Sao Felix und Cachoeira

Die beiden Orte liegen einander an den Ufern des Rio Paraguacu gegenüber. Wir besuchen sie nicht mit dem Boot, der Fluss ist hier viel zu flach für uns. Wir nehmen von Maragogipe aus den Landweg. Der Wecker klingelt um sechs, wir baden, frühstücken, rudern an Land und laufen zur Stadtmitte. Am Busbahnhof rührt sich nichts, doch wir finden einen Taxifahrer, der uns für umgerechnet 10 Euro nach Sao Felix bringen will. Der Preis erscheint uns günstig und umso länger wir unterwegs sind, umso sicherer sind wir, dass wir ihn falsch verstanden haben. Die Landschaft, durch die sich die löchrige Straße schlängelt, besteht aus einer endlosen Zahl kleiner grüner Hügel. Auf den Hügeln wachsen Bäume, Sträucher und Palmen. Auf den vielen Weiden stehen hellgraue Rinder, Esel, Pferde und Ziegen. Zwischen den Hügeln gibt es kleine Höfe, darunter einige Schmuckstücke. Der Taxifahrer macht einen Umweg, um uns einen kleinen Ort zu zeigen und den Ausblick auf den Fluss zu ermöglichen. Zwischendurch hält er, um Jambos zu kaufen. Wir dürfen probieren, die kleinen roten Früchte erinnern im Geschmack etwas an Birnen. Nach 40 Minuten erreichen wir Sao Felix, tatsächlich kostet die Taxifahrt 10 Euro. Anscheinend sind nicht nur wir mit dem Preis zufrieden, der Taxifahrer bietet an zu warten und uns auch zurückzufahren.
Wir besuchen das Centro Dannemann. Der Bremer Kaufmann Geraldo Dannemann eröffnete hier 1873 seine Zigarrenfabrik. Die Region Mata Fina bietet gute Bedingungen für den Tabakanbau. Die frühere Zigarrenfabrik wurde renoviert, heute wird in diesen Räumen nur noch eine Zigarrenlinie in Handarbeit produziert. Der Tabak wird weiter in der Region angebaut, ein Teil der Zigarren auch hier produziert, die Zigarillos zum Beispiel werden jedoch in Deutschland hergestellt. Wir bekommen eine Führung und lernen den Weg vom Tabaksamen bis zur Zigarre kennen. Es ist interessant, wie unterschiedlich die (fermentierten) Blätter einer Pflanze riechen, je nachdem ob sie oben oder knapp über dem Boden gewachsen sind. Natürlich gehen wir nicht ohne Zigarren zu kaufen. Zu unserer Bootsausstattung gehört nun auch ein Zigarrenkistchen mit unserem Schiffsnamen. Dannemann setzt sich für den Erhalt der Mata Atlantica ein und unterstützt die Wiederaufforstung. Der Atlantische Regenwald bedeckte früher diese Region, nur noch etwa 5% der Fläche sind erhalten. Uns gefällt das Projekt und wir adoptieren einen Baum.
Sao Felix und das gegenüberliegende Cachoeira werden durch eine interessante Brücke, die sich Eisenbahn und Autoverkehr teilen müssen, miteinander verbunden. Angeblich war diese Brücke für den Nil bestimmt, landete aber hier. Ob diese Geschichte stimmt? Zumindest gefällt sie mir. Cachoeira ist eine hübsche kleine Stadt mit einer Vielzahl alter, schöner Häuser aus der Kolonialzeit. Natürlich hat sie auch mehrere Kirchen und einen Konvent, sowie ein knapp 200 Jahre altes Krankenhaus. Heute ist es ein Segen, dass anscheinend das Geld fehlte diese Häuser abzureißen und durch moderne zu ersetzen. Es gibt einige Ruinen, aber auch sehr viele frisch renovierte Häuser aus dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir entfliehen der Mittagshitze und finden ein schattiges Restaurant am Fluss.
Unser Taxifahrer bringt uns wieder nach Maragogipe, diesmal mit einem Umweg über ein anderes Dorf, und auf dem Fussweg zum Hafen stürzt Nobbi sich gleich ins nächste Abenteuer, er geht mal wieder zum Friseur. Wir kehren in unserem Stammlokal am Hafen ein, hier habe ich Gelegenheit die zweite neue Frucht des Tages zu testen und gönne mur ein Umbu-Eis. Umbu schmeckt nach einer Mischung aus Stachelbeere und Mirabelle und gefällt mir sehr. Gerade hatte ich beschlossen in Brasilien nur noch Acai-Eis zu essen, das finde ich auch so lecker, da muss ich meinen Entschluss überdenken.
Nach diesem ereignisreichen Tag rudern wir zurück zu Mari, setzen uns ins Cockpit und sehen der Sonne beim Untergegen zu.