Wanderung von Okiato nach Russell

Nachdem uns schlechtes Wetter am Sonntag an Bord festgehalten hatte und wir den Montag mit einem Ausflug mit Mari in die Marina, um den Wassertank zu füllen, Wäsche waschen, Magnum Pfefferminz und anderen Nichtigkeiten um die Ecke gebracht hatten, wurde es dringend Zeit für ein wenig Abwechslung.
Am Dienstag stellen wir uns den Wecker, ausnahmsweise haben wir einen Zeitplan. Als wir aufstehen ist der Nebel so dicht, dass wir den Hafen nicht sehen können. Wir fahren trotzdem mit dem Schlauchboot dorthin. Weil es so kalt ist, lassen wir die Regenhosen zunächst an und laufen zur Fähre, die uns nach Okiato übersetzt. Die Fährpreise haben sich verdoppelt, aber mit zwei Dollar pro Person ist die Fahrt trotzdem weiterhin erschwinglich. Von Okiato laufen wir nach Russell. Diese Wanderung hatten wir im Sommer, bevor wir Neuseeland verlassen haben, schon gemacht und sie hatte uns gefallen.
Die Stimmung ist wunderschön. Erste Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Nebel, der über dem ursprünglichen Wald liegt. Ich mag diese Vegetation, die uns so vertraut vorkommt. Viele Pflanzen kennen wir aus den heimischen Wäldern und dazwischen die uns fremden Bäume und die viele Baumfarne, bei denen ich immer an Dinosaurier denke.
Wir sind froh, dass wir ausnahmsweise früher losgekommen sind als geplant. Der Weg ist durch den Regen der vorangegangenen Tage sehr rutschig und wir müssen auf jeden Schritt achten. Schließlich kommt die Sonne durch und es wird richtig warm. Wir wandern im T-Shirt und freuen uns über die vielen Vögel, die auch in Frühlingsstimmung sind.
Eigentlich wollten wir noch etwas Zeit in Russell verbringen, der kleine Ort ist sehr sympathisch und hat einige kleine nette Läden, doch die Zeit bis die Fähre fährt wird etwas knapp. Das macht nichts, in Russel sind heute ohnehin fast alle Läden geschlossen, sogar der Supermarkt – Stromausfall!
Als wir mit der kleinen Fähre nach Paihia übersetzten, türmen sich dunkle Wolken auf und es wird kühl. In Paihia essen wir noch etwas und kaufen ein, bevor wir mit dem Bus zurück nach Opua fahren. Kaum sitzen wir im Bus, beginnt es zu regnen. Im strömenden Regen laufen wir zum Marina Büro und von dort zum Dinghy-Steg. Nun folgt ein Langfahrt-Klassiker. Wir wollen mit unseren Einkäufen schnell zurück an Bord fahren, doch der Außenborder springt nicht an. Schließlich baut Nobbi im strömenden Regen die Zündkerze aus, pustet sie trocken, ruckelt am Kerzenstecker. Der Motor springt an uns wir tuckern zurück zu Mari. Die Aktion hat uns über eine Stunde im heftigen Regen gekostet. Wir legen uns trocken und während wir uns mit heißem Tee aufwärmen, hört es auf zu regnen. Die Wanderung war wieder sehr schön, aber die ausgiebige Dusche danach wäre nicht unbedingt nötig gewesen.

Großsegel, Wanderungen und Wetter

Gerade als wir das den Blick über die Ankerbucht von Motuarohia vom Aussichtspunkt genossen, kam eine Nachricht vom Segelmacher, wir sollen das Segel so schnell wie möglich vorbeibringen. Also fahren wir am nächsten Tag (am Mittwoch) zurück nach Opua. Während ich steuere schlägt Nobbi das Segel ab und bindet es zu einer langen Wurst zusammen. Wir machen einen kurzen Zwischenstopp in der Marina und tragen das Segel zum Segelmacher. Das ist definitiv ein Vorteil bei einem kleineren Boot, wir können unser Segel zu zweit gut transportieren.
Wir waren ziemlich enttäuscht, dass das neue Segel nicht gut passte und hatten wenig Hoffnung, dass wir da noch etwas ändern können. Das Segel hatten wir 2019 bestellt, 2020 bezahlt und jetzt eben erst abholen können. So waren wir positiv überrascht, dass der Segelmacher sich Montagmorgen von Nobbi mit dem Schlauchboot abholen und zu Mari an der Boje bringen ließ. Er sah sich das Problem an und versprach unser Segel zu ändern.
Freitagmittag können wir es wieder abholen und Nobbi bringt es mit dem Dinghi zurück zu Mari. Die Segellatten binden wir am Schlauchboot fest, die zu versenken wäre sehr ärgerlich. Abends schlagen wir das geänderte Segel an. Es sitzt nicht perfekt, aber viel besser als vorher. So nimmt die Großsegelgeschichte ein viel besseres Ende als wir zu hoffen gewagt hatten. Mal sehen wie es sich auf den nächsten Meilen schlägt.
Die Wartezeit verbringen wir mit kleinen Wanderungen. Am Donnerstag suchen wir in Paihia erfolglos nach einem Frisör für Nobbi und laufen dann nach Waitangi, essen im Café, füllen unseren Benzinkanister und kaufen etwas Obst. Am Freitag geht es bei schönem Frühlingswetter nochmal die Omorahoe Road entlang in den Wald, diesmal kehren wir aber um und machen nicht wieder die lange Tour über Paihia. Am Samstag ist es meist grau, der Küstenwanderweg ist trotzdem schön und am Aussichtspunkt wurden die Bäume beschnitten, so dass es dort auch wieder eine Aussicht gibt.
Da unser Segel nun wieder an Bord ist sind wir bereit Neuseeland zu verlassen. Nun warten wir passendes Segelwetter. Bis gestern Abend sah es aus, als könnten wir uns Mitte der Woche auf den Weg machen. Seit heute Morgen beschleicht uns das Gefühl, dass wir wohl noch mindestens zehn Tage in Neuseeland bleiben werden. Das Gefühl entspringt einem Blick auf die Wettervorhersage, doch da kann sich noch einiges ändern. Es bleibt spannend.

Landgang auf Motuarohia

Anfang der Woche versprach der Wetterbericht ruhiges Wetter. Uns zieht es wieder raus in die Bucht, wir wollen unseren Wassermacher wieder in Betrieb nehmen und freuen uns auf eine Auszeit am Anker. Unter der Woche sind nur wenige Boote unterwegs, auch wenn die Touristensaison ganz langsam anläuft. Ein Tourboot überholt uns und ein Boot zieht zwei Leute an einem Fallschirm in großen Kreisen durch die Bucht vor Paihia.
Der Wassermacher bekommt neue Filter und nimmt seinen Dienst auf. Das produzierte Wasser wird zunächst verworfen, so wird zunächst die Membran gesäubert. Bevor wir Mari 2020 in Neuseeland zurückgelassen haben, haben wir die Membran konserviert. Als wir das Wasser schließlich probieren sind wir überrascht, dass es wirklich gut schmeckt. Anscheinend hat der Wassermacher unsere Abwesenheit gut überstanden, mal sehen ob es bei diesem Urteil bleibt.
Wir lassen den Anker auf der Südseite von Motuarohia fallen, in der gleichen Bucht wie beim letzten Mal. Unser Schlauchboot bringt uns an den langen Sandstrand. Auf der Nordseite der Insel gibt es große natürliche Becken, die bei Hochwasser volllaufen und es gibt einen gut ausgebauten Weg zu einem schönen Aussichtspunkt. Im Sommer ist hier sicherlich viel los, jetzt sitzen wir alleine auf der Holzfläche und genießen den fantastischen Ausblick.
Die Insel ist nicht nur ein touristisches Highlight, sondern hat auch eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Liebevolle Hinweisschilder erklären, dass James Cook 1769 mit seiner Endeavour südlich der Insel geankert hat und hier auf 200 Maori traf.
Die Tierwelt verwöhnt uns, vom Aussichtspunkt sehen wir einen Seebären, der im flachen Wasser spielt und abends können wir lange eine Gruppe Delfine beobachten die ihr Abendbrot jagt.

Ein Sonntagsspaziergang

Es wird Zeit, dass wir uns mal wieder ausgiebig bewegen. Für Sonntag ist viel Wind bei freundlichem Wetter angesagt. Gute Bedingungen für einen Wandertag.
Für die Fahrt im Dinghi ziehen wir unsere Regenhosen über und packen die Wanderschuhe in den Rucksack. Natürlich kommt der Wind genau dort her wo wir hin wollen. Jede fünfte Welle sprüht uns nass. Am Steg angekommen legen wir uns trocken, schnüren die Wanderschuhe und laufen los. Ein konkretes Ziel haben wir nicht. Den Opua Bush Walk kennen wir noch nicht, wir wollen uns den Weg mal ansehen. Zuerst geht es den Berg rauf und über die Landstraße in die kleine Nebenstraße Omorahoe Rd. Die Bebauung wird schnell dünner und die Häuschen immer hübscher, die Straße wird schmaler und ist bald nur noch geschottert. Es läuft sich super und nach gut einer Stunde erreichen wir den Abzweig des Wanderwegs durch den Wald nach Paihia. Auf dem Schild steht, dass der Weg sechs Kilometer lang ist und man zwei Stunden vierzig Minuten braucht. Das erscheint uns lang. Wir beschließen loszulaufen und nach einer halben Stunde zusehen wie weit wir gekommen sind. Nun geht es ordentlich hoch und runter, zum Teil über Stufen und matschige Hänge. Wir sind nicht mehr ganz so zuversichtlich und schnaufen ganz schön. Aber der Weg ist auch sehr schön, er folgt dem Rücken der Hügelkette. Hier oben pfeift der Wind und es ist ziemlich kühl, doch wir schwitzen trotzdem. Schließlich entscheiden wir, dass wir es nach Paihia schaffen, wo wir uns eine Mittagspause gönnen. Der Weg hat uns sehr gefallen. Es sollte allerdings wirklich nicht feuchter sein, dann ist es noch rutschiger.
Jetzt müssen wir ja noch wieder nach Hause. Gut eineinhalb Stunden braucht man auf dem sehr schönen Küstenwanderweg von Paihia nach Opua. Leider ist dieser Wanderweg an einer entscheidenden Stelle über den Kerikeri Creek gesperrt. So wechseln wir für den zweiten Teil der Strecke auf die Landstraße.
Als wir zurück am Hafen sind, legen wir eine Pause ein, bevor wir uns eine heiße Dusche gönnen. Wenn wir morgens überlegt hätten ob wir achtzehn Kilometer laufen wollen, hätten wir uns dagegen entschieden. Gut, dass wir das nicht durchdacht hatten, was hätten wir verpasst!

Endlich unter Segeln

Es ist windstill als wir heute Morgen die Boje loswerfen und mit ablaufenden Wasser losfahren. Und es ist frisch. Bei 12 Grad erinnern wir uns daran, dass wir im Mai auf der Ostsee meistens auch eine Mütze getragen haben. Also kommen bei mir Segelstiefel und Wollpulli zum Einsatz. Bald kommt die Sonne raus und später bekommen wir auch etwas Wind, so dass wir endlich mal wieder segeln. Das ist der erste Einsatz unseres neuen Segels. In Wirklichkeit passt das Segel nicht, darüber haben wir uns gestern sehr geärgert. Dem Ärger segeln wir jetzt davon. Es muss so gehen.
Auch der Anker möchte mal wieder zum Einsatz kommen. Mittags ankern wir in einer schönen Bucht mit klarem Wasser. Trotz des sonnigen Samstags sind nur wenige Boote unterwegs, es ist eben Winter und für hiesige Verhältnisse kühl. Wir freuen uns, dass wir die Bucht ganz für uns allein
haben und gehen baden. Das Bad fällt bei 15 Grad Wassertemperatur eher kurz aus, macht aber trotzdem glücklich. Nachmittags segeln wir zurück, der Wind frischt auf satte fünf Windstärken auf und die Boje ist schneller wieder erreicht als uns lieb ist.
Der Ausflug unter Segeln war dringend nötig. Die Stimmung an Bord konnte nach Sturm, Regen, Ärger, Enttäuschungen und wieder Regen gut eine Aufhellung gebrauchen. Außerdem haben wir das Boot mal ein wenig geschüttelt, alle Systeme haben funktioniert und wir konnten feststellen, dass wir noch segeln können und dass es nirgends so schön ist wie am Anker.

Segeln mit Mütze und Wollpulli…
… baden ohne Mütze
Ein schöner Ankerplatz vor Motuarohia
Ein schöner Tag geht zuende

Splash – Marisol schwimmt wieder

Gestern war der große Tag, endlich ging es zurück ins Wasser. Nachdem es am Donnerstag mal wieder wie aus Eimern gegossen hat, war es Freitagmorgen wunderbar sonnig. Zuerst ging es ins Büro, die Rechnung begleichen. Hier gilt no cash – no splash. Nur wer bezahlt hat wird wieder ins Wasser geschubst. Marisol wurde in die Gurte des Travellifts gehoben und Nobbi hat den kleinen Bereich, an dem zuvor die Stützen standen, gemalt. Während der Frühstückspause durfte die Farbe trocknen und dann wurde Mari wieder ihrem Element übergeben. Wundervoll unaufgeregt und sehr professionell. Wir sind nur die kurze Strecke zu unserem Liegeplatz in der Marina motort, wie schnell und manövrierfähig wir ohne unsere Muschelbank sind! Für eine Woche haben wir einen Platz am Steg reserviert. Es gibt noch einiges zu putzen und zu räumen, da ist das einfach praktischer. Nachmittags bin ich dann mit unserem Schlauchboot durch die Marina gerudert. Das Dinghy lag noch am Steg der Werft und sollte mit uns umziehen. Bei dem sonnigen Wetter hat es richtig Spaß gemacht, auch wenn sich das Schlauchboot nicht so wahnsinnig gut rudert.

Wir wurden mehrfach gefragt, warum wir so lange auf dem Trockenen standen. Das ist einfach, wir arbeiten zu langsam!
Es gab drei größere Baustellen: Unterwasserschiff, Rumpf und Borddurchlässe. Das Unterwasserschiff wurde geschliffen (das ist das einzige, das die Werft gemacht hat), wir haben einige rostige Stellen am Kiel freigelegt, mit Rostumwandler behandelt und mit Metallfarbe gemalt. Einige kleine Stellen wurden mit Epoxy gespachtelt und dann natürlich Antifouling gemalt.
Der Rumpf wurde gereinigt, poliert und gewachst. Das hört sich einfach an, insbesondere die Reinigung war diesmal aber unerfreulich, es galt Austern am Rumpf mit Essig aufzulösen. Und mit vielen Flecken müssen wir nun einfach erstmal leben. Und, es gab einen neuen gelben Streifen.
Sieben Borddurchlässe haben wir erneuert, außerdem gab es neue Ventile aus Kunststoff, die nicht so leicht korrodieren und viele neue Schläuche. Natürlich verhalten sich die neuen Schläuche anders als die alten und wollten sich nicht in den Schrank biegen lassen. Die neuen Ventile nehmen etwas mehr Platz weg als die alten, was auch wieder einige Anpassungen erforderte.

Mari wird mit allen Mittelchen bearbeitet, die sich in den Backskisten finden.
Die hartnäckigen Muschelreste bekommen Essigpflaster und werden in vielen Schritten langsam aufgeweicht.

Nebenher haben wir die Arbeiten am Mast erledigt, von denen ich neulich schon berichtet habe. Bei Regen haben wir viele Schränke aufgeräumt, nicht mehr benötigtes weggeworfen, uns gefreut was für tolles Werkzeug wir besitzen und verloren geglaubte Ersatzteile (wieder) gefunden. Wir haben alle Nahrungsmittel sortiert und festgestellt, dass wir nie wieder getrocknete Petersilie kaufen müssen. Außerdem gibt es unzählige Kleinigkeiten die erledigt werden wollen. Die Persennige, die während unserer Abwesenheit auf den Luken waren, sind gereinigt und imprägniert. Hier fehlt ein Bändsel, dort hat sich ein Klebeband gelöst und weshalb ist eigentlich die Antenne so schief?

Die Liste der anstehenden Arbeiten wird kontinuierlich länger, mal sehen wie wir vorankommen. Einige Punkte streichen sich auch selbst (zumindest vorübergehend) von der Liste. Der Tankgeber des Dieseltanks zeigte gestern plötzlich „voll“. Wir wissen, dass der Tank nicht voll ist. Nobbi hat den Motor heute noch mal gestartet und nach ein paar Minuten zeigte er wieder richtig an. Wenn sich alle Probleme so schnell erledigen würden!
Wir freuen uns darüber wieder zu schwimmen und feiern mit Tee mit Rum, das passt zu den sechs Grad, die uns für heute Nacht versprochen werden.

Regen

Das Wetter ist nicht auf unserer Seite. Vorletzte Woche war durchwachsen, die letzte dann noch schlimmer. Montag letzter Woche war es zwar trocken, den ganzen Tag wurde es nicht wärmer als 12 Grad, obwohl der Wetterbericht uns 17 Grad versprochen hatte. Am Dienstag regnete es vormittags leicht, nachmittags ergiebig. Mittwoch war es nachmittags zwei Stunden trocken und hat sonst geregnet. Am Donnerstag hat es fast durchgehend gegossen. Das war immer noch besser als Freitag. Da hat es gegossen und gestürmt.
Das Wochenende war trocken und am Samstag schien sogar den ganzen Tag die Sonne! Gestern hat es erst geregnet und dann wieder gegossen und gestürmt. Noch schlimmer als am Freitag. Die ganze Nacht hat das Schiff in den Böen vibriert und ich habe wenig geschlafen.

Das nasse Wetter wäre schon störend, wenn wir nicht an Land stehen würden. Während der Werftzeit ist es aber richtig doof. Wir haben ein wenig Zeitdruck und wir wollen schnell wieder ins Wasser, weil das Leben auf einem schwimmenden Schiff einfach schöner ist als das an Land. Viele Arbeiten können wir nur bei trockenem Wetter machen. Einige Dinge für die es eigentlich trocken sein sollte, machen wir unter suboptimalen Arbeitsbedingungen, zum Beispiel dichten wir die Püttinge im Regen ab. Alte Dichtungsmasse rauskratzen, einen Moment mit wenig Regen abpassen, den Arbeitsbereich trocken legen, neue Dichtungsmasse auftragen, Abdeckungen anschrauben. Nobbi lötet den Antennenstecker für die VHF-Antenne im Mast unterm Regenschirm und die Borddurchlässe im Motorraum montieren wir im Sturm, was besonders für den der draußen steht wenig lustig ist.
Oft ist es abends sternenklar, aber im Dunkeln nützt uns trockenes Wetter nichts. Ein Nachbar auf der Werft hat sein Antifouling spätabends im Flutlicht seiner Autoscheinwerfer gemalt. Das war die einzig trockene Phase bevor es für ihn wieder ins Wasser ging.
Manchmal waschen wir Wäsche, nur damit diese hinterher in den Trockner kann. Im Boot haben wir keine Chance die ganzen nassen Arbeitsklamotten, Lappen und Fußabtreter wieder trocken zu bekommen.
Das trockene Wochenende haben wir für einen Marathonarbeitseinsatz genutzt. Am Samstag wurde der Mast gestellt und wir haben Antifouling gemalt. Sonntag haben wir unser Rigg weitgehend zusammengebastelt, also Baum und Großsegel angeschlagen, Leinen sortiert und eingezogen. Und wir haben den Rumpf fertig poliert und begonnen zu wachsen. Bis es so dunkel wurde, dass wir nicht mehr gesehen haben wo wir schon waren.

Die Aussichten sind gar nicht so schlecht. In den nächsten Tagen wird es zwar nicht trocken bleiben, aber es ist weder Starkregen noch Sturm angesagt. Und wir sind trotz des bescheidenen Wetters gut vorangekommen, so dass Mari bald wieder ins Wasser darf.
Heute wollten wir eigentlich eine Wanderung machen. Entscheiden uns nach den schweren Regenfällen der Nacht aber dagegen und fahren mit dem Bus nach Kerikeri. Eine gute Idee, zum einen regnet es während der Busfahrt, zum anderen sehen wir überall die Überschwemmungen. Unseren Kaffee haben wir dann im strahlenden Sonnenschein auf einer Bank in Kerikeris Hauptstraße getrunken. Gar nicht schlecht dieses Neuseeland – sobald die Sonne scheint.

Und die Kiwis? Die mögen den Regen auch nicht. Die Schuhmode ist sehr pragmatisch, auch jenseits der Werft. Gummistiefel und Flipflops sind bei Regen üblich. Gummistiefel gehen auch hervorragend mit kurzen Hosen. Kinder laufen häufig auch im strömenden Regen bei 12 Grad barfuß. Die Läden bitten darum, dass man seine schlammigen Gummistiefel vor der Tür lässt. Und das wird dann auch gemacht. Im Vorraum der Bücherei standen drei Paar. Unser Radiosender berichtete, dass es im Juni nur zwei Tage ohne Regen gab. Hoffen wir, dass es im Juli mehr werden.

Mari ist wieder ein Segelboot

Wir haben unseren Mast zurück. Das ist ein gutes Gefühl. Damit sind wir dem Ende der Werftzeit ein ganzes Stück näher gekommen.

Als wir noch eine Wochenendbeziehung zu Mari gepflegt haben und sie die Winter in Norddeutschland in der Halle verbracht hat, haben wir jedes Jahr den Mast gelegt. Im Norden Deutschlands ist das ganz normal und wenn das Boot in die Halle soll, oder auf der Straße transportiert wird, gibt es auch keine Alternative. In den meisten anderen Segelgebieten bleiben die Masten stehen, wenn die Boote an Land gestellt werden. Das hat den Vorteil, dass man weniger Arbeit hat und weniger kaputt geht. Es gibt schon mal Schäden beim Legen oder Stellen der Masten (eher nicht am Mast, aber an den Drähten oder dem angebauten Getüddel) und sicherlich auch beim Lagern. Ein großer Nachteil ist, dass man vieles eben besser am liegenden Mast checken kann und einige Dinge sich am stehenden Mast nicht reparieren lassen.

Wir hatten einen Rigg-Check vom Profi machen lassen bevor wir Neuseeland 2019 verlassen haben, er war im Großen und Ganzen zufrieden, hatte aber neben einigen Kleinigkeiten ein gebrochenes Kardeel im Mittelwant gefunden. Wir haben alle Wanten getauscht, die meisten bevor wir abgefahren sind, das letzte jetzt nach unserer Rückkehr. Das können wir (auch dank der Maststufen) gut selbst machen. Aus Deutschland haben wir einen neuen Selden-Lümmelbeschlag mitgebracht. Das ist die Verbindung zwischen Mast und Baum. Der alte war schon etwas abgenutzt. Den haben wir ebenfalls selbst ersetzt. Wie gut, dass die Nietenzange mitkommen durfte. Somit waren wir mit unserem Rigg eigentlich ganz zufrieden und es stand nichts mehr auf der Arbeitsliste. Bis wir das neue Großsegel bekommen haben. Als es „anprobiert“ wurde und wir das neue Segel hochziehen wollten, hat Nobbi mit aller Kraft kurbeln müssen. Das ist nicht normal. Daraufhin war er im Mast und hat sich die Rolle angeschaut. Die wollte nicht mehr rollen. Auch wenn sie sich nach einer Kur mit Silikonspray am nächsten Tag wieder etwas kooperativer zeigte, beschlossen wir das Problem anzugehen.
Ursprünglich wollten wir schon in Panama den Mast legen, doch dort war es teurer den Mast zulegen als das Boot an Land zu stellen. Wir fanden das zu teuer, tauschten die Leinen, so dass das Großfall eine funktionierende Rolle hatte und verschoben die Baustelle.
Ihr ahnt es schon – hier ist es noch deutlich teurer als in Panama. Aber nun sollte es gemacht werden.

Letzten Dienstag kam Paul und hat unseren Mast gelegt, nachdem wir alles vorbereitet hatten. Wir haben also Großsegel und Baum abgeschlagen, die Achterstagen schon etwas gelöst, die Amateurfunkantenne abgebaut, alle Kabel getrennt und aus der Decksdurchführung gezogen und alle Leinen aus ihren Rollen gezogen und an den Mast gebunden. Das Mastlegen dauerte keine Stunde, obwohl unser Boot zu der Zeit schon an Land stand und ein Kran kommen musste. Es verlief super professionell und Boot und Mast wurden so gut behandelt, wie man es sich wünscht. Wenn der Rigger barfuß aber mit Helm in den Mast klettert, weiß man, dass man in Neuseeland ist.

Eigentlich wollten wir nur eine Rolle tauschen. Dafür musste der Topbeschlag vom Mast abgenommen werden. Also mussten wir alle Fallen ausscheren, 2 Nieten ausbohren, den Windex abschrauben, die UKW-Antenne abbauen, die Bolzen von Vor- und Achterstag ziehen, die Ankerlampe abbauen (und darin den eigentlichen Sockel mit der Birne) und schon konnten wir die vier Bolzen vom Top-Beschlag lösen. Während wir gewartet haben, dass die neuen Rollen kommen, haben wir ein wenig am Masttop gebastelt. Wir hatten einen viel zu langen Querträger oben im Top, den wir nun deutlich verkürzt haben. Die Halterung der UKW-Antenne ist nach innen gerutscht, hier durfte Nobbi wieder nieten, und der Stecker wurde neu angelötet. Alle Leinen wurden gewaschen und alle Beschläge, an die wir nicht vom Deck herankommen, haben wir poliert. Der Wechsel der Rollen war dann etwas fummelig aber schnell gemacht. Am Ende gab es noch ein neues Großfall, das neue ist etwas dünner als das alte. Nun sollte sich das neue Großsegel quasi von alleine setzen. Wir freuen uns darauf es auszuprobieren.
Noch steht der Mast etwas schief und ist leicht gebogen. Wenn Mari wieder im Wasser liegt kommt Paul nochmal vorbei und stellt ihn gerade hin.

Der Mast wird gelegt
Diese kleine Rolle macht den ganzen Ärger
Die sieht wirklich nicht mehr gut aus
Endlich, der Mast kommt wieder an Bord und Marisol ist wieder ein Segelboot!

Die Austern müssen ausziehen

Gestern haben wir einen Ausflug wiederholt, den wir letzte Woche Dienstag schon einmal so ähnlich unternommen haben. Mit dem Bus sind wir nach Paihia gefahren von dort sind wir nach Waitangi gelaufen. Während wir beim letzten Mal zwischendurch unsere Regenhosen übergezogen und uns zweimal untergestellten haben, war es heute trocken und der Weg fühlte sich kürzer an, so dass wir noch einige Abstecher gemacht haben und ein bisschen weiter gelaufen sind um den schönen Blick über die Bay of Islands vom Golfplatz aus zu genießen. Nach einem leckeren Mittagessen im Café ging es zurück nach Paihia. Hier erledigten wir unsere Einkäufe und hatten noch Zeit für einen wunderbaren Kaffee, bevor der Bus uns zurück nach Opua brachte.
Das letzte Mal hatte ich schon erzählt, dass dieser Bus nur zweimal die Woche fährt. Inzwischen haben wir gelernt, dass man gut beraten ist früher an der Haltestelle zu sein. Bisher ist er immer deutlich zu früh abgefahren, auf der Rückfahrt heute 9 Minuten vor dem Fahrplan. Bei der Seltenheit der Busverbindungen ist es ja doch eher ungünstig wenn man den Bus verpasst.

Seit einer Woche wohnen wir jetzt an Land. Wir sind nicht aus Mari ausgezogen, sondern mit ihr aufs Trockene. Das Leben an Bord ist etwas mühsam, wenn man immer die Leiter hoch und runter kraxeln muss. Viel nerviger ist allerdings die hohe Luftfeuchtigkeit. An manchen Tagen brauchen wir den ganzen Tag um das Kondenswasser der Nacht hinaus zu lüften. Mit unserem Stellplatz hatten wir Glück. Marisols Platz ist gut beleuchtet und nicht weit von den Toiletten, das ist wichtig. Teile der Werft gleichen nachts, also ab 18 Uhr, dann ist es stockdunkel, einem schwarzen Loch. Wenn Regen aufs Deck prasselt ist es besonders bitter, wenn man nachts mal raus muss. Aus dem warmen Bett schälen, eine Jacke über den Schlafanzug ziehen, ins Cockpit klettern, in die Crocs schlüpfen, den Niedergang wieder verschließen, die Leiter runtersteigen, über den Hof rennen, auf dem Rückweg das Ganze retour und am Ende die Füße beim Bettnachbar wieder aufwärmen.
Eigentlich passt es für uns hier super. Wir haben Wasser und Strom am Platz, ein mobiles Gerüst von dem wir bequem und sicher am Rumpf arbeiten können sowie einige Schiffshändler und Werkstätten in unmittelbarer Umgebung. Wenn die Tage länger wären und es nicht so häufig regnen würde, würden wir schneller vorankommen, aber das lässt sich nicht ändern.
Mari ist ihre Muschelbank losgeworden. Das war interessant, verschiedene Muscheln und Austern, Krebse, merkwürdige Würmer, Seepocken und viele andere Meeresbewohner haben ihre Heimat verloren. Im Unterwasserbereich war es recht einfach die Reste abzukratzen, nachdem die Werft mittels „Water Blast“ d.h. starkem Wasserstrahl die Hauptarbeit bereits erledigt hatte. Über der Wasserlinie jedoch halten uns die Bewuchsreste weiter auf Trab. Wir arbeiten wetterabhängig vor uns hin und sind froh über jede Baustelle, die wir abschließen können. Mal sehen, wann wir so weit sind, dass Mari wieder in ihr Lieblingselement zurück darf.
Gestern sind viele Boote die wir kennen in den Norden aufgebrochen und wir haben ihnen sehnsüchtig hinterher geschaut. Das Wetter für die nächsten Tage sieht vielversprechend aus. Wir wünschen ihnen eine gute Überfahrt und hoffen, dass wir in einigen Wochen auch ein schönes Wetterfenster finden um in den tropischen Norden zu segeln.

Das Land der langen grauen Wolke

Zusammenfassend kann man sagen, dass es recht nass ist. Vor allem von oben. Vorgestern hat es durchgehend geregnet, nur unterschiedlich stark. Gestern war es trocken und wir hatten Chance uns und das Schiff zu trocknen. Heute war es wieder ziemlich nass. Zum einen stört es, dass wir es kaum schaffen das nächtliche Schwitzwasser wegzulüften, zum anderen stört der Regen bei vielen der anstehenden Bootsarbeiten. Wir machen das Beste draus. Was sollen wir auch sonst tun? Immerhin schneit es hier nicht, wie auf der Südinsel, und das Wasser ist recht warm.

Letzten Dienstag waren wir mit dem Bus in Paihia zum Einkaufen. Der Bus fährt zweimal die Woche, späten Vormittag hin, dreieinhalb Stunden später zurück. In Paihia haben wir zunächst einen Abstecher zum Aussichtspunkt gemacht, der Weg führt durch einen schönen Wald und die Aussicht ist toll. Eine gute Stunde haben wir gebraucht und beschlossen, dass wir uns nach so viel Aktivität mit einer Pizza belohnen könnten. Neben einigen Lebensmitteln brauchten wir ganz dringend Benzin für den Außenborder. Es könnte schon sein, dass es offiziell nicht erlaubt ist mit einem 10l-Kanister unterm Arm in den Bus zu steigen. Nobbi hatte den Kanister in einer hübschen Einkaufstasche über die Schulter gehängt und ist damit in den ganz locker in den Bus gehüpft, so kamen keine Fragen auf.

Vor zweieinhalb Jahren hatten wir ein neues Großsegel bestellt. Wir hatten befürchtet, es könnte in der langen Zeit irgendwo verloren gegangen sein, doch als wir jetzt beim Segelmacher gefragt haben, ernteten wir ein fröhliches Gelächter „Ihr meint dieses Segel, das uns hier seit Ewigkeiten im Weg rumliegt?“. Am Donnerstag ist es an Bord gekommen und wir freuen uns darauf es endlich auszuprobieren.
Damit der Segelmacher das Segel an Bord bringen konnte, sind wir in die Marina umgezogen. Die Fahrt dorthin gestaltete sich als spannend. Für die 0,6 Meilen haben wir eine Stunde gebraucht. Der stark bewachsene Propeller hatte Mühe das Schiff mit seinen Austern und Muscheln gegen die Strömung voranzubringen. Wenn sich das Boot nur Zentimeterweise an den Dalben entlangschiebt, obwohl der Motor schon schwarz qualmt, dann zerrt das an den Nerven. Wir waren sehr froh, als wir in der Box angekommen waren, aber auch stolz es ohne fremde Hilfe geschafft zu haben. Allerdings haben wir uns entschlossen am Steg zu bleiben, bis wir Ende der Woche in die Werft gehen. So brauchen wir den Weg von der Boje in die Marina nicht nochmal zurückzulegen.
Am Samstag haben wir eine kleine Wanderung gemacht, obwohl es den ganzen Tag geregnet hat. Es hat gut getan sich zu bewegen und beugt dem Bootskoller vor. Außerdem gibt es immer etwas zu entdecken. Die HMNZS Wellington, ein Schiff der New Zealand Navy, liegt hier in Opua an der Holzpier. Wir freuen uns über die freundlichen Soldaten, die jeden Passanten grüßen und über den Kiwi am Schornstein. Irgendwie mutig, einen fast blinden, flugunfähigen Vogel auf ein Kriegsschiff zu malen. Mir gefällt’s! Zwischen Fähranleger und Laden badete ein Seebär, also kein neuseeländischer Segler, sondern eine kleine Robbe.

In Sachen Bootsarbeiten ist die Lage noch immer unübersichtlich. Wir sind froh, dass der Motor läuft, nachdem er eine neue Starterbatterie bekommen hat. Einiges haben wir schon erledigt, den Lümmelbeschlag ersetzt, den neue Bildschirm angebaut und ein Oberwant getauscht. Außerdem putzen, kontrollieren und waschen wir. Es gibt auch einige Verluste. Die Borduhr steht still, die Windanzeige zeigt zwar die Richtung, nicht aber die Windgeschwindigkeit und die Rolle vom Großfall will sich nicht drehen.
Morgen ist wieder Dienstag, wir nehmen wieder den Bus nach Paihia. Die Chance auf einen Tapetenwechsel!