Unsere Liste wird kürzer. Alles wird gecheckt, entsalzen und eingemottet. Das Vorsegel ist unter Deck verstaut, die Rollanlage wurde mit der Zahnbürste vom Sand der Kap Verden befreit, kleine Löcher im Gelcoat haben wir aufgefüllt und das Vorluk hat eine neue Persenning bekommen. Auch unangenehme Highlights, wie das Schmieren des Ruderlagers haben wir schon hinter uns gebracht. Gestern haben wir die große Backskiste ausgeräumt, nur wenn die Kiste leer ist, passe ich rein. Das Schmieren des Ruders mit der Fettpresse geht schnell, das Fett ist hinterher überall. Also Putzen und alles wieder einräumen. Nebenbei krempeln wir das Schiff um und sortieren unser Hab und Gut, einiges wird verschenkt, anderes wandert in die Mülltonne und auch der Stapel „kommt mit nach Deutschland“ wächst. Der Platz auf Mari ist begrenzt. Leider wird die Liste nicht nur kürzer. Gestern und Vorgestern standen Motorstreicheleinheiten auf dem Programm, Ölwechsel, Getriebeölwechsel, Getriebezug neu einstellen und Filterwechsel. Der Separfilter leistet ganze Arbeit, der dreckige brasilianische Diesel wird seinem schlechten Ruf gerecht. Motorarbeiten sind normalerweise Nobbis Revier (obwohl ich durchaus in der Lage bin einen Ölwechsel zu machen), meine Aufgabe ist die abschließende Besichtigung. Dabei stelle ich fest, dass eines der Motor-Gummilager gerissen ist, ein zweites angerissen. Das ist nicht gut. Gut, wenn man mal auf dem Bauch vor seinem Motors liegt. Ein neuer Punkt für die Liste. Nobbi überlegt bereits wie wir den Motor ausbauen können, falls es uns nicht gelingt die gleichen Motorlager zu bekommen. Ich würde gerne auf eine Wiederholung der Erfahrung „Motorausbau“ verzichten, einmal hat mir gereicht.
Trotz der langen Liste und einiger Rückschläge ist die Stimmung an Bord ausgesprochen gut. Die Rauchmelder wurden hoch professionell getestet und funktionieren. Gelegentlich hält uns ein Tropenschauer auf Trab. Einmal Wäsche abnehmen und Luken zu. Wenn man nicht schnell genug ist, wird die Wäsche erneut gespült. Meine Sportschuhe waren seit gestern schon dreimal fast trocken. Nach ein paar Minuten ist alles wieder vorbei. Heute Nacht um vier war es mal wieder so weit, wenn es durchs Vorluk ins Gesicht regnet, ist es Zeit aufzustehen und auch die Luken im Salon zu schließen. Wer gute Nerven hat kann noch kurz warten, ob der andere vielleicht aufsteht… . Anschließend versucht man schnell wieder einzuschlafen, schließlich kommt bereits um sechs das erste Party-Boot mit dröhnendem Samba-Rhythmus vorbei gefahren.
Heute Nachmittag machen wir eine Arbeitspause. Schließlich ist Carnaval in Salvador, die größte Party der Welt.
Chapada Diamantina
Chapada Diamantina ist ein Mittelgebirge mit gleichnamigem Naturschutzgebiet im Landesinneren. Auf der Karte in unserem Reiseführer liegt dieses grüne Juwel gleich westlich von Salvador. Wir dachten wir könnten dort „mal kurz“ hinfahren, tatsächlich braucht der Bus je nach Tageszeit sechs bis acht Stunden. Der Name verrät noch heute, dass hier in der Vergangenheit Diamanten abgebaut wurden.
Montagmorgen klingelte der Wecker um halb fünf, nach einer weckenden Tasse Kaffee geht es für uns zum großen Busbahnhof in Salvador. Dort steigen wir in einem bequemen Reisebus. Auf der Fahrt bekommen wir einen Eindruck vom Landesinneren. Nachdem wir Salvador hinter uns gelassen haben, fahren wir zunächst durch trockenes Weideland. Die Kühe und Ziegen weiden auf riesigen Faciendas, die zum Teil sehr kahlgefressen sind. Nach einer Pause an einer Raststätte, springt der Bus nicht wieder an. Wir befürchten, dass wir Stunden hier verbringen müssen und kaufen uns erstmal eine frische Ananas. Tatsächlich ist nach 10 Minuten der Mechaniker da, schließt das Relais des Anlassers kurz und es geht weiter. Umso näher wir Chapada Diamantina kommen, umso grüner wird es. Das Buschwerk wird immer höher und die Kühe fressen hier die Blätter von den Sträuchern. Schließlich beginnt der leuchtend grüne Wald. Hier ist gerade Regenzeit, in den frühen Morgenstunden regnet es kräftig. Tagsüber haben wir gelegentlich Bremer Sprüh, allerdings bei 25 bis 30 Grad.
Nach sieben Stunden Busfahrt erreichen wir Lencois mit etwas Verspätung. Die kleine Stadt ist Ausgangspunkt der meisten Touren in der Region. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre, die Häuser sind bunt bemalt und abends stehen überall in den kleinen Kopfsteinpflasterstraßen Tische vor den Restaurants. Die touristische Infrastruktur ist perfekt, von Internetzugang bis Trekkingbedarf gibt es hier alles was sich Reisende wünschen. Lencois bedeutet Laken, es gibt verschiedene Geschichten wie der Fluss zu seinem Namen gekommen ist. Vermutlich stammt er von dem Bettlaken, die im Fluss gewaschen wurden und dann zum Trocknen auf den Steinen ausgebreitet wurden. Das funktioniert heute noch ganz genauso.
Wie beziehen unser Zimmer in einer kleinen Pousada, es ist einfach aber nett und das Frühstück ist sehr lecker. Jeden Morgen gibt es etwas anderes, süßes Gebäck, Kuchen, Brötchen, gebratene oder gekochte Bananen, frisches Obst, Saft und Kaffee. Besonders haben uns die Pfannkuchen aus Tapioca, Maniokstärke, geschmeckt und nachdem Nobbi einmal ein Rührei gegessen hat, hat die Köchin ihm am nächsten Morgen gleich wieder eins gemacht.
Kurz nach unserer Ankunft steht gleich eine kleine Wanderung auf dem Programm. Unser Guide erzählt uns einiges über den Ort. Wir laufen am Rio Serrano entlang, dem Fluss, der durch Lencois fließt, und baden an verschiedenen Stellen. Die Löcher, die der Diamantenabbau hinterlassen hat, werden als Pools genutzt. Allerdings muss man wissen in welchen man entspannt baden kann, in einigen entstehen kräftige Strudel. An anderer Stelle baden wir in einem natürlichen Becken das der Fluss geformt hat und am Ende duschen wir noch unter einem Wasserfall. Die Landschaft entlang des Flusses ist schön. Wir klettern über große Steinplatten unter riesigen Felsbrocken hindurch und folgen kleinen Pfaden.
Die nächsten zwei Tage sind wir jeweils mit einer kleinen Gruppe unterwegs. An beiden Tagen haben wir Glück und treffen Brasilianer, die Englisch sprechen und Lust haben uns etwas über ihr Land zu erzählen. So bekommen wir Tipps wo wir hinfahren sollen, erfahren dass der Englischunterricht schlecht ist und dass man ein Problem hat, wenn man auf den einsamen Straßen eine Panne hat. Außerdem lernen wir vieles über das Rechtssystem, Politik und Korruption. In einem scheinen sich alle Brasilianer einig zu sein, ihren Politikern trauen sie nicht über den Weg.
Am Dienstag stehen Poco Encantada und Poco Azul auf dem Programm. Beides sind Grotten, die teilweise mit Wasser gefüllt sind und in beiden leuchtet das Wasser blau. In dem zweiten unterirdischen See dürfen wir baden. Nobbi ist schwer begeistert, dass er dafür eine Schwimmweste tragen muss. Trotzdem ist es schön, das Wasser ist ganz klar und die Sichtweite gigantisch. Während der Fahrt genießen wir grandiose Ausblicke, sehen viele Vögel, insbesondere viele Eulen, grau-beige Kühe und ganz viel grünen Wald. Unterwegs treffen wir einen alten Bekannten, wir queren mehrfach den Rio Paraguacu, den Fluss auf dem wir viele Nächte geankert haben.
Am Mittwoch machen wir morgens eine kleine Wanderung am Rio Mucugezihno bis zu einem Wasserfall. Entlang des Flusses treffen wir auf viele interessante Pflanzen, Vögel und Insekten. Gegen Mittag erreichen wir die Gruta da Lapa, eine große Höhle. Sie ist 27 km lang, wir begehen aber nur einen kleinen Abschnitt. Schon der riesige Eingang zur Höhle ist beeindruckend. Bewaffnet mit Taschenlampen machten wir uns auf dem Weg ins Dunkle und freuen uns an den schönen Strukturen, die Stalagmiten und Stalaktiten bilden. Nachmittags erreichen wir eine weitere kleine Grotte, die mit den blauleuchtenden vom Vortag aber nicht mithalten kann. Anschließend baden wir in einem Fluss mit ganz klarem, blauschimmernden Wasser. Auf dem Rückweg wollen wir vom Pai Inacio die Aussicht genießen, leider verschwindet der Berg gerade in einer Regenwolke.
Donnerstagvormittag haben wir noch ein paar Stunden Zeit in Lencois, spazieren durch den Ort und essen fantastisch in einem sehr einfachen und wenig vertrauenserweckenden Restaurant. Der Wirt fragt ob wir Fisch oder Fleisch essen möchten und verschwindet. Wenig später bringt er einen großen Salat, Nudeln, Reis, eine Schale mit gebratenem Rindfleisch und Zwiebeln, eine scharfe Paste aus Maniok, Bohnen und eine scharfe Soße. So steigen wir rundum gesättigt in den Bus nach Salvador, wo wir siebeneinhalb Stunden später eintreffen.
Uns hat Chapada Diamantina sehr gut gefallen. So gut, dass wir über eine Wiederholung während unserer nächsten Brasilienetappe nachdenken.
Nachschlag Brasilianische Besonderheiten
Kaum war der Artikel über die Brasilianischen Besonderheiten veröffentlicht, fielen uns lauter Dinge ein, die wir vergessen haben. Deshalb gibt es nun ein Nachschlag.
Feuerwerk ist sehr beliebt und wird zu jeder Gelegenheit abgeschossen, gerne zu ungewöhnlichen Uhrzeiten. Als wir in Salvador ankamen, gab es morgens um fünf Feuerwerk. Auch vormittags steigen häufig Raketen in den Himmel, dass man die im gleißenden Sonnenlicht nicht sehen kann, scheint nicht schlimm zu sein.
Brasilien wirkt auf uns überraschend liberal. Anders als man bei einem Land, in dem es von Kirchen wimmelt und über 80 % der Einwohner katholisch sind, vielleicht erwarten würde, sieht man viele schwule und lesbische Paare. Auch scheinen die Brasilianer in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau auf einem guten Weg zu sein. Egal ob bei der Straßenreinigung, beim Zoll, der Polizei, beim Militär, überall trifft man ganz selbstverständlich Frauen und die haben auch noch was zu sagen. Brasilien wurde übrigens von einer Frau regiert, aber Politik ist hier ein ganz heikles Thema.
Anscheinend besitzt jeder Brasilianer eine Auswahl FlipFlops. Fast jeder trägt die praktischen Latschen, unabhängig von Alter und Einkommen. Ob im Shopping Center, in den Marinas, im Bus oder der Innenstadt, tagsüber trägt man fast überall Flip Flops. Doch es gibt Ausnahmen. Wenn man Regierungsgebäude besichtigt, wie wir in Recife, sind Flip Flops verboten, außer Sonntags. Menschen die in Büros arbeiten tragen auch keine Flip Flops, genauso abends in netteren Restaurants. Für uns ist nicht immer ganz klar wonach sich der Flip Flop Dresscode richtet, manchmal haben wir aber den richtigen Riecher. Auf unserer Stadtbesichtigung in Rio trugen alle Brasilianer Sportschuhe, wir auch.
Hier fahren unglaublich viele VWs rum. Der Gol ist eins der beliebtesten Modelle Südamerikas, häufig sieht man auch Saveiro, Fox, Spacefox und alte VW Busse (Model 70er Jahre bei uns). Bei der Präsentation eines neuen Models im Shopping Center wurde ich zu VWs befragt und als ich zugeben musste, dass es die meisten Modelle bei uns nicht gibt, war die Enttäuschung groß. Zum Glück gibt es hier auch Golf und Polo, das sorgte für fröhliche Gesichter.
Das Geschäft auf der Straße floriert. Überall sind Verkäufer mit kalten Getränken, Süßigkeiten, Kuchen, salzigem Gebäck, gegrilltem Käse am Spieß und vielen anderen Snacks unterwegs. Für uns ungewohnt, sie verkaufen auch in Restaurants. Während man seinen Hauptgang isst, kann man sich also einen Käse grillen lassen oder einen Nachtisch kaufen.
Überall ist Kartenzahlung möglich, auch am Kiosk mitten auf dem Strand oder bei Straßenständen.
Inselrundfahrt mal anders
Nach vier Nächten in Itaparica beschlossen wir weiter zu ziehen. Itaparica ist der wohl beliebteste Ankerplatz in Todos os Santos, das ist nicht weiter überraschend, das Wasser ist meistens recht klar, der Ort nett und es gibt einige kleine Geschäfte. Es ist aber auch einer der lautesten Ankerplätze in der Bucht. Normalerweise sind tagsüber Roller und Autos mit riesigen Lautsprechern unterwegs, die fleißig für alles mögliche werben und abends fährt ein Disco-Bus, hinzu kommen die verschiedenen Partys auf irgendwelchen Booten und an Land. Der Disco-Bus blinkt in allen Farben und fährt nachts langsam durch die Straßen und beschallt Mitfahrer und Anwohner. Als Mitfahrer könnte mir der Bus gefallen, als Bewohner einer der Häuser an seiner Lieblingsstrecke wäre ich weniger begeistert. Samstag wurde im Ort gefeiert, es gab einen Umzug, ab mittags Musik auf dem Marktplatz und abends ein Konzert. Dem Trommel-Konzert haben wir aus dem Cockpit gelauscht. Nachts wurden wir dann mal wieder überrascht, wir hatten nach einem solchen Tag mit einer unruhigen Nacht gerechnet, doch es war ungewöhnlich ruhig.
Wir gingen Sonntagmorgen Anker auf, unser Ziel war Aratu, an Bord von Mari auch die Bucht der zwei Papageien genannt (für Blitzmerker: Ara two…). Auf dem Weg dorthin konnten wir sehr schön segeln und der Strom spülte uns die letzten Meilen durch die gewundene Einfahrt in die große Bucht. Die Einfahrt ist nicht romantisch, aber sehr abwechslungsreich. Da gibt es einen großen Marinehafen mit Trockendock, eine Pier wo Chemietanker anlegen, eine Getreidepier und einen riesigen Parkplatz mit lauter neuen Fords. Dazwischen genießen die Brasilianer an kleinen Stränden, die Chemietanks im Rücken (dann sieht man sie nicht), den Sommer. Die Bucht selbst ist recht grün, es gibt einige Wracks, ein paar alte Industrieanlagen und zwei Yachthäfen. Wir entschieden uns für den Aratu Yacht Club, wo wir an einer Boje liegen durften. Es gibt einen Taxiservice der einen rund um die Uhr vom Boot abholt oder dahin zurück bringt. Sehr komfortabel. Im Clubrestaurant gibt es fantastische Steaks zu unglaublich niedrigen Preisen und wir fanden es sehr schön mal wieder in einem netten Yachthafen die Stege entlangzugehen. Im Aratu Yacht Club liegen fast ausschließlich Segelyachten, die meisten davon in sehr gutem Zustand.
Am Dienstag morgen zog es uns weiter, im Handbuch ist ein interessanter Ankerplatz beschrieben den wir uns ansehen wollten. In der Durchfahrt zwischen der Insel Bimbarra und der Insel Maria Guarda soll man schön ankern können. Wir stellen fest, dass sich seit der Aufnahme des Fotos im Revierführer einiges geändert hat, auf Bimbarra gibt es nun eine edle Hotelanlage, die auf der einen Seite des anvisierten Ankerplatzes liegt, gegenüber, auf Maria Guarda ist inzwischen ein kleiner Ort entstanden, vor dem eine Handvoll Boote liegt. Wir müssten dazwischen in sehr tiefem Wasser ankern, von romantischem Plätzchen keine Spur. Außerdem gibt es eine Hochspannungsleitung, die in keiner Karte verzeichnet ist, wir wissen also nicht ob wir drunter durch passen. Da uns der Strom auf die Enge zu schiebt beschließen wir es nicht zu testen, und kehren um. Trotzdem wollen wir uns noch die Westseite Maria Guardas und die benachbarte Ilha Vaca ansehen. Maria Guarda sieht ganz nett aus, Ilha Vaca ist tatsächlich, bis auf ein altes Haus an der Südspitze, unbebaut. Trotzdem entscheiden wir uns an den bewährten Ankerplatz zwischen Ilha do Frade und Bom Jesus zu legen. Das Wetter ist merkwürdig, wir haben kräftigen Südwind und keinen Wetterbericht. Später sind wir froh über diese Entscheidung, der Wind dreht auf Nord, das wäre eine unruhige Nacht geworden. Als wir um Mitternacht noch einmal raus gucken bekommen wir einen Schreck, wenige Meter hinter uns ist eine Sandbank aufgetaucht. Wir haben Springzeit, das Hochwasser ist besonders hoch und das Niedrigwasser ist besonders niedrig, zu dem hat der Nordwind das Wasser aus der Bucht gedrückt. So sehen wir diese Sandbank das erste Mal, obwohl wir schon öfter an dieser Stelle geankert haben.
Wir genießen es noch einmal ausgiebig zu baden, lassen uns vom warmen Wasser treiben und schwimmen immer mal wieder ums Schiff. Ilha do Frade bietet eine schöne Kulisse, sie ist mit altem Wald bewachsen, tief grün und voller Vögel. Leider wird auch auf dieser Insel tüchtig gebaut, dass ein Steg und eine Mauer gebaut werden hatten wir das letzte Mal bereits gesehen, jetzt mussten wir feststellen, dass sich eine Schneise über die Insel zieht, die von LKWs befahren wird, die Sand bringen. Im Prinzip können wir verstehen, dass die Menschen hier an der Nähe zur Großstadt verdienen wollen, doch trotzdem ist es traurig zu sehen, wie die Natur zerstört wird. Auf vielen der Inseln und auch am Fluss Rio Paraguacu gibt es Hotelprojekte, die fast alle leer zu stehen scheinen, ob es keine Gäste gibt, oder ob die Hotels niemals eröffnet haben, konnten wir bisher nicht erfahren. Sicher ist nur, sind die Mangroven einmal abgeholzt, fehlen sie als Schutz für den Fischkindergarten und als Lebensraum für die vielen Vögel, außerdem muss das Ufer befestigt werden, sonst wird der Sand weggespült. Vielleicht sehen wir, wenn wir in ein paar Monaten wieder dort ankern, was aus den Bauprojekten geworden ist.
Am Donnerstag ging es nach Ribeira, hier wird Mari im Yacht Club Angra dos Veleiros auf uns warten solange wir Brasilien verlassen müssen.
Während der letzten Tage am Anker sind wir mit dem Abarbeiten unserer Liste gut voran gekommen. Ein Jahr lang hat unser Wassermacher (Seewasser-Entsalzungsanlage) uns zuverlässig versorgt und 5000 Liter Trinkwasser für uns produziert. Da er in den nächsten vier Monaten nicht laufen wird, haben wir ihn konserviert. Dazu wird das ganze System samt der Membran mit einem Biozid gespült, worin die Umkehr-Osmose-Membran dann auch liegen bleibt. Laut Nobbi funktioniert es so, dass in der Biozid-Lösung lauter kleine Biologen sind, die durch die Membran marschieren und allem was bio ist, auf den Kopf hauen. So so. Es geht doch nicht über solides Fachwissen…
InternationAal
Der Internation Aal würde so gerne an den Olympischen Spielen teilnehmen. Doch für welches Land? Treiben Aale Sport? Wassersport oder Wintersport? Ein neuer Aal und lauter neue Fragen.
Ruhige Tage in der Bucht Todos os Santos
Nachdem wir aus Rio zurück gekommen sind, standen am Freitag Wäsche waschen und einkaufen auf dem Programm. Am Samstag besuchten wie die angeblich beste Eisdiele Salvadors. Das traditionsreiche Geschäft Sorveteria da Bahia besteht seit 1931 und bietet unzählige Sorten an. Mir gefiel Jackfruit, ich freue mich schon auf den nächsten Besuch. Mittags haben wir im Yachtclub bei Rosa gegessen, leider verstehen wir selten was wir bestellen. Die Soße und die Rindfleischstückchen im Eintopf waren lecker, die Brocken die wir als Pansen identifizierten, konnten wir vermeiden. Schüttel. Allerdings muss man sagen, ich hätte es nie bestellt, wenn ich gewusst hätte, was es ist und dann wäre mir die leckere Soße entgangen. Nachmittags ging es mit Hochwasser wieder über die Barre. Nach drei Stunden erreichten wir den Ankerplatz.
Wir ankern wieder südöstlich von Bom Jesus. Als wir um die Ecke kommen liegen hier schon 12 Yachten. Was woanders ganz normal ist, ist hier die Ausnahme, meistens haben wir die Ankerplätze für uns. Im Laufe des Sonntags gehen alle anderen Boote Anker auf und abends sind wir wieder allein. Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang auf Bom Jesus. Gerade wir eine Promenade gebaut, die irgendwann ganz um die Insel führen soll, das wird sicherlich schön. Die Inselbewohner nutzen den Sonntag für Picknicks und gehen baden. Es gibt viele rot blühende Flammbäume, die Schatten bieten. Leider ist viel Plastikmüll auf der Insel unterwegs und auf dem Weg ins Meer. Auch Bom Jesus ist ein Ferien- und Wochenendinsel, neben den Bewohnern treffen wir viele die sich am Nachmittag mit ihren Taschen auf den Weg zum Fähranleger machen. Im Gegensatz zu Itaparica ist Bom Jesus keine schicke Ferieninsel, sondern eher für den kleineren Geldbeutel. Es gibt viele kleine Häuschen und es ist sehr stark bebaut, Bom Jesus muss eine unglaubliche Einwohnerdichte haben.
Am Montag segeln wir quer über die Bucht, in den Itaparicakanal. Wir ankern vor der Insel Matarandiba gegenüber des kleinen Wasserfalls Tororo. Abends rudern wir zum Wasserfall. Da fällt nix, ein paar Tropfen dröppeln aus den Bäumen in das Becken. In der Nacht regnet es, am nächsten Morgen machen wir uns wieder auf den Weg zum Wasserfall. Noch immer ist er nicht beeindruckend, aber nun tropft es stärker und unten gibt es immerhin ein kleines Rinnsal. Der kleine Strand ist sehr schön, das Wasser zwischen den Mangroven ist glasklar und der ganz feine Sand schmeichelt den Füßen. Wir beobachten einige Zeit den Fischkindergarten, der sich zwischen den Mangroven tummelt, bevor wir wieder zu Mari rudern. Der Ankerplatz gefällt uns auch ohne Wasserfall, nachts ist es unglaublich ruhig, es gibt keinen Schwell und wir erfreuen uns an Papageien, Ibissen und Geiern. Mittwochnachmittag ziehen wir nach Itaparica um. Wir genießen das Segeln auch wenn wir nach zehn Meilen schon ankommen. Wir müssen dringend einkaufen, zum ersten mal seit unserer Abreise in Bremen sind uns die Zwiebeln ausgegangen. Wurst und Käse finden wir nicht, außer Zwiebeln kaufen wir Brot, Ananas, Paprika, Tomaten, Mangos und Acerolas. Die roten Beeren lassen sich kaum lagern, wollen also schnell verarbeitet werden. Bei uns an Bord wandern sie mit Wasser in den Mixer und ergeben ein leckeres Getränk.
Wir genießen die Zeit am Anker, baden viel und bereiten unsere Abwesenheit vor. Unsere Mari ist noch immer gut in Schuss und soll es auch bleiben. Einige Kleinigkeiten sind auf der Liste, wir haben ein paar Schrauben ersetzt, ein paar Haushaltsaufgaben, die Vorhänge sind schon gewaschen, und einige typische Instandhaltungsarbeiten stehen an. Die letzten Tage haben wir damit verbracht Rumpf und Deck zu waschen, gelbe Flecken zu entfernen und alle Flächen zu wachsen. Das Auspolieren des Wachses ist ein Knochenjob und wird nicht einfacher, wenn man neben dem Schiff im Beiboot hängt, mit einer Hand das Beiboot an den Rumpf zieht und mit der anderen poliert. Wir sind fast fertig, unsere Lady glänzt wieder und bei dieser Sonneneinstrahlung braucht auch ein Boot etwas Sonnencreme. Ich spüre einen stechenden Schmerz in der Schulter, Nobbi motiviert mich mit der Aussicht auf neue Schuhe. Was tut man nicht alles für sein Boot und neue Schuhe. Aber wenn ich noch einmal gefragt werde, ob ich mich an Bord aktiv beteilige, sehe ich mich gezwungen den Fragesteller zu erwürgen.
Heute Morgen tummeln sich Delfine in der Ankerbucht. Jetzt zum Wochenende füllt sich der Ankerplatz, morgen soll hier ein großes Fest statt finden. Vielleicht bleiben wir noch etwas, bevor wir weiter ziehen. Es gibt noch zwei Ankerplätze die wir gerne besuchen würden, bevor wir Mari Anfang Februar in den Hafen in Ribeira legen.
Rio de Janeiro
Am Montag geht es früh los. Sehr früh. Der Wecker klingelt um eins. Ein Angestellter der Marina fährt uns zum Flughafen, das hat die Sekretärin für uns vereinbart. Der Flieger startet überpünktlich und um halb neun Ortszeit sind wir in Rio. Im Hotel angekommen, stellen wir überrascht fest, dass wir bereits in unser Zimmer einziehen dürfen und stellen unser Gepäck dort ab. Wir wohnen in Copacabana, ganz klar, es geht zuerst an den berühmten Strand. Beim Mittagessen beschließen wir uns den botanischen Garten anzusehen. Der Besuch lohnt sich. Der Garten wurde 1808 angelegt und einige der Königspalmen, die die Hauptallee säumen, sollen noch aus dieser Zeit stammen. Wir spazieren durch den sehr schönen Park, lernen wieder neue Pflanzen kennen, Nobbi muss einige Vorträge seiner Hausbotanikerin anhören und wir entdecken spannende Tiere. Ein Ameisenvolk transportiert große Blattstücke und ein Tukanpaar sorgt für Nachwuchs. Der lange Tag endet mit einem Sundowner am Strand mit Copacabana Ausblick.
Am Dienstag werden wir morgens zur Stadtrundfahrt abgeholt, sie gehört zu unserem Reisepaket. Als erstes geht es auf den Zuckerhut. Wir haben Glück, morgens ist es noch ziemlich leer und wir können in Ruhe den Ausblick genießen. Dann geht es kreuz und quer durch die Stadt, vorbei am Maracana-Stadium, den größten Farvelas, den bekanntesten Stränden, modernen und historischen Gebäuden und dem Sambadrom. Unsere etwas anstrengende Reiseleiterin (oder Reiseleiter? da sind wir nicht sicher) versorgt uns mit Informationen. Irgendwann wundere ich mich, dass ich das Portugiesisch manchmal richtig gut verstehe. Dann stellen wir fest, dass sie mit der bolivischen Familie Spanisch spricht… . Mittags essen wir in einem Steakhaus. Innerhalb von zwanzig Minuten kann man hier locker den Wochenverbrauch an Fleisch einer deutschen Familie wegputzen. Wir geben früher auf. Nachmittags steht der Corcovado auf dem Programm, der Berg auf dem die Christusstatue steht. Mit einer kleinen Bahn geht es durch das Naturschutzgebiet nach oben, auf der Fahrt sehen wir eine Truppe kleiner Affen und ein Faultier! Der Corcovado ist mit seinen 711 m deutlich höher als der 396 m hohe Zuckerhut. Von hieraus kann man die gesamte riesige Stadt überblicken. Die Stadt hat etwa 7 Mio. Einwohner, der Großraum Rio wohl zwischen 13 und 17 Mio. Die grünen Hügel, die nur nicht bebaut sind, weil sie so steil sind, gliedern das Häusermeer. Wir genießen die Aussicht und bestaunen die Auswüchse des Selfiemachens. Für das perfekte Fotos legt man sich schon mal unter die Christusstatue, auch wenn andere dann über die Haare laufen. Zum Ende unserer Stadtrundfahrt lernen wir, dass auch Brasilianer sich gelegentlich für ihre Landsleute schämen, als unsere Reiseleiterin einige sehr schlechte Witze macht und beginnt zu singen, entschuldigen sich gleich mehrere Brasilianerinnen bei uns. Abends spazieren wir durch Copacabana. Bei Einbruch der Dunkelheit werden noch mehr Stände auf den Straßen und am Strand eröffnet, außerdem treffen sich die Sportler. Es wird Volleyball und Fußball gespielt und sich zum Crossfit und Yoga getroffen. Wir trinken Caipi und gucken zu.
Mittwoch nehmen wir die Metro in Richtung Centro. Unserer Reiseführer schlägt einen Spaziergang vor, den wir als groben Anhaltspunkt für unsere Route wählen. Wir kommen am prächtigen Theater vorbei, gucken in mehrere Kirchen und laufen durch kleine Gassen und große Straßen. Wir besuchen die königliche portugiesische Bibliothek, die 1837 erbaut wurde und 350000 Bücher beherbergt. Der Lesesaal ist ein wunderschöner Raum mit einem buntem Oberlicht. In der „Confeitaria Colombo“ machen wir eine Pause. Das Café ist von 1894 und ein schöner Ort für eine Tasse Kaffee und einen Brigadeiro, die brasilianische Antwort auf die Rumkugel, ohne Alkohol aber genau so viele Kalorien. Auf der Suche nach einem Kulturzentrum, das in einem Palast untergebracht sein soll, stolpern wir über den „Palacio Tiradentes“. Ich steige die Stufen zum Portal hoch, um herauszufinden um was für ein Gebäude es sich handelt. Eine junge Frau fängt mich ab, ob ich eine Führung mitmchen möchte, vielleicht auf Englisch? Klar wollen wir. Bis 1960 war der Palacio das Gebäude des Nationalkongresses, seit Brasília die Hauptstadt ist, tagt hier die Versammlung des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die nette Führung bringt uns nicht nur das Gebäude näher, wir erfahren auch einiges über die brasilianische Demokratie und die Geschichte der Stadt. Am Marinehafen schauen wir aufs Wasser und finden in einer kleinen Straße ein niedliches Restaurant fürs Mittagessen. Den Abend nutzen wir wieder für einen ausgiebigen Copacabana Spaziergang.
Donnerstag haben wir noch Zeit für einen Spaziergang und ein frühes Mittagessen, bevor es zurück zum Flughafen geht. Abends um sieben sind wir wieder an Bord unserer Mari.
Rio hat uns gut gefallen und ist einen Besuch wert. Brasiliens Süden ist wesentlich wohlhabender als der Norden, diesen Unterschied spürt man auch zwischen Rio und Salvador. Auch in Rio gibt es viele Ruinen und baufällige Häuser, doch die touristisch interessanten Gebäude sind sehr viel besser erhalten als in Salvador. Für uns war es schön für einige Tage in einer Gegend zu wohnen, wo wir zu Fuß unterwegs sein konnten. In Salvador ist das, je nach Liegeplatz, nur tagsüber oder nur in einem kleinen Bereich möglich. Wir haben das Gefühl, wir hätten uns in Rio abgekühlt, dabei war es heißer als in Salvador. Ein klimatisiertes Hotelzimmer (wir haben die Klimaanlage auf 27 Grad gestellt) war eine nette Abwechslung, auch das eigene Bad mit unbegrenzt Duschwasser haben wir genossen. Natürlich wäre ein Foto von Mari vor dem Zuckerhut toll gewesen, doch der Törn nach Rio und wieder zurück passt schlecht zu unseren Plänen. Wir sind mit unserer Stippvisite per Flieger rundum zufrieden.
Brasilianische Besonderheiten, Merkwürdigkeiten und Beobachtungen
In den fast acht Wochen, die wir nun in Brasilien sind, sind uns einige Dinge aufgefallen. Hier die nicht vollständige, sehr subjektive Liste von Beobachtungen die wir in Recife und Salvador gemacht haben.
- Musik ist überall. Die Größe der Boxen und die Lautstärke der Musik ist häufig umgekehrt proportional zur Länge des Bootes. In jedem Alter ist es völlig normal mit einer kleinen Box um den Hals oder in der Hand durch die Gegend zu laufen.
- Nasse Badekleidung wird nicht gewechselt. Man lässt sie an, zieht eventuell etwas drüber (eher etwas sehr dünnes, wenig bedeckendes) und geht nass ins Restaurant in Strandnähe oder steigt nass in den Bus oder ins Auto.
- Brasilien ist das Land der Vielfalt. Das gilt nicht nur für Tierarten und Landschaften sondern auch für Getränkedosen, es gibt sie in jeder Größe. Zur Zeit auf Marisol 200, 269, 335, 440, 500 und 600 ml. Das ist nur eine kleine Auswahl, es gibt auch 550 ml oder 473…
- Getränke werden kalt serviert. Sehr kalt. Bier lagert häufig in der Kühltruhe und ist schon mal zum Teil gefroren. In netten Restaurants wird die angebrochene Bierflasche auf Eis in einen Sektkühler gelegt, in einfacheren Restaurants in Thermohüllen gesteckt, oder in Styroporboxen mit Eis (das erinnert dann sehr an Laborarbeit).
- Wer keine Musik spielt, siehe oben, singt selbst. Ob im Supermarkt, beim Duschen unter dem Gartenschlauch auf dem Steg, auf dem Fahrrad oder beim Spazierengehen, einer singt immer.
- Für Bikinis gilt: weniger ist nichts. Die Bikinis sind extrem knapp, ganz egal welche Figur darin steckt. Es gibt auch Badeanzüge, allerdings haben die mehr Löcher als Stoff. Für Kinder gilt das nicht. Bei Kindern wird sehr auf UV-Schutz geachtet, Badeanzüge haben häufig lange Ärmel und kleine Jungs baden oft im T-shirt.
- Aussehen und Schönheit sind sehr wichtig. Nicht nur, dass Frau stets gut gestylt ist, Laserstudios gibt es an jeder Ecke, genauso wie Schönheitssalons und Waxing- Studios. Viele Erwachsene tragen Zahnspangen und brasilianische Schönheitschirurgen sollen die besten der Welt sein, da sie so viel Übung haben….
- Essen und Bier werden in der Regel geteilt. Bestellt man Bier, bekommt jeder ein Glas und die Flasche Bier wird geteilt. Ist sie leer, kommt die nächste Flasche. Wenn man etwas zu Essen bestellt, bekommt automatisch jede Person am Tisch einen Teller. Die Portionen sind reichlich bis riesig.
- Wenn Musik gespielt wird, also immer, wird auch getanzt. Neulich haben alle Menschen an der roten Ampel getanzt bis diese auf grün sprang.
- Angst vor Katzen scheint verbreitet zu sein. Laufen im Restaurant Katzen unter den Tischen herum, klettern nicht nur kleine Kinder, sondern auch schon mal erwachsene Frauen auf den Stuhl.
- Ausgetrunkene Bierflaschen werden im Restaurant unter den Tisch gestellt. So gibt es keine Diskussion wie viele Flaschen Bier getrunken wurden.
- Fahrradfahren ist in! Zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel von 4 bis 6 Uhr (ja genau, morgens) und sonntags, ist in vielen Bereichen die linke Spur für den Autoverkehr gesperrt. Fahrradfahrer haben freie Fahrt.
- Das Essen war bisher fast immer ausgesprochen gut. Rindfleisch, aber nicht nur, können die Brasilianer. Argentinien wird sich anstrengen müssen.
Wir haben in Salvador ganz viel Zeit
Die Anfragen, ob wir immer noch in Salvador sind und wann wir weiterfahren mehren sich, Zeit für eine kleine Vorschau.
Auf den Kanaren haben wir erstmals begonnen einen konkreten Reiseplan aufzustellen. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, allerdings unterliegen Segler auch gewissen Saisons. Im (Nord-)Sommer zum Beispiel ist die Karibik Hurrikan bedingt no-sail-area. Letztlich haben wir vier Routen als grobe Planung für 2018 gebastelt. Nachdem wir die Durchschnittstemperaturen von Punta Arenas (Süd-Chile) nachgeschlagen haben, ist die Süd-Südamerika-Route ausgeschieden. Schließlich haben wir uns entschieden, in die klassische Kanaren-Karibik-Route (ob mit oder ohne Kap Verden) eine ausführliche Brasilienschleife einzubauen.
Leider dürfen wir nur 90 Tage in Brasilien bleiben, das ist uns zu kurz, deshalb haben wir beschlossen uns zweimal 90 Tage Brasilien zu gönnen. Von unseren ersten 90 Tagen sind jetzt 53 Tage um, dann müssen wir ausreisen. Anders als in vielen anderen Ländern reicht es nicht, nur einmal die Grenze zu überqueren. Wir dürfen erst nach 90 Tagen wiederkommen. (Ganz genau dürfen wir 90 Tage innerhalb von 180 Tagen bleiben).
Da wir den südlichsten Punkt unserer geplanten Segelroute bereits erreicht haben, haben wir so viel Zeit die Bucht Todos os Santos und Salvador zu erkunden. Mari wird hier in Salvador bleiben wenn wir Brasilien verlassen. Während unseres zweiten Brasilienaufenthalts werden wir dann nach Norden segeln und Brasilien in Richtung Französisch Guayana verlassen.
Brasilien ist ein riesiges Land, in dem es unglaublich viel zusehen gibt, nicht nur an der Küste. Wir planen noch einige Ausflüge, werden es aber trotzdem nicht schaffen alle Highlights dieses tollen Landes zu besuchen.
Rio wollen wir nicht auslassen, auch wenn wir uns entschlossen haben, es nicht mit dem Boot zu besuchen. Deshalb wechseln wir das Verkehrsmittel und fliegen am Montag nach Rio. Gefühlt ist es gar nicht mehr weit, das liegt aber daran, dass Brasilien so riesig ist. Der Flug von Salvador dauert zwei Stunden.
Am Donnerstag sind wir von Itaparica nach Ribeira gesegelt, in der Hoffnung hier einen Platz zu finden, an dem Mari sicher liegt, während wir Rio unsicher machen. Dabei haben wir nicht daran gedacht, dass Lavagem de Bomfin ist, eine riesige Prozession quer durch Salvador, die hier in der Nähe endet. Trotzdem hatten wir Glück, haben einen Platz gefunden und Mari kann bleiben. Nachmittags haben wir uns ins Getümmel gestürzt und uns die vielen Pferde angesehen, die auch zur Prozession gekommen waren und mit denen fröhlich auf der Straße galoppiert wurde, entgegen der Fahrtrichtung versteht sich.
Gestern waren wir im Reisebüro um unsere Tickets abzuholen. Das war an sich unspektakulär, doch die Fahrt hatte es in sich. Wir hatten beschlossen den Bus zu nehmen und haben auch ziemlich schnell einen Bus mit dem richtigen Ziel gefunden. Im dichten Verkehr kam der Bus nur langsam voran. Wir waren schon über eine halbe Stunde unterwegs, als der Bus kaputt ging. Niemand hat geschimpft oder sich aufgeregt. Alle sind ausgestiegen, der Busfahrer hat andere Busse angehalten und dafür gesorgt, dass alle einsteigen dürfen ohne noch einmal zu bezahlen. Wir hatten mal wieder Glück mit den netten Brasilianern. Eine nette Frau hat sich darum gekümmert, wo wir hin wollen, dem Busfahrer Bescheid gesagt, dass wir nichts verstehen und welches Ziel wir haben, und schließlich haben uns gleich mehrere Leute in den richtigen Bus gewinkt. Letztlich haben wir eineinhalb Stunden für die Hinfahrt gebraucht, dabei unterschiedlichste Wohngegenden besichtigt und uns wieder über die brasilianische Hilfsbereitschaft gefreut.
Heute und Morgen tüddeln wir am Boot rum und packen unser kleines Gepäck. In der Nacht zu Montag geht es nach Rio. Wir freuen uns auf die spannende Stadt und auf ein Hotelzimmer mit eigener Dusche!
Itaparica
Inzwischen liegen wir in Itaparica vor Anker. Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie viele Inseln es in der Bucht Todos os Santos gibt. Die Zahlen schwanken zwischen 30 und knapp 60. Vermutlich hängt es davon ab, ob man bei Hoch- oder bei Niedrigwasser zählt. Auf jeden Fall ist Itaparica die größte Insel und eine beliebte Ferieninsel, auf der viele (reiche) Salvadorianer ihr Wochenendhaus haben. Direkt hinter der Marina vor der wir ankern, gibt es die Fonte da Bica, eine Quelle. Hier kann man sich das Mineralwasser in Kanister oder Flaschen abfüllen, auch wir füllen unsere Wasserkanister.
Das vergangene Wochenende haben wir auf dem Fluss verbracht. Am Samstag waren wir morgens wieder auf dem Markt und am Sonntag haben wir das Dorfleben auf dem Platz am Hafen genossen. Auf dem Markt haben wir eine nette Begegnung, ein alter Mann spricht uns an. Er weiß, dass wir mit einem Segelboot da sind und erzählt uns von der Zeit, in der er auf einem Saveiro gesegelt ist. Sonntagnachmittag finden sich nach und nach alle auf dem großen Platz ein. Die Mädchen spielen Fußball, die Jungs spannen sich eine Slackline, der Popcornverkäufer eröffnet seinen Stand, unter den großen Bäumen wird gegrillt und die Jugendlichen ziehen sich auf die lange Mole zurück. Wir haben eine leckere Pizza gegessen. Wieder hat uns der Rio Paraguacu und Maragogipe gut gefallen, vielleicht kommen wir wieder.
Am Montag ging es mit dem Strom flussabwärts und nach Itaparica. Der beliebte Ankerplatz ist gut geschützt und das Wasser lädt zum Baden ein. Am Wochenende soll es hier voll werden, jetzt treffen wir einige Langfahrer, die schon länger hier liegen, überfüllt ist es jedenfalls nicht.
Gestern sind wir durch den Ort spaziert, immer auf der Suche nach Schatten. Es ist ziemlich warm und die Sonne verbrennt einen erbarmungslos, wenn man nicht aufpasst. Hier gibt es eine Menge schöner Häuser, ich habe mein Lieblingshaus schon gefunden. Ich befürchte mein Bankkonto und mein Traumhaus passen nicht zueinander, ich brauche also nicht überlegen, ob ich das Seglerleben hier aufgebe. Nachmittags ist Niedrigwasser, so bietet sich die Gelegenheit einen Spaziergang auf einer Sandbank zu unternehmen. Wir entdecken tausende kleiner Krebse, die alle eine große und eine kleine Schere haben. Die meisten Krebse haben links die große, rechts die kleine Schere, etwa 10 % der Population hat jedoch rechts die große Schere. Sehr interessant. Egal auf welcher Seite die Schere, die Krebse wollen nicht fotografiert werden und ziehen sich in ihre Löcher zurück wenn wir ihnen zu nahe kommen.
Ein Segler den wir auf dem Steg treffen will alles über unser Bananaboot wissen und erzählt uns, dass der Ankerplatz bei No
rdwestwind gefährlich ist. Da wir, aufgrund unserer Portugiesischschwäche, nicht sicher sind, ob es sich um eine allgemeine Warnung oder einen aktuellen Wetterbericht handelt, beschließen wir, dass es Zeit für einen aktuellen Wetterbericht ist. Bei den gleichbleibend schönen Wetter vergisst man nur zu leicht, dass sich auch hier das Wetter ändern kann. Unser Sturmglas langweilt sich und ist seit Wochen klar, doch darauf allein wollen wir uns nicht verlassen. Leider hat unser brasilianisches Handy mal wieder keinen Empfang, also suchen wir uns eine Bar mit Internet und fragen bei der Bestellung nach dem Passwort. Der Blick auf den Wetterbericht gibt Entwarnung, wir genießen unsere Drinks, die Aussicht von der Terrasse und freuen uns über schnelles Internet. Irgendwann fällt uns auf, dass die aufziehenden Wolken doch sehr dunkel sind. Wir zahlen, rudern zurück zu Mari und schließen unser Bananaboot an. Kaum sind wir beide unter Deck beginnt es zu regnen, wir sind keine Minute zu früh aufgebrochen. Auch heute Morgen haben einige kräftige Schauer das Boot gewaschen, jetzt ist es wieder sonnig und heiß.









