Fakaravas Hauptort Rotoava

Noch einmal verbringen wir ein paar Tage vor Rotoava. Zum einen wollen wir unsere Reise nach Norden fortsetzen, da bietet sich der Ort im Norden der Lagune an, zum anderen gefällt uns der kleine Ort. Es ist windig, der französische Wetterbericht verspricht immer wieder Böen mit 30 oder 35kn. Zwischendurch ist es grau und regnet, doch dann reißt es doch immer auf und jeder Tag hat auch schöne Stunden im Gepäck. Eine sehr schauklige Nacht haben wir hinter uns gebracht, in der ein unangenehmer Schwell die Boote am Ankerplatz geschüttelt hat, nun sind die unangenehmen Wellen jedoch verschwunden und wir können wieder ruhig schlafen.
Wir nutzen die einigermaßen stabile Internetverbindung um unsere Post zu erledigen, Rechnungen zu bezahlen und Fotos hochzuladen. Einen Tag verbringen wir damit unsere Rechner Updates machen zu lassen. Das dauert. Zum Glück haben wir uns was zu lesen mitgebracht, ich schaffe einen halben Krimi während mein Computer quälend langsam Windows-Updates herunterlädt.
Inzwischen kennen wir uns gut aus und werden in den drei Läden freundlich begrüßt. Die Kinder am Strand winken uns begeistert, wenn wir mit dem Dinghy anlanden, die Teenies im Laden probieren ihr Englisch an uns aus und die Hunde folgen Nobbi auf der Hauptstraße.
Die Sehenswürdigkeiten sind überschaubar. Der Ort hat eine niedliche kleine Kirche, die mit wunderschönen Muschelketten geschmückt ist. Es gibt einen Flughafen, der die ganze Nacht beleuchtet ist obwohl er nachts nicht angeflogen wird, einen alten Leuchtturm und die kleine Gedenktafel der Societé 193. Die Societé 193 erinnert an die Atomwaffentests in Französisch Polynesien und ihre Folgen. 193 Tests wurden auf zwei Tuamotu-Atollen zwischen 1966 und 1996 durchgeführt. Im Ort herrscht eine entspannte Urlaubsatmosphäre. Die meisten, egal ob Touristen oder Einheimische, sind mit dem Fahrrad unterwegs. Die erstaunlich zahlreichen Autos sind auch nicht viel schneller.
Obwohl im Moment nur noch eine Handvoll Segler auf dem Ankerplatz liegt, gibt es immer etwas zu sehen. Fakarava wird von vielen Luxusyachten angelaufen. Knautschige „kleine“ Motoryachten mit nur 25 m Länge, futuristische 50m lange Yachten in Bügeleisenform und 60m lange Segelyachten, uns wird einiges geboten. Diese Dinger haben natürlich Beiboote, Schlauchboote und Spielzeuge wie Jetskis. Die meisten Beiboote sind länger als unsere Mari. Da gibt es immer was zu gucken. Praktisch wenn man eine ausklappbare Terrasse Mittschiffs hat, falls man nicht an Deck sitzen möchte. Dann sind hier auch einige kleine Luxuskreuzfahrer und Tauchschiffe unterwegs und natürlich die Versorgungsschiffe, die Fakarava mehrmals pro Woche anlaufen. Heute hat ein kleines Schiff lauter Paletten und Säcke abgeladen. Vielleicht war etwas für die Tankstelle dabei? Die Tankstelle ist nagelneu und wurde für die heutige Einweihungsfeier mit Palmenwedeln geschmückt. Ab Montag hat sie geöffnet! Bisher mussten die Atollbewohner Benzin /Diesel per Fass ordern und Yachten konnten nach Absprache direkt am Versorgungschiff tanken.
Wir haben Haustiere. Oder muss es Bootsfische heißen? Die Anzahl von Schiffshaltern unterm Boot wird immer größer. Einige haben uns vom letzten Platz hierher begleitet, andere haben sich Mari erst kürzlich angeschlossen. Bei Blacky, meinen schwarzen Lieblingsfisch, bin ich mir sicher, dass er schon seit dem vorletzten Platz bei uns wohnt. Sie fressen sehr gerne Baguette, interessieren sich aber auch für Möhren und Gurkenschalen. Zwiebeln mögen sie nicht. Außerdem haben wir hier immer wieder Einhörner, einen großen Schwarm Nasen-Doktorfische unterm Kiel.
Haisichtungen sind auch hier nichts Ungewöhnliches. Meist trifft man im flachen Wasser auf kleine Schwarzspitzenhai. Es gibt jedoch auch einen recht großen Hai, mindestens 2,5 m lang und sehr kräftig, den wir seit Tagen dicht am Strand beobachten. Es könnte ein Zitronenhai sein. Also, beim Aussteigen aus dem Dinghi bitte nicht auf den Hai treten!

Die Bildergalerien von Ua Pou und Makemo sind nun vollständig.

Fakaravas Südpass – ein Hailight

Am Sonntag ist das Wetter hervorragend. Bei strahlendem Sonnenschein und wenig Wind verlegen wir uns zusammen mit einem anderen Boot an den Südpass. Wir fischen eine Boje auf und sind sehr zufrieden mit unserem Liegeplatz dicht am Riff. Schon das erste Schnorcheln zur Kontrolle der Boje ist schön. Sehr viele nette Fische begrüßen uns.
Der Pass ist bekannt für seine schöne Unterwasserwelt. Mittags ist Niedrigwasser. Den Nachmittag nutzen wir, um bei einlaufendem Wasser im Pass zu schnorcheln. Gemeinsam mit Joan von der Simpatic fahren wir mit dem Dinghi in den Pass, lassen uns ins Wasser gleiten und treiben dann mit dem Schlauchboot durch den Pass zurück in die Lagune. Zunächst treiben wir gemütlich dahin, im inneren Teil des Passes, wo die Wassertiefe auf 2 bis 3 Meter abnimmt, nimmt der Strom zu und zieht uns mit sich. Das macht einen riesen Spaß und fühlt sich fast an wie fliegen über eine bunte Korallenlandschaft. Im Pass sehen wir sehr viele Haie, im flacheren Bereich Schwärme kleiner Fische und viele schöne Korallen. Das Ganze wiederholen wir dreimal. Dann sind wir durchgefroren, außerdem sind wir zum Kaffee trinken verabredet. Bevor es zurück an Bord geht machen wir noch einen Abstecher zur Tauchbasis und buchen Tauchgänge für den nächsten Tag. Wir haben Glück, nur weil wir nachweisen können, dass wir erfahrene Taucher sind, bekommen wir einen Platz.
Das Besondere am Südpass in Fakarava sind die Haie. Hunderte Haie leben hier in der Strömung, Beim Schnorcheln haben wir schon viele von ihnen von oben gesehen, doch nun wollen wir ihnen quasi auf Augenhöhe begegnen. Morgens laden wir unsere Tauchsachen ins Schlauchboot und machen uns auf den Weg zur Tauchbasis. Unser erster Tauchgang findet bei Ebbe also bei auslaufender Strömung statt. Mitten im Pass springen wir aus dem Boot. Dann geht es hinab auf 30m Tiefe. Die auslaufende Strömung zieht mächtig an uns, wir lassen uns ein Stück durch den Kanal ziehen und legen uns dann in eine Vertiefung auf dem Boden des Passes. Wir müssen nur kurz warten, dann kehren die Haie auf ihre Lieblingsplätze in der Strömung zurück. Wir sind umgeben von Haien. Graue Riffhaie stellen die mit Abstand größte Haipopulation, hinzukommen einige Schwarzspitzen, Weißspitzenriffhaie und einige seltenere größere Haiarten. Wir folgen der Strömung, steigen auf der anderen Seite des Passes ins flachere Wasser auf, haben auch hier Gelegenheit „Haie soweit das Auge reicht“ zu sehen und beenden den Tauchgang auf der Außenseite des Riffs im flachen Wasser. Ein schöner Korallengarten mit tausenden bunter Rifffische und ein großer Napoleon runden den Tauchgang ab. Nachmittags tauchen wir mit der einlaufenden Strömung, dieser Tauchgang ist weniger aufregend, weniger tief und die Strömung ist nicht so stark, dafür ist die Sicht etwas besser. Die Anzahl der Haie ist wieder überwältigend. Im Kanal sieht es aus wie auf der A1 am Freitagnachmittag. Nur dass keine Autos in der Schlange stehen, sondern hunderte von Haien. Ab und zu wendet einer und reiht sich an anderer Stelle wieder ein. Gelegentlich schwimmt ein großer Hai zwischen den anderen hindurch, die kleineren rücken respektvoll zur Seite. Einige Haie lassen sich an der Putzerstation säubern. Wir legen an verschiedenen Spots eine Pause ein und sehen uns die endlose Reihe von Haien an. Das Wort Nahrungskette bekommt eine ganz neue Bedeutung. Im Kanal sehen wir auch viele Zackenbarsche, die kennen wir aus „der blaue Planet II“ und von unserem Teller zwei Tage zuvor. Mir macht es am meisten Spaß mich neben den Haien in den Strom zustellen und so zutun als sei ich auch einer. Wir beenden den Tauchgang in dem wir uns mit dem Strom in den kleinen Arm des Passes tragen lassen. Wie Superman fliegen wir im flachen Wasser über die Korallen. Was für ein Spaß.
Wir sind schon an vielen schönen Plätzen getaucht, an Orten mit schöneren Korallen, mit besserer Sicht, mit größeren Haien. Aber eben noch nie an einem Platz mit so vielen Haien. Dadurch, dass wir einmal mit auslaufender und einmal mit einlaufender Strömung getaucht sind hatten wir zwei ganz tolle, ganz unterschiedliche Tauchgänge. Die französischen Taucher haben uns, wie unter Tauchern üblich, sehr nett aufgenommen.
Wer nicht nass werden möchte und trotzdem viele Fische sehen will ist hier am Pass auch gut aufgehoben. Im flachen Wasser spielen immer einige Haie, direkt vor dem Tauchersteg haben wir eine Vielzahl unterschiedlichster Fische und mehrere schöne Schwärme gesehen, ob Drücker-, Doktor-, Kaiser-, Wimpel-, Flöten- oder Trompetenfische, alle sind sie da.

Unser Boot sieht wüst aus. Unser Tauchzeug lagert normalerweise in der Achterkammer ganz hinten. Wir haben also vor dem Tauchen unsere Achterkammer ausgeräumt und können sie nun nicht wieder einräumen, da die Tauchsachen zunächst trocknen müssen. Unser Boot ist dekoriert mit Tauchequipment, trotzdem beschließen wir weiter zu segeln. Diagonal geht es durch die Lagune, der Wind kommt von achtern, die Sicht ist fantastisch. Innerhalb der Lagune ist die Welle nur einige Dezimeter hoch, das einzige Geräusch ist das platschen von MariChen, wir ziehen sie hinterher. Ich steuere, Nobbi verwöhnt mich, kocht mir Tee und reicht mit belegte Brote und Kuchen raus. So schön kann Lagunensegeln sein. Die Navigation in der großen Lagune Fakaravas ist recht einfach. Es gibt betonntes Fahrwasser, die Seekarten sind ziemlich gut und die Satellitenfotos bieten eine gute Unterstützung. Wir sind nicht die einzigen, die bei diesem schönen Wetter den Platz wechseln. Wir sehen so viele Boote unter Segeln wie schon lang nicht mehr. Allerdings kommen sie uns alle entgegen. Vier Stunden und neunzehn Meilen später fischen wir die letzte Boje am Pakokota Yachtservice auf, hier liegen heute nur eine Handvoll Boote.
Mittwoch segeln wir die letzten 10 Meilen bis zum Dorf. Wieder ein traumhafter Segeltag mit allerschönstem Lagunensegeln. Der Ankerplatz vor Rotoava ist diesmal gut besucht, trotzdem ist eine der drei Bojen frei. Wir fischen sie auf, lernen unsere südafrikanischen Nachbarn kennen und machen uns auf den Weg in den Ort. Wir wollen im Internet unsere Post abfragen und einkaufen. Es gibt keine Eier, das kennen wir ja schon, aber Baguette, Rettich, Gurken und Möhren.

In Fakaravas Lagune

Wir bleiben noch einen Tag in Rotoava, freuen uns über die gute Internetverbindung und kaufen Gemüse. In einem netten Restaurant essen wir Poisson Cru und trinken eine Kokosnuss, die Füße im Sand. In einem kleinen netten Laden suche ich mir meine schwarzen Perlen aus. In vielen Atollen der Tuamotus gibt es Perlfarmen. Im tiefen Wasser der Lagune wachsen die berühmten schwarzen Perlen, die dann als Tahiti-Perlen verkauft werden. Ihr Wert ist abhängig von der Größe, der Farbe und der perfekten Form. Wir kaufen kein Collier als Wertanlage, sondern entscheiden uns für eine günstige Variante. Ich wüsste auch nicht zu welcher Gelegenheit ich Perlen mit 16mm Durchmesser tragen sollte.
Mittwochmittag zieht es uns weiter in den Süden. Fakarava ist das zweitgrößte Atoll der Tuamotus und die Lagune fast 30 Meilen lang. Für die 10 Meilen, die wir uns heute vorgenommen haben, brauchen wir fast drei Stunden, Wind und Welle kommen direkt von vorn und machen die Fahrt langsam und ungemütlich. Unterwegs kommen wir an der Perlfarm vorbei, deren Perlen wir als Andenken gekauft haben. Wir sind erstaunt, dass vorm Pakokota Yachtservice sechzehn Yachten liegen, im Ort lagen nur noch drei Boote. Der Grund es schnell gefunden, es gibt eine passable Internetverbindung die sogar bis auf den Ankerplatz reicht. Wir teilen uns das letzte Bier, das es in der Bar gibt und gehen bald müde ins Bett.
Eigentlich wollen wir am nächsten Tag die knapp 20 Meilen bis in die Südost-Ecke Fakaravas zurücklegen, doch nach acht Meilen haben wir keine Lust mehr. Der frische Wind kommt direkt von vorn, der Himmel ist dunkelgrau und die Sicht schlecht. Wir finden einen gut geschützten Ankerplatz dicht unter Land. Wir waschen Wäsche. Kaum hängt sie auf der Leine beginnt es zu regnen… die Freuden des Bordlebens. Wir kochen uns einen Tee und verbringen einen gemütlichen Nachmittag unter Deck.
Freitagmorgen ist es zwar noch immer windig, aber sonnig. Heute kommen wir gut voran und liegen schon mittags vor Hirifa, ganz im Südosten der Lagune vor Anker. Ein ausgesprochen schöner Platz, weißer Strand, Palmen und perfekter Ankergrund. Immer wieder bekommen wir Besuch von einem frechen Tölpel, der abwechselnd bei uns auf dem Beiboot, auf dem Bugkorb oder im Cockpit sitzt. Wir entschließen uns einen Tag zu bleiben. Im flachen Wasser hinter dem Riff finden wir einen schönen Schnorchelplatz an dem sich viele bunte Fische im angenehm warmen Wasser tummeln. Ein Oktopus unterhält uns mit Farbwechseln, mal ist der tiefrot, dann wieder weiß. Wir beobachten ihn so lange bis wir ganz durchgefroren sind. Abends essen wir an Land. Wir haben am Tag zuvor Fisch bestellt und genießen ein leckeres Carpaccio und gegrillten Zackenbarsch auf der Terrasse direkt am Strand.

Ein neues Atoll

Manchmal ahnt man bereits, dass das eigene Verhalten nur mäßig schlau ist und kann doch nicht widerstehen. Wir haben unsere Zeit auf Makemo etwas ausgedehnt, auch wenn wir bereits geahnt haben, dass wir dadurch den idealen Zeitpunkt zur Weiterreise verpassen würden.
In Punaruku, im Westen Makemos, gefiel es uns ausgesprochen gut. Wir haben ausgiebig geschnorchelt und haben die Familien an Land besucht, die zur Kopra-Ernte dort waren. Dabei haben wir gelernt, dass sie 140 Franc für ein Kilo Kopra bekommen (das entspricht 1,20 Euro) und dass das Fruchtfleisch der Kokosnuss in der Sonne trocknet bevor es in Säcke gefüllt wird. Am West-Pass hätten wir gerne geankert, doch nachdem wir die 8 Meilen dorthin gefahren sind, scheint uns der Platz, insbesondere bei aufkommendem Süd-Ost-Wind ungeschützt, wir kehren um und legen uns wieder in Punaruka hinters Riff. Die folgende Nacht war die ruhigste seit langem, wenn wir das geahnt hätten wären wir am Pass liegen geblieben.
Nach dem wir einen weiteren Schnorchel- und Basteltag eingelegt haben, reißen wir uns am Samstag schließlich schweren Herzens von Makemo los. Es ist etwas mehr Wind angesagt als wir uns wünschen würden, aber da es in den nächsten Tagen noch windiger werden soll entscheiden wir uns weiter zu segeln. Wir erreichen den Pass bei Hochwasser und fahren durch ganz glattes Wasser hinaus in den Ozean. So einfach kann es auch sein durch einen Pass zufahren.
Fünf Windstärken aus Ost bescheren uns eine flotte Fahrt. Die Wellen sind mit einem Meter fünfzig sehr angenehm, nur ab und zu kommt eine Wolke und bringt uns ein paar Böen. In der Nacht nimmt der Wind immer weiter zu, leider auch die Wellen. Nun haben wir sechs Bft in Böen sieben bis acht. Mari zeigt sich völlig unbeeindruckt, wir rauschen dahin. Es macht richtig Spaß, nur die Regenschauer stören. Der Spaß wäre ungetrübt, wenn wir nicht ein Atoll anlaufen wollen würden. Diesen starken Wind und die hohe Welle können wir in einem engen Pass nicht brauchen. Wir haben uns vorher verschiedene Möglichkeiten durchgeplant und entscheiden uns nun für den Nord-Pass von Fakarava. Der Pass ist breit, der breiteste in Französisch Polynesien, und er liegt auf der Nordseite des Atolls, bei Südost Wind also auf der Wind abgewandten Seite.
Zuvor haben wir errechnet, dass etwa um zwanzig vor eins Hochwasser sein müsste. Wir erreichen den Pass bereits gegen elf. Der Pass ist sehr breit, doch über die ganze Breite sehen wir eine stehende Welle, die sich weiß schäumend bricht. Der hereindrängende Flutstrom trifft auf die Wassermassen die vom starken Wind aus der Lagune gedrückt werden. Der Meeresboden steigt hier fast senkrecht von 600 m auf 12 m an.
Eine andere Yacht passiert uns, ein großes Schiff mit starker Maschine. Sie geben Gas und fahren einfach durch. Wir sehen wie das Schiff tief eintaucht, und die Wellen bis zum Mast über das Deck laufen. Als das Boot die Lagune erreicht hat funken wir es an und wollen wissen ob wir recht mit unserer Annahme haben, dass der Flutstrom noch in die Lagune hineinschiebt, doch wir bekommen keine Antwort. Wir entscheiden uns dieses Manöver nicht nachzumachen und unserem eigenen Urteil zu vertrauen. Wir warten. Um Viertel nach zwölf entscheiden wir einen Versuch zu wagen. Die Welle in der Einfahrt scheint niedriger geworden zu sein und seltener zu brechen. Ein Zweimaster taucht auf, und fährt an uns vorbei durch den Pass, er taumelt in der Welle, es sieht aber nicht so dramatisch aus wie bei seinem Vorgänger. Wir kommen gut durch den Pass. Es ist eine schauklige Angelegenheit. Erst gilt es die stehende Welle zu überwinden, das geht besser als erwartet, wir setzen nur zweimal tief ein. Dahinter hat sich ein Feld unangenehmer steiler Wellen aufgebaut. Diese unangenehme steile Welle kennen wir aus der Ostsee, so fühlt sich die dänische Südsee bei 6 bis 7 Bft aus West an. Nach einer Meile können wir den Kurs ändern und den Ort anlaufen. In tiefem Wasser fällt der Anker. Wir sind müde aber sehr zufrieden.
Wieder einmal hat sich gezeigt, dass man nicht einfach einem anderen Schiff hinterherfahren sollte in der Annahme der andere würde sich besser auskennen. Wir treffen die Crew vom ersten Schiff am nächsten Tag beim Kaffee. Sie hatten keinerlei Tideninformation und sind einfach reingefahren und dachten wir ankern (nun ja, da hätten wir aber viel Kette gebraucht bei 600m Wassertiefe…). Sie berichten, dass sie noch nie so viel Wasser an Deck hatten und die Erfahrung nicht wiederholen wollen.
Nun liegen wir in Fakarava vorm Dorf Rotoava. Dieses Atoll ist im Vergleich zu Makemo richtig touristisch. Es gibt einige kleine Hotels, viele Tauchbasen und ein paar Andenkenstände. Insgesamt ist es jedoch auch hier eher ruhig.
Es gibt Eier! Im ersten Laden fragen wir danach. Die Verkäuferin entschuldigt sich, leider keine Eier, geht dann aber doch ins Lager und bringt uns ein Paket. Im zweiten Laden wird jeder Kunde darauf aufmerksam gemacht, dass es Eier gibt. Wir kaufen ein weiteres Paket. Als wir unsere 24 Eier heil an Bord befördert haben, feiern wir dies mit Spiegelei auf Baguette!

Treasures of the Bilge

Das ist normalerweise der Name fuer die Rubrik in der ueberzaehlige Ersatzteile in Funkrunden verkauft werden. Wir heben dieser Tage auch unzaehlige Schaetze, diese sind allerdings kulinarischer Natur.
Das Angebot an frischen Nahrungsmitteln ist auf Makemo sehr begrenzt. Vor ueber einer Woche haben wir Kartoffeln, Zwiebeln und eine Gurke ergattert. Bei unserem letzten Einkauf am Montag haben wir nur ein paar Zwiebeln gekauft, die wenigen frischen Lebensmittel sahen sehr traurig aus. Das Versorgungsschiff war laenger nicht da, sogar die Tiefkuehltruhen waren fast leer.
Abgesehen von frischen Produkten kann man in Makemo ganz gut einkaufen. Dosen gibt es in grosser Vielfalt zu teilweise unglaublichen Preisen. Anscheinend gibt es hier Kunden die Fertiggerichte fuer umgerechnet dreizehn Euro pro Dose kaufen! Auch die Tiefkuehltruhen sind normalerweise gut gefuellt. Rindfleisch, Putenfilets und Entenbrust, Brokkoli, Moehren, Pommes Frites und Hamburger. Die Preisgestaltung fasziniert uns. Wie kann es sein, dass tiefgefrorener Brokkoli teurer ist als Rindfleisch? Ein Teil der Lebensmittel wird subventioniert, wie ueberall in Franzoesisch Polynesien, und ist somit guenstig. Das gilt zum Beispiel fuer Baguettes und Milch.
Das letzte Mal Gemuese haben wir in Taiohae auf Nuku Hiva gekauft, das ist jetzt ueber vier Wochen her. In Ua Pou gab es einige Laeden in Hakahau im Osten, jedoch gab es kein Obst und Gemuese. Bevor wir die Marquesas verliessen, haben wir Zitronen, Pampelmusen und einige Maracujas gepflueckt.
Viele Boote machen einen „Provision run“ bevor sie auf die Tuamotus segeln, wir sind einfach losgefahren als das Wetter passte. Je nach Sichtweise sind wir also unorganisiert oder spontan.
Unsere letzte Pampelmuse haben wir inzwischen gegessen. Der grosse Auftritt fuer die Dosen, Glaeser und Pakete die seit Wochen, Monaten oder Jahren in der Tiefe unserer Schapps lagern, ist gekommen. Wir sind gut versorgt und finden immer neue Leckereien. Da in Tahiti ein Carrefour wartet, wo wir unseren Proviant aufstocken koennen, darf geschlemmt werden.
In den letzten Tagen gab es beispielsweise Couscous (mit Zitrone, Zwiebel, Knoblauch, Petersilie) und dazu Fisch (Dose), Vanillepudding mit Rum-Rosinen (aus Suriname), Rindergeschnetzeltes (in Panama eingekocht) mit Rotkohl (Curacao) und Kartoffelpueree, Nudeln mit Tomatensosse, Gries mit Mango (in Nuku Hiva eingekocht), einen Kuchen mit Bananenpueree und Zitronensirup (beides in den Marquesas eingekocht) dafuer ohne Eier, Pho mit Reisnudeln aus der Tuete, Wuerstchen (Suriname) mit Erbsen-Mais-Moehren-Gemuese, Rosenkohl (Dose) und Rindfleisch (Dose) mit Kartoffeln, Kartoffelpuffer, Milchreis mit Pflaume (eingekocht in Salvador), …
Die Arbeit mit dem Einkochen hat sich gelohnt. Wir freuen uns ueber Mangos von Nuku Hiva, Pflaumen aus Suriname und Salvador, Gurken aus Franzoesisch Guyana, Kuerbis aus Salvador und natuerlich Rindfleisch aus Panama. Sogar fuer die Bananen haben wir Verwendung gefunden. Bananen sind wirklich kein Obst, das eingekocht werden moechte, doch die Bananen an unserer Staude in Nuku Hiva wurden natuerlich alle gleichzeitig reif.
Einige sorgsam versteckte Schaetze, die mit uns vor drei Jahren aus Deutschland losgesegelt sind, haben wir noch. Zum Beispiel eine Dose Wuerstchen, eine Dose Huehnersuppe, einige Fischdosen und zwei Packungen Kartoffelknoedel. Nichts davon wird Neuseeland erreichen, wir werden das alles in den naechsten Wochen aufessen.
Abgesehen von frischem Obst und Gemuese vermissen wir Eier. Bisher hatten wir auf Makemo kein Glueck. In dem einen Laden wurden wir ausgelacht als wir nach Eier gefragt haben, in dem anderen gab es Eier, jedoch leider nicht fuer uns. Sie waren vorbestellt von einem anderen Kunden. Dienstagmorgen hat Nobbi unsere vorbestellten Baguettes abgeholt. Ein Fruehstueck mit Baguette, Butter und Marmelade war eine nette Abwechslung.
Manchmal traeume ich von einem grossen Salat. Doch dann schaue ich aus dem Fenster und sehe dieses hellblaue Leuchten des Wassers. Im Moment moechte ich den Ausblick nicht gegen einen grossen Salat tauschen. Vielleicht sollten wir jedoch aufhoeren uns gegenseitig Rezepte vorzuschlagen, fuer die es keine der Zutaten auf den Tuamotus zu kaufen gibt.

Blaue Tage

Eigentlich wollte ich einen kleinen Beitrag ueber die doch recht begrenzte Versorgungslage und die Bordkueche schreiben, doch die letzten Atolltage waren so schoen, dass sie einen Post verdienen. Diese Tage sind es, die fuer ungemuetliche UEberfahrten, unruhige Ankernaechte, sorgenvolle Blicke auf den Wetterbericht, Unbequemlichkeiten und bange Stunden entschaedigen und eine solche Reise so lohnenswert machen.
Zunaechst liegen wir noch immer zwischen den beiden Motus im Suedosten Makemos. Motu bedeutet nichts anderes als Insel auf polynesisch. Wir ankern unser Schlauchboot im flachen Wasser und schnorcheln zwischen grossen Korallenbloecken. Bunte Fische tummeln sich um die Korallen, an einer Putzerstation geniesst ein Papageifisch die Koerperpflege, ein kleiner Hai patrouilliert und ist auf dem Sandgrund kaum auszumachen. Wunderschoene Tridacna, die Riesenmuscheln, wachsen zwischen den Korallen. Mir gefallen am besten die gruenen mit den blauen Punkten.
Montag hat der Wind auf Ost gedreht und wir machen uns auf den Weg zurueck zum Dorf am Pass. Der frische Wind hat eine erstaunlich hohe Welle in der Lagune aufgebaut, die die Lagunennavigation noch anstrengender macht. Die Korallenbloecke, die dicht an die Oberflaeche reichen, sind besser zu sehen, weil sie die Welle an ihnen bricht, die anderen schlechter. Ausserdem schaukelt Mari in der kurzen Welle. An dem Ankerplatz vorm Ort sind wir das einzige Schiff und so parken wir diesmal in der ersten Reihe. Wie immer kontrollieren wir schnorchelnd unseren Anker und erleben so zufaellig das beste Schnorcheln der Reise. Unterm Boot haben wir einen Schwarm Doktorfische, ich verzaehle mich bei ueber 200, ihnen gefaellt es anscheinend unter Mari. Unsere Schiffshalter haben wir uebrigens verloren, die sind nicht mit umgezogen. Das Wasser ist ganz klar und die Sicht hervorragend, ein Barrakuda und einige grosse Makrelen sind unterwegs. Da wird es dunkel. Ein Fischschwarm naehert sich. Tausende (oder noch viel mehr ?) Fische bilden eine riesige Wolke. Wenn der Schwarm ganz kompakt ist, quasi Fisch an Fisch, hat er einen Durchmesser von etwa 8m und eine Hoehe von ca. 6m. Um den Schwarm kreisen Haie. Immer wieder stossen sie in den Schwarm vor, worauf dieser sich teilt. Fantastisch! Natuerlich haben wir schon Schwaerme gesehen und auch viele Haie. Aber noch nie einen so riesigen Schwarm aus so vielen Individuen und noch nie mit Haien auf der Jagd. Wir halten uns am Rande des Geschehens und koennen uns gar nicht satt sehen. Was fuer ein Schnorchelglueck.
Am naechsten Morgen fuettern wir noch ein wenig die Doktorfische unterm Boot, sie moegen Kraecker, Schwarzbrot mit Leberwurst und Baguette-Kruemel, dann geht es fuer uns weiter.
17 Meilen stehen auf dem Programm, eigentlich eine uebersichtliche Strecke. In der Lagune jedoch, sind 17 Meilen nach Westen ganz schoen weit. Startet man frueh, steht die Sonne noch zu niedrig, nachmittags jedoch, wenn die Sonne im Westen steht, wird ihr Licht auf der Oberflaeche reflektiert und man sieht die Korallenkoepfe nicht. Wir haben einen Tag mit perfektem Wetter erwischt, moderater Wind von achtern und keine Wolke am Himmel. Wir gleiten mit reduzierter Fahrt dahin, die Korallentuerme leuchten im tiefblauen Wasser. Trotzdem ist es anstrengend so lange konzentriert zu navigieren und wir sind froh, als wir den Ankerplatz ansteuern koennen.
Auch hier ist es wunderschoen. Kitschig. Absolut Postkartengeeignet. Ein weisser Strand gesaeumt von Palmen, tuerkises Wasser, ein Riff, dass sich weit in die dunkelblaue Lagune zieht. Wir beobachten die weissen Voegel, die ueber dem Wasser kreisen und sehr erfolgreich kleine Fische jagen. Ihre Unterseite erscheint durch das leuchtende Wasser der Lagune hellblau.
Wir unternehmen einen Spaziergang und erreichen das Aussenriff. Roetliche Korallenbloecke leuchten in der Abendsonne, auf dem Riffdach ist das Wasser nur wenige Dezimeter tief, jenseits des Riffs faellt es sofort auf tausend Meter. Korallengeroell tuermt sich hinter dem Riff, einige Pflanzen schaffen es hier zu wachsen. Der angespuelte Muell erinnert uns daran, dass wir nicht allein auf der Welt sind. Kanister, Fischkisten, kaputte Bojen, Fischernetze, Zahnbuersten und Plastikflaschen. Warum schraubt jemand eine Glasflasche zu, bevor er sie ins Wasser wirft? Der Anblick macht traurig und hilflos.
Abends liegen wir im Cockpit und betrachten den Sternenhimmel und die Milchstrasse mit dem Fernglas. Keine Wolke und kein Lichtschein trueben die Sicht. Wir entdecken Nebel, rote, weisse und blau leuchtende Sterne und helle Sternschnuppen. Wir fuehlen uns sehr klein und wunderbar geborgen in ?unserem? Atoll.

Im Dorf haben wir versucht Fotos hochzuladen. Das ist uns nicht bzw. nur sehr begrenzt geglueckt. Wir konnten nicht sehen, was wir hochgeladen haben, haben es aber trotzdem unter ?Bildergalerie Makemo? veroeffentlicht. Mehr Bilder gibt es sobald wir Internet finden, das diesen Namen verdient. Wir hoffen auf Tahiti.

Tolle Atolltage

Zunaechst entschuldige ich mich fuer die Ueberschrift. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Der Wind kommt seit Tagen aus Sued oder Sued- Ost. Wir sind nach drei Naechten in der Ost-Ecke des Atolls in den Sued-Osten umgezogen. Die Fahrt in der Lagune war spannend. Der Ost-Zipfel ist flacher und gespickt mit Korallen, es ist schwer auszumachen, welche von ihnen Mari gefaehrlich werden koennten. Wir kurven als in einem abenteuerlichen Zick-Zack zwischen den Korallenkoepfen hin und her, bis wir tiefes Wasser erreichen. Dann ist es wieder einfach. Dunkelblau ist tief, alles tuerkis leuchtende flach. Das Ankern ist wieder nicht einfach, hier gibt es sehr viele Korallen. Nobbi dirigiert mich genau ueber einen Sandpatschen und laesst dort den Anker fallen. Unsere Ankerkette schwebt nun an Fendern ueber den Korallen. Wir wollen die Korallen nicht kaputt machen und wir wollen nicht, dass sich unsere Ankerkette darin verhakt.
Die Tage reihen sich aneinander wie die Inselchen auf dem Riff (stammt nicht von mir, habe ich mir bei meiner Mama ausgeliehen). Landgang, Schnorcheln, Bootsgetueddel.
Beim Landgang braucht man unbedingt Schuhe. Von weitem locken die Inselchen mit ihrem weissen Sand, doch wenn man naeher heran kommt sieht man die Korallenplatten am Ufer. Scharfkantig liegen sie auf der Lauer um nackte Fuesse zu fangen. UEberall stehen hier Kokospalmen, die auch bewirtschaftet werden, d.h. es wird Kopra geerntet und verkauft. In den flachen Baeumen und Straeuchern, die seewaerts der Palmen wachsen beobachten wir viele Voegel.
Wir spazieren zur Aussenseite des Riffs. Es erinnert an einen Baustoffhandel. Berge von grauen Korallengerippen tuermen sich auf. Die Farbspiele in den flachen Bereichen der Lagune sind toll. Hellblau, weiss, hellgelb, rosa.
Unsere Haustiere sind uns trotz Ankerplatzwechsel treu geblieben. Zwei hellblau, schwarz gestreifte Schiffshalter haben sich an Maris Bauch geheftet und schauen uns vorwurfsvoll an, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Richtig begeistert waren sie als Nobbi einige Muscheln von Rumpf abgekratzt hat, die Reste haben sie weggefuttert. Ob der Hai, der uns hier morgens umkreist, der gleiche ist wir am letzten Platz, ist unklar. Hier gibt es viele neugierige Haie. Bei jedem Schnorcheln treffen wir sie und auch wenn wir im flachen Wasser am Strand entlang laufen, kommen neugierige Haibabys und beobachten uns (oder unsere Fuesse).
Einige heftige Schauer hatten wir in den letzten Tagen, die meisten jedoch nachts. Jeden Tag gibt es schoene sonnige Phasen, die wir zum Schnorcheln oder fuer einen Ausflug an Land nutzen. Doch, es ist kalt geworden. Das Wasser hat ?nur noch? 25 Grad und auch die Luft hat sich in den letzten Tagen deutlich abgekuehlt. Heute haben wir um 16 Uhr nur 22 Grad gemessen. Nach dem Schnorcheln haben wir lange in der Sonne gesessen um uns aufzuwaermen. Bei 5 Windstaerken sind die geschuetzten Plaetze im Cockpit ploetzlich wieder sehr beliebt. Nachts machen wir die Luke zu, damit es nicht ueber die Kopfkissen weht. Wo sind eigentlich die Pullover? Ausser den ?Nachtwachen-Pullis? habe ich lange kein gesehen, doch wenn wir draussen Abendessen wollen brauchen wir sie. Ich sitze also auf einem Boot in der Suedsee, mitten in einem Atoll und trinke Pfefferminztee. Wir sind gespannt wie sich die Temperaturen in den naechsten Tagen und Wochen entwickeln. Schliesslich haben wir hier auf der Suedhalbkugel tiefsten Suedseewinter.
Den morgigen Tag werden wir vermutlich noch in diesem tuerkisenen Suedseetraum verbringen und dann am Montag weiterziehen.

Makemo – Nationalfeiertag und Lagunennavigation

Uns zieht es in den Osten des Atolls, doch es ist bedeckt. Weite Teile der Lagunen sind nicht kartographiert, es gilt sich den Weg via eyeball navigation zu suchen. Das bedeutet nichts anderes, als das man fleissig Ausguck geht. Mit der Sonne mit Ruecken sind die tiefen Bereiche dunkelblau, die flachen tuerkis und die Riffe braun, eigentlich ganz einfach. Ist es bedeckt sieht man wenig, faehrt man der Sonne entgegen sieht man nichts. UEbrigens stellen wir bei der naechtlichen Dinghifahrt von der Feier zurueck zum Boot fest, dass man die Riffe auch sehr gut bei Vollmond sieht.
Heute ist Sonntag der 14. Juli, Nationalfeiertag Frankreichs. Da wir bei bedecktem Himmel nicht weiterfahren wollen beschliessen wir an Land zugehen und uns die Parade anzusehen. Kein Scherz! Es gibt hier eine Parade zum 14. Juli. Mindestens so schoen wie in Paris, wenn auch ohne Triumphbogen. Alle nehmen Aufstellung am Leuchtturm und dann geht es die Hauptstrasse hinunter bis zum Rathaus. Angefuehrt wird der Zug von den Buergermeistern der Atolle und anderen wichtigen Politikern (mit Schaerpe in den Farben Frankreichs!), es folgen die alten und neuen Schoenheitskoeniginnen der fuenf Atolle (mit Schaerpe und Blumenkranz!), dann die Bewohner der Atolle (je mit Schild mit dem Namen ihres Atolls, wie bei Olympia), den Schluss bildet die Feuerwehr. Vor dem Rathaus stellen sich alle auf, singen die Marseillaise und die Hymne Franzoesisch Polynesiens, die Flaggen werden gesetzt und der Zug setzt sich fort bis zum Festplatz, der Turnhalle. Es folgen Reden, Tanz und Gesang, dann wird das opulente Bueffet gepluendert und es finden Kinderspiele wie Sackhuepfen und Staffellaeufe statt. Wir machen einen Spaziergang und beobachten wie das kleine Versorgungsschiff durch den Pass faehrt und an der Pier fest macht.
Als nachmittags endlich die Sonne durch kommt, springen wir ins Schlauchboot und fahren zu einem kleinen Riff zum Schnorcheln. Das Wasser ist schoen klar und der Fischreichtum beeindruckend. Wir schwimmen um den Korallenblock herum, als uns ploetzlich klar wird, dass irgendwas nicht stimmt. Der Wind hat gedreht, es wird kalt, dunkel und ungemuetlich. Schnell machen wir uns auf den Weg zurueck zu Mari. Von ueberall kommen die Crews der verbliebenden sechs Boote zurueck. Wir haben nun Sued-West-Wind und liegen ungeschuetzt auf Legerwall, d.h. kurz hinter unserem Heck hebt sich das Riff, Reaktionszeitraum bei ausbrechendem Anker: sehr kurz. Der Wind nimmt zu und schnell baut sich eine unangenehme Welle in der grossen Lagune auf. Auf allen Booten sieht man Segler Beiboote sichern und Anker kontrollieren. Ein Boot verlaesst die Lagune, ein anderes ankert neu. Zum Glueck halten alle Anker und am spaeten Abend nimmt der Wind ab und dreht langsam auf Sued-Ost.
Am naechsten Morgen ist es wieder schoen und friedlich bei schwachem Wind aus Ost. Im Ort erfahren wir den Grund fuer das schlechte Wetter am Vortag. Das Versorgungsschiff hatte einen Toten an Bord, der nach Tahiti gebracht wurde. Immer wenn ein Leichnam an Bord ist gibt es schlechtes Wetter. So einfach kann Meteorologie sein!
Bevor wir Anker auf gehen, geht es zum Einkaufen. Wir landen in einem kleinen Seitenarm an und suchen den Weg zum Supermarkt. Als wir ueberlegen wo wir entlanglaufen sollen, wir wollen nicht durch die Gaerten gehen, winkt uns eine Frau heran, begruesst uns auf Makemo und zeigt uns den Weg ueber ihr Grundstueck inklusive Abkuerzung durch die Luecke im Zaun. Baguette und Eier gibt es nicht, dafuer aber Kartoffeln.
Das Ankermanoever dauert schliesslich fast eine Stunde, erst holen wir einen Korallenblock herauf, der sich an unserer Kette verhakt hat, dann haengt unsere Kette in den Resten einer Boje. Zunaechst versuche ich schnorchelnd Nobbi und Mari um mich und die Boje zu dirigieren, doch eine Leine hat eine Schlaufe um unsere Kette gebildet und haelt den Anker in der Tiefe. Schliesslich springt Nobbi mit einem Messer ins Wasser und braucht genau einen Versuch um uns frei zuschneiden. Ich glaube ich muss das Tauchen mit Schnorchel trainieren, heute durfte Nobbi wieder alle Heldenpunkte sammeln.
Dann beginnen wir unsere Fahrt durch die Lagune. Zehn Meilen sind es in den Osten. Bei dem schoenen Wetter, Sonnenschein und schwachem Wind, ist es gar nicht schwierig. Die Korallenbloecke leuchten im dunklen Wasser und sind von weitem zu sehen. Die Lagune ist, abgesehen von den Korallenbloecken 30 bis 40m tief. Eine gute Hilfe sind die Satellitenfotos von Google Earth. Auf den Bildern sieht man die flachen Bereiche toll, eben weil der Kontrast so stark ist, zwischen der tiefen Lagune und den flachen Bloecken. Schwieriger wird es erst als das Wasser flacher wird. Jetzt ist es nur noch 15 m oder flacher, das Wasser ist tuerkis und die Korallenbloecke schwerer auszumachen. Da das Wasser so klar ist, denkt man oft, dass es doch unmoeglich mehrere Meter tief sein kann. Hier helfen auch die Satellitenfotos nicht, auch weil sich ueber diesem Bereich am Tag der Aufnahme Schaefchenwoelkchen tummelten. Nobbi steht am Bug und lotst mich im Zickzack zwischen den Korallen hindurch, ich behalte die Wassertiefe im Auge, unser vorausschauendes Echolot ist hier eine gute Hilfe.
Kaum ist der Anker eingegraben, werden wir von einem neugierigen Hai umkreist, den wir kurz darauf beim Schnorcheln wieder treffen. Nun liegen wir ganz allein hier im Osten der Lagune in tuerkisenem Wasser, auf eine Seite liegt ein Saum palmenbestandener Inselchen, auf der anderen bricht sich die Welle auf dem breiten Riff. Unglaublich schoen. Ein Suedseetraum von einem Ankerplatz.