auf einem Stein an der Küste und guckt sich Touristen an und im Dunkeln streiten sich die Flughunde lautstark um die besten Plätze in den Bäumen. Auf dem Night-Market kann man Souvenirs, Tüddellüt und Hässlichkeiten kaufen, sich massieren lassen, asiatisch essen oder Leute gucken.
Zwischendurch erledigen wir Kleinkram, Rigg-Check, Dieselkanister füllen, Streicheleinheiten für den Motor, das Bimini nachnähen, der Bildschirm hat einen Wackelkontakt. Irgendwas will immer erledigt werden.

Ein kleiner Nachtrag

Dem Beitrag von unserer Überfahrt habe ich Umlaute spendiert, nun lässt er sich etwas besser lesen.
Hier gibt es noch einige Fotos von Aore und Luganville auf Santo. In den Tagen vor unserer Abfahrt haben wir nicht so viel unternommen, sondern nur ein paar Einkäufe erledigt, waren auf dem Markt in Luganville und sind auf Aore spazieren gegangen. Am Morgen unserer Abfahrt haben wir ein Wassertaxi nach Luganville genommen. Wir waren beim Zoll, Immigration und Port Office, haben unsere Pässe stempeln lassen, die Leuchtfeuergebühren von ca. 60 Euro bezahlt und uns die Clearance abgeholt, anschließend haben wir Brot und Pampelmusen gekauft und unsere letzten Dieselkanister an der Tankstelle gefüllt. Nachmittags haben wir uns schließlich auf den Weg nach Australien gemacht.

Ankunft in Cairns

Der Dreiviertel-Mond malt eine silberne Straße auf den Ozean und sie führt geradewegs nach Australien. In den letzten Stunden der Nacht, wenn der Mond im Westen untergegangen ist, haben wir Gelegenheit den grandiosen Sternenhimmel zu bestaunen. Zur Wachübergabe gehören jetzt die wirklich wichtigen Infos: Jupiter ist noch zusehen, Antares im Skorpion leuchtet gelb an Backbord.
Die vorletzte Nacht auf See ist so schön, dass wir kurz überlegen abzudrehen und gleich bis zur Torresstraße durchzufahren, entscheiden uns dann aber doch für Cairns.

Wir fahren ganz langsam, wir wollen am liebsten früh morgens ankommen. Im Dunkeln dürfen wir nicht in die Marina und der Ankerplatz gilt als nicht so ganz einfach, das ist im Hellen auch besser. Also reffen wir nicht aus und freuen uns, wenn wir nicht so flott sind. Am späten Nachmittag sichtet Nobbi schließlich Australien. Bei Sonnenuntergang sind wir noch außerhalb des Riffs und ich gehe ins Bett, weiß ich doch, dass es eine lange Nacht werden wird. Um neun wache ich auf, Nobbi hat inzwischen das Leuchtfeuer der Durchfahrt gefunden. Hier steigt der Meeresgrund stark an, von 1000m auf etwa 60. Bei schlechtem Wetter sicher unangenehm oder auch gefährlich, heute merken wir es nur daran, dass das Echolot wieder etwas anzeigt. Ich übernehme das Ruder, eigentlich wollten wir die Maschine starten, wenn wir ins Great Barrier Reef einfahren, aber das Wetter ist ruhig und wir können segeln. Ganz hoch am Wind schleichen wir uns in die breite Durchfahrt. Nobbi meldet uns bei Cairns VTS, der Verkehrszentrale, an. Dort hat man unser AIS schon gesehen. Nun darf Nobbi noch ein bisschen in die Koje und ich genieße die ruhige Nacht. Mit jeder noch so kleinen Böe erkämpfe ich mir etwas Höhe, der Ehrgeiz ist geweckt, nun wollen wir ganz bis zum Ende segeln. Um eins steht wieder ein Kurswechsel an, Nobbi ist wieder wach und kocht erstmal Tee. Ein großes Schiff kommt vorbei, ein Schlepper überholt und der Wind schläft ein. Wir sind mit nur 2 Knoten unterwegs, aber da wir ohnehin etwas zeitig dran sind, ist das auch egal. Ganz langsam schummeln wir uns in die Trinity Bay. Es ist kalt. Kalt für die Tropen. Erstmal noch einen Tee trinken. Um vier bergen wir die Segel und schmeißen die Maschine an. Nobbi fragt bei der Verkehrszentrale ob wir in das Fahrwasser nach Cairns einfahren dürfen. Wir dürfen. Der Wind bläst genau von vorn und nimmt stetig zu. Ich ziehe zum ersten Mal auf dieser Überfahrt eine Jacke an. Der Mond ist untergegangen, es ist stockdunkel. Im Dunkeln wirkt die Fahrrinne schmal, das ist sie nicht, und sie ist sehr gut befeuert. Ein Frachter nähert sich. Wir sind entspannt, denn gerade haben wir über Funk gehört, dass die sympathische Frau von der Verkehrszentrale uns gemeldet hat. „Die Marisol ist im Fahrwasser“ „Ja, die Yacht habe ich gesehen und auch auf dem AIS“. Das beruhigt ungemein, wenn sich ein Frachter kurz vor einem ins Fahrwasser einfädelt. Das Ganze wiederholt sich kurz daran mit einer riesigen Motoryacht. Schön, wenn auf einen aufgepasst wird. Um sechs geht die Sonne auf und wir erreichen die Marina. Nobbi ruft die Marina, die Frau von der Verkehrszentrale meldet sich, ab halb sieben können wir es versuchen, noch ist da niemand. Wir drehen einen Kringel und beobachten die ganzen Motoryachten, die zum Fischen rausfahren.
Um sieben liegen wir am Steg. Ein netter Marina-Mitarbeiter hilft uns nicht nur beim Festmachen, sondern checkt uns auch gleich ein. Unglaublich nett und zuvorkommend. Wir bekommen ganz viele Infos und beim Zoll hat er auch schon angerufen. Die Mitarbeiter vom Zoll haben gute Laune und unsere Unterlagen, die wir vorher emailt hatten dabei. Wir füllen noch ein bisschen was aus und unterhalten uns. Sie übernehmen auch die Aufgaben der Immigration, leider gibt es auch hier keinen Stempel mehr in den Pass. Das ist wirklich schade. Die Arbeit unter Deck macht ein weiterer Mitarbeiter, der etwas später eintrifft, ein netter Labrador. Er schnüffelt sich durch unser Schiff auf der Suche nach Geld, Zigaretten und Drogen. Der Hund ist zufrieden mit uns und um halb neun sind wir fertig. Nun warten wir auf die Biosecurity. Wir dürfen nicht von Bord, aber einen Schritt auf den Steg trauen wir uns um den Wasserschlauch anzuschließen und in der Wartezeit das Boot vom Salz zu befreien. Mittags ist immer noch niemand da. Der hilfsbereite Marina-Mitarbeiter telefoniert für uns. Schließlich kommen zwei Herren von der Biosecurity, die uns vom Steg aus befragen z.B. ob unterwegs jemand gestorben oder erkrankt ist. Wir bekommen einen kleinen Zettel als Bestätigung, dürfen nun die gelbe Q-Flagge einholen und von Bord gehen. Sonst darf noch nichts, vor allem nicht der Müll, das Boot verlassen, die Inspektion steht noch aus, wann diese stattfindet ist unklar.

Wir sind müde, wenig verwunderlich nach der Nacht. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich von abends um neun bis am nächsten Morgen um halb sieben von Hand gesteuert habe. Kein Wunder, dass ich ein bisschen „Schulter“ habe.
Der erste Eindruck von Cairns ist super, die Stadt ist grün, extrem sauber und es herrscht ausgelassene Urlaubsstimmung. Unser erster Gang führt in den Supermarkt. Nach einem späten Mittagessen mit leckerem Körnerbrot und Tomaten! ziehen wir ein zweites Mal los. Im Shoppingcenter folgt ein Kulturschock. Nouméa war doch sehr beschaulich. Wir wollen nur eine SIM Karte kaufen und fragen im Telefonladen. Die extrem nette Mitarbeiterin erklärt uns die Tarife und schickt uns in den Supermarkt, da sie selbst keine Karten mehr hat. Wir hatten schon gesehen, dass wir die SIM Karten dort kaufen können, trotzdem hat sich der Abstecher in den Telefonladen gelohnt, ich wäre ja nie draufgekommen, dass ich Holländerin bin. Man muss sich mit seinem Pass registrieren. Von der Lady im Telefonladen wissen wir, dass das System so seine Probleme mit Dänemark und Deutschland hat, einfach deutsche Passnummer und Königreich Niederlande angeben und schon funktioniert es!
Wir freuen uns auf ein paar Tage in Cairns und dann geht es weiter nach Norden.

Unterwegs nach Cairns

Noch gut 500 Meilen nach Cairns. Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, immer schön Südost und wir müssen nur ab und zu an der Windsteueranlage zupfen. Trotzdem ist es nicht gemütlich. Der Seegang ist garstig. Ab und zu wird es eine halbe Stunde wunderbar ruhig und gleichmäßig, kaum entspannt man sich, tauchen wieder vorwitzige, spitze, Wellen auf, die sich unvermutet direkt hinter Maris Heck brechen. Wir werden also durchgeschüttelt und sammeln blaue Flecken. Noch nie war ich an Tag 4 so seekrank und noch nie hatte ich selbst an Tag 5 einen Magen, der mich ununterbrochen daran erinnert, dass das nicht sein muss mit dem Segeln. In fast allen Fächern stecken inzwischen Küchenhandtücher um das Klappern abzustellen, der Topflappen sorgt bei den Gabeln für Ruhe. Jetzt gibt es nur noch leichte Knatschgeräusche und das Klatschen und Rauschen der Wellen.
Die Tage vergehen unaufgeregt. Schlafen, essen, lesen, Podcasts, Musik hören. An Tag sieben habe ich den sechsten Krimi begonnen, Podcastmäßig liegen diesmal BR und SWR weit vorne. Von Klassik für Klugscheißer, Expeditionsberichten und Interviews bis zu Plastikrecycling werden wir gut unterhalten und immer schlauer. Nobbi hört und singt Torfrock während er den Wassermacher bewacht. Ich komme so in den Genuss eines Konzerts und der Wassermacher wird beaufsichtigt. Wir haben Angst, dass er bei diesem Geschaukel Luft ziehen könnte. Kochen und Duschen sind Schwerstarbeit, lohnen sich aber. Frisch geduscht, mit vollem Bauch, ist man gleich etwas weniger müde.
Zum Glück gibt es auch diese wunderbaren Momente. Sternenklare Nächte, das Kreuz des Südens liegt an Backbord, an Steuerbord leuchten Venus, Mars und die schmale Mondsichel abends um die Wette, bevor sie zeitig untergehen.
Jeden Abend kommt ein Tölpel (immer der gleiche?) und versucht zu landen. Wir möchten nicht, dass er den Windsensor oder den Verklicker platt macht und blasen mit der kleinen Tröte, die wir für Brückenöffnungen und ähnliches an Bord haben. Das mag er nicht, schlägt mit den Flügeln und macht einen neuen Versuch. Er darf gerne auf dem Seezaun oder auf dem Bananaboot schlafen, konnte sich bisher aber nicht dazu entscheiden dort zu landen.
Vor einigen Tagen hatten wir nachts einen Hai im Kielwasser, er hat uns einige Zeit begleitet und ist dann abgedreht. Ein bisschen unheimlich. Ob er sich vielleicht auf den Weg zum Minerva-Riff gemacht hat? Von den Atangas haben wir gehört, dass dort ein Hai eine Seglerin vom Paddleboard gestupst hat. Zum Glück ist nichts passiert!
Morgen oder übermorgen queren wir die Schifffahrtsroute, da werden wir wohl mal ein Schiff sehen und in vier oder fünf Tagen sollten wir Australien erreichen.