Atlantik – Tag 9

Atlantik ? Tag 9

Wir haben ein Tief. Es sitzt mitten auf uns und macht auch keine Anstalten sich zu bewegen. Die Druckunterschiede sind so gering wie die Wolken riesig. Wir haben wenig bis gar keinen Wind. Mal segeln wir, mal duempeln wir. Gestern hatten wir drei grosse Schauer, die sehr viel Wind im Gepaeck hatten, in Boen 7 bis 8. Das ist insbesondere im Dunkeln unangenehm, weil man sie dann nicht kommen sieht. Heute Nacht haben sich auch einige Schauer angeschlichen, hatten aber nur Regen zu bieten, keine Boen. Der Wechsel aus kein Wind, schlagenden Segeln und minimaler Geschwindigkeit und den Schauerboen zehrt an den Nerven. Wir kommen zu dem Schluss, dass nur so viele Segler ueber den Atlantik segeln, weil man zwischendrin nicht mehr aussteigen kann. Allerdings kann man meistens mit mehr Wind rechnen, wenn man nicht wie wir ueber den Aequator will. Jammern hilft ja nichts und in Wirklichkeit geht es uns gut. Ursel steuert zum Glueck auch bei sehr wenig Wind.Wir futtern uns durch den Tag. Das hilft immer. Heute zum Beispiel. Morgens erst mal Kaffee, dann eine Kanne Tee, zum Fruehstueck Schwarzbrot mit Leberwurst und Zwiebeln, Knaeckebrot mit Kaese, Tomaten, Marmeladenbrot und Joghurt.Jetzt gibt es gleich Schokokuchen mit Pfirsichstueckchen zum Tee, später Orangen. Zum Abendessen, das wir allerdings nachmittags essen gibt es heute Kartoffeln und rote Beete, zum Nachtisch Pflaumenkompott. Nachts stehen verschiedene Dosen in der Pantry bestueckt mit Kuchen, Studentenfutter, Kraeckern und, ganz wichtig, Lakritz.
Ausser einer Colaflasche, die gerade vorbei getrieben ist, haben wir schon seit einiger Zeit keine Zeichen menschlichen Lebens ausmachen koennen. Seit Tagen wuensche ich mir Delfinbesuch, bekommen habe ich springende Thunfische. Das ist ein bisschen, als wenn man sich einen Hund wuenscht und die Eltern einen Hamster kaufen. Springende Thunfische sind aber auch cool, Kurz haben wir ueberlegt, ob wir versuchen wollen einen zu angeln, uns dann aber dagegen entschieden. Ein gern gesehener Besuch sind Cory und Corinna, die beiden Gelbschnabel-Sturmtaucher kommen uns seit Tagen immer wieder besuchen. Da wir uns jetzt schon besser kennen, haben wir den beiden Namen gegeben. Im Englischen heissen sie Cory’s Shearwater, wir waren also nur maessig kreativ.
Der Wetterbericht ist ziemlich eindeutig, es wird die naechsten zwei bis drei Tage flau bleiben. Damit ist auch klar, dass wir die schnellen Boote des Volvo Ocean Race nicht sehen, die werden sicherlich alles tun um so ein windarmes Gebiet zu umfahren. Ohnehin ist ein Aufeinandertreffen hier draussen sehr unwahrscheinlich. Ganz schoen riesig so ein Ozean.

Atlantik – Tag 7

Heute Morgen gab es eine Spa-Behandlung fuer uns drei. Tropical Rain Shower hiess das Programm. Ein kraeftiger Schauer hat unser Schiff gewaschen, in Baechen lief der Staub der Kap Verden an den Wanten hinab. Wir haben die Gelegenheit fuer eine ausgiebige, erfrischende Suesswasserdusche genutzt. Die letzte Nacht war ruhig, aber durch den laufenden Motor auch ziemlich warm unter Deck. Trotzdem haben wir beide gut und tief geschlafen. Seit heute Morgen haben wir wieder Wind und koennen segeln. Der Tag ist schnell vergangen, wir haben gelesen, uns unterhalten und geschlemmt. Vom Streuselkuchen ist noch was da, der schmeckt auch in der Nachtwache, und zum Abendessen gab es Paprika-Haehnchen-Curry mit Mango-Chutney. Um uns herum treiben Algen, die aussehen wie Tannenzweige und mich an Weihnachten erinnern, trotzdem darf ich keine Weihnachtsmusik hoeren. Wir haben Bergfest gefeiert, die Haelfte der Strecke bis nach Fernando de Noronha liegt hinter uns. Nun sind wir gespannt auf die zweite Haelfte.

Atlantik – Tag 6

Unter Deck sind 35 Grad, im Kuehlschrank waren heute morgen 27 Grad. Der Kuehlschrank ist inzwischen kalt, schliesslich motoren wir nach Sueden. Seit heute Nacht um drei haben wir Flaute, zunaechst haben wir versucht irgendwie zu segeln, doch inzwischen ist das Wasser absolut glatt, so glatt dass man sich spiegeln kann. Ein wenig Schwell ist uns erhalten geblieben und wiegt das Schiff auf und ab. Wir haben die Doldrums oder Kalmen erreicht, die Zone wo der Nordostpassat der Nordhalbkugel auf den Suedostpassat der Suedhalbkugel trifft. Hier muss man mit schwachen unbestaendigen Winden rechnen. Wir hoffen bei etwa 5 Grad Nord auf den Suedostpassat zu treffen.Seit zwei Tagen haben wir unvergleichliches Wolkenkino. Hier gibt es die unglaubliche Wolkenformen, riesige hoch reichende aufgetuermte, kleine zarte, flache, lang ausgestreckte. Und sie veraendern sich staendig. Gestern Abend hat es ueberall um uns herum geblitzt, ziemlich unheimlich. Heute Nacht haben zwei Schauer das Schiff gewaschen.
Eigentlich nervt so ein Flautenmotortag, in der Flaute knallen die Segel hin und her, macht man den Motor an heizt sich das Schiff auf und es ist laut. Doch wir hatten heute einen ausgesprochen netten Tag. Um sechs, da war es schon hell, haben wir die Flaute genutzt und ein Bad im tiefblauen Atlantik genommen. Zum Fruehstueck gab es Pfannkuchen mit Apfelmus. Wir haben Wellen und Toelpel fotografiert. Nobbi hat Fotos bearbeitet und mit dem Sextanten unsere Position bestimmt. Ich habe Birnenstreuselkuchen gebacken. Da heute Donnerstag ist, Seemannssonntag, gab es Schweinebraten und gruene Bohnen, zum Nachtisch Wassermelone und Grapefruit. Wir haetten auch einen anderen Grund gefunden.
Gleich geht die Sonne unter, dann gibt es den Sundowner und unser Wachsystem beginnt.

Atlantik-Tag 4

Nach dem Fruehstueck am Samstag geht es schliesslich los. Wir drehen noch eine Runde durchs Feld der Ankerlieger und winken alten und neuen Freunden ?Farewell? . Dann geht es in die Duese zwischen Sao Vicente und San Antao. Die Welle ist kurz und ungemuetlich, der Wind nimmt auf Bft 6 bis 7 zu und wir werden in den offenen Atlantik ausgespuckt. In der Abdeckung der Inseln haben wir zunaechst sehr wenig Wind, doch nach ein paar Stunden setzt der Nordostwind ein.
Die ersten beiden Tage schlagen wir uns so durch, kommen aber ueberraschend gut in unseren Rhythmus. Seit gestern macht die Segelei Spass. Die Tage vergehen schnell mit kochen, essen, duschen, funken, lesen und Wellen angucken. Am ersten Abend hatten wir lange Besuch von einer Delfinschule, die uns ueber zwei Stunden begleitet hat, auch am zweiten Abend wurden wir einige Zeit eskortiert. Gestern kam ein Reiher vorbei, der zu gerne auf der Windsteueranlage gelandet waere. Wir freuen uns wie gut unser Kurzwellenfunk funktioniert. Gestern haben wir mit einer Yacht gesprochen, die 400 Meilen noerdlich der Kap Verden stand und heute freuten wir uns die bekannte Stimme von Federico zu hoeren, der immerhin 1100 Meilen entfernt auf La Palma wohnt. Dank Kurzwelle koennen wir nicht nur grib files (Wetterinformation), sondern auch Wetterfax empfangen und eine Nachricht an unseren Blog schreiben.
Heute haben wir festgestellt, dass eine Kugelschreiberlaenge 300 Meilen auf unserer Atlantikkarte entsprechen. Nobbi macht sich Gedanken ueber die Aequatortaufe und ich sortiere das Obst nach Reifegrad.

Tschau Cabo Verde!

Vor genau fünf Wochen haben wir die Kap Verden erreicht. Mit Sal, Sao Nicolau und Sao Vicente haben wir drei ganz verschiedene Inseln kennengelernt. Für uns hat sich der Aufenthalt gelohnt, nicht nur weil ein Stopp hier eine willkommene Unterbrechung der Atlantiküberquerung darstellt. Das Leben hier ist bunt und fröhlich. Die farbigen Häuser, die schöne Musik und die freundlichen Menschen haben dafür gesorgt, dass wir uns hier sehr wohl gefühlt haben. Insbesondere in den touristisch wenig erschlossenen Orten hatten wir viele nette Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen und neugierigen Kindern. Das Motto „No Stress“ passt wunderbar zu unserem Reisetempo. Sicherlich gäbe es noch viel mehr zu sehen. Die Inseln im Süden sollen viel grüner sein. Der Abschied fällt uns nicht leicht, verlassen wir nun immer öfter Orte, zu denen wir vermutlich nicht zurückkehren werden. Doch uns zieht es weiter.
Gestern haben wir die letzten Einkäufe erledigt und unsere Gasflasche gegen eine volle getauscht. Nobbi ist ums Schiff geschwommen und hat den grünen Bart abgekratzt. Heute Vormittag waren wir bei der Polizei und der Immigration und wollten heute Nachmittag eigentlich lossegeln, doch irgendwie waren wir noch nicht ganz fertig. Also haben wir unsere Leinen in der Marina gelöst und uns ins Ankerfeld verholt. Hier haben wir in Ruhe gegessen und Kleinigkeiten erledigt, wie die Vorbereitung des Tagebuchs und Datensicherung, ein paar Nachrichten geschrieben, das Ruder unserer Windsteueranlage angebaut und genießen nun die Ruhe. Als wir geankert haben war es ziemlich windig und wir gar nicht so traurig, dass wir unsere Abreise verschoben haben. Morgen geht es nach einem gemütlichen Frühstück los!

Boa viagem

Diesen hübschen Reisegruß hat uns Mareike geschickt! Ob die Boa viagem eine enge Verwandte der Boa constrictor ist? Während ich darüber nachdenke lerne ich, dass zur Familie der Boas (Riesenschlangen) 13 Gattungen und knapp 60 Arten gehören. Ich habe vor allen Angst, doch die Boa viagem macht einen freundlichen Eindruck.

Was ist grün und tanzt Samba?

Klare Sache. Das Brasilikum. Das ist einer der Lieblingswitze meiner Schwester. Und auch an Bord von Marisol hört man ihn gelegentlich. Im Moment hat das Brasilikum Hochkonjunktur, schließlich wollen wir in seine Heimat. Brasilien ist unser nächstes Ziel.
Zu Brasilien fallen uns Regenwald, Samba, riesige Städte, tropische Früchte und Anakondas ein. Eine wilde Mischung aus Vorfreude, Vorurteilen und Erwartungen. Obwohl wir natürlich einiges gelesen haben, wissen wir immer noch wenig über das riesige Land und freuen uns auf einen ausgiebigen Besuch. Bis vor einigen Tagen lag an unserem Steg eine Yacht mit brasilianischer Flagge. Da habe ich den Skipper natürlich sofort abgefangen und befragt. Er hat uns ein paar Tipps gegeben und uns so begeistert erzählt, dass unsere Vorfreude damit noch einmal sehr gesteigert wurde. Auf unsere Frage wo es am schönsten ist lacht er und empfiehlt uns Bahia als Segelrevier. Das bestärkt uns, genau dort wollen wir hin.
Die Tage hier in Mindelo vergehen schnell. Wir verbringen die Zeit mit kleinen Reisevorbereitungen. Das Schiff wurde innen und außen mit reichlich Süßwasser geputzt, die Wäsche liegt nach ihrem Ausflug in die Wäscherei wieder duftend in den Schränken und die Kontrollen von Motor, Stopfbuchse und Rigg sind zum Glück unspektakulär. Die Nahrungsmittel wurden reisefertig gestaut. Unkomplizierte Lebensmittel sind nun leicht zu erreichen, damit wir bei viel Seegang keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen müssen um an Essbares zu kommen. Viele Leckereien sind aus den unterschiedlichen Schapps aufgetaucht, es sieht aus als könnte es eine Schlemmerüberfahrt werden. Heute habe ich Müsliriegel gebacken, Nobbis Lieblingssnack während der Nachtwachen.
Nördlich vom Hafen gibt es einen schönen Strand, den wir gerne als Ziel für kleine Spaziergänge nutzen. Der Markt lockt mit buntem Obst und Gemüse, da macht das Einkaufen Spaß. Und irgendwas gibt es immer zusehen. Eine Gruppe Soldaten joggt singend am Hafen entlang und am Fischmarkt gibt es jeden Morgen einen Menschenauflauf. Es gibt einen Laden, der Kunst von den Kap Verden verkauft, dort gibt es lauter schöne Dinge zu entdecken. In der Galerie wollten wir uns eigentlich nur die Fotographien ansehen und kommen mit einem großen Paket unter dem Arm wieder raus. Die Bilder sind nun sorgfältig verpackt und sollen später unsere Wohnung verschönern. Sonntagmorgen hörten wir Musik und sahen lauter fröhliche Menschen in pinken T-Shirts. Wir folgten dem Zug, lernten neue Teile der Stadt kennen, wie zum Beispiel die Uni, und erfuhren, dass es sich um einem Lauf gegen Krebs handelt. Also eigentlich genau wie an einem Sonntag in Frankfurt.
Anders als auf den anderen Kap-Verden-Inseln treffen wir hier wieder viele deutschsprechende Segler. Gelegentlich trifft man sich in der Floating Bar. Viele der Segler, die wir hier treffen zieht es auch nach Brasilien. Einige, so wie wir, wollen schon bald starten, andere planen zuvor einen Abstecher zum afrikanischen Kontinent oder einen längeren Aufenthalt auf den Kap Verden.
Unsere ToDo-Liste ist so kurz, dass wir schon mit eineinhalb Augen auf den Wetterbericht schielen. Eigentlich kann es losgehen.

Ungeplante Ankunft in Mindelo

Dienstagmorgen wird es Zeit Tarrafal und Sao Nicolau zu verlassen. Nach dem Frühstück gehen wir Anker auf. Im Windschatten der Insel ist es heiß und flau. Als wir den Windschatten der Insel verlassen nimmt der Wind innerhalb weniger Meter von 3 auf 30 Knoten zu. Wir kennen das von den Kanaren und haben unser Groß nur im zweiten Reff gesetzt. Immer wieder wirft uns der Wind Gischt an Deck. Ich steuere von Hand und werde immer wieder mit Salzwasser besprüht. Da es schön warm ist und ich zur Schwimmweste nur einen Bikini trage ist das nicht so schlimm, doch abends werde ich mich wie ein Salzstreuer fühlen. Nobbi reicht mir ab und zu das Handtuch, damit ich mir das Salzwasser aus den Augen wischen kann.
Wir segeln an den beiden unbewohnten Inseln Ilheu Razo und IlheU Branco (die „weisse“ wegen der Sanddünen) entlang und erreichen nach ungefähr 25 Meilen Santa Luzia. Auch Santa Luzia ist unbewohnt, hat einen gigantischen Sandstrand und ist bekannt für seinen Fischreichtum. Hier wollen wir Ankern und Schnorcheln. Es soll Schildkröten geben. Doch manchmal kommt es eben anders. Eine stattliche Welle bricht sich an dem langen weißen Strand, der Wind der inzwischen eigentlich etwas abgenommen hat, schickt immer wieder Böen Windstärke 7 über den anvisierten Ankerplatz. Es ist gelinge gesagt ungemütlich. Wir sind enttäuscht, aber entscheiden uns die Nacht hier nicht zu verbringen, sondern nach Sao Vicente weiter zu segeln. Die Bucht von Mindelo wollten wir eigentlich auf keinen Fall im Dunkeln anlaufen, steht in der Seekarte doch die Warnung vor „Various ships in different states of disrepair“, eine hübsche Umschreibung für unbeleuchtete Wracks. Wenn wir uns jetzt sofort entscheiden weiter zu segeln, könnten wir es vielleicht mit dem letzten Licht in die Bucht schaffen. Diese Hoffnung begraben wir wenig später im Kanal zwischen den Inseln Santa Luzia und Sao Vicente. Wir haben tüchtig Gegenstrom und machen weniger als 2,5 Knoten. Das ist frustrierend und langwierig, aber nicht zu ändern. Zeit für Käsebrote. Das macht nicht schneller, aber satt sind wir genügsamer. Die schroffe Küste Sao Vicentes bildet im Gegenlicht eine tolle Kulisse, kommt nur leider so langsam näher. Als wir die Nordküste erreicht haben, geht die Sonne unter und der Gegenstrom nimmt ab. Als wir Sao Vicente runden und in den Kanal zwischen Sao Vicente und Santo Antao einfahren, haben wir den Strom, der uns eben noch geärgert hat von achtern und werden nun mit bis zu 8 kn voran geschoben. Wir haben Glück, wenig später kentert der Strom, wären wir ein wenig langsamer gewesen hätten wir in beiden Kanälen Gegenstrom gehabt. Inzwischen ist es dunkel und wir tasten uns langsam in die Bucht von Mindelo. Hier ist allerhand Schiffsverkehr, einige große Schiffe liegen vor Anker, ein gänzlich unbeleuchteter Fischer quert unseren Weg. Letztlich ist die Einfahrt einfacher als befürchtet. Wir erreichen das Ankerfeld, das gar nicht so voll ist und tuckern ganz langsam mit eineinhalb Knoten Fahrt zwischen den anderen Yachten hindurch. Wir wollen nicht zu nah am Fähranleger liegen und auch nicht über eins der Wracks fahren. Natürlich sind nicht alle Yachten beleuchtet, aber als die Augen sich erst an das wenige Licht gewöhnt haben, finden wir uns gut zurecht. Wir finden einen schönen Platz mitten im Ankerfeld zwischen den anderen Yachten und ankern auf 5 m Wassertiefe. Unsere Ankunft und das gelungene Manöver feiern wir mit einem leckeren Gulasch mit Paprika.
Am nächsten Morgen schauen wir uns erst mal um. Wenn man im Dunkeln angekommen ist, ist es immer spannend wie es im hellen aussieht. Eines der in der Seekarte verzeichneten Wracks ist ein auf der Seite liegender Frachter, im hinteren Teil der Bucht finden sich noch weitere Exemplare deren gute Zeiten lange vorbei sind. Außerdem entdecken wir viele Yachten, die wir bereits in anderen Häfen getroffen haben.
Nach dem Frühstück verholen in die Marina. Wir bekommen einen schönen Liegeplatz. Die ganze Steganlage bewegt sich etwas. Man muss den richtigen Moment abpassen um aufs Schiff, oder noch schlimmer, vom Schiff zu springen. Eine große Schildkröte taucht hinter dem Boot auf und versöhnt uns mit dem verpassten Stopp Santa Luzia. Nachmittags melden wir uns bei der Policia Maritima an und machen einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Das Abendessen gibt es in der Floating Bar an der Marina. Wir haben eine Menge Schlechtes über Mindelo und die Marina gehört. Irgendwie ist es wie immer. Nichts davon stimmt. Uns gefällt es hier, die Marina genauso wie die Stadt.
Der Tag heute begann mit einem Highlight. Wir haben geduscht. Nach fünf Wochen gab es eine ausgiebige Süßwasserdusche. Ehemalige Kollegen wissen, dass ich ausgesprochen gerne Dusche. Sie kennen diese Sätze, die mit „heute Morgen unter der Dusche habe ich darüber nachgedacht, wir sollten…“ beginnen. An Bord ist Süßwasser ein kostbares Gut, natürlich duschen wir uns ab und zu mit Frischwasser ab, doch eine ausgiebige Dusche inklusive Haarspülung ist absoluter Luxus.
Den Rest des Tages haben wir kleinen Aufgaben wie Dieselkanister betanken, Handwäsche waschen und Bilgen putzen gewidmet. Im Café de Mar gab es ausgesprochenen leckeren Thunfisch zum Mittagessen. Als Sundowner gab es einen Caipi in der Floating Bar im Kreise der internationalen Seglerschar. Nicht schlecht dieses Leben.

Entschleunigung oder ein Polizeibesuch in Tarrafal

Wir wollen weitersegeln und müssen deshalb zur Polizei und unsere Schiffspapiere abholen, außerdem wollen wir einkaufen und irgendwo lecker Mittagsessen. Wir rudern mit Donkey an Land und sehen einen Fischadler, der erst über der Bucht kreist und dann einen Fisch fängt. Beeindruckend und unerwartet.
Zunächst gehen wir zur Polizei. Wir erklären was wir wollen und bekommen Stühle gebracht. Wir warten. Zwei Polizisten diskutieren, rufen ihren Chef an, „welches Schiff?“, nochmal telefonieren. Nach knapp zwanzig Minuten erfahren wir, dass wir in einer Stunde wiederkommen sollen, dann ist der Chef da. Eigentlich könnten wir die Zeit nutzen Essen zu gehen, doch wir sind noch gar nicht hungrig und beim letzten Mal brauchten wir deutlich länger als eine Stunde. Da hatten wir Pizza bestellt und eine halbe Stunde (!) nach unserer Bestellung läuft die Kellnerin zum Supermarkt um die Ecke und kauft Mehl. Kein Scherz. Die Pizza war dann sehr lecker. Also trinken wir eine Fanta auf einer schattigen Terrasse. Hier treffen wir auch den jungen Mann der uns versichert hatte wir bräuchten uns keine Sorgen um unser Beiboot machen, schließlich würde er persönlich darauf aufpassen. Das Einkaufen macht Spaß. Die Versorgungslage in Tarrafal ist ausgezeichnet, es gibt mehrere Supermärkte. Es gibt alles was wir brauchen und wir staunen was für Produkte es ins kapverdische Supermarktregal schaffen. Zum Beispiel gibt es dänisches Buttergebäck, diese in der runden Blechdose, wo die kleinen Keksstapel in diesem weißen Papier sind. Mit unseren Einkäufen geht es zurück zur Polizei. Wieder bekommen wir die Wartestühle. Nach einigem hin und her stellt sich raus, dass der Chef heute woanders zu tun hat. Nur er hat den Schlüssel zu dem Schrank in dem unsere Papiere eingeschlossen sind. Wir sollen in drei Stunden wiederkommen. Jetzt haben wir Zeit fürs Mittagessen. Wir gehen diesmal in das kleine Restaurant am Hafen und bestellen das Gericht des Tages, auch wenn wir nicht verstehen was das ist. Es gibt Fischfilet mit Reis, Pommes und Bohnen. Die Bohnen holt die Kellnerin noch schnell aus dem Supermarkt an der Hauptstraße… Das Essen kommt schnell und der Fisch ist sehr lecker. Jetzt haben wir noch über zwei Stunden Zeit. Nobbi bringt die Einkäufe zum Boot, ich spaziere am Strand entlang. Anschließend machen wir einen Spaziergang entlang der Bucht, wo Frauen und Kinder Steine sammeln und zu Haufen aufschütten. Beliebt ist die Größe zwei bis fünf Zentimeter Durchmesser. Anscheinend werden sie zum Bauen verwendet, vielleicht für Beton? Pünktlich nach drei Stunden sind wir wieder bei der Polizei. Der Chef ist eingetroffen, wir bekommen unsere Schiffspapiere und das Papier für die Weiterreise. Das Ganze dauert zwei Minuten und schon sind wir fertig.
Wir haben Donkey bereits wieder zusammengefaltet und an den Seezaun gebunden. Morgenfrüh kann es gleich nach dem Frühstück los gehen.

Ein harter Tag für Donkey

Gestern war nicht unser Tag. Eigentlich begann es schon Vorgestern Nachmittag. Da kam Wind auf als wir nachmittags von Land zurück zum Boot ruderten. Am frühen Abend hatten wir Böen zunächst Stärke 6 bis 7, schließlich 8. Immerhin kam der Wind mehr oder weniger aus einer Richtung, doch gemütlich ist was anderes. Der Wind um diese vulkanischen Inseln mit ihren Schluchten ist schwer vorhersagbar und mitunter sehr unangenehm. Das kennen wir schon von den Kanaren. Kurz vor Mitternacht ist der Spuk vorbei und wir haben eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen beschließen wir einen kleinen Ausflug zu einem nur wenige Meilen südlich gelegene Strand zu machen. Der Wassermacher läuft und wir tüddeln gemütlich die Küste entlang, als wir plötzlich sehr dicht von einer anderen Yacht überholt werden. Unser Nachbar hat anscheinend das gleiche Ziel wie wir. Er fährt ein Ankermanöver was man wertfrei als „freestyle“ bezeichnen könnte und schmeißt erst mal 60 m Kette weg. Wir ankern nun auch.
Kurz darauf nimmt der Wind zu und fegt durch die Bucht. Die Anker der anderen Yacht slippt und sie kommen uns gefährlich nahe. Uns reicht es, wir gehen Anker auf und verlegen uns dichter ans Ufer und deutlich außer Reichweite des slippenden Ankers. Donkey wird von einer Böe erfasst und auf dem Kopf gedreht. Als unser Anker sich gut eingegraben hat, drehen wir Donkey wieder um und schöpfen ihn leer. Inzwischen erreichen die Böen 7 Windstärken und kommen mal von der einen, mal von der anderen Seite, so dass die Boote um ihre Anker herumtanzen. Unser Anker hält, aber unseren Badeausflug hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Dabei ist der Strand toll. Heller Sand und türkisenes Wasser, Basaltsäulen und kleine Höhlen bilden eine tolle Kulisse. Wir Schnorcheln ein wenig und freuen uns über das klare Wasser.
Schließlich entscheiden wir, dass wir nicht über Nacht hier bleiben wollen, sondern lieber wieder zu unserem alten Platz wechseln. Als wir Ankerauf gehen, sehe ich wie Nobbi das Relais der Ankerwinsch mit der Schraubenzieher überreden muss. Kaum ist der Anker an Bord, dreht der Wind Donkey wieder um. Während ich noch überlege, ob ein Schlauchboot jetzt besser wäre, kentert das Schlauchboot unsers Nachbarn samt Außenborder. Uns gelingt es Donkey zurückzudrehen und leer zu machen, leider nur kurz. Dann laufen die Wellen von hinten in unser kleines Boot. Wir versuchen Donkeys Zustand durch Verlängern der Schleppleine zu verbessern, doch es bringt nichts, wir müssen ihn aus dem Wasser holen. Ich sehe, dass sich einer der Pins, die die Sitzbank halten gelöst hat und habe Angst, dass wir gerade dabei sind unser geliebtes Beiboot kaputt zu machen. Inzwischen haben wir 7 Windstärken. Wir drehen bei, Donkey ist mittlerweile komplett vollgelaufen, aber zum Glück unsinkbar. Zu zweit schaffen wir es ihn aufs Vorschiff zu ziehen und dort anzubinden.
Gegen Wind und Strom machen wir nur 2,5 Knoten Fahrt. Na Prima. Der Blick auf die Insel ist fantastisch, doch die Muße ihn zu genießen gering. Der große Vulkankegel wacht über die Sao Nicolau und im Süden sieht man einen großen Krater. Die östlicheren Berge der Insel sind deutlich grüner als die westlichen. In der Abendsonne sehen wir auch zwei hoch gelegene Dörfer, die wir von unseren Ankerplatz hier nicht sehen können. Als wir uns Tarrafal nähern nimmt der Wind ab, wir sind wieder schneller und erreichen unseren Ankerplatz, an dem es fast windstill ist. Wir ankern wieder am alten Platz. Donkey kommt wieder ins Wasser. Wir haben zwei der Pins verloren mit denen die Bänke gesichert werden. Wir sind froh, dass wir nicht die Sitzbänke eingebüßt haben und nichts kaputt gegangen ist. Für einen Tag haben wir genug gelernt, wir kommen sicher nicht sobald wieder auf die Idee das Boot „mal eben“ hinterherzuziehen.
Heute Nacht um drei wachen wir bei absoluter Windstille auf, das Boot rollt leicht im Schwell hin und her, der Sternenhimmel ist grandios. Die einzig andere (bewohnte) Yacht die hier ankerte läuft aus (nachts um drei!). Jetzt liegt hier nur noch ein Dauerlieger (mutiger Platz, quasi mitten im Atlantik) und wir. Ich sehe eine ungewöhnlich helle Sternschnuppe und beschließe wieder in die Koje zu kriechen.
Heute lassen wir es gemütlich angehen. Wir können ohnehin nicht auschecken, es ist Sonntag. Da würde der Polizeichef nur ins Büro kommen, wenn es nicht anders geht. Es geht anders, wir haben ja Zeit. Der Aprikosenstreuselkuchen ist gerade fertig und ich habe heute bisher auch erst einmal gebadet.