Tahaa – Inselrundfahrt und Perlen

Der Samstag beginnt mit einem Frühstück im sonnigen Cockpit. Wir verlassen unsere Boje, bevor das Wetter es sich wieder anders überlegt. Kaum sind wir unterwegs wird es wieder ziemlich grau. Wir ignorieren das diesmal und brechen zur geplanten Inselrundfahrt auf.
Raiatea und Tahaa teilen sich eine Lagune. Wir können also innerhalb des Riffs zu Tahaa hinüberfahren. Aber kräftige Wind sorgt auch innerhalb des Riffs für eine kabbelige Welle, manchmal spritzt Salzwasser übers Deck und ich friere. Dennoch weigere ich mich einen Pulli anzuziehen. Pullover und Südsee das geht einfach nicht. Trotzdem macht die Fahrt Spaß und wir bekommen Vieles zu sehen. Ein Viermaster liegt an der Pier in Raiatea, es findet ein Kanurennen statt, manch ein Surfer ist mit dem frischen Wind überfordert und viele Segler sind zwischen den beiden Inseln unterwegs. Im Norden von Tahaa ist es einsam, wir treffen hier keine anderen Segler und nur wenige Boote, keine Angler, keine Touri-Touren. Die Insel ist nicht so hoch wie Raiatea, aber ebenso grün und im Norden nur wenig bebaut.
Der erste potentielle Ankerplatz in Tahaas Osten ist von Schaumkrönchen dekoriert, die Nordküste ist gänzlich ungeschützt und abgesehen davon, dass das Wasser meist sehr tief ist, tummeln sich unzählige Bojen der Perlfarmen außerhalb des Fahrwassers. Wir finden eine Boje an einer Perlfarm. Natürlich fragen wir, ob wir über Nacht bleiben dürfen und bekommen bei der Gelegenheit die beste Führung in Sachen Perlen, die wir bisher hatten. Die junge Frau spricht sehr gut Englisch und kann alle unsere Fragen beantworten. Das macht richtig Spaß. Natürlich kaufen wir anschließend etwas im Laden. Das gehört dazu und ist sicher kein Opfer. Nun wissen wir, dass wir neben dem Muschelkindergarten liegen. Hier wachsen die Muscheln heran, bis sie zwei Jahre alt sind. Dann bekommen sie die erste Kugel aus Perlmutt eingesetzt, die sie dann in etwa eineinhalb Jahren in eine schwarze Perle verwandeln sollen. Die „erwachsenen“ Muscheln, die Perlen produzieren, hängen auf der anderen Seite des Fahrwassers am Außenriff im tiefen Wasser. Die Muscheln können mehrere Perlen nacheinander produzieren und viele Jahre alt werden. Heute werden alle Perlen nach Tahiti geschickt und dort bewertet. Perlen, die eine zu dünne Schicht um das Implantat besitzen, werden vernichtet. Nach der Bewertung gehen die Perlen zurück an die Perlfarm, ein Teil der Perlen wird dort weiterverarbeitet und verkauft. Der größte Teil der Perlen wird jedoch sofort weiterverkauft. Die dunklen Perlen sind besonders auf dem asiatischen Markt beliebt und die meisten Perlen werden via Hongkong gehandelt. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind doch die meisten Perlfarmen in chinesischer Hand.
Heute ist es sonnig und wir entschließen uns ans Außenriff zu wechseln und dort neben dem Hotel zu ankern. Das „Le Tahaa“ ist eines dieser Hotels mit den berühmten Wasserbungalows. Anders als viele andere ist es in Betrieb und anscheinend einigermaßen gut besucht. Viele der Luxushotels sind wenig besucht oder verlassen und verfallen. Das könnte an den Preisen liegen. Wir kennen die Preisliste des „Le Tahaa“ nicht, vergleichbare Hotels hier in der Gegend nehmen aber gerne 1000 Euro pro Nacht. Kein Schnäppchen.
Kaum hat unser Anker gefasst, kommen mehrere Boote und versuchen neben uns zu ankern. Vermutlich denken sie, dass wie DEN Spot gefunden haben. Haben wir nicht. Der Wind kommt heute leider aus Nordost und so haben wir 70 cm Welle am Ankerplatz. Das kann man machen, muss man aber nicht. Wir verlegen also nachmittags wieder an „unsere“ Boje an der Perlfarm. Überhaupt herrscht ein ständiges Kommen- und Gehen. Boote ankern, verlegen, fahren weiter, stoppen ein paar Meilen nördlich, drehen wieder um. Richtig was los. Und wir liegen hier ganz allein in unserer kleinen Bucht und schauen uns das an.
Wir verbringen den Sonntag mit lesen und Schnorcheln. Außerdem bekämpfen wir unsere Bananenflut. Bananenkuchen zum Frühstück, zwischendurch einige Baby-Bananen, mittags gebratene und gesalzene Kochbananen… Zum Glück konnten wir gestern ein paar Bananen an unsere französischen Nachbarn verschenken.
Zum Schluss noch einige tierische Neuigkeiten und Erkenntnisse. Rochen und Haie mögen keine Baguettes und keine Bananen. Rochen gibt es hier überall. Die Adlerrochen springen gerne mal aus dem Wasser, das sieht spektakulär aus und platscht so schön. Die Stechrochen sind da zurückhaltender, sind aber an Stegen, beim Dinghi fahren und beim Baden häufig zusehen. Auf Baguette und Bananen reagieren sie nicht. Anders als Schiffshalter und Doktorfische.
Die Seevögel, die um uns herum auf dem Bojen sitzen, haben tolle Stimmen. Sie lachen sie kaputt. Lauthals. Vermutlich über uns?!
Auch innerhalb des Riffs sieht man immer wieder Delfine. Heute sehen wir die Delfine im leuchtend blauen Wasser vor dem kleinen Motu mit zerzausten Palmen und weißen Sandstrand, die Welle bricht sich auf dem türkis leuchtenden Riff, im Hintergrund die Silhouette Bora Boras. Kitschiger wird’s nicht!