Ein Sonntagsspaziergang

Es wird Zeit, dass wir uns mal wieder ausgiebig bewegen. Für Sonntag ist viel Wind bei freundlichem Wetter angesagt. Gute Bedingungen für einen Wandertag.
Für die Fahrt im Dinghi ziehen wir unsere Regenhosen über und packen die Wanderschuhe in den Rucksack. Natürlich kommt der Wind genau dort her wo wir hin wollen. Jede fünfte Welle sprüht uns nass. Am Steg angekommen legen wir uns trocken, schnüren die Wanderschuhe und laufen los. Ein konkretes Ziel haben wir nicht. Den Opua Bush Walk kennen wir noch nicht, wir wollen uns den Weg mal ansehen. Zuerst geht es den Berg rauf und über die Landstraße in die kleine Nebenstraße Omorahoe Rd. Die Bebauung wird schnell dünner und die Häuschen immer hübscher, die Straße wird schmaler und ist bald nur noch geschottert. Es läuft sich super und nach gut einer Stunde erreichen wir den Abzweig des Wanderwegs durch den Wald nach Paihia. Auf dem Schild steht, dass der Weg sechs Kilometer lang ist und man zwei Stunden vierzig Minuten braucht. Das erscheint uns lang. Wir beschließen loszulaufen und nach einer halben Stunde zusehen wie weit wir gekommen sind. Nun geht es ordentlich hoch und runter, zum Teil über Stufen und matschige Hänge. Wir sind nicht mehr ganz so zuversichtlich und schnaufen ganz schön. Aber der Weg ist auch sehr schön, er folgt dem Rücken der Hügelkette. Hier oben pfeift der Wind und es ist ziemlich kühl, doch wir schwitzen trotzdem. Schließlich entscheiden wir, dass wir es nach Paihia schaffen, wo wir uns eine Mittagspause gönnen. Der Weg hat uns sehr gefallen. Es sollte allerdings wirklich nicht feuchter sein, dann ist es noch rutschiger.
Jetzt müssen wir ja noch wieder nach Hause. Gut eineinhalb Stunden braucht man auf dem sehr schönen Küstenwanderweg von Paihia nach Opua. Leider ist dieser Wanderweg an einer entscheidenden Stelle über den Kerikeri Creek gesperrt. So wechseln wir für den zweiten Teil der Strecke auf die Landstraße.
Als wir zurück am Hafen sind, legen wir eine Pause ein, bevor wir uns eine heiße Dusche gönnen. Wenn wir morgens überlegt hätten ob wir achtzehn Kilometer laufen wollen, hätten wir uns dagegen entschieden. Gut, dass wir das nicht durchdacht hatten, was hätten wir verpasst!

Endlich unter Segeln

Es ist windstill als wir heute Morgen die Boje loswerfen und mit ablaufenden Wasser losfahren. Und es ist frisch. Bei 12 Grad erinnern wir uns daran, dass wir im Mai auf der Ostsee meistens auch eine Mütze getragen haben. Also kommen bei mir Segelstiefel und Wollpulli zum Einsatz. Bald kommt die Sonne raus und später bekommen wir auch etwas Wind, so dass wir endlich mal wieder segeln. Das ist der erste Einsatz unseres neuen Segels. In Wirklichkeit passt das Segel nicht, darüber haben wir uns gestern sehr geärgert. Dem Ärger segeln wir jetzt davon. Es muss so gehen.
Auch der Anker möchte mal wieder zum Einsatz kommen. Mittags ankern wir in einer schönen Bucht mit klarem Wasser. Trotz des sonnigen Samstags sind nur wenige Boote unterwegs, es ist eben Winter und für hiesige Verhältnisse kühl. Wir freuen uns, dass wir die Bucht ganz für uns allein
haben und gehen baden. Das Bad fällt bei 15 Grad Wassertemperatur eher kurz aus, macht aber trotzdem glücklich. Nachmittags segeln wir zurück, der Wind frischt auf satte fünf Windstärken auf und die Boje ist schneller wieder erreicht als uns lieb ist.
Der Ausflug unter Segeln war dringend nötig. Die Stimmung an Bord konnte nach Sturm, Regen, Ärger, Enttäuschungen und wieder Regen gut eine Aufhellung gebrauchen. Außerdem haben wir das Boot mal ein wenig geschüttelt, alle Systeme haben funktioniert und wir konnten feststellen, dass wir noch segeln können und dass es nirgends so schön ist wie am Anker.

Segeln mit Mütze und Wollpulli…
… baden ohne Mütze
Ein schöner Ankerplatz vor Motuarohia
Ein schöner Tag geht zuende

Splash – Marisol schwimmt wieder

Gestern war der große Tag, endlich ging es zurück ins Wasser. Nachdem es am Donnerstag mal wieder wie aus Eimern gegossen hat, war es Freitagmorgen wunderbar sonnig. Zuerst ging es ins Büro, die Rechnung begleichen. Hier gilt no cash – no splash. Nur wer bezahlt hat wird wieder ins Wasser geschubst. Marisol wurde in die Gurte des Travellifts gehoben und Nobbi hat den kleinen Bereich, an dem zuvor die Stützen standen, gemalt. Während der Frühstückspause durfte die Farbe trocknen und dann wurde Mari wieder ihrem Element übergeben. Wundervoll unaufgeregt und sehr professionell. Wir sind nur die kurze Strecke zu unserem Liegeplatz in der Marina motort, wie schnell und manövrierfähig wir ohne unsere Muschelbank sind! Für eine Woche haben wir einen Platz am Steg reserviert. Es gibt noch einiges zu putzen und zu räumen, da ist das einfach praktischer. Nachmittags bin ich dann mit unserem Schlauchboot durch die Marina gerudert. Das Dinghy lag noch am Steg der Werft und sollte mit uns umziehen. Bei dem sonnigen Wetter hat es richtig Spaß gemacht, auch wenn sich das Schlauchboot nicht so wahnsinnig gut rudert.

Wir wurden mehrfach gefragt, warum wir so lange auf dem Trockenen standen. Das ist einfach, wir arbeiten zu langsam!
Es gab drei größere Baustellen: Unterwasserschiff, Rumpf und Borddurchlässe. Das Unterwasserschiff wurde geschliffen (das ist das einzige, das die Werft gemacht hat), wir haben einige rostige Stellen am Kiel freigelegt, mit Rostumwandler behandelt und mit Metallfarbe gemalt. Einige kleine Stellen wurden mit Epoxy gespachtelt und dann natürlich Antifouling gemalt.
Der Rumpf wurde gereinigt, poliert und gewachst. Das hört sich einfach an, insbesondere die Reinigung war diesmal aber unerfreulich, es galt Austern am Rumpf mit Essig aufzulösen. Und mit vielen Flecken müssen wir nun einfach erstmal leben. Und, es gab einen neuen gelben Streifen.
Sieben Borddurchlässe haben wir erneuert, außerdem gab es neue Ventile aus Kunststoff, die nicht so leicht korrodieren und viele neue Schläuche. Natürlich verhalten sich die neuen Schläuche anders als die alten und wollten sich nicht in den Schrank biegen lassen. Die neuen Ventile nehmen etwas mehr Platz weg als die alten, was auch wieder einige Anpassungen erforderte.

Mari wird mit allen Mittelchen bearbeitet, die sich in den Backskisten finden.
Die hartnäckigen Muschelreste bekommen Essigpflaster und werden in vielen Schritten langsam aufgeweicht.

Nebenher haben wir die Arbeiten am Mast erledigt, von denen ich neulich schon berichtet habe. Bei Regen haben wir viele Schränke aufgeräumt, nicht mehr benötigtes weggeworfen, uns gefreut was für tolles Werkzeug wir besitzen und verloren geglaubte Ersatzteile (wieder) gefunden. Wir haben alle Nahrungsmittel sortiert und festgestellt, dass wir nie wieder getrocknete Petersilie kaufen müssen. Außerdem gibt es unzählige Kleinigkeiten die erledigt werden wollen. Die Persennige, die während unserer Abwesenheit auf den Luken waren, sind gereinigt und imprägniert. Hier fehlt ein Bändsel, dort hat sich ein Klebeband gelöst und weshalb ist eigentlich die Antenne so schief?

Die Liste der anstehenden Arbeiten wird kontinuierlich länger, mal sehen wie wir vorankommen. Einige Punkte streichen sich auch selbst (zumindest vorübergehend) von der Liste. Der Tankgeber des Dieseltanks zeigte gestern plötzlich „voll“. Wir wissen, dass der Tank nicht voll ist. Nobbi hat den Motor heute noch mal gestartet und nach ein paar Minuten zeigte er wieder richtig an. Wenn sich alle Probleme so schnell erledigen würden!
Wir freuen uns darüber wieder zu schwimmen und feiern mit Tee mit Rum, das passt zu den sechs Grad, die uns für heute Nacht versprochen werden.

Regen

Das Wetter ist nicht auf unserer Seite. Vorletzte Woche war durchwachsen, die letzte dann noch schlimmer. Montag letzter Woche war es zwar trocken, den ganzen Tag wurde es nicht wärmer als 12 Grad, obwohl der Wetterbericht uns 17 Grad versprochen hatte. Am Dienstag regnete es vormittags leicht, nachmittags ergiebig. Mittwoch war es nachmittags zwei Stunden trocken und hat sonst geregnet. Am Donnerstag hat es fast durchgehend gegossen. Das war immer noch besser als Freitag. Da hat es gegossen und gestürmt.
Das Wochenende war trocken und am Samstag schien sogar den ganzen Tag die Sonne! Gestern hat es erst geregnet und dann wieder gegossen und gestürmt. Noch schlimmer als am Freitag. Die ganze Nacht hat das Schiff in den Böen vibriert und ich habe wenig geschlafen.

Das nasse Wetter wäre schon störend, wenn wir nicht an Land stehen würden. Während der Werftzeit ist es aber richtig doof. Wir haben ein wenig Zeitdruck und wir wollen schnell wieder ins Wasser, weil das Leben auf einem schwimmenden Schiff einfach schöner ist als das an Land. Viele Arbeiten können wir nur bei trockenem Wetter machen. Einige Dinge für die es eigentlich trocken sein sollte, machen wir unter suboptimalen Arbeitsbedingungen, zum Beispiel dichten wir die Püttinge im Regen ab. Alte Dichtungsmasse rauskratzen, einen Moment mit wenig Regen abpassen, den Arbeitsbereich trocken legen, neue Dichtungsmasse auftragen, Abdeckungen anschrauben. Nobbi lötet den Antennenstecker für die VHF-Antenne im Mast unterm Regenschirm und die Borddurchlässe im Motorraum montieren wir im Sturm, was besonders für den der draußen steht wenig lustig ist.
Oft ist es abends sternenklar, aber im Dunkeln nützt uns trockenes Wetter nichts. Ein Nachbar auf der Werft hat sein Antifouling spätabends im Flutlicht seiner Autoscheinwerfer gemalt. Das war die einzig trockene Phase bevor es für ihn wieder ins Wasser ging.
Manchmal waschen wir Wäsche, nur damit diese hinterher in den Trockner kann. Im Boot haben wir keine Chance die ganzen nassen Arbeitsklamotten, Lappen und Fußabtreter wieder trocken zu bekommen.
Das trockene Wochenende haben wir für einen Marathonarbeitseinsatz genutzt. Am Samstag wurde der Mast gestellt und wir haben Antifouling gemalt. Sonntag haben wir unser Rigg weitgehend zusammengebastelt, also Baum und Großsegel angeschlagen, Leinen sortiert und eingezogen. Und wir haben den Rumpf fertig poliert und begonnen zu wachsen. Bis es so dunkel wurde, dass wir nicht mehr gesehen haben wo wir schon waren.

Die Aussichten sind gar nicht so schlecht. In den nächsten Tagen wird es zwar nicht trocken bleiben, aber es ist weder Starkregen noch Sturm angesagt. Und wir sind trotz des bescheidenen Wetters gut vorangekommen, so dass Mari bald wieder ins Wasser darf.
Heute wollten wir eigentlich eine Wanderung machen. Entscheiden uns nach den schweren Regenfällen der Nacht aber dagegen und fahren mit dem Bus nach Kerikeri. Eine gute Idee, zum einen regnet es während der Busfahrt, zum anderen sehen wir überall die Überschwemmungen. Unseren Kaffee haben wir dann im strahlenden Sonnenschein auf einer Bank in Kerikeris Hauptstraße getrunken. Gar nicht schlecht dieses Neuseeland – sobald die Sonne scheint.

Und die Kiwis? Die mögen den Regen auch nicht. Die Schuhmode ist sehr pragmatisch, auch jenseits der Werft. Gummistiefel und Flipflops sind bei Regen üblich. Gummistiefel gehen auch hervorragend mit kurzen Hosen. Kinder laufen häufig auch im strömenden Regen bei 12 Grad barfuß. Die Läden bitten darum, dass man seine schlammigen Gummistiefel vor der Tür lässt. Und das wird dann auch gemacht. Im Vorraum der Bücherei standen drei Paar. Unser Radiosender berichtete, dass es im Juni nur zwei Tage ohne Regen gab. Hoffen wir, dass es im Juli mehr werden.

Mari ist wieder ein Segelboot

Wir haben unseren Mast zurück. Das ist ein gutes Gefühl. Damit sind wir dem Ende der Werftzeit ein ganzes Stück näher gekommen.

Als wir noch eine Wochenendbeziehung zu Mari gepflegt haben und sie die Winter in Norddeutschland in der Halle verbracht hat, haben wir jedes Jahr den Mast gelegt. Im Norden Deutschlands ist das ganz normal und wenn das Boot in die Halle soll, oder auf der Straße transportiert wird, gibt es auch keine Alternative. In den meisten anderen Segelgebieten bleiben die Masten stehen, wenn die Boote an Land gestellt werden. Das hat den Vorteil, dass man weniger Arbeit hat und weniger kaputt geht. Es gibt schon mal Schäden beim Legen oder Stellen der Masten (eher nicht am Mast, aber an den Drähten oder dem angebauten Getüddel) und sicherlich auch beim Lagern. Ein großer Nachteil ist, dass man vieles eben besser am liegenden Mast checken kann und einige Dinge sich am stehenden Mast nicht reparieren lassen.

Wir hatten einen Rigg-Check vom Profi machen lassen bevor wir Neuseeland 2019 verlassen haben, er war im Großen und Ganzen zufrieden, hatte aber neben einigen Kleinigkeiten ein gebrochenes Kardeel im Mittelwant gefunden. Wir haben alle Wanten getauscht, die meisten bevor wir abgefahren sind, das letzte jetzt nach unserer Rückkehr. Das können wir (auch dank der Maststufen) gut selbst machen. Aus Deutschland haben wir einen neuen Selden-Lümmelbeschlag mitgebracht. Das ist die Verbindung zwischen Mast und Baum. Der alte war schon etwas abgenutzt. Den haben wir ebenfalls selbst ersetzt. Wie gut, dass die Nietenzange mitkommen durfte. Somit waren wir mit unserem Rigg eigentlich ganz zufrieden und es stand nichts mehr auf der Arbeitsliste. Bis wir das neue Großsegel bekommen haben. Als es „anprobiert“ wurde und wir das neue Segel hochziehen wollten, hat Nobbi mit aller Kraft kurbeln müssen. Das ist nicht normal. Daraufhin war er im Mast und hat sich die Rolle angeschaut. Die wollte nicht mehr rollen. Auch wenn sie sich nach einer Kur mit Silikonspray am nächsten Tag wieder etwas kooperativer zeigte, beschlossen wir das Problem anzugehen.
Ursprünglich wollten wir schon in Panama den Mast legen, doch dort war es teurer den Mast zulegen als das Boot an Land zu stellen. Wir fanden das zu teuer, tauschten die Leinen, so dass das Großfall eine funktionierende Rolle hatte und verschoben die Baustelle.
Ihr ahnt es schon – hier ist es noch deutlich teurer als in Panama. Aber nun sollte es gemacht werden.

Letzten Dienstag kam Paul und hat unseren Mast gelegt, nachdem wir alles vorbereitet hatten. Wir haben also Großsegel und Baum abgeschlagen, die Achterstagen schon etwas gelöst, die Amateurfunkantenne abgebaut, alle Kabel getrennt und aus der Decksdurchführung gezogen und alle Leinen aus ihren Rollen gezogen und an den Mast gebunden. Das Mastlegen dauerte keine Stunde, obwohl unser Boot zu der Zeit schon an Land stand und ein Kran kommen musste. Es verlief super professionell und Boot und Mast wurden so gut behandelt, wie man es sich wünscht. Wenn der Rigger barfuß aber mit Helm in den Mast klettert, weiß man, dass man in Neuseeland ist.

Eigentlich wollten wir nur eine Rolle tauschen. Dafür musste der Topbeschlag vom Mast abgenommen werden. Also mussten wir alle Fallen ausscheren, 2 Nieten ausbohren, den Windex abschrauben, die UKW-Antenne abbauen, die Bolzen von Vor- und Achterstag ziehen, die Ankerlampe abbauen (und darin den eigentlichen Sockel mit der Birne) und schon konnten wir die vier Bolzen vom Top-Beschlag lösen. Während wir gewartet haben, dass die neuen Rollen kommen, haben wir ein wenig am Masttop gebastelt. Wir hatten einen viel zu langen Querträger oben im Top, den wir nun deutlich verkürzt haben. Die Halterung der UKW-Antenne ist nach innen gerutscht, hier durfte Nobbi wieder nieten, und der Stecker wurde neu angelötet. Alle Leinen wurden gewaschen und alle Beschläge, an die wir nicht vom Deck herankommen, haben wir poliert. Der Wechsel der Rollen war dann etwas fummelig aber schnell gemacht. Am Ende gab es noch ein neues Großfall, das neue ist etwas dünner als das alte. Nun sollte sich das neue Großsegel quasi von alleine setzen. Wir freuen uns darauf es auszuprobieren.
Noch steht der Mast etwas schief und ist leicht gebogen. Wenn Mari wieder im Wasser liegt kommt Paul nochmal vorbei und stellt ihn gerade hin.

Der Mast wird gelegt
Diese kleine Rolle macht den ganzen Ärger
Die sieht wirklich nicht mehr gut aus
Endlich, der Mast kommt wieder an Bord und Marisol ist wieder ein Segelboot!

Die Austern müssen ausziehen

Gestern haben wir einen Ausflug wiederholt, den wir letzte Woche Dienstag schon einmal so ähnlich unternommen haben. Mit dem Bus sind wir nach Paihia gefahren von dort sind wir nach Waitangi gelaufen. Während wir beim letzten Mal zwischendurch unsere Regenhosen übergezogen und uns zweimal untergestellten haben, war es heute trocken und der Weg fühlte sich kürzer an, so dass wir noch einige Abstecher gemacht haben und ein bisschen weiter gelaufen sind um den schönen Blick über die Bay of Islands vom Golfplatz aus zu genießen. Nach einem leckeren Mittagessen im Café ging es zurück nach Paihia. Hier erledigten wir unsere Einkäufe und hatten noch Zeit für einen wunderbaren Kaffee, bevor der Bus uns zurück nach Opua brachte.
Das letzte Mal hatte ich schon erzählt, dass dieser Bus nur zweimal die Woche fährt. Inzwischen haben wir gelernt, dass man gut beraten ist früher an der Haltestelle zu sein. Bisher ist er immer deutlich zu früh abgefahren, auf der Rückfahrt heute 9 Minuten vor dem Fahrplan. Bei der Seltenheit der Busverbindungen ist es ja doch eher ungünstig wenn man den Bus verpasst.

Seit einer Woche wohnen wir jetzt an Land. Wir sind nicht aus Mari ausgezogen, sondern mit ihr aufs Trockene. Das Leben an Bord ist etwas mühsam, wenn man immer die Leiter hoch und runter kraxeln muss. Viel nerviger ist allerdings die hohe Luftfeuchtigkeit. An manchen Tagen brauchen wir den ganzen Tag um das Kondenswasser der Nacht hinaus zu lüften. Mit unserem Stellplatz hatten wir Glück. Marisols Platz ist gut beleuchtet und nicht weit von den Toiletten, das ist wichtig. Teile der Werft gleichen nachts, also ab 18 Uhr, dann ist es stockdunkel, einem schwarzen Loch. Wenn Regen aufs Deck prasselt ist es besonders bitter, wenn man nachts mal raus muss. Aus dem warmen Bett schälen, eine Jacke über den Schlafanzug ziehen, ins Cockpit klettern, in die Crocs schlüpfen, den Niedergang wieder verschließen, die Leiter runtersteigen, über den Hof rennen, auf dem Rückweg das Ganze retour und am Ende die Füße beim Bettnachbar wieder aufwärmen.
Eigentlich passt es für uns hier super. Wir haben Wasser und Strom am Platz, ein mobiles Gerüst von dem wir bequem und sicher am Rumpf arbeiten können sowie einige Schiffshändler und Werkstätten in unmittelbarer Umgebung. Wenn die Tage länger wären und es nicht so häufig regnen würde, würden wir schneller vorankommen, aber das lässt sich nicht ändern.
Mari ist ihre Muschelbank losgeworden. Das war interessant, verschiedene Muscheln und Austern, Krebse, merkwürdige Würmer, Seepocken und viele andere Meeresbewohner haben ihre Heimat verloren. Im Unterwasserbereich war es recht einfach die Reste abzukratzen, nachdem die Werft mittels „Water Blast“ d.h. starkem Wasserstrahl die Hauptarbeit bereits erledigt hatte. Über der Wasserlinie jedoch halten uns die Bewuchsreste weiter auf Trab. Wir arbeiten wetterabhängig vor uns hin und sind froh über jede Baustelle, die wir abschließen können. Mal sehen, wann wir so weit sind, dass Mari wieder in ihr Lieblingselement zurück darf.
Gestern sind viele Boote die wir kennen in den Norden aufgebrochen und wir haben ihnen sehnsüchtig hinterher geschaut. Das Wetter für die nächsten Tage sieht vielversprechend aus. Wir wünschen ihnen eine gute Überfahrt und hoffen, dass wir in einigen Wochen auch ein schönes Wetterfenster finden um in den tropischen Norden zu segeln.

Das Land der langen grauen Wolke

Zusammenfassend kann man sagen, dass es recht nass ist. Vor allem von oben. Vorgestern hat es durchgehend geregnet, nur unterschiedlich stark. Gestern war es trocken und wir hatten Chance uns und das Schiff zu trocknen. Heute war es wieder ziemlich nass. Zum einen stört es, dass wir es kaum schaffen das nächtliche Schwitzwasser wegzulüften, zum anderen stört der Regen bei vielen der anstehenden Bootsarbeiten. Wir machen das Beste draus. Was sollen wir auch sonst tun? Immerhin schneit es hier nicht, wie auf der Südinsel, und das Wasser ist recht warm.

Letzten Dienstag waren wir mit dem Bus in Paihia zum Einkaufen. Der Bus fährt zweimal die Woche, späten Vormittag hin, dreieinhalb Stunden später zurück. In Paihia haben wir zunächst einen Abstecher zum Aussichtspunkt gemacht, der Weg führt durch einen schönen Wald und die Aussicht ist toll. Eine gute Stunde haben wir gebraucht und beschlossen, dass wir uns nach so viel Aktivität mit einer Pizza belohnen könnten. Neben einigen Lebensmitteln brauchten wir ganz dringend Benzin für den Außenborder. Es könnte schon sein, dass es offiziell nicht erlaubt ist mit einem 10l-Kanister unterm Arm in den Bus zu steigen. Nobbi hatte den Kanister in einer hübschen Einkaufstasche über die Schulter gehängt und ist damit in den ganz locker in den Bus gehüpft, so kamen keine Fragen auf.

Vor zweieinhalb Jahren hatten wir ein neues Großsegel bestellt. Wir hatten befürchtet, es könnte in der langen Zeit irgendwo verloren gegangen sein, doch als wir jetzt beim Segelmacher gefragt haben, ernteten wir ein fröhliches Gelächter „Ihr meint dieses Segel, das uns hier seit Ewigkeiten im Weg rumliegt?“. Am Donnerstag ist es an Bord gekommen und wir freuen uns darauf es endlich auszuprobieren.
Damit der Segelmacher das Segel an Bord bringen konnte, sind wir in die Marina umgezogen. Die Fahrt dorthin gestaltete sich als spannend. Für die 0,6 Meilen haben wir eine Stunde gebraucht. Der stark bewachsene Propeller hatte Mühe das Schiff mit seinen Austern und Muscheln gegen die Strömung voranzubringen. Wenn sich das Boot nur Zentimeterweise an den Dalben entlangschiebt, obwohl der Motor schon schwarz qualmt, dann zerrt das an den Nerven. Wir waren sehr froh, als wir in der Box angekommen waren, aber auch stolz es ohne fremde Hilfe geschafft zu haben. Allerdings haben wir uns entschlossen am Steg zu bleiben, bis wir Ende der Woche in die Werft gehen. So brauchen wir den Weg von der Boje in die Marina nicht nochmal zurückzulegen.
Am Samstag haben wir eine kleine Wanderung gemacht, obwohl es den ganzen Tag geregnet hat. Es hat gut getan sich zu bewegen und beugt dem Bootskoller vor. Außerdem gibt es immer etwas zu entdecken. Die HMNZS Wellington, ein Schiff der New Zealand Navy, liegt hier in Opua an der Holzpier. Wir freuen uns über die freundlichen Soldaten, die jeden Passanten grüßen und über den Kiwi am Schornstein. Irgendwie mutig, einen fast blinden, flugunfähigen Vogel auf ein Kriegsschiff zu malen. Mir gefällt’s! Zwischen Fähranleger und Laden badete ein Seebär, also kein neuseeländischer Segler, sondern eine kleine Robbe.

In Sachen Bootsarbeiten ist die Lage noch immer unübersichtlich. Wir sind froh, dass der Motor läuft, nachdem er eine neue Starterbatterie bekommen hat. Einiges haben wir schon erledigt, den Lümmelbeschlag ersetzt, den neue Bildschirm angebaut und ein Oberwant getauscht. Außerdem putzen, kontrollieren und waschen wir. Es gibt auch einige Verluste. Die Borduhr steht still, die Windanzeige zeigt zwar die Richtung, nicht aber die Windgeschwindigkeit und die Rolle vom Großfall will sich nicht drehen.
Morgen ist wieder Dienstag, wir nehmen wieder den Bus nach Paihia. Die Chance auf einen Tapetenwechsel!

Letzte Tage in Bremen und die lange Anreise nach Opua

Die letzten Tage in Bremen sind viel zu schnell vergangen. Im Werderland ist es wunderschön. Der Kuckuck ruft, die Ponys haben Fohlen, der Deich blüht weiß, die Schwäne unternehmen Ausflüge mit ihren flauschigen Küken und nachts singt die Nachtigall. Unglaublich kitschig, unglaublich schön. Wir haben das Gefühl, wir sollen nicht vergessen wie schön es an unserem Landsitz ist. Noch ein Besuch im Rhododendronpark, noch einmal auf dem Rathausmarkt sitzen, noch eine Radtour im Teufelsmoor. Wir saugen noch etwas Bremen auf, wer weiß wann wir wiederkommen.

Kurz vor unserer Abreise segeln wir noch eine Woche auf der Ostsee. Mit unserem Segelverein Clipper verbringen wir eine tolle Woche mit netten Leuten und leider mit sehr wenig Wind in Dänemark. Die Amphitrite ist eine der ältesten noch segelnden Yachten der Welt und immer wieder fühlt es sich fantastisch an, dass wir Gelegenheit haben diese „Grand Old Lady“ zu segeln. Dieses schöne und stolze Schiff, das Knarren und Knarzen der alten Planken, das lautlose vorankommen und das Wissen, dass die Amphi das schon seit 1887 macht. Wer das auch mal erleben will, meldet sich einfach unter http://www.clipper-djs.org an. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Segeln hat viele spannende Facetten und Traditionssegeln ist eine besonders schöne. Zum Glück muss man sich nicht entscheiden. Wir bekommen einen akuten Anfall von Ostsee-Heimweh und uns wird einmal mehr klar, dass wir dringend zurück auf unser Boot müssen.

Schließlich stehen lauter letzte Treffen mit Freunden an, ein letztes gemeinsames Grillen, ein letzter Spaziergang, ein letztes Tee trinken, ein letzter Besuch in Hamburg, in Lüneburg. Über zwei Jahre haben wir damit gehadert unfreiwillig in Deutschland zu sein, nun fällt der Abschied doch schwer.

Die Reise nach Neuseeland verläuft letztlich problemlos, hat aber doch einige Blutdruck erhöhende Überraschungen bereit. Für Neuseeland brauchen wir kein Visa, müssen aber ein NZeTA beantragen, das ist quasi das Visa upon arrival. Das war ganz einfach und ging ganz schnell. Außerdem braucht man einen Traveller Pass, dafür muss man u.a. Impfbescheinigungen und Covid19 Testergebnis hochladen. Auch in Singapur muss man sich vorher anmelden, allerdings funktioniert die Anmeldung besser als in Neuseeland und man braucht keinen Test mehr.
Zunächst geht es nach Frankfurt. Unser Gepäck lässt auf sich warten. Am Frankfurter Flughafen fehlt es an Personal. Wir geben unsere Koffer erneut auf und machen uns auf den Weg in die City. Unser Aufenthalt ist so lang, dass wir genügend Zeit haben eine Freundin auf dem Fress-Gass Festival zu treffen. Wir sind allerdings etwas unruhig, hat der Automat uns doch Boardingpässe ausgedruckt auf denen „Standby“ steht, trotz fester Buchung. Wir bekommen schließlich unsere Plätze und schlafen gut auf dem Flug nach Singapur. Die Einreise nach Singapur funktioniert sensationell schnell, unkompliziert und sehr freundlich.

In Singapur verbringen wir ein paar sehr schöne Tage bei meiner Schwester und ihrer Familie. Die Zeit vergeht viel zu schnell und der Abschied aus Singapur fällt mir erstaunlicherweise doch deutlich schwerer als aus Deutschland. Ich wäre gerne noch etwas geblieben. (Alle Bilder haben wir im Botanischen Garten gemacht.)

Bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen, wollen wir unsere Covid-Tests in das Anmeldeformular von Neuseeland eingeben. Doch das hakelt und lässt den Blutdruck steigen. Ständig gibt es Meldungen „ihr Testdatum liegt nicht im vorgegebenen Zeitraum“, „das Testdatum darf nicht nach dem Abreisezeitpunkt liegen“ oder das System funktioniert gar nicht. Nach einigem Probieren und dem Ändern unserer PC-Uhrzeit haben wir nach 2 Stunden beide einen Travel Pass. Allerdings mit unterschiedlichen Angaben. Diese ganze Bürokratie macht nervös.
Auch auf dem Flug nach Auckland schlafen wir gut, der Service von Singapore Airlines ist fantastisch und die Einreise nach Neuseeland dann ganz einfach. German Passport? Da geht es durch die automatische Passkontrolle. Wir brauchen keine einzige Frage beantworten und bekommen nicht mal einen Einreisestempel. Der Biosecurity-Hund schleckt mir die Hand, der Zollhund findet uns uninteressant. Der Biosecurity-Beamte ist zufrieden als wir versichern, dass wir unsere Wanderstiefel geputzt haben bevor wir sie eingepackt haben.

Vom Flughafen nach Auckland wollen wir mit dem Shuttlebus fahren. Der alte Betreiber hat Corona nicht überlebt, aber es gibt einen neuen Anbieter. Mit nur vier Fahrgästen beginnt die Fahrt durch den strömenden Regen, die schon bald auf dem Seitenstreifen des Highways endet. Unser Bus ist kaputt und kann nicht weiterfahren. Nach einer halben Stunde kommt ein anderer Bus und sammelt uns auf der Autobahn ein.
Den Abend in Auckland verbringen wir im Hotelzimmer und beim Abendessen im Pub gegenüber. Das schlechte Wetter lädt nicht zum Spazieren ein und außerdem wird es erschreckend schnell dunkel.
Vom Gesundheitsministerium haben wir eine Email bekommen, dass wir einen Schnelltest machen und das Ergebnis über ein Portal mitteilen sollen. Bei Einreise haben wir jeder einen Beutel mit drei Schnelltests bekommen, zwei Tests macht man nach der Einreise, der dritte ist als Ersatz, falls ein Test nicht funktioniert. Per Mail erfährt man, wann man den Test machen soll und übermittelt dann das Ergebnis. Sehr einfach. Wir haben nun beide Tests hinter uns und damit endlich den ganzen Bürokram rund um die Einreise abgeschlossen.

Am nächsten Morgen steigen wir um halb acht in den InterCity Bus, der uns nach Opua bringt. Vier Stunden lassen wir die winterlich grüne Landschaft an uns vorüberziehen. Kurz bevor wir in Opua aussteigen wollen, beginnt es zu regnen. Zum Glück hört es bald wieder auf, denn wir müssen noch den Hügel runter zur Marina laufen.
Im Marinabüro werden wir freundlich empfangen und dann mit dem Schlauchboot zu Mari gefahren. Seit Monaten überlegen wir wie wir in unser Boot einbrechen, falls das Schloss verrostet ist. Doch dann dreht Nobbi einfach den Schlüssel und wir sind drin.
Marisol ist in besserem Zustand als erwartet. Klar, das Unterwasserschiff ist stark bewachsen und das Deck ist grün. Doch unter Deck ist sie knochentrocken. Kein Tropfen Wasser in der Bilge. Wir sind sehr erleichtert.
Jetzt sind wir dabei die mitgebrachten Dinge zu verstauen, uns durch das ganze Schiff zu putzen, alle Systeme zu testen und uns zu orientieren. Es ist sehr spannend im eigenen Schiff auf Entdeckungstour zu gehen. Für eine ToDo-Liste ist es noch zu früh, auch für eine Prognose, ob wir Neuseeland in dieser Saison noch verlassen können. Im Moment freuen wir uns, dass die Heizung läuft. Es ist recht frisch und feucht im winterlichen Neuseeland, da sorgt eine laufende Heizung am Abend für gute Laune.

Zurück an Bord

Sie schwimmt. Und sie sieht nicht so schlimm aus wie befürchtet. Die Bilgen sind knochentrocken. Herd und Heizung funktionieren.

Wir sind zurück auf unserer Marisol und die Lage ist ganz und gar nicht aussichtslos.

Über die letzten Tage in Deutschland, unsere Anreise und darüber wie wir unsere Marisol hier vorgefunden haben schreiben wir in den nächsten Tagen ausführlich. Jetzt wollten wir euch nur wissen lassen, dass wir drei wieder glücklich vereint sind.

Bogota

Nach tollen Tagen auf Galapagos geht es an einem langen Reisetag von Baltra über Guayaquil und Quito nach Bogota. Am späten Abend beziehen wir unser Hotel in der Altstadt.

Morgens sehen wir uns erst mal um und suchen die Touristeninfo. Am Plaza de Bolivar soll sie sein, dem großen Platz den der Kongress Kolumbiens, der Justizpalast, die Kathedrale und das Rathaus Bogotas einrahmen. Die Touristeninfo finden wir nie, aber nun sind wir ja schon mittendrin und beginnen unsere Erkundungstour auf dem wichtigsten Platz der Stadt.

Die Stadt wurde 1538 als Santa Fé de Bogota gegründet und erlebte eine wechselvolle Geschichte als Hauptstadt Neugranadas in der Kolonialzeit, später als Hauptstadt Großkolumbiens, sie stand im Zentrum mehrerer Bürgerkriege, und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Städte Südamerikas. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Bogota erst 100.000 Einwohner. Die massive Gewalt, die Kolumbien insbesondere in den 50er und 60er Jahren erschütterte, führte zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahlen, da viele Vertriebene in die Hauptstadt flohen.

Heute ist Bogota eine Großstadt mit 11 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und Wolkenkratzern die auch in Hongkong oder Singapur stehen könnten. In der Altstadt ist davon nicht viel zu merken. Die Wahlen stehen kurz bevor und die politische Situation ist etwas unruhig. Wir merken das vor allem daran, dass wir unseren Rundgang durch die Altstadt danach planen, dass rund um den Kongress alle Straßen gesperrt sind. Gepanzerte Fahrzeuge und schwere Straßensperren sowie viele bewaffnete Soldaten und Polizisten schützen die Regierungsgebäude. Auch in Quito waren sehr viele Polizisten unterwegs, doch in Bogota fällt uns auf, dass sie schwer bewaffnet sind. Außerdem stehen in vielen Straßen Sicherheitsmänner mit Maschinengewehr und großem Hund.

Wir interessieren uns nicht für die Straßen in denen sich Läden mit Uniformen und Waffen aneinanderreihen, sondern sehen uns lieber Kirchen und Plätze an und mischen uns unter das Gewusel in der Hauptstraße. Die Zahl der kleinen Stände an denen alles von Bananenchips über Gürtel bis zu Zimmerpflanzen verkauft wird ist unübersehbar und nimmt über den Tag noch zu. Neben Schmuck aus winzigen Perlen sind Taschen und Portemonnaies aus venezolanischen Geldscheinen der Renner. Das Geld ist nichts mehr wert, aus falteten Scheinen werden Taschen geflochten oder kleine Bilder werden auf die Scheine gemalt.

In Bogota besuchen wir gleich mehrere Museen. In dem kleinen Museum über Bogota landen wir nur zufällig während wir eine Toilette suchen und sind begeistern. Ein nettes, kleines und informatives Museum, mit vielen Erklärungen auch auf Englisch. Im Goldmuseum erwarten wir einen Haufen Reichtümer und werden positiv überrascht. Es gibt viel mehr zu sehen als „nur“ Gold. Die Ausstellung in dem sehr modernen Museum führt uns durch die Geschichte der Bewohner von 16 Regionen Kolumbiens und zeigt viele tolle Exponate. Viele Ausstellungsstücke stammen aus präkolumbischer Zeit, sind also vor dem Einfluss der Europäer entstanden. Mir gefallen am besten die ganzen Tiere.

Auch unser kurzer Abstecher ins Botero-Museum fällt viel länger aus als geplant. Der Künstler hat der Stadt nicht nur zahlreiche seiner eigenen Bilder und Skulpturen, sondern auch seine Privatsammlung vermacht. Und so kann man sich hier nicht nur Boteros tolle runde Skulpturen ansehen, sondern auch Werke von Picasso, Miró und einigen deutschen Malern aus den 30ern.

Wie immer in einer fremden Stadt, gefällt es uns am besten uns einfach durch die Nebenstraßen treiben zu lassen. Gerne nehmen wir die Höhenluft als Entschuldigung um gelegentlich eine Pause einzulegen und uns das Straßenleben aus einem Café anzusehen. Auch Bogota liegt sehr hoch. Die 2650 m Höhe machen sich bei jedem noch so kleinen Anstieg bemerkbar. Morgens, als viele Geschäfte noch geschlossen sind, entdecken wir, dass viele der Metall-Rollläden toll bemalt sind. Auch an vielen anderen Ecken gibt es schöne Wandbemalungen.

Nach zwei Tagen ist unsere Zeit in Bogota schon wieder vorbei. Wir fliegen über Frankfurt zurück nach Bremen. In unserer alten Heimat Frankfurt bin ich zu müde für größere Aktivitäten oder Treffen mit Freunden, aber für einen gemütlichen Spaziergang durch die frühlingshafte Innenstadt und ein Schnitzel mit grüner Soße hat es noch gereicht.

Die Reise hat uns sehr viel Spaß gemacht und ganz viel Lust auf Südamerika. Ecuador und Kolumbien möchten wir gerne noch einmal ausgiebig bereisen. Und dann wären da ja auch noch Peru und Bolivien und … Es gibt so viel zusehen!