Port Vila

Auch am Dienstag regnet es. Wir entscheiden uns das National Museum zu besuchen. Das Museum besteht aus einer wilden Mischung verstaubter Ausstellungsstücke. Ausgestopfte Vögel, getrocknete Fische, verstaubte Masken, verschiedene Poster, einige ausgegrabene Töpfereien. In manch einem Abstellraum einer deutschen Gesamtschule dürften mehr „Musemsstücke“ vor sich hin schlummern. Da wir schon einiges über Vanuatu gelesen haben, könnten wir viele Dinge einordnen, bzw. erkennen sie wieder. Als wir gerade gehen wollen werden wir aufgehalten, es gibt eine kleine Vorführung, wir dürfen daran teilnehmen. Diese Führung wertet den Museumsbesuch gewaltig auf. Unser Guide begrüßt jeden einzelnen, fasst die Geschichte Vanuatus auf unterhaltsame Art zusammen, führt das traditionelle „Sanddrawing“, das Zeichnen im Sand, vor und erzählt dazu Geschichten, spielt unterschiedliche Musikinstrumente, singt dazu und erklärt uns die Farben der Flagge Vanuatus.

In den nächsten Tagen kümmern wir uns um den Bootshaushalt, schnacken mit anderen Seglern, verbringen einen fröhlichen Abend mit neuen Freunden in einem Restaurant und erkunden Port Vila.
Der Markt hat scheinbar immer geöffnet. Die Menschen leben quasi auf dem Markt bis sie ihre Waren verkauft haben, Kinder spielen, Babys werden gestillt, man schläft dort, unterhält sich mit den Nachbarn und wartet auf Kundschaft. Verkauft werden Taro, Yams, Ingwer, frische Erdnüsse, Kokosnüsse, Kürbis, Pampelmusen, Pak Choi, Salat und, zu Nobbis Freude, Unmengen Ananas. An der Wasserseite gibt es lauter Imbissstände, die eine Vielzahl von Gerichten anbieten und mittags sehr gut besucht sind.
Ein Stückchen weiter gibt es einen Handwerksmarkt in einer großen Halle. Hier werden geflochtene Taschen, Bilder, Schmuck und Schnitzereien verkauft. Natürlich werden wir auch hier fündig.
Wir folgen der Strandpromenade, gucken in viele kleine Läden, gehen Kaffee trinken und besuchen die Touri-Information. Die Menschen sind freundlich, offen und kontaktfreudig, es ist leicht ein Gespräch anzufangen, eine Information zu bekommen oder gemeinsam zu lachen.

Und dann warten da noch die Bootsarbeiten. Nobbi gelingt es den Außenborder zu reparieren. Das Wasser im Vergaser war nicht das einzige Problem. Ein Riss in der Benzinleitung zwischen Pumpe und Vergaser sorgt für Ärger. Ein passendes Stück Schlauch findet sich an Bord. Nun schnurrt der Motor wieder zufrieden. Das gute Stück ist inzwischen 22 Jahre alt, das gilt nicht mehr als jugendlich.
Im Instrumenten-Panel im Cockpit findet sich ein loses Kabel, das Gestänge der Sprayhood war etwas verbogen und eine Schraube in einer Halterung hatte ihren Kopf verloren. Es gibt immer irgendwas zu erledigen.

Freitag fahren wir mit dem Dinghi zum Zoll. Wir brauchen ein Cruising Permit um andere Inseln besuchen zu dürfen, aus irgendwelchen Gründen konnten wir das Permit nicht am Montag beim Einchecken bekommen. Die Tür beim Zoll ist verschlossen, aber wir finden jemanden, der Bescheid sagt, dass es Kundschaft gibt. Die Erlaubnis erhalten wir in einem versiegelten Umschlag, den wir bei der Ausreise in Luganville abgeben sollen.
Angela und George haben ein Auto gemietet und laden uns zu einem Ausflug ein, die Chance etwas von der Insel Efate zu sehen lassen wir uns nicht entgehen. Wir fahren zur Blue Lagoon. Um das klare Wasser gibt es eine Vielzahl von kleinen schattigen Hütten, man kann sich an Seilen ins Wasser schwingen oder von Plattformen springen. Wir nehmen ein ausgiebiges Bad, sehen den einheimischen Jugendlichen beim Badespaß zu und freuen uns, dass der Badeplatz heute wenig besucht ist. Wir haben ausgesprochen gute Laune und sehen über den sportlichen Eintrittspreis hinweg. Wir werfen noch einen Blick auf einen hübschen Strand, halten gelegentlich an und bekommen einen kleinen Eindruck vom Leben außerhalb „Port Vila Downtown“. Mir gefallen die Kühe unter den Kokospalmen besonders gut. Ob es häufiger vorkommt, dass sie von Kokosnüssen erschlagen werden?

Samstagmorgen laufen wir noch einmal zum Supermarkt und tragen zwei volle Rucksäcke an Bord, schließlich müssen wir dafür sorgen, dass uns das Feierabendbier nicht ausgeht. Danach geht’s auf den Markt. Das Angebot ist heute sehr beschränkt. Wir möchten keine riesige Yams-Wurzel kaufen, aber eine Ananas und einige Kokosnüsse wandern in die Einkaufstasche.
Eigentlich wollten wir zu einer der nördlich gelegenen Inseln segeln, doch da wir fast keinen Wind haben, entscheiden wir uns nur wenige Meilen von Port Vila in der Mele Bucht zu ankern. Und hier liegen wir nun und genießen das Baden im wunderbar klaren Wasser. Wenn der Wind wiederkommt ziehen wir weiter.

Eine schnelle Passage und ein aufregender erster Tag

Bei der Abfahrt aus Nouméa beginnt es zu regnen, dadurch fällt der Abschnied etwas leichter. Unser Timing ist wirklich gut, wir können mit Westwind nach Osten Richtung Baie de Prony segeln. Den Canal Woodin kennen wir bisher nur als eine malerische Enge mit etwas Strömung, heute haben wir hier eine unangenehme Wind-gegen-Strom-Situation. Die Wellen steilen sich auf. Da der Wind genau von achtern kommt müssen wir mit mehreren Halsen durch den Kanal fahren, richtig anspruchsvoll und auch nicht gerade gemütlich dieses wilde Geschaukel.
Über Nacht soll der Wind auf Süd drehen. Wir übernachten an einer Boje in der Anse Majic und haben hier eine wunderbar ruhige Nacht unter einem gigantischen Sternenhimmel. In unseren Papieren steht, dass wir Neukaledonien am Freitag verlassen wollen, so ist diese Nacht vor Anker nach dem Ausklarieren nicht mal in einer Grauzone, sondern ganz und gar legal. Frankreich ist eine sehr Seglerfreundliche Nation, wir freuen uns über den entspannten Umgang. Wir waren bereits am Mittwoch bei den Behörden (Immigration, Zoll, Port Captain) und haben unsere Ausreisepapiere bekommen. Da Donnerstag ein Feiertag, Freitag ein Brückentag und am Wochenende ohnehin geschlossen ist, muss jeder der vor Montagmittag abreisen will, am Mittwoch seine Behördenbesuche erledigen. In Neukaledonien müssen wir keinerlei Gebühren bezahlen, ebenfalls sehr sympathisch. Sehr lustig finden wir es, dass wir mal wieder einen Stegnachbarn aus unserer Reihenhaus-Marina treffen. Er arbeitet im Hafenbüro.

Am nächsten Vormittag geht’s weiter. Wir wollen den Canal de la Havannah kurz vor Niedrigwasser erreichen und uns mit dem letzten ablaufenden Wasser hinausspülen lassen. Wir haben Südwest-Wind, also Wind von achtern, und erwarten gute Bedingungen im Pass. Wir sind schnell, schneller als gedacht. Wir haben zeitweise über dreieinhalb Knoten Strom und laufen fast zehn Knoten über Grund. Wie so oft wird es nochmal richtig aufregend, als wir dachten wir hätten es geschafft. Hinter dem Pass, dort wo der Meeresboden steil von 20 m auf 80 m abfällt, hat sich eine weiß schäumende stehende Welle gebildet. Wir sind angeleint und haben das Steckschott im Niedergang, als Vorsichtsmaßnahme. Es haben sich große Eddies gebildet, diese Strudel drücken Maris Nase immer wieder vom Kurs. Die schäumende Welle können wir schließlich umfahren, es gibt einen kleinen glatten Bereich. Entspannung setzt ein, wir sind draußen.
Das UKW meldet sich. Es gibt eine Tsunami-Warnung, man soll sein Schiff in tiefes Wasser bringen und sich auf keinen Fall im Pass aufhalten. In tiefen Wasser sind wir jetzt. Wie gut, dass die Warnung nicht 2 Stunden eher gekommen ist, was hätten wir dann gemacht? Später erfahren wir, dass es ein Erdbeben der Stärke 7,7 östlich der Loyalitäts-Inseln gab, also ganz in unserer Nähe. Nach einiger Zeit wird die Tsunami Warnung aufgehoben. Das Beben und die Tsunami-Warnung haben es sogar in den „Weserkurier“ geschafft.
Mari ist flott unterwegs, der saubere Bauch, das neue Großsegel und eine kleine Diät scheinen ihr gut zu tun. In der Nacht erreichen wir Lifou, eine der Loyalitäts-Inseln und passieren sie im Osten. Außer einem kleinen Leuchtturm sehen wir aber nichts von der Insel. Nun sind es noch 200 Meilen nach Port Vila. Der Wind kommt sehr achterlich, soll aber langsam drehen. Eigentlich schöne Bedingungen, doch der Seegang ist zeitweise sehr konfus und so werden wir immer wieder durchgeschüttelt. Später überlegen wir, ob wir den chaotischen Seegang vielleicht dem Erdbeben zu verdanken haben.
Als wir immer wieder auf 8 Knoten durchs Wasser (!) beschleunigen, beschließen wir, dass es Zeit für ein zweites Reff ist. Es ist unangenehm, wenn das Schiff zu stark beschleunigt und dann gegen eine Wellenwand prallt.
Ich bin mal wieder sehr seekrank. Der verfluchte zweite Tag. Während ich in der ersten Nacht ein regelrechtes Menü aus Käse, Baguette, Gummi-Schlangen, Möhren und Äpfeln verfuttere, kann ich am Nachmittag des zweiten Tages nicht mal an Essen denken, die zweite Nacht ist dann ganz schlimm.
Der Sonntag ist grau. Aber die Tatsache, dass wir heute noch ankommen werden, führt zu guter Stimmung. Als wir Efate und die Bucht von Port Vila erreichen regnet es. Erst spät sehen wir Land. Immer wieder ist es spannend ein neues Land zu erreichen. Vanuatu riecht gut. Grün, nach Vegetation und irgendetwas Würzigem, das ich nicht zuordnen kann.
Als wir neben der Quarantänetonne ankern sind wir klatschnass, aber sehr zufrieden den Ankerplatz im Hellen erreicht zu haben. Noch drei andere Yachten liegen hier mit gelber Quarantäne-Flagge vor Anker und warten auf die Einreise am nächsten Morgen. Die ganze Nacht hören wir unsere Kette über den Korallengrund rasseln, da wenig Wind ist schlafen wir trotzdem ganz gut.

Montagmorgen steht Einklarieren auf dem Programm. Erstmal das Dinghi aufpusten. Es ist weit zum Zoll. Zu weit zum Rudern, das Schlauchboot muss ran. Der Außenborder springt nicht an. Nobbi stellt fest, dass die Schwimmerkammer voll Wasser ist. Wir beschließen den kleinen 2PS Außenborder zu nehmen und uns später darum zu kümmern. Es regnet die ganze Zeit und einen Vergaser zu zerlegen und zu reinigen macht bei trockenem Wetter auch mehr Spaß.
Eins der anderen Boote funkt den ganzen Morgen den Zoll an. Irgendwann antwortet auch mal jemand. Wir tuckern diagonal 1,5 sm durch die Bucht. An einem Lotsenboot können wir unser Schlauchboot anbinden und besuchen Zoll, Immigration und Biosecurity. Zwischendurch machen wir einen Abstecher zum Geldautomaten, damit wir die Gebühren auch bezahlen können. Das Einchecken geht schnell und sehr freundlich vonstatten.
Der Biosecurity Beamte bemerkt, dass uns das Plakat mit dem Asiatischen Nashornkäfer (auch Coconut Rhinoceros Beetle, Oryctes rhinoceros) interessiert. Der Käfer hat es auf die Kokosnusspalmen und viele andere Palmenarten abgesehen und ist ein gefürchteter Schädling. Die Insel Efate auf der Port Vila liegt hat ein Käferproblem. Bei der Biosecurity hängen Poster über Lebenszyklus, Verbreitung und Vorsichtsmaßnahmen. Der Beamte kommt aus seinem Kabuff und erzählt, dass das Problem ernst ist. Die nördlichen Inseln sollen wenn irgendwie möglich nicht befallen werden. Da wir nach Norden segeln wollen, bittet er uns nicht nach vier Uhr am Nachmittag auszulaufen. Besonders bei einbrechender Dunkelheit sind die Käfer unterwegs und fliegen gerne zum Licht.
Inzwischen ist der Sprühregen in einen ergiebigen Regen übergegangen. Aber es sieht nicht aus als würde es heute nochmal aufhören. Egal. Wir sind ohnehin nass und haben immerhin eine Regenjacke an. Wir tuckern los. Leider nur kurz. Unser Motor mag nicht mehr. Der Gang springt immer raus. Getriebeschaden? Wir rudern zurück und machen wieder am Lotsenboot fest.
Wir haben Glück. Ein anderer Segler ist noch da und nimmt uns mit zurück. Eine weite Strecke mit drei Leuten in einem kleinen Dinghi mit einem 3 PS Außenborder und einem Boot im Schlepp. Alles im strömenden Regen. Aber wir unterhalten uns gut und durchgeweicht sind wir schon lange. Wir sind sehr dankbar, dass Vincent uns hilft. Wie gut, dass man sich auf die Hilfsbereitschaft der anderen Segler verlassen kann. Auch wenn es für ihn mit seinem kleinen Boot kein Spaß war, hat er keine Sekunde gezögert uns zu helfen. Wir bedanken uns mit einer Flasche Bordeaux.
Viel früher als gedacht machen wir Bekanntschaft mit dem Riesenkäfer, dem Kokosnussschädling mit dem Nashorn. Er sitzt an unserer Großschot und faucht. So sehr, dass ich dachte das Dinghi hätte ein Loch. Ganz schön groß so ein Vieh, etwa 4 cm. Sehr interessant, ich schaue ihn mir genau an, aber dann muss er ausziehen, wir wollen ihn nicht an Bord haben.
Wir wollen an die Boje verlegen, das Gerumpel unserer Ankerkette muss nicht sein, wenn es in geringer Entfernung Mooring-Bojen gibt. Bei Yachting World Marina meldet sich niemand über Funk. Wir beschließen einfach hinzufahren und uns eine Boje zu angeln.
Wir wollen Anker auf gehen, aber der Anker will nicht. Mari geht richtig mit der Nase runter und das Heck hebt sich. Ich bekomme Angst, kann man so seine Yacht versenken? Nobbi behält die Nerven, ich soll den Anker mit Schwung überfahren. Vorwärts, rückwärts. Es knirscht, sonst tut sich nichts. Schließlich geben wir noch mal 10 m Kette, so dass wir ein bisschen Schwung holen können und holen aus. In einem Bogen dirigiert Nobbi mich um die Position an der der Anker vermutlich klemmt. Ein kleiner Ruck und wir sind frei. Ganz langsam tuckern wir über zwei flache Stellen und unter einer Hochspannungsleitung hindurch zu den Bojen. Hier muss nicht nur der Tiefgang passen sondern auch die Masthöhe stimmen. Wir suchen uns eine Boje aus, von Land wird uns gewinkt, eine der gelben sollen wir nehmen. Wir sagen „Hallo“ in der kleinen Marina und treffen Roslyn, die uns schon per Mail geholfen hatte, als wir den Zoll nicht erreichen konnten.
Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt, immer noch im Regen, ist das einzige was wir noch unternehmen. Wir kaufen uns SIM-Karten für unsere Telefone, damit wir uns Zuhause lebend melden können, werfen einen Blick auf den Markt und Nobbi kauft bereits ein kleines Andenken. Der erste Eindruck ist sehr sympathisch. Die Menschen sind kontaktfreudig und fröhlich. Ich glaube Vanuatu wird uns gefallen.

Abschied aus Nouméa

Wie so oft vergehen die letzten Tage im Flug. Ein letztes Mal Kaffee trinken auf dem Markt, noch einen Espresso auf dem Place des Cocotiers, ein letzter Einkauf, doch noch einen Abstecher in den Stoffladen. Abschied von unserem „floating village“ an Ponton B, von den Ladies im Marinabüro, von Nachbarn und Freunden. Das ist der traurige Teil am Reisen, das Abschiednehmen, schon ganz und gar, wenn man davon ausgeht, dass man nicht zurückkehrt.
Wir haben dieses kleine Land mit seinen freundlichen Bewohnern und der tollen Natur ins Herz geschlossen. Das moderne Land, in dem man noch überall mit Schecks bezahlt wird, in dem Mittagspausen heilig sind und es immer und überall Baguette gibt. Wir nehmen viele Souvenirs und noch mehr schöne Erinnerungen mit.
Jetzt sind wir gespannt wie uns Vanuatu gefallen wird. Wir freuen uns sehr auf dieses neue, aufregende Land!

Man bezahlt gern mit Schecks.
Die Haie werden Nouméa noch weiter beschäftigen.
Letzter Kaffee auf dem Markt.
Besuch im Hafenbecken.
Ehemaliges Grand Hotel.
Bereit zur Weiterreise.

Alter Falter

Hier gibt es diese unglaublich schönen leuchtend blauen Schmetterlinge, leider sind sie gar nicht daran interessiert sich fotografieren zu lassen. Diese etwas unscheinbaren Exemplare waren sehr kooperativ.

Rettungsmanöver und Leuchtturmwanderung

Nachdem wir so lange wegen unseres Motorproblems nicht rausfahren konnten, haben wir es jetzt, da die Maschine wieder einsatzbereit ist, eilig die Marina zu verlassen.
Dienstagmorgen kaufen wir ein und laufen dann aus. Praktischerweise haben wir Westwind und entscheiden uns deshalb nach Osten zu segeln. Südlich von Nouméa hören wir plötzlich im Funkgerät „Marisol, Marisol, Marisol“. Das sind ja wir! Nobbi meldet sich und wird informiert, dass vor uns irgendetwas treibt. Wir verstehen, dass wir uns freihalten sollen und nehmen eine großzügige Kursänderung vor. Vielleicht eine Übung? Gerade ist ein Flugzeug dicht über uns geflogen. Nach einiger Zeit werden wir wieder gerufen. Das Objekt liegt jetzt 45 Grad von uns. Nobbi fragt nach und erfährt, dass wir dort hinfahren sollen. Wir stellen fest, dass es sich um ein Stand-up-Paddleboard handelt, bergen die Segel und fischen es aus dem Wasser. Nobbi funkt die Küstenwache an und berichtet. Ist eine Leine an dem Bord? Ist es alt oder neu? Ist es bewachsen? Wie ist der Zustand? Dann werden wir für unser Manöver und unsere Mitarbeit gelobt und dürfen weitersegeln. Wir sollen uns wieder melden wenn wir wieder in Nouméa sind.
Wir segeln bis in den Canal Woodin und gehen im Norden der Insel Ouen vor Anker. Nachts läuft der Schwell in die Bucht und schüttelt uns durch. Am nächsten Tag hat der Wind auf Süd gedreht und wir segeln nach dem Frühstück in die Anse Majic und legen uns dort an eine Boje. Wir wollen noch einmal zum Leuchtturm laufen, wir waren im September bereits einmal dort. Leider ist das SUP ziemlich platt, ich wäre gerne mit dem Ding an den Strand gepaddelt. Wir falten also unser Bananaboot auseinander und rudern ans rote Ufer. Die kleine Wanderung macht uns wieder Spaß und der Blick über die Lagune ist toll. Irgendwann reißen wir uns los, es wird jetzt früh dunkel, wir müssen zurück zum Boot. Wir verzurren die Banane wieder am Seezaun und spülen das Deck. Diese rote Erde färbt unglaublich, wie werden einige permanente Flecken als Andenken mitnehmen.
Leider soll das Wetter sich deutlich verschlechtern, wir segeln mit einem frischen Südostwind zurück nach Nouméa. Kaum sind wir in Sichtweite der Stadt meldet sich das Funkgerät. Die „Maritime Police“ will wissen wo wir hinfahren und das Paddleboard abholen. Das scheint wichtig zu sein. Ob es ein Beweisstück ist? Liegt gar ein Verbrechen vor? Vielleicht war es ganz gut, dass wir damit nicht durch die Gegend gepaddelt sind. Wir stellen uns vor was passiert sein könnte: ein Hai hat den Menschen vom Bord gefuttert oder es gab einen Mord und der Mörder ist auf dem Brett geflohen. Kriminalgeschichten haben eine gewisse Tradition auf Marisol seit wir uns in Langör eine Geschichte um einen Mord im Kapitänshaus ausgedacht haben. Das macht aber nur Spaß, solange man ganz sicher ist, dass es Fiktion ist.
Kaum sind wir wieder im Hafen holt ein Mann das Board ab. Ich frage ihn, ob er weiß wem es gehört und mache ihn auf den Bootsnamen aufmerksam, der drauf steht. Und erzähle ihm, dass ein Boot mit diesem Namen ein paar Stege entfernt in der Marina liegt. Wir hatten das bereits über Funk durchgegeben, aber die Information ist wohl untergegangen. Im Marina-Büro findet sich die Telefonnummer der Bootsbesitzer, die sind froh, dass sie ihr Spielzeug zurückbekommen und können bestätigen, dass niemand mit dem Ding verloren gegangen ist. Manchmal ist es schön, wenn Geschichten ein völlig unspektakuläres Ende nehmen.
Es war schön unterwegs zu sein, wir sind bereit für die Weiterreise. Die Testfahrt hat sich gelohnt, ich habe die neue Leine des Travellers falsch herum angeschlagen. Gut, dass wir das jetzt gemerkt haben und nicht erst auf See. Das ist keine große Sache. Leider habe ich ihn angenäht, das heißt ich muss ihn erst wieder abschneiden. Es gibt immer etwas zu tun.

Unser Motor läuft wieder – Dr. Diesel weiß Rat

Ihr erinnert euch schwach, dass unser Motor nach dem Reparaturversuch noch immer schwarzes Kühlwasser spuckte, sobald wir die Drehzahl erhöhen. Wir hatten sehr begrenztes Vertrauen zu den Fähigkeiten des Mechanikers. Wie sich herausstellen sollte, nicht zu unrecht. Am Tag nach der Reparatur finden wir eine größere Menge Diesel unterm Motor. Wir machen also alles sauber, genau wie am Tag zuvor. Da hatten wir uns schon geärgert, dass er die Baustelle verlässt ohne aufzuräumen. Dann meldet er sich noch einmal, er hätte noch eine Idee, ob er noch mal vorbeikommen könne. Er kommt und schraubt die Düsen wieder ab. Es stellt sich heraus, dass er die Dichtungen nicht auf der Druckseite eingebaut hat. Genau genommen hatte er also keine Idee, sondern hat seinen Fehler ausgebügelt. Jetzt ist die Bilge wieder voll Diesel. Wir putzen den Motor systematisch und finden noch ein Leck, er hat die Rücklaufleitung nicht wieder richtig angeschraubt. Jetzt haben wir immerhin nur noch das ursprüngliche Problem und nicht zusätzlich noch eine Leckage in der Dieselleitung.

Wir entscheiden uns den Werfttermin abzuwarten. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht liegt es doch am Propeller. Nobbi steigt ins Hafenbecken und putzt wieder den Propeller. Wir filmen den Propeller um zu sehen, ob er richtig in Vorwärts- und Rückwärtsposition faltet. Wir können kein Problem ausmachen. Aber der Rumpf ist stark bewachsen und der Platz um den Propeller dadurch auch etwas begrenzt. Vielleicht gibt es einen Schaden, den wir so nicht erkennen können oder es liegt doch einfach am Bewuchs.
In der Werft stellen wir fest, dass der Propeller tiptop in Ordnung ist. Er wird poliert, abgeschmiert und beschichtet. Als wir mit sauberem Schiff zurück in die Marina fahren stellen wir sofort fest, dass das Problem nicht verschwunden ist. Kaum erhöhen wir die Drehzahl, ist das Kühlwasser voller schwarzer Partikel. Wir sind deprimiert.

Ich gehe ins Marina-Büro und bitte um einen Anruf bei einer Werkstatt, die wir uns bereits angesehen haben. Dort hatte man uns gesagt wir sollen uns melden sobald wir wieder im Wasser sind. Am gleichen Tag wird jemand kommen und sich das Problem ansehen, sagt uns die Marina-Mitarbeiterin. Wir warten also. Gehen abwechselnd duschen und einkaufen, wir können das Boot ja nicht alleine lassen. Als um vier noch niemand aufgetaucht ist geht Nobbi wieder ins Büro. Ein Anruf bei der Werkstatt ergibt, dass niemand mehr kommt und auch in den nächsten Tagen keine Zeit hat. Es wird jemand anders empfohlen, der auch keine Zeit hat, aber jemanden anderes empfiehlt… Das ist doof, wenn man nicht selbst telefoniert gehen alle Zwischentöne verloren und manchmal auch die Hälfte der Information. Nobbi schnappt den Namen Steeve auf und interveniert. Das ist doch der Mechaniker, der schon bei uns war. Nobbi besteht darauf, dass AME angerufen wird. Yoan von AME ist uns empfohlen worden. Und wir haben Glück, er will am nächsten Morgen um 0730h kommen.
Tatsächlich, am Samstagmorgen um sieben steht Yoan am Steg. Er hört sich unsere Geschichte an, lässt den Motor laufen, jagt die Drehzahl mal richtig hoch, fühlt, horcht und fragt. Dann holt er eine Art Stethoskop raus und kann sich so quasi die Zylinder einzeln anhören. Das Stethoskop bringt ihm den Spitznamen „Dr. Diesel“ ein. „Da stimmt was nicht mit der Kompression, aber ich denke es liegt am Auspuff“ ist sein Urteil. Er schüttelt den Kopf, dass sein Kollege da war, die Einspritzdüsen ausgebaut, aber keine Kompression gemessen hat, dass er den Dieselfilter nicht gewechselt hat, dass er den Ventildeckel hochgenommen hat, aber kein Ventilspiel gemessen hat.
Wir versuchen uns nicht zu ärgern, hatten wir doch Ostern versucht den Vorgänger dazu zu überreden den Abgaskrümmer abzunehmen, wir hatten ihn nicht runterbekommen. Jetzt sind wir froh, dass wir einen engagierten Profi an Bord haben, der fröhlich pfeift und sich nicht entmutigen lässt. Zwei der Bolzen sind völlig fest korrodiert. Über Kopf, mit allerlei Spezialwerkzeug, ganz viel Kraft und noch mehr Knowhow braucht er über zwei Stunden um Krümmer und Motor zu trennen. Der Krümmer ist dicht. Nur noch ein kleines Loch lässt die Abgase entweichen. Wenn man mehr Gas gibt, kommen die Gase nicht mehr aus dem Motor und drücken zurück, deshalb hört der Profi es dann Zylinder für Zylinder nach innen drücken.
Nachmittags kommt er mit einem frisch in Volvo-grün lackierten Ersatzteil wieder. Unser Krümmer war nicht nur dicht, sondern auch korrodiert. Der neue ist flott eingebaut, der Motor springt sofort an und schnurrt. Weit über 3000 Umdrehungen und keine schwarzen Schwaden in Sicht. An Bord von Marisol hört man Steine vom Herz des Skippers in die Bilge fallen.
Montagmorgen kommt Yoan wieder und stellt das Ventilspiel ein. Außerdem besorgt er uns noch einen neuen Dieselfilter, den er auch noch selbst vorbeibringt, als er hört, dass wir kein Auto haben. Montag (der 8. Mai) war übrigens ein Feiertag! Und das Einstellen der Ventile berechnet er nicht mal.
Wir können Yoan uneingeschränkt empfehlen: er weiß was er tut, er hat uns alles toll erklärt, er ist engagiert und sehr gewissenhaft, und ist ein sehr sympathischer Typ. (L’AME Yoan Fleurot 74.09.98).

Werfttage

Am Dienstag ging es in die Werft. Einmal diagonal durchs große Hafenbecken, keine Meile entfernt. Pünktlich um zehn hängen wir in den Gurten des Travel-Lifts. Der Moment des Kranens ist immer spannend, dass Maris Bauch bewachsen ist, wissen wir. In den letzten Wochen und Monaten haben wir das Unterwasserschiff immer wieder schnorchelnd geputzt, wir sind also über die starke Besiedelung mit Kalkröhrenwürmern nicht erstaunt. Zusätzlich wächst irgendwas, das an lange Haare erinnert auf Maris Bauch. Das kannten wir noch nicht.
Wir kratzen den Bewuchs ab und dann reinige ich das Schiff mit dem Hochdruckreiniger, während Nobbi den Propeller mit der Bohrmaschine poliert und ihn abschmiert. Wir haben einen Drehflügelpropeller, der geschmiert werden muss. Die Kalkröhren lassen sich gut abkratzen, problematisch sind die Seepocken, ihre Kalkbasis bleibt auf dem Rumpf. Wir haben tausende dieser Pockenfüße überall auf dem Rumpf verteilt. Zum Glück können wir den Rumpf immer wieder nass machen, dadurch staubt es nicht.
Wir wollen vorankommen und machen keine Pause. Als es um sechs dunkel wird, sind wir völlig fertig. Der Weg zu den Toiletten erscheint unendlich weit und wir sind zu müde zum Lesen oder Fernsehen.

Mari taucht auf.
Lange Haare. Das hatten wir noch nie.
Ein Rumpf – ein Lebensraum.
Ein Teil der Ernte.

Mittwoch haben wir ein straffes Programm. An der Kielsohle sind einige kleine Roststellen, die wir mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine blank schleifen, dann sofort mit Rostumwandler behandeln und schließlich mit Metallschutzfarbe überstreichen. Der Propeller bekommt eine Beschichtung mit PropOne, damit er möglichst lange frei von Bewuchs bleibt. Am Skeg des Ruders gibt es eine kleine Macke: schleifen, spachteln, schleifen, spachteln, schleifen. Das gute Wetter hilft sehr, alles trocknet ganz schnell.
Und dann sind da ja noch lauter Seepockenfüße. Ich kratze und kratze. Reste des altes Antifoulings und übrig gebliebenen Kalk der Würmer schleifen wir nass mit 120er Schleifpapier ab. Wie gut, dass hier neben jedem Platz ein Wasserhahn ist. Das Nassschleifen ist eine Sauerei, aber da es nicht staubt ganz angenehm. Außerdem kann man sich selbst immer mit abwaschen und abkühlen.
Nachmittags tragen wir noch die Grundierung auf. Mari sieht ganz hübsch aus mit silbernem Bauch. Einen kleinen Schreck bekommen wir, als sich die erste Farbrolle beim Malen auflöst, die nächste Rolle zerlegt sich auch. Nobbi sprintet zum Farbenladen, doch die Rollen werden erst wieder in zwei Monaten geliefert. Glücklicherweise finden wir im Farbschapp noch Rollen, die geeignet sind. Es geht doch nichts über eine gut sortierte Langfahrtyacht.
Heute haben wir viel geschafft und sind zwar müde, aber nicht so erschlagen wie am Abend zuvor. Und wir sind stolz auf uns. Die harte Arbeit hat sich gelohnt, wir liegen im Zeitplan. Wir träumen von einem entspannten Abend, doch dieser ist uns nicht vergönnt. Das Boot gegenüber wird gesandstrahlt. Es hat bereits nachmittags begonnen und ist so laut, dass wir uns anschreien müssen, um uns zu verständigen. Erst hoffen wir noch, dass sie irgendwann aufhören, leider tun sie das nicht. Gegen halb zehn machen sie eine Pause, wir gehen ins Bett. Um halb elf geht es weiter, bis halb eins nachts. Selbst mit geschlossener Luke ist es sehr laut, es ist unmöglich sich zu entspannen oder gar einzuschlafen. Um Viertel vor sechs lassen sie ihre Höllenmaschine wieder an, dann machen sie noch mal eine Pause, aber wir sind nun wach. Völlig gerädert starten wir in den neuen Tag, noch müder sind die beiden, die die halbe Nacht gearbeitet haben. Sie sehen furchtbar aus.

Kratzen, Schleifen, Waschen.
Silber ist auch schick!

Donnerstag hat Nobbi Geburtstag, doch die Feierlichkeiten sind sehr übersichtlich. Wir müssen heute nur noch Antifouling malen. Wir beginnen ein bisschen den Rumpf über der Wasserlinie zu putzen und entscheiden dann, dass wir das auch noch im Wasser machen können. Wir sind müde.
Das Antifouling malen geht zu zweit recht flott. Wenn uns nur die Arme nicht so wehtun würden. Die ganze Zeit wird übrigens gesandstrahlt, wir schreien uns also wieder an. Während des Mittagessens geht ein kleiner Schauer nieder und wir sind froh, dass Mari schon eine Schicht Antifouling bekommen hat. An dem kleinen Snack auf dem Werftgelände haben wir einen Sitzplatz unter einem Sonnensegel gefunden, das den Regen abhält. Das Essen ist super. Es wird in einem gebackenen Korb aus Brotteig serviert und ist liebevoll dekoriert. Mit einer Blüte aus einer Chili, Frühlingszwiebelringen und rosa Pfeffer. Zum Nachtisch gibt es Maracuja-Törtchen und Kaffee. Wenigstens ein kleines bisschen Geburtstagsgefühl.
Nachmittags bekommen Ruder, Vorderkante vom Kiel und Wasserpass eine zweite Schicht Antifouling. Dann räumen wir auf. Diese Ruhe abends, unglaublich erholsam. Wir sitzen hoch oben im Cockpit beim Sundowner und genießen den Blick auf Nouméa.

Fertig!

Freitagmorgen wird Mari vom Travel-Lift angehoben, damit wir die Stellen mit Antifouling malen können, an denen vorher die Stützen standen. Kurz warten, dass sie Farbe trocknet, dann geht es wieder ins Wasser. Genau 3 Tage nach dem wir aus dem Wasser gehoben wurden schwimmen wir wieder. Das wäre alles super gewesen, hätte es nicht den ganzen Morgen gegossen. Wir sind also ziemlich nass, als wir wieder in der Marina ankommen.

Nobbi malt im strömenden Regen. Ob die Farbe hält?

Insgesamt hat es gut geklappt, war aber unglaublich anstrengend. Das nächste Mal brauchen wir etwas mehr Zeit, weniger Seepocken oder Hilfe. Und weniger Lärm! Abgesehen vom letzten Morgen war das Wetter auf unserer Seite, in der Woche zuvor hat es sehr viel geregnet, wir aber hatten fantastisches Wetter.
Die Sodemo-Werft hat uns gefallen, alles lief sehr professionell und gut gelaunt ab. Die Stellplätze sind großzügig und haben einen Wasser- und Stromanschluss. Alle Boote können jederzeit ausgeparkt werden. Die Toiletten/ Dusche sind grenzwertig. Wir haben uns für eine Dusche unterm Wasserschlauch neben dem Boot entschieden. Es gibt hier keine merkwürdigen Vorschriften, selbst arbeiten und an Bord schlafen ist erlaubt. Die Leute, sowohl Mitarbeiter, als auch Kunden sind nett, die Stimmung ist angenehm. Und auch preislich war der Landausflug absolut im Rahmen.

Die Werft ist weniger auf Langfahrer eingestellt, als auf Einheimische. Man muss selbst für eine Leiter sorgen um an Bord zu kommen und seinen Hochdruckreiniger mitbringen. Hier kommt Carl vom Farbenladen ins Spiel. Bei ihm kann man beides mieten, Kunden bekommen es kostenlos ausgeliehen. Er ist ein netter Typ, der uns gut beraten hat und sich kümmert.
Wir sind in den Genuss eines ganz besonderen Services gekommen. Bert und Jacqueline haben uns jeden Tag besucht, mitgefiebert und uns mit Kaffee, Kuchen und frischem Baguette versorgt. Das war toll!

If I had a hammer

Das Haithema ist hier nach wie vor aktuell. In und um Nouméa ist das Baden weiterhin verboten. Wassersport wie surfen und kiten ist meistens erlaubt, nur alle paar Wochen verboten, wenn Jagd auf die großen Haie gemacht wird. Wir haben hier im Hafen noch keinen Hai gesehen. Doch ich hatte zu dem Hammerhai, den wir vor einigen Wochen gesehen haben, noch eine kleine Idee.

Bootsgetüddel

Freitagabend sind nur 24 Grad. Ich friere, habe aber überhaupt keine Ambitionen mir etwas Wärmeres anzuziehen. Ich versuche bei unseren Getränkezuständigen einen Glühwein zu ordern und werde ausgelacht.
Mitte der Woche hat es unglaublich geregnet und es gab ein paar Sturmböen. Wenn man gut geschützt in der Marina liegt, kann man sich das ganz in Ruhe ansehen.

Wir tüddeln am Boot rum. Ihr fragt euch was wir da die ganze Zeit machen? Wir uns auch. In den letzten Wochen und Monaten haben wir viele kleine und einige größere Dinge erledigt. Über die Neuverkabelung der Ankerwinsch mit dem Relais in der Vorschiffskabine und den Lageraustausch in der Steuersäule hatten wir schon berichtet. Die meisten Arbeiten sind nicht essentiell für die Seetüchtigkeit, aber wir möchten unsere Mari in einem einigermaßen guten Zustand halten. Tropensonne, hohe Luftfeuchtigkeit und Salzwasser sind eine Herausforderung fürs Material. Wir haben uns vor allem Aufgaben gewidmet, die Zeit, Durchhaltevermögen und Fingernägel erfordern. Die kleinen unspektakulären Aufgaben nehmen oft mehr Zeit in Anspruch als gedacht und wenn man unterschiedliche Werkzeuge braucht, kann man in wenigen Minuten das ganze Boot in eine Baustelle verwandeln.

Wir haben die Genua an Land ausgebreitet, kontrolliert und einige kleine Schäden mit Reparatur-Tape geflickt. Sie hat die besten Zeiten lange hinter sich, könnte uns aber noch wertvolle Dienste leisten. Einige Schränke, den Kartentisch, den Salontisch und den Bereich des Niedergangs haben wir lackiert. Spaß machen die kleinen Dinge, die Fächer für unsere Ferngläser oder die Tassen. Ansonsten sind die Bedingungen nicht ideal, zu feucht, zu warm und man muss verflixt aufpassen, dass man nicht auf frischlackierte Flächen fasst. Manchmal geben wir uns damit zufrieden, dass „da jetzt erstmal wieder Lack drauf ist“, manchmal schleift Nobbi eine Lackschicht wieder ab, weil es so heiß war, dass der Schweiß, der ihm aus dem Gesicht getropft ist, die Arbeit zunichte gemacht hat.
Zwei kleine Flächen am Aufbau haben wir weiß lackiert, vorher waren sie grau, aber graue Farbe hatten wir nicht an Bord. Die alte Traveller-Leine war nicht mehr schön, wir haben eine neue eingenäht und den Baumniederholer ersetzt. Arbeiten mit Leinen, Spleiß und Takling mache ich gern. Auch das Fetten der Winschen macht Spaß, man kommt flott voran. Die Sprayhood ist gereinigt und frisch imprägniert. Das ganze Sicherheitsequipment haben wir überprüft und getestet (ihr erinnert euch, dass wir einen der AIS Transponder aufgelöst hatten und das Lotsenboot uns retten wollte).
Die Mosquitonetze sind seit Monaten im Dauereinsatz. Ein paar Nähte nachzunähen war schnell erledigt. Die Klettstreifen in den Luken zu ersetzen stellte sich als eine langwierige Arbeit mit sehr geringem Spaßfaktor heraus. Innerhalb kürzester Zeit schmerzen die Arme, mit den Händen über dem Kopf arbeitet es sich einfach nicht schön, und warum klebt der Kleber, der die Klettstreifen nicht halten will, eigentlich so an den Fingern? Gerade stelle ich fest, dass die Nähmaschine noch weitere Einsätze hatte. Ein Polster im Vorschiff hat einen neuen Bezug bekommen, mit Urwaldmuster, und die Rettungsschlinge hat eine neue Segeltuch-Tasche bekommen. Die alte hatte sich weitgehend aufgelöst. Die Nähte des Biminis wollten auch mal wieder nachgenäht werden. Leider mag unsere Nähmaschine das Bimini nicht, hier war Handarbeit gefragt.
Das neue Handfunkgerät passt leider nicht in die Halterung des Vorgängers und um es am gewünschten Platz unterzubringen mussten wir etwas basteln. Nobbi wollte die neue Halterung einfach woanders anschrauben, das fand seine Frau aber nicht ausreichend schön.
Lauter kleine Elektroaufgaben stand auch auf der Liste, das AIS bekommt einen eigenen Sicherungsautomaten, eine Pumpe soll über eine andere Sicherung laufen, wir finden mal wieder ein totes Kabel (die Voreigner waren da großzügig), und die Echolote kann man nun separat abschalten. Nicht immer laufen die Arbeiten optimal. Wenn man aus Versehen das Kabel der Füllstandsanzeige des Wassertanks durchknipst, zeigt er „ganz voll“. Woher ich das weiß?
Der Motor hat nicht nur den üblichen Ölwechsel und neue Filter bekommen, sondern auch neues Kühlmittel und einen neuen Simmering in der Wasserpumpe. Die Motorarbeiten waren auch Teil unseres bordeigenen Fortbildungsprogramms. Wir versuchen immer mal die Aufgaben zu tauschen, wir wollen beide (fast) alles können. Nobbi zum Beispiel hat in letzter Zeit meist das Funken übernommen, das sonst meine Aufgabe ist, und ich habe unter Aufsicht Ölwechsel am Motor und Getriebe durchgeführt.
Die Fugenmasse um die Decksluken war verschimmelt. Eigentlich eine übersichtliche Aufgabe, Fugenmasse raus, neue rein. Leider war das alte Zeug sehr hartnäckig und wollte nicht gehen. Und dann war ich mit dem ersten Versuch nicht zufrieden und hab die neue Fugenmasse wieder raus gepult. Die Hebelklemmen im Cockpit wurden mit längeren Bolzen, die wir mit Epoxy eingegossen haben, neuverschraubt. Hoffen wir, dass das eine halbe Weltumsegelung hält.
Das Holz auf dem Sitz des Rudergängers war nun endgültig fällig. Wir haben es ersetzt und sind gespannt wie lange unsere selbstgebastelte Baumarktlösung hält. Die neuen Leisten sind etwas schmaler als die alten und es ist auch kein Teak, aber vielleicht funktioniert es bis wir die ideale Lösung finden.
Kleine Gelcoat-Reparaturen sind immer mal wieder fällig, Rostflecken kann man ständig entfernen (der Rost muss nicht mal vom eigenen Boot kommen, ein Nachbar mit einer Flex macht Freude) und mit dem Niro putzen wird man nie fertig. Das sind Dinge die zum Bootsleben einfach dazugehören, ungefähr wie Rasen mähen zum Leben im Haus mit Garten.
Manchmal hat man richtig Glück, bei der Fehlersuche im Motorraum verbrennt Nobbi sich die Finger. An einem Kabel, das natürlich auf keinen Fall heiß werden darf. Allerhöchste Zeit hier aktiv zu werden. Das hätte schief gehen können.
Nach einem sehr starken Regenguss hatten wir den Eindruck, dass ein paar Tropfen am Schott im Achterschiff runterlaufen. Gestern Morgen beschließen wir mit dem Wasserschlauch zu testen ob die Steuersäule dicht ist. Nobbi baut die Verkleidung ab und legt sich auf dem Rücken in die Achterkammer. Ich habe den besseren Job und halte den Wasserstrahl auf die Steuersäule. Bevor ich so richtig begonnen habe schreit er: „Das reicht. Hier ist das Leck“. Er ist ziemlich nass geworden, der Wasserstrahl hat ihn im Gesicht getroffen. Die Steuersäule ist dicht. Das Wasser kommt durch den Kabelkanal an der Schaltung. Nobbi lag genau darunter. Und schon haben wir eine neue Aufgabe. Heute haben wir das mit großzügigem Einsatz von Sikaflex abgedichtet.

Obwohl wir kaum Ersatzteile benötigten, sondern fast alles was wir brauchten an Bord hatten (Farben, Schrauben oder Kleinteile), haben wir die Schiffshändler doch ein wenig reicher gemacht. Die Preise sind hoch. Häufig SVB mal zwei oder gar mal drei. Das Gute: hier gibt es fast alles und wir sind in Frankreich, wir treffen also vor allem auf die uns bekannten europäischen Marken. Der größte Posten waren die neuen Batterien. Im November kamen wir abends zurück an Bord und mussten feststellen, dass unsere Batterien kochten. Ein Stromausfall nach dem anderen hatte wohl unserem Ladegerät den Rest gegeben. Fast 180 Euro für 5m Kabel für die Ankerwinsch sind uns auch noch in guter Erinnerung.

Sicherlich habe ich viele Dinge in der Aufzählung vergessen, aber ihr habt einen Eindruck bekommen. Unsere ToDo-Liste ist nie leer, es geht also immer so weiter.
Nächste Woche geht es in die Werft um das Unterwasserschiff zu reinigen, neues Antifouling aufzubringen und dann hoffentlich schnell wieder ins Wasser. Ich bin kein Fan vom Leben „on the hard“ und immer sehr froh, wenn wir wieder schwimmen.