Ankerwinsch und Kunstgenuss

Als wir unsere Mari gekauft haben, hatte sie eine mechanische Ankerwinsch. Auf der Ostsee haben wir mit einem Kettenvorlauf und einer Ankerleine geankert und waren damit zufrieden. Für unsere große Reise haben wir uns eine lange Ankerkette gekauft und die elektrische Ankerwinsch eingebaut. Das Relais sitzt seitdem im Ankerkasten und ist nicht immer ein Quell der Freude. In Brasilien haben wir es schon einmal ersetzt, immer wieder gab es mal Probleme mit Korrosion. Die Kontakte haben wir schon einige Male neu gemacht, trotz verschiedener Versuche das Ganze mit „flüssigem Isolierband“ oder größerer Mengen Silikon wasserdicht zubekommen, hat Nobbi es gelegentlich mit dem Schraubenzieher überbrückt. In Opua haben wir uns mit unserem Nachbarn, der nicht nur ein großes Motorboot hat, sondern auch eine kleine Werft, darüber unterhalten. Er hatte das gleiche Problem und irgendwann keine Lust mehr. Er gab uns den Tipp das Relais vom Ankerkasten in die vordere Kammer zu verlegen.
Eigentlich ist alles ganz einfach, wir müssen nur zwei Löcher ins Schott bohren und neue Kabel verlegen. Das wir neue Kabel brauchen schmerzt etwas. Die fünf Meter Kabel kosten (inklusive der Kabelschuhe) stolze 180 Euro… Am ersten Tag baut Nobbi die alten Kabel aus. Das schwarze Minus darf liegen bleiben, aber die roten zwischen Winsch und Relais (für vorwärts und rückwärts, bzw. hoch und runter) sind zu kurz und wir bohren die Löcher. Am zweiten Tag laufen wir zum Schiffshändler kaufen die sauteuren Kabel und beginnen mit dem Einbau. Leider bekommen wir die neuen Kabel nicht in die Winsch ohne sie vom Deck zu lösen. Mittendrin beginnt es zu regnen. Nicht so schön für einen Elektromotor, dessen Gehäuse wir abgebaut haben. Wir ziehen eine Mülltüte und die Schutzplane vom Außenborder über die Winsch und hoffen auf besseres Wetter. An Tag drei stellen wir fest, dass wir den Deckel nicht wieder auf die Winsch bekommen ohne die ganze Winsch nochmal vom Deck zu lösen, leider hatten wir sie am Tag zuvor liebevoll mit Sikaflex wieder aufs Deck geklebt. Nach einigem Gewürge und vielen Flüchen sind die neuen Kabel angeschlossen und die Winsch steht wieder an Deck, frisch verklebt und natürlich geschraubt. Dieses Sikaflex (so eine Dichtungsmasse aus der Kartusche) klebt wie der Teufel. Vor allem da wo man es nicht haben will. Ich hatte nicht nur welches am Rock, sondern auch in den Augenbrauen. Warum der Platz in der Ankerwinsch eigentlich nur für dünne Kabel reicht, wo hier doch recht viel Strom fließt und daher die Kabel ordentlich dick sein sollten, hat bestimmt einen Grund. Wir kennen ihn nicht. Dadurch, dass wir die Winsch vom Deck lösen mussten, haben wir festgestellt, dass einer der vier Haltebolzen abgerissen war. Materialermüdung. So war das doch für irgendwas gut.
Wir sind gespannt wie sich diese neue Installation bewährt.

Die ToDo-Liste ist bei uns, wie auf den meisten Langfahrern, immer lang. Und wächst schneller als man sie abarbeiten kann. Doch wichtiger als die Liste der anstehenden Arbeiten sind uns die kleinen Entdeckungstouren. Dafür, dass Nouméa so eine kleine Stadt ist, gibt es erstaunlich viel zu sehen. Die Art-Factory, eine kleine Galerie, stellt gerade ganz interessante Bilder aus. Die Porträts Japanischer Frauen sind mit der Nähmaschine auf Stoffe mit unterschiedlicher Textur genäht. Eine tolle Idee.
Im Maison Higginson gibt es eine Ausstellung mit Werken des französischen Malers Gaston Roullet der Neukaledonien 1889 besucht und gemalt hat. Wir erfahren einiges über das bewegte Leben des Malers und über Neukaledonien im 19. Jahrhundert. Neben der Ausstellung ist auch das schöne Gebäude aus dem 20. Jahrhundert sehenswert.

Schön glatt abgerissen, Dieser Bolzen diente nur noch der Dekoration.

Wir bleiben vorerst in Neukaledonien

Zu Beginn dieser Saison, die für uns sehr spät begann, hatten wir neben dem Plan mit Mari aus Neuseeland via Neukaledonien nach Australien zu segeln noch verschiedene andere Ideen. Als Segler braucht man Alternativen und so entstanden Mitte des Jahres Plan B, C und D als mögliche Optionen.

Wie so oft im Seglerleben kommt es dann aber doch ganz anders. Wir haben uns für eine Variante entschieden, über die wir nicht nachgedacht hatten und die deshalb auch keinen Buchstaben im Planungsalphabet bekommen hat. Wir bleiben für die Zyklonsaison hier in Nouméa, werden weiter die Lagune mit dem Boot, die Stadt zu Fuß und die Insel mit dem Auto erkunden.
Der Entscheidungsprozess war nicht ganz einfach, erst wollte Nobbi nicht hier bleiben, dann war ich nicht überzeugt. Letztlich haben der Schaden an der Hydrovane Windsteueranlage, unsere aufgekochten Batterien und viele weitere Kleinigkeiten, wie gefundene Termitenflügel, den Ausschlag gegeben. Und dann war ich auch noch krank. Außerdem gefällt es uns hier und wir können uns gut vorstellen noch einige Monate hierzubleiben.
Seit eineinhalb Wochen liegen wir nun auf unserem Platz in der Marina, unserem Wohnort für die nächsten Monate. Nun können wir jeder Zeit rein- und rausfahren, ohne uns ab oder anzumelden. Es war nicht ganz einfach einen Platz zu bekommen, die Marina ist voll. Aber wir hatten Glück, auch weil unsere Mari so schlank ist. Für den dauerhaften Platz wurden wir von der Marina-Crew vermessen. Die Gesamtlänge zählt. Wir lernen, dass man das Schiff dafür normalerweise an einen bestimmten Steg verlegen muss, schon um zu zeigen, dass das Schiff noch fahrtüchtig ist. Wir konnten an unserem (alten) Liegeplatz vermessen werden. Die Tatsache, dass wir vor kurzem aus Neuseeland gekommen sind reicht als Beweis unserer Fahrbereitschaft.
Inzwischen sind wir zufrieden mit unserer Entscheidung und fühlen uns wohl in unserem neuen Zuhause auf Zeit. Nun lernen wir fleißig Französisch. Heute haben wir auf Französisch eine neue SIM- Karte und eine Briefmarke gekauft. Übungsaufgaben in freier Wildbahn.

Das Marina-Büro
Die Marina wird von vielen verschiedenen Spezies bewohnt

Ein kleiner Ausflug nach Mont Dore

Auch am Mittwoch machen wir einen Ausflug mit dem Auto, wieder fahren wir nach Osten. Zunächst legen wir eine kleine Pause bei der Touristeninformation ein. Es gibt sehr viele Wanderwege in der Region und einige Spaziergänge, außerdem bekommen wir Information zum Zustand der Straßen in der Region.
Wir machen eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt am Mont Dore, nach dem auch die Gemeinde benannt ist. Es ist sehr warm, wir schwitzen schon nach wenigen Metern, werden aber mit einem tollen Blick Richtung Nouméa, die Küste und das Landesinnere belohnt. Wir verzichten darauf den Mont Dore zu erklimmen. Die Wege wären uns auch bei moderaten Temperaturen zu steil.
In der Karte ist ein Aussichtspunkt bei einer Quelle eingezeichnet. Mit dem Auto sind es nur wenige Kilometer, der Aussichtpunkt ist nicht zugänglich, die Quelle wird aber fleißig besucht. Das Wasser sprudelt aus einer Anzahl von Rohren und viele Menschen füllen eine Wasserflasche nach der anderen. Das Wasser der Mont Dore Quelle wird nur 200m weiter in Flaschen gefüllt und ist in jedem Supermarkt erhältlich. Wir haben unsere Kanister nicht eingepackt und füllen nur unsere beiden Wasserflaschen.
Nun folgen wir der Straße entlang der Küste und halten immer mal wieder. Die Straße wird bald einspurig und wir treffen nur selten andere Autos. Eine schmale Brücke führt über den Rivière des Pirogues, einen flachen Fluss. Ich finde die Brücke etwas unheimlich, Nobbi macht sie natürlich Spaß. Ein paar Kilometer weiter führt die Straße durchs Wasser, das wollen wir unserem fast neuen Peugeot 108 dann doch nicht zumuten. Außerdem sehen wir auf der anderen Seite hochbeinige Trucks in hohem Tempo über die sandige Piste jagen. Hier scheint es vorbei zu sein mit der Idylle, wir haben uns anscheinend einem Nickelabbaugebiet genähert.
Wir kehren also um und machen unsere Mittagspause an einem überdachten Tisch am Strand, inzwischen sind wir in Übung und haben ein Picknick dabei. Bei einem Spaziergang in einem Park an der Küste freuen wir uns über die Flamboyants, die Bäume beginnen wunderschön in kräftigem Rot zu blühen.
Wir nutzen die Gelegenheit und gehen mit dem Auto einkaufen. Wir stellen fest, hier gibt es fast alles, wenn auch zu sportlichen Preisen, doch wir brauchen gar nicht viel und fahren bald heim und geben das Auto wieder ab.

Ausflug ins Naturschutzgebiet „Rivière Bleue“

Am Dienstagmorgen teilen wir uns auf, ich fange ein Baguette und Nobbi holt das gemietete Auto ab. Überraschenderweise war es gar nicht so einfach ein Auto zu bekommen, doch wir sind am Montag noch einmal im Büro vorbeigegangen und hatten schließlich Glück.

Unsere erste Autotour soll uns ins Naturschutzgebiet Rivière Bleue führen, das etwa eine Stunde östlich von Nouméa liegt. In Nouméa ist noch ziemlich viel Verkehr, der dann schnell weniger wird als wir die Stadt hinter uns lassen. Nach einiger Zeit ist so wenig Verkehr, dass man die entgegen kommenden Autos grüßt. Die Fahrt ist schön, wir halten ab und zu an um Fotos zu machen.
Am Parkeingang zahlen wir eine (überschaubare) Gebühr und bekommen einen Plan. Außerdem werden wir gefragt was wir vorhaben. Ein Teil des Parks kann mit dem Auto befahren werden, es gibt viele Wanderwege, Mountainbike Trails und Kanutouren. 1959 wurde ein Staudamm gebaut, dessen Stausee vom Rivière Blanc und vom Rivière Bleue gespeist wird. Der Naturpark liegt im Westen des entstandenen Stausees, dem Lac de Yaté. Der See teilt den Park, der Teil südlich des Sees darf mit dem Auto befahren werden. Auf die andere Seite kommt man über eine Fußgängerbrücke, dort gibt es einen Shuttlebus mit dem man verschiedene Wanderwege erreichen kann und den man am Eingang des Parks bucht. Wir entscheiden uns für eine gemütliche Runde mit dem Auto, steuern verschiedene Aussichtspunkte an, laufen ab und zu ein Stück, machen ein Picknick und gönnen uns ein Fußbad. Uns gefällt es hier ausgesprochen gut, eine sehr abwechslungsreiche Vegetation, sehr viele verschiedene Vögel, der See, der „weiße“ Fluss, viele Bäche, Brücken aus Holz und immer wieder ein toller Blick auf die Bergkette im Norden begeistern uns. Außerdem sind wir ganz beeindruckt von der Infrastruktur des Parks: Picknicktische und Hütten, Grills in denen Feuerholz bereit liegt und gut ausgeschilderte Wege für ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Von Rollstuhl geeigneten Picknickplätzen mit Zugang zum Wasser bis zu sehr anspruchsvollen Wanderungen wird alles abgedeckt.
Wir kommen bestimmt wieder, für uns gibt es hier noch viel zu entdecken.

Ein Besuch bei der Französischen Marine oder Rattenbleche mit Tricolore

Die Tage vergehen mit unspektakulärem, langweiligem und nervigen Getüddel, wir werden darüber berichten wenn es Ergebnisse gibt. Diese Woche standen außerdem ein Besuch beim Zoll, ein Gang zum Schiffshändler und das Besorgen einer Gasflasche auf dem Programm.
Doch auch der Alltag hält auch immer wieder Highlights bereit, wie eine leckere Bowl auf dem Place de Cocotiers. Dies ist ein beliebter Platz um die Mittagspause zu verbringen, nicht nur die Tische an den Restaurants und Buden sind stark frequentiert, auch auf den Rasenfläche kann man sehr schön im Schatten sitzen. Wir geraten, angezogen von der extrem kitschigen Weihnachtsdeko, in einen interessanten Laden, in dem es außer Plastik aus China auch verschiedene Haushaltwaren, gute Werkzeuge und Heiligenfiguren gibt. Weder die blinkenden Bären mit Weihnachtsmütze, noch eine neue Gallionsfigur haben es an Bord geschafft, nur einen Liter Terpentin haben wir gekauft. Es macht uns einfach Spaß durch die Läden zu streifen.
Gestern war Tag der offenen Tür auf dem Marine Stützpunkt hier in Nouméa. Es war wirklich interessant die kleine Basis zu besichtigen. Wir haben einen Rundgang durch die verschiedenen Werkstätten gemacht. In jeder Werkstatt gab es etwas zu sehen, zum Beispiel einen aufgesägten Motor, und Mitarbeiter, die Fragen beantwortet haben. Die Logistikabteilung hat ihre Gerätschaften vom Kran bis zum Gabelstapler vorgeführt und bei der Feuerwehr konnte man Feuer löschen üben. An vielen kleinen Ständen wurden T-Shirts verkauft, für eine Ausbildung bei der Marine geworben und Getränke verkauft. Kinder durften versuchen Wurfleinen in Körbe zu werfen, man konnte Nachtsichtgeräte ausprobieren und sich Waffen erklären lassen. Wir haben festgestellt, dass die Französischen Seenotretter, genau wie die DGzRS in Deutschland, kleine Sammelschiffe aufstellen. An die Seenotretter geht auch ein Teil der Erlöse dieser Veranstaltung. Den ganzen Tag gab es verschiedene Vorführungen und Übungen, die kleinen Boote und der Hubschrauber waren immer wieder im Einsatz.
Am allerbesten hat es uns natürlich gefallen, dass die Schiffe besichtigt werden konnten. Hier liegen eine ältere Fregatte und ein Versorger. Wir entscheiden uns für den Versorger und stellen uns für die Führung an. An Deck können wir uns schon umsehen, während wir warten. Während des ausführlichen Rundgangs sehen wir uns nicht nur an Deck um, besuchen die Mannschaftsmesse, die Unterkünfte der Crew und die Kabine des Kapitäns, wir dürfen auch aufs Oberdeck und die Brücke. Wir verstehen nicht alles, aber doch genug, um einen guten Eindruck zu bekommen und sind beeindruckt von der modernen Brücke. Nobbi ist neidisch und hätte nun auch gerne ein Control Panel, das Druck und Temperatur an jedem Zylinderkopf anzeigt. Das schönste Detail sind die Rattenbleche in den französischen Farben. Wir haben keine Rattenbleche an Bord, aber wenn wir welche hätten, dann würde ich das Marisol-Logo draufmalen.

Mittagspause auf dem Place de Cocotiers

Ein Wochenende im Grünen

Nach viel Bootsgetüddel wird es Zeit für ein wenig Freizeitprogramm. Die bordeigene Agentur schlägt ein typisch neukaledonisches Wochenendvergnügen mit Wandern und PiqueNique vor. Am Samstag geht’s nach Ouen Toro. Der Bus bringt uns zur gleichnamigen Endhaltestelle. Von dort laufen wir auf den Hügel, der einen tollen Blick über die Lagune und die Stadt bietet und an dessen Hängen sich Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsgrade schlängeln. Der Ausblick ist toll, wir sehen viele Vögel und sind begeistert von dem netten Flecken mitten in der Stadt.
Unsere Verpflegung besteht aus einer Packung Lava-Kekse (Familien-Slang für Oreo), deshalb unterbrechen wir den Rückweg in einem netten Restaurant. Der Weg von Ouen Toro zurück zur Marina führt uns immer am Wasser entlang durch drei lange Buchten, nur ganz am Ende geht’s einmal über den Berg. Wieder an Bord haben wir ziemlich platte Füße, was uns nicht von einem Sonntagsausflug am nächsten Tag abhält. Diesmal geht’s in den Parc Forestier, in dem wir vor ein paar Wochen schon einmal waren. Uns gefällt es wieder gut bei den Kagus und den Flughunden. Auf dem kleinen Wanderweg durch den Wald sehen wir lauter leuchtend blaue Schmetterlinge, schaffen es aber nicht sie zu fotografieren. Heute sind wir perfekt vorbereitet und haben unser PiqueNique dabei. Wir machen es wie die Einheimischen und suchen uns eine hübsche Bank für die Mittagspause. Die Tiere kennen das. Ein Pfau frisst unsere Baguettekrümel vom Boden, noch während wir auf der Bank sitzen.

Alte Steine und Urlaubstage

Nobbi versucht mich dazu zu überreden das Bier zum Boot zu tragen. Angeblich ist es ganz leicht. Die enthaltende Kohlensäure lässt die Dosen schweben. Alternative Physik? Ich habe meine Zweifel an dieser Theorie und überlasse ihm den Biertransport. Ihr bekommt einen Eindruck wie er sich seinen neuen Spitznamen „Quasselflosser“ ehrlich verdient hat, den er auch noch selbst erfunden hat. Wie ihr seht, sind wir wieder in Nouméa. Die Nahrungsmittelvorräte wollen aufgefüllt werden, unser Konservenvorrat war seit unserer Abfahrt in Bremen nicht so minimiert.
Unsere langsame Rückfahrt nach Nouméa hat uns an viele schöne Plätze gebracht. Wir hatten wunderschöne ruhige Nächte, in denen wir die Sterne durchs Luk über unserer Koje sehen konnten, und haben Delfine, Haie, ein scheues Dugong und sehr viele Schildkröten gesehen.
Wir hängen noch einen Tag in der Baie d´Uitoe dran und machen einen Spaziergang am Strand. Am nächsten Morgen geht es wieder zeitig los. Wir kommen so gut voran, dass wir bis in die Baie Papaye fahren und nun praktisch wieder in Sichtweite von Nouméa sind. Wir haben die große Bucht für uns allein, wenn man von den muhenden Kühen absieht. Von hier unternehmen wir einen Tagesausflug zur Ilot Signal, machen an einer Boje fest und gehen ausgiebig schnorcheln. Am Riff ist viel los, wir beobachten das Leben an einer kleinen Putzerstation und treffen eine große Muräne. Die Fische scheinen zu wissen, dass sie sich hier im Schutzgebiet befinden und nicht geangelt werden darf. Für die Nacht ist leichter Westwind angesagt. Wir beschließen wieder an die Hauptinsel umzuziehen und ankern hinter der Insel T`Ndu. Unseren vorigen Ankerplatz können wir von hier sehen. Die gesamte Rückfahrt und das Ankermanöver werden von heftigem Regen begleitet. In Signal hatten wir aus dem Trocknen die „Blauhandtücher“ beobachtet, eine Gruppe Urlauber mit identischen blauen Handtüchern, die furchtbar nass werden aber trotzdem fröhlich singen. Nun werden wir ausgiebig geduscht. Wir hängen unsere Handtücher im Regen auf, so werden sie mal Frischwasser gespült.
Als wir am nächsten Tag an Land rudern um uns die Füße zu vertreten, fällt uns sofort das interessante Gestein ins Auge. Ähnliche Formationen hatten wir am Tag zuvor in der Baie Papaye entdeckt und deshalb ein wenig recherchiert. Stromatolithen sind Sedimentgesteine. Und tatsächlich sehen sie nicht nur spannend aus, sondern sind auch sehr interessant. Es handelt sich vermutlich um die ersten durch Organismen aufgebauten Strukturen, so entstanden Riffe, lange bevor die Natur die Korallen erfunden hat. Sie sind die ältesten Fossilien und bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt. Die schmale, 1.3km lange und 70m hohe Insel T’Ndu ist praktisch ein riesiges Fossil. Als das Riff entstand gehörte es quasi noch zu Australien, wo Neukaledonien kürzlich von 80 Millionen Jahren abgebrochen ist. Interessant was man aus Versehen unterwegs alles lernt (unser Wissen stammt aus dem Revierführer, und einer kleinen Internetrecherche mit Wikipedia und Co).
Ein wunderbarer Sonnentag lädt zu einem erneuten Inseltag ein. Wir fischen eine Boje an der Ilot Laregnere, wo wir schon einmal waren. Zwei echte Urlaubstage verbringen wir hier. Wir schnorcheln so lange, dass wir abends früh auf dem Sofa einschlafen. Wieder sind wir total begeistert, was wir hier auf der Seegraswiese und am Riff zu sehen bekommen. Die Schildkröte die uns jedes Mal begleitet ist sozusagen die Kirsche auf der Sahne.
Am zweiten Tag wird es voll. Richtig voll. Ein echter Langfahrtklassiker, bei uns ist Dienstag, bei allen anderen Allerheiligen und Feiertag. Wir sehen uns das Getümmel einige Stunden an bzw. sind ein Teil dieses wunderbaren ersten Novembers, dann lösen wir unsere Leine von der Boje und segeln in die Baie Maa. Von dort geht’s am nächsten Tag nach Nouméa, wo wir jetzt in der Marina liegen.

In den Einträgen die seit unserem letzten Nouméa-Aufenthalt entstanden sind habe ich lauter Fotos ergänzt. Unterwasserfotos gibt es erstmal nicht mehr. Das Gehäuse ist endgültig undicht und die Kamera hat ihr letztes Schnorcheln leider nicht überlebt.

Zur Baie de St. Vincent

Platsch. Klonk. Schwapp. Spritz. Wir schauen uns an. Das ist nicht das erste Mal in Neukaledonien, dass wir von der Unterwasserwelt geweckt werden. Wer unter Wasser klopft wissen wir leider nicht. Nobbi öffnet das Fenster, das wir heute Nacht bei einsetzendem Regen schließen mussten, und wir beschließen noch eine Runde zu schlafen.
Nach einem ausgiebigen Morgenbad und einem gemütlich Frühstück machen wir uns auf den Weg. Heute liegt eine kurze Etappe vor uns. Die Strecke ist abwechslungsreich. In der großen Baie de St. Vincent liegen viele kleine und größere Inseln, so wechselt die Aussicht ständig. Zunächst ist es windstill, die Wolken spiegeln sich im Meer, dann kommt Wind auf. Ein Delfin schaut kurz vorbei, hat dann aber andere Verpflichtungen. Ein 190 m langer Bulkcarrier, ein Schiff das Schüttgut transportiert, ankert auf der Tontouta Reede und wird beladen. Auf jeder Seite liegen zwei Bargen, die schiffseigenen Kräne schaufeln den Inhalt der Bargen (vermutlich Erz) in die Laderäume. Sophie, Julien und Rhumb Matilda, die drei Schlepper, fahren mit den leeren Bargen davon und bringen volle zum Schiff. Wir haben viel zu gucken, passieren das Schiff und biegen hinter einer kleinen Insel ab, wir ankern heute in der Baie d´Uitoe.
Gestern haben wir nach einer Woche Ouano wieder verlassen. Wir hatten einige windige Tage, an denen wir dort gut lagen, uns aber doch über die starke Thermik gewundert haben. Der Wind stimmte selten mit der Vorhersage überein, schon gar nicht mit der Prognose für diesen Ort. Mit der Erfahrungen der vorigen Tage, der Wettervorhersage für weiter draußen liegende Orte und einem Blick auf die Topografie konnten wir uns selbst eine Vorhersage basteln und die riet uns zu bleiben.
Eine Wanderung hat uns besonders gut gefallen, vielleicht gerade deshalb, weil wir geringe Erwartungen hatten. Der Weg führte entlang der Mangroven am Ufer der Bucht, das hörte sich nicht so aufregend an. Doch wir wurden mal wieder überrascht. Der Pfad schlängelte sich durch salzige Wiesen, einen kleines Wäldchen, die unterschiedlichen Mangrovenarten wurde auf Schildern erklärt, wir passierten kleine Teiche mit Seerosen und entdeckten Blümchen auf trocknen Wiesen. Ein kleiner Aussichtspunkt auf einer Anhöhe ermöglichte einen schönen Blick über die Bucht. Rundum zufrieden kehrten wir zurück zum Boot. Kaum hatten wir das Boot zusammengefaltet und verpackt, da wehte der Wind auch schon wieder mit 25 bis 30kn aus Nord entgegen der Vorhersage, die wenig Wind aus Südost versprach.
Gestern wollten wir nun endlich weiterziehen und sind deshalb früh aufgestanden. Wir wollen uns langsam auf den Weg zurück nach Nouméa machen, d.h. nach Südosten. Von dort kommt hier fast immer der Wind, der meistens tagsüber auffrischt. Also stehen wir um halb sechs auf, trinken Kaffee und beginnen dann unsere schlammige Ankerkette aus dem Grund zuziehen. Diesmal wählen wir die innere Route dichter am Festland und als der Wind gegen neun deutlich zunimmt, biegen wir in die Baie de St. Vincent ab. Die Inseln in der Bucht bieten guten Schutz gegen den vorherrschenden Wind und bieten interessante Durchfahrten. Wir hofften unsere Delfinfamilie von der Hinfahrt wiederzutreffen, hatten jedoch kein Glück. Dafür sehen wir mehrere Seeschlangen. Die Tiere sind faszinierend, aber ich finde sie auch irgendwie unheimlich. Die Tiere können lange tauchen, müssen aber zum Atmen an die Oberfläche, schließlich sind es keine Fische, sondern Reptilien. Weltweit gibt es etwa 55 Arten, 14 davon sind in Neukaledonien unterwegs.
Die große Ile Ducos bietet an ihrer Nordseite einen schönen Ankerplatz in der Baie de Moustique. Als wir den Anker fallenlassen, sehen wir einen Rochen dreimal hintereinander aus dem Wasser springen. Wir nehmen die Begrüßung als gutes Omen und verbringen hier eine ruhige Nacht. So viel Unterwasserleben wie hier in Neukaledonien haben wir bisher nur an ganz wenigen Plätzen erlebt.

Ein schöner Tag mit jähem Ende

Auf der kleinen Pier hatten wir am Tag zuvor Damien kennengelernt. Er lebt mit seiner Frau Ruth auf einem Segelboot und ist schon länger in Neukaledonien. Er bietet uns sofort an, uns am nächsten Tag mit dem Auto in den Ort La Foa mitzunehmen. Eigentlich brauchen wir nicht unbedingt einkaufen, aber wir haben Lust auf einen Ausflug. Und so schließen wir uns den beiden am Mittwoch an. Wir werden mit allerlei Tipps versorgt und in der Ortsmitte abgesetzt.
La Foa ist ein netter Ort. Wir laufen erst die Hauptstraße runter und biegen dann in niedliche, kleine Nebenstraßen ab. Hübsche Häuser stehen in üppigen Obstgärten. In der Touristeninformation werden wir freundlich empfangen, wir sehen uns die eiserne Brücke von 1906 an, die es sogar aufs Wappen geschafft hat, und gehen ganz in Ruhe einkaufen. Anschließend laufen wir mit unseren vollgepackten Taschen zum Schwimmbad, hier soll es ein gutes Restaurant geben. Das Schwimmbad ist super modern, jede deutsche Gemeinde wäre neidisch. La Foa scheint wohlhabend zu sein. Auch Rathaus, Schule und Polizeiwache sehen top aus. Tatsächlich überrascht uns das Restaurant mit tollem Essen. Es ist brechend voll. Wir sitzen quasi mitten im Schwimmbad, direkt neben dem Becken in dem gerade Aquagymnastik stattfindet und Kinder auf einer aufgepumpten Matte spielen. Hier hätten wir nie mit so ausgezeichnetem Essen gerechnet, sondern eher mit Pommes-rot-weiß. Damien und Ruth sammeln uns schließlich wieder ein und zusammen genießen wir eine fröhliche Rückfahrt.
Der Spaß endet jäh, als unsere Boote in Sicht kommen. Der Wind hat aufgefrischt, auf der Ankerbucht sind kleine Schaumkronen und Mari liegt nicht im Wind. Unser geliebtes Boot und Zuhause liegt merkwürdig dicht an einem anderen Boot, das an einer Mooring hängt. Nobbi und Damien fahren mit dem größeren Dinghy zu den Booten und versuchen Mari zu befreien. Mari hängt mit der Windsteueranlage in der Mooring-Leine und im Bugkorb des anderen Boots fest. Den beiden Männern gelingt es schließlich Mari zu befreien und neu zu verankern. Was genau passiert ist können wir nur vermuten. Der Anker ist wohl geslippt. Zum ersten Mal in all den Jahren, in denen wir unsere Mari segeln. Das andere Schiff, in dem wir hängen geblieben sind, ist aus Stahl und hat zum Glück keinen größeren Schaden davon getragen. Bei uns jedoch ist die Windsteueranlage gebrochen. Unser wichtigstes Ausrüstungsstück. Wir sind froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Kein Schaden am Heck, an der Badeleiter, den Solarpanels, am Bimini, am Windgenerator. Nobbi hat mit vollem Körpereinsatz um unsere Mari gekämpft und sich ein paar Schnitte an den Füßen zugezogen, als er auf der Muschelbesetzten Mooring-Leine stand. Die Windsteueranlage haben wir bereits auseinander genommen, festgestellt welche Teile wir ersetzen müssen und mit Hydrovane Kontakt aufgenommen. Mal sehen, wann wir Ersatz bekommen können.
Wir sind Damien unendlich dankbar für seine Hilfe und seinen beherzten Einsatz. Mit so einer Situation nicht alleine zu sein ist Gold wert und in so einer Situation einen erfahrenen und tatkräftigen Segler an seiner Seite zu haben ist unbezahlbar.