Makogai und segeln in der Steinwüste

Der Sonntag beginnt früh. Um fünf klingelt der Wecker, um halb sechs lösen wir die Bojenleine. Über 50 Meilen liegen vor uns und wir wollen nachmittags bei hoch stehender Sonne ankommen. Für Fiji passt das Wort riffgespickt. Auf dem Übersegler sieht man die beiden großen und ein paar kleine Inseln, wählt man einen kleineren Maßstab stellt man fest, dass das Gebiet von Riffen durchzogen ist.
Zunächst müssen wir die Maschine mitlaufen lassen, doch dann können wir ein wenig abfallen und rauschen am Wind dahin. Segeln wie aus dem Bilderbuch. Nachdem Nobbi das Ruder erobert hat will er es nicht wieder hergeben.
Dann entdecken wir die Bimssteinfelder. Wir segeln durch große Teppiche aus kleinen Bimssteinen. Seit August sind diese Bimssteine unterwegs. Sie stammen von einem Vulkanausbruch in Tonga und treiben mit dem Wind in Richtung Australien. Einige australische Wissenschaftler hoffen, dass diese Bimssteine Fische und Algen in Tonga und Fiji einsammeln, sie zum Great Barrier Reef bringen und dieses neu beleben. Bis dahin machen die Steinchen den Seglern das Leben schwer. Zu Beginn war der Teppich bis zu 15 cm dick und riesig groß, wir haben nun kleinere Felder gesehen und auch nur noch eine Lage kleiner Steinchen dick, trotzdem waren wir froh, dass wir gesegelt sind, wir möchten das Zeug nicht in unserem Kühlkreislauf haben. Mal sehen, wo wir die Steinchen noch überall treffen.
Die Einfahrt nach Makogai ist spannend. Sie ist nicht besonders eng, aber die Strömung setzt quer zur Einfahrt und sie ist nicht gekennzeichnet, keine Tonnen, keine Peillinie. Zum Glück ist das Wetter gut und wir sehen das Riff türkis leuchten. Außerdem haben wir einen Track von anderen Seglern, eine gute Hilfe.
Makogai ist eine hohe grüne Insel, mit schwarze Felsen und weißer Sandstrand. Der Ankerplatz gefällt uns. Wir baden ausgiebig und fallen früh ins Bett.
Am nächsten Morgen gehen wir an Land. Wenn wir irgendwo abseits der Häfen oder großen Orte an Land gehen, fragen wir die Menschen ob wir unser Dinghi dort parken dürfen oder am Strand herumlaufen dürfen. In Fiji gibt es ein spezielles Prozedere. Man macht Sevusevu wenn man vor einem traditionellen Dorf ankert. Man fragt nach dem Chief und überreicht ein Bündel Kavawurzeln. Diese Wurzeln haben wir in Savusavu auf dem Markt gekauft. Manchmal wird Kava zubereitet und gemeinsam, mit einem festgelegten Ritual, getrunken. Kava ist ein berühmt berüchtigtes, berauschendes Getränk, das aus den Wurzeln des Kavastrauchs (Piper methysticum) hergestellt wird. Kava wird auch auf in den anderen Inselstaaten getrunken, zum Beispiel in Samoa, doch die Tradition des Sevusevu gibt es in dieser Form nur in Fiji. Hier in Makogai hatten wir das Gefühl, dass die Übergabe der Kavawurzeln nicht unbedingt erwartet wurde, sie sich aber sehr darüber gefreut haben.
Besonders die Kinder freuen sich über unseren Besuch. Die Schulkinder sind morgens mit dem Boot auf die andere Seite der Insel zur Schule gebracht worden, die kleinen Kinder sind begeistert, dass wir für Abwechslung sorgen. Ein Mann führt uns über die Insel, zeigt uns die Reste der Leprastation die von 1911 bis 1969 auf der Insel war und in der bis zu 4500 Menschen gelebt haben. Wir besuchen den alten Friedhof und erfahren viel über das heutige Leben auf der Insel. Auf dieser Seite der Insel leben sechs Familien, auf der anderen Seite neun. Der Zyklon Winston, der die Insel 2016 getroffen hat, hat nicht nur die meisten Häuser zerstört, auch viele Tiere sind gestorben. Inzwischen wurde alles wieder sehr schön aufgebaut. Am Strand sehen wir uns die Becken an in denen Riesenmuscheln und Schildkröten aufgezogen werden. Die Riesenmuscheln wurden in Fiji fast ausgerottet und sollen nun wieder eingeführt werden.
Mittags schnorcheln wir bis uns zu kalt wird. Sogar eine Schildkröte und ein Silberspitzenhai zeigen sich. Mir gefallen aber die vielen Clownfische, die immer wieder in ihrer Anemone verschwinden am besten.
Als wir ankamen, lagen noch zwei andere Boote in der Bucht. Eines ist morgens weitergefahren, die Crew des anderen Bootes treffen wir an Land und verabreden uns zum Kaffee. Wir verstehen uns gut, verbringen einen schönen Nachmittag zusammen und freuen uns, dass wir uns sicherlich in den nächsten Tagen wiedersehen, planen wir doch eine ähnliche Route.