Windige Tage und ein sauberer Bauch

Es sind nur noch 2 Meilen bis zur Marina, gleich ist unser Segelausflug schon wieder vorbei. Was ist das? Schon wieder ein Delfin? Ein großes graues Tier nähert sich. Kein Delfin, ein Hammerhai. Wir sind uns sicher, seine charakteristische Nase hat ihn verraten. Wir können es kaum glauben, Hammerhaie sind hier eher selten und wir treffen das große Tier kurz vor der Marina. So ein Glück!

Es wurde wirklich Zeit wieder ein paar Tage außerhalb der Marina zu verbringen. Doch zunächst hatten wir Besuch von Gabrielle und dann von der Crew der Jajapami. Während der Tropische Sturm Gabrielle zum Glück weit entfernt durchgerauscht ist und wir froh darüber waren, nicht zu viel Wind gehabt zu haben, haben wir uns über den zweiten Besuch sehr gefreut.
Die Jana, JD und ihre beiden Jungs haben wir erstmals 2017 in Tazacorte auf La Palma getroffen, dann immer mal wieder und zuletzt 2019 auf Bora Bora. Sie sind mit ihrem Boot zurzeit in Australien, mussten aber ausreisen um ihre Visabedingungen zu erfüllen. Sie haben eine Stippvisite per Flieger in Nouméa gemacht und wir haben uns gefreut, dass wir uns nach langer Zeit wieder treffen. Natürlich gab es ganz viel zu erzählen, gleich an drei Tagen haben wir uns getroffen. Wir haben uns gefreut, dass sie sich so viel Zeit für uns genommen haben.

Als die Vier sich wieder auf den Weg zu ihrem Schiff gemacht haben, haben wir unsere Segel angeschlagen und sind am letzten Sonntag (am 19.2.) endlich mal wieder gesegelt.
Wir wurden doch etwas überrascht, der Wind war kräftiger als erwartet und kletterte schnell auf 6-7 Bft. Also wählten wir als Ankerplatz für die erste Nacht mal wieder die geschützte Baie de Papaye. Schon auf diesem kurzen Segelschlag wurden wir mal wieder verwöhnt, gleich zweimal gab es Delfinbegleitung, wir sahen Seeschlangen und Schildkröten.
Auch in der geschützten Bucht ist es windig, trotzdem entscheiden wir uns nach Mbe Kouen zu segeln. Das Inselchen ist winzig, aber das umgebene Riff bietet einen geschützten Platz. Wir wollen unbedingt das Unterwasserschiff putzen, dafür wünschen wir uns einen Platz mit klarem Wasser. Deshalb kommen nur die Riffankerplätze in Fragen und nicht die Buchten an der Hauptinsel in denen das Wasser weniger klar ist.
Wir verbringen schöne Tage am windigen Platz. Die ruhigeren Stunden nutzen wir um schnorchelnd zu putzen und schlucken ziemlich viel Salzwasser. Unsere Mari hat nun wieder einen sauberen Bauch. Nachmittags hören wir im Radio, dass es zwei Tage zuvor erneut einen Haiangriff in Nouméa gab. Ein Schwimmer starb nachdem er von einem oder sogar zwei Haien gebissen wurde. Furchtbar.
Ansonsten lesen wir, beobachten die Schildkröten und genießen die Freiheit am Anker. Während Sturm Gabrielle haben wir süß-sauren Kürbis eingekocht, weil der Kürbis so schön war, wunderbar orange und ganz fruchtig, haben wir noch einen Kürbis gekauft, den ich nun in Kürbisgemüse mit Möhren, Zwiebeln und Knoblauch verwandle und auch wieder in Gläser einkoche. Wind und Kürbis scheint eine gute Kombination zu sein. Das Heulen des Windes geht uns aber doch ein wenig auf die Nerven immer wieder Böen über 30kn.
Auf dem Rückweg legen wir wieder eine Nacht in Baie Papaye ein. Wir sitzen noch lange an Deck und beobachten wie Jupiter Venus über die Abendhimmel verfolgt und der Mars im Stier rot leuchtet. Der Sternenhimmel ist trotz des Lichtscheins von Nouméa wunderschön.
Eine Wetterverschlechterung kündigt sich an und wir fahren zurück in die Marina. Einige Arbeiten wollen vor der neuen Saison erledigt werden, wir haben also genügend Beschäftigung.

Besuch von Gabrielle und das normale Leben

Den Zyklon Gabrielle haben wir gut überstanden. Vor einer Woche bildete sich das Tief und zog glücklicherweise weit im Westen an uns vorbei. Das Zentrum blieb über 200 Meilen von uns entfernt. Am Samstag stürmte es, wir hatten etwas mehr Wind als erwartet, aber kaum Regen. Das Bimini hatten wir Freitagabend eingepackt und so konnten wir das Wetter relativ entspannt beobachten. Meist wehte es mit 25 bis 35kn, in der Spitze dann mit etwa 45kn. Der Sturm zog weiter nach Neuseeland, wo er sich ausgiebig austobte.
Heute haben wir uns auf unserem Spaziergang die der Nachbarbucht umgesehen. 15 Boote haben den Sturm nicht so glücklich überstanden und sind gestrandet. An einige gestrandete Boote erinnern nur noch die Kratzer auf den Steinen der Mole, die meisten wurden bereits geborgen, ein Motorboot wurde an der Mole angebunden, ein Zweimaster ist halb untergegangen und in einem Hafenbecken schwimmen lauter traurige Reste. Wie viele Boote hätte es wohl erwischt wenn der Sturm dichter an uns vorbei gezogen wäre? Das Bojenfeld ist ein unsicherer Platz bei Weststurm. Segler die ihr Boot lieben, verlegen es in die Mangroven.

Spektakuläre Sonnenuntergänge kündigen das schlechte Wetter an
Vor der Mole ist es ungemütlich
Nicht für alle endet der Sturm gut
Bootsbausatz für Selbstabholer? Diese Teile waren einmal ein Boot,

Ansonsten leben wir hier unser ganz normales Leben. Ich war beim Zahnarzt, wir erledigen Kleinigkeiten am Boot, waschen Wäsche und trinken Espresso auf dem Markt. Im großen Hafen liegt ein elegantes Schiff mit japanischer Flagge. Ungewöhnlich, das macht uns neugierig. Wir befragen die Mannschaft und erfahren, dass sie mit dem über 40 Jahre alten Schiff Thunfisch angeln. Ein Jahr sind sie auf See, andere Schiffe holen den Fisch ab und bringen ihn nach Japan. Nouméa haben sie nur für eine Reparatur angelaufen, weil die Maschine sich nicht mehr auf rückwärts umsteuern ließ.

Japanischer Thunfischfischer

Am Wochenende haben uns unsere Nachbarn spontan auf einen Ausflug in die Wildnis eingeladen. Wir sind zu einem tollen Badeplatz an einem Wasserfall gelaufen, haben gebadet und uns auf dem Rückweg etwas verlaufen. Ein echtes Abenteuer. Wenn man mit Einheimischen unterwegs ist, lernt man die wirklich wichtigen Sachen. Schon öfter haben wir uns gefragt, weshalb an dem unscheinbaren Kreisel so viele Autos stehen. Hier gibt es die besten Milchshakes. Wir testen das natürlich und sind überzeugt. Nie wieder werden wir hier ahnungslos vorbeifahren.

Irgendwo hier müsste der Weg sein
Es hat sich gelohnt, Der Wasserfall bildet tolle Pools.

Unseren heutigen Spaziergang unterbrechen wir und trinken eine Tasse Kaffee. Ein Blick in die Auslagen macht klar, der Kaffee muss von einer Leckerei begleitet werden. Nobbi wählt ein Tartelette a Passion au Chocolat und ich eine Eclair mit Kaffeefüllung. Wunderbar diese kleinen Meisterwerke. Gerade noch rechtzeitig fällt uns ein, heute ist Valentinstag: so können wir die Sonderausgabe vor der Revision rechtfertigen. Uns wäre sicherlich auch ein anderer Grund eingefallen.

Die kleinen Kunstwerke schmecken hervorragend.

Hasen und Haie

Es wird wirklich Zeit für eine Wasserstandsmeldung von uns. Während Nobbi auf unsere Mari aufgepasst hat, durfte ich meine Schwester und ihre Familie in Singapur besuchen. Nobbi hat unsere Mari nicht nur bewacht, sondern war auch sehr fleißig und hat viele kleine Arbeiten erledigt. Unser Herd ist so sauber, dass ich mich kaum noch traue auf ihm zu kochen, der Motor hat Streicheleinheiten bekommen und Nobbi hat die Lackierarbeiten unter Deck fortgesetzt.
Singapur hat mir wieder außerordentlich gut gefallen. Der Kontrast zwischen alt und neu, zwischen traditionell und modern, das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen und Religionen, Konsumtempel, Bling-Bling, liebevoll gepflegte Parks, Wanderwege und grüne Oasen. Wenn man eine Stadt schon etwas kennt, hat man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bereits besucht und kann sich treiben lassen. In der National-Galerie gab es eine spannende Führung und natürlich hat meine Schwester mir viele gute Tipps gegeben. Über Singapur gäbe es so viel zu berichten, das würde diesen Bericht sprengen. Ausführliche Singapur-Geschichten findet ihr hier, falls wir mit dem Boot dorthin segeln. Ich wurde verwöhnt und habe den Besuch auch kulinarisch sehr genossen. In Wirklichkeit war ich aber nicht in Singapur, um mir die Stadt anzusehen oder mich durchzufuttern, sondern um Duplo zu spielen, Findus-Bücher vorzulesen, in Pfützen zu springen und Ersatzteile zu besorgen. Wir haben nicht nur ein neues Handfunkgerät, sondern ich habe auch Material für einige kleine Reparaturen mitgebracht, um die wir uns in den nächsten Wochen kümmern werden.
Die Chinese New Year Feierlichkeiten fielen wunderbarerweise in meinen Besuch. Nicht nur in Chinatown, sondern überall in Singapur wurde geschmückt und gefeiert. Über das lange Wochenende waren viele Läden geschlossen (das ist wirklich etwas Besonderes), viele Menschen feiern mit ihrer Familie und überall findet Lion Dance statt. Das Jahr des Hasen wurde ausgelassen begrüßt, auch wenn das Wetter unglaublich schlecht (also regnerisch) war. Wir haben nun einen roten Plüschhasen an Bord, der uns hoffentlich Glück bringt. Von unseren französischen Steg-Nachbarn lernen wir, dass Hasen an Bord Unglück bringen. Segler sind ein ziemlich abergläubisches Völkchen. „Never leave port on a Friday“ kennen wir, Bananen gelten als Unglücksvorboten und Neptun bekommt auch bei uns zu jedem Auslaufen einen Schluck. Sicher ist sicher. Bei den Franzosen gelten Hasen an Bord als schlechtes Omen. Das geht so weit, dass einige lieber vom „Tier mit den langen Ohren“ sprechen, als sie zu benennen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das im Jahr des Hasen nicht gilt. Der Plüschhase bleibt.
Der Abschied von „meinen Singis“ ist mir sehr schwer gefallen, doch ich freue mich zurück auf Mari und bei Nobbi zu sein.

In Neukaledonien sind nicht Hasen, sondern Haie das tierische Top-Thema. Am vorigen Wochenende gab es einen Haiangriff, hier an einem der Hausstrände Nouméas. Eine Schwimmerin wurde von einem Bullenhai schwer verletzt. Daraufhin war das Schwimmen hier in der Umgebung bis einschließlich Donnerstag verboten. Drei zu zutrauliche Tigerhaie und der Bullenhai wurden getötet. Dieses Wochenende gab es schon wieder einen Zwischenfall, ein Hai hat einen Schwimmer in die Flosse gebissen. Das Badevergnügen, zumindest in Stadtnähe, ist also getrübt.
Es ist heiß. Das ist keine Überraschung, schließlich ist Hochsommer und die Sonne steht fast senkrecht über uns. Im Schatten, bei leichtem Wind lässt es sich aushalten. Normalerweise habe ich kaum Probleme mit Hitze, doch im Moment fällt es mir schwer mich daran zu gewöhnen. Wir lassen es langsam angehen und verbringen die heißen Nachmittage mit einem Buch im Schatten. Die Wettervorhersage lässt auf etwas Abkühlung hoffen und kündigt außerdem ein dickes Tief am nächsten Wochenende an. Hoffen wir, dass es uns nicht zu viel Wind bringt.

Ein vergnüglicher Samstag

In der näheren Umgebung Nouméas kennen wir uns nun schon ein bisschen aus. Auf der Karte haben wir uns einen Wanderweg ausgesucht der am Rivière des Pirogues entlangführt. Auf dem Parkplatz, der an der Straße Richtung Stausee liegt, stehen schon einige Autos. Viele Familien machen an diesem schönen Samstag ein Picknick.
Der Weg ist eigentlich einfach, führt aber ab und zu durch ein tiefe Einschnitte, die sicherlich Wasser führen wenn es stark geregnet hat und dann wird dieser Weg zur Schlammschlacht. Jetzt läuft es sich gut. Lediglich unsere Beine leiden ein wenig, der Weg ist schmal und die trockenen Pflanzen kratzen uns. Wir laufen an dem kleinen Fluss entlang und begegnen ab und zu anderen Wanderern. Zwei Balken bringen uns über einen tiefen Einschnitt, hier gab es anscheinend mal eine Brücke. Es sieht so aus, als wäre hier früher eine Lore gefahren. Sicherlich wurden hier auch Bodenschätze, vermutlich Nickel, abgebaut. Ein Hinweis darauf ist auch die recht niedrige und vergleichsweise junge Vegetation. Hier gibt es viele interessante Optionen, wir könnten das Flüsschen durchqueren und uns den Wasserfall ansehen, zu einem weiter entfernen Wasserfall laufen oder einen der Aussichtspunkte als Ziel wählen, doch wir entscheiden uns anders. Wir haben den idealen Rastplatz gefunden: eine natürliche Umkleidekabine unter einer schattigen Kiefer, hübsche Felsen und tiefes Badewasser, das blaugrün leuchtet. Wir baden ausgiebig, essen unsere mitgebrachten Möhren und Baguettes und baden nochmal.
Ich wage die Prognose, dass ihr euch noch einige ähnliche Geschichten anhören dürft. Eine moderate Wanderung mit einem ausgiebigen Bad und einem kleinen Picknick ist die perfekte neukaledonische Freizeitgestaltung und es gibt hier noch einige Bäche, Flüsschen und Stromschnellen die auf unseren Besuch warten.

Ein kleiner Segel-Ausflug

Das Wetter ist wunderbar und wir haben Lust segeln zu gehen. Früher sind wir manchmal nachts losgesegelt, nachdem wir 750 km aus Frankfurt an die Ostsee gefahren waren. Wir wollten morgens am Anker aufwachen und haben deshalb nach einem Arbeitstag und einer langen Autofahrt noch die Leinen losgeworfen. Jetzt ist das irgendwie mühsamer, wir müssen unser Reihenhaus in ein Segelboot verwandeln, also die Wäscheleine abnehmen und die Plane überm Vorschiffsluk einpacken.

Als Nobbi die Kabelrolle wegräumen will macht sie komische Geräusche, sie ist voller Wasser. Also holt er den Akkubohrer raus und bohrt Löcher, damit das Wasser wieder rauskommt. Die Seekarte auf dem Tablet ist weiß, keinerlei Informationen, entschließt sich nach einem Neustart aber doch die Arbeit wieder aufzunehmen. Wir schalten den Bordrechner ein und das Abo des Seekartenprogramms möchte wissen ob es verlängert wurde, dafür braucht es Internet. Die WLAN Internetverbindung an unserem Liegeplatz ist bescheiden, also müssen wir erst einmal unsere SIM Karte aufladen und ein Datenpaket kaufen. So dauert es etwas bis wir endlich loskommen.
Wir segeln mit Westwind nach Osten und sind eher langsam unterwegs. Zum einen haben wir nicht so viel Wind, zum anderen haben wir den Verdacht, dass unser Unterwasserschiff schon wieder ordentlich bewachsen ist. Trotzdem ist es sehr schön, der Wind schiebt uns und wir werden von einer Delfinfamilie begleitet.
Im Canal Woodin ist richtig was los, die Schnellfähre nach Prony zur Nickelaufbereitungsanlage rauscht mit 32kn vorbei. Während wir darüber nachdenken, dass uns einige Linien in Deutschland einfallen, wo eine so flotte Fähre auch ein Gewinn wäre, kommt ein hübsches kleines Containerschiff vorbei. Wir biegen ab und ankern nördlich von Ouen. Kaum ist der Anker nass, badet auch Nobbi. Das Leben am Anker ist einfach schöner.
Am nächsten Morgen segeln wir nach Ilot Casy in der Baie de Prony. Wir segeln hart am Wind und freuen uns mal wieder darüber, dass unser kleines Fahrtenschiff so viel Spaß unter Segeln macht. Die kleine Insel mit seinem Bojenfeld hatte uns schon bei den letzten Besuchen so gut gefallen und es ist schön wieder hier zu sein. Auf dem Nachbarschiff sind vier kleine Jungs, die mit enormer Ausdauer schwimmen, paddeln, rudern und toben. Wir verausgaben uns beim Putzen des Unterwasserschiffs. Der blöde australische Kalkröhrenwurm hat sich schon wieder ausgiebig ausgetobt. Die Doktorfische, die aussehen wie Dory: blau mit gelben Brustflossen, sind sehr interessiert an allem was wir vom Rumpf kratzen. Warum können sie das Zeug nicht direkt vom Rumpf knabbern, das wäre doch die Lösung. Statt Antifouling zu malen, könnten wir einen Fischschwarm mitnehmen der Maris Bauch pflegt.
An diesem Tag lese ich ein ganzes Buch. „Das Lächeln der Vergangenheit“ von Birgit Weidt hatte ich Nobbi vor 2 Jahren geschenkt, es angelesen und es dann zur Seite gelegt. Es gibt nur wenige Bücher über Neukaledonien. Nun hat Nobbi ein Exemplar hier im Bücherregal gefunden und es gelesen, also gebe auch ich ihm eine zweite Chance. Ich bin nicht begeistert, mir gefällt der Schreibstil nicht und mir fallen einige Ungereimtheiten und Fehler auf. Doch jetzt wo wir viele Orte bereits kennen oder zumindest wissen wo sie sind, finde ich es interessant mehr über das Leben in den Stämmen der Kanaks zu erfahren.
Der Abend an der Boje ist so schön, dass wir gar nicht reingehen mögen und lange im Cockpit sitzen. Deshalb gibt es unser Abendessen – gebratene Auberginen – sehr spät. Aber was macht das schon?

Wie geplant dreht der Wind auf Südost, wir kreuzen aus der Baie de Prony und gehen dann vor den Wind. Der Strom schiebt uns bei moderatem Wind durch den Canal Woodin. Der Wind nimmt stetig zu. Deutlich merken wir, dass wir Mari vom Bewuchs befreit haben, wir rauschen dahin. Schließlich binden wir ein Reff ein, inzwischen haben wir satte 6 Bft. Wir sichten Delfine, Schildkröten, Seeschlangen und viele treibende Kokosnüsse. Lagunensegeln. Beide genießen wir das Segeln und geben den Platz am Ruder nur ungern her. Wie so oft, wenn es schön ist, sind wir zu schnell wieder an unserem Liegeplatz in der Marina.

Tectocoris diophthalmus

Diese netten Exemplare der Hibiskus-Harlekin-Wanzen oder auch Baumwoll-Harlekin-Wanzen haben wir auf einem unserer Ausflüge getroffen. Die Namen geben reichlich Auskunft. Es handelt sich um Wanzen, auf deren Speisezettel sich viele Vertreter der Malvengewächse, wie Hibiskus und Baumwolle, finden. Die erwachsenen Weibchen sind eher orange und die Männchen eher blau. Im östlichen Australien, auf Papua, hier auf Neukaledonien und auf weiteren pazifischen Inseln futtern sie sich durch die Wildnis, Gärten und Plantagen. Die Wanzen sind nicht selten oder schwer zu finden, sondern haben ihren Platz im Blog einfach mit ihrem guten Aussehen bekommen.
Ich lese gerade ein Buch, das von der Suche nach einem goldenen Käfer in Neukaledonien handelt (Miss Bensons Reise – Rachel Joyce). Das Buch überzeugt mich (noch) nicht und vermutlich wird es nicht in unsere Buchempfehlungen aufgenommen. Doch als ich diese bunten Viecher gesehen habe, habe ich sofort an den goldenen Käfer gedacht. Auch wenn Wanzen keine Käfer sind. Sind sie nicht sehr hübsch?

Hale, Dumbéa und ein Handstaubsauger

Am 8. Januar zieht Hale an Neukaledonien vorbei. Hale ist hier das erste tropische Tief in dieser Saison, dass einen Namen bekommen hat. Am Abend des 7. Januar wird es als Kategorie 1 Zyklon eingestuft und benannt. Glücklicherweise zieht es weit im Westen vorbei, bringt uns nur kurz kräftigen Wind und starken Regen. Gute 30 kn Wind bringt das flotte Tief, nur eine einzige Böe mit über 40 kn sehen wir. Der starke Regen kommt schräg von achtern und schafft es Tropfenweise durch die Winschen im Cockpit ins Innere. Da hat es noch nie getropft. Immer mal was neues. Kein gemütliches Wetter, aber Nichts zum Fürchten. Nach wenigen Stunden ist es vorbei. Hale zieht weiter nach Neuseeland tobt sich dort aus. Wir haben es gut überstanden. Das nächste Tief kommt bestimmt, vielleicht schon Mitte nächster Woche.

Der Sturm zieht ab und der Himmel färbt sich orange.
Für die Sturm-Saison hat Mari eine extra kleine Nationale bekommen.

Wir machen einen Ausflug zum Parc Provincial Dumbéa. Nicht weit entfernt von Nouméa, ist dies ein beliebtes Ziel. Als wir das erste Mal an einem Samstag hierher kommen, ist der kleine Parkplatz voll und auch an der Zufahrtsstraße stehen viele Autos. Wir brechen nach ein paar hundert Metern unseren Ausflug ab, uns ist es bei 34 Grad einfach zu warm zum Wandern. Beim zweiten Anlauf wollen wir eigentlich einem Wanderweg folgen, der durch den Fluss führt. Durch den starken Regen, den Hale mitgebracht hat, ist der kleine Fluss angeschwollen. Ohne wasserdichten Sack trauen wir uns nicht durchs Wasser. Wir haben Angst um die Kamera und unsere Telefone. Also laufen wir ein kleines Stückchen auf einem anderen Weg und suchen uns dann einen Badeplatz. Wir baden ausgiebig im kühlen Frischwasser und genießen die natürliche Massagefunktion der Stromschnellen.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir in den letzten beiden Wochen oft mit dem Auto unterwegs waren. Unsere Nachbarn haben uns großzügiger Weise ihr Auto zur Verfügung gestellt während sie im Urlaub sind und uns damit ein ganz tolles Geschenk gemacht. Wir haben uns sehr darüber gefreut, einige Ausflüge gemacht, haben die Gelegenheit genutzt und waren mit dem Auto einkaufen und im Baumarkt. Im Baumarkt schrumpfen viele Bedürfnisse beim Blick aufs Preisschild. Die gute Nachricht jedoch ist, dass es fast alles gibt.

Auf einer unserer Touren haben wir einen Abstecher zur Notre Dame du Pacific gemacht. Dort sind wir schon mehrmals mit dem Bus vorbeigefahren, nun konnten wir mal anhalten. Die Freiluft-Kapelle mit einer Marienstatue und einigen kleinen „Grotten“ überzeugt uns künstlerisch nicht, aber die Aussicht auf die Stadt und den Hafen ist fantastisch. Im Hafen liegt gerade ein Kreuzfahrtschiff mit einem extrem hässlichen Heck. Mein Vater hat es „den Handstaubsauger“ getauft. Das Schiff kommt regelmäßig nach Nouméa und heißt eigentlich Pacific Encounter.

Lauter Ausflüge zu Jahresbeginn

Unser Jahr beginnt mit einem Feuerwerk. Am 1. Januar gibt es ein großes offizielles Feuerwerk, das ganz familienfreundlich um 20 Uhr stattfindet. Wir laufen zum Croix de Lorraine auf dem Hügel, von dort haben wir einen guten Blick. Auf die Idee sind auch viele andere gekommen und gemeinsam sehen wir uns das schöne Feuerwerk an.

Wir nutzen das schöne Wetter für einige Ausflüge und geraten regelrecht in Freizeitstress. Wir folgen kleinen Straßen durch die Berge und stellen fest, dass es in Nouméas Umgebung oft gar nicht so einfach ist ans Wasser zukommen. Dort wo wir ein Picknick machen wollten, treffen wir nur auf Zäune, überall „Gated Communities“, abgeschlossene Wohnanlagen.

Hier wohnt man hinter hohen Toren.

Im Süden, in der Nähe des Parc Riviere Bleu, wo es uns so gut gefallen hat, besuchen wir die Chute de Madeleine. Der Wasserfall läuft praktisch über, der kleine Fluss führt so viel Wasser, dass ein Teil des Weges gesperrt ist. Hier gibt es auch einen botanischen Spazierweg, auf dem viele der hier wachsenden Pflanzen erklärt werden. Es macht Spaß ein Stückchen zu laufen, es ist in der Sonne aber sehr warm, da passt uns so eine übersichtliche Runde gut ins Programm. Wir folgen der Straße noch ein wenig und werfen einen Blick auf die Baie de Prony mit der Ilot Casy in der Mitte, einem unserer liebsten Ankerplätze hier. Dann werden die Schlaglöcher immer größer und wir kehren um.
Vor den „nids des poules“, den Schlaglöchern, warnen zahlreiche Schilder. Wir freuen uns über den netten Begriff, heißt es doch wörtlich übersetzt „Hühnernester“, und lernen einen neues französisches Wort.

Achtung Hühner! Ach nein, Schlaglöcher!

Eine lange Fahrt Richtung Norden führt uns nach Bourail. Die kleine Drei-Buchten-Wanderung bringt uns ordentlich zum Schwitzen und belohnt mit schönen Ausblicken. Am Schildkrötenstrand beobachten wir wie Naturschützer ein Nest mit Schildkröteneiern schützen. Fast zufällig machen wir am Rathaus in Farino eine Pause und genießen die fantastische Sicht über die Küste. Hier gibt es auf vielleicht 250 m Höhe eine schattige Terrasse, der ideale Ort für unser Picknick.

Ausblick vom Rathaus in Farino

Am nächsten Tag geht es wieder ganz in den Süden der Insel, diesmal fahren wir noch weiter am großen Stausee Lac Yaté entlang. Wir wollen uns den Staudamm ansehen. Seit 1959 wird hier ein Teil der Energie für Nouméa gewonnen. Der Stausee ist viel voller, als noch vor ein paar Wochen. Ein Wanderweg führt durchs Flussbett unterhalb des Damms, der ist aber zurzeit gesperrt, es zu gefährlich das Flussbett zu queren. Wir laufen nur ein Stückchen auf dem Wanderweg, der dem Fluss folgt. Auch hier sind wir wieder von der vielfältigen Flora beeindruckt, so viele interessante Pflanzen, so viele spannende und fremde Wuchsformen.
Wir fahren bis zu dem kleinen Ort Yaté, wo der Fluss ins Meer mündet. Der Ort ist sehr klein und sehr ruhig, hier gibt es eine nagelneue LED-Straßenbeleuchtung und gerade wird ein Fußweg für knapp 2 Mio. Euro gebaut. Fußgänger sehen wir nicht. Wir machen uns auf den Rückweg und beobachten die Vögel am Aussichtspunkt.

Sicher habt ihr es schon bemerkt! Wegen des großen Erfolgs seines blauen Hemds, hat Nobbi nun auch noch eins in Rot bekommen!

Jetzt auch in rotem Hemd unterwegs!

Frohes neues Jahr!

Wir wünschen euch ein wunderbares, spannendes und schönes neues Jahr, sowie ein glückliches Händchen für die kleinen und großen Entscheidungen, die in 2023 anstehen.
Uns wünschen wir eine schöne Fortsetzung unserer Reise und hoffen, dass die Zukunft in ähnlich goldenem Licht vor uns liegt, wie unsere Mari auf diesem Foto.

Hundewaschanlage, Kunst und Weltkulturerbe

Fast täglich sind wir zu Fuß in Nouméa unterwegs, wir machen Besorgungen, gehen einkaufen oder unternehmen einfach einen Streifzug. Und immer wieder entdecken wir Neues.
In Singapur hätten wir uns nicht über eine Hundewaschanlage gewundert, aber in Nouméa waren wir doch überrascht. Eine Art Badewanne mit Schlauch. Das funktioniert so ähnlich wie beim Auto, man hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Programm, mit Shampoo, Anti-Parasiten-Shampoo und Trockenprogramm. Waschen und Föhnen darf man seinen Hund aber doch selber. Einmal sauberer Hund kostet etwa acht Euro.
Centre d’Art lesen wir im Stadtplan, das hört sich doch an, als könnte es dort etwas zu sehen geben. Im Prinzip handelt es sich um einen Veranstaltungsraum mit einer Bühne und es gibt eine ganz kleine aber interessante Ausstellung. Wir verstehen es so, dass an der Entstehung der Ausstellung viele verschiedene Menschen beteiligt waren. Es geht um Kunst und Natur. Macht Natur Kunst? Was ist Kunst? Viele tolle Ideen, die mit einfachen Materialien umgesetzt wurden.
Das Croix de Lorraine steht auf einem der vielen Hügel der Stadt und ist ein Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege. Von hier bietet sich ein atemberaubender Ausblick über die Stadt. Auf dem Hügel gibt es tolle Grundstücke, wir entdecken unser Traumhaus oder eher gesagt unsere Traumterrasse.
Das moderne Gerichtsgebäude fällt auf, einige Gebäudeteile stehen auf Stelzen am Hang. Vom Hügel aus, können wir uns auch die anderen Gebäude ansehen.

Gestern begann der Tag für uns richtig lustig. Als Nobbi mit einem Baguette in der Hand die Bäckerei verlässt, hört er hinter sich „Oh geil. Guck mal den Franzosen mit dem Baguette. Das ist Lebensart!“. Schon vor dem Frühstück wurde er fotografiert. Die „Aida Mar“ lag im Hafen von Nouméa und hatte lauter deutsche Touristen an Bord. Es war lustig mal wieder die Gespräche im Supermarkt verstehen zu können. Wir wussten schon zwei Tage vorher, dass die Aida kommt. Die Verwandtschaft einer Segler-Freundin ist gerade an Bord. Und Klatsch und Tratsch unter Seglern funktioniert auch über Ländergrenzen hinweg.
Übrigens, der begeisterte Baguette-Fan hatte natürlich Recht. Wir genießen es, unsere Tage meistens mit einem leckeren Baguette zu beginnen. Das Baguette wurde kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wie gut wir das verstehen können.