In Tagesetappen entlang der Küste Viti Levus

Die weit entfernten Inseln der Yasawa-Gruppe spiegeln sich im Horizont und scheinen zu schweben. Bei Niedrigwasser kommen die Riffe die zwischen uns und den Inseln liegen zum Vorschein, bei Hochwasser sind sie nicht zu sehen. Die Tage sind recht grau, ab und zu zeigt sich ein blaues Stückchen Himmel. Wir sind trotzdem zufrieden, hatte der Wetterbericht uns doch verregnete Tage versprochen.
Wir genießen es in Tagesetappen unterwegs zu sein. 19 Meilen nach Naigani, 28 Meilen an die Hauptinsel Viti Levu, 11 Meilen zum Ankerplatz hinter der kleinen Insel Nananu-i-Cake, 29 Meilen entlang der Nordküste Viti Levus, 21 Meilen nach Vitogo Bay. Im Windschatten der Hauptinsel fahren wir in den Südwesten Fijis. Auf den ersten Etappen konnten wir flott segeln, im Schutz der großen Insel ist wenig Wind. Gegen Mittag haben wir häufig eine starke Thermik, der Landwind kommt dann aus Nord oder Nordwest, nachmittags schläft der Wind komplett ein. Vom starken Südostwind merken wir hier hinter der Hauptinsel nur wenig.
Besonders schön waren die Ankerplätze hinter den kleinen Inseln. Naigani hat uns mit leuchtend blauem Wasser verwöhnt, Nananu-i-Cake bot guten Schutz bei kräftigen Böen und neugierige Fische. In Naigani wollte mich eine Seeschlange fressen. Nicht alle an Bord wollen glauben, dass sie es auf mich abgesehen hatte. Viti Levu, die große Insel, die auch „the mainland“ genannt wird, zeigt uns hohe Berge, schroffe Felsen, dunkel grüne Hänge und verdorrte Bergrücken und bietet eine tolle Kulisse. Wir sehen nicht nur viele Kühe, wir hören sie abends auch muhen. Nobbi hat die Theorie aufgestellt, dass braune Kühe Bergkühe sind, weiße sich lieber in flacheren Bereichen aufhalten. Nachdem die braunen Kühe von gestern Abend sich als Pferde entpuppt haben muss diese These noch einmal überprüft werden. Einen Ankerplatz zu finden ist meistens nicht schwer, es ist nicht sehr tief und der Ankergrund ist schlammig und hält bombenfest. Allerdings ist die Küste von Mangroven gesäumt und damit ist es schwierig an Land zu kommen.
Das Fahrwasser verläuft immer im Zickzack zwischen den Riffen, fehlen im östlichen Abschnitt fast alle in der Seekarte eingetragenen Baken, so gibt es hier im westlichen Teil sogar frisch rot und grün gemalte Seezeichen. Das macht die Durchfahrten entspannter. Segler treffen wir nur wenige, seit Makogai lagen wir an allen Ankerplätzen allein. Die Saison ist bereits vorbei.
Langweilig ist die Fahrt entlang der Küste nicht, wir sehen sehr viele Vögel, Fischer kommen Bula rufend dicht vorbei, ein Schlepper mit einer Barge im Schlepp verfolgt uns stundenlang. Die Konstruktion, die wir erst für eine Fähre, dann für eine Fischereianlage und dann für eine Ölplattform halten entpuppt sich als Spezialschiff. Anscheinend wird ein Hafen gebaut.
Fiji gefällt uns ausgesprochen gut, 300 Inseln warten darauf entdeckt zu werden. Uns drängt jedoch die Zeit bzw. die kommende Zyklonsaison. Noch zwei Tagesetappen, dann haben wir unser Zwischenziel erreicht und warten auf passendes Wetter für die Überfahrt nach Neuseeland.

Makogai und segeln in der Steinwüste

Der Sonntag beginnt früh. Um fünf klingelt der Wecker, um halb sechs lösen wir die Bojenleine. Über 50 Meilen liegen vor uns und wir wollen nachmittags bei hoch stehender Sonne ankommen. Für Fiji passt das Wort riffgespickt. Auf dem Übersegler sieht man die beiden großen und ein paar kleine Inseln, wählt man einen kleineren Maßstab stellt man fest, dass das Gebiet von Riffen durchzogen ist.
Zunächst müssen wir die Maschine mitlaufen lassen, doch dann können wir ein wenig abfallen und rauschen am Wind dahin. Segeln wie aus dem Bilderbuch. Nachdem Nobbi das Ruder erobert hat will er es nicht wieder hergeben.
Dann entdecken wir die Bimssteinfelder. Wir segeln durch große Teppiche aus kleinen Bimssteinen. Seit August sind diese Bimssteine unterwegs. Sie stammen von einem Vulkanausbruch in Tonga und treiben mit dem Wind in Richtung Australien. Einige australische Wissenschaftler hoffen, dass diese Bimssteine Fische und Algen in Tonga und Fiji einsammeln, sie zum Great Barrier Reef bringen und dieses neu beleben. Bis dahin machen die Steinchen den Seglern das Leben schwer. Zu Beginn war der Teppich bis zu 15 cm dick und riesig groß, wir haben nun kleinere Felder gesehen und auch nur noch eine Lage kleiner Steinchen dick, trotzdem waren wir froh, dass wir gesegelt sind, wir möchten das Zeug nicht in unserem Kühlkreislauf haben. Mal sehen, wo wir die Steinchen noch überall treffen.
Die Einfahrt nach Makogai ist spannend. Sie ist nicht besonders eng, aber die Strömung setzt quer zur Einfahrt und sie ist nicht gekennzeichnet, keine Tonnen, keine Peillinie. Zum Glück ist das Wetter gut und wir sehen das Riff türkis leuchten. Außerdem haben wir einen Track von anderen Seglern, eine gute Hilfe.
Makogai ist eine hohe grüne Insel, mit schwarze Felsen und weißer Sandstrand. Der Ankerplatz gefällt uns. Wir baden ausgiebig und fallen früh ins Bett.
Am nächsten Morgen gehen wir an Land. Wenn wir irgendwo abseits der Häfen oder großen Orte an Land gehen, fragen wir die Menschen ob wir unser Dinghi dort parken dürfen oder am Strand herumlaufen dürfen. In Fiji gibt es ein spezielles Prozedere. Man macht Sevusevu wenn man vor einem traditionellen Dorf ankert. Man fragt nach dem Chief und überreicht ein Bündel Kavawurzeln. Diese Wurzeln haben wir in Savusavu auf dem Markt gekauft. Manchmal wird Kava zubereitet und gemeinsam, mit einem festgelegten Ritual, getrunken. Kava ist ein berühmt berüchtigtes, berauschendes Getränk, das aus den Wurzeln des Kavastrauchs (Piper methysticum) hergestellt wird. Kava wird auch auf in den anderen Inselstaaten getrunken, zum Beispiel in Samoa, doch die Tradition des Sevusevu gibt es in dieser Form nur in Fiji. Hier in Makogai hatten wir das Gefühl, dass die Übergabe der Kavawurzeln nicht unbedingt erwartet wurde, sie sich aber sehr darüber gefreut haben.
Besonders die Kinder freuen sich über unseren Besuch. Die Schulkinder sind morgens mit dem Boot auf die andere Seite der Insel zur Schule gebracht worden, die kleinen Kinder sind begeistert, dass wir für Abwechslung sorgen. Ein Mann führt uns über die Insel, zeigt uns die Reste der Leprastation die von 1911 bis 1969 auf der Insel war und in der bis zu 4500 Menschen gelebt haben. Wir besuchen den alten Friedhof und erfahren viel über das heutige Leben auf der Insel. Auf dieser Seite der Insel leben sechs Familien, auf der anderen Seite neun. Der Zyklon Winston, der die Insel 2016 getroffen hat, hat nicht nur die meisten Häuser zerstört, auch viele Tiere sind gestorben. Inzwischen wurde alles wieder sehr schön aufgebaut. Am Strand sehen wir uns die Becken an in denen Riesenmuscheln und Schildkröten aufgezogen werden. Die Riesenmuscheln wurden in Fiji fast ausgerottet und sollen nun wieder eingeführt werden.
Mittags schnorcheln wir bis uns zu kalt wird. Sogar eine Schildkröte und ein Silberspitzenhai zeigen sich. Mir gefallen aber die vielen Clownfische, die immer wieder in ihrer Anemone verschwinden am besten.
Als wir ankamen, lagen noch zwei andere Boote in der Bucht. Eines ist morgens weitergefahren, die Crew des anderen Bootes treffen wir an Land und verabreden uns zum Kaffee. Wir verstehen uns gut, verbringen einen schönen Nachmittag zusammen und freuen uns, dass wir uns sicherlich in den nächsten Tagen wiedersehen, planen wir doch eine ähnliche Route.

Ein Ausflug auf Vanua Levu

Savusavu gefällt uns, die Stimmung ist fröhlich und es gibt einiges zu entdecken. Direkt unterm Steg der Marina lebt eine beachtliche Anzahl von Fischen. Uns interessiert jedoch besonders das Boot am Steg. Ein Rettungsboot, das Westerland heißt. Google hilft uns weiter. Nicht nur der Name stammt von Sylt, auch das Rettungsboot. Die Fähre Westerland (Bj. 1970!) verkehrte zwischen Sylt und Dänemark, bevor sie nach Fiji verkauft wurde.
Wir möchten gerne etwas von Vanua Levu sehen, bevor wir Savusavu wieder verlassen. Mit dem Bus unternehmen wir am Freitag einen Ausflug quer über die Insel nach Labasa. Interessant ist bereits die Vorbereitung, da die Angaben etwas wage sind. Die Karten mit denen man die Busfahrt bezahlt bekommt man in der Nähe des Busbahnhofs und der Bus fährt etwa um halb acht. Zum Glück sind wir bereits um kurz nach sieben am Busbahnhof, der Bus verlässt Savasavu bereits um 7.15 Uhr. Labasa ist kein touristisches Ziel. Wir schlendern die Hauptstraße entlang, machen eine Pause in einem Park und fotografieren den Tempel. Schon in Savusavu fällt auf, dass Fiji einen hohen Anteil indischer Bevölkerung hat, doch Labasa ist eindeutig fest in indischer Hand. Außerhalb von Labasa liegt die Zuckerfabrik. Durch die Stadt fährt nicht nur der „Zuckerzug“, die Bahn die das Zuckerrohr bringt, sondern auch eine nicht endende Schlange von Lastwagen, die mit Zuckerrohr beladen sind.
Die Menschen sind nett und interessiert. Nicht viele Touristen sind hier unterwegs, schon gar nicht jenseits der Hauptstraße. Leute wünschen uns einen Guten Morgen, wollen wissen wo wir herkommen oder schütteln uns die Hand. Der Polizist posiert stolz mit seinem Motorrad, als Nobbi fragt ob er ein Foto machen darf.
Das eigentlich Sehenswerte ist die Busfahrt über die Insel. Zweieinhalb Stunden dauert die Tour pro Richtung und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Die Insel ist grün und bergig. Der Bus muss sich ganz schön anstrengen um die Berge hinaufzuklettern und wir sind dankbar, dass der Busfahrer nicht die erlaubten 80 km/h fährt. Wir sehen große stolze Villen und bescheidene Hütten, in kleinen Dörfern. Wir kommen an belebten Kreuzungen vorbei und fahren durch menschenleere Gegenden. Der Ausblick auf die unterschiedlich geformten Berge vulkanischen Ursprungs ist toll, sogar einen Wasserfall sehen wir. In den Bergen (die Insel ist fast 1000 m hoch) ist es richtig kühl und ziemlich feucht. Die Kiefern im Nebel erinnern uns an Madeira. Wann haben wir das letzte Mal Kiefern gesehen?
Neben der landschaftlichen Schönheit sorgen die Kinder im Bus für Unterhaltung. Das kleine Mädchen in der Reihe hinter mir beobachtet mich die ganze Hinfahrt, zweieinhalb Stunden lang. Wenn ich ihr zuzwinkere lacht sie. Als sie aussteigt fasst sie ganz schnell meine Haare an, bekommt Ärger von ihrer Mutter und strahlt trotzdem übers ganze Gesicht. Auf dem Rückweg steigen lauter Kinder ein, die aus der Schule kommen. Alle in Schuluniform, alle barfuß. Sie sind erstaunlich leise, lachen sich aber darüber kaputt wenn Nobbi fotografiert.
Gibt es ein Wort für die Diskriminierung durch eine App? Fiji liegt für in vielen Programmen am Rand der Welt. Möchte man in Maps.me von Samoa nach Fiji scrollen, muss man den Weg „außen rum“ via Südamerika und Afrika nehmen. Der 180. Längengrad verläuft durch Fiji. Die echte Datumsgrenze, soweit man davon sprechen kann. Schließlich ist die Position des Greenwich- Längengrads willkürlich. Wir sind jetzt wieder im Osten. Vor gut drei Jahren sind wir auf dem Weg nach Cherbourg über den Null-Meridian gesegelt, und hatten seitdem immer eine Position „westlicher Länge“.

Eine Frage, die wir uns unabhängig von Längengrad und Zeitzone stellen ist, wo ist eigentlich unser Gecko?

Bula Fiji!

Wir sind gestern in Savusavu auf Vanua Levu, Fiji angekommen. (Ich weiß, dass man Fiji im Deutschen Fidschi schreibt, bleibe aber trotzdem bei der englischen Schreibweise Fiji, ich bin einfach zu unflexibel).
Ihr fragt euch „Fiji? Wollten die nicht nach Tonga?“. Ja, wollten wir. Das Wetter wollte nicht wie wir und jeden Morgen haben wir überlegt, dass das Wetter passen würde wenn wir nach Fiji wollen würden. Also entscheiden wir uns kurzfristig nach Fiji zu segeln. Wind und Wellen sind auf dem Ozean einfach netter wenn sie von achtern kommen.
Am Donnerstag klarieren wir aus. Zuerst geht es zur Immigration, da bekommen wir den Ausreisestempel in den Pass und einen Brief für den Zoll, dass alle Voraussetzungen für die Ausreise vorliegen. Beim Zoll bezahlen wir eine sehr überschaubare Gebühr und bekommen eine sehr hübsche Clearance mit Siegel.
Freitagmorgen nutzen wir eine Regenpause und laufen aus. Ein paar Regenschauer duschen uns, wir segeln mal wieder in Ölzeug. Zum Mittagessen gibt es Leberwurstbrote. Diese Brote sind ein echtes Highlight, super lecker. Unsere deutschen Nachbarn in der Marina haben sie uns zum Abschied über den Seezaun gereicht. Selbstgebackenes Brot mit selbstgemachter Leberwurst. Sie haben ein ganzes Schwein gekauft und verarbeitet. Auf dem Boot! Nicht nur zu Schnitzeln, Eisbein, Gulasch und Würsten, sondern auch zu Leberwurst. Ich hätte schon Zuhause keine Ahnung was ich mit einem ganzen Schwein machen sollte.
Wir fahren zwischen Upolu und Savaii, den großen Inseln Samoas hindurch und können dann Kurs nehmen auf Fiji. In der ersten Nacht haben wir netten Segelwind und wenig Seegang, dafür heftige Schauer. Ich sitze im Ölzeug im strömenden Regen und beobachte ein entgegenkommendes Containerschiff und einen Zickzack fahrenden Fischer. Zum Glück wird der Regen irgendwann weniger. Samstag und Sonntag haben wir recht viel Wind, immer satte sechs Windstärken dazu kräftige Böen. Wir kommen schnell voran. Nur der Seegang ist eklig. Hoch und steil. Keine lange, nette Ozeanwelle. Immer wieder spritzt Seewasser ins Cockpit oder duscht das Bimini. Zum Glück ist es aber die meiste Zeit trocken.
Am Montag nimmt der Wind etwas ab und der Seegang wird gemütlicher. Die Wellen sind zwar noch hoch, aber sie brechen nicht mehr. Wir rechnen aus, dass wir unseren Zielhafen mit dem abnehmenden Wind nicht mehr am Dienstag erreichen können. Also lassen wir uns Zeit, wir wollen nicht im Dunkeln ankommen. Nachts stelle ich fest, dass wir einen blinden Passagier an Bord haben, als ich einen vermeintlichen Fleck wegwischen will, läuft der weg. Wir haben einen Gekko! Das soll ja Glück bringen. Dienstagmorgen sehe ich die ersten Inseln von Fiji. Erst Palmen eines Atolls, später die Berge einer höheren Insel. Wir stellen die Uhr um eine Stunde zurück, die gewonnene Stunde investiere ich in Pfannkuchen zum Frühstück. Mal wieder fragen wir uns, weshalb eigentlich immer hohe Wellen auftauchen, wenn wir Duschen oder Kochen. Zwischenzeitlich treiben wir mehr, als das wir segeln, doch das macht nichts. Wir sind gut in der Zeit und freuen uns, dass wir so gut schlafen.
Immer wieder ist es spannend, wenn neues Land vor dem Bug auftaucht. Bei Tagesanbruch werden die hohen Berge sichtbar, ab und zu kann man das Land riechen. Süß, schwer und grün. Unsere letzten Eier gibt es als Rührei zum Frühstück, wir haben Angst, dass die Biosecurity sie uns wegnimmt. Dann stoppen wir das Boot und baden im blauen Pacifik. Ein Luxus, der nur bei ganz wenig Wind möglich ist.
Genau fünf Tage nach der Abfahrt legen wir am Steg der Copra Shed Marina an. Hier warten wir auf die Offiziellen, später ziehen wir an eine Mooring-Boje um. Zunächst kommt der Mann von der Gesundheitsbehörde, fragt ob wir gesund sind und füllt ein paar Zettel aus. Das ganze dauert nur ein paar Minuten, kostet umgerechnet aber über 60 Euro und wir dürfen die gelbe Q-Flagge einholen. Dann passiert erstmal nichts. Ich bin so müde, dass ich ein Schläfchen mache. Irgendwann taucht der Nächste auf. Zoll und Immigration in Personalunion. Tatsächlich hat er das Formblatt, das wir zuvor ausfüllen mussten und von Samoa aus per E-Mail verschickt haben dabei. Wieder geht es schnell und wir müssen nichts bezahlen.
Er erklärt uns, dass wir noch auf Biosecurity warten müssen und dass das etwas dauern könnte. Aus „humanitären Gründen“ (seine Wortwahl!) dürfen wir das Schiff verlassen. Es sei so heiß und wir würden sicher etwas essen wollen, sollten aber unser Handheld-VHF mitnehmen. Wir melden uns in der Marina an und ziehen ins Marina Café um. Kaum sitzen wir auf der Terrasse, knackt das Handfunkgerät „Marisol?“. Die Biosecurity ist da. Ich bewache unseren Tisch und das Essen, Nobbi geht zurück an Bord. Wir sollen unseren Müll in den Container werfen und dürfen unsere Zwiebeln, das einzig „Frische“ das wir noch an Bord haben behalten. Fiji hat den Ruf ziemlich bürokratisch zu sein. Wir waren überrascht, dass es insgesamt recht flott ging und wir jeder nur die Passenger Arrival Card abgeben mussten, d.h. dieses Kärtchen, das man auch im Flieger immer ausfüllen darf. Ansonsten haben die Beamten die Schreibarbeit übernommen, Nobbi musste ab und zu unterscheiben.
Der bürokratische Teil ist jedoch noch nicht ganz abgeschlossen. Nachmittags gehen wir zum Geld Automaten Fiji Dollar abholen und dann zur Biosecurity, um dort unsere Gebühren zu bezahlen, außerdem fehlt noch irgendein Formular. Die Dame, die für uns zuständig ist, ist aber nicht da und der Kollege hat weder Wechselgeld noch den Quittungsblock und zweitens weiß er auch nicht so genau. Wir bekommen aber begeistert lauter Ausflugstipps für ganz Fiji und sollen lieber morgen noch einmal wieder kommen. Heute konnten wir nun bezahlen (35 Euro) und das fehlende Formular und die Quittung abholen.
Wenn man in Fiji umher segeln möchte braucht man ein Cruising Permit. Das hat die Marina gestern bereits für uns beantragt. Wir können es nun abholen und müssen damit dann aber wiederum zum Zoll. Hier bekommen wir die „Coastal Clearance“. Das Cruising Permit kostet nichts. Nun dürfen wir auslaufen wann immer wir wollen, dürfen in Fiji umhersegeln und müssen uns nur einmal pro Woche per Email melden. Damit ist der offizielle Teil erledigt.
Ich mag diesen Moment in dem man das erste Mal an Land geht. Auch wenn man nach einer Ankunft nach einer längeren Etappe meist ziemlich müde ist, ist es so spannend. Fiji bzw. Savusavu ist wieder ganz anders als Samoa. Nicht nur die Insel, auch Häuser und Läden und besonders die Menschen sehen anders aus. Etwa zwei Drittel der Menschen stammen von der ursprünglichen melanesischen Bevölkerung ab, ein Drittel sind Inder. Amtssprachen sind Fiji, Englisch und Hindi. In den Läden findet sich nicht nur der Männerrock, den wir aus Samoa kennen, sondern auch Saris. Ganz besonders merkt man es natürlich am Essen, Naan, Curry, Roti…
Hier ist alles sehr dicht zusammen, das erleichtert nicht nur die Wege zu den Behörden, sondern sorgt auch dafür, dass wir mit unseren Erledigungen fix vorankommen. Wir haben unsere Wäsche zum Waschen gegeben, eine SIM Karte gekauft (umgerechnet 2,50 Euro für 12 GB Datenvolumen, das ist rekordverdächtig, irgendein Sonderangebot), eingekauft und E-Tickets für Busfahrten sowie erste Souvenirs erstanden.

Ach ja, Bula heißt Hallo!

Törnplanung für Fortgeschrittene

It’s not the ideal day to take off on a fun holiday or important business trip, as Saturn slows things down… steht heute in Nobbis Horoskop im Samoa Observer. Damit ist die Sache klar, wir klarieren heute nicht aus. Vielleicht morgen oder erst am Freitag.
Als wir heute Morgen aufgestanden sind haben wir leider nicht zuerst den Samoa Observer gelesen, sondern den Wetterbericht. Schnell wich unser Enthusiasmus der Ernüchterung. Nachdem es gestern noch so aussah, als müssten wir eventuell weite Teile der Strecke nach Tonga motoren, überraschte uns der Wetterbericht heute mit Wind. Leider ein bisschen viel Wind. Doch die vorhergesagten Windstärken machen nicht so richtig Lust aufs Auslaufen, insbesondere weil wir mit einem Am-Wind-Kurs rechnen. Wir vergleichen Wetterberichte, rechnen unterschiedliche Optionen durch und sind etwas ratlos. Wir entscheiden, heute nicht auszuklarieren und hoffen, dass der Wetterbericht morgenfrüh Klarheit bringt. Ein kleiner Spaziergang im Regen (der erste Regen der länger als eine Minute dauert, seit wir in Samoa sind) sorgt für einen klaren Kopf und gute Laune. Wir erledigen ein paar unnötige Besorgungen und stellen beim Kaffee trinken im „Coffee Bean“ fest, dass wir uns die Stunde Wettermodelle vergleichen hätten sparen können. Dort lesen wir den Observer samt Horoskop und wissen nun, dass der Saturn Schuld ist. Morgen lesen wir also zuerst das Horoskop.
Gestern Abend waren wir bei einem samoanischen Abend mit Dinner und Show in einem kleinen Restaurant gegenüber der Marina. Nach dem typisch samoanischen Essen, stilecht im Palmenblattteller serviert, gab es eine fröhliche Show mit anmutigen Tänzen der jungen Damen, energiegeladenen Tänze der Männer und einer nicht ganz unfallfreien aber sehr enthusiastischen Feuershow. Wir hatten erwartet hauptsächlich auf Touristen zu treffen und waren verwundert fast ausschließlich auf Urlauber aus Neuseeland und Australien mit samoanischen Wurzeln zu treffen, die zum familientreffen auf Samoa sind und textsicher alle Lieder mitsingen konnten. Ein gelungener Abend.
Mal sehen, wie lange uns das Wetter noch festhält. Wir füllen seitenlange Papiere aus. In den nächsten Ländern ist eine Voranmeldung per email nötig. Den Ratten an Bord geht es prima – das habe ich gerade bestätigt.

Schnorcheln, Museumsbesuch und der Westen der Insel

Das Wetter zwischen Samoa und Tonga lädt nicht zu einer Segelpartie ein, wir entscheiden uns noch etwas in Apia zu bleiben. Ein verlängerter Aufenthalt auf Samoa ist wahrlich kein Opfer.
Wir besuchen das kleine Museum of Samoa, das in der ehemaligen deutschen Schule untergebracht ist. Das Museum ist übersichtlich und einfach, doch wir lernen einiges über die Geschichte Samoas, den Weg zur Unabhängigkeit 1962 und die vielen chinesischen Gastarbeiter.
Auf dem Rückweg kommen wir an einem Friedhof vorbei. Auf Samoa begräbt man seine Verwandten am Liebsten auf dem eigenen Grundstück, gerne vor dem Haus, und so sehen wir häufig Kinder auf Großvaters Grab spielen. Einen Friedhof gibt es trotzdem, vermutlich haben nicht alle Samoaner genügend Platz im Vorgarten.
Modisch voll im Trend liegen Badelatschen, vorzugsweise Adiletten. Im Prinzip können sie zu jeder Gelegenheit getragen werden, ob man in der Stadt unterwegs ist, in die Kirche geht oder in die Schule, sogar zum joggen kann man sie anziehen. Nobbi weist mich gerne daraufhin. Er musste seine nämlich Zuhause lassen, seine Frau hat ihm verboten sie in der Öffentlichkeit zu tragen, nur für den Weg zur Dusche wären sie erlaubt. Nun ja, jetzt trägt er konsequent Crocs.
Inzwischen kennen wir eine beachtliche Anzahl an Restaurants, Nobbi hat bereits das zweite samoanische Hemd gekauft (nicht einfach Größe L zu finden, es gibt Hemden bis 7XL) und Zeit für kleine Bootsjobs haben wir auch gefunden. Unsere Genua haben wir nicht nur ordentlich zusammen gefaltet, sondern zuvor auch repariert. Die kaputten Stellen haben wir getapt und die Nähte nachgenäht. Eigentlich eine ganz nette Arbeit, wären da nicht die Temperaturen. Bei einer Lufttemperatur von deutlich über 30 Grad (im Schatten) misst Nobbi eine Stegtemperatur von 60 Grad in der Sonne (mit dem Infrarotthermometer, eines unserer liebsten Spielzeuge). Kein Wunder, dass ich da nicht drauf sitzen mochte. Der Hund von einem anderen Boot weigert sich den Steg zu betreten und will getragen werden. Ich kann ihn verstehen, er trägt ja keine FlipFlops.
Wir haben eine neue Kompassbeleuchtung, die alte war korrodiert, der Außenborder trägt ein neues Gewand, gelb mit Palmen, und mein Laptop-Ladegerät hat ein neues Kabel.
Ein paar Tage ist der Schwell hier in den Hafen gelaufen, dann wurde auf einem der großen Schiffe Rost geklopft und Ende der Woche wurde die Straße aufgerissen und es hat schön gestaubt. Immer was Neues, alles nicht dramatisch und zum Glück gibt es Wasser am Steg, so dass man ab und zu sein Schiff waschen kann.
Ganz in der Nähe der Marina gibt es einen ausgezeichneten Schnorchelplatz. Unter schattigen Bäumen stehen kleine Fales, die kleinen Häuschen auf Stelzen, und in den Bäumen hängen Schaukeln, ein samoanisches Freibad. Der Einstieg ins Wasser ist ganz einfach und die Riffkante mit dem schönsten Schnorchelplatz ist mit einem Pfahl markiert, zu dem man einfach hin schwimmt. Schon auf der Sandfläche, über die man zum Riff schwimmt, treffen wir viele Fische und am Riff herrscht ein unglaubliches Gewusel. So ein schönes Riff und solchen Fischreichtum hätten wir hier in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hauptstadt und zum Hafen nicht erwartet, sogar eine Schildkröte schaut vorbei. Obwohl wir unter widrigen Bedingungen geschnorchelt sind, Niedrigwasser und viel Wind mit noch mehr Wellen, waren wir so begeistert, dass wir heute gleich wieder dort waren. Heute bei noch mehr Welle, dafür aber mit viel klarerem Wasser als beim ersten Mal. Ganz toll!

Gestern haben wir noch einmal eine Tour über die Insel unternommen. Wieder waren wir mit Tai unterwegs, diesmal stand die Westseite der Insel auf dem Programm. Wir fahren quer über die Insel, durch Taro- und Kokosplantagen und erreichen schließlich die Nordküste. Erster Stopp: Schnorcheln mit Riesenmuscheln. Ob die Muscheln extra dort hingebracht wurden? Oder ob sie sich selbst hier angesiedelt haben? Wir haben beim Schnorcheln und Tauchen schon oft Riesenmuscheln gesehen, aber diese sind wirklich sehr groß und wir hatten Strand samt Muscheln für uns alleine. Bis 1,40m und 400 kg werden sie groß, diese Exemplare waren locker über einen Meter lang. Die Korallen in diesem Bereich sind ziemlich kaputt, trotzdem waren viele Fische unterwegs. Süßwasser kommt aus den Bergen, fließt in kleine Becken (in denen man auch baden kann) und dann ins Meer. Die Vermischung von Süß- und Salzwasser mit entsprechenden Schlieren sorgte für sehr wechselnde Sicht. Vielleicht gefällt den Muscheln die Strömung?
Weiter geht es entlang der Nordküste nach Westen. Die Straße wird immer schmaler. Tai erzählt uns, dass er die Straße auch noch nie gefahren ist, er hat uns völlig richtig eingeschätzt, wir wollen nicht an den Strand zum Selfies machen (10 Euro Eintritt, ein stolzer Preis), wir wollen lieber den schmalen Weg durch die kleinen Dörfer nehmen. Zeitweise sind wir nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs und die Straße führt durch einen kleinen Fluss. Hier ist es sehr ländlich und sehr schön grün. Irgendwann platzt es auch Tai heraus: „Stell die vor, du lernst eine Frau kennen und dann erzählt sie Dir, dass sie hier wohnt“ (Ihr erinnert euch, nach der Hochzeit zieht der Mann zur Familie der Frau). So schön es hier ist, wohnen wollen wir hier alle drei nicht in dieser Abgeschiedenheit. Irgendwann erreichen wir wieder die asphaltierte Straße. Wir halten ab und zu für ein Foto, oder nur um mal zu gucken, besuchen den Bootsanleger von dem die kleinen Boote zur Nachbarinsel Manono fahren und den Fähranleger vom dem die Fähren zur großen Nachbarinsel Savaii ablegen. In einem netten Hotel gehen wir etwas spazieren und erfrischen uns mit Vaitipolo, frischer Limonade. Ein kleines Kunst-College hat einen Ausstellungsraum für die Werke seiner Schüler. Schnitzereien und Bilder werden hier präsentiert und verkauft. Einige Werke sind toll, die meisten eher mittelmäßig. Interessant wird der Besuch dadurch, dass sie fast alle samoanische Sagen darstellen oder Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit. Wir bekommen eine nette Führung und hören tolle Geschichten über ein Paar, dass sich in eine Schildkröte und einen Hai verwandelt, über einen Oktopus der von Fiji kommt, darüber, dass man sich immer zu zweit tätowieren lassen soll, sonst hat man starke Schmerzen, über die Vergangenheit des Hausbergs von Apia und über das Ende des Kannibalismus. Landschaftlich hat uns der Osten der Insel noch etwas besser gefallen, aber auch diese Tour hat sich sehr gelohnt. Wir haben viel über das Leben auf Samoa gelernt, vor allem weil Tai alle unsere Fragen so geduldig beantwortet hat. Der Nationalvogel Samoas ist der gefährdete Manumea, der im Inselinneren im Wald lebt. Uns gefällt der lustige Vogel, der so ähnlich aussieht wie der Kiwi und auch nicht fliegen kann besonders gut.
Gestern Abend hat der Wetterbericht uns aufgeschreckt, es sieht fast aus als sollte es Ende der Woche möglich sein nach Tonga zu segeln.

Upolu – Eine Inselrundfahrt

Zunächst wollen wir uns ein Auto mieten um die Insel zu erkunden, dann entscheiden wir uns mit Taxifahrer Tai auf Entdeckungstour zu gehen. Von Apia im Norden geht es über die Cross Island Road an die Südküste. Wir folgen der Küstenstraße nach Osten, runden die Ostspitze der Insel und kehren auf der Nordseite zurück nach Apia.
Unser erster Stopp ist der Bahai Tempel der in einem wunderschönen Garten in den Bergen oberhalb von Apia liegt. Vorbei am Papapapaitai Wasserfall (cooler Name, oder?) machen wir eine Pause an einem kleinen weißen Strand an der Südküste. Ein kleiner Spaziergang über einen steinigen Pfad bringt und zu einem riesigen Baum. Es ist zwar nicht weit, dafür sehr heiß, zum Glück aber schattig. Am Togitogiga Wasserfall stellen wir uns ins Wasser und kühlen uns ab. Der To Sua Trench ist eine DER touristischen Attraktionen Upolus, so verwundert es nicht, dass wir hier auf andere Touristen treffen. Trotzdem ist es hier nicht überlaufen. Der Boden ist eingestürzt, die entstandenen „Löcher“ haben eine Verbindung zum Meer und sind mit Seewasser gefüllt. Zu viert baden wir hier in dem natürlichen Salzwasserpool und unterhalten uns mit den netten Neuseeländerinnen. Kleine Hütten auf dem Gelände bieten den perfekten Platz für eine Mittagspause.
Im Osten der Insel kommen uns nur selten Autos entgegen, die Straße führt entlang der langen, einsamen Strände und durch kleine Orte. Dieser Teil der Insel wurde vor genau 10 Jahren von einem Tsunami getroffen, noch immer sind die Schäden zu sehen. Auf unserem Rückweg kommen wir an einem Stausee vorbei, der eingebettet in die hohen Berge des Vulkankraters zwischen Feldern und tiefgrünen Wäldern liegt. An der Südküste halten wir immer wieder an Aussichtspunkten und können die Küste sowie riesige Kokosplantagen und große Tarofelder überblicken. Hier sehen wir auch unseren ersten Flughund! Noch ein letzter Wasserfall, dann erreichen wir ganz müde von den vielen Eindrücken Apia.
Upolu hat uns begeistert, die Insel ist sehr vielfältig. Unser Guide ist auskunftsfreudig und beantwortet unsere viele Fragen zum Leben in Samoa, der Schulbildung, dem Mindestlohn (umgerechnet nur knapp ein Euro!) und dem Leben in der Familie. Wir lernen, dass fast alle Familien in einem offenen Haus leben. Das Leben findet auf einer Art riesiger überdachter Terrasse statt. Je nach Wohlstand und Geschmack, liegen im offenen Haus einige Matten oder ganze Sofagarnituren, sogar große Bildschirme belegen den Raum. In den ärmeren Dörfern sind die offenen Häuser aus Holz und mit Palmenwedeldächern, in reicheren Gegenden aus Beton mit Wellblechdach. Wohlhabendere Familien haben zusätzlich ein Haus mit Wänden. Geschlafen wird meist in den offenen Häusern durch die der Wind weht. Die samoanische Gesellschaft ist stark durch die Rolle der Familie geprägt. Junge Paare ziehen zur Familie, es ist unüblich und in vielen Gegenden noch immer unmöglich selbst Land zu kaufen. Tai erklärt uns, wer selbst bestimmen will muss warten bis der Vater bzw. Schwiegervater tot ist.

Am nächsten Tag besuchen wir das „Cultural Village“ in Apia. Viermal die Woche gibt es hier eine Veranstaltung, die Touristen die samoanische Kultur näher bringen soll. Wir flechten Teller aus Palmenwedeln, lernen wie man Feuer macht und wie Taro, Fisch und Brotfrucht im Feuer zwischen heißen Steinen gegart werden. Überall in Französisch Polynesien wurde Tapa verkauft. Nun lernen wir, wie man den Stoff aus Rindenbast herstellt. Ein junger Ast wird geschält und der Baststreifen (die Rinde ohne die Borke) wird feucht mit einer Muschel bearbeitet, dann platt geklopft und schließlich getrocknet. Wir sehen uns die traditionelle Schnitzerei an und lernen viel über die traditionellen Tatoos. Die Männer werden von der Hüfte bis zu den Knien tätowiert. Das Tatoo ist Voraussetzung um Matai, also Oberhaupt einer Großfamilie, zu werden. Auch Frauen tragen Tatoos, allerdings in filigraneren Mustern.
In dem kleinen Dorf findet nicht nur diese Veranstaltung statt, dort sollen die Traditionen bewahrt werden. Die Schnitzer arbeiten dort jeden Tag und es gibt eine Hütte in der Arzneimittel hergestellt und samoanische Massagen durchgeführt werden.
Der informative Vormittag endet mit einer Tanzvorführung und dem Mittagessen, dass wir von den zuvor geflochtenen Tellern esse. Besonders lecker sind die Taroblätter in Kokosmilch, das schmeckt so ähnlich wie Spinat. Quasi Spinat mit Südsee-Blubb.
Wir bummeln noch etwas durch Apia, ich will mir ein Kleid kaufen. Wie so oft trägt Nobbi am Ende unseres Einkaufsbummels zwei Hemden nach Hause während ich nichts eingekauft habe.
Nachdem in den letzten Tagen Sightseeing im Vordergrund stand, wird es Zeit für Haushaltsangelegenheiten. Wir waschen Bettwäsche und Handtücher (mit der Hand, ein großer Spaß!), lassen unsere Gasflasche füllen (erfreulich unkompliziert), tanken Diesel in einen leeren Kanister (wir haben ja nichts verbraucht) und gehen einkaufen.
Hier gibt es viel zu entdecken und eigentlich würden wir gerne Savaii, die andere Insel besuchen, doch wir haben ein Auge aufs Wetter, es wird Zeit für uns weiter nach Süden zu segeln.

Tusitala, Blumenkränze und Weihrauch

In und um Apia gibt es einiges zu sehen. Wir wollen zur Villa Vailima, dem Robert Louis Stevenson Museum. Der Schriftsteller hat die letzten viereinhalb Jahre seines Lebens hier verbracht bevor er mit Mitte Vierzig an Tuberkulose starb. Unter den Samoanern genoss er ein hohes Ansehen, was auch dazu geführt hat, dass sie ihm seinen letzten Wunsch erfüllt haben und ihn auf dem Mount Vaea, dem Stadtberg Apias, beigesetzt haben. Sanna macht eine hervorragende, unterhaltsame Führung. Wir lernen, dass das Haus zu Beginn der 90er Jahre wieder aufgebaut wurde und seitdem Museum ist, dass es im Haus gleich zwei Kamine gibt (sehr sinnvoll bei 30+ Grad…), dass RLS die Ananas nach Samoa gebracht hat (eine gute Idee, wie wir finden), dass er Tusitala, der Geschichtenerzähler, genannt wurde und dass er mehr als dreißig Bücher geschrieben hat (uns fiel nur die Schatzinsel ein), darunter auch Dr. Jekyll und Hyde. Zum Ende der Führung singt Sanna das Gedicht, das RLS für sein eigenes Grab geschrieben hat, in gleich doppelter Ausführung. Auf Englisch und Samoanisch. Ganz toll. Guide im Museum ist also keine berufliche Perspektive für mich, ich scheitere am Gesang.
Im Anschluss an die Führung unternehmen wir die kleine Wanderung zum Grab in 472m Höhe, man soll feste Schuhe tragen und Wasser mitnehmen. Wasser haben wir, die Schuhe, nun ja, wir machen es samoanisch und laufen in FlipFlops bzw. Crocs. Das Rugbyteam, das die Tour gleich zweimal machen muss (!), ist auf Badelatschen unterwegs. Der Weg durch den Wald ist schön schattig und die Aussicht grandios.
Auf der Suche nach einen Supermarkt wandern wir wieder zurück zum Boot und haben am Ende fast 10 km in den platten Füßen. Abends schaffen wir es nur noch in die Marina-Bar. Das sind etwa 100m das geht auch mit ganz müden Beinen, wenn ein kaltes Bier lockt. Das lokale Bier ist sehr lecker, die Jungs von Zoll hatten Recht! Glücklicherweise fällt die Samstagsparty humaner aus als die am Freitag. Freitag hatten wir nicht nur laute Musik, sondern auch noch ein Konzert auf einer Wiese in der Nähe. Die Bässe haben unseren Rumpf vibrieren lassen. Da hier aber um Mitternacht Sperrstunde ist, kommt man schließlich trotzdem zu seinem Schlaf.
Sonntag ist Sonntag. Fast alle Geschäfte, Restaurants sind geschlossen und jegliche Arbeit oder sichtbare Aktivitäten sind unerwünscht. Wir entscheiden uns den Sonntag samoanisch zu verbringen und gehen in die Kirche. Fast alle Samoaner gehören einer christlichen Kirche an und die Kirchendichte ist etwa so groß wie in Salvador. Wir entscheiden uns für den katholischen Gottesdienst um 9.30 Uhr, frei nach dem Motto „wenn schon Kirche dann Kathedrale“. Die Mischung aus Blütenkränzen und Weihrauch ist berührend und der Gesang des Chors zum Niederknien. Nicht nur im übertragenden Sinne, wir sind ja bei den Katholiken. Die Samoaner kleiden sich sonntags besonders schön. Weiß ist die Sonntagsfarbe. Wir sehen viele Frauen in langen weißen Kleidern mit weißem Hut und Männer in weißen Hemden und natürlich im Rock. Bei den Katholiken dominiert weiß nicht, hier sind alle Farben vertreten, doch auch hier kleidet man sich sonntags besonders sorgfältig. Die obligatorische Blume hinter dem Ohr rundet jedes Outfit ab.
Wir verbringen einen ruhigen Sonntag mit lesen, Blog schreiben und fantastischem Fisch zum Abendessen (im einzigen geöffneten Restaurant in der Nähe). Wenn mir die Olivenölflasche nicht umgekippt wäre und sich der Inhalt nicht großflächig verteilt hätte, wäre es ein richtig entspannter Tag gewesen. Irgendwas ist ja immer.

Samoa – der erste Eindruck

Freitagmorgen geht es zunächst zur Immigration. Das richtige Büro ist schnell gefunden und brechend voll. Wir werden in ein angrenzendes Büro gebeten, füllen die Papiere aus, bekommen einen Stempel in den Pass und dürfen nun 90 Tage in Samoa bleiben. Die zuständige Dame ist unglaublich nett und fröhlich. Talofa! Willkommen in Samoa.
Nachdem das Pflichtprogramm beendet ist, stürzen wir uns ins Getümmel. Erster Stopp „bluesky“. Wir kaufen eine SIM Karte samt 10 GB Datenvolumen für umgerechnet 16 Euro und können nun wieder am virtuellen gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Auf dem Fischmarkt sehen wir uns die großen Thunfische an und die Fischkutter mit ihren Langleinen, wir werfen einen Blick in die Kathedrale, befühlen Stoffe in einem Stoffladen, kaufen Briefmarken bei der Post und kommen am Uhrenturm, berühmten Hotels und Regierungsgebäuden vorbei. Es herrscht fröhliches Gewusel und entspannte Geschäftstätigkeit. Essensstände, Flohmarkt, Taxifahrer auf der Suche nach Kunden und unglaublich viele Kinder.
Mann trägt Rock. Das fällt sofort ins Auge. Der Lava-Lava ist nicht nur Teil der Polizeiuniform, er wird zum Oberhemd im Büro getragen oder leger als Freizeitkleidung, in die Kirche, zum Wandern und er ist Teil der Schuluniform. Meist handelt es sich um einen traditionellen Wickelrock in dunklen Farben, aber auch knallbunte Exemplare oder Varianten mit Cargo-Taschen werden getragen. Ich finde es stylisch und bei diesen Temperaturen ist ein Rock sehr angenehm. Es ist so heiß wie so lange nicht mehr, Gedanken an Tee mit Rum wie noch in Raiatea kommen hier nicht auf.
Die Menschen sind unglaublich freundlich und kontaktfreudig. So erfahren wir, dass Apia ein neues Parlamentsgebäude hat, wo das Gericht ist und dass am Mittwoch die Landwirtschaftsausstellung beginnt. Englisch ist zweite Amtssprache, das erleichtert die Verständigung. Nach einem ausgesprochen leckeren Mittagessen, Poission Cru (roher Fisch in Kokosmilch und Zitronensaft) heißt hier Oka, machen wir uns auf den Weg zurück zum Boot.

Samoa ist ein kleines Land, über das man wenig weiß. Deshalb gibt es hier ein paar Eckdaten. Samoa ist 2830 km² klein (Deutschland ist 123 mal so groß) und verteilt sich auf zwei größere Inseln, Upolu und Savai`i und acht kleinere Inseln von denen nur 3 bewohnt sind. Die meisten der 196000 Menschen leben auf Upolu, knapp 40000 davon in der Hauptstadt Apia. Die Bevölkerung Samoas ist sehr jung, 38 % sind unter 15 Jahre alt. Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt jetzt bei 78,5 (Frauen) bzw. 72,3 Jahren (Männer). Zum Vergleich, wir Deutschen haben eine Lebenserwartung von 83,4 bzw. 78,7 Jahren. Neben der schlechteren medizinischen Versorgung dürfte dafür auch der nicht unbedingt gesunde Lebensstil sorgen, 47 % der Erwachsenen Samoaner müssen als Fettleibig gelten, in Deutschland sind es etwa halb so viele.
Die Währung heißt Tala, sehr leicht zu merken, und die Geldscheine sind wunderschön bunt. Im Moment sind drei Tala einen Euro wert. Der Tourismus wird langsam die wichtigste Einnahmequelle, exportiert werden Fisch und Bier. Es gibt nur wenig Industrie auf den Inseln, Samoa lebt nicht zuletzt von den vielen im Ausland lebenden Samoanern und der Entwicklungshilfe. Die Annäherung an die Geldgeber (Neuseeland, Australien, China und Japan) erfolgt auf zum Teil skurrilem Wege. Nicht nur, dass man über die Datumgrenze gehüpft ist, 2009 wurde auch der Linksverkehr eingeführt um den Import von Autos aus Neuseeland, Australien und Japan zu fördern, zuvor wurden vor allem Autos aus den USA eingeführt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf entspricht mit 5500 Dollar einem Zehntel des Deutschen.

Samoa wurde etwa 1000 v. Chr. besiedelt. Die ersten Europäer erreichten Samoa 1722 und seit 1830 wurden die Samoaner sehr erfolgreich missioniert. 1857 eröffnete ein Hamburger Kaufmann in Apia eine Niederlassung seines Handelshauses. In den folgenden Jahren stritten die USA, Großbritannien und Deutschland um die Macht. Schließlich wurde die Inselgruppe in Amerikanisch Samoa und Deutsch Samoa geteilt. Zu Beginn des ersten Weltkriegs besetzte Neuseeland Samoa und erhielt es später als Treuhandgebiet. 1962 wurde West-Samoa als erstes kolonialisiertes Land Polynesiens wieder unabhängig. 1963 wurde der Präsident als Staatsoberhaupt auf Lebenszeit gewählt, seit 2007 wird das Staatsoberhaupt nur noch für eine Periode von 5-Jahren gewählt. 1997 wurde der Name von West-Samoa in Samoa geändert.
Ihr seht, wir sind in einer deutschen Ex-Kolonie. Für Engländer oder Franzosen auf Weltumsegelung mag das der Normalzustand sein, für uns ist das ungewöhnlich. An der Uferstraße gibt es ein Denkmal, das die Stelle markiert an der 1900 die deutsche Flagge gehisst wurde.
Die vielen Zahlen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern auf der Seite des Statistischen Bundesamtes nachgesehen bzw. bei Wikipedia und im Reiseführer geklaut.

In den nächsten Tagen interessieren uns vor allem die Dinge, die das Statistische Bundesamt nicht erfasst. Wir haben bereits festgestellt, dass die Samoaner unglaublich freundlich und fröhlich sind. Es wird viel und laut gelacht. Außerdem ist uns sofort aufgefallen, dass es vergleichsweise sauber ist. Überall lesen wir „no plastics“, „bring your own straw“ oder „keep our oceans clean“. Seit 30. Januar sind Plastiktüten verboten. Nein, ein Plastiktütenverbot in Samoa wird den Planet nicht retten, aber wir finden es gut, dass die junge Bevölkerung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur erzogen wird. Der Stadtberg wurde mit Bäumen aus einem „reduce your CO2 footprint“ Projekt bepflanzt, so soll man z.B. für jeden Flug nach Neuseeland 6 Bäume spenden und damit die CO2 Bilanz kompensieren. Wenn ich dann allerdings in der Zeitung lese, dass die Leichtathletik-WM in einem Wüstenstaat im klimatisierten Stadion stattfindet… so viele Bäume kann Samoa gar nicht pflanzen.

Angekommen in Apia, Samoa – hier beginnt der Rückweg

Anstrengende Segeltage liegen hinter uns. Nachdem wir uns entschieden hatten Suwarrow nicht anzulaufen, kämpften wir zunächst zwei Tage mit recht wenig Wind. An Bord war es gemütlich, mich haben nur die vielen Gewitter gestört, die zum Glück jedoch nie in unsere Nähe kamen.
Doch Montagabend kam der versprochene Wind, inklusive zunehmend hoher Wellen. Es ist unheimlich. Die Nacht um mich herum ist tiefschwarz, die heranrollenden Wellen kann ich nicht sehen, nur hören. Ab und zu sehe ich im Schein des Hecklichts, wie das Wasser von den brechenden Kämmen weggerissen wird. Erst hypnotisiere ich die Windanzeige, doch das bringt ja nichts und Mari scheint es völlig egal zu sein ob wir nun sieben oder acht Windstärken haben. Ab und zu schüttelt eine kräftige Böe das Rigg, doch Mari segelt völlig unbeirrt nach Westen.
Jetzt sind wir froh, dass wir am Morgen von der Genua auf die Fock gewechselt haben. Unsere Genua ist schon ziemlich alt und schon öfter haben wir gedacht, dass sie es wohl nicht mehr lange macht, doch seit Panama ist sie ununterbrochen im Einsatz. Morgens hatte ich eine offene Naht im Unterliek entdeckt und uns war klar, dass das Segel eine Nacht mit starken Wind wohl nicht überleben würde. Außerdem steht die Fock wesentlich besser als die Genua, so dass wir sie lieber segeln wenn wir damit rechnen kreuzen zu müssen, oder wenn wir das Segel teilweise eingerollt haben. Also haben wir die Genua komplett ausgewickelt, runtergenommen, durchs Vorluk ins Schiff gestopft, die Fock hochgezogen und die Genua unter Deck zusammen gelegt. Das Ganze ging viel schneller als befürchtet und erstaunlicherweise ohne größere Mengen Wasser ins Schiff zubringen. Nachmittags haben wir vorsichtshalber unser Bimini weggenommen, Sonne vor der es uns schützen konnte gab es ohnehin nicht.
Der Wind bleibt uns den ganzen Dienstag erhalten, doch nun kommt auch noch Regen hinzu. Unglaubliche Wassermassen stürzen stundenlang vom Himmel. Die Sicht beträgt vielleicht zwanzig Meter. Die Wellen erreichen jetzt ihr Maximum. Signifikante Wellenhöhe vier bis fünf Meter. Zum Glück sind Wellen schön lang, da macht das nichts. Nur ab und zu kommt ein deutlich höherer Brecher heran gerauscht und versucht uns zur Seite zu schubsen. Es ist mühsam, der beste Platz unter Deck ist die Lee-Koje (d.h. die tiefer gelegene Seite), doch erstens passt da nur einer rein und außerdem ist es heiß unter Deck. Bei dem Versuch auch einen gemütlichen Platz zu ergattern wird Nobbi von der Luv-Bank geschleudert. Die Maststütze stoppt ihn, eine Platzwunde am Kopf ist die Folge. Mein Angebot die Wunde zu nähen lehnt der glücklicherweise ab, das wäre was geworden in dieser Achterbahn. Es blutet nicht sehr und nach einem Erholungsschläfchen ist Nobbi wieder fit.
Mittwochmorgen nimmt der Wind ab, wir feiern das mit Pfannkuchen zum Frühstück. Im Laufe des Tages nimmt der Wind so weit ab, dass wir beginnen zu rechnen, ab wann wir motoren müssten um noch am Donnerstag anzukommen. Nobbi übergibt mir gestern Morgen (Donnerstag) um vier die Wache und berichte von einer sehr entspannten Wache, er habe gelesen und Sterne angeguckt, leider seien wir sehr langsam. Gerade habe ich es mir mit Musik, Buch und Gummibärchen im Cockpit gemütlich gemacht, da beginnt ein leichter Sprühregen. Für mich fällt die gemütliche Lesestunde aus. Auf dem Sprühregen folgt ein Gewitter, dann ein heftiger Schauer, Böen mit sieben Windstärken fordern mich auf die Fock einzurollen, dann dreht der Wind … so geht es immer weiter. Trotzdem, als Nobbi gute drei Stunden später aufwacht bin ich zufrieden. Wir segeln wieder mit fünf bis sechs Knoten, ich hatte Delfinbegleitung und ich habe Samoa bereits gesehen (und mir für die Sichtung Belohnungsschokolade zugesprochen, die ich sogleich verspeist habe).
Die Einfahrt nach Apia ist einfach. Apia Port Control meldet sich schließlich doch noch. Nachdem wir sie etliche Male gerufen hatten und sich nie jemand gemeldet hatte, bekommen wir die Erlaubnis direkt in die Marina zu fahren. Wir dürfen nicht von Bord bis „Health“ und „Customs“ da waren. Der junge Mann von der Gesundheitsbehörde fragt nur, ob wir gesund sind, wir füllen ein Formblatt aus und dürfen die gelbe Flagge runternehmen. Die Herren vom Zoll sind tiefenentspannt, lassen uns zwei Seiten ausfüllen und empfehlen das lokale Bier. Das war schon alles.
Die Marina ist sehr übersichtlich. Einer der beide Stege ist zerstört und es wirkt nicht, als würde er in näherer Zukunft wieder aufgebaut. Am anderen liegen derzeit drei bewohnte Fahrtenschiffe (eins davon ist Mari), zwei unbewohnte Boote und ein paar Fischer. In der Bucht ankern zwei weitere Segler. Es gibt Strom und Wasser auf dem Steg und eine rustikale Dusche auf der anderen Seite des Hafenbeckens. All-you-can-shower, das war toll heute Morgen!

Wir sind angekommen auf der anderen Seite der Erde von jetzt an sind wir auf dem Rückweg. Lesum liegt ungefähr auf dem 8. Längengrad (Ost), auf dieser Seite heißt dieser Längengrad 172 Grad West und führt durch Samoa. (Für Haarspalter: Lesum liegt auf 8,6 Grad Ost und Apia auf 171, 7 Grad West…). Besucher des Klimahauses Bremerhaven wissen das alles, schließlich haben sie diesen Längengrad dort bereist. (Ihr seht ich werde nicht müde einen Bremerhaven-Besuch zu empfehlen). In den nächsten Tagen werden wir herausfinden, ob Samoa tatsächlich so aussieht wie das Samoa im Klimahaus.

Übrigens wir sind euch nun voraus. Vom Gestern ins Morgen. Oder die Letzten werden die Ersten sein. Wir haben die Uhr nicht nur eine Stunde zurückgestellt, sondern auch einen Tag vor. Den Sonntag haben wir einfach ausgelassen. Die Sache mit der Datumsgrenze ist eigentlich ganz einfach, erst wenn man genauer darüber nachdenkt wird es kompliziert. Von Greenwich geht es in beide Richtungen 12 Stunden. Nach Westen UTC -1, -2, -3,… nach Osten UTC +1, +2, +3 und bei +12 ist die Datumsgrenze. Sollte man denken. Wir sind jetzt in der schönen Zeitzone UTC +13. Aus politischen Gründen möchte Samoa auf der neuseeländischen Seite der Datumsgrenze sein. Bei den Nachbarn in Amerikanisch Samoa ist heute gestern. Dort gilt UTC -11. Dort ist es gleich spät, aber eben gestern. Um das Ganze noch ein bisschen interessanter zu gestalten beginnt die Sommerzeit am Wochenende, das ist dann UTC +14 und entspricht Tahiti-Zeit. Nur eben einen Tag weiter. Verrückt.