An Sumbawas Küste

Von Labuan Bajo brechen wir auf in Richtung Westen. Eine Nacht verbringen wir im Norden Komodos und sehen wieder Hirsche am Strand, schwarze Schweine und sogar einen Waran zum Abschied.
Die nächste Insel ist Sumbawa. Unser erster Ankerplatz beim Dorf Wera ist sehr ungemütlich. Ich schlafe insgesamt keine vier Stunden. Nicht mal verkeilt zwischen verschiedenen Kissen finde ich eine Position, in der ich soweit entspannen kann, dass ich einschlafe. Irgendwann gebe ich auf und lese meinen Krimi weiter, dann ärgere ich mich wenigstens nicht die ganze Zeit, dass ich nicht schlafen kann. Um kurz nach vier ist auch Nobbi wach, tatsächlich schlafe ich nun endlich ein. Um vier Uhr zweiundzwanzig rufen die Muezzine zum Morgengebet, es scheint drei Moscheen in dem kleinen Dorf zu geben, und ich bin wieder wach.
Die Bucht vor dem Dorf Kilo bietet am nächsten Abend eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit, das Boot liegt wie auf dem oft beschriebenen Ententeich. Von hier geht’s weiter bis kurz vor den Ort Miro. Wir befürchten, dass es eine unruhige Nacht wird, als wir den im Revierführer beschriebene Platz in Augenschein nehmen, finden dann aber eine kleine Bucht hinter einer Felsnase und liegen hier ruhiger als erwartet. Zwischen zwei Dörfern liegen wir hier vor einem kleinen Stand. Anscheinend ein Geheimtipp für Verliebte, die Händchen haltend am Strand spazieren gehen.
Die Reise entlang Sumbawas Nordküste ist nicht uninteressant. Die „kleine“ vorgelagerte Insel Pulau Sangeang entpuppt sich als 1949 m hoher Vulkan und gilt als aktiv. Immer wieder blicken in die Calderas längst erloschener Vulkane, überall zeichnen sich Vulkankegel ab. Die Küste liegt meist im Dunst, eine Landschaft die nicht fotografiert sondern angeguckt werden möchte. Gegenüber unseres Ankerplatzes bei Miro liegt auch ein alter Vulkan, die Insel Satonda mit ihrem Kratersee.
Auch seglerisch ist es abwechslungsreich, mehr als uns recht ist. Die hohe Insel mit ihren tiefen Buchten macht ihr ganz eigenes Wetter. Immerhin können wir gelegentlich segeln oder zumindest motorsegeln. Manchmal haben wir wunderbaren Segelwind, der innerhalb weniger Minuten einfach ausgeschaltet wird. Auch unter Wasser ist es interessant. Als wir uns Sumbawas Ostküste nähern haben wir leider Gegenstrom. Das ist mühsam und kabbelig, Wasser fliegt übers Deck und wir kommen nur mit drei bis vier Knoten voran. Dann, endlich kentert der Strom und wir rauschen voran, da Strom und Wind das Wasser nun in die gleiche Richtung schieben glätten sich die Wellen. Segeln kann so schön sein! Neben uns tauchen Schaumkronen auf und sie scheinen uns einzuholen. Schon wieder Gegenstrom? Unsere Geschwindigkeit verringert sich nicht. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass es hier einen schmalen tiefen unterseeischen Graben gibt. Die Wellen werden wohl von einer vertikalen Strömung verursacht. Nach ein paar hundert Metern ist der Whirlpool vorbei.

Das Wasser ist tief und unglaublich blau, leider treffen wir immer wieder auf Plastikmüll, insbesondere an den Strömungskanten sammelt er sich. Aber es gibt auch positive Überraschungen, ich mache Nobbi auf treibende Plastikfolien aufmerksam, die sich als Mantas entpuppen. Seit Labuan Bajo haben wir dreimal Mantas, dreimal Delfine und ein Dugong gesehen!

In der kurzen Zeit, die wir jetzt in Indonesien sind, hatten wir viele nette Kontakte. Die Souvenirverkäufer in Komodo, mit denen wir uns länger unterhalten, der junge Mann, der sein Handy bei uns auflädt und lauter Fragen hat, die Obstverkäuferinnen, die unbedingt Fotos mit uns machen wollen oder die netten Fischer in Kupang.
Doch, wir im richtigen Leben, sind nicht alle Zusammentreffen angenehm. In Wera haben wir uns das erste Mal unwohl gefühlt. Kurz nachdem wir geankert haben kam ein Boot mit drei jungen Männern zu uns gepaddelt. Sie wollen an Bord kommen. Ich lehne ab, es ist kurz vor sechs und wird gerade dunkel. Ich bin freundlich und erkläre, dass ich jetzt kochen möchte und müde bin. Sie sind nicht besonders freundlich und wollen etwas geschenkt haben. Einen Fender zum Beispiel. Wir schenken ihnen keinen Fender. Dann geht es weiter, wenigstens Zigaretten wollen sie haben. Wir haben keine Zigaretten. Nobbi erklärt ihnen, dass er nicht raucht und es ungesund ist. Coca Cola? Oder unser Radar? Irgendein Geschenk soll es sein. Sie vermessen das Boot und alles was darauf ist mit ihren Blicken. Das fühlt sich nicht gut an. Wir sollen am nächsten Tag an Land kommen und dann bräuchten wir eine Wache und das würden sie übernehmen. Sie bleiben an der Bordwand hängen und reden über uns. Das ist unangenehm und fühlt sich ganz anders an, als bei den neugierigen Kindern in Vanuatu, die uns beobachtet haben, es sind eben keine Kinder und sie sind nicht freundlich. Als sie merken, dass wir sie verstehen (tatsächlich verstehen wir nur einzelne Wörter, aber das wissen sie nicht) ist ihnen das wiederum unheimlich. Schließlich verschwinden sie in der Dunkelheit, bei uns bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Wegen des ungemütlichen Ankerplatzes wollen wir am nächsten Morgen weiterfahren, aber auch die Begegnung vom Vorabend motiviert uns nicht zum Landgang.
Am Ankerplatz in Kilo fällt eine Gruppe von Kanus über uns her, noch bevor wir den Motor abgeschaltet haben. Es sind hauptsächlich, aber nicht nur, Kinder. Über 40 Personen hängen gleichzeitig an der Bordwand. Anscheinend haben andere Yachten hier Weihnachtsmann gespielt, denn sie rufen „Hallo Hallo! Buch! Kugelschreiber!“ die Halbwüchsigen und Erwachsenen fragen nach Zigaretten und Cola. Wir verteilen Lollis und einige Bleistifte. Aber den Ansprüchen können und wollen wir nicht gerecht werden. Was sich absurd anfühlt ist, dass es weniger darum zu gehen scheint, etwas das schwer zu bekommen ist, geschenkt zu kriegen, als einfach irgendetwas zu bekommen. Ein Mann fragt uns nach Büchern, ich sage, dass ich deutsche Bücher lese. Das sei egal. Übrigens spricht er deutlich weniger Englisch als ich Indonesisch, mit einem Englischen Buch wäre ihm auch nicht gedient. Zwischenzeitlich ist die Situation für uns schwierig. Einige versuchen an Bord zu klettern, was wir verbieten. Kleine Kinder heulen, weil es bei uns keine weiteren Geschenke gibt, die großen sind unzufrieden. Einigen älteren Mädchen ist die ganze Situation genauso peinlich wie uns. Das Ganze zeigt, wie schwierig es ist. Gemessen an den Menschen im Dorf sind wir reich. Aber trotzdem können und wollen wir nicht alle beschenken. Wie viele Kugelschreiber, Bücher und Cola-Dosen sollen wir mitnehmen? Bisher haben wir es so gehandhabt, dass wir Kindern schon mal einen Bonbon, Lolli oder Bleistift schenken, dass wir mit Erwachsenen aber nur handeln. Früchte gegen eine Leine, Angelhaken, Nadeln, Garn, alte T-Shirts oder was auch immer benötigt wird. Wenn ein Handel zustande kommt sind wir natürlich großzügig.
Später kommen noch einige Kanus mit kleinen Kindern angepaddelt, die nur mal gucken oder ihr Englisch ausprobieren wollen. Das sind wieder nette Begegnungen. Ein Mann bietet uns Bananen oder Papayas an, wir haben noch sehr viele Bananen, aber mit den Papayas kommen wir ins Geschäft.

In Labuan Bajo

Wir ankern in der Nähe von Labuan Bajo. Das Fischerdorf hat sich in den letzten Jahren zu einer kleinen Stadt gemausert. Nobbi war vor 20 Jahren hier und erkennt den ehemals staubigen Ort kaum wieder. Unglaublich viele Schiffe liegen hier vor Anker. Die Pinisis, die zu Tourbooten umgebaut sind, moderne Motoryachten, kleine Holzboote, Fähren und Boote für Tagestouren. Labuan Bajo ist der Ausgangspunkt für die Touren in den Nationalpark. Viele Boote scheinen nicht gebucht zu sein, sonst wären sie ja unterwegs. Am Besucherzentrum war uns bereits aufgefallen, dass viele Ausflugsschiffe nur mit wenigen Gästen unterwegs sind. Ob es so ein großes Angebot gibt, oder ob der Tourismus nach Covid nur langsam wieder anläuft, wissen wir nicht. Es gab Pläne die Eintrittsgebühr in den Nationalpark zu verzehnfachen. Das wurde bisher nicht umgesetzt, wirkt aber sicher abschreckend. Auf jeden Fall ist Labuan Bajo voller Touristen von überall her.
Im Ort laufen wir ein wenig an der Promenade entlang. Es gibt eine Vielzahl von Restaurants, Cafés und Eisdielen, wir testen einige. In verschiedenen Supermärkten kann man recht gut einkaufen, einen kleinen Laden mit Obst und Gemüse finden wir auch.
Bei einem kleinen Hotel, an dem Strand vor dem wir ankern, landen wir mit unserem Dinghi an. Das Hotel ist als seglerfreundlich bekannt. Wir können unsere Wäsche hier waschen lassen, wenn wir möchten können wir den Shuttle in den Ort benutzen und natürlich sind wir gern gesehene Gäste im Restaurant. Das Abendessen schmeckt uns sehr und Segler mögen Restaurants mit Blick aufs eigene Boot eben besonders gern. Die Crew eines anderen Bootes gesellt sich zu uns und wir verbringen nette Abende gemeinsam.
Nachdem wir genügend touristische Zivilisation getankt haben, machen uns wieder auf den Weg.

Wo die Drachen wohnen – schöne Tage im Komodo Nationalpark

Die Überfahrt von Kupang war mal wieder sehr wechselhaft, kein Wind, viel Wind, Schüttel-Wellen, schiebender Strom, kein Strom. Zeitweise war es sehr rau, aber wir hatten aber auch einige Stunden traumhaftes Segeln. Falls es gepasst hätte, wären wir die Insel Sumba angelaufen, da kamen wir jedoch im Dunkeln vorbei und entschieden uns gleich weiter zu segeln.
Am Morgen des 3. Tages verlangsamen wir unsere Fahrt etwas, um erst nach Sonnenaufgang im Komodo Nationalpark anzukommen. Im Nationalpark liegen zwei große und viele kleine Inseln und er ist die Heimat des Komodowarans, den es nur hier gibt.

Komodowarane gehören zu den größten Echsen. Männchen werden 3m lang und bis zu 70 kg schwer, die Weibchen sind kleiner. Während die Jungtiere hauptsächlich auf Bäumen leben und Insekten fressen, ernähren die erwachsenen Tiere sich von großen Tieren wie Hirschen, Schweinen, Büffeln und Pferden. Komodowarane sind die einzigen Warane, die sich auf so große Beutetiere spezialisiert haben. Bei ihrem Biss injizieren sie ein Gift, das die Blutgerinnung inhibiert, außerdem übertragen sie einen Bakteriencocktail. Die gebissene Beute lebt oft noch tagelang bis sie verendet. Aas wird auch gerne gefressen. Wenn der Kollege also den Büffel beißt, ist der Waran nicht abgeneigt diesen dann zu verputzen, wenn er ihn gerochen hat. Das können sie nämlich sehr gut. Über mehrere Kilometer können Warane Blut oder Aas riechen.
Die Warane werden regelmäßig gefangen, gechippt, vermessen und gewogen, so weiß man ziemlich genau wie viele Warane auf Komodo, Rinca und Padar leben. Es soll auch noch Warane in manchen Gebieten von Flores geben, dort gibt es aber keine Zahlen und sie sind wohl sehr selten geworden.

Wir entscheiden uns für eine Ankerbucht in Rinca (gesprochen Rindscha). Die Bucht ist umgeben von kargen, braunen, schroffen Bergen. Vor unserm Bug liegt auf der einen Seite ein dunkler Strand, auf der anderen ein weißer. An den Hängen wachsen kleine Büsche, einige Palmen und trockene Gräser. Diese abweisende Landschaft bietet eine traumhafte Kulisse und ist die Heimat zahlreicher Tiere. Affen suchen bei Niedrigwasser im Schlick nach Nahrung, ein Hirsch trabt über den Strand und zeigt sich später oberhalb unseres Ankerplatzes am Hang, Adler kreisen über der Bucht und auch die berühmten Warane zeigen sich. Morgens und nachmittags können wir sie am Strand entdecken. Beeindruckend diese Urzeitviecher. Auch unter Wasser ist viel los. Die Fische springen, Tintenfische verstecken sich unter Mari und abends kommen Delfine in die Bucht.
Weil es so schön ist bleiben wir. Stundenlang sitzen wir mit dem Fernglas an Deck und beobachten Tiere, wir baden und genießen den ruhigsten Ankerplatz seit Wochen.

Das reiche marine Leben verdanken wir hier nicht zuletzt der ordentlichen Strömung, die für den Wasseraustausch zwischen den Inseln sorgt. Nur wann strömt es in welche Richtung? Die Hauptrichtung ist nach Süden zwischen den Inseln durch. Zusätzlich ist die Strömung auch tidenabhängig. Unsere Infos widersprechen sich. Nach ein bisschen Rechnerei (wir haben Angaben für die man zunächst den Meridiandurchgang des Mondes berechnen muss) einigen wir uns darauf, dass es bei Flut nach Norden strömt.
Am nächsten Morgen fahren wir zeitig los. An der Südspitze von Padar treffen wir auf einen nicht endenden Strom von Pinisis. Diese traditionellen Segelschiffe, die als Tauchreiseschiffe unterwegs sind, wechseln morgens den Platz. Sie bleiben dicht unter Land und schlängeln sich zwischen den vorgelagerten Felsen und Inseln hindurch. Dann machen wir das auch so. Wir reihen uns ein. Das ist ein wenig aufregend und funktioniert super. Die Kapitäne der großen Holzschiffe sind nett und rücksichtsvoll. Man zeigt uns den Weg und alle winken. Die meisten Tauchschiffe bleiben bei Padar, wir fahren hinüber nach Komodo.
Nach kurzer Suche, es ist einfach überall sehr tief, finden wir einen schönen Ankerplatz und frühstücken. Später kommen Souvenirverkäufer mit ihrem Boot vorbei, natürlich kaufen wir einen geschnitzten Waran. Nobbi handelt sie auf einen Drittel des Preises runter und alle sind sehr zufrieden. Der Tag vergeht mit ausgiebigem Baden und Tierbeobachtungen, eine Rotte großer schwarzer Schweine, ist bei Niedrigwasser im Schlick unterwegs und wieder haben wir Delfinbesuch.
Am nächsten Morgen geht es zurück nach Rinca. Wieder starten wir vor dem Frühstück. Das Timing stimmt, der Strom schiebt uns sanft und wir kommen gut voran. Wir ankern dicht vor der Station des Nationalparks. Wir wollen uns die Warane aus der Nähe ansehen. Tatsächlich sind wir positiv überrascht. Das Informationszentrum ist modern und schön gestaltet und der Guide, mit dem wir eine kleine Wanderung unternehmen, kennt sich gut aus und beantwortet alle unsere Fragen. Neben Waranen verschiedener Größe sehen wir auch Wasserbüffel, Affen und sogar wilde Pferde.
Am späten Nachmittag wird es voll in der Ankerbucht, aber gegen Abend fahren fast alle anderen Boot weg und wir verbringen eine ruhige Nacht vor Anker. Am nächsten Morgen treffen die ersten Boote schon vor sieben ein, wir beobachten das Gewusel beim Frühstück und machen uns dann auf den Weg nach Labuan Bajo. Unterwegs nimmt der Müll im Wasser besonders in der Nähe der Dörfer zu, das überrascht uns nicht, stimmt uns aber trotzdem traurig. Für Glücksgefühle sorgen Delfine und die Sichtung eines Mantas.

Kupang – Ankommen in Indonesien

Sonntag nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg und verlassen Dili. Wir hatten mit einem windstillen Morgen gerechnet und sind überrascht, dass es recht windig ist. Super, dann können wir segeln. Zunächst haben wir Gegenstrom, nach gut einer Stunde kommt der Strom aber von achtern und schiebt uns. Wir kommen flott voran und es macht richtig Spaß. Unsere Idee: wir ankern eine Nacht an der Küste Timors und segeln dann den Rest der Strecke in einem Stück. Früh ahnen wir, dass aus unserer Nacht am Anker nichts werden wird. Als wir das Kap runden, hinter dem wir ankern wollen, sehen wir ein weißes Band aus brechenden Wellen. Eine Stromkante? Zunächst sind die Wellen nicht sehr hoch, aber sehr spitz und wild. Wir werden aufgestoppt, wieder Gegenstrom. Unsere Idee, dass es sich vielleicht um ein dünnes Band handelt und wir tiefer in der Bucht glattes Wasser finden, bewahrheitet sich nicht. Wir müssen einsehen, dass wir hier keinen Ankerplatz finden, wir ändern den Kurs und sehen zu, dass wir dieser Waschmaschine entkommen. Diese Nacht werden wir durchsegeln. Ich übergebe Nobbi das Ruder und gehe unter Deck, nach ein paar Minuten wundere ich mich, dass es so ruhig ist. Nobbi grinst, der Seegang wurde ausgeschaltet, wir segeln bei ruhigem Wasser dahin. Auf die letzten zwei Stunden hätten wir verzichten können.
Abends müssen wir ein wenig motoren, dann können wir wieder segeln. Nun schiebt der Strom gewaltig, manchmal sind wir mit neun Knoten unterwegs. Für uns ist das schnell. In den Morgenstunden schläft der Wind ein und wir motoren. Das Wasser ist glatt, die Fahrt ist angenehm und wir wissen nun, dass wir heute noch ankommen werden. Nur die letzten zwei Stunden sind wieder unangenehm. Aus der Bucht von Kupang weht der Wind sehr böig mit bis zu fünf Windstärken. Schläft dann ein, weht wieder. Und eine fiese, steile Welle stoppt uns auf. Elendig langsam kämpfen wir uns motorsegelnd nach Kupang. Mit dem Fernglas versuchen wir die anderen Segler zu sehen, wo haben die geankert? Wir sind erstaunt, tatsächlich liegt hier keine andere Yacht, nur ein Boot, dass anscheinend schon seit einiger Zeit verlassen ist, schaukelt im Schwell. Wir ankern neben den Fischerbooten in der Namosain-Bucht und sind sehr froh angekommen zu sein. Überraschenderweise ist die nächste Nacht die ruhigste seit Wochen, damit hätten wir nicht gerechnet, als wir uns gegen die Welle in die Bucht gekämpft haben.

Dienstagmorgen (22. August) geht’s an Land. Wir wollen einreisen. Die Einreise nach Indonesien gilt als etwas aufwendig. Lange war ein Agent nötig, das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Wir haben versucht uns gut zu informieren und das Glück, dass befreundete Segler erst vor kurzem hier eingereist sind und uns sehr geduldig alle Fragen beantwortet haben.
Insgesamt ist der Prozess umständlich, verläuft aber sehr freundlich und recht flüssig, hat aber auch einige kleine „Passierschein A38-Momente“. Was das heißen soll, liest du kein Asterix? Jeder möchte, einen Stempel der anderen Behörde, sodass man alle zuerst besuchen soll.
Erste Station ist die Biosecurity (oder Health oder Quarantine). Dort sagen wir, dass wir da sind. Das ist bereits bekannt. Wir sollen wieder zum Hafen fahren und dort am Strand die Beamten treffen, die an Bord kommen wollen. Nobbi steigt mit den zwei Beamten ins Dinghi. Ich muss an Land bleiben, sonst wird es im kleinen Schlauchboot zu nass. Sie wollen die Covid-Impfungen sehen, fotografieren das Erste-Hilfe-Kit und füllen ein bisschen Papier aus. Zurück an Land, müssen wir wieder zur Biosecurity und dort unsere Unterlagen abholen und das berühmte „Green Book“ bezahlen. Auf dem Weg halten wir beim Geldautomaten.
Nun geht’s zum Zoll, dort zeigen wir unsere Pässe, Bootspapiere und die Clearance vom letzten Hafen. Da wir keine Kopien dieser Dokumente haben (oder sie nicht rausrücken wollen), macht der Beamte Fotos mit seinem Telefon, alles ganz unkompliziert. Nachmittags wollen sie zur Kontrolle an Bord kommen.
In der Zwischenzeit dürfen wir schon mal zur Immigration am Flughafen fahren und bekommen einen Zettel mit, den wir uns dort stempeln lassen sollen. Bei der Immigration geben wir unsere Visa und Pässe ab, es dauert ein wenig, dann haben wir die Aufkleber mit QR-Code unserer Visa im Pass. Nun sollen wir den Zettel, den wir uns von Immigration für Customs stempeln lassen sollen, von Customs und Biosecurity stempeln lassen und eine Kopie zur Immigration zurückbringen. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn der Weg zur Immigration ist recht weit.
Nun geht es zurück zu Marisol. Inzwischen sind wir sehr hungrig und froh, dass ich am Tag zuvor unterwegs ein Bananen-Walnuss-Brot gebacken habe, das wir nun vertilgen. Inzwischen meldet sich der Zoll-Beamte (via WhatsApp), wir sollen sie mit dem Dinghi vom Strand abholen. Nobbi wartet beim Hafenmeister, es dauert. Er wird mit lustigen Geschichten unterhalten. Irgendwann tauchen die Zöllner auf. Einer der beiden hat etwas Angst im Dinghi, da unser Boot nicht ganz dicht ist, sodass man immer nasse Füße bekommt, das findet er unheimlich. Es werden ein paar Papiere ausgefüllt, unsere (sehr bescheidenen) Alkoholvorräte protokolliert, unsere Medikamente und Signalmittel kontrolliert und fotografiert. Die beiden sind sehr nett, wir bekommen alle Papiere genau erklärt und am Ende machen wir dann noch ein paar Selfies zusammen im Cockpit.
Am Mittwoch stoppen wir auf dem Weg zum Zoll bei der Biosecurity und holen uns den fehlenden Stempel für Immigration ab. Das geht ganz schnell und ist der erste Stopp, wo wir nur Indonesisch sprechen. Überhaupt hat es sich gelohnt, dass wir ein wenig Indonesisch gelernt haben. Es macht unglaublich Spaß unsere Kenntnisse auszuprobieren. Nobbi freut sich, dass sie Zöllner seine Aussprache loben. Wir haben einen Fahrer der uns die ganze Zeit fährt und immer auf uns wartet. Er lacht sich kaputt über unsere Sprachversuche, bringt uns aber lauter neue Worte bei.
Beim Zoll ist keiner der Zuständigen da. Wir sitzen aber sehr nett auf einem gemütlichen Sofa und bekommen Tee serviert, so wartet man gerne. Hier können wir nun unsere fertigen Papiere abholen und wir bekommen ebenfalls den Stempel auf dem Papier für die Immigration. Wir fahren zur Immigration brauchen dort nur eine Minute und brauchen nicht warten. Dort treffen wir die Crew eines anderen Bootes und weil sie nicht in angemessener Kleidung aufgetaucht sind, haben sie alle einen Sarong bekommen. Wir sind froh unsere „Einklarierungs-Uniform“ aus Bluse bzw. Hemd und langer Hose angezogen zu haben.
Nun ist der Pflichtteil für heute erledigt. Wir nutzen die Gelegenheit und lassen uns zu Telkomsel fahren, um eine SIM Karte zu kaufen. Auch das ist etwas kompliziert. Ausländische Telefone müssen registriert werden. Die Mitarbeiterin ist sehr nett, erledigt alles für uns, lässt uns auch gleich die zugehörige App installieren und erklärt uns, worauf wir beim Buchen neuer Tarife achten müssen. Es gibt zum Beispiel Datentarife in denen ein Teil des Datenvolumens nur in einer bestimmten Region in Anspruch genommen werden kann, muss man ja wissen. Ist aber alles nicht so wichtig, denn es gibt sehr viel Datenvolumen für wenig Geld und das Beste ist, man hat fast überall Netzverbindung sobald man Land sieht! Den letzten Stopp machen wir bei einem Getränkehandel, wo wir unsere Biervorräte auffüllen.

Am Donnerstag erledigen wir die letzte Etappe des Behördenmarathons. Wir müssen quasi aus dem Einreisehafen ausklarieren. In anderen Ländern heißt das Inter-Island-Clearance. Dafür müssen wir zum Hafenmeister. Das ist einfach, der ist direkt am Hafen und wir brauchen kein Taxi. Er bekommt eine Kopie des Zettels mit den vielen Stempeln, unsere Clearance aus Dili und Kopien unserer Papiere. Dass dieser Besuch spannend werden könnte, wussten wir vorher. Er ist etwas speziell. Alles ist ganz lustig, er macht ein paar Späße und stellt unsere Papiere aus, Zielhafen Lombok. Vermutlich werden wir in Lombok einen Stopp machen, unser Zielhafen ist es jedoch nicht. Wir wollen, dass er unser letzten indonesischen Hafen Batam in unsere Papiere schreibt. Er findet das sei egal. Vielleicht ist es das. Aber wenn es egal ist, kann er doch auch Batam eintragen? Er will nicht. Nun werde ich böse. Schnell habe ich noch ein paar Wörter nachgeguckt und mache ihm dann in sehr wilden Mischung aus Indonesisch und Englisch klar, dass ich möchte, dass da Batam steht. Wir erklären, dass unser Boot klein ist und wir flexibel bleiben wollen. „No problem, Mam“. Er stellt den Wisch nochmal aus. Und kassiert natürlich eine „Bearbeitungsgebühr“, darauf waren wir vorbereitet und haben keine Kraft mehr uns zu wehren. Alle sind fröhlich, es folgen Selfies im Büro.
Damit haben wir den Behördenkram fürs erste erledigt. Ob wir alles richtig gemacht haben, wissen wir erst, wenn auch die Ausreise problemlos funktioniert. Insgesamt lief es ganz smooth. Gute Laune und ein Bootsstempel (!) helfen sehr viel weiter. Die Beamten waren schier begeistert und wollten den Marisol-Stempel auf alle Papiere haben. (Für nachfolgende Segler stellen wir gerne noch alle Infos zusammen, wenn wir erfolgreich wieder ausgereist sind. Falls ihr jetzt einreisen wollt und Fragen habt, meldet euch.)

Nun brauchen wir noch Diesel. An der Tankstelle direkt am Hafen gibt es nur subventionierten Diesel, den dürfen wir aber nicht tanken. Ein „Agent“ hat sich uns seit Tagen aufgedrängt und obwohl wir klar gemacht haben, dass wir ohne ihn einklarieren werden und er auch nirgends mitgekommen ist, ist uns klar, dass wir seine ungefragte Hilfe wohl irgendwie honorieren müssen. Also beschließen wir, ihn Diesel organisieren zu lassen. Eine Frau fährt mit dem Roller zur nächsten Tankstelle und füllt unsere Kanister dort.
Nachdem Nobbi den Diesel und unsere Papiere an Bord gebracht hat, haben wir das Pflichtprogramm erledigt und können uns noch etwas umsehen. Kupang ist eine etwas staubige Stadt. Für indonesische Verhältnisse mit 440.00 Einwohnern eher klein, ist es im Gegensatz zum beschaulichen Dili doch recht groß. Viele Christen leben hier, eine Kirche oberhalb der Bucht fällt uns schon beim Ankern auf. Gegen fünf werden wir allerdings von den Muezzins der Moscheen geweckt. Es ist recht viel Verkehr und wir pirschen uns am staubigen Straßenrand entlang bis zu einem Obstladen. Die Verkäuferin ist nett und das Obst so günstig, dass wir gar nicht handeln mögen. An einem kleinen Stand kaufen wir noch Tomaten und Auberginen, vermutlich bezahlen wir zu viel, denn wir bekommen noch einige Tomaten und eine Aubergine geschenkt. Bei drei kleinen Mädchen wollen wir später Bananen kaufen, dürfen aber erst gehen, nachdem wir gemeinsam mit der Verkäuferin vom Nachbarstand Fotos gemacht haben. Vitaminmangel ist zunächst nicht zu befürchten.
Wir schleppen unser Obst noch ziemlich weit durch die Stadt, aber bevor wir wieder auf dem Boot sitzen müssen wir uns auch mal bewegen. In einem luftigen Restaurant essen wir und ich bin stolz, dass ich mein Essen inklusive Sonderwünsche auf Indonesisch bestellen kann.
Zurück an Bord verstauen wir das Dinghi an Deck, waschen das ganze Obst und Gemüse und räumen etwas auf. Am nächsten Morgen soll es weitergehen, eigentlich könnten wir einen Ruhetag gebrauchen, aber wir haben dem Hafenmeister versprochen binnen 24 Stunden auszulaufen. Nachdem wir am Mittwoch wildes Wetter am Ankerplatz hatten, nachmittags drehte der Wind um 360 Grad, leider mit satten fünf Windstärken, so dass es etwas hektisch im Ankerfeld wurde, sind wir auch gar nicht so wild auf eine Verlängerung in Kupang. Die Stadt Kupang lädt nicht unbedingt zu längeren Aufenthalten ein, doch die netten, offenen Menschen machen, mal wieder, den Unterschied. Schon lange haben wir in drei Tagen nicht so viel gelächelt und gelacht.

Obrigado Timor Leste

Gestern haben wir ausgecheckt. Das ging ziemlich zügig, war wieder sehr nett und günstig war es auch. 13,42 Dollar Hafengebühr haben wir bezahlt, sonst gab es keine Gebühren, weder beim Ein- noch beim Auschecken.
Heute waren wir auf dem Markt und haben uns mit Obst und Gemüse eingedeckt. Wassermelone, Maracuja, Papaya, Möhren, Zwiebeln, Avocado, Bananen, Knoblauch, Soursop und Kartoffeln. Gestern haben wir ein nettes Restaurant entdeckt. Bei Dilicious gibt es sehr leckeres lokales Essen. Wir haben die Chance genutzt und waren heute gleich wieder dort. Den Kaffee haben wir allerdings wieder bei Pateo getrunken, dort beim portugiesischen Supermarkt gibt es nämlich sehr gute Pasteis de Nata. Außerdem wollten wir an den letzten Tagen nun nicht mit unseren neuen Gewohnheiten brechen.
Auf dem Rückweg haben wir uns darüber unterhalten, dass wir Dili interessant finden und es, auch wegen der guten Versorgungslage, gut noch ein wenig hier aushalten könnten. Diese Einschätzung bekam kurz darauf einen Dämpfer. Auf dem Ankerplatz zeigen sich viele Schaumköpfe, die Wellen brechen sich. Die Dinghifahrt ist feucht, das Anlegen an Mari sehr sportlich. Mari schaukelt wild. Auf dem Sofa liegend geht’s, aber sonst macht es keinen Spaß. Trotzdem entschließen wir uns das Dinghi an Deck zu nehmen. Erst muss der Außenborder ans Heck. Nobbis Einsatz im Boot erinnert an Bullriding, allerdings in nass, fröhlich schwappen die Wellen ins Dinghi. Der zweite Teil, das Dinghi aus dem Wasser nehmen, umdrehen und unter dem Baum an Deck legen klappt dagegen routiniert und Blessuren frei.
Morgen geht’s weiter. Nächste Station: Indonesien. Dili hat uns gefallen, nicht nur wegen der Pasteis de Nata und des portugiesischen Rotweins. Wir haben sehr nette, offene, freundliche Menschen getroffen. Fazit: ein lohnenswerter Stopp!

Mittagsschlaf im Baumarkt? Kein Problem!
Hier wohnt das gute Essen!
Kokosnusspause
Deutsche Entwicklungshilfe die ankommt. Mit Fahrplan!
Großes Obst- und Gemüseangebot.

Touristenprogramm – Die Unabhängigkeit, Tais, Christus und weiße Strände

Wer sich mit Osttimor beschäftigt, kommt am blutigen Weg in die Unabhängigkeit nicht vorbei. Wir besuchen das „Museo da Resistência“, das Osttimors Weg in die Unabhängigkeit beschreibt. Hier gibt’s eine kleine Zusammenfassung, die Geschichte ist natürlich sehr viel komplizierter.
Die ersten Menschen lebten schon vor etwa 40.000 Jahren auf Timor. Als die Europäer im 16. Jahrhundert hier auftauchten gab es eine Vielzahl kleiner Reiche. Im 18. Jahrhundert kämpften vor allem Portugal und die Niederlande um die Vorherrschaft. Nachdem Portugal einige Inseln an die Niederländer verloren hatten und ihnen auch den Westteil der Insel überlassen musste, behaupteten sie sich im Ostteil Timors und machten schließlich Dili zur Hauptstadt der Kolonie. Das Hauptinteresse lag auf dem Gewinn von Sandelholz und später Kaffee. Im zweiten Weltkrieg wurde Osttimor trotz Portugals Neutralität von den Japanern besetzt. Im folgenden Guerillakrieg starben schätzungsweise 50.000 Menschen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Indonesien unabhängig von den Niederlanden, während Osttimor portugiesisch blieb.
In den 1970 Jahren hat Portugal genug eigene Probleme, mit der Nelkenrevolution geht 1974 die Diktatur zu Ende. Osttimor hat etwa den Status einer vergessenen, ausgebeuteten Kolonie am Rande der Welt. In Portugal wird 1975 ein Gesetz verabschiedet, das beinhaltet, dass Osttimor dekolonialisiert werden soll. In Osttimor beginnt ein Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Parteien. Die FRETILIN siegt und ruft die Unabhängigkeit aus, doch dann greift Indonesien zu. Durchaus mit Duldung durch US-Amerikaner und Australier, die auf eine schnelle Herstellung geordneter Verhältnisse hoffen.
Es beginnt eine grausame indonesische Besatzungszeit. Bis 1979 wird ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung getötet, direkt oder durch Hunger. Auch in den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu Deportationen, Ermordung von Führungspersonen der Unabhängigkeitsbewegung, getöteten Journalisten und 1991 zum Santa Cruz Massaker.
Nachdem der Konflikt lange kaum ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit dringt, setzen sich vor allem Portugal und Australien für die Unabhängigkeit Osttimors ein. Schließlich gibt es 1999 ein Referendum, bei dem sich 80 % der Bevölkerung für die Unabhängigkeit ausspricht. Daraufhin kommt es noch mal zum Aufflammen der Gewalt durch Milizen und die indonesische Armee. Nun wird von der UN eine Friedenstruppe entsandt und der Konflikt beendet. Am 20. Mai 2002 wird Osttimor unabhängig.
Das Museum ist modern und den gesamten Text gibt es auf Portugiesisch, Tetum und Englisch. Wir haben viel gelernt und nun Appetit auf leichtere touristische Inhalte.

Tais heißen die traditionellen gewebten Stoffe. Es gibt sie in unzähligen Mustern, viele sind sehr schön bunt und in der Regel sind sie aus Baumwolle. Die gesamte Produktion vom Spinnen übers Färben bis zum Weben erfolgt normalerweise innerhalb der Familie. Die Stoffe werden als Kleidungsstücke getragen, aber haben auch kulturelle Funktionen, dienen als Mitgift, Geschenk und heute als Souvenir. Hier in Dili gibt es einen eigenen Tais Market. Wir sind die einzigen Besucher, was ein wenig beklemmend ist. Die Verkäufer warten auf Kundschaft, spielen Karten und lassen ihre Hähne kämpfen. Auch auf Marisol gibt es nun einen Tais.

Im Tourismusbüro haben wir Postkarten bekommen und brauchen nun Briefmarken. Wir laufen zur Post und denken zunächst, dass wir vergebens gekommen sind, es scheint geschlossen zu sein. Doch dann entdecken wir die beiden Mitarbeiterinnen. Die beiden kümmern sich rührend um uns. Unsere Briefmarken werden liebevoll mit Uhu auf die Karten geklebt, dann werden sie gestempelt. Sie schenken uns jedem eine Flasche Wasser und freuen sich als wir fragen, ob wir ein Foto machen dürfen. Auf dem Weg zur Post entdecken wir einen Chinesischen Tempel, den wir uns ansehen dürfen.

So schön kann ein Postbesuch sein!

Der öffentliche Nahverkehr ist mit sogenannten Mikrolets, Minibussen, organisiert. Sie fahren auf zwölf festgelegten Routen. Man winkt sie ran, wenn man einsteigen möchte und klopft mit einer Münze an den Handlauf, wenn man aussteigen möchte. Das System ist einfach, günstig (eine Fahrt kostet 25 Cent) und sehr effektiv. Gestern waren wir 17 Fahrgäste plus Fahrer, sehr kuschelig. Uns macht es Spaß mit den kleinen Bussen zu fahren und wir nutzen sie unter anderem, um zu der Landspitze zu kommen, auf der die Christus-Statue steht. Diese ist nach der in Rio die zweitgrößte der Welt und wurde 1996 aufgestellt. Viele Stufen führen nach oben an den Fuß der Statue „Cristo Rei do Dili“, belohnt werden wir mit dem Ausblick auf die Stadt und schöne Strände.

Dili – Ankern im Herzen der Stadt

Osttimor ist ein junges Land mit einer jungen Bevölkerung. Erst 2002 wurde Osttimor endgültig Unabhängig und das Medianalter der 1,3 Mio. Einwohner liegt bei etwa 20 Jahren. Portugiesisch und Tetum sind die offiziellen Sprachen, es werden jedoch viele weitere lokale Sprachen, außerdem Indonesisch und Englisch gesprochen. Praktisch alle Bewohner, ungefähr 98 %, sind katholisch, das liegt vor allem an der Rolle der katholischen Kirche während der indonesischen Besetzung. Gezahlt wird mit US-Dollar, ähnlich wie in Panama gibt es eigene Münzen.
Osttimor umfasst den Ostteil der Insel Timors (wer hätte das gedacht), die Exklave Oecusse weiter im Westen der Insel Timor und zwei kleine Inseln. Die Größe von 15.000 km2 entspricht etwa der Größe Schleswig-Holsteins. Und, ein wenig unnützes Quizshow-Wissen, Osttimor ist das einzige asiatische Land, das ausschließlich auf der Südhalbkugel liegt.
Dili ist die Hauptstadt und liegt an der Nordküste der Insel. Und mitten im Herzen der Stadt, gegenüber vom Regierungspalast, liegen wir. Unser Ankerplatz ist mäßig romantisch, dafür aber sehr zentral. Uns gefällt es hier.

Am Sonntag, am Tag nach unserer Ankunft, pumpen wir unser Dinghi auf und fahren an Land. Bei der Policia Maritima gibt es einen Strand, dort können wir anlanden. Wegen des leichten Schwells, brauchen wir ein gutes Timing beim Sprung auf den Strand.
Bei der Policia Maritima interessiert sich niemand für uns, es wird geangelt und Billard gespielt. Schließlich ist Wochenende. Bei der Immigration treffen wir, wie erwartet niemanden an. Wir genehmigen uns unseren Landgang selbst und fahren mit dem Taxi ins Timor Plaza Einkaufszentrum, kaufen SIM Karten samt Datenpaket und essen dort.

Am Montag melden wir uns bei der Policia Maritima, wir dürfen unser Boot gerne an ihrem Strand lassen, und sollen zur Immigration am Hafen gehen. Dort schickt man uns zur Gesundheitsbehörde. In einem kleinen Büro füllen wir ein Formular aus, unsere Impfpässe werden begutachtet und eine Crewliste abgestempelt. Der Chef kommt auch noch vorbei und möchte sich ein wenig unterhalten. Zurück zur Immigration. Dort liegen schon die zwei Einreiseformulare für uns bereit, die ich ausfülle, während Nobbi sich mit den Beamten unterhält. Werder Bremen ist bekannt, Borussia Dortmund findet man sympathisch. Die Pässe werden gestempelt, außerdem auch wieder eine Crewliste. Nobbi zieht unseren Bootsstempel raus und stempelt die Crewliste ebenfalls, das stößt auf große Begeisterung. Wir sollen nun zum Hafenmeister gehen. Ob wir nicht auch zum Zoll müssen? Stimmt, erst zum Zoll. Beim Zoll ist keiner, der uns abfertigen darf. Wir sollen zum neuen Handelshafen fahren. Das wollen wir nicht so gern, das ist 15km entfernt und wir sind nicht so sicher, wo wir da genau hinfahren sollen. Also gehen wir erstmal zum Hafenmeister, der nette Immigration-Beamte schleust uns in den Sicherheitsbereich des Hafens, wir können die Abkürzung nehmen. Dort beschäftigen wir gleich drei Beamte, ob wir eine Crewliste hätten? Wieder füllen wir ein Formular aus, unsere Pässe werden kopiert. Wir erzählen, dass wir zum Zoll im Handelshafen fahren sollen. Der Hafenmeister findet das zu teuer und zu gefährlich. Nachmittags sei doch sicherlich ein Beamter dort. Wir geraten in ein Büro der Hafendirektion, ob wir schon beim Hafenmeister waren und ob wir einen Beleg bekommen haben? Ob wir den Beleg nicht erst bei der Abreise bekommen, fragen wir. Ein Telefonat bringt Klärung und man ist sich einig, den Beleg gibt’s bei der Ausreise und wir sollen nicht zum Handelshafen fahren. Wir gehen wieder zum Zoll, der Mitarbeiter ruft seinen Chef an und bespricht mit ihm, dass wir nachmittags wiederkommen. Als wir zurückkehren liegt das Zollformular unterschrieben bereit, wir brauchen es nur noch auszufüllen, in der Hafendirektion wird es kopiert und schon sind wir einklariert.
Das ganze Prozedere war etwas chaotisch, aber alle die wir getroffen haben waren freundlich und bemüht. Alle Stationen sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Unsere wenigen Portugiesisch Bruchstücke haben manches Lächeln hervorgerufen und Geduld und Freundlichkeit, wie so oft, weitergeholfen. Gestern waren wir auf dem Hafengelände um ein Foto zu machen und werden sehr enthusiastisch begrüßt, da darf man mich dann sogar Mami nennen.

Man kann hier überraschend gut einkaufen. Schade, dass wir so gut proviantiert sind und eigentlich gar nichts brauchen. Besonders angetan hat es uns der portugiesische Supermarkt. Wir genießen wunderbare Pasteis de Nata, die tollen portugisischen Törtchen, spanischen Käse und portugiesischen Rotwein. Außerdem kann man hier auch nett Mittagsessen.
Auf dem Gemüsemarkt müssen wir uns für einen Stand entscheiden, die Auswahl ist groß. Eine sympathische junge Frau macht das Rennen. Wassermelone, Maracuja, Bananen, Tomaten und Gurken wandern in unsere Tasche. Die junge Frau ist geschäftstüchtig und möchte uns auch Mangos, Ananas und Soursop verkaufen, wieder versprechen wiederzukommen, wenn wir aufgegessen haben.

Wir bummeln an der Promenade entlang wundern uns über die unzähligen Stände mit exakt identischem Warenangebot nebeneinander und beobachten das Leben. Junge Männer bieten Handyreparaturen an, magere Katzen warten auf die Reste aus den Garküchen und überall gibt es Kokosnussverkäufer. Nobbi war beim Friseur und der Haarschnitt ist ganz gut geworden, besonders wenn man bedenkt, dass er mit einer Küchenschere und einem kaum funktionierenden Haarschneider gemacht wurde.
Die Fischer kommen rein, laden ihre Fische ab und versorgen sich mit Lebensmittel und Wasser. Wir wollen uns das Spektakel von nahem ansehen, aber es stinkt höllisch. Im flachen Wasser werden die Fische ausgenommen, sortiert und gewogen.
Die Kanalisation ergießt sich ins Meer und der Strand ist dreckig. Plastikmüll. Ums Schiff ist es dank des starken Wasseraustausches erstaunlich sauber und wir sehen immer wieder Schildkröten neben dem Boot. Ich muss hier aber nicht baden. Osttimor soll viele fantastische, unberührte Strände haben, dass der vor der Hauptstadt nicht dazugehört, ist wenig überraschend. Im Zentrum der Stadt ist es erstaunlich sauber, die Fusswege sind frisch gefegt und die Rinnsteine wurden von Müll befreit, entfernt man sich etwas weiter sieht es anders aus. Vielleicht kommt es aber auch nur drauf an, wo die Stadtreinigung gerade unterwegs war.

Mittags kommt etwas Thermik auf und der Seegang nimmt zu, deshalb sind Dinghifahrten um die Mittagszeit ein wenig sportlicher, morgens und abends ist es meist sehr ruhig. Wir waren jetzt jeden Tag mittags unterwegs und sind immer heil an den Strand und wieder zurück an Bord gekommen. Wenn der Wind abends nachlässt, legt Mari sich gerne quer zum Schwell und schaukelt dann etwas oder auch etwas mehr. Ab und zu muss man sein Glas festhalten, damit es nicht vom Tisch hüpft. Wir haben überlegt einen Heckanker zu setzen, uns dann aber dagegen entschieden. Eigentlich wollen wir bald weitersegeln, gerade fühlen wir uns aber sehr wohl hier.

Acht Tage steile Wellen und raues Segeln

Es ist kurz vor Mitternacht. Wir segeln bei wenig Wind und kaum Welle entlang der Nordküste Timors. Der Mond ist noch nicht aufgegangen, der Sternenhimmel wunderschön klar, keine einzige Wolke zeigt sich. An Land sehe ich weit entfernt einige Lichter von Häusern, Straßenlaternen und gelegentlich die Scheinwerfer eines Autos. Unsere Bugwelle funkelt mit dem Sternenhimmel um die Wette, Millionen von Meeresbewohnern fluoreszieren. Auch die Delfine, die mich seit einer halben Stunde begleiten, ziehen einen glitzernden Schweif hinter sich her. Diese Momente sind es, die dabei helfen die weniger schönen und anstrengenden Teile der Überfahrt bald zu verdrängen.
Am Freitag, 4. August verlassen wir Australien und starten vormittags als der Strom kentert. Flott geht es an Thursday Island vorbei, in der Enge danach schiebt der Strom kurz mit bis zu sechs Knoten, ganz schön aufregend. Wir segeln entlang des Schifffahrtsweges. Das flache Wasser leuchtet milchig türkis, die Welle ist nicht hoch aber ruppig und wir haben mal wieder ordentlich Wind. Hier ist es wirklich unglaublich flach, nach 50 Seemeilen ist die Wassertiefe noch immer nur bei 20m. Am zweiten Tag sehen wir zwei Fischerboote, eines aus Saudi-Arabien und eines aus Aserbaidschan im australischen Seeraum. Wir können sie und ihre Netze, die mit Bojen markiert sind und ein eigenes AIS Signal aussenden (und bei uns auf dem Bildschirm auftauchen), gut umfahren.
Hier ist deutlich mehr Schiffsverkehr als in den Weiten des Pazifiks, wir sehen jeden Tag mehrere große Schiffe. Containerschiffe, Tanker, Bulkcarrier. Die Begegnungen sind ausgesprochen friedlich, ihre Kurse sind leicht auszumachen und sie führen identifizierbare Lichter. Wir achten darauf, dass wir geradeaus segeln und keine Verwirrung stiften. Mehrere Schiffe, die uns sonst etwas nahe gekommen wären, ändern den Kurs um ein paar Grad ohne dass wir darum bitten müssen. So soll es sein.
Am Abend des sechsten Tages verlassen wir die ausschließliche Wirtschaftszone Australiens und segeln gleichzeitig über die 200m Tiefenlinie, jetzt fällt die Wassertiefe auf 500m. Eigentlich für uns völlig uninteressant, aber der sogenannte Kontinentalschelf ist für die Unterwasserwelt extrem attraktiv. Wir merken es daran, dass wir plötzlich zick-zack zwischen den Fischern segeln müssen. 20 Schiffe und mehr sehen wir gleichzeitig, dazwischen unzählige Bojen. Die Beleuchtung ist kreativ. Vorne rot hinten grün, sieben weiße, ein blaues Licht. Die wenigsten der Fischer haben AIS, obwohl es sich um große Schiffe handelt. Die Bojen senden grün-blaue Blitze, rotes Funkeln oder weißes Glimmen. Es ist schwierig den Überblick zu behalten, welche Boje gehört zu welchem Schiff? Das Ganze wäre nicht so anstrengend, wenn wir nicht sechs bis sieben Windstärken hätten, in den Böen auch mal acht. Und dann beginnen die Schauer. Der starke Regen drückt die Wellen platt, aber beschränkt auch die Sicht. Zu zweit versuchen wir uns frei zu segeln. Einmal nehmen wir die Maschine zur Hilfe, ein Fischer leuchtet uns an, wir müssen gegen den Wind abhauen. In dieser Nacht schlafen wir wenig. Nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei, wir sehen noch einige Fischer aus sicherem Abstand und müssen am nächsten Morgen noch ein entschlossenes Ausweichmanöver fahren, das AIS-Signal einer Netz-Boje taucht plötzlich dicht vor uns auf. Die Sonne trocknet die nassen Sachen der Nacht und wir holen etwas Schlaf nach. Danach hatten wir zum Glück keine Begegnungen mit Fischern mehr. Wir vermuten, dass das Meer inzwischen zu tief ist, um als Fischgrund attraktiv zu sein.
Immer wieder notieren wir im Logbuch, dass die Welle ungemütlich ist. Irgendwie verkeilen, lesen, ein Hörbuch hören und durchhalten. Mehr passiert nicht. Kochen und Abwaschen sind Hochleistungssport. Das Duschmanöver will sorgfältig geplant werden. Nobbi behauptet er löst Kreuzworträtsel. „2m waagerecht“ bedeutet: er geht in die Koje, der beste Platz an Bord. Wir können uns nicht erinnern schon mal eine Woche im zweiten Reff gesegelt zu sein. Einen windigen Start der Überfahrt hatten wir erwartet, aber gehofft, dass der Wind nach einigen Tagen abnimmt. Ein Blick auf die Wettervorhersage zeigt heute, dass jetzt ein toller Zeitpunkt für die Passage wäre, tagelang handiger Wind. Aber jetzt sind wir schon hier.
Nobbi hat während einer Nachtwache einen Passagier. Ein Tölpel versucht achtern auf dem Bimini zu landen und wird von der Windsteuerfahne ins Cockpit katapultiert. Der arme Vogel landet unsanft auf dem Cockpitboden. Nach einiger Zeit berappelt er sich und hüpft auf die Bank, als er sein Lager im Schwalbennest aufschlagen möchte, lässt er sich von Nobbi nicht nur anfassen, sondern sogar hochheben. Schließlich fliegt er davon und kann seinen Tölpel-Freunden jetzt eine tolle Geschichte erzählen.
Wie auf jeder Passage freuen wir uns über tolle Sonnenauf- und -untergänge, die fantastischen Farben der Meeres von hellgrün bis dunkelblau, den Sternenhimmel, magische Mondaufgänge, sehr viele Sternschnuppen, Seevögel und über die Ruhe und Freiheit auf See.
Schließlich sehen wir nachts den ersten indonesischen Leuchtturm und erreichen eine Woche nach Verlassen Thursday Islands die Nord-Ost-Ecke Timors. Die zu Beginn beschriebene traumhafte Nacht lässt uns die Strapazen vergessen. Irgendwann schläft der Wind ein und wir motoren durch die ruhige Nacht. Der Sonnenaufgang ist besonders schön und wird durch einen sehr großen Wal der parallel zu uns schwimmt gekrönt.
Die letzten Meilen nach Dili, der Hauptstadt Timor-Lestes ziehen sich, als wollte Neptun uns daran erinnern „man ist erst da, wenn man da ist“. Wir haben entgegen unserer Erwartung starken Gegenstrom und kommen nur langsam voran, obwohl der Ostwind inzwischen zurückgekommen ist und uns kräftig schiebt. In der letzten Stunde haben wir so grausamen Seegang, dass wir uns mit beiden Händen festklammern müssen.
Schließlich haben wir es geschafft. Nach acht Tagen und sechs Stunden laufen wir in den kleinen Hafen von Dili ein. Wir suchen uns einen Ankerplatz, sind sehr froh angekommen zu sein und sehr gespannt auf ein neues, fremdes Land. Musik weht zu uns herüber, bei der Unidade Policia Maritima wird Karate trainiert, viele Motorroller drängeln sich auf der Straße am Hafen. Wir sitzen im Cockpit und beobachten das Leben an Land durchs Fernglas. Müde fallen wir in die Koje. Der Schwell läuft bei Flut übers schützende Riff und Mari schaukelt heftig, aber uns ist das egal und wir schlafen herrlich eine ganze Nacht durch.

Abschied von Australien

Horn Island ist eine kleine Insel mit einem Flughafen, zwei Supermärkten, ein paar Hotels und für uns nur interessant, weil sie gegenüber von Thursday Island liegt. Thursday Island liegt übrigens zwischen Wednesday Island und Friday Island. Da ist Herrn Cook und seinen Leuten einfach nichts mehr eingefallen. In Thursday Island, kurz TI, können wir ausklarieren, also Australien verlassen. Deshalb sind wir hier. Der Ankerplatz vor Thursday Island ist gelinde gesagt ungemütlich, aber es ist erlaubt hier bei Horn Island zu ankern und mit der Fähre nach Thursday Island zu fahren.
Am Montag sind wir an dem Ankerplatz angekommen und haben beschlossen unseren Anker einige Tiden zu beobachten. Dienstag haben wir getankt. Was sich so simpel anhört war eine größere Sauerei, weil der Rüssel nicht in die Kanister passte. Also haben wir aus einer Wasserflasche einen Trichter gebaut, trotzdem war das Befüllen der beiden Kanister eine mühselige Angelegenheit. Bei den beiden Supermärkten haben wir unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt und im Pub kann man Bier kaufen. Eine Wild-West-Atmosphäre, ein Ende der Welt, kein Traumort. Nach einem Kaffee im Supermarkt-Café-Postamt ging es wieder an Bord. Während ich Wäsche wasche macht Nobbi noch einen Tanktrip, füllt die anderen beiden Kanister und bringt Waschwasser mit.
Auch wenn erst Mittwoch ist, fahren wir nach Thursday Island, allerdings mit der Fähre. Wir schauen beim Zoll vorbei, drehen eine Runde durch den Supermarkt und trinken Café in einer kleinen Galerie. Der Waschsalon ist eine skurrile Abstellkammer im Hinterzimmer eines Schreibwaren-Tierfutter-Geschenkartikel-Geschäfts. Dort können wir unsere Wäsche waschen, leider sind alle vier Trockner kaputt (und das schon sehr lange) und wir müssen unsere nasse Wäsche auf der Fähre wieder mitnehmen und an Bord trocknen.
Am Anleger sehen wir ein kleines Motorboot mit einem toten Dugong. Erst dachte ich, das Dugong hätte sich in einem Fischernetz verheddert und wäre ertrunken, aber dann lerne ich, dass die Torres-Strait-Insulaner (die indigene Bevölkerung der Region) Dugongs und Schildkröten jagen dürfen. Das wusste ich nicht. Eine ganze Familie klettert zum Dugong ins Boot, die Eltern, 2 Kleinkinder, ein Baby, der Kinderwagen und die Einkäufe stapeln sich auf dem großen Tier.
Heute waren wir wieder auf Thursday Island, ist ja schließlich Donnerstag. Wir wollen ausreisen. Beim Zoll ist niemand, aber ein Telefonat ergibt, dass wir in einer Stunde vorbeikommen können. In der Wartezeit essen wir eine Kleinigkeit, das Ausklarieren verläuft schnell, freundlich und problemlos, noch ein kleiner Spaziergang und schon fährt die Fähre wieder nach Horn Island. Am Anleger sehen wir einen großen Hai, noch ein Grund hier im etwas trüben Wasser besser nicht zu baden. Es ist heute sehr windig. Die Dinghy-Fahrt zurück an Bord und das Verstauen von Außenborder und Boot ist etwas mühsam. Aber nun sind wir bereit. Morgenfrüh geht’s los. Wir verlassen Australien und segeln nach Osttimor. Etwa 1000 Meilen liegen vor uns, wir rechnen mit etwa einer Woche Reisezeit.

Mit Australien und den Australiern sind wir nicht so ganz warm geworden. Cairns hat uns gefallen, Lizard Island war ein Highlight und wir hatten einige nette Begegnungen, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Vielleicht beim nächsten Mal!