Zwei etwas längere und einige kurze Etappen liegen noch vor uns. 120 Meilen in den Norden zur Insel Bangka bedeuten etwa 24 Stunden, also mal wieder eine Nachtfahrt. Nach einem gemütlichen Frühstück geht’s los. Leider haben wir gar keinen Wind und es ist sehr heiß. Auch nachts sind deutlich über 30 Grad unter Deck und selbst draußen schwitzen wir. Es ist diesig und feucht. Mit der Lampe will ich mir den vorbeitreibenden Müll ansehen und der Effekt ist in etwa als ob man bei Schnee das Fernlicht einschaltet. Sehr viele Fischer gestalten die Nacht abwechslungsreich. Die meisten sind hell beleuchtet und bleiben wo sie sind. In der Nähe eines Ortes sind die kleinen Fischerboote unterwegs, wenig beleuchtet, mit schwachen Blinklichtern, die man erst spät sieht. Frachter und Schleppzüge sind natürlich auch wieder unterwegs. Trotzdem kommen wir ganz gut durch die Nacht. Als es hell wird, sehen wir, dass es sich bei einigen Fischern, die wir für Boote gehalten haben, um hölzerne Plattformen auf Stelzen handelt. Hunderte von diesen Konstruktionen mit einer Schutzhütte oben drauf und einem Netz darunter stehen in einer Wassertiefe von 25m viele Meilen vor der Küste. Kein Wunder, dass diese Fischer sich nicht bewegt haben! Wir können sie sehr gut umfahren. Als wir aber einen Pfahl aus dem Wasser ragen sehen, graust es uns. Die Überreste einer alten Plattform. Wenn man so etwas ungünstig trifft… man mag es sich nicht ausmalen. Wie viele abgebrochene Pfähle warten hier unter der Wasseroberfläche auf ahnungslose Segler? Vormittags erreichen wir die große Bucht im Norden Bangkas und ankern vor einem endlosen weißen Sandstrand. Es ist diesig und schwül. Wir sind müde und verbringen den Tag mit baden, backen und lesen. Während wir darüber nachdenken, ob die vielen Fischer, die hier ankern, etwas fangen, beobachten wir einen Schwarm Plattfische. Beim Schnorcheln oder im flachen Wasser haben wir sie schon häufig gesehen, aber noch nie als Schwarm um unser Boot kreisend.
Der nächste Abschnitt erfordert wieder eine Nachtfahrt. Diesmal können wir segeln und werden mit einem traumhaften Tag beschenkt. Endlich ist es mal wieder richtig klar und die Sicht fantastisch. Nun sehen wir auch etwas von Bangka. Wir kommen flott voran und werden lange von einem Delfin begleitet. Die Nacht ist ruhig, nur eine Handvoll Fischer zeigt sich am Horizont, es ist nicht so heiß und wir schlafen gut. Morgens schläft der Wind ein und wir haben Gegenstrom. Wir kommen nur noch langsam voran und die letzten Meilen bis zur Insel Kentar ziehen sich. Nur die Überquerung des Äquators sorgt für Unterhaltung. Da es unsere vierte gemeinsame Überschreitung des 0. Breitengrads ist, sind die Feierlichkeiten eher überschaubar. Eine kurze Ansprache an Neptun (Freunde nennen ihn Neppi) und der letzte Schluck Rum sollen den Gott der Meere auch weiterhin positiv stimmen. Sicherheitshalber bitten wir Neptun auch Ratu Kidul, der Göttin des südlichen Meeres, etwas abzugeben. Zwar sind wir nun wieder auf der Nordhalbkugel, aber wer weiß schon so ganz genau, welcher Gott wo zuständig ist. Am 25. April 2019 haben wir auf dem Weg von Panama zu den Marquesas den Äquator übersegelt. Marisol war 1628 Tage auf der Südhalbkugel, das sind vier Jahre und fünfeinhalb Monate. Wir waren leider deutlich kürzer „im Süden“ als unser Boot. Falls wir unseren aktuellen Ideen zur Routenplanung folgen, war das nicht Maris letzter Ausflug auf die Südhalbkugel, aber der längste.
Fischer-Plattform, sogar mit Indonesienflagge.
Im Vordergrund entdecken wir Überreste einer zerstörten Plattform – erschreckend.
Die Fischer-Plattformen gibt es auch als schwimmende Version.
Nach der ruhigen Nacht hinter der kleinen Mangroveninsel, machen wir uns auf den Weg in den Nord-Westen Belitungs. Hier gibt es lange weiße Strände, viele riesige Granitblöcke, kleine Inselchen und türkises Wasser. Angeblich sieht’s hier aus wie auf den Seychellen. Wir waren noch nie dort und können deshalb keine Vergleiche anstellen. Auf jeden Fall ist es schön. Zunächst verbringen wir drei Nächte an einem schönen Ankerplatz im Westen. Die Fischer kommen dicht vorbei, einen Abend schallt die Musik einer Karaoke-Party von einem Hotel hinüber, ansonsten ist es wunderbar ruhig. Wir laufen am langen Strand herum, klettern auf die Felsen, schwimmen ausgiebig und schnorcheln an den kleinen Riffen. Der Strand ist ein Traum, pulverfeiner weißer Sand, nur den Müll am Hochwassersaum muss man ausblenden. Anscheinend wird hier ausgiebig gefeiert. Neben dem angeschwemmten Plastikmüll liegen hier viele Schnapsflaschen im Sand. Unser Schlauchboot müssen wir für tot erklären. Die geflickte Stelle hält, aber nun geht die nächste Naht auf und das Wasser sprudelt hinein. Wir packen es ein letztes Mal in seine Tasche und verzurren es an Deck. Von nun an ist unser Radius auf Bananaboot-Ruder-Distanz begrenzt. Wie gut, dass Nobbi so fit ist. Wir haben noch nicht genug von Belitung und ziehen an einen anderen Ankerplatz um. Nach nur 6 Meilen fällt der Anker in den Sand. Selbst während dieser kurzen Fahrt werden wir mal wieder überrascht. Bei unserer Abfahrt ist es windstill und das Wasser so glatt, dass wir jeden Seegrashalm erkennen können. Noch bevor wir den neuen Ankerplatz erreichen haben wir 5 Windstärken. Kaum sind wir da, nimmt der Wind ab und dreht um 180 Grad. Um zum Ankerplatz zu kommen, schlängeln wir uns um große Korallenblöcke. Genau wie beim vorigen Ankerplatz sind Satellitenbilder hier sehr nützlich. Auch hier wartet ein langer Traumstrand, dekoriert mit einigen Felsen. Das kleine Riff erkunden wir schnorchelnd. Viele verschiedene Korallen, die auch sehr gesund aussehen, und ganze viele Fische bilden eine spannende Unterwasserstadt. Wir sehen Seeschlangen, eine Schildkröte, einen wunderschönen Kofferfisch, Clownfische und sogar einige mittelgroße Fische im Schwarm. So schön es hier ist, fällt doch auf, dass alle größeren Fische fehlen. Alle Fische die Pfannengröße haben wurden bereits aufgegessen. Am Strand reihen sich lauter kleine Restaurants und Imbiss-Stände aneinander, außerdem liegen hier viele kleine hölzerne Ausflugsboote. Es sind aber nur wenige Touristen unterwegs. Wir erfahren, dass hier vor Covid mehr Betrieb war. Jetzt gibt es keine internationalen Flüge mehr und viele Hotels sind geschlossen oder haben nur wenige Gäste. Am Sonntag waren viele Leute zum Baden am Strand. Wir mischen uns unter die Badegäste und trinken an einem Strand eine Kokosnuss. In einem kleinen Hotel essen wir und fragen nach einem Fahrer, der uns in die Stadt fahren kann. Am nächsten Tag füllen wir zwei Dieselkanister, kaufen Eier, Obst und Bier. Tatsächlich drohte uns in diesem muslimischen Land das Bier auszugehen. Zunächst ist die Kommunikation mit dem Fahrer etwas schwierig, dann werden wir uns aber einig. Die Straßen sind gut ausgebaut und sehr leer. Unser Fahrer nimmt eine Abkürzung über eine neue Straße mit Fahrradwegen und ohne Verkehr, er nimmt immer schön die Innenspur im Vertrauen darauf, dass keiner entgegen kommt. Die Tage vergehen schnell mit langen Strandspaziergängen, leckerem Essen im Restaurant, Treffen mit anderen Seglern und natürlich mit Schnorcheln. Jeden Nachmittag dreht der Wind, von Süd-Ost erst auf Ost, dann auf Nord-West bevor er abends wieder einschläft. Etwas ungemütlich, aber da der Wind moderat bläst, ist es nicht so schlimm. Heute nahm er mittags aber stark zu und wehte mit 20kn auflandig. Schnell baut sich eine steile Welle auf, die sich bricht. Da lassen wir Mari nicht alleine, bleiben an Bord und bewachen sie und die anderen beiden Boote am Ankerplatz deren Crews an Land sind. Am späten Nachmittag nimmt der Wind zum Glück wieder ab und wir können doch noch an Land. So schön es hier ist, müssen wir über die Weiterreise nachdenken. In zwei Wochen läuft unser Indonesien-Visum aus, deshalb ziehen wir morgen den Anker aus dem weißen Sand und segeln weiter nach Norden.
Die Teluk Promahan, die Bucht in der wir in Bawean ankern, wird von einem breiten Riff gesäumt, am Strand wachsen Palmen und viele hohe Bäume. Dahinter erheben sich bewaldete Berge. Die Insel gefällt uns sofort und erinnert ein wenig an die Marquesas, auch wenn die Berge lange nicht so hoch sind. Auf dem Ankerplatz ist richtig was los. Bei unserer Ankunft sind wir das dritte Boot, einen Tag später sogar sechs. Es ist schön mal wieder Segler zu treffen, die wir schon kennen. Bei Kaffee und Kuchen (bei uns an Bord) und beim gemeinsamen Mittagessen im Warung an Land tauschen wir uns über die Erlebnisse der letzten Wochen aus. Wir wollen einen kleinen Eindruck von der Insel bekommen und hoffen, dass wir irgendwo Obst kaufen können. Der Weg in den Ort ist zu Beginn angenehm schattig. Viele schöne, farbenfrohe und recht große Häuser säumen die Straße. Ein paar Mal werden wir gefragt, ob man wohl ein Selfie mit uns machen könnte. Hier ist nicht viel los und unser Besuch bietet Abwechslung. Fünf Mal fahren die beiden Frauen von der Regierungsstelle an uns vorbei, bis sie das Fenster runterkurbeln: „I like your outfit!“. Eine Gruppe junger Mädels möchte Fotos mit uns machen, dann kommen zwei von ihnen hinter uns her und fragen nach meiner Telefonnummer. Wir tauschen Fotos und später chatten wir noch ein bisschen mit einander. Sehr spannend und sehr nett! Überhaupt, die Indonesier sind sehr neugierig und aufgeschlossen. In Lombok unterhalte ich mich mit einem jungen Paar, sie schauen gerne Segelvideos auf YT und kennen sich sehr gut aus. Sie sind sehr gebildet, führen ein Hotel und geben mir viele Tipps für unsere (Land-)Reise. Auf Gili Gede wird Nobbi in ein Gespräch über die Vor-und Nachteile von Katamaranen und den Nachteilen von sehr schweren Booten verwickelt. Der junge Mann träumt von einem Leben auf Bali oder sogar im Ausland. Für uns sind diese Gespräche auch kleine Puzzleteile zu unserem bunten, vielfältigen Indonesienbild. Auf unserem Spaziergang kommen wir an den Moscheen vorbei, die wir sonst nur hören, an einigen Reisfeldern und an Fischen, die zum Trocknen ausgebreitet sind. Leider entdecken wir auch den Müllabladeplatz. Anscheinend gibt es keine Müllentsorgung, der Müll wird einen Uferhang hinunter geworfen und verschwindet vermutlich in der nächsten Regenzeit im Meer. Vor einem Laden wird gerade Obst aus großen Kisten in kleinere Kartons umgepackt. Anscheinend handelt es sich um einen Großhändler. Wir fragen, ob wir Obst kaufen können und suchen uns zwei Ananas, Drachenfrüchte und einige Mangostan aus. Tomaten und Schlangenfrüchte bekommen wir geschenkt. Auf dem Rückweg frage ich zwei Frauen, was für Früchte sie ernten und bekomme Händeweise Rosenäpfel (wir kennen sie aus Brasilien als Jambo) geschenkt. Unsere Vitaminzufuhr ist also zunächst gesichert. Zurück in der Bucht sehen wir uns noch das Schiff an, was dort am Stand repariert wird, bevor Nobbi uns wieder zurück zu Mari rudert. Ich habe mir tatsächlich eine Blase in meinen Wander-Flipflops gelaufen, daran sieht man, dass wir in der letzten Zeit zu wenig Bewegung hatten.
Großes Haus und abgeerntete Felder
Was aus einer Plastikflasche werden kann!
Der Müll ist auf dem Weg ins Meer.
Lieblingsfarbe: bunt!
Viele Häuser weisen liebevolle Details auf.
Die Fische werden zum Trocknen in die Sonne gelegt.
Die Arbeiten auf der Baustelle werden unterbrochen, erst müssen Fotos gemacht werden.
Irgendwas ist ja immer. Auf allen Booten gibt es eine To-Do-Liste, auf der mehr oder weniger wichtige Aufgaben darauf lauern erledigt zu werden. Manche Arbeiten wollen jedoch nicht auf die Liste, sie wollen sofort erledigt werden. Zuerst meldet sich der Großschot-Traveller. Das ist die Schiene auf der die Schot, also die Leine mit der man das Großsegel bedient, bewegt wird. Wir hätten ihn vermutlich ersetzt bevor wir in Bremen gestartet sind, wenn es denn Ersatzteile gäbe. Unsere Befürchtungen, dass wir eine brutale Notlösung bauen müssen, die das Bohren mehrere Löcher beinhaltet, bewahrheiten sich nicht. Die Schrauben zeigen sich kooperativ, Nobbi zerlegt das Ding, ersetzt eine Schraube und baut es wieder zusammen. Als wir in Kangean ankommen, hat Nobbi plötzlich den Seewasser-Hahn in der Hand. Streng genommen ist es kein Wasserhahn, sondern die Tülle, wo das Seewasser ankommt, das man per Fußpumpe ins Waschbecken befördert. Er bastelt Ersatz aus einem Rest des Rohrs und einem Schlauch. Diese Konstruktion ist gefährlich, benutzt man die Fußpumpe versehentlich wenn man eigentlich die Süßwasser-Pumpe benutzen wollte, spritzt es nicht ins Waschbecken, sondern ins Gesicht. Deshalb erfindet Nobbi eine neue Konstruktion, die nun pannenfrei funktioniert. Zwischen Kangean und Bawean meldet sich wieder der Traveller, nun die andere Seite. Jetzt wissen wir wie es funktioniert, hier schafft eine kleine Mutter Abhilfe. Nicht so elegant, aber vorerst funktionsfähig. Das Schöne an solchen Baustellen ist, dass man mal eben den Werkzeugkasten braucht und mehrere Kisten rausholt, um die unterste nach einer passenden Mutter zu durchsuchen. Als Nobbi aufwacht, habe ich alles auf dem Fußboden ausgebreitet. Er ist zunächst nicht so begeistert, reißt noch im Halbschlaf das Kommando an sich und erledigt die Reparatur vor dem ersten Kaffee. Angekommen in Bawean, kleben wir das Unterliek der Genua. Eine Naht ist aufgegangen. Als wir auf dem Vorschiff rumturnen, stellen wir fest, dass wir sich zwei Beschläge am Spibaum gelöst haben. Das sind die besten Baustellen, die die man findet und behebt bevor sie sich bemerkbar machen. Die nächsten Aufgaben warten sicherlich schon auf Erledigung. Wir wissen es nur noch nicht.
Von Lombok machen wir uns auf den Weg nach Norden. Zunächst verlegen wir wieder in die Bucht im Norden Lomboks. Von dort sollen uns 3 Etappen nach Belitung bringen. Zunächst liegen 110 Meilen nach Kangean vor uns, der nächste Abschnitt ist mit 170 Meilen nach Bawean schon etwas länger und die dritte Überfahrt ist dann ganze 350 Meilen lang und führt uns nach Belitung. Alle Strecken sind zu lang um sie am Tage zu bewältigen, wir müssen die Nächte durchsegeln. Eigentlich ist das schon lange nichts Besonderes mehr, wir haben schon etliche Nachtfahrten unternommen. Besonders sind nur die indonesischen Herausforderungen. Es kursieren abenteuerliche Geschichten. Die meisten lassen sich kurz zusammenfassen: Fischer, unglaublich viele Fischer. Positionslichter führen diese Boote natürlich keine, zu sehen wären diese sowieso nicht, da ganze Batterien von an Deck installierten Scheinwerfern die Fische in die Netze locken sollen und alles überstrahlen. Vernünftigerweise gehen wir davon aus, dass der Schiffsverkehr in der Umgebung nicht mit der nötigen Sorgfalt beobachtet wird, schon gar nicht segelnde Yachten. Das Radar hilft uns auch nicht weiter, da die hölzernen Fischerboote im Seegang oft kein Echo liefern. Wir starten also mit einigem Respekt in diesen Abschnitt. Vor allem ich habe Bammel. Blinkende Fischer überall, das ist der Stoff aus dem meine seglerischen Albträume gestrickt sind. Jetzt steht also eine Konfrontationstherapie an.
Die erste Etappe nach Kangean verläuft weitgehend ruhig, das Segeln macht Spaß und wir kommen gut voran. Tatsächlich sind wir so schnell, dass wir reffen um nicht zu früh anzukommen. Wir wollen den Ankerplatz nicht im Dunklen ansteuern. In der zweiten Nachthälfte sehen wir viele Fischer, die meisten sind jedoch weit weg. Ein Frachter überholt uns und ich versuche ihm ein Stückchen hinterher zu fahren. Dort wo er gerade gefahren ist kann kein Fischer sein. Mal wieder wundern wir uns, dass in Indonesien doch noch immer große Schiffe ohne AIS unterwegs sind. Außerdem haben viele indonesische Schiffe so schwache AIS-Signale, dass sie erst auf dem Display erscheinen, wenn das Schiff nur noch 1,5 oder 2 Meilen entfernt ist. Als ich gerade darüber nachdenke, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, huscht in der schwarzen Nacht ein FAD, eines dieser unsäglichen Flöße die Fische anlocken sollen, vorbei. Nur wenige Meter neben uns, 15 Meilen von der nächsten Insel entfernt. Ich hab mich sehr erschrocken und frage mich wie viele von den Dingern wir wohl nicht gesehen haben. Die Aussicht auf die kommenden Segelnächte deprimiert mich, genau zur rechten Zeit taucht eine Schule Delfine auf und begleitet mich einige Meilen. Mit dem allerersten Lichtschein erreichen wir Kangean und fahren langsam zu unserem Ankerplatz.
Nach dem Frühstück baden wir ausgiebig, erledigen ein paar Kleinigkeiten und schleppen uns müde durch den Tag. Direkt nach Sonnenuntergang gehen wir ins Bett. Die Nacht endet früh, um zwei Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die große Bucht. Hier sind viele kleine Fischerkanus unterwegs, die meist nur mit kleinen Blinklichtern beleuchtet sind. Oder gar nicht. Es blinkt grün oder blau, oder jemand wedelt plötzlich mit einer Taschenlampe, um auf sich aufmerksam zu machen. Als die Insel hinter uns zurückbleibt werden auch die kleinen Fischer weniger. An Steuerbord reiht sich ein großer Fischer an den anderen, ein Band aus hellen Lichtern zieht sich am Horizont entlang. Der Tag ist recht ruhig, aufpassen muss man aber immer, es gibt viel Verkehr. Und Müll. Immer wieder treiben einzelne Plastiktüten oder Planen vorbei oder aber ganze Teppiche oder Bänder aus Plastikteilen. Abgesehen davon, dass der Müll nichts im Meer zu suchen hat und eine ökologische Katastrophe bedeutet, haben wir Segler Angst vor Plastiktüten, die den Kühlwassereinlass verstopfen können. Dann läuft der Motor innerhalb kürzester Zeit heiß und kann beträchtlichen Schaden nehmen. Eine weitere Müllgefahr stellen Leinen dar. Hier werden gerne schwimmende Leinen verwendet, die sich am Schiff vertüddeln oder in den Propeller geraten können. Wir sind froh, dass wir die ganze Strecke segeln können. Segeln macht mehr Spaß, es ist leiser, wir verbrauchen keinen Diesel und wir brauchen uns keine Sorgen ums Kühlwasser zu machen. In der zweiten Nacht wird es wieder spannend. Um uns herum sind so viele Lichter, dass ich große Teile meiner Wache auf der Cockpitbank stehe um alle im Blick zu behalten. Sieht man nur den Wiederschein am Horizont, ist der Fischer weit weg, kann man die hellen Lichter sehen, ist er näher dran. Wie nahe ist kaum einzuschätzen. Lange funktioniert es, ab und zu ein bisschen an der Windfahne zupfen, etwas anluven, etwas abfallen, wir schlängeln uns durch. Ein Frachter überholt, ein Frachter kommt entgegen. Diese Fischer bei denen man oft weder Abstand, noch Geschwindigkeit, manchmal nicht mal Fahrrichtung ausmachen kann, machen mich verrückt. Man lernt einen Tanker auf Gegenkurs zu schätzen, da weiß man woran man ist. Die Lichter sind eindeutig zuzuordnen, meistens erscheint er früh auf dem AIS (Ausnahmen, ihr wisst schon. Indonesien gewöhnt einem in dieser Hinsicht das Wundern ab) und er dreht nicht einfach um, stoppt auf oder fährt zick zack. Ich sehe ein komisches Licht vor mir. Erst dachte ich es sei ein Fischer, doch nun kann ich mehrere weiße Lichter ausmachen und ein grünes. Das könnte ein Schlepper sein! Hat der einen Anhang? Und wo will er hin? Irgendwie kann ich das auf dem Radar nicht zuordnen, aber das Ding scheint nun doch recht nah zu kommen. Ich wecke Nobbi. Irgendwann sehen wir weit hinter dem Schlepper den Anhang. Bei uns an Bord heißen diese Anhänge Lummerland, da die Schüttgutbeladung auf der Barge aus der Ferne wie eine Insel (oder zwei) aussieht. Das Ding ist nicht beleuchtet. Wir schmeißen schließlich die Maschine an um noch vor dem Schleppverband zu passieren, dann kehrt wieder Ruhe ein. Auch am nächsten Tag hält uns der Verkehr auf Trab. Ein Tanker zwingt uns zum Halsen, er weicht nicht aus und meldet sich nicht am Funk. Viele Fischer sind auf dem Weg nach Hause, andere ankern irgendwo mitten auf See und schlafen. Mittags kommen wir der Küste von Bawean näher und damit auch den kleinen Fischern, ihren Bojen und den FADs. Zwischen Kangean und Bawean sind wir zehn Halsen gefahren, ein paar, weil wir vorm Wind gesegelt sind, die meisten aber um auszuweichen. In der Ansteuerung der Bucht auf der Nordseite Baweans haben wir wieder ein Lummerland-Erlebnis. „Nobbi, hier ist eine Insel zu viel“. Da sollen ein paar kleine Felsen sein, aber diese Insel kann ich nicht zuordnen. Ihr ahnt es, eine Schute liegt vor der Bucht vor Anker. Diese hat vier Hügel, wir nennen sie Neu-Lummerland. In der Bucht liegen noch weitere Schlepper samt ihrer Anhänge und sorgen für ein wenig Logistiker-Romantik. Auf Bawean bleiben wir etwas länger, schlafen gründlich aus, treffen mal wieder andere Segler und sehen uns an Land um.
In Bawean treffen wir James Bond.
Das ist mal eine gelungene Luxus-Yacht!
Nun steht die Überfahrt mit drei Nächten an. Wir sind gut vorbereitet, die MP3 Player sind mit Podcasts und Hörbüchern bestückt, zum Lesen finden wir bei so viel Verkehr kaum Ruhe. In den ersten beiden Nächten ist der Horizont fast durchgehend von unendlichen vielen Fischerbooten erleuchtet. Die meisten liegen vor Anker, das macht das Ausweichen einfach, einige fahren aber auch auf und ab und wollen sorgsam beobachtet werden. Der zweite Tag ist richtig anstrengend. Den ganzen Tag sehen wir hunderte von Fischern. Die Boote sind bei Tageslicht oft erst spät zu sehen, mal liegen sie vor Anker, mal haben sie ein Netz draußen und wieder andere fahren auf und ab. Einer fährt ganz dicht hinter uns durch. Der wollte wohl mal gucken. Am Morgen des dritten Tages erreichen wir die ASL, eine Art empfohlene Route für die Großschifffahrt und von einem Moment auf den anderen sind die Fischer weg. Den ganzen Tag sehen wir nur zwei große Schiffe. Es fühlt sich an wie Urlaub. Allerdings rumpelt es einmal heftig. Ich erschrecke und springe raus. In unserem Kielwasser treibt eine dicke Holzbohle Typ „Eisenbahnschwelle“. Bei der Kontrolle der Bilgen finden wir nur Staub. Es scheint nichts passiert zu sein. Später stellen wir leider fest, dass diese Kollision nicht ohne Folgen blieb, der Geber unseres vorausschauenden Echolots ist angebrochen und funktioniert nicht mehr. Auch die dritte Nacht ist unwirklich ruhig. In der ganzen Nacht sehen wir nur fünf Fischer und müssen kein einziges Mal ausweichen. Bei der Ankunft in Belitungs Gewässern haben wir unglaubliches Glück und sehen zwei Walhaie. Nur wenige Meter vom Boot schwimmen die riesigen Fische (über 5m lang) direkt an der Wasseroberfläche. Und noch unglaublicher, bei unserer Abfahrt von Lombok haben wir in ganz klarem Wasser auf 20m den Grund gesehen und einen weiteren Walhai, der unter uns durch zog. Auch wenn diese Begegnungen so kurz sind, so sind sie doch etwas ganz Besonderes. Wir fühlen uns reich beschenkt. Der Wind weht kräftig, der Strom schiebt und wir sind schnell unterwegs. Es ist noch früh und wir entscheiden uns gleich noch ein Stückchen weiter zu segeln. Am angepeilten Ankerplatz steigen schwarze und weiße Wolken auf. Das sind nicht die üblichen Qualm Wolken der kleinen Müllfeuer. Hier ist eine große Industrieanlage gebaut worden. Das ist nicht der richtige Ankerplatz für uns, wir biegen ab und ankern hinter einer kleinen Mangroveninsel. Eine gute Wahl. Wir schlafen wunderbar. Nach der ruhigen erholsamen Nacht, ziehen wir Bilanz. Es war anstrengend, aber eigentlich gar nicht so schlimm. Die Konfrontationstherapie war erfolgreich. Das ist gut, denn das waren nicht die letzten Nachtfahrten in dieser Saison und wir überlegen, ob wir die Strecke im nächsten Jahr von Nord nach Süden segeln wollen.
Wir beschließen an der Westküste Lomboks entlang nach Süden zu segeln. Dort gibt es auf der kleinen Insel Gili Gede eine Marina. Drei Nächte (14. bis 17. September) gönnen wir unserer Mari einen Stegplatz in der Marina del Ray. Mari bekommt eine Dusche und wir genießen es ins Restaurant zu spazieren ohne vorher ins Dinghi zu steigen, zumal unsere letzten Dinghifahrten durch unser Leck ja doch sehr nass waren. Wir nutzen die Chance und versuchen unser Schlauchboot zu kleben. Zusätzlich schrauben wir das Gewebe mit der Aluleiste am GfK-Boden fest. Wie gut, dass sich unter Nobbis Koje noch diese Aluleiste fand. Wir sind gespannt wie lange unsere Bastelei hält, sicher ist, dass wir bald ein neues Schlauchboot brauchen.
Morgens unternehmen wir noch vor dem Frühstück einen ausgiebigen Spaziergang, wir wollen uns ansehen wie die Insel jenseits der Marina aussieht. Die Fischer kommen nach Hause und die Frauen holen die Fische ab und verteilen sie. Anders als in vielen anderen Dörfern erleben wir die Menschen recht zurückhaltend. Wir sprechen eine Frau an, die anscheinend etwas zu sagen hat und die Fische verteilt. Wir verstehen nicht alles, aber sie ist sehr aufgeschlossen und freut sich, dass wir sie fotografieren wollen. Das ist interessant, während die Menschen an vielen anderen Orten nicht so gerne fotografiert werden möchten, empfinden es viele Indonesier als Anerkennung, wenn man fragt ob man fotografieren darf. Oft werden wir sogar dazu aufgefordert. Das erste Dorf ist auffallend sauber. Wir sehen, dass der Müll gesammelt wird. Ein Stückchen weiter ist es unglaublich vermüllt. Der ganze Hang voller Plastikmüll und mitten drin lauter Hühner. Eine Frau schneidet Grünzeug für ihre Kuh, gar nicht so einfach auf der trockenen Insel. Unsere schwarz-bunten Holsteiner Kühe würden hier wohl verhungern. Die meisten Häuser sind klein und einfach. Es gibt ein kleines Hostel mit Restaurant und winzigem Kiosk. Der Besitzer und seine Frau sind sehr gesprächig. Wir kaufen ihren gesamten Obstvorrat auf: zwei Ananasse. Der Mann möchte alles über unser Boot wissen. Seine Frau hört erst nur zu, während sie die Fische ausnimmt, die ihr Mann nachts geangelt hat. Dann schaltet sie sich ins Gespräch ein und möchte wissen wie wir an Bord kochen. Ihr Mann befragt uns zur Wacheinteilung und stellt fest, dass wir länger schlafen könnten, wenn wir ihn mitnehmen. Seine Frau hat das letzte Wort, sie will auch mitkommen, dann können wir alle noch länger schlafen. Das Gespräch mit den beiden macht Spaß, sie haben viel Humor. Folgt man den Weg kommt man zum größeren Ort, doch das ist uns heute zu weit, wir haben noch gar nicht gefrühstückt.
Der Fischeimer wird auf dem Kopf transportiert.
Die Fische werden verteilt, der Lütte bekommt auch drei Exemplare.
Viele kleine hübsche Häuser
Hier geht’s nach überall
Es gibt auch größere Häuser mit wunderschönen Fenstern
Plastikmüll
Der Eingang zu einem kleinen Laden.
Ein Foto? Sehr gerne!
Können wir noch ein Selfie machen?
Unsere Schwarzbunten würden hier verhungern.
Hier findet nur eine Ziege Futter.
Während wir uns unterhalten, schuppt sie den nächtlichen Fang und nimmt ihn aus.
Die Boote sehen auf jeder Insel etwas anders aus. Die kleinen Fischerboote von Lombok gefallen uns besonders gut. Sie sind liebevoll gestaltet und haben zum Teil aufwendige Namenszüge am Bug. Außerdem sind sie besegelt. Segeln ist hier keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein kostengünstiger und schneller Antrieb. Spaß macht es den Fischern aber auch! Die Boote sind sehr leicht und wahnsinnig schnell. Sie verfügen über hervorragende Segeleigenschaften und können hoch am Wind segeln. Die Segel sind bunt, oft gestreift, mit bunten Rauten oder Sternen und tragen manchmal sogar den Bootsnamen. Als wir entlang der Westküste Lomboks nach Süden segeln bietet sich uns ein Bild wie zur Kieler Woche: hunderte bunte Segel am Horizont! Wieder vermissen wir sehr unsere Kamera mit dem Tele, die rutscht nun noch weiter auf der Einkaufsliste nach oben. Wie sehr mich die Boote begeistern seht ihr auch an der Anzahl der Fotos, es handelt sich bereits um eine Auswahl!
Ein Spielzeugboot
Früh übt, wer ein Fischer werden will!
Liebevoll gestaltet
Extrem gut gepflegt und perfekt lackiert
Mit Liebe zum Detail
Sie erinnern an Spinnen, sind schnell und von weitem kaum zusehen.
Mit aufgetuchtem Segel
Abfahrbereit liegen sie am Strand. Das Ruder wird gezogen und gesichert bevor sie in flaches Wasser fahren.
Heute wollen wir einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt der Insel unternehmen. Eine Taxi-Bestellung bei Grab klappt heute nicht, wir beschließen zur Hauptstraße zu laufen und dort einen Bus oder ein Taxi zu suchen. Es macht Spaß morgens ein wenig zu laufen und wir haben Gelegenheit uns das Dorfleben aus der Nähe anzusehen. Dann hält ein junger Mann auf einem Roller und fragt, wo wir hinwollen. Er bietet an uns ein Auto zu einem guten Preis zu organisieren, wir werden uns einig und er saust davon. Das Ganze dauert ein wenig, aber dann taucht er mit seinem Onkel wieder auf, der uns nach Mataram fährt. Die Fahrt durch die Berge ist wirklich schön und kühl. Uns gefallen die vielen Affen, die besonders gern auf den Leitplanken sitzen, und die hohen Regenwald-Bäume. In Mataram kleiden wir uns völlig ungeplant neu ein, stellen fest, dass der angeblich beste Supermarkt uns nicht begeistern kann, und essen ein hervorragendes Mittagessen. Crispy Kangkung – knuspriger Wasserspinat. Lecker! Wieder stellen wir fest, dass viele Menschen auf Lombok sehr gut Englisch sprechen. Mit der Frau, die uns eine neue Schutzfolie für unsere Handys verkauft, können wir uns gut unterhalten. Eine richtig lustige Begegnung habe ich auf der Damentoilette. Ausversehen habe ich für Chaos gesorgt und versuche mich zu entschuldigen. Die Frau findet es lustig, dass ich versuche Indonesisch zu sprechen. Sie möchte mit mir ein Selfie machen und nimmt dafür ihren Schleier ab. Falls ihr euch also fragt, warum es bei uns manchmal so lange dauert, es ist eben sehr kommunikativ. Auf dem Rückweg fahren wir die Küstenstraße entlang und legen noch einen Stopp bei einem anderen Supermarkt ein. Unser Taxifahrer erzählt uns einiges über die Vergangenheit der Stadt, verrückte Rollerfahrer und merkwürdige Touristen. Müde und zufrieden sind wir am späten Nachmittag wieder zurück an Bord.
Nach dem Guten-Morgen-Kaffee geht’s am Samstag los. Ein segelndes Kanu nähert sich. Wir lassen Mari treiben und geben Bian Gelegenheit bei uns anzulegen. Seine Frau Julia hat ihn zu uns geschickt. Er hat Kokosnüsse für uns dabei und eine schöne Muschel für die Frau an Bord. Die Frau an Bord freut sich sehr und es gelingt uns den beiden ebenfalls eine Freude zu machen.
Die ersten Stunden genießen wir wunderbaren Segelspaß, dann schläft der Wind ein und wir schmeißen den Motor an. Für Segler gibt es hier besondere Herausforderungen, eine davon sind die FADs. Diese Fish Attacting Devices sind verankerte Flöße die Fische anlocken sollen. Dabei kann es sich um Bambusflöße, alte Plastiktanks oder große Styroporboxen handeln, die in erstaunlichen Wassertiefen (teilweise mehrere hundert Meter tief) verankert sind. Gemeinsam haben sie, dass sie eher nicht gekennzeichnet sind und man sie sehr spät sieht. Nördlich Sumbawa gab’s wenige dieser Segelbootfallen, bei Lombok sehen wir wieder mehr dieser unerfreulichen Dinger.
FADs – echte Segelbootfallen
Schon bei Tageslicht schwer zu sehen
Kurz vorm Ziel freuen wir uns mal wieder über Delfinbegleitung. Unser heutiger Ankerplatz liegt hinter einem Riff vor einer kleinen Mangroveninsel. Bei Niedrigwasser können wir die Einfahrt durchs Riff sehr gut sehen, das Satellitenbild hilft bei der Orientierung. Auf der Seekarte findet man diesen netten Platz nicht, da ist hier einfach ein Riff eingezeichnet. Wir liegen absolut ruhig, keine noch so kleine Welle findet den Weg zu uns. Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf Lombok.
Immer wieder schön!
Unsere liebsten Begleiter
Am nächsten Tag fahren wir 40 lange Meilen an der Nordküste Lomboks entlang und erreichen am späten Nachmittag eine Bucht im Nordwesten der Insel. Die Bucht wird von einem langen weißen Strand eingefasst, auf beiden Seiten der Bucht liegt je ein fünf Sterne Hotel, außerdem gibt es Villas, kleine Hotels, ein Café, verschiedene Warungs (kleine Garküchen), einige kleine Hütten und viele einheimische Boote. Montagmorgen klettern wir mit unseren leeren Dieselkanistern ins Dinghi. Die Mission heute lautet: Tanken. Bei dem Café fragen wir, ob wir unser Dinghi dort liegen lassen dürfen und nutzen einen Trampelpfad, der uns an die Straße bringt. Via „Grab“ haben wir uns ein Auto bestellt. Alles klappt reibungslos. Der Fahrer sammelt uns ein, wir füllen an der Tankstelle unsere Kanister und er setzt uns wieder an der Straße ab. Nun wollen die Kanister nur wieder zum Boot getragen werden. Wir belohnen uns mit einem kühlen Getränk im Café. Nachmittags machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang, essen am Strand, sehen uns die kleinen Boote an, beobachten die Frauen beim Muscheln suchen und die Männer beim Angeln. Die eigentlich harmlose Rückfahrt zum Boot ist unnötig spektakulär, unser Dinghi macht Wasser, es strömt nur so herein. Nobbi fährt ganz vorsichtig, der Außenborder hängt viel zu tief im Wasser, ich schöpfe. Ziemlich nass kommen wir auf Mari an. Der Spiegel (quasi die Rückseite) und der Boden haben sich voneinander getrennt. Man kann die Hand durchstecken. Kein Wunder, dass da Wasser reinläuft. Leider ist das ein ziemlich großer Schaden, ob wir das mit Bordmitteln reparieren können? Zum Glück haben wir das Bananaboot, unseren Donkey, so sind wir weiterhin mobil. Inzwischen kennen wir auch die andere Hälfte der Bucht. Bei einem Fischer darf Nobbi sich den kleinen getriebelosen Honda-Motor genau ansehen und bekommt ihn auch noch vorgeführt. Die lange Welle geht direkt ins Wasser und dreht so schnell, das es nur einen winzigen Propeller als Antrieb benötigt. Das Heu für die Pferde auf den Gili-Inseln (Pferdekutschen sind ein beliebtes Verkehrsmittel) wird in Säcke gestopft und auf ein kleines Boot verladen. Die Kinder spielen Fußball und sind, wie überall auf der Welt, Messi-Fans. Bei Sonnenuntergang sehen wir Gunung Agung, den großen Vulkan auf Bali, und abends die Lagerfeuer am Strand vor den Hotels.
Wir haben getankt
Ein schöner, weißer, langer, sauberer Strand
Die Angler stehen bis zum Bauch im Wasser
Die Mädels üben ihr Englisch an uns.
Donkey, unser Bananaboot, ist wieder im Einsatz.
Viel Begeisterung und Gelächter beim Fußball!
Hier wird das Heu für die Pferde auf den Gilis verpackt.
Heutransportboot
Sehr elegante Kühe
Muschelsucherinnern im flachen Wasser
Schön bemalte Boote. Robben sieht man hier eher selten.
Ein elegantes Hotelboot
Schöne Villas – elegante Ferienhäuser
Wir unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang
Sonnenuntergang
Im Sonnenuntergang sieht man den Gunung Agung, den großen Vulkan Balis.
An unserem schönen Ankerplatz bei Miro baden wir ausgiebig, bevor wir ihn nach dem Frühstück verlassen. Mal wieder hat Sumbawa eine Überraschung für uns: frischen SW-Wind. Wir freuen uns, dass wir segeln können. Eine Stunde später ist die Freude ein wenig verhalten, inzwischen haben wir unser Segel stark verkleinert, siebener Böen fegen über uns hinweg. Ich habe aufgehört mich nach jeder überkommenden Welle abzutrocknen, nur noch das Gesicht wird vom Salzwasser befreit. Der Ankerplatz, den wir anlaufen wollen, ist bei solchem Wetter nicht geeignet, wir bereiten Plan B vor. Zwei Stunden später segeln wir bei entspannten vier Windstärken und kaum Welle zur Pulau Medang, Plan B wandert wieder in die Schublade. Segeln kann so viel Spaß machen! Im Norden der Insel liegt eine weite Bucht mit einigen Riffen. Mit dem Satellitenbild und dem schönen Wetter ist die Einfahrt unproblematisch. Wir ankern und gehen erstmal baden. Nobbi versucht eine Pumpe zu reparieren (sehr schweißtreibend, auch das sie hinter dem noch heißen Motor eingebaut ist) und ich wasche Wäsche. Als es dunkel wird sind wir beide ziemlich erledigt und beschließen, dass wir einen weiteren Tag hier bleiben wollen. Nachts sehen wir nur das Licht des Leuchtturms, das über die Bucht streicht. Das Dorf liegt auf der anderen Seite der Insel, dort scheint ein Fest zu sein. Ab und zu weht Musik zu uns hinüber oder der Rufe des Muezzins. Den heutigen Tag verbringen wir mit der Planung unserer Route und ausgiebigem Schnorcheln. Die Korallen sind in gutem Zustand und wir sehen viele verschiedene Arten. Etwas anders sieht es leider bei den Fischen aus. Die meisten Exemplare sind sehr klein und ganze Fischfamilien fehlen völlig. In der Bucht wird viel geangelt, mit dem Netz gefischt und mit dem Speer getaucht, vielleicht sind die schmackhaften Fische einfach weggefangen worden? Abends sehen wir zum ersten Mal den über 3726m hohen Vulkan Gunung Rinjani auf der Insel Lombok. Dorthin geht’s als nächstes.