Überfahrt nach Bonaire

Donnerstagmorgen geht es los. Wir trinken Kaffee, gehen Anker auf, setzen Segel und sind ungefähr so schnell wie ein Stück Treibholz. Ich rechne aus, dass wir frühestens Montag, vielleicht erst Dienstag ankommen und bin demotiviert. Nach dem Frühstück baumen wir die Fock aus. Da wir alle Leinen vertüddeln dauert das etwas (Warum haben wir das eigentlich nicht am Ankerplatz gemacht?). Schließlich steht die Fock gegenüber dem Groß und der Baum ist so fixiert, dass er stehen bleiben kann, wenn wir die Fock wegrollen. Inzwischen haben wir den Windschatten von Bequia verlassen und rauschen dahin. Sehr schön.
Die erste Nacht verläuft ruhig. Flottes Segeln, die Fock lassen wir komplett stehen. Zwischen den Wolken zeigt sich der Sternenhimmel und wir sehen viele Sternschnuppen. Beide schlafen wir nicht besonders gut, das Schiff rollt fröhlich von einer auf die andere Seite.
Am zweiten Tag nehmen Wind und Welle deutlich zu. Solange es sonnig ist, sieht es toll aus, wenn die Wellen von Achtern heranrollen und man durch ihre hellblaue Kuppe hindurchsehen kann, kurz bevor sie sich schäumend weiß brechen. Ist es bewölkt und grau, scheint es eher ungastlich.
Den späten Nachmittag des zweiten Tages verdränge ich, nachdem Essen (Rührei und Kartoffeln) werde ich seekrank, hänge schließlich über dem Seezaun und bin froh, als es mir mit Einbruch der Nacht besser geht. Wir segeln mittlerweile im zweiten Reff und von der Fock steht nur das berühmte Handtuch, trotzdem machen wir zwischen sechs und acht Knoten.
Der dritte Tag bringt noch mehr Wind. Irgendwann rollen wir die Fock komplett weg. Immer wieder kommt ein kleiner Schauer vorbei. Meistens mit wenig Regen, aber mit etwas Wind. Nachmittags zieht ein besonders gemeiner durch, kaum Regen, eine kleine fluffige graue Wolke (keine böse, schwarze) aber satte acht Beaufort. Er ist genauso schnell wieder weg wie er gekommen ist. Die karibische See ist launisch. Sie verändert häufig ihr Gesicht. Mal haben wir eine lange angenehme Welle, wenig später eine kurze brechende. Die dritte Nacht ist ungemütlich, aber wir wissen, dass wir fast am Ziel sind. Nobbi sichtet Lichter, die er erst für Fischer, dann für Piraten und dann für eine Bohrinsel hält. Pünktlich zu Wachübergabe stellt sich heraus, dass es nur ein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff ist. Während ich auch in dieser Nacht schlecht schlafe, schläft Nobbi so fest, dass ich ihn energisch wecken muss. In meiner Wache kommt immer wieder Wasser ins Cockpit. Die kurzen, steilen Wellen klatschen mit Schwung gegen Mari und schwappen am Rumpf hoch. Eine fiese Welle bricht über dem Cockpit zusammen und flutet alles bis zum Niedergang, wo ich mich verkeilt habe. Ich finde mir steht eine Aufmunterung zu und höre Weihnachtslieder. Mit „ Rudolph the red nosed Reindeer“ passieren wir den Leuchtturm mit „Es ist ein Ros´entsprungen“ erreichen wir den Wegpunkt an der Südspitze. Mit dem ersten Licht fahren wir eine Halse und erreichen wenig später den Schutz der Insel. Im ruhigen Wasser, segeln wir ganz langsam die Küste entlang und kommen in Ruhe an. Eine große Gruppe Delfine heißt uns willkommen. Nach ziemlich genau drei Tagen machen wir in der Marina fest. Ein Schnitt von über sechs Knoten. Das ist für unser kleines Boot eine schnelle Reise.
Bonaire gefällt uns sofort. Das Einklarieren bei Zoll und Immigration geht fix und der Passstempel zeigt einen Flamingo!