It’s not the ideal day to take off on a fun holiday or important business trip, as Saturn slows things down… steht heute in Nobbis Horoskop im Samoa Observer. Damit ist die Sache klar, wir klarieren heute nicht aus. Vielleicht morgen oder erst am Freitag.
Als wir heute Morgen aufgestanden sind haben wir leider nicht zuerst den Samoa Observer gelesen, sondern den Wetterbericht. Schnell wich unser Enthusiasmus der Ernüchterung. Nachdem es gestern noch so aussah, als müssten wir eventuell weite Teile der Strecke nach Tonga motoren, überraschte uns der Wetterbericht heute mit Wind. Leider ein bisschen viel Wind. Doch die vorhergesagten Windstärken machen nicht so richtig Lust aufs Auslaufen, insbesondere weil wir mit einem Am-Wind-Kurs rechnen. Wir vergleichen Wetterberichte, rechnen unterschiedliche Optionen durch und sind etwas ratlos. Wir entscheiden, heute nicht auszuklarieren und hoffen, dass der Wetterbericht morgenfrüh Klarheit bringt. Ein kleiner Spaziergang im Regen (der erste Regen der länger als eine Minute dauert, seit wir in Samoa sind) sorgt für einen klaren Kopf und gute Laune. Wir erledigen ein paar unnötige Besorgungen und stellen beim Kaffee trinken im „Coffee Bean“ fest, dass wir uns die Stunde Wettermodelle vergleichen hätten sparen können. Dort lesen wir den Observer samt Horoskop und wissen nun, dass der Saturn Schuld ist. Morgen lesen wir also zuerst das Horoskop.
Gestern Abend waren wir bei einem samoanischen Abend mit Dinner und Show in einem kleinen Restaurant gegenüber der Marina. Nach dem typisch samoanischen Essen, stilecht im Palmenblattteller serviert, gab es eine fröhliche Show mit anmutigen Tänzen der jungen Damen, energiegeladenen Tänze der Männer und einer nicht ganz unfallfreien aber sehr enthusiastischen Feuershow. Wir hatten erwartet hauptsächlich auf Touristen zu treffen und waren verwundert fast ausschließlich auf Urlauber aus Neuseeland und Australien mit samoanischen Wurzeln zu treffen, die zum familientreffen auf Samoa sind und textsicher alle Lieder mitsingen konnten. Ein gelungener Abend.
Mal sehen, wie lange uns das Wetter noch festhält. Wir füllen seitenlange Papiere aus. In den nächsten Ländern ist eine Voranmeldung per email nötig. Den Ratten an Bord geht es prima – das habe ich gerade bestätigt.
Schnorcheln, Museumsbesuch und der Westen der Insel
Das Wetter zwischen Samoa und Tonga lädt nicht zu einer Segelpartie ein, wir entscheiden uns noch etwas in Apia zu bleiben. Ein verlängerter Aufenthalt auf Samoa ist wahrlich kein Opfer.
Wir besuchen das kleine Museum of Samoa, das in der ehemaligen deutschen Schule untergebracht ist. Das Museum ist übersichtlich und einfach, doch wir lernen einiges über die Geschichte Samoas, den Weg zur Unabhängigkeit 1962 und die vielen chinesischen Gastarbeiter.
Auf dem Rückweg kommen wir an einem Friedhof vorbei. Auf Samoa begräbt man seine Verwandten am Liebsten auf dem eigenen Grundstück, gerne vor dem Haus, und so sehen wir häufig Kinder auf Großvaters Grab spielen. Einen Friedhof gibt es trotzdem, vermutlich haben nicht alle Samoaner genügend Platz im Vorgarten.
Modisch voll im Trend liegen Badelatschen, vorzugsweise Adiletten. Im Prinzip können sie zu jeder Gelegenheit getragen werden, ob man in der Stadt unterwegs ist, in die Kirche geht oder in die Schule, sogar zum joggen kann man sie anziehen. Nobbi weist mich gerne daraufhin. Er musste seine nämlich Zuhause lassen, seine Frau hat ihm verboten sie in der Öffentlichkeit zu tragen, nur für den Weg zur Dusche wären sie erlaubt. Nun ja, jetzt trägt er konsequent Crocs.
Inzwischen kennen wir eine beachtliche Anzahl an Restaurants, Nobbi hat bereits das zweite samoanische Hemd gekauft (nicht einfach Größe L zu finden, es gibt Hemden bis 7XL) und Zeit für kleine Bootsjobs haben wir auch gefunden. Unsere Genua haben wir nicht nur ordentlich zusammen gefaltet, sondern zuvor auch repariert. Die kaputten Stellen haben wir getapt und die Nähte nachgenäht. Eigentlich eine ganz nette Arbeit, wären da nicht die Temperaturen. Bei einer Lufttemperatur von deutlich über 30 Grad (im Schatten) misst Nobbi eine Stegtemperatur von 60 Grad in der Sonne (mit dem Infrarotthermometer, eines unserer liebsten Spielzeuge). Kein Wunder, dass ich da nicht drauf sitzen mochte. Der Hund von einem anderen Boot weigert sich den Steg zu betreten und will getragen werden. Ich kann ihn verstehen, er trägt ja keine FlipFlops.
Wir haben eine neue Kompassbeleuchtung, die alte war korrodiert, der Außenborder trägt ein neues Gewand, gelb mit Palmen, und mein Laptop-Ladegerät hat ein neues Kabel.
Ein paar Tage ist der Schwell hier in den Hafen gelaufen, dann wurde auf einem der großen Schiffe Rost geklopft und Ende der Woche wurde die Straße aufgerissen und es hat schön gestaubt. Immer was Neues, alles nicht dramatisch und zum Glück gibt es Wasser am Steg, so dass man ab und zu sein Schiff waschen kann.
Ganz in der Nähe der Marina gibt es einen ausgezeichneten Schnorchelplatz. Unter schattigen Bäumen stehen kleine Fales, die kleinen Häuschen auf Stelzen, und in den Bäumen hängen Schaukeln, ein samoanisches Freibad. Der Einstieg ins Wasser ist ganz einfach und die Riffkante mit dem schönsten Schnorchelplatz ist mit einem Pfahl markiert, zu dem man einfach hin schwimmt. Schon auf der Sandfläche, über die man zum Riff schwimmt, treffen wir viele Fische und am Riff herrscht ein unglaubliches Gewusel. So ein schönes Riff und solchen Fischreichtum hätten wir hier in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hauptstadt und zum Hafen nicht erwartet, sogar eine Schildkröte schaut vorbei. Obwohl wir unter widrigen Bedingungen geschnorchelt sind, Niedrigwasser und viel Wind mit noch mehr Wellen, waren wir so begeistert, dass wir heute gleich wieder dort waren. Heute bei noch mehr Welle, dafür aber mit viel klarerem Wasser als beim ersten Mal. Ganz toll!
Gestern haben wir noch einmal eine Tour über die Insel unternommen. Wieder waren wir mit Tai unterwegs, diesmal stand die Westseite der Insel auf dem Programm. Wir fahren quer über die Insel, durch Taro- und Kokosplantagen und erreichen schließlich die Nordküste. Erster Stopp: Schnorcheln mit Riesenmuscheln. Ob die Muscheln extra dort hingebracht wurden? Oder ob sie sich selbst hier angesiedelt haben? Wir haben beim Schnorcheln und Tauchen schon oft Riesenmuscheln gesehen, aber diese sind wirklich sehr groß und wir hatten Strand samt Muscheln für uns alleine. Bis 1,40m und 400 kg werden sie groß, diese Exemplare waren locker über einen Meter lang. Die Korallen in diesem Bereich sind ziemlich kaputt, trotzdem waren viele Fische unterwegs. Süßwasser kommt aus den Bergen, fließt in kleine Becken (in denen man auch baden kann) und dann ins Meer. Die Vermischung von Süß- und Salzwasser mit entsprechenden Schlieren sorgte für sehr wechselnde Sicht. Vielleicht gefällt den Muscheln die Strömung?
Weiter geht es entlang der Nordküste nach Westen. Die Straße wird immer schmaler. Tai erzählt uns, dass er die Straße auch noch nie gefahren ist, er hat uns völlig richtig eingeschätzt, wir wollen nicht an den Strand zum Selfies machen (10 Euro Eintritt, ein stolzer Preis), wir wollen lieber den schmalen Weg durch die kleinen Dörfer nehmen. Zeitweise sind wir nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs und die Straße führt durch einen kleinen Fluss. Hier ist es sehr ländlich und sehr schön grün. Irgendwann platzt es auch Tai heraus: „Stell die vor, du lernst eine Frau kennen und dann erzählt sie Dir, dass sie hier wohnt“ (Ihr erinnert euch, nach der Hochzeit zieht der Mann zur Familie der Frau). So schön es hier ist, wohnen wollen wir hier alle drei nicht in dieser Abgeschiedenheit. Irgendwann erreichen wir wieder die asphaltierte Straße. Wir halten ab und zu für ein Foto, oder nur um mal zu gucken, besuchen den Bootsanleger von dem die kleinen Boote zur Nachbarinsel Manono fahren und den Fähranleger vom dem die Fähren zur großen Nachbarinsel Savaii ablegen. In einem netten Hotel gehen wir etwas spazieren und erfrischen uns mit Vaitipolo, frischer Limonade. Ein kleines Kunst-College hat einen Ausstellungsraum für die Werke seiner Schüler. Schnitzereien und Bilder werden hier präsentiert und verkauft. Einige Werke sind toll, die meisten eher mittelmäßig. Interessant wird der Besuch dadurch, dass sie fast alle samoanische Sagen darstellen oder Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit. Wir bekommen eine nette Führung und hören tolle Geschichten über ein Paar, dass sich in eine Schildkröte und einen Hai verwandelt, über einen Oktopus der von Fiji kommt, darüber, dass man sich immer zu zweit tätowieren lassen soll, sonst hat man starke Schmerzen, über die Vergangenheit des Hausbergs von Apia und über das Ende des Kannibalismus. Landschaftlich hat uns der Osten der Insel noch etwas besser gefallen, aber auch diese Tour hat sich sehr gelohnt. Wir haben viel über das Leben auf Samoa gelernt, vor allem weil Tai alle unsere Fragen so geduldig beantwortet hat. Der Nationalvogel Samoas ist der gefährdete Manumea, der im Inselinneren im Wald lebt. Uns gefällt der lustige Vogel, der so ähnlich aussieht wie der Kiwi und auch nicht fliegen kann besonders gut.
Gestern Abend hat der Wetterbericht uns aufgeschreckt, es sieht fast aus als sollte es Ende der Woche möglich sein nach Tonga zu segeln.
Upolu – Eine Inselrundfahrt
Zunächst wollen wir uns ein Auto mieten um die Insel zu erkunden, dann entscheiden wir uns mit Taxifahrer Tai auf Entdeckungstour zu gehen. Von Apia im Norden geht es über die Cross Island Road an die Südküste. Wir folgen der Küstenstraße nach Osten, runden die Ostspitze der Insel und kehren auf der Nordseite zurück nach Apia.
Unser erster Stopp ist der Bahai Tempel der in einem wunderschönen Garten in den Bergen oberhalb von Apia liegt. Vorbei am Papapapaitai Wasserfall (cooler Name, oder?) machen wir eine Pause an einem kleinen weißen Strand an der Südküste. Ein kleiner Spaziergang über einen steinigen Pfad bringt und zu einem riesigen Baum. Es ist zwar nicht weit, dafür sehr heiß, zum Glück aber schattig. Am Togitogiga Wasserfall stellen wir uns ins Wasser und kühlen uns ab. Der To Sua Trench ist eine DER touristischen Attraktionen Upolus, so verwundert es nicht, dass wir hier auf andere Touristen treffen. Trotzdem ist es hier nicht überlaufen. Der Boden ist eingestürzt, die entstandenen „Löcher“ haben eine Verbindung zum Meer und sind mit Seewasser gefüllt. Zu viert baden wir hier in dem natürlichen Salzwasserpool und unterhalten uns mit den netten Neuseeländerinnen. Kleine Hütten auf dem Gelände bieten den perfekten Platz für eine Mittagspause.
Im Osten der Insel kommen uns nur selten Autos entgegen, die Straße führt entlang der langen, einsamen Strände und durch kleine Orte. Dieser Teil der Insel wurde vor genau 10 Jahren von einem Tsunami getroffen, noch immer sind die Schäden zu sehen. Auf unserem Rückweg kommen wir an einem Stausee vorbei, der eingebettet in die hohen Berge des Vulkankraters zwischen Feldern und tiefgrünen Wäldern liegt. An der Südküste halten wir immer wieder an Aussichtspunkten und können die Küste sowie riesige Kokosplantagen und große Tarofelder überblicken. Hier sehen wir auch unseren ersten Flughund! Noch ein letzter Wasserfall, dann erreichen wir ganz müde von den vielen Eindrücken Apia.
Upolu hat uns begeistert, die Insel ist sehr vielfältig. Unser Guide ist auskunftsfreudig und beantwortet unsere viele Fragen zum Leben in Samoa, der Schulbildung, dem Mindestlohn (umgerechnet nur knapp ein Euro!) und dem Leben in der Familie. Wir lernen, dass fast alle Familien in einem offenen Haus leben. Das Leben findet auf einer Art riesiger überdachter Terrasse statt. Je nach Wohlstand und Geschmack, liegen im offenen Haus einige Matten oder ganze Sofagarnituren, sogar große Bildschirme belegen den Raum. In den ärmeren Dörfern sind die offenen Häuser aus Holz und mit Palmenwedeldächern, in reicheren Gegenden aus Beton mit Wellblechdach. Wohlhabendere Familien haben zusätzlich ein Haus mit Wänden. Geschlafen wird meist in den offenen Häusern durch die der Wind weht. Die samoanische Gesellschaft ist stark durch die Rolle der Familie geprägt. Junge Paare ziehen zur Familie, es ist unüblich und in vielen Gegenden noch immer unmöglich selbst Land zu kaufen. Tai erklärt uns, wer selbst bestimmen will muss warten bis der Vater bzw. Schwiegervater tot ist.
Am nächsten Tag besuchen wir das „Cultural Village“ in Apia. Viermal die Woche gibt es hier eine Veranstaltung, die Touristen die samoanische Kultur näher bringen soll. Wir flechten Teller aus Palmenwedeln, lernen wie man Feuer macht und wie Taro, Fisch und Brotfrucht im Feuer zwischen heißen Steinen gegart werden. Überall in Französisch Polynesien wurde Tapa verkauft. Nun lernen wir, wie man den Stoff aus Rindenbast herstellt. Ein junger Ast wird geschält und der Baststreifen (die Rinde ohne die Borke) wird feucht mit einer Muschel bearbeitet, dann platt geklopft und schließlich getrocknet. Wir sehen uns die traditionelle Schnitzerei an und lernen viel über die traditionellen Tatoos. Die Männer werden von der Hüfte bis zu den Knien tätowiert. Das Tatoo ist Voraussetzung um Matai, also Oberhaupt einer Großfamilie, zu werden. Auch Frauen tragen Tatoos, allerdings in filigraneren Mustern.
In dem kleinen Dorf findet nicht nur diese Veranstaltung statt, dort sollen die Traditionen bewahrt werden. Die Schnitzer arbeiten dort jeden Tag und es gibt eine Hütte in der Arzneimittel hergestellt und samoanische Massagen durchgeführt werden.
Der informative Vormittag endet mit einer Tanzvorführung und dem Mittagessen, dass wir von den zuvor geflochtenen Tellern esse. Besonders lecker sind die Taroblätter in Kokosmilch, das schmeckt so ähnlich wie Spinat. Quasi Spinat mit Südsee-Blubb.
Wir bummeln noch etwas durch Apia, ich will mir ein Kleid kaufen. Wie so oft trägt Nobbi am Ende unseres Einkaufsbummels zwei Hemden nach Hause während ich nichts eingekauft habe.
Nachdem in den letzten Tagen Sightseeing im Vordergrund stand, wird es Zeit für Haushaltsangelegenheiten. Wir waschen Bettwäsche und Handtücher (mit der Hand, ein großer Spaß!), lassen unsere Gasflasche füllen (erfreulich unkompliziert), tanken Diesel in einen leeren Kanister (wir haben ja nichts verbraucht) und gehen einkaufen.
Hier gibt es viel zu entdecken und eigentlich würden wir gerne Savaii, die andere Insel besuchen, doch wir haben ein Auge aufs Wetter, es wird Zeit für uns weiter nach Süden zu segeln.
Tusitala, Blumenkränze und Weihrauch
In und um Apia gibt es einiges zu sehen. Wir wollen zur Villa Vailima, dem Robert Louis Stevenson Museum. Der Schriftsteller hat die letzten viereinhalb Jahre seines Lebens hier verbracht bevor er mit Mitte Vierzig an Tuberkulose starb. Unter den Samoanern genoss er ein hohes Ansehen, was auch dazu geführt hat, dass sie ihm seinen letzten Wunsch erfüllt haben und ihn auf dem Mount Vaea, dem Stadtberg Apias, beigesetzt haben. Sanna macht eine hervorragende, unterhaltsame Führung. Wir lernen, dass das Haus zu Beginn der 90er Jahre wieder aufgebaut wurde und seitdem Museum ist, dass es im Haus gleich zwei Kamine gibt (sehr sinnvoll bei 30+ Grad…), dass RLS die Ananas nach Samoa gebracht hat (eine gute Idee, wie wir finden), dass er Tusitala, der Geschichtenerzähler, genannt wurde und dass er mehr als dreißig Bücher geschrieben hat (uns fiel nur die Schatzinsel ein), darunter auch Dr. Jekyll und Hyde. Zum Ende der Führung singt Sanna das Gedicht, das RLS für sein eigenes Grab geschrieben hat, in gleich doppelter Ausführung. Auf Englisch und Samoanisch. Ganz toll. Guide im Museum ist also keine berufliche Perspektive für mich, ich scheitere am Gesang.
Im Anschluss an die Führung unternehmen wir die kleine Wanderung zum Grab in 472m Höhe, man soll feste Schuhe tragen und Wasser mitnehmen. Wasser haben wir, die Schuhe, nun ja, wir machen es samoanisch und laufen in FlipFlops bzw. Crocs. Das Rugbyteam, das die Tour gleich zweimal machen muss (!), ist auf Badelatschen unterwegs. Der Weg durch den Wald ist schön schattig und die Aussicht grandios.
Auf der Suche nach einen Supermarkt wandern wir wieder zurück zum Boot und haben am Ende fast 10 km in den platten Füßen. Abends schaffen wir es nur noch in die Marina-Bar. Das sind etwa 100m das geht auch mit ganz müden Beinen, wenn ein kaltes Bier lockt. Das lokale Bier ist sehr lecker, die Jungs von Zoll hatten Recht! Glücklicherweise fällt die Samstagsparty humaner aus als die am Freitag. Freitag hatten wir nicht nur laute Musik, sondern auch noch ein Konzert auf einer Wiese in der Nähe. Die Bässe haben unseren Rumpf vibrieren lassen. Da hier aber um Mitternacht Sperrstunde ist, kommt man schließlich trotzdem zu seinem Schlaf.
Sonntag ist Sonntag. Fast alle Geschäfte, Restaurants sind geschlossen und jegliche Arbeit oder sichtbare Aktivitäten sind unerwünscht. Wir entscheiden uns den Sonntag samoanisch zu verbringen und gehen in die Kirche. Fast alle Samoaner gehören einer christlichen Kirche an und die Kirchendichte ist etwa so groß wie in Salvador. Wir entscheiden uns für den katholischen Gottesdienst um 9.30 Uhr, frei nach dem Motto „wenn schon Kirche dann Kathedrale“. Die Mischung aus Blütenkränzen und Weihrauch ist berührend und der Gesang des Chors zum Niederknien. Nicht nur im übertragenden Sinne, wir sind ja bei den Katholiken. Die Samoaner kleiden sich sonntags besonders schön. Weiß ist die Sonntagsfarbe. Wir sehen viele Frauen in langen weißen Kleidern mit weißem Hut und Männer in weißen Hemden und natürlich im Rock. Bei den Katholiken dominiert weiß nicht, hier sind alle Farben vertreten, doch auch hier kleidet man sich sonntags besonders sorgfältig. Die obligatorische Blume hinter dem Ohr rundet jedes Outfit ab.
Wir verbringen einen ruhigen Sonntag mit lesen, Blog schreiben und fantastischem Fisch zum Abendessen (im einzigen geöffneten Restaurant in der Nähe). Wenn mir die Olivenölflasche nicht umgekippt wäre und sich der Inhalt nicht großflächig verteilt hätte, wäre es ein richtig entspannter Tag gewesen. Irgendwas ist ja immer.
Samoa – der erste Eindruck
Freitagmorgen geht es zunächst zur Immigration. Das richtige Büro ist schnell gefunden und brechend voll. Wir werden in ein angrenzendes Büro gebeten, füllen die Papiere aus, bekommen einen Stempel in den Pass und dürfen nun 90 Tage in Samoa bleiben. Die zuständige Dame ist unglaublich nett und fröhlich. Talofa! Willkommen in Samoa.
Nachdem das Pflichtprogramm beendet ist, stürzen wir uns ins Getümmel. Erster Stopp „bluesky“. Wir kaufen eine SIM Karte samt 10 GB Datenvolumen für umgerechnet 16 Euro und können nun wieder am virtuellen gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Auf dem Fischmarkt sehen wir uns die großen Thunfische an und die Fischkutter mit ihren Langleinen, wir werfen einen Blick in die Kathedrale, befühlen Stoffe in einem Stoffladen, kaufen Briefmarken bei der Post und kommen am Uhrenturm, berühmten Hotels und Regierungsgebäuden vorbei. Es herrscht fröhliches Gewusel und entspannte Geschäftstätigkeit. Essensstände, Flohmarkt, Taxifahrer auf der Suche nach Kunden und unglaublich viele Kinder.
Mann trägt Rock. Das fällt sofort ins Auge. Der Lava-Lava ist nicht nur Teil der Polizeiuniform, er wird zum Oberhemd im Büro getragen oder leger als Freizeitkleidung, in die Kirche, zum Wandern und er ist Teil der Schuluniform. Meist handelt es sich um einen traditionellen Wickelrock in dunklen Farben, aber auch knallbunte Exemplare oder Varianten mit Cargo-Taschen werden getragen. Ich finde es stylisch und bei diesen Temperaturen ist ein Rock sehr angenehm. Es ist so heiß wie so lange nicht mehr, Gedanken an Tee mit Rum wie noch in Raiatea kommen hier nicht auf.
Die Menschen sind unglaublich freundlich und kontaktfreudig. So erfahren wir, dass Apia ein neues Parlamentsgebäude hat, wo das Gericht ist und dass am Mittwoch die Landwirtschaftsausstellung beginnt. Englisch ist zweite Amtssprache, das erleichtert die Verständigung. Nach einem ausgesprochen leckeren Mittagessen, Poission Cru (roher Fisch in Kokosmilch und Zitronensaft) heißt hier Oka, machen wir uns auf den Weg zurück zum Boot.
Samoa ist ein kleines Land, über das man wenig weiß. Deshalb gibt es hier ein paar Eckdaten. Samoa ist 2830 km² klein (Deutschland ist 123 mal so groß) und verteilt sich auf zwei größere Inseln, Upolu und Savai`i und acht kleinere Inseln von denen nur 3 bewohnt sind. Die meisten der 196000 Menschen leben auf Upolu, knapp 40000 davon in der Hauptstadt Apia. Die Bevölkerung Samoas ist sehr jung, 38 % sind unter 15 Jahre alt. Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt jetzt bei 78,5 (Frauen) bzw. 72,3 Jahren (Männer). Zum Vergleich, wir Deutschen haben eine Lebenserwartung von 83,4 bzw. 78,7 Jahren. Neben der schlechteren medizinischen Versorgung dürfte dafür auch der nicht unbedingt gesunde Lebensstil sorgen, 47 % der Erwachsenen Samoaner müssen als Fettleibig gelten, in Deutschland sind es etwa halb so viele.
Die Währung heißt Tala, sehr leicht zu merken, und die Geldscheine sind wunderschön bunt. Im Moment sind drei Tala einen Euro wert. Der Tourismus wird langsam die wichtigste Einnahmequelle, exportiert werden Fisch und Bier. Es gibt nur wenig Industrie auf den Inseln, Samoa lebt nicht zuletzt von den vielen im Ausland lebenden Samoanern und der Entwicklungshilfe. Die Annäherung an die Geldgeber (Neuseeland, Australien, China und Japan) erfolgt auf zum Teil skurrilem Wege. Nicht nur, dass man über die Datumgrenze gehüpft ist, 2009 wurde auch der Linksverkehr eingeführt um den Import von Autos aus Neuseeland, Australien und Japan zu fördern, zuvor wurden vor allem Autos aus den USA eingeführt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf entspricht mit 5500 Dollar einem Zehntel des Deutschen.
Samoa wurde etwa 1000 v. Chr. besiedelt. Die ersten Europäer erreichten Samoa 1722 und seit 1830 wurden die Samoaner sehr erfolgreich missioniert. 1857 eröffnete ein Hamburger Kaufmann in Apia eine Niederlassung seines Handelshauses. In den folgenden Jahren stritten die USA, Großbritannien und Deutschland um die Macht. Schließlich wurde die Inselgruppe in Amerikanisch Samoa und Deutsch Samoa geteilt. Zu Beginn des ersten Weltkriegs besetzte Neuseeland Samoa und erhielt es später als Treuhandgebiet. 1962 wurde West-Samoa als erstes kolonialisiertes Land Polynesiens wieder unabhängig. 1963 wurde der Präsident als Staatsoberhaupt auf Lebenszeit gewählt, seit 2007 wird das Staatsoberhaupt nur noch für eine Periode von 5-Jahren gewählt. 1997 wurde der Name von West-Samoa in Samoa geändert.
Ihr seht, wir sind in einer deutschen Ex-Kolonie. Für Engländer oder Franzosen auf Weltumsegelung mag das der Normalzustand sein, für uns ist das ungewöhnlich. An der Uferstraße gibt es ein Denkmal, das die Stelle markiert an der 1900 die deutsche Flagge gehisst wurde.
Die vielen Zahlen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern auf der Seite des Statistischen Bundesamtes nachgesehen bzw. bei Wikipedia und im Reiseführer geklaut.
In den nächsten Tagen interessieren uns vor allem die Dinge, die das Statistische Bundesamt nicht erfasst. Wir haben bereits festgestellt, dass die Samoaner unglaublich freundlich und fröhlich sind. Es wird viel und laut gelacht. Außerdem ist uns sofort aufgefallen, dass es vergleichsweise sauber ist. Überall lesen wir „no plastics“, „bring your own straw“ oder „keep our oceans clean“. Seit 30. Januar sind Plastiktüten verboten. Nein, ein Plastiktütenverbot in Samoa wird den Planet nicht retten, aber wir finden es gut, dass die junge Bevölkerung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur erzogen wird. Der Stadtberg wurde mit Bäumen aus einem „reduce your CO2 footprint“ Projekt bepflanzt, so soll man z.B. für jeden Flug nach Neuseeland 6 Bäume spenden und damit die CO2 Bilanz kompensieren. Wenn ich dann allerdings in der Zeitung lese, dass die Leichtathletik-WM in einem Wüstenstaat im klimatisierten Stadion stattfindet… so viele Bäume kann Samoa gar nicht pflanzen.
Angekommen in Apia, Samoa – hier beginnt der Rückweg
Anstrengende Segeltage liegen hinter uns. Nachdem wir uns entschieden hatten Suwarrow nicht anzulaufen, kämpften wir zunächst zwei Tage mit recht wenig Wind. An Bord war es gemütlich, mich haben nur die vielen Gewitter gestört, die zum Glück jedoch nie in unsere Nähe kamen.
Doch Montagabend kam der versprochene Wind, inklusive zunehmend hoher Wellen. Es ist unheimlich. Die Nacht um mich herum ist tiefschwarz, die heranrollenden Wellen kann ich nicht sehen, nur hören. Ab und zu sehe ich im Schein des Hecklichts, wie das Wasser von den brechenden Kämmen weggerissen wird. Erst hypnotisiere ich die Windanzeige, doch das bringt ja nichts und Mari scheint es völlig egal zu sein ob wir nun sieben oder acht Windstärken haben. Ab und zu schüttelt eine kräftige Böe das Rigg, doch Mari segelt völlig unbeirrt nach Westen.
Jetzt sind wir froh, dass wir am Morgen von der Genua auf die Fock gewechselt haben. Unsere Genua ist schon ziemlich alt und schon öfter haben wir gedacht, dass sie es wohl nicht mehr lange macht, doch seit Panama ist sie ununterbrochen im Einsatz. Morgens hatte ich eine offene Naht im Unterliek entdeckt und uns war klar, dass das Segel eine Nacht mit starken Wind wohl nicht überleben würde. Außerdem steht die Fock wesentlich besser als die Genua, so dass wir sie lieber segeln wenn wir damit rechnen kreuzen zu müssen, oder wenn wir das Segel teilweise eingerollt haben. Also haben wir die Genua komplett ausgewickelt, runtergenommen, durchs Vorluk ins Schiff gestopft, die Fock hochgezogen und die Genua unter Deck zusammen gelegt. Das Ganze ging viel schneller als befürchtet und erstaunlicherweise ohne größere Mengen Wasser ins Schiff zubringen. Nachmittags haben wir vorsichtshalber unser Bimini weggenommen, Sonne vor der es uns schützen konnte gab es ohnehin nicht.
Der Wind bleibt uns den ganzen Dienstag erhalten, doch nun kommt auch noch Regen hinzu. Unglaubliche Wassermassen stürzen stundenlang vom Himmel. Die Sicht beträgt vielleicht zwanzig Meter. Die Wellen erreichen jetzt ihr Maximum. Signifikante Wellenhöhe vier bis fünf Meter. Zum Glück sind Wellen schön lang, da macht das nichts. Nur ab und zu kommt ein deutlich höherer Brecher heran gerauscht und versucht uns zur Seite zu schubsen. Es ist mühsam, der beste Platz unter Deck ist die Lee-Koje (d.h. die tiefer gelegene Seite), doch erstens passt da nur einer rein und außerdem ist es heiß unter Deck. Bei dem Versuch auch einen gemütlichen Platz zu ergattern wird Nobbi von der Luv-Bank geschleudert. Die Maststütze stoppt ihn, eine Platzwunde am Kopf ist die Folge. Mein Angebot die Wunde zu nähen lehnt der glücklicherweise ab, das wäre was geworden in dieser Achterbahn. Es blutet nicht sehr und nach einem Erholungsschläfchen ist Nobbi wieder fit.
Mittwochmorgen nimmt der Wind ab, wir feiern das mit Pfannkuchen zum Frühstück. Im Laufe des Tages nimmt der Wind so weit ab, dass wir beginnen zu rechnen, ab wann wir motoren müssten um noch am Donnerstag anzukommen. Nobbi übergibt mir gestern Morgen (Donnerstag) um vier die Wache und berichte von einer sehr entspannten Wache, er habe gelesen und Sterne angeguckt, leider seien wir sehr langsam. Gerade habe ich es mir mit Musik, Buch und Gummibärchen im Cockpit gemütlich gemacht, da beginnt ein leichter Sprühregen. Für mich fällt die gemütliche Lesestunde aus. Auf dem Sprühregen folgt ein Gewitter, dann ein heftiger Schauer, Böen mit sieben Windstärken fordern mich auf die Fock einzurollen, dann dreht der Wind … so geht es immer weiter. Trotzdem, als Nobbi gute drei Stunden später aufwacht bin ich zufrieden. Wir segeln wieder mit fünf bis sechs Knoten, ich hatte Delfinbegleitung und ich habe Samoa bereits gesehen (und mir für die Sichtung Belohnungsschokolade zugesprochen, die ich sogleich verspeist habe).
Die Einfahrt nach Apia ist einfach. Apia Port Control meldet sich schließlich doch noch. Nachdem wir sie etliche Male gerufen hatten und sich nie jemand gemeldet hatte, bekommen wir die Erlaubnis direkt in die Marina zu fahren. Wir dürfen nicht von Bord bis „Health“ und „Customs“ da waren. Der junge Mann von der Gesundheitsbehörde fragt nur, ob wir gesund sind, wir füllen ein Formblatt aus und dürfen die gelbe Flagge runternehmen. Die Herren vom Zoll sind tiefenentspannt, lassen uns zwei Seiten ausfüllen und empfehlen das lokale Bier. Das war schon alles.
Die Marina ist sehr übersichtlich. Einer der beide Stege ist zerstört und es wirkt nicht, als würde er in näherer Zukunft wieder aufgebaut. Am anderen liegen derzeit drei bewohnte Fahrtenschiffe (eins davon ist Mari), zwei unbewohnte Boote und ein paar Fischer. In der Bucht ankern zwei weitere Segler. Es gibt Strom und Wasser auf dem Steg und eine rustikale Dusche auf der anderen Seite des Hafenbeckens. All-you-can-shower, das war toll heute Morgen!
Wir sind angekommen auf der anderen Seite der Erde von jetzt an sind wir auf dem Rückweg. Lesum liegt ungefähr auf dem 8. Längengrad (Ost), auf dieser Seite heißt dieser Längengrad 172 Grad West und führt durch Samoa. (Für Haarspalter: Lesum liegt auf 8,6 Grad Ost und Apia auf 171, 7 Grad West…). Besucher des Klimahauses Bremerhaven wissen das alles, schließlich haben sie diesen Längengrad dort bereist. (Ihr seht ich werde nicht müde einen Bremerhaven-Besuch zu empfehlen). In den nächsten Tagen werden wir herausfinden, ob Samoa tatsächlich so aussieht wie das Samoa im Klimahaus.
Übrigens wir sind euch nun voraus. Vom Gestern ins Morgen. Oder die Letzten werden die Ersten sein. Wir haben die Uhr nicht nur eine Stunde zurückgestellt, sondern auch einen Tag vor. Den Sonntag haben wir einfach ausgelassen. Die Sache mit der Datumsgrenze ist eigentlich ganz einfach, erst wenn man genauer darüber nachdenkt wird es kompliziert. Von Greenwich geht es in beide Richtungen 12 Stunden. Nach Westen UTC -1, -2, -3,… nach Osten UTC +1, +2, +3 und bei +12 ist die Datumsgrenze. Sollte man denken. Wir sind jetzt in der schönen Zeitzone UTC +13. Aus politischen Gründen möchte Samoa auf der neuseeländischen Seite der Datumsgrenze sein. Bei den Nachbarn in Amerikanisch Samoa ist heute gestern. Dort gilt UTC -11. Dort ist es gleich spät, aber eben gestern. Um das Ganze noch ein bisschen interessanter zu gestalten beginnt die Sommerzeit am Wochenende, das ist dann UTC +14 und entspricht Tahiti-Zeit. Nur eben einen Tag weiter. Verrückt.
Suwarrow faellt aus
Der Betreff sagt es schon. Suwarrow faellt aus. Heute Morgen haben wir die Entscheidung getroffen an dem Atoll, das zu den Cook-Inseln gehoert, vorbei zu segeln.
Heute ist Tag 7 seit Bora Bora. Ein Segeltag wie aus dem Bilderbuch. Blauer Himmel, vier Windstaerken und dieses unglaublich blaue Wasser des Pazifiks. Wir sind auf West-Kurs gegangen. Der Wind kommt nun schraeg von achtern, das Boot liegt stabil auf Steuerbord-Bug. So macht Segeln Spass, so kann es bleiben.
Seit Bora Bora sind wir recht langsam vorangekommen, oft hatten wir wenig Wind und den auch noch direkt von achtern. Eine schauklige Angelegenheit. Der wenige Wind sorgt fuer geringe Geschwindigkeit, die oft recht hohe Welle schuettelt das Boot. Heute Morgen hat Nobbi laenger die huepfende Teekanne durchs Cockpit gejagt. Alles was nicht eingeklemmt oder angebunden ist macht sich selbststaendig. Doch es geht uns gut an Bord. Nachdem wir eingeschaukelt sind und seit der dritten Nacht gut schlafen, macht das Leben an Bord Spass. Wir lesen viel, heute Mittag haben wir beide zum Beispiel Palstek und Wetterlotse gelesen und dann auch gleich ausfuehrlich diskutiert. Podcasts und Krimis halten uns waehrend der Nachtwachen wach. Wir sammeln die verbliebenen Leckereien aus der Bilge. Die letzten deutschen Wuerstchen sind aufgefuttert, gestern gab es schon das zweite Mal seit Bora Bora Rinderfilet und auch heute Abend gibt es wieder Tomatensalat.
Jetzt, wo wir den wenigen Wind fuer unseren geplanten Aufenthalt auf Suwarrow brauchen koennten, verabschiedet dieser sich. Anfang der Woche ist fuer dieses Seegebiet viel Wind angesagt, dazu heftige Schauer und Gewitter bei 4m Schwell. Eine Wetterlage, die nicht zum recht ungeschuetzten Ankerplatz passt. Ein Revierfuehrer schreibt, dass Suwarrow nur in ruhigem Wetter zu empfehlen sei, der andere raet bei schlechtem Wetter sofort auszulaufen. Etwas enttaeuscht sind wir schon, beide haben wie das Buch von Tom Neale „An Island to Oneself“ gelesen, und davon getraeumt das Atoll eines Tages zu besuchen. Natuerlich koennten wir darauf hoffen, dass das Wetter gar nicht so schlecht wird wie vorhergesagt. Doch dann koennten wir ja auch einfach aufhoeren ueberhaupt den Wetterbericht zu lesen.
550 Meilen sind es auf direktem Weg nach Samoa, eventuell werden wir einen kleinen Umweg segeln um dem schlechten Wetter etwas aus dem Weg zu gehen. Auf See fuehlen wir uns besser geruestet stuermisches Wetter durchzustehen, als an einem unsicheren Ankerplatz.
Wir warten noch immer auf Wale, hier ist gerade Buckelwal-Saison, essen Schokopudding mit Mango und freuen uns nun auf Samoa.
Maururu
Danke Französisch Polynesien! Vier wunderschöne Monate liegen hinter uns. Nun haben wir unsere Ausreisestempel im Pass und halten unsere Clearance in den Händen. Morgen geht es weiter. Kurs West!

Bora Bora – die schönste Insel der Welt?
Bora Bora wirbt nicht gerade bescheiden damit die schönste Insel der Welt zu sein. Für uns soll Bora Bora die letzte Insel Französisch Polynesiens sein, hier wollen wir ausreisen.
Die Überfahrt von Tahaa macht Spaß. Wir starten gleich nach dem Frühstück, haben perfekten Segelwind und nur wenig Schwell. Wir gewinnen eine kleine private Regatta, deren Hauptpreis die letzte freie Boje vorm Bora Bora Yacht Club ist, was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Das Segeln macht so viel Spaß, dass wir hoch am Wind bis in die Einfahrt zum Pass segeln. Auf den letzten Meilen hoch am Wind überholen wir einen Kat und hängen einen zweiten ab. So kommt es, dass wir als erste durch den Pass gehen und Kurs auf die freie Boje nehmen. Das Boot hinter uns ist unter Maschine schneller und versucht auf den letzten Metern zu überholen. Ich fahre ein ungewohnt schnelles Manöver, falle dabei ins Cockpit, höre das Gelächter vom Boot hinter uns und schnappe mir trotzdem die Boje.
Entgegen Bora Boras Werbeversprechen haben wir viel Schlechtes gehört. Die Insel sei hoffnungslos überbewertet und total überlaufen. Wir laufen vom Yacht Club in den Ort, das sind etwa 2,5 km und wundern uns zunächst, dass vergleichsweise wenig Verkehr ist.
Bevor wir auf Entdeckungstour gehen erledigen wir das Pflichtprogramm: Wäsche waschen, Diesel tanken und einkaufen. Bei der Post finden wir eine schnelle Internetverbindung, können so unsere Post lesen, einige Überweisungen wollen getätigt und ein paar Kleinigkeiten erledigt werden.
Dann haben wir Zeit für schöne und unnütze Dinge, wir gehen spazieren, baden, kaufen Bora-Bora-T-Shirts und feiern in einem schönen Restaurant sehr stilvoll unseren Abschied von Französisch Polynesien. Dafür schmeißen wir uns richtig in Schale. Nobbi nimmt sein Hemd vom Bügel (das einzige, das auf einem Bügel hängt, alle anderen müssen zusammengefaltet im Schapp überleben), ich ziehe mein kleines Schwarzes an.
Wir unternehmen eine kleine Wanderung und blicken vom Aussichtspunkt auf den Pass. Vom Ort aus beginnen wir den Aufstieg auf den Berg, doch der Weg ist uns zu steil, wir haben Angst vor dem Abstieg und kehren um. Unser Pfad endet vor einem der vielen „Tabu“-Schilder, was nichts anderes bedeutet, als „verboten“ oder „kein Durchgang“. Auf keiner anderen Insel haben wir so viele Tabu-Schilder gesehen. Sind wir Touristen so dreist, dass diese Schilder nötig sind, oder ist das Bedürfnis sich abzugrenzen so stark? Wir wissen es nicht. Eine Baustelle trennt uns von der Straße. Uns schwant Böses. Wir wollen niemanden gegen uns aufbringen, doch umzukehren würde bedeuten, wieder hoch auf den Berg zu klettern. Mal wieder werden wir überaus positiv überrascht. Wir wollen uns vorsichtig an der Baustelle vorbei schlängeln, doch die Männer unterbrechen die Arbeit, weisen mir den einfachsten Weg quer durch ihre Baustelle und strahlen uns begeistert an, als wir uns mit einem Maururu, dem polynesischen Danke, verabschieden.
Am Yacht Club will man am plötzlich 2000 Franc (das sind 17 Euro) von uns haben – für das Anbinden des Dinghies. Wir weigern uns, klären die Situation. Wir saßen hier mehrfach als Gäste auf der Terrasse und haben (teures) Bier getrunken. Letztendlich müssen wir nicht bezahlen und dürfen unser Dinghy weiterhin dort anbinden. Früher gehörten die Bojen an dieser Stelle wohl zum Yacht Club, nun werden die Bojen überall auf der Insel von den gleichen Leuten betreut (=abkassiert), dass der Yacht Club nun nicht mehr seinen Steg zur Verfügung stellen möchte, können wir verstehen. Aber 17 Euro Parkgebühr für ein Schlauchboot wollen wir auch nicht bezahlen, schon gar nicht, weil wir ja auch Kunden des Restaurants sind. Dieser Zwischenfall beschreibt das Problem auf Bora Bora ganz gut. Einige verdienen sehr gut an den reichen Touristen der Luxushotels, alle anderen wollen nun auch verdienen. Dabei werden zum Teil absurde Preise aufgerufen.
Seit diesem Jahr gibt es eine neue Regelung, die das Ankern um Bora Bora nur noch in bestimmten Gebieten erlaubt. Nur wird sie nicht durchgesetzt, bzw. nur wenn es gerade passt. Die einen ankern in „verbotenen“ Gebieten und dürfen bleiben, die nächsten werden aus „erlaubten“ Gebieten verscheucht. So herrscht gelegentlich Verwirrung oder Unmut.
Auch nach 4 Monaten gibt es viele Dinge in Französisch Polynesien, die uns immer wieder staunen lassen. Dazu gehört oft die Preisgestaltung. Der Ananassaft (ok, bei uns dürfte das nicht Saft heißen, wenn es hauptsächlich aus Zucker besteht) aus Moorea, ist deutlich teurer als der Apfelsaft mit 100% bretonischen Äpfeln. Ein paar Puma Sneakers sollen in Papeete 60 Euro kosten, eine (große) Wassermelone auf dem Markt 35 Euro. „Naturschutzsteuer“ auf Fakarava 50 Cent pro Tag, ein Blick in die Pearlfarm 8 Euro. Für dieses Preisungleichgewicht gibt es unzählige Beispiele. Auf den Marquesas haben wir häufig in einem Laden den gleichen Artikel zu unterschiedlichen Preisen gefunden. Wenn für Obst und Gemüse oft (aber nicht immer) so hohe Preise verlangt werden, warum liegen dann so viele Gärten und Felder brach? Wir werden es nicht mehr verstehen und uns weiter fragen wie sich die Menschen das teure Leben hier leisten können.
Bora Bora zeigt sich bei schönstem Südseewetter von seiner besten Seite. Ein Manta umkreist uns, einfach wunderschön. Wir haben die Ausreisepapiere ausgefüllt, müssen nun aber zwei Tage warten, bis wir unsere Clearance abholen können. Wir entscheiden uns für eine Lagunenrundfahrt. Der schönste Platz soll in der Südost-Ecke der Lagune sein, dort wollen wir hin.
Wir fahren in der Lagune immer entlang der Hotels mit den Wasserbungalows. Davon gibt es viel mehr als ich dachte und die meisten der Hotels haben mindestens 50 dieser Palmenwedel gedeckten Hütten. Schon verrückt, die Luxushotels decken die Hütten mit Palmenwedeln, die Einheimischen mit Wellblech.
Die Fahrt durch den flachen Teil der Lagune kostet, besonders mich, Nerven. Ich stehe am Ruder und habe Angst aufzulaufen. Hier ist es ganz schön flach, das Wasser ist superklar und ich kann nicht schätzen wie tief es ist. Das Echolot zeigt meist weniger als vier Meter, oft weniger als drei. Dass Nobbi das Ruder übernimmt, will ich aber auch nicht. Ich bin erleichtert als es wieder tiefer wird und sehr froh, dass wir den Weg auf uns genommen haben. Der Platz ist fantastisch. Das klare Wasser der Lagune, das schützende Außenriff, das Motu mit seinem weißen Strand, die grünen Palmen und im Hintergrund der beeindruckende Berg. Das Türkis leuchtet. Wolken, Vögel, Boote, Flugzeuge, einfach alles reflektiert diese unglaubliche Türkis. Der Vollmond lässt die Lagune sogar nachts leuchten. Unglaublich, wir sehen nachts den Grund am Ankerplatz. Wir baden, schnorcheln, gehen am Strand spazieren und schießen unzählige Fotos. Zielsicher sind wir in der „deutschen“ Ecke gelandet (insgesamt 8 Boote, darunter 3 Deutsche, 1 Schweizer) und freuen uns über ein unerwartetes Wiedersehen.
Gerne würden wir noch ein paar Tage bleiben, doch wir entschließen uns am nächsten Tag weiter zufahren. Dieser Südseetraum ist der perfekte Abschied von Französisch Polynesien.
Bleibt die Frage, ist Bora die schönste Insel der Welt? Für mich nicht, obwohl es hier wirklich sehr sehr schön ist. Ob ich auf Bora Bora keinen Hubschrauber oder Jet-Ski miete oder auf einer anderen Insel ist egal. Das Angebot für die Touristen der Luxushotels brauche ich nicht, ich könnte es ohnehin nicht bezahlen. Unser Luxus ist Zeit. Zeit unser eigenes Paradies zu finden.
Die Konkurrenz um den Titel „schönste Insel der Welt“ ist riesig. Einige Aspiranten wären aus meiner Sicht Fernando de Noronha, Anholt, Porto Santo, Makemo, Lummerland, Amrum… aber ich kann mich einfach nicht entscheiden.
In den letzten Blogbeiträgen von Moorea, Huahine, Raiatea und Tahaa findet ihr nun endlich Fotos!
Tahaa – Inselrundfahrt und Perlen
Der Samstag beginnt mit einem Frühstück im sonnigen Cockpit. Wir verlassen unsere Boje, bevor das Wetter es sich wieder anders überlegt. Kaum sind wir unterwegs wird es wieder ziemlich grau. Wir ignorieren das diesmal und brechen zur geplanten Inselrundfahrt auf.
Raiatea und Tahaa teilen sich eine Lagune. Wir können also innerhalb des Riffs zu Tahaa hinüberfahren. Aber kräftige Wind sorgt auch innerhalb des Riffs für eine kabbelige Welle, manchmal spritzt Salzwasser übers Deck und ich friere. Dennoch weigere ich mich einen Pulli anzuziehen. Pullover und Südsee das geht einfach nicht. Trotzdem macht die Fahrt Spaß und wir bekommen Vieles zu sehen. Ein Viermaster liegt an der Pier in Raiatea, es findet ein Kanurennen statt, manch ein Surfer ist mit dem frischen Wind überfordert und viele Segler sind zwischen den beiden Inseln unterwegs. Im Norden von Tahaa ist es einsam, wir treffen hier keine anderen Segler und nur wenige Boote, keine Angler, keine Touri-Touren. Die Insel ist nicht so hoch wie Raiatea, aber ebenso grün und im Norden nur wenig bebaut.
Der erste potentielle Ankerplatz in Tahaas Osten ist von Schaumkrönchen dekoriert, die Nordküste ist gänzlich ungeschützt und abgesehen davon, dass das Wasser meist sehr tief ist, tummeln sich unzählige Bojen der Perlfarmen außerhalb des Fahrwassers. Wir finden eine Boje an einer Perlfarm. Natürlich fragen wir, ob wir über Nacht bleiben dürfen und bekommen bei der Gelegenheit die beste Führung in Sachen Perlen, die wir bisher hatten. Die junge Frau spricht sehr gut Englisch und kann alle unsere Fragen beantworten. Das macht richtig Spaß. Natürlich kaufen wir anschließend etwas im Laden. Das gehört dazu und ist sicher kein Opfer. Nun wissen wir, dass wir neben dem Muschelkindergarten liegen. Hier wachsen die Muscheln heran, bis sie zwei Jahre alt sind. Dann bekommen sie die erste Kugel aus Perlmutt eingesetzt, die sie dann in etwa eineinhalb Jahren in eine schwarze Perle verwandeln sollen. Die „erwachsenen“ Muscheln, die Perlen produzieren, hängen auf der anderen Seite des Fahrwassers am Außenriff im tiefen Wasser. Die Muscheln können mehrere Perlen nacheinander produzieren und viele Jahre alt werden. Heute werden alle Perlen nach Tahiti geschickt und dort bewertet. Perlen, die eine zu dünne Schicht um das Implantat besitzen, werden vernichtet. Nach der Bewertung gehen die Perlen zurück an die Perlfarm, ein Teil der Perlen wird dort weiterverarbeitet und verkauft. Der größte Teil der Perlen wird jedoch sofort weiterverkauft. Die dunklen Perlen sind besonders auf dem asiatischen Markt beliebt und die meisten Perlen werden via Hongkong gehandelt. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind doch die meisten Perlfarmen in chinesischer Hand.
Heute ist es sonnig und wir entschließen uns ans Außenriff zu wechseln und dort neben dem Hotel zu ankern. Das „Le Tahaa“ ist eines dieser Hotels mit den berühmten Wasserbungalows. Anders als viele andere ist es in Betrieb und anscheinend einigermaßen gut besucht. Viele der Luxushotels sind wenig besucht oder verlassen und verfallen. Das könnte an den Preisen liegen. Wir kennen die Preisliste des „Le Tahaa“ nicht, vergleichbare Hotels hier in der Gegend nehmen aber gerne 1000 Euro pro Nacht. Kein Schnäppchen.
Kaum hat unser Anker gefasst, kommen mehrere Boote und versuchen neben uns zu ankern. Vermutlich denken sie, dass wie DEN Spot gefunden haben. Haben wir nicht. Der Wind kommt heute leider aus Nordost und so haben wir 70 cm Welle am Ankerplatz. Das kann man machen, muss man aber nicht. Wir verlegen also nachmittags wieder an „unsere“ Boje an der Perlfarm. Überhaupt herrscht ein ständiges Kommen- und Gehen. Boote ankern, verlegen, fahren weiter, stoppen ein paar Meilen nördlich, drehen wieder um. Richtig was los. Und wir liegen hier ganz allein in unserer kleinen Bucht und schauen uns das an.
Wir verbringen den Sonntag mit lesen und Schnorcheln. Außerdem bekämpfen wir unsere Bananenflut. Bananenkuchen zum Frühstück, zwischendurch einige Baby-Bananen, mittags gebratene und gesalzene Kochbananen… Zum Glück konnten wir gestern ein paar Bananen an unsere französischen Nachbarn verschenken.
Zum Schluss noch einige tierische Neuigkeiten und Erkenntnisse. Rochen und Haie mögen keine Baguettes und keine Bananen. Rochen gibt es hier überall. Die Adlerrochen springen gerne mal aus dem Wasser, das sieht spektakulär aus und platscht so schön. Die Stechrochen sind da zurückhaltender, sind aber an Stegen, beim Dinghi fahren und beim Baden häufig zusehen. Auf Baguette und Bananen reagieren sie nicht. Anders als Schiffshalter und Doktorfische.
Die Seevögel, die um uns herum auf dem Bojen sitzen, haben tolle Stimmen. Sie lachen sie kaputt. Lauthals. Vermutlich über uns?!
Auch innerhalb des Riffs sieht man immer wieder Delfine. Heute sehen wir die Delfine im leuchtend blauen Wasser vor dem kleinen Motu mit zerzausten Palmen und weißen Sandstrand, die Welle bricht sich auf dem türkis leuchtenden Riff, im Hintergrund die Silhouette Bora Boras. Kitschiger wird’s nicht!







