Grindwale querab

Gerade hatte ich den letzten Blogeintrag abgeschickt, da verliess uns der Wind. Nachts sitze ich bei sehr wenig Wind im Cockpit und freue mich, dass die Segel nicht schlagen, wir bewegen uns mit 1,5 kn in die richtige Richtung. Besser als nichts. Da sehe ich Lichter am Horizont, ein Schiff kommt vom achtern auf. Die Anordnung der Lichter spricht fuer eine Segelyacht. Ich bin gespannt, im AIS sehe ich, dass das Schiff 11,5 kn laeuft. Das ist flott fuer eine Segelyacht unter Motor und segeln kann sie unmoeglich, wir haben 2kn Wind. Und tatsaechlich, dass Mondlicht enthuellt eine 46 m lange Luxussegelyacht mit endlos langem Mast. Ganz schoen was los hier draussen.
Das Osterfest feiern wir leider nicht mit Eier suchen sondern mit Eier ueber Bord schmeissen. Ein Teil unserer Eier ist schlecht. Wir unterziehen alle verbliebenen Eier dem Schwimmtest. Trotzdem wir jedes Ei vor Gebrauch einzeln aufgeschlagen und besichtigt. Der Appetit auf gekochte Eier oder Spiegeleier ist uns vergangen. Also habe ich gestern mal wieder Kuchen gebacken, ueber den wir uns nun waehrend der Nachtwachen freuen.
Trotz gelegentlicher Flauten kommen wir einigermassen gut voran. Der Wetterbericht stimmt uns positiv, wir naehern uns langsam aber sicher den Galapagos Inseln. Gestern war ein schoener Segeltag mit einem Etmal von 110 Meilen.
Gerade eben hatten wir eine fantastische Tierbegegnung. Delfine und Grindwale haben uns besucht und sind nur wenige Meter vom Boot entfernt geschwommen. Wir konnten sie in Ruhe angucken und sie uns. Solche Begegnungen werden nie langweilig. Es ist spannend zu beobachten wie die Tiere mit einander kommunizieren, die Klick- und Pfeifflaute zu hoeren, zu sehen wie sie mit der Fluke aufs Wasser klatschen und sich daran zu freuen wenn sie hoch aus dem Wasser springen.

Herrlich ereignislos

Seit knapp drei Tagen ist die Segelei herrlich ereignislos. Der Wind kommt stetig aus suedlichen Richtungen, flauschige Woelkchen und klarer Himmel wechseln einander ab. Keine Gewitter, keine Blitze, keine unbeleuchteten Boote. Wir segeln nach Westen, schlafen, essen und lesen. Da wir gerade Vollmond hatten, sind die Naechte hell. Die ganze Nacht kann man den Horizont und die Wellen sehen, das ist sehr angenehm. Heute ist Tag 12 seit wir die Las Perlas verlassen haben, wenn ich nicht im Logbuch nachgeschaut haette wuesste ich es nicht. Die Tage verschwimmen. Haben wir die Delfine gestern gesehen, oder war das schon vorgestern? Solange das Leben an Bord angenehm ist, spielt Zeit keine Rolle. Wir bekommen genug Schlaf, einzig dass Geweckt werden zur zweiten Nachtwache ist manchmal etwas muehsam. Beide sind wir dann zunaechst muede, Nobbi um eins und ich um vier. Ist man dann aufgewacht und das Buch spannend genug, vergeht die Zeit. Wie haben die Segler ihre Nachtwachen frueher ohne Kindle durchgehalten? Mir ist das unbegreiflich, ich halte noch immer meinen Schnitt von einem Buch pro Tag.
Etwas Abwechslung brachte ein Besucher. Ein Toelpel landete gestern Mittag nach mehreren Versuchen auf unserem Bugkorb. Anscheinend gefiel es ihm dort, er putzte sich, schlief mit dem Schnabel im Gefieder und flog erst heute Morgen weiter. Jede Nacht kommt die Gruene Gang zu Besuch. Wir nennen die Gruppe von Seeschwalben so, weil sie im gruenen Licht der Steuerbordlaterne jagen. Sie machen merkwuerdige knarrende Geraeusche und streiten sich wenn ein Vogel etwas faengt und nicht mit den Kollegen teilen will.
Unsere Speisekarte wird nach dem Motto was wir aufgegessen haben kann nicht schlecht werden gestaltet. Heute gibt es die letzten Kartoffeln. Zu den letzten Kartoffeln gibt es die letzte Dose Knipp. Ein vorgezogenes Osteressen. Gestern habe ich einen Kuchen gebacken. Eigentlich sollte es zu Ostern Kuchen geben, doch wer weiSS wie morgen das Wetter wird? Bei gemuetlichen Bedingungen koennte ich einen weiteren Kuchen backen oder Ostereier anmalen. Wir hoffen, dass uns noch ein paar weitere unspektakulaere Tage vergoennt sind.

Naechtliche Besucher

Nachdem wir in der Nacht zu Montag diese heftigen Gewitter hatten, waren wir froh, dass es in der Nacht zu Dienstag trocken blieb. Trotzdem war auch diese Nacht wieder spannend. Wir duempelten bei wenig Wind durch die Nacht, ich sass im Cockpit und hoerte einen Podcast. War da nicht ein Geraeusch? Ganz klar, ein anderes Boot muss ganz in der Naehe sein. Ich sehe aber keine Lichter und auch kein AIS-Signal. Das Geraeusch naehert sich und ich werde nervoes. Deshalb schalte ich das Radar ein, dort sieht man deutlich, dass das Boot nur noch eine halbe Meile entfernt ist. Ob das Piraten sind? Ich wecke Nobbi, wir holen den Strahler raus und leuchten das andere Boot an. Jetzt geht dort das Licht an. Ein kleines Boot mit starken Aussenbordern faehrt auf 50 m an uns heran. Die Maenner sprechen miteinander Spanisch, sprechen aber nicht mit uns. Das Boot gibt Gas, das Licht geht aus und es ist genauso schnell verschwunden wie es gekommen ist. Wir vermuten, dass es die kolumbianische Guardia Costa war, da wir uns 30 sm querab der Insel Malpelo befanden, doch wissen tun wir es nicht. Wenn sie sich zu erkennen gegeben haetten waere es etwas weniger unheimlich gewesen.
Bei uns wechseln sich Nordost- und Suedwind ab. Dazwischen ist Flaute und die Duenung schuettelt uns durch. Noch nie sind wir waehrend einer Passage so viele Segelmanoever gefahren. Heute Nacht war es wieder sehr nass. Seit 10 Stunden regnet es jetzt ohne Pause, in den fruehen Morgenstunden hatten wir wieder heftige Gewitter, wenn auch nicht so nah wie zwei Naechte zuvor. Wusstet ihr, dass man Blitze riechen kann? In der Nacht zu Montag, als es direkt ueber uns gewittert hat, ist ein Blitz neben dem Boot eingeschlagen. Diesen Blitz konnten wir beide riechen, er roch nach Strom.
Neben den Gewittern die uns besuchen hatten wir auch Delfinbesuch, der ist mir viel lieber. Ein Tier hat uns lange begleitet und ist unter Maris Bug geschwommen.
Mir wuerde es gefallen wenn dieser Toern in den naechsten Tagen ein bisschen weniger abwechslungsreich verlaufen wuerde. Bestaendige Winde stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Geduldsprobe fuer Fortgeschrittene

Nachdem wir in den vorangegangenen Tagen schon aeusserst langsam, aber immerhin gemuetlich unterwegs waren, wurde es in der vorletzten Nacht unerfreulich. Wir trieben nach Nordosten, das Schiff torkelte im Schwell, das Schlagen der Segel zerrte an den Nerven. Wir hatten sehr schwache Winde, mit denen wir die entgegenlaufende Stroemung kaum aussegeln konnten. Die Stimmung an Bord litt. Sollen wir umdrehen und nach Panama zuruecksegeln, sollen wir einen Nothafen in Kolumbien anlaufen? Keine der Optionen ueberzeugte und ohne Wind muessten wir ja auch erst einmal nach Kolumbien oder Panama kommen. Zwischendurch segelten wir ab und zu eine Stunde auf einem annehmbaren Kurs und schoepften Hoffnung.
Mit wenig Wind und nach Osten treibend ging es in die letzte Nacht, nachdem wir am Nachmittag segeln konnten. Gegen Mitternacht konnte ich wieder Fahrt aufnehmen, das Schiff umdrehen und nach Suedwesten segeln. Nobbi segelte in seiner Wache langsam aber bestaendig. Als ich um vier die Wache uebernehme, blitzt es am Horizont, Nobbi murmelte irgendwas von Wetterleuchten und verschwindet in seiner Koje. Die Blitze kommen immer naeher, jetzt sehe ich nicht mehr nur die Strobe-Lights am Himmel, jetzt hoere ich den Donner und sehe die Blitze um mich herum schnellen. Unheimlich. In meinem Podcast sagt jemand man muesse seine Komfortzone verlassen, ich wuensche mich sehnlichst in meine Komfortzone, die garantiert gewitterfrei ist. Ich beneide Nobbi darum, dass er schlaeft und hoffe dass die Zeit vergeht und das Gewitter mitnimmt. Dann springt der Wind um, wir segeln jetzt nicht mehr nach Westen, sondern ploetzlich nach Osten. Ich wecke Nobbi. Keine Minute zu frueh. Nun kommt der Regen mit satten Schauerboeen. Nobbi rollt das Vorsegel weg, ich steuere die Boeen aus. Minuten spaeter bin ich klatschnass. Zeit zum Jacke anziehen blieb nicht. Schliesslich laesst der Wind nach, es regnet nur noch gleichmaessig und nicht mehr als wuerden wir unter einem Hochdruckreiniger hindurch segeln. Nobbi darf wieder ins Bett und ich beobachte das Geschehen von drinnen. Acht Stunden spaeter regnet es noch immer, endlich ist der Panamadreck vom Deck gespuelt. Seit dem Gewitterschauer haben wir nun starken Nordostwind und segeln zuegig nach Suedwesten. Endlich geht es voran, auch wenn das kein Wetterbericht vorhergesagt hat.

Eine Nacht mit Wal

Gestern segelten wir langsam aber stetig in die richtige Richtung. Leider verabschiedete sich abends der Wind. Die ganze Nacht hatten wir absolute Flaute. Zum Teil war es richtig unheimlich, weil es so still war, dass wir jeden springenden Fisch und jeden piepsenden Vogel hoeren konnten. Es war unglaublich dunkel. Eine Gruppe von Walen verbrachte Teile der Nacht neben uns, zunaechst hoerte ich sie nur atmen, dann trieben sie neben uns. Unheimlich und schoen, wann verbringt man schon mal eine Nacht mit einem Wal? In der Ferne blinkte ein Licht, zunaechst dachten wir an einen anderen Segler, weil viele Segler ein Blitzlicht im Mast Top fahren, doch dann tauchten weitere Lichter auf, vermutlich markierten sie ein Fischernetz oder Langleinen, zum Glueck sind wir davon weggetrieben. Als es hell wurde, war es so neblig, dass wir den Horizont nicht sehen konnten. Das Grau von Meer und Himmel ging ineinander ueber. Jetzt ist es wieder schoen sonnig und die Wasseroberflaeche kraeuselt sich. Von Segelwind koennen wir noch nicht sprechen, doch der Wetterbericht verspricht Wind fuer heute Nacht. Wir freuen uns drauf.

Fuer alle, die unsere Ankunftszeit noch nicht getippt haben: morgen ist die Deadline. Teilnahme per Mail.

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Tierisch langsam

Gestern Mittag schlief der Wind ein. Fuenfzehn Stunden dauerte die Flaute bis heute Morgen der Wind zurueckkam. Nachmittags war die Wasseroberflaeche absolut glatt, nicht das leichteste Kraeuseln war zu sehen. Sonne und Wolken spiegelten sich im Meer. Da sahen wir zwei kleine Flossen synchron auftauchen. Und wieder. Eine kleine Schildkroete schwamm auf uns zu, tauchte auf, sah uns mehrfach an und ueberholte uns. Wir sind also so langsam, dass wir von Schildkroeten ueberholt werden. Nachts landete ein kleiner schwarzer Vogel bei uns im Cockpit und blieb mehrere Stunden. Zunaechst wollte er unbedingt auf dem Cockpitboden sitzen, Nobbi konnte ihn waehrend seiner Wache ueberreden an Deck umzuziehen und als ich die Wache dann wieder uebernommen habe, flog er schliesslich davon.
Unser langsames Tempo hat auch Vorteile, wir konnten heute Morgen baden. Als Nobbi die Badeleiter runterklettert mache ich Witze, dass er erst mal testen solle ob die Haie hungrig sind. Nobbi badet ausgiebig, dann bin ich dran. Ich bin gerade die Leiter hinunter geklettert als hinter uns die charakteristischen Flossen eines Hais auftauchen. So schnell bin ich noch nie die Badeleiter hochgeklettert. Bis heute Mittag konnten wir gut segeln, jetzt sind wir wieder langsamer als jede Schildkroete. Gerade haben wir Kaffee getrunken und frisch gebackene Franzbroetchen gegessen, heute Abend gibt es Griessbrei mit Mango zum Nachtisch. Wenn wir schon so langsam sind, koennen wir es geniessen, dass das Kochen so problemlos moeglich ist. Derweil ueberlegen wir, wie lange wir duempeln wollen. Bekannte haben uns heute Nacht elegant ueberholt, unter Motor. Im Gegensatz zu ihnen haben wir aber viel zu wenig Diesel um ihn jetzt schon zu verbrauchen. Wir benoetigen noch Diesel falls wir auf die Galapagos zutreiben, um gegebenenfalls Schiffen ausweichen zu koennen, damit wir unsere Batterien laden und Wasser machen koennen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen und fuer das Einlaufen in den Marquesas. Vor uns liegen noch 4000 Meilen, da koennen noch viele ungeplante Dinge passieren und daher duerfen wir unsere Dieselreserven nicht aufbrauchen. Unser Notfallplan ist ein Stopp in Kolumbien zum Tanken. Wenn moeglich wollen wir das jedoch vermeiden. Noch geben wir nicht auf.
Auf den Las Perlas haben wir leider sehr viel Plastikmuell gesehen, am Strand, in den Mangroven und im Wasser. Plastikflaschen, Kanister, Tueten, Loeffel, Babywindeln, die ganze Palette. Auch an den ersten beiden Segeltagen haben wir immer wieder Kanister und Flaschen gesehen. Heute haben wir zum Glueck erst eine Flasche gesichtet, auch wenn eine Flasche eine zu viel ist und man den groessten Anteil des Muells vermutlich nicht sieht. Das Meer leuchtet blau, atmet leicht und erscheint unendlich gross. Gerade eben ist ein grosser brauner Wal neben uns abgetaucht. Ich setze mich jetzt ins Cockpit, hoffe, dass er wiederkommt und beginne ein neues Buch

Hinaus auf den Pazifik

Der Abschied von den Las Perlas faellt uns schwer. Die wilden, schoenen Inseln gefallen uns. Die Inseln sind felsig und dicht mit Baeumen bestanden. In dieser Jahreszeit sind viele der Baeume kahl und von tausenden von Voegeln bevoelkert. Bei Flut erinnern die Inseln ein wenig an schwedische Schaeren, bei Ebbe werden ueberall Straende sichtbar, viele davon sind weiss. Die Las Perlas sind nur wenig bevoelkert, die meisten Inseln sind unbewohnt. Die Inseln gehoeren den Tieren. Das Wasser ist vergleichsweise trueb, aber voll Fisch. Schwaerme von kleinen und grossen Fischen tummeln sich unterm Boot, vom Dinghi sehen wir Stachelrochen und mehrere Krebse suchen Asyl auf der Badeleiter. Pelikane, Toelpel, Fregattvoegel, Papageien und Moewen kontrollieren den Luftraum.
Wir schliessen uns Momo und Seahawk an und segeln mit ihnen zur Insel Espiritu Santo. Rainer mit seinen Gaesten Thomas und Thomas kennen wir aus Shelter Bay, Thomas ist mit uns durch den Kanal gefahren. Wir verbringen gemeinsam lustige Abende und erkunden die Insel. Gerne haetten wir noch mehr Zeit mit ihnen verbracht, doch wir entscheiden, dass es fuer uns Zeit ist weiterzuziehen. Wir suchen uns einen Ankerplatz ganz im Sueden der Isla del Rey an der Muendung eines kleinen Flusses, essen unseren Snapper, den wir einem Fischer abgekauft haben, verbringen hier eine sehr ruhige Nacht, baden im klaren Wasser und starten von hier am Dienstagmorgen, den 9. April.
Kaum sind wir unterwegs zeigt sich neben uns der grosse schwarze Ruecken eines Wals. Zunaechst freuen wir uns, dass wir bei recht schwachem Wind gut segeln koennen. Doch in den naechsten Stunden beginnt ein staendiger Wechsel aus wenig Wind und Flaute. Das waere nicht so schlimm, wenn wir nicht einen recht starken Strom haetten, der uns nach Nordwesten in den Golf von Panama hineinversetzt. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt als wir mitten in der Nacht rueckwaerts aufs Verkehrstrennungsgebiet (die Autobahn fuer die grossen Schiffe zum Panamakanal) zutreiben. Zu allem UEberfluss sind ueberall um uns herum Fischer die Zick-Zack fahren oder Kreise drehen. Schliesslich machen wir die Maschine an, um von dem Verkehrstrennungsgebiert und den Fischern freizukommen. Am zweiten Tag klappt es schon besser mit dem Segeln in die richtige Richtung, auch wenn wir uns noch einmal unter Motor von einem Verkehrstrennungsgebiert befreien muessen. Nun sind wir weit genug von den Hauptschifffahrtsrouten entfernt und der Strom zieht uns nach Westen. Heute Nacht und heute Vormittag sind wir schoen gesegelt, im Moment treiben wir.
Es gibt immer wieder etwas zusehen, zum einen scheinen wir auf der Hauptroute nach Suedamerika zu segeln und gelegentlich kommt ein Frachter vorbei, zum anderen haben wir viele tierische Besucher. Ein cleverer Toelpel fischt nachts im Licht unserer Steuerbordlaterne, Delfine machen einen kurzen Besuch, in der Ferne springt ein Wal und eben hat ein Baby-Manta einen Bauchklatscher kurz hinter unserem Boot gemacht. Die Stimmung an Bord ist gut, da es so ruhig ist haben wir hervorragend geschlafen und ich lese bereits das vierte Buch.

Die Las Perlas

Die Las Perlas sind eine kleine Inselgruppe im Golf von Panama. Diese Inseln wollen wir noch sehen bevor wir Panama endgültig verlassen und uns auf den weiten Weg nach Französisch Polynesien machen.
Als wir losfahren spiegeln sich die Wolken im Wasser. Es weht kein Lüftchen. Schlechte Bedingungen zum Segeln, hervorragende zum Tiere beobachten. Wir haben Glück, wir sehen sehr viele Vögel. Pelikane, Fregattvögel und Tölpel sind in großen Gruppen unterwegs. Riesige Fischschwärme bringen die ansonsten spiegelglatte Wasserfläche zum Kochen. Wir beobachten Delfine bei der Jagd und bei tollkühnen Sprüngen. Eine kleine Abordnung kommt neugierig ganz dicht ans Boot. Eine Gruppe Pilotwale zieht vorbei und in der Ferne springt ein großer Wal aus dem Wasser. Was für ein tierisches Willkommen im Pazifik!
Das Kinoprogramm endet nicht bei Einbruch der Dunkelheit. Das Meer leuchtet. Zuerst sehen wir es in den Speigatten (das sind die Ausflüsse, die Wasser von Deck ableiten). Es leuchtet grün. Wir setzten uns mit baumelnden Beinen an die Kante und genießen das Spektakel. Das Meer glitzert als würden Millionen kleiner Diamanten darin schwimmen. Die kleinen Fische ziehen eine leuchtende Spur hinter sich her, wenn sie neben uns auf und ab schwimmen. Nähert sich ein größerer Jäger spritzen die kleinen Fische auseinander, alle mit einem leuchtenden Schweif. Feuerwerk unter Wasser. Magisch und wunderschön.
Dabei fing unser Trip auf die Las Perlas gar nicht so gut an. Vorgestern waren wir schön über zwei Stunden unterwegs, als wir feststellten, dass wir Wasser im Schiff haben. Nicht viel, aber zu viel um es zu ignorieren. Wir stoppen den Motor, suchen nach der Stelle wo es hineinkommt und entscheiden uns umzukehren. Nachmittags fällt der Anker in La Playita vor Panama. Drei Meilen vom Balboa Yachtclub, wo wir morgens gestartet sind. Wir liegen einfach zu tief im Wasser. Mari ist überladen. Wir trimmen sie um, finden die undichte Stelle und dichten sie ab.
Gestern wagen wir einen neuen Versuch. Maris Bilge ist knochentrocken und wir sind zufrieden.

Pazifikvorbereitungen – der Endspurt

Wir sind soweit. Wir sind tatsächlich fertig. Irgendwie kommt es für uns unerwartet, wir haben heute den letzten Punkt auf unserer ToDo-Liste abgehakt. Nun heißt es lossegeln, bevor neue Posten auf der Liste auftauchen.
Die letzten Tage haben wir eingekauft, aufgeräumt, weggestaut und gewaschen. Wir haben Übung im Taxifahren, inzwischen fahren wir zum halben Preis. Am Sonntag landen wir auf der Suche nach einem Supermarkt in einem Shoppingcenter. Später lernen wir, dass dies eine der größten Malls Amerikas ist. Sehr praktisch wenn man eigentlich nur einen Supermarkt sucht. Hier gibt es alles und wir brauchen nichts. Wir kaufen einen Badeanzug und eine Badehose, essen Steaks und finden schließlich auch einen Supermarkt. Montag waren wir auf der Suche nach Obst und Gemüse und haben auf dem Weg zum Markt einige kleine Stände entdeckt. Auf dem Markt sind wir deshalb nie angekommen. Nicht alles läuft so unkompliziert. Als wir Montagmorgen mit unserer schmutzigen Wäsche vor der Waschmaschine stehen, erfahren wir, dass diese seit Sonntag kaputt ist. Prima. Nun stehen wir mit der schmutzigen Wäsche, aber ohne Taschen und Schuhe auf der Pier. Wir fragen nach einem Waschsalon. Allgemeines Kopfschütteln. Schließlich bringen wir die Wäsche auf dem Weg zum Einkaufen in eine Wäscherei und ich gehe mit einer angebrochenen Waschmittelflasche im Gepäck einkaufen. Dienstag können wir die Wäsche wieder abholen. Wir sind in einem Viertel, in dem Touristen besser nicht im Dunkeln unterwegs sind und finden hier die beste Gemüseauswahl. Sehr günstig kaufen wir Brokkoli, Rotkohl, Ananas, Melonen und Bananen. Nun ist das Boot voll und wir werden nicht verhungern. Wir sind gespannt wie lange die Paprikas durchhalten und ob alle Mangos gleichzeitig reif werden.
Wir haben genügend frischen Lesestoff und die MP3 Player sind mit Musik und Podcasts gefüttert. Gestern saßen wir lange an der Bar und haben das schnelle Internet ausgiebig genutzt um Dinge nachzusehen, Emails zu schreiben und zu telefonieren. Abends haben wir uns gefreut Freunde von der Atlantikseite zu treffen, die erst gestern durch den Kanal gekommen sind.
Heute Morgen mussten wir feststellen, dass wir einen Bananendieb an Bord haben. Nobbi hat ihn auf frischer Tat ertappt. Ein frecher schwarzer Vogel hat Löcher in unsere Bananen gepickt. Unser Rumgewedel, mit dem wir ihn verscheuchen wollten, hat ihn kaum gestört. Er hat eine Pause am Mast gemacht und ist nur widerwillig aufs Nachbarboot umgezogen. Die Zahl unserer Bananen wurde drastisch reduziert. Dann essen wir eben Mango und Ananas.
Anschließend hatten wir einen Grundkurs in Entschleunigung. Gleich morgens wollten wir ausklarieren und uns anschließend auf den Weg zu den Las Perlas machen. Im Hafenbüro gab es jedoch ein kleines Problem. Das Passwort der Mitarbeiterin war abgelaufen, deshalb konnte sie sich leider nicht im System anmelden. Wir haben erst einige Zeit in der Halle gewartet und später einem Beamten beim Ausschneiden von Etiketten zugesehen. Nach gut zwei Stunden wurden wir dann noch einmal gefragt wie unser Boot heißt. Schließlich gab es doch eine „Zarpe“ für uns. Die Zarpe ist das Papier, das bestätigt, dass wir Panama mit Ziel Marquesas verlassen. Bei der Immigration ging es ganz schnell. Zack hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass. Mittags waren wir wieder am Balboa Yacht Club. Zu spät um die 40 Meilen zu den Las Perlas im Hellen zurückzulegen. Kurzentschlossen haben wir unsere Abfahrt auf morgenfrüh verschoben.

Es wurde Beschwerde eingereicht, weshalb unsere Leser nicht, wie auf dem Weg zu den Kap Verden, unsere Ankunftszeit tippen dürfen. Ihr dürft.
Hier gibt es also die Informationen die ihr für eure detaillieren Berechnungen benötigt. Wir starten von den Las Perlas, Panama. Unser Ziel sind die Marquesas in Französisch Polynesien, unser Landfall wird vermutlich auf Hiva Oa sein. Die Strecke ist fast 4000 Meilen lang und wir werden die Galapagosinseln wahrscheinlich südlich passieren. Da wir noch ein bis zwei Nächte am Anker auf den Las Perlas verbringen wollen, sind wir noch nicht sicher, wann wir lossegeln. Gebt den Ankunftstag in Hiva Oa und die Uhrzeit (Ortszeit!), basierend auf der Abfahrt am Samstag den 6. April 10 Uhr morgens (Ortszeit Panama), an. Sollten wir später oder früher absegeln, werden eure Berechnungen berichtigt. Falls wir kurz entschlossen irgendwo anders hinsegeln, werden die Angaben mit einer geheimen Formel korrigiert. Schickt uns eure Tipps per Mail (gewertet werden nur Schätzungen, die bis zum 14. April eingehen), die genausten Vorhersagen werden mit einer Postkarte belohnt.

Panama City

Nach der Kanalpassage liegen wir im Balboa Yacht Club an der Boje. Das hört sich edel an, ist aber der Platz an dem die Arbeitsboote liegen. Hier ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Boote der Agenten fahren zu den großen Schiffen, die auf der Reede fahren. Ersatzteile und Gemüse werden geliefert. Die Lotsenboote bringen den Lotsen zu den großen Schiffen oder holen sie wieder ab. Urlauber werden mit dem Motorboote zu den vorgelagerten Inseln gebracht. Außerdem liegen wir unmittelbar an der Einfahrt zum Kanal und zum Hafen. Die großen Schiffe fahren so dicht vorbei, dass man das Gefühl hat sie anfassen zu können. Während die Großen nur leise brummen, machen die kleinen Boote der Agenten viel Lärm und noch mehr Welle. Immer wieder müssen wir uns und unsere Tassen festhalten. Uns gefällt es trotzdem. Hier gibt es so viel zu sehen, eigentlich können wir einfach im Cockpit sitzen bleiben und das Leben um uns herum beobachten.
Natürlich wollen wir Panama City erkunden. Das Taxiboot bringt uns an Land und auch wieder zurück zum Boot. Tag und Nacht. Ein „Moie-Moie, Marisol“ auf Kanal 6 reicht und schon kommt das Boot angerauscht.
Wir besuchen das Besucherzentrum auf den Miraflores Schleusen und beobachten das Schleusen von der Dachterrasse aus. Wir haben Glück, ein Kreuzfahrer wird geschleust, der gerade in die Kammer passt. Das ist spannend. Wir sehen den Lotsen auf der Brücke hin und her laufen und das Personal des Kreuzfahrers, das Zeit für eine Zigarette findet oder die Gelegenheit nutzt sich zu sonnen. Ein Autotransporter und kleinere Containerschiffe folgen. In der Ferne sehen wir große Neo-Panamax Schiffe durch die neue Schleuse gehen. Die Gastanker und großen Containerschiffe passen nicht in die Miraflores Schleuse. Wir freuen uns, dass auch drei Segelboote, so wie wir, im Päckchen geschleust werden.
Die Altstadt Panamas ist schön. Ein Teil wurde bereits renoviert, es gibt jedoch noch viele Projekte. Zum Teil stehen nur noch die Außenmauernder ehemals schöner Häuser. Wir bummeln durch die Straßen, Essen auf schattigen Plätzen und genießen den Ausblick auf das moderne Panama beim Einbruch der Dunkelheit von einer Bar auf einer Dachterrasse. In der Altstadt befindet sich auch das Kanalmuseum, das unser Kanal-Erlebnis abrundet. Wir erfahren viel über die Geschichte Panamas, den Kanalbau, das Leben innerhalb der US-Kanalzone, die Übergabe des Kanals an Panama und die Erweiterung des Kanals. Das Museum ist informativ, modern und befindet sich in einem sehr schönen Haus.
Im Parque Natural Metropolitano hoffen wir ein Faultier zu sehen. Wir machen eine kleine Wanderung durch den Park, genießen den Ausblick auf die Stadt und entdecken tatsächlich ein Faultier, ein Agouti und einen Nasenbären. Den anderen Tieren ist es wohl zu heiß. Uns auch.
Wir sind bei unserer panamaischen Verwandtschaft eingeladen und verbringen gemeinsam einen sehr schönen Abend mit dem besten Ceviche der Reise.
Zwischendurch haben wir kleineres Bootsgetüddel erledigt, irgendwas ist immer. Meine USB-Steckdose hat jetzt wieder Strom und der Kasten für die Gasflaschen ist wieder dicht. Während unserer Kanalfahrt ist dort Wasser eingedrungen. Diese Schwachstelle ist uns erst jetzt aufgefallen, als wir im Kanal mit 6 Personen im Cockpit und Full-Speed das Heck 30 cm tiefer gelegt hatten.
Gestern haben wir Otti verabschiedet. Nun sind wir wieder zu zweit an Bord, damit beginnt für uns der Endspurt der Vorbereitungen für unsere Pazifikbesegelung.