Unsere Windsteueranlage ist wieder fit

Nach unserem Unfall am 19. Oktober sind wir einerseits froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist aber doch betroffen, dass es ausgerechnet unsere Hydrovane erwischt hat. Sofort haben wir die kaputte Anlage gesichert. Am nächsten Tag (Tag 1 nach dem Unfall) bauen wir die beschädigte Windsteuerung ab, machen eine Bestandsaufnahme und schreiben eine Mail an Hydrovane. Einige Mails gehen hin und her. Zum Glück melden sie sich sofort. Wir brauchen einen neuen „main frame“, in diesem Gehäuse ist die Steuereinheit aufgehängt, die Windfahne und Ruder verbindet. Das benötige Ersatzteil ist lieferbar. Einige Schrauben wurden von imperial auf metrisch umgestellt, wir bekommen zusätzlich metrische Bolzen und Schrauben, damit es da keine Probleme gibt. Die Kommunikation ist etwas mühsam. Das Büro von Hydrovane ist an Kanadas Westküste, die Produktion sitzt in England und wir sind in Neukaledonien. Eleganter kann man sich kaum über den Globus verteilen. Mindestens bei einer Partei ist immer Nacht oder Wochenende. Endlich bekommen wir die Rechnung (Tag 6), überweisen sofort und freuen uns, dass das Paket nun bald, wenn das Geld eingegangen ist, verschickt werden kann. Trotz aller Hürden, denn wir ankern weit von Nouméa entfernt, haben nur ein kleines Datenvolumen mit wenig Guthaben (Telefongespräche ist Ausland sind nicht billig) und unsere deutschen Telefone funktionieren hier gar nicht (keine Verträge mit dem Netzanbieter) sind wir froh, das Problem so schnell in den Griff bekommen zu haben.

Die Windsteueranlage ist geknickt und wir sind es auch.
Der gebrochene Rahmen
Der Riss verläuft (natürlich) durch die Gewindebohrungen.

Nach ein paar Tagen wundern wir uns, dass wir noch keine Trackingnummer haben und fragen bei Hydrovane nach. Unser Geld ist noch gar nicht angekommen. Am 3. November (Tag 15 nach dem Unfall) rufen wir das erste Mal unsere Bank an. Die Mitarbeiterin ist freundlich und gut geschult. Eine Euro-Auslandsüberweisung in einer Nicht-EU Land (GB), sollte schnell gehen, könnte aber schon 4 bis 5 Tage dauern.
Die Tage gehen dahin, wir bitten Hydrovane noch mal nachzuschauen, ob das Geld nicht inzwischen angekommen ist. Inzwischen kommunizieren wir bei Hydrovane direkt mit der Dame aus der Rechnungsabteilung. Sie ist sich sicher, das Geld ist nicht da. Am 9. November (Tag 21) rufen wir wieder unsere Bank an. Die Dame ist sehr freundlich, aber wir fühlen uns nicht erst genommen, als sie uns erklärt, Auslandsüberweisungen könnten schon mal 10 Tage dauern. Sie lässt sich überzeugen, dass es nicht normal ist, dass das Geld irgendwo verschwindet und richtet einen Suchauftrag ein.
Es passiert nichts, das Geld taucht nicht bei Hydrovane auf und wir hören nichts von unserer Bank. Um das Ganze ein bisschen interessanter zu gestalten kann Nobbi zwischenzeitlich nicht mehr auf sein Konto zugreifen.
An Tag 27 rufen wir wieder bei unserer Bank an. Diesmal hat Nobbi keine freundliche Mitarbeiterin am Telefon, die wenigstens so tut, als würde sie da jetzt aktiv werden, sondern einen einigermaßen unfreundlichen Mitarbeiter. Er Nobbi erklärt „es sei eben Fachkräftemangel, da könne man nicht erwarten, dass sich um unser kleines Anliegen schon jetzt gekümmert würde“. Niemand hätte sich damit bisher beschäftigt, wann das der Fall sei wisse er auch nicht. Nach einem interessanten Wortwechsel, in dessen Verlauf Nobbi dem Mitarbeiter erklärt, dass er es bemerkenswert fände, dass ein Bankmitarbeiter die Ansicht vertritt, es sei normal das 1000 Euro einfach verschwinden. Nach dem unerfreulichen Telefonat sind wir kein bisschen schlauer. Es ist nicht so einfach Nobbi so richtig wütend zu machen. Aber jetzt ist Schluss. Die Bank bekommt Beschwerde Emails auf allen verfügbaren Kanälen und ganz analoge Brief-Post. Das Familiennetzwerk druckt den Brief aus und wirft ihn ein. Nun kommt Bewegung in die Sache. Nobbi bekommt eine Email. Die Empfängerbank hat lauter Fragen und deshalb die Zahlung nicht weitergeleitet. Seit wann die Anfrage wohl vorliegt, wir werden es nie erfahren. Die offenen Punkte sind leicht zu klären: Ist Marisol ein Handelsschiff? Hat es eine IMO Nummer? Welcher Heimathafen? Sollen die Teile nach Afghanistan oder Iran ausgeführt werden?
Kurz darauf meldet sich Hydrovane. Sie haben das Geld erhalten. Inzwischen haben wir unsere Rechnung ein zweites Mal bezahlt. Mit Kreditkarte in US Dollar. Sie buchen uns das Geld zurück. Auf den Kreditkartengebühren von fast 40 Dollar bleiben wir sitzen. Nachdem Theater ist für uns klar, das nächste Mal werden wir auf eine Kreditkartenzahlung bestehen, auch wenn Hydrovane die Zahlung per Überweisung vorzieht.

Endlich ist unser Paket unterwegs. Am 25. November (Tag 37) verlässt unser Paket Nottingham und macht eine interessante Reise (Reiseanbieter ist FedEx). Nottingham – Feltham – Stansted – Paris (26.11.) – weiter geht’s nach Indien, New Delhi (27.11) – China, Guangzhou – Singapur (28.11) – und erreicht am 29.11. schließlich Matraville bei Sydney. Bis nach Australien ging es also wirklich schnell. Jetzt wird es mühsam, unser Paket macht einen längeren Australienurlaub und trifft am 7.12. schließlich in Nouméa ein.
Am 8. Dezember (Tag 50) taucht in der Nachverfolgung ein neuer Status auf: Verspätet „due to clearance reasons”. Unsere Sendung ist anscheinend beim Zoll. Nun passiert erstmal nichts, dann bekommen wir eine Mail, nicht etwa von FedEx, sondern von einem Agenten. Wir sollen Zollpapiere ausfüllen. Entweder füllen wir die Papiere aus und schicken sie an die Agentur, Preisliste liegt bei, oder wir gehen selbst ins FedEx-Büro. Alles natürlich auf Französisch. Wir hängen zu diesem Zeitpunkt gerade an einer Boje vor einer kleinen Insel in der Lagune und müssen erst nach Nouméa zurückfahren.
Am Freitag den 16. Dezember laufen wir morgens zu FedEx. Dort füllen wir die Zollerklärung aus und geben auch eine Kopie unseres Zollpapiers fürs Boot ab, denn so ein Ersatzteil erfüllt eigentlich eindeutig die „Yacht in Transit“ Bedingungen und ist damit zollfrei. Dann ist erst mal Wochenende. Am Montag bekommen wir wieder eine französische Email der Agentur, die quasi FedEx entspricht (gleiches Büro, gleiche Mitarbeiter). Wir können unser Paket abholen. Die Mail kommt um 16.45, das Büro schließt um 17 Uhr.
Am nächsten Tag laufen wir wieder zu Fedex, bezahlen einen kleinen Betrag Zoll. Warum wir worauf jetzt Zoll bezahlen, verstehen wir nicht so ganz. Vielleicht auf den Versand? Die Zollpapiere bekommen wir per Mail, immerhin acht Seiten. Inzwischen ist uns das auch alles ziemlich egal.
Endlich bekommen wir unser Paket ausgehändigt und schleppen es nach Hause. Übrigens, wir hätten auch vereinbaren können, dass es uns in den nächsten Tagen geliefert wird… Als wir wieder an Bord sind erhalten wir eine Email von FedEx, dass unsere Lieferung wurde zugestellt wurde. So könnte man das auch beschreiben. Inzwischen sind 62 Tage seit unserem Unfall vergangen.

Zusammengefasst: Die Lieferung ist nach 3,5 Wochen eingetroffen. Das war ein Express Versand mit FedEx für 300 Euro. Dreieinhalb Wochen nach Neukaledonien ist gar kein schlechter Wert. Wir kennen unendlich viele Geschichten von Paketen, die irgendwo im Zoll hängenbleiben, die eine Weltreise machen und dann wieder in Deutschland auftauchen, die verschwinden oder nach Monaten doch noch ausgeliefert werden. Seit der Pandemie (die Dauerentschuldigung in vielen Bereichen) ist es noch schlimmer geworden. Manchmal läuft es auch super. 2019 haben wir ein Paket nach Neuseeland bekommen. 3 Tage von SVB (Bremen) nach Opua!

Wir bauen die Windsteueranlage wieder zusammen. Alles passt perfekt. Wir wollen erwähnen, dass wir sehr zufrieden mit der Kommunikation des Hydrovane-Teams waren, Fragen wurden schnell beantwortet und die Lieferung wurde auch von ihrer Seite verfolgt.
Inzwischen haben wir uns die gebrochene Anlage schweißen lassen. Obwohl wir mehrfach gehört hatten, Aluguss könne man nicht schweißen. Charly hat ganze Arbeit geleistet, die Teile perfekt aufeinander gesetzt und nachbearbeitet, so dass sogar die Bolzen in die gebrochenen Gewinde passen. Welche Festigkeit das Teil hat? Das können wir nicht sagen, denn natürlich konnte der Riss nur von außen geschweißt werden. Im Notfall hätten wir mit dieser Reparatur die Überfahrt nach Australien gewagt. Für uns fühlte es sich gut an, eine Alternative zu haben, während etwas unklar war, ob es hier nun mit dem Liegeplatz klappt.

Die reparierte Anlage. Hier kann man die Schweißnaht gut erkennen.

Weihnachten waren wir segeln. Einfach so, zum Spaß. Das Wetter war viel segelbarer als angenommen, denn es sah erst so aus, als wäre gar kein Wind. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, Ruder und Windfahne angebaut und die Hydrovane-Anlage getestet. Unsere „Ursel“ steuert hervorragend, genau wie wir es kennen. Wir sind sehr glücklich, damit ist das Team wieder komplett!

Wir testen die Windsteueranlge ausgiebig.
Das Team ist wieder komplett!

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen euch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest. Den meisten von euch Lesern sind wir einige Stunden voraus. Während ihr vielleicht letzte Einkäufe macht, den Baum schmückt, mit dem Hund spazieren geht, die Kinder auf dem Spielplatz lüftet oder ein Geschenk verpackt, gehen wir nun gleich zum gemütlichen Teil über, genießen unser Festessen und sind gespannt, ob wir ein Dugong mit Weihnachtsmütze sehen.

Ferien in der Reihenhaussiedlung

Das Leben in der Marina Port Moselle hier in Nouméa ist ein wenig vergleichbar mit dem Leben in einer Reihenhaussiedlung.
Anders als in vielen anderen Südsee Destinationen gibt es hier eine starke einheimische Seglerszene.
In vielen Häfen in denen wir auf unserer Reise waren, liegen fast nur Langfahrer, die für einige Tage oder Wochen dort Station machen. Das ist hier anders. Fast alle Boote hier gehören Menschen, die in Nouméa leben. Eine weitere Besonderheit ist, dass sehr viele Boote dauerhaft bewohnt sind. Morgens machen sich die Bewohner von ihren Booten auf den Weg zur Arbeit und die Kinder gehen in den Kindergarten oder die Schule. Vor einigen Booten stehen Blumenkästen mit mehr oder weniger dekorativen Pflanzen und natürlich gibt es auch Haustiere. Mehrere Hunde wohnen auf unserem Steg, eine Katze ist besonders gerne nachts unterwegs und hinterlässt gelegentlich Tatzen-Abdrücke bei uns an Deck. Sein Fahrrad hängt man einfach über den Anker am Bug.
Es gibt einen klaren Rhythmus. In der Woche liegen die meisten Boote auf ihren Liegeplätzen, an Wochenende fahren viele raus und genießen die schönen Plätze in der Umgebung der Lagune.
Am Montag haben die Sommerferien begonnen und die Festtage stehen an, das merkt man. Viele Bewohner verreisen und haben Segel und Biminis abgeschlagen. Es ist etwas ruhiger als sonst.

Lustige Randbemerkung, wir kennen das schon aus anderen französischen Häfen, viele Paare duschen gerne gemeinsam. Eine, wie ich finde, nette und typisch französische Lösung ist das Schild an der Damendusche, dass man das gemeinsame Duschen in die Herrendusche verlegen soll. Ebenfalls typisch französisch und sehr sympathisch, werden solche Schilder eher als allgemeiner Hinweis verstanden.

Schnee in Nouméa

Seit dem 10. Dezember gibt es das Fete de la Lumiere, das Lichterfest. Eine weitere Weihnachtsattraktion auf dem zentralen Platz. Um 19 h, bei Einbruch der Dunkelheit, geht’s los. Aus Lautsprechern erklingen Weihnachtslieder, fast jeder Baum und jede Palme ist beleuchtet, auf einem Weg tanzen Lichtpunkte, die die Farbe wechseln, eine Krake sitzt auf dem beleuchteten Museum und auf die Wand des Rathauses werden Weihnachtsornamente und Fotos von Passanten projiziert. Der besondere Clou: alle paar Minuten schneit es am Weihnachtsbaum! Wem es zu warm für Schnee ist, der kann ausprobieren wie es sich im Kalten anfühlt. In zwei Kühlcontainern sind eine kleine Rutsche, eine Curlingfläche und einige Eiswürfel aufgebaut bei -18 Grad. Die Schlange ist an den meisten Abenden lang, viele möchten sich für fünf Minuten abkühlen. Die Stadt lässt sich wirklich viel einfallen!
Wir gehören zu den regelmäßigen Besuchern. Um halb sieben beginnt die Vorstellung am „Musik Pavillon“. Davon haben wir letzte Woche schon berichtet, Artisten, Tänzer oder Clowns treten auf. Anschließend führt der Nachhauseweg an den Lichtern vorbei. Als wir uns am Freitag das erste Mal in den Weihnachts-Lichtertrubel gestürzt haben, kamen wir so weihnachtlich gestimmt zurück, dass wir danach „Tatsächlich Liebe“ gesehen haben. Noch schöner als die Lichter zu betrachten ist es aber sich die Kinder anzusehen. Das Staunen, der Spaß wenn sie versuchen die Lichterpunkte zu jagen und die Aufregung, wenn sie ihren Wunschzettel in den Briefkasten vom Weihnachtsmann einwerfen.
Bis Weihnachten werden wir uns abends sicherlich noch einige Male eine Ladung weihnachtlicher Gefühle abholen.

Schöne Tage am Anker

Wir stehen mit unseren Teebechern an Deck und beobachten einen Rochen, der unter Mari hindurch schwimmt. Noch vor dem Frühstück waren wir ausgiebig Schnorcheln und haben gerade unsere Handtücher auf den Seezaun gehängt. Es ist so klar, dass wir eigentlich nicht ins Wasser müssen um Fische zu beobachten.
Nach fünf Wochen in der Marina, war es Zeit das Türkisitäts-Konto aufzufüllen. So bequem das Leben am Steg auch ist, wurde der Wunsch nach ein paar Tagen „draußen“ immer größer. Wir haben einige wunderbare Tage am Anker bzw. an der Boje verbracht. Obwohl wir die meisten Plätze, die wir besucht haben, schon kannten, gab es einiges zu entdecken. Letzten Samstag ging es los. In die Baie de Papaye, eine schöne Bucht der Hauptinsel, sind es nur einige Meilen. Nach zwei Nächten sind wir in die Nachbarbucht Baie de Maa umgezogen, dann ging es weiter nach Ilot Laregnere und auf dem Heimweg haben wir noch einen Stopp bei Ilot Maitre eingelegt. Wir beobachten die Hirsche in der Baie de Maa, werden an der Boje an Ilot Laregnere immer wieder von der Luftwaffe überflogen und sehen den Lotsenbooten zu, die die großen Schiffe in den Hafen bringen.
Die Nächte waren ruhig und sternenklar. Lange saßen wir an Deck, haben uns Sterne, Planeten und Satelliten angeguckt. Mit dem Fernglas kann man sehr schön sehen wie Sterne weiß, blau, rot oder grün funkeln. Nobbi hat mir viele wahre Geschichten über Sternenbilder und einige etwas kreativere über ihre Benennung erzählt.
Wie so oft hat das Seglerleben eine kleine Überraschung für uns. Unser Unterwasserschiff ist ganz schön stark bewachsen und scheint sich gar nicht an dem recht frischen Antifouling zu stören. Für sportliche Betätigung ist also gesorgt. Wir putzen Maris Bauch mit einem Pfannenwender aus Holz. Das hält fit.
Am schönsten sind die Tage mit sehr wenig Wind, die wir an der Boje an Ilot Laregnere verbringen. Wir Schnorcheln mehrmals am Tag, schwimmen an den Strand der kleinen Insel und genießen die grandiosen Farben. Es ist unglaublich schön. Blau und türkis in allen Schattierungen. Als Kulisse die Hauptinsel Grand Terre mit ihren hohen Bergen, ausnahmsweise fast wolkenlos.
Ausgiebig diskutieren wir die Frage, ob die Baby-Schlangen als niedliche gelten. Nobbi hat beim Schnorcheln lauter kleine, niedliche Schlangen gesehen. Ich finde sie faszinierend und sie sehen so perfekt aus, mit ihrer glänzenden Haut und dem eleganten Muster. Aber niedlich???
Von Nachrichten, Social Media und Co sind wir hier weitgehend abgeschnitten. Die interessante Preispolitik unserer Touristen-SIM-Karte sorgt dafür, dass wir nur ein kleines Datenpaket haben, das wir hauptsächlich nutzen um die Wettervorhersage abzufragen. Dass Frankreich im Fußball-WM-Finale steht wissen wir, als ein fünf Meter langes Motorboot mit einer 4 Meter großen Frankreich Flagge vorbeifährt.
Das Sahnehäubchen auf dieser wunderbaren Woche ist die letzte Nacht bei Ilot Laregnere, als mehrere Dugongs im Mooringfeld unterwegs sind. Schade, dass es so dunkel ist. Wir hören ihr Prusten. Es scheinen vier Tiere zu sein, die immer wieder auftauchen. Schließlich kommen sie so dicht ans Boot, dass wir ihre Körper erkennen können.
Gerne hätten wir noch ein paar Tage am Anker verbracht, das Wetter ist noch immer wunderbar, unser langerwartetes Paket ist jedoch in Nouméa angekommen und steckt beim Zoll fest. Wir müssen uns darum kümmern und deshalb liegen wir nun wieder an unserem Platz in der Marina.

Wer gewonnen hat? Eindeutig Frankreich.

Dies ist kein Baby, sondern ein mittelgroßes Exemplar. Niedlich?

Unsere Nachbarin macht einen Abendspaziergang auf dem SUP und bietet uns großzügig an ihre Spielzeuge wie Kanus und SUPs zu benutzen.

Ein 60. Geburtstag

Der Parc Forestier feiert am 2. Advent seinen 60. Geburtstag. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Es gibt einen Shuttle der praktischerweise direkt bei uns „vor der Haustür“ abfährt. Die kleine Bimmelbahn ist weihnachtlich geschmückt. Ein riesiger Teddy, lauter Girlanden, Kugeln, Glöckchen und als Krönung eine Weihnachtskrippe direkt hinter dem Nummernschild. Weihnachtliche Musik spielt, ausgerechnet mit „Last Christmas“ werden wir beschallt. Wir müssen beide lachen und ich denke, dass wir Reisenden hier im Vorteil sind. Niemand, den wir kennen sieht uns mit einem Teddy-Zug und Weihnachtsliedern durch die Gegend gondeln. Übrigens hat die Bimmelbahn viel weniger Probleme mit den steilen Straßen als der Linienbus.
Am heutigen Geburtstag ist der Eintritt frei. Im Park gibt es viele kleine und große Aktionen: Stände von verschiedenen Umweltorganisationen, Führungen, Kinder werden geschminkt, dürfen Ponyreiten und Schafe streicheln, Stelzenläufer begrüßen die Besucher, es gibt Theatervorstellungen und einen kleinen Markt. Am Eingang bemalt eine Frau unter den Augen der Besucher eine Wand. Schon das halbfertige Kunstwerk gefällt uns sehr. Wir lassen uns ein Riffschutzprojekt erklären und bekommen ein schönes Poster mit endemischen Bäumen geschenkt. Im Park machen wir einen ausgiebigen Spaziergang und genießen unser Picknick. Am meisten Zeit verbringen wir in der großen Voliere mit den heimischen Vögeln. Obwohl wir nun schon zum dritten Mal hier unterwegs sind, wird uns nicht langweilig. Als der Himmel sich dunkel färbt, machen wir uns auf den Weg zum Ausgang. Während wir auf den Bus warten, blitzt es bereits. Kaum sitzen wir im Bus beginnt es zu schütten. Perfektes Timing!

Zarte vorweihnachtliche Gefühle

Die Zeit rennt. Der Kagu zündet heute schon die dritte Kerze an. Kurz vor Weihnachten läuft die Zeit irgendwie schneller als den Rest des Jahres, das ist in Neukaledonien nicht anders als im Rest der Welt.
Wir sind beide eigentlich echte Weihnachtsfans, doch es ist so warm und sommerlich, dass nur zarte Weihnachtsgefühle aufkommen. Wir haben wieder unseren Salon geschmückt, die Lichterkette zaubert gemütliches Licht, rote Kugeln dürfen nicht fehlen und auch unseren Weihnachtsflamingo von Bonaire haben wir wieder aufgehängt.
Nouméa ist in Sachen Weihnachtsdekoration durchaus konkurrenzfähig. Im Supermarkt hängen nicht nur an vielen Regalen Girlanden, sondern auch an den Kühltheken, viele Straßen sind mit schöner Weihnachtsbeleuchtung geschmückt worden und auf dem zentralen Platz steht ein Weihnachtsbaum samt Briefkasten vom Weihnachtsmann. Auf diesem Platz ist fast jeder Baum und jede Palme geschmückt, ein regelrechtes Lichtermeer, und es gibt jeden Abend eine kleine Vorführung für die ganze Familie, wie zum Beispiel Tanz oder Zirkus.
Am ersten Advent waren wir auf einem hübschen Weihnachtsmarkt. Es wurden sehr schöne Dinge angeboten wie Schnitzereien, Aquarelle, Genähtes, Schmuck, also Kunsthandwerk im weitesten Sinne. Strahlendblauer Himmel und 30 Grad, dazu Weihnachtsbäume und Weihnachtsdeko. Wir waren anschließend am Strand. Uns gefällt die warme Vorweihnachtszeit, nur an Glühwein mögen wir nicht mal denken. Euch einen schönen dritten Advent!

Ankerwinsch und Kunstgenuss

Als wir unsere Mari gekauft haben, hatte sie eine mechanische Ankerwinsch. Auf der Ostsee haben wir mit einem Kettenvorlauf und einer Ankerleine geankert und waren damit zufrieden. Für unsere große Reise haben wir uns eine lange Ankerkette gekauft und die elektrische Ankerwinsch eingebaut. Das Relais sitzt seitdem im Ankerkasten und ist nicht immer ein Quell der Freude. In Brasilien haben wir es schon einmal ersetzt, immer wieder gab es mal Probleme mit Korrosion. Die Kontakte haben wir schon einige Male neu gemacht, trotz verschiedener Versuche das Ganze mit „flüssigem Isolierband“ oder größerer Mengen Silikon wasserdicht zubekommen, hat Nobbi es gelegentlich mit dem Schraubenzieher überbrückt. In Opua haben wir uns mit unserem Nachbarn, der nicht nur ein großes Motorboot hat, sondern auch eine kleine Werft, darüber unterhalten. Er hatte das gleiche Problem und irgendwann keine Lust mehr. Er gab uns den Tipp das Relais vom Ankerkasten in die vordere Kammer zu verlegen.
Eigentlich ist alles ganz einfach, wir müssen nur zwei Löcher ins Schott bohren und neue Kabel verlegen. Das wir neue Kabel brauchen schmerzt etwas. Die fünf Meter Kabel kosten (inklusive der Kabelschuhe) stolze 180 Euro… Am ersten Tag baut Nobbi die alten Kabel aus. Das schwarze Minus darf liegen bleiben, aber die roten zwischen Winsch und Relais (für vorwärts und rückwärts, bzw. hoch und runter) sind zu kurz und wir bohren die Löcher. Am zweiten Tag laufen wir zum Schiffshändler kaufen die sauteuren Kabel und beginnen mit dem Einbau. Leider bekommen wir die neuen Kabel nicht in die Winsch ohne sie vom Deck zu lösen. Mittendrin beginnt es zu regnen. Nicht so schön für einen Elektromotor, dessen Gehäuse wir abgebaut haben. Wir ziehen eine Mülltüte und die Schutzplane vom Außenborder über die Winsch und hoffen auf besseres Wetter. An Tag drei stellen wir fest, dass wir den Deckel nicht wieder auf die Winsch bekommen ohne die ganze Winsch nochmal vom Deck zu lösen, leider hatten wir sie am Tag zuvor liebevoll mit Sikaflex wieder aufs Deck geklebt. Nach einigem Gewürge und vielen Flüchen sind die neuen Kabel angeschlossen und die Winsch steht wieder an Deck, frisch verklebt und natürlich geschraubt. Dieses Sikaflex (so eine Dichtungsmasse aus der Kartusche) klebt wie der Teufel. Vor allem da wo man es nicht haben will. Ich hatte nicht nur welches am Rock, sondern auch in den Augenbrauen. Warum der Platz in der Ankerwinsch eigentlich nur für dünne Kabel reicht, wo hier doch recht viel Strom fließt und daher die Kabel ordentlich dick sein sollten, hat bestimmt einen Grund. Wir kennen ihn nicht. Dadurch, dass wir die Winsch vom Deck lösen mussten, haben wir festgestellt, dass einer der vier Haltebolzen abgerissen war. Materialermüdung. So war das doch für irgendwas gut.
Wir sind gespannt wie sich diese neue Installation bewährt.

Die ToDo-Liste ist bei uns, wie auf den meisten Langfahrern, immer lang. Und wächst schneller als man sie abarbeiten kann. Doch wichtiger als die Liste der anstehenden Arbeiten sind uns die kleinen Entdeckungstouren. Dafür, dass Nouméa so eine kleine Stadt ist, gibt es erstaunlich viel zu sehen. Die Art-Factory, eine kleine Galerie, stellt gerade ganz interessante Bilder aus. Die Porträts Japanischer Frauen sind mit der Nähmaschine auf Stoffe mit unterschiedlicher Textur genäht. Eine tolle Idee.
Im Maison Higginson gibt es eine Ausstellung mit Werken des französischen Malers Gaston Roullet der Neukaledonien 1889 besucht und gemalt hat. Wir erfahren einiges über das bewegte Leben des Malers und über Neukaledonien im 19. Jahrhundert. Neben der Ausstellung ist auch das schöne Gebäude aus dem 20. Jahrhundert sehenswert.

Schön glatt abgerissen, Dieser Bolzen diente nur noch der Dekoration.

Wir bleiben vorerst in Neukaledonien

Zu Beginn dieser Saison, die für uns sehr spät begann, hatten wir neben dem Plan mit Mari aus Neuseeland via Neukaledonien nach Australien zu segeln noch verschiedene andere Ideen. Als Segler braucht man Alternativen und so entstanden Mitte des Jahres Plan B, C und D als mögliche Optionen.

Wie so oft im Seglerleben kommt es dann aber doch ganz anders. Wir haben uns für eine Variante entschieden, über die wir nicht nachgedacht hatten und die deshalb auch keinen Buchstaben im Planungsalphabet bekommen hat. Wir bleiben für die Zyklonsaison hier in Nouméa, werden weiter die Lagune mit dem Boot, die Stadt zu Fuß und die Insel mit dem Auto erkunden.
Der Entscheidungsprozess war nicht ganz einfach, erst wollte Nobbi nicht hier bleiben, dann war ich nicht überzeugt. Letztlich haben der Schaden an der Hydrovane Windsteueranlage, unsere aufgekochten Batterien und viele weitere Kleinigkeiten, wie gefundene Termitenflügel, den Ausschlag gegeben. Und dann war ich auch noch krank. Außerdem gefällt es uns hier und wir können uns gut vorstellen noch einige Monate hierzubleiben.
Seit eineinhalb Wochen liegen wir nun auf unserem Platz in der Marina, unserem Wohnort für die nächsten Monate. Nun können wir jeder Zeit rein- und rausfahren, ohne uns ab oder anzumelden. Es war nicht ganz einfach einen Platz zu bekommen, die Marina ist voll. Aber wir hatten Glück, auch weil unsere Mari so schlank ist. Für den dauerhaften Platz wurden wir von der Marina-Crew vermessen. Die Gesamtlänge zählt. Wir lernen, dass man das Schiff dafür normalerweise an einen bestimmten Steg verlegen muss, schon um zu zeigen, dass das Schiff noch fahrtüchtig ist. Wir konnten an unserem (alten) Liegeplatz vermessen werden. Die Tatsache, dass wir vor kurzem aus Neuseeland gekommen sind reicht als Beweis unserer Fahrbereitschaft.
Inzwischen sind wir zufrieden mit unserer Entscheidung und fühlen uns wohl in unserem neuen Zuhause auf Zeit. Nun lernen wir fleißig Französisch. Heute haben wir auf Französisch eine neue SIM- Karte und eine Briefmarke gekauft. Übungsaufgaben in freier Wildbahn.

Das Marina-Büro
Die Marina wird von vielen verschiedenen Spezies bewohnt

Ein kleiner Ausflug nach Mont Dore

Auch am Mittwoch machen wir einen Ausflug mit dem Auto, wieder fahren wir nach Osten. Zunächst legen wir eine kleine Pause bei der Touristeninformation ein. Es gibt sehr viele Wanderwege in der Region und einige Spaziergänge, außerdem bekommen wir Information zum Zustand der Straßen in der Region.
Wir machen eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt am Mont Dore, nach dem auch die Gemeinde benannt ist. Es ist sehr warm, wir schwitzen schon nach wenigen Metern, werden aber mit einem tollen Blick Richtung Nouméa, die Küste und das Landesinnere belohnt. Wir verzichten darauf den Mont Dore zu erklimmen. Die Wege wären uns auch bei moderaten Temperaturen zu steil.
In der Karte ist ein Aussichtspunkt bei einer Quelle eingezeichnet. Mit dem Auto sind es nur wenige Kilometer, der Aussichtpunkt ist nicht zugänglich, die Quelle wird aber fleißig besucht. Das Wasser sprudelt aus einer Anzahl von Rohren und viele Menschen füllen eine Wasserflasche nach der anderen. Das Wasser der Mont Dore Quelle wird nur 200m weiter in Flaschen gefüllt und ist in jedem Supermarkt erhältlich. Wir haben unsere Kanister nicht eingepackt und füllen nur unsere beiden Wasserflaschen.
Nun folgen wir der Straße entlang der Küste und halten immer mal wieder. Die Straße wird bald einspurig und wir treffen nur selten andere Autos. Eine schmale Brücke führt über den Rivière des Pirogues, einen flachen Fluss. Ich finde die Brücke etwas unheimlich, Nobbi macht sie natürlich Spaß. Ein paar Kilometer weiter führt die Straße durchs Wasser, das wollen wir unserem fast neuen Peugeot 108 dann doch nicht zumuten. Außerdem sehen wir auf der anderen Seite hochbeinige Trucks in hohem Tempo über die sandige Piste jagen. Hier scheint es vorbei zu sein mit der Idylle, wir haben uns anscheinend einem Nickelabbaugebiet genähert.
Wir kehren also um und machen unsere Mittagspause an einem überdachten Tisch am Strand, inzwischen sind wir in Übung und haben ein Picknick dabei. Bei einem Spaziergang in einem Park an der Küste freuen wir uns über die Flamboyants, die Bäume beginnen wunderschön in kräftigem Rot zu blühen.
Wir nutzen die Gelegenheit und gehen mit dem Auto einkaufen. Wir stellen fest, hier gibt es fast alles, wenn auch zu sportlichen Preisen, doch wir brauchen gar nicht viel und fahren bald heim und geben das Auto wieder ab.