Bora Bora – die schönste Insel der Welt?

Bora Bora wirbt nicht gerade bescheiden damit die schönste Insel der Welt zu sein. Für uns soll Bora Bora die letzte Insel Französisch Polynesiens sein, hier wollen wir ausreisen.
Die Überfahrt von Tahaa macht Spaß. Wir starten gleich nach dem Frühstück, haben perfekten Segelwind und nur wenig Schwell. Wir gewinnen eine kleine private Regatta, deren Hauptpreis die letzte freie Boje vorm Bora Bora Yacht Club ist, was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Das Segeln macht so viel Spaß, dass wir hoch am Wind bis in die Einfahrt zum Pass segeln. Auf den letzten Meilen hoch am Wind überholen wir einen Kat und hängen einen zweiten ab. So kommt es, dass wir als erste durch den Pass gehen und Kurs auf die freie Boje nehmen. Das Boot hinter uns ist unter Maschine schneller und versucht auf den letzten Metern zu überholen. Ich fahre ein ungewohnt schnelles Manöver, falle dabei ins Cockpit, höre das Gelächter vom Boot hinter uns und schnappe mir trotzdem die Boje.
Entgegen Bora Boras Werbeversprechen haben wir viel Schlechtes gehört. Die Insel sei hoffnungslos überbewertet und total überlaufen. Wir laufen vom Yacht Club in den Ort, das sind etwa 2,5 km und wundern uns zunächst, dass vergleichsweise wenig Verkehr ist.
Bevor wir auf Entdeckungstour gehen erledigen wir das Pflichtprogramm: Wäsche waschen, Diesel tanken und einkaufen. Bei der Post finden wir eine schnelle Internetverbindung, können so unsere Post lesen, einige Überweisungen wollen getätigt und ein paar Kleinigkeiten erledigt werden.
Dann haben wir Zeit für schöne und unnütze Dinge, wir gehen spazieren, baden, kaufen Bora-Bora-T-Shirts und feiern in einem schönen Restaurant sehr stilvoll unseren Abschied von Französisch Polynesien. Dafür schmeißen wir uns richtig in Schale. Nobbi nimmt sein Hemd vom Bügel (das einzige, das auf einem Bügel hängt, alle anderen müssen zusammengefaltet im Schapp überleben), ich ziehe mein kleines Schwarzes an.
Wir unternehmen eine kleine Wanderung und blicken vom Aussichtspunkt auf den Pass. Vom Ort aus beginnen wir den Aufstieg auf den Berg, doch der Weg ist uns zu steil, wir haben Angst vor dem Abstieg und kehren um. Unser Pfad endet vor einem der vielen „Tabu“-Schilder, was nichts anderes bedeutet, als „verboten“ oder „kein Durchgang“. Auf keiner anderen Insel haben wir so viele Tabu-Schilder gesehen. Sind wir Touristen so dreist, dass diese Schilder nötig sind, oder ist das Bedürfnis sich abzugrenzen so stark? Wir wissen es nicht. Eine Baustelle trennt uns von der Straße. Uns schwant Böses. Wir wollen niemanden gegen uns aufbringen, doch umzukehren würde bedeuten, wieder hoch auf den Berg zu klettern. Mal wieder werden wir überaus positiv überrascht. Wir wollen uns vorsichtig an der Baustelle vorbei schlängeln, doch die Männer unterbrechen die Arbeit, weisen mir den einfachsten Weg quer durch ihre Baustelle und strahlen uns begeistert an, als wir uns mit einem Maururu, dem polynesischen Danke, verabschieden.
Am Yacht Club will man am plötzlich 2000 Franc (das sind 17 Euro) von uns haben – für das Anbinden des Dinghies. Wir weigern uns, klären die Situation. Wir saßen hier mehrfach als Gäste auf der Terrasse und haben (teures) Bier getrunken. Letztendlich müssen wir nicht bezahlen und dürfen unser Dinghy weiterhin dort anbinden. Früher gehörten die Bojen an dieser Stelle wohl zum Yacht Club, nun werden die Bojen überall auf der Insel von den gleichen Leuten betreut (=abkassiert), dass der Yacht Club nun nicht mehr seinen Steg zur Verfügung stellen möchte, können wir verstehen. Aber 17 Euro Parkgebühr für ein Schlauchboot wollen wir auch nicht bezahlen, schon gar nicht, weil wir ja auch Kunden des Restaurants sind. Dieser Zwischenfall beschreibt das Problem auf Bora Bora ganz gut. Einige verdienen sehr gut an den reichen Touristen der Luxushotels, alle anderen wollen nun auch verdienen. Dabei werden zum Teil absurde Preise aufgerufen.
Seit diesem Jahr gibt es eine neue Regelung, die das Ankern um Bora Bora nur noch in bestimmten Gebieten erlaubt. Nur wird sie nicht durchgesetzt, bzw. nur wenn es gerade passt. Die einen ankern in „verbotenen“ Gebieten und dürfen bleiben, die nächsten werden aus „erlaubten“ Gebieten verscheucht. So herrscht gelegentlich Verwirrung oder Unmut.

Auch nach 4 Monaten gibt es viele Dinge in Französisch Polynesien, die uns immer wieder staunen lassen. Dazu gehört oft die Preisgestaltung. Der Ananassaft (ok, bei uns dürfte das nicht Saft heißen, wenn es hauptsächlich aus Zucker besteht) aus Moorea, ist deutlich teurer als der Apfelsaft mit 100% bretonischen Äpfeln. Ein paar Puma Sneakers sollen in Papeete 60 Euro kosten, eine (große) Wassermelone auf dem Markt 35 Euro. „Naturschutzsteuer“ auf Fakarava 50 Cent pro Tag, ein Blick in die Pearlfarm 8 Euro. Für dieses Preisungleichgewicht gibt es unzählige Beispiele. Auf den Marquesas haben wir häufig in einem Laden den gleichen Artikel zu unterschiedlichen Preisen gefunden. Wenn für Obst und Gemüse oft (aber nicht immer) so hohe Preise verlangt werden, warum liegen dann so viele Gärten und Felder brach? Wir werden es nicht mehr verstehen und uns weiter fragen wie sich die Menschen das teure Leben hier leisten können.

Bora Bora zeigt sich bei schönstem Südseewetter von seiner besten Seite. Ein Manta umkreist uns, einfach wunderschön. Wir haben die Ausreisepapiere ausgefüllt, müssen nun aber zwei Tage warten, bis wir unsere Clearance abholen können. Wir entscheiden uns für eine Lagunenrundfahrt. Der schönste Platz soll in der Südost-Ecke der Lagune sein, dort wollen wir hin.
Wir fahren in der Lagune immer entlang der Hotels mit den Wasserbungalows. Davon gibt es viel mehr als ich dachte und die meisten der Hotels haben mindestens 50 dieser Palmenwedel gedeckten Hütten. Schon verrückt, die Luxushotels decken die Hütten mit Palmenwedeln, die Einheimischen mit Wellblech.
Die Fahrt durch den flachen Teil der Lagune kostet, besonders mich, Nerven. Ich stehe am Ruder und habe Angst aufzulaufen. Hier ist es ganz schön flach, das Wasser ist superklar und ich kann nicht schätzen wie tief es ist. Das Echolot zeigt meist weniger als vier Meter, oft weniger als drei. Dass Nobbi das Ruder übernimmt, will ich aber auch nicht. Ich bin erleichtert als es wieder tiefer wird und sehr froh, dass wir den Weg auf uns genommen haben. Der Platz ist fantastisch. Das klare Wasser der Lagune, das schützende Außenriff, das Motu mit seinem weißen Strand, die grünen Palmen und im Hintergrund der beeindruckende Berg. Das Türkis leuchtet. Wolken, Vögel, Boote, Flugzeuge, einfach alles reflektiert diese unglaubliche Türkis. Der Vollmond lässt die Lagune sogar nachts leuchten. Unglaublich, wir sehen nachts den Grund am Ankerplatz. Wir baden, schnorcheln, gehen am Strand spazieren und schießen unzählige Fotos. Zielsicher sind wir in der „deutschen“ Ecke gelandet (insgesamt 8 Boote, darunter 3 Deutsche, 1 Schweizer) und freuen uns über ein unerwartetes Wiedersehen.
Gerne würden wir noch ein paar Tage bleiben, doch wir entschließen uns am nächsten Tag weiter zufahren. Dieser Südseetraum ist der perfekte Abschied von Französisch Polynesien.

Bleibt die Frage, ist Bora die schönste Insel der Welt? Für mich nicht, obwohl es hier wirklich sehr sehr schön ist. Ob ich auf Bora Bora keinen Hubschrauber oder Jet-Ski miete oder auf einer anderen Insel ist egal. Das Angebot für die Touristen der Luxushotels brauche ich nicht, ich könnte es ohnehin nicht bezahlen. Unser Luxus ist Zeit. Zeit unser eigenes Paradies zu finden.
Die Konkurrenz um den Titel „schönste Insel der Welt“ ist riesig. Einige Aspiranten wären aus meiner Sicht Fernando de Noronha, Anholt, Porto Santo, Makemo, Lummerland, Amrum… aber ich kann mich einfach nicht entscheiden.

In den letzten Blogbeiträgen von Moorea, Huahine, Raiatea und Tahaa findet ihr nun endlich Fotos!